From a Fateful Time
GA 64
26 November 1914, Berlin
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From a Fateful Time, tr. SOL
3. Die Menschenseele in Leben und Tod
3. The Human Soul in Life and Death
[ 1 ] In den beiden ersten Vorträgen, mit denen ich diesen Wintervortragszyklus begonnen habe, versuchte ich aus den Impulsen heraus, welche uns die großen Zeitereignisse geben können, innerhalb deren wir leben, Betrachtungen anzuknüpfen an das Wesen der deutschen Geisteskultur, wie sie sich in ihren großen Persönlichkeiten darlebt. Was ich durch diese Betrachtungen versuchte durchleuchten zu lassen, war, daß es im Wesen dieser Geisteskultur liegt, sich immer mehr und mehr zu durchdringen mit dem Bewußtsein der Wirklichkeit des geistigen, des ewigen Daseins. Gewissermaßen ein Spezialkapitel aus dem, wozu es geisteswissenschaftliche Betrachtung bis in unsere Zeit herein gebracht hat, werde ich heute zu geben versuchen, um damit eine Grundlage zu gewinnen für das, was den Inhalt des morgigen Vortrages bilden soll: eine Betrachtung über das Wesen der europäischen Volksseelen. Dadurch möchte ich dann andeuten, wenigstens mit einigen Zügen, welche der Geisteswissenschaft entnommen sind, was diese letztere von ihren Gesichtspunkten aus zum Verständnisse dessen zu sagen hat, was jetzt um uns herum vorgeht.
[ 1 ] In the first two lectures with which I began this winter lecture series, I attempted—drawing on the inspiration that the great historical events in which we live can provide—to explore the essence of German spiritual culture as it is embodied in its great figures. What I sought to illuminate through these reflections was that it lies in the very nature of this spiritual culture to become ever more deeply imbued with an awareness of the reality of spiritual, eternal existence. Today I will attempt to present, in a sense, a special chapter drawn from what spiritual scientific reflection has brought to light up to our own time, in order thereby to lay a foundation for what will form the content of tomorrow’s lecture: a reflection on the essence of the European national souls. In this way, I would like to suggest—at least in broad strokes drawn from spiritual science—what the latter has to say, from its own perspective, toward understanding what is now taking place around us.
[ 2 ] Die Betrachtung, die heute über die Menschenseele in Leben und Tod angestellt sein soll, sie liegt ja zu jeder Zeit als eines der größten Lebensrätsel dem Menschen nahe — in unserer Zeit wohl ganz besonders — wo wir die Frage nach Leben und Tod in so gewaltiger Weise an uns herantreten sehen, wo so Unzählige von dieser Frage durch die Realität des Daseins intensiv berührt werden, wo wir sehen, daß — gleichsam durch die Tatsachen — die edelsten Söhne des Volkes diese Frage in jeder Stunde ihres Daseins gestellt erhalten. Ich habe in den Vorträgen, die ich im Verlaufe der Jahre hier halten durfte, öfter darauf aufmerksam gemacht, wie wir in der Zeit stehen, in welcher solche Fragen wie die nach dem Wesen der menschlichen Seele, nach dem Schicksal der menschlichen Seele und des Menschen überhaupt und ähnliche Fragen einrücken in eine wissenschaftliche Betrachtungsweise, in eine Betrachtungsweise, welche durch die Entwickelung jenes anderen wissenschaftlichen Gebietes gefordert wird, das in den letzten zwei bis vier Jahrhunderten eine so große Vollendung erhalten hat: des naturwissenschaftlichen Gebietes. Das, was gewußt werden kann über das Seelisch-Geistige, in richtig wissenschaftlicher Weise neben dasjenige hinzustellen, was naturwissenschaftlich für die Menschheit erobert worden ist, das ist öfter hier als die Aufgabe der Geisteswissenschaft bezeichnet worden; und es ist auch gesagt worden, daß es nicht wundernehmen darf, wenn diese geisteswissenschaftliche Betrachtungsweise heute noch von der größten Mehrzahl der Menschen abgelehnt wird. Dieses Schicksal teilt ja diese geisteswissenschaftliche Betrachtung mit alldem, was neu in die menschliche Geistes- und Kulturentwickelung eintreten will, und sie teilt es auch mit der Naturwissenschaft selber, die in der ganz gleichen Weise zu ihrer Zeit aufgetreten ist, die Gegnerschaft über Gegnerschaft gefunden hat, und die erst beweisen mußte — aber nur durch Jahrhunderte es erst beweisen konnte —, was sie für die Menschheitentwickelung zu leisten berufen ist. Allerdings in ganz anderer Weise muß sich geistige Betrachtung zu dem stellen, was wir Wissen und Wissenschaft nennen, als die Naturwissenschaft. Gerade damit geistige Betrachtung im echten, besten Sinne wissenschaftlich zu nennen ist, muß sie anders vorgehen, muß sie in anderer Weise an den Menschen herankommen als das, was das Wesen naturwissenschaftlicher Betrachtungsweise ausmacht. In der naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise wenden wir zuerst den Blick hinaus auf die Tatsachen der Natur und des Lebens, und aus der Fülle des Mannigfaltigen, das da auf uns eindringt, erkennen wir die Geserze des Lebens. Was durch die Sinne auf uns eindringt, das wird in uns inneres seelisches Erlebnis, das wird in uns Gedanke, Begriff, Idee. Aber wer fühlte nicht, daß mit diesem Aufsteigen von der vollinhaltlichen Betrachtung der äußeren Mannigfaltigkeit zu der Klarheit — aber auch zu der Abstraktheit — der Ideen und Naturgesetze die Menschenseele mit ihren inneren Erlebnissen sich eigentlich von dem, was man Realität, was man Wirklichkeit nennen könnte, entfernt? Wir haben die volle Fülle der Natur vor uns; wir bemächtigen uns ihrer in der Wissenschaft, aber wir fühlen, wie im Grunde genommen dünn, man könnte sagen wirklichkeitsleer gegenüber der äußeren Wirklichkeit, die Begriffe und Ideen sich darstellen, die für uns die Naturgesetze enthalten. Und so steigen wir auf von der Fülle der äußeren Wirklichkeit, die uns vor den Sinnen ausgebreitet liegt, zu dem — ich möchte sagen — ätherisch dünnen Seelenerlebnis, das wir haben, wenn wir uns der Naturgesetze in unserer Ideenwelt bemächtigt haben. Da entfernen wir uns gewissermaßen von der Natur und ihrer Fülle; aber wir streben nach dieser Entfernung, denn wir wissen, daß wir die Natur und ihre Gesetze nur erkennen können, wenn wir uns von ihr entfernen. Das ist das Höchste, das wir anstreben in der Wissenschaft: das innere Seelenerlebnis in den Ideen und Gedanken.
[ 2 ] The reflection we are to undertake today on the human soul in life and death has, after all, always been close to the human heart as one of life’s greatest mysteries — and particularly so in our time — when we see the question of life and death confronting us with such overwhelming force, when so many are deeply affected by this question through the reality of existence, and when we see that—as it were, through the facts themselves—the noblest sons of the people are confronted with this question at every moment of their existence. In the lectures I have had the privilege of delivering here over the years, I have often drawn attention to the fact that we are living in a time in which questions such as those concerning the nature of the human soul, the destiny of the human soul and of humanity in general, and similar questions are being incorporated into a scientific mode of thinking—a mode of thinking demanded by the development of that other scientific field which has attained such great perfection over the last two to four centuries: the field of the natural sciences. To place what can be known about the soul and spirit, in a truly scientific manner, alongside what has been achieved for humanity through the natural sciences—this has often been described here as the task of spiritual science; and it has also been said that it should come as no surprise if this spiritual-scientific approach is still rejected today by the vast majority of people. This fate is shared by this spiritual-scientific perspective with everything that seeks to enter anew into the development of the human spirit and culture, and it is also shared by natural science itself, which emerged in exactly the same way in its own time, encountered opposition upon opposition, and which first had to prove—though it could only do so over the course of centuries—what it is called upon to achieve for human development. However, spiritual observation must relate to what we call knowledge and science in a very different way than natural science does. Precisely in order for spiritual contemplation to be called scientific in the truest and best sense, it must proceed differently; it must approach human beings in a different way than that which constitutes the essence of the scientific method. In the natural-scientific approach, we first turn our gaze outward to the facts of nature and life, and from the abundance of diversity that assails us there, we recognize the laws of life. What enters our consciousness through the senses becomes an inner, spiritual experience within us; it becomes thought, concept, and idea. But who has not felt that with this ascent from the rich, full-bodied contemplation of external diversity to the clarity—but also to the abstractness—of ideas and natural laws, the human soul, with its inner experiences, actually distances itself from what one might call reality? We have the full abundance of nature before us; we take possession of it through science, yet we feel how, fundamentally speaking, thin—one might say devoid of reality—the concepts and ideas that embody the laws of nature appear to us in comparison to external reality. And so we ascend from the abundance of external reality, which lies spread out before our senses, to what I would call the ethereally thin spiritual experience we have when we have taken possession of the laws of nature in our world of ideas. In a sense, we are distancing ourselves from nature and its abundance; but we strive for this distance, for we know that we can only come to know nature and its laws by distancing ourselves from it. This is the highest goal we strive for in science: the inner experience of the soul in ideas and thoughts.
[ 3 ] Genau den umgekehrten Weg muß die Geistesforschung einschlagen, wenn sie Wissenschaft sein soll. Dasjenige, was letzte Konsequenz des inneren Erlebens der Wissenschaft in bezug auf die äußere Natur ist, das ist Vorbereitung — lediglich Vorbereitung — zu der Erkenntnis des Geistigen, des Seelischen; und es wäre ein völliger Irrtum, wenn man glauben wollte, daß Geisteswissenschaft auf dieselbe Weise vorgehen könnte wie die Naturwissenschaft. Was die Naturwissenschaft als Letztes erstrebt, das ist für die Geisteswissenschaft Vorbereitung: leben im innern Seelenerlebnis, aufgehen in dem, was die Seele innerlich stark macht und was sie nicht aus der äußeren Natur haben kann. Kurz, Wissen und Wissenschaft kann nur Vorbereitung sein zu dem, wozu man zuletzt kommt: zum Anschauen, zum Wahrnehmen der geistigen Welt. Man könnte sagen: In der Naturwissenschaft strebt man Wissen und Wissenschaft an; in der Geisteswissenschaft bereitet man sich dutch Wissen und Wissenschaft vor zu dem, was an die Seele herankommen soll, und alles, was man an Wissen und Wissenschaft haben kann, bleibt im Grunde genommen in der Geisteswissenschaft eine innere Angelegenheit für die Seele. Aber was die Seele, der Geist durchlebt, das führt nicht zu einem bloß Subjektiven, was nur die Einzelseele des Menschen angeht, sondern es führt zu dem, was real, was wirklich ist, so wie die äußere Natur nur wirklich ist.
[ 3 ] Spiritual research must take exactly the opposite path if it is to be a science. What is the ultimate consequence of the inner experience of science in relation to external nature is preparation—merely preparation—for the knowledge of the spiritual and the soul; and it would be a complete mistake to believe that spiritual science could proceed in the same way as natural science. What natural science ultimately strives for is, for spiritual science, a preparation: living within the inner experience of the soul, becoming absorbed in what strengthens the soul from within and what it cannot obtain from external nature. In short, knowledge and science can only be a preparation for what one ultimately arrives at: the contemplation and perception of the spiritual world. One could say: In natural science, one strives for knowledge and science; in spiritual science, one prepares oneself through knowledge and science for what is to reach the soul, and everything one can possess in terms of knowledge and science remains, in essence, an inner matter for the soul within spiritual science. But what the soul and the spirit experience does not lead to something merely subjective—something that concerns only the individual human soul—but rather to what is real, what is truly real, just as external nature is truly real.
[ 4 ] Ich habe ja öfter auf die Art und Weise aufmerksam gemacht, wie diese Vorbereitung zum Anschauen, zum wirklichen inneren Erleben der geistigen Wirklichkeit beschaffen ist. Ich will es von einem gewissen Gesichtspunkte aus auch heute wieder tun.
[ 4 ] I have often drawn attention to the nature of this preparation for observing and truly experiencing spiritual reality from within. I would like to do so again today from a certain perspective.
[ 5 ] Nur durch diese Vorbereitung hindurch kann man die Seele immer weiter und weiter bringen, so weit bringen, daß sich für sie zuletzt das, was geistige Wirklichkeit ist, um sie herum ausbreitet. Die Natur verlassen wir; die ist da. Wir gehen zum Geiste vorwärts. Die geistige Wirklichkeit müssen wir suchen. Wir können nicht von ihr ausgehen, sie ist zunächst nicht da; wir können uns nur für ihre Anschauung vorbereiten. Wenn wir uns aber, innerlich erlebend, für ihr Anschauen vorbereiten, dann tritt sie uns wie eine Gnade, aus der geistigen Dämmerung heraus sich breitend, entgegen. Wir müssen uns ihr Anschauen erwerben.
