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Spiritual Science as an Essential in Life
GA 63

6 November 1913, Berlin

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Spiritual Science as an Essential in Life, tr. SOL
  1. Geisteswissenschaft als Lebensgut

2. Theosophie und Antisophie

2. Theosophy and Antisophy

[ 1 ] Bereits vor acht Tagen, als ich hier die Art der geisteswissenschaftlichen Forschung und ihre Beziehung zur geistigen Welt auseinanderzusetzen versuchte, gestattete ich mir darauf aufmerksam zu machen, wie es gerade denjenigen, welcher in dieser Geisteswissenschaft darinnensteht, welcher in einer gewissen Beziehung seine Lebensziele in ihr erkennt, durchaus nicht überrascht, wenn diese Geisteswissenschaft von den verschiedensten Gesichtspunkten der Gegenwart aus die mannigfachste Gegnerschaft, Mißverständnis und so weiter findet. Nun werde ich es durchaus nicht als meine Aufgabe betrachten, in eine ja wenig fruchtbare Darlegung einzelner Gegnerschaften oder einzelner Gesichtspunkte einzutreten, von denen aus solche Mißverständnisse und Gegnerschaften erwachsen; denn es gibt einen anderen Standpunkt, den man dieser Sache gegenüber einnehmen kann. Das ist der, zu versuchen, einmal die Wurzeln einer jeden möglichen Gegnerschaft gegen die Geisteswissenschaft aufzudecken. Versteht man diese Wurzeln, dann wird auch mancherlei einzelnes von Gegnerschaft erklärlich.

[ 1 ] Eight days ago, when I attempted here to examine the nature of spiritual scientific research and its relationship to the spiritual world, I took the liberty of pointing out how it comes as no surprise at all to those who are deeply immersed in this spiritual science—those who, in a certain sense, recognize their life’s goals in it—that this spiritual science encounters the most diverse forms of opposition, misunderstanding, and so on from the various perspectives of the present. Now, I certainly do not consider it my task to engage in a discussion—which would be of little fruit—of individual forms of opposition or individual viewpoints from which such misunderstandings and opposition arise; for there is another standpoint one can take toward this matter. This is to attempt, first of all, to uncover the roots of every possible form of opposition to spiritual science. If one understands these roots, then many individual instances of opposition can also be explained.

[ 2 ] Nun möchte ich dasjenige, was ich mir nun schon seit Jahren von diesem Orte aus als Geisteswissenschaft vorzutragen gestatte, durchaus nicht als einerlei erklären mit dem, was von dieser oder jener Seite her «Theosophie» genannt wird. Denn, was heute zuweilen Theosophie genannt wird, bietet wenig Anreiz, um sich mit ihm irgendwie einverstanden zuerklären. Aber nicht vom Standpunkte zeitgenössischer Vorurteile aus, nicht vom Standpunkte irgendwelcher ehrgeiziger Aspirationen aus, die den Namen Theosophie okkupieren, sondern von einem berechtigten Gesichtspunkte aus kann die hier vertretene Geisteswissenschaft theosophisch genannt werden. Und damit rechtfertigt sich das Thema des heutigen Abends, welches das Verhältnis besprechen will zwischen der Theosophie und demjenigen, was in der menschlichen Natur selber sich, ich möchte sagen, gegen diese Theosophie aufbäumt, was man als eine Stimmung in der Menschenseele bezeichnen könnte, die nur allzuleicht vorhanden ist, und die aus Leidenschaft, aus Affekt, oftmals aber auch aus einem bestimmten Glauben heraus sich gegen Theosophie wenden zu müssen denkt, und die hier bezeichnet werden soll als Antisophie.

[ 2 ] Now, I do not in any way wish to equate what I have been presenting here for years as spiritual science with what is called “theosophy” by this or that group. For what is sometimes called theosophy today offers little incentive to agree with it in any way. But not from the standpoint of contemporary prejudices, not from the standpoint of any ambitious aspirations that have appropriated the name “theosophy,” but from a legitimate point of view, the spiritual science represented here can be called theosophical. And this justifies the topic of this evening, which aims to discuss the relationship between Theosophy and that which, within human nature itself, I might say, rebels against this theosophy—what one might describe as a mood in the human soul that is all too easily present, and which, out of passion, out of emotion, but often also out of a certain belief, feels compelled to turn against theosophy, and which shall be referred to here as antisophy.

[ 3 ] Wenn Sie ins Auge fassen, was heute vor acht Tagen gesagt worden ist, so werden Sie sich erinnern, wie darauf aufmerksam gemacht worden ist, daß Geisteswissenschaft oder, wollen wir heute sagen, weil eben Geisteswissenschaft als theosophisch aufgefaßt werden soll, daß Theosophie zu ihren Erkenntnissen kommt, wenn die Menschenseele nicht einfach dort stehen bleibt, wo sie im alltäglichen Leben steht, sondern wenn diese Menschenseele durch ihren eigenen Antrieb, durch ihre eigene Tätigkeit in sich selber eine Entwickelung durchmacht. Und diese Entwickelung kann durchgemacht werden. Aus den Andeutungen, die im ersten Vortrage dieses Winters gemacht worden sind, haben wir gesehen, daß die Menschenseele durch eine solche Entwickelung zu einer ganz anderen inneren Verfassung kommt, als sie dem alltäglichen Leben gegenüber ist, daß die Art ihres Sich-Erfühlens, die Art ihres Sich-Hineinstellens in die Welt eine ganz andere wird, als sie im Alltage ist. Es wird gleichsam in der Menschenseele durch die hier gemeinte Entwickelung etwas geboren, was wie ein höheres Selbst in dem gewöhnlichen Selbst ist, ein höheres Selbst, welches, um das Fichtesche Wort zu gebrauchen, mit höheren Sinnen ausgestattet ist, mit Sinnen, welche eine wirkliche geistige Welt wahrnehmen, wie die Seele mit Hilfe der äußeren Sinne die natürliche physische Welt wahrnimmt. Darauf beruht alles bei der theosophischen Erkenntnis, daß diese Erkenntnis nicht durch die gewöhnliche Seelenverfassung gesucht werde, sondern durch eine erst zu entwickelnde Seelenverfassung. Man sieht aber gleich, daß eine gewisse Voraussetzung dem eben Gesagten zugrunde liegt, eine Voraussetzung, die allerdings für denjenigen keine große Voraussetzung bleibt, der den in der Schilderung dieser Entwickelung angedeuteten Weg wirklich macht. Was eine Voraussetzung scheint, das wird für ihn ein wirkliches Erlebnis, eine erfahrene Tatsache. Voraussetzung scheint das, was im Grunde genommen, soviel man auch dagegen einwenden mag und soviel dagegen eingewendet wird, doch in jeder Menschenseele als Sehnsucht lebt; Voraussetzung scheint es, daß der Mensch, wenn er nur tief genug in seine Seele hinuntersteigt, in dieser Seele etwas findet, was ihn zusammenbindet mit dem göttlich-geistigen Weltengrunde des Daseins. Den Punkt im eigenen Selbst zu finden, wo die selbstbewußte Seele in dem göttlich-geistigen Weltengrunde wurzelt, das ist doch das Ziel, die Sehnsucht jeder Menschenseele. Und zu diesem Ziele, zu dieser Sehnsucht bekennt sich vollbewußt alles das, was sich Theosophie nennt, oder wenigstens zu nennen berechtigt ist. Demgemäß wäre «Antisophie» sehr leicht in eine Idee, in einen Begriff zu fassen. Es wäre die Gegnerschaft gegen alles das, was in der Sehnsucht mit dem Ziele lebt, jenen tiefen Punkt in der Menschenseele aufzufassen, in welchem diese Menschenseele mit den ewigen Urquellen des Daseins zusammenhängt.

[ 3 ] If you consider what was said eight days ago, you will recall how it was pointed out that spiritual science—or, let us say today, since spiritual science is to be understood as theosophical—that theosophy arrives at its insights not when the human soul simply remains where it stands in everyday life, but when this human soul, through its own impulse and its own activity, undergoes a process of development within itself. And this development can indeed be achieved. From the hints given in the first lecture of this winter, we have seen that through such a development the human soul arrives at an inner state quite different from that which it experiences in everyday life; that the way it perceives itself, the way it positions itself in the world, becomes entirely different from what it is in everyday life. Through the development referred to here, something is born, as it were, within the human soul—something that is like a higher self within the ordinary self, a higher self which, to use Fichte’s term, is endowed with higher senses—senses that perceive a real spiritual world, just as the soul perceives the natural physical world with the aid of the external senses. Everything in theosophical knowledge rests on the fact that this knowledge is not sought through the ordinary state of the soul, but through a state of the soul that must first be developed. One sees, however, immediately that a certain prerequisite underlies what has just been said—a prerequisite that, admittedly, ceases to be a major prerequisite for those who actually follow the path indicated in the description of this development. What appears to be a prerequisite becomes, for them, a genuine experience, an experienced fact. What appears to be a prerequisite is, in essence—no matter how much one may object to it or how much objection is raised against it—something that lives as a longing in every human soul; it seems to be a prerequisite that, if a person descends deeply enough into his or her soul, he or she will find within that soul something that binds him or her to the divine-spiritual foundation of existence. To find that point within one’s own self where the self-aware soul is rooted in the divine-spiritual foundation of the universe—that is, after all, the goal, the longing of every human soul. And everything that calls itself Theosophy—or at least is entitled to that name—fully and consciously professes this goal, this longing. Accordingly, “antisophy” could very easily be captured in an idea, in a concept. It would be opposition to everything that lives in the longing for the goal of grasping that deep point within the human soul where this human soul is connected to the eternal primordial sources of existence.

[ 4 ] Wie kann sich eine solche Antisophie in der menschlichen Seele entwickeln?

[ 4 ] How can such an antisophy develop in the human soul?

[ 5 ] Man könnte zunächst glauben, daß es paradox, sonderbar sei, daß sich eine Gegnerschaft gegen das erheben kann, was man doch als das edelste Streben der Menschenseele anerkennen müsse. Doch siehe da: gerade die Geisteswissenschaft zeigt, daß Antisophie gar nicht etwas so ganz Willkürliches in der menschlichen Seele ist, sondern daß sie im Gegenteil in der Menschenseele in einer gewissen Beziehung notwendig begründet ist, daß sie in einer gewissen Beziehung zur Natur, zum Wesen dieser Menschenseele gehört. Die Menschenseele ist von vornherein eigentlich nicht theosophisch gesinnt; sie ist von vornherein eigentlich antisophisch gesinnt. Man muß in einige Erkenntnisse der Geisteswissenschaft selber eingehen, wenn man diesen scheinbar paradoxen Ausspruch in gehöriger Weise würdigen will.

[ 5 ] At first glance, one might think it paradoxical or strange that opposition could arise against what one must surely recognize as the noblest aspiration of the human soul. But lo and behold: it is precisely spiritual science that shows that antisophy is not at all something entirely arbitrary in the human soul, but that, on the contrary, it is, in a certain sense, necessarily rooted in the human soul—that it belongs, in a certain sense, to nature and to the very essence of the human soul. The human soul is not, in fact, theosophically inclined from the outset; it is, in fact, antisophically inclined from the outset. One must delve into certain insights of spiritual science itself if one wishes to properly appreciate this seemingly paradoxical statement.

