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Human History in the Light
of Spiritual Investigation
GA 61

23 November 1911, Berlin

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Human History in the Light of Spiritual Investigation, tr. SOL
  1. Menschengeschichte im Lichte der Geistesforschung

5. Die verborgenen Tiefen des Seelenlebens

5. The Hidden Depths of the Soul's Life

[ 1 ] Wenn sich in irgendeiner Gegend ein Erdbeben bemerkbar macht, wenn die Erde selber also unter der Menschen Füße in Aufruhr kommt, dann macht sich wohl bei den meisten Menschen, die so etwas erleben, eine gewisse Furcht und Angst, ein Schauergefühl geltend. Geht man den Ursachen eines solchen Schauergefühles nach, so sind sie wohl hauptsächlich dort zu suchen, wo wir sagen können, daß der Mensch nicht nur vor dem Unbekannten steht, vor demjenigen, was irgend woher kommt, ohne daß er sich die Sache so recht erklären kann, ohne daß er die Sache erwartet hat, sondern dieses Schauergefühl rührt aus etwas anderem her, aus der Empfindung, die dann die Menschen in jenem Augenblicke, wenn das Ereignis noch andauert, haben, wie weit das noch gehen und was da noch alles aus den unbekannten Tiefen herauf geschehen könnte.

[ 1 ] When an earthquake is felt in any region—that is, when the earth itself begins to shake beneath people’s feet—most people who experience such an event are likely to feel a certain fear and anxiety, a sense of dread. If one investigates the causes of such a shudder, they are likely to be found primarily in the fact that we can say that a person is not merely confronted with the unknown—with something that comes from somewhere without being able to fully explain it, or without having expected it—but this sense of dread stems from something else: from the feeling people have at that very moment, while the event is still unfolding, about how far it might go and what else might rise up from the unknown depths.

[ 2 ] Ein solches Gefühl, wenn der Mensch es vielleicht auch im gewöhnlichen Leben nicht immer so ansieht, kann er oftmals selbst dem gegenüber haben, was allem bewußten Dasein, allem bewußten Vorstellen und Empfinden gegenüber in den Tiefen des Seelenlebens ruht, und was zuweilen recht erdbebenartig aus unseren verborgenen Seelentiefen heraufspielt. Was da an Trieben, Begierden, aber auch an unerklärlichen Stimmungen und Hemmungen des Seins heraufspielt, was in unser bewußtes Leben oftmals ebenso zerstörend wie ein Erdbeben eingreift, dem gegenüber wird der Mensch fast immer, wenn er noch so sehr glaubt sich selbst zu erkennen, vor der unbestimmten Erwartung stehen: Was wird wohl noch alles aus dem Unterirdischen meiner Seele heraufspielen können? — Denn der Mensch, der ein wenig tiefer in sein Wesen eindringt, bemerkt bald, daß eigentlich alles Vorstellungsleben, das sich im Bewußtsein abspielt, namentlich das, was er vom Momente des Aufwachens bis zum Momente des Einschlafens beherrscht, — etwas wie die auf der Oberfläche des Meeres sich kräuselnden Wellen ist, die aber die Kraft ihres Emporstrebens, selbst die Art und Weise, wie sie ihr Spiel treiben, auf für das gewöhnliche Wahrnehmen unbekannte Tiefen zunächst zurückführen müssen. So ist es mit dem menschlichen Vorstellungsleben. Das allein müßte schon diejenigen bedenklich machen, welche immer wieder und wieder aus dem, was sie äußere Erfahrungswissenschaft nennen, Einwände gegen die Darstellungen erheben, die hier in diesen Vorträgen aus der Geisteswissenschaft heraus gegeben werden. Wenn die Geisteswissenschaft gezwungen ist, in dem Menschen kein so einfaches Wesen zu sehen, wie man es so oft sehen will, so könnte dafür wie ein äußerer Beleg durch das Leben selbst diese Kompliziertheit der Menschennatur dienen, welche der Mensch alltäglich gewahr werden kann.

[ 2 ] Such a feeling—even if people may not always perceive it this way in everyday life—can often arise within them in response to what lies in the depths of the soul, beyond all conscious existence, all conscious imagination and sensation, and which at times surges up from the hidden depths of our souls with the force of an earthquake. Faced with what surges up there—instincts, desires, but also inexplicable moods and inhibitions of being—and with what often intrudes into our conscious life as destructively as an earthquake, a person will almost always, no matter how much they believe they know themselves, be confronted with the vague expectation: What else might yet surge up from the depths of my soul? — For the person who delves a little deeper into his nature soon realizes that, in fact, the entire life of the imagination that unfolds in consciousness—namely, that which dominates him from the moment of waking until the moment of falling asleep— — is something like the waves rippling on the surface of the sea, which, however, must ultimately trace the power of their upward surge—even the very manner in which they play out their dance—back to depths unknown to ordinary perception. So it is with the human life of the imagination. That alone should give pause to those who, time and again, raise objections—based on what they call “empirical science”—against the descriptions presented here in these lectures from the perspective of spiritual science. If spiritual science is compelled to view human beings as beings that are not as simple as people so often wish to see them, then life itself could serve as external evidence of this complexity of human nature, which people can perceive in their everyday lives.

[ 3 ] Die Geisteswissenschaft muß sich den Menschen nicht nur aus demjenigen zusammengesetzt denken, was zunächst das äußere Auge sieht, oder was die äußere anatomische und physiologische Wissenschaft am Menschen wahrnehmen und zergliedern kann, und was man mit wissenschaftlichen Methoden beherrschen kann, sondern die Geisteswissenschaft muß alles, was so durch ein äußeres Wahrnehmen und äußere Wissenschaft festgestellt und beherrscht werden kann, also den physischen Leib des Menschen, seinen höheren, übersinnlichen Gliedern gegenüberstellen. Von diesen muß gesagt werden, daß sie nur durch jene Erkenntnis wahrzunehmen sind, von der auch hier schon in dem Vortrage über «Tod und Unsterblichkeit» und anderen skizzenhaft gesprochen worden ist, und von der in den noch folgenden Vorträgen weiter gesprochen werden wird. Da muß die Geisteswissenschaft aus ihren unmittelbaren Beobachtungen heraus über jene Forschungsergebnisse, die nicht in der Sinneswelt gewonnen werden können, sondern die nur dem mit Recht so zu nennenden hellseherischen Bewußtsein zugänglich sind, dem äußeren sichtbaren physischen Leib — man möge sich dabei nicht an einem Worte stoßen, das nur wie die anderen zum Bezeichnen dienen soll — dasjenige entgegenstellen, was man den Ätherleib oder Lebensleib als das nächste übersinnliche Glied des Menschen nennen kann.

[ 3 ] Spiritual science must not conceive of the human being solely in terms of what the external eye initially sees, or what external anatomical and physiological science can perceive and dissect in the human being, and what can be mastered through scientific methods; rather, spiritual science must contrast everything that can be established and mastered in this way through external perception and external science that is, the physical body of the human being, with its higher, supersensible aspects. It must be said of these that they can only be perceived through that knowledge which has already been touched upon here in the lecture on “Death and Immortality” and in other sketches, and which will be discussed further in the lectures to follow. Here, spiritual science must, on the basis of its direct observations and drawing upon those research findings that cannot be obtained in the sensory world but are accessible only to what may rightly be called clairvoyant consciousness, set against the outer, visible physical body — let us not take offense at a word that is intended merely to serve as a designation, just like the others — with what may be called the etheric body or life body, as the next supersensible member of the human being.

[ 4 ] Und wenn die Geisteswissenschaft streng auf dem Boden der äußeren Wissenschaft steht, daß sich in dem physischen Leibe des Menschen solche Kräfte und Substanzen finden, die auch in seiner physischen Umgebung vorhanden sind und in diesem physischen Leibe ebenso wirksam sind wie in der physischen Umgebung, so muß die Geisteswissenschaft ebenso betonen, daß die ureigene Wirksamkeit dieser physischen Kräfte und Substanzen eigentlich erst dann bei diesem physischen Menschenleib auftritt, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist, während diese Kräfte und Substanzen die ganze Lebenszeit hindurch, die der Mensch in der physischen Welt zubringt, eingefaßt sind in die höheren Kräfte des Äther- oder Lebensleibes, der gleichsam der Kämpfer gegen den Zerfall der physischenKräfteund Substanzen ist, welcher sofort eintritt, wenn mit dem Momente des Todes der Ätherleib sich von dem physischen Leibe des Menschen löst. Es ist, wie wir uns gleich in der heutigen Betrachtung werden überzeugen können, gegenüber der allseitigen wahren Erfahrung des Lebens durchaus kein Paradoxon, wenn von einem solchen höheren Leibe des Menschen gegenüber dem physischen Leibe gesprochen wird, denn im Leben zeigen sich überall die Trennungen, zeigt sich überall die Zweigliedrigkeit des Menschen, insofern er diesen physischen Leib hat, der alles enthält, was die sonstige physische Umgebung hat, und insofern dieser physische Leib durchgliedert ist von dem Ätherleib oder Lebensleib.

[ 4 ] And if spiritual science stands firmly on the ground of external science—that is, that within the human physical body there are forces and substances that are also present in the physical environment and are just as active within the physical body as they are in the physical environment— then spiritual science must also emphasize that the intrinsic activity of these physical forces and substances actually only manifests in this physical human body once the human being has passed through the gate of death, whereas throughout the entire lifetime that a human being spends in the physical world, these forces and substances are enveloped within the higher forces of the etheric or life body, which acts, as it were, as a bulwark against the decay of the physical forces and substances—a decay that sets in immediately when, at the moment of death, the etheric body detaches itself from the human physical body. As we shall soon see in today’s reflection, it is by no means a paradox in light of the universal, true experience of life to speak of such a higher body of the human being in contrast to the physical body, for in life, separations are evident everywhere, and the twofold nature of the human being is evident everywhere, insofar as the human being has this physical body, which contains everything that the rest of the physical environment contains, and insofar as this physical body is separated from the etheric body or life body.

[ 5 ] Dann aber muß diese Geisteswissenschaft sich darüber klar sein, daß alles, was sich innerhalb unseres Bewußtseinslebens abspielt, scharf entgegenzustellen ist alledem, was im Menschen an Wirksamkeiten und Kräften auch dann vorhanden bleibt, wenn das Bewußtsein wie beim schlafenden Menschen im normalen Leben erloschen ist. Denn es wäre schon logisch absurd, wenn man behaupten wollte, daß alles was sich vom Morgen an, wenn der Mensch aufwacht, an Trieben, Begierden, Vorstellungen und Ideen im auf- und abwogenden Seelenleben den Tag über abspielt, früh mit dem Aufwachen entstehen und jeden Tag abends mit dem Einschlafen wieder spurlos erlöschen würde. In dem, was wir am Menschen vor uns haben, wenn der Schlaf eingetreten ist, haben wir wohl den physischen Leib und alles, was denselben in der Wirksamkeit der physischen Welt erhält, vor uns, das heißt den physischen Leib und den Äther- oder Lebensleib, aber wir haben von diesem streng geschieden, was wir nun den astralischen Leib nennen, den eigentlichen Träger der Bewußtseinserscheinungen. Innerhalb dieses aber wiederum, was da Träger der Bewußtseinserscheinungen ist, müssen wir, wenn wir das Seelenleben richtig verstehen wollen, wieder dasjenige unterscheiden, was sozusagen fortwährend in unserer Gewalt ist, was fortwährend beherrscht werden kann durch die Kraft unseres inneren Gedankenlebens und unserer Willensentschlüsse. Wir müssen es scharf unterscheiden von dem, wovon gesagt werden konnte, daß es aus den untergründigen Tiefen des Seelenlebens heraufwogt und Temperament, Färbung und Charakter unserem Seelenleben gibt, worüber wir aber nichts vermögen, was aber dennoch nicht von uns beherrscht wird. So müssen wir unterscheiden zwischen alledem, was unser Seelenleben im weiteren Sinne ausfüllt, was tatsächlich von unseren ersten Kindheitstagen an bis in unsere ältesten Tage herein fortwährend in uns lebt, was uns zu begabten und unbegabten, guten und bösen, was uns zu Menschen macht, die ästhetischen Sinn und Schönheitsgefühl haben oder die keinen Sinn für Schönheit haben, was aber nicht mit dem zusammenhängt, das wir durch unser Verstandesbewußtsein, durch unsere Empfindungswelt und unsere Willenswelt umschlossen denken können: wir müssen es unterscheiden von unserem sonstigen bewußten Seelenleben. Daher unterscheiden wir in bezug auf unser Seelenleben, wenn wir geisteswissenschaftlich sprechen, zunächst zwei Glieder: ein erweitertes oder, wie man in der neuesten Zeit gewohnt worden ist, weil man es schon nicht mehr leugnen kann, ein unterbewußtes Seelenleben und dasjenige, was unser bewußtes Seelenleben ist, was schon in das hereinspielt, was wir beherrschen mit Gedanken, Willensimpulsen, mit Geschmacks- und sonstigen Urteilen.

[ 5 ] But then this spiritual science must be clear that everything that takes place within our conscious life must be sharply distinguished from all those forces and activities that remain present in the human being even when consciousness has ceased, as in the case of a sleeping person in normal life. For it would be logically absurd to claim that everything—in the way of drives, desires, perceptions, and ideas—that unfolds in the ebb and flow of the soul’s life from the morning onward, when a person wakes up, and continues throughout the day, arises only upon waking and vanishes without a trace every evening upon falling asleep. In what we see before us in a person once sleep has set in, we certainly have the physical body and everything that sustains it in the physical world—that is, the physical body and the etheric or life body—but we have strictly separated from this what we now call the astral body, the actual bearer of the phenomena of consciousness. Within this, however—that which is the bearer of the manifestations of consciousness—we must, if we wish to understand the life of the soul correctly, again distinguish that which is, so to speak, continually within our control, that which can continually be governed by the power of our inner life of thought and our acts of will. We must sharply distinguish this from that which could be said to well up from the underlying depths of our soul life, imparting temperament, coloration, and character to our soul life—over which we have no control, yet which is not dominated by us. Thus, we must distinguish between all that fills our soul life in the broader sense—that which indeed lives within us continuously from our earliest childhood days right through to our oldest days; that which makes us gifted or ungifted, good or evil; that which makes us people who possess an aesthetic sense and a sense of beauty, or who have no sense of beauty—but which is not connected to we can conceive of as being encompassed by our intellectual consciousness, our world of sensation, and our world of will: we must distinguish it from the rest of our conscious inner life. Therefore, when speaking in terms of spiritual science, we first distinguish two aspects of our soul life: an expanded—or, as has become customary in recent times, since it can no longer be denied—subconscious soul life, and that which constitutes our conscious soul life, which already plays a role in what we control through thoughts, impulses of the will, and judgments of taste and other kinds.