[ 5 ] Only through this preparation can one lead the soul farther and farther, to the point where, at last, spiritual reality unfolds all around it. We leave nature behind; it is already there. We move forward toward the spirit. We must seek spiritual reality. We cannot start from it—it is not there to begin with; we can only prepare ourselves to perceive it. But when we prepare ourselves to perceive it through inner experience, it comes to meet us like a grace, spreading forth from the spiritual twilight. We must earn the ability to perceive it.
[ 6 ] Das Erste, was notwendig ist, um gewissermaßen die menschliche Seele in ihrer Wirklichkeit zu erleben, ist ein innerliches — nicht Aufpassen, nicht Denken bloß, sondern ein innerliches Erleben desjenigen, was wir sonst nur wie einen Widerschein der äußeren Wirklichkeit haben: der Gedankenwelt, der Gefühlswelt — dessen, was wir sonst in uns verspüren, wenn wir uns der äußeren Natur gegenüberstellen, und was wir wie ein Abbild der Natur betrachten, wie eine Vorstellung, in die die Natur hineinbegeben ist. Das müssen wir, indem wir den Blick von der äußeren Wirklichkeit völlig abwenden, indem wir uns blind und taub machen gegenüber der äußeren Sinneswirklichkeit, stark und intensiv erleben; so erleben, daß wir es als einzige innere Wirklichkeit intensiv anwesend sein lassen in der Seele. Der Naturforscher will ein Naturgesetz als Gedanken aus der äußeren Sinneswirklichkeit herausziehen. Der Geistesforscher gibt sich einem Gedanken, oder auch einem gefühldurchdrungenen Gedanken, im inneren Erleben hin; er läßt gleichsam, indem er weder das Auge noch das Ohr in die äußere Wirklichkeit hinaussendet, das innere Durchwebt- und Durchwirktsein der Seele aufsteigen und wendet die intensivste Aufmerksamkeit diesem inneren Erleben zu; er vergißt sich und die Welt und lebt nur in dem, was er gleichsam in seinem leeren, aber wachen Bewußtsein aus den Tiefen des Seeleniebens heraufsteigen läßt. Und da tritt das Eigentümliche ein: Der Gedanke, dem wir uns in unendlich gesteigerter Aufmerksamkeit durch lange Zeit hindurch hingeben, dieser Gedanke, je stärker er durch unsere innere Kraft wird, um so schwächer wird er gerade in bezug auf das, was er enthält; er wird immer durchsichtiger und durchsichtiger, wird immer ätherischer und ätherischer. Man könnte sagen: Je stärker sich der Geistesforscher anstrengt, um in dem Gedanken anwesend sein zu lassen, was man innere Gedankenkonzentration nennt, desto mehr schwindet der Inhalt des Gedankens dahin. Je mehr wir uns bemühen, den Gedanken fest, gleichsam sichtbar werden zu lassen, wenn wir uns ihm hingeben, desto mehr führt dieses Hingeben dazu, daß er immer mehr und mehr in sich erlöscht, daß er wie in einem Nebel sich auflöst und dann völlig aus dem Bewußtsein entschwindet. Man könnte auch sagen, einen Grundsatz dieses inneren Erlebens damit ausdrückend: je mehr der Gedanke in seiner Schärfe in der Seele erlebt wird, je mehr er durch unser eigenes Zutun an Energie gewinnt, desto mehr erstirbt er in der Seele. Gleichsam epigrammatisch ausgedrückt können wir sagen: Damit der Gedanke das Ziel der Geistesforschung erreicht, muß er in der Seele sterben; und indem er stirbt, macht er ein inneres Schicksal durch, macht er das Schicksal durch, das auch der Keim hat, der in die Erde gesenkt wird, um zu verfaulen: aber aus seinem Verfaulen geht die Kraft zu einer neuen Pflanze hervor. Indem der Gedanke in uns erstirbt in der Gedankenkonzentration, erwacht er zu einem ganz andersartigen Leben; und nicht eher entdeckt man dieses andersartige Leben, als bis der Gedanke in innerer scharfer Konzentration erstorben ist. Man muß aufhören zu denken, um die Seelenpflanze, das, was aus dem Gedanken hervorgeht, in sich aufkeimen zu lassen.
[ 6 ] The first thing necessary to experience, so to speak, the human soul in its reality is an inner—not mere attention, not mere thought, but an inner experience of that which we otherwise have only as a reflection of external reality: the world of thoughts, the world of feelings—that which we otherwise sense within ourselves when we confront external nature, and which we regard as a reflection of nature, as an idea into which nature has entered. We must experience this strongly and intensely by turning our gaze completely away from external reality, by making ourselves blind and deaf to external sensory reality; experience it in such a way that we allow it to be intensely present in the soul as the sole inner reality. The natural scientist seeks to extract a law of nature as a thought from external sensory reality. The spiritual scientist surrenders to a thought—or even a thought imbued with feeling—in inner experience; by sending neither the eye nor the ear out into external reality, he allows, as it were, the soul’s inner interwoven and interpenetrated nature to rise up and directs his most intense attention to this inner experience; he forgets himself and the world and lives only in what he allows to rise up, as it were, from the depths of the soul’s life into his empty yet alert consciousness. And this is where the peculiar phenomenon occurs: the thought to which we devote ourselves with infinitely heightened attention over a long period of time—the stronger this thought becomes through our inner power, the weaker it becomes precisely in terms of its content; it becomes ever more transparent, ever more ethereal. One might say: The more the spiritual researcher strives to maintain what is called inner concentration on the thought, the more the content of the thought fades away. The more we strive to make the thought firm, as it were, visible, when we devote ourselves to it, the more this devotion leads to its gradually fading away within itself, dissolving as if in a mist and then vanishing completely from consciousness. One could also express a principle of this inner experience as follows: the more sharply a thought is experienced in the soul, the more energy it gains through our own intervention, the more it dies out in the soul. To put it epigrammatically, we can say: For the thought to reach the goal of spiritual research, it must die within the soul; and as it dies, it undergoes an inner destiny—the same destiny as the seed that is sown in the earth to rot: yet from its rotting springs the power for a new plant. As the thought dies within us through concentration, it awakens to a completely different kind of life; and one does not discover this different kind of life until the thought has died in sharp inner concentration. One must stop thinking in order to allow the soul-plant—that which emerges from the thought—to sprout within oneself.
[ 7 ] Und was geht dann aus dem Gedanken hervor?
[ 7 ] And what then follows from that thought?
[ 8 ] Es ist in der menschlichen Sprache schwierig auszudrücken, was so aus dem Gedanken hervorgeht, weil ja die menschliche Sprache für die äußeren Sinneserlebnisse geschaffen ist, und nicht schon für die innerlichen Seelenerlebnisse. Man kann daher in gewisser Beziehung nur andeutend die inneren Erlebnisse ausdrücken, die in Betracht kommen. — Indem der Gedanke, energisch gemacht, hinstirbt, erfühlt die Seele innerlich eine aufkeimende Kiaft, eine Kraft, derer sie sich bewußt wird und von der sie in dem Augenblick, da sie sich ihrer bewußt wird, weiß: Das ist geistig-seelische Kraft; das ist etwas, was nicht an deinen Leib gebunden ist; etwas, was du in dir trägst, ohne daß du dazu der Vermittelung deines Nervensystemes und deines Gehirnes bedarfst. Aber indem man also nicht den Gedanken, sondern die Kraft des Gedankens erfaßt, entsteht — wie durch eine innerliche Notwendigkeit — die Frage, die man sich wie mit einem Blitzschlag vorlegt: «Wohin ist der Gedanke gekommen? Er war ja im Grunde genommen du selbst, indem du dich in scharfer Gedankenkonzentration an ihn hingegeben hast. Du lebtest in dem Gedanken, und indem er sich aufgelöst hat und gestorben ist, hat er dich mit sich hinweggetragen. Wo ist er hingekommen? und wo bist du nun angekommen?» — Man muß hier einen Vergleich wählen. So wie wir die Gedanken in uns tragen, die wir uns von der äußeren Natur machen, so wie wir wissen, wir haben die Gedanken, so nehmen wir unmittelbar einen Zustand in uns wahr, durch den wir uns sagen: Der Gedanke, so wie du ihn gehabt hast, ist in deiner Gedankenkonzentration erstorben; aber er ist dadurch zu einem anderen Leben erwacht — und hat dich mitgenommen. Du wirst jetzt von ihm gedacht in der geistigen Welt!
[ 8 ] It is difficult to express in human language what arises in this way from thought, because human language is designed for external sensory experiences, not for inner experiences of the soul. Therefore, in a certain sense, one can only allude to the inner experiences in question. — As the thought, having been energized, dies away, the soul inwardly senses a burgeoning force, a force of which it becomes aware and of which, the moment it becomes aware of it, it knows: This is a spiritual-soul force; this is something that is not bound to your body; something you carry within yourself without needing the mediation of your nervous system and your brain. But by grasping not the thought itself but the power of the thought, the question arises—as if by an inner necessity—a question that presents itself like a bolt of lightning: “Where has the thought gone? After all, it was essentially you yourself, insofar as you had given yourself to it in intense concentration. You lived within the thought, and as it dissolved and died, it carried you away with it. Where has it gone? And where have you now arrived?”—One must draw a comparison here. Just as we carry within us the thoughts we form about the external world, just as we know we have these thoughts, so do we immediately perceive a state within ourselves that leads us to say: The thought, just as you held it, has died in your concentration of thought; but through this it has awakened to another life—and has taken you with it. You are now being thought of by it in the spiritual world!
[ 9 ] Das ist ein erschütterndes, großes, ungeheuer bedeutsames Erlebnis im Leben des Geistesforschers. Denn nur so kann man in die geistige Welt aufsteigen, daß man sich von ihr erfaßt fühlt — wie der Gedanke, wenn er lebendig wäre, sich von uns erfaßt fühlen würde. Und nicht anders kann man im Grunde genommen Unsterblichkeit erleben, als daß man durch seine innere Seelenentwickelung zu appellieren vermag an die unsichtbaren geistigen Wesenheiten, die immer über uns walten — so wie die Naturwesen sichtbar um uns walten — und indem wir an unsere Beziehungen zu diesen geistigen Wesen appellieren, die in dem Augenblick, da der Gedanke hinschwindet, anfangen ihn für sich zu nehmen und uns zu denken. Jetzt beginnt man zu wissen: innerhalb der geistigen Welt sind Wesenheiten, deren Dasein hinausgeht über die bloße Natur; wie wir Menschen mit unsern Gedanken denken, so denken unser geistiges Wesen, so denken den Inhalt unserer Seele diese höheren Genien. Die halten uns, die tragen uns; und dadurch, daß wir in ihnen sind, ist unser über unser leibliches Dasein hinausgehendes unsterbliches Wesen bedingt. Wir sagen uns durch die Geisteswissenschaft: Können wir uns nicht selber halten im Tode, entfällt uns dasjenige, was wir uns im Dasein zwischen Geburt und Tod als inneres Erleben durch die äußere Natur haben schaffen können, so gehen wir durch die Pforte des Todes durch und sehen dann aus den Ergebnissen der Geisteswissenschaft, daß dasjenige, was an uns unabhängig ist vom Leibe, im Grunde genommen Gedanke von höheren Wesenheiten ist.
[ 9 ] This is a profound, momentous, and immensely significant experience in the life of a spiritual researcher. For the only way to ascend into the spiritual world is to feel oneself grasped by it—just as a thought, were it alive, would feel itself grasped by us. And, fundamentally speaking, one can experience immortality in no other way than by being able, through one’s inner spiritual development, to appeal to the invisible spiritual beings who always reign over us—just as the beings of nature visibly reign around us—and by appealing to our connections with these spiritual beings, who, at the very moment the thought fades away, begin to take it upon themselves and to think of us. Now we begin to realize: within the spiritual world there are beings whose existence transcends mere nature; just as we humans think with our thoughts, so do our spiritual beings think, and so do these higher genii think the content of our souls. They sustain us, they carry us; and because we are within them, our immortal being—which transcends our physical existence—is made possible. Through spiritual science, we tell ourselves: If we cannot sustain ourselves in death, if we lose that which we have been able to create for ourselves in life—between birth and death—as an inner experience through external nature, then we pass through the gate of death and see, from the findings of spiritual science, that that which in us is independent of the body is, in essence, the thought of higher beings.