[ 6 ] Wenn der Geistesforscher wirklich etwas von dem durchmacht, was im vorigen Vortrage geschildert worden ist, wenn er die charakterisierte Umstimmung, die andere Verfassung seiner Seele erreicht, dann tritt er in eine wirkliche geistige Welt ein. Vor seinem geistigen Blick ist dann das, was äußere Natur, äußeres Sinnensein genannt werden kann, gleichsam wie unmittelbar ausgelöscht, ist nur wie eine Erinnerung noch vorhanden an das, was im gewöhnlichen Bewußtsein erfahren worden ist, und eine wirkliche, reale Geisteswelt tritt auf, eine Geisteswelt, in welcher die Menschenseele nicht nur in der Zeit zu erkennen ist, die sie durchlebt zwischen Geburt oder Empfängnis und dem Tode, sondern auch zu erkennen ist in der Zeit zwischen dem Tode und einer nächsten Geburt. Es ist auf die wiederholten Erdenleben schon im letzten Vortrage aufmerksam gemacht worden. Auf jenes Dasein also wird der Mensch verwiesen, in welchem er ein Geist unter Geistern ist, in welchem er ist, wenn er sein körperliches Dasein mit dem Tode abgelegt hat. Und diese Welt wird erfahren, wie für die äußeren Sinne die äußere Natur Erfahrung ist; in dieser Welt ist die Seele mit denjenigen Kräften, die dem Menschen nicht nur im gewöhnlichen Bewußtsein entgegentreten, sondern die dieses gewöhnliche Bewußtsein selber zusammensetzen. Ja, das ist auch die Welt, welche die Werkzeuge für das gewöhnliche Bewußtsein und die gesamte Leiblichkeit mit dem gesamten Nervensystem aufbaut. Eine Wahrheit wird es für den Geistesforscher, daß wir als Menschen nicht nur aus dem heraus aufgebaut sind, was an Kräften in der Vererbungslinie liegt, was von unseren Ahnen abstammt, sondern daß in das System dieser physischen Kräfte dasjenige eingreift, was aus geistig-seelischen Regionen herabkommt und ein System von geistigen Kräften darstellt, welche die physische Organisation ergreifen, die uns von Vater und Mutter gegeben ist, und darinnen dasjenige plastisch ausbilden, was wir gemäß den früheren Erdenleben werden sollen, die wir durchlebt haben. Etwas wie eine Erweiterung der Erinnerung tritt durch jene geistige Wissenschaft auf, von der ich das letzte Mal gesprochen habe, eine Erweiterung der Erinnerung über das gegenwärtige Erdendasein hinaus in Regionen eines geistigen Erlebens.

[ 6 ] If the spiritual researcher truly undergoes some of what was described in the previous lecture—if he achieves the shift in attitude, the altered state of his soul, that was characterized—then he enters a genuine spiritual world. Before his spiritual gaze, what might be called external nature or external sensory existence is, as it were, immediately obliterated; only a memory remains of what was experienced in ordinary consciousness, and a true, real spiritual world emerges—a spiritual world in which the human soul can be perceived not only during the period it lives through between birth or conception and death, but also during the period between death and the next birth. Attention was already drawn to repeated earthly lives in the last lecture. Human beings are thus referred to that existence in which they are a spirit among spirits, the state in which they find themselves after having laid aside their physical existence at death. And this world is experienced in the same way that external nature is experienced by the external senses; in this world, the soul encounters those forces that not only confront the human being in ordinary consciousness but also constitute that ordinary consciousness itself. Indeed, this is also the world that builds the instruments for ordinary consciousness and the entire physical body, including the entire nervous system. It becomes a truth for the spiritual researcher that we as human beings are not only built up from the forces lying in the hereditary line—those derived from our ancestors—but that intervening in the system of these physical forces is that which descends from spiritual-soul regions and constitutes a system of spiritual forces that take hold of the physical organization given to us by our father and mother, and within it plastically shape what we are to become in accordance with the previous earthly lives we have lived. Something like an expansion of memory arises through that spiritual science of which I spoke last time—an expansion of memory beyond the present earthly existence into regions of spiritual experience.

[ 7 ] Wenn wir die Welt und das menschliche Werden so betrachten, dann stellt sich eine gewisse Grenze, die in diesem menschlichen Leben eintritt, ein gewisser Scheidepunkt in einer ganz besonderen Weise vor die Seele. Es ist der Scheidepunkt, der in der ersten Kindheitsentwickelung des Menschen liegt. Da sehen wir, wie der Mensch in der allerersten Kindheitsentwickelung etwas wie ein traumhaftes Leben lebt, etwas lebt, wie ein Leben, welches sich die volle Deutlichkeit des Ich-Bewußtseins, die volle Deutlichkeit des Sich-Erinnerns an Erlebnisse erst aneignen muß. Ein dumpfes Bewußtsein ist dasjenige des ersten Kindheitsalters. Der Mensch schläft oder träumt sich sozusagen in das Dasein herein, und das, wodurch wir uns eigentlich als Menschen fühlen, unser entwickeltes Innenleben mit seinem deutlichen Mittelpunkte des Selbstbewußtseins, das tritt eben erst an einem bestimmten Wendepunkte unseres Kindheitslebens auf. Was stellt sich im Sinne der Geisteswissenschaft eigentlich vor diesem Wendepunkte dar?

[ 7 ] When we view the world and human development in this way, a certain boundary that arises within this human life—a certain turning point—presents itself to the soul in a very special way. It is the turning point that lies in the earliest stages of human childhood development. There we see how, in the very earliest stages of childhood development, a human being lives something like a dreamlike existence—an existence that has yet to acquire the full clarity of self-consciousness and the full clarity of remembering experiences. The consciousness of early childhood is a dim one. Human beings, so to speak, sleep or dream their way into existence, and that which actually makes us feel like human beings—our developed inner life with its distinct center of self-consciousness—only emerges at a certain turning point in our childhood. What, from the perspective of spiritual science, actually exists prior to this turning point?

[ 8 ] Wenn der Geistesforscher das Kind betrachtet, bevor es an diesen Wendepunkt gekommen ist, dann schaut er, wie die geistigen Kräfte, die aus der geistigen Welt heruntergekommen sind und den Organismus ergriffen haben, um ihn plastisch durchzubilden in Gemäßheit der früheren Erdenleben, voll arbeiten an dem ganzen Organismus. Und weil die Gesamtheit der geistigen Kräfte, welche die Seele des Menschen ausmachen, sich in alles ergießt, was im Organismus lebt und webt, was den Organismus bildet und aufbaut und ihn so organisiert, daß er später das Werkzeug des selbstbewußten Wesens werden kann, weil also alles an Kräften in der Seele zum Aufbau dieses Organismus verwendet wird, deshalb bleibt nichts zurück, was im allerersten Kindheitsalter irgendwie ein deutliches Selbstbewußtsein ergeben könnte. Die sämtlichen Seelenkräfte werden zum Aufbau des Organismus verwendet; und ein Bewußtsein, das sich zum Aufbau des organischen Wesens verwendet, kann es höchstens bis zur Traumhaftigkeit bringen, ist aber zum großen Teil ein schlafendes Bewußtsein.

[ 8 ] When the spiritual researcher observes the child before it has reached this turning point, he sees how the spiritual forces that have descended from the spiritual world and taken hold of the organism—in order to shape it plastically in accordance with previous earthly lives—are fully at work on the entire organism. And because the totality of the spiritual forces that constitute the human soul pours itself into everything that lives and weaves within the organism—everything that forms and builds up the organism and organizes it so that it can later become the instrument of the self-conscious being—because, in other words, all the forces in the soul are used to build up this organism, therefore nothing remains that could in any way give rise to a distinct self-consciousness in the very earliest stages of childhood. All the soul’s powers are used to build up the organism; and a consciousness that is employed in the building up of the organic being can, at most, attain a dreamlike state, but is for the most part a sleeping consciousness.

[ 9 ] Was tritt nun für das menschliche Wesen in jenem Wendepunkte auf, von dem ich gesprochen habe?

[ 9 ] What, then, occurs for the human being at that turning point I have spoken of?

[ 10 ] Da bietet sich vom Organismus, vom Leibe her allmählich immer mehr und mehr Widerstand. Man könnte diesen Widerstand so bezeichnen, daß man sagt: der Leib verfestigt sich allmählich in sich selber; insbesondere das Nervensystem verfestigt sich, läßt sich nicht mehr von den Seelenkräften vollständig frei, plastisch bearbeiten, bietet Widerstand. Das heißt, ein Teil der Seelenkraft kann sich nur in die menschliche Organisation hineinergießen; ein anderer Teil wird gleichsam zurückgeschlagen, kann nicht Angriffspunkte finden, um sich in diese menschliche Organisation hineinzuarbeiten. Ich darf vielleicht ein Bild gebrauchen, um zu zeigen, was da eigentlich vorgeht. Warum können wir uns, wenn wir vor einem Spiegel stehen, immer in dem Spiegel selber beschauen? Wir können es, weil die Lichtstrahlen durch die spiegelnde Fläche zurückgeworfen werden. In dem bloßen Glase können wir uns nicht beschauen, weil die Lichtstrahlen durchgehen. So ist es beim Kinde in seinem ersten Lebensalter: es kann kein Selbstbewußtsein entwickeln, weil alles, was an Seelenkräften vorhanden ist, so durchgeht, wie die Lichtstrahlen durch das bloße Glas. Erst von dem Augenblicke an, wo sich der Organismus in sich selber verfestigt hat, wird ein Teil der Seelenkraft zurückgeworfen, so wie die Lichtstrahlen von der Spiegelscheibe zurückgeworfen werden. Da reflektiert sich das Seelenleben in sich selber; und das sich in sich selber reflektierende Seelenleben, das sich in sich selbst erlebt, ist das, was als Selbstbewußtsein aufglänzt. Das ist es, was unser eigentliches menschlich-wesenhaftes Erleben im Erdenleben ausmacht. Und so leben wir denn, wenn der gekennzeichnete Wendepunkt eingetreten ist, in diesem zurückgeworfenen Seelenleben.

[ 10 ] The organism, the body itself, gradually offers more and more resistance. One could describe this resistance by saying: the body gradually solidifies within itself; in particular, the nervous system solidifies, no longer allowing itself to be shaped completely freely and flexibly by the soul forces, and thus offers resistance. This means that only part of the soul force can flow into the human organism; another part is, as it were, repelled and cannot find points of entry to work its way into this human organism. Perhaps I may use an image to illustrate what is actually happening here. Why is it that when we stand in front of a mirror, we can always see ourselves in the mirror? We can do so because the rays of light are reflected back by the mirror’s surface. We cannot see ourselves in plain glass because the rays of light pass right through it. So it is with the child in its earliest years: it cannot develop self-consciousness because all the soul forces present simply pass through, just as the rays of light pass through plain glass. Only from the moment when the organism has consolidated within itself is a portion of the soul’s power reflected back, just as the rays of light are reflected back by the mirror’s surface. Then the soul life is reflected within itself; and this soul life, reflecting within itself and experiencing itself, is what shines forth as self-consciousness. This is what constitutes our true human, essential experience in earthly life. And so, once the turning point described has occurred, we live within this reflected soul life.

[ 11 ] Was bedeutet gegenüber diesem Seelenleben nun die Entwickelung, die der Geistesforscher durchmacht?

[ 11 ] In light of this inner life, what does the development that the spiritual researcher undergoes actually mean?