[ 6 ] Wie man nun auch denken mag über sonstige Notwendigkeiten, den Menschen in diese vier Glieder seiner Wesenheit zu teilen, so wird man wenigstens schon zugeben müssen, daß es für die Betrachtung des Lebens notwendig ist, weil die Erfahrung dafür spricht, zunächst diese vier Glieder des Menschen zu unterscheiden. Wenn man allseitig und unbefangen auf das eingeht, was das Leben darbietet, so findet man überall die Belege für das, was eben von seiten der Geisteswissenschaft ausgesprochen worden ist, und was zunächst wie eine Behauptung klingen mag. Das stellt sich insbesondere dann heraus, wenn man auf die genaueren Belege der Geisteswissenschaft eingeht. Da findet man vor allen Dingen, daß die Geisteswissenschaft aus ihren Erkenntnissen heraus dem Äther- oder Lebensleib nicht nur diejenigen Kräfte zusprechen muß, die den Organismus innerlich so durchkraften, daß er aus einem bloßen physischen Gefüge dieser Leib wird, welcher Träger unseres Seelenlebens ist. Wir finden in diesem Ätherleib nicht nur diese organisierenden Kräfte, sondern wir finden, das zeigen die Ergebnisse der Geisteswissenschaft, in ihm alles verankert, was wir zu unserem Gedächtnis rechnen müssen, was unsere Erinnerungen darstellt. Denn nicht innerhalb dessen, was vorhin der astralische Leib genannt worden ist, sollen wir den Träger des Gedächtnisses suchen, sondern im Ätherleibe, der unserem Seelenleben weniger naheliegt, der mehr mit dem physischen Leibe zusammengefügt ist, an den er im gewöhnlichen Leben so stark gebunden ist, daß er auch dann bei ihm verbleibt, wenn der Mensch im gewöhnlichen Leben mit dem Ich und dem astralischen Leib aus dem physischen Leib hinausgeht und in die Unterbewußtheit wie im Schlafe versinkt. So müssen wir das Gedächtnis und alles, was wir in uns tragen, was wir aber nicht immer in unserem Bewußtsein wirklich gegenwärtig haben, sondern aus den verborgenen Tiefen des Seelenlebens heraufholen müssen, im Sinne der Geisteswissenschaft in einem unserem physischen Leibe zugrunde liegenden Ätherleibe suchen. Wenn das so ist, so müßte man annehmen, wenn eine Berechtigung dafür bestehen sollte, den Ätherleib als den Träger des Gedächtnisses in einer gewissen Beziehung selbständig gegenüber dem physischen Leibe zu denken, daß er im gewöhnlichen Leben seine Selbständigkeit beweisen müßte, zum Beispiel die Selbständigkeit des Gedächtnisses gegenüber dem physischen Leibe.

[ 6 ] Whatever one may think about other reasons for dividing human beings into these four aspects of their being, one must at least admit that it is necessary for the study of life—because experience supports this—to first distinguish these four aspects of the human being. If one approaches what life presents in a comprehensive and unbiased manner, one finds evidence everywhere for what has just been stated by spiritual science—and which may at first sound like a mere assertion. This becomes particularly evident when one examines the more detailed evidence provided by spiritual science. Above all, one finds that, based on its findings, spiritual science must attribute to the etheric or life body not only those forces that permeate the organism from within in such a way that it transforms from a mere physical structure into the body that is the bearer of our soul life. In this etheric body, we find not only these organizing forces, but—as the findings of spiritual science show—we also find anchored within it everything that we must count as part of our memory, everything that constitutes our recollections. For we are not to seek the bearer of memory within what was previously called the astral body, but rather in the etheric body, which is less closely connected to our soul life, which is more closely fused with the physical body, and to which it is so strongly bound in ordinary life that it remains with the physical body even when, in ordinary life, the human being, together with the “I” and the astral body, steps out of the physical body and sinks into the subconscious as if in sleep. Thus, in the sense of spiritual science, we must seek memory and everything we carry within us—things that are not always truly present in our consciousness but must be drawn up from the hidden depths of our soul life—in an etheric body underlying our physical body. If this is the case, then one would have to assume—if there were any justification for conceiving of the etheric body as the bearer of memory, in a certain sense independent of the physical body—that it would have to demonstrate its independence in ordinary life, for example, the independence of memory from the physical body.

[ 7 ] Wenn die eben charakterisierten Annahmen der Geisteswissenschaft richtig sein sollen, was müßte sich dann in bezug darauf herausstellen, wie wir mit der äußeren Welt in Verbindung stehen, wie unser Ich die bewußten Eindrücke des Seelenlebens, der äußeren Welt aufnimmt? In bezug auf alles das müssen wir uns, wie wir Menschen in der physischen Welt sind, zunächst an unsereSinnesorgane, die äußere physische Organe sind, und an unseren Verstand halten, der an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Daher können wir sagen: Alles, was der Mensch als sein Weltbild, als die Summe dessen hat, worinnen er im alltäglichen Bewußtsein lebt, das ist an den äußeren Leib gebunden, an Gesundheit und Krankheit dieses äußeren Leibes, vor allem aber an gesunde, wohlausgebildete Sinnesorgane und an ein wohlausgebildetes Gehirn. — Gibt es ein Recht davon zu sprechen, daß dasjenige, was in unserem Inneren ruht wie in verborgenen Tiefen des Seelenlebens, und was nur durch die Erinnerung heraufgeholt werden kann, also zum Gedächtnis gehört, nicht in demselben Maße wie das bewußte Leben des Alltags an die äußere Organisation gebunden ist, sondern mehr im Innern ruht, unter der Schwelle dessen, was an die Sinne und an das Instrument des Gehirns gebunden ist? Gibt es etwas, das berechtigt, von einer Selbständigkeit des Gedächtnisses zu sprechen? Wenn es das gibt, so könnte man mit einem gewissen Recht auch davon sprechen, daß innerhalb dessen, was physische Leibesorganisation ist, der Ätherleib des Menschen ein selbständiges Dasein hat, ein Dasein, das innerlich unbeschädigt sein kann, weil es selbständig ist gegenüber äußeren Schädigungen der Leibesorganisation. Interessant ist die Frage, die wir an das Leben stellen können: Gehen die gewöhnlichen Vorgänge des Bewußtseins, bei welchen wir an die Gesundheit des Gehirns gebunden sind, völlig parallel den Vorgängen des Gedächtnisses, oder nimmt sich das Gedächtnis in gewissem Sinne als selbständig aus, so daß es, wenn der physische Leib nicht mehr Träger der Wahrnehmungen sein kann, sich als Gedächtnis selbständig erweist? Fragen wir das Leben, was es für eine Antwort gibt. Da kommen wir auf eine merk würdige Tatsache, die jeder nachprüfen kann, weil sie in der Literatur zu treffen ist. Alle Dinge der Geisteswissenschaft werden zuerst aus dem hellseherischen Bewußtsein hervorgeholt. Dann aber sind sie für andere Menschen zunächst Hypothesen. Doch kann über das, was als Ergebnis hingestellt wird, das Leben befragt werden, ob es durch das Leben selbst belegt werden kann.

[ 7 ] If the assumptions of spiritual science just described are to be correct, what would this imply regarding how we relate to the external world, and how our “I” perceives the conscious impressions of soul life and the external world? With regard to all of this, as human beings in the physical world, we must first rely on our sense organs—which are external physical organs—and on our intellect, which is bound to the instrument of the brain. Therefore, we can say: Everything that a person has as their worldview—as the sum of what they experience in their everyday consciousness—is bound to the physical body, to the health and illness of this physical body, but above all to healthy, well-developed sense organs and a well-developed brain. — Is it correct to say that what lies within us, as in the hidden depths of the life of the soul, and which can only be brought to the surface through memory, that is, belongs to memory, is not bound to the external organism to the same extent as everyday conscious life, but rather rests more within, beneath the threshold of what is bound to the senses and to the instrument of the brain? Is there anything that justifies speaking of an independence of memory? If so, one could with some justification also say that within the physical body, the human etheric body has an independent existence—an existence that can remain internally undamaged because it is independent of external damage to the physical body. An interesting question we can pose regarding life is: Do the ordinary processes of consciousness—in which we are bound to the health of the brain—run entirely parallel to the processes of memory, or does memory, in a certain sense, stand apart as independent, so that when the physical body can no longer serve as the vehicle for perceptions, memory proves to be independent in and of itself? Let us ask life what answer it offers. This brings us to a remarkable fact that anyone can verify, since it can be found in the literature. All insights of spiritual science are first drawn from clairvoyant consciousness. At first, however, they are merely hypotheses for other people. Yet life itself can be asked whether the findings presented can be substantiated by life itself.

[ 8 ] EinePersönlichkeit, die allen durch ihr tragisches Geschick bekannt ist, soll als Beispiel angeführt werden: Friedrich Nietzsche. Nachdem sich bei seiner Krankheit die letzte Katastrophe lange vorbereitet hatte, erlebte er das rasche Hereinbrechen des Irrsinns, wurde von seinem Freunde Overbeck, der damals Professor in Basel war und vor einigen Jahren gestorben ist, aus Turin abgeholt und zunächst unter schwierigen Umständen nach Basel gebracht. Nun erzählt uns das interessante Buch von Bernoulli das Folgende. Ich will dabei die einzelnen Episoden der Überführung von Turin nach Basel übergehen und nur auf diejenige Tatsache hinblicken, welche Overbeck besonders aufgefallen ist. Nietzsche hatte kein besonderes Interesse an dem, was sich um ihn herum abspielte, und was als solches in die Sphäre seines gewöhnlichen Bewußtseins fiel, kaum daß er irgendwelche Aufmerksamkeit oder Willensimpulse auf das verwendete, was vorging. Er ließ sich auch leicht in das Krankenhaus bringen und traf dort einen alten Bekannten, der zu gleicher Zeit der Leiter dieses Krankenhauses war. Als Nietzsche, der gar kein Interesse mehr für die äußere Welt hatte, dessen Namen hörte, tauchte etwas bei ihm auf, und er fing — zum größten Erstaunen seines Freundes Overbeck — sogleich ein Gespräch an fortzusetzen, das er vor vielen Jahren mit diesem betreffenden Arzte geführt hatte. Genau an dem Punkt setzte er es fort, wo er vor sieben Jahren aufgehört hatte! So treu wirkte das Gedächtnis, während das Instrument des äußeren Wahrnehmens, das Gehirn, der Verstand, das gewöhnliche Bewußtsein zerstört waren, so daß er gleichgültig und unaufmerksam an dem vorbeiging, was er hätte wahrnehmen können und beobachten sollen, wenn alles, was zum alltäglichen Bewußtsein gehört, ihm treu erhalten geblieben wäre. Da sehen wir handgreiflich, wie dem zerstörten Organismus gegenüber dasjenige fortwirkt, dem wir mit Recht nun eine gewisse Selbständigkeit zuschreiben müssen. Aber gehen wir weiter. Wir können hier an einem Experiment, das uns in so treuer Weise die Natur selbst vorgestellt hat, erkennen, wie die Verhältnisse liegen, wenn wir nur allseitige Beobachtungsgabe dafür haben. Als Nietzsche dann nach Jena überführt war, und ihn Overbeck und andere besuchten, da stellte sich ebenfalls heraus, daß man mit ihm über alles dasjenige sprechen konnte, was er in früheren Jahren durchforscht und erlebt hatte, niemals aber über das, was sich in der unmittelbaren Gegenwart um ihn herum abspielte, und dessen Beobachtung und Wahrnehmung an dasjenige gebunden ist, wofür der physische Leib das Instrument ist. Dagegen war in selbständiger Weise und bis zu einem hohen Grade dasjenige vorhanden geblieben, was in der Geisteswissenschaft genannt werden muß der selbständig wirkende Ätherleib, welcher der Träger des Gedächtnisses ist. Und man könnte nun zu diesem einen Beispiele unzählige hinzufügen. Gewiß, es ist richtig: wer durchaus materialistisch denken will, der kann sagen, daß da eben gewisse Teile des Gehirns intakt blieben, welche gerade Träger des Gedächtnisses sind. Allein wer solchen Einwand macht, der wird schon sehen, daß er gegenüber dem wirklichen Erlebnis, der unbefangenen Betrachtung des Alltages, damit nicht auskommen kann. So sehen wir gleichsam hinter dem physischen Leibe den Ätherleib oder Lebensleib stehen, den wir durch die Geisteswissenschaft zugleich als den Träger des Gedächtnisses erkennen.

[ 8 ] Let us cite as an example a figure known to all for his tragic fate: Friedrich Nietzsche. After the final catastrophe of his illness had been long in the making, he experienced the rapid onset of madness; he was picked up from Turin by his friend Overbeck—who was a professor in Basel at the time and died a few years ago—and initially brought to Basel under difficult circumstances. Now, Bernoulli’s interesting book tells us the following. I will skip over the individual episodes of the transfer from Turin to Basel and focus only on the fact that particularly struck Overbeck. Nietzsche had no particular interest in what was happening around him, and what, as such, fell within the sphere of his ordinary consciousness, he scarcely directed any attention or volitional impulses toward what was taking place. He also allowed himself to be taken to the hospital without resistance and met an old acquaintance there who was, at the same time, the director of that hospital. When Nietzsche—who no longer had any interest in the external world—heard that name, something stirred within him, and he began—to the great astonishment of his friend Overbeck—to immediately resume a conversation he had had with that very doctor many years earlier. He picked up the conversation exactly where he had left off seven years earlier! So faithful was his memory, even though the instrument of external perception—the brain, the intellect, ordinary consciousness—had been destroyed, so that he passed by indifferently and inattentively what he could have perceived and observed had everything pertaining to everyday consciousness remained faithfully intact. Here we see tangibly how, in contrast to the destroyed organism, that which we must now rightly attribute a certain independence to continues to function. But let us go further. Here, through an experiment that nature itself has so faithfully presented to us, we can recognize how things stand, provided we possess the ability to observe from all angles. When Nietzsche was then transferred to Jena, and Overbeck and others visited him, it also became apparent that one could speak with him about everything he had researched and experienced in earlier years, but never about what was taking place around him in the immediate present—the observation and perception of which is bound to that for which the physical body serves as the instrument. In contrast, what must be called—in spiritual science—the independently functioning etheric body, which is the bearer of memory, had remained intact to a high degree and in an autonomous manner. And one could now add countless examples to this one. Certainly, it is true: anyone who insists on thinking in strictly materialistic terms can say that certain parts of the brain—which are precisely the bearers of memory—simply remained intact. However, anyone who raises such an objection will see that it does not hold up in the face of real experience or an unbiased observation of everyday life. Thus, we see, as it were, the etheric body—or life body—standing behind the physical body, which we recognize through spiritual science as the bearer of memory.

[ 9 ] Wenn wir von anderer Seite den Menschen betrachten, von der Seite seines Innenlebens, dann sehen wir, daß der Mensch wirklich im Alltage gewahr wird, wie aus unbekannten Tiefen die Wellen heraufschlagen, deren er sich sonst, wenn er sein Seelenleben überblickt, nicht so bewußt ist wie desjenigen, was er mit dem Verstande, mit Empfindungen und Willensimpulsen beherrscht. Unter den Dingen, welche uns zeigen, wie unbekannte Tiefen aus unserer Seele, insofern diese Seele weiter ist als unser Bewußtsein, heraufarbeiten bis ins Bewußtsein herein, steht das auch hier schon angedeutete, für die gesamte Erfassung des Menschen so wichtige Traumleben. Die Träume haben in ihrer chaotischen Art und Weise, in ihrem Auf- und Abwogen, das scheinbar ganz gesetzlos ist, doch eine feine innere, intime Gesetzmäßigkeit, und sie sind, wie wir gleich sehen werden, etwas von dem, was in den unterbewußten Regionen des Seelenlebens spielt und gleichsam nur heraufschlägt, die oberen Regionen berührt, aber sich nicht unter die Herrschaft des Menschen zwingen läßt. Es soll niemals meine Art sein, in diesen Vorträgen irgend etwas bloß Ausgedachtes zu geben, sondern nur, wie man es auch in der Naturwissenschaft macht, was dem Leben, der Erfahrung oder dem geisteswissenschaftlichen Experiment entlehnt ist. Daß es eine Traumwissenschaft gibt, wie es eine Physik und Chemie gibt, das wissen die Menschen in weiteren Kreisen kaum, aber Unzähliges hat diese Traumwissenschaft über die Dinge heraufbefördert, die in den verborgenen Tiefen unseres Seelenlebens vorhanden sind. Es sei zunächst ein ganz einfacher Traum erzählt, der uns vielleicht komisch anmuten muß, der aber charakteristisch ist für den, welcher tiefer in die verborgenen Tiefen der Seele eindringen will.