[ 10 ] Nicht so ist es, daß das, was wir geistige Welt nennen, sich in einer ähnlichen Weise wie die äußere Natur um uns herum ausbreitet — was viele erwarten. Die äußere Natur steht vor uns; wir stehen vor ihr, und wir schauen sie an. Indem wir in die geistige Welt aufsteigen, ist das anders. Da dringt die geistige Welt in unser eigenes Erleben, das wir erst umgewandelt haben, hinein; da denken wir nicht über die geistige Welt, da müssen wir innerlich erleben, wie wir gedacht werden. Wir sind gegenüber der geistigen Welt in der gleichen Lage wie unsere Gedanken über die äußere Wirklichkeit gegenüber unserer Seele. Das ist im Grunde genommen das Überraschendste gegenüber der äußeren Wirklichkeit. Es ist die Erfahrung der geistigen Wirklichkeit, die umgekehrt ist gegenüber der der sinnlichen Wirklichkeit, daß wir uns sagen: Gegenüber der geistigen Wirklichkeit, wenn wir sie wirklich erfahren, fühlen wir uns so, wie sich die Natur uns gegenüber in der sinnlichen Wirklichkeit fühlen müßte; wir denken nicht über die geistigen Wesenheiten; wir erleben, daß wir, wenn wir uns zu ihnen erhoben haben, von ihnen gedacht und gehalten werden. Wir werden, wenn man das pedantisch wissenschaftlich ausdrücken will, Objekt der geistigen Welt. Wie wir Subjekt sind gegenüber der äußeren Naturwirklichkeit, so werden wir Objekt gegenüber der geistigen Welt. Und wie die äußere Naturwirklichkeit uns als Objekt gegenübersteht, so erheben wir uns zu einem Erleben der geistigen Wirklichkeit, in welchem wir selber Objekt sind; denn die geistige Wirklichkeit tritt uns als Subjekt — oder als eine Vielheit von Subjekten — entgegen.
[ 10 ] It is not the case that what we call the spiritual world extends around us in a manner similar to that of the external natural world—as many expect. The external natural world stands before us; we stand before it, and we look at it. As we ascend into the spiritual world, it is different. There, the spiritual world penetrates into our own experience, which we have first transformed; there, we do not think about the spiritual world, but must experience inwardly how we are being thought. We are in the same position vis-à-vis the spiritual world as our thoughts about external reality are vis-à-vis our soul. This is, in essence, the most surprising aspect of external reality. It is the experience of spiritual reality—which is the reverse of that of sensory reality—that leads us to say: In relation to spiritual reality, when we truly experience it, we feel the way nature must feel toward us in sensory reality; we do not think about spiritual beings; we experience that, once we have elevated ourselves to them, we are thought of and held by them. To put it in pedantically scientific terms, we become objects of the spiritual world. Just as we are subjects in relation to external natural reality, so do we become objects in relation to the spiritual world. And just as external natural reality stands before us as an object, so do we rise to an experience of spiritual reality in which we ourselves are objects; for spiritual reality confronts us as a subject—or as a multitude of subjects.
[ 11 ] Dieses innere Erleben wird sehr häufig, aber stets nur von denen, die es nicht kennen und die keinen Willen haben, auf dasselbe einzugehen, als etwas Subjektives hingestellt, als eine rein persönliche Angelegenheit. In gewisser Beziehung ist der Einwand, der damit gemacht wird, ganz richtig. Denn was man auf der ersten Stufe der Geistesforschung kennenlernen kann, hat einen subjektiven Charakter; das trägt eine persönliche Nuance in all den Kämpfen, den inneren Überwindungen, die man dabei durchzumachen hat. Und man kann gegenüber diesen ersten Schritten allerdings berechtigterweise den Einwand machen: Der Forscher hat die Aufgabe, die Grenzen der menschlichen Erkenntnis abzustecken, und er sollte sich bewußt sein, daß dasjenige, was über die allgemeinen Grenzen hinausgeht, die uns durch die äußere Natur gezogen sind, im Grunde genommen nur subjektive Erkenntnis sein kann. Der Einwand ist berechtigt, und keiner wird ihn so sehr anerkennen wie der Geistesforscher; aber er gilt nur bis zu einer gewissen Etappe, und zwar aus dem Grunde, weil in Wirklichkeit alles, was man bis dahin subjektiv, persönlich durchmachen kann, nur Vorbereitung ist. In dem Augenblick, wo die Vorbereitung genügend ist, tritt uns die objektive geistige Wirklichkeit wie durch eine Gnade, die als Kraft über uns kommt, selbst entgegen. Das, was als Vorbereitung durchgemacht wird, kann im Grunde genommen für die verschiedensten Menschen ganz verschieden sein; wo sie aber zuletzt ankommen, das ist für alle dasselbe. Auch der Einwand wird oft gemacht, daß die Geistesforscher das, was sie mitteilen, gewöhnlich subjektiv gefärbt mitteilen; der eine sagt so, der andere so über die Tatsachen der geistigen Welt aus. Das ist ganz richtig, aber nur deshalb richtig, weil viele nicht dasjenige mitzuteilen wissen, was sich durch die erwähnte Gnade darbietet, sondern weil es noch ihr Persönliches, ihr Subjektives ist, was sie mitteilen, weil sie es nicht dahin gebracht haben, den Punkt zu erreichen, wo der Geistesforscher vor einer geistigen Welt ankommt, welche so objektiv vor ihm steht, wie die Naturbilder objektiv vor der Menschenseele auftreten. Was gegenüber der geisteswissenschaftlichen Forschung eingewendet wird — ich habe das oft hier gesagt —, dessen Berechtigung sieht der Geistesforscher selber am allerbesten ein.
[ 11 ] This inner experience is very often—but always only by those who are unfamiliar with it and who have no desire to engage with it—portrayed as something subjective, as a purely personal matter. In a certain sense, the objection raised here is entirely correct. For what one can come to know at the first stage of spiritual research has a subjective character; it bears a personal nuance in all the struggles and inner triumphs one must undergo in the process. And one can indeed justifiably raise the objection regarding these first steps: The researcher has the task of demarcating the limits of human knowledge, and should be aware that whatever goes beyond the general limits drawn for us by external nature can, in essence, be nothing more than subjective knowledge. The objection is valid, and no one will acknowledge it more than the researcher of the spiritual world; but it applies only up to a certain stage, for the reason that, in reality, everything one can experience subjectively and personally up to that point is merely preparation. The moment the preparation is sufficient, objective spiritual reality itself comes to meet us, as if through a grace that descends upon us as a force. What is experienced as preparation can, in essence, vary greatly from person to person; but where they ultimately arrive is the same for everyone. The objection is also often raised that spiritual researchers usually convey what they share with a subjective slant; one person describes the facts of the spiritual world one way, another another way. That is quite correct, but it is true only because many do not know how to convey what is presented through the grace mentioned; rather, what they convey is still their personal, subjective perspective, because they have not yet reached the point where the spiritual researcher stands before a spiritual world that appears as objectively before him as images of nature appear objectively to the human soul. The spiritual researcher himself is best able to judge the validity of the objections raised against spiritual scientific research—as I have often said here.
[ 12 ] Wenn die geistige Welt nach genügender Vorbereitung von dem Geistesforscher erreicht ist, dann weiß sich dieser Geistesforscher erlebend in einer unsichtbaren, übersinnlichen Welt. Sein Wissen hat aufgehört, für ihn Bedeutung zu haben. Es ist dieses Wissen durchaus in Erleben, in unmittelbarstes Darinnenstehen vollinhaltlich übergegangen. Und nun tritt für den Geistesforscher das ein, was unmittelbare Wahrheit für ihn wird. Er weiß: Jetzt lebst du in der Welt, in welcher du im Verlaufe von vierundzwanzig Stunden immer drinnen bist; du lebst jetzt in der Geistigkeit, in dem seelischen Dasein, in dem du dich sonst stets — aber unbewußt — im Schlafe befindest. Man lernt durch die Geistesforschung den Zustand des Schlafes kennen, lernt erkennen, daß in diesem die Menschenseele wirklich außerhalb ihres Leibes ist, daß sie gleichsam den Leib vor sich hat, wie man sonst nur die Gegenstände der äußeren Natur vor sich hat. Wodurch lernt man das erkennen? Dadurch, daß man jetzt wirklich in einem Zustande sich befindet, in dem man sonst während des Schlafes ist, nur in ganz entgegengesetzter Weise. Im Schlafe ist es so, daß das Bewußtsein herabgedrückt ist, daß sich Dunkelheit um uns herum ausbreitet. Jetzt aber kann man als Geistesforscher diesen Zustand anschauen, weil man ihn erlebt — aber nicht unbewußt, wie im Schlafe, sondern bewußt. Man weiß: Man ist, indem man aus dem Leibe herausgekommen ist — denn man kommt aus dem Leibe bewußt heraus -, innerlich vereint mit der geistigen Welt; man ist Eins geworden mit der geistigen Welt. —- Und jetzt beantwortet sich die Frage: Warum ist denn gewöhnlich die Seele im Schlafe so, daß sie sich ihrer nicht bewußt ist? Warum ist sie außerhalb ihres Leibes in dem dumpfen, finsteren Zustande? Diese Frage beantwortet sich für den Geistesforscher dadurch, daß er jetzt erkennen kann, was durch seine Vorbereitung weggeschafft ist in seinem inneren Seelensein, und was da ist für die Seele, wenn sie im Schlafe ist. Denn der Geistesforscher kommt durch seine Vorbereitung auf einem Kampffelde, auf einem inneren Kampffelde an, und man kann nur schwer Worte finden, um auszudrücken, was mit einer ungeheuren Intensität, mit einer inneren Tragik an den Menschen herankommt, wenn er es dahin bringen will, daß er den Gedanken zum Auslöschen und zum Wiederaufblühen in einer anderen Sphäre bringen kann. Was sich da in der Menschenseele geltend macht, und was wie bis zu einem Zerreißen der menschlichen Seele führen kann, ist, daß dann, wenn man sich nicht gehörig überblickt, eine innere Opposition, eine innere Rebellion gegen das auftritt, was man innerlich tut. Denn in dem Augenblick, wo der Gedanke sich innerlich auslöscht, empfindet man: je mehr man sich herauslebt aus seinem eigenen Bewußtsein heraus in das Bewußtsein der unsichtbaren geistigen Wesenheiten, die im Uhnsichtbaren walten, desto mehr werden auch innere Kräfte wach, die die heftigste Opposition führen gegen dieses Aufsteigen aus einem Bewußtsein heraus in ein anderes. Man fühlt etwas kommen, was nicht will, daß man es tut. Und . jenes innerliche Uneinswerden, jenes Sichaufbäumen gegen die eigene Tat wird der tragische innere Kampf, den jede eigentliche Geistesforschung intensiv auszufechten hat. Alle Worte sind zu schwach, um das, was so durchlebt werden muß, wirklich zum Ausdruck zu bringen. Denn wenn man so, sich innerlich fühlend, gleichsam sich selbst weggenommen fühlt, wenn man sich hinaufgehoben fühlt in eine andere Sphäre, dann macht sich jene Opposition geltend, welche sagt: «Du willst dich nicht verlieren, aber du tust alles, um dich zu verlieren. Es ist ja der Tod, den du dir bereitest; du lebst ja nicht mit deinem Wesen in dir, du wirst der Gedanke eines andern. Du stirbst in dir!» Und alles, was man mit einem ungeheuren Willen an innerem Tatprotest aufbringen kann, das macht sich geltend wie eine Opposition gegen dieses Aufgehen.
[ 12 ] Once the spiritual world has been attained by the spiritual researcher after sufficient preparation, that researcher finds himself experiencing an invisible, supersensible world. His knowledge has ceased to have any meaning for him. This knowledge has been fully transformed into experience—into the most immediate immersion within it. And now the spiritual researcher experiences what becomes immediate truth for him. He knows: Now you are living in the world in which you are always present over the course of twenty-four hours; you are now living in the spiritual realm, in the soul’s existence, in which you are otherwise always—though unconsciously—during sleep. Through spiritual research, one comes to know the state of sleep, learns to recognize that in this state the human soul is truly outside its body, that it has, as it were, the body before it, just as one otherwise has only the objects of external nature before one. How does one come to recognize this? By the fact that one now truly finds oneself in a state in which one is usually during sleep, only in a completely opposite way. In sleep, consciousness is suppressed, and darkness spreads around us. But now, as a spiritual researcher, one can observe this state because one experiences it—not unconsciously, as in sleep, but consciously. One knows: by stepping out of the body—for one steps out of the body consciously—one is inwardly united with the spiritual world; one has become one with the spiritual world. —- And now the question is answered: Why is it that, ordinarily, the soul is in such a state during sleep that it is not aware of itself? Why is it outside its body in that dull, dark state? For the spiritual researcher, this question is answered by the fact that they can now recognize what has been removed from their inner soul life through their preparation, and what remains for the soul when it is asleep. For through his preparation, the spiritual researcher arrives at a battlefield—an inner battlefield—and it is difficult to find words to express what approaches a person with immense intensity and inner tragedy when he seeks to bring his thoughts to the point of extinction and rebirth in another sphere. What asserts itself in the human soul there—and what can lead almost to the tearing apart of the human soul—is that, if one does not maintain proper self-awareness, an inner opposition, an inner rebellion, arises against what one is doing inwardly. For at the very moment when the thought extinguishes itself inwardly, one senses: the more one lives oneself out of one’s own consciousness and into the consciousness of the invisible spiritual beings who reign in the unseen, the more inner forces awaken that wage the most fierce opposition against this ascent from one consciousness into another. One feels something coming that does not want one to do it. And that inner discord, that rebellion against one’s own action, becomes the tragic inner struggle that every genuine spiritual research must intensively wage. All words are too weak to truly express what must be lived through in this way. For when, feeling this way inwardly, one feels, as it were, torn away from oneself, when one feels lifted up into another sphere, then that opposition asserts itself, saying: “You do not want to lose yourself, but you are doing everything to lose yourself. It is, after all, death that you are bringing upon yourself; you are not living with your own being within you—you are becoming the thought of another. You are dying within yourself!” And everything one can muster with an immense will of inner protest asserts itself as an opposition to this merging.