[ 12 ] Diese Entwickelung, wie ich sie das letzte Mal geschildert habe, sie ist tatsächlich, wie ich sagen möchte, ein Sprung über einen Abgrund. Sie ist so, daß der Geistesforscher die Region des zurückgeworfenen Seelenlebens verlassen muß, daß er alles verlassen muß, was sich eben nach diesem Wendepunkte als Seelenleben herausgestellt hat, und eindringen muß in diejenigen schöpferisch tätigen, plastizierenden Seelenkräfte, welche vorhanden sind vor diesem Wendepunkt. Nur muß der Geistesforscher in das, was im Menschen vor diesem Wendepunkte im zartesten Kindheitsalter vorhanden ist, mit dem vollen Bewußtsein hinuntertauchen, mit demjenigen Bewußtsein, das er sich in dem reflektierten Seelenleben herangebildet hat. Da taucht er hinunter in jene Kräfte, die den Organismus des Menschen im zartesten Kindesalter aufbauen, die man später nicht mehr wahrnehmen kann, weil sich der Organismus wie zu einem Spiegel umbildet. Über diesen Abgrund muß in der Tat die Entwickelung des Geistesforschers schreiten. Aus dem, was durch die organische Natur zurückgeworfenes Seelenleben ist, muß er eintreten in das schöpferische geistig-seelische Leben. Er muß, um diesen philosophischen Ausdruck zu gebrauchen, von dem Geschaffenen zum Schaffenden vordringen. Dann nimmt er etwas ganz Bestimmtes wahr, wenn er in jene Tiefen hinuntertaucht, die gleichsam hinter dem organischen Spiegel liegen. Dann nimmt er eben wirklich jenen Punkt wahr, wo sich die Seele mit dem schaffenden Weltenquell des Daseins zusammenschließt. Aber außerdem nimmt er noch etwas anderes wahr: er nimmt wahr, wie es einen Sinn hat, daß dieses Zurückwerfen geschehen ist. Wäre der Wendepunkt nicht eingetreten, würde das Zurückwerfen nicht geschehen, dann hätte der Mensch niemals zur vollen Entwickelung des Erdenbewußstseins, zum deutlichen Selbstbewußtsein kommen können. In dieser Beziehung ist das Erdenleben die Erziehung zum Selbstbewußtsein. Der Geistesforscher kann in die Region, die sonst nur als Traum vom Menschen durchlebt wird, auch nur dadurch eindringen, daß er sich die Vorbedingungen dazu innerhalb des Erdenlebens erst geholt hat, daß er sich zum Selbstbewußtsein erzogen hat, und dann mit diesem Selbstbewußtsein in jene Region eindringt, die sonst ohne Selbstbewußtsein durchlebt wird. Daraus aber ist ersichtlich, daß das Wertvollste, was sich der Mensch für das Erdenleben erwerben kann, das wache Selbstbewußtsein — um dessentwillen wir eigentlich in das Erdenleben hereingehen, für das gewöhnliche Erleben abgeschlossen ist von dem Erleben der eigentlichen Wurzeln des Daseins. Im Alltage und in der gewöhnlichen Wissenschaft lebt der Mensch innerhalb desjenigen, was nach diesem Wendepunkte sein Seelenleben durchwellt und durchwebt. Er muß darin leben, damit er gerade sein Erdenziel erreichen kann. Es ist damit nicht gesagt, daß er als Geistesforscher nicht sozusagen daraus herausgehen darf und sich umschauen darf in der anderen Region, wo seine Wurzeln liegen. — Vielleicht darf ich mich auch so ausdrücken: Der Mensch muß aus der Region der schaffenden Natur heraustreten, um in seiner, in sich selber zurückgeworfenen Wesenheit sich gegenüberzustellen und sich selbst zu finden gegenüber der geistig-seelischen Natur, die mit den Quellen des Daseins zusammenhängt.

[ 12 ] This development, as I described it last time, is in fact, as I would like to say, a leap across an abyss. It is such that the spiritual researcher must leave behind the realm of the soul life that has been cast back, must leave behind everything that has emerged as soul life precisely after this turning point, and must penetrate into those creatively active, formative soul forces that exist prior to this turning point. But the spiritual researcher must plunge down into what is present in the human being before this turning point—in the earliest stages of childhood—with full consciousness, with the very consciousness he has cultivated within the reflected life of the soul. There he delves into those forces that build up the human organism in the earliest childhood, forces that can no longer be perceived later on because the organism transforms itself, as it were, into a mirror. The spiritual researcher’s development must indeed cross this abyss. From the soul life that has been cast back by organic nature, he must enter into the creative spiritual-soul life. He must, to use this philosophical expression, advance from the created to the creative. Then, as he plunges into those depths that lie, as it were, behind the organic mirror, he perceives something quite specific. He truly perceives the very point where the soul unites with the creative, cosmic source of existence. But beyond that, he perceives something else as well: he perceives that there is a purpose in this act of being cast back. Had the turning point not occurred—had the casting back not taken place—then human beings would never have been able to attain the full development of earthly consciousness, nor a clear sense of self-consciousness. In this respect, earthly life is the education toward self-consciousness. The spiritual researcher can penetrate the realm that is otherwise experienced by human beings only as a dream only by first acquiring the prerequisites for this within earthly life—that is, by cultivating self-consciousness—and then entering that realm with this self-consciousness, a realm that is otherwise experienced without self-consciousness. From this, however, it is evident that the most valuable thing a human being can acquire for earthly life—the waking self-consciousness, for the sake of which we actually enter into earthly life—is, for ordinary experience, cut off from the experience of the very roots of existence. In everyday life and in conventional science, a person lives within that which, after this turning point, permeates and interweaves their soul life. They must live within it in order to achieve their earthly goal. This does not mean, however, that as a researcher of the spirit they may not, so to speak, step out of it and look around in the other realm where their roots lie. — Perhaps I may also put it this way: Human beings must step out of the realm of creative nature in order to confront their own being—reflected back within themselves—and to find themselves in relation to the spiritual-soul nature that is connected to the sources of existence.

[ 13 ] So ist der Mensch tatsächlich, wie wir sehen, wegen seiner Erdenaufgabe herausgestellt aus derjenigen Region, in der er als Geistesforscher das finden muß, was innerhalb der Geisteswissenschaft gefunden werden kann. Würde der Mensch, ohne die geisteswissenschaftliche Schulung zuhaben, jemals durcheinanderwerfen, was er in der einen oder in der anderen Region erleben kann, so würde er niemals zu einem wirklich deutlichen Drinnenstehen in der Welt in solchen Momenten des Durcheinanderwerfens kommen können. Alles menschliche Sinnensein beruht darauf, daß der Mensch gerade herausgestellt ist aus dem, wo die Quellen und Wurzeln des Daseins, wo die geistige Welt in ihrer Intimität zu finden ist. Und je mehr der Mensch in der Sinneswelt leben will, je klarer er sich in dieselbe hineinstellen und sich in ihr erfühlen will, desto mehr muß er aus der höheren Welt heraustreten. Was wir als gewöhnliches alltägliches praktisches Wissen haben, das hat gerade seine Stärke, seine Kraft durch jenes Heraustreten, wie ich es eben geschildert habe.

[ 13 ] As we can see, the human being is in fact, because of his earthly mission, set apart from that region in which, as a spiritual researcher, he must find what can be found within spiritual science. If human beings, without having undergone spiritual scientific training, were ever to confuse what they can experience in one region or the other, they would never be able to attain a truly clear sense of standing within the world during such moments of confusion. All human sensory existence is based on the fact that human beings are set apart from the realm where the sources and roots of existence lie, where the spiritual world is to be found in its innermost essence. And the more a person wants to live in the sensory world, the more clearly they want to place themselves within it and feel their way through it, the more they must step out of the higher world. What we possess as ordinary, everyday, practical knowledge derives its very strength and power precisely from that stepping out, as I have just described.

[ 14 ] Ist es demgegenüber verwunderlich, wenn der Mensch auch zunächst das schätzen lernt, was er hat, indem er aus der geistigen Welt herausgestellt ist? Er steht ja im gewöhnlichen Leben nicht in der geistigen Welt drinnen, steht nicht in demjenigen, was den Quell seines Daseins ausmacht. Und er mußte aus diesem herausgestellt werden, um sein Erdendasein in entsprechender Weise zu leben. Dadurch entwickelt sich im Menschen ganz naturgemäß zunächst die Schätzung alles desjenigen, was nicht mit dem Quell des Daseins zusammenhängt. Es entwickelt sich die Schätzung eines Wissens und ein Festhalten an allem, was außerhalb des Daseinsquells steht. So ist es natürlich, daß der Mensch, der eine solche Schätzung entwickelt, in dem Augenblicke, wo etwas an ihn herantritt, was ihm Kunde aus einer Welt bringen will, in der er zunächst nicht drinnen ist, daß er dies ablehnt. Denn er muß es im Grunde genommen als etwas bezeichnen, außerhalb dessen er naturgemäß steht. Der Mensch ist also durch sein Leben in seiner Seele nicht daraufhin gestimmt, dasjenige anzuerkennen, was ihn sozusagen mit dem Innersten der Welt zusammenhält, sondern das anzuerkennen, was ihn zusammenhält in sich selber, insofern er außerhalb dieser geistig-seelischen Weltenwurzel steht. Der Mensch ist im gewöhnlichen Leben antisophisch, nicht theosophisch gestimmt, und es wäre eine Naivität, wenn man glauben wollte, daß das gewöhnliche Leben anders als antisophisch gestimmt sein könnte. Es kann erst theosophisch gestimmt werden, wenn wie eine Rückerinnerung an eine verlorene Heimat in der Seele zunächst die Sehnsucht — und dann durch das gesunde Erkennen immer mehr und mehr der Drang entsteht, in die geistig-seelische Weltenwurzel selber einzudringen. Die theosophische Gesinnung muß aus der antisophischen Gesinnung erst erworben werden. Das ist in einem Zeitalter, wie es das unsrige ist, vielen Seelen im Grunde genommen innerlich recht zuwider. In unserm Zeitalter, wo die äußere Kultur zu so bewundernswürdigen Errungenschaften gekommen ist, hat sich etwas herausgebildet, was ein naturgemäßes Empfinden für das äußere Erleben hervorruft, einen naturgemäßen Hang für das äußere Erleben, der diese eben angedeutete Sehnsucht zurückdrängt. Gerade unserer Zeit gegenüber ist es durchaus begreiflich, daß die Menschenseele antisophisch gestimmt ist. Aber man muß tatsächlich auf der einen Seite in der ganzen Natur der menschlichen Entwickelung und auf der anderen Seite gerade in dem, was sich in der Gegenwart darstellt, die Notwendigkeit einer theosophischen Vertiefung der Menschheit für unsere Zeit anerkennen. Denn dem Betrachter der menschlichen Geistesentwickelung treten so mancherlei Dinge vor Augen. Es sei auf eines hingewiesen, was uns zeigen kann, wie in unserer Zeit gewissermaßen eine antisophische Stimmung etwas wie eine Selbstverständlichkeit ist.

[ 14 ] Is it any wonder, then, that human beings initially learn to appreciate what they have by being set apart from the spiritual world? After all, in ordinary life they do not dwell within the spiritual world; they do not dwell within that which constitutes the source of their existence. And they had to be set apart from it in order to live their earthly existence in an appropriate manner. As a result, an appreciation for everything that is not connected to the source of existence naturally develops in human beings at first. An appreciation of knowledge develops, along with a clinging to everything that lies outside the source of existence. So it is only natural that a person who develops such an appreciation will reject anything that approaches them—something intended to convey a message from a world in which they are not initially present. For, in essence, they must regard it as something outside of which they naturally stand. Through the course of their life, people are therefore not attuned in their soul to recognizing that which, so to speak, binds them to the innermost core of the world, but rather to recognizing that which binds them within themselves, insofar as they stand outside this spiritual-soul root of the world. In ordinary life, human beings are attuned to the antisophic rather than the theosophic, and it would be naive to believe that ordinary life could be attuned to anything other than the antisophic. One can only become theosophically disposed when, like a recollection of a lost homeland, a longing first arises in the soul—and then, through sound understanding, an ever-increasing urge to penetrate the spiritual-soul root of the world itself. The theosophical disposition must first be acquired from the anti-theosophical disposition. In an age such as ours, this is, deep down, quite repugnant to many souls. In our age, where external culture has achieved such admirable accomplishments, something has developed that evokes a natural inclination toward external experience—a natural affinity for external experience—which suppresses the longing just mentioned. Precisely in light of our times, it is entirely understandable that the human soul is inclined toward antisophism. But one must indeed recognize, on the one hand, in the entire nature of human development and, on the other hand, precisely in what is manifesting itself in the present, the necessity of a theosophical deepening of humanity for our time. For the observer of human spiritual development sees many such things. Let us point out one thing that can show us how, in our time, an antisophical mood is, so to speak, something of a matter of course.