[ 9 ] If we look at human beings from another perspective—that of their inner life—we see that in everyday life people are truly aware of how waves surge up from unknown depths; waves of which they are otherwise not as conscious—when surveying their inner life—as they are of what they control with their intellect, feelings, and impulses of will. Among the things that show us how unknown depths of our soul—insofar as this soul extends beyond our consciousness—work their way up into consciousness is the life of dreams, already alluded to here, which is so important for a comprehensive understanding of the human being. Dreams, in their chaotic nature and in their ebb and flow, which seems entirely lawless, possess a subtle inner, intimate regularity; and they are, as we shall soon see, part of what takes place in the subconscious regions of the soul’s life—a force that, as it were, merely surges upward, touches the upper regions, but cannot be brought under human control. It will never be my practice in these lectures to present anything that is merely contrived, but only—as is also done in the natural sciences—what is drawn from life, experience, or the experiment of the spiritual sciences. The fact that there is a science of dreams, just as there is physics and chemistry, is hardly known to people in wider circles; yet this science of dreams has brought to light countless insights into the things that exist in the hidden depths of our inner life. Let us first recount a very simple dream, which may seem comical to us, but which is characteristic of those who wish to penetrate deeper into the hidden depths of the soul.

[ 10 ] Eine Bäuerin träumte einmal, daß sie auf dem Wege zur Stadt und auf dem Wege zur Kirche ist. Sie träumt ganz genau, wie sie zur Stadt kommt, wie sie zur Kirche hineingeht, wie der Prediger auf der Kanzel steht und predigt. Sie hört deutlich die Predigt des Geistlichen. Es war ihr ganz wunderbar, wie der Geistliche inbrünstig und tief zum Herzen gehend predigte. Insbesondere aber machte auf sie einen tiefen Eindruck, wie der Geistliche die Hände ausbreitete. Diese Geste des Unbestimmten, das auf viele Menschen einen noch tieferen Eindruck macht, als das Bestimmte, machte auf die Frau einen ganz tiefen Eindruck. Da geschah nun etwas Merk würdiges. Im Traum verwandelte sich plötzlich die Gestalt des Predigers wie auch seine Stimme, und zuletzt, nachdem der Traum durch viele Zwischenphasen durchgegangen war, zeigte sich, daß von den schönen früheren Worten des Predigers nichts mehr geblieben war. Er sprach nicht mehr so wie früher, sondern seine Stimme hatte sich umgewandelt in das Krähen eines Hahnes, ja er selbst war zu einem Hahn mit Hahnenflügeln geworden. Die Frau wacht auf: da draußen vor dem Fenster kräht der Hahn!

[ 10 ] A farmer’s wife once dreamed that she was on her way to town and on her way to church. She dreamed in great detail how she arrived in town, how she entered the church, and how the pastor stood in the pulpit and preached. She could clearly hear the pastor’s sermon. She found it truly wonderful how fervently and deeply the clergyman preached, touching her heart. But what made a particularly deep impression on her was the way the clergyman spread his hands. This gesture of the indefinite—which makes an even deeper impression on many people than the definite—made a very deep impression on the woman. Then something remarkable happened. In the dream, the preacher’s appearance and voice suddenly changed, and finally, after the dream had gone through many intermediate phases, it became clear that nothing remained of the preacher’s beautiful earlier words. He no longer spoke as he had before; instead, his voice had transformed into the crowing of a rooster—indeed, he himself had become a rooster with rooster’s wings. The woman wakes up: out there, outside the window, the rooster is crowing!

[ 11 ] Vieles zeigt uns, wenn wir auf eine solche Sache eingehen, dieser Traum. Zunächst zeigt er uns, daß wir mit den gewöhnlichen Zeitvorstellungen nicht rechnen dürfen, wenn wir den Traum erklären wollen. Was Zeitvorstellungen ausdrücken, wenn wir im wachen Leben zurückblicken, das können wir für den Traum nicht als maßgebend betrachten. Denn es ist zweifellos, wie Ihnen aus eigenen Traumerlebnissen sehr erklärlich sein wird, daß die Träumerin sich den Traum über lange Zeit ausgedehnt denken muß, denn sie träumte, wie sie Schritt für Schritt zur Stadt ging, wie sie in die Kirche hineinging, wie der Prediger auf die Kanzel stieg, wie sie die Predigt hörte und so weiter. Dafür würde man in der physischen Welt lange Zeit brauchen. So lange hat ganz bestimmt der Hahn nicht gekräht. Aber sie ist durch dasHahnenkrähen aufgewacht. Was nun dasHahnenkrähen in dem Seelenleben der Frau ausgelöst hat, das ergänzt sich zu der zurücklaufenden Traumvorstellung, zu den Traumbildern. Sie sieht auf eine Welt zurück, die sie glaubt durchlebt zu haben. Diese Welt erfüllt sich mit Bildern, die von ihr aus dem gewöhnlichen Leben entlehnt sind. Aber die Veranlassung, die äußere Ursache: der Hahnenschrei hat sich rasch abgespielt. Wenn wir es äußerlich ins Auge fassen, so würden wir eine Zeit bekommen als Ursache für das, was die Frau in ihrer Seele erlebte, die ganz kurz wäre im Verhältnis zu der Zeit, über welche die Frau ihre Traumerlebnisse ausgedehnt denkt.

[ 11 ] This dream reveals many things to us when we examine it closely. First, it shows us that we cannot rely on our usual concepts of time if we wish to interpret the dream. What our concepts of time express when we look back on our waking lives cannot be considered authoritative for the dream. For it is beyond doubt—as will be very clear to you from your own dream experiences—that the dreamer must conceive of the dream as having stretched out over a long period of time, since she dreamed of walking step by step toward the city, entering the church, the preacher ascending the pulpit, listening to the sermon, and so on. In the physical world, this would take a long time. The rooster certainly did not crow for that long. But she was awakened by the rooster’s crow. What the rooster’s crow triggered in the woman’s inner life complements the unfolding dream sequence, the dream images. She looks back on a world she believes she has lived through. This world is filled with images she has drawn from her ordinary life. But the trigger, the external cause—the rooster’s crow—happened very quickly. If we consider it from an external perspective, we would identify a period of time as the cause of what the woman experienced in her soul, a period that would be very brief in comparison to the time over which the woman conceives of her dream experiences as extending.

[ 12 ] Wenn uns nun die Geisteswissenschaft sagt, daß der Mensch vom Einschlafen bis zum Aufwachen nicht in seinem physischen und Ätherleibe ist, sondern mit seinem astralischen Leib und seinem Ich außerhalb derselben in einer Welt ist, die nicht für äußere Augen sichtbar, die übersinnlich ist, so müssen wir uns dann konkret vorstellen, daß aus diesem Leben jene Frau durch den Hahnenschrei herausgerissen worden ist. Es wäre eine ganz haltlose Vorstellung, wenn der Mensch sich denken wollte, daß er in jener Welt, in welcher er vom Einschlafen bis zum Aufwachen ist, nicht ebenso Erlebnisse hätte wie in der physischen Welt. Aber diese Erlebnisse müssen rein seelischer Natur sein. Indem die Frau aufwacht, spielt in ihr Aufwachen hinein der Hahnenschrei, und sie blickt im Aufwachen auf das zurück, was sie erlebt hat. Wir müssen nun durchaus nicht die Bilder, die sie durchlebt, alles, was ihr der’Traum vorgaukelt, als etwas auffassen, was sie während des Schlafes wirklich erlebt hat, sondern wir müssen es so auffassen — wir kommen erst dann mit der ganzen Erscheinung des Traumlebens zurecht -, daß die Frau eigentlich nicht fähig ist, in dasjenige hineinzublicken, was sie bis zum Morgen, bis zum Momente des Aufwachens erlebt hat. Als aber der Moment des Aufwachens herantritt, da wird ihr durch das Aufeinanderprallen des Schlaflebens und des Wachlebens klar, daß sie etwas erlebt hat, nicht was sie erlebt hat. Und das veranlaßt sie, in das Schlafleben die Bilder hineinzuschieben, die nun symbolische, sinnbildliche Erlebnisse aus dem Tagesleben sind. Es ist so, wie wenn die Frau etwas, was sie oft im Tagesleben gesehen hat, zu Bildern vereinigt, diese hinstellt und gleichsam dadurch ihre Schlaferlebnisse zudeckt. Daher erscheint auch als Zeitverlauf nicht das, was sich wirklich abgespielt hat, sondern diese Vorstellungen, die wie ein Vorhang vor das Schlafleben hingeschoben werden, erscheinen in ihrem eigenen Zeitverlaufe mit der Zeit ausgestattet, welche die Bilder haben müssen, wenn sie als äußere physische Wahrnehmungen erfahren werden sollen. Wir müssen daher sagen, daß die Bilder des Traumes in vieler Beziehung eher ein Verdecken, ein Verhüllen dessen sind, was der Mensch im Schlafe erlebt, als ein Aufdecken desselben. Es ist wichtig, daß der 'Iraum zwar durch die Bilder, die der Mensch selber vor sein Schlafleben stellt, etwas ist, was geschieht, aber kein Abbild dessen ist, was geschieht, sondern daß nur auf etwas hingewiesen wird, was im Schlafe erlebt wird. Dafür kann als Beweis dienen, daß diese Träume, die der Mensch durchmacht, je nach dem Seelenleben des Menschen durchaus verschieden sind. Bei einem Menschen, der von diesem oder jenem aus seinen Tageshandlungen oder durch ein böses Gewissen gequält wird, werden andere Traumbilder auftreten als bei demjenigen, der sich während des Schlaflebens in das versenken kann, was seine Seele, wenn sie in die übersinnliche Welt kommt, mitnehmen kann an Befriedigungen und Seligkeiten über irgend etwas in günstigem Sinne Vollbrachtes oder an Dingen, durch die ihr das Leben sinnvoll wird. Die Qualitäten, nicht die Erlebnisse selbst, deuten darauf hin, daß sie etwas sind, was in den verborgenen Tiefen des Seelenlebens vorgeht. Insbesondere aber wird der Traum zum Verräter der verborgenen Seelentiefen, wenn wir ihn in folgender Weise auftreten sehen. Einen Traum, den ich in bezug auf andere Dinge auch hier schon vorgebracht habe, wollen wir als Verräter der verborgenen Tiefen des Seelenlebens betrachten. Da hat sich folgender Traum rhythmisch, periodisch bei einem Menschen wiederholt, angeregt durch ein Jugenderlebnis.

[ 12 ] If spiritual science tells us that from the moment a person falls asleep until they wake up, they are not in their physical and etheric bodies, but rather, with their astral body and their “I,” are outside of them in a world that is invisible to the physical eye—a world that is supersensible—then we must concretely imagine that this woman was torn away from that life by the crowing of the rooster. It would be a completely unfounded notion to think that a person, in that world in which they exist from the moment they fall asleep until they wake up, does not have experiences just as they do in the physical world. But these experiences must be of a purely soul-related nature. As the woman wakes up, the crowing of the rooster plays a part in her awakening, and as she wakes, she looks back on what she has experienced. We need not at all regard the images she experiences—everything the dream leads her to believe—as something she actually experienced during sleep; rather, we must understand it this way—and only then can we come to terms with the entire phenomenon of dream life—that the woman is actually incapable of looking into what she experienced up until morning, up until the moment of waking. But when the moment of waking approaches, the clash between her sleep life and her waking life makes it clear to her that she has experienced something—not what she has experienced. And this prompts her to insert into her sleep life images that are now symbolic, allegorical experiences from her waking life. It is as if the woman were to combine something she has often seen in waking life into images, place them there, and thereby, as it were, cover up her sleep experiences. Consequently, what appears to unfold over time is not what actually took place, but rather these mental images—which are pushed in front of the dream life like a curtain—appear to unfold in their own temporal sequence, endowed with the time that the images must possess if they are to be experienced as external physical perceptions. We must therefore say that the images of the dream are, in many respects, more of a concealment, a veiling of what a person experiences in sleep, than a revelation of it. It is important to note that, although the dream world—through the images that a person places before their sleep life—is something that happens, it is not a representation of what happens, but merely points to something experienced during sleep. Evidence of this is that the dreams a person experiences vary greatly depending on their inner life. A person who is tormented by this or that—whether stemming from their daily actions or a guilty conscience—will experience different dream images than someone who, during sleep, can immerse themselves in what their soul, upon entering the supersensible world, can take with it in terms of satisfaction and bliss—whether from something accomplished in a positive sense or from things that give their life meaning. It is the qualities—not the experiences themselves—that indicate that these are phenomena occurring in the hidden depths of the soul’s life. In particular, however, the dream becomes a revealer of the soul’s hidden depths when we observe it manifesting in the following way. Let us consider a dream—one I have already mentioned here in connection with other matters—as a revealer of the hidden depths of the soul’s life. This dream has recurred rhythmically and periodically in a person’s life, triggered by an experience from their youth.

[ 13 ] Der Betreffende hatte, als er noch Schüler war, ein gewisses Zeichentalent bewiesen; deshalb hatte ihm der Lehrer gerade in der Zeit, als er bald von der Schule abgehen sollte, eine besonders schwere Zeichnung gegeben. Während der Schüler sonst in einer gewissen Zeit mehrere Zeichnungen kopierte, konnte er mit dieser, weil er es mit den Einzelheiten genau nahm, das ganze Jahr nicht fertig werden, so daß er zeichnete und zeichnete und nicht fertig werden konnte. So kam es, daß der entscheidende Schulschluß herannahte, und daß von der Arbeit, zu der noch vieles andere hätte treten müssen, nur ein verhältnismäßig geringer Teil beendigt war. Man kann sich nun denken, daß der Schüler, weil er wußte, daß er mit seiner Arbeit nicht fertig werden würde, eine gewisse Angst oder Furcht durchlebt hat. Aber diese Angst, die er damals erlebte, war gar nichts gegen jene Angstzustände, die nun regelmäßig nach Verlauf einer ganz bestimmten Anzahl von Jahren als Traumerlebnis immer wieder auftauchten! Nach einer Anzahl von Jahren, während welcher der Traum nicht aufgetaucht war, träumte der Betreffende, wie er noch Schüler ist, seine Zeichnung nicht fertig wird, und es darüber mit der Angst bekommt. Immer größer und größer wurde das Angsterlebnis des Traumes, bis er erwachte. Und wenn der Traum einmal dagewesen war, wiederholte er sich nach einer Woche vielleicht. Dann blieb der Traum wieder jahrelang aus, kam wieder, wiederholte sich nach einer Woche, darauf blieb er wieder aus, und so sehr oft.

[ 13 ] When he was still a student, the young man had shown a certain talent for drawing; for this reason, just as he was about to leave school, his teacher had given him a particularly difficult drawing to complete. While the student would normally copy several drawings within a certain period of time, he was unable to finish this one in the entire year because he paid such close attention to the details, so that he drew and drew and could not finish it. Thus, the decisive end of the school year approached, and of the work—to which much else should have been added—only a relatively small portion had been completed. One can imagine that the student, knowing he would not finish his work, experienced a certain anxiety or fear. But this anxiety he felt at the time was nothing compared to the states of anxiety that now regularly resurfaced as dream experiences after a very specific number of years had passed! After a number of years during which the dream had not appeared, the person in question dreamed that he was still a student, that his drawing was not getting finished, and that he became anxious about it. The anxiety in the dream grew greater and greater until he awoke. And once the dream had occurred, it might repeat itself after a week. Then the dream would disappear again for years, return, repeat itself after a week, then disappear again, and so on, many times over.