[ 13 ] Das nächste ist nun: Herr zu werden über jene innere Opposition, über das, was da aus den Tiefen der Seele hervorgeht. Man muß es erst finden, was die Möglichkeit bietet, um aus diesem Zustande herauszukommen. Wenn man es gefunden hat, dann ist es das Zweite, was zu der Gedankenkonzentration hinzutreten muß, was gleichsam unter dem zweiten größten geistigen Gesetz der Entwickelung der menschlichen Seele steht.
[ 13 ] The next step is this: to gain mastery over that inner opposition, over what arises from the depths of the soul. One must first find what offers the possibility of emerging from this state. Once it has been found, it is the second element that must be added to concentration of thought—which, so to speak, falls under the second greatest spiritual law governing the development of the human soul.
[ 14 ] Man fragt sich: Was rebelliert denn eigentlich in dir? Was ist es, was wie ein furchtbarer Rebell sich aufbäumt? Und gerade so, wie man an den Gedanken anknüpft, indem man ihn hat und ihn zum Verschwinden und zum Wiederaufleben in einer anderen Sphäre bringt, so muß man auch jetzt an das anknüpfen, was man schon hat. Und das, was man hat, woran man anknüpfen muß, das ist das, was man das menschliche Schicksal nennen kann. Dieses menschliche Schicksal, es tritt so an uns heran, daß wir seine inneren Schläge — ob im Guten oder Schlimmen — wie von außen an uns herankommend erleben. Wie weit sind wir beim menschlichen Erleben davon entfernt, dasjenige, was das Schicksal ist, als etwas anderes zu nehmen, als was uns «zufällt», was im besten Sinne der «Zufall» ist? Aber man kann beginnen, es anders zu nehmen. Und indem man so beginnt, das Schicksal anders zu nehmen, wird man zum Geistesforscher. Man kann damit anfangen, sich zu fragen: Was bist du denn eigentlich in bezug auf dein Schicksal? Man kann in seine Vergangenheit, die man in der Jugend oder in den Jahren, die man bisher durchlebt hat, zurückblikken und das Schicksal überblicken; man kann auf die einzelnen Ereignisse dieses Schicksals, soweit man ihrer habhaft werden kann, im rückblickenden Nachforschen schauen, und man kann sich die Frage stellen: Was wärest du denn eigentlich, wenn dich dieses Schicksal mit all seinen «Zufällen» nicht getroffen hätte? Und wenn man dieser Frage, die jetzt allerdings eine persönliche sein muß, intensiv zu Leibe geht, so merkt man: Wie auch die Schicksalsschläge liegen mögen, ob sie gut oder schlimm sich angelassen haben — was wir jetzt sind, das sind wir durch alle die guten und bösen Schicksalsschläge; wir sind im Grunde genommen nichts anderes als das Ergebnis dieses unseres Schicksals. Man fragt sich: Was bist . du denn anderes, als das Ergebnis dieses Schicksals? Hätte dieses oder jenes dich nicht betroffen, so hätte es deine Seele nicht durchschüttelt und durchrüttelt, und so wärest du nicht, was du jetzt bist. Und wenn man dann sein gesamtes Schicksal in dieser Weise überblickt, dann findet man, daß man mit seinem jetzigen Ich und seinem ganzen Erleben im Grunde genommen mit dem Schicksal so zusammenhängt wie die Summe in einer Addition mit den einzelnen Summanden und Addenten. Wie die Summe in einer Addition nichts anderes ist als das, was durch die einzelnen Addenten zusammenfließt, so sind wir im Grunde genommen nichts anderes als die Summe aller guten und bösen Schicksalsschläge, die wir durchgemacht haben, und wir wachsen, indem wir eine solche Betrachtung anstellen, mit unserem Schicksal zusammen. Das erste Gefühl, dem wir uns dann hingeben können, ist: Du bist Eins mit deinem Schicksal. Und während man sich früher abgesondert hat von seinem Schicksal, während man sich früher getrennt hingestellt hat als ein besonderes Ich, fließt jetzt das besondere Ich in den Strom dieser Schicksalsereignisse hinein. Aber es fließt so hinein, daß es nicht nur in dem Strom der Gegenwart wie ein Ergebnis dasteht; sondern indem man nach und nach dieses Zusammenfließen erlebt, nimmt das Schicksal unser Ich — das, was wir sind — gleichsam mit. Wir sehen zurück auf den Ablauf der Schicksalsschläge, und wir finden, indem wir auf unser Schicksal sehen, darin unsere eigene Tätigkeit; wir wachsen in das Werden unseres Schicksals hinein. Wir fühlen uns nicht nur Eins mit unserm Schicksal, sondern wir wachsen nach und nach so in unser Schicksal hinein, daß wir uns mit dem Schicksal und seiner Tat vereinigen. Und nun gehört es wieder zu den bedeutsamen, inneren großen Erlebnissen, daß wir uns, auf einen Schicksalsschlag zurückblickend, nicht sagen: er hat uns getroffen, er ist uns durch einen Zufall zugestoßen, sondern daß wir uns sagen: In diesem Schicksal haben wir schon gesteckt; dadurch haben wir uns zu dem erst gemacht, was wir heute sind.
[ 14 ] One wonders: What is it, exactly, that rebels within you? What is it that rears up like a terrible rebel? And just as one builds upon a thought by holding onto it and allowing it to fade away and resurface in another sphere, so too must one now build upon what one already has. And what one has—what one must build upon—is what can be called human fate. This human destiny approaches us in such a way that we experience its inner blows—whether good or bad—as if they were coming at us from the outside. How far are we, in our human experience, from regarding destiny as something other than what “befalls” us, which is, in the best sense of the word, “chance”? But one can begin to view it differently. And by beginning to view fate in this different way, one becomes a researcher of the spirit. One can start by asking oneself: What are you, actually, in relation to your fate? One can look back on one’s past—whether from one’s youth or the years one has lived so far—and survey one’s destiny; one can examine the individual events of this destiny, to the extent one can grasp them, through retrospective inquiry, and one can ask oneself: What would you actually be if this destiny, with all its “coincidences,” had not befallen you? And if one grapples intensely with this question—which, admittedly, must now be a personal one—one realizes: No matter what the blows of fate may be, whether they turned out for the better or for the worse—what we are now, we are because of all those good and bad blows of fate; we are, at the end of the day, nothing other than the result of our own fate. One asks oneself: What else are you but the result of this fate? Had this or that not affected you, it would not have shaken and stirred your soul, and so you would not be what you are now. And when one then surveys one’s entire fate in this way, one finds that one’s present self and one’s entire experience are, in essence, as closely connected to fate as the sum in an addition problem is to the individual addends. Just as the sum in an addition problem is nothing other than what flows together from the individual addends, so we are, in essence, nothing other than the sum of all the good and bad strokes of fate we have endured, and by engaging in such reflection, we grow together with our fate. The first feeling to which we can then surrender is: You are one with your fate. And whereas we used to separate ourselves from our destiny, whereas we used to stand apart as a distinct “I,” now that distinct “I” flows into the stream of these fateful events. But it flows into it in such a way that it does not merely stand there as a result within the stream of the present; rather, as we gradually experience this merging, destiny carries our “I”—that which we are—along with it, as it were. We look back on the sequence of fateful events, and as we look upon our destiny, we find our own activity within it; we grow into the unfolding of our destiny. We do not merely feel at one with our destiny; rather, we gradually grow into it in such a way that we become one with destiny and its workings. And now it is once again one of the significant, profound inner experiences that, looking back on a stroke of fate, we do not say: “It struck us; it happened to us by chance,” but rather that we say to ourselves: “We were already immersed in this fate; through it, we have become what we are today.”
[ 15 ] Eine solche Betrachtung kann nicht nur in Gedanken, in Ideen und Vorstellungen angestellt werden. Jeder Schritt solcher Betrachtung erfüllt sich mit innerer gefühlsmäßiger, lebensvoller Seelenwirklichkeit. Das Zusammenwachsen mit dem Schicksal wird erlebt; das Ich dehnt sich aus über das Schicksal. Und was sich ausdehnt — man lernt es erkennen als etwas ganz anderes denn Gedanke. Als das andere Seelenelement lernt man es erkennen, das in uns vorhanden ist, als den Willen, der vom Gefühl getragen ist. Den Gedanken fühlen wir, indem er sich konzentriert, ersterben und als eine Kraft aufgehen in einer fremden Geisteswelt, von der wir gleichsam gedacht werden; unser Wille, unser gefühlgetragener Wille wächst in die Zeitenweiten zurück, wächst sich aus, so daß er mit unserem Schicksal zusammenfällt, wird immer stärker. Indem wir uns mit unserem Schicksale Eins fühlen, erleben wir nicht das Sterben in den Gedanken, sondern ein immer Lebendiger- und Lebendigerwerden des Willens. Während der Wille zunächst in dem einzigen Punkte unserer Gegenwart konzentriert ist, und wir ihn in unsere Taten und Worte ausfließen lassen, dehnt er sich, wie von einem kleinen Keimpunkte, in dem Zeitenstrom zu dem aus, was nach rückwärts leuchtet, was uns selber gewissermaßen geschaffen hat. Unser Wille — das ist das zweite Gesetz, das hier in Betracht kommt, — indem er sich also hingibt an das Schicksal, sich verliert an das Schicksal, wird innerlich immer stärker und stärker, immer kräftiger und kräftiger. Er geht aus dem Zustande, in dem wir ihn sonst immer haben, in einen ganz anderen Zustand über.
[ 15 ] Such contemplation cannot be limited to thoughts, ideas, and concepts. Every step of this contemplation is filled with an inner, emotional, and vibrant reality of the soul. One experiences a merging with destiny; the “I” expands beyond destiny. And what expands—we learn to recognize it as something entirely different from thought. We learn to recognize it as the other element of the soul that exists within us: the will, which is carried by feeling. We feel the thought as it concentrates, fades away, and merges as a force into a foreign spiritual world, by which we are, as it were, thought; our will, our will borne by feeling, grows back into the vastness of time, expands until it coincides with our destiny, becoming ever stronger. As we feel at one with our destiny, we do not experience the dying of thought, but rather an ever-increasing vitality of the will. While the will is initially concentrated on the single point of our present, and we allow it to flow out into our deeds and words, it expands—as if from a tiny seed—into the stream of time toward that which shines backward, that which, in a sense, has created us. Our will—this is the second law at work here—by surrendering itself to fate, by losing itself in fate, becomes inwardly stronger and stronger, more and more powerful. It transitions from the state in which we usually find it to an entirely different state.
[ 16 ] Der Gedanke erstirbt, um in einem neuen Dasein wieder aufzuleben. Mit dem Willen stehen wir so da, daß er in einem bestimmten Augenblick tot ist gegenüber unserem Schicksal; er ist tot gegenüber den Zufällen des Schicksals. Leiten wir den Willen in innerer Meditation über unser Schicksal hin, so wird er — indem er sich hinopfert und gleichsam immer ergebener wird gegenüber unserem Schicksal, indem er erkennt, daß wir in unserem Schicksal selber leben — immer stärker und stärker. Der Gedanke geht über von seiner Stärke zu seinem Ersterben und zum Wiederaufblühen in einer anderen Sphäre; der Wille geht über von seiner Augenblickswirkung zu einer ungeheueren Breite, indem er der Träger unseres gesamten Schicksals wird. Und hier ist es, wo das Erleben sich wirklich ausdehnt in ein Gebiet, das dem äußeren Erleben nicht zugänglich ist. Dem äußeren Erleben ist nur zugänglich das Gebiet bis zu den Erlebnissen, wo das Bewußtsein erwacht ist, wo das äußere Erinnern beginnt: im dritten, vierten Jahre des Menschen. Wenn wir uns aber wirklich mit unserem Willen durchleben, so daß wir unser Schicksal nicht mehr wie ein Fremdes, wie etwas was «draußen» steht, betrachten, dann bleiben wir auch nicht mehr — und mit der Zeit entwickelt sich dieses innere Erlebnis — mit dem Bewußtsein der Seele in unserem gegenwärtigen Leben stehen. Dann blicken wir zurück in weite, weite Fernen, blicken zurück in Zustände unserer Seele, welche unserer Geburt — oder Empfängnis — vorangegangen sind, blicken hin auf Zeiten, in welchen unsere Seele selbst in der geistigen Welt gelebt hat, bevor sie in das physisch-irdische Dasein hineingerreten ist, schauen zurück auf einen Zustand der Seele, wo sie sich Kräfte vorbereitet hat, um unseren Leib zu ergreifen. Indem wir den Willen also zubereiten, daß wir das Entgegengesetzte von dem durchmachen, was in der Gedankenkonzentration erlebt wird, ergreifen wir unser eigenes, über Geburt und Tod hinausliegendes Leben. Wenn wir den Gedanken ergreifen wollen, müssen wir uns losmachen von der äußeren Wirklichkeit, müssen wir für die äußere Sinneswirklichkeit blind und taub werden, müssen uns ganz in uns zurückziehen; dann wird der Gedanke so verwandelt, daß wir selbst gedacht werden von höheren Bewußtseinen. Mit dem Willen müssen wir das Entgegengesetzte vornehmen: müssen uns in das verbreiten, was sonst nur außer uns stehend ist. Mit dem Gedanken gehen wir in uns hinein; mit dem Willen gehen wir aus uns heraus, gehen in unser Schicksal hinein und finden durch den Durchgang durch unser Schicksal den Weg in die geistigen Welten, wo wir der Wirklichkeit unserer Seele nach in der umfassendsten Wirklichkeit drinnenstehen, in jener Wirklichkeit, die uns auch schon ergriffen hat, bevor wir zum leiblichen Dasein heruntergestiegen sind.
