From a Fateful Time
GA 64
12 March 1915, Nuremberg
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From a Fateful Time, tr. SOL
10. Was ist am Menschenwesen Unsterblich?
10. What is Immortal about Human Beings?
[ 1 ] Wenn es schon zu jeder Zeit der menschlichen Seele und dem menschlichen Gemüte naheliegen muß, zu ihren intimsten Angelegenheiten gehören muß, die Frage aufzuwerfen, die den Gegenstand der heutigen Betrachtung bilden soll, — in unserer Zeit, wo so viele, viele Menschen im blühenden Alter durch die Pforte des Todes zu gehen haben, muß es aber noch ganz besonders bedeutungsvoll für die Seele sein, die Empfindungen, die Gedanken hinzulenken nach demjenigen, was am Menschenwesen unsterblich ist. Allerdings, in unserer Zeit stehen einer Betrachtung, wie es die folgende sein wird, Vorurteil über Vorurteil gegenüber, jene Vorurteile vor allen Dingen, welche von seiten derjenigen kommen, die da glauben, von ihrem festen Boden, wie sie sagen, der wissenschaftlichen Weltanschauung aus über diese Frage nichts ausmachen zu können, sie entweder so betrachten zu müssen, daß sie die Grenze der menschlichen Erkenntnis übersteigt, oder daß doch alles dasjenige, was man über sie zu sagen hat, im klaren Widerspruch stehen müsse zu den Errungenschaften naturwissenschaftlicher Denkweise. Wenn nun irgendein Satz heute abend gesprochen werden müßte, welcher nicht voll bestehen könnte vor der strengsten Kritik naturwissenschaftlicher Weltanschauung, so würde ich diese Betrachtung lieber ungesprochen lassen. Denn dasjenige, was Naturwissenschaft von ihrem Gesichtspunkte aus über diese Frage zu sagen hat, es muß von dem, der auf dem Standpunkt der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung steht, von dem aus hier gesprochen wird, — von ihm muß es im Grunde genommen nicht nur vorweggenommen sein, sondern es muß, sofern es sich in unserer Zeit nach dem Standpunkt der gegenwärtigen Wissenschaft als berechtigt erweist, auch durchaus als berechtigt anerkannt werden. Aber diejenigen, welche ihre Einwendungen gegen Darlegungen der folgenden Art von einem scheinbar naturwissenschaftlichen Weltanschauungsstandpunkt aus machen, gehen eben immer davon aus, daß man auch noch in unserer Zeit gegenüber fortgeschrittener Geisteswissenschaft mit den Gedanken und Ideen, mit den Erkenntnissen, noch besser gesagt, mit den Denkgewohnheiten einer Weltanschauung, die ihrem Ende zueilt, auskommen könne. Und das ist für die Menschen der Gegenwart heute noch außerordentlich schwer zu verstehen, daß derjenige, der über solche Fragen geistiger Weltanschauung sprechen will, appellieren muß an Erkenntnisse des menschlichen Herzens, der menschlichen Seele, des menschlichen Geistes, die hinausgehen über dasjenige, was Naturwissenschaft hervorzubringen vermag, die gewissermaßen den Boden eines ganz anderen Gebietes der Erkenntnis betreten, die aber neben und über den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen als ebenso wissenschaftlich wie diese voll bestehen können. Geisteswissenschaftliche Weltanschauung will dasjenige, was sie zu sagen hat, einströmen lassen in den geistigen Entwickelungsgang der Menschheit, so wie eingeströmt ist in diesen Entwickelungsgang vor drei bis vier Jahrhunderten dasjenige, was wir heute naturwissenschaftliche Weltanschauung nennen. Und wie diese naturwissenschaftliche Weltanschauung dazumal einem weiten Kreise von Denkgewohnheiten und Vorurteilen widersprach und dennoch den Weg fand zum menschlichen Wahrheitsgefühl, zum menschlichen Wahrheitssinn, so wird Geisteswissenschaft diesen Weg zum menschlichen Wahrheitsgefühl und Wahrheitssinn nehmen, wenn sie auch heute noch in ganz begreiflicher Weise — ausdrücklich sage ich es — Einwendungen über Einwendungen erfahren muß; und wenn so etwas, wie es heute gesagt werden muß, von vielen ganz begreiflicherweise als Träumerei, als Phantasterei angesehen werden muß.
