From a Fateful Time
GA 64
4 March 1915, Berlin
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From a Fateful Time, tr. SOL
9. Die verjüngenden Kräfte der Deutschen Volksseele
9. The Rejuvenating Forces of the German National Soul
[ 1 ] In dieser Winterserie von Vorträgen erlaubte ich mir, abwechseln zu lassen die rein geisteswissenschaftlichen Vorträge mit solchen, die durch die großen und bedeutungsvollen Ereignisse der Gegenwart angeregt sind. Auch die heutigen Betrachtungen über das Wesen der deutschen Volksseele und ihr Verhältnis zu anderen Volksseelen Europas sollen durch die durch unsere Zeit hervorgerufenen Empfindungen angeregt sein. Morgen soll dann wiederum eine Betrachtung, die rein geisteswissenschaftlich ist, folgen. Ich werde mir erlauben, in der Einleitung der heutigen Betrachtung auf einiges hinzuweisen, was schon von einem anderen Gesichtspunkte aus erörtert worden ist durch einen der vorigen Vorträge, der auch von dem Wesen der Volksseele handelte.
[ 1 ] In this winter series of lectures, I took the liberty of alternating lectures purely in the humanities with those inspired by the major and significant events of the present. Today’s reflections on the nature of the German national soul and its relationship to other national souls in Europe are also intended to be inspired by the sentiments evoked by our times. Tomorrow, then, a reflection of a purely spiritual-scientific nature will follow. In the introduction to today’s reflection, I will take the liberty of pointing out a few things that have already been discussed from a different perspective in one of the previous lectures, which also dealt with the nature of the national soul.
[ 2 ] Wenn man von Volksseelen heute spricht, so begegnet man ja dann, wenn man sich auf den Standpunkt stellt, der hier eingenommen werden soll, vielfach Mißverständnissen. Man begegnet vielfach dem Vorwurf, daß man etwas rein Phantastisches meine. Und das ist ja im Grunde genommen ganz in der Ordnung; denn unsere Weltanschauung der Gegenwart kann nicht anders, als ein Phantasiegebilde in demjenigen sehen, was — außer anderen wirklich konkreten geistigen Wesen — als die Volksseele angesprochen werden muß. Es ist daher nur durchaus selbstverständlich, daß, als neben anderen geistigen Wesen auch von der Volksseele als von einem realen Wesen gesprochen worden ist in meinem Buche «’Theosophie», gerade dieses Kapitel als ein besonders befremdliches befunden worden ist. Das ist es eben, was die rein auf das Äußerliche gerichtete Weltanschauung niemals zugeben wird, daß neben denjenigen Wesenheiten, die sich vor den Sinnen ausbreiten, die mit dem Verstand begriffen werden können, der an das Gehirn gebunden ist, auch noch andere übersinnliche, unsichtbare Wesenheiten existieren, die nur mit dem geschaut werden können, was Goethe Geistesaugen, Geistesohren genannt hat; Wesenheiten, die aber eine Wirklichkeit haben, wie die um uns befindlichen Wesenheiten des mineralischen, des tierischen, des pflanzlichen Reiches. Und so spricht denn die Geisteswissenschaft auch von der deutschen Volksseele als von einer realen, einer wirklichen Wesenheit. Sie spricht so von dieser Wesenheit, daß sie es ist, welche das schon in dem vorigen Vortrage über die tragenden Kräfte des deutschen Geistes erwähnte Zwiegespräch — unterbewußte, unbewußte Zwiegespräche mit der menschlichen Einzelseele führt. Es ist nicht möglich, auf das Wesen der realen, der wirklichen Volksseele hinzudeuten, ohne wenigstens mit einigen Worten auf dasjenige einzugehen, was Geistesforschung allmählich der Menschheit zu sagen haben wird über das Wesen der einzelnen menschlichen Seele. Diese menschliche Seele wird ja von der gegenwärtigen offiziellen Seelenkunde oder Psychologie so angesprochen, daß man in ihr, ich möchte sagen, eine mehr oder weniger chaotische, aber sich ordnende Einheit sieht, in welcher durcheinanderwirken Wille, Gefühl und Denken.
[ 2 ] When one speaks of national souls today, one often encounters misunderstandings if one adopts the perspective that is to be taken here. One often encounters the accusation that one is referring to something purely fantastical. And that is, after all, quite understandable; for our present-day worldview cannot help but see as a figment of the imagination that which—apart from other truly concrete spiritual beings—must be addressed as the national soul. It is therefore only to be expected that, since my book *Theosophy* speaks of the national soul—alongside other spiritual beings—as a real entity, this very chapter has been found particularly disconcerting. This is precisely what a worldview focused purely on the external will never admit: that alongside those entities which unfold before the senses—and which can be grasped by the intellect bound to the brain—there also exist other supersensible, invisible entities that can only be perceived through what Goethe called the “eyes of the spirit” and the “ears of the spirit”; entities that, however, possess a reality just as real as that of the entities of the mineral, animal, and plant kingdoms that surround us. And so spiritual science also speaks of the German national soul as a real, actual entity. It speaks of this entity in such a way that it is this entity that engages in the dialogue—subconscious and unconscious dialogues—with the individual human soul, as already mentioned in the previous lecture on the sustaining forces of the German spirit. It is not possible to point to the nature of the real, actual national soul without at least saying a few words about what spiritual science will gradually have to say to humanity regarding the nature of the individual human soul. This human soul is, after all, approached by current official psychology in such a way that one sees in it—I would say—a more or less chaotic but self-organizing unity in which will, feeling, and thinking interact in a jumble.
[ 3 ] Nun aber muß Geisteswissenschaft sprechen von dieser menschlichen Seele heute schon in einem solchen Sinne, wie die Physik etwa von der aus dem Lichte sich gebärenden Farbe und von Farbennuancen spricht. Die Physik ist sich dessen bewußt, daß sie die Wesenheit des Lichtes nur studieren kann, wenn sie dieses Licht aufsucht in seinen Wirkungen, die eben erscheinen als die verschiedenen Farbennuancen des Regenbogens, des Spektrums. Da haben wir auf der einen Seite die rotgelben Farbennuancen, in der Mitte die grünlichen und auf der anderen Seite die violett-bläulichen Farbennuancen. So wie nun heute schon die Physik zugibt, daß man die Natur des Lichtes ergründet dadurch, daß man die Wirkung des Lichtes durch die Materie in den verschiedenen Farbennuancen studiert, so wird ganz gewiß die Geisteswissenschaft der Zukunft zu unterscheiden haben in der menschlichen Gesamtseele dasjenige, was man nennen könnte die Offenbarung des menschlichen Seelenlichtes, daß sich dieses darlebt in der menschlichen Seele in drei Gliedern, gleichsam in den drei bestimmten Nuancen, wovon die eine Seite genannt werden muß die Nuance der Empfindungsseele, entsprechend dem rötlich-gelblichen Farbenband des Regenbogens oder des Farbenspektrums; also muß gesprochen werden von der Verstandes- oder Gemütsseele, entsprechend den mittleren grünen Farbennuancen des Regenbogens; und so muß gesprochen werden von der Bewußtseinsseele, entsprechend etwa den bläulich-violetten Farbennuancen des Regenbogens. Und nicht etwa um eine willkürliche Einteilung der Seelentätigkeiten ist es dabei zu tun, sondern ebenso um etwas, was mit dem Realen der menschlichen Seele zu tun hat, wie die Farben mit dem Realen des Lichtes zu tun haben. Denn es zeigt die Geisteswissenschaft, daß dasjenige, was auf der einen Seite des Seelenspektrums als die Empfindungsseele anerkannt werden muß, vorzugsweise diejenigen Kräfte der Seele offenbart, welche aus den Willens- und Gefühlsimpulsen herausströmen und in einer gewissen Weise triebartig sich vom Menschen aus äußern; zu gleicher Zeit aber zeigt sie, und das ist das Merkwürdige, daß gerade in diesem Triebartigen der Seele, in dieser Empfindungsnuance der menschlichen Seele, dasjenige enthalten ist, von dem wir morgen zeigen werden, daß es durch Geburten und Tode als das Ewige der Menschenseele hindurchgeht. Vorzugsweise in diesem Teil der menschlichen Seele ist der ewige Wesenskern der Seele enthalten.
[ 3 ] But now spiritual science must already speak of this human soul in the same sense that physics, for example, speaks of color arising from light and of color nuances. Physics is aware that it can study the nature of light only by observing its effects, which appear precisely as the various color nuances of the rainbow and the spectrum. On one side we have the reddish-yellow color nuances, in the middle the greenish ones, and on the other side the violet-bluish color nuances. Just as physics today already acknowledges that the nature of light is fathomed by studying the effect of light as it passes through matter in the various color nuances, so the spiritual science of the future will certainly have to distinguish within the human soul as a whole what might be called the revelation of the human soul’s light—that this light manifests itself in the human soul in three aspects, as it were, in three distinct shades, one of which must be called the shade of the feeling soul, corresponding to the reddish-yellowish band of the rainbow or the color spectrum; thus we must speak of the intellectual or emotional soul, corresponding to the middle green shades of the rainbow; and we must likewise speak of the conscious soul, corresponding, for example, to the bluish-violet color nuances of the rainbow. This is not a matter of an arbitrary classification of the soul’s activities, but rather of something that pertains to the reality of the human soul, just as colors pertain to the reality of light. For spiritual science shows that what must be recognized on one side of the soul spectrum as the sensory soul primarily reveals those forces of the soul that flow from impulses of will and feeling and, in a certain sense, express themselves impulsively from within the human being; at the same time, however—and this is the remarkable thing—it shows that it is precisely in this instinctual aspect of the soul, in this nuance of feeling in the human soul, that what we will demonstrate tomorrow passes through births and deaths as the eternal essence of the human soul. It is primarily in this part of the human soul that the eternal core of the soul is contained.
[ 4 ] Dann haben wir gleichsam die mittlere Farbennuance der menschlichen Seele, die Verstandesseele. In dieser sind zu gleichen Teilen ewige und auf das Sinnlich-Wirkliche, das Vergängliche gerichtete Seelenäußerungen zu suchen; Triebartiges und solches, welches sich darüber erhebt und hinschaut auf die Sinne, um geistig die Welt der Sinne zu begreifen.
[ 4 ] Then we have, as it were, the middle shade of the human soul—the rational soul. In this soul, one finds, in equal measure, expressions of the soul that are eternal and those directed toward the sensory-real, the transitory; instinctual impulses and those that rise above them and look toward the senses in order to spiritually comprehend the world of the senses.
[ 5 ] Als Drittes haben wir die Bewußtseinsseele, die dasjenige überschaut, was im gegenwärtigen Stadium der Menschheitsentwickelung den Menschen zu seinem Selbstbewußtsein erhebt, welches möglich macht, daß der Mensch in seiner Seele so dasteht, daß er sagen kann: In mir wohnt auch innerhalb meiner Leiblichkeit zwischen Geburt und Tod ein Ich. Aber es ist zugleich dasjenige, was in diesen Kräften ist, das, was für die gegenwärtige Menschheitsentwickelung die Empfindungen des menschlichen Seelenlebens enthält, welche dem Vergänglichen, der äußeren, augenfälligen Wirklichkeit zugewendet sind. Wie das Licht in den verschiedenen Farbennuancen sich offenbart, so offenbart sich das, was das Einheitliche der menschlichen Seele ist, in diesen verschiedenen Gliedern der menschlichen Seele. Und man kann sagen: wie das Licht lebt im Rot, im Grün, im Blau, so lebt das menschliche Ich in allen drei Gliedern des menschlichen Seelenlebens.
[ 5 ] Third, we have the consciousness soul, which overlooks that which, at the present stage of human development, elevates the human being to self-consciousness—which makes it possible for the human being to stand in his soul in such a way that he can say: “An ‘I’ dwells within me, even within my physical body, between birth and death.” But it is at the same time that which is contained within these forces—that which, for the present stage of human development, encompasses the sensations of human soul life that are directed toward the transitory, the outer, visible reality. Just as light reveals itself in various shades of color, so does that which constitutes the unity of the human soul reveal itself in these various members of the human soul. And one can say: just as light lives in red, green, and blue, so does the human “I” live in all three aspects of human soul life.
[ 6 ] Dasjenige nun, was als Volksseele anzusehen ist, es ist für die Geisteswissenschaft eine wirkliche übersinnliche Wesenheit, nicht bloß das, was eine mehr materialistische Weltanschauung sieht, eine Gesamtheit von Eigenschaften, die durch Klima, durch Erziehung oder sonstwie einem Volke eigen sind, sondern für die Geisteswissenschaft ist die Volksseele eine geistige Wesenheit, die aus den übersinnlichen Welten hereinwirkt in das, was Verrichtungen der menschlichen Seele sind.
[ 6 ] That which is to be regarded as the national soul, is, for spiritual science, a genuine supersensible entity—not merely what a more materialistic worldview perceives as a collection of characteristics inherent to a people due to climate, upbringing, or other factors. Rather, for spiritual science, the national soul is a spiritual entity that acts from the supersensible worlds into the activities of the human soul.
[ 7 ] Und nun kann nach der Art, wie die Volksseele hereinwirkt in das, was Verrichtung der menschlichen Seele ist, erschaut werden der Grundcharakter des Volksseelenlebens durch verschiedene europäische Völker. Das sind Dinge, die die Geisteswissenschaft zu sagen hat, so daß sie dereinst eine Wissenschaft bilden wird, wie die Physik der Farbe innerhalb der Naturwissenschaft eine wirkliche wissenschaftliche Disziplin bilder.
[ 7 ] And now, based on the way the national soul influences the work of the human soul, we can perceive the fundamental character of national soul life among various European peoples. These are matters that spiritual science has to say, so that one day it will become a science, just as the physics of color constitutes a genuine scientific discipline within the natural sciences.