[ 16 ] The thought dies only to be reborn in a new existence. With regard to the will, we find ourselves in a situation where, at a certain moment, it is dead in relation to our fate; it is dead in relation to the vicissitudes of fate. If we direct the will toward our fate in inner meditation, it becomes—by sacrificing itself and, as it were, becoming ever more submissive to our fate, by recognizing that we ourselves live within our fate—stronger and stronger. Thought passes from its strength to its dying away and to its rebirth in another sphere; the will passes from its momentary effect to an immense breadth by becoming the bearer of our entire destiny. And this is where experience truly expands into a realm that is inaccessible to external experience. External experience has access only to the realm up to those experiences where consciousness has awakened, where external memory begins: in a person’s third or fourth year. But when we truly live through our lives with our will, so that we no longer regard our destiny as something foreign, as something that lies “outside” us, then we no longer remain—and over time this inner experience develops—confined to the consciousness of the soul in our present life. Then we look back into vast, vast distances, look back into states of our soul that preceded our birth—or conception—look back to times when our soul itself lived in the spiritual world before it was drawn into physical, earthly existence, and look back to a state of the soul in which it prepared the forces necessary to take hold of our body. Thus, by preparing our will to undergo the opposite of what is experienced in concentration of thought, we take hold of our own life, which lies beyond birth and death. If we wish to grasp the thought, we must detach ourselves from external reality; we must become blind and deaf to external sensory reality; we must withdraw entirely into ourselves; then the thought is transformed in such a way that we ourselves are thought by higher consciousnesses. With the will, we must undertake the opposite: we must expand into that which otherwise stands only outside of us. With thought, we go within ourselves; with the will, we go out of ourselves, enter into our destiny, and, by passing through our destiny, find the path into the spiritual worlds, where—in accordance with the reality of our soul—we stand within the most all-encompassing reality, that reality which had already taken hold of us even before we descended into physical existence.
[ 17 ] Was ich so — scheinbar theoretisch — ausführe, ist nur die Schilderung der inneren Erlebnisse, welche der Geistesforscher durchzumachen hat, um zu der Erkenntnis der geistigen Welt aufzusteigen, um zum Anblick der geistigen Welt zu kommen. In bezug auf die äußere Natur geht die Natur voraus, und das Wissen folgt nach; in bezug auf die geistige Natur geht das Wissen — das heißt was so verläuft wie ein Wissen — als Vorbereitung voran; der Anblick folgt nach. Und nun erkennen wir uns in dem, was im Grunde genommen immer in uns lebt, was aber die Menschheit auch wird wissenschaftlich betrachten müssen, wenn die Kulturentwickelung geistig weitergehen soll; damit aber dies durch die fortschreitenden Kräfte der Entwickelung in das Bewußtsein hereintreten kann, muß das wissenschaftliche Ergreifen dieser Vorgänge vorangehen. Selbstverständlich — man sollte das gar nicht zu erwähnen brauchen — «machen» wir nicht das seelische Erleben, indem wir es so geisteswissenschaftlich erfassen; sondern wir nehmen dasjenige in uns wahr, was immer in uns ist. Aber wie in der Naturerkenntnis das Erleben und die Erkenntnis sich aus dem Anschauen herausentwickelt, so muß sich in der Geisteswissenschaft aus dem Wissen über die geistigen Vorgänge die Anschauung der geistigen Welt herausentwickeln, wenn die Menschheitentwickelung vorwärts gehen soll. Und was man erkennt, ist dasjenige, was unabhängig ist von dem äußeren physischen Leib, was diesen gleichsam anzieht, indem es aus der geistigen Welt in die physische herabsteigt.
[ 17 ] What I am describing here—seemingly in theoretical terms—is simply an account of the inner experiences that the spiritual researcher must undergo in order to rise to an understanding of the spiritual world, to come to a vision of the spiritual world. With regard to external nature, nature comes first, and knowledge follows; with regard to the spiritual realm, knowledge—that is, what proceeds as knowledge—goes ahead as preparation; the vision follows. And now we recognize ourselves in what, in essence, always lives within us, but which humanity will also have to examine scientifically if cultural development is to proceed spiritually; but for this to enter into consciousness through the advancing forces of development, the scientific grasping of these processes must precede it. Of course—one should not even need to mention this—we do not “create” the spiritual experience by grasping it in this way through spiritual science; rather, we perceive within ourselves that which is always within us. But just as in the study of nature, experience and knowledge develop out of contemplation, so too in spiritual science must the contemplation of the spiritual world develop out of knowledge of spiritual processes if human development is to move forward. And what one recognizes is that which is independent of the outer physical body—that which, as it were, draws the body toward itself by descending from the spiritual world into the physical one.
[ 18 ] Aber auch im gewöhnlichen Alltagsleben leben wir uns aus dem Leibe heraus, indem wir — aus Gründen, die hier schon öfter erörtert worden sind — abwechselungsweise immer im Laufe von vierundzwanzig Stunden in den Schlafzustand übergehen. Und wenn wir den Schlafzustand betrachten, können wir die Frage aufwerfen: Warum dämpft sich das, was in das geistige Bewußtsein sonst hereingeht, während des Schlafes ab? Warum ist dann Finsternis um uns herum? Und wir erkennen dann durch Geisteswissenschaft eben in dem Augenblick, wo die Seele sich durch wirkliche Vorbereitung in Gedankenkonzentration und Meditation selber kraftvoll ergreift, wie diese Kraft in den Leib hineingeht, und wir erkennen auch, weil wir dann die innere, unsterbliche Kraft erfassen, was sie im gewöhnlichen Schlaf verdunkelt, was es unmöglich macht, daß man die geistige Wirklichkeit im Schlaf anschaut, wenn man aus dem Leibe heraus ist. Wenn man dies prüft, wenn man die geistige Wirklichkeit anschaut, die sonst verfinstert ist, so merkt man: Da ist in der Seele ein Übermaß von Wunsch vorhanden, ein Überwuchern von Begierden, ein gefühlsmäßiges Durchdrungensein intensivsten Wunschlebens, ein viel stärkeres Wunschleben, als dann vorhanden ist, wenn die Seele wieder in den Leib untertaucht und aufwacht. Und was wünscht die Seele im Schlafe? Das ist durch die geisteswissenschaftliche Forschung anzuschauen: Im Schlafe begehrt die Seele in intensiver Weise wieder unterzutauchen in den physischen Leib, in das, was sie verlassen hat. Und indem der Wunsch, in den Leib wieder unterzutauchen, in der Seele überwältigend stark ist, löscht dieser Wunsch, wie ein Nebelgebilde die Klarheit überzieht, für die Seele das aus, was sie sonst, als der geistigen Welt angehörig, wahrnehmen würde: das Bewußtsein höherer Wesen und ihr Erleben, ihr — der Seele — Enthaltensein in höheren Wesen — und ihr Enthaltensein in diesen vor Geburt und Tod. Weil aber die Seele die Kräfte braucht, welche ihr aus der geistigen Welt allein kommen können, wie der Leib die Kräfte braucht, die aus der - Atomenwelt kommen können, so muß sie immer wieder in die geistige Welt untertauchen; weil sie aber immer wünscht, in den Leib unterzutauchen, so bleibt ihr Bewußtsein für die geistigen Vorgänge ausgelöscht, auch dann, wenn sie leibfrei im Schlafe ist. Was der Mensch in seinem Leibe erlebt, das wird er niemals ohne diesen Leib zunächst unmittelbar erleben können. Was er in diesem Leibe erlebt, das ist, daß die geringe Kraft, die er in seiner Seele hat, um das Geistige unmittelbar anzuschauen, überwuchert wird im gewöhnlichen Leben durch die Begierde nach dem Leibe, und daß diese Kraft im Leibe, wo die Seele diese Kraft hat, immer stärker und stärker wird. Die Seele lernt im Leibe Bewußtsein, Selbstbewußtsein zu entwickeln. Das ist das Wesentliche dieses Leibeslebens. Die Seele macht dieses Leben im Leibe durch, nicht wie in einem Kerker, nicht wie eine Gefangenschaft, sondern wie etwas, was ihr zum Gesamterleben notwendig ist. Denn die Seele kann das, was sie sein soll, nur werden, und dieses Erleben geht über von einem dumpfen zu einem hellbewußten. Die bewußten Kräfte aber werden zuerst im Leibe angeregt. Wenn die Seele gleichsam ihre Befriedigung hat, widmet sie sich dem Überschattetwerden von der Bewußtheit. Die Bewußtheit geht als eine Kraft in sie über. Und dann — das wird ja insbesondere durch die Geisteswissenschaft klar —, wenn die Seele im Leibe das «Bewußtwerden» erlebt, dann behält sie das Nacherlebnis dieses Bewußtseins. Da tritt etwas in Kraft, was höher ist als die gewöhnliche Erinnerung, aber doch ähnlich ist der gewöhnlichen Erinnerung. Wir erinnern uns im Leben durch unser gewöhnliches Gedächtnis an das, was wir an Erlebnissen durchgemacht haben; das können wir wieder in die Seele heraufrufen. Was die Seele im Leibe erlebt: diese Aufhellung des Bewußtseins, dieses Durchkraften mit dem Bewußtsein, diese Erinnerung des Selbstbewußtseins, das tritt beim Geistesforscher — wenn er das durchmacht, wovon ich gesprochen habe —, so auf, daß er in seiner Seele das Erlebte im Leibe anwesend hat wie in einer Erinnerung. Das müssen wir festhalten.
[ 18 ] But even in ordinary everyday life, we live life to the fullest by—for reasons that have already been discussed here on several occasions—alternately entering a state of sleep at various times over the course of twenty-four hours. And when we consider the state of sleep, we may ask: Why does that which normally enters our spiritual consciousness diminish during sleep? Why is there darkness around us then? And through spiritual science, we come to realize—precisely at the moment when the soul, through genuine preparation in concentration of thought and meditation, powerfully seizes hold of itself—how this power enters the body, and we also recognize—because we then grasp the inner, immortal force—what obscures it during ordinary sleep, what makes it impossible to perceive spiritual reality while asleep, when one is out of the body. When one examines this, when one beholds the spiritual reality that is otherwise obscured, one realizes: There is an excess of desire present in the soul, an overgrowth of cravings, an emotional immersion in the most intense life of desire—a life of desire far stronger than that which exists when the soul re-enters the body and awakens. And what does the soul desire in sleep? This must be examined through spiritual scientific research: In sleep, the soul intensely longs to re-enter the physical body, into that which it has left behind. And because the desire to re-enter the body is overwhelmingly strong within the soul, this desire—just as a mist obscures clarity—erases for the soul what it would otherwise perceive as a member of the spiritual world: the awareness of higher beings and their experience—the soul’s — being contained within higher beings — and its being contained within them before birth and after death. But because the soul needs the forces that can come to it solely from the spiritual world—just as the body needs the forces that can come from the atomic world—it must repeatedly re-enter the spiritual world; yet because it always desires to re-enter the body, its awareness of spiritual processes remains extinguished, even when it is bodyless in sleep. What a person experiences in his body, he will never be able to experience directly—at least not initially—without that body. What he experiences in this body is that the meager power he possesses in his soul to perceive the spiritual directly is overwhelmed in ordinary life by the craving for the body, and that this power becomes ever stronger and stronger within the body, where the soul possesses it. In the body, the soul learns to develop consciousness and self-consciousness. This is the essence of this bodily life. The soul undergoes this life in the body—not as if in a dungeon, not as if in captivity, but as something necessary for its overall experience. For the soul can only become what it is meant to be, and this experience progresses from a dull state to one of clear consciousness. But the conscious powers are first aroused within the body. When the soul, so to speak, finds its fulfillment, it devotes itself to being overshadowed by consciousness. Consciousness passes into it as a force. And then—as spiritual science makes particularly clear—when the soul experiences “becoming conscious” within the body, it retains the aftereffect of this consciousness. Something then comes into play that is higher than ordinary memory, yet similar to it. In life, through our ordinary memory, we recall the experiences we have gone through; we can bring these back into the soul. What the soul experiences in the body—this brightening of consciousness, this permeation by consciousness, this recollection of self-consciousness—occurs in the spiritual researcher—when he goes through what I have described—in such a way that he has the experience lived in the body present in his soul as if in a memory. We must bear this in mind.
