Spiritual Science as an Essential in Life
GA 63
27 November 1913, Berlin
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Spiritual Science as an Essential in Life, tr. SOL
4. Vom Tode
4. On Death
[ 1 ] Nachdem ich mir in den drei ersten Vorträgen dieser Reihe gestattet habe, über Wesen und Gesinnung der Geisteswissenschaft im allgemeinen zu sprechen, möchte ich nun in den folgenden Auseinandersetzungen spezielle Gegenstände aus dem Gebiete dieser Geisteswissenschaft besprechen; und ich bemerke von vornherein, daß dieser heutige Vortrag und derjenige der nächsten Woche, «Der Sinn der Unsterblichkeit der Menschenseele», die gewissermaßen zusammen ein Ganzes bilden, die Fragen des menschlichen Seelenlebens behandeln werden, welche zusammenhängen mit dem Tode und mit dem, was für den Menschen aus dem Tode folgt, und was ich bezeichnen möchte mit dem Worte: der Sinn der Unsterblichkeit des Menschen.
[ 1 ] Having taken the liberty in the first three lectures of this series to speak about the nature and spirit of spiritual science in general, I would now like to discuss specific topics from the field of spiritual science in the following lectures; and I would like to note from the outset that today’s lecture and next week’s, “The Meaning of the Immortality of the Human Soul,” which together form a whole, so to speak, will address questions of human soul life that are connected with death and with what follows for the human being after death—what I would like to describe with the phrase: the meaning of the immortality of the human being.
[ 2 ] Es ist im allgemeinen, das soll gleich voraus bemerkt werden, nicht leicht, gerade über das Thema des heutigen Abends in unserer gegenwärtigen Zeit zu sprechen; denn es bestehen viele äußere und innere Hindernisse in der gegenwärtigen Zeitbildung gegenüber der Betrachtung desjenigen, was mit dem Worte «der Tod» zusammenhängt. Vor allen Dingen muß, damit wir nicht selber durch die Betrachtungen des heutigen Abends in Mißverständnisse gedrängt werden, darauf aufmerksam gemacht werden, daß die Geisteswissenschaft es gewissermaßen nicht so gut hat wie manches andere wissenschaftliche Gebiet der Gegenwart. Die Geisteswissenschaft ist darauf angewiesen, die Gebiete, über welche sie spricht, im strengsten Sinne zu analysieren, im strengsten Sinne logisch unterschieden von angrenzenden Gebieten ins Auge zu fassen. Das muß deshalb gesagt werden, weil die Auseinandersetzungen, welche heute und das nächste Mal gepflogen werden sollen, nur eine Bedeutung für das menschliche Erleben haben, und weil eine mehr naturalistische Wissenschaft der Gegenwart dasjenige, was man unter dem Tode versteht, gar sehr geneigt sein wird, auf alles auszudehnen, was lebt. Nun zeigt es sich gerade durch die Geisteswissenschaft, daß dasjenige, was äußerlich für die verschiedenen Wesensarten dasselbe ist, innerlich sehr verschieden sein kann, und es wird wohl auch im Laufe der Vorträge dieses Winters Gelegenheit sein, darauf aufmerksam zu machen, was Tod bedeutet im Pflanzenreiche, und was er bedeutet im Tierreiche. In dieser Betrachtung ist zunächst bloß die Absicht vorhanden, von dem Tode in bezug auf das Menschliche zu sprechen. — Aber auch noch manche anderen Hindernisse sind vorhanden, wenn es sich um eine Art Auseinandersetzung über unser Thema vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte aus handelt. Man möchte, ohne in eine allgemeine Charakteristik einzugehen, gerade von der Gesinnung der Geisteswissenschaft aus an einzelnen Tatsachen zeigen, wie diese Hindernisse beschaffen sind.
[ 2 ] It should be noted right away that, in general, it is not easy to speak about the very topic of this evening in our present age; for there are many external and internal obstacles in the current cultural climate that stand in the way of contemplating what is associated with the word “death.” Above all, to ensure that we ourselves are not led into misunderstandings by tonight’s reflections, it must be pointed out that spiritual science, so to speak, does not have it as easy as many other scientific fields today. Spiritual science is dependent on analyzing the fields it addresses in the strictest sense and on considering them, logically distinguished from adjacent fields in the strictest sense. This must be said because the discussions to be held today and next time have significance only for human experience, and because a more naturalistic science of the present day will be very inclined to extend what is understood as “death” to everything that lives. Now, it is precisely through spiritual science that it becomes evident that what is outwardly the same for different forms of life can be very different inwardly, and there will likely also be an opportunity in the course of this winter’s lectures to draw attention to what death means in the plant kingdom and what it means in the animal kingdom. In this discussion, the intention for now is simply to speak of death in relation to human beings. — But there are also a number of other obstacles when it comes to a discussion of our topic from the perspective of spiritual science. Without delving into a general characterization, I would like to demonstrate, based specifically on the spirit of spiritual science and using individual facts, what the nature of these obstacles is.
[ 3 ] Diese Hindernisse liegen in einer, nicht deutlich in das menschliche Bewußtsein heraufkommenden, man möchte sagen, Verängstigung vor dem Todesproblem. Man braucht nur ins Auge zu fassen, wie sich diese Verängstigung gerade bei erleuchtetsten Geistern der Gegenwart ausnimmt. Man könnte auf viele, viele gerade der erleuchtetsten Persönlichkeiten der Gegenwart hinweisen: man würde das gleiche finden. Ich will es heute tun in bezug auf den großen Religionsforscher und Orientalisten Max Müller. — Wenn man sich in seinen Schriften das aufsucht, was er da oder dort über den Tod gesprochen hat, so fällt einem vor allen Dingen bei ihm das auf, was uns bei zahlreichen Persönlichkeiten der Gegenwart entgegentritt: die Scheu, überhaupt an die Möglichkeit zu denken, über den Tod etwas erforschen zu können. Brachte es doch der ja wirklich bedeutende Max Müller zustande, zu sagen: alle menschlichen Gedanken, welche über das Leben des Menschen hinausschweifen, das zwischen Geburt und Tod liegt, und seien sie selbst von einem Dichter wie Dante in der «Göttlichen Komödie» zur Darstellung gebracht, alle solche Gedanken stellten nur eine kindliche Dichtung dar. Ja, sagt doch Max Müller: wenn ein Engel aus Himmelshöhen auf die Erde herunterstiege und dem Menschen etwas sagen wollte über die Verhältnisse des menschlichen Lebens innerhalb der Welt nach dem Tode, dann würde der Mensch diese Aussagen des Engels so wenig verstehen, wie ein Kind, das eben geboren ist, etwas verstehen würde, wenn man ihm über die Verhältnisse des gegenwärtigen Lebens in irgend einer menschlichen Sprache einen Vortrag halten würde. Es ist also selbst bei den erleuchtetsten Geistern der Gegenwart etwas von einem Widerwillen vorhanden, auf diese Dinge überhaupt zu sprechen zu kommen. Dabei ist Max Müller in bezug auf die Dinge der menschlichen Unsterblichkeit nicht ein negativer Geist; er ist für sich durchseelt von einer gewissen Glaubenssicherheit in bezug auf ein Leben nach dem Tode. Er will nur nicht dem Menschen die Möglichkeit zuerkennen, irgend welche Erkenntnisse über das zu gewinnen, was jenseits des Todes liegt. Er will gewissermaßen immer wieder und wieder betonen, daß der Mensch von den Gebieten, die da jenseits des Todes liegen, nicht nur nichts wissen könne, sondern auch nichts wissen solle.
[ 3 ] These obstacles lie in a—one might say—fear of the problem of death that does not clearly surface in human consciousness. One need only consider how this fear manifests itself even among the most enlightened minds of our time. One could point to many, many of the very most enlightened personalities of our time: one would find the same thing. Today I want to do so with regard to the great scholar of religion and Orientalist Max Müller. — If one searches his writings for what he has said here and there about death, what strikes one above all is what we encounter in numerous contemporary figures: a reluctance even to consider the possibility of researching death at all. After all, the truly eminent Max Müller went so far as to say: all human thoughts that wander beyond human life—that which lies between birth and death—even if they are portrayed by a poet like Dante in the Divine Comedy—all such thoughts are nothing more than childish fiction. Indeed, as Max Müller says: if an angel were to descend from the heights of heaven to earth and wish to tell a human being something about the conditions of human life in the world after death, then that human being would understand the angel’s words no more than a newborn child would understand a lecture on the conditions of present-day life delivered in any human language. Thus, even among the most enlightened minds of the present day, there is a certain reluctance to broach these subjects at all. Yet Max Müller is not a skeptical thinker when it comes to matters of human immortality; he is personally imbued with a certain certainty of faith regarding life after death. He simply does not wish to acknowledge the possibility that human beings could gain any insight whatsoever into what lies beyond death. He seems, as it were, to want to emphasize again and again that human beings not only cannot know anything about the realms that lie beyond death, but also should not know anything about them.
[ 4 ] Zeigt sich an einer solchen Tatsache, man möchte sagen, wie symptomatisch, was an Schwierigkeiten in der Gegenwart in bezug auf unser Thema vorhanden ist, so kann man aber doch auch sagen, daß die ja in den früheren Vorträgen wiederholt erwähnte, zu so bedeutsamer Größe heraufgekommene naturwissenschaftliche Vorstellungsart der Gegenwart den Menschen ablenkt, daran zu denken, irgendwelche Erkenntnisse über das zu gewinnen, was über den Tod hinaus liegt. Es ist in den drei vorhergehenden Vorträgen so anerkennend über diese naturwissenschaftliche Denkweise gesprochen worden und so zustimmend über das, was sie zutage gefördert hat — wenn sie nur in ihren Grenzen bleibt —, daß ich heute nicht mißverstanden werde, wenn ich jetzt kurz einleite, warum es mit der naturwissenschaftlichen Denkweise schwierig ist, zuzugeben, daß eine Möglichkeit vorliegt, in das Gebiet jenseits des Todes einzudringen. Worauf fußt denn diese naturwissenschaftliche Denkweise? Wodurch ist sie groß geworden? Dadurch ist sie so groß geworden, daß sie das Prinzip der menschlichen Sinnesbeobachtung und der Anwendung der Verstandestätigkeit auf diese Sinnesbeobachtung im strengsten Sinne des Wortes aufgestellt hat. — Nun ist eines leicht einzusehen. Wenn man das Prinzip der Sinnesbeobachtung, das Prinzip der Erforschung alles dessen, was der Verstand über diese Sinnesbeobachtung gewinnen kann, zum ausschließlichen Forschungsprinzip macht, dann will man, ganz zweifellos, durch das forschen, was der Mensch mit seiner Leibesbildung durch seine Geburt im physischen Leben entwickelt erhält. Das, was man als irgend ein «Unsterbliches» ansprechen könnte, das über Geburt, oder Empfängnis, und Tod hinaus ein geistiges Leben hat, das kann ganz offenbar nicht in das Gebiet der Sinnesbeobachtung und der Verstandesforschung eingeschlossen sein, die sich an die Sinne bindet. Mit seinem Leibe erhält der Mensch ganz gewiß das um sein Wesen herumgelagert, was seine Sinne organisiert und was denjenigen Verstand organisiert, der sich an die Sinne bindet. Dasjenige was forscht, was im eminentesten Sinne in der naturwissenschaftlichen Weise unserer Zeit forscht, das erwirbt sich der Mensch zweifellos im Gebiet der Zeitlichkeit; das gehört in das Gebiet, in welches sich unser Wesen auflöst, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen. Die Naturwissenschaft im Sinne der Gegenwart arbeitet daher ganz ohne Zweifel mit Werkzeugen, welche ebenso, wie sie mit der Geburt entstehen, mit dem Tode vergehen. Und wie sollte es nicht leicht erkannt werden können, wenn man das Arbeiten mit diesen Werkzeugen zum ausschließlichen Prinzip der Forschung macht, daß man dasjenige, wohinein diese Werkzeuge ganz gewiß nicht reichen können, auch nicht erforschen kann. Deshalb erscheint auch nichts törichter, als wenn man annehmen wollte, daß man mit den Forschungsmitteln der Naturwissenschaft jemals in die geheimnisvollen Gebiete eindringen könnte, die jenseits des Todes liegen. Daher ist es auch gekommen, daß wahrhaftig nicht die schlechtesten Geister des neunzehnten Jahrhunderts gerade vom naturwissenschaftlichen Denkerstandpunkte aus zu einer Leugnung jenes Lebens über den Tod hinaus gekommen sind. Wahrhaftig, nicht die schlechtesten Denker waren es! Denn unter den vielen außerordentlichen Lobsprüchen, die man der naturwissenschaftlichen Denkweise angedeihen lassen muß, wie sie sich seit drei bis vier Jahrhunderten entwickelt hat und wie sie in einem viel ausgiebigerem Maße, als manche zugeben wollen, die allgemeine Bildung und das allgemeine Denken heute beherrscht, unter all den Lobsprüchen, die man dieser naturwissenschaftlichen Denkungs- und Forschungsart zugestehen muß, ist zweifellos auch der berechtigt, daß man sagt: Diese naturwissenschaftliche Denkweise hat den Menschen dazu erzogen, seine Vorurteile, seine Wünsche und Begierden — das, was in seiner Subjektivität lebt — nicht mitsprechen zu lassen, wenn es sich darum handelt, irgend etwas wissenschaftlich auszumachen. Man bekommt gerade jenen großen Respekt, den man vor der naturwissenschaftlichen Denkweise haben kann, wenn man ihre Bemühungen wirklich sieht und mit ihr, im Experiment, durchmacht: in der Beobachtung streng objektiv so zu verfahren, daß alles, von dem der Mensch möchte, daß es sei, was aus dem menschlichen Subjekt herausfließt, wirklich keine Rolle bei der Forschung spielt. Und wie sollte das nicht gegenüber der Frage des 'Todes sein! Aber ist es nicht immer so gewesen, daß bei den Antworten, die sich der Mensch gibt über das, was über den Tod hinaus liegt, seine Affekte, seine Wünsche und Begierden die größte Rolle spielen? Indem man sich bei der wissenschaftlichen Forschung abgewöhnt hat, diese Dinge eine Rolle spielen zu lassen, kamen gerade die ethisch nicht schlechtesten Persönlichkeiten des neunzehnten Jahrhunderts zu einer Ablehnung des Lebens nach dem Tode.