[ 8 ] Ich bemerke ausdrücklich auch diesesmal, daß dasjenige, was ich zu sagen haben werde über das Zusammenwirken der Volksseele mit den einzelnen Seelengliedern bei den verschiedenen europäischen Nationen, nicht etwa entstanden ist oder herausgefordert ist durch die gegenwärtigen Kriegsereignisse und durch die bestehenden Verhältnisse der europäischen Nationen, sondern viele der Zuhörer hier können das bestätigen, daß von mir aus der Geisteswissenschaft heraus schon seit Jahren gesagt wird: Wir haben es zu tun, zum Beispiel wenn wir die mehr südlichen Völker, wenn wir die Volksseele des italienischen Volkes betrachten, mit einem Zusammenwirken dieser Volksseele mit den einzelnen Menschen so, daß dasjenige, was die Volksseele verrichtet, was sie in einem Zwiegespräch mit der einzelnen Seele zu vollbringen hat, unmittelbar hineinströmt in die Empfindungsseele. So daß man sagen kann: Insofern der Angehörige des italienischen Volkes ein Italiener ist, spricht er sich aus dem Charakter seines Volkes heraus so aus, daß die Kräfte seines Volksgeistes nachzittern, nachwirken in seiner Empfindungsseele. Mit dieser Empfindungsseele hält der Volksgeist, die Volksseele ihre Zwiesprache. Selbstverständlich muß immer betont werden, daß sich die einzelne, individuelle Seele erheben und den allgemeinmenschlichen Charakter annehmen kann in jeder Nation. Was hier von den Beziehungen der Volksseele zur Nationalität gesprochen wird, gilt eben insoweit, als der Einzelne in seinen Lebensäußerungen mit der Volksseele verbunden ist. Und alles dasjenige, was die italienische Volksseele in der einzelnen Empfindungsseele des Italieners erregt, das ist im Grunde genommen die italienische Kultur. Daher das unmittelbar aus den Passionen, aus den Leidenschaften Herauskommende der italienischen Kultur, das man verfolgen kann von den einzelnen Volksimpulsen bis hinauf zu dem gewaltigen Gemälde, das Dante von der Welt entworfen hat. Daher wurde auch von Italien her in die Kultur Europas das eingeprägt, was man Humanismus nennt. Der Zusammenhang des ganzen Menschen mit der Empfindungsseele durch das, was man erfühlt, was man in den Gefühlsimpulsen hat, insofern das zur Geltung kommt, das durchströmt die ganze italienische Kultur. Ähnlich und verwandt damit ist die spanische Kultur.
[ 8 ] I would like to explicitly note once again that what I am about to say regarding the interaction of the national soul with the individual soul elements among the various European nations has not in any way arisen or been prompted by the current events of the war or by the existing circumstances of the European nations; rather—as many in the audience here can confirm—I have been saying this for years from the perspective of spiritual science: For example, when we consider the more southern peoples—when we look at the national soul of the Italian people—we see an interaction between this national soul and the individual human beings such that what the national soul accomplishes, what it must achieve in a dialogue with the individual soul, flows directly into the feeling soul. So that one can say: To the extent that a member of the Italian people is an Italian, he or she expresses themselves out of the character of their people in such a way that the forces of their national spirit reverberate and continue to work within their feeling soul. It is with this feeling soul that the national spirit, the national soul, conducts its dialogue. Of course, it must always be emphasized that the individual soul can rise above itself and assume the universal human character in every nation. What is said here about the relationship between the national soul and nationality applies precisely to the extent that the individual is connected to the national soul in the expressions of his or her life. And everything that the Italian national soul stirs up in the individual emotional soul of the Italian is, in essence, Italian culture. Hence the aspects of Italian culture that arise directly from the passions—which can be traced from the individual national impulses all the way up to the mighty picture of the world that Dante painted. This is also why what is called Humanism was imprinted on European culture from Italy. The connection of the whole human being to the soul of feeling through what one feels, through the impulses of feeling—insofar as this comes to the fore—permeates the entire Italian culture. Spanish culture is similar and related to this.
[ 9 ] Wenn wir die französische Volkskultur ins Auge fassen, müssen wir sagen: Sie ist das Ergebnis eines unmittelbaren Zusammenwirkens der Volksseele mit dem, was man die Verstandesseele nennt. Daher das Eigentümliche des französischen Volkscharakters, daß er versucht, alles in eine gewisse Systematik, wenn es auch die Systematik des Gefühls und der Kunst ist, hineinzubringen. Ein gewisser mathematischer Charakter ist allem eigen, was dieser Kultur zugehört. Man braucht nur sich hinzugeben dem Versfluß einer französischen Dichtung oder dem Gang eines französischen Dramas, überall ist dieses Ergebnis der Beziehungen zwischen der Volksseele und der Verstandesseele durchzufühlen. Wenn man geisteswissenschaftlich die Sache betrachtet, wird gerade diese mathematische Anlage des französischen Charakters in hohem Maße erklärlich.
[ 9 ] When we consider French folk culture, we must say: It is the result of a direct interaction between the folk soul and what is called the intellectual soul. Hence the distinctive feature of the French national character: it strives to bring everything into a certain system, even if it is the system of feeling and art. A certain mathematical quality is inherent in everything that belongs to this culture. One need only surrender to the flow of verse in French poetry or the progression of a French drama to sense this result of the relationship between the national soul and the intellectual soul everywhere. When viewed from a spiritual-scientific perspective, it is precisely this mathematical disposition of the French character that becomes highly understandable.
[ 10 ] Und wiederum, wenn man den englischen Volkscharakter betrachtet, da muß man ins Auge fassen jene Beziehungen, welche sich entwickeln zwischen der Volksseele und der Bewußtseinsseele. Das heißt, der englische Volkscharakter wird vorzugsweise so geformt: Es richtet sich der englische Volkscharakter durch die Bewußtseinsseele hinaus auf die Kämpfe und Kongruenzen der physischen Wirklichkeit, auf das, was das Vergängliche im Leben ist. Daher der empirische Charakter, der auf das Äußerliche gerichtete Charakter der englischen Kultur, der sich bis in Shakespeare hinein verfolgen läßt, trotz aller Größe Shakespeares.
[ 10 ] And again, when considering the English national character, one must take into account the relationships that develop between the national soul and the conscious soul. That is to say, the English national character is primarily shaped in the following way: The English national character, through the soul of consciousness, is directed outward toward the struggles and contradictions of physical reality, toward that which is transitory in life. Hence the empirical character—the outward-looking character of English culture—which can be traced all the way back to Shakespeare, despite all of Shakespeare’s greatness.
[ 11 ] Und gehen wir dann in die Mitte Europas, vorzugsweise zu der deutschen Kultur, so müssen wir auf eine Beziehung hinweisen zur Volksseele, eine Beziehung des einzelnen Menschen zur Volksseele, die sich unmittelbar so ausdrücken läßt, wie ein Zusammenwirken der Volksseele nun nicht wie mit einem einzelnen Seelenglied, sondern unmittelbar mit dem Selbst, mit dem Ich. Daher strömt dasjenige, was die Volksseele anzuregen hat, an Impulsen einströmen zu lassen hat in den einzelnen Deutschen, unmittelbar in das Ich ein. Und es kann sich dann äußern, indem das Ich darum ringt, sich nun nicht nur nach der einen Seite hin zu offenbaren, sondern nach den verschiedenen Gliedern des Seelenlebens, abwechselnd oder zusammenhängend. Daher dasjenige, was ich heute vor acht Tagen über die tragenden Kräfte des deutschen Geistes, das unmittelbare Hereinwirken der geistigen Welt in die einzelne menschliche Individualität sagen mußte. Daher das Ringen nicht der menschlichen Passionen, der menschlichen Leidenschaften mit irgendeinem Übersinnlichen, nicht das Ringen der Ratio, des Verstandes mit dem Übersinnlichen, nicht das Betätigen der Bewußtseinsseele, sondern immer das unmittelbare Gegenüberstellen des einzelnen Menschen mit seiner Gottheit, des einzelnen Menschen mit den Geistern der übersinnlichen Welt. Das aber ruft das Eigentümliche in der ganzen deutschen Entwickelung hervor, daß der einzelne Deutsche immer wiederum anknüpfen muß an die höchsten Impulse des geistigen Lebens. Wir haben eine deutsche Entwickelung, in der wir einzelne große Charaktere auftreten sehen. Immer wieder und wiederum muß der einzelne große Charakter, ohne daß er — radikal gesprochen — an das, was historisch gegeben ist, anknüpfen kann, gleichsam von neuem anfangen, weil er dasjenige, was ihm die Volksseele zu geben hat, in seinem tiefsten Innern aufleuchten lassen muß.
[ 11 ] And when we turn to the heart of Europe—specifically to German culture—we must point to a relationship with the national soul: a relationship between the individual human being and the national soul that can be expressed directly as an interaction of the national soul—not with a single part of the soul, but directly with the self, with the “I.” Therefore, whatever the national soul is meant to inspire—whatever impulses it is meant to instill in individual Germans—flows directly into the “I.” And it can then manifest itself as the “I” struggles not merely to reveal itself in one particular aspect, but across the various aspects of soul life—alternately or in conjunction. Hence what I had to say eight days ago regarding the sustaining forces of the German spirit and the direct influence of the spiritual world upon the individual human being. Hence the struggle is not that of human passions or human emotions with anything supersensible, nor is it the struggle of reason or the intellect with the supersensible; nor is it the activity of the conscious soul, but always the direct confrontation of the individual human being with his divinity, of the individual human being with the spirits of the supersensible world. But this brings to light what is distinctive about the entire course of German development: that the individual German must continually reconnect with the highest impulses of spiritual life. We have a German development in which we see individual great figures emerge. Time and again, the individual great figure—without being able, to put it radically, to build upon what is historically given—must, as it were, start anew, because he must allow what the national soul has to offer him to shine forth in his innermost being.
[ 12 ] Damit aber hängt eines zusammen: Indem so der Deutsche in die Notwendigkeit versetzt ist, sich eigentlich immer wiederum in unmittelbare, in elementare Beziehung zur Volksseele zu setzen, muß diese Volksseele daher auch mit ihrer Urgewalt immer wieder auf ihn wirken, und er fühlt sich immer wiederum gedrängt, anzuknüpfen an die reinsten Quellen des volkstümlichen Lebens; und er fühlt sich gestärkt und erfrischt, wenn er seinen Zusammenhang mit diesem volkstümlichen Leben erspüren kann.
[ 12 ] But there is one thing connected to this: Since the German is thus compelled to constantly reestablish a direct, elemental connection with the national spirit, this national spirit must in turn continually exert its primal power upon him, and he feels compelled time and again to reconnect with the purest sources of folk life; and he feels strengthened and refreshed when he can sense his connection to this folk life.
[ 13 ] Das ist es, was sich der Deutsche gedrängt fühlt auszusprechen, wenn er sein Verhältnis zur übersinnlichen Welt ins Auge fassen will. Das ist es auch, was den besonderen Zauber des deutschen Weltgedichtes, des «Faust», ausmacht. Da sehen wir den Faust, wie er in der sozusagen alt gewordenen Kultur darinnen lebt; wie er die einzelnen Äußerungen dieser Kultur in sich hat wirken lassen, und wie er nun danach strebt, um unmittelbar hinzugelangen an die Quellen aller Erkenntnis, sich mit einzelnen Geistern, mit dem Geist der Erde, dem Weltgeist, in Beziehung zu setzen. Wir sehen, wie er strebt, das zu erreichen, was man nennen könnte eine Verjüngung der ganzen Menschenseele. Man hat sogar gespottet, wenigstens verächtlich geredet über dasjenige, was wie eine Art Verjüngungs-Szene am Eingang des zweiten Teiles des «Faust» steht, wo Faust in einer Art von Schlafzustand ist, und die Geister des Kosmos ihn durchdringen, epochenweise, so wie die Nacht verläuft, mit dem, was sie ihm zu geben haben. Aber derjenige, der weiß, daß solche Dinge nur dargestellt werden können im Bilde, der wird sich einem solchen Mißverständnis nicht hingeben können. Nachdem Faust zuerst versucht hat, im Sinnenleben und in der Welt der äußeren Wissenschaft zu verjüngen, was in ihm alt geworden ist, stellt sich in ihm eine Beziehung her zwischen den Urkräften seines seelischen Lebens und der übersinnlichen Welt, und durch diese wird er verjüngt, so daß er alles dasjenige dann vollführen kann, was uns dargestellt wird im zweiten Teil des «Faust»: daß er eintreten kann in die große Welt, um in ihr zu wirken als tätige Kraft; daß er antreten kann den Gang zu den Müttern, wo er zu entdecken hat die Urkräfte des Seins in jener Sphäre, wovon der Materialist immer sagen wird, sie sei ein Nichts, von dem derjenige, der vom Geiste etwas weiß, immer Fausts Worte gebrauchen muß: «In Deinem Nichts hoff’ ich das All zu finden.»
[ 13 ] This is what the German feels compelled to express when he seeks to contemplate his relationship to the supernatural world. This is also what constitutes the special magic of the German epic poem, *Faust*. There we see Faust living within a culture that has, so to speak, grown old; how he has allowed the individual expressions of this culture to take effect within himself, and how he now strives—in order to reach directly to the sources of all knowledge—to enter into a relationship with individual spirits, with the spirit of the Earth, and with the World Spirit. We see how he strives to achieve what one might call a rejuvenation of the entire human soul. People have even mocked—or at least spoken contemptuously of—what appears as a kind of rejuvenation scene at the beginning of the second part of *Faust*, where Faust is in a sort of sleep-like state, and the spirits of the cosmos permeate him, epoch by epoch, as the night unfolds, with what they have to give him. But anyone who knows that such things can only be depicted in imagery will not be able to succumb to such a misunderstanding. After Faust has first attempted to rejuvenate what has grown old within him through his inner life and the world of external science, a connection is established within him between the primal forces of his spiritual life and the supersensible world; and through this connection he is rejuvenated, so that he can then accomplish all that is depicted to us in the second part of *Faust*: that he can enter the great world to act within it as an active force; that he can embark on the journey to the Mothers, where he must discover the primal forces of being in that sphere of which the materialist will always say it is nothing, and of which the one who knows something of the spirit must always use Faust’s words: “In Your Nothingness I hope to find the Universe.”