[ 19 ] Der Geistesforscher lebt hinauf in eine geistige, höhere Welt; er wird gleichsam Gedanke höherer Wesenheiten. Aber indem er sich durchdringt mit dem, was die Geistesforschung geben kann, wird das, was sonst Rebellion wird, zu einem solchen inneren Erlebnis, daß er jetzt, indem er sich in die geistige Welt hinauflebt, wie mit einer Erinnerung an sein Leibesleben behaftet bleibt. Jetzt weiß er: dieses Leibesleben gehört doch zu dir. Und jetzt streift sich durch die Erinnerung, die man sich durch die Ausbreitung über das Schicksal errungen hat, diese Rebellion ab. Man weiß: jetzt ist man nicht dem geistigen Tode in der geistigen Welt ausgesetzt. Denn wie man auch in die Bewußtseine höherer Wesenheiten aufgehen mag: man lebt sich so hinauf, daß die Gedanken zwar erfaßt werden von den höheren Wesenheiten, aber wir in der Kraft des inneren Erlebens bleiben; wir erhalten uns, wir behalten uns, wenn wir uns in die höheren Bewußtseine hinaufleben, wie sich die Gedanken in dem Bewußtsein der höheren Wesenheiten erhalten. Was wir als Erinnerung im Gedächtnis behalten, ist nicht Wirklichkeit, bevor wir es nicht aus dem Gedächtnis heraufholen. Wie es da unten im dumpfen Unterbewußtsein ist, interessiert es zunächst den Menschen nicht; da hat es keine Realität. Deshalb nannte ich das, als was sie der Geistesforscher dann hat, etwas wie eine höhere Erinnerung, die doch der Erinnerung ähnlich ist. Es ist, wenn wir uns in die Bewußtseine höherer Wesenheiten hinaufleben, wie wenn alle unsere Gedanken selbständige Wirklichkeit behielten, und der Strom unserer Erlebnisse nicht bloß für unser Gedächtnis wie ein Strom ist, der da ist, daß wir ihn in die Erinnerung hinaufziehen, sondern wie wenn die Erlebnisse in ihrer eigenen geistigen Wirklichkeit in ihm schwänmen. So leben wir uns durch das Erlebnis, das angedeutet worden ist, durch die Erinnerungen in eine höhere Welt hinauf, aber diese Erinnerungen sind wir selber, in unserm eigenen Erinnern uns erfassend. Es ist kaum etwas anderes wie ein Gleichnis, aber es drückt den Tatbestand aus, wenn man sagt: Indem die Seele durch Meditation, durch Gedankenkonzentration und durch Willensausgießung über das Schicksal sich weiterentwickelt, wird die Menschenseele etwas für diejenigen Wesenheiten, die sie aufnehmen in ihr Bewußtsein, und die sie halten in den Regionen, in denen sie lebt nach dem Tode und vor der Geburt. Aber wie die Gedanken nur ein Dasein haben, das von uns geborgt ist, so leben wir uns hinauf in die «Gedankenschaft» der höheren Bewußtseine, und indem diese auf uns zurückblicken, blicken sie zurück als auf selbständig gebliebene Wesenheiten. Indem wir uns in unserm Schicksal ergriffen haben, erhalten wir uns in dem Bewußtsein höherer Wesenheiten.
[ 19 ] The spiritual researcher lives in a higher, spiritual world; he becomes, as it were, the thought of higher beings. But as he immerses himself in what spiritual research has to offer, what would otherwise become rebellion transforms into such an inner experience that, as he lives his way up into the spiritual world, he remains, as it were, imbued with a memory of his physical life. Now he knows: this physical life does indeed belong to you. And now, through the memory gained by expanding one’s understanding of destiny, this rebellion is cast aside. One knows: one is not now exposed to spiritual death in the spiritual world. For however one may merge into the consciousness of higher beings: one ascends in such a way that, while thoughts are indeed grasped by the higher beings, we remain within the power of inner experience; we preserve ourselves, we retain ourselves as we ascend into the higher consciousnesses, just as thoughts are preserved within the consciousness of the higher beings. What we retain as a memory in our mind is not reality until we bring it up from memory. People are not initially interested in what lies down there in the dull subconscious; there it has no reality. That is why I called what the spiritual researcher then possesses something like a higher memory, which is nevertheless similar to memory. When we live our way up into the consciousness of higher beings, it is as if all our thoughts retained an independent reality, and the stream of our experiences is not merely, for our memory, like a stream that is there so that we can draw it up into memory, but rather as if the experiences were flowing within it in their own spiritual reality. Thus, through the experience that has been described, through our memories, we ascend into a higher world; yet these memories are ourselves, grasping ourselves within our own remembrance. It is hardly more than a parable, but it expresses the reality of the matter when one says: As the soul develops further through meditation, through concentration of thought, and through the pouring out of the will over destiny, the human soul becomes something for those beings who take it into their consciousness and who hold it in the regions where it lives after death and before birth. But just as thoughts have only an existence borrowed from us, so do we ascend into the “community of thoughts” of the higher consciousnesses; and as these look back upon us, they regard us as beings that have remained independent. By having taken hold of our destiny, we maintain our presence in the consciousness of higher beings.
[ 20 ] Alles, was ich so ausdrücke, ist nur das Wissen über den Tatbestand, der für die Seele immer da ist. Denn was der Geistesforscher so erlebt, ist nichts anderes als das Wissen über das, was die Seele erlebt, wenn sie durch die Pforte des Todes über die äußere Realität hinausgeht. Aber wie die äußeren Naturgeschehnisse vor sich gehen, ohne daß wir zunächst von ihnen wissen, so geht auch der Tod an uns vorüber und macht die Seele zu dem, wozu er sie machen muß. Aber im Verlaufe der Menschheitsentwickelung muß der Mensch wissen lernen, was der Tod aus der Seele macht; durch die Geisteswissenschaft muß er sich Wissen aneignen über das, was man nennt: den Zugang zu dem Rätsel des Todes. Deshalb hat man das, wozu der Geistesforscher in seiner inneren Seelenentwickelung kommt, mit einem gewissen Recht «ein Hinkommen bis an die Pforte des Todes» genannt. Schon aus der Betrachtung, die über den Schlaf angestellt wurde, zeigt es sich, daß die Menschenseele in dem rein geistigen Dasein «durchdumpft» ist von der Begierde nach dem Leibe. Wenn sie durch die Pforte des Todes geht und sich loslöst von dem Leibe, bleibt sie nicht durchdumpft von dieser Begierde. Sondern indem sie sich dem Leibe entzieht, wird sie geheilt von der Begierde nach dem Leibe, es drängt sich die Begierde aus der Seele heraus, und das Zusammensein mit der geistigen Welt lebt sich in der Seele aus. Die Seele lernt sich erleben in der geistigen Welt. Aber sie wäre unselbständig, wenn sie nicht durch den Tod hindurchgegangen wäre. Durch den Tod muß die Seele hindurchgehen, weil er die größte Tatsache, das größte Erlebnis für sie ist. Wie wir durch die Geburt untertauchen müssen in den Leib, so müssen wir aus dem Leib herausgehen, durch den Tod durchgehen, müssen sterben, um durch das Erlebnis des Todes, des Sterbens, uns als ein Selbst in der geistigen Welt zu erfassen. Wir werden zu einer Erinnerung höherer Bewußtseine, indem wir das Gegenwartsbewußtsein abstreifen, das wir im Leibe haben; und nach dem Tode steht uns das, was uns unser Selbst gibt, in einer anderen Weise gegenüber, als es uns gegenübersteht in der Form unseres Selbstes zwischen Geburt und Tod. Zwischen Geburt und Tod stehen wir so im Leben darinnen, daß wir unser Selbst verlieren, wenn das Bewußtsein herabgedämpft wird, daß wir das verdunkeln, was wir im Schlafe erleben. Gleichzeitigkeit ist vorhanden zwischen uns und unserm Leib, aber auch zwischen uns und unserm Selbstbewußtsein. Nach dem Tode wird das anders. Was im gewöhnlichen Leben zwischen Geburt und Tod gleichsam das gewöhnliche räumliche Verhältnis ist zu unserem Raumesleib, das wird nach dem Tode zu einem Verhältnis zu unserm Zeitensein. Nach dem Tode blicken wir zurück auf das, was wir im Leibessein durchgemacht haben, und in diesem Zurückblicken, in dieser Rückschau, in diesem Verbundensein mit dem Leibessein fühlen wir unser Selbstbewußtsein, fühlen wir uns als Selbst. Zeitlich wird da das Verhältnis zu unserm Selbst. Indem wir hinblicken auf unsere geistige Umgebung, gehen wir auf in die höheren Wesen, in die wir uns einleben. Wir behalten unsere Selbständigkeit, unser volles Selbstbewußtsein nach dem Tode, indem wir mit unseren Erinnerungen untertauchen in das verflossene Leibesleben — so wie wir jeden 'Tag untertauchen in das Raumes-Sein, um zu unserem Selbstbewußtsein zu kommen.
[ 20 ] Everything I express in this way is merely knowledge of the reality that is always present for the soul. For what the spiritual researcher experiences is nothing other than knowledge of what the soul experiences when it passes through the gate of death and moves beyond external reality. But just as external natural phenomena unfold without us initially being aware of them, so too does death pass us by and transform the soul into what it must become. Yet in the course of human evolution, people must learn to understand what death does to the soul; through spiritual science, they must acquire knowledge of what is called “access to the mystery of death.” That is why what the spiritual researcher attains in his inner soul development has, with some justification, been called “reaching the threshold of death.” Even from the consideration of sleep, it becomes evident that in its purely spiritual existence, the human soul is “saturated” with the longing for the body. When it passes through the gate of death and detaches itself from the body, it does not remain steeped in this longing. Rather, by withdrawing from the body, it is healed of the longing for the body; the longing is driven out of the soul, and communion with the spiritual world unfolds within the soul. The soul learns to experience itself in the spiritual world. But it would be dependent on others if it had not passed through death. The soul must pass through death, for death is the greatest reality, the greatest experience for it. Just as we must, through birth, enter into the body, so must we emerge from the body, pass through death, and die—in order to perceive ourselves as a self in the spiritual world through the experience of death and dying. We become a memory of higher states of consciousness by shedding the consciousness of the present that we have in the body; and after death, what our Self gives us confronts us in a different way than it does in the form of our Self between birth and death. Between birth and death, we exist in life in such a way that we lose our self when consciousness is subdued, obscuring what we experience in sleep. Simultaneity exists between us and our body, but also between us and our self-consciousness. After death, this changes. What in ordinary life between birth and death is, so to speak, the ordinary spatial relationship to our physical body becomes, after death, a relationship to our existence in time. After death, we look back on what we have gone through in our physical existence, and in this looking back, in this retrospective, in this connection with our physical existence, we feel our self-consciousness; we feel ourselves as the self. In this context, the relationship becomes one with our self in terms of time. As we gaze upon our spiritual surroundings, we merge into the higher beings into whom we become attuned. We retain our independence, our full self-awareness after death, by immersing ourselves with our memories in the past physical life—just as we immerse ourselves every day in spatial existence in order to arrive at our self-awareness.
[ 21 ] So geht die Menschenseele durch das volle Erleben durch, welches den Tod mitumfaßt, zu welchem der Tod gehört wie etwas, was notwendig ist; denn zum Selbstbewußtsein in der geistigen Welt gehört das Erleben des Todes in der Sinneswelt. Damit können wir zu gleicher Zeit darauf hindeuten — aber eben nur hindeuten; in den folgenden Vorträgen dieses Winters wird das genauer ausgeführt werden —, wie sich dieses Erlebnis des Todes darstellt. Gewiß: unmittelbar, indem der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, wird er sich dessen unbewußt bleiben, was er erlebt. Aber indem er sich weiter in die geistige Welt einlebt, stärkt er sich mit den Kräften, die ihm aus der geistigen Welt erfließen können, und reinigt sich von den Kräften, welche ihm zwischen Geburt und Tod als Begierde nach dem Leibe das geistige Bewußtsein durchdumpfen; und in diesem innerlichen Sichklären von der Dumpfheit erwächst ihm der Rückblick in das eigene Selbst, und damit erwächst ihm dann auch die Einsicht in die geistige Welt. Es tritt gleichsam das Erlebnis nach dem Tode so auf, daß die Erinnerung an das Todeserlebnis nach und nach erst in der Menschenseele sich ergibt, indem der Mensch nach dem Tode in die geistige Welt eindringt. Dann aber, beim jedesmaligen Rückblicken auf das Erdenleben, ist es für den Menschen so, daß sein Selbstbewußtsein ebenso aufblüht, wie beim gewöhnlichen Erwachen das Selbstbewußtsein innerhalb der Sinneswelt aufblüht.