[ 15 ] Diogenes Laertius erzählt uns, wie einmal der alte griechische Weise Pythagoras, der von dem Beherrscher von Phlius, Leon, als ein sehr weiser Mann angesehen worden ist, von diesem gefragt wurde, wie er sich eigentlich in das Leben hineinstelle, wie er sich im Leben fühle. Da soll Pythagoras das Folgende gesagt haben: Mir kommt vor, das Leben ist wie eine Festversammlung. Da kommen dann ;Menschen hin, um sich als Kämpfer an den Spielen zu beteiligen; andere kommen hin als Händler um des Gewinnes willen; aber es gibt eine dritte Art von Leuten, die kommen nur, um sich die Sache anzuschauen. Sie kommen weder, um mit ihrer persönlichen Teilnahme an den Spielen mitzutun, noch um des Gewinnes willen, sondern um sich die Sache anzuschauen. So erscheint mir auch das Leben: die einen gehen ihrem Vergnügen nach, die anderen gehen ihrem Gewinn nach; dann gibt es aber solche wie ich, der sich einen Philosophen nennt als Forscher nach Wahrheit. Die sind da, um sich das Leben anzuschauen; sie kommen sich vor wie aus einer geistigen Heimat in die Erdenwelt versetzt, sehen sich das Leben an, um in diese geistige Heimat dann wieder zurückzukehren.

[ 15 ] Diogenes Laertius tells us how, on one occasion, the ancient Greek sage Pythagoras—who was regarded as a very wise man by Leon, the ruler of Phlius—was asked by Leon how he actually approached life and how he felt about it. Pythagoras is said to have replied as follows: “It seems to me that life is like a festival. Some people come to participate as competitors in the games; others come as merchants seeking profit; but there is a third kind of people who come only to watch the proceedings. They come neither to participate personally in the games nor for the sake of profit, but simply to watch the proceedings. That is how life appears to me as well: some pursue their pleasure, others pursue their profit; but then there are those like me, who call themselves philosophers as seekers of truth. They are there to observe life; they feel as if they have been transported from a spiritual homeland into the earthly world, observe life, and then return to that spiritual homeland.

[ 16 ] Nun muß man einen solchen Ausspruch selbstverständlich als einen Vergleich nehmen, als ein Bild. Und man würde wohl auch die vollständige Ansicht des Pythagoras erst bekommen, wenn man ergänzend etwas hinzufügt, ohne das dieser Ausspruch sehr leicht so gedeutet werden könnte, als wenn die Philosophen nur die Gaffer und Taugenichtse des Leben wären. Denn natürlich meint Pythagoras, daß die Philosophen bei ihrem Schauen nicht nur dadurch ihren Mitmenschen nützen können, indem sie diese selber zum Schauen anregen, sondern indem sie das suchen, was nicht unmittelbar in den Nutzen des Lebens gestellt ist. Das ist aber das, was, indem es in sich selber immer weiter und weiter ausgebildet wird, zu dem Wurzelquell des Daseins führt; so daß dieses, was gleichsam «ohne Nutzen» erschaut wird, das ist, was zum Ewigen in der Menschenseele führt. Das müßte man hinzufügen. Aber Pythagoras meinte, etwas Besonderes ausdrücken zu wollen: daß man in dem, was nicht in der Entwickelung der Menschenseele in den äußeren Nutzen gestellt wird, sondern das in sich selber vertieft wird, den Antrieb findet, um in das ewig Unvergängliche unterzutauchen; daß man also etwas in der Seele entwickeln müsse, was sich nicht im äußeren Leben unmittelbar anwenden läßt, sondern das die Menschenseele aus einem inneren Drange, aus innerer Sehnsucht und Zielstrebigkeit entwickelt. Die Anerkennung eines solchen Strebens liegt uns da in grauer Vorzeit des europäischen Geisteslebens bei Pythagoras vor.

[ 16 ] Of course, one must take such a statement as a metaphor, as a figure of speech. And one would probably only gain a complete understanding of Pythagoras’s view if one were to add something supplementary; without it, this statement could very easily be interpreted as if philosophers were merely the gawkers and good-for-nothings of life. For, of course, Pythagoras means that philosophers, through their contemplation, can benefit their fellow human beings not only by inspiring them to contemplate as well, but also by seeking that which is not immediately tied to the practical benefits of life. But this is precisely what, as it is developed further and further within itself, leads to the very root of existence; so that what is perceived, as it were, “without utility,” is what leads to the eternal in the human soul. This is what one would have to add. But Pythagoras intended to express something specific: that in what is not placed within the development of the human soul for external benefit, but is instead deepened within itself, one finds the impulse to immerse oneself in the eternally imperishable; that one must therefore develop something in the soul that cannot be directly applied in external life, but which the human soul develops out of an inner impulse, out of inner longing and determination. The recognition of such a striving is found in the distant past of European spiritual life in the teachings of Pythagoras.

[ 17 ] Wenden wir jetzt den Blick auf eine Erscheinung der neueren Zeit, die ich nicht erwähne, um philosophische Kuriosa zu erwähnen, sondern weil sie wirklich bezeichnend ist für die Art des Geisteslebens unserer Zeit.

[ 17 ] Let us now turn our attention to a phenomenon of recent times, which I mention not to highlight philosophical curiosities, but because it is truly indicative of the nature of intellectual life in our time.

[ 18 ] Von Amerika aus hat sich nach Europa verbreitet — und wird in Europa auch von einzelnen Persönlichkeiten geschätzt — eine Weltanschauung, die man Pragmatismus nennt. Diese Weltanschauung nimmt sich gegenüber dem, was Pythagoras von einer Weltanschauung fordert, recht sonderbar aus. Ob irgend etwas, was die Menschenseele als ihre Erkenntnis ausspricht, vor irgend etwas anderem als dieser Menschenseele wahr oder falsch ist, darnach fragt diese Weltanschauung des Pragmatismus im Grunde genommen gar nicht, sondern nur darnach, ob ein Gedanke, den sich der Mensch als einen Weltanschauungsgedanken bildet, fruchtbar und nützlich ist für das Leben. Also nicht darnach, ob irgend etwas in irgendeinem objektiven Sinne wahr oder falsch ist, fragt der Pragmatismus, sondern zum Beispiel nach folgendem. Nehmen wir gleich einen der bedeutsamsten Begriffe des Menschen: Soll der Mensch denken, daß ein einheitliches Selbst in ihm ist? Dieses einheitliche Selbst nimmt er ja nicht wahr. Wahr nimmt er die Aufeinanderfolge von Empfindungen, Vorstellungen, Ideen und so weiter. Aber es ist nützlich, die Aufeinanderfolge der Empfindungen, Vorstellungen, Ideen so aufzufassen, als wenn ein gemeinsames Selbst vorhanden wäre; dadurch kommt Ordnung in die Auffassung hinein, dadurch verrichtet der Mensch das, was er aus der Seele heraus verrichtet, wie aus einem Gusse heraus, dadurch zersplittert sich nicht das Leben. Oder gehen wir zur höchsten Idee. Auf den Wahrheitsgehalt des Gottes-Begriffes kommt es dem Pragmatismus gar: nicht an, sondern er fragt: soll man den Gedanken eines göttlichen Wesens fassen? Und er kommt zu der Antwort: Es ist gut, daß man den Gedanken eines göttlichen Wesens faßt, denn würde man den Gedanken nicht fassen, daß die Welt regiert würde von einem göttlichen Urwesen, so bliebe die Seele trostlos und öde; es ist also gut für die Seele, wenn sie diesen Gedanken annimmt. — Da wird der Wert der Weltanschauung im ganz entgegengesetzten Sinne gedeutet wie bei Pythagoras. Bei diesem soll die Weltanschauung das deuten, was nicht in den Nutzen des Lebens gestellt wird. Gegenwärtig aber breitet sich eine Weltanschauung aus, und es ist Aussicht vorhanden, daß sie viele Köpfe erfassen wird, die geradezu sagt — und in der Praxis hat sie es schon getan —: Wertvoll ist das, was so gedacht wird, als ob es da wäre, damit das Leben in der nutzbringendsten Weise für den Menschen verläuft!

[ 18 ] A worldview known as pragmatism has spread from America to Europe—and is also valued by certain individuals in Europe. This worldview appears quite peculiar when compared to what Pythagoras demands of a worldview. Whether anything that the human soul expresses as its insight is true or false in relation to anything other than that human soul is, in essence, not at all the question posed by this worldview of pragmatism; rather, it asks only whether a thought that a person forms as a worldview is fruitful and useful for life. Thus, pragmatism does not ask whether anything is true or false in any objective sense, but rather, for example, the following. Let us take one of the most significant concepts for human beings: Should a person believe that there is a unified self within them? After all, they do not perceive this unified self. What they do perceive is the succession of sensations, perceptions, ideas, and so on. But it is useful to conceive of this succession of sensations, perceptions, and ideas as if a unified self were present; this brings order to one’s perception, enables a person to carry out what they do from the depths of their soul as if from a single mold, and prevents life from becoming fragmented. Or let us turn to the highest idea. Pragmatism is not at all concerned with the truth content of the concept of God; rather, it asks: Should one embrace the idea of a divine being? And it arrives at the answer: It is good to embrace the idea of a divine being, for if one did not embrace the idea that the world is governed by a divine primordial being, the soul would remain desolate and barren; it is therefore good for the soul to embrace this idea. — Here, the value of a worldview is interpreted in a manner entirely opposite to that of Pythagoras. For Pythagoras, a worldview is meant to interpret that which is not considered part of the utility of life. At present, however, a worldview is spreading—and there is every prospect that it will capture many minds—which states outright—and in practice has already done so—that what is valuable is that which is conceived as if it were there to ensure that life proceeds in the most beneficial way for human beings!

[ 19 ] Wir sehen: die Menschheitsentwickelung hat sich so vollzogen, daß geradezu das Gegenteil dessen für das Kennzeichen einer richtigen Weltanschauung angesehen wird, was sozusagen im Aufgange des europäischen Weltanschauungslebens als solches angesehen worden ist. Das ist der Weg, den die Menschheitsentwickelung in der Gesinnung durchgemacht hat von der pythagoräischen 'Theosophie zu der modernen pragmatischen Antisophie. Denn dieser Pragmatismus ist durchaus Antisophie — ist Antisophie aus dem Grunde, weil er alle Vorstellungen, die sich die Seele über etwas machen kann, was außerhalb der Sinneswelt liegt, unter dem Gesichtspunkte des praktischen Wertes und des Nutzens für die Sinneswelt betrachtet. Das ist das Bedeutsame, und das ist der andere Gesichtspunkt, den ich zu erwähnen habe: daß sich gegen unsere Gegenwart zu etwas in die Menschenseelen hineindrängt wie ein Überhandnehmen der antisophischen Stimmung. Wie ist heute das verbreitet, was einstmals Du Bois-Reymond als ein glänzender Vertreter der Naturwissenschaft auf einer Naturforscherversammlung in Leipzig (1872) als seine Ignorabimus-Rede entwickelte! Du Bois-Reymond gibt zu, und er entwickelt es außerordentlich geistvoll, daß das, was im rechten Sinne Wissenschaft genannt werden soll, es nur zu tun haben könne mit den Gesetzen der äußeren Welt, der Raumes- und Zeitwelt, und niemals dazu führen könne, auch nur das geringste Element des Seelenlebens als solches zu verstehen. Später hat Du Bois-Reymond sogar noch von «sieben Welträtseln» gesprochen — Wesen von Materie und Kraft, Ursprung der Bewegung, erste Entstehung des Lebens, zweckmäßige Einrichtung der Natur, Entstehen der einfachen Sinnesempfindung und des Bewußtseins, vernünftiges Denken und Ursprung der Sprache, Willensfreiheit —, von denen er sagt, daß sie die Wissenschaft nicht ergreifen kann, weil die Wissenschaft schon einmal auf ein Gebiet angewiesen ist, welches das des «Naturalismus» sein muß. Und charakteristisch endete damals Du Bois-Reymond 1872 seine Auseinandersetzungen, indem er meinte: man müßte in etwas ganz anderes eindringen, wenn man auch nur das geringste Element des Seelenlebens begreifen wollte, als in das Element der Wissenschaft: Mögen sie es doch mit dem einzigen Ausweg versuchen, dem des Supranaturalismus. Und er fügte die bedeutungsvollen Worte hinzu, die hinzugefügt werden sollen nicht als ein Beweis, denn jeder, der seine Auseinandersetzungen nimmt, kann sich davon überzeugen, daß sie nicht ein Beweis sind für irgend etwas, was von da oder dort hergeleitet wird, wofür diese oder jene Gründe angegeben werden, sondern als etwas hinzugefügt werden, was er aus seiner Seelenstimmung heraus in ganz dogmatischer Weise geltend macht: Nur daß, wo Supranaturalismus anfängt, Wissenschaft aufhört.