[ 14 ] Aber wir sehen auch gerade an Faust, wie die verjüngenden Kräfte des geistigen Lebens dadurch in ihm wirken, daß er eben als ein deutscher Geist dargestellt wird. Diese verjüngenden Kräfte wirken so in ihm, daß zuletzt bei seiner Erblindung alles abstirbt, was man nennen könnte: seinen Zusammenhang mit der physisch-sinnlichen Welt. Und indem es finster um ihn wird, leuchtet ihm im Innern helles Licht. Das heißt: Er ist zu den Kräften gekommen, die Goethe wirklich aus dem Wesen der deutschen Volksseele hergeholt hat und die in seinem Innern so auferweckt werden, daß er in der äußeren altgewordenen Kultur die verjüngende Kraft des wahrhaftigen deutschen Lebens gespürt hat. Diese verjüngenden Kräfte wirken so in der Seele, wie ihr Wirken im Sinne der deutschen Volkheit gesehen wird, daß der Mensch, wie wir das auch darstellen konnten, als wir von der mittelalterlichen Mystik sprachen, in seinem Innern das, was seine Seele denkt und fühlt und tut, unmittelbar ansieht als Gedanken, Gefühl und Wille der göttlich-geistigen Wesenheiten selbst und sich verbunden fühlt mit der geistigen Welt selbst, die in ihm als verjüngende Kraft wirkt, die nicht alt werden läßt das, was seine Kultur ist; die ihn immer hoffen läßt darauf, daß, wenn irgendein Zweig der Kultur gleichsam seelisch trocken geworden ist, die verjüngenden Kräfte einen neuen Keim bewirken können. Dieses unmittelbare Beisammensein des Volksgeistes mit der einzelnen Seele des Menschen, das unterscheidet wiederum die Seele des Mitteleuropäers von der Seele des Osteuropäers.
[ 14 ] But we also see in Faust how the rejuvenating forces of spiritual life work within him precisely because he is portrayed as a German spirit. These rejuvenating forces work within him in such a way that, when he finally goes blind, everything that could be called his connection to the physical-sensory world dies away. And as darkness closes in around him, a bright light shines within him. This means: He has come to possess the forces that Goethe truly drew from the essence of the German national soul, and which are awakened within him in such a way that, within the outwardly aged culture, he has sensed the rejuvenating power of true German life. These rejuvenating forces work in the soul—as their effect is perceived in the context of the German people—in such a way that the human being, as we were also able to illustrate when we spoke of medieval mysticism, directly perceives within himself what his soul thinks, feels, and does as the thoughts, feelings, and will of the divine-spiritual beings themselves, and feels connected to the spiritual world itself, which works within him as a rejuvenating force that prevents his culture from growing old; a force that always gives him hope that, even if some branch of culture has, so to speak, become spiritually barren, the rejuvenating forces can bring forth a new seed. This direct communion between the national spirit and the individual human soul is what, in turn, distinguishes the soul of the Central European from that of the Eastern European.
[ 15 ] In einer merkwürdigen Weise stellt sich vor die Geisteswissenschaft das russische Slawentum hin. Der Russe hat seinen Volksgeist wie ein über sich Waltendes, so daß dieser Volksgeist nicht, wie etwa beim Italiener, unmittelbar in die Empfindungsseele oder wie beim Franzosen in die Verstandesseele oder wie beim Briten in die Bewußtseinsseele hineinwirkt noch daß er hineintaucht in das Ich; sondern daß die Volksseele als ein Geistiges über dem Einzelnen schwebt, zu dem aufgeschaut wird wie zu einer Wolke, während unten mit ihren seelischen Kräften die einzelnen wirken, in deren seelische Kräfte die Volksseele nicht hineingelangt. Daher sehen wir so etwas bei diesen Menschen des Ostens, daß die einzelnen Seelenkräfte, die noch nicht begriffen sind im Entwickelungsstadium, wie anarchisch durcheinanderwirken. Weil nicht das Volksseelentum ihre innere Harmonie bewirkt, wirken diese drei Seelenkräfte wie anarchisch durcheinander; sie finden nicht die Möglichkeit, in Harmonie zueinander zu stehen. Das ist das Eigentümliche, das den Westeuropäer befremdend anmutet, wenn er sich gerade zu der Geistkultur des Ostens hinwendet. Dieses Nichtbeisammensein der Volksseele gegenüber dem Beisammensein der Volksseele mit der einzelnen menschlichen Seele, das ist das Unterscheidende des deutschen Menschen vom russischen Menschen. Und dieses Unterscheidende tritt uns gerade dann entgegen, wenn wir auf die eigentlichen Kräfte der deutschen Volksseele unser geistiges Augenmerk lenken.
[ 15 ] In a curious way, Russian Slavic culture presents itself to the science of the spirit. The Russian perceives his national spirit as something reigning above him, so that this national spirit does not—as is the case with the Italian, for example—act directly upon the feeling soul, or—as with the French—upon the intellectual soul, or—as with the British—upon the conscious soul, nor does it penetrate into the “I”; but rather the national soul hovers above the individual as a spiritual entity, looked up to as one would a cloud, while below the individuals act with their own soul forces, into which the national soul does not penetrate. That is why we see among these Eastern peoples that the individual soul forces—which have not yet been grasped at this stage of development—interact in such an anarchic jumble. Because the national soul does not bring about their inner harmony, these three soul forces interact in a seemingly anarchic jumble; they cannot find a way to exist in harmony with one another. This is the peculiarity that strikes the Western European as strange when he turns his attention specifically to the spiritual culture of the East. This lack of unity within the national soul, in contrast to the unity between the national soul and the individual human soul, is what distinguishes the German people from the Russian people. And this distinction becomes apparent precisely when we direct our spiritual attention to the actual forces of the German national soul.
[ 16 ] Wie tritt die deutsche Kulturentwickelung in die ganze Weltenentwickelung ein? Nachdem die Germanen ihre Zusammenstöße mit den Römern, den südlichen Völkern gehabt hatten, stellt die deutsche Kultur Menschen hin, die von der Kraft des Menschlichen unmittelbar in ihrer hier in der Welt daseienden Wesenheit ergriffen werden. Wir sehen, um nur eine Gestalt zu erwähnen, Siegfried vor uns; wir sehen die anderen Gestalten der Nibelungen vor uns. Sie tragen die Kräfte, durch die sie in der Welt zu wirken berufen sind, unmittelbar in ihrer Seele, und sie fühlen das, was sie da in ihrer Seele haben, als dasjenige, was die Welt überhaupt leitet, regiert und erhält. Dasjenige, was sich im Volksmund, im Geistesleben von diesem beseelten Verhältnis der Volksseele zu der einzelnen Seele erhalten hat, wie es uns schon entgegentritt im Anfang der mitteleuropäischen Kultur, das, was sich da erhalten hat, wir können es charakteristisch finden in einer ähnlichen Weise, wie uns vertieft die Beziehung zur geistigen Welt in der Mystik entgegentritt. Das, was den Mystiker durchpulst, empfindet er als dasjenige, was auch den. ganzen Kosmos durchpulst. Er fühlt sich in dem, was er das Göttliche, das Geistige nennt. Man braucht nur das, was etwa Siegfried oder die anderen Gestalten durchpulst, die Nachklänge des ältesten Zusammenlebens der deutschen Volksseele mit der Einzelseele sind, zu vergleichen mit der Gestalt, welche innerhalb des russischen Volkslebens sich mit großer Popularität erhalten hat, der Gestalt des Ilja Muromez. Da sehen wir, wie er als Mensch das Göttlich-Geistige in der Ferne fühlt, wie er zu ihm aufschaut, wie es ihm etwas ist, was nicht unmittelbar in seiner Seele ist, wofür er sich höchstens hinopfert und als Streiter hingeben kann. Der Mut, die Kraft in der SiegfriedNatur, die Demut, die unmittelbare Hinopferung in der Muromez-Natur.
[ 16 ] How does German cultural development fit into the overall development of the world? After the Germanic peoples had their clashes with the Romans and the southern peoples, German culture brought forth individuals who were directly gripped by the power of the human in their very being here in the world. We see, to mention just one figure, Siegfried before us; we see the other figures of the Nibelungen before us. They carry the forces through which they are called to act in the world directly within their souls, and they feel what they possess there in their souls as that which guides, governs, and sustains the world as a whole. That which has been preserved in the vernacular and in the spiritual life from this animated relationship between the national soul and the individual soul—as it already confronts us at the dawn of Central European culture—that which has been preserved there, we can recognize as characteristic in a similar way to how the relationship to the spiritual world confronts us in a deeper sense within mysticism. The mystic perceives what pulses through him as that which also pulses through the entire cosmos. He feels himself within what he calls the divine, the spiritual. One need only compare what pulses through Siegfried or the other figures—who are echoes of the oldest coexistence of the German national soul with the individual soul—with the figure that has endured with great popularity within Russian folk life: the figure of Ilya Muromets. There we see how, as a human being, he senses the divine-spiritual in the distance, how he looks up to it, how it is something to him that is not immediately present in his soul—something for which, at most, he can sacrifice himself and give his life as a warrior. The courage and strength in the nature of Siegfried; the humility and immediate self-sacrifice in the nature of Muromets.
[ 17 ] Und wir können sagen: Dasjenige, was uns so in der ersten Zeit der deutschen Blüte entgegentritt, es ist wie etwas, was dann in den Wirren der späteren Zeit wie verschwindet, fremden Einflüssen unterliegt. Und dann sehen wir in einer wunderbaren Weise vom zwölften, besonders vom dreizehnten Jahrhundert ab ein erneutes Sichbemühen des deutschen Geistes durch eben die verjüngenden Kräfte der deutschen Volksseele aufleuchten.
[ 17 ] And we can say: What we encounter in the early period of Germany’s flourishing is like something that then seems to vanish amid the turmoil of later times, succumbing to foreign influences. And then, in a marvelous way, from the twelfth century onward—and especially from the thirteenth—we see a renewed effort of the German spirit shining forth through the very rejuvenating forces of the German national soul.
[ 18 ] Nehmen wir solche Gestalten wie Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach. Wir sehen, wie da allerdings Gestalten und dichterische Vorwürfe aus dem Westen genommen werden, aber wie das, was aus dem Westen genommen wird, nur wie das Gerüst ist und wie eine unmittelbare Verbindung mit den elementarsten Kräften der übersinnlichen Welt zum Beispiel Wolfram von Eschenbach dazu anfeuert, aus seinem Parzifal denjenigen zu machen, der durch die eigenen Kräfte seiner Seele seinen Weltenwandel zum Gral durchmacht; indem er in der Außenwelt sucht, will er mit jedem Schritt zugleich seine seelischen Kräfte erweitern und im gleichen Maße in seine Seele eine Vergeistigung hereinbekommen. Eine Vertiefung, und zu gleicher Zeit eine Verjüngung des deutschen Wesens tritt uns in dieser Zeit, der Wolfram von Eschenbach angehört, unmittelbar entgegen.
[ 18 ] Let us consider figures such as Walther von der Vogelweide and Wolfram von Eschenbach. We see how, admittedly, characters and poetic themes are drawn from the West, but how what is taken from the West serves merely as a framework, and how a direct connection with the most elemental forces of the supersensible world—for example, in the case of Wolfram von Eschenbach—inspires him to make his *Parzifal* the one who, through the powers of his own soul, undergoes his journey through the worlds to the Grail; by seeking in the outer world, he aims with every step to expand his spiritual powers and, to the same extent, to bring a spiritualization into his soul. A deepening, and at the same time a rejuvenation, of the German spirit confronts us directly in this era to which Wolfram von Eschenbach belongs.
[ 19 ] Und dann sehen wir wiederum, wie sich nach und nach fremdländische Einflüsse geltend machen; wie gleichsam das deutsche Wesen altert. Aber wir sehen wirksam durch alles Altern hindurch die verjüngenden Kräfte der deutschen Volksseele. Und wir sehen dann diese verjüngenden Kräfte der deutschen Volksseele in einer merkwürdigen Weise hervortreten, nachdem Deutschland von den Feinden ringsumher im Dreißigjährigen Kriege wie zu einer Kulturwüste gemacht worden ist; wir sehen diese Kräfte aufglimmen, sehen ein Sichherausarbeiten der Volkskräfte, die wiederum eine vollständige Verjüngung durchmachen. Woher kommen diese verjüngenden Kräfte? Da muß man auf Lessing hinweisen, der in seinen Werken, in dem, was sein geistiges Testament ist, auf das Unsterbliche, das Ewige in der Menschennatur hingewiesen hat, — in jenem Testament allerdings, an das die ganz Gescheiten nicht glauben wollen. Aber er hat auch am Ende seines Testamentes darauf aufmerksam gemacht, wie er eine Erkenntnis sucht, die nicht eine Erkenntnis der Gelehrten, der auf der Spitze der Bildung sich Dünkenden ist, sondern die eine Erkenntnis der einfachsten, elementarsten Volkskräfte in der Urzeit war. Eine Verjüngung, eine Erfrischung des Wissens meint Lessing, als er sagt: Muß denn jeder einzelne Mensch eben die Bahn, auf welcher das Geschlecht zu seiner Vollkommenheit gelangt, in ein und demselben Leben durchlaufen haben? Warum könnte jeder einzelne Mensch nicht mehr als einmal auf dieser Welt vorhanden gewesen sein? Ist diese Hypothese darum lächerlich, weil sie die älteste ist? Weil der menschliche Verstand, ehe ihn die Sophisterei der Schule zerstreut und geschwächt hatte, sogleich darauf verfiel?
[ 19 ] And then we see, once again, how foreign influences gradually make themselves felt; how, as it were, the German spirit grows old. But we see, shining through all this aging, the rejuvenating forces of the German national soul. And we then see these rejuvenating forces of the German national soul emerge in a remarkable way after Germany was turned into a cultural wasteland by the enemies surrounding it during the Thirty Years’ War; we see these forces flare up, see the national forces working their way to the surface, undergoing a complete rejuvenation. Where do these rejuvenating forces come from? Here one must point to Lessing, who in his works—in what constitutes his spiritual testament—pointed to the immortal, the eternal in human nature—in that very testament, however, which the truly wise refuse to believe in. But at the end of his “testament,” he also drew attention to how he sought a kind of knowledge that was not the knowledge of scholars—those who consider themselves at the pinnacle of education—but rather the knowledge of the simplest, most elementary forces of the people in primeval times. Lessing refers to a rejuvenation, a refreshing of knowledge, when he asks: Must every single human being necessarily traverse the path by which the human race attains its perfection within one and the same lifetime? Why could not every single human being have existed more than once in this world? Is this hypothesis ridiculous simply because it is the oldest? Because the human mind, before it was scattered and weakened by the sophistry of the school, immediately fell upon it?