[ 21 ] Thus the human soul passes through the full experience that encompasses death, to which death belongs as something that is necessary; for self-consciousness in the spiritual world includes the experience of death in the sensory world. With this, we can at the same time hint at—but only hint at; this will be explained in more detail in the following lectures this winter—how this experience of death presents itself. Certainly: immediately, as a person passes through the gate of death, they will remain unconscious of what they are experiencing. But as they continue to acclimate themselves to the spiritual world, they strengthen themselves with the forces that can flow to them from the spiritual world and purify themselves of the forces that, between birth and death, cloud their spiritual consciousness as a craving for the body; and in this inner purification from that dullness, the ability to look back into one’s own self arises, and with it comes an understanding of the spiritual world. The experience after death occurs, as it were, in such a way that the memory of the death experience gradually emerges within the human soul as the person enters the spiritual world after death. But then, each time the person looks back on their earthly life, their self-awareness blossoms just as it does upon ordinary awakening within the sensory world.
[ 22 ] Dieses, was hier ausgeführt worden ist, man kann es selbstverständlich nicht äußerlich beweisen. Deshalb ist es für diejenigen, die sich auf den wahren Beweis von der geistigen Welt nicht einlassen wollen, sehr leicht, Einwendungen zu machen. Wer da fordert, daß die geistige Welt ebenso bewiesen werden solle wie die Tatsachen der äußeren Narurwissenschaft und ihre Gesetze, und wer dann, wenn das nicht möglich ist, der Meinung ist, daß alles Reden über eine geistige Welt nur ein subjektives Reden sei, dem muß erwidert werden: So kann die geistige Welt nicht zur Allgemeinheit sprechen, daß man das Experiment, die Beobachtung macht, die jeder anstellen kann. Deshalb bleibt aber Geisteswissenschaft doch nicht ein bloßes subjektives Gerede, sondern etwas, was für die Allgemeinheit Wert und Bedeutung hat; denn es bestehen die Methoden, die Verrichtungen der Seele, die jeden Menschen dazu führen, wenn er sie durchmacht, in die geistige Welt einzudringen. Wenn daher jemand sagt: «deine geistige Welt ist mir nicht klar; beweise sie mir nach den Methoden der äußeren Naturwissenschaft», so muß ihm erwidert werden: Den Beweis mußt du dir selber holen, indem du das, was auf jede Menschenseele anwendbar ist als die von der Geisteswissenschaft angegebenen Methoden, auf deine Seele anwendest!
[ 22 ] Of course, what has been explained here cannot be proven objectively. Therefore, it is very easy for those who are unwilling to accept true proof of the spiritual world to raise objections. To those who demand that the spiritual world be proven in the same way as the facts of external natural science and its laws—and who, when this proves impossible, maintain that all talk of a spiritual world is merely subjective—it must be replied: The spiritual world cannot address the general public in such a way that everyone can conduct experiments or make observations. Nevertheless, spiritual science does not remain mere subjective talk, but rather something of value and significance to the general public; for there exist methods—the inner workings of the soul—that lead every human being, when they undergo them, to penetrate the spiritual world. Therefore, if someone says, “Your spiritual world is not clear to me; prove it to me using the methods of external natural science,” one must reply: You must find the proof for yourself by applying to your own soul the methods specified by spiritual science—methods that are applicable to every human soul!
[ 23 ] Was ich heute nur in allgemeinen prinzipiellen Zügen auseinandersetzen konnte über den Gedanken, sein Ersterben und sein Wiederaufleben in einer anderen Sphäre, über die Verbreitung des Willens über das Schicksal, wie er da im einzelnen wirken muß, das habe ich ausführlicher dargestellt in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», das jetzt, vielfach umgearbeitet, in neuer Auflage erschienen ist; und ich habe auch versucht, es in anderer Weise darzustellen in dem Buche «Die Rätsel der Philosophie», das jetzt als eine zweite Auflage meiner «Welt- und Lebensanschauungen im neunzehnten Jahrhundert» erschienen ist mit einem «skizzenhaft dargestellten Ausblick auf eine Anthroposophie» als ein Ergebnis der gesamten geistig-philosophischen Entwickelung des Abendlandes.
[ 23 ] What I have been able to discuss today only in general, principled terms—the idea of one’s passing and one’s rebirth in another sphere, the extension of the will over destiny, and how it must operate in specific instances—I have presented in greater detail in my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*, which has now been published in a new edition, extensively revised; and I have also attempted to present it in a different way in the book *The Riddles of Philosophy*, which has now been published as a second edition of my *Worldviews and Views of Life in the Nineteenth Century*, with a “sketch-like outline of anthroposophy” as the culmination of the entire spiritual and philosophical development of the West.
[ 24 ] Noch einmal sei es betont: Geisteswissenschaft gibt nicht etwas, was nicht auch ohne sie da wäre — wie Naturwissenschaft auch nicht etwas gibt, was nicht ohne sie da wäre. Aber dadurch, daß der Mensch etwas weiß, ist vorausgesetzt, daß die Tatsachen des Wissens erst da sind. Wenn aber die Tatsachen ins Bewußtsein aufgenommen werden, wird die Geisteswissenschaft der Menschenseele das geben, was die Seele mit Stärke und Kraft ausrüstet, wie sie es in der Zukunft brauchen wird. Ein Bewußtsein ihres Zusammenhanges mit der geistigen Welt hat die Seele gewiß auch in der Vergangenheit gehabt. Aber die Menschheit entwickelt sich weiter und weiter. Und zu dem, was die Seele zu ihrer inneren Kraft brauchen wird, was sie zum Bewußtsein ihrer selbst bringen wird, werden immer mehr die Ergebnisse der geisteswissenschaftlichen Forschungen gehören, wird gehören eine wirkliche Erkenntnis der geistigen Welt, der Welt der Seele, die nur durch Forschung vermittelt werden kann, wie die Erkenntnis der Natur auch nur durch Forschung vermittelt werden kann. Durch diese geisteswissenschaftliche Forschung wird der Menschenseele das vermittelt, was die Erinnerung ausdehnt über den Horizont hinaus, über den sie sonst allein schweifen kann. Das kann heute nur angedeutet werden. Indem der Wille sich ausdehnt über das Schicksal und der Mensch eins wird mit dem Schicksal, und indem der Wille im Menschen zu solcher Stärke heranwächst, daß er ergreift, was Schicksalsschläge im guten und bösen sind, und weiß: das alles habe ich selbst gebildet —, wächst die Erinnerung zurück über frühere Erlebnisse, wächst auch in jene Zeiten hinein, welche frühere menschliche Erdenleben darstellen. Nur angedeutet kann das werden, was in späteren Vorträgen ausgeführt werden soll: Innig zusammenhängend mit der Ausdehnung des Willens über das Schicksal ist die Erkenntnis, daß der Mensch nicht nur ein Erdenleben vollbringt, sondern daß dieses eine Leben das Ergebnis früherer Erdenleben ist, daß diese Zubereitung des Willens des Schicksales in früheren Erdenleben geschehen ist. Und so stellt sich in unserem Bewußtsein dar, daß dasjenige, was wir jetzt mit dem Willen ergreifen, Ursache ist für spätere Erdenleben, in spätere Erdenleben hinüberwirkt.
[ 24 ] Let it be emphasized once again: Spiritual science does not provide anything that would not exist without it—just as natural science does not provide anything that would not exist without it. But the very fact that a person knows something presupposes that the facts of that knowledge already exist. When these facts are taken into consciousness, however, spiritual science will provide the human soul with what will endow it with the strength and power it will need in the future. The soul has certainly also had an awareness of its connection to the spiritual world in the past. But humanity continues to develop further and further. And the results of spiritual scientific research will increasingly form part of what the soul will need for its inner strength—what will bring it to self-awareness—including a true understanding of the spiritual world, the world of the soul, which can only be conveyed through research, just as knowledge of nature can only be conveyed through research. Through this spiritual scientific research, the human soul is given what expands memory beyond the horizon beyond which it can otherwise wander on its own. This can only be hinted at today. As the will expands beyond fate and the human being becomes one with fate, and as the will within the human being grows to such strength that it grasps what the blows of fate—both good and evil—are, and knows: “I have formed all of this myself”—memory reaches back to earlier experiences and extends even into those times that constitute earlier human lives on Earth. We can only hint at what will be elaborated upon in later lectures: Closely connected with the expansion of the will beyond fate is the realization that a human being does not merely live one earthly life, but that this one life is the result of earlier earthly lives, that this preparation of the will for fate took place in earlier earthly lives. And so it becomes clear to our consciousness that what we now grasp with our will is the cause of later earthly lives and continues to exert its influence into them.
[ 25 ] Gerade in der geistigen Kultur Mitteleuropas sind immer die Etappen hervorgetreten, durch welche hervorragende Führergeister in ihren Seelen diesen Zusammenhang des menschlichen Seelenerlebens mit der geistigen Welt erfaßt haben. Und wenn heute gesagt worden ist: Die Menschenseele kann durch Konzentration des Gedankens diesen Gedanken zum Ersterben und zum Wiederaufleben in einer höheren Welt bringen, dann kann hingewiesen werden auf einen Geist, auf den ich bereits in den früheren Vorträgen aufmerksam machte: auf Johann Gottlieb Fichte. Geisteswissenschaft hatte er noch nicht. Aber er stand so im deutschen, mitteleuropäischen Geistesleben darinnen, daß er aus der Art und Weise, wie er sich in das Geistesleben hineingestellt fand, wie aus einem elementaren, impulsiven Bewußtsein heraus die Sicherheit des Drinnenstehens der menschlichen Seele in der Ewigkeit erschaute. An vielen Stellen seiner Werke hat Fichte ausgesprochen, was ihm herausklang, was er gefühlt hat vom Drinnenstehen der Menschenseele in der Welt eines höheren Bewußtseins; aber man kann vielleicht keine Stelle finden, wo er diesen Zusammenhang der Menschenseele mit der Ewigkeit intensiver ausspricht als in seiner Appellation an das Publikum, in welcher er sich gegen die falsche Anschuldigung des Atheismus wehrte. Dort sagt er — indem er wie im Hinblick auf das, was äußere Natur ist, was im Raumesleben entsteht und vergeht, diese äußere Natur als «Du» anspricht, und das Ich, das zum Erfassen seiner selbst kommt, als das «Ich» anspricht — dort sagt er die folgenden Worte:
[ 25 ] It is precisely in the spiritual culture of Central Europe that the stages have always emerged through which outstanding spiritual leaders have grasped in their souls this connection between human soul experience and the spiritual world. And when it has been said today that the human soul, through concentration of thought, can bring this thought to an end and to a revival in a higher world, then reference can be made to a thinker whom I have already drawn attention to in earlier lectures: Johann Gottlieb Fichte. He did not yet have spiritual science. But he was so deeply immersed in German and Central European spiritual life that, through the way he found himself engaged in that life—as if from an elemental, impulsive consciousness—he beheld the certainty of the human soul’s inner presence within eternity. In many passages of his works, Fichte expressed what resonated within him, what he felt regarding the human soul’s inner presence in the world of a higher consciousness; but one may perhaps find no passage where he articulates this connection between the human soul and eternity more intensely than in his “Appeal to the Public,” in which he defended himself against the false accusation of atheism. There he says—addressing external nature, which arises and passes away in the realm of space, as “You,” and addressing the “I” that comes to grasp itself as “I”—there he utters the following words:
[ 26 ] «Du bist wandelbar, nicht ich; alle deine Verwandlungen sind nur mein Schauspiel, und ich werde stets unversehrt über den Trümmern deiner Gestalten schweben. Daß die Kräfte schon jetzt in Wirksamkeit sind, welche die innere Sphäre meiner Tätigkeit, die ich meinen Leib nenne, zerstören sollen, befremdet mich nicht; dieser Leib gehört zu dir, und ist vergänglich, wie alles, was zu dir gehört. Aber dieser Leib ist nicht Ich. Ich selbst werde über seinen Trümmern schweben, und seine Auflösung wird mein Schauspiel sein. Daß die Kräfte schon in Wirksamkeit sind, welche meine äußere Sphäre, die erst jetzt angefangen hat, es in den nächsten Punkten zu werden —, welche euch, ihr leuchtenden Sonnen alle, und die tausend mal tausend Weltkörper, die euch umrollen, zerstören werden, kann mich nicht befremden; ihr seid durch eure Geburt dem Tode geweiht. Aber wenn unter den Millionen Sonnen, die über meinem Haupte leuchten, die jüngstgeborene ihren letzten Lichtfunken längst wird ausgeströmt haben, dann werde ich noch unversehrt und unverwandelt derselbe sein, der ich jetzt bin; und wenn aus euren Trümmern so viele Male neue Sonnensysteme werden zusammengeströmt sein, als eurer alle sind, ihr über meinem Haupte leuchtende Sonnen, und die jüngste unter allen ihren letzten Lichtfunken längst wird ausgeströmt haben, dann werde ich noch sein, unversehrt und unverwandelt, derselbe, der ich heute bin.»