[ 19 ] We see that human development has unfolded in such a way that the very opposite of what was regarded as the hallmark of a true worldview—so to speak, at the dawn of European philosophical thought—is now considered the hallmark of a correct worldview. This is the path that the development of humanity has taken in its mindset—from Pythagorean “theosophy” to modern pragmatic “antisophy.” For this pragmatism is thoroughly antisophy—it is antisophy precisely because it views all concepts that the soul can form about anything lying outside the sensory world from the standpoint of practical value and utility for the sensory world. That is what is significant, and that is the other point I must mention: that in our present time, something is making its way into people’s souls—a sort of prevalence of the antisophic mood. How widespread today is what Du Bois-Reymond, once a brilliant representative of the natural sciences, developed as his “Ignorabimus” speech at a naturalists’ conference in Leipzig (1872)! Du Bois-Reymond admits—and he develops this idea with extraordinary wit—that what is to be called science in the proper sense can only concern itself with the laws of the external world, the world of space and time, and can never lead to an understanding of even the slightest element of the life of the soul as such. Later, Du Bois-Reymond even spoke of “seven mysteries of the universe” — the nature of matter and force, the origin of motion, the first emergence of life, the purposeful organization of nature, the emergence of simple sensory perception and consciousness, rational thought and the origin of language, and free will —, which he says science cannot grasp because science is, by its very nature, confined to a realm that must be that of “naturalism.” And characteristically, Du Bois-Reymond concluded his discussions in 1872 by stating: one would have to delve into something entirely different—rather than the realm of science—if one wished to comprehend even the slightest element of the life of the soul. Let them, then, try the only way out: that of supernaturalism. And he added these significant words, which are not intended as proof—for anyone who examines his arguments can see for themselves that they are not proof of anything derived from this or that source, for which this or that reason is given—but are added as something he asserts in a wholly dogmatic manner, stemming from his inner state of mind: It is simply that where supernaturalism begins, science ends.

[ 20 ] Was heißt eine solche Hinzufügung zu dem anderen Satze, daß man, um nur das einfachste seelische Element zu begreifen, zum Supranaturalismus seine Zuflucht nehmen muß, daß man hinzufügt: Nur daß, wo Supranaturalismus anfängt, Wissenschaft aufhört? Man kann eine eigentümliche Entdeckung machen, die ich allerdings heute nur wie eine Art Behauptung hinstellen kann, die aber durch vieles in den folgenden Vorträgen noch vollständig aufgehellt werden wird —, man kann eine merkwürdige Entdeckung machen, wenn man bei dem Umschau hält, was wissenschaftliches Leben der Gegenwart ist. Und um gleich bei diesem zweiten Vortrage dieser Serie gegen ein Mißverständnis, das immer wieder und wieder auftaucht, wenigstens einige Worte zu sagen, bemerke ich, daß diese ganzen Vorträge hier in keiner Weise irgendwie gegnerisch gegen die zeitgenössische Wissenschaft gemeint sind, sondern daß sie von dem Gesichtspunkte einer vollen Anerkennung dieser zeitgenössischen Wissenschaft gehalten werden, — insofern sich diese in ihren Grenzen hält. Ich muß das sagen, weil gerade immer wieder und wieder — ich will nicht sagen, wie geartete Behauptungen auftreten, daß diese Vorträge hier in einem antiwissenschaftlichen Sinne gehalten würden. Es ist das aber nicht der Fall. Trotzdem also eine vollständige Anerkennung der großen glänzenden, bewunderungswürdigen Erfolge moderner Wissenschaft allem zugrunde liegt, was hier gesagt wird, muß doch darauf aufmerksam gemacht werden, daß man streng beweisen kann: Nirgends im weiten Gebiete des ganzen wissenschaftlichen Lebens findet sich für eine solche Behauptung, daß, wo Supranaturalismus anfängt, Wissenschaft aufhört, auch nur die geringste Begründung! Es findet sich keine Begründung. Man macht die Entdeckung, daß eine solche Behauptung getan wird ohne jegliche Begründung, aus einem Willensakte, aus einer Empfindung heraus, aus einer Seelenstimmung heraus, aus antisophischer Stimmung heraus. Und warum, das muß die nächste Frage sein, wird eine solche Behauptung getan? Darüber kann nun wieder die Geisteswissenschaft eine Art von Aufschluß geben.

[ 20 ] What does such an addition to the other statement mean—that in order to grasp even the simplest mental element, one must resort to supernaturalism—when one adds: “Except that where supernaturalism begins, science ends”? One can make a peculiar discovery—which, admittedly, I can present today only as a kind of assertion, but which will be fully elucidated by much of what follows in the subsequent lectures—one can make a remarkable discovery when one surveys what scientific life is like today. And to say at least a few words right here in this second lecture of the series against a misunderstanding that crops up time and again, I would like to note that none of these lectures are in any way intended to be opposed to contemporary science, but rather that they are presented from the standpoint of full recognition of this contemporary science—insofar as it remains within its own boundaries. I must say this because, time and again—I will not specify the nature of the claims—assertions arise that these lectures are being delivered in an anti-scientific spirit. But that is not the case. Nevertheless, although everything said here is based on a complete recognition of the great, brilliant, and admirable achievements of modern science, it must be pointed out that it can be rigorously demonstrated: Nowhere in the vast realm of scientific life is there even the slightest justification for the claim that science ends where supernaturalism begins! There is no justification. One discovers that such a claim is made without any justification whatsoever—out of an act of will, out of a feeling, out of a state of mind, out of an anti-philosophical disposition. And why, this must be the next question, is such a claim made? Here, once again, spiritual science can provide a kind of insight.

[ 21 ] Eine solche Stimmung ist nämlich gerade als «Stimmung» äußerlich begreiflich aus alledem heraus, was heute auseinandergesetzt worden ist. Ich muß allerdings, indem ich auf die geisteswissenschaftliche Erklärung des oben Charakterisierten eingehen will, einiges voraussetzen. Es gibt in der Menschenseele sehr vieles, was man bezeichnen kann als unterbewußte Seelenerlebnisse, als Seelenerlebnisse, welche so verlaufen, daß sie durchaus in der Seele vorhanden sind, daß sie unser seelisches Leben bestimmen, aber nicht völlig in das klare Bewußtsein des Tages heraufleuchten. Es gibt Tiefen des menschlichen Seelenlebens, die nicht in Begriffen, Vorstellungen, Willensakten, wenigstens nicht in den bewußten, sich ausleben, sondern nur in dem Charakter, der Art des Wollens, in dem Gepräge des menschlichen Seelenlebens. Ein unterbewußtes Seelenleben gibt es; und es ist alles, was im bewußten Seelenleben sein kann, was dann eineRolle spielt, auch im Unterbewußten. Affekte, Leidenschaften, Sympathien und Antipathien, die wir im gewöhnlichen Leben in bewußter Weise deutlich in der Seele erfühlen, sie können auch in den unterbewußten Regionen sein, werden aber in diesen nicht wahrgenommen, sondern wirken in der Seele wie eine Naturkraft, wirken so in der Seele, wie zum Beispiel die Verdauung im Organismus unbewußt vor sich geht, — nur daß sie seelisch und nicht physisch sind. Es gibt eine ganze Region des unterbewußten Seelenlebens. Und vieles von dem, was der Mensch im Leben behauptet, was er im Leben glaubt und meint, das glaubt und meint er durchaus nicht auf solche Voraussetzungen hin, deren er sich völlig bewußt ist; sondern er glaubt und meint es und vertritt es aus dem unterbewußten Seelenleben heraus, weil Affekte, Neigungen, deren er sich nicht bewußt ist, ihn dazu drängen. Sogar die äußere empirische Psychologie kommt in ihren besten Vertretern heute schon darauf, daß das, was der Mensch behauptet, nicht in seinem vollen Umfange in der bloßen Vernunft liegt, in dem, was der Mensch bewußt überschaut. Es gibt einen ganzen Zweig der heutigen experimentellen Psychologie, der sich damit beschäftigt. Stern ist ein Vertreter dieser Richtung, die sich damit befaßt, zu zeigen, wie der Mensch selbst in wissenschaftlichsten Behauptungen etwas hat, was von seinen Sympathien und Antipathien, von seinen Neigungen und Affekten die Färbung und die Tönung erhält. Und auch die bloß äußerliche Psychologie wird nach und nach beweisen, daß es ein Vorurteil ist, wenn jemand glaubte, er könnte wirklich im alltäglichen Leben oder in der gewöhnlichen Wissenschaft alles überschauen, was ihn zum Aufstellen seiner Behauptungen führt. Es ist also heute, selbst für die äußere Psychologie oder Seelenlehre, durchaus nicht mehr eine absurde Behauptung, wenn man unbedenklich die Entdeckung, die eben genannt worden ist, so charakterisiert, daß man sagt: Wenn jemand davon spricht: Wo Supranaturalismus anfängt, hört Wissenschaft auf — das ist zwar als eine Grundstimmung ausgesprochen von Du Bois-Reymond, aber es ist auch eine Grundstimmung unzähliger Seelen der Gegenwart, die gar nichts davon wissen —, so ist es kein Wunder, wenn man es als aus dem unterbewußten Seelenleben herauftauchend auffaßt. Aber wie kommt es herauf? Was drängt die Seele dazu, als Dogma hinzustellen: Wo Supranaturalismus anfängt, hört Wissenschaft auf? Was arbeitete damals in dem unterbewußten Seelenleben bei Du Bois-Reymond, und was arbeitet heute im unterbewußten Seelenleben bei Tausenden und Tausenden von Menschen, die im Leben tonangebend sind, wenn der Ausspruch ertönt oder so gefühlt wird, als wenn er ihnen unterbewußt zugrunde liegt? Darüber gibt die Geisteswissenschaft folgende Antwort.