[ 4 ] This fact alone one might say how symptomatic the difficulties currently surrounding our topic are; yet one can also say that the contemporary scientific way of thinking—which has been repeatedly mentioned in earlier lectures and has grown to such significant proportions—distracts people from even considering the possibility of gaining any insight into what lies beyond death. In the three previous lectures, this scientific way of thinking has been spoken of so appreciatively, and what it has brought to light has been met with such approval — provided it remains within its limits — that I will not be misunderstood today if I now briefly explain why it is difficult, within the framework of the scientific way of thinking, to admit that there is a possibility of penetrating the realm beyond death. On what, then, is this scientific way of thinking based? How did it come to be so influential? It became so influential precisely because it established, in the strictest sense of the word, the principle of human sensory observation and the application of intellectual activity to that sensory observation. — Now, one thing is easy to see. If one makes the principle of sensory observation—the principle of investigating everything the intellect can glean from this sensory observation—the exclusive principle of research, then one undoubtedly seeks to investigate what human beings develop and maintain through their physical constitution, acquired at birth, in physical life. That which one might refer to as some kind of “immortal” entity—one that possesses a spiritual life beyond birth, conception, and death—cannot, quite obviously, be included within the realm of sensory observation and intellectual inquiry, which are bound to the senses. With his body, a human being certainly receives, as a surrounding layer to his being, that which organizes his senses and that which organizes the intellect bound to the senses. That which investigates—that which, in the most eminent sense, investigates in the scientific manner of our time—is undoubtedly acquired by human beings within the realm of temporality; it belongs to the realm into which our being dissolves when we pass through the gate of death. Natural science, as understood today, therefore undoubtedly works with tools that, just as they come into being at birth, perish with death. And how could it not be easily recognized—if one makes working with these tools the exclusive principle of research—that one cannot investigate that which these tools certainly cannot reach? That is why nothing seems more foolish than to assume that one could ever penetrate, using the research methods of natural science, into the mysterious realms that lie beyond death. This is also why it is true that some of the most brilliant minds of the nineteenth century—precisely from the standpoint of scientific thought—came to deny the existence of life beyond death. Truly, they were not the worst thinkers! For among the many extraordinary praises that must be bestowed upon the scientific way of thinking—as it has developed over the past three to four centuries and as it dominates general education and general thought today to a far greater extent than some are willing to admit— among all the praise that must be accorded to this scientific mode of thinking and research, there is undoubtedly also a justified claim that this scientific way of thinking has taught people not to let their prejudices, their wishes, and their desires—that which lives in their subjectivity—have a say when it comes to scientifically determining anything. One gains precisely that great respect one can have for the scientific way of thinking when one truly sees its efforts and goes through them alongside it, in the experiment: to proceed strictly objectively in observation, so that everything that a person would like to be true—that which flows from the human subject—truly plays no role in the research. And how could it be otherwise when it comes to the question of ‘death’! But has it not always been the case that, in the answers people give themselves about what lies beyond death, their emotions, their wishes, and their desires play the greatest role? By weaning themselves, in the course of scientific research, from allowing these things to play a role, it was precisely those individuals of the nineteenth century who were not the least ethical who came to reject the idea of life after death.
[ 5 ] Wenn man sucht, wodurch diese Geister zu einer solchen Ablehnung des Lebens nach dem Tode gekommen sind, so findet man, daß es im Grunde genommen edle Motive waren. Das muß ohne weiteres zugestanden werden. Gar mancher war unter den materialistischen Denkern des vergangenen Jahrhunderts, der gesagt hat, es gehöre zum menschlichen Egoismus, zu den Impulsen der menschlichen Selbstsucht, zu wünschen, daß man mit seinem kleinen Ich, mit alledem, was man als menschliches Wesen zwischen Geburt und Tod erlebt und ist, auch über den Tod hinaus reiche; edler, so sagten viele und gerade ethisch wertvolle materialistische Geister, sei es für den Menschen, das, was er sich erarbeitet, was er erwirbt zwischen Geburt und Tod, aufgehen zu lassen in das allgemeine Menschenleben, in den Strom des geschichtlichen Werdens, sich selber hinzugeben an das Ganze; das, was einem die Ichheit gebracht hat, hinzulegen in das Grab, das aber, was man geistig-seelisch erlebt hat, einfließen zu lassen in das allgemeine Menschenleben und zu wissen: dieses Ich erhalte sich nicht, sondern opfere sich hin am Altar des allgemeinen Menschentums. In solchem Hinopfern, in solchem Aufgehen dessen, was man sich im Leben erworben hat, sahen manche wirklich sittlich nicht tief stehende und wissenschaftlich geschulte Menschen das, was über den Tod des Menschen gesagt werden kann.
[ 5 ] If one seeks to understand what led these thinkers to such a rejection of life after death, one finds that, at the root of it, their motives were noble. This must be readily acknowledged. There were quite a few among the materialist thinkers of the past century who said that it is part of human egoism—part of the impulses of human self-interest—to wish that one’s little self, with all that one experiences and is as a human being between birth and death, might extend beyond death; Many—and especially ethically valuable materialist thinkers—said that it is nobler for a person to allow what one has worked for and acquired between birth and death to merge into the general life of humanity, into the stream of historical development, and to surrender oneself to the whole; to lay to rest in the grave what the ego has brought one, but to allow what one has experienced spiritually and emotionally to flow into the general life of humanity, and to know: this “I” does not preserve itself, but sacrifices itself on the altar of universal humanity. In such self-sacrifice, in such a merging of what one has acquired in life, some people—who were not particularly morally deep but were scientifically trained—saw what can be said about the death of the human being.
[ 6 ] Nun gibt es gewiß vieles, was innerhalb des menschlichen Affektlebens, innerhalb des menschlichen Wunschlebens sich auflehnt gegen ein solches Verfließen in den allgemeinen Strom des Menschentums. Bei einer wirklich erkenntnisartigen Beantwortung unserer Frage darf das alles nicht mitspielen. Aber es gibt eines, was den Menschen, wenn auch nicht zu einer Antwort, so doch zunächst wenigstens zu einer richtigen Fragestellung führen kann in bezug auf den Tod und den Durchgang des menschlichen Wesens durch diesen Tod. Auch wenn man absieht von allen Wünschen, von allen Befürchtungen, die der Mensch gegenüber dem Tode hat, wenn man absieht von allem, was er gern hätte als eine Antwort über das Jenseits des Todes, und wenn man eigentlich nur auf das sieht, worauf es berechtigt ist zu sehen: auf die Ökonomie im Weltall, dann stellt sich die Antwort — ich will damit zunächst nur eine Frage aufwerfen — etwa folgendermaßen: Betrachtet man das, was sich der Mensch im Leben innerlich erwirbt an Allerwertvollstem, an Allerbedeutsamstem, was da in der Seele als unser innerstes Gut auflebt und als Gut in bezug auf das, was wir aus Liebe, aus Hingebung und anderen Impulsen für uns und unsere Umgebung tun können, und fragt man sich: Was ist das Wertvollste? — so ist es ein für jede Menschenseele so Intimes, so Individuelles, daß es für jede Menschenseele, wegen seines intimen Charakters, nicht an den Strom des allgemeinen Daseins hingegeben werden kann. Wahrhaftig: so viel wir auch hingeben können, so hingeben können, daß das, was wir zu geben haben, im allgemeinen Strome des Daseins weiter verarbeitet wird — was das Wertvollste ist, das ist so eng mit unserer Seele verbunden, daß wir es nicht hingeben würden, daß es unbedingt in den allgemeinen Grabschoß des Nichts hinuntersinken müßte, wenn wir nicht als ein Etwas durch die Pforte des Todes gingen. Denn verloren wäre ohne Zweifel für die Weltenökonomie das, was als das Wertvollste durch die menschliche Seele errungen und erarbeitet wird, wenn das menschliche Leben mit dem Tode zu Ende wäre. Das aber würde dem widersprechen, was wir sonst überall im Weltall gewahr werden. Nirgends werden wir im Weltallgewahr, daß Kräfte sich bis zu einer Höhe, zu der äußersten Höhe entwickeln, bis zu der sie sich zunächst entwickeln können — und dann ins Nichts verfließen; sondern überall werden Kräfte nur so erzeugt, daß sie sich verwandeln, daß sie weiterwirken in der Welt. Sollte einzig und allein das Menschenwesen dazu berufen sein, etwas zu erarbeiten, was nicht im Weltall weiter verarbeitet würde, sondern sich ins Nichts auflösen müßte?
[ 6 ] Now, there is certainly much within human emotional life and within human desire that rebels against such a merging into the general current of humanity. A truly insightful answer to our question must not be influenced by any of this. But there is one thing that can lead a person—if not to an answer, then at least initially to a proper formulation of the question—regarding death and the passage of the human being through death. Even if one sets aside all the desires and fears that human beings have regarding death, if one sets aside everything they would like to have as an answer about the afterlife, and if one focuses solely on what it is legitimate to consider—namely, the order of the universe—then the answer—and I merely wish to raise a question here—might be something like this: If one considers what a person acquires inwardly in life that is most precious, most significant—what lives on in the soul as our innermost treasure and as a treasure in relation to what we can do out of love, devotion, and other impulses for ourselves and our surroundings—and asks oneself: What is the most precious thing? — it is something so intimate, so individual to every human soul that, because of its intimate nature, it cannot be surrendered to the stream of general existence. Truly: no matter how much we may give—so much that what we have to give is further processed within the general stream of existence—what is most valuable is so closely bound to our soul that we would not give it up; it would inevitably sink into the general grave of nothingness if we did not pass through the gate of death as a distinct being. For what is attained and cultivated by the human soul as the most precious would undoubtedly be lost to the economy of the universe if human life were to end with death. But that would contradict what we otherwise perceive everywhere in the universe. Nowhere in the universe do we observe that forces develop to a height—to the utmost height to which they can initially develop—and then flow into nothingness; rather, everywhere forces are generated in such a way that they are transformed and continue to have an effect in the world. Is the human being the only one destined to create something that would not be further processed in the universe, but would instead have to dissolve into nothingness?
[ 7 ] Das ist zunächst nicht im entferntesten eine Antwort, sondern die Aufstellung einer Frage von einem, von dem, was der Mensch gern hätte und was menschliche Wünsche sind, ganz unabhängigen Gesichtspunkte aus, die Frage: Wie wäre es, im Sinne einer allgemeinen Weltenökonomie, die uns überall so klar entgegentritt als Beispiel einer allgemeinen Naturbeobachtung, möglich, daß ins Nichts versinke, was der Mensch in seinem Leben zwischen Geburt und Tod in seiner Seele sich erarbeitet? Weiter aber als bis zu der Aufstellung dieser Frage ist eigentlich mit den äußeren Forschungsmitteln nicht zu kommen. Denn zweifellos muß das, was im Menschen das Unsterbliche genannt werden kann, jenseits des äußeren Erlebens gesucht werden. Das äußere Erleben tritt an uns eben durch die Sinne heran, und eine geringfügige Erfahrung zeigt, daß auch alles, was durch den Verstand sich ergeben kann, dem äußeren Erleben angehört, und daß dieses alles, wie es im äußeren Leben steht, sich nur entwickeln kann innerhalb der Leiblichkeit, die uns durch die Geburt oder Empfängnis gegeben wird, und die sich mit dem Tode auflöst. Innerhalb alles dessen, was wir durch unsere Leiblichkeit haben können, werden uns die Werkzeuge nicht gegeben werden, welche eine Erforschung des Todesproblemes möglich machen.
[ 7 ] This is not, at first glance, even remotely an answer, but rather the posing of a question from a perspective entirely independent of what humans would like to have and what human desires are—the question: In the context of a general world economy—which presents itself so clearly to us everywhere as an example of general observation of nature—how is it possible that what a person develops in their soul during their life between birth and death should sink into nothingness? However, external means of research cannot actually take us any further than the posing of this question. For undoubtedly, what in human beings can be called the immortal must be sought beyond external experience. External experience approaches us precisely through the senses, and even a little reflection shows that everything which can arise through the intellect also belongs to external experience, and that all of this, as it exists in external life, can develop only within the physical body given to us at birth or conception, which dissolves with death. Within the limits of what we can possess through our physical existence, we will not be given the tools that would make an exploration of the problem of death possible.