[ 20 ] Da haben Sie dieses bewußte Untertauchen in das Volkstümliche, um zu einer höchsten Weisheit zu kommen. Derjenige, der seinen Zusammenhang mit der deutschen Entwickelung ins Auge faßt, kann nur sagen: Es ist ein Einströmen der verjüngenden Kräfte der deutschen Volksseele in Lessing zu sehen.
[ 20 ] There you have this deliberate immersion in the folk tradition in order to arrive at the highest wisdom. Anyone who considers his connection to German development can only say: One can see an influx of the rejuvenating forces of the German national soul into Lessing.
[ 21 ] Und wiederum sehen wir in Herder, in Goethe, wie sie, der eine unterstützt von dem anderen, sich vertiefen in das deutsche Volkslied, in das deutsche Altertum, und wie sie, angeregt durch die verjüngenden Kräfte der deutschen Volksseele, eine Erhöhung der in ihnen befindlichen dichterischen Anlage und Erkenntnisanlage gewinnen. Und sehen wir, wie Goethe seinen «Faust» aus demjenigen herausgeschaffen hat, was mitten im Volk entstanden ist, — die Faustfigur, die er ja zunächst nur durch das Puppenspiel gekannt hat, das heißt durch dasjenige, was innerhalb des Volkes lebte. Eine Verjüngung ihres Lebens erfuhren Goethe und Herder durch ihr Eindringen in die Impulse der Volksseele. Es war Lessing, der auch das Faustproblem in die Zeit hineinstellte, der darauf aufmerksam machte, daß das, was an Dramatik in seiner Zeit elementar vorhanden war — solche Gestalten, wie sie in alten Stücken im Volke lebten — wiederum auf die Bühne gebracht werden müßte. Und er gab eine Szene, die sich an eine alte Volkstradition anlehnt, die sich anlehnt an den Verkehr mit der geistigen Welt.
[ 21 ] And once again we see in Herder and Goethe how they—one supported by the other—delve into German folk songs and German antiquity, and how, inspired by the rejuvenating forces of the German national spirit, they achieve an elevation of the poetic and intellectual faculties within them. And we see how Goethe created his *Faust* out of what arose from the very heart of the people—the figure of Faust, whom he initially knew only through puppet theater, that is, through what lived within the people. Goethe and Herder experienced a rejuvenation of their own lives through their immersion in the impulses of the folk soul. It was Lessing who also placed the Faust problem within its historical context, who pointed out that what was fundamentally present in the drama of his time—characters such as those that lived among the people in old plays—must be brought back to the stage. And he provided a scene based on an old folk tradition, one rooted in communication with the spiritual world.
[ 22 ] Und stellen wir vor unser Auge die Strömung der Romantiker, die durch die Vertiefung in deutsches Volkstum, in die Mystik eine Verbindung mit dem Geiste anstreben; wir sehen, wie zum Beispiel in Novalis ein tiefer Einbruch auftritt in die Sphäre der geistigen Welt hinein.
[ 22 ] And let us picture the Romantic movement, which, through its immersion in German folklore and mysticism, sought a connection with the spirit; we see, for example, how in Novalis there is a profound penetration into the sphere of the spiritual world.
[ 23 ] Wenn man alle diese Verhältnisse betrachtet, so kann manches erklärlich werden, was ja gewiß schon hervorgehoben worden ist, was wie eben etwas durch Beobachtung Erkanntes hingenommen worden ist, was aber nicht in seinem Zusammenhang durchschaut worden ist. Der außerordentlich geistvolle Karl Hillebrand hat in einer wunderschönen Weise die westlichen Volkscharaktere mit den mittleren zusammengestellt. Das, was er in seiner sehr schönen Abhandlung über abendländische Weltanschauung zu sagen hat, findet eine vollständige Bestätigung, aber auch eine Durchleuchtung durch das, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat. Hebt doch Hillebrand hervor, daß die Italier die europäische Bildung gebracht haben, die Spanier den Mathematismus, die Engländer den Empirismus. Und nun denkt er nach: Was ist es denn eigentlich, was in den allgemeinen geistigen Prozeß der Menschheit der deutsche Geist einzuführen hat? Und er kommt wirklich in seiner Antwort zu einer ausgezeichneten, präzisen Charakterisierung desjenigen, was der deutsche Geist der Menschheit zu bringen hat: «Der deutsche Geist hat im Grunde erst die Idee des Organismus gefunden.» Für den, der durchaus nur britisch denkt, existiert der Organismus nicht. Das Wesen wird äußerlich angeschaut, aber es tritt nicht vor das Auge das unmittelbare organische Leben und Weben. Der Rationalist des Westens, er sucht durch historische Ideen zu begreifen, was Wirklichkeit ist; aber untertauchen in das Wirkliche, so daß das Leben im Wirklichen ergriffen wird, — von dem weiß auch Hillebrand, daß es des deutschen Geistes Eigentümlichkeit ist. Und so wird gerade durch Geisteswissenschaft dasjenige, was an Mißverständnissen gegenüber dem Deutschtum unter den europäischen Nationen waltet, immer mehr und mehr zutage treten.
[ 23 ] When one considers all these circumstances, many things become understandable—things that have certainly already been emphasized, things that have been accepted as insights gained through observation, but things whose full context has not yet been grasped. The extraordinarily insightful Karl Hillebrand has beautifully contrasted Western national characters with those of Central Europe. What he has to say in his excellent treatise on the Western worldview finds complete confirmation—but also deeper insight—through what spiritual science has to say. Hillebrand emphasizes, after all, that the Italians brought European culture, the Spaniards mathematical thinking, and the English empiricism. And now he reflects: What, in fact, is it that the German spirit has to contribute to the general spiritual process of humanity? And in his answer, he truly arrives at an excellent, precise characterization of what the German spirit has to offer humanity: “The German spirit is, in essence, the first to have discovered the idea of the organism.” For those who think exclusively in British terms, the organism does not exist. The essence is viewed from the outside, but the immediate organic life and interplay do not present themselves to the eye. The Western rationalist seeks to understand what reality is through historical ideas; but to immerse oneself in reality so that life within it is grasped—Hillebrand, too, knows that this is a distinctive trait of the German spirit. And so it is precisely through spiritual science that the misunderstandings regarding German culture that prevail among the European nations will become increasingly apparent.
[ 24 ] Man muß wirklich sagen: Es ist begreiflich, wie der deutsche Geist in seinem Ringen nach einem inneren elementaren, unmittelbaren Zusammenhang mit der Volksseele so unendlich schwer verstanden werden kann. Das, was ihn charakterisiert, was in seinem eigenen Wesen aber auch ist, und das, was innerhalb seines Wesens besteht, das ist für ihn etwas, was mit dem Geiste organisch zusammenhängt, was er unmittelbar in dem objektiven Zusammenhang mit seiner Seele erleben muß, was zum Beispiel von demjenigen Geiste, der in seinem Seelenleben die Volksseele nur mit der Bewußtseinsseele erfaßt, so schwierig zu begreifen ist. Herman Grimm, der so gründlich und schön in dem Weben der deutschen Volksseele darin stand, sagt ein schönes Wort über die ja in gewisser Beziehung ausgezeichnete Biographie Goethes von dem Engländer Lewes: Wenn man die Biographie liest, dann muß man, wenn man als Deutscher unmittelbar miterlebend Goethes Wesen erfühlt, sagen: Ja, dieser Mr. Lewes, der schreibt über einen Menschen, der im August 1749 in Frankfurt geboren ist, der eine solche Jugend erlebt hat, daß sie einen erinnert an Goethes Jugend; ein Mensch, dem Goethes Lebensereignisse angedichtet werden, dem Goethes Werke zugeschrieben werden, der im März 1832 stirbt, von dem aber das nicht zu bemerken ist, was der deutsche Betrachter gerade bei seinem Goethe erfühlt und zu erweisen strebt.
[ 24 ] One really must say: It is understandable how the German spirit, in its struggle for an inner, elemental, and immediate connection with the soul of the people, can be so incredibly difficult to understand. That which characterizes it—which is also part of its very essence—and that which exists within its essence is, for it, something organically connected to the spirit, something it must experience directly in the objective connection with its soul—something that is so difficult to grasp, for example, for the spirit that, in its soul life, perceives the national soul only through the conscious soul. Herman Grimm, who was so thoroughly and beautifully attuned to the fabric of the German national soul, has a fine remark about the—in a certain sense—excellent biography of Goethe written by the Englishman Lewes: When one reads the biography, then—if, as a German, one feels Goethe’s essence as if experiencing it firsthand—one must say: Yes, this Mr. Lewes, who writes about a man born in Frankfurt in August 1749, who experienced a youth so reminiscent of Goethe’s own; a man to whom Goethe’s life events are attributed, to whom Goethe’s works are ascribed, who died in March 1832—yet in whom one cannot discern what the German observer feels and strives to demonstrate precisely in his Goethe.
[ 25 ] Und es ist ja schließlich sehr begreiflich, daß gerade das Intimste deutscher Weltauffassung, das Erfassen des OrganischLebendigen, gerade dem Westvolke unwahrscheinlich dünkt. Und so konnte es kommen, daß in einem grotesken Mißverständnis der französische Philosoph Bergson um die Weihnachtszeit einen Vortrag halten konnte, in dem er davon spricht, daß dem deutschen Wesen gerade das lebendige Ergreifen des Organisch-Lebendigen in der Gegenwart abginge, daß das ganze deutsche Wesen ein Mechanismus geworden sei.
[ 25 ] And after all, it is quite understandable that precisely the most intimate aspect of the German worldview—the grasping of the organic and living—should seem implausible to the Western people. And so it came to pass that, in a grotesque misunderstanding, the French philosopher Bergson was able to give a lecture around Christmas time in which he argued that the German spirit lacked precisely the ability to grasp the organic and living in the present, and that the entire German spirit had become a mechanism.
[ 26 ] Man hat das Gefühl, daß dieser französische Philosoph Bergson, der gewiß manche Tiefen in seinem Wesen hat, was er gerade dem deutschen Idealismus verdankt — Schelling -, was er dann wiedergibt in seiner Art, eben ohne Vertiefung in das deutsche Wesen, — man kann es merkwürdig finden, daß dieser Philosoph das deutsche Wesen als mechanistisch ansieht, weil er meint, das alte idealistische Leben sei geschwunden. Er beurteilt das deutsche Volk danach, daß jetzt seinem Volke deutsche Kanonen gegenüberstehen. Das ist geradeso, als wenn Bergson erwartet hätte, daß den Franzosen entgegengehen statt der Flinten und Kanonen Deutsche, die ihnen Goethe oder Schillersche Gedichte entgegenrezitieren. Da sie das nicht tun, merken die Leute, auch die Philosophen nichts von dem deutschen Geist, sondern sie sehen nur den deutschen Mechanismus, der ihnen entgegensteht in Flinten und Kanonen.
[ 26 ] One gets the feeling that this French philosopher, Bergson—who certainly possesses certain depths of character, which he owes precisely to German idealism (Schelling) and which he then reflects in his own way, albeit without delving deeply into the German spirit—one may find it strange that this philosopher views the German spirit as mechanistic, because he believes that the old idealistic way of life has vanished. He judges the German people based on the fact that German cannons now stand against his own people. This is just as if Bergson had expected the French to be met—instead of by rifles and cannons—by Germans reciting poems by Goethe or Schiller to them. Since they do not do so, people—including philosophers—perceive nothing of the German spirit, but see only the German mechanism that stands against them in the form of rifles and cannons.
[ 27 ] Aber auch in mancher anderen Beziehung ist gerade das, was das Intimste des deutschen Geistes ist, schwierig zu verstehen für diejenigen, welche sich nicht einlassen wollen auf die innerste, intimste Eigentümlichkeit, wie im deutschen Geistesleben Volksseelentum und Einzelmensch zusammenwirken. Weil mir das doch recht charakteristisch erscheint, möchte ich drei Sätze mitteilen, die gewissermaßen herausgeboren sind aus den tiefsten, intimsten Eigentümlichkeiten der deutschen Entwickelung; diese Sätze sind so geformt, als ob der Deutsche darin das Wesen seiner Seele, so wie er es seinem Volksgeist abgelauscht hat, ausdrücken wollte.
[ 27 ] But in many other respects as well, it is precisely that which is most intimate to the German spirit that is difficult to understand for those who are unwilling to engage with the innermost, most intimate characteristic of how the national spirit and the individual interact in German intellectual life. Because this seems to me to be quite characteristic, I would like to share three sentences that have, so to speak, sprung from the deepest, most intimate characteristics of German development; these sentences are formulated as if the German were seeking to express in them the essence of his soul, just as he has discerned it from his national spirit.
[ 28 ] Der erste Satz: «In dem Gemüte lebt das Fünklein, in dem sich in der Menschenseele die Weltseele offenbart.» Diesen Satz hat Eckhart ausgesprochen, der deutsche Mystiker. Man darf wohl sagen, daß er so recht aus dem Wesen des Zusammenwirkens der Volksseele mit der einzelnen Seele heraus gesprochen ist. Nun versuche man einmal, diesen Satz in irgendeine westeuropäische Sprache so zu übersetzen, daß er wirklich übersetzt ist. Man wird es nicht können, weil aus einer anderen Sprache heraus der Volksgeist das nicht hergibt, was die Übersetzung dieses Satzes wäre, was so richtig im Sinne der deutschen Mystik den Inhalt des Satzes zum Ausdruck bringt.
[ 28 ] The first sentence: “In the mind lives the little spark in which the world soul reveals itself in the human soul.” This sentence was spoken by Eckhart, the German mystic. One may well say that it truly expresses the essence of the interplay between the national soul and the individual soul. Now let us try to translate this sentence into any Western European language in such a way that it is truly translated. We will not be able to do so, because the national spirit of another language does not provide what the translation of this sentence would be—a translation that so accurately expresses the content of the sentence in the spirit of German mysticism.