[ 14 ] Das Verständnis für dieses merkwürdige Traumerlebnis gewinnt man erst, wenn man auf das übrige Leben dieses Menschen eingeht. Der Betreffende hatte als Schüler ein gewisses Zeichentalent, das entwickelte sich erst allmählich sein ganzes Leben hindurch, etappenweise, stufenweise. Wenn man nun genau beobachtete, so zeigte sich immer, daß dieser Mensch in bezug auf seine Fähigkeit zum Zeichnen jedesmal Fortschritte machte und wieder mehr konnte, wenn ein solches Traumerlebnis vorangegangen war und die Zunahme der zeichnerischen Fähigkeiten angekündigt hatte. So daß man immer sagen konnte: Das Traumerlebnis trat ein, und nachher fühlte sich dieser Mensch in einer ganz besonderen Weise von größeren Fähigkeiten durchzogen und durchgossen, um sich zeichnerisch auszudrücken. — Es ist dies ein außerordentlich interessantes Erlebnis, das in die Tatsachenwelt eines Menschen hineinspielen kann. Wie kann nun die Geisteswissenschaft ein solches Erlebnis erklären?

[ 14 ] One can only begin to understand this strange dream experience by examining the rest of this person’s life. As a student, the person in question had a certain talent for drawing, which developed only gradually throughout his entire life, in stages, step by step. If one observed closely, it always became apparent that this person made progress in his ability to draw and was able to do more each time such a dream experience had preceded it and had foreshadowed the increase in his drawing abilities. So one could always say: The dream experience occurred, and afterward this person felt, in a very special way, imbued and filled with greater abilities to express themselves through drawing. — This is an extraordinarily interesting experience that can play a role in a person’s real life. How, then, can spiritual science explain such an experience?

[ 15 ] Wenn wir zu Hilfe nehmen, was schon in den letzten dieser Vorträge hier gesagt worden ist, daß in dem Menschenwesen sein übersinnlicher zentraler Wesenskern lebt, der fortwährend an der Umgestaltung von inneren Kräften, aber auch an der Umgestaltung der äußeren Physiognomie arbeitet, wenn wir darauf Rücksicht nehmen, daß ein solcher zentraler Wesenskern als eine übersinnliche Wesenheit beim Menschen vorhanden ist und ihm zugrunde liegt, dann werden wir sagen müssen: Während des ganzen Lebens arbeitet dieser zentrale Wesenskern beim Menschen an seinem Leibesinstrument, an seiner ganzen Organisation, denn die braucht man, wenn man fortwährend neue Fähigkeiten entwickeln will, die sozusagen mit äußeren Fertigkeiten zusarmmenhängen. — Es arbeitete dieser zentrale Wesenskern die leibliche Organisation so um, daß der Mensch immer geschickter, immer fassungsfähiger wurde für Formen, für alles das, was unter den Fähigkeiten das ausmacht, wodurch man etwas zeichnerisch ins Auge faßt und es formend ausdrücken kann.

[ 15 ] If we draw upon what has already been said here in the previous lectures—namely, that within the human being lives a supersensible central core of being that is constantly at work transforming inner forces, but also at the transformation of the outer physiognomy, if we take into account that such a central core of being exists in human beings as a supersensible entity and underlies them, then we must say: Throughout a person’s entire life, this central core of being works on the human body, on the entire physical organization, for this is necessary if one wishes to continually develop new abilities that are, so to speak, connected to external skills. — This central core of being transformed the physical organization in such a way that human beings became increasingly skilled and increasingly capable of grasping forms—that is, all those abilities that enable one to perceive something visually and express it through form.

[ 16 ] In den Leib hinein arbeitet des Menschen zentraler Wesenskern. So lange nun, als dieser innere Wesenskern in den Leib hineinarbeitet, so lange seine Tätigkeit sich hineinergießt in den Leib, so lange kann er nicht ins Bewußtsein herauftreten. Da ergießen sich seine ganzen Kräfte in die Umformung der Leibesorganisation, die dann als Fähigkeiten — in diesem Falle als Zeichnen — auftreten. Erst wenn eine gewisse Stufe erreicht ist, und der Mensch so umorganisiert ist, daß er diese Umorganisation ins Bewußtsein heraufholen kann, wenn er also fähig wird, dasjenige wissend auszuüben, was seine neugewonnenen Fähigkeiten sind, erst in dem Augenblicke, da sein zentraler Wesenskern ins Bewußtsein herauftritt, kann der Mensch wissen, was in ihm geschieht, was da unten in den verborgenen Tiefen des Seelenlebens arbeitet. Aber ein Übergang ist in unserem Falle da. Wenn der Mensch noch gar nichts davon weiß, daß in den Zeiten, wo er äußerlich nicht vorrückt, der zentrale Wesenskern an seinen zeichnerischen Fähigkeiten arbeitet, bleibt alles unten in den verborgenen Tiefen des Seelenlebens. Aber wenn der Zeitpunkt da ist, wo der zentrale Wesenskern ins Bewußtsein herauftreten soll, dann macht sich dies in dem eigentümlichen Traumerleben bemerkbar, das sich deshalb in diese Form kleidet, weil angekündigt werden soll, daß der innere Wesenskern mit den zeichnerischen Fähigkeiten an einen gewissen Abschluß gekommen ist. So ist dieser "Traum jedesmal ein Beweis, daß etwas erreicht ist. Bis dahin, wo der Traum eintritt, haben die Seelenkräfte unten in verborgenen Tiefen im Leibesinneren gearbeitet, um die Fähigkeit allmählich herauszukristallisieren. Dann aber, bevor diese Kräfte sich offenbaren können durch das Bewußtsein, nachdem sie so weit erhärtet sind, und die leibliche Organisation für diese Fähigkeit fertig ist, wird noch ein Übergang geschaffen. Zunächst tritt sie nicht voll ins Bewußtsein herauf, sondern gießt sich um in das Halbbewußtsein des Traumes. Durch den Traum bricht das Verborgene des Seelenlebens in die bewußten Teile des Seelenlebens herein. Daher nach dem Traume immer das Weiterschreiten des Menschen in bezug auf diese Fähigkeit, die sich so charakteristisch im Traume symbolisch zum Ausdruck bringt.

[ 16 ] The central core of a human being’s being works its way into the body. As long as this inner core of being works within the body—as long as its activity pours into the body—it cannot rise into consciousness. For all its powers are poured into the transformation of the body’s organization, which then manifests as abilities—in this case, as drawing. Only when a certain stage is reached, and the human being has been reorganized to such an extent that he can bring this reorganization up into consciousness—that is, when he becomes capable of consciously exercising his newly acquired abilities—only at that very moment, when his central core of being rises into consciousness, can the human being know what is happening within him, what is at work down there in the hidden depths of soul life. But in our case, there is a transition. When a person is still completely unaware that, during periods when he makes no outward progress, his central core of being is working on his drawing abilities, everything remains down in the hidden depths of the soul life. But when the time comes for the central core of the being to rise into consciousness, this becomes apparent in a peculiar dream experience, which takes this form precisely because it is meant to announce that the inner core of the being, through the drawing abilities, has reached a certain conclusion. Thus, this “dream” is always proof that something has been achieved. Up until the point where the dream occurs, the soul forces have been working deep within the body, in hidden depths, to gradually crystallize this ability. But then, before these forces can reveal themselves through consciousness—once they have been sufficiently consolidated and the physical organism is ready for this ability—a transitional phase is created. At first, it does not fully emerge into consciousness, but instead pours into the semi-consciousness of the dream. Through the dream, the hidden aspects of the soul life break into the conscious parts of the soul life. Hence, after the dream, there is always further progress for the human being with regard to this ability, which finds such characteristic symbolic expression in the dream.

[ 17 ] So sehen wir in der Tat, wie des Menschen zentraler Wesenskern einmal unten arbeiten kann in den Gründen der sinnlichen und übersinnlichen Leibesorganisation, dann aber sehen wir, wenn der Mensch es bis zu einem gewissen Grade dahin gebracht hat, es ins Bewußtsein zu erheben, und der innere Wesenskern mit seiner Arbeit an einem Abschluß ist, wie es sich dann erst in einem Traumerlebnis ausdrückt und diese Tätigkeit sich in die Kräfte umwandelt, die im bewußten Leben auftreten. So haben wir eine Korrespondenz zwischen dem, was unten ist, und dem, was oben im bewußten Leben sich abspielt, und wir sehen auch, warum so vieles nicht in das bewußte Leben heraufdringen kann, denn dasjenige kann nicht in das Bewußtsein heraufdringen, was der Mensch noch braucht, um erst die Organe herauszugestalten, damit er die Fähigkeiten umgestaltet, welche dann die Werkzeuge für das bewußte Leben werden müssen. So können wir sagen, daß das ganze Leben hindurch beobachtet werden kann, wie der zentrale Wesenskern des Menschen am Organismus arbeitet. Wenn sich der Mensch während der Kindheit nach und nach entwickelt, von innen nach außen, dann ist es derselbe innere Wesenskern, der an ihm, bevor das Ich-Bewußstsein eintritt, bis zu jenem Zeitpunkte arbeitet, an den sich der Mensch dann später zurückerinnern kann, derselbe Wesenskern, der auch später an ihm weiter arbeitet. In einem fortwährenden Sichverwandeln ist die Gesamtwesenheit des Menschen. Was der Mensch in seinem Seelenleben erlebt, das erlebt er bald so, daß er nichts davon weiß, aber daß es in ihm schaffend tätig ist, bald so, daß es die schaffende Tätigkeit einstellt, aber dafür in die bewußte Tätigkeit heraufdringt. Dieser Zusammenhang besteht zwischen dem, was wir in den oberen Regionen des Bewußtseins haben, und dem, was im Unterbewußten, in den verborgenen Tiefen des Seelenlebens in uns ruht.

[ 17 ] Thus we see, in fact, how the central core of a human being’s being can at one time be at work in the depths of the sensory and supersensory organization of the body; but then, when the human being has, to a certain degree, succeeded in raising it into consciousness, and the inner core of the being has completed its work, how this is then expressed only in a dream experience, and how this activity is transformed into the forces that manifest in conscious life. Thus, we have a correspondence between what is below and what takes place above in conscious life, and we also see why so much cannot rise into conscious life, for that which a person still needs in order to first develop the organs—so that he or she can transform the faculties that must then become the tools for conscious life—cannot rise into consciousness. Thus we can say that throughout the whole of life, we can observe how the central core of the human being works upon the organism. As a person gradually develops during childhood, from the inside out, it is this same inner core of being that works within them—before ego-consciousness emerges—up to that point in time which the person can later recall; it is this same core of being that continues to work within them even later. The human being’s entire being is in a state of constant transformation. What a person experiences in their soul life, they sometimes experience in such a way that they are unaware of it, yet it is creatively active within them; at other times, the creative activity ceases, but instead rises into conscious activity. This connection exists between what we have in the higher regions of consciousness and what lies within us in the subconscious, in the hidden depths of our soul life.

[ 18 ] Diese verborgenen Tiefen des Seelenlebens sprechen oft so, daß sie wahrhaftig eine ganz andere Sprache reden, eine ganz andere Weisheit entfalten, als das, was sich der Mensch in seinem Oberbewußtsein auch nur träumen läßt. Daß des Menschen Bewußtsein nicht zusammenfallend gedacht werden darf mit dem, was wir die Vernunft der Dinge nennen, die das menschliche Bewußtsein gleichsam spiegelt, können wir daraus entnehmen, daß die vernünftige Tätigkeit, das Walten der Vernunft uns auch dort entgegentritt, wo wir in demselben Sinne nicht eine Beleuchtung durch die Vernunft annehmen können, wie es beim Menschen der Fall ist. Vergleichen wir in dieser Beziehung den Menschen mit den Tieren, so finden wir, daß der Mensch nicht die VernunftTätigkeit vor den Tieren voraus hat, sondern die andere Beleuchtung dieser Vernunft-Tätigkeit durch das Bewußtsein. Wenn wir den Biber, die Wespe am Bauen sehen, so sehen wir in dem, was die Tiere vollbringen — wir können dabei den gesamten Horizont des tierischen Schaffens überblicken -, daß da Vernunft drinnen waltet, und daß es im Grunde genommen dieselbe Vernunft ist, welche der Mensch anwendet, wenn er aus seinem Bewußtsein heraus ein Stück dieser Vernunft-Tätigkeit der Welt beleuchtet. Nur immer ein Stück der Vernunft-Tätigkeit der Welt kann der Mensch aus seinem Bewußtsein beleuchten, aber eine viel umfassendere Vernunft-Tätigkeit durchzieht unser unterbewußtes Seelenleben. Da werden nicht nur die unterbewußten Schlüsse und Begriffsbildungen von der Vernunft vollzogen, auf die selbst ein Naturforscher wie Helmholtz hingewiesen hat, sondern ohne daß der Mensch dabei ist, werden da kunstvolle, weisheitsvolle Dinge von der Vernunft vollzogen.

[ 18 ] These hidden depths of the soul often speak in such a way that they truly use a completely different language and reveal a completely different wisdom than anything a person could even dream of in their conscious mind. We can infer that human consciousness must not be equated with what we call the “reason of things”—which human consciousness, as it were, mirrors—from the fact that rational activity, the workings of reason, confronts us even where we cannot assume an illumination by reason in the same sense as is the case with human beings. If we compare humans with animals in this regard, we find that humans do not have a rational activity that precedes that of animals, but rather a different illumination of this rational activity through consciousness. When we observe the beaver or the wasp building their nests, we see in what the animals accomplish—and in doing so we can survey the entire scope of animal creativity—that reason is at work there, and that it is, in essence, the same reason that human beings apply when they illuminate, from within their consciousness, a fragment of this rational activity in the world. Human beings can shed light on only a small part of the world’s rational activity from within their consciousness, but a far more comprehensive rational activity pervades our subconscious inner life. There, reason not only carries out the subconscious inferences and conceptualizations that even a natural scientist like Helmholtz has pointed out, but—without human intervention—artful, wise acts are performed by reason.

[ 19 ] Auf ein Kapitel darf hier hingewiesen werden, worauf ich schon hingedeutet habe, was ich nennen möchte das Kapitel «Von dem Philosophen und der menschlichen Seele», wobei ich besonders an diejenigen Philosophen denke, welche im neunzehnten Jahrhundert vorzugsweise pessimistische Philosophen waren. Der Philosoph hat es vorzugsweise mit dem zu tun, was wir Vernunft, bewußte Verstandestätigkeit nennen, und er läßt nichts anderes zu, als was er mit der Verstandestätigkeit prüfen kann. Wenn wir Philosophen wie Schopenhauer, Mainländer, Eduard von Hartmann nehmen, so finden wir, daß sie von der Idee ausgehen, daß gegenüber dem, was der Mensch weiß, indem er die Welt mit dem offenbaren Seelenleben überschauen kann, die Übel, die Schmerzen und Leiden weit die Freuden und das Glück überwiegen. Und Eduard von Hartmann hat ein interessantes Rechenexperiment angestellt, in dem er in einer wirklich geistreichen Weise zeigte, wie in der Welt Schmerzen und Leiden überwiegen. Er faßte in einem Subtrahenden zusammen, was der Mensch alles als Leiden und Schmerzen erleben muß, und stellte als Minuend hin alles das, was der Mensch als Freude und Glück erleben kann. Wenn er nun Leiden und Schmerzen von Glück und Freuden subtrahiert, so überwiegt in seiner Rechnung Schmerz und Leid. So sagt der Philosoph aus einer Verstandesoperation heraus natürlich mit einem gewissen Recht: Wenn in der Welt Schmerz und Leid überwiegen, so ist das Leben eigentlich nur pessimistisch anzuschauen. — Der Verstand macht also dieses Rechenexempel im Philosophen und fällt das Urteil aus dem bewußten Leben heraus, daß die Welt bis zu einem gewissen Grade als eine schlechte anzusehen ist.