[ 8 ] Nun haben wir bereits in den einleitenden Vorträgen davon gesprochen, daß der Mensch durch die geisteswissenschaftlichen Methoden in der Tat seine Seele so zu entwickeln vermag, daß sie sich wie durch eine geistige Chemie von dem leiblichen Erleben loslöst, so daß sie sich tatsächlich zu einem Standpunkte im Leben hinaufringt, auf dem sie nicht bloß als eine Phrase, sondern als ein unmittelbares inneres Erleben zum Ausdruck bringen kann: Ich weiß, was es heißt, in mir eine geistig-seelische Tätigkeit zu entwickeln, die nicht den Leib zu ihrem Werkzeuge hat. Können wir erhoffen — was ja doch sein müßte, wenn man den Tod erforschen sollte —, daß durch etwas anderes als durch ein Erforschen mit den Mitteln des äußeren Erlebens, nämlich durch solche, auf die geschilderte Weise erweckte Erkenntniskräfte etwas ausgesagt werden kann über den Tod? Gerade wenn man naturwissenschaftlich denkt, muß man sagen: was erforscht werden soll, muß erlebt werden. Aber mit keinem äußeren Werkzeuge kann der Tod erlebt werden, der uns gerade eben die äußeren Werkzeuge abnimmt. So also kann es eine Todeserforschung nur unter der einen Voraussetzung geben, daß eine solche Todeserforschung möglich sei mit Werkzeugen, die nicht innerhalb des leiblichen Lebens liegen.
[ 8 ] Now, we have already discussed in the introductory lectures that, through the methods of spiritual science, human beings are indeed able to develop their souls in such a way that—as if through a kind of spiritual chemistry—they detach themselves from physical experience, so that they can actually rise to a vantage point in life from which they can express, not merely as a phrase but as a direct inner experience: I know what it means to develop within myself a spiritual-soul activity that does not use the body as its instrument. Can we hope—which surely must be the case if one is to investigate death—that something can be said about death through means other than investigation by means of external experience, namely through powers of cognition awakened in the manner described? Precisely when one thinks in scientific terms, one must say: what is to be investigated must be experienced. But death—which takes away our very external instruments—cannot be experienced with any external instrument. Thus, research into death can only take place under the single前提 that such research is possible with instruments that do not lie within physical life.
[ 9 ] Es ist darauf aufmerksam gemacht worden, daß der Mensch durch gewisse innere intime Seelenübungen eine solche Erstarkung, eine solche Erkräftigung seines Seelenlebens herbeizuführen in der Lage ist, daß für ihn tatsächlich etwas eintritt wie eine Loslösung des Geistig-Seelischen von dem Körperlichen, ähnlich wie beim Zersetzen des Wassers der Sauerstoff von dem Wasserstoff losgelöst wird. So wird durch die in den vorhergehenden Vorträgen angedeuteten Übungen das Geistig-Seelische des Menschen von dem Leiblichen losgelöst und der Mensch dazu gebracht, im Geistig-Seelischen innerlich zu erleben. Wenn der Mensch auf diese Weise im Geistig-Seelischen innerlich erlebt, wenn er leibfrei noch ein Leben hat und dazu gekommen ist, sein eigenes Leibliches als ein Objekt wie einen äußeren Gegenstand außer sich zu haben, dann wird er gewahr, was es bei den Geistesforschern zu allen Zeiten bedeutet hat, daß sie zwei Erlebnisse nahe aneinandergerückt haben: das Erlebnis der sogenannten Initiation und das Erlebnis des Todes.
[ 9 ] It has been pointed out that through certain inner, intimate soul exercises, a person is able to bring about such a strengthening and invigoration of their soul life that something akin to a separation of the spiritual-soul aspect from the physical aspect actually occurs for them—similar to how oxygen is separated from hydrogen during the decomposition of water. Thus, through the exercises indicated in the preceding lectures, the human being’s spiritual-soul aspect is separated from the physical, and the human being is led to experience the spiritual-soul realm inwardly. When a person experiences the spiritual-soul realm inwardly in this way, when they have a life free from the body and have come to regard their own physical body as an object outside themselves, like an external thing, then they become aware of what it has meant throughout the ages for researchers of the spirit to bring two experiences close together: the experience of so-called initiation and the experience of death.
[ 10 ] Wir müssen nur festhalten, daß es zu allen Zeiten das gegeben hat, was man Geistesforschung nennt. Geistesforschung wurde getrieben schon in den ältesten Zeiten des Menschentums, der menschlichen geschichtlichen Entwickelung auf Erden in den sogenannten Mysterien. Wer sich darüber genauer unterrichten möchte, kann es nachlesen in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache», was dort über die Mysterien des Altertums gesagt ist. Nur konnte damals Geistesforschung nicht im Sinne unserer Zeit betrieben werden. Die Menschen ändern sich im Laufe des geschichtlichen Werdens ganz beträchtlich; und ehe ich weiter darauf eingehe, möchte ich darauf aufmerksam machen, daß in den alten Zeiten der Menschheitsentwickelung ganz andere Kräfte in der Seele zur Entwickelung gebracht werden mußten, damit der Mensch an Stätten, die sozusagen ein Mittelding waren von Kunst, Wissenschaft und Religion, dahin gebracht werden sollte, daß sich durch die Entwickelung seiner Seelenkräfte die geistige Welt wesenhaft vor ihm darstellte.
[ 10 ] We need only note that what is called spiritual research has existed throughout the ages. Spiritual research was already being pursued in the earliest times of humanity—during the course of human historical development on Earth—within the so-called mysteries. Anyone who would like to learn more about this can read my book Christianity as a Mystical Fact to see what is said there about the mysteries of antiquity. However, spiritual research could not be conducted in those days in the same way as it is today. People change quite considerably in the course of historical development; and before I go into further detail, I would like to point out that in the early stages of human development, entirely different powers within the soul had to be cultivated so that, in places that were, so to speak, a hybrid of art, science, and religion, human beings could be led to a point where, through the development of their soul powers, the spiritual world would reveal itself to them in its true essence.
[ 11 ] Andere Kräfte als früher müssen in unseren Zeiten in den Seelen entwickelt werden, nachdem in den letzten Jahrhunderten die Seelen naturwissenschaftlich erzogen worden sind. Und so muß auch die Geisteswissenschaft in unserer Zeit, wo sie eine Fortsetzung der Naturwissenschaft sein muß, etwas anderes sein, als sie in alten Zeiten war. Aber immer hat sie den Seelen jene zwei Erlebnisse gebracht: die Entwickelung der Seelenfähigkeiten, welche die geistige Welt unabhängig von dem Leiblichen erleben lassen, und das Erlebnis des Todes. Immer wieder finden wir in den verschiedenen Schriften ausgedrückt, daß der Mensch, der in den Mysterien zum Erleben der geistigen Welt, ihrer Vorgänge und Wesenheiten gebracht worden ist, herangekommen ist an die «Pforte des Todes»; das heißt, daß er in seinen Erlebnissen etwas erlebt, von dem er unmittelbar weiß, daß es dem Erlebnis des Todes gleicht, oder daß es etwas ist, bei dem man auch wissen kann, wenn man es erkennt, was es mit dem Tode für eine Bewandtnis hat. Der durch die Initiation Gehende wußte, daß er bis an die Grenze des Todes herangehen mußte. So hat man immer gesagt. Und in meiner Schrift «Ein Weg zur Selbsterkenntnis des Menschen» mußte ich ein Erlebnis anführen, das ich auch hier schon angeführt habe, zu welchem der Mensch kommt, wenn er in jahrelanger Übung auf sich wirken läßt, was man Meditation, Konzentration und so weiter nennt. Ich habe dort angeführt: Wenn der Mensch jene Entwickelung seiner Seele vornimmt, durch welche diese für kurze Zeiten aus dem Leibe herauswächst zu einem leibfreien Erfahren und Erleben, dann kommt der Mensch zu einem unendlich bedeutungsvollen Moment, zu einem Moment, der dann erschütternd für die Seele wird, wenn er zum ersten Male auftritt. Er muß ja dann für den Geistesforscher öfter wiederholt werden; aber wenn er zum ersten Male auftritt, ist er ein für das Seelenleben allertiefst eingreifendes Erlebnis. Wenn man jene Seelentätigkeit, die man sonst im gewöhnlichen Leben als Aufmerksamkeit, als Hingabe bezeichnet, ins Unbegrenzte steigert, dann erstarken die vom Leibe unabhängigen Seelenkräfte so, daß ein ganz bestimmter Moment im Seelenleben auftritt. Er kann auftreten mitten im Trubel des Tageslebens; er braucht nicht einmal zu stören, wenn man durch eine rechtmäßige Entwickelung, wie sie in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» geschildert ist, zu einem solchen Erleben aufsteigt, und das gewöhnliche Erleben des Tages kann im übrigen fortgehen. Oder in der Tiefe des nächtlichen Erlebens, im Schlafe, kann dieser Moment eintreten. Man fühlt sich dann plötzlich, oder man fühlt während des Tageslebens eine Inspiration oder Intuition in das allgemeine Leben hereinströmen. Typisch möchte ich beschreiben, was man so erlebt. Es kann beim Menschen hundert- und hundertfach verschieden sein, aber immer wird es etwas von dem haben, was ich jetzt beschreiben möchte. Ich werde es versuchen in Worte zu bringen; aber indem ich dies tue, bin ich mir bewußt, daß es mit Worten, welche dem Sinnensein entlehnt sind, nur unvollkommen ausgedrückt werden kann.
[ 11 ] In our time, different powers than in the past must be developed in the soul, since souls have been educated in the natural sciences over the last few centuries. And so spiritual science, too, in our time—when it must be a continuation of the natural sciences—must be something different from what it was in earlier times. But it has always brought two experiences to the soul: the development of the soul’s faculties, which enable it to experience the spiritual world independently of the physical body, and the experience of death. Time and again we find it expressed in various writings that the person who, through the mysteries, has been led to experience the spiritual world, its processes, and its beings, has approached the “gate of death”; that is to say, that in their experiences they experience something of which they know immediately that it resembles the experience of death, or that it is something about which, once recognized, one can also know what connection it has with death. The person undergoing initiation knew that he had to approach the very threshold of death. This is what has always been said. And in my book A Path to Self-Knowledge for Humanity, I had to cite an experience—which I have also mentioned here—that a person reaches when, through years of practice, he allows upon himself what is called meditation, concentration, and so on. I wrote there: When a person undertakes that development of the soul through which the soul, for brief periods, grows out of the body into a body-free experience and perception, then the person arrives at an infinitely significant moment—a moment that becomes deeply unsettling for the soul when it occurs for the first time. For the spiritual researcher, it must, of course, be repeated more often; but when it occurs for the first time, it is an experience that profoundly affects the life of the soul. When one intensifies to the infinite that activity of the soul which is otherwise described in ordinary life as attention or devotion, the soul forces independent of the body grow so strong that a very specific moment in the life of the soul arises. It can occur in the midst of the hustle and bustle of daily life; it need not even be disruptive if one ascends to such an experience through a legitimate development, as described in the book How to Attain Knowledge of the Higher Worlds, and the ordinary experience of the day can otherwise continue. Or this moment may occur in the depths of the night, during sleep. One then feels it suddenly, or one feels an inspiration or intuition flowing into one’s everyday life during the day. I would like to describe, in general terms, what one experiences in this way. It can vary a hundredfold from person to person, but it will always have something in common with what I am about to describe. I will try to put it into words; but in doing so, I am aware that it can only be imperfectly expressed with words borrowed from the sensory realm.
[ 12 ] Man fühlt sich, wie wenn man mitten aus dem Schlafe gerissen wird, und man hat das Gefühl, daß etwas sagt: Was geschieht mit mir? Es ist, wie wenn der Blitz in den Raum eingreife, wo ich selber bin, und wie wenn er das Gefäß der äußeren Leiblichkeit zerschlüge. Man fühlt in einem solchen Moment der gesteigerten Erkenntnis nicht nur etwas heranschleichen, was einen in bezug auf die äußere Leiblichkeit vernichtet, sondern man fühlt sich geradezu durchdrungen und durchpulst von diesem die äußere Leiblichkeit Vernichtenden. Man fühlt, daß man sich bei diesem Erleben nur aufrechterhalten kann durch die erstarkten inneren Seelenkräfte, und man sagt sich: Jetzt weiß ich, was alles in der äußeren Welt vorhanden sein kann, um die Leiblichkeit, in welcher ich stecke, von mir loszulösen. Von diesem Augenblicke an weiß man durch das, was man so erlebt hat, daß es ein Geistig-Seelisches im Menschen gibt, das unter allen Umständen unabhängig ist von der Leiblichkeit des Menschen, dem diese Leiblichkeit wie ein äußeres Gefäß und Werkzeug anentwickelt ist.
[ 12 ] One feels as if one were being torn from the midst of sleep, and one has the sensation that something is asking: “What is happening to me?” It is as if lightning were striking the space where I myself am, and as if it were shattering the vessel of my outer physicality. In such a moment of heightened awareness, one not only senses something creeping up that destroys one’s outer physicality, but one feels downright permeated and pulsed through by this force that destroys the outer physicality. One feels that, in this experience, one can sustain oneself only through the strengthened inner powers of the soul, and one says to oneself: Now I know what can exist in the outer world to detach from me the physicality in which I am enshrouded. From this moment on, through what one has thus experienced, one knows that there is a spiritual-soul aspect within the human being that is, under all circumstances, independent of the human physicality, to which this physicality is attached like an outer vessel and instrument.