[ 1 ] If it must always be close to the human soul and the human mind—and must be among their most intimate concerns—to raise the question that is to be the subject of today’s reflection, —in our time, when so many, many people in the prime of life must pass through the gates of death—it must be all the more significant for the soul to direct its feelings and thoughts toward that which is immortal in the human being. Admittedly, in our time, a reflection such as the one that follows is met with prejudice upon prejudice—above all those prejudices that come from those who believe, from their firm ground, as they say, of the scientific worldview, that they can make no judgment on this question, either viewing it as something that transcends the limits of human knowledge, or maintaining that anything said about it must stand in clear contradiction to the achievements of the scientific way of thinking. If, then, any statement were to be made this evening that could not fully withstand the strictest criticism from the perspective of a scientific worldview, I would prefer to leave that consideration unspoken. For whatever natural science has to say about this question from its own standpoint, must—from the standpoint of the spiritual-scientific worldview, from which we are speaking here—not only be anticipated in advance, but, insofar as it proves justified in our time according to the standpoint of contemporary science, must also be fully recognized as justified. But those who raise objections to arguments of the following kind from a seemingly scientific worldview always assume that, even in our time, one can still make do—in the face of advanced spiritual science—with the thoughts and ideas, with the insights, or better yet, with the habits of thought of a worldview that is drawing to a close. And this is still extraordinarily difficult for people today to understand: that anyone who wishes to speak about such questions of spiritual worldview must appeal to insights into the human heart, the human soul, and the human spirit that go beyond what natural science is capable of producing—insights that, in a sense, tread the ground of an entirely different realm of knowledge, yet can stand fully alongside and above the findings of natural science as being just as scientific as those. The spiritual-scientific worldview seeks to allow what it has to say to flow into the spiritual development of humanity, just as what we today call the scientific worldview flowed into this development three to four centuries ago. And just as that scientific worldview of the time contradicted a wide range of habitual ways of thinking and prejudices and yet found its way to the human sense of truth, so will spiritual science take this path to the human sense of truth—even if, quite understandably—and I say this explicitly—it must still face objection after objection today; and when something like this—as must be said today—is quite understandably regarded by many as daydreaming or fantasy.
[ 2 ] Denn dasjenige, was uns über die Frage: Was ist am Menschenwesen unsterblich? Antwort geben kann, das muß erst tief herausgeholt werden aus verborgenen Untergründen der menschlichen Seele. Eine Forschungsmethode ist notwendig, die auf intimer innerer Seelenarbeit beruht, die tief im Innern der Menschenseele ruht, die zu nichts anderem greift, als was in jeder Menschenseele vorhanden ist, aber was eben im Alltagsleben dieser Menschenseele der Beobachtung, der Aufmerksamkeit dieser Menschenseele sich entzieht. Dasjenige, was der Mensch durch die Pforte des Todes trägt, was er hinaufträgt in eine geistige Welt, in der er sich befindet, wenn er den Leib abgelegt hat, ist nicht mit Alltagskräften zu begreifen, nicht mit den Erkenntniskräften zu begreifen, die man für den Alltag als Weltbeobachtung hat. Eine intimere innere Arbeit der Seele ist dazu notwendig. Schon zu wiederholten Malen habe ich auch hier in dieser Stadt sprechen dürfen von diesem intimen inneren Wege, dem rein geistig-seelischen Wege, den der Mensch durchzumachen hat, wenn er das Feld der geistigen Wesenheiten und geistigen Wirklichkeiten betreten will. Von einem besonderen Gesichtspunkte aus sei dieser Weg der Seele zum Geistigen heute abend wiederum beleuchtet.
