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Spiritual Science as an Essential in Life
GA 63

19 March 1914, Berlin

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Spiritual Science as an Essential in Life, tr. SOL
  1. Geisteswissenschaft als Lebensgut

10. Zwischen Tod und Wiedergeburt des Menschen

10. Between Death and Rebirth of the Human Being

[ 1 ] Das heutige Thema ist innerhalb dieser Serie von Vorträgen gewiß das gewagteste, und trotzdem möchte ich auch einmal über diesen ganz besonderen Gegenstand geisteswissenschaftlicher Forschung, der heute hier zur Sprache kommen soll, einige Bemerkungen machen. Ich darf gegenüber dieser verehrten Zuhörerschaft, die zum Teil durch viele Jahre bei diesen Vorträgen anwesend war, die Voraussetzung machen, daß schon einmal auch ein so spezieller Gegenstand geisteswissenschaftlicher Forschung hingenommen werden wird, nachdem ich mich so oftmals bemüht habe, in einer mehr allgemeinen Art die möglichen Beweise und Belege für das Berechtigte dieser Geistesforschung hier vorzubringen. Von allen diesen Beweisen und Belegen muß heute selbstverständlich Abstand genommen werden. Denn was zu sagen sein wird über des Menschen Leben zwischen Tod und Wiedergeburt, wird im wesentlichen so zu sagen sein, daß die entsprechenden geisteswissenschaftlichen Ergebnisse, wie sie sich dem Forscher darbieten, gleichsam in erzählender Form gegeben werden. Trotzdem das, was zu sagen sein wird, dem Gegenwartsbewußtsein gewisse begriffliche Schwierigkeiten machen wird, trotzdem es klar ist, daß das heutige Zeitbewußtsein sich noch im allerumfassendsten Sinne ablehnend verhalten muß gegen solche, wie es heißt, «angeblichen» geisteswissenschaftlichen Forschungsresultate, so möchte ich doch einleitend folgende Bemerkung machen. Ich bin mir wohl bewußt, in dem Zeitalter zu sprechen, das mehr als sechzig Jahre die große Entdeckung Julius Robert Mayers von der Umwandlung der Naturkräfte hinter sich hat, mehr als ein halbes Jahrhundert die großen Entdeckungen hinter sich hat, die durch Darwin kamen, das die großen Erfolge der Naturwissenschaft erlebt hat zum Beispiel durch die Spektralanalyse, die Errungenschaften der Astrophysik und in der neueren Zeit die der experimentellen Biologie. Voll stehend auf dem Boden der Anerkennung dieser naturwissenschaftlichen Ergebnisse, möchte ich trotzdem über das sprechen, was den Gegenstand des heutigen Themas bildet, trotz des Widerspruches, den es bei denjenigen hervorrufen muß, die da glauben, nur unter Ablehnung geisteswissenschaftlicher Forschung und geisteswissenschaftlicher Überzeugung auf dem festen Boden der Naturwissenschaft stehen zu können. Und noch ein zweites möchte ich einleitend bemerken. Würde ich nicht klar wissen, wie innerhalb strengster geisteswissenschaftlicher Methodik, strengster wissenschaftlicher Forderung das, was über das Leben zwischen Tod und Wiedergeburt des Menschen gesagt werden soll, ebenso haltbar ist wie die Ergebnisse der genannten naturwissenschaftlichen Kapitel, so würde ich es in gewissem Sinne für eine Leichtfertigkeit, um nicht zu sagen Frivolität ansehen, vor dieser Versammlung über geisteswissenschaftliche Forschungsresultate zu sprechen. Denn ich bin mir der Verantwortung voll bewußt, gerade über diese Gebiete in einem heutigen wissenschaftlichen Sinne zu sprechen. Allerdings: selbst die ganze Art und Weise, wie die Seele zur Wahrheit und Wahrhaftigkeit des Forschens stehen muß, wenn sie die geisteswissenschaftliche Forschung unbefangen aufnehmen will, selbst diese Art und Weise der Seelenstimmung ist heute noch wenig populär. Ganz kurz möchte ich zuerst auf diese Seelenstimmung, auf diese Seelenverfassung eingehen, die beim Geistesforscher und in gewissem Sinne auch bei demjenigen vorhanden sein muß, der geisteswissenschaftliche Forschungsresultate in ihrer Wahrheit anerkennen soll und will.

[ 1 ] Today’s topic is certainly the most daring in this series of lectures, and yet I would like to offer a few remarks on this very special subject of research in the humanities, which is to be discussed here today. I may assume, with regard to this esteemed audience—some of whom have attended these lectures for many years—that even such a specialized subject of spiritual scientific research will be accepted, given that I have so often endeavored to present here, in a more general manner, the possible evidence and proof supporting the validity of this spiritual science. Naturally, we must set aside all such evidence and documentation today. For what will be said about human life between death and rebirth will essentially consist of presenting the relevant findings of spiritual science—as they appear to the researcher—in a narrative form, as it were. Nevertheless, although what is to be said will present certain conceptual difficulties for contemporary consciousness, and although it is clear that today’s sense of the times must still, in the most comprehensive sense, remain hostile toward such so-called “alleged” results of spiritual scientific research, I would nevertheless like to make the following remark by way of introduction. I am well aware that I am speaking in an age that has, for more than sixty years, had Julius Robert Mayer’s great discovery regarding the transformation of natural forces behind it; that has, for more than half a century, had the great discoveries brought about by Darwin behind it; and that has witnessed the great achievements of natural science—for example, through spectral analysis, the achievements of astrophysics, and, more recently, those of experimental biology. Standing firmly on the ground of recognition of these scientific findings, I would nevertheless like to speak about the subject of today’s topic, despite the contradiction this is bound to provoke among those who believe they can stand on the solid ground of natural science only by rejecting spiritual scientific research and spiritual scientific convictions. And I would like to make a second remark by way of introduction. If I did not know with certainty that, within the strictest spiritual scientific methodology and the strictest scientific standards, what is to be said about human life between death and rebirth is just as sound as the findings of the aforementioned branches of natural science, I would, in a certain sense, regard it as recklessness—not to say frivolity—to speak before this assembly about the results of spiritual scientific research. For I am fully aware of the responsibility involved in speaking about precisely these areas in a contemporary scientific sense. However, even the very attitude the soul must adopt toward truth and truthfulness in research—if it is to approach spiritual scientific research with an open mind—even this spiritual disposition remains largely unpopular today. I would like to begin by briefly addressing this state of mind, this inner disposition, which must be present in the spiritual researcher and, in a certain sense, also in those who are to recognize and wish to acknowledge the results of spiritual scientific research in their truth.

[ 2 ] Ein ganz anderes Verhalten zur Wahrheit und Wahrhaftigkeit, zur menschlichen Erkenntnis ist notwendig, als es unserer Zeit liegt. Wer geisteswissenschaftliche Resultate mit den Methoden, die in diesen Vorträgen erörtert worden sind, gewinnen will, der muß vor allen Dingen mit einer heiligen Scheu, mit einer unbegrenzten Ehrfurcht dem gegenüber stehen, was Wahrheit, was Erkenntnis genannt werden kann. Wie leicht nimmt man in unserer Zeit als Seelenverfassung gegenüber der Wahrheit diejenige hin, die über alles, was sich eben dem Menschenleben darbietet, von vornherein eine Entscheidung treffen will, so eine Entscheidung treffen will, daß sie voraussetzt: ich kann mit den Seelenfähigkeiten, die mir gegeben sind in der Seelenverfassung und Seelenstimmung, in welcher ich einmal bin, mir ein Urteil erlauben über das, was über die Gebiete des Daseins und der Wirklichkeit gesagt werden kann. Der Geistesforscher und derjenige, welcher seine entsprechenden Ergebnisse entgegennehmen will, braucht doch eine andere Seelenverfassung; er braucht diejenige Seelenverfassung, welche sich sagt: Um die Wahrheit zu empfangen, um der Wahrheit teilhaftig zu werden, bedarf meine Seele vor allem der Vorbereitung, bedarf des Sichhineinlebens in eine Verfassung, die über das alltägliche Leben hinausgeht. Und wenn man in der Geisteswissenschaft drinnensteht —obwohl ich Sie bitte, diesen Ausdruck nicht in einem asketischen oder sonstigen Sinne mißzuverstehen —, so fühlt man gar sehr, ich möchte sagen, wie unmöglich die alltägliche Seelenverfassung ist, um wirklich mit der Wahrheit, mit der Erkenntnis leben zu können. Man fühlt die Erkenntnis wie etwas über einem Schwebendes, dem man sich nahen kann, wenn man gleichsam über sein gewöhnliches Selbst hinausgeht, wenn man alle in einem liegenden Kräfte anstrengt, um sich vorzubereiten, die Wahrheit würdig zu empfangen. Als unwürdig fühlt man es, wenn man unter Zugrundelegung der alltäglichen Seelenverfassung sich ein Urteil über die Wahrheit erlauben will — das ist etwas, was man aus der Geisteswissenschaft heraus wissen kann —, und man strebt dann darnach, zu warten, bis die Seele wieder in ihrer Vorbereitung ein Stückchen vorwärts gekommen ist, bis sie in sich jene Kraft und würdige Empfängnis vorbereitet, die der Wahrheit und Erkenntnis gegenüber berechtigt ist. Und oftmals fühlt man sich so, daß man sich sagt: Lieber warte ich noch, lieber gedulde ich mich und lasse die Wahrheit über mir schweben, ich darf nicht in sie hinein; denn würde ich jetzt in sie hineintreten, so würde ich sie mir vielleicht dadurch verderben, daß ich noch nicht reif für sie bin.

[ 2 ] A completely different approach to truth and truthfulness, and to human knowledge, is necessary than that which prevails in our time. Anyone who wishes to arrive at results in the spiritual sciences using the methods discussed in these lectures must, above all, approach what can be called truth and knowledge with a sacred reverence and boundless awe. How easily, in our time, do we adopt as our spiritual attitude toward truth one that seeks to make a decision from the outset about everything that presents itself in human life—a decision that presupposes: I can, with the soul’s faculties given to me in the state of mind and spiritual disposition in which I currently find myself, allow myself to pass judgment on what can be said about the realms of existence and reality. The spiritual researcher—and the one who wishes to receive his findings—needs a different state of mind; he needs the state of mind that says to itself: In order to receive the truth, to partake of the truth, my soul requires, above all, preparation; it requires immersing itself in a state that transcends everyday life. And when one is immersed in spiritual science—though I ask you not to misunderstand this expression in an ascetic or any other sense—one feels very keenly, I might say, how unsuitable the everyday state of mind is for truly living with the truth, with knowledge. One feels knowledge as something hovering above one, which one can approach when one, as it were, transcends one’s ordinary self, when one exerts all the powers lying within oneself to prepare to receive the truth worthily. One feels unworthy when, based on one’s everyday state of mind, one attempts to form a judgment about the truth—this is something one can know from spiritual science— and one then strives to wait until the soul has advanced a little further in its preparation, until it has cultivated within itself that strength and worthy receptivity that is appropriate in the face of truth and knowledge. And often one feels in such a way that one says to oneself: I would rather wait a little longer, I would rather be patient and let the truth hover above me; I must not enter into it; for if I were to enter into it now, I might spoil it for myself by not yet being ripe for it.

[ 3 ] Mit diesen und mit vielen andern Worten, die ich noch zur Charakteristik der Sache beibringen könnte, möchte ich aufmerksam machen auf die Seelenstimmung einer heiligen Scheu, einer unbegrenzten Ehrfurcht gegenüber der Wahrheit und Wahrhaftigkeit und Erkenntnis, welche der geisteswissenschaftlichen Forschung eigen sein muß. Immer mehr und mehr ergibt sich daraus, wie die Seele über sich hinauswachsen muß, wie sie immer weniger und weniger darauf bedacht sein muß, endgültige Urteile zu fällen aus der gewöhnlichen Tagesverfassung heraus, und wie sie immer mehr und mehr Sorgfalt darauf verwenden muß, um die Kräfte zur Erreichung eines Standpunktes vorzubereiten, welcher der Wahrheit gegenüber würdig ist. Kurz gesagt: immer mehr und mehr kommt der im geisteswissenschaftlichen Sinne handelnde Wahrheitssucher dazu, Sorgfalt auf die Vorbereitung der Seele zu verwenden, auf das Heranbilden von Fähigkeiten für die Wahrheit und immer mehr und mehr kommt er davon ab, mit den gewöhnlichen Seelenkräften, mit der gewöhnlichen Kritik an diese Wahrheit herantreten zu wollen. — Nur die Stimmung, in welcher die Geisteswissenschaft selber solchen Dingen gegenüber ist, wie sie nunmehr ausgesprochen werden sollen, wollte ich mit diesen Einleitungsworten andeuten. Nun will ich ohne weiteres zu dem Gegenstande übergehen, von dem ich glaube, daß er durch die Vorträge dieses Winters in genügender Art vorbereitet ist.

[ 3 ] With these and many other words I could add to characterize the matter, I would like to draw attention to the spiritual attitude of holy reverence, of boundless awe toward truth, sincerity, and knowledge, which must be inherent in spiritual scientific research. It becomes increasingly clear from this how the soul must rise above itself, how it must be less and less concerned with passing definitive judgments based on its ordinary daily state of mind, and how it must devote ever greater care to preparing the powers necessary to attain a standpoint worthy of the truth. In short: the seeker of truth acting in the spiritual-scientific sense comes to devote more and more care to preparing the soul, to cultivating the faculties necessary for truth, and more and more he moves away from attempting to approach this truth with ordinary mental faculties and ordinary criticism. — With these introductory remarks, I merely wished to indicate the attitude with which spiritual science itself approaches such matters as are now to be discussed. I shall now proceed directly to the subject, which I believe has been sufficiently prepared for through the lectures of this winter.