[ 13 ] Von diesem Moment an weiß man im Bilde, was der Tod ist. Allerdings, es ist zunächst ein unbestimmtes Wissen, ein unbestimmtes Erleben; aber es gibt der Seele jene innere Stimmung, jenen Gefühlston, jenes innere Ergreifen einer geistigen Wirklichkeit, durch die sie geeignet wird, sich auf das einzulassen, was sie befähigt, in die Gebiete des geistigen Lebens einzudringen. Es ist ein intimes Erlebnis, von dem ich gesprochen habe; aber es ist ein Erlebnis von menschlich ganz allgemeiner Art — deshalb von menschlich ganz allgemeiner Art, weil es so ernst ist, daß es einen losbringt von dem, was im engeren Sinne mit dem persönlichen Wünschen und Wollen zusammenhängt, und einen bekannt macht mit dem, was eigentlich sonst immer bloß hinter dem Leben steckt. Es zeigt einem aber noch etwas anderes ganz klar: den Unterschied in der Erringung des eigentlichen geisteswissenschaftlichen Wissens und der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis — und jeglickem anderen äußeren Wissens und äußerer Erkenntnis. Äußere Wissenschaft, äußere Erkenntnis erringt man sich, indem man dieses oder jenes lernt, sich auf dieses oder jenes Streben einläßt; dann hat man es eben errungen, was man zu lernen begehrt. Arbeitend erringt man sich das, was man wissen soll. So ist es bei der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis nicht. Zwar ist es nicht so, daß irgend jemand glauben sollte: Ja, geisteswissenschaftliches Wissen erringt man so, daß einmal die Erleuchtung über die Seele kommt; dann sieht sie in das ganze Gebiet des Geistes hinein. So stellen es sich zwar manche Menschen vor: daß geisteswissenschaftliches Wissen errungen wird ohne alle Anstrengung. So ist es aber nicht. Und wenn jemand sagen würde: Von seiten der Geistesforschung wird so manches gesagt, was der Historiker nur mit aller Mühe in einer Arbeit durch Jahre hindurch aus den Urkunden und Quellen zutage fördern kann, und dann kommt der geisteswissenschaftliche Forscher und sagt etwas, ohne zu ahnen, wie so etwas sonst nur durch jahrelanges Forschen zu sagen möglich ist; das ist eine Vermessenheit dann muß allerdings darauf erwidert werden: Nicht nur die Arbeit, die man zu solchem jahrelangen Urkundenforschen und zu jahrelangem Experimentieren braucht, muß der Geistesforscher aufwenden; sondern die ganze Arbeit, die nötig ist, muß er jahrelang an sich selber ausführen. Aber diese Arbeit hat in einer gewissen Weise ein anderes Ziel, einen anderen Charakter. Was man als geisteswissenschaftlicher Forscher tun kann, ist eigentlich nicht das, was einen zur Erkenntnis führt, sondern ist nur die Vorbereitung dazu. Und alles, was in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» gesagt ist, ist nur eine Charakteristik dessen, was die Seele zu tun hat, um sich für jenen Moment vorzubereiten, wo ihr die geistige Welt offenbar wird. Vorbereitung, nicht Erarbeitung wie in der äußeren Wissenschaft, ist das, was der Geistesforscher zunächst vorzunehmen hat. Das lernt man allerdings auch erkennen, wenn man einen Sinn verbinden kann mit den Worten: Ich erlebe mich als ein geistig-seelisches Wesen innerhalb der geistigen Welt.
[ 13 ] From that moment on, one knows intuitively what death is. Admittedly, at first it is an indefinite knowledge, an indefinite experience; but it gives the soul that inner mood, that emotional tone, that inner grasp of a spiritual reality, through which it becomes capable of engaging with that which enables it to penetrate the realms of spiritual life. It is an intimate experience of which I have spoken; but it is an experience of a very general human nature—and I say “very general human nature” because it is so profound that it detaches one from what, in the narrower sense, is connected with personal desires and will, and introduces one to what otherwise always lies merely behind life. But it also makes something else very clear: the difference between attaining actual spiritual-scientific knowledge and spiritual-scientific insight—and any other kind of external knowledge and external insight. External science and external insight are attained by learning this or that, by engaging in this or that pursuit; then one has simply attained what one desired to learn. Through work, one attains what one is meant to know. This is not the case with spiritual scientific insight. It is certainly not the case that anyone should believe: “Yes, spiritual scientific knowledge is attained when enlightenment suddenly comes to the soul; then it sees into the entire realm of the spirit.” This is how some people imagine it: that spiritual scientific knowledge is attained without any effort. But that is not the case. And if someone were to say: “In the field of spiritual research, many things are stated that a historian can only bring to light with great effort over the course of years of work, sifting through documents and sources; and then the spiritual researcher comes along and says something without realizing that such a statement is otherwise only possible through years of research; that is presumption—then one must certainly reply: The spiritual researcher must not only expend the effort required for such years of document research and years of experimentation; rather, he must carry out all the necessary work on himself for years on end. But this work, in a certain sense, has a different goal, a different character. What one can do as a researcher in the spiritual sciences is not, in fact, what leads to knowledge, but is merely the preparation for it. And everything stated in my treatise How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds? is merely a description of what the soul must do to prepare itself for that moment when the spiritual world is revealed to it. Preparation—not the kind of intellectual work found in the external sciences—is what the spiritual researcher must undertake first. One learns to recognize this, however, when one can connect a meaning to the words: “I experience myself as a spiritual-soul being within the spiritual world.”
[ 14 ] Dann verbindet man noch mit etwas anderem einen Sinn, nämlich mit dem, was zwar nicht so wichtig erscheint wie die Todesfrage, weil das gewöhnliche Bewußtsein daran gewöhnt ist: mit dem was als Schlaf jeden Tag in das Leben hereinbricht. Man lernt erkennen, was der Schlaf ist, und wie der Mensch jedesmal mit dem Einschlafen in bezug auf seine geistig-seelische Wesenheit aus der leiblich-physischen Wesenheit herausgeht, wie bei der chemischen Zersetzung des Wassers der Wasserstoff aus dem Sauerstoff herausgeht —, nur daß der Mensch, wenn er beim Schlafe aus der Leiblichkeit heraus ist, für das normale Leben der Seele nicht erstarkt genug ist, um das Bewußtsein zu erhalten. Im normalen Leben ist der Mensch nur fähig, sein Bewußtsein zu erhalten, wenn er mit dem geistig-seelischen Wesen untertaucht in die physische Leiblichkeit und diese ihm, wie in einem Spiegel, sein seelisches Erleben zurückwirft. Er kann dieses Erleben nur wie in einem Reflexbilde in seinem seelischen Bewußtsein haben. Es ist so, wie wenn der Mensch sein Bewußtsein nur dadurch haben könnte, daß er gleichsam an Spiegeln vorbeiginge und, indem er in die Spiegel schaut, zum Erspüren, zum Erfühlen seiner selbst käme. Wenn aber der Mensch im gewöhnlichen Leben sich im Spiegel sieht, dann weiß er, daß nicht der Spiegel die Ursache des Bildes ist, sondern derjenige, welcher davorsteht. So ist es, wenn der Mensch eine geistesforscherische Entwickelung in seiner Seele durchmacht: da beginnt er zu wissen, daß das, was er im gewöhnlichen Leben vorstellt, empfindet und wahrnimmt, wie ein Spiegelbild ist, und daß er im geistigen Erleben eine Wesenheit ist, die sich wie im Spiegelbilde wahrnimmt, wenn sie in die Leiblichkeit untertaucht. Der Leib macht die Seele stark genug, daß sie sich wahrnehmen kann; ist sie aber außerhalb des Leibes, dann ist sie nicht stark genug, um von sich zu wissen. Wenn der Mensch gleichsam zum Erspüren, zum Erfühlen und Erleben seines selbständigen geistig-seelischen Erlebens kommt, dann weiß er, wie hinter dem Spiegel des gewöhnlichen Bewußtseins das ist, was er in Wirklichkeit ist; dann beginnt er zu wissen, nicht nur als Phrase, sondern durch unmittelbares Erleben, daß er vom Einschlafen bis zum Aufwachen in seiner realen geistig-seelischen Wesenheit drinnen ist und in ihr das erlebt, wovon er sich im normalen menschlichen Erleben nur kein Bewußtsein verschaffen kann.
[ 14 ] Then one associates meaning with something else as well—namely, with that which, though it may not seem as important as the question of death because ordinary consciousness is accustomed to it, is what enters our lives every day in the form of sleep. One learns to recognize what sleep is, and how, each time one falls asleep, the human being, in terms of his spiritual-soul nature, steps out of his physical-bodily nature—just as, in the chemical decomposition of water, hydrogen is released from oxygen— except that when a person is outside of physicality during sleep, they are not yet strong enough for the normal life of the soul to maintain consciousness. In normal life, a human being is only able to maintain consciousness when their spiritual-soul nature is immersed in the physical body, and the body reflects back to them, as in a mirror, their soul experiences. They can only have these experiences in their soul consciousness as if in a reflected image. It is as if a person could only have consciousness by, so to speak, passing by mirrors and, by looking into them, coming to sense and feel themselves. But when a person sees themselves in a mirror in ordinary life, they know that the mirror is not the cause of the image, but rather the person standing before it. It is the same when a person undergoes a spiritual-research development within their soul: they begin to realize that what they imagine, feel, and perceive in ordinary life is like a mirror image, and that in spiritual experience they are a being who perceives themselves as in a mirror image when they are immersed in physicality. The body makes the soul strong enough to perceive itself; but when it is outside the body, it is not strong enough to know itself. When a person, as it were, comes to sense, feel, and experience their independent spiritual-soul life, they know what lies behind the mirror of ordinary consciousness—that is, what they truly are; then they begin to know—not merely as a phrase, but through direct experience—that from the moment they fall asleep until they wake up, they are within their real spiritual-soul being and experience within it what they simply cannot become aware of in normal human experience.
[ 15 ] So zu erleben, wie man im Schlafe erlebt, das lernt der Geistesforscher, aber nur mit dem gewaltigen Unterschiede, daß man im normalen Schlafleben unbewußt ist, während sich der Geistesforscher bewußt in seiner Innenheit erlebt, indem er die Seele vorbereitet und erstarkt gegenüber dem leiblich-physischen Erleben. Dann macht der Geistesforscher seine Erfahrungen mit Bezug auf dieses selbständige Erleben des geistig-seelischen Wesenskernes. Ein Erlebnis ist dabei von ganz besonderer Bedeutung. Man möchte es nennen die «Veränderung mit dem Ich-Erlebnis». Ist es doch das Ich, welches wir durch das Leben tragen müssen, wenn das Leben normal verfließen soll. Öfter ist es erwähnt worden, daß von einem bestimmten Punkte des Kindheitserlebens an das Ich aufleuchtet. Es ist das der Punkt, bis zu dem wir uns im Leben zurückerinnern. Und können wir uns zurückerinnern, dann wissen wir, wie alles, was wir erlebt haben, mit dem Ich zu verbinden ist. Wir setzen uns gleichsam neben unser Ich und wissen uns mit allen unseren bewußten Erlebnissen verbunden. Nur dadurch ist unsere Ichheit garantiert, daß wir uns mit dem Ich mit allen seelischen Erlebnissen verbunden fühlen. Wenn der Geistesforscher wirklich dahin gelangt, seinen geistig-seelischen Kern aus der physischen Leiblichkeit herauszuhülsen, dann geht mit seinem Ich-Erlebnis eine große Verwandelung vor, eine solche Verwandelung, für die man vorbereitet sein muß, damit man nicht durch sie bestürzt wird. Ein guter Teil dessen, was in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» geschildert ist, ist dazu bestimmt, die Seele auf dieses Erleben vorzubereiten.
[ 15 ] The spiritual researcher learns to experience things as one does in sleep, but with the enormous difference that in normal sleep one is unconscious, whereas the spiritual researcher consciously experiences his inner self by preparing the soul and strengthening it in relation to physical experience. The spiritual researcher then gains experience in relation to this independent experience of the spiritual-soul core of the being. One experience is of particular significance here. One might call it the “transformation through the experience of the ‘I.’” For it is the “I” that we must carry through life if life is to flow normally. It has often been mentioned that the “I” begins to shine forth from a certain point in childhood experience. This is the point up to which we can recall our lives. And if we can recall it, then we know how everything we have experienced is connected to the “I.” We sit, as it were, beside our “I” and know ourselves to be connected to all our conscious experiences. Our sense of self is guaranteed only by the fact that we feel connected to the “I” through all our soul experiences. When the spiritual researcher truly succeeds in extricating his spiritual-soul core from his physical body, a great transformation takes place alongside his experience of the “I”—a transformation for which one must be prepared so as not to be taken aback by it. A good part of what is described in my book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds? is intended to prepare the soul for this experience.
[ 16 ] Was geschieht an einem bestimmten Zeitpunkte, wenn die Seele leibfrei wird? Was da geschieht, was unmittelbares Erlebnis wird, das kann in folgender Weise annähernd dargestellt werden, und ich möchte dazu den folgenden Weg nehmen.
[ 16 ] What happens at a specific moment when the soul becomes free of the body? What happens then—what becomes an immediate experience—can be roughly described in the following way, and I would like to take the following approach.