[ 19 ] I would like to draw attention here to a chapter I have already alluded to, which I would like to call “On the Philosopher and the Human Soul,” whereby I am thinking in particular of those philosophers of the nineteenth century who were predominantly pessimistic. The philosopher is primarily concerned with what we call reason—conscious intellectual activity—and he admits nothing other than what he can examine through intellectual activity. If we consider philosophers such as Schopenhauer, the Mainlanders, and Eduard von Hartmann, we find that they proceed from the idea that, in contrast to what human beings know—namely, their ability to survey the world through the manifest life of the soul—evils, pains, and sufferings far outweigh joys and happiness. And Eduard von Hartmann conducted an interesting thought experiment in which he demonstrated, in a truly ingenious way, how pain and suffering predominate in the world. He summarized in a subtrahend everything that human beings must experience as suffering and pain, and set as the minuend everything that human beings can experience as joy and happiness. When he subtracts suffering and pain from happiness and joy, pain and suffering outweigh the rest in his calculation. Thus, based on this intellectual exercise, the philosopher naturally asserts—with a certain degree of justification—that if pain and suffering predominate in the world, life can really only be viewed pessimistically. — The intellect thus performs this mental calculation within the philosopher and, based on conscious experience, reaches the conclusion that the world must, to a certain extent, be regarded as a bad one.

[ 20 ] Nun habe ich in meiner «Philosophie der Freiheit» darauf hingewiesen, daß dieses Rechnen des Verstandes, diese «Subtraktion» überhaupt nicht anwendbar ist. Denn wer vollzieht sie, auch wenn sie nicht der Philosoph, sondern der Mensch im Leben vollzieht? Immer das offenbare, das bewußte Seelenleben. Aber das bewußte offenbare Seelenleben entscheidet merkwürdigerweise nicht über den Lebens- und Lustwert des Daseins. Denn das zeigt uns wieder das Leben. Wenn der Mensch noch so sehr ein solches Rechenexempel anstellt, so zieht er daraus nicht den Schluß, daß das Leben keinen Wert habe. Daraus wieder muß man wissen — ich habe vorher gesagt, daß die Rechnung Eduard von Hartmanns geistvoll und richtig ist —, daß der Mensch, wenn er diese Rechnung vollzieht, durchaus nicht im bewußten Leben daraus ein Resultat ziehen kann. Schon Robert Hamerling hat in seiner «Atomistik des Willens» den Gedanken ausgesprochen, daß hier bei dieser Rechnung etwas falsch sein müsse, denn in jedem Lebewesen, und auch im Menschen ist, selbst wenn die Schmerzen überwiegen, dann doch die Lust am Dasein vorhanden, nicht die Lust an Vernichtung des Daseins. Der Mensch zieht also nicht aus dem Subtraktionsexempel, aber aus irgend etwas die Folgerung, das Leben habe doch einen Wert. Nun habe ich in meiner «Philosophie der Freiheit» nachgewiesen, daß das Subtraktionsexempel nicht anwendbar ist, weil das Seelenleben des Menschen in seinen Tiefen ein ganz anderes Rechenexempel ausführt. Nicht ein Subtraktionsexempel: das würde das Bewußtsein ausführen. Das unterbewußte Seelenleben führt ein Divisionsexempel aus: es dividiert die Menge der Lust durch die Menge der Leiden, der Schmerzen. Nun wissen Sie alle, daß, wenn man subtrahiert — angenommen die Menge des Schmerzes wäre gleich acht, und die Menge der Lust wäre ebenfalls gleich acht -—, das Resultat, also der Wert des Daseins in diesem Falle gleich «Null» wäre. Wenn man aber nicht subtrahiert, sondern dividiert, so würde die Rechnung lauten: Acht durch acht gleich Eins. Man bekommt dann immer noch Eins als Resultat, nicht Null. Und wenn also auch der Nenner noch so groß ist, wenn er nur nicht «unendlich» ist, so bleibt sogar als Resultat immer noch eine Daseinslust. Diese Division macht der Mensch in seinen verborgenen Seelentiefen, und was dann als Resultat heraufsteigt und bewußt wird, ist das, was der Mensch im bewußten offenbaren Seelenleben als den Daseinswert, als den Lustwert empfindet. Ich habe an jener Stelle nachgewiesen, daß jene eigentümliche Erscheinung des Menschen, der, wenn er sich sonst nur einer gesunden Natur erfreut, auch gegenüber weit überragenden Schmerzen doch eine Lust am Dasein, eine Freude, eine Begierde der Welt gegenüber hat, nur dadurch verständlich ist, daß er in seinen Seelentiefen dasjenige ausführt, was wir uns dann wissenschaftlich als ein Divisionsexempel klarmachen können.

[ 20 ] Now, in my Philosophy of Freedom, I pointed out that this calculation of the intellect, this “subtraction,” is not applicable at all. For who performs it—even if it is not the philosopher, but rather the person living their life? It is always the manifest, conscious life of the soul. But, strangely enough, the conscious, manifest life of the soul does not determine the value of existence in terms of life and pleasure. For life itself shows us this once again. No matter how much a person engages in such a calculation, he does not conclude from it that life has no value. From this, one must again realize—I have said before that Eduard von Hartmann’s calculation is insightful and correct—that when a person performs this calculation, he cannot at all draw a conclusion from it in his conscious life. Robert Hamerling had already expressed the idea in his Atomistik des Willens that something must be wrong with this calculation, for in every living being—and also in human beings—even when pain predominates, there is still a pleasure in existence, not a pleasure in the destruction of existence. Human beings therefore do not draw the conclusion that life does indeed have value from the subtraction example, but from something else. Now, in my Philosophy of Freedom, I have demonstrated that the subtraction example is not applicable, because the inner life of the human soul, in its depths, performs an entirely different mathematical calculation. Not a subtraction example: that is what the conscious mind would perform. The subconscious life of the soul performs a division problem: it divides the amount of pleasure by the amount of suffering and pain. Now you all know that if one subtracts—assuming the amount of pain were equal to eight, and the amount of pleasure were also equal to eight—the result, that is, the value of existence in this case, would be “zero.” But if one does not subtract but instead divides, the calculation would be: eight divided by eight equals one. One still gets one as the result, not zero. And so, no matter how large the denominator may be—as long as it is not “infinite”—the result is still a joy of existence. Human beings perform this division in the hidden depths of their souls, and what then rises to the surface and becomes conscious is what they perceive in their conscious, outwardly manifest spiritual life as the value of existence, as the value of joy. I demonstrated in that passage that the peculiar phenomenon of a human being—who, even when facing overwhelming pain, retains a joy of existence, a delight, and a longing for the world, provided they otherwise enjoy a healthy constitution—can only be understood by the fact that, in the depths of their soul, they carry out the very process that we can then scientifically clarify as an example of division.

[ 21 ] So sehen wir, wie die Seele in ihren Tiefen ein Rechner ist, und wie das Leben im Öffenbaren zeigt, daß der Mensch in seinem Unterbewußtsein die waltende Vernunft hat. Wie im Biber zum Beispiel, wenn er baut, Vernunft waltet, die ganz und gar nicht in das tierische Bewußtsein heraufreicht, über die er sich nicht bewußt Rechenschaft geben kann, oder wie dies bei der Wespe der Fall ist, so waltet in des Menschen Seelentiefen Vernunft und dringt wie die Kraft im Meer, welche die Wellen nach oben treibt, in das Bewußtsein herauf, das ein viel kleinerer Kreis im Dasein ist als dasjenige, was in dem weiten Horizonte des Seelenlebens vorhanden ist. Da werden wir gewahr, wie sich der Mensch im großen ansehen muß als auf dem Meere des Seelen- und Bewußtseinslebens schwimmend, und wie nur ein Teil seines Seelenlebens eigentlich durch das Bewußtsein beleuchtet ist, der mit seinem Oberbewußtsein schwimmend ist im Unterbewußten.

[ 21 ] Thus we see how the soul, in its depths, is a calculating entity, and how life, in its manifest aspects, shows that human beings possess a governing reason in their subconscious. Just as in the beaver, for example, when it builds its dam, reason reigns—a reason that does not extend at all into the animal’s consciousness, of which it cannot consciously account—or as is the case with the wasp, so too does reason reign in the depths of the human soul and surge upward into consciousness—which is a much smaller sphere of existence than that which exists within the vast horizon of soul life—like the force in the sea that drives the waves upward. There we become aware of how, in the grand scheme of things, a human being must be seen as floating on the sea of soul and conscious life, and how only a part of his soul life is actually illuminated by consciousness—that part which, with its higher consciousness, floats within the subconscious.

[ 22 ] Wir können auch im alltäglichen Leben sehen, wie der Mensch immer wieder auf das hingewiesen wird, was da unten in ihm waltet, und was das Leben gegenüber den äußeren Ereignissen anders macht beim einen oder beim anderen Menschen. In unseren Seelentiefen können, ohne daß wir uns ihrer bewußt sind, Dinge walten, die wir vor langer, langer Zeit erlebt haben, die wir für das äußere Bewußtsein vergessen haben, die aber dennoch fortwirken. Die zeigen sich dem Geistesforscher als fortbestehend in dem zentralen Wesen des Menschen und als wirksam, wenn sie auch nicht nach dem Muster des Bewußten sich in Tätigkeit setzen. So kann folgender Fall eintreten. Es kann in einem Menschen unten in seinen Seelentiefen irgend etwas vorhanden sein, was er schon als Kind erlebt hat, und was ihn tief ergriffen hat. Wir wissen, daß der Mensch als Kind ganz besonders für die Wahrnehmung einer Ungerechtigkeit in seiner Umgebung empfänglich sein kann. Nehmen wir nun an, das Kind habe in seinem siebenten, achten Jahre durch seine EItern oder durch seine sonstige Umgebung, nachdem es irgend etwas getan hat, eine ungerechte Beurteilung erfahren. Im späteren Leben kann sich dann das bewußte Seelenleben wie eine Oberfläche darüberlagern. Vergessen kann es sein für das Bewußtsein, aber nicht unwirksam für die unbewußten Seelentiefen. Nehmen wir an, ein solches Kind wächst nun heran und erlebt zum Beispiel in seinem sechzehnten, siebzehnten Jahre in der Schule wieder eine Ungerechtigkeit. Ein anderes Kind, das jenes erstgenannte Erlebnis nicht gehabt hat, mag heranwachsen und einer Ungerechtigkeit der gleichen Art ausgesetzt sein. Es kommt nach Hause, klagt, daß es diese Ungerechtigkeit erfahren hat, es weint, schimpft vielleicht auch auf die Lehrer, aber weiter geschieht nichts, die Sache geht vorbei, wie wenn sie nicht dagewesen wäre, geht ins unterbewußte Seelenleben. Das andere Kind aber, das herangewachsen ist, indem es im siebenten, achten Jahre eine Ungerechtigkeit erlebt hat, die es für das äußere Bewußtsein vergessen hat, erlebt vielleicht ganz dasselbe. Aber jetzt geht die Sache nicht unbemerkt vorüber, sondern daraus wird bei diesem Kinde ein Schülerselbstmord. Wo liegt der Grund? Der Grund dafür ist, während sich im bewußten Seelenleben bei beiden Kindern vielleicht ganz dasselbe abgespielt hat, in demjenigen zu suchen, was aus den unterbewußten verborgenen Tiefen in das offenbare Seelenleben heraufspielt.

[ 22 ] We can also see in everyday life how people are repeatedly reminded of what reigns deep within them, and how this makes life different for one person or another in the face of external events. In the depths of our souls, without our being aware of them, there may be forces at work that we experienced a long, long time ago—things we have forgotten in our outer consciousness, yet which continue to exert their influence. To the spiritual researcher, these reveal themselves as enduring within the central essence of the human being and as active, even if they do not manifest themselves in accordance with the patterns of conscious thought. Thus, the following situation can arise. There may be something deep within a person’s soul that they experienced as a child and that deeply affected them. We know that as a child, a person can be particularly receptive to perceiving injustice in their surroundings. Let us now suppose that, in their seventh or eighth year, the child experienced an unjust judgment from their parents or their environment after having done something. Later in life, the conscious life of the soul may then overlay this experience like a surface. It may be forgotten by the conscious mind, but it remains active in the unconscious depths of the soul. Let us suppose that such a child grows up and, for example, experiences another injustice at school at the age of sixteen or seventeen. Another child, who did not have that first experience, may grow up and be exposed to an injustice of the same kind. They come home, complain that they have experienced this injustice, they cry, perhaps even vent their anger at the teachers, but nothing else happens; the matter passes as if it had never happened and sinks into the subconscious depths of the soul. The other child, however, who grew up having experienced an injustice in the seventh or eighth year—an injustice that they have forgotten in their outer consciousness—may experience exactly the same thing. But now the incident does not pass unnoticed; instead, it leads to a student suicide in this child. What is the reason? The reason lies not in what may have played out in the conscious life of both children—which was perhaps exactly the same—but in what rises from the hidden depths of the subconscious into the manifest life of the soul.

[ 23 ] In unzähligen Fällen können wir wahrnehmen, wie unser unterbewußtes Seelenleben in dieser Weise in unser bewußtes hereinspielt. Nehmen wir einmal folgendes an, das uns immer wieder und wieder entgegentritt, was man aber leider nicht ordentlich beachtet. Es gibt Menschen, welche in ihrem ganzen späteren Leben etwas von einem Zuge zeigen, den man das Sehnen nennen könnte. Das wogt herauf. Und wenn man sie fragt, wonach sie sich sehnen, so sagen sie: das sei eben das Ungeheuerliche, daß sie nicht wissen wonach sie sich sehnen. Und alles, was man an Trostgründen und dergleichen aufbringen kann, was sonst einen Menschen trösten kann, das kann sie nicht trösten, die Sehnsucht bleibt, was man auch versucht. Geht man dann mit denselben Methoden, die man in der Naturwissenschaft anwendet, mit den beobachtenden Methoden, in das frühere Leben solcher Menschen zurück, dann bemerkt man, daß ganz besondere Früherlebnisse dieses Sehnen bewirkt haben. Man wird dann finden — davon kann sich jeder überzeugen, der auf solchen Gebieten Beobachtungen anstellt —, daß diese Menschen in ihrer frühen Jugend in bezug auf Aufmerksamkeit und Interesse immer auf etwas ganz bestimmtes hingelenkt worden sind, was eigentlich nicht mit dem tiefsten Wesen ihrer Seele zusammenhängt; sie sind in eine Sphäre der Seelentätigkeit hingelenkt und ihre Aufmerksamkeit ist gefesselt worden durch etwas, wonach die Seele nicht drängte. Daher blieb alles, wozu sie in ihrer Seele gerne hätten kommen mögen, diesen Seelen versagt. Die Aufmerksamkeit drängte auf etwas ganz anderes hin, als worauf sie gerichtet wurde; sie schlägt förmlich um. Daher zeigt sich nun später folgendes. Weil Aufmerksamkeit und Interesse früher nicht befriedigt worden sind, weil der Mensch immer jenen Drang hatte, für den ihm nichts geboten worden ist, hat sich das, was viele aufeinanderfolgende Erlebnisse waren, nun in einen Hang, in einen Trieb, in etwas, was wie eine Leidenschaft, wie ein Instinkt wirkt, umgewandelt, was in einem sehnenden Verlangen, in einer unbestimmten Sehnsucht nach etwas zutage tritt. Früher würde es möglich gewesen sein diesen Drang zu befriedigen, jetzt ist es nicht mehr möglich. Warum? Weil sich in dem Strom des Seelenlebens erst jene Ereignisse abgespielt haben, auf welche die Aufmerksamkeit gelenkt worden ist, und zu denen sich die Seele nicht hingedrängt fühlte. Jetzt haben sich dadurch solche Begriffe festgesetzt, daß der Mensch für das, was früher für ihn passend gewesen ist, kein Verständnis hat. Früher hatte man ihm kein Verständnis entgegengebracht für das, was in den Untergründen der Seele waltet und webt; jetzt hat er sich das abgewöhnt, jetzt kann man nicht mehr eingreifen. Was übrig geblieben ist, das ist das, wofür er vielleicht gar nicht organisiert war.