[ 4 ] Wenn der Mensch durch die Todespforte geht, so gehört er einer Welt an, die allerdings nur der Geistesforschung zugänglich ist, Geistesforschung in dem Sinne, wie sie in den bisherigen Vorträgen hier vertreten worden ist. Diese Geistesforschung kann eine Erkenntnis gewinnen, welche nur durch die sich leibfrei wissende Seele erlangt werden kann. Die Methoden haben wir öfter besprochen, wodurch die Menschenseele wirklich dazu kommt, Erkenntnisse nicht nur dadurch zu gewinnen, daß sie sich ihres Leibes, ihrer Sinne bedient, um mit der Außenwelt in Berührung zu kommen, sondern indem sie wirklich aus dem Leibe heraustritt, so daß dieser Leib außer ihr steht, wie sonst ein äußerer Gegenstand sich außer ihr befindet, und daß sie sich in der Absonderung von ihrem Leibe, in einer geistigen Umwelt sich wissend, erlebt. Wie die Seele des Geistesforschers dazu kommt, das ist öfter auseinandergesetzt worden; und sie kommt dadurch in jene Welt, welche der Mensch betritt, wenn er die Pforte des Todes durchschreitet. Und nun will ich ohne weitere Vorbereitung erzählen, was der Geistesforscher durch die hier seit langem erörterten Methoden über das Leben des Menschen zwischen Tod und Wiedergeburt zu sagen hat.

[ 4 ] When a person passes through the gate of death, they belong to a world that is, however, accessible only to spiritual research—spiritual research in the sense in which it has been presented in the lectures given here so far. This spiritual research can gain insights that can only be attained by the soul that is aware of itself as free from the body. We have often discussed the methods by which the human soul truly comes to gain insights not only by using its body and senses to come into contact with the external world, but by truly stepping out of the body, so that this body stands outside of it, just as an external object otherwise stands outside of it, and so that, in separation from its body, it experiences itself as being aware within a spiritual environment. How the soul of the spiritual researcher comes to achieve this has been explained on several occasions; and through this, it enters that world which a person enters when they pass through the gate of death. And now, without further introduction, I will recount what the spiritual researcher has to say—based on the methods discussed here at length—about human life between death and rebirth.

[ 5 ] Das erste, was die Menschenseele erlebt, wenn sie nach dem Tode auf naturgemäßem Wege leibfrei geworden ist, wie der Geistesforscher für vorübergehende Augenblicke seines Lebens leibfrei werden kann, das ist eine Veränderung ihrer Stellung zu dem, was wir sonst die Gedankenwelt nennen. Wir haben es oft betont, daß die Menschenseele in sich trägt die Kräfte des Denkens, des Fühlens und des Wollens. Es ist diese Einteilung der Kräfte der Menschenseele im Grunde genommen nur richtig für das Leben der Seele im Leibe, zwischen Geburt und Tod, und ich werde heute neben dem allgemein Gewagten des Themas noch mit der Schwierigkeit zu kämpfen haben, für eine ganz andersartige Welt, die der Mensch zwischen dem Tode und der nächsten Geburt zu durchleben hat, geeignete Ausdrücke zu finden. Denn die Ausdrücke der Sprache sind für das Sinnesleben geprägt, das wir im sinnlichen Leibe durchmachen; und nur dadurch, daß ich versuchen werde, die ganz andersartigen Seelenerlebnisse nach dem Tode von einem gewissen Gesichtspunkte aus zu charakterisieren, der sich der Worte in einer annähernden Weise bedient, werde ich mit diesem, dem gewöhnlichen Erkennen entlegene Gebiet zurechtkommen. Es ist ja dabei zu berücksichtigen, daß wir über ein Gebiet zu sprechen haben, für welches uns eigentlich die Worte fehlen.

[ 5 ] The first thing the human soul experiences when, after death, it has become disembodied through natural means—just as a spiritual researcher can become disembodied for brief moments during his or her life—is a change in its relationship to what we otherwise call the world of thought. We have often emphasized that the human soul carries within itself the powers of thinking, feeling, and willing. This division of the human soul’s powers is, in essence, only valid for the soul’s life within the body, between birth and death; and today, in addition to the general challenges of the topic, I will also have to grapple with the difficulty of finding suitable expressions for a completely different world—the one that a human being must experience between death and the next birth. For the expressions of language are shaped by the sensory life we experience in the physical body; and only by attempting to characterize the entirely different soul experiences after death from a certain perspective—one that makes approximate use of words—will I be able to come to terms with this realm, which lies beyond ordinary cognition. After all, we must bear in mind that we are speaking of a realm for which we actually lack the words.

[ 6 ] Nachdem also der Mensch durch die Pforte des Todes geschritten ist, macht er ein Erlebnis durch in bezug auf das, was wir sein Denken, seine Gedanken nennen. Das Gedankenleben haben wir ja so im Leben zwischen Geburt und Tod, daß wir sagen: die Gedanken sind in unserer Seele, wir denken. Und diese Gedanken sind uns zwischen Geburt und Tod höchstens Bilder einer äußeren Wirklichkeit. Wenn der Mensch seinen physischen Leib abgelegt hat, dann werden die Gedanken in einer eigenartigen Weise zu einer äußeren Realität. Das ist das erste Erlebnis, welches der Verstorbene in der geistigen Welt hat, daß er die Gedanken wie losgelöst von sich empfindet, daß sie draußen, gleichsam außer seiner Seele sind, wie in dem Leben zwischen Geburt und Tod die sinnlichen Gegenstände draußen, außer uns sind. Es ist wie ein Herauswandern der Gedanken in eine seelische Außenwelt. Es machen, könnte man sagen, die Gedanken einen gewissen Weg durch; einen solchen Weg machen sie durch, daß sie von dem unmittelbaren seelischen Erleben ähnlich sich loslösen wie die Gedanken, die im gewöhnlichen Leben unsere Erinnerungen werden; nur daß wir bei unsern Erinnerungen das Gefühl haben; sie tauchen in ein unbewußtes Erleben hinunter, aus dem sie im entsprechenden Momente wieder hervorgeholt werden können; sie entreißen sich dem Gegenwartsleben, aber so, daß wir die Empfindung haben, daß sie in uns sind. Nach dem Tode reißen sich die Gedanken auch los, aber so, daß die ganze Gedankenwelt, welche der Mensch im Leben zwischen Geburt und Tod angesammelt hat, zu einer objektiven Welt wird. Sie reißen sich nicht los, daß wir das Bewußtsein haben: sie gehen hinunter in ein unbestimmtes Dunkel; sondern sie verselbständigen sich in der Weise, daß sie dann eine geistige GedankenAußenwelt außer uns bilden. In dieser Welt ist in Form von Gedanken alles, was wir im letzten Lebenslaufe zwischen Geburt und Tod an Lebenserfahrungen so gewonnen haben, daß wir uns sagen können: wir haben ein Leben durchlebt, haben dieses oder jenes erfahren und sind dadurch an Lebenserfahrungen eben reicher geworden. Dies ist gleichsam auseinandergelöst, wie zu einer Art Lebenstableau geworden, von dem wir uns sagen: das hast du in deinem letzten Leben so erfahren, daß es zu einer gedanklichen Lebenserfahrung wird; das steht um die Seele herum nach dem Tode. Aber nicht so steht es herum, daß es sich wie flüchtige Gedanken ausnimmt, sondern es nimmt sich so aus, wie wenn die Gedanken in dem Augenblick, da sie sich von der Seele losreißen und selbständiges Leben gewinnen, dichter, lebendiger, in sich bewegter würden und eine Welt von Wesenheiten bilden. Diese Welt, in der wir also dann leben, ist die Welt aus unsern herauswandernden Gedanken, die ein selbständiges Dasein haben.

[ 6 ] So once a person has passed through the gate of death, they undergo an experience related to what we call their thinking and their thoughts. In life between birth and death, we experience our thought life in such a way that we say: thoughts are in our soul; we think. And between birth and death, these thoughts are, at most, images of an external reality. Once a person has shed their physical body, thoughts become an external reality in a peculiar way. This is the first experience the deceased has in the spiritual world: they perceive their thoughts as detached from themselves, as if they were outside, so to speak, beyond their soul—just as, in the life between birth and death, sensory objects are outside, beyond us. It is as if the thoughts were wandering out into an outer world of the soul. One might say that the thoughts travel a certain path; they travel this path in such a way that they detach themselves from immediate soul experience in a manner similar to the thoughts that become our memories in ordinary life; only that with our memories we have the feeling that they sink into an unconscious experience from which they can be retrieved again at the appropriate moment; they tear themselves away from present-day life, but in such a way that we have the sensation that they are within us. After death, thoughts also break away, but in such a way that the entire world of thought which a person has accumulated in the life between birth and death becomes an objective world. They do not break away in such a way that we are conscious of them descending into an indeterminate darkness; rather, they become independent in such a way that they then form a spiritual, external world of thought outside of us. In this world, everything we have gained in the form of life experiences during our last life span between birth and death exists as thoughts, so that we can say to ourselves: we have lived a life, have experienced this or that, and have thereby become richer in life experiences. This is, as it were, detached, as if it had become a kind of tableau of life, about which we say to ourselves: you experienced this in your last life in such a way that it becomes a mental life experience; this surrounds the soul after death. But it does not surround us in such a way that it appears like fleeting thoughts; rather, it appears as if, at the very moment these thoughts tear themselves away from the soul and gain an independent existence, they become denser, more vivid, and more dynamic in themselves, forming a world of entities. This world, in which we then live, is the world of our thoughts that have wandered out from us and have an independent existence.

[ 7 ] Diese Welt wird auch oftmals geschildert wie eine Art von Erinnerungstableau an das letzte Leben. In der Tat ist sie wie ein Erinnerungstableau, aber wie eines, das sich selbständig gemacht hat, und von dem wir wissen: Das hast du dir erworben, aber das steht da in der Außenwelt drinnen, objektiviert; das lebt!

[ 7 ] This world is also often described as a kind of tableau of memories from one’s past life. Indeed, it is like a tableau of memories, but one that has taken on a life of its own, and about which we know: You have earned this, but it exists there in the external world, objectified; it is alive!

[ 8 ] Nun dauert dieses Erleben der Seele in der objektiv gewordenen Gedankenwelt verschieden lange, individuell verschieden für die einzelnen Menschen, aber doch nur nach Tagen. Denn nach Tagen — ich habe in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» darauf aufmerksam gemacht, wie dies mit dem menschlichen Leben zusammenhängt —, nach Tagen erlebt dann der Mensch, der durch die Pforte des Todes geschritten ist, wie diese ganze Welt, die gleichsam seine Welt geworden ist, sich entfernt, sich wie in einer geistigen Perspektive von ihm entfernt, wie wenn sie weit, weit in der geistigen Sphäre von ihm wegginge. Nach Tagen dauert es, bis der Zeitpunkt dieses Weggehens, dieses Immer-dünner-und-dünner-Werdens, dieses Immer-nebeliger-und-nebeliger-, Immer-dämmeriger-und-dämmeriger-Werdens der Gedankenwelt eintritt, die da in die Ferne rückt. Ich habe in meiner «Geheimwissenschaft» darauf aufmerksam gemacht, daß es sich der geisteswissenschaftlichen Forschung ergibt, daß es bei denjenigen Menschen länger dauert, die im Leben vor dem Tode leichter, ich will sagen, ohne die Kräfte zu verlieren, die Tage ohne zu schlafen zubringen können. Solange man im Leben ungefähr fähig ist, die Tage ohne zu schlafen zuzubringen, solange dauert dieses Erinnerungstableau. Das kann man durch die geisteswissenschaftliche Forschung herausfinden. Wer daher früher ermüdet-aber dabei kommt es vor allem darauf an, welche Kräfte der Mensch hat —, wer es also gar nicht ohne Schlaf aushalten kann, wenn es nötig sein sollte einmal länger zu wachen, bei dem entfernt sich das Erinnerungstableau früher als bei einem, der sich anstrengen kann, um seine Kräfte länger ohne Schlaf aufrechtzuerhalten. Man braucht sich aber nicht nach dieser Richtung anstrengen, sondern es handelt sich nur darum, was der Mensch in dieser Beziehung möglicherweise leisten kann.

[ 8 ] Now, this experience of the soul in the world of thought—which has become objective—lasts for varying lengths of time, differing from person to person, but still only for a few days. For after a few days—I have pointed out in my Outline of Esoteric Science how this relates to human life— after a few days, the person who has passed through the gate of death experiences how this entire world—which has, as it were, become their world—draws away, receding from them as if in a spiritual perspective, as if it were moving far, far away from them into the spiritual sphere. It takes days until the moment arrives when this receding, this becoming ever thinner and thinner, this becoming ever more misty and misty, ever more twilight-like and twilight-like, of the world of thought—which is receding into the distance—begins. In my Occult Science, I pointed out that spiritual scientific research reveals that this process takes longer for those people who, in their life before death, are better able—that is to say, without losing their strength—to spend days without sleeping. As long as one is roughly capable of spending days without sleeping in life, that is how long this tableau of memories lasts. This can be determined through spiritual scientific research. Therefore, for those who tire more quickly—though what matters most here is the individual’s inherent strength—that is, for those who simply cannot go without sleep if they were ever required to stay awake for a longer period, the tableau of memories fades sooner than for someone who can exert themselves to sustain their strength for longer without sleep. However, one need not strive in this direction; it is simply a matter of what a person is capable of achieving in this regard.