[ 21 ] Such a mood is, in fact, outwardly comprehensible precisely as a “mood” from everything that has been discussed today. However, in order to address the spiritual-scientific explanation of what has been characterized above, I must make a few assumptions. There is much within the human soul that can be described as subconscious soul experiences—experiences that unfold in such a way that they are certainly present in the soul and shape our inner life, yet do not fully rise into the clear consciousness of the day. There are depths of human soul life that do not play out in concepts, ideas, or acts of will—at least not in the conscious ones—but only in character, in the nature of volition, and in the imprint of human soul life. There is such a thing as a subconscious inner life; and everything that can exist in conscious inner life—and that plays a role there—also exists in the subconscious. Emotions, passions, sympathies, and antipathies—which we clearly feel in our souls in a conscious way in everyday life—can also exist in the subconscious regions, but they are not perceived there; rather, they act in the soul like a force of nature, just as, for example, digestion takes place unconsciously in the organism, — except that they are psychological rather than physical. There is an entire realm of subconscious soul life. And much of what a person asserts in life—what he believes and thinks—he does not believe or think on the basis of premises of which he is fully conscious; rather, he believes, thinks, and maintains these views out of his subconscious soul life, because emotions and inclinations of which he is unaware compel him to do so. Even the best representatives of external, empirical psychology today have already come to the conclusion that what a person asserts does not lie, in its entirety, within mere reason—that is, within what a person consciously surveys. There is an entire branch of contemporary experimental psychology devoted to this subject. Stern is a representative of this school of thought, which seeks to demonstrate how even in the most scientific assertions, a person’s views are colored and tinged by their sympathies and antipathies, their inclinations and emotions. And even purely external psychology will gradually prove that it is a prejudice to believe that one can truly, in everyday life or in ordinary science, take in everything that leads one to formulate one’s assertions. Thus, even for external psychology or the study of the soul, it is by no means an absurd claim today to unhesitatingly characterize the discovery just mentioned by saying: When someone says, “Where supernaturalism begins, science ends”—a sentiment expressed as a fundamental attitude by Du Bois-Reymond, but one that is also shared by countless people today who are completely unaware of it—it is no wonder that this is perceived as emerging from the subconscious life of the soul. But how does it emerge? What compels the soul to assert as a dogma: “Where supernaturalism begins, science ends”? What was at work in Du Bois-Reymond’s subconscious life back then, and what is at work today in the subconscious lives of thousands upon thousands of people who set the tone in society, when this statement is uttered or felt as if it were subconsciously underlying their thinking? Spiritual science provides the following answer.

[ 22 ] Wir kennen im menschlichen Leben sehr wohl einen Affekt, den wir als Furcht, Schrecken, als Ängstlichkeit bezeichnen. Wenn dieser Affekt der Furcht, des Schreckens im gewöhnlichen Leben auftritt, so ist er etwas, was jede Menschenseele kennt. Auch über solche Affekte wie Furcht, Schrecken, Ängstlichkeit gibt es heute ganz interessante, äußerliche wissenschaftliche Untersuchungen; so zum Beispiel empfehle ich jedem, sich einmal die ausgezeichneten Untersuchungen des dänischen Forschers Lange über die Gemütsbewegungen anzusehen; unter diesen sind auch solche über Furcht, Ängstlichkeit und so weiter. Wenn wir im gewöhnlichen Dasein Schreck erleben, so tritt ja, insbesondere wenn der Schreck einen gewissen Grad erreicht, etwas ein, was in einer leisen Art den Menschen betäubt, so daß er seinen Organismus nicht mehr völlig in der Gewalt hat. Man wird «starr vor Schrecken», man hat einen besonderen Gesichtsausdruck, aber es treten auch allerlei besondere Begleiterscheinungen des Schreckens im Leibesleben auf. Diese Begleiterscheinungen sind heute auch schon von der äußeren Wissenschaft ziemlich gut beschrieben, wie zum Beispiel bei dem genannten Forscher. Solcher Schrecken wirkt hinein bis in die Gefäßnatur des Menschen und stellt sich symptomatisch in derselben dar. Leiblich veränderte Zustände und besonders das Bedürfnis, sich äußerlich an etwas anzuhalten, treten beim Schreck auf. «Ich falle um» hat schon mancher gesagt, der erschreckt war. Das weist tiefer auf die Natur des Erschreckens hin, als man gewöhnlich meint. Das rührt davon her, daß der Organismus, wenn die Seele Schreck erlebt, Veränderungen erleidet. Es werden die Kräfte des Organismus wie krampfhaft auf das Nervensystem konzentriert; dieses wird gleichsam mit Seelenkraft überladen; dadurch spannen sich gewisse Gefäße an, und diese Spannung kann sich dann nicht auswirken.

[ 22 ] In human life, we are very familiar with an emotion that we describe as fear, terror, or anxiety. When this emotion of fear or terror arises in everyday life, it is something every human soul experiences. There are also very interesting, objective scientific studies today on emotions such as fear, terror, and anxiety; for example, I recommend that everyone take a look at the excellent studies by the Danish researcher Lange on emotional states; among these are studies on fear, anxiety, and so on. When we experience terror in everyday life—especially when the terror reaches a certain intensity—something occurs that gently numbs a person, so that they no longer have complete control over their body. One becomes “frozen with terror,” one’s facial expression changes, but all sorts of specific physical symptoms accompanying terror also manifest. These accompanying symptoms have already been described quite well by conventional science, as, for example, by the researcher mentioned above. Such terror affects the very vascular system of the human being and manifests symptomatically within it. Physically altered states—and especially the need to hold onto something externally—occur during a moment of terror. “I’m going to fall over,” many who have been terrified have said. This points more deeply to the nature of fright than is commonly supposed. It stems from the fact that when the soul experiences fright, the organism undergoes changes. The organism’s forces are concentrated, as it were, spasmodically on the nervous system; the nervous system becomes, so to speak, overloaded with soul force; as a result, certain blood vessels tense up, and this tension cannot then be released.

[ 23 ] Nun kommt aber die Geistesforschung und untersucht die menschliche Seele dann, wenn sie in der Tätigkeit des Denkens und Vorstellens ist, welches an die äußere Natur, an die äußere Welt hingegeben ist. Man kann nämlich die Natur jener Art von Tätigkeit untersuchen, in welcher eine Seele ist, die den ganzen übrigen Leib in Ruhe, in einer gewissen Verfassung läßt und das nach außen gerichtete Denken auf das äußere Experiment, auf die äußere Beobachtung lenkt. Wenn man sich geisteswissenschaftlich das Bild eines solchen Menschen vorhält, so ist es genau dasselbe wie dasjenige eines Menschen, der in einem leisen Schreck ist. So paradox dieser Ausspruch klingt: es ist so, daß die Ablenkung der Kräfte der Seele von dem Gesamtorganismus etwas ganz Ähnliches bewirkt wie Schrecken, wie Betäubung durch den Schreck. Jene «Kühle» des Denkens, die man in der wissenschaftlichen Beobachtung erzeugen muß, ist, so paradox es eben klingt, dem Schreck, der Angst verwandt, namentlich der Furcht verwandt; und ein angestrengter Forscher, der wirklich in seinen Forschungsgedanken drinnen lebt, ist, wenn seine Gedanken nach außen gerichtet sind, oder wenn er über etwas nachdenkt, was in der Außenwelt ist, in einer Verfassung, die der Furcht verwandt ist.

[ 23 ] But now spiritual science steps in and examines the human soul when it is engaged in the activities of thinking and imagining, which are directed toward external nature, toward the external world. For one can indeed examine the nature of that kind of activity in which a soul finds itself—a soul that leaves the rest of the body at rest, in a certain state, and directs its outward-focused thinking toward external experimentation and observation. When one considers the image of such a person from a spiritual scientific perspective, it is exactly the same as that of a person who is in a state of mild shock. As paradoxical as this statement may sound: the diversion of the soul’s forces from the entire organism brings about something very similar to shock, to a numbing caused by shock. That “coolness” of thought which one must cultivate in scientific observation is, as paradoxical as it may sound, akin to shock, to fear—namely, to dread; and a dedicated researcher who is truly immersed in his research thoughts is, when his thoughts are directed outward, or when he is reflecting on something in the external world, in a state akin to fear.

[ 24 ] Das unterscheidet das Hingegebensein an die Außenwelt gegenüber der geistesforscherischen Entwickelung, daß diese letztere darauf beruht, daß die Seelentätigkeiten vom bloßen Gehirn losgelöst werden, so daß nicht das eintritt, was bewirkt wird durch eine einseitige krampfhafte Anstrengung der Seelentätigkeit und des Hinfließenlassens des einen Teiles der Körpertätigkeit auf Kosten des anderen. Und dieser, der Furcht verwandte Zustand erzeugt das, was ich vorhin charakterisierte. Diese Furcht, von der ich jetzt spreche, kann natürlich jeder ableugnen, denn sie tritt im Unterbewußten auf. Aber sie ist dort um so sicherer vorhanden. In einer gewissen Beziehung ist der Forscher, der sein Auge auf das Äußere richtet, perennierend, fortfließend in einer solchen Seelenstimmung, daß in den unterbewußten Regionen seines Seelenlebens dasselbe waltet; was bewußt in einer Seele waltet, die in Furcht ist. Und jetzt werde ich etwas sagen, was einfach klingt, was nicht einfach gemeint ist, was aber vielleicht gerade durch die Einfachheit eine Verständigung bilden kann. Wenn jemand in Furcht ist, so kann er sehr leicht in die Stimmung kommen, die sich mit den Worten bezeichnen läßt: Ich muß mich an etwas anhalten; ich brauche etwas, woran ich mich halten kann, denn ich falle sonst um! Das ist die Stimmung des wissenschaftlichen Forschers, wie sie eben jetzt geschildert worden ist: Er muß sich auf das einseitige Denken konzentrieren; er entwickelt unterbewußt Furcht und braucht die äußere sinneskräftige Materie, an der er sich anhalten kann, damit er nicht in der unterbewußten Furcht versinkt, die, wenn sie nicht zur Theosophie vorrückt, nichts findet, woran sie sich halten kann, und die sonst, wie der Furchtsame, der sich an irgendeinem Gegenstande halten möchte, sich an die Materie hält. Gebt mir etwas, was im äußeren Materiellen ist, woran ich mich halten kann! diese Stimmung lebt im Unterbewußtsein des gewöhnlichen Wissenschafters. Das führt zu den unterbewußten Affekten hin, als Wissenschaft nur das gelten zu lassen, was keine Furcht zuläßt, weil man sich an die materialistische Gestaltung der Welt anhält. Und das gibt die antisophische Stimmung ein: Wo Supranaturalismus anfängt, hört Wissenschaft auf — hört nämlich dasjenige auf, woran man sich halten kann.

[ 24 ] What distinguishes a state of surrender to the external world from spiritual-scientific development is that the latter is based on the soul’s activities being detached from the brain alone, so that what is caused by a one-sided, convulsive exertion of the soul’s activity—and by allowing one aspect of bodily activity to take precedence at the expense of the other—does not occur. And this state, akin to fear, produces what I characterized earlier. Of course, anyone can deny this fear I am now speaking of, for it occurs in the subconscious. But it is all the more certainly present there. In a certain sense, the researcher who directs his gaze outward is perpetually, continuously immersed in such a state of mind that the same thing prevails in the subconscious regions of his inner life as prevails consciously in a soul that is in fear. And now I will say something that sounds simple, that is not meant to be simple, but that may, precisely because of its simplicity, help foster understanding. When someone is in fear, they can very easily fall into a state of mind that can be described with the words: “I must hold on to something; I need something to hold on to, for otherwise I will fall!” This is the state of mind of the scientific researcher, as it has just been described: He must concentrate on one-sided thinking; he subconsciously develops fear and needs external, sensory-based matter to hold on to, so that he does not sink into the subconscious fear which, if it does not progress toward theosophy, finds nothing to hold on to, and which otherwise—like the fearful person who wants to hold on to some object—clings to matter. “Give me something in the external material world that I can hold on to!” This sentiment lives in the subconscious of the ordinary scientist. This leads to the subconscious tendency to accept as science only that which allows no room for fear, because one clings to the materialistic conception of the world. And this is what the anti-sophic attitude implies: Where supernaturalism begins, science ends—that is, what one can hold onto comes to an end.