[ 23 ] In countless cases, we can perceive how our subconscious inner life influences our conscious mind in this way. Let us consider the following scenario, which we encounter time and time again, but which, unfortunately, is not given proper attention. There are people who, throughout their later lives, exhibit something of a tendency that one might call longing. It surges up within them. And when you ask them what they long for, they say: that is precisely the monstrous part—that they do not know what they long for. And all the reasons for comfort and the like that one can muster—things that might otherwise comfort a person—cannot comfort them; the longing remains, no matter what one tries. If one then looks back into the early lives of such people using the same methods applied in the natural sciences—that is, observational methods—one notices that very specific early experiences have caused this longing. One will then find—and anyone who makes observations in such areas can verify this—that in their early youth, these people’s attention and interest were always directed toward something very specific that was not actually connected to the deepest essence of their soul; they were directed into a sphere of soul activity, and their attention was captivated by something the soul did not yearn for. Consequently, everything they would have liked to attain in their souls remained denied to them. Their attention was drawn toward something entirely different from what it was directed at; it literally shifts course. Hence, the following becomes apparent later on. Because attention and interest were not satisfied earlier, because the person always had that urge for which nothing was offered, what were once many successive experiences have now been transformed into a tendency, an impulse, something that acts like a passion or an instinct, which manifests itself in a yearning desire, in an indefinite longing for something. In the past, it would have been possible to satisfy this urge; now it is no longer possible. Why? Because in the flow of the soul’s life, only those events took place to which attention was directed—and toward which the soul did not feel drawn. As a result, certain concepts have become so firmly established that the person has no understanding of what was once appropriate for him. In the past, no understanding was shown toward what reigns and weaves in the depths of the soul; now the person has grown out of that, and it is no longer possible to intervene. What remains is that for which the person may not have been equipped at all.

[ 24 ] So sehen wir, wie neben dem bewußten Leben des Menschen eine unterbewußte Strömung im Seelenleben mitläuft, und wir sehen sie im Alltagsleben in tausend Fällen. Wie aber wieder das bewußte Seelenleben hinuntertaucht in das unterbewußte, und wie der Mensch dennoch in die unterbewußten Tiefen des Seelenlebens eingreifen kann, das zeigen andere Erscheinungen. Da kommen wir zu dem Kapitel der Geisteswissenschaft, das uns zeigt, wie das Seelenleben hinunterreicht bis zum Ätherleib, der aber am physischen Leib arbeitet, wo der Mensch gleichsam in seine eigenen Untergründe hinuntersteigt. Was aber findet er da? Dasjenige findet er, was sein eigenes Leben über den engen Kreis des Menschen hinausführt, was ihn mit dem ganzen Weltall verbindet, denn sowohl mit dem physischen Leibe, wie mit dem Ätherleibe sind wir mit dem ganzen Universum verbunden. Ergießt sich das Seelenleben in den Ätherleib, dann können wir uns mit unserem Wesen in die Weltenweiten hinausleben, dann tritt das ein, was wir ein erstes Ankündigen nennen können des Verwachsenseins des Menschen mit der ganzen Welt, dessen, was nicht mehr er selbst ist, sondern was die Welt ist. Dann dringen wir zu dem menschlichen Phantasieleben durch. Und wenn der Mensch noch weiter hinuntersteigt, so weitet er das Innere noch mehr und dringt über das, was sonst den Menschen als die gewöhnlichen Zeit- und Raumverhältnisse einschließt, hinüber und erlebt, wie sein physischer Leib und Ätherleib in das ganze Universum eingeschlossen und von diesem abhängig sind. So beleuchtet das, was außerhalb des Menschen ist, sein Bewußtsein, wenn er in den physischen Leib hinuntersteigt. Haben wir gesehen, wie das verborgene Seelenleben heraufleuchten kann in das menschliche Bewußtsein, so müssen wir auf der anderen Seite mit dem Bewußtsein in die verborgenen Tiefen des Seelenlebens hinuntersteigen. Wir kommen zu denselben, wenn wir zunächst hinuntersteigen durch die Phantasie, wenn sie wirkliche, reale Phantasie ist, was etwa Goethe darunter versteht, wenn sie nicht eine Phantastik ist. Und wenn wir noch weiter hinuntersteigen, so kommen wir zu dem, was wir hellsichtige Kräfte nennen, die sich nicht nur auf das beschränken, was der Mensch sonst als Zeit- und Raumesdinge zur Verfügung hat, sondern wir kommen zu Weltenweiten, die sonst unsichtbar sind.

[ 24 ] Thus we see how, alongside a person’s conscious life, a subconscious current flows through the soul, and we observe this in countless instances in everyday life. But other phenomena show how the conscious life of the soul, in turn, plunges down into the subconscious, and how human beings can nevertheless intervene in the subconscious depths of the soul’s life. This brings us to the chapter of spiritual science that shows us how the life of the soul extends down to the etheric body—which, however, works on the physical body—where the human being, as it were, descends into his own depths. But what does he find there? He finds that which leads his own life beyond the narrow circle of the human being, that which connects him to the entire universe; for we are connected to the entire universe through both the physical body and the etheric body. When the life of the soul pours into the etheric body, we can project our being out into the vastness of the worlds; then what we might call a first glimpse of humanity’s fusion with the entire world comes into being—that which is no longer the human being itself, but rather the world itself. Then we penetrate into the human life of imagination. And when the human being descends even further, he expands his inner being even more and transcends what otherwise confines him to the ordinary conditions of time and space, experiencing how his physical body and etheric body are encompassed by the entire universe and dependent upon it. Thus, what lies outside the human being illuminates his consciousness as he descends into the physical body. Just as we have seen how the hidden life of the soul can shine up into human consciousness, so too must we, on the other hand, descend with our consciousness into the hidden depths of the soul’s life. We reach these depths when we first descend through the imagination—provided it is true, real imagination, as Goethe, for example, understands it, and not mere fantasy. And if we descend even further, we arrive at what we call clairvoyant powers, which are not limited to what human beings otherwise have at their disposal in terms of time and space, but rather lead us to realms that are otherwise invisible.

[ 25 ] Indem wir in die verborgenen Tiefen des Seelenlebens heruntersteigen, dringen wir in das Gebiet der Phantasie und weiter in das Gebiet des Hellsehens und in die Region der verborgenen Dinge des Daseins. Durchgangspunkte aber sind die verborgenen "Tiefen des eigenen Seelenlebens. Nur indem wir durch diese dringen, kommen wir zu den verborgenen Tiefen des Daseins, die als geistige, übersinnliche, für das gewöhnliche Bewußtsein nicht mehr wahrnehmbar sind, und die den Dingen des Wahrnehmbaren zugrunde liegen. Durch die Phantasie, wenn der Mensch nicht Phantastik übt, sondern aus einem vertieften Leben heraus, aus einem Mitleben mit den Dingen heraus gleichsam die Dinge so schafft, daß an Stelle der äußeren Wahrnehmung das umfassende Bild tritt, fühlt der Mensch sehr wohl -— und der wahre Künstler wird das immer vertreten —, wie er mit den Dingen zusammenwächst, wie er zwar nicht als das Wesen der Dinge bezeichnen darf, was er durch die Phantasie ausdrückt, aber Phantasie der Weg ist, durch den man in dasjenige eindringen kann, was tiefer ist als das, was Verstand und äußere Wissenschaft erfassen können. Deshalb hat ein Philosoph, und etwas Geistreiches hat er damit getan, Frohschammer, dasjenige, was der Welt zugrunde liegt, was schöpferisch ist, in einseitiger Weise als die «schöpferische Phantasie» in den Dingen bezeichnet. So daß der Mensch, wenn er aus seinem gewöhnlichen bewußten Seelenleben in unterbewußte Regionen hinunterdringt — und wer würde nicht zugeben wollen, daß das Leben in Phantasie zu den unterbewußten Regionen des Seelenlebens gehört —, nach diesen philosophischen Auseinandersetzungen mehr mit dem Wesen der Dinge, das als Phantasie selbstschöpferisch in den Dingen ist, zusammenwachsen würde, als durch den bloßen Verstand. Trotzdem diese Anschauung im höchsten Grade einseitig ist, so kann man von dieser Idee der Phantasie als einer schöpferischen Weltenmacht doch sagen, daß sie mehr als eine bloße Verstandesanschauung im Einklange steht mit dem, was auch sonst in der Welt geheimnisvoll zutage tritt. Wenn der Mensch mit dem, was er mit dem Verstande erschaffen kann, zur Welt der tausend Möglichkeiten übergeht, zur Welt der Phantasie gegenüber den nur hundert Möglichkeiten des Verstandes, so fühlt er, daß er zwar abkommt von dem, was den Alltag beherrschen muß, daß er aber doch eindringt in die Welt dessen, was sich in den Untergründen der Seele als umfassende Möglichkeit darstellt, dem gegenüber dasjenige, was in den Obergründen erlebt wird, nur wie ein kleiner Ausschnitt erscheint. Oder liegen nicht auf dem Grunde des Daseins die Millionen von Möglichkeiten gegenüber den nur tausend Wirklichkeiten, die sich auf der Oberfläche des Daseins ausbreiten, und die wir wahrnehmen? Man braucht nur auf das hinzuschauen, was im Meeresleben als Keime von Fischen hervorgebracht wird, was als unendlich vielseitige Möglichkeit hervorgebracht wird und wie sich das gegenüber den Erscheinungen des Lebens, die dann daraus hervortreten, ausnimmt, und man wird sehen, wie viele Keime, die das Leben hervorzaubert, möglich sind. Und wieviele von den Keimen werden Wirklichkeit? Da zeigt es sich, wie viel reicher das Leben in den Untergründen ist gegenüber dem, was an der Oberfläche dann zu schauen ist. Nicht anders ist es, wenn der Mensch von dem, was sein Verstand erfassen kann, hinuntersteigt in das Reich der Phantasie. Und ähnlich, wie wenn wir von dem Reiche der äußeren Wirklichkeit in das Reich der unendlichen Möglichkeiten hinuntersteigen, ähnlich ist es, wenn wir von der Verstandeswelt hinuntersteigen in das Zauberreich der Phantasie.

[ 25 ] As we descend into the hidden depths of our inner life, we enter the realm of the imagination and, further on, the realm of clairvoyance and the region of the hidden aspects of existence. The points of passage, however, are the hidden “depths of our own inner life.” Only by penetrating these do we reach the hidden depths of existence—which are spiritual and supersensory, no longer perceptible to ordinary consciousness, and which underlie the things of the perceptible world. Through the imagination—when a person does not engage in fantasy but, out of a deepened life, out of a living in harmony with things, creates things, as it were, in such a way that the comprehensive image takes the place of external perception—the person feels very clearly— —and the true artist will always uphold this—how they grow together with things; how, although they may not describe what they express through the imagination as the essence of things, the imagination is the path through which one can penetrate into that which is deeper than what the intellect and external science can grasp. That is why a philosopher—and he has done something ingenious in doing so—Frohschammer, has described what underlies the world, what is creative, in a one-sided way as the “creative imagination” within things. So that when a person descends from their ordinary conscious soul life into subconscious regions—and who would not be willing to admit that life in the imagination belongs to the subconscious regions of the soul life— according to these philosophical discussions, would become more closely attuned to the essence of things—which, as imagination, is self-creative within them—than through mere reason. Although this view is highly one-sided, one can nevertheless say of this idea of imagination as a creative world force that it is more in harmony with what else mysteriously comes to light in the world than a mere intellectual view. When a person, through what they can create with the intellect, moves into the world of a thousand possibilities—the world of imagination—as opposed to the mere hundred possibilities of the intellect, he feels that, while he is indeed departing from what must govern everyday life, he is nevertheless entering the world of what presents itself in the depths of the soul as all-encompassing possibility—in contrast to which what is experienced on the surface appears to be only a small fragment. Or do not millions of possibilities lie at the very foundation of existence, as opposed to the mere thousand realities that spread across the surface of existence and that we perceive? One need only look at what is produced in marine life as fish larvae—what is brought forth as an infinitely diverse potential—and how this contrasts with the manifestations of life that subsequently emerge from it, and one will see just how many potential forms of life are possible. And how many of these embryos become reality? Here it becomes clear just how much richer life is in its depths compared to what can then be seen on the surface. It is no different when a person descends from what their intellect can grasp into the realm of the imagination. And just as when we descend from the realm of external reality into the realm of infinite possibilities, so it is when we descend from the world of the intellect into the magical realm of the imagination.

[ 26 ] Aber es ist eine Einseitigkeit, wenn man die schöpferische Weltenkraft mit der Phantasie parallelisieren will, weil der Mensch durch die Phantasie zwar hinuntersteigt, aber nicht weit genug, um von diesen Untergründen aus in die Realität der übersinnlichen Welt hineinzukommen. Das kann er erst, wenn er die hellseherischen Kräfte entwickelt, die wir finden, wenn wir aus den Obergründen des Seelenlebens in die verborgenen Seelentiefen, aber mit Bewußtsein, hinuntersteigen, das heißt in die Kräfte, welche sonst nur unbewußt heraufschlagen. Auch das ist hier schon angedeutet worden, wie der Mensch mit dem Bewußtsein hinuntertauchen kann in unterbewußte Regionen. Wenn der Mensch so hinuntersteigen will, so muß er zu diesem Zwecke seine eigene Seele zu einem Instrument, zu einem Werkzeug machen, so daß sie genau so ein künstliches Instrument für das Weltenwahrnehmen im Geiste wird wie das, was der Chemiker und Physiker an Instrumenten und dergleichen in seinem Laboratorium für die äußeren Dinge verwendet. Zu einem Instrument, das die Seele im Alltagsleben nicht ist, muß sie werden. Dann aber ist eben der Goethesche Ausspruch wahr:

[ 26 ] But it is one-sided to draw a parallel between the creative power of the world and the imagination, because although human beings descend through the imagination, they do not go far enough to enter the reality of the supersensible world from these lower realms. They can do so only when they develop the clairvoyant powers that we discover when we descend—consciously—from the upper realms of soul life into the hidden depths of the soul, that is, into the forces that otherwise surge upward only unconsciously. This, too, has already been hinted at here: how a person can consciously delve down into subconscious regions. If a person wishes to descend in this way, they must, for this purpose, make their own soul into an instrument, a tool, so that it becomes just as much an artificial instrument for perceiving the world in the spirit as the instruments and the like that chemists and physicists use in their laboratories for external objects. The soul must become an instrument—something it is not in everyday life. But then Goethe’s saying rings true:

Geheimnisvoll am lichten Tag
Läßt sich Natur des Schleiers nicht berauben,
Und was sie deinem Geist nicht offenbaren mag,
Das zwingst du ihr nicht ab mit Hebeln und mit Schrauben.

Mysterious in Broad Daylight
Nature cannot be stripped of its veil,
And what it chooses not to reveal to your mind,
You cannot force from it with levers and screws.