[ 2 ] For whatever can provide an answer to the question, “What is immortal in the human being?” must first be drawn forth from the hidden depths of the human soul. A method of research is needed that is based on intimate inner soul work, that rests deep within the human soul, and that draws on nothing other than what is present in every human soul—but which, in the everyday life of that human soul, eludes its observation and attention. That which a human being carries through the gateway of death—that which he carries up into a spiritual world where he finds himself once he has shed his physical body—cannot be grasped by the forces of everyday life, nor by the powers of cognition that one employs in everyday life for observing the world. A more intimate inner work of the soul is necessary for this. On several occasions I have already had the opportunity to speak here in this city about this intimate inner path—the purely spiritual-soul path—that a person must traverse if they wish to enter the realm of spiritual beings and spiritual realities. From a particular perspective, let us once again shed light on this path of the soul toward the spiritual this evening.
[ 3 ] Man kann nicht an demjenigen, was vom Menschen vor uns steht im Alltagsleben, erkennen, was von diesem Menschen der geistigen Welt angehört. Ebensowenig kann man dieses erkennen, wie man dem Wasser ansehen kann, daß der vom Wasser ganz verschiedene Wasserstoff in diesem Wasser enthalten ist. Da muß erst die Chemie kommen und muß durch ihre Laboratorium-Methode den Wasserstoff vom Wasser abtrennen; dann. erhält man etwas, was aus dem Wasser herauskommen kann und was ganz andere Eigenschaften zeigt als das Wasser. Während das Wasser flüssig ist, ist der Wasserstoff gasförmig; während das Wasser Feuer löscht, brennt der Wasserstoff. Aber niemand, der nur Wasser vor sich hat, kann wissen, welches die Eigenschaften, die Eigentümlichkeiten, die Wesenheit des Wasserstoffes sind. Da muß erst die Chemie kommen und den Wasserstoff von dem Wasser abtrennen. Ebensowenig kann man an dem Menschen, der im Alltag vor uns steht, erkennen, was in ihm lebt für die Ewigkeit, für die Unsterblichkeit. Die geisteswissenschaftliche Methode muß, man möchte sagen, wie eine geistige Chemie kommen und dasjenige, was nicht erscheinen kann im Zusammenhang mit dem Leibe, so von dem Leibe abtrennen. Und so phantastisch und träumerisch, ja vielleicht so närrisch es heute noch manchem erscheinen mag, es wird eine Wissenschaft der Zukunft geben, welche sich klar darüber sein wird, daß es ebenso geistigseelische Methoden gibt, welche das Geistig-Seelische des Menschen, das Unsterbliche des Menschen herausholen aus der Verbindung mit dem Leibe, so daß der Mensch wirklich wissen kann: «Ich lebe jetzt mit meiner Seele außerhalb meines Leibes; ich erlebe mich in der Seele außerhalb des Leibes!» Und erst durch dieses Forschen, das zu einer Erkenntnis führt, wodurch sich die Seele erkennend erlebt außer dem Leibe, kann man das Reich betreten, in dem die Seele ihre unsterblichen Glieder hat. Aber nicht äußere Methoden, nicht handgreifliche Methoden, wie die äußere Naturwissenschaft sie gebraucht, können dazu dienen, die Seele gleichsam, wenn der grobe Ausdruck gebraucht werden darf, chemisch abzutrennen von dem sterblichen Leibe, sondern intime seelische Methoden sind es, innere seelische Erlebnisse. Von diesen seelischen Methoden, diesen inneren seelischen Erlebnissen wollen wir hauptsächlich zwei heute vor unsere Seele hinstellen.