[ 29 ] Der zweite Satz: «Der Deutsche will nicht im abgeschlossenen Sein verharren, er will immer werden.» Der Deutsche betrachter also sein Volkstum als etwas, was er als ein Ideal ansieht, dem man nachstrebt. Fichte sagt: Man ist Italier, man ist Franzose, aber man wird Deutscher, indem man sein Deutschtum in sich wirksam und intensiv verspürt; so wie Faust dasjenige verspürt, wonach er «immer strebend sich bemüht». «Der Deutsche wird, er will nicht im abgeschlossenen Sein verharren.» Man versuche wieder, das zu übersetzen, so daß es diesen intimen Sinn wiedergibt. Man wird sehen, daß man es nicht kann.
[ 29 ] The second sentence: “The German does not wish to remain in a state of fixed existence; he always wants to become.” The German, then, regards his national identity as something he views as an ideal to be striven for. Fichte says: One is Italian, one is French, but one becomes German by actively and intensely feeling one’s Germanness within oneself; just as Faust feels that which he “always strives for.” “The German is becoming; he does not wish to remain in a state of completed being.” Let us try again to translate this so that it conveys this intimate meaning. We will see that it cannot be done.
[ 30 ] Der dritte Satz; es ist ein Satz, wodurch Hegel etwas hat ausdrücken können, was ihm als Verbindung des Übersinnlichen mit der einzelnen Menschenseele erscheint. Hegel sagt, in dem Übergang vom Sein ins Nichtsein, vom Nichtsein ins Sein liegt das lebendige Werden, in dem auch Fichte das Wesen des Menschen im Ich ergriffen hat. Nicht im starren Sein, sondern in dem, was sich immer erschafft, was immer vom Nichtsein in sich hat, vom Sein in Nichtsein immer schöpferisch übergeht. So ist dieser dritte Satz ein eminent deutscher Satz: «Sein und Nichtsein vereinigen sich zu höherer Einheit im Werden.» Versuchen Sie, auch diesen Satz zu übersetzen in eine westeuropäische Sprache, man wird es nicht können.
[ 30 ] The third proposition; it is a proposition through which Hegel was able to express what appears to him as the connection between the supersensible and the individual human soul. Hegel says that in the transition from being to non-being, from non-being to being, lies the living becoming, in which Fichte, too, grasped the essence of the human being in the “I.” Not in rigid Being, but in that which is constantly creating itself, which always contains Nothingness within itself, and which always passes creatively from Being into Nothingness. Thus, this third proposition is an eminently German proposition: “Being and Nothingness unite into a higher unity in becoming.” Try to translate this proposition into a Western European language—you will not be able to.
[ 31 ] Dasjenige, was in dem angedeuteten Sinne deutsches Wesen ist, das wird ja dem osteuropäischen, dem russischen Menschen besonders schwierig zu verstehen. Und richtig muß es sein, gerade das Wesen des russischen Menschen in unserer Gegenwart ins Auge zu fassen. Denn gerade das, was uns in den unendlichen Schmähungen von allen Seiten, auch vom Osten, entgegentönt, es enthält den barsten Unverstand über das deutsche Wesen. So ist es schon seit Jahrzehnten vorbereitet worden im osteuropäischen Wesen, eine Scheidewand, eine Kluft gegenüber dem mitteleuropäischen Wesen aufzurichten.
[ 31 ] What constitutes the German essence in the sense implied here is, after all, particularly difficult for Eastern Europeans—for Russians—to understand. And it must be right to focus precisely on the essence of the Russian people in our present time. For it is precisely what we hear in the endless invectives coming from all sides—including from the East—that reveals the most utter lack of understanding of the German essence. Thus, for decades now, the Eastern European mindset has been conditioned to erect a barrier, a chasm, between itself and the Central European mindset.
[ 32 ] Gewiß, man findet im europäischen Westen, daß gerade gesucht wird, in strenge Logik zu bannen dasjenige, was der Deutsche sucht auf mannigfaltigen Wegen, auch auf mannigfaltigen Hin- und Herwegen, weil er immer in lebendiger Einheit mit dem Übersinnlichen verharren muß, wenn er im wahrsten Sinne des Wortes Deutscher ist. Aber diese Logik ist doch wiederum eine sonderbare Logik. Und sie tritt uns besonders jetzt entgegen, wo aus so sonderbarer Logik heraus immer wiederum, trotz allem, was sich zugetragen hat, gesagt wird: Wer hat den Krieg gewollt? und dann auf das Sonderbare hingedeutet wird, als ob die mitteleuropäische Bevölkerung diesen Krieg gewollt habe. Diese logischen Gründe stehen auf derselben logischen Höhe wie etwa der Satz: Ihr Deutsche habt die Schuld, daß die gegenwärtigen Kriege überhaupt geführt werden können, denn ihr habt das Pulver erfunden. Ungefähr so sind die Gründe auch, die aus den unmittelbaren Ereignissen der Gegenwart uns entgegentönen. Man kann uns ja sogar die Schuld geben, daß uns der Zeitungskrieg entgegengehalten wird, denn die Deutschen haben ja auch die Buchdruckerkunst erfunden. Wäre das nicht in Mitteleuropa geschehen, so könnten die Schmähungen und Beschimpfungen des Westens uns jetzt nicht ereilen.
[ 32 ] Certainly, in Western Europe, people are striving to encapsulate within strict logic precisely what the German seeks through manifold paths—including many twists and turns—because he must always remain in living unity with the supersensible if he is, in the truest sense of the word, a German. But this logic is, after all, a strange logic. And it confronts us particularly now, when—based on such strange logic—it is said time and again, despite everything that has happened: “Who wanted the war?”—and then the finger is pointed at the “strange,” as if the Central European population had wanted this war. These logical arguments stand on the same logical level as, say, the statement: “You Germans are to blame for the fact that the current wars can be waged at all, because you invented gunpowder.” The arguments that resound from the immediate events of the present are roughly the same. One could even blame us for the fact that we are subjected to this “war of the press,” since the Germans also invented the art of printing. Had that not happened in Central Europe, the insults and abuse from the West would not be directed at us now.
[ 33 ] Es muß mancherlei hervorgehoben werden an Strömungen, die in ihrem ganzen Zusammenhang betrachtet alles das zusammensetzen, was uns wie eine geistige Atmosphäre aus dem Osten herüberkommt. Da sehen wir, wie nach der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts etwas in Rußland heraufkommt, was man das Slawophilentum nennt. Wenn man dieses Slawophilentum, so, wie es nun geworden ist, ins Auge faßt, hat man etwa die Möglichkeit, drei Gesichtspunkte in dem heutigen Panslawismus zu erkennen. Das erste, das radikal heraufgekommen ist, das ist, daß der Slawophilismus der Ansicht ist: Die westliche Kultur ist faul, sie ist zum Untergang reif, und die russische Kultur muß die europäische Kultur retten. Das ist das erste. Das zweite ist: Da im Westen herrscht der Individualismus. Das ist nicht ganz unrichtig, wenn man es richtig versteht, denn man kann jenes Zusammenleben der Einzelseele mit der Volksseele einen Individualismus nennen; der Einzelne will sein Göttlich-Geistiges unmittelbar mit den eigenen Seelenkräften erleben. Dieser Individualismus wird aber von dem Slawophilentum für etwas Schädliches gehalten.
[ 33 ] There are various aspects that must be highlighted regarding the movements which, when viewed in their entirety, comprise everything that comes to us from the East like a spiritual atmosphere. There we see how, after the first half of the previous century, something emerged in Russia that is called Slavophilism. If one considers this Slavophilism as it has now developed, one can discern roughly three perspectives within contemporary Pan-Slavism. The first, which emerged in a radical form, is the Slavophilist view that Western culture is decadent, ripe for decline, and that Russian culture must save European culture. That is the first point. The second is that individualism prevails in the West. This is not entirely incorrect, if understood properly, for one can call that coexistence of the individual soul with the national soul a form of individualism; the individual seeks to experience the divine-spiritual directly through his own soul forces. However, Slavophilism regards this individualism as something harmful.
[ 34 ] Und als ein drittes wird angeführt: Daß der westeuropäische Mensch und der mitteleuropäische Mensch seine religiösen Gefühle aus dem Enthusiasmus seiner Seele heraus darlebt, nicht aus dem bloßen demütigen Sichhingeben an ein über dem Volke und über dem Einzelnen wie eine Wolke schwebendes Geistiges. Daher sagte zum Beispiel Dostojewski etwa: «Wir Russen müssen die Synthesis bilden; das heißt, wir müssen zusammenfassen, wir müssen den Zusammenfluß aller europäischen Kulturen bilden. Denn wie wir alle Sprachen sprechen, alle Zivilisationen verstehen, so verstehen wir auch alles, was in alle Kulturen hineingewirkt hat, und können es in aller Freiheit wiedergeben. Wir verstehen auch das Menschenleben so, daß der Mensch zu seinem Gotte steht als derjenige, der sich in Demut beugt vor dem, was er als den über dem Einzelnen schwebenden Gott erkennt. Daher lassen wir uns nicht in einer Rechtsordnung fassen; das widerspricht dem, was der Einzelne unmittelbar in seiner kindhaften Demut darlebt. Als drittes führt Dostojewski die orthodoxe Religion an, von der er sagt, sie sei niemals aufgetreten als eine streitende Kirche wie die westeuropäische.
[ 34 ] And a third point is cited: that Western Europeans and Central Europeans express their religious feelings out of the enthusiasm of their souls, not out of a mere, humble surrender to a spiritual reality that hovers like a cloud over the people and the individual. That is why, for example, Dostoevsky said something like this: “We Russians must form the synthesis; that is, we must synthesize, we must create the confluence of all European cultures. For just as we speak all languages and understand all civilizations, so too do we understand everything that has influenced all cultures, and we can reproduce it in complete freedom.” We also understand human life in such a way that a person stands before his God as one who bows in humility before what he recognizes as the God hovering above the individual. Therefore, we do not allow ourselves to be confined by a legal system; that contradicts what the individual directly experiences in his childlike humility. Third, Dostoevsky cites the Orthodox religion, of which he says it has never appeared as a contentious church like that of Western Europe.
[ 35 ] Dasjenige, was in diesen drei Sätzen des Slawophilentums steckt, das ist im Grunde genommen doch dasjenige, was viele, wenigstens der bedeutenden Geister des Ostens enthusiasmiert hat, was ihre Seele erfüllt und was dann auch populär geworden ist, was von führenden Persönlichkeiten in das Volk übergegangen ist, und was ungeheuer wirkt. Wir können in diesem Slawophilentum verschiedene Phasen unterscheiden. Da ist zum Beispiel Chomjakow. Er faßt die Sache noch in einem geistigen Wissen an. Der durchaus edle Orest Miller, ein im russischen Volkstum tief darinstehender Mann, wendet sich von den Schattenseiten des Slawophilismus ab und nimmt das auf, was Chomjakow auch betonte: daß das russische Ideal noch nicht in jedem einzelnen Russen lebendig sei. So lesen wir bei diesem Slawophilen: «Es brandmarken unser Vaterland das Joch der Knechtschaft, gottlose Schmeichelei und Kriecherei, ekelerregende Falschheit, seelenlose und schimpfliche Apathie, schwarze Gesetzlosigkeit in den Gerichten und Schändlichkeiten jeglicher Art.» Oder: «Wir werden die Demokraten unter den übrigen Völkern Europas und die Verkünder humanitärer Grundsätze sein, welche der freien und selbständigen Entwicklung eines jeden Stammes Vorschub leisten.»
[ 35 ] What lies at the heart of these three tenets of Slavophilism is, in essence, precisely what has inspired many—at least among the great minds of the East—what fills their souls and what has subsequently become popular, what has been passed down from leading figures to the people, and what has a tremendous impact. We can distinguish various phases within this Slavophilism. There is, for example, Khomyakov. He still approaches the matter from a position of intellectual understanding. The thoroughly noble Orest Miller, a man deeply rooted in Russian folklore, turns away from the dark sides of Slavophilism and embraces what Khomyakov also emphasized: that the Russian ideal is not yet alive in every single Russian. Thus we read in the writings of this Slavophile: “Our fatherland is branded by the yoke of servitude, godless flattery and sycophancy, repulsive falsehood, soulless and shameful apathy, black lawlessness in the courts, and infamies of every kind.” Or: “We will be the democrats among the other peoples of Europe and the heralds of humanitarian principles that promote the free and independent development of every nation.”
[ 36 ] Von solchem Volksideal war auch Orest Miller, der im russischen Volkstum gut bekannt ist, begeistert. Allein, als Chomjakow immer mehr dazu überging, nicht den Gott droben zu suchen, sondern das russische Volk zu vergöttlichen, da wagte Orest Miller doch einzelne Einwendungen. Die Folge davon war, daß er entlassen wurde. Aber wir sehen, wie dasjenige, was da im Osten seit langer Zeit glimmt, selbst im Westen geistert und ganz aus dem russischen Charakter heraus Gestalt annimmt.
[ 36 ] Orest Miller, who is well known in Russian folklore, was also enthusiastic about this popular ideal. However, as Khomyakov increasingly shifted from seeking God above to deifying the Russian people, Orest Miller did dare to raise some objections. The result was that he was dismissed. But we see how what has been smoldering in the East for a long time is now haunting the West as well and taking shape entirely out of the Russian character.