[ 27 ] Nicht mit solchen Instrumenten und durch solche Experimente, die auf Hebel und Schrauben, das heißt überhaupt auf Außerliches gegründet sind, kann man in den Geist eindringen. Aber wenn man das, was sonst in den verborgenen Seelentiefen waltet, mit Bewußtsein beleuchtet, so daß, was sonst in Finsternis gehüllt ist, im Lichte auftaucht, dann kann man in jene Geistesgründe eindringen, in denen die Menschenseele als ein Ewiges und Unendliches mit den schaffenden Wesen lebt, die ebenso unendlich sind, wie sie selber. Und nur dadurch, daß die Seele intime Erlebnisse in sich selber durchmacht, kann sie sich zu einem solchen Instrument machen.

[ 27 ] One cannot penetrate the spirit with such instruments and through such experiments, which are based on levers and screws—that is, on external factors in general. But if one illuminates with consciousness that which otherwise reigns in the hidden depths of the soul, so that what is otherwise shrouded in darkness emerges into the light, then one can penetrate those depths of the spirit in which the human soul, as something eternal and infinite, lives together with the creative beings who are just as infinite as the soul itself. And it is only by undergoing intimate experiences within itself that the soul can make itself into such an instrument.

[ 28 ] Es wurde hier schon darauf hingewiesen, was in ausführlicher Weise in dem Buch « Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» enthalten ist, wie der Mensch durch Meditation, Konzentration das erreichen kann, was die Seele bewußt in die verborgenen Tiefen des Seelenlebens hinunterführt. Wenn der Mensch dadurch in die Lage kommt, durch einen starken Willensentschluß das auszuschließen, was die Sinne wahrnehmen, wenn er in die Lage kommen kann, das zu unterdrücken, woran er sich sonst im Leben erinnert, was Bekümmernisse, Sorgen, Aufregungen und so weiter sind, was das bewegte Gemüt ihm sonst darstellt, dann kann er mit seinem leeren Seelenleben in sich verharren. Alle Erinnerungen an äußeres Wahrnehmen sind ausgelöscht wie sonst im Schlafesleben. Aber im Schlafe sind die Kräfte, die in den verborgenen Seelentiefen walten, nicht stark genug, um mit dem Bewußtsein hinunterzudringen, oder besser gesagt, die Seele ist noch nicht stark genug, um die verborgenen Tiefen bewußt zu beleuchten. Das kann der Mensch nur erlangen, wenn er sich mit seinem Willen auf das unterbewußte Leben richtet, wenn er sich zum Beispiel einer bestimmten Vorstellung oder einem bestimmten Vorstellungskomplex hingibt, sagen wir an das, was sonst das Unterbewußte tut. Das muß ganz und gar in den Willen getaucht sein. Der Wille muß maßgebend sein für das, was wir denken, und nichts anderes ist maßgebend als das, in was sich der Mensch durch den Willen hineinstellt. In der Meditation stellt der Mensch einen Vorstellungsinhalt durch seinen Willen sich vor. Wenn er so lange Zeit hindurch nichts anderes denken, anschauen und sich erinnern wird als das, was er sich selbst vorgestellt hat, wenn er dazu imstande ist, mit seinem Willen eins zu werden, und der Wille die Gedanken in den Horizont des Bewußtseins bringt und wenn er fähig ist, diese Vorstellungen fest ins geistige Auge zu fassen und alle Seelenkräfte, die sonst zersplittert sind, in einer einzigen Aufmerksamkeit zusammenfaßt, wenn er den Willen in die Mitte rückt und die Fähigkeit hat, eine solche Vorstellung nicht wie suggestiv auf sich wirken zu lassen, das heißt, wenn er immer Herr seiner selbst bleibt und nicht unter dem Zwange einer solchen Vorstellung steht, sondern sie immer wieder auslöschen kann, wenn er will, kurz, wenn er seine Seele so weit bringt und so zu starker innerer _ Willensentfaltung kommt, dann hat er einen ersten Schritt getan. Aber nicht die Vorstellungen der Außenwelt sind es, die am stärksten wirken, sondern diejenigen Vorstellungen, welche wir als die symbolischen, die sinnbildlichen bezeichnen. Nehmen wir zum Beispiel die Vorstellung, die der Mensch als «Licht» oder als «Weisheit» hat, die in der Seele waltet, so wird er zwar viel erreichen können, wenn er sie durch seinen Willen in sein Bewußtsein hineinstellt, aber er wird doch nicht sehr weit kommen. Anders aber wird es sein, wenn der Mensch sich sagt, die Weisheit stelle sich dar im Sinnbilde des Lichtes, oder Liebe im Sinnbilde der Wärme, das heißt wenn er überhaupt sinnbildliche Vorstellungen wählt, die unmittelbar in der Seele selbst leben, kurz, wenn er Verzicht leistet auf Vorstellungen, die der äußeren Welt entlehnt sind, und dagegen solche Vorstellungen berücksichtigt, die er sich selbst gemacht hat, die sogar nicht einmal eindeutig, sondern vieldeutig sind, und sich diesen hingibt. Dann kann man zwar sagen, wenn man materialistisch denkt, ein solcher Mensch sei ein Phantast im Üben, denn diese Vorstellungen bedeuteten. nichts. Aber sie brauchen auch nichts zu bedeuten, sondern sie sollen nur Erzieher sein für die Seele, damit die Seele in die verborgenen Tiefen hinuntertauchen kann. Wenn der Mensch so in strengen Vorschriften seine Seele von dem, was sie im Alltag ist, wo äußere Kräfte von außen oder aus dem verborgenen Seelenleben herauf walten, um Vorstellungen hereinzubringen, zu einer solchen umgestaltet, daß alles dem bewußten Willen unterstellt ist, wo er das ganze Vorstellungsleben innerlich in starken Kräften sich abspielen läßt, dann lebt er in wahrer Meditation, in wahrer Konzentration, dann wird seine Seele durch solche Übungen etwas anderes. Wer das durchmacht, kann bemerken, daß seine Seele in andere Regionen hinabsteigt. Wenn wir beschreiben, was solch ein Übender, ein solcher Meditant erleben kann, wird sich gleich zeigen, daß er zur wirklichen, inneren, zentralen Wesenheit kommt, zur übersinnlichen, innerlichen Zentralwesenheit des Menschen. Folgendes Erlebnis kann sich geltend machen.

[ 28 ] It has already been pointed out here—and is described in detail in the book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?—how a person can achieve, through meditation and concentration, what consciously leads the soul down into the hidden depths of the soul’s life. When a person thereby becomes able, through a strong act of will, to exclude what the senses perceive—when they can suppress what they would otherwise recall in life—such as troubles, worries, agitations, and so on, that is, whatever the agitated mind would otherwise present to them—then they can remain within themselves with an empty soul life. All memories of external perception are erased, just as they are during sleep. But in sleep, the forces at work in the hidden depths of the soul are not strong enough to penetrate consciousness—or, to put it better, the soul is not yet strong enough to consciously illuminate those hidden depths. A person can achieve this only when they direct their will toward the subconscious life—for example, by devoting themselves to a specific idea or a specific complex of ideas, let us say, to what the subconscious otherwise does. This must be completely immersed in the will. The will must be the determining factor in what we think, and nothing else is decisive except that into which a person places themselves through the will. In meditation, a person conjures up an image through their will. If, over a long period of time, they think of, contemplate, and recall nothing other than what they have imagined for themselves—if they are capable of becoming one with it through their will, and the will brings these thoughts into the horizon of consciousness, and if they are capable of firmly grasping these images in the mind’s eye and uniting all the soul’s powers—which are otherwise scattered—into a single focus of attention, if they place the will at the center and have the ability not to allow such an image to influence them suggestively, that is, if he always remains master of himself and is not under the compulsion of such an image, but can extinguish it again and again whenever he wishes—in short, if he brings his soul to this point and thereby achieves such a strong inner _ development of the will—then he has taken the first step. But it is not the ideas of the external world that have the strongest effect, but rather those ideas that we describe as symbolic or allegorical. Take, for example, the concept that a person has of “light” or “wisdom” reigning in the soul; while he will certainly be able to achieve a great deal by bringing it into his consciousness through his will, he will not get very far. It will be different, however, if a person tells themselves that wisdom is represented by the symbol of light, or love by the symbol of warmth—that is, if they choose symbolic concepts that live directly within the soul itself, in short, if they renounce concepts borrowed from the external world and instead take into account concepts they have created themselves—concepts that are not even unambiguous but rather open to multiple interpretations—and devote themselves to these. Then, of course, if one thinks materialistically, one might say that such a person is a fantasist in the making, for these ideas mean nothing. But they need not mean anything; rather, they are meant only to be educators for the soul, so that the soul can plunge into the hidden depths. When a person, through strict discipline, transforms his soul from what it is in everyday life—where external forces, whether from the outside or arising from the hidden life of the soul, bring forth images—into a state where everything is subject to the conscious will, and where he allows his entire life of imagination to unfold internally through powerful forces, then they live in true meditation, in true concentration; then, through such exercises, their soul becomes something else. Anyone who undergoes this process may notice that their soul descends into other realms. When we describe what such a practitioner, such a meditator, can experience, it will immediately become clear that they are reaching the true, inner, central essence—the supersensory, inner central essence of the human being. The following experience may arise.

[ 29 ] Es kann der Mensch bis zu einem bestimmten Punkte kommen, wo er wahrnimmt: die Vorstellungen, welche er da entwickelt, tun etwas an ihm, gestalten etwas an ihm um. Er hört auf, nur etwas von Gedanken, von einem Seelenleben zu wissen, das er bisher gehabt hat, sondern er nimmt etwas wahr, das aus dem Seelenleben in Weltenweiten hinaus will und aus den Raumesweiten herein gestaltend an ihm wirkt. Wie verwachsen mit dem Raume fühlt sich der Mensch da, aber immer unter voller Kontrolle des Bewußtseins. Nun kommt zu diesem Erlebnis, daß außerordentlich bedeutsam ist, das nie außer acht gelassen werden darf, wenn experimentell die Realität der äußeren übersinnlichen Welt erfahren werden soll, etwas anderes hinzu. Der Mensch wird sich bewußt: In dir geschieht etwas, aber du kannst dir unmöglich das, was in dir vorgeht, so vorstellen, wie du im gewöhnlichen Leben vorstellst; du kannst das, was in dir vorgeht, nicht mit den scharfen Konturen des Gedankens fassen; du hast in dir ein Erleben, das reich ist, das vieldeutig ist, aber du kannst es nicht in dein Bewußtsein hereinbekommen. - Es ist, wie wenn der Mensch an einen Widerstand stoßen würde, wenn er das in das gewöhnliche Bewußtsein hereinbringen würde. Er muß gewahr werden, daß hinter ihm ein erweitertes Bewußtsein ist, aber er fühlt einen Widerstand, wie wenn er nicht das gewöhnliche Instrument seines Leibes benutzen könnte. Da wird man gewahr, wie man innerlich noch etwas anderes ist, als was man bewußt weiß. Man wird gewahr, daß man in den Ätherleib die Kräfte hineinarbeitet, daß aber der physische Leib da drinnen wie ein schwerer Klotz ruht, daß er nicht nachgibt. Das ist das erste Erlebnis. Und das spätere Erlebnis, wenn wir die Übungen weiter und weiter wiederholen, ist: der physische Leib fängt an nachzugeben, so daß wir in die Lage kommen, dasjenige, was wir erleben, in die Vorstellungen des gewöhnlichen Lebens zu übersetzen, was zuerst nicht übersetzt, sondern nur in dem tieferen verborgenen Seelenleben erlebt werden konnte.

[ 29 ] A person can reach a certain point where they realize: the ideas they are developing are having an effect on them, transforming something within them. They cease to merely be aware of thoughts or of a soul life they have had up to that point; instead, they perceive something that seeks to extend from the soul life into the vastness of the worlds and that acts upon them in a formative way from the expanses of space. How at one with space a person feels at that moment—yet always under the full control of consciousness. Now, in addition to this experience—which is extraordinarily significant and must never be overlooked if one is to experimentally experience the reality of the outer supersensible world—something else comes into play. The person becomes aware: Something is happening within you, but you cannot possibly imagine what is going on inside you in the same way you do in ordinary life; you cannot grasp what is going on inside you with the sharp contours of thought; you have an experience within you that is rich and multifaceted, but you cannot bring it into your consciousness. - It is as if a person were to encounter resistance when trying to bring this into ordinary consciousness. They must become aware that there is an expanded consciousness behind them, but they feel a resistance, as if they could not use the ordinary instrument of their body. There one becomes aware of how, inwardly, one is something other than what one consciously knows. One becomes aware that one is working these forces into the etheric body, but that the physical body lies there like a heavy block, refusing to yield. That is the first experience. And the subsequent experience, as we repeat the exercises over and over again, is this: the physical body begins to yield, so that we are able to translate what we experience into the concepts of ordinary life—something that at first could not be translated, but could only be experienced in the deeper, hidden life of the soul.

[ 30 ] Alles was man in geistigen Welten erlebt und was in der Geisteswissenschaft mitgeteilt wird, es wird in die Ideen und logischen Begriffe des gewöhnlichen Lebens gekleidet. Aber wie es uns da entgegentritt, so ist es nicht durch logische Schlußfolgerungen gewonnen, noch durch irgendwelche äußere Beurteilung der Dinge, sondern es ist durch das übersinnliche Erleben gewonnen, durch das Beleuchten der verborgenen Untergründe des Menschen mit seinem Bewußtsein. Und dann erst, nachdem es im Übersinnlichen erlebt ist, ist es in das gewöhnliche Bewußtsein heruntergetragen, indem der, welcher so seine Seele selber zum Instrumente des Wahrnehmens des Übersinnlichen gemacht hat, in seiner Seele das hervorgerufen hat, was nun auch bis in die physischen und ätherischen Leibeskräfte hinein seinen Organismus umgestaltet, so daß es mit den gewöhnlichen Begriffen belegt und für die äußere Welt mitgeteilt werden kann. «Logisch» wird Geisteswissenschaft mitgeteilt.

[ 30 ] Everything one experiences in the spiritual worlds and everything communicated in spiritual science is clothed in the ideas and logical concepts of ordinary life. But what we encounter there is not arrived at through logical conclusions, nor through any external assessment of things; rather, it is gained through supersensible experience, through the illumination of the hidden depths of the human being with one’s consciousness. And only then, after it has been experienced in the supersensible realm, is it brought down into ordinary consciousness, in that the one who has thus made his own soul an instrument for perceiving the supersensible has evoked within his soul that which now also transforms his organism right down into the physical and etheric bodily forces, so that it can be clothed in ordinary concepts and communicated to the outer world. Spiritual science is communicated “logically.”

[ 31 ] Wenn wir das ins Auge fassen, was wir an unterbewußten Seelenkräften haben, so kann man sagen: Es sieht der Seelenforscher, was da geschieht. — Er sieht wie bei dem vorhin angeführten Beispiel, als wir sagten, daß ein Traumerlebnis sich wiederholt zeigt, wie der seelische Wesenskern zuerst im Innern des Menschen arbeitet. Indem dann die zeichnerischen Fähigkeiten auftreten, zeigt sich im Bewußtsein des Menschen das Resultat dieses Arbeitens. Wir sehen also zuerst ein Arbeiten an dem Unterbewußten, dann eine Umwandlung und ein Herauftreten dessen ins Bewußtsein, was in den Untergründen arbeitet. Beim bewußten Hinuntertauchen lebt der Mensch zuerst in seinem Bewußtsein in Meditation und Konzentration. Da bewirkt die Kraft des Willens, welche auf Meditationen und Konzentrationen verwendet wird, die Umgestaltung des ätherischen und physischen Leibes. Wir sind es selbst, die dann in das Alltagsbewußtsein das hereinbringen, was wir übersinnlich erleben. Es ist also geistig-experimentell möglich, dasjenige zur unmittelbaren Anschauung zu bringen, was wir im Leben beobachten, aber nur dann, wenn der Mensch in die verborgenen Tiefen seiner Seele heruntersteigt.