[ 9 ] Damit hängt auch das zusammen, was als das neue Bewußtsein auftritt. Was wir als unser gewöhnliches Bewußtsein, als unser gewöhnliches Wachbewußtsein zwischen Geburt und Tod haben, das wird dadurch angefacht, daß wir mit den Gegenständen der Außenwelt zusammenstoßen. Im Schlafe tun wir das nicht, da haben wir dann auch nicht unser gewöhnliches Bewußtsein; aber wir stoßen uns ja auch mit dem Gehör, mit den Augen an der Außenwelt, und dadurch haben wir das alltägliche Bewußtsein. So, wie das Bewußtsein im gewöhnlichen Leben durch den Verkehr mit der Außenwelt angefacht wird, so wird unser Bewußtsein nach dem Tode dadurch entfaltet, daß sich der Mensch im Zusammenhange weiß mit dem, was ich als das Gedankenerlebnis nach dem Tode geschildert habe, das sich entfernt. Und das ist auch die Anfachung des Bewußtseins nach dem Tode, die darin besteht, daß der Seele die Empfindung bleibt: Deine Gedanken sind in Fernen gegangen, du mußt sie suchen! Damit könnte ich den Eindruck charakterisieren, den dann die Seele erlebt, und der die Kraft bildet, daß das geistige Bewußtsein nach dem Tode angefacht wird: Du mußt deine in Fernen gegangenen Gedanken suchen! Dieses Wissen von den fortgegangenen Gedanken bildet einen Teil des Selbstbewußtseins nach dem Tode. Wir werden gleich nachher sehen, welche Rolle diese Art des Selbstbewußtseins weiter spielt.

[ 9 ] This is also connected to what appears as the new consciousness. What we experience as our ordinary consciousness—our ordinary waking consciousness between birth and death—is stimulated by our interaction with objects in the external world. We do not do this while sleeping; at that time, we do not have our ordinary consciousness. But we do interact with the external world through our hearing and our eyes, and this is how we experience our everyday consciousness. Just as consciousness in ordinary life is stimulated by interaction with the external world, so our consciousness after death is unfolded by the fact that the human being knows itself to be connected to what I have described as the experience of thought after death—an experience that is receding. And this, too, is what stirs consciousness after death: the soul is left with the sensation that “Your thoughts have gone far away; you must seek them out!” This is how I might characterize the impression the soul then experiences—an impression that provides the force to stir spiritual consciousness after death: “You must seek out your thoughts that have gone far away!” This awareness of the thoughts that have gone forth forms part of self-consciousness after death. We will see shortly what further role this kind of self-consciousness plays.

[ 10 ] In einer anderen Weise als die Gedankenwelt verändert sich nach dem Tode dasjenige, was wir die Willenswelt, die Gefühlswelt nennen können. Eigentlich kann man nach dem Tode gar nicht von einer solchen Trennung von Gefühlsleben und Willensleben sprechen, wie man das im Leben zwischen Geburt und Tod kann; daher muß ich schon die Ausdrücke gebrauchen: Es ist in der Seele nach dem Tode etwas vorhanden wie ein wollendes oder begehrendes Gefühl, oder wie ein ganz von dem Gefühl durchdrungener Wille. Die Ausdrücke, die wir für Gefühl und Wille haben, passen nicht für die Zeit nach dem Tode. Für diese Zeit ist das Gefühl viel mehr demjenigen ähnlich, was man im Willen erlebt; und der Wille ist viel mehr von Gefühl durchdrungen, als im Leben zwischen Geburt und Tod. Während die Gedanken nach dem Tode gleichsam eine Welt außer der Seele werden, muß man von dem gewollten Gefühl und dem gefühlten Willen sagen, daß diese sich viel enger und intimer mit der Seele zusammenbinden. Und nun beginnt mit der Seele außer dem angedeuteten Teil des Selbstbewußtseins noch dieses: daß sie sich erlebt in einem erstarkten und erkrafteten, gefühlten Wollen und einem gewollten Gefühl. Das bildet ein unendlich intensiveres Innenleben, als das Innenleben der Seele ist, wenn sie im Leibe lebt. Der Mensch fühlt, wenn die Gedanken sich entfernt haben, zunächst lange Zeit, eine Zeit, die nach Jahrzehnten dauern kann, als seine hauptsächliche Welt sein Inneres. Dieses sein Inneres wird so mächtig, daß er wenn ich das Wort gebrauchen darf, obwohl es auch nicht recht für das post mortem-Leben paßt —, die Aufmerksamkeit auf das richten muß, was da im Innern als das gefühlte Wollen und gewollte Fühlen aufstrebt. Und nach Jahren dauert es, daß dieses gefühlte Wollen oder gewollte Gefühl wie zurückschaut auf das verflossene Erdenleben. Die Menschenseele fühlt nach dem Tode etwas wie ein Verlangen, wie ein Hinneigen nach dem gefühlten Wollen und gewollten Gefühl, und damit nach dem, was das letzte Leben geboten hat. Jedes Leben ist ja so, daß man sagen kann: es bietet uns so manches, aber die Möglichkeiten des Erlebens sind weit größer als das, was der Mensch in Wirklichkeit in sich aufnimmt. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, so fühlt er wollend, oder er will fühlend alles das durchleben, was er, ich kann nicht sagen, weiß, sondern von dem er fühlt: Du hättest es noch erleben können. Alle die unbestimmten Affekte, alles an möglichen Erlebnissen, was uns das Leben hätte bringen können und nicht gebracht hat, das alles tritt herein in den Zusammenhang mit dem vorherigen Leben, in das, was die Seele durchmacht. Insbesondere das, was die Seele nach ihrer Empfindung hätte tun sollen, tritt als starke, als intensive innere Erlebnisse auf. Was etwa die Seele schuldig geworden ist gegenüber anderen Menschen, was sie gegen andere verstoßen hat, das alles tritt auf als das Gefühl der mangelnden Liebe, der wir uns im Leben zwischen Geburt und Tod gar nicht bewußt sind; das wird intensiv empfunden.

[ 10 ] In a different way than the world of thought, what we might call the world of the will and the world of feeling changes after death. In fact, after death one cannot speak of such a separation between the life of feeling and the life of the will as one can during the life between birth and death; therefore, I must use the following expressions: After death, there is something present in the soul akin to a feeling of volition or desire, or to a will entirely permeated by feeling. The terms we use for feeling and will do not apply to the time after death. During this time, feeling is much more akin to what is experienced in the will; and the will is much more permeated by feeling than it is in the life between birth and death. While thoughts after death become, as it were, a world outside the soul, one must say of the willful feeling and the felt will that they are bound much more closely and intimately to the soul. And now, in addition to the part of self-consciousness already mentioned, the soul begins to experience itself in a strengthened and invigorated, felt will and a willful feeling. This constitutes an infinitely more intense inner life than that of the soul when it dwells in the body. Once thoughts have departed, a person initially experiences—for a long time, a period that can last for decades—his inner self as his primary world. This inner world becomes so powerful that—if I may use the word, though it does not quite fit the postmortem life—the person must direct their attention to what arises within as this felt will and willed feeling. And it takes years for this felt will or willed feeling to look back, as it were, on the past earthly life. After death, the human soul feels something like a longing, a yearning for this “felt will” and “willed feeling”—and thus for what the last life had to offer. Every life is such that one can say: it offers us many things, but the possibilities for experience are far greater than what a person actually takes in. When a person passes through the gate of death, they feel a desire—or, feeling a desire—to live through everything that they—I cannot say “know,” but rather feel—that they could still have experienced. All those undefined emotions, all the possible experiences that life could have brought us but did not—all of this enters into the context of the previous life, into what the soul is going through. In particular, what the soul feels it should have done appears as strong, intense inner experiences. Whatever the soul has done wrong toward other people, whatever transgressions it has committed against others—all of this manifests as a feeling of lacking love, of which we are completely unaware in the life between birth and death; this is felt intensely.

[ 11 ] Daher können wir sagen: Es vergehen nach dem Tode Jahre, in denen die Seele damit beschäftigt ist, allmählich sich von dem letzten Leben loszureißen, den Zusammenhang mit dem letzten Leben sich abzugewöhnen. Diese Jahre vergehen so, daß wir nicht etwa herausgerissen sind aus den Erlebnissen des letzten Lebens. Wir hängen zusammen mit den Menschen, die wir verlassen haben, die wir geliebt haben; aber wir hängen dadurch zusammen, daß wir im Leben gewisse Gefühle und Zusammenhänge mit ihnen gewonnen haben; und auf dem Umwege dessen, was uns das Leben geboten oder versagt hat, hängen wir mit ihnen zusammen. Man muß sich ja immer hierbei bildlich ausdrücken. Man kann durchaus nach dem Tode in Zusammenhang bleiben mit dem, dem man im. Leben nahestand, aber nur dadurch, daß man einen Zusammenhang hat in den Gefühlen, die man im Leben mit ihm gehabt hat. Dadurch bildet sich ein intensiver Zusammenhang mit ihm heraus. Man lebt nach dem Tode mit den Lebenden zusammen, aber auch mit den schon Verstorbenen, mit denen man im Leben einen Zusammenhang gehabt hat. So muß man sich also das Leben nach dem Tode vorstellen, daß es in dieser Weise durch Jahre hindurch dauert. Es ist vorzugsweise ein Leben, in welchem die Seele alles, was sie will und begehrt und verlangt, gleichsam im gefühlten und gewollten Erinnerungszusammenhange mit dem letzten Leben durchlebt.

[ 11 ] Therefore, we can say: After death, years pass during which the soul is occupied with gradually detaching itself from its last life and weaning itself away from its connection to that life. These years pass in such a way that we are not, as it were, torn away from the experiences of our last life. We remain connected to the people we have left behind, the people we have loved; but we are connected through the fact that we have developed certain feelings and bonds with them during our lives; and through the detours of what life has offered or denied us, we remain connected to them. One must, of course, always express this in figurative terms. It is certainly possible to remain connected after death with those to whom one was close in life, but only through the emotional bonds one formed with them during one’s lifetime. Through this, an intense connection with them develops. After death, one lives together with the living, but also with those who have already passed away, with whom one had a connection in life. This, then, is how one must imagine life after death—that it continues in this way for years on end. It is, above all, a life in which the soul experiences everything it wants, desires, and longs for, as it were, within the emotional and intentional context of memories from its previous life.

[ 12 ] Wenn man geisteswissenschaftlich nachzuforschen versucht, wie lange diese Zeit dauert, so kommt man darauf, daß ohne Einfluß auf diese Jahre nach dem Tode, deren Inhalt eben geschildert worden ist, das Leben in den ersten Kindesjahren ist. Das Leben von der Geburt bis zu dem Zeitpunkte, bis zu welchem wir uns später zurückerinnern, wo wir unser Selbstbewußtsein innerlich erleben lernen, diese Zeit ist für diese Jahre zunächst bedeutungslos, und auch das Leben, das auf die Mitte der Zwanzigerjahre folgt, ist für die einzelnen Menschen mehr oder weniger nicht von Bedeutung für die Länge jenes Seelenzustandes, den ich eben geschildert habe; so daß man etwa die Zeit zwischen dem dritten, vierten, fünften Lebensjahre und der Mitte der Zwanzigerjahre, dem vierundzwanzigsten, fünfundzwanzigsten Jahre, als die durchschnittliche Zahl an Jahren anzunehmen hat, welche die Seele so durchlebt, wie es eben geschildert worden ist, daß die Seele ihr Selbstbewußtsein dadurch hat, daß sie weiß: Fortgegangen ist deine Gedankenwelt mit deinen Lebenserfahrungen, sie ist jetzt in der Ferne. Du hast einen Zusammenhang, eine Verwandtschaft zu diesem Gedankenerlebnis, und du mußt es wieder finden, denn es ist das, wodurch du im Erdenleben geworden bist, was du bist; aber es hat sich entfernt. Wie einem Außenleben, von dem man weiß, daß es da ist, steht man diesen in Gedanken verwandelten Lebenserfahrungen gegenüber. Und die andere Welt, die man nach dem Tode durchlebt, wenn diese Gedankenwelt fortgegangen ist, sie durchlebt man so, daß man sie in dem in seinem Innern erstarkten Wollen und Fühlen erlebt.

[ 12 ] If one attempts to investigate, from a spiritual-scientific perspective, how long this period lasts, one comes to the conclusion that—apart from the years following death, the nature of which has just been described—life consists of the early childhood years. Life from birth up to the point—which we later recall—when we begin to experience our self-consciousness inwardly; this period is initially irrelevant to those years, and likewise, the life that follows the mid-twenties is, for individual people, more or less irrelevant to the duration of that state of the soul I have just described; so that one must assume the period between the third, fourth, and fifth years of life and the mid-twenties—the twenty-fourth and twenty-fifth years—to be the average number of years during which the soul experiences life as just described, such that the soul possesses self-consciousness through the knowledge that: Your world of thoughts, along with your life experiences, has passed away; it is now in the distance. You have a connection, a kinship to this experience of thought, and you must find it again, for it is through this that you became who you are in earthly life; but it has receded. Just as one faces an external life that one knows to be there, so does one face these life experiences transformed into thoughts. And the other world that one experiences after death, once this world of thought has departed, is experienced through the will and feeling that have grown stronger within oneself.

[ 13 ] Dann kommt die Zeit, da man sich dem bloßen erstarkten Innenleben entringt, wo es so ist, wie wenn nach und nach aus dem Geistigen auftauchen würden Wesenheiten, welche der geistigen Welt so angepaßt sind, wie die Wesen der physischen Welt — Mineralien, Pflanzen, Tiere und physische Menschen, dieser sinnlich physischen Welt angepaßt sind. Das heißt, man lebt sich aus sich selbst heraus und in eine geistige Welt hinein. Man lebt sich in der Weise in eine geistige Umwelt hinein, daß man ihr gegenüber nun eine ganz andere Empfindung hat als im Leibe der Sinneswelt gegenüber. Vieles müßte ich anführen, um diese ganz andersgeartete Empfindung zu charakterisieren; aber eines nur, was prägnant ist, möchte ich dafür anführen.