[ 17 ] Wenn wir den Menschenleib nehmen, wie ihn die äußere Wissenschaft mit ihren äußeren Instrumenten erforscht, so müßte man sich auch schon durch äußere logische Gründe klar sein, daß dieser Menschenleib von etwas durchzogen sein muß, damit er nicht seinen eigenen Gesetzen und seiner eigenen inneren Notwendigkeit folgt. Welches sind diese Gesetze und Notwendigkeiten? Nun, sie zeigen sich ja im Tode, wenn der physische Menschenleib der Auflösung entgegengeht. Dann ist er seinen ureigenen Gesetzen überlassen. Es kann durch eine gewisse Logik, die ich auch schon hier dargelegt habe, schon aus diesem, was hier gesagt worden ist, erschlossen werden, daß im Menschen etwas Höheres vorhanden sein muß, als dieser physische Leib; aber es muß immer bei solchen logischen Erwägungen ein gewisser Rest bleiben, der Einwände möglich macht, wenn nicht von vornherein ein gesunder Wahrheitssinn für das vorhanden ist, was die geistige Wissenschaft aus den Urgründen des Daseins zu erforschen vermag. Was ist es aber, wenn wirklich jenes Ereignis eintritt, das man die Initiation nennen kann, durch welches der Geistesforscher sich innerlich unabhängig von seinem physisch-leiblichen Wesen erlebt? Da hat er wirklich seine Leiblichkeit außer sich, weiß sich außerhalb dieser Leiblichkeit, hat sie nicht um sich; und wie erscheint sie ihm? Man darf nicht glauben, daß das so nett und niedlich ist, daß man außerhalb seiner Leiblichkeit schwebt und seinen Leib im Bette liegen hat, unversehrt und beruhigend. So ist es nicht. Sondern was man wahrnimmt, wenn man sich in der entsprechenden Weise vorbereitet hat, ist etwas sehr Merkwürdiges. Das ist das, daß man den Leib nicht in den Kräften kennenlernt, in denen er lebt; sondern in den Kräften lernt man ihn kennen, die schon während des ganzen Lebens als die zersetzenden, als die Todeskräfte vorhanden sind, lernt das kennen, was durch das ganze Leben hindurch am Leibe an dessen Zerstörung arbeitet. Wenn man sich wissenschaftlich, gelehrt ausdrücken will, kann man sagen: man lernt den im Leibe latenten Tod kennen. Überall lernt man die Tendenzen des Leibes kennen, auseinanderzusprühen, sich den Elementen der Erde einzugliedern; man lernt den Leib kennen, wie er sich auflösen will. Man kann das, was man im Hinblick auf seinen Leib erlebt, durch einen Vergleich ausdrücken; aber es ist damit nicht ein bloßes Bild gemeint, sondern es ist gebraucht, um innere Erlebnisse, die gemacht werden müssen, auszudrücken.
[ 17 ] If we consider the human body as studied by external science with its external instruments, it should already be clear to us—based on external logical reasoning—that this human body must be permeated by something, so that it does not follow its own laws and its own inner necessity. What are these laws and necessities? Well, they become evident in death, when the physical human body is heading toward dissolution. Then it is left to its very own laws. Through a certain logic—which I have already outlined here—it can be deduced from what has been said that there must be something higher within the human being than this physical body; but in such logical considerations, there must always remain a certain residue that leaves room for objections, unless one possesses from the outset a sound sense of truth regarding what spiritual science is able to explore from the very foundations of existence. But what happens when that event—which can be called initiation—actually occurs, through which the spiritual researcher experiences himself as inwardly independent of his physical body? Then he truly has his physicality outside of himself, knows himself to be outside of this physicality, and is no longer surrounded by it; and how does it appear to him? One must not imagine that it is some pleasant, idyllic experience—floating outside one’s physical body while one’s body lies in bed, unharmed and at rest. It is not like that. Rather, what one perceives, having prepared oneself in the appropriate manner, is something very strange. This means that one does not come to know the body through the forces in which it lives; rather, one comes to know it through the forces that are already present throughout one’s entire life as the forces of decay, as the forces of death—one comes to know what works throughout one’s entire life to destroy the body. If one wishes to express this in scientific, scholarly terms, one might say: one comes to know the death latent within the body. Everywhere one comes to know the body’s tendencies to disintegrate, to merge with the elements of the earth; one comes to know the body as it seeks to dissolve. One can express what one experiences with regard to one’s body through a comparison; but this is not meant to be a mere image—rather, it is used to express inner experiences that must be undergone.
[ 18 ] Man betrachte eine Kerzenflamme. Die Kerze brennt herab. Das Brennmaterial wird zerstört. Solange das Brennmaterial noch da ist, solange kann die Flamme da sein. Aber durch was nur ist die Flamme da, wodurch allein ist sie vorhanden? Einzig und allein dadurch, daß das Brennmaterial nach und nach herabbrennt, daß es sich auflöst. Würde man vermeiden wollen, daß das Brennmaterial sich auflöst, so müßte man die Flamme auslöschen. Man kann gar nicht verlangen, daß die Kerze intakt bleibe und die Flamme doch da sei. Man kann den Anblick und den Nutzen der Flamme nur haben, indem das Brennmaterial sich verzehrt.
[ 18 ] Consider a candle flame. The candle burns down. The fuel is being consumed. As long as the fuel is still there, the flame can exist. But by what means alone does the flame exist? Solely by the fact that the fuel is gradually burning down, that it is being consumed. If one wanted to prevent the fuel from being consumed, one would have to extinguish the flame. One cannot possibly expect the candle to remain intact while the flame is still there. One can enjoy the sight and benefit of the flame only as the fuel is consumed.
[ 19 ] Wie eine solche brennende Flamme, im Vergleiche, erscheint einem im übersinnlichen Anblick der eigene physische Leib in seinem Aufgezehrtwerden. Wie das Brennmaterial, das herunterbrennt, erscheint der Leib; und es erscheint einem auch die Flamme. Man weiß, was durch dieses im Leibe eben Vorhandene vor sich geht, daß im Leibe stets die Tendenz vorhanden ist, sich aufzuzehren. Wie bei der Kerze durch das Verzehren des Brennmaterials die Flamme entsteht, so entsteht im Menschen aus seinen Todeskräften das, was man im gewöhnlichen Leben sein Ich-Bewußtsein nennt. Man würde dieses Ich nie erleben können, wenn man nicht den Tod in seinem Leibe trüge. So ist es für den Menschen. Man versetze sich hypothetisch in einen Menschenleib, welcher so der Welt eingefügt wäre, daß er nicht sterben könnte, daß er nicht neben den Kräften, die ihn wachsen und groß werden lassen, auch die Kräfte hätte, die ihn mit derselben Sicherheit aufzehren, wie die Flamme die Kerze aufzehrt: sein Ich wäre ausgelöscht, das Ich wäre nicht mehr da! Das ist die eindrucksvolle Erkenntnis, die man als Geistesforscher gewinnt, jene eindrucksvolle Erkenntnis, die man in die Worte zusammenfassen muß: Wir tragen nicht nur die Kräfte des Wachstums, wir tragen die Kräfte des Todes in uns; und daß wir sie in uns tragen, daß wir die Tendenz des Todes in uns haben, das gibt uns für das Leben zwischen Geburt und Tod die Möglichkeit des Ich-Bewußtseins. Man merkt das an einem ganz bestimmten inneren Vorgange, an dem Vorgange, daß man im Ich, wenn man jetzt als Geistesforscher heraus ist aus dem physischen Leibe, in der Tat eine Verwandlung vor sich gehen fühlt. Das Ich wird etwas, von dem man nicht gern hat, daß es dies wird. Aus einem Gedanken, der einen sonst im Leben immer begleitet, ohne den man wach gar nicht da ist, wird das Ich, dieses Ich, das man sonst im normalen Leben hat, zu etwas, das man dann nicht in sich hat, das man sich gegenüber sieht, wirklich wie aus dem Bilde des körperlichen Todes flammenhaft hervorgehend: das Ich wird zu einer Erinnerung. Das ist der bedeutsame Übergang von dem außer-geistigen Erkennen zum geistigen Erkennen, daß man das Ich als bloße Erinnerung in sich hat, wovon man weiß: Es ist da, man kann darauf hinschauen wie auf eine Erinnerung, aber man kann es jetzt nicht in sich haben. — So lernt man geisteswissenschaftlich den Tod und seine Verknüpfung mit dem Ich, so wie es im normalen Menschenleben ist, kennen.
[ 19 ] By way of comparison, one’s own physical body, as it is being consumed, appears in the supersensible vision much like such a burning flame. The body appears like fuel burning down; and the flame also appears to one. One knows what is taking place within the body—that there is always a tendency within the body to consume itself. Just as the flame arises in a candle through the consumption of the fuel, so too does that which is called “self-consciousness” in ordinary life arise in human beings from their forces of death. One would never be able to experience this “I” if one did not carry death within one’s body. So it is for human beings. Let us hypothetically imagine a human body that were integrated into the world in such a way that it could not die—that, alongside the forces that cause it to grow and become large, it did not also possess the forces that consume it with the same certainty as the flame consumes the candle: its “I” would be extinguished; the “I” would no longer be there! This is the profound insight gained by a spiritual researcher—that profound insight which must be summed up in these words: We carry within us not only the forces of growth, but also the forces of death; and the fact that we carry them within us—that we possess the tendency toward death—is what gives us the possibility of “I”-consciousness for the life between birth and death. One notices this in a very specific inner process—the process whereby, as a spiritual researcher who has now stepped out of the physical body, one actually feels a transformation taking place within the “I.” The “I” becomes something that one does not wish it to become. From a thought that otherwise always accompanies one in life—without which one is not even awake—the “I,” this “I” that one otherwise possesses in normal life, becomes something that one no longer has within oneself, something one sees before oneself, truly emerging like a flame from the image of physical death: the “I” becomes a memory. This is the significant transition from non-spiritual cognition to spiritual cognition—the realization that one has the “I” within oneself as a mere memory, of which one knows: It is there; one can look upon it as one would a memory, but one cannot now possess it within oneself. — This is how, through spiritual science, one comes to know death and its connection to the “I,” just as it is in normal human life.
[ 20 ] Nun kann das geistige Erforschen weiter gehen. Was wir in der Seele erleben, läßt sich ja in drei Gruppen seelischen Erlebens teilen. Zwei Gruppen dieses seelischen Erlebens seien zunächst als besonders wichtig und bedeutsam hervorgehoben: das vorstellende Denken und das Wollen, der Wille. Wir müssen ja, wenn wir im Alltagsleben drinnen stehen, mit unseren Gedanken dieses Alltagsleben begleiten. Was wären wir als menschliche Wesen, wenn wir nicht denkend durch die Welt gehen würden, wenn wir uns nicht Gedanken über die Dinge machen könnten? Was wären wir als menschliche Wesen, wenn wir nicht die Impulse hätten, dieses oder jenes zu tun, dieses oder jenes zu verrichten? Wille und Denken sind die Kräfte im Seelenleben, die den Menschen durch sein Alltagsleben immer begleiten. Rückt man in der Geistesforschung vor zum leibfreien Erleben in der Seele, dann macht man die weitere Entdeckung, daß man das, wodurch man sich eigentlich im gewöhnlichen Erleben als Mensch fühlt: das Denken, das Vorstellen, nicht in das leibfreie Erleben hineinnehmen kann. Die Alltagsgedanken, die Gedanken auch der gewöhnlichen Wissenschaft, die sich an die Erfahrung der äußeren Sinne anlehnen, muß man draußen lassen; die glimmen ab, möchte ich sagen, indem man sich in das leibfreie Erkennen hineinbegibt. Da ist es dem Geistesforscher voll begreiflich, wenn der, welcher sich überhaupt nur auf das Vorstellungsleben verlassen will, wie dieses aus dem äußeren Leben gewonnen wird, sagt wie Professor Forel: Das Bewußtsein wird sehr bald einschlafen, wenn es nichts mehr von außen vorzustellen hat. Das ist begreiflich für ein Bewußtsein, das sich nur auf die Außenwelt verlassen will; denn die Eindrücke, die von der Außenwelt kommen, können weder in das Schlafleben noch in das geistesforscherische Erleben hineingenommen werden. Das bedingt für den, der Geistesforscher wird, etwas ungemein Bedrückendes, bedingt etwas, wodurch er sich getrennt fühlt von allem, woran man im äußeren Leben hängt, was man im äußeren Leben als das Wertvolle betrachtet, ja, wovon man sich sogar sagen kann: im normalen Leben schläfst du ein, wenn du es nicht hast. Man muß als Geistesforscher in ein Leben hinein, wo man das nicht haben kann, wo man niederlegen muß alles, was man im gewöhnlichen Leben zu denken gewohnt gewesen ist. Und was erlebt man dann in bezug auf das, was sich im normalen Leben als das Denken ausdrückt, wenn die Gedanken, die man gewöhnlich dann nicht mehr hat, abgeglommen sind, wenn sie vor der Schwelle beim Eintritt in. die geistige Welt geblieben sind, was erlebt man dann? Ich möchte zum Ausdruck bringen, was man dann erlebt:
[ 20 ] Now the spiritual exploration can go further. What we experience in the soul can indeed be divided into three groups of soul experiences. Two of these groups should first be highlighted as particularly important and significant: imaginative thinking and volition, the will. After all, when we are immersed in everyday life, we must accompany that life with our thoughts. What would we be as human beings if we did not go through the world thinking, if we could not reflect on things? What would we be as human beings if we did not have the impulses to do this or that, to carry out this or that? Will and thinking are the forces in the life of the soul that always accompany a person through their everyday life. If one advances in spiritual research toward body-free experience in the soul, one then makes the further discovery that what actually makes one feel like a human being in ordinary experience—thinking and imagining—cannot be brought into this body-free experience. One must leave behind the everyday thoughts—including the thoughts of conventional science—that rely on the experience of the external senses; they fade away, I might say, as one enters into bodyless cognition. It is therefore entirely understandable to the spiritual researcher when someone who wishes to rely solely on the life of imagination—as derived from external life—says, as Professor Forel does: “Consciousness will very soon fall asleep if it has nothing left to imagine from the outside.” This is understandable for a consciousness that wishes to rely solely on the external world; for the impressions that come from the external world can be taken neither into the life of sleep nor into the experience of spiritual research. For those who become spiritual researchers, this entails something immensely oppressive; it entails something that makes them feel separated from everything to which one is attached in external life, everything one regards as valuable in external life—indeed, things about which one might even say: in normal life, you fall asleep if you do not have them. As a spiritual researcher, one must enter a life where one cannot have these things, where one must lay aside everything one has been accustomed to thinking in ordinary life. And what does one then experience with regard to what is expressed as “thinking” in ordinary life, once the thoughts—which one usually no longer has—have faded away, once they have remained at the threshold upon entering the spiritual world—what does one experience then? I would like to describe what one experiences then:
[ 21 ] Man erlebt zunächst, was der Schlaf macht. Das ist schon ein bedeutsames Erlebnis, zu wissen, wie es der Schlaf macht. Man lernt nunmehr sogar in recht bescheidener Weise selbst dem materialistischen Denker recht geben, welcher sagt: Zum Denken ist das Gehirn notwendig, und einem Gedanken müssen gewisse Bewegungen in unserem Gehirn zugrunde liegen. Ganz wahr, absolut wahr! Und ein jeder Einwand, der dem Materialismus gegenüber sagen würde, daß die Gedanken auch ohne das Gehirn da sein können, ist von der Hand zu weisen. Denn das Denken ist nicht das, wodurch wir uns in die geistige Welt einleben, wenn wir als Geistesforscher uns in die geistigen Gebiete begeben. Die Gedanken finden wir dort nicht. Aber das andere finden wir, wodurch der Gedanke im Gehirn erst entsteht. Was aber bringt das Gehirn in ganz bestimmte Bewegungen, damit es zum Gedankenspiegel wird? Das sind erst die geistig-seelischen Kräfte. Hinter dem Denken nicht im Denken arbeiten die geistig-seelischen Kräfte, welche der Geistesforscher findet. Daher stimmt er mitdem überein, was der materialistische Forscher, wenn er in den Grenzen seines Gebietes bleibt, sagen kann: daß die Alltagsgedanken Konsequenzen des Gehirnes sind. Aber was im Gehirn vorgeht, wodurch die Leiblichkeit erst zum Spiegel, und zwar jedesmal zum Spiegel des Denkens geformt wird, das ist das Wirken des Geistig-Seelischen dahinter. Wir kommen als Geistesforscher wirklich hinter das Alltagsleben in das schöpferische Gebiet der Welt hinein. Daher lernen wir dann auch das Schlafleben verstehen, werden Teilnehmer, wie das, was hinter dem Schlafe ist, in der Nacht die abgenutzten Teile unseres Gehirnes ausbessert. Bei dieser Regenerationsarbeit an dem Leibe werden wir Zuschauer; wir lernen die Tätigkeit, die Aktivität des Schlafens kennen. Wir lernen die Gedanken, die uns bei Tage von der einen Seite entgegentreten, als Geistesforscher von der anderen Seite aus kennen; und jedesmal, wenn ein Gedanke auftreten und im Spiegelbilde im Gehirn erscheinen kann, lernen wir ihn von der anderen Seite aus kennen, wenn der Leib nächtlich schläft, wenn er innerhalb des Gehirnes wirkt und lebt und das Gehirn während des Tageslebens zu seiner Tätigkeit anregt. Man lernt auf diese Weise das Denken von der anderen Seite her kennen. Das ist der eine Teil, wie man das Denken kennenlernt.