[ 31 ] When we consider the subconscious forces of the soul, we can say: The researcher of the soul sees what is happening there. — As in the example mentioned earlier, when we said that a dream experience recurs, the researcher sees how the soul’s essential core first works within the human being. When the artistic abilities then emerge, the result of this work becomes apparent in the person’s consciousness. So we first see a process at work in the subconscious, then a transformation and the emergence into consciousness of what is at work in the depths. When consciously delving downward, a person first lives in meditation and concentration within their consciousness. There, the power of the will—which is directed toward meditation and concentration—brings about the transformation of the etheric and physical bodies. It is we ourselves who then bring into our everyday consciousness what we experience supersensually. It is therefore spiritually and experientially possible to bring what we observe in life into direct perception—but only when a person descends into the hidden depths of their soul.

[ 32 ] Was ich Ihnen hier ausgeführt habe als künstliche Schulung und als einzig richtige Schulung für den gegenwärtigen Menschen, wenn er durch Schulung zu hellseherischen Kräften kommen will, das stellt sich auch für den Menschen, der günstig veranlagt ist für das, was man nennen kann sein Arbeiten aus seinem Seelenkern heraus, auf eine natürliche Weise ein. Es kann der Mensch auch dadurch, daß er von Natur aus dafür veranlagt ist, gewisse Kräfte in die verborgenen Seelentiefen hinunterführen. Dann tritt eine Art natürliches Hellsehen ein. Ein solches kann ebenso wie das geschilderte selbstbewußte Hellsehen zu dem führen, was angedeutet ist. Wenn der Mensch so in seine Seelentiefen hinunterdringt und gewahr wird, wie das an der Leibesorganisation arbeitet, was er durch Meditation und Konzentration in seinen Ätherleib hineingearbeitet hat, so bleibt er nicht mehr in den Raum- und Zeitverhältnissen stehen, in denen er sonst steht, wenn er nur innerhalb der äußeren Wahrnehmung bleibt, sondern er durchdringt Raum und Zeit und was sonst in der Sinneswelt ist und kommt auch zu den Dingen, die als geistige den Siinnesdingen zugrunde liegen. Wenn wir den Menschen mit dem geschulten hellseherischen Bewußtsein zu der Wesenheit der Dinge hindurchdringen sehen, so kann das auch in gewisser Beziehung durch natürliche Veranlagung geschehen. In dem Vortrage über den «Sinn des Prophetentumes» ist es an Nostradamus gezeigt worden, wie durch natürliche Anlage eine solcheEntfaltung der hellseherischen Kräfte stattgefunden hat. Wie das ins Leben hereinspielt, wie überhaupt das alles wirkt, was erweitertes Bewußtsein, was Wirken der Seelenkräfte ist, die außerhalb der gewöhnlichen Grenze des bewußten Seelenlebens liegen, das kann man aus einem Buche entnehmen, auf das ich hier hinweisen möchte. In ihm ist sehr schön dargestellt, wie sich für die äußere Wissenschaft das Wirken der verborgenen Seelen- und Geisteskräfte ausnimmt, wie auch der Zusammenhang dieser ohne besondere Schulung erreichten Geisteskräfte mit dem, was in meinem Buche dargestellt ist über die Beziehung des Menschen zu den höheren Welten. Sie finden das dargestellt in dem Buche «Das Mysterium des Menschen im Lichte der psychischen Forschung. Eine Einführung in den Okkultismus» von Ludwig Deinhard, das die beiden Methoden übersinnlicher Forschung darstellt, sowohl die, welche sich an die äußere Wissenschaft hält, wie auch jene, welche sich an das hält, was durch die wirkliche Schulung, durch Meditation, Konzentration und so weiter an Eindringen in die übersinnlichen Welten erreicht werden kann. Wer aber genauer in das eindringen will, was die Seele durchmacht, der wende sich an das, was in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheten Welten?» dargestellt ist.

[ 32 ] What I have described here as artificial training—and as the only correct form of training for people today who wish to develop clairvoyant powers through training—also occurs naturally for those who are predisposed to what might be called working from the core of their soul. A person can also, by virtue of a natural predisposition, direct certain powers down into the hidden depths of the soul. Then a kind of natural clairvoyance arises. Such clairvoyance, just like the self-conscious form described above, can lead to what has been indicated. When a person penetrates in this way into the depths of their soul and becomes aware of how what they have worked into their etheric body through meditation and concentration is affecting their physical constitution, they no longer remain confined to the conditions of space and time in which they otherwise find themselves when they remain solely within external perception, but rather they penetrate space and time and all that else exists in the sensory world, and also reach the things that, as spiritual realities, underlie sensory phenomena. When we see a person with a trained clairvoyant consciousness penetrating to the essence of things, this can also occur, to a certain extent, through natural predisposition. In the lecture on “The Meaning of Prophecy,” the example of Nostradamus was used to demonstrate how such a development of clairvoyant powers took place through natural predisposition. How this plays out in life, and how everything related to expanded consciousness—that is, the workings of the soul’s powers that lie beyond the ordinary limits of conscious soul life—functions in general, can be gleaned from a book to which I would like to refer here. It beautifully illustrates how the workings of the hidden soul and spiritual forces appear to external science, as well as the connection between these spiritual forces—attained without special training—and what is described in my book regarding the relationship of the human being to the higher worlds. You will find this described in the book The Mystery of Man in the Light of Psychic Research. An Introduction to Occultism by Ludwig Deinhard, which describes the two methods of supersensory research: both the method that adheres to external science and the method that relies on what can be achieved through genuine training—through meditation, concentration, and so on—to penetrate the supersensory worlds. But anyone who wishes to delve more deeply into what the soul experiences should turn to what is described in my book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?

[ 33 ] So sehen wir, wie die Seele jenes merkwürdige, erdbebenartigeHeraufstürmen der Kräfte, die da unten in den Tiefen walten, überall zeigt. So zeigt sich aber auf der anderen Seite, wie die Geisteswissenschaft dazu berufen ist, darauf hinzuweisen, wie der Mensch auch experimentell, allerdings nur durch das Experiment, das er mit dem eigenen Seelenleben vollziehen muß, in das eigene Seelenleben, in die verborgenen Tiefen des Daseins herunterdringen kann. Aber nicht anders, als daß wir durch die verborgenen Seelentiefen gehen und uns selber dort zunächst erfassen, dringen wir auch in die verborgenen Tiefen, in die geistigen Untergründe, in die Region des Ewigen und Unsterblichen in der äußeren Welt. Geisteswissenschaft geht durch die verborgenen Tiefen desSeelenlebenszu den verborgenen Tiefen der äußeren Welt, des Kosmischen, des Universums. Das ist das Wesentliche in dem Gange, in den Methoden der Geisteswissenschaft.

[ 33 ] Thus we see how the soul manifests everywhere that strange, earthquake-like surging of the forces that reign down there in the depths. On the other hand, however, it becomes clear how spiritual science is called upon to point out how human beings can also penetrate, experimentally—though only through the experiment they must carry out within their own soul life—into their own soul life and into the hidden depths of existence. But it is only by passing through the hidden depths of the soul and first coming to understand ourselves there that we also penetrate the hidden depths, the spiritual foundations, and the realm of the eternal and immortal in the outer world. Spiritual science passes through the hidden depths of the soul’s life to the hidden depths of the external world, of the cosmic, of the universe. This is the essence of the process and the methods of spiritual science.

[ 34 ] Wenn wir die Dinge so ansehen, dann bewahrheitet sich uns in einem ganz besonderen Sinne das Wort Goethes, das er im Anschluß an eine mißverstandene Naturauffassung von Haller gesprochen hat. Wenn Haller gesagt hat: «Ins Innere der Natur dringt kein erschaffener Geist; glückselig! wem sie nur die äußere Schale weist!», sagte Goethe, indem er als ein durch natürliche Veranlagung bis an die Grenze des Hellsehens vordringender Mensch sich bewußt war, daß ein Zusammenhang zwischen dem bewußten Leben des Menschen und dem Hinunterdringen in die verborgenen Tiefen des Seelenlebens besteht und von da aus in die verborgenen Tiefen des Kosmos, indem er es wußte durch sein eigenes Leben, durch sein Leben mit der Außenwelt, mit der Natur selber, — sagte. er gegenüber den Worten Hallers, die nur eine Erkenntnis der Außenwelt gelten lassen wollen und auf das Erkennen der Oberfläche gingen:

[ 34 ] If we look at things this way, then Goethe’s words—spoken in response to Haller’s misunderstood view of nature—prove true for us in a very special sense. When Haller said: “No created spirit penetrates into the innermost depths of nature; blessed is he to whom she shows only her outer shell!”—Goethe, as a man whose natural disposition allowed him to penetrate to the very limits of clairvoyance, was aware that there is a connection between human conscious life and the descent into the hidden depths of the soul’s life, and from there into the hidden depths of the cosmos, knowing this through his own life, through his life with the external world, with nature itself—he said this in response to Haller’s words, which sought to acknowledge only knowledge of the external world and were directed toward the recognition of the surface:

«Ins Innre der Natur —
O, du Philister! —
«Dringt kein erschaffner Geist.»
Mich und Geschwister
Mögt ihr an solches Wort
Nur nicht erinnern!
Wir denken: Ort für Ort
Sind wir im Innern.
«Glückselig! wem sie nur
Die äußre Schale weist!»
Das hör’ ich sechzig Jahre wiederholen;
Ich fluche drauf, aber verstohlen;
Sage mir tausend tausend Male:
Alles gibt sie reichlich und gern;
Natur hat weder Kern
Noch Schale,
Alles ist sie mit einem Male;
Dich prüfe du nur allermeist,
Ob du Kern oder Schale seist!

“Into the heart of nature—
Oh, you philistine! —
“No creative spirit penetrates.”
As for me and my brothers and sisters
May you never
Even recall such words!
We think: place by place
We are within.
“Blessed is he to whom she
Shows only the outer shell!”
I’ve heard that repeated for sixty years;
I curse it, but secretly;
Tell me a thousand thousand times:
She gives everything abundantly and gladly;
Nature has neither core
Nor shell,
She is everything at once;
Examine yourself above all else,
Whether you are core or shell!

[ 35 ] Wahrhaftig, wir können sagen, daß in der Welt vieles rätselvoll ist, und daß der Mensch mit dem, was in sein Bewußtsein heraufdringt, kaum mehr hat als die Schale seines Seelenlebens. Aber wir sehen, wenn wir nur die richtigen Methoden einschlagen, wie der Mensch doch durch dieSchale des Lebens hindurchdringen kann bis zu seiner Seele Kern, daß er aber, wenn er in die Tiefen seiner Seele eindringt, zugleich die Aussicht hat, in das Leben des Universums einzudringen. Deshalb können wir wirklich mit Goethe sagen:

[ 35 ] Truly, we can say that much in the world is mysterious, and that what rises into a person’s consciousness is little more than the outer shell of their soul life. But we see that, if we only employ the right methods, human beings can indeed penetrate through the shell of life to the core of their soul; and that when they penetrate into the depths of their soul, they simultaneously have the prospect of penetrating into the life of the universe. That is why we can truly say with Goethe:

Müsset im Naturbetrachten
Immer eins wie alles achten!
Nichts ist drinnen, nichts ist draußen:
Denn was innen, das ist außen.

When observing nature
Always regard the one as the whole!
Nothing is inside, nothing is outside:
For what is inside is also outside.

[ 36 ] Nur muß der Mensch das verborgene Innere selbst erst finden! So vermag denn Geisteswissenschaft, indem sie in ihrer Art auf die verborgenen Tiefen des Seelenlebens hindeutet, doch ganz andere Empfindungen im Menschen erregen als die bloß äußere Wissenschaft. Sie mag zwar zugeben: Wenn wir in die Welt hinausschauen, so erblicken wir Rätsel über Rätsel. Und diese Rätsel mögen oftmals Schauer erregen, wenn wir das eigene Innere so rätselvoll finden und wenn wir wahrnehmen, wie die Kräfte dieses Inneren heraufwirken in das, was wir unmittelbar erleben müssen, oder wenn der Mensch mit banger Erwartung vor dem steht, was das Unbekannte erst noch werden und geben kann. Wir sehen den Menschen gegenüber der Außenwelt Rätsel über Rätsel vor sich haben. Aber wenn wir in richtiger Weise das äußere Leben mit dem inneren vergleichen, so fühlen wir, wie wenn da unten in unserem eigenen inneren Seelenleben verborgene Kräfte wirksam sind, die nicht in den engen Kreis des gewöhnlichen Bewußtseins eindringen, sondern, wie dieKräfte beim Erdbeben an die Oberfläche herauftreiben, als unterirdische Seelenkräfte in das offenbare Bewußtsein sich heraufdrängen. Wenn wir aber auf der einen Seite sehen, wie wir hoffnungsvoll die Gewißheit aufnehmen können, daß der Mensch in die eigenen Seelentiefen hinuntersteigen und dort Rätsel nach Rätsel lösen kann, so gewinnen wir auch die Hoffnung zu dem, was die Geisteswissenschaft weiter verspricht: daß nicht nur die verborgenen Rätsel des Seelenlebens sich uns enthüllen können, sondern daß auch beim Durchgang durch unser Seelenleben und beim Aufschließen der Pforte in die geistige Welt hinaus sich dort für die Menschenseele Rätsel über Rätsel lösen und Ausblicke sich eröffnen können durch den Aufschluß der großen Welt draußen. - So dringt der Mensch, wenn er sich selbst als Rätsel zu erfassen den Mut hat, und wenn er die Seele selbst als Instrument der Wahrnehmung zu erhöhen sich bemüht, zu der Hoffnung und Zuversicht vor, daß sich ihm auch im Geistigen der Welt die großen Rätsel immer mehr zu seiner Befriedigung, zu seiner Lebenssicherheit lösen werden.

[ 36 ] But first, a person must discover this hidden inner world for themselves! Thus, by pointing in its own way to the hidden depths of the soul’s life, spiritual science is able to stir up feelings in people that are quite different from those aroused by merely external science. It may well admit: When we look out into the world, we see mystery upon mystery. And these mysteries may often send a shiver down our spines when we find our own inner world so enigmatic, and when we perceive how the forces of this inner world work their way up into what we must experience directly, or when a person stands with anxious anticipation before what the unknown may yet become and bring. We see that, in relation to the outer world, human beings face mystery upon mystery. But when we properly compare outer life with inner life, we sense that hidden forces are at work down there in our own inner soul life—forces that do not penetrate the narrow circle of ordinary consciousness but, just as forces surge to the surface during an earthquake, push their way up into overt consciousness as subterranean soul forces. But when we see, on the one hand, how we can hopefully embrace the certainty that human beings can descend into the depths of their own souls and solve mystery after mystery there, we also gain hope for what spiritual science further promises: that not only can the hidden mysteries of soul life be revealed to us, but that as we pass through our soul life and open the gateway to the spiritual world, mystery upon mystery can be solved for the human soul, and new perspectives can open up through the unveiling of the great world beyond. - Thus, when a person has the courage to grasp themselves as a mystery, and when they strive to elevate the soul itself as an instrument of perception, they advance toward the hope and confidence that even in the spiritual realm of the world, the great mysteries will increasingly be solved to their satisfaction and for their sense of security in life.