[ 13 ] Then comes the time when one breaks free from a mere intensified inner life, as if beings were gradually emerging from the spiritual realm that are as adapted to the spiritual world as the beings of the physical world—minerals, plants, animals, and physical human beings—are adapted to this sensory-physical world. That is to say, one lives out of oneself and into a spiritual world. One lives into a spiritual environment in such a way that one now has a completely different sensation toward it than one does toward the physical world of the senses. I would have to cite many examples to characterize this entirely different sensation; but I would like to cite just one, which is particularly apt.

[ 14 ] Wenn wir durch das Auge die Gegenstände der Außenwelt sehen, sagen wir, wir sehen sie, wenn Licht von irgendeiner Lichtquelle auf sie fällt, so sind sie uns dadurch bewußt, daß sie von diesem Licht beleuchtet werden, wenn wir sie sehen. Indem wir nun aus dem Zustande des Rückfühlens auf unser letztes Erdenleben uns hineinleben in den objektiven Zustand der geistigen Welt, haben wir das Erlebnis: Du hast da aus der Zeit des letzten Erdenlebens in dir etwas ausreifen lassen wie inneres Licht, wie innere Seelenkraft, und das gibt dir jetzt immer mehr die Möglichkeit, die äußere Welt der geistigen Wesenheiten und Vorgänge anzuschauen und wahrzunehmen, innerhalb ihrer zu leben. Kann man die Zeit jenes geschilderten Seelenzustandes wie eine Art Abgewöhnen des Zusammenhanges mit dem durchlebten Erdenleben empfinden, wie ein Sichherausreißen aus ihm, wie ein Sichfreimachen von demselben, so erlebt man nun, daß im tiefsten Innern dieses fühlenden Wollens und wollenden Fühlens jene Innenwelt, die im Grunde genommen die Innenwelt vieler Jahre ist, in sich gereift hat — wie die Pflanzenblüte den Samen in sich gereift hat — dieses innere Licht, das man von sich wie eine Kraft ausbreitet und durch das einem die Vorgänge und Wesenheiten der äußeren geistigen Welt sichtbar werden. Man weiß dann: hätte man nicht dieses innere Licht in sich ausgebildet, so wäre es dunkel um einen in der geistigen Welt, so würde man nichts wahrnehmen. Die Kraft, die man anwenden muß, um den Zusammenhang mit dem letzten Erdenleben zu überwinden, ist zugleich diejenige Kraft, die aufgewendet werden muß und die wieeineinnere Leuchtkraft ist. Da erwacht eine Seelenkraft, für die man erst recht keine Worte in der gewöhnlichen Welt hat, denn so etwas gibt es im gewöhnlichen Sinnesleben nur für den, der durch Geistesforschung eben in die geistige Welt eindringt. Wenn ich mich eines Wortes bedienen will für das, was der Mensch wie eine aus ihm selbst herauskommende Kraft der Beleuchtung der geistigen Umwelt erlebt, so möchte ich sagen: Es ist etwas wie eine kreative Willensentfaltung, die zugleich von intensivem Fühlen durchdrungen ist. Etwas Schöpferisches ist da drinnen; man fühlt sich wie einen Teil des Weltalls, der aber in diesem eben besprochenen Teile schöpferisch ist, der die geistige Welt überströmt. Und man hat die Empfindung: Dieses Sichwissen als einen Teil des Weltalls macht dir die geistige Welt erst fühlbar, wissend erlebbar, indem man das erlebt, was man nennen kann die «Seelenheit» nach dem Tode und ein Sicheinleben in das, was immer mehr und mehr an Sichtbarkeit, an Erlebbarkeit an einen herantritt.

[ 14 ] When we see objects in the external world through our eyes, we say that we see them when light from some source falls upon them; thus, we are aware of them because they are illuminated by this light when we see them. As we now move from the state of reflecting on our last earthly life into the objective state of the spiritual world, we have the experience: You have allowed something from the time of your last earthly life to mature within you—like an inner light, like an inner soul force—and this now increasingly enables you to behold and perceive the outer world of spiritual beings and processes, and to live within it. If one can perceive the duration of this described state of the soul as a kind of weaning away from the connection with the earthly life one has lived through—as a tearing oneself away from it, as a freeing oneself from it— then one now experiences that, in the deepest innermost core of this feeling-willing and willing-feeling, that inner world—which is, in essence, the inner world of many years—has matured within oneself—just as the flower of a plant has matured the seed within itself—this inner light that one radiates from oneself like a force and through which the processes and beings of the outer spiritual world become visible to one. One then knows: had one not developed this inner light within oneself, it would be dark around one in the spiritual world, and one would perceive nothing. The force one must apply to overcome the connection with one’s last earthly life is at the same time the very force that must be expended and that is like an inner radiance. A soul force awakens here for which there are truly no words in the ordinary world, for such a thing exists in ordinary sensory life only for those who, through spiritual research, actually penetrate the spiritual world. If I were to use a word to describe what a person experiences as a force of illumination emanating from within themselves and illuminating the spiritual environment, I would say: It is something like a creative unfolding of the will, which is at the same time permeated by intense feeling. There is something creative within it; one feels like a part of the universe, but one that is creative in this very aspect we have just discussed—the aspect that overflows into the spiritual world. And one has the sensation that this awareness of oneself as a part of the universe is what first makes the spiritual world tangible and knowable through experience—by experiencing what one might call the “soul-ness” after death and a living-into of that which approaches one with ever-increasing visibility and experiential reality.

[ 15 ] Ich schildere heute diese Welt zwischen dem Tode und der nächsten Geburt, ich möchte sagen, mehr von einem innerlich erfahrenen, von einem inneren Zustande aus. In meiner «Theosophie» oder in meiner «Geheimwissenschaft» habe ich diese Welt mehr für die geisteswissenschaftliche Anschauung von außen geschildert. Da ich aber überhaupt nicht liebe mich zu wiederholen, so wähle ich heute den anderen Weg. Wer aber weiß, von wievielen Gesichtspunkten aus man ein Gebiet der Sinneswelt schildern kann, der wird wissen, daß es ganz dasselbe ist, was ich mit andern Worten in den genannten Büchern charakterisiert habe.

[ 15 ] Today I am describing this world between death and the next birth; I would say, more from the perspective of an inner experience, from an inner state. In my Theosophy or in my Occult Science, I described this world more from the perspective of spiritual science, viewed from the outside. But since I do not at all like to repeat myself, I am choosing a different approach today. However, anyone who knows how many different perspectives from which one can describe a realm of the sensory world will realize that this is exactly the same thing I have characterized in other words in the aforementioned books.

[ 16 ] Wie seelisch sich einlebend in die Welt der geistigen Vorgänge und geistigen Wesenheiten, so empfindet sich die Seele. Und ausdrücklich muß gesagt werden: Zu diesen geistigen Vorgängen und geistigen Wesenheiten, in welche sich die Seele durch die eigene Leuchtekraft einlebt, gehören auch jene Menschenseelen, mit denen man im Leben eine Verbindung angeknüpft hat — allerdings nur diese, und nicht auch jene, mit denen man keine Verbindung angeknüpft hat. So kann man sagen: Während man bis jetzt durch Jahre hindurch mehr sein Inneres erlebt hat in wollendem Verlangen und fühlendem Wollen, beginnt man jetzt immer mehr und mehr, objektiv die geistige Außenwelt zu erleben, man beginnt, in ihr arbeiten zu können, wie man in der Sinneswelt arbeitet nach seinen entsprechenden Aufgaben und Erlebnissen. Nur eines muß erwähnt werden: Was man so als innerliche Leuchtekraft erlebt, das entwickelt sich nach und nach, allmählich und, wie man sagen kann mit einem Ausdruck, der dem Geistesforscher geläufig ist, zyklisch, in Lebenskreisen. So entwickelt es sich, daß man fühlt: In dir ist die Leuchtekraft erwacht; sie macht es dir möglich, gewisse andere Wesenheiten und Vorgänge der geistigen Welt zu erleben; aber sie erlahmt in einer gewissen Beziehung wieder, dämmert wieder ab. Wenn man sie eine Zeitlang gebraucht hat, dämmert sie ab. Wie man, um einen Vergleich des gewöhnlichen Sinnenlebens zu gebrauchen, wenn es gegen den Abend zugeht, die Sonne äußerlich untergehen fühlt, so fühlt man im Leben zwischen Tod und Wiedergeburt immer mehr und mehr, wie die innere Leuchtekraft erlahmt. Dann aber, wenn diese erlahmt ist, tritt ein anderer Zustand ein. In diesem fühlt sich die Seele erst recht stark in ihrem Innern, das sie nun wiederholt durchlebt; aber wieder, wenn ich mich des Ausdruckes bedienen darf, wie innerlich erlebt sie das, was sie aus dem anderen Zustande herübergebracht hat, wo sie die Leuchtekraft entwickelt hatte. So muß man sagen, daß die Zustände, in denen wir allen geistigen Vorgängen und Wesenheiten hingegeben sind, abwechseln mit denjenigen, wo das innere Licht wieder abdämmert und endlich ganz erlischt, wo aber unser gefühltes Wollen und gewolltes Fühlen wieder erwacht, jetzt aber so erwacht, daß in ihm wie erinnernd alles lebt, was von uns in der geistigen Welt erlebt worden ist, was also von außen kommt. Auf diese Weise hat man Zustände, die abwechseln, wie wenn man einmal in der Außenwelt lebte, dann wieder die Außenwelt ganz in sich hereingenommen hätte, so daß sie wie in Form von inneren Erlebnissen auftauchte, gleichsam ganz in unserem Innern lebte — wie wenn umschlossen von der Hülle unserer Seele nun in uns lebte, was wir vorher äußerlich erlebt haben. Es ist ein Wechsel zwischen diesen zwei Zuständen. Wir können sie auch so bezeichnen, daß wir sagen: Einmal erleben wir uns wie in ausgebreiteter Geselligkeit mit der ganzen geistigen Welt; dann wechselt dieser Zustand ab mit innerer Einsamkeit, mit einem Von-sich-Wissen in der Seele, mit einem In-sich-Haben des ganzen erlebten geistigen Kosmos. Aber zugleich wissen wir: Jetzt lebst du in dir; was da erlebt wird, ist das, was deine Seele behalten hat, und du bist jetzt in keiner Verbindung mit etwas anderem. — Mit der Regelmäßigkeit wie Schlafen und Wachen im Leben abwechseln, so wechseln diese Zustände in der geistigen Welt zwischen Tod und neuer Geburt: der Zustand des seelischen Sichausbreitens in einer seelischen Außenwelt — mit dem Zustande des innerlichen Sich-selbst-Genießens und von Sich-selbst-Wissens, wo man fühlt: jetzt bist du in dir allein, mit Abschließung aller äußeren Vorgänge und Wesenheiten; jetzt erlebst du in dir. Diese beiden Zustände müssen abwechseln, denn nur dadurch erhält sich die innere Leuchtekraft, daß der Mensch immer wieder und wieder auf sich zurückgewiesen wird. — Genauer sind diese Vorgänge beleuchtet in meiner Schrift «Die Schwelle der geistigen Welt». — Dieses Sich-Erleben in Zyklen, in dem einsamen, dann wieder in einem geselligen Leben, ist not“wendig, denn dadurch erhält sich die Leuchtekraft. Und das geht so weiter, daß man in immer reichere und reichere Geisteswelten sich einlebt, zu denen man immer mehr und mehr innere Leuchtekraft braucht. Das geht eine lange Zeit hindurch. Dann erfühlt man, wie man dadurch, daß man sich eingelebt hat in diese Geisteswelten, einer gewissen Grenze unterworfen ist, die zusammenhängt mit den Fähigkeiten, die man sich im Leben angeeignet hat. Die eine Seele schafft sich einen kleineren, die andere einen größeren Horizont, einen Horizont über eine größere oder kleinere geistige Welt.

[ 16 ] The soul perceives itself as becoming spiritually attuned to the world of spiritual processes and spiritual beings. And it must be explicitly stated: Among these spiritual processes and spiritual beings, into which the soul immerses itself through its own radiant power, are also those human souls with whom one has established a connection in life—though only these, and not those with whom one has not established a connection. Thus one can say: Whereas up to now, over the course of many years, one has experienced one’s inner life more through volitional desire and feeling-based will, one now begins more and more to experience the spiritual outer world objectively; one begins to be able to work within it, just as one works in the sensory world according to one’s respective tasks and experiences. Only one thing must be mentioned: What one experiences as an inner luminous power develops little by little, gradually, and—to use an expression familiar to the spiritual researcher—cyclically, in life cycles. It develops in such a way that one feels: The luminous power has awakened within you; it enables you to experience certain other beings and processes of the spiritual world; but in a certain sense it wanes again, fades away. After one has drawn upon it for a time, it fades away. Just as—to use a comparison from ordinary sensory life—as evening approaches, one feels the sun setting outwardly, so in the life between death and rebirth one feels more and more how the inner radiance is waning. But then, when this light has waned, another state sets in. In this state, the soul feels all the more strongly within itself, which it now relives repeatedly; but again—if I may use the expression—it experiences inwardly what it has brought over from the other state, where it had developed that inner radiance. Thus, one must say that the states in which we are wholly absorbed in all spiritual processes and beings alternate with those in which the inner light dims again and finally goes out entirely, but in which our felt volition and volitional feeling awaken once more, but now awakens in such a way that everything we have experienced in the spiritual world—that is, everything coming from outside—lives within it as if in remembrance. In this way, we experience alternating states, as if we had once lived in the outer world, then taken the outer world entirely within ourselves, so that it emerged in the form of inner experiences, living, as it were, entirely within us—as if what we had previously experienced externally now lived within us, enclosed by the shell of our soul. It is an alternation between these two states. We can also describe it by saying: At times we experience ourselves as if in expansive fellowship with the entire spiritual world; then this state alternates with inner solitude, with a sense of self-awareness in the soul, with holding within ourselves the entire spiritual cosmos we have experienced. But at the same time we know: Now you are living within yourself; what is being experienced there is what your soul has retained, and you are now in no connection with anything else. — Just as sleep and waking alternate in life, so these states in the spiritual world alternate between death and new birth: the state of the soul expanding into an outer spiritual world—with the state of inner self-enjoyment and self-knowledge, where one feels: now you are alone within yourself, cut off from all external processes and beings; now you experience within yourself. These two states must alternate, for the inner radiance is preserved only by the fact that the human being is repeatedly drawn back to himself. — These processes are explained in greater detail in my work The Threshold of the Spiritual World. — This cyclical self-experience—first in solitude, then again in a social life—is necessary, for it is through this that the inner radiance is sustained. And this continues as one becomes attuned to ever richer and richer spiritual worlds, for which one requires ever more and more inner radiance. This process extends over a long period of time. Then one senses how, by having become attuned to these spiritual worlds, one is subject to a certain limit that is related to the abilities one has acquired in life. One soul creates a smaller horizon for itself, another a larger one—a horizon encompassing a larger or smaller spiritual world.