[ 21 ] First, one experiences what sleep does. It is indeed a significant experience to know how sleep works. One now even learns, in a rather modest way, to agree with the materialist thinker who says: The brain is necessary for thinking, and a thought must be based on certain movements in our brain. Quite true, absolutely true! And any objection that would argue against materialism—claiming that thoughts can exist even without the brain—must be dismissed out of hand. For thinking is not the means by which we acclimate ourselves to the spiritual world when, as spiritual researchers, we venture into the spiritual realms. We do not find thoughts there. But we do find the other factor through which thought first arises in the brain. But what causes the brain to undergo very specific movements so that it becomes a mirror of thought? It is the spiritual-soul forces. Behind thinking—not within thinking itself—the spiritual-soul forces at work are what the spiritual researcher discovers. Therefore, the spiritual researcher agrees with what the materialist researcher—when remaining within the bounds of his field—can say: that everyday thoughts are consequences of the brain. But what takes place in the brain—the process by which the physical body is first shaped into a mirror, and indeed, each time, into a mirror of thought—is the work of the spiritual-soul forces behind it. As researchers of the spirit, we truly go beyond everyday life into the creative realm of the world. Thus we also come to understand the life of sleep, becoming participants in how that which lies beyond sleep repairs the worn-out parts of our brain during the night. We become observers of this regenerative work on the body; we come to know the activity, the dynamism of sleep. As spiritual researchers, we come to know the thoughts that confront us from one side during the day from the other side; and every time a thought arises and appears as a mirror image in the brain, we come to know it from the other side—when the body sleeps at night, when it works and lives within the brain, and stimulates the brain’s activity during the day. In this way, one comes to know thinking from the other side. This is one aspect of how one comes to know thinking.
[ 22 ] Der andere Teil, wie man das Denken kennenlernt, ist jetzt etwas, was wieder so wird im Geistesforschen, daß man unmöglich, wenn man nicht gut darauf vorbereitet ist, von vornherein Sympathie mit dem haben kann, was da wird. Man lernt das innere Erarbeiten, das innere Erfühlen, das innere Sich-Erleben der Seele kennen. Man lernt die Seele als ein innerlich Bewegliches kennen; man lernt eine Tätigkeit der Seele kennen, von der man sagen kann: was will nun diese Tätigkeit? Sie will Gedanken bilden. Aber so, wie sie da auftritt, kann sie nicht Gedanken bilden. Einen Teil der Seelentätigkeit lernt man kennen, der verwendet wird, um das ermüdete Gehirn im Schlafe auszubessern; mit dem kann man zufrieden sein. Einen anderen Teil der Seelentätigkeit lernt man kennen, mit dem man wie von innen an die ganze Leiblichkeit des Gehirnes stößt, von dem man sich sagen kann: Du hast es jetzt. Und indem man darauf eingeht, genauer zu untersuchen: Wodurch hast du es jetzt? wird einem klar: Du hast es durch das, was du von der Geburt an erlebt hast und in deiner Seele verarbeitet hast; aber es ist dadurch zu etwas geworden, was so, wie du bist, an dein Gehirn anstößt; und das läßt nicht zustandekommen, was zustandekommen will als gewöhnliche Gedanken des alltäglichen Lebens. So lebt sich der Geistesforscher in einen Zustand hinein, wo er sich in den Leib, der ihm das bewunderungswürdige Geisteswerkzeug des Denkens ist, wie in eine Kammer, wie in ein Gefängnis eingesperrt fühlt. Und er fühlt sich davon so berührt, daß er sich sagt: jetzt könntest du aus deiner inneren Tätigkeit Gedanken bilden, wenn dein Gehirn nicht wie eine schwere Substanz daläge und sich nicht aufrütteln lassen wollte zu dem, was die Seele will.
[ 22 ] The other aspect—how to come to know thinking—is something that, in spiritual research, is such that, unless one is well prepared for it, it is impossible to feel any sympathy from the outset for what is about to unfold. One comes to know the soul’s inner working, its inner feeling, and its inner self-experience. One comes to know the soul as something that is inwardly active; one comes to know an activity of the soul about which one can ask: What does this activity aim to do? It aims to form thoughts. But as it appears there, it cannot form thoughts. One comes to know a part of the soul’s activity that is used to restore the weary brain during sleep; one can be satisfied with that. One comes to know another part of the soul’s activity through which one encounters, as from within, the entire physicality of the brain, about which one can say to oneself: You have it now. And as one delves deeper to examine more closely: “Through what do you have it now?” it becomes clear: “You have it through what you have experienced from birth onward and processed in your soul; but through this it has become something that, just as you are, comes into contact with your brain; and this prevents what wants to come about—namely, the ordinary thoughts of everyday life—from coming about.” Thus the spiritual researcher finds himself in a state where he feels confined within his body—which is for him the admirable spiritual instrument of thought—as if in a chamber, as if in a prison. And he is so moved by this that he says to himself: “Now you could form thoughts from your inner activity, if only your brain were not lying there like a heavy substance and were not so resistant to being stirred into what the soul desires.”
[ 23 ] Es wird oft davon gesprochen, daß dieMethoden, welche der Geistesforscher durchzumachen hat, zu einem gewissen Leiden führen. Leiden besteht immer darin, daß etwas, was man in der Seele ausüben möchte, verhindert wird. Sogar die körperlichen Schmerzen bestehen darin; doch kann darüber später einmal gesprochen werden. Als Leiden lebt sich aus, was der Geistesforscher in seinem Werden ergreift und was Gedanke werden will, aber nicht Gedanke werden kann; denn das Gehirn taugt nur für die Gedanken, die im normalen Leben errungen werden. Vielleicht wird man gerade an dieser Stelle verstehen, daß die Erforschung des Todesproblemes doch zu einem inneren Martyrium der Seele wird, daß sie nur angestellt werden kann, weil der Mensch den notwendigen Erkenntnisdrang in sich hat, hinter die Geheimnisse des Lebens zu kommen. Ja, man wird auch begreifen, daß diese Forschung nicht so oft angestellt wird, weil man in der Tat, indem man sich in die Lebensgebiete einlebt, wo einem etwas von diesem Geheimnis entgegentritt, überhaupt nur dann vorwärts kommt, wenn man hinaus sein kann über alles, was man sonst einzig und allein im Leben gern hat, was einem im Leben sympathisch ist. Es wird daher nicht leicht sein, anders als mit einem gewissen Tone von Wehmut und tiefem Ernst über das zu sprechen, worauf eben jetzt gedeutet ist. Und dann erlangt man immer mehr und mehr die Möglichkeit, nicht nur den Mangel in dem geistig-seelischen Erleben zu schauen, sondern man lernt darauf verzichten, aus dem, was man so erlebt, durch den Leib Gedanken bilden zu wollen. Dieses «man lernt verzichten» spricht sich leicht aus; doch gehört dieser Verzicht zu den ernsten, tiefen Angelegenheiten des Lebens. Es ist ein Verzicht, den man nur durch gewisse Bitternisse erringt, die sich nur dadurch rechtfertigen, daß sie eben zu Erkenntnissen führen. — Hat man das erlebt: in bezug auf das, was man erreicht hat, keinen Ausdruck im Gedanken finden zu können, dann erlebt man es erst innerlich. Und was erlebt man dann? Man erlebt das, was geeignet ist, zwar jetzt nicht in den Leib einzugreifen, weil der Leib es verhindert, aber was einen Keim bildet für eine neue Leiblichkeit, die wir uns auferbauen für ein nächstes Erdenleben, wenn wir nach dem Tode durch ein Leben in einer rein geistigen Welt durchgegangen sind. — Was man in der Zeit zwischen dem Tode und der nächsten Geburt erlebt, darüber soll später gesprochen werden.
[ 23 ] It is often said that the methods a spiritual researcher must undergo lead to a certain degree of suffering. Suffering always consists in the fact that something one wishes to carry out in the soul is prevented. Even physical pain consists of this; but that can be discussed later. What manifests as suffering is what the spiritual researcher grasps in his development and what seeks to become a thought but cannot become one; for the brain is suited only for the thoughts attained in normal life. Perhaps it is precisely at this point that one will understand that the investigation of the problem of death does indeed become an inner ordeal for the soul—an ordeal that can only be undertaken because human beings possess within themselves the necessary thirst for knowledge to penetrate the mysteries of life. Yes, one will also come to understand that this inquiry is not undertaken very often because, in fact, as one immerses oneself in those areas of life where one encounters something of this mystery, one makes progress only when one is able to rise above everything else that one otherwise holds dear in life, everything that is appealing to one in life. It will therefore not be easy to speak of what has just been alluded to without a certain tone of melancholy and deep seriousness. And then one increasingly gains the ability not only to perceive the deficiency in one’s spiritual and soul experience, but also to learn to refrain from attempting to form thoughts through the body based on what one experiences in this way. This “one learns to refrain” is easy to say; yet this renunciation belongs to the serious, profound matters of life. It is a renunciation that one achieves only through certain bitterness, which is justified solely by the fact that it leads to insights. — Once one has experienced this—being unable to find expression in thought for what one has attained—only then does one truly experience it inwardly. And what does one experience then? One experiences that which, while it does not yet intervene in the physical body—because the body prevents it—forms a seed for a new physical existence that we build up for our next earthly life, once we have passed through a life in a purely spiritual world after death. — What one experiences in the time between death and the next birth will be discussed later.
[ 24 ] Durch die inneren Erlebnisse, welche der Geistesforscher mit seinem Denken hat, habe ich zu zeigen versucht, wie er seinen inneren, geistig-seelischen Wesenskern erlebt, der durch seine eigenen Eigentümlichkeiten in einem nächsten Erdenleben so wahr aufgehen muß, wie ein Pflanzenkeim, der sich entwickelt, in einer neuen Pflanze aufgehen muß. Denn nicht dadurch lernt man das im Menschen kennen, was von ihm über den Tod hinauswächst, indem man darüber spekuliert, sondern indem man erkennt, was sich im Leben vorbereitet zu einem Leben jenseits des Todes und damit zu einem neuen Erdenleben; wenn man dasjenige aufsucht, was man mit keinen Sinnen schauen und mit keinem an die Sinne gebundenen Verstand denken kann. Nicht spekulieren, nicht philosophieren will die Geisteswissenschaft über die Unsterblichkeit; sondern sie will die Menschenseele so zubereiten, daß der unsterbliche Wesenskern in ihr wirklich daliegt, man möchte sagen, «geistig präpariert», wie man etwas in der Naturwissenschaft auch untersucht, indem man es herauspräpariert aus der Umgebung, in welcher es in seiner Eigentümlichkeit nicht erforscht werden kann. So in bezug auf das Denken.