[ 25 ] Es ist aber damit etwas gekennzeichnet, was begreiflicherweise in einem Zeitalter vorhanden sein muß, wo die ganze Natur, die ganze Wesenheit des Zeitalters das Aufgehen in der äußeren Betrachtung und in der äußeren Natur in vieler Beziehung fordert. Es ist damit etwas angedeutet, was nicht in dem Einzelnen persönlich lebt, sondern was wirklich in allen denjenigen lebt, die heute eine antisophische Stimmung entwickeln, ob nun diese so auftritt, daß gesagt wird: Theosophie ist etwas, was die Wissenschaft überfliegt;da ist keineSicherheit drinnen, das verläßt den sicheren Boden der Wissenschaft, oder ob sie so auftritt, daß jemand sagt: Das führt doch nur zu innerem oder äußerem Unfug, was da die Leute als Theosophie vertreten; sicher ist doch auf diesem Gebiete im wissenschaftlichen Sinne nichts, sondern man muß dazu einen bloßen Glauben entwickeln, der von da oder dort herkommt. Ob jemand sagt: Mir wird meine Familienordnung zerrissen, wenn sich ein Mitglied der Familie zur Theosophie bekennt, oder ob ein anderer sagt: Wenn ich mich der Theosophie hingebe, so werden mir die Freuden des Lebens vergällt, — alle diese Dinge sind natürlich nicht richtig, aber sie werden aus einer gewissen Stimmung heraus gesagt: sie sind eine Verbrämung der antisophischen Stimmung. Und diese antisophische Stimmung ist begreiflich. Denn dem wirklich theosophisch Empfindenden, der da weiß, daß die Menschenseele doch zu ihrem Heil und zu ihrer Gesundheit immer den Zusammenhang mit der Welt suchen muß, mit der sie in ihren tiefsten Wurzeln zusammenhängt, ist nichts begreiflicher, als die antisophische Stimmung. Jede Art von Gegnerschaft, jede Art von Mißverständnis, jede Art sogar von Schimpferei, von Aufregung gegen die Theosophie ist ja verständlich, ganz verständlich. Und wer solche Mißverständnisse, solche Gegnerschaft und dergleichen vorbringen mag, der sollte doch nur immer bedenken, daß er, wie er auch, sagen wir gleich das Ärgste, wüten mag oder zornig sein mag oder | sich Luft machen mag gegenüber der Theosophie, damit dem theosophisch Empfindenden nicht das allergeringste Unverständliche und Überraschende sagt, weil dieser ihn ja verstehen kann. Der theosophisch Empfindende unterscheidet sich von ihm nur dadurch, daß der, welcher so kämpft oder wütet, selbst gewöhnlich nicht weiß, warum er es tut, weil die Quellen dazu in dem Unterbewußten liegen, das aus sich heraus die antisophische Stimmung anregt; während der theosophisch Gesinnte zugleich wissen kann, daß diese antisophische Stimmung so lange das Allernatürlichste von der Welt ist, solange man nicht begriffen hat, was der Menschenseele edelstes Streben ist. Nicht daß man gut geurteilt hat, nicht daß man logisch gedacht hat, zeigt man, wenn man in der antisophischen Stimmung ist, sondern nur das, daß man noch nicht den Schritt unternommen hat, um zu begreifen, daß Theosophie aus den Quellen des Daseins heraus spricht.

[ 25 ] This, however, points to something that must understandably exist in an age in which the very nature, the very essence of the age, demands, in many respects, a immersion in external observation and in external nature. This points to something that does not live within the individual personally, but rather lives truly in all those who today develop an antisophical disposition—whether this manifests itself in the assertion that “Theosophy is something that goes beyond science; there is no certainty in it; it leaves the secure ground of science,” or whether it manifests itself when someone says: “What people advocate as theosophy only leads to internal or external nonsense; surely nothing in this field is certain in the scientific sense, but one must develop a mere belief that comes from here or there.” Whether someone says: “My family order will be torn apart if a member of the family professes Theosophy,” or whether another says: “If I devote myself to Theosophy, the joys of life will be spoiled for me”—all these things are, of course, not true, but they are said out of a certain frame of mind: they are a veiled expression of an anti-theosophical sentiment. And this anti-theosophical sentiment is understandable. For to the truly theosophically minded person—who knows that the human soul, for its own salvation and well-being, must always seek connection with the world to which it is bound at its deepest roots—nothing is more understandable than this anti-theosophical sentiment. Any kind of opposition, any kind of misunderstanding, even any kind of abuse or agitation directed against theosophy is, after all, understandable—entirely understandable. And anyone who might voice such misunderstandings, such opposition, and the like should always bear in mind that, no matter how—let us say the worst—he may rage, be angry, or vent his frustration against Theosophy, none of it will seem the slightest bit incomprehensible or surprising to the theosophically minded person, because the latter can indeed understand him. The person with a theosophical sensibility differs from him only in that the one who struggles or rages in this way usually does not know why he is doing so, because the sources of this lie in the subconscious, which of its own accord stirs up the anti-theosophical mood; whereas the theosophically minded person can at the same time know that this anti-theosophical mood is the most natural thing in the world as long as one has not grasped what the noblest aspiration of the human soul is. When one is in an antisophical mood, one does not demonstrate that one has judged well or thought logically, but only that one has not yet taken the step toward understanding that Theosophy speaks from the very sources of existence.

[ 26 ] Und auch derjenige, welcher nicht Geistesforscher ist, kann diese Theosophie verstehen, kann sie voll aufnehmen und zum lebendigen Elixier, im geistigen Sinne gesprochen, seines Seelenlebens machen. Denn warum? Weil das, was vom Geistesforscher gleichsam jenseits des gewöhnlichen sinnlichen Erlebens erlebt wird, ausgedrückt werden kann in derselben Sprache, in welcher die Erlebnisse des alltäglichen Lebens und der alltäglichen Wissenschaft ausgedrückt werden. Das ist das Bemühen gerade dieser Vorträge, daß dieselbe Sprache für die geistigen Regionen gesprochen wird — nicht die äußere Sprache, sondern die Sprache der Gedanken —, wie sie in der äußeren Wissenschaft gesprochen wird. Allerdings kann man das Sonderbarste erleben, zum Beispiel daß man bei denjenigen, welche sich gegen die Theosophie aus der antisophischen Stimmung heraus wenden, die Sprache, die sie für das äußere Leben und die äußere Wissenschaft gelten lassen, nicht wiedererkennen kann, wenn sie sich über das geistige Gebiet ergehen.

[ 26 ] And even those who are not spiritual researchers can understand this theosophy, can fully embrace it, and make it—in a spiritual sense—the living elixir of their soul life. Why? Because what the spiritual researcher experiences, as it were, beyond ordinary sensory experience, can be expressed in the same language used to describe the experiences of everyday life and everyday science. That is precisely the aim of these lectures: to speak the same language—not the external language, but the language of thought—for the spiritual realms as is spoken in external science. However, one can experience the strangest things—for example, that among those who oppose theosophy out of an antisophical attitude, one cannot recognize the language they use for external life and external science when they speak about the spiritual realm.

[ 27 ] Was die Theosophie dem Menschen sein kann, das ist, ihm die Möglichkeit eines Zusammenhanges mit dem Urquell seines Daseins zu geben, ihn dann hinzuweisen auf denjenigen Punkt, wo die Tiefen seiner Seele mit den Tiefen der Welt zusammenhängen. Dadurch daß der Mensch in der 'Theosophie die göttlich-schöpferischen Kräfte ergreift, die ihn selber organisieren, die mit ihm ins Dasein treten und seinen Leib ergreifen, um ihn plastisch durchzugestalten, dadurch steht der Mensch mit der 'Theosophie innerhalb derjenigen Weltenkraft drinnen, die neben dem Leibe auch der Seele Gesundheit und Kraft, Sicherheit und Hoffnung und alles, was sie für das Leben braucht, geben kann. Wie der Mensch gegenüber allem, was hinter der physischen Welt ist, mit der Theosophie in den schöpferischen Quell des Daseins eindringt, so dringt er auch in bezug auf sein moralisches Leben in den schöpferischen Quell des Daseins ein. Das Dasein wird erhöht, im besten Sinne erhöht. Der Mensch fühlt in der Theosophie seine Bestimmung, seinen Wert, fühlt aber auch seine Aufgaben und Pflichten in der Welt, weil er sich in Wahrheit mit demjenigen zusammenhängend findet, an dem er sonst nur ein unbewußtes Glied ist. Das Leben außerhalb dieses Quelles, das Leben in Antisophie verödet das Dasein der Seele. Im Grunde genommen ist alle Seelenöde, aller Pessimismus, aller Zweifel am Dasein, alles Nichtzurechtkommen mit seinem Pflichtenleben, ist alles Fehlen von moralischen Impulsen aus der antisophischen Stimmung des Lebens entsprungen. Theosophie ist nicht dazu da, um irgend welche Ermahnungen und dergleichen zu geben, sondern um auf den Wahrheitsgehalt des Lebens hinzudeuten. Wer diesen Wahrheitsgehalt erkennt, der wird daraus die Impulse des Lebens auf äußerem wie auf moralischem Gebiete selber finden. Theosophie setzt sozusagen die Menschenseele in den Stand, den sie haben muß; denn sie gibt der Seele das, wodurch sich diese wirklich wie versetzt fühlt in eine Fremde, in welche sie kommen mußte. Denn Theosophie ist nicht erdenfeindlich. Wenn der Mensch sich durch sie selbst versteht, dann versteht er sich so, daß er aus einer Fremde, in der er sein muß, um zu seiner vollen Menschenbedeutung zu kommen, wieder aufsteigen muß in die Welt, in der er seine Wurzeln hat, in der seine Heimat liegt. Und aus dieser Heimaterkenntnis, aus diesem Heimatempfinden heraus, das die Theosophie geben kann, fließen der Seele Lebensmut, Lebenserkenntnis, Klarheit über ihre Pflichten, über die Impulse des Lebens zu, die unter der antisophischen Stimmung immer dunkel und stumpf bleiben, wenn man auch meint, daß sie noch so hell und klar sind. Theosophie erzeugt in Wahrheit diejenige Stimmung, die, wenn das Wort nicht mißbraucht wird, eine monistische Seelenstimmung werden kann, ein Sich-eins-Fühlen mit dem die Welt durchwebenden und durchlebenden Geiste. Und ein Sich-Wissen in diesem Geiste ist Theosophie, ein solches Sich-Wissen in diesem Geiste, daß man weiß: Was in mir lebt und webt, das wird durchpulst und durchkraftet von dem Geiste, der durch alles Dasein zieht.

[ 27 ] What theosophy can be for human beings is to give them the possibility of a connection with the primordial source of their existence, and then to point them to that point where the depths of their soul are connected with the depths of the world. Because in theosophy, a person grasps the divine-creative forces that organize him, that come into being with him and take hold of his body to shape it plastically, thus, through Theosophy, the human being stands within that world force which can give not only the body but also the soul health and strength, security and hope, and everything it needs for life. Just as, through Theosophy, a person penetrates into the creative source of existence in relation to all that lies beyond the physical world, so too does he penetrate into the creative source of existence with regard to his moral life. Existence is elevated—elevated in the best sense of the word. Through theosophy, a person feels their purpose and their worth, but also feels their tasks and duties in the world, because they find themselves truly connected to that of which they are otherwise only an unconscious part. Life outside this source—life in antisophy—desolates the soul’s existence. Fundamentally, all spiritual desolation, all pessimism, all doubt about existence, all inability to cope with one’s duties—indeed, all lack of moral impulses—springs from an antisophical attitude toward life. Theosophy is not meant to offer admonitions or the like, but rather to point to the truth inherent in life. Whoever recognizes this truth will find within it the impulses of life, both in the external and moral realms. Theosophy, so to speak, restores the human soul to the state it must have; for it gives the soul that which makes it feel as if it were truly transported into a foreign land into which it was destined to come. For Theosophy is not hostile to the earth. When a person comes to understand themselves through it, they understand themselves in such a way that, from a foreign land—where they must be in order to attain their full human significance—they must ascend once more into the world where their roots lie, where their true home is. And from this recognition of home, from this sense of belonging that theosophy can provide, the soul draws courage to face life, insight into life, and clarity regarding its duties and the impulses of life—which, under an anti-theosophical mindset, always remain dark and dull, even if one believes them to be as bright and clear as can be. Theosophy truly creates the very mood that—if the word is not misused—can become a monistic state of mind, a feeling of oneness with the Spirit that interweaves and permeates the world. And knowing oneself to be within this Spirit is theosophy—such a knowing of oneself within this Spirit that one knows: What lives and weaves within me is pulsed through and empowered by the Spirit that flows through all existence.