[ 37 ] So sehen wit, wie es der vielleicht hervorragendste Russe, Solowjew, aufnimmt in seiner Art, aber idealisiert, man möchte sagen spiritualisiert, ins Geistige erhoben, wie er anknüpft an den Slawophilismus. Aber nicht so, wie etwa ein Deutscher sagen würde: Wenn die Kraft wirken soll, die in der Volksseele lebt, muß sie den einzelnen Menschen ergreifen, muß sie durch die Seelenkräfte des Ich wirken; der einzelne Mensch muß der Darleber sein desjenigen, was die Volksseele der Welt zu sagen hat. So steht Solowjew nicht zu den Kräften der Volksseele, sondern er steht so da, daß er auch hinaufweist auf jenes wolkenartige Geistgebilde, welches über dem Einzelnen steht in einer geistigen Höhe, in einer geistigen Ferne. Und dann sagt er sich: Dieses Göttlich-Geistige wird auf die Volksseele wirken. Dieses Göttlich-Geistige hat sich vorgenommen, eine gewisse Mission durch das russische Volk auszuführen. Und es kommt gar nicht in Betracht, wie das russische Volk ist. Wie es auch immer sei, das, was zu geschehen hat, wird durch ein Wunder geschehen. Sündhaft oder nicht sündhaft, lasterhaft oder nicht lasterhaft, töricht oder gescheit, — das kann nichts dazu beitragen; sondern dasjenige, was da wirkt, es wirkt durch ein kosmisches Wunder, einfach durch die Menschen, wie sie auch sind. Das sind die eigenen Worte Solowjews:
[ 37 ] Here we see how Soloviev—perhaps the most outstanding Russian—takes up this theme in his own way, but idealizes it—one might say spiritualizes it, elevates it to the spiritual realm—as he builds upon Slavophilism. But not in the way a German, for example, might say: If the force that lives in the national soul is to take effect, it must seize the individual human being; it must work through the soul forces of the “I”; the individual human being must be the one who embodies what the national soul has to say to the world. Thus Soloviev does not stand in relation to the forces of the national soul, but rather he stands in such a way that he also points upward to that cloud-like spiritual formation which stands above the individual at a spiritual height, in a spiritual distance. And then he tells himself: This divine-spiritual force will act upon the national soul. This divine-spiritual force has set out to carry out a certain mission through the Russian people. And it does not matter at all what the Russian people are like. Whatever the case may be, what is to happen will happen through a miracle. Sinful or not sinful, depraved or not depraved, foolish or wise—none of that can contribute to it; rather, whatever is at work there acts through a cosmic miracle, simply through human beings, whatever they may be. These are Solovyov’s own words:
[ 38 ] «Es kann also jene Kraft, welche der Geschichte der Menschheit einen neuen, einen vollkommenen Inhalt verleihen wird, nur eine Offenbarung jener höheren, göttlichen Welt sein; das Volk aber, in dem sich jene Kraft offenbaren wird, muß zum Vermittler zwischen dem Menschengeschlecht und der übermenschlichen Wirklichkeit werden, zum freien, selbstbewußten Werkzeug der letzteren.»
[ 38 ] “Thus, the force that will give the history of humanity a new, perfect content can only be a revelation of that higher, divine world; but the people in whom that force will reveal itself must become the mediator between the human race and the superhuman reality, the free, self-conscious instrument of the latter.”
[ 39 ] Das Menschengeschlecht, unter dem er sein Volk versteht, soll das Werkzeug werden für das göttliche Wunder, welches geschehen wird, ohne daß die Volksseele in die einzelnen Seelen die Kräfte hineinströmen läßt für das, was in der Entwickelung der Menschheit durch das russische Volk ausgeführt wird.
[ 39 ] The human race—by which he means his own people—is to become the instrument of the divine miracle that will take place, without the collective soul of the people allowing its powers to flow into the individual souls for the purpose of what the Russian people are carrying out in the development of humanity.
[ 40 ] Wenn wir sehen, daß eine der bedeutendsten, der besten Sehernaturen weit entfernt ist gerade von dem, was die Charakteristik des deutschen Wesens ausmacht, so begreifen wir es, daß ein solcher Mann wie Boris Tschitscherin, der im Jahre 1904 gestorben ist, wenig durchdringen konnte, als er sich auf die eigentümliche Basis des deutschen Denkens stellen wollte, als er an Hegel anknüpfen wollte. Boris Tschitscherin versucht in seinem großen Werke «Wissenschaft und Religion» vor allen Dingen den Gedanken durchzuführen, wie die menschliche Seele in dem, was sie in sich an Ideen, an Gedanken entwickeln kann, allmählich den Weg hinauffindet zu einem Punkte, wo dann das große göttliche Walten mystisch ergriffen werden kann. Er versucht, diesen Gedanken durchzuführen in der Rechtswissenschaft, in der Staatswissenschaft. Aber er fiel in Ungnade und wurde als Bürgermeister von Moskau nach dem Regierungsantritt Alexander III. entlassen, als er eine Rede hielt, die ganz durchdrungen war von der Gesinnung, daß wirklich dasjenige, was der Mensch in seiner Seele ergreifen kann, in das russische Wesen übergehen könne.
[ 40 ] When we see that one of the most significant and greatest visionary minds is far removed from precisely what constitutes the essence of the German character, then we understand that a man like Boris Chicherin, who died in 1904, could achieve little when he sought to stand on the unique foundation of German thought, when he sought to build upon Hegel. In his major work *Science and Religion*, Boris Chicherin seeks above all to develop the idea that the human soul, through the ideas and thoughts it can develop within itself, gradually finds its way upward to a point where the great divine order can then be mystically grasped. He attempts to apply this idea to jurisprudence and political science. But he fell out of favor and was dismissed as mayor of Moscow after Alexander III ascended to the throne, when he delivered a speech that was entirely imbued with the conviction that what a person can grasp in their soul can indeed be incorporated into the Russian essence.
[ 41 ] Immer mehr und mehr sehen wir, wie sich des Slawophilentums dasjenige bemächtigt, wovon gerade diejenigen, die es ein wenig durchschauen konnten, sagen mußten: Es handelt sich da nicht mehr um irgendein Ideal, um ein Ideelles, sondern um etwas ganz anderes. Es handelt sich darum, geltend zu machen nicht irgendein Übersinnliches, nicht irgendein Ideelles, sondern einfach um die unmittelbar physischen Kräfte einer Rasse. Und es ist da, wie ich glaube, gut, wenn man als Westeuropäer nicht gerade einen Kronzeugen wählt, der Westeuropäer ist, sondern wenn man einen wählt, der es wissen konnte. Und einer, der es wissen konnte, wie wir gleich sehen werden, der sagt über das Slawophilentum, nachdem es durch den Kopf des Katkow und Aksakow und durch andere Köpfe durchgegangen war: «Es war das Slawophilentum eine Ware des Jahrmarktshandels geworden, der mit wildem, tierischem Geschrei alle schmutzigen Straßen, Plätze und Winkelgassen des russischen Lebens anfüllt.»
[ 41 ] More and more we are seeing how Slavophilism is taking hold of precisely that which even those who were able to see through it a little had to admit: This is no longer about some ideal or some abstract concept, but about something entirely different. It is a matter of asserting not some supernatural force, not some ideal, but simply the immediate physical powers of a race. And I believe it is wise for a Western European not to choose as a key witness someone who is a Western European, but rather someone who could have known. And someone who could have known—as we shall see in a moment—says of Slavophilism, after it had passed through the minds of Katkov, Aksakov, and others: “Slavophilism had become a fairground commodity, filling all the filthy streets, squares, and back alleys of Russian life with wild, bestial clamor.”
[ 42 ] Derjenige aber, der dies gesagt hat und der auch noch ein anderes bezeichnendes Wort über dasjenige gesagt hat, was das Slawophilentum allmählich geworden war, der konnte es wissen! Das andere Wort, das er sagte, indem er sich richtete gegen Danilewski, es lautete: «Dem russischen Schriftsteller versagen die Kräfte, sich über die düstere Gegenwart zu erheben; er begnügt sich mit der Aufgabe, die unter der Menschheit herrschenden Widersprüche in ein abgerundetes System zusammenzufassen und aus diesem System einige praktische Postulate für den eigenen Bruchteil der Menschen zu ziehen, dem er selbst angehört.»
[ 42 ] But the man who said this—and who also uttered another telling remark about what Slavophilism had gradually become—he certainly knew what he was talking about! The other remark he made, directed at Danilevsky, was: “The Russian writer lacks the strength to rise above the bleak present; he is content with the task of synthesizing the contradictions prevailing among humanity into a coherent system and deriving from this system a few practical postulates for his own segment of humanity, to which he himself belongs.”
[ 43 ] Alles das kann man aber erblicken als eine Folge dessen, was gesagt worden ist: daß die einzelnen Seelenkräfte chaotisch, unharmonisch wirken in dem Augenblick, wo das über dem Einzelnen schwebende göttliche Leben eben nicht ergriffen wird, nicht ergriffen wird in der Seele des Einzelnen selbst. Und das wird gerade durch diesen kundigen Geist in diesen Worten besonders hervorgehoben. Und wer ist der kundige Geist? Es ist derselbe, über den ein bekannter Russe die folgenden Worte spricht:
[ 43 ] All of this, however, can be seen as a consequence of what has been said: that the individual soul forces act chaotically and disharmoniously at the very moment when the divine life hovering above the individual is not grasped—is not grasped within the soul of the individual itself. And this is particularly emphasized by this knowledgeable spirit in these words. And who is this knowledgeable spirit? It is the very one about whom a well-known Russian says the following:
[ 44 ] «Wer auch nur einmal in seinem Leben Gelegenheit gehabt hatte, mit Solowjew zusammenzutreffen, konnte diesen außerordentlichen Menschen, der mit gewöhnlichen Sterblichen keine Ähnlichkeit hatte, nie vergessen. Wer ihn ansah, besonders aber in seine großen, unergründlichen Augen blickte, war tief ergriffen: aus diesen Augen strahlten in wunderbarem Gemisch Ohnmacht und Kraft, physische Ratlosigkeit und geistige Tiefe. Er war so kurzsichtig, daß er nicht sehen konnte, was alle sahen. Er blinzelte mit den Augen und zog die starken Brauen zusammen, um Gegenstände, die in seiner unmittelbaren Nähe waren, zu unterscheiden. Richtete er aber seine Augen in die Ferne, so schien er die den Sinnen zugängliche Hülle der Dinge zu durchbohren und etwas Erdentrücktes zu sehen, ein Etwas, das für alle verborgen war. Aus seinen Augen leuchteten die Strahlen der Seele und blickten geradeaus ins Herz. Es war dies der Ausdruck eines Menschen, dem die Außenseite der Wirklichkeit an und für sich gleichgültig ist und der in unmittelbarem Verkehr mit einer anderen Welt lebt.»
[ 44 ] “Anyone who had ever had the opportunity, even once in their life, to meet Soloviev could never forget this extraordinary man, who bore no resemblance to ordinary mortals. Anyone who looked at him—and especially into his large, inscrutable eyes—was deeply moved: from those eyes radiated a wondrous blend of helplessness and strength, physical bewilderment and spiritual depth. He was so nearsighted that he could not see what everyone else saw. He squinted and furrowed his thick eyebrows to make out objects in his immediate vicinity. But when he directed his gaze into the distance, he seemed to pierce through the outer shell of things perceptible to the senses and see something beyond the earthly realm—something hidden from everyone else. From his eyes shone the rays of the soul, gazing straight into the heart. This was the expression of a man who was, in and of himself, indifferent to the outward appearance of reality and who lived in direct communion with another world.”
[ 45 ] Der Mann, von dem der russische Fürst Trzbeizkos diese Worte sagt, sprach so, wie ich es angeführt habe, seinerseits wiederum von dem Slawophilismus, von dem er selbst auch ausgegangen ist, wenn er ihn auch idealisiert hat; denn es ist Solowjew selbst, der so über den Slawophilismus sich ausspricht. Das ist das Wichtige, daß wir so von berufenem Munde charakterisiert hören, was sich im Osten vorbereitet hat und was uns jetzt aus dem Osten entgegenkommt.
[ 45 ] The man about whom the Russian prince Trzbeizkos says these words spoke, as I have cited, in turn about Slavophilism—from which he himself also drew his inspiration, even if he did idealize it; for it is Solovyov himself who speaks thus about Slavophilism. This is the important point: that we hear from an authoritative source a characterization of what has been brewing in the East and what is now coming toward us from the East.
[ 46 ] Aber, sehen Sie, selbst in die Höhe des Solowjewschen Denkens hinauf ist noch etwas enthalten von dem Anarchischen der Seelenkräfte des östlichen Menschen. Denn während sich Solowjew noch im Jahre 1880 in seiner «Kritik der abstrakten Grundsätze» so geäußert hat, wie ich es angeführt habe, kommt er dann am Ende der achtziger Jahre dazu, einzusehen, wie weit dasjenige, was Wirklichkeit ist, was als Wirklichkeit ihn umgibt, entfernt ist von dem, was er erträumt hat. Da tritt bei ihm die Forderung auf, daß die Politik moralisch werde. Solowjew sagt in «Moral und Politik» folgendes: «Wir dürfen uns nicht mit Willen betören: die Politik des egoistischen Interesses, die in internationellen und sozialen Verhältnissen den Haß in ihrem Gefolge hat, wandelt sich in die Politik der Anthropophagie um (er meint Menschenfresserei), die zum Schluß alle Moral, selbst im Privat- und Familienleben vernichtet. Denn der Mensch ist ein logisches Wesen und kann nicht lange in der ungeheuerlichen Entzweiung zwischen den Grundsätzen der privaten und der politischen Wirksamkeit verharren. Man predigt uns von unserer besonderen Erhabenheit und Sendung, doch denken wir daran, daß die daraus folgenden und einander gegenseitig ausschließenden Ansprüche am Ende im Namen der kulturellen Erhabenheit einen Kampf auf Leben und Tod und das Recht der Gewalt hervorrufen müssen.»
[ 46 ] But, you see, even at the highest levels of Soloviev’s thought, there is still something of the anarchic nature of the Eastern man’s spiritual powers. For while Soloviev, as early as 1880, expressed himself in his “Critique of Abstract Principles” as I have cited, he came to realize by the end of the 1880s just how far that which is reality—that which surrounds him as reality—is removed from what he had dreamed of. This is when he begins to demand that politics become moral. Soloviev says the following in “Morality and Politics”: “We must not delude ourselves: the politics of selfish interest, which brings hatred in its wake in international and social relations, transforms into the politics of anthropophagy (he means cannibalism), which ultimately destroys all morality, even in private and family life. For man is a rational being and cannot remain for long in the monstrous dichotomy between the principles of private and political action. We are told of our special nobility and mission, yet let us remember that the resulting and mutually exclusive claims must ultimately, in the name of cultural nobility, provoke a life-and-death struggle and the right to use force.”