[ 24 ] Through the inner experiences that the spiritual researcher has with his thinking, I have attempted to show how he experiences his inner, spiritual-soul core, which—through his own unique characteristics—must blossom just as truly in a future earthly life as a plant seed must develop into a new plant. For one does not come to know that which in the human being grows beyond death by speculating about it, but rather by recognizing what is being prepared in this life for a life beyond death and thus for a new earthly life; by seeking that which cannot be seen with any of the senses nor thought of by any intellect bound to the senses. Spiritual science does not wish to speculate or philosophize about immortality; rather, it seeks to prepare the human soul in such a way that the immortal core of its being truly lies within it—one might say, “spiritually dissected,” just as one examines something in the natural sciences by isolating it from its surroundings, within which its specific nature cannot be investigated. This applies to thinking.
[ 25 ] Noch anders stellen sich die Dinge in bezug auf den Willen. Auch da erlebt man eine Veränderung. Man merkt dann, wieviel bei dem Willen, den man in der Außenwelt zum Ausdruck bringt, von der Verfassung des Leibes abhängt, wie das, was man im gewöhnlichen Leben einen starken Willen nennt, ungeheuer zusammenhängt mit der ganzen Konstitution unseres Leibes. Bei jedem Willensimpuls stellen wir sozusagen unseren Leib ins Feld. Nun aber müssen wir auf dem Boden der Geistesforschung den Willen haben, ohne daß wir den Leib dabei haben. Da macht sich der Wille sogleich geltend, indem er zeigt: jetzt ist er da in einer Art, wie man ihn sonst nicht gewohnt ist. Sonst ist man gewohnt, wenn man einen Willensimpuls hat, seinen Leib ins Feld zu stellen; wenn der Leib tatenlos im Bette liegt, regt sich kein Willensimpuls. Willensimpulse empfinden wir immer im Zusammenhange mit dem Leibe. Jetzt ist aber die Seele, die in die geistige Welt eindringen will, jenseits des Leibes; da wirkt dieser mit im Willensimpuls. Das bewirkt eine gewisse innere Spannung, wie wenn der Wille von allen Seiten begrenzt wäre, in einer undurchdringlichen Eischale drinnen wäre, wie wenn man gehindert wäre am Denken, am Vorstellen, am Empfinden und Wahrnehmen, am Gehen, am Stehen, an allem. Man empfindet den Willen in seiner Insichgeschlossenheit, aber wie überall anstoßend an Wände, durch die er nicht durch kann. Und man muß wieder die inneren geistigen Übungen so weit treiben, daß man nicht nur dieses Negative am Willen bemerkt, sondern daß man das Innere wie jetzt eingepreßt im Willen erleben kann. Dann merkt man: man will wieder etwas, wovon gesagt werden muß, daß man es nicht gern erlebt. Wenn man in der äußeren Welt den Willen zur Anwendung bringt, so hat man auf der einen Seite die Willensimpulse, auf der anderen Seite die moralisch-soziale Ordnung. Man legt sich im Leben Pflichten auf, oder man bekommt von der moralisch-sozialen Ordnung Pflichten auferlegt. Man unterscheidet zwischen einem guten und einem bösen Willen, zwischen dem was recht und unrecht ist; man unterscheidet in der äußeren Welt die moralischen Regeln von den Willensimpulsen. Das ist so richtig. Jetzt, wo man sich von der äußeren Weltzurückgezogen hat, bleibt einem der Wille in einer ganz ähnlichen Weise, wie einem vorhin das Ich gewesen ist: was man gewollt hat, das bleibt einem wie eine Erinnerung. Ich schildere, wie sich die Erlebnisse ergeben. Man muß in diesem Falle die imaginative Anschauung schildern; das erscheint vielleicht phantastisch, aber die Dinge müssen so dargestellt werden. Dann erlebt man in seinem gepreßten Willen etwas wie eine in diesem Willen selber drinnen steckende Moral. Eine Handlung, die uns für das äußere sinnliche Bewußtsein als böse gelten muß, erlebt man in diesem Willen so, daß sie zu dem gehört, was man selbst auszugleichen hat. Man erlebt so den Willen in der Erinnerung, daß die Kraft des Ausgleiches, was geschehen muß, weil die unmoralische Handlung das fordert, drinnen steckt in dem Willen. Man kann gar nicht anders als sagen: Was du an Unrecht getan hast, das muß sich neben dich hinstellen wie ein gespenstiger Feind, der solange neben dir stehen bleibt, bis du ihn durch ausgleichende 'Taten weggeschafft hast. Wer den Willen in sich erlebt und im Gedächtnis erlebt, was er selbst gewollt hat, dem stellen sich mit absoluter Sicherheit seine Unrechte hin, die solange wirken, bis er sie durch ausgleichende Willensimpulse weggeschafft hat. Man erlebt auf diese Weise das, was man mit einem orientalischen Namen oft bezeichnet als das innere Wirken des Karma. Man weiß dann ganz genau: wenn man einen Willensakt erlebt, den man gewollt hat, so erlebt man ihn so, daß man sieht: er ist getan; denn jeder Willensakt gehört, wie das Denken, der Erinnerung an. Man weiß dann: es ist getan, es hat zugleich beigetragen, daß wir in unserer Entwickelung vorwärts kommen; es gießt sich auch über unser Bewußtsein etwas aus, was man bezeichnen kann als eine lichtvolle Klärung in bezug auf das, was getan ist. Alles aber, was getan ist, wirkt so, daß man sieht, wie das Moralische und das Mechanische, was im physischen Leben getrennt ist, zusammenhält, und wie ein Unrecht oder ein Unmoralisches solange wirksam ist, bis man im Außenleben es bis zu einem gewissen Grade auszulöschen sich bemüht, bis wir die Kraft gefunden haben, das Unrecht auszulöschen, das heißt wieder gut zu machen. Wir wissen, wenn wir im leibfreien Erkennen den Willen erleben, daß dieser unter allen Umständen seine inneren moralischen Impulse hat; wir wissen, daß das, was Karma genannt wird, eine fortwirkende Kraft in der Welt ist. — Und nun tritt das Leidvolle ein: daß wir erkennen müssen, daß es viele, allzuviele, selbstverständlich allzuviele Taten in unserem gegenwärtigen Leben gibt, für die uns die Möglichkeiten des Ausgleiches fehlen! Von denen wissen wir nun, da wir sie in ihrer Realität erschauen, daß sie mitgehen in unser nächstes Erdenleben und dort zu unserem Schicksale beitragen.
[ 25 ] Things are different still when it comes to the will. There, too, one experiences a change. One then realizes how much of the will that we express in the outer world depends on the condition of the body, and how what we call a strong will in everyday life is intimately connected with the entire constitution of our body. With every impulse of the will, we put our body into play, so to speak. But now, on the basis of spiritual research, we must have the will without the body being present. There the will immediately makes itself felt by showing that it is now present in a way we are not otherwise accustomed to. Normally, when we have a volitional impulse, we are accustomed to putting our body on the line; when the body lies inactive in bed, no volitional impulse arises. We always experience impulses of will in connection with the body. But now the soul, which wants to penetrate into the spiritual world, is beyond the body; thus the body itself plays a part in the impulse of the will. This creates a certain inner tension, as if the will were limited on all sides, as if it were enclosed within an impenetrable eggshell, as if one were hindered from thinking, imagining, feeling, and perceiving, from walking, standing—from everything. One perceives the will in its self-contained state, yet as if constantly bumping against walls from all sides that it cannot penetrate. And one must once again pursue inner spiritual exercises to such an extent that one not only notices this negative aspect of the will, but can also experience the inner self as it is now compressed within the will. Then one realizes: one wants something again that one must admit one does not wish to experience. When one applies the will in the outer world, on the one hand there are the impulses of the will, and on the other, the moral-social order. One imposes duties on oneself in life, or one has duties imposed by the moral-social order. One distinguishes between a good will and an evil will, between what is right and what is wrong; in the external world, one distinguishes between moral rules and impulses of the will. That is quite correct. Now that one has withdrawn from the external world, the will remains with one in a manner quite similar to how the “I” was present before: what one has willed remains with one like a memory. I am describing how these experiences arise. In this case, one must describe the imaginative perception; this may seem fantastical, but things must be presented this way. Then, within one’s constrained will, one experiences something like a morality inherent in that very will itself. An action that must be regarded as evil by our external sensory consciousness is experienced within this will as belonging to what one must oneself make amends for. One thus experiences the will in memory in such a way that the power of compensation—which must occur because the immoral act demands it—is contained within the will itself. One cannot help but say: What you have done wrong must stand beside you like a ghostly enemy, remaining there until you have dispelled it through compensatory “deeds.”
[ 26 ] Was ich so anzudeuten versuchte, kann man nennen Er forschen des Todes, weil es heißt: dasjenige erleben, was die Pforte des Todes als des Menschen Unsterbliches durchschreitet. Man sieht aus alledem, daß die wahre Todesforschung eine intime, innere Forschung ist, daß sie aber um so mehr eine allgemein menschliche ist, als sie auf das reflektiert, was in allen Menschen zu finden ist. Denn wahrhaftig: das, wodurch wir dieser besondere persönliche Mensch im Leben zwischen Geburt und Tod sind, das haben wir durch unsere äußere Leiblichkeit und von der äußeren Welt; das geht nicht mit uns durch die Pforte des Todes. Das geht mit uns durch die Pforte des Todes, was hinter dem Physisch-Sinnlichen liegt, was das Physisch-Sinnliche hervorruft und für das Erleben zwischen Geburt und Tod zur äußeren und zu unserer eigenen Erscheinung bringt.
[ 26 ] What I have been trying to suggest here can be called “the exploration of death,” because it means experiencing that which passes through the gate of death as the immortal part of the human being. It is clear from all this that the true exploration of death is an intimate, inner exploration; yet it is all the more a universally human one in that it reflects upon what is to be found in all human beings. For indeed: that which makes us this particular, personal human being in the life between birth and death—we have this through our outer physicality and from the outer world; it does not pass through the gate of death with us. What passes through the gate of death with us is that which lies beyond the physical-sensory realm, that which gives rise to the physical-sensory realm and brings it into being as the external and our own manifestation for the experience between birth and death.
[ 27 ] Nun werfen wir uns die Frage auf: Warum merken wir im gewöhnlichen Leben nichts von unserer unsterblichen Seele? Warum hüllt sich das, was uns das Geheimnis des Todes enthüllen kann, in ein solches Dunkel?
[ 27 ] Now let us ask ourselves: Why do we notice nothing of our immortal soul in everyday life? Why is that which can reveal the mystery of death to us shrouded in such darkness?
[ 28 ] Aus dem Grunde hüllt es sich in solches Dunkel, weil wir für das gewöhnliche Seelenleben zwischen Geburt und Tod von diesem Dunkel leben. Wir müssen für das gewöhnliche Tagesleben im Bewußtsein unser Unsterbliches auslöschen, damit wir im Leibe leben, mit der äußeren physischen Sinneswelt leben, diese äußere Sinneswelt liebgewinnen und auf ihr unsere Mission ausführen können. In dem Augenblicke, wo wir zu unserem Unsterblichen vordringen wollen, müssen wir unser physisch-sinnliches Erleben, unser Alltagsleben, auslöschen. Wenn wir also unser Unsterbliches in unserem gewöhnlichen Bewußtsein auslöschen müssen, um das gewöhnliche physisch-sinnliche Alltagsleben zu haben, und da wir also das gewöhnliche physisch-sinnliche Leben nur dadurch haben, daß wir für eine Zeitlang das Unsterbliche auslöschen, so brauchen wir uns nicht zu wundern, daß wir das, was uns über den Tod aufklären kann, nicht innerhalb des Alltagslebens finden, für das ja gerade das Geheimnis des Todes zugedeckt sein muß. Der Geistesforscher kann auch zeigen, warum man im gewöhnlichen Leben das Geheimnis des Todes nicht finden kann. Denn indem wir uns mit unserm geistig-seelischen Teil von geistigen Höhen herunterneigen zu dem, was uns in der Vererbungslinie von Vater und Mutter gegeben wird, indem wir uns mit den leiblich-physischen Substanzen verbinden und in sie untertauchen, muß das endliche Bewußtsein das unendliche Bewußtsein auslöschen. Und mit dem Tode, wo das unendliche Bewußtsein wieder aufleuchtet, wird das endliche Bewußtsein zum Verlöschen gebracht, und das, was von ihm erhalten bleiben kann, bleibt als Erinnerung vorhanden. Das Leben aber, welches eintritt, wenn der Mensch durch die Pforte des 'Todes geschritten ist, wird verbürgt durch die geisteswissenschaftliche Entwickelung der Menschenseele, wenn sie jene Methoden anwendet, durch die sie schon im gewöhnlichen Leben in die geistige Welt eindringt und vollbewußt die Pforte des Todes überschreitet und ein Leben entwickelt, von dem wir sogar eine besondere Schilderung geben werden, wenn wir zu dem entsprechenden Vortrage kommen werden, unbehindert von der heute in dieser Beziehung herrschenden Scheu.