[ 17 ] Aber dann kommt eine Zeit, wo man die innere Leuchtekraft abnehmen fühlt. Das geschieht, wenn man der Mitte der Zeit zulebt zwischen Tod und nächster Geburt. Da erlebt man so, daß man fühlt: Jetzt wird die innere Leuchtekraft immer geringer und geringer; jetzt kannst du immer weniger und weniger von dem, was um dich herum ist, beleuchten. Immer dämmeriger und dämmeriger wird es, und die Zeit rückt heran, wo dann jene Zeiten immer bedeutender werden, in welchen das innere Erleben intensiver und intensiver wird, wo das, was man schon erlebt hat an innerem Erleben, auf- und abwogt. Reicher und reicher wird das innere Erleben, in der Überschau wird es dunkler und dunkler, bis es der Mitte der Zeit zwischen Tod und Wiedergeburt zugeht, wo man das erlebt, was ich in meinem Mysteriendrama «Der Seelen Erwachen» die geistige Mitternacht genannt habe. Denn da erlebt man eine Zeit, wo man erfüllt ist von der geistigen Welt, wo man aufwacht, aber aufwacht in die «Nacht», wo man sich erlebt wie abgeschlossen in der geistigen Welt. Es ist ein Gefühl intensivsten In-sich-Erlebens in der Mitte zwischen Tod und Wiedergeburt. Dieses In-sich-Erleben bringt einen Zustand hervor, von dem man sagen muß: er ist auf die Dauer für die Seele unerträglich. Es ist ein Wissen von einem Wissen, das unerträglich ist, das man nicht haben will, weil es nur Wissen ist. Man fühlt in sich: Du trägst eine Welt in dir, die du nur wissend erlebst, indem du weißt, daß du in der Realität von ihr abgeschlossen bist; du hast die Leuchtekraft über sie verloren. Die Nacht in der geistigen Welt tritt ein. Aber in diesem Zustande haben wir Erlebnisse, die sonst im Leibe des Erdenlebens nur seelisch passiv sind. Die werden jetzt zu etwas Aktivem. Und während man sich so immer mehr und mehr in die Dämmerung und endlich in die Nacht der geistigen Welt hineinlebt, wird die Sehnsucht nach einer Außenwelt immer größer und größer; und während die Sehnsucht, der Wunsch nach der Welt des Erdenlebens etwas ist, was von außen seine Befriedigung finden muß, ist das, was man so erlebt in der geistigen Mitternacht als Sehnsucht, eine Kraft, die sich ausbildet, wie sich bei uns unter entsprechenden Bedingungen die elektrische oder magnetische Kraft ausbildet. Es ist eine Sehnsucht in der Seele, die eine neue Kraft gebiert, eine Kraft, welche wieder eine Außenwelt vor die Seele hinzaubern kann. Immer mehr und mehr hat sich ja die Seele in eine geistige Innenwelt hineingelebt; diese ist immer größer und größer, immer gewaltiger und gewaltiger geworden. Aber in ihr lebt die Sehnsucht, wieder eine Außenwelt um sich zu haben. Diese Sehnsucht ist eine aktive Kraft, und dies, wozu es die Sehnsucht bringt, ist eine Außenwelt, aber eine von ganz eigentümlicher Art.

[ 17 ] But then there comes a time when one feels one’s inner radiance diminishing. This happens as one approaches the midpoint between death and the next birth. At that point, one experiences a sense that one’s inner radiance is growing weaker and weaker; one is able to illuminate less and less of what surrounds one. It grows dimmer and dimmer, and the time approaches when those moments become increasingly significant—moments in which inner experience grows more and more intense, and in which the inner experiences one has already had ebb and flow. Inner experience grows richer and richer, while the broader perspective grows darker and darker, until it approaches the midpoint of the time between death and rebirth, where one experiences what I have called “spiritual midnight” in my mystery drama The Awakening of the Soul. For there one experiences a time when one is filled with the spiritual world, when one awakens—but awakens into the “night”—where one feels as though one is enclosed within the spiritual world. It is a feeling of the most intense inward experience at the midpoint between death and rebirth. This inward experience gives rise to a state of which one must say: in the long run, it is unbearable for the soul. It is a knowledge of a knowledge that is unbearable, that one does not want to have, because it is merely knowledge. One feels within oneself: You carry a world within you that you experience only through knowing—by knowing that, in reality, you are cut off from it; you have lost the power of light over it. Night falls in the spiritual world. But in this state, we have experiences that are otherwise only passively soul-related within the body of earthly life. These now become something active. And as one thus lives more and more into the twilight and finally into the night of the spiritual world, the longing for an outer world grows ever greater; and while the longing, the desire for the world of earthly life is something that must find its fulfillment from outside, what one experiences in this way during spiritual midnight as longing is a force that develops, just as electrical or magnetic force develops within us under appropriate conditions. It is a longing in the soul that gives birth to a new force—a force capable of conjuring up an outer world before the soul once more. After all, the soul has increasingly immersed itself in a spiritual inner world; this world has become ever larger and larger, ever more vast and more vast. But within it lives the longing to once again have an outer world around itself. This longing is an active force, and what this longing brings about is an outer world—but one of a very peculiar kind.

[ 18 ] Das erste, was wir erleben, nachdem wir die Mitte zwischen Tod und Wiedergeburt erreicht haben, das ist, daß sich eine Außenwelt vor uns hinstellt, die aber doch wieder keine ist. Wir stehen nämlich, wenn wir aus der Einsamkeit erwachen, Bildern gegenüber, die aus unserm vorhergehenden Erdenleben auftauchen. Also eine Außenwelt, die doch wieder unsere vergangene Außenwelt ist, steht um uns herum, und die Sehnsucht hat uns zu ihr geführt, die eine aktive Kraft ist. So stehen wir eine Zeitlang unsern verflossenen Erdenerlebnissen gegenüber in der Weise, daß sie für uns Außenwelt sind, daß wir wie beurteilend ihnen gegenüberstehen. Während wir sie erlebt haben, standen wir in ihnen drinnen; jetzt stehen wir ihnen gegenüber.

[ 18 ] The first thing we experience after reaching the midpoint between death and rebirth is that an external world appears before us—yet it is not really one. For when we awaken from solitude, we find ourselves facing images that emerge from our previous earthly life. Thus, an external world—which is, after all, our past external world—surrounds us, and it is longing, which is an active force, that has led us to it. Thus, for a time, we face our past earthly experiences in such a way that they constitute an external world for us, and we stand before them as if judging them. While we were experiencing them, we were immersed within them; now we stand opposite them.

[ 19 ] Und nun entsteht zu der schon entwickelten Sehnsucht eine andere. Es entsteht die Sehnsucht, in erneuertem Erdenleben dasjenige auszugleichen, was die alten Erdenleben an Mängeln, an Unvollkommenheiten gegenüber dem neu erwachten Bewußtsein aufweisen. Jetzt tritt die Zeit ein, in welcher die Seele fühlt, was sie zu tun hat in bezug auf die Gedanken, die von ihr fortgeeilt sind. Sie empfängt jetzt das sichere Wissen, das in der zweiten Hälfte des Lebens zwischen Tod und neuer Geburt erwacht: Deine Gedankenerfahrungen sind dir vorangeeilt; du kannst sie nur auf dem Umwege eines neuen Erdenlebens wiederfinden. Und aus diesem zweiten Erlebnis, jenem gegenüber dem alten Erdenleben und dem Wissen: Du kannst deine vorangeeilten Gedanken nur finden, wenn du sie wieder in einem neuen Erdenleben zurückrufst, — aus dem entsteht der instinktive Drang nach einem neuen Erdenleben. Der läßt sich nicht beurteilen nach dem letzten Erdenleben. In dem angedeuteten Zeitpunkte findet es die Seele selbstverständlich, sich mit dem wieder zu vereinigen, was von ihr selbst fortgegangen ist an Gedanken, und was sie nur finden kann auf dem Umwege eines neuen Erdenlebens, wo sie auch nur die Möglichkeit findet, das auszubessern, was ihr an Unvollkommenheiten und Mängeln im Anblick der vergangenen Erdenleben gegenübergetreten ist.

[ 19 ] And now, in addition to the longing that has already developed, another arises. A longing arises to make up, in a renewed earthly life, for the shortcomings and imperfections of past earthly lives in light of the newly awakened consciousness. Now comes the time when the soul senses what it must do regarding the thoughts that have rushed ahead of it. It now receives the certain knowledge that awakens in the second half of the life between death and rebirth: Your thought experiences have rushed ahead of you; you can only rediscover them through the detour of a new earthly life. And from this second experience—in contrast to the old earthly life—and from the knowledge that “you can only find your thoughts that have gone ahead of you if you recall them in a new earthly life”—arises the instinctive urge toward a new earthly life. This cannot be judged on the basis of the last earthly life. At the moment indicated, the soul naturally finds it fitting to reunite with those thoughts that have departed from it—thoughts it can find only through the detour of a new earthly life, where it also finds the opportunity to correct the imperfections and shortcomings it has encountered in the light of its past earthly lives.

[ 20 ] Und jetzt treten immer neue und neue Erlebnisse aus dem Dämmerdunkel der geistigen Welt auf. Das tritt auf, was man nennen kann: Verbindung mit nächststehenden Menschen. Wir haben sie gehabt, diese Verbindung, bevor wir die Zeit vor dem bezeichneten Mittelpunkte erlebt haben; aber wir lebten so mit den uns nächststehenden Menschen, daß wir mit ihnen arbeiteten in der geistigen Welt, daß wir mit ihnen im Geiste verbunden waren. Jetzt tauchen sie wieder auf; jetzt tauchen diejenigen auf aus unserem eigenen Erdenleben, denen gegenüber wir unser Leben unausgeglichen haben; die tauchen auf, mit denen wir blutsverwandt waren, denen wir im Leben nahegestanden haben. So tauchen sie auf, daß wir an ihrem Auftauchen beurteilen können, was noch an uns unausgeglichen ist, was wir ihnen noch schuldig sind, was wir ihnen gegenüber noch auszugleichen haben. Wir fühlen uns mit diesen Seelen, die da auftreten, so verbunden, wie wir uns verbunden fühlen müssen nach dem Ergebnis des Zusammenlebens mit ihnen in früheren Erdenleben. Das ist das erste, was wir nach unserm eigenen Erdenleben erleben: wie wir in einem neuen Erdenleben mit den Seelen zusammenleben wollen, mit welchen wir früher in einer näheren Weise zusammengelebt haben. Und im weiteren Verlaufe dieser Zeit treten die uns mehr fernstehenden Seelen auf, diejenigen, mit denen wir einen Zusammenhang im Leben gehabt haben in der Weise, daß wir etwa mit ihnen ein gleiches religiöses Bekenntnis hatten, daß wir ein Volk mit ihnen bildeten, in einer gewissen Weise ein Ganzes mit ihnen bildeten. Die Seelen also, welche in unsern irdischen Werdegang hineingestellt waren, treten so auf, daß sich aus diesem Auftreten ergeben kann, wie unsere Seele ihre neue Erdenverkörperung bilden muß, um das zu suchen, was sich als Wirkung aus den früheren Erdenleben ergeben muß im Leben mit den Seelen, welche da auftreten. — Endlich tritt aus dem Dämmerdunkel des Geistigen der Zusammenhang mit Seelen auf oder auch mit anderem Geistigen im Erdenleben, den man einen idealen nennen kann. Nachdem man die Überschau über sein verflossenes Erdenleben erlebt hat, nachdem man die Überschau über die Menschen erlebt hat, die einem im verflossenen Erdenleben nahegestanden haben, die Gemeinschaften, welche einem nahegestanden haben, tritt einem nun lebendig entgegen, welche Menschen einem im Leben als ideale Gestalten entgegengeleuchtet haben, wenn man ihnen auch persönlich ferngestanden hat. Das, was man im Erdenleben seine persönlichen Ideale, seine geistige Welt nennt, das tritt einem am spätesten entgegen.