[ 47 ] So Solowjew selbst, der nach und nach von der Wirklichkeit hinwegblicken muß, um noch in Frieden, man möchte sagen in Seelenfrieden zusammenleben zu können mit dem, was er als ein ideales, ein spirituelles Slawophilentum erträumt hat: «Das russische Volk ist für mich nicht nur eine ethnographische Einheit mit ihren angeborenen Eigenschaften und materiellen Interessen, sondern ein Volk, welches fühlt, daß über diesen Eigenschaften und Interessen die Sache Gottes schwebt; ein Volk, das bereit ist, sich dieser Frage aufzuopfern; ein theokratisches Volk aus Beruf und Pflicht.»
[ 47 ] So says Solovyov himself, who must gradually turn his gaze away from reality in order to be able to live in peace—one might say, in peace of mind—with what he has dreamed of as an ideal, spiritual form of Slavophilism: “For me, the Russian people are not merely an ethnographic entity with their innate characteristics and material interests, but a people who feel that the cause of God hovers above these characteristics and interests; a people who are prepared to sacrifice themselves for this cause; a theocratic people by vocation and duty.”
[ 48 ] Aber Solowjew sieht auch ein, daß dasjenige, was er so erträumt, was er so sieht, noch nicht eine Pflicht, nicht einmal ein Bewußtsein in seinem Volke geworden ist. Und man darf gerade seine Worte gebrauchen, wenn man die Frage beantworten will, die er aufwirft: warum Europa nicht lieben kann, was im Osten in Wirklichkeit vorgeht. Solowjew selbst wirft die Frage auf: Warum liebt uns Europa nicht? Und er gibt die Antwort. Sie ist zugleich die Antwort für vieles, das in unserer unmittelbaren Gegenwart uns wie die geistige Aura vom Osten herüberkommt. Er stellt diese Frage: Warum liebt uns Europa nicht? Und er antwortet darauf im Jahre 1888: «Europa schaut auf uns mit Abscheu, denn es erblickt das Entscheidende nicht in der Macht und Sendung Rußlands, sondern in seiner Sünde.» So Solowjew. Aber es war auch wirklich Hartes an diese Seele herangeflossen, so daß sie zu einer solchen Überzeugung hat kommen können. Besonders hart war es ihm gewesen, als er hat sehen müssen, wozu der Slawophilismus allmählich geworden war, von dem er ja selbst sagen mußte, daß er zur Jahrmarktsware geworden sei. Und schließlich findet er es nur konsequent, daß dieser Slawophilismus zuletzt dazu kommen mußte, weil ja das russische Volk, ohne anzuschauen dasjenige, was es selbst erst aus sich machen wollte, Europa unmittelbar mit dem, was es ist, beglücken soll. Solowjew findet es konsequent, daß der Moskauer Universitätsprofessor Jarosch Iwan den Schrecklichen pries als «das vollkommene Muster der Eigenschaften eines russischen Menschen überhaupt und eines Orthodoxen und Zaren insbesondere». Nicht im Spaß, sondern im völligen Ernst wurde das ausgesprochen, und Solowjew findet es konsequent. Denn, so meint er, wenn man das anschaut, was die Slawophilen eigentlich ins Auge fassen, wenn sie vom russischen Menschen sprechen, dann kommt es im Grunde genommen typisch in Iwan dem Schrecklichen zum Vorschein. Nichts anderes hat eigentlich herauskommen können als letzte Konsequenz, meint Solowjew. Nun stellt er sich aber die Frage: Wie kommt der Slawophilismus zu solch merkwürdigen Gestaltungen? Solowjew sah vor sich, wie die Slawophilen nach und nach sagten: Der Westen ist verfault, von dem können wir nichts gebrauchen; neues, junges Leben muß über den Westen vom Osten strömen, und dieses neue, junge Leben ist bei uns zu finden. Das alles hat Solowjew gesehen. Aber er ist ja in gewisser Beziehung durchaus ein echt russischer Mensch, solch ein russischer Mensch, daß er schon etwas übrig hatte, möchte man sagen, für diejenigen, die den Mut wenigstens hatten zu dieser letzten Konsequenz. Von Katkow sagte er: «Er hatte den Mut, die rationale Religion von allem idealen Schmuck zu entblößen und als Gegenstand der religiösen Verehrung das russische Volk selbst hinzustellen, doch nicht im Rahmen der vermeintlichen Tugenden desselben, sondern im Namen der faktischen Macht, deren Ausdruck der Staat als lebendiges Wort oder als Verkörperung des vergötterten Volkes ist.»
[ 48 ] But Solovyov also recognizes that what he dreams of, what he envisions, has not yet become a duty—or even a conscious awareness—among his people. And one can use his very words when seeking to answer the question he raises: why Europe cannot love what is actually happening in the East. Soloviev himself poses the question: Why does Europe not love us? And he provides the answer. It is at the same time the answer to much of what, in our immediate present, comes to us from the East like a spiritual aura. He poses this question: Why does Europe not love us? And he answers it in 1888: “Europe looks upon us with loathing, for it does not see what is decisive in Russia’s power and mission, but rather in its sin.” So says Solovyov. But truly harsh experiences had indeed weighed heavily on this soul, enabling it to arrive at such a conviction. It had been particularly hard for him when he was forced to see what Slavophilism had gradually become—a movement he himself had to admit had turned into fairground merchandise. And ultimately, he finds it only logical that Slavophilism had to come to this in the end, because the Russian people—without considering what they themselves first wanted to make of themselves—are supposed to directly bless Europe with what they are. Solovyov finds it logical that Yarosh, a professor at Moscow University, praised Ivan the Terrible as “the perfect model of the characteristics of a Russian person in general and of an Orthodox Christian and a tsar in particular.” This was said not in jest but in all seriousness, and Solovyov finds it logical. For, he argues, if one considers what the Slavophiles actually have in mind when they speak of the Russian man, then this is essentially epitomized in Ivan the Terrible. Nothing else could have emerged as the ultimate consequence, Soloviev maintains. But now he asks himself: How does Slavophilism give rise to such peculiar manifestations? Soloviev envisioned the Slavophiles gradually declaring: “The West is rotten; we have no use for it; new, young life must flow from the East past the West, and this new, young life is to be found among us.” Soloviev saw all of this. But in a certain sense, he is thoroughly a genuine Russian—so much so that one might say he had a certain sympathy for those who at least had the courage to embrace this ultimate conclusion. Of Katkov he said: “He had the courage to strip rational religion of all its idealistic trappings and to present the Russian people themselves as the object of religious veneration—not, however, within the framework of their supposed virtues, but in the name of their actual power, of which the state is the expression as the living word or the embodiment of the deified people.”
[ 49 ] Das sagt Solowjew. Aber er fragt sich: Ja, woher nimmt denn eigentlich der Russe, der doch voll von Demut ist, woher nimmt er denn das alles? Das war für Solowjew nun eine Frage. Er wollte untersuchen, wo das eigentlich im Russen steckt, was diejenigen zeigen, die das Aufreizende des Slawophilismus als einen Feuerbrand ins Volk warfen. Und siehe da, er fand eine merkwürdige Antwort. Er untersuchte nämlich die Werke von Danilewski, dem Nachfolger von Katkow und Aksakow. Und er fand, daß die Leute das, was sie an Brandfackeln gegen den Westen ausschleudern und ausgeschleudert haben, in den Gedankengestaltungen, in der ganzen Logik zunächst entlehnt hatten von dem französischen Jesuitenzögling Joseph de Maistre, Solowjew konnte nachweisen, daß das ganze Gedankengepräge der Slawophilen entlehnt ist demjenigen, der ein westeuropäischer Geist ist; jener westeuropäische Geist, der im Anfang des 19. Jahrhunderts die Lehre aufgestellt hat: Die Menschen können nicht durch das, was in ihnen selbst ist, in das Geistige kommen, sondern einzig und allein durch die Autorität, und er meint die päpstliche. Das, was sie verfügt, kann den Menschen den Weg in die geistige Welt führen. Sie brauchen, wenn Sie sich über de Maistre unterrichten wollen, nur den schön geschriebenen Artikel zu lesen, den der Allerweltskeri Georg Brandes in seinen «Geistesströmungen des neunzehnten Jahrhunderts» geschrieben hat — jener Brandes, der ja allerdings weniger ein Gärtner der Geisteskultur ist, der es nicht liebt, Anpflanzungen zu machen, der es aber versteht, überall die Blüten abzuschneiden und Phantasie-Bukette zusammenzustellen, die den Leuten dann sehr geistreich vorkommen können. Aber wenn man aus diesen Buketten heraus zu einer Vorstellung kommen will, kann man bequem bei Brandes alles bekommen.
[ 49 ] That is what Soloviev says. But he asks himself: Well, where does the Russian—who is, after all, full of humility—actually get all of this from? That was the question for Soloviev. He wanted to investigate where in the Russian soul lies what is demonstrated by those who cast the inflammatory ideas of Slavophilism like a firebrand into the people. And lo and behold, he found a curious answer. For he examined the works of Danilevsky, the successor to Katkov and Aksakov. And he found that what these people hurl—and have hurled—as fiery torches against the West was, in its conceptual framework and overall logic, initially borrowed from the French Jesuit-educated Joseph de Maistre. Soloviev was able to demonstrate that the entire intellectual character of the Slavophiles is borrowed from a Western European spirit; that Western European spirit which, at the beginning of the 19th century, established the doctrine: Human beings cannot enter the spiritual realm through what is within themselves, but solely through authority—and he means papal authority. Only what it decrees can lead people into the spiritual world. If you wish to learn about de Maistre, you need only read the beautifully written article that the run-of-the-mill Georg Brandes penned in his *Spiritual Currents of the Nineteenth Century*—that same Brandes who, admittedly, is less of a cultivator of spiritual culture, one who does not love to to plant anything, but who knows how to cut off the blossoms everywhere and assemble bouquets of fantasy that may then seem very witty to people. But if one wants to arrive at a conception from these bouquets, one can easily find everything one needs in Brandes.
[ 50 ] So hatte nun Solowjew eine sonderbare Entdeckung gemacht, die für ihn allerdings beleuchtend war. Dasjenige, womit vom Osten her Europa überfallen und überwunden werden soll, das stammt von dem-— wie Solowjew sagt — Jesuitenzögling, das ist von dessen Gedanken in die Gedanken der Slawophilen übergegangen. Und da bleibt denn Solowjew nichts anderes übrig, als zuletzt die bezeichnenden Worte zu sagen: «Ein winziger Brocken vom geistigen Bankette des Westens erwies sich als hinreichend, durch ein halbes Jahrhundert unser nationales und politisches Bewußtsein zu nähren, und ein einziges der zahllosen Zweiglein vom westeuropäischen Baume der Erkenntnis des Guten und des Bösen wurde dem ganzen Baume, von dem es gepflückt war, nicht nur stolz gegenübergestellt, sondern sogar als der russische Lebensbaum, der wachsen und die ganze Welt umfassen sollte, gegenübergestellt.»
[ 50 ] Soloviev had thus made a strange discovery, one that was, however, enlightening to him. That which is to be used to invade and conquer Europe from the East originates from—as Soloviev puts it—a Jesuit protégé; that is, from his ideas, which have found their way into the thinking of the Slavophiles. And so Soloviev has no choice but to conclude with these telling words: “A tiny morsel from the West’s intellectual banquet proved sufficient to nourish our national and political consciousness for half a century, and a single one of the countless twigs from the Western European tree of the knowledge of good and evil was not only proudly set against the entire tree from which it had been plucked, but even set against it as the Russian tree of life, which was to grow and encompass the whole world.”
[ 51 ] Das war allerdings eine bemerkenswerte Entdeckung. Aber Solowjew ging der Sache weiter nach. Und schließlich entdeckte er ein merkwürdiges Buch von Bergeret: «Principes de politique.» Und er fand, daß auch dieser rückschrittliche Geist Bergeret mit seinen Gedankenformen bei den russischen Slawophilen wiederkehrt. Und zuletzt entdeckte er noch ein deutsches Buch, das ein 'sonderbarer Kauz, Heinrich Rückert, 1857 geschrieben hat. Ich glaube nicht, daß sich hier in diesem Saale ein Mensch befindet, der von diesem Buche etwas weiß. Ich glaube auch nicht, daß in Berlin gegenwärtig jemand, außer den Gelehrten dieses Spezialfaches vielleicht, etwas davon weiß. Das Buch trägt den Titel: «Lehrbuch der Weltgeschichte in organischer Entwicklung.» Aber Solowjew sagt: Die russischen Patrioten haben auch aus diesem Buche abgeschrieben. Jetzt hatte er es beisammen. Jetzt kannte er die Kräfte, die da zusammengeflossen waren, um wirksam zu werden, um ins Feld geführt zu werden gegen den Westen. Jetzt wußte er, was selbst so feine Geister wie Orest Miller und andere verführt, versucht hatte. Und Solowjew sprach die Worte:
[ 51 ] That was, indeed, a remarkable discovery. But Soloviev continued to investigate the matter. And eventually he discovered a curious book by Bergeret: *Principes de politique*. And he found that this reactionary spirit of Bergeret, with his modes of thought, also resurfaces among the Russian Slavophiles. And finally, he discovered a German book written in 1857 by a “peculiar oddball,” Heinrich Rückert. I do not believe there is a single person in this hall who knows anything about this book. Nor do I believe that anyone in Berlin at present—except perhaps scholars in this specialized field—knows anything about it. The book is titled: *Textbook of World History in Organic Development*. But Soloviev says: The Russian patriots also drew from this book. Now he had the full picture. Now he understood the forces that had converged there to take effect, to be deployed against the West. Now he knew what had tempted and seduced even such refined minds as Orest Miller and others. And Soloviev spoke these words:
[ 52 ] «Unsere Patrioten verdammen verschiedene Anschauungen deswegen, weil sie freimaurerisch sind. In diesem Falle ist ihre eigene Anschauung über Rußland und den Patriotismus doppelt verdammungswürdig, von unserem und von ihrem Standpunkte aus, weil sie fremd, unrussisch, sklavisch aus ausländischem Boden verpflanzt ist.»