[ 28 ] It shrouds itself in such darkness precisely because, in our ordinary spiritual life between birth and death, we live within this darkness. For our ordinary daily life, we must suppress our immortal self in our consciousness so that we can live in the body, live within the outer physical sensory world, grow to love this outer sensory world, and carry out our mission within it. The moment we wish to penetrate to our immortal self, we must suppress our physical-sensory experience—our everyday life. So if we must set aside our immortal nature in our ordinary consciousness in order to have ordinary physical-sensory daily life, and since we have this ordinary physical-sensory life only by setting aside the immortal nature for a time, we need not be surprised that we do not find what can enlighten us about death within everyday life, for it is precisely in this life that the mystery of death must be veiled. The spiritual researcher can also show why one cannot find the mystery of death in ordinary life. For as we, with our spiritual-soul aspect, descend from spiritual heights to what is given to us through the hereditary line of our father and mother—as we connect with and immerse ourselves in physical substances—finite consciousness must extinguish infinite consciousness. And with death, when infinite consciousness shines forth once more, finite consciousness is brought to an end, and whatever can be preserved of it remains as a memory. But the life that begins once a person has passed through the gate of ‘death’ is attested to by the spiritual-scientific development of the human soul, when it applies those methods by which it already penetrates the spiritual world in ordinary life and, with full consciousness, crosses the gate of death and develops a life of which we will even give a specific description when we come to the corresponding lecture, unhindered by the timidity that prevails today in this regard.
[ 29 ] Das nächste Mal aber soll geschildert werden, was sich sagen läßt als die unmittelbare Folge desjenigen, was wir geisteswissenschaftlich heute zu besprechen versuchten als das Geheimnis des Todes, der da ist schon während des Lebens, und dem wir das verdanken, was das gewöhnliche Bewußtsein möglich macht. Ja, es existiert diesen Dingen gegenüber in der Gegenwart eine Abneigung; man will sie nicht gern erforschen. Und selbst gute, glänzende Denker scheuen davor zurück, in diejenigen Gebiete einzudringen, auf die heute im Zusammenhange mit dem Todesproblem hingewiesen worden ist. So kommt es, daß ein so ausgezeichneter Mensch wie Maurice Maeterlinck in seinem kürzlich erschienenen Büchelchen «Vom Tode» — das eben deshalb, weil es so glänzend neben all das haut, worauf es dabei ankommt, gelesen werden sollte — über alles, was sich auf das Todesproblem bezieht, die verkehrtesten Anschauungen vorbringt. Er, der über alle anderen Gebiete des Lebens in sehr geistvoller Art zu sprechen vermag, er mußte bei dieser Sache scheitern, weil er, wie man überall sieht, eine besondere Art hat, sich den Dingen zu nähern; die Art: den Tod mit denselben Erkenntnismitteln zu schildern, wie die äußeren Dinge. Er ist kein Geistesforscher. Er weiß also nicht, daß diese Mittel verlassen werden müssen, wenn die Gebiete erforscht werden sollen, die in bezug auf das Todesproblem in Betracht kommen. Maeterlinck ist dabei in derselben Lage, wie einst die Mathematiker gegenüber dem Problem, das man die «Quadratur des Zirkels» nannte. Es hat eine gewisse Zeit gegeben, wo man in mathematischen Kreisen immer an betreffende Stellen Lösungen einschickte, wie man einen Kreis in ein Quadrat verwandeln könne. Die Lösungen waren aber alle unbefriedigend, und heute ist jeder ein Dilettant, der sich noch mit diesem Problem beschäftigt, weil heute streng bewiesen ist, daß das Problem nicht auf diese Weise gelöst werden kann. Während man also früher noch Aussicht hatte, als ein Genie zu gelten, wenn man die «Quadratur des Zirkels» lösen wollte, ist heute ein Dilettant, wer das noch versuchen wollte. In bezug auf die Unsterblichkeitsfrage wird sich die Anschauung der Menschen auch ändern, wie sich die Anschauungen jener Mathematiker geändert haben. Denn heute versucht noch jemand eine Lösung über die «Quadratur des Zirkels» auf einem anderen Gebiete; aber man müßte ihm sagen: Du verlangst, daß bewiesen werde mit den Mitteln des gewöhnlichen Lebens, was die Geheimnisse des Todes sind. Aber bei Beweisen kommt es vor allem darauf an, daß sie eingesehen werden. Und so muß auch eingesehen werden, daß Beweise, die das Geheimnis des Todes und die Unsterblichkeit mit Mitteln des gewöhnlichen Lebens beweisen wollen, unmöglich sind, weil wir gerade in unserem Alltagsleben die Kräfte des Unsterblichen verdeckt haben, damit wir im Sterblichen ichbewußte Menschen werden.
[ 29 ] Next time, however, we shall describe what can be said to be the immediate consequence of what we have attempted to discuss today from a spiritual scientific perspective as the mystery of death—which is already present during life—and to which we owe what makes ordinary consciousness possible. Indeed, there is a current aversion to these matters; people are reluctant to explore them. And even great, brilliant thinkers shy away from venturing into the realms that have been pointed out today in connection with the problem of death. Thus it happens that a man as distinguished as Maurice Maeterlinck, in his recently published little book On Death—which, precisely because it so brilliantly sidesteps everything that really matters here, ought to be read—puts forward the most erroneous views on everything related to the problem of death. He, who is capable of speaking in a highly insightful manner about all other areas of life, was bound to fail in this matter because, as is evident everywhere, he has a particular way of approaching things—namely, to describe death using the same means of understanding as he does for external things. He is not a researcher of the spirit. He therefore does not realize that these methods must be set aside if one is to explore the realms relevant to the problem of death. Maeterlinck finds himself in the same situation as mathematicians once did when faced with the problem known as the “squaring of the circle.” There was a time when, in mathematical circles, people would regularly submit solutions to relevant journals on how to transform a circle into a square. But the solutions were all unsatisfactory, and today anyone who still grapples with this problem is considered an amateur, because it has now been rigorously proven that the problem cannot be solved in this way. So while in the past one still had the prospect of being regarded as a genius if one sought to solve the “squaring of the circle,” today anyone who still attempts to do so is considered an amateur. With regard to the question of immortality, people’s views will also change, just as the views of those mathematicians have changed. For even today, someone is still attempting a solution to the “squaring of the circle” in another field; but one would have to tell him: You are demanding that the mysteries of death be proven using the means of ordinary life. But when it comes to proofs, what matters above all is that they be understood. And so it must also be understood that proofs which seek to demonstrate the mystery of death and immortality using the means of ordinary life are impossible, because it is precisely in our everyday life that we have concealed the forces of the immortal, so that we may become self-aware human beings within the mortal realm.
[ 30 ] Aber noch ein besonderes Charakteristisches zeigt sich bei Maurice Maeterlinck. Nachdem er überall an den Dingen — manchmal in höchst geistvoller Weise — vorbeigeredet hat, kommt er — etwas glänzender, belletristischer als Max Müller, während es dieser etwas professorenhafter getan hat — zu der Ansicht: Also solle sich die Seele daran gewöhnen, daß sie nicht in diesem und nicht in jenem Leben jemals die Geheimnisse des Daseins wirklich erforschen könne. Er sagt dann weiter: Es ist wahrscheinlich gut, daß man sie nicht erforschen kann. Und er fügt noch hinzu: er wünsche es seinem schlimmsten Feinde nicht, daß er die wirklichen Geheimnisse erforschen könne. Er fürchtet nämlich, daß die Welt «mysterienfrei» werde, wenn sie erforscht würden, daß sie allen Glanz des Geheimnisvollen verlieren würde, wenn man in das Geheimnis des Todes eindringt. Er hält es für wertvoll, daß Geheimnis «Geheimnis» bleibt, damit man nicht die Verwunderung in der Seele auflöst, wenn man hinter ein solches Geheimnis kommt. Deshalb also sagt Maeterlinck, er wünsche seinem schlimmsten Feinde nicht, daß die wirklichen Geheimnisse erforscht werden, und selbst wenn dieser einen Verstand hätte, der viel größer und mächtiger wäre als der seinige. — Ich habe schon in anderem Zusammenhange erwähnt, daß die Geheimnisse nicht dadurch geringer werden, wenn man sie so vor sich hat, wie die Geisteswissenschaft über sie sprechen kann. Denn gerade das, was wir an Geheimnissen erforschen, macht das Leben nicht oberflächlicher, sondern tiefer, immer tiefer. Ist es doch so, daß, wenn wir hinein_ schauen in etwas von unserem vorigen Erdenleben, dieses nicht in einer oberflächlichen Weise uns das Rätsel des Lebens löst und wahrhaftig nicht das Mysterium des Lebens seines Glanzes beraubt, sondern es nur noch größer, noch glänzender macht. Geistesforschung dringt nicht so in die Dinge hinein, daß die Geheimnisse des Daseins ihres bewunderungswürdigen Charakters entkleidet werden, sondern so, daß die Bewunderung sich noch steigern kann dadurch, daß man die Gründe hinter den Dingen erforschen kann. Deshalb muß man schon einem Menschen, der so wie Maeterlinck über den Tod spricht und sagt, er wünsche es seinem schlimmsten Feinde nicht, daß die Geheimnisse erforscht werden, erwidern, daß das Geheimnisvolle dem Leben nicht genommen wird, indem man es zu erforschen sucht. Mit einem trivialen Worte — es ist aber nicht trivial, sondern ganz ernst gemeint —, könnte man ausdrücken, was man einem Menschen sagen möchte, der das Leben so erhalten will, daß er es als «unerforschlich» gelten lassen will. Man könnte ihn fragen: Möchtest du, wenn du sicher bist, daß jemand blind geboren worden ist, diesem anraten, daß das, was um ihn herum ist, Geheimnis bleibe, daß er nicht operiert werden sollte, und daß nicht die Welt in ihrem Glanze in sein Inneres hineinleuchte? Möchtest du dann einwenden, daß du es selbst deinem schlimmsten Feinde nicht wünschtest, daß das Geheimnis der Welt seiner Wunderbarkeit dadurch entkleidet würde, daß er operiert würde? — Wer diese Frage mit Ja beantwortet haben möchte, daß die Welt für den Blindgeborenen ihren Glanz verliere, wenn er operiert werde, der könnte auch mit ja die Frage beantworten, die Maeterlinck am Schlusse seines Buches ausspricht: daß die Welt ihren Glanz verlieren würde, wenn man ihr Geheimnis erforschte, Die geisteswissenschaftliche Forschung wird zeigen, wie dies nicht der Fall ist, wenn man die Geheimnisse der Welt erforscht. Und gerade unser Empfindungsleben wird sich, indem man den Tod erforscht, in die Anschauung hineinversetzen, daß der Tod im ganzen Leben ein notwendiges Glied bildet, und daß nicht nur das Goethe-Wort wahr ist, daß die Natur den Tod erfunden habe, um viel Leben zu haben, sondern daß für das Menschenleben das Wort wahr ist: Die Natur braucht den Tod, um immer neue und neue Herrlichkeiten aus dem Keime des Lebens hervorgehen zu lassen.
[ 30 ] But there is another distinctive feature evident in Maurice Maeterlinck. After having talked right past the essence of things—sometimes in a highly witty manner—he arrives—in a somewhat more brilliant, literary style than Max Müller, whereas the latter took a more professorial approach—at the conclusion: Thus, the soul should accustom itself to the fact that it can never truly fathom the mysteries of existence, neither in this life nor in the next. He goes on to say: It is probably a good thing that one cannot fathom them. And he adds: he would not wish even upon his worst enemy the ability to fathom the true mysteries. For he fears that the world would become “devoid of mystery” if these secrets were explored, that it would lose all the splendor of the mysterious if one were to penetrate the mystery of death. He considers it valuable for a mystery to remain a “mystery,” so that the sense of wonder in the soul is not dispelled when one uncovers such a mystery. That is why Maeterlinck says he would not wish even for his worst enemy that the true mysteries be explored—even if that enemy possessed a mind far greater and more powerful than his own. —I have already mentioned in another context that mysteries do not diminish simply because we have them before us as spiritual science can describe them. For it is precisely what we explore in mysteries that does not make life more superficial, but deeper, ever deeper. After all, when we look into something from our previous earthly life, this does not solve the riddle of life for us in a superficial way, nor does it truly rob the mystery of life of its splendor; rather, it only makes it even greater, even more resplendent. Spiritual research does not penetrate things in such a way that the mysteries of existence are stripped of their admirable character, but rather in such a way that admiration can be further heightened by exploring the reasons behind things. That is why one must respond to a person who, like Maeterlinck, speaks of death and says that he would not wish even for his worst enemy that its mysteries be explored, by pointing out that the mystery of life is not taken away by seeking to explore it. To put it in a trivial phrase—though it is not trivial, but meant quite seriously—one could express what one might say to someone who wants to preserve life by insisting that it remain “inexplicable.” One could ask him: If you were certain that someone had been born blind, would you advise that person to let everything around him remain a mystery, that he should not undergo surgery, and that the world in all its splendor should not shine into his inner being? Would you then object that you wouldn’t wish this even on your worst enemy—that the mystery of the world, with all its wonder, be stripped away by his undergoing surgery? — Anyone who would answer “yes” to the question of whether the world would lose its splendor for someone born blind if he were to undergo surgery could also answer “yes” to the question Maeterlinck poses at the end of his book: that the world would lose its splendor if its mystery were explored, Spiritual scientific research will show that this is not the case when one explores the mysteries of the world. And it is precisely our emotional life that, through the study of death, will come to realize that death is a necessary link in the whole of life, and that not only is Goethe’s saying true—that nature invented death in order to have abundant life—but that the following is also true for human life: Nature needs death to bring ever new and ever greater glories forth from the seed of life.