[ 20 ] And now, more and more new experiences are emerging from the twilight of the spiritual world. What is occurring is what one might call: a connection with those closest to us. We had this connection before we experienced the time prior to the designated midpoint; but we lived with those closest to us in such a way that we worked with them in the spiritual world, that we were connected to them in spirit. Now they are reappearing; now those from our own earthly life are emerging—those with whom we had an unbalanced relationship; those with whom we were related by blood, those who were close to us in life, are reappearing. They reappear in such a way that, through their reappearance, we can assess what remains unresolved within us, what we still owe them, and what we still need to make amends for in relation to them. We feel as connected to these souls who appear as we must feel connected, based on the outcome of our coexistence with them in previous earthly lives. This is the first thing we experience after our own earthly life: how we wish to live together in a new earthly life with the souls with whom we previously lived in a closer way. And as this period progresses, the souls who are more distant from us appear—those with whom we had a connection in life in such a way that, for example, we shared the same religious faith with them, that we formed a people with them, and in a certain sense formed a whole with them. Thus, the souls who were placed within our earthly development appear in such a way that their appearance can reveal how our soul must shape its new earthly incarnation in order to seek what must result as an effect from our previous earthly lives in our life with the souls who appear there. — Finally, out of the twilight of the spiritual realm, the connection with souls—or with other spiritual beings in earthly life—that can be called an “ideal” connection emerges. After one has experienced the overview of one’s past earthly life, after one has experienced the overview of the people who were close to one in that past earthly life and the communities with which one was closely connected, one is now vividly confronted with those people who shone forth as ideal figures in one’s life, even if one was personally distant from them. That which one calls one’s personal ideals and one’s spiritual world during one’s earthly life is the last thing to come to meet one.

[ 21 ] Aus diesen Erlebnissen bildet sich in der Seele selbst die Kraft heraus, sich wieder mit dem Erdenleben zu verbinden. Nur muß ich noch erwähnen, daß auch in der zweiten Hälfte des Daseins zwischen Tod und neuer Geburt das Leben wieder so verläuft, daß es sich in Kreisen, zyklisch, abspielt. Wir müssen da wieder unterscheiden die Zeit des Lebens in jener Außenwelt, wo wir unsere früheren Freunde und Verwandten, unsere Ideale und so weiter erschauen, gleichsam äußerlich objektiv erleben, und dann jene andere Zeit, wo wir ihnen entzogen sind, wo wir sie nur in unserm Innern haben. Das wechselt wieder mit Notwendigkeit für die Seele ab, wie im gewöhnlichen Leben Wachen und Schlafen, Tag und Nacht abwechseln. Und aus den Kräften, die sich in der Seele durch den Anblick alles desjenigen entwickeln, was ich eben charakterisiert habe, entsteht in der Seele die Fähigkeit, zunächst geistig-seelisch sich das Urbild des neuen Erdenlebens auszubilden. Was wir haben fortschicken müssen als die in Gedanken verwandelten Lebenserfahrungen, das schauen wir noch nicht gleich, wenn wir in die zweite Hälfte des Lebens zwischen Tod und Wiedergeburt eintreten. Aber es liegt in dem kreativen Wollen und in dem kreativen Fühlen, daß die Seele dieses Leben als Kraftsteigerung empfindet; und diese Kraftsteigerung bewirkt, daß aus der umliegenden geistigen Substanz sich etwas wie das Urbild zu einem neuen Leben an kristallisiert. In der geistigen Welt ist nämlich ein anderes Verhältnis zwischen dem Wahrnehmen und dem seelischen Erleben, als in der physischen Welt. In der physischen Welt nehmen wir die Außenwelt wahr; sie ist dann in unseren Gedanken darinnen, aber die Gedanken sind passiv. Wenn wir die geistige Welt in der geschilderten Weise erleben, wenn wir die seelischen Überbleibsel unseres vergangenen Lebens, der uns Nahestehenden, unserer früheren Freunde, unserer Ideale, in der geistigen Welt ansehen, so bildet das eine Kraft aus, die uns durchlebt und durchwebt; das macht, daß wir erkraftet werden. Und dieses Erkraftetwerden ist dasselbe, was uns zu einem neuen Erdenleben hintreibt. — Sie werden schon entschuldigen, daß mancherlei Ausdrücke so gewählt werden müssen, daß sie ungewöhnlich sind; aber es werden ja auch für das gewöhnliche Leben ungewöhnliche Verhältnisse geschildert.

[ 21 ] From these experiences, the soul itself develops the strength to reconnect with earthly life. I must also mention, however, that even in the second half of existence—between death and rebirth—life again unfolds in a cyclical, circular pattern. Here we must again distinguish between the time of life in that outer world, where we behold our former friends and relatives, our ideals, and so on—experiencing them, as it were, externally and objectively—and then that other time when we are separated from them, when we have them only within ourselves. This alternates inevitably for the soul, just as waking and sleeping, day and night, alternate in ordinary life. And from the forces that develop within the soul through the contemplation of all that I have just described, the soul’s ability arises to first form, in a spiritual-soul manner, the archetype of the new earthly life. What we have had to send on ahead—the life experiences transformed into thoughts—we do not yet perceive immediately when we enter the second half of life between death and rebirth. But it is through creative will and creative feeling that the soul perceives this life as an increase in strength; and this increase in strength causes something like the archetype of a new life to crystallize out of the surrounding spiritual substance. For in the spiritual world, the relationship between perception and soul experience is different from that in the physical world. In the physical world, we perceive the external world; it is then present within our thoughts, but the thoughts are passive. When we experience the spiritual world in the manner described—when we behold in the spiritual world the soul remnants of our past life, of our loved ones, of our former friends, and of our ideals—this generates a force that permeates and interweaves our being; this is what causes us to be filled with strength. And this filling with strength is the very thing that drives us toward a new earthly life. — You will surely excuse the fact that certain expressions must be chosen in such a way that they are unusual; but after all, circumstances that are unusual even for ordinary life are being described here.

[ 22 ] Immer mehr und mehr treten nun für den Menschen, der sich die äußere geistige Welt um sich herum beleuchtet, die erst unbestimmt gefühlten Kräfte auf, die zu den entflohenen Lebenserfahrungen hingehen. Das Urbild eines neuen Lebens wird immer bestimmter und bestimmter, und das macht, daß der Mensch durch die Kräfte, die in ihn selbst gelegt werden, sich hinuntergetrieben fühlt zum physischen Erdenleben, in der Weise sich hinuntergetrieben fühlt, daß er sich durch dasjenige Elternpaar angezogen fühlt, welches ihm die körperliche Hülle geben kann, die dem in der geistigen Welt geschaffenen Urbilde seines kommenden Erdenlebens am meisten entsprechen kann. Ein Dreifaches verbindet sich also bei der Wiedergeburt des Menschen: das Männliche, das Weibliche und das Geistige. Man kann sagen: Lange bevor der Mensch mit der Geburt in das neue Erdenleben tritt, zieht diese ausgebildete Kraft zu dem betreffenden Elternpaare hin; denn der Mensch ist innerlich, substantiell, diese Kraft, welche sich auswächst, könnte man sagen, als die Kraft, welche zunächst zu dem Urbilde und dann zu dem neuen Erdenleben hintreibt. Aber gerade dabei können sich die verschiedensten Verhältnisse abspielen. Was dabei in Betracht kommt, ist zunächst einmal, daß der Mensch hierbei einen Rückblick hat auf seine früheren Erdenleben. Er gelangt dadurch ganz selbstverständlich zu der innerlichen Sehnsucht nach einem neuen Erdenleben. Aber nun kann das eintreten, daß der Mensch sehr gut in sich fühlt: Du mußt dich auf der Erde verkörpern; aber du kannst nicht bis dahin kommen, wo du dich in einem neuen Erdenleibe so verkörpern kannst, daß du die Lebenserfahrungen ergreifen kannst, welche dir vorangeeilt sind.

[ 22 ] For the person who seeks to shed light on the outer spiritual world around them, the forces—which were at first only vaguely sensed—that are connected to past life experiences are now becoming increasingly apparent. The archetype of a new life is becoming ever more distinct, and this causes the human being, through the forces placed within him, to feel drawn down into physical earthly life—drawn down in such a way that he feels attracted to the particular pair of parents who can provide him with the physical body that most closely corresponds to the archetype of his coming earthly life, as created in the spiritual world. Thus, a threefold union takes place at the time of a person’s rebirth: the masculine, the feminine, and the spiritual. One might say: Long before a human being enters their new earthly life through birth, this developed force is drawn toward the specific pair of parents; for the human being is, inwardly and substantially, this force—which, one might say, grows out of them—as the force that drives them first toward the archetype and then toward the new earthly life. But it is precisely in this process that the most varied circumstances can unfold. What comes into play here, first and foremost, is that the human being looks back on his or her previous earthly lives. Through this, he or she quite naturally arrives at an inner longing for a new earthly life. But now it may happen that the human being feels very clearly within: “You must incarnate on Earth; but you cannot reach the point where you can incarnate in a new earthly body in such a way that you can grasp the life experiences that have gone before you.”

[ 23 ] Betrachten wir diesen Fall, der sich durchaus der geistigen Erfahrung ergibt. Wenn wir im Erdenleben stehen, so machen wir durchaus nicht alle die Erdenerfahrungen, die wir machen könnten. Es braucht ja nicht der Geisteswissenschaft, um dies einzusehen; denn wenn schon im Erdenleben vieles an unserer Aufmerksamkeit vorbeigeht, so muß man um so mehr sagen, daß vieles an uns herandringt, was wir uns nicht zum Bewußtsein bringen. Mit andern Worten: wenn wir achtgeben, dann müssen wir uns gerade gestehen, daß wir nicht die Erfahrungen machen, welche wir machen könnten. Aber die Erfahrungen, die Erlebnisse, kommen doch an uns heran. Wenn wir uns dem Leben gegenüber als Schüler betrachten, so müssen wir sagen: alles das kommt an uns heran. Dieses Erlebnis gehört auch zu unseren Erfahrungen im Leben zwischen Tod und Wiedergeburt. Aber wenn wir in die zweite Hälfte dieses Lebens kommen, haben wir uns davon überzeugt: Du kannst jetzt nicht mit allem, was du dir angeeignet hast, zu dem Punkte kommen, wo du dich mit einem neuen Erdenleben voll verbinden kannst. Da tritt dann die Notwendigkeit ein, sich früher, als es durch die davongeeilten Gedanken notwendig wäre, mit einem neuen Erdenleben zu verbinden — und sich dabei vorzuhalten: Erst in einem weiteren Erdenleben, ja vielleicht erst nach zwei oder drei Erdenleben wirst du an dem Punkte angelangt sein, wo du deine jetzt fortgeeilten Gedanken erlebst. Das wird bei einem solchen Menschen bewirken, daß er nicht das intensive Verlangen nach dem Erdenleben hat, wie er es im anderen Falle haben würde und das Leben voll ergreifen würde. Es gibt die Möglichkeit, daß der Mensch sich nicht intensiv genug mit dem Erdenleben verbindet; er hat wohl die Kraft erlangt, sich wieder zu verkörpern, aber nicht jene Kraft, daß er alles hätte erleben können, was zu erleben war. Daher hat er in einem solchen Falle nicht genug in den 'Tiefen der Seele liegende Freude am Erdenleben. Alles was einen Menschen dazu bringt, das Erdenleben nicht wichtig genug oder nicht voll genug zu nehmen, kommt von dieser Seite her. Und hier zeigt sich dem Geistesforscher etwas, was ihm oft schwer auf der Seele liegt.

[ 23 ] Let us consider this case, which certainly arises from spiritual experience. While we are living on Earth, we by no means have all the earthly experiences we could have. One does not need spiritual science to realize this; for if much already passes our attention by during our earthly life, it must be said all the more that much comes to us that we do not bring to consciousness. In other words: if we pay attention, we must admit that we do not have the experiences we could have. But the experiences, the events, do come to us. If we regard ourselves as students in the face of life, we must say: all of this comes to us. This experience is also part of our experiences in the life between death and rebirth. But when we enter the second half of this life, we have come to realize: You cannot now, with everything you have acquired, reach the point where you can fully connect with a new earthly life. This is when the necessity arises to connect with a new earthly life sooner than would be necessary based on the thoughts that have rushed ahead—and in doing so, to remind oneself: Only in a subsequent earthly life, perhaps even only after two or three earthly lives, will you reach the point where you experience the thoughts that have now rushed ahead. This will result in such a person not having the intense longing for earthly life that they would otherwise have, and thus failing to fully embrace life. There is a possibility that the person does not connect intensely enough with earthly life; they may well have attained the strength to reincarnate, but not the strength to have experienced everything that was to be experienced. Consequently, in such a case, they do not have enough of the “joy of earthly life lying in the depths of the soul.” Everything that leads a person to regard earthly life as not important enough or not to embrace it fully stems from this aspect. And here the spiritual researcher encounters something that often weighs heavily on their soul.