[ 52 ] “Our patriots condemn various views simply because they are Masonic. In this case, their own view of Russia and patriotism is doubly reprehensible—from both our perspective and theirs—because it is foreign, un-Russian, and slavish, transplanted from foreign soil.”
[ 53 ] Das war allerdings eine wichtige Enthüllung. Und Solowjew fand nach dieser Enthüllung nicht mehr sehr viele Freunde unter denjenigen, die ihm noch vorher vielfach Freund waren. Aber dieser Solowjew war ja auch wirklich ein merkwürdiger Mensch. Nach seiner ersten Slawophilenzeit, nachdem Alexander II. ermordet worden war, gab er dessen Nachfolger in einer flammenden Rede den Rat: sich echt russisch zu erweisen. Dieses «Echt Russische» sah Solowjew darin, daß Alexander II. die Mörder seines Vorgängers selbstverständlich begnadigen müsse; darin müsse sich zunächst der Gedanke des Erhabenen ausdrücken. Und man «benahm sich russisch» auf diese Rede hin. Man jagte nämlich Solowjew davon, man jagte ihn aus seiner Stellung fort. Er hatte schon einmal das Geschick, zu sehen, _ daß manches von dem, was er in seinem Idealismus geschaut hat, in der Wirklichkeit anders war, als er es sich erträumt hatte.
[ 53 ] That, however, was an important revelation. And after this revelation, Soloviev did not find many friends among those who had previously been his friends on many occasions. But then again, Soloviev really was a strange man. After his initial period as a Slavophile, following the assassination of Alexander II, he advised his successor in a fiery speech to prove himself truly Russian. Soloviev saw this “true Russianness” in the fact that Alexander II must, of course, pardon the murderers of his predecessor; this, he argued, was the primary expression of the idea of the sublime. And people “acted in a Russian manner” in response to this speech. Namely, they drove Solovyov away; they drove him out of his position. He had already had the foresight to see that much of what he had envisioned in his idealism turned out, in reality, to be different from what he had dreamed.
[ 54 ] Nun, wenn man einen solchen einwandfreien Kronzeugen heranzieht, wie dieser große Philosoph ist, dann kann man schon sehen, wie nach und nach durch Jahrzehnte hindurch eine an Größenwahn grenzende Strömung im Osten entstanden ist, die zuletzt notwendigerweise zur Brandstiftung führen mußte.
[ 54 ] Well, when one considers such an impeccable key witness as this great philosopher, one can indeed see how, little by little over the course of decades, a movement bordering on megalomania emerged in the East, which ultimately had to lead to arson.
[ 55 ] Ich habe diesen Weg gewählt, Solowjew als Charakterisierer des russischen Wesens und der russischen Volksseele im Gegensatz zur deutschen Volksseele aufzurufen, weil uns ja besonders von Rußland her vorgeworfen wird, daß wir das russische Wesen nicht verstehen können. — Nun, ich denke, wir können uns dadurch helfen, daß wir es nicht selbst charakterisieren, sondern daß wir es charakterisieren lassen von jemand, der so darunter gelebt hat, daß er bis zum Slawophilismus, allerdings einem idealen Slawophilismus damit verwoben war; daß wir uns berufen auf einen solchen, auf den wir uns ja berufen dürfen.
[ 55 ] I have chosen this approach—to invoke Solovyov as someone who characterizes the Russian essence and the Russian national soul in contrast to the German national soul—because we are accused, particularly by Russia, of being unable to understand the Russian essence. — Well, I think we can help ourselves by not characterizing it ourselves, but rather by having it characterized by someone who lived so deeply immersed in it that he was intertwined with it to the point of Slavophilism—albeit an ideal Slavophilism; that we appeal to such a person, to whom we are indeed permitted to appeal.
[ 56 ] Und wenn man dieses nun zu dem Verschiedenen dazunimmt, was über das Verhältnis der Deutschen, der Mitteleuropäer zur Umwelt gesagt worden ist, dann wird manches begreiflich, was geschehen ist, begreiflich aus seinen geistigen Untergründen heraus. In Unsinn und Nichtigkeit fällt dasjenige zusammen, was vielfach gegenüber Deutschland in unseren Zeiten gesagt wird.
[ 56 ] And if one now adds this to the various things that have been said about the relationship of the Germans and Central Europeans to their surroundings, then much of what has happened becomes understandable—understandable in light of its intellectual underpinnings. Much of what is said about Germany in our times amounts to nonsense and futility.
[ 57 ] Dasjenige, was der Deutsche als sein Wesen zu fühlen hat, muss einem in dieser Zeit ganz besonders nahetreten; nahetreten schon aus dem Grunde, weil aus einer solchen Betrachtung das hervorgehen kann, was von anderen Gesichtspunkten her auch ausgesprochen worden ist: die große Hoffnung auf die Zukunft des deutschen Wirkens und des deutschen Wesens; dieses deutschen Wesens, das, auch wenn man sein Verhältnis zur deutschen Volksseele ins Auge faßt, sich herausstellt als hinarbeitend nach geistiger Vertiefung der ganzen Kulturentwickelung der Menschheit.
[ 57 ] What the German must feel as his essence must strike one as particularly close to home in this day and age; it strikes close to home simply because such a perspective can give rise to what has also been expressed from other points of view: the great hope for the future of German endeavor and the German essence; this German essence, which—even when one considers its relationship to the German national soul—reveals itself as striving toward the spiritual deepening of the entire cultural development of humanity.
[ 58 ] Möchten doch diejenigen, welche so leichthin vom Ausland her über deutsches Wesen sprechen, das Ringen derjenigen Seelen, die vom deutschen Volksgeist wirklich ergriffen sind, im einzelnen beobachten. Dann würden sie nicht, wie ich das letztemal angeführt habe, so etwas, wie zum Beispiel Romain Rolland seinen «Schultze» zeichnet, sondern sie würden etwas anderes erblicken; denn an vielen Stellen kann anderes erblickt werden, wie ich es nur an einigen Beispielen angeführt habe.
[ 58 ] May those who speak so lightly from abroad about the German character observe in detail the inner struggle of those souls who are truly gripped by the German national spirit. Then they would not, as I pointed out last time, see something like the way Romain Rolland portrays his “Schultze,” but they would see something else; for in many places something else can be seen, as I have shown with just a few examples.
[ 59 ] Gerade in diesem Vortrag habe ich darauf hinweisen wollen, wie der deutsche Idealismus selbst noch ein Keim ist, wie er gerade dadurch, daß die deutsche Volksseele mit den einzelnen Seelen in Zusammenhang steht, sich zur Blüte, zur Frucht, zum völligen Ergreifen der geistigen Welt entwickeln muß, die erfaßt wird in ihrer wahrhaften, konkreten Lebendigkeit.
[ 59 ] In this very lecture, I wanted to point out how German idealism is itself still a seed, and how—precisely because the German national soul is connected to individual souls—it must develop into a blossom, into fruit, into a complete grasp of the spiritual world, which is apprehended in its true, concrete vitality.
[ 60 ] Da schwebt mir vor eine Persönlichkeit, ein Mann, der als Gymnasialdirektor in Bromberg 1867 gestorben ist. Das ist ein anderer charakteristischer Geist für das deutsche Geistesleben als dieser «Schultze» bei Romain Rolland. Es ist Johann Heinrich Deinhardt. Seine Abhandlungen sind allerdings aus deutschem Denken heraus geschrieben. Eine merkwürdige Stelle finden wir darin. Seine Abhandlungen wurden von seinem Freunde Schmidt herausgegeben, darunter eine Abhandlung über die Unsterblichkeit der Seele, die in einfacher Art an seinen Freund geschrieben war, der eben dann sein Herausgeber war. Er will darin zeigen, wie sich ihm ergeben hat, daß der Mensch, schon während er hier im Leben weilt, an einem unsterblichen Leibe arbeitet; daß alles das, was er vollbringt, zum Organisieren eines unsterblichen Leibes dient, der durch die Pforte des Todes geht. — So sehen wir auf dem Wege der Geisteswissenschaft diesen einfachen Schullehrer.
[ 60 ] I have in mind a figure, a man who died in 1867 while serving as principal of a high school in Bromberg. He represents a different kind of spirit characteristic of German intellectual life than this “Schultze” in Romain Rolland’s work. He is Johann Heinrich Deinhardt. His treatises, however, are written from the perspective of German thought. We find a curious passage in them. His essays were edited by his friend Schmidt, including an essay on the immortality of the soul, which was written in a simple style to his friend, who was also his editor at the time. In it, he seeks to show how he has come to realize that human beings, even while they dwell here in life, are working to create an immortal body; that everything they accomplish serves to organize an immortal body that passes through the gate of death. — Thus we see this simple schoolteacher on the path of spiritual science.
[ 61 ] Und so könnte vieles, vieles angeführt werden. An solchen Stellen erfüllt sich das Zusammenwirken der deutschen Volksseele mit dem, was der einzelne erstrebt. In solchen Dingen enthüllt sich, wie diese deutsche Volksseele die einzelnen Seelen mit den Impulsen versieht, nach den allerersten Quellen der Erkenntnis hinzuarbeiten und das einzelne Seelenleben des Menschen an das Ewige im Seelenleben anzuknüpfen. Doch darüber wollen wir morgen weitersprechen.
[ 61 ] And so many, many more examples could be cited. In such moments, the interplay between the German national soul and what the individual strives for is realized. In such matters, it becomes evident how this German national soul provides individual souls with the impulses to work toward the very first sources of knowledge and to connect the individual’s inner life to the eternal in the life of the soul. But we will speak further about this tomorrow.
[ 62 ] Heute aber möchte ich zusammenfassen dasjenige, was ich zu sagen hatte über die tragenden Kräfte, die im Deutschtum enthalten sind und die sich gerade in diesem immer erneuerten Anknüpfen an die allerersten Quellen menschlicher Erkenntnis und menschlichen Erlebens zeigen; ich möchte zusammenfassend die Betrachtung, die ich über die deutsche Volksseele im Verhältnis zu anderen Volksseelen angestellt habe, beschließen mit den Worten, die ein wenig bekannter österreichischer Dichter gesprochen hat, der aus wahrhaftig deutschem Gemüte, möchte man sagen, aus einem Zwiegespräch mit der deutschen Volksseele heraus im Jahre 1881 seine «Deutschen Klänge aus Österreich» hat erscheinen lassen. In diesen «Deutschen Klängen aus Österreich» von Fercher von Steinwand finden wir ein Gedicht, welches so recht zeigt, wie lebendig sich der einzelne Deutsche darinnenfühlen kann in dem, was lebt und webt, stets verjüngend das deutsche Wesen, als die deutsche Volksseele. Wie in einer Vision tritt dies vor uns hin. Wie wenn alle diejenigen, welche sich dafür interessieren, zum Kyffhäuserberg hinkommen, um als Gäste zu schauen das Mysterium vom Kyffhäuser, das Mysterium des darinnen ruhenden Kaisers Barbarossa, der die Kraft des deutschen Wesens im verborgenen wie ein Mysterium hält. Und einer der Gäste, die da kommen, ist für Fercher von Steinwand der deutsche Geist: jener Geist, wie gesagt, den auch Fercher von Steinwand, der Dichter der «Deutschen Klänge aus Österreich» empfindet als den Geist, der die Seele der einzelnen Menschen stets verjüngt, weil er dahinein stets scheinen läßt dasjenige, was da spricht aus der Sternenwelt, aus Sonnen und Monden; den Geist, der zum Herzen spricht im intimsten Sinne, weil er von den Weiten des Weltalls spricht; diesen deutschen Geist, diesen verjüngenden deutschen Geist, ihn läßt der deutsche Dichter aus Österreich, Fercher von Steinwand, mit Worten sprechen, in die ich dasjenige zusammenfassen möchte, was ich in Empfindungen heute anzudeuten versuchte über den deutschen Geist, gerade aus der Vergleichung heraus mit anderen europäischen Volksgeistern:
[ 62 ] Today, however, I would like to summarize what I had to say about the fundamental forces inherent in the German spirit, which manifest themselves precisely in this ever-renewed connection to the very first sources of human knowledge and human experience; I would like to conclude my reflections on the German national soul in relation to other national souls with the words spoken by a little-known Austrian poet who, out of a truly German spirit—one might say, out of a dialogue with the German national soul—published his *German Sounds from Austria* in 1881. In these “German Sounds from Austria” by Fercher von Steinwand, we find a poem that so aptly shows how deeply the individual German can feel at home in that which lives and weaves, ever rejuvenating the German essence—the German national soul. This appears before us as if in a vision. It is as if all those who are interested were to come to Mount Kyffhäuser to witness, as guests, the Mystery of Kyffhäuser—the mystery of Emperor Barbarossa, who rests there and who holds the power of the German essence hidden within, like a mystery. And one of the guests who come there is, for Fercher von Steinwand, the German spirit: that spirit, as mentioned, which Fercher von Steinwand—the poet of *German Sounds from Austria*—also perceives as the spirit that constantly rejuvenates the soul of each individual, because it always allows to shine forth that which speaks from the world of the stars, from suns and moons; the spirit that speaks to the heart in the most intimate sense, because it speaks of the vastness of the universe; this German spirit, this rejuvenating German spirit—the German poet from Austria, Fercher von Steinwand, gives it voice through words, in which I would like to summarize what I have attempted to convey today in my reflections on the German spirit, precisely through comparison with the spirits of other European peoples:
Was aus den Rätseln dieser Erde sprießt,
Was Herzen findet, was die Geister meistert,
Was ewig sprechend aus den Sternen fließt
Und einen untäuschbaren Gott erschließt,
Was scheinbar sich aus Zeit und Welt verloren
Und doch um uns in tausend Strömen schießt:
Das ist dem deutschen Geist urmächtig eingeboren,
Das klar hinauszusagen hat er bewußt geschworen!
What springs from the mysteries of this earth,
What finds hearts, what masters spirits,
What flows eternally from the stars, speaking
And reveals an infallible God,
What seems to have been lost from time and the world
And yet surges around us in a thousand streams:
This is innately and powerfully inherent in the German spirit,
And he has consciously sworn to proclaim it clearly!