[ 26 ] “You are changeable, not I; all your transformations are merely my spectacle, and I will always hover unscathed above the ruins of your forms. The fact that the forces are already at work to destroy the inner sphere of my activity—which I call my body—does not surprise me; this body belongs to you, and is transitory, like everything that belongs to you. But this body is not Me. I myself will hover above its ruins, and its dissolution will be my spectacle. That the forces are already at work which will destroy my outer sphere—which has only just begun to take shape in the next few moments—and which will destroy you, all you shining suns, and the thousand times thousand celestial bodies that revolve around you, cannot surprise me; by your very birth, you are doomed to death. But when, among the millions of suns shining above my head, the most recently born has long since exhausted its last spark of light, then I will still be, unharmed and unchanged, the same as I am now; and when, from your ruins, new solar systems have coalesced as many times as there are of you all—you suns shining above my head—and the youngest among them has long since exhausted its last spark of light, then I will still be, unharmed and unchanged, the same as I am today.”
[ 27 ] Diese Überzeugungen werden nicht bloß theoretisch erkannt; diese Überzeugungen werden erlebt. Und das wollte ich zur Empfindung und zum Gefühl im letzten meiner Vorträge hier bringen, daß gerade das mitteleuropäische, das deutsche Geistesleben dasjenige ist, welches die besten, die schönsten, die energischsten Keime zu diesem Erleben enthält. Daher ist es auch, daß aus diesem Geistesleben selber das Bewußtsein erfließen mag von seiner Bedeutung in der Welt, und daß jetzt, wo in dem äußeren Erleben Mitteleuropas auch dieses Geistesleben vor die Frage nach Sein oder Nichtsein hingestellt wird, dieses Geistesleben aus der unmittelbaren Etkenntnis seiner selbst es wissen kann, wozu es berufen ist, und wie es leben muß, und wie es nicht untergehen darf, weil es notwendig ist, um das Band zu bilden zwischen der Menschenseele und den Ewigkeiten. Dann fließt insbesondere aus diesem Geistesleben heraus jenes Bewußtsein, das gleichsam in intensiver Form sieht, wenn man jetzt den Blick hinwendet auf alle — wir dürfen schon sagen — Heldennaturen, die zwischen Leben und Tod im Strom der heutigen Ereignisse drinnenstehen. Wir blicken auf die große Rätselfrage, auf die große Schicksalsfrage, die uns heute aus der Zeitepoche heraus gestellt ist — auch in dieser Form, wie sie uns die heutigen Ereignisse stellen —: auf die Frage nach Leben und Tod. Und indem wir vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft aus hinschauen auf das, was im Menschenleibe lebt, so lebt, daß es sich im Bewußtsein höherer Wesenheiten geborgen wissen darf, daß es als die lebendige, selbständige Erinnerung sich aufbewahrt glauben darf, dann, wenn dieser Leib zerstört wird, — das, was da lebt, das ist es, was uns heute vor die Seele treten muß da, wo wir so viele Leiber hinsinken sehen im Opfer, im großen Opfer der Zeit.
[ 27 ] These convictions are not merely recognized in theory; these convictions are experienced. And that is what I wanted to convey—through feeling and intuition—in my last lecture here: that it is precisely Central European, German intellectual life that contains the best, the most beautiful, and the most vigorous seeds for this experience. That is also why the awareness of its significance in the world may well flow from this intellectual life itself, and that now, when this spiritual life is also confronted with the question of “to be or not to be” in the external experience of Central Europe, this spiritual life—through its immediate self-knowledge—can know what it is called to do, how it must live, and how it must not perish, because it is necessary to form the bond between the human soul and the eternities. Then, from this spiritual life in particular, flows that consciousness which, as it were, sees in an intense form when we now turn our gaze to all—we may well say—heroic figures who stand caught between life and death in the torrent of today’s events. We look upon the great enigma, the great question of destiny, which is posed to us today by the current epoch—including in the form in which today’s events present it to us—: the question of life and death. And when we look, from the perspective of spiritual science, at what lives within the human body—living in such a way that it may know itself to be safe in the consciousness of higher beings, that it may believe itself to be preserved as a living, independent memory—even when this body is destroyed, — what lives there is precisely what must step before our souls today, as we see so many bodies sinking into the sacrifice, into the great sacrifice of our time.
[ 28 ] Da fragen wir uns denn: Werden den Zeitereignissen gegenüber, gerade vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft aus betrachtet, die Ereignisse der Seele gleichsam real sich aufdrängen demjenigen, dem der Tod durch die Ereignisse der Zeit abgefordert wird, abgefordert wird zumeist in jungen Jahren? Wir blicken auf zu dem, dem der Tod im Opferdienste der Zeit abgefordert wird, wir sehen hin auf das, was wir geisteswissenschaftlich erfassen als ein Seelisches, wie auf ein Maß von Kräften, und wir wissen: Dem, was im Leibe lebt, wird der Lebensfaden abgerissen in blühender Jugend, in einer Zeit, wo die Seelen- und Geisteskräfte noch lange erleben könnten. Aber wahrhaftig, wenn wir diese Geisteskräfte erkannt haben durch die Geisteswissenschaft, dann wissen wir, daß sie lebendig bleiben, daß sie übergehen in eine geistige Welt, in einen neuen Zusammenhang hinein, wenn sie sich aus dem alten loslösen. Und wenn wir dann denken, wie wir selber Erinnerungen werden und Gedanke werden in höheren Bewußtseinen, dann wird uns gerade dieser heute so tragisch vor das Auge tretende Zeitentod so vieler in einem höheren Lichte erscheinen. So daß wir die Kräfte, die wir vom Leibe genommen sehen, hinaufdringen sehen in höhere Bewußtseine — und herabschauen sehen diese höheren Bewußtseine auf das physische Erdenleben. Mit ihren gestärkten Kräften haben sie aufgenommen alles, was der Mensch ihnen hingeopfert hat. Und weil die höheren Bewußtseine es sind, die uns geistig die Nahrung, die Kräfte für die Befruchtung der Seele, die Erhaltungs- und Lebenskräfte bieten, wie die physischen Kräfte uns die physische Nahrung bieten, deshalb können wir auf diejenigen, welche heute durch die Zeitereignisse mit dem Opfertode in die geistige Welt gehen, hinaufschauen als auf etwas, was in der Zukunft stärkend und kräftigend hinunterschauen wird auf das, was sich auf dem physischen Erdenplane vollzieht. Einen realen, einen wirklichen Sinn bekommt es, wenn gesagt wird: Die Hinopferung auf dem Schlachtfelde bekommt einen Sinn durch die ganze Entwickelung der Menschheit. Und erklärlich wird das, was damit gemeint ist, wenn wir wissen: Wie wir als physische Menschen der Natur gegenüberstehen, und sie uns ihre Nahrung gibt, so geben wir uns selber den Geistern und Göttern zur Nahrung; sie selber aber geben uns, was wir brauchen zur Nahrung und zur Kräftigung der Seele. Und wenn junge Kräfte, die auf dem Schlachtfelde sterben oder an den Folgen ihrer Verwundung hinsiechen, den Leib verlassen, dann sind diese jungen Kräfte Erfrischungskräfte für die Menschheitevolution der Zukunft.
[ 28 ] We then ask ourselves: In light of the events of time—viewed specifically from the perspective of spiritual science—do the events of the soul, as it were, impose themselves as a reality upon the one from whom death is demanded by the events of time, demanded most often at a young age? We look upon the one from whom death is demanded in the sacrificial service of time; we look upon what we grasp through spiritual science as a soul element—as a measure of forces—and we know: The thread of life is severed from what lives in the body in the prime of youth, at a time when the soul and spiritual forces could still endure for a long time. But truly, once we have come to know these spiritual powers through spiritual science, we know that they remain alive, that they pass into a spiritual world, into a new context, when they detach themselves from the old one. And when we then consider how we ourselves become memories and thoughts in higher states of consciousness, then precisely this death of so many—which appears so tragic to us today—will appear to us in a higher light. So that we see the forces we see being taken from the body ascending into higher states of consciousness—and we see these higher states of consciousness looking down upon physical life on Earth. With their strengthened forces, they have absorbed everything that human beings have sacrificed to them. And because it is the higher states of consciousness that provide us spiritually with nourishment, with the forces for the fertilization of the soul, and with the sustaining and life-giving forces—just as physical forces provide us with physical nourishment— therefore we can look up to those who, through the events of our time, are entering the spiritual world through a sacrificial death as something that in the future will look down with strengthening and invigorating power upon what unfolds on the physical plane of Earth. It takes on a real, genuine meaning when it is said: Sacrifice on the battlefield finds its meaning in the entire evolution of humanity. And what is meant by this becomes clear when we realize: Just as we, as physical human beings, stand before nature, and it provides us with our nourishment, so do we offer ourselves as nourishment to the spirits and gods; they, in turn, provide us with what we need to nourish and strengthen the soul. And when young forces—those who die on the battlefield or waste away from their wounds—leave the body, these young forces become revitalizing forces for the future evolution of humanity.
[ 29 ] Dann wird es sehr real, wenn der sich auf dem Schlachtfelde Opfernde von dem Bewußtsein durchdrungen ist, daß er nicht bloß stirbt, sondern in seinem Tode auflebt und leben wird — anders, als wenn er einen anderen Tod gestorben wäre, leben wird für das Heil und für die kräftige Zukunft der Menschheit. Wir blicken auf den Sinn dieser Opfertode hin, indem wir erkennen, wie die Saat gestreut wird für das Gedeihen der Menschheit in der Zukunft, und indem wir wissen, wie das Bewußtsein den Krieger durchdringen darf, daß er heute seinen Tod, daß er heute sein Verwundetenschicksal erlebt, daß er aber die Kräfte bewahrt behält, durch welche er in aller Zukunft vereint bleiben wird mit dem, wofür er stirbt. Aus aller Sentimentalität herausgerissen, in die einfache
[ 29 ] Then it becomes very real when the one sacrificing himself on the battlefield is filled with the awareness that he is not merely dying, but that in his death he comes to life and will live—unlike if he had died any other death—for the salvation and the vibrant future of humanity. We look to the meaning of these sacrificial deaths by recognizing how the seed is sown for the flourishing of humanity in the future, and by knowing how the warrior may be imbued with the awareness that, while he experiences his death today, while he endures the fate of the wounded today, he nevertheless preserves the strength through which he will remain united in all future times with that for which he dies. Torn from all sentimentality, into the simple
[ 30 ] Wirklichkeit hineingestellt wird das, was sonst so leicht nur symbolisch oder figürlich genommen werden könnte. So stellt sich gerade eine solche geistige Betrachtung, wie wir sie heute angestellt haben über das Leben der Menschenseele im äußeren Dasein und auch im übersinnlichen Dasein, wie ich glaube, im rechten Sinne rechte Impulse schaffend, in dasjenige hinein, was wir heute als das «Zeitenschicksal» erleben. Und wenn einmal bei einem bedeutsamen geistigen Erlebnis ein Dichter — Robert Prutz — von den idealen Taten seines Volkes schöne Worte gesprochen hat, so dürfen wir diesen Worten, vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft aus, im Hinblick auf die Zeitereignisse einen noch tieferen Sinn geben. Hinblickend auf das, was die menschliche Seele erlebt im Leben und im Tode, können wir fragen: Welches ist der Sinn der Tode, der Leiden, die uns jetzt von der Zeit abgefordert werden? Und da dürfen wir heute, noch vertiefend den Sinn der Robert Prutzschen Worte, jedem, der da mitfühlen, der miterleben wird, was heute die Zeit fordert, sagen, was er — Robert Prutz einem weniger in die Weltgeschichte einschneidenden Ereignis gegenüber sagte:
[ 30 ] What might otherwise so easily be taken merely as symbolic or figurative is placed within reality. Thus, precisely such a spiritual contemplation as we have undertaken today—concerning the life of the human soul in its outer existence and also in its supersensible existence—I believe, by creating the right impulses in the proper sense, becomes part of what we experience today as the “fate of the times.” And if, on the occasion of a significant spiritual experience, a poet—Robert Prutz—has spoken beautiful words about the ideal deeds of his people, then we may, from the standpoint of spiritual science and in light of current events, ascribe an even deeper meaning to these words. Considering what the human soul experiences in life and in death, we may ask: What is the meaning of the deaths and sufferings that time now demands of us? And so today, deepening our understanding of the meaning of Robert Prutz’s words, we may say to everyone who sympathizes, who will witness what time demands of us today, what he—Robert Prutz—said in response to an event that had less of an impact on world history:
Es gilt dem kommenden Geschlechte,
Es gilt dem künftgen Morgenrot,
Der Freiheit gilt es und dem Rechte,
Es gilt dem Leben und dem Tod!
It is for the coming generation,
It is for the dawn of tomorrow,
It is for freedom and justice,
It is for life and death!