[ 24 ] Als Geistesforscher steht man mit Teilnahme allem Leben gegenüber. Nehmen wir an, man schaue sich als Geistesforscher ein Verbrecherleben an, das im umfassendsten Sinne gegen die menschliche Ordnung gerichtet ist. Man kann, selbst wenn man die Schuld nicht ableugnen will, das tiefste Mitleid mit einem solchen Leben haben und es erklären wollen aus seinem Lebenszusammenhange heraus. Wenn man sich bemüht, für eine solche Frage eine Antwort zu gewinnen, so stellt sich die Antwort so heraus, daß Menschen eigentlich zum Unrecht, zum Verbrechen kommen, die nicht in der Lage sind, durch die angedeuteten Verhältnisse das Leben in seinem vollen Gewicht zu nehmen. Ich habe mich überzeugt, indem ich bis zu der sogenannten Verbrechersprache diesen Dingen nachgegangen bin, daß selbst darin etwas liegt von einem Nicht-wichtigNehmen, von einem Unterschätzen und Verachten des Lebens. Ein solches Nicht-wichtig-Nehmen braucht nicht im Vollbewußtsein zu liegen. Das Vollbewußtsein weiß oft wenig von dem, was in den Tiefen der Seele vorhanden ist. Der Verbrecher entwickelt oft ein starkes Selbstgefühl, er will das Leben; aber in den Tiefen der Seele, zu welchen das Bewußtsein nicht hinunterdringt, da lebt die Lebensverachtung. Daß er nicht den Ort erreicht hat, bis zu dem seine fortgegangenen Gedanken gegangen sind, das ist der Grund, weshalb er das Leben nicht voll ernst nimmt. Man suche in dem Leben von Verbrechern, und man wird finden, daß verächtliche Stimmung gegenüber dem Leben da ist, bis in die Ausdrücke der Gaunersprache hinein. Ungeheuere Rätsel enthüllen sich da dem aufmerksamen Lebensbetrachter. Ich möchte sagen: geistige Frühgeburten sind es, die sich da entwickeln. Deshalb ist es, daß sie nicht die Kraft hatten, weil sie zu früh kamen, das Leben voll ernst zu nehmen, um das im Leben zu entwickelnde Verantwortlichkeitsgefühl im ganzen Sinne des Wortes zu entwickeln. Ein Leben, das wenigstens annähernd bis zu jenem Zeitpunkte gelangt ist, bis wohin die in objektive Wesenheiten verwandelten Gedanken vorangeeilt sind, das wächst am innerlichsten mit dem Erdenleben zusammen; das wächst zusammen mit den Kräften, die nur auf der Erde ausgebildet werden können: des Gewissens, der Erdenliebe, der Verantwortung, das wächst zusammen mit alledem, was das Erdenleben wichtig nimmt, so daß sich Sittlichkeit, Moral entwickelt. Denn man muß gegenüber dem Erdenleben das Gefühl haben, daß man sich ganz mit ihm verbinden muß, wenn rechte Sittlichkeit, rechte Moralität in der Seele erwachsen soll. Das ist zum Beispiel eines, was uns erklärlich wird, wenn wir das menschliche Leben in dem Lichte betrachten, das die Geisteswissenschaft geben kann, und es bereichert in der Tat unsere Gefühle und Empfindungen dem Leben wie den Menschen gegenüber, weil wir, wenn wir sie verstehen, leichter zurechtkommen und uns dem Leben gegenüber leichter orientieren können.

[ 24 ] As a spiritual researcher, one approaches all life with compassion. Let us suppose that, as a spiritual researcher, one examines the life of a criminal, a life that is, in the broadest sense, directed against the human order. Even if one does not wish to deny the guilt, one can feel the deepest compassion for such a life and seek to explain it within the context of that person’s life. When one strives to find an answer to such a question, the answer turns out to be that people who are unable, due to the circumstances described, to take life in its full weight actually end up committing wrongdoing and crime. By investigating these matters down to what is known as “criminal language,” I have become convinced that even there lies an element of not taking life seriously—of underestimating and despising it. Such a failure to take life seriously need not be fully conscious. Full consciousness often knows little of what lies in the depths of the soul. The criminal often develops a strong sense of self; he wants life; but in the depths of the soul, where consciousness does not penetrate, there lies a contempt for life. The fact that he has not reached the place to which his wandering thoughts have gone is the reason why he does not take life fully seriously. Look into the lives of criminals, and you will find that a contemptuous attitude toward life is present, even in the expressions of criminal slang. Enormous mysteries are revealed there to the attentive observer of life. I would say: these are spiritual premature births that are developing there. That is why, having come too early, they lacked the strength to take life fully seriously—to develop, in the fullest sense of the word, the sense of responsibility that must be cultivated in life. A life that has at least come close to the point to which thoughts, transformed into objective entities, have rushed ahead—such a life grows most intimately together with earthly existence; it grows together with the forces that can only be developed on Earth: conscience, love of the Earth, responsibility; it grows together with everything that Earth life holds dear, so that morality and ethical character develop. For one must have the feeling toward Earth life that one must connect with it completely if true morality and ethical character are to grow in the soul. This, for example, is something that becomes clear to us when we view human life in the light that spiritual science can provide, and it truly enriches our feelings and sensibilities toward both life and other people, because when we understand them, we can cope more easily and find our bearings in life more readily.

[ 25 ] Der Geistesforscher findet zum Beispiel ein Leben, welches in der Zeit zwischen Geburt und Tod früher, als es normal ist, entweder durch Krankheit oder durch Unglück abgeschlossen wird. Im wesentlichen wirkt das für das andere Leben zwischen Tod und Wiedergeburt so, daß durch das frühzeitige, sei es durch Unglück oder durch Krankheit herbeigeführte Eindringen in die geistige Welt Kräfte für die Seele geschaffen werden, welche sonst für sie nicht dagewesen wären. So sonderbar es klingt, so paradox es erscheinen mag: was uns aus unserm früheren Erdenleben fehlen kann, um alle Kräfte zu entwickeln, die uns wiederum durch andere Verhältnisse eigen sein können, das kann uns vielleicht nur dadurch kommen, daß wir unser Leben früher abschließen, als es für einen Menschen normal ist. Niemals aber wird die Geisteswissenschaft einem Menschen irgendwie die Berechtigung für einen künstlichen Abschluß des Lebens geben, der von ihm selbst vor dem normalen oder dem durch sonstige Verhältnisse herbeigeführten Lebensende ausgehen könnte.

[ 25 ] For example, the spiritual researcher finds a life that, in the period between birth and death, comes to an end earlier than normal, either due to illness or misfortune. Essentially, this has the effect on the other life—the period between death and rebirth—that the premature entry into the spiritual world, whether brought about by misfortune or illness, creates forces for the soul that would otherwise not have been available to it. As strange as it sounds, as paradoxical as it may seem: whatever we may lack from our previous earthly life to develop all the powers that might in turn be our own through other circumstances—this may perhaps come to us only by bringing our life to an end earlier than is normal for a human being. However, spiritual science will never in any way grant a person justification for an artificial termination of life that might be initiated by the person themselves before the normal end of life or the end brought about by other circumstances.

[ 26 ] Man muß sagen: Gerade wenn man in dieser Weise in das geistige Leben zwischen Tod und Wiedergeburt hineinzusehen versucht, wird man gewahr: ganz andere Kräfte spielen dort, als jene im Leben zwischen Geburt und Tod, aber Kräfte, die sich naturgemäß anreihen, möchte man sagen, an alles, was uns das äußere Leben im Leibe bietet. Offen gestehe ich: Niemals hätte ich durch irgendwelche bloß philosophischen Gedanken, durch irgendwelche Verstandesanstrengungen zu dem kommen können, was ich heute vor Ihnen auszusprechen wagte; nur auf dem Wege der Geistesforschung, der hier so oft geschildert worden ist, können sich diese Dinge ergeben. Wenn man sie aber dann hat und sich fragt: Passen sie zu dem Erdenleben hinzu, zu dem, was wir zwischen Geburt und Tod erleben? — so stellt sich allerdings eine vollständige Anpassung an das Leben dar. Und wenn auch die Frage entstehen könnte: Warum erinnert sich der Mensch nicht an die früheren Erdenleben? so kann geantwortet werden: Der Geistesforscher sieht, indem der Mensch aus dem Leben zwischen Tod und Wiedergeburt heruntersteigt zu einem irdischen Leben, daß er die Kräfte, welche sich an alles zurückerinnern könnten, was ich jetzt erzählt habe, zunächst verwenden muß zur inneren Ausgestaltung, zur plastischen Ausgestaltung seines sinnlich-physischen Leibes, der ja vom Menschen selber plastisch ausgestaltet und auch erhalten wird. Was der Mensch an Kräften aufwendet, um die Dämmerung der ersten Kindesjahre in waches Bewußtsein für das spätere Erdenleben zu verwandeln, was er aufwendet, um den Leib so umzuwandeln, daß das dämmernde Kindheitsleben zum wachen Leben sich umwandeln kann, das ist von denjenigen Kräften aufgewendet, welche der Mensch umwandeln könnte, um sich seiner früheren Erdenleben zu erinnern. In den Leib hinein fließen sie, stark machen sie den Menschen in bezug auf das Leben zwischen Geburt und Tod. Und erst wenn der Geistesforscher seine Seele losreißt von dem physischen Leib, wenn er zu einem Erleben außer dem physischen Leibe kommt, wenn er also die Kräfte wiederum frei macht, welche der Mensch sonst dazu verwendet, um seine Augen zum Sehen zu veranlassen, um seine Ohren zum Hören, seine Glieder zum Bewegen zu bringen, wenn er diese Kräfte anwendet, um rein in der Seele zu erleben, dann dehnt sich sein Blick über den rein geistigen Horizont aus, wo das erlebt wird, was ich heute geschildert habe. Es werden also die Kräfte der Rückerinnerung, die man etwa im Menschen vermuten könnte, vom Geistesforscher in ihrer Umwandelung geschaut.

[ 26 ] It must be said: It is precisely when one tries to look into the spiritual life between death and rebirth in this way that one becomes aware that forces are at work there that are entirely different from those in the life between birth and death—forces that, one might say, are naturally linked to everything that external life in the body offers us. I openly admit: I could never have arrived at what I have dared to express before you today through mere philosophical thoughts or intellectual efforts; these things can only emerge through the path of spiritual research, which has been described here so often. But once one has these insights and asks: Do they fit in with earthly life, with what we experience between birth and death? — then a complete harmony with life indeed becomes apparent. And even if the question were to arise: Why does a person not remember their previous earthly lives? — the answer is: The spiritual researcher observes that as a human being descends from the life between death and rebirth into an earthly life, they must first direct the forces—which could recall everything I have just described—toward the inner shaping, the plastic formation of their sensory-physical body, which is, after all, shaped and maintained by the human being themselves. The forces that a person expends to transform the twilight of early childhood into an alert consciousness for later earthly life—the forces expended to transform the body so that the twilight of childhood can be transformed into an alert life—are drawn from the very forces that a person could otherwise use to recall their past earthly lives. These forces flow into the body, strengthening the human being in relation to the life between birth and death. And only when the spiritual researcher detaches his soul from the physical body—when he attains an experience outside the physical body—when, in other words, he once again frees the forces that human beings otherwise use to make their eyes see, their ears hear, and their limbs move—when he applies these forces to experience purely within the soul— then his gaze extends across the purely spiritual horizon, where what I have described today is experienced. Thus, the powers of recollection—which one might suppose exist in human beings—are observed by the spiritual researcher in their transformed state.

[ 27 ] Man kann sagen: Im Menschen ist der ewige, der unsterbliche Seelenkern. Aber in dem Leben zwischen Geburt und Tod wird er zunächst so verwendet, daß er in den Verrichtungen des sinnlichen Leibes aufgeht. Allerdings kann man mit Bezug auf die heutige Zeit sagen: Wir stehen in einer Übergangszeit, in welcher der Mensch ein neues Verhältnis zum Leibe gewinnen wird, wo er auch einem verstärkten Innenleben des Leibes zueilt. Deshalb fühlt die Geisteswissenschaft die Aufgabe, dasjenige, was sie erkundet, auch mitzuteilen, weil sich die Seele von Leben zu Leben dahin entfaltet, daß sie immer innerlicher und innerlicher sich gestaltet und, indem sie der Zukunft entgegeneilt, das heute Gesagte einsehen wird als ein notwendiges Wissen, ohne welches sie in ihrer ganzen Verfassung nicht wird leben können; und dann wird sich durch ein Wiedereintreten eines natürlichen hellseherischen Zustandes dasjenige als erklärlich ergeben, worauf jetzt aufmerksam gemacht werden konnte.

[ 27 ] One might say: Within the human being lies the eternal, immortal core of the soul. But in the life between birth and death, it is initially employed in such a way that it is absorbed in the activities of the physical body. However, with regard to the present day, one can say: We are in a transitional period in which human beings will develop a new relationship to the body, a period in which they are also moving toward an intensified inner life of the body. That is why spiritual science feels it is its task to communicate what it explores, because the soul unfolds from life to life in such a way that it takes on an ever more inner form, and, as it moves toward the future, it will come to see what has been said today as necessary knowledge, without which it will not be able to live in its entire constitution; and then, through the reemergence of a natural clairvoyant state, what has now been brought to attention will reveal itself as explicable.

[ 28 ] So geht die Geistesforschung, wenn sie von der Unsterblichkeit der Seele spricht, einen anderen Weg als jenen, den eine bloße Begriffsphilosophie gehen kann. Die Geisteswissenschaft tritt nicht so an die Unsterblichkeitsfrage heran, daß sie die Unsterblichkeit beweisen will, sondern sie geht so vor, daß sie zunächst die Wege sucht, wie man die Seele selber finden kann, daß sie die Wege nach der Seele, nach der Wesentlichkeit der Seele sucht. Und hat man die Seele, weiß man, wie sie sich innerlich erlebt, dann hat man nicht nötig, äußerliche philosophische Beweise zu ersinnen für die Unsterblichkeit der Seele. Denn man merkt dann: Was über den Tod hinausführt, was durch ein Leben zwischen Tod und Wiedergeburt durchgeht und zu einem immer wieder erneuerten Erdenleben führt, das ist im Leben zwischen Geburt und Tod schon in uns drinnen, und indem wir es in uns erkennen, erkennen wir es zugleich in seiner Unsterblichkeit. Das ist hier im Leben so gewiß enthalten, wie wir beim Pflanzenkeim wissen: er wird sich entwickeln, indem er ein neues Pflanzenwesen hervorbringen wird. So können wir bei der Seele wissen, daß sie unsterblich ist. Aber vom Pflanzenkeim wissen wir, daß er zur menschlichen Nahrung verwendet werden kann. Ein solches äußerliches Abziehen ist bei dem menschlichen Seelenkern nicht wahrzunehmen; sondern gewiß ist es, daß das, was in der Seele lebt, zugleich die Anwartschaft ist für folgende Erdenleben, und damit die Anwartschaft auf die Unsterblichkeit der Seele, und nicht zu etwas anderem zur Verwendung kommt, wie es beim Pflanzenkeim sein kann. Daher darf man von der Unsterblichkeit einer jeden Seele sprechen.