[ 28 ] Eins fühlten sich die besten Geister der Menschheitsentwickelung dennoch mit dieser Theosophie, wenn sie auch nicht immer zu dem aufgestiegen sind, was im Beginne des zwanzigsten Jahrhunderts, denn die Weltentwickelung schreitet vor, als Welterkenntnis gegeben werden kann. Wenn Fichte, scharf in den Gedankengängen konturiert, die Natur des menschlichen Ich hinzustellen versucht, durch ganze Bücher hindurch, und wenn sich ihm das, was sich ihm aus ganz andersartigen Gedankengängen heraus, als siehier auseinandergesetzt sind, als Stimmung ergibt, gleichsam in die Worte zusammenkristallisiert: Der Mensch, der sich in seinem /ch wirklich erlebt, erlebt sich in der geistigen Welt drinnen —, dann ist das theosophische Stimmung, theosophisches Weltbewußtsein. Dann ist das etwas, was aus diesem theosophischen Weltbewußtsein eben gerade in Fichte die schönen Worte geprägt hat, die sich wie eine notwendige Konsequenz aus dem theosophischen Weltenbewußtsein heraus ausnehmen. Es ist ja wahrhaftig grandios, wie Fichte in seinen Vorlesungen «Über die Bestimmung des Gelehrten» einige Sätze geprägt hat, wo sich ihm wieder das, worüber er viel, viel gedacht hat, und was sich wie eine theosophische Stimmung ausnimmt, in die Worte zusammenkristallisiert: Wenn ich mich erkannt habe in meinem Ich, in der geistigen Welt drinnen stehend, so habe ich mich auch erkannt in meiner Bestimmung! Wir würden sagen: daß das Ich den Punkt gefunden habe, wo es in seinem eigenen Sein mit den Wurzeln des Weltenseins zusammenhängt. Und weiter sagt Fichte: «Ich hebe mein Haupt kühn empor zu dem drohenden Felsengebirge, und zu dem tobenden Wassersturz und zu den krachenden, in einem Feuermeer schwimmenden Wolken und sage: ich bin ewig und trotze eurer Macht! Brecht alle herab auf mich, und du Erde und du Himmel vermischt euch im wilden Tumulte, und ihr Elemente alle, schäumet und tobet und zerreibet im wilden Kampfe das letzte Sonnenstäubchen des Körpers, den ich mein nenne — mein Wille allein mit seinem festen Plane soll kühn und kalt über den Trümmern des Weltalls schweben. Denn ich habe meine Bestimmung ergriffen, und sie ist dauernder als ihr; sie ist ewig und ich bin ewig wie sie.» Das ist ein Wort, das aus einer theosophischen Stimmung kommt. Bei einer anderen Gelegenheit, als er die Vorrede zu seiner «Bestimmung des Gelehrten» schrieb, hat er gegen den antisophischen Geist die bedeutungsvollen Worte gesprochen: «Daß Ideale in der wirklichen Welt sich nicht darstellen lassen, wissen wir anderen vielleicht so gut, als sie, vielleicht besser. Wir behaupten nur, daß nach ihnen die Wirklichkeit beurteilt, und von denen, die dazu die Kraft in sich fühlen, modifiziert werden müsse. Gesetzt» — so sagt Fichte; ich würde mir vielleicht nicht gestatten, dies so ohne weiteres zu sagen, wenn es eben nicht Fichte sagte — «sie könnten auch davon sich nicht überzeugen, so verlieren sie dabei, nachdem sie einmal sind, was sie sind, sehr wenig; und die Menschheit verliert nichts dabei. Es wird dadurch bloß das klar, daß nur auf sie nicht im Plane der Veredelung der Menschheit gerechnet ist. Diese wird ihren Weg ohne Zweifel fortsetzen; über jene wolle die gütige Natur walten und ihnen zu rechter Zeit Regen und Sonnenschein, zuträgliche Nahrung und ungestörten Umlauf der Säfte, und dabei — kluge Gedanken verleihen!»

[ 28 ] Nevertheless, the greatest minds in the development of humanity felt a kinship with this theosophy, even if they did not always rise to the level of what, at the beginning of the twentieth century—for the world’s development continues to advance—can be presented as an understanding of the world. When Fichte, with sharply defined lines of thought, attempts to present the nature of the human “I” throughout entire books, and when what emerges for him—arising from lines of thought entirely different from those discussed here—as a mood crystallizes, as it were, into the words: “The human being who truly experiences himself in his ‘I’ experiences himself within the spiritual world”—then that is a theosophical mood, a theosophical world-consciousness. Then that is something which, arising from this theosophical world-consciousness, has precisely in Fichte given rise to those beautiful words that appear as a necessary consequence of the theosophical world-consciousness. It is truly magnificent how Fichte, in his lectures “On the Vocation of the Scholar,” coined a few sentences in which what he had thought about so much—and which appears like a theosophical mood—crystallizes into words: When I have recognized myself in my “I,” standing within the spiritual world, then I have also recognized myself in my calling! We would say: that the “I” has found the point where, in its own being, it is connected to the roots of the world’s existence. And Fichte goes on to say: “I boldly lift my head up toward the looming mountain range, and toward the raging waterfall, and toward the crashing clouds swimming in a sea of fire, and say: I am eternal and defy your power! Let it all come crashing down upon me, and you, Earth, and you, Heaven, mingle in the wild tumult, and all you elements, foam and rage and grind to dust in the wild struggle the last speck of solar dust of the body I call my own—my will alone, with its firm plan, shall hover boldly and coldly above the ruins of the universe. For I have seized my destiny, and it is more enduring than you; it is eternal, and I am eternal like it.” This is a statement that springs from a theosophical mindset. On another occasion, while writing the preface to his “The Scholar’s Vocation,” he spoke these significant words against the antisophical spirit: “That ideals cannot be realized in the real world, we others perhaps know as well as they do, perhaps even better. We merely assert that reality must be judged by them and, by those who feel the strength within themselves to do so, must be modified. ‘Suppose’—so says Fichte; I might not presume to say this so readily if it were not Fichte who said it—‘even if they could not convince themselves of this, they lose very little in the process, once they are what they are; and humanity loses nothing in the process. This merely makes it clear that they alone are not factored into the plan for the ennoblement of humanity. Humanity will undoubtedly continue on its path; as for them, may benevolent nature take charge and grant them, at the right time, rain and sunshine, wholesome nourishment, and the undisturbed circulation of their vital fluids—and, in the process, wise thoughts!”

[ 29 ] So sagt Fichte. Und einig fühlt man sich in der theosophischen Stimmung, wenn auch, wie gesagt, Geister vergangener Zeiten über die geistige Welt nicht in so konkreter Weise sprechen konnten, wie es heute möglich ist, einig fühlt man sich mit diesen Persönlichkeiten, welche dieses theosophische Fühlen, diese theosophische Stimmung hatten. Darum fühle ich mich, indem ich noch so Gewagtes in diesen Vorträgen sage, immer in jedem Worte, in jedem Satze einig mit Goethe- und insbesondere einig mit Goethe in der theosophischen Stimmung, die alles, was er gedacht und gedichtet hat, voll und lebendig durchzieht; so daß er auch ein gutes Wort mit Bezug auf die theosophische und antisophische Stimmung sagen konnte, ein Wort, mit dem ich mir gestatten werde, diese heutige Betrachtung über «Theosophie und Antisophie» zum Abschluß zu bringen. Goethe hatte ein recht antisophisches Wort gehört, das von einem glänzenden, bedeutenden Geiste, von Albrecht von Haller, ausgegangen ist. Aber Albrecht von Haller lebte im Grunde genommen in einer besonders antisophischen Stimmung, obwohl er ein großer Naturforscher seiner Zeit war; dennoch ist es ein antisophisches Wort, wenn er sagt:

[ 29 ] So says Fichte. And one feels a kinship with the theosophical spirit; even though, as I said, spirits of bygone eras could not speak about the spiritual world in such concrete terms as is possible today, one still feels a kinship with these figures who possessed this theosophical sensibility, this theosophical spirit. That is why, even as I say such bold things in these lectures, I always feel, in every word and every sentence, in harmony with Goethe—and especially in harmony with Goethe in the theosophical spirit that fully and vividly permeates everything he thought and wrote; so that he was also able to utter a fitting remark regarding the theosophical and antisophical mood—a remark with which I shall take the liberty of concluding today’s reflection on “Theosophy and Antisophy.” Goethe had heard a rather antisophical remark that originated from a brilliant, eminent mind, Albrecht von Haller. But Albrecht von Haller essentially lived in a particularly antisophical spirit, even though he was a great natural scientist of his time; nevertheless, it is an antisophical statement when he says:

Ins Innre der Natur
Dringt kein erschaffner Geist.
Glückselig! wem sie nur
Die äußre Schale weist!

No creative spirit
Can penetrate the depths of nature.
Blessed is he to whom she shows
Only her outer shell!

[ 30 ] Goethe empfand dies, wenn er auch nicht die Worte theosophisch und antisophisch gebraucht, als eine antisophische Stimmung. Und er charakterisiert etwas drastisch, aber mit Worten, wodurch er eine solche Art der Betrachtung abweisen wollte, den Eindruck, den das antisophische Wort Hallers auf ihn machte, dem Gedanken Ausdruck gebend, daß die Seele unter einer solchen Betrachtungsweise sozusagen sich selbst verlieren müßte, verlieren müßte die Kraft und die Würde, die ihr gegeben sind, um sich selbst zu er kennen:

[ 30 ] Goethe perceived this—even though he did not use the terms “theosophical” and “antisophical”—as an antisophical sentiment. And he characterizes—somewhat drastically, but with words intended to reject such a way of thinking—the impression that Haller’s “antisophic” term made on him, expressing the idea that, under such a way of thinking, the soul would, so to speak, have to lose itself, lose the strength and dignity given to it in order to know itself:

«Ins Innre der Natur —»
O du Philister! —
«Dringt kein erschaffner Geist»,
Mich und Geschwister
Mögt ihr an solches Wort
Nur nicht erinnern;
Wir denken, Ort für Ort
Sind wir im Innern.
«Glückselig, wem sie nur
Die äußre Schale weist!»
Das hör’ ich sechzig Jahre wiederholen,
Ich fluche drauf, aber verstohlen;
Sage mir tausend, tausend Male:
Alles gibt sie reichlich und gern;
Natur hat weder Kern
Noch Schale,
Alles ist sie mit einem Male;
Dich prüfe du nur allermeist,
Ob du Kern oder Schale seist.

“Into the heart of nature—”
O you philistine! —
“No creative spirit penetrates,”
Me and my brothers and sisters
May you never
Recall such words;
We think, place by place
We are within.
“Blessed is he to whom she shows
Only the outer shell!”
I’ve heard that repeated for sixty years,
I curse it, but secretly;
Tell me a thousand, a thousand times:
She gives everything abundantly and gladly;
Nature has neither core
Nor shell,
She is everything at once;
Examine yourself above all else,
Whether you are core or shell.