[ 28 ] Thus, when spiritual science speaks of the immortality of the soul, it takes a different path than that which a mere philosophy of concepts can take. Spiritual science does not approach the question of immortality with the aim of proving immortality; rather, it proceeds by first seeking the paths by which one can find the soul itself—by seeking the paths to the soul, to the essence of the soul. And once one has found the soul—once one knows how it is experienced inwardly—there is no need to devise external philosophical proofs for the immortality of the soul. For one then realizes: What leads beyond death, what passes through a life between death and rebirth and leads to an ever-renewed earthly life—that is already within us in the life between birth and death, and by recognizing it within ourselves, we simultaneously recognize its immortality. This is just as certainly contained within life here as we know of the plant seed: it will develop by bringing forth a new plant being. In the same way, we can know that the soul is immortal. But we know that the plant seed can be used for human nourishment. No such external extraction can be perceived in the core of the human soul; rather, it is certain that what lives in the soul is at the same time the foundation for future earthly lives—and thus the foundation for the soul’s immortality—and is not put to use for anything else, as may be the case with a plant seed. Therefore, one may speak of the immortality of every soul.

[ 29 ] Daß dies, was jetzt gesagt worden ist, heute dem Zeitbewußtsein noch sehr entgegengesetzt ist, habe ich am Anfang der heutigen Betrachtung bereits erwähnt. Wie sollte aber das Zeitbewußtsein in einer wohlgefälligen Weise zu dem hinblicken, was im heutigen und in anderen Vorträgen ausgeführt worden ist? Fühlt sich doch dieses Zeitbewußtsein auf der einen Seite voller Sehnsucht, etwas über die Seele zu wissen; auf der anderen Seite aber ist es wieder darauf erpicht, die Erkenntniskräfte einzuschränken, wenn man etwas wissen will. Man schilt die Geisteswissenschaft oft der Unlogik und des Aberglaubens. Nun, die Geisteswissenschaft kann das ertragen. Denn wenn sie auf die «Logik» blickt, die ihr glaubt gegnerisch sein zu müssen, dann weiß sie, woher es kommt, daß sich Geisteswissenschaft nur so langsam in die Gemüter der Menschen einleben kann. Und wiederum — ich habe so manches Buch und so manche zeitgenössische Erscheinung hier in den Vorträgen erwähnen müssen— kann ich auf ein Buch hinweisen, welches Gedanken über den Tod bringt. Dort findet sich ein merkwürdiges Wort, das ich nur aus formalen Gründen anführe: Die Unsterblichkeit kann nicht bewiesen werden. Selbst Plato und der auf ihm fußende Mendelssohn waren nicht in der Lage, die Unsterblichkeit und die Einfachheit der Seele zu erhärten; denn wenn man auch die Einfachheit der Seele zugeben will, so ist die Seele doch ein Gegenstand des inneren Beharrens, der unbewiesen und unbeweisbar ist. Man braucht sich auf die weiteren Ausführungen nicht einzulassen; denn wer imstande ist, den Satz hinzuschreiben: Plato und selbst Mendelssohn haben aus der Unzerstörbarkeit der Seele nicht ihre Unsterblichkeit beweisen können, der sollte auch nur gleich schreiben: Man kann aus der roten Farbe der Rose ihre Unsterblichkeit nicht beweisen. Denn wenn man von der Unsterblichkeit der Seele redet, dann kann man nicht, wenn man nicht gedankenlos ist, davon sprechen, daß sie nicht unsterblich ist, weil es nicht bewiesen werden kann. — Derlei Dinge werden heute hingeschrieben und stehen in einem Werke, das ein großes Publikum haben wird und auch hat, weil solche Bücher unsern Zeitgenossen gefallen, und weil über solche Dinge, wie sie eben charakterisiert worden sind, hinweggelesen wird. So wird über manches hinweggelesen, was prinzipiell ist bei dem, was sich am stärksten als Gegnerschaft gegen die Geisteswissenschaft aufwirft. Wirft man der Geisteswissenschaft Unlogik vor, so schaue man sich vor allem seine eigene Logik an. Über alle anderen Einwände gegen die Geisteswissenschaft ist hier oft gesprochen worden; ich will deshalb nicht darauf zurückkommen, sondern nur anführen, was ich wie eine Schlußempfindung auch in andern Vorträgen schon vorgebracht habe:

[ 29 ] I already mentioned at the beginning of today’s lecture that what has just been said is still very much at odds with the contemporary sense of time. But how could the contemporary sense of time view what has been discussed in today’s and other lectures in a favorable light? On the one hand, this contemporary mindset is filled with a longing to know something about the soul; on the other hand, however, it is eager to restrict the powers of cognition whenever one seeks to know something. Spiritual science is often criticized for being illogical and superstitious. Well, spiritual science can withstand that. For when it looks at the “logic” that is believed to be opposed to it, it knows why spiritual science can take root so slowly in people’s minds. And again—I have had to mention many a book and many a contemporary phenomenon here in these lectures—I can point to a book that offers reflections on death. There is a curious statement in it, which I cite only for formal reasons: Immortality cannot be proven. Even Plato and Mendelssohn, who built upon his work, were unable to substantiate the immortality and the simplicity of the soul; for even if one is willing to concede the simplicity of the soul, the soul is nonetheless an object of inner conviction that is unproven and unprovable. There is no need to delve into the further explanations; for anyone capable of writing the sentence: “Plato and even Mendelssohn were unable to prove the immortality of the soul from its indestructibility,” should just as well write: “One cannot prove the immortality of a rose from its red color.” For when one speaks of the immortality of the soul, one cannot—unless one is thoughtless—say that it is not immortal simply because it cannot be proven. — Such things are jotted down today and appear in a work that will have—and indeed does have—a large readership, because such books appeal to our contemporaries, and because passages like the ones just described are simply skimmed over. Thus, many points of principle are overlooked, particularly in those arguments that most strongly present themselves as opposition to spiritual science. If one accuses spiritual science of being illogical, one should first and foremost examine one’s own logic. All other objections to spiritual science have often been discussed here; I therefore do not wish to return to them, but only to cite what I have already presented in other lectures as a concluding thought:

[ 30 ] Man fühlt sich mit den Ergebnissen der Geisteswissenschaft doch immer wieder mit den allererleuchtetsten Geistern der irdischen Menschheitsentwickelung einig; haben sie auch Geisteswissenschaft nicht gehabt, denn sie ist erst in unserer Zeit so möglich, wie wir sie heute haben können, so haben sie doch jene Richtung geahnt, in welcher die Geisteswissenschaft sich bewegt. Und wenn auf der einen Seite manches monistische oder sonstige Gemüt von der Unbeweisbarkeit der Unsterblichkeit spricht, so möchte man als Geistesforscher doch auf einen Großen unter den ahnenden Geistern in dieser Beziehung hinweisen, mit dem man sich einig fühlt. — Was sagt denn die Geisteswissenschaft, wenn man sie dem Geiste nach nimmt, über das, was ich auszuführen versuchte? Sie zeigt uns dasjenige in uns, was sich schon zwischen Geburt und Tod so entwickelt, daß es, wenn es vom Leibe befreit wird, alle die Zustände durchmachen muß, die heute geschildert worden sind. Man lernt die Menschenseele, die im Menschenleibe ruht, auch zwischen Geburt und Tod nicht kennen, wenn man nicht weiß, wessen sie zwischen Tod und Wiedergeburt fähig ist. Wenn manche religiöse Bekenntnisse etwa die Geisteswissenschaft nicht mit sich im Einklang fühlen, weil sie eine erweiterte Gottesvorstellung schafft, so kann man diesen religiösen Bekenntnissen gegenüber nur sagen: Wie schwachmütig seid ihr mit eurer Gottesvorstellung, mit eurem religiösen Empfinden! Das kommt einem so vor, als wenn man dem Kolumbus gesagt hätte: Entdecke nicht Amerika, denn warum solltest du dieses unbekannte Land entdecken? In unserm Lande scheint die Sonne so schön; kann man wissen, ob sie in einem andern Lande ebenso schön scheint? — Da hätte der Vernünftige gesagt: Oh, so schön wie hier wird sie überall scheinen! — Der Geisteswissenschafter sieht, was ihm seine Gottesvorstellung ist. Und die ist so, daß er sie als groß empfindet, wie eine leuchtende Geistessonne! Und er weiß, daß schwachmütig sein muß die Gottesvorstellung, schwachmütig die religiöse Empfindung, schwachmütig der Glaube derjenigen, die da sagen: Der Gott, den wir in unserm religiösen Leben verehren, er wird nicht walten in den Welten des geisteswissenschaftlichen Forschers. Aber ist das religiöse Empfinden nur stark genug, so wird es von dieser. Gottesvorstellung des Geistesforschers auch das Leuchten in den Welten des Geistigen empfinden, und die Gottesvorstellung wird durch die Geisteswissenschaft ebensowenig Schaden erleiden, wie sie auch nicht durch Kopernikus und Galilei geschädigt worden ist. Aber die Geisteswissenschaft weiß, daß die Seele schon im Leibe sich für das Leben zwischen Tod und Wiedergeburt vorbereitet; und Sinn und Bedeutung bekommt das Leben zwischen Geburt und Tod, indem wir hinschauen auf das Dasein zwischen Tod und nächster Geburt. Dadurch fühlen wir uns im Einklange mit den Geistern, die zu den erleuchtetsten gehören, von denen einer ahnend vorausnahm, was wir uns heute vor die Seele gestellt haben. Goethe sagte einmal: Ich möchte mit Lorenzo von Medici sagen, daß die auch schon für dieses Leben tot sind, die auf ein anderes nicht hoffen. Mit diesen Worten fühlt sich die Geisteswissenschaft so im Einklange, daß sie weiß: Die Seele muß aufnehmen, was ihr werden kann, indem sie auf dasjenige hinblickt, was ihr außer und nach dem Leben im Leibe werden kann. Wie der Pflanzenkeim nur dadurch eine Berechtigung hat, daß er einem neuen Pflanzenleben entgegenlebt, so ist auch dasjenige, dem wir mit unserer Seele entgegenleben, nicht das, was wir schon in uns haben, sondern das, was wir erhoffen können. Am stärksten beweist sich die Unsterblichkeit dadurch, daß wir nur hinschauen brauchen auf die Kräfte, von welchen wir leben; denn wir leben von den Kräften, die wir uns als die unsterblichen Kräfte erhoffen können. Ja, die Geisteswissenschaft führt uns zu der unser ganzes Leben durchleuchtenden und durchdringenden Grundempfindung, die Goethe so schön mit den eben angeführten Worten ausgesprochen hat. Die Geisteswissenschaft sagt uns, beweist uns und belegt uns das Gefühl dafür, daß derjenige schon für das Leben im Leibe tot ist, der auf das Leben im Geiste und auf das, was die Seele dem Geiste nach für die ganze Welt ist, nicht hoffen kann!

[ 30 ] One finds oneself time and again in agreement with the most enlightened minds in the history of human development on the findings of spiritual science; even though they did not have spiritual science—for it is only in our time that it has become possible in the form we know today—they nevertheless sensed the direction in which spiritual science is moving. And while, on the one hand, some monists or others speak of the unprovability of immortality, as a researcher of spiritual science one would nevertheless like to point to a great figure among the intuitive minds in this regard, with whom one feels in agreement. — What, then, does spiritual science—when taken in its true spirit—say about what I have attempted to explain? It shows us that which within us develops even between birth and death in such a way that, when freed from the body, it must pass through all the states that have been described today. One cannot come to know the human soul that dwells within the human body—even between birth and death—unless one knows what it is capable of between death and rebirth. If certain religious denominations, for example, feel that spiritual science is at odds with their beliefs because it creates a broader conception of God, then one can only say to these religious denominations: How narrow-minded you are with your conception of God, with your religious sensibility! It seems as if someone had said to Columbus: “Do not discover America, for why should you discover this unknown land?” In our country, the sun shines so beautifully; can one know whether it shines just as beautifully in another country? — A reasonable person would have said: “Oh, it will shine just as beautifully everywhere as it does here!” — The spiritual scientist sees what his conception of God is. And that conception is such that he perceives God as great, like a radiant spiritual sun! And he knows that the conception of God must be feeble, the religious sentiment feeble, and the faith of those who say, “The God we worship in our religious life will not reign in the worlds of the spiritual scientist,” must be feeble. But if religious feeling is strong enough, it will perceive the radiance in the spiritual worlds through this conception of God held by the spiritual scientist, and the conception of God will suffer no harm from spiritual science, just as it was not harmed by Copernicus and Galileo. But spiritual science knows that the soul prepares itself for the life between death and rebirth while still in the body; and the life between birth and death gains meaning and significance as we look toward the existence between death and the next birth. Through this, we feel in harmony with the spirits who are among the most enlightened, one of whom intuitively foresaw what we have now set before our souls. Goethe once said: “I would like to say, with Lorenzo de’ Medici, that those who do not hope for another life are already dead in this one.” Spiritual science feels so much in harmony with these words that it knows: The soul must take in what it can become by looking toward what it can become outside and beyond life in the body. Just as the plant seed is justified only insofar as it lives toward a new plant life, so too is that toward which we live with our soul not what we already have within us, but what we can hope for. The strongest proof of immortality lies in the fact that we need only look at the forces from which we live; for we live from the forces that we can hope for as immortal forces. Indeed, spiritual science leads us to the fundamental feeling that illuminates and permeates our entire life, which Goethe so beautifully expressed in the words just quoted. Spiritual science tells us, proves to us, and confirms for us the feeling that anyone who cannot hope for life in the spirit—and for what the soul, in terms of the spirit, is to the whole world—is already dead to life in the body!