[ 3 ] One cannot discern, from what a person manifests in everyday life, what aspects of that person belong to the spiritual world. Just as one cannot see from looking at water that it contains hydrogen—which is entirely different from water—one cannot discern this either. First, chemistry must come along and, through its laboratory methods, separate the hydrogen from the water; only then does one obtain something that can be extracted from the water and that exhibits properties entirely different from those of water. While water is a liquid, hydrogen is a gas; while water extinguishes fire, hydrogen burns. But no one who has only water before them can know what the properties, the peculiarities, the essence of hydrogen are. Chemistry must first come along and separate the hydrogen from the water. Just as little can one recognize in the human being who stands before us in everyday life what lives within them for eternity, for immortality. The spiritual-scientific method must, one might say, come like a spiritual chemistry and separate from the body that which cannot appear in connection with it. And as fantastical and dreamlike—perhaps even as foolish—as it may still seem to some today, there will be a science of the future that will be clear about the fact that there are also spiritual-soul methods capable of extracting the spiritual-soul aspect of the human being—the immortal part of the human being—from its connection with the body, so that the human being can truly know: “I am now living with my soul outside my body; I experience myself in the soul outside the body!” And only through this research, which leads to a realization whereby the soul experiences itself as existing outside the body, can one enter the realm in which the soul has its immortal members. But it is not external methods—not tangible methods such as those used by external natural science—that can serve to, so to speak, chemically separate the soul from the mortal body, if I may use such a crude expression; rather, it is intimate spiritual methods, inner spiritual experiences. Of these spiritual methods, these inner spiritual experiences, we wish to present two in particular to our souls today.
[ 4 ] Die erste Methode nennt man, ich möchte sagen, mit einem technischen Ausdruck der Geisteswissenschaft: die Konzentration des Gedankenlebens, des Empfindungslebens, des Lebens der Willensimpulse. Wenn man sie so schildert, so scheint diese Konzentration des Gedankenlebens, des Empfindungslebens, des Lebens der Willensimpulse leicht; doch möchte man mit Goethes Faust sagen: «Doch ist das Leichte schwer!» Und was ich zu schildern habe, betrifft erschütternde, innerlich gewaltig wirkende Erlebnisse der Seele, — Erlebnisse der Seele, vor denen wir stehen im Erkennen mit einer viel größeren inneren Tragik, möchte ich sagen, als man vor dem äußern physischen Tode jemals stehen kann. Daher haben diejenigen, die der Geisteswissenschaft zu allen Zeiten nahegestanden sind, stets betont, daß der Weg in die geistigen Welten hinein, der Weg in die geistige Erkenntnis, an die Pforte des Todes heranführt. Einfach — aber dieses Einfache muß in aller Intensität, mit aller Energie angefaßt werden — einfach erscheint dasjenige, was man zu tun hat, um die Seele loszulösen von dem Erleben mit dem Leibe zusammen. Einen Gedanken, eine Empfindung oder eine Reihe von Gedanken, eine Reihe von Empfindungen muß man mit der Seele zunächst voll umfassen, sie sich ganz gegenwärtig machen in der Seele, dann sie in den Mittelpunkt des Bewußtseins stellen, so daß nichts anderes als diese willkürlich durch unsere Seele in den Mittelpunkt unseres Bewußtseins gestellten Empfindungen und Gedanken in diesem Bewußtsein stehen; daß gewissermassen um uns herum die ganze Welt vergessen und versunken ist mit allen Sinneseindrücken, mit allen anderen Empfindungen und Gedanken; und nur dasjenige, was wir durch unseren freien Willen in den Mittelpunkt unseres Bewußtseins stellen, das muß mit der Seele und ihren Kräften ganz verschmelzen, die Seele muß sich ganz eins wissen mit dem, was sie also in den Mittelpunkt des Bewußtseins rückt.
[ 4 ] The first method is called—if I may use a technical term from the science of the spirit—the concentration of the life of thought, the life of feeling, and the life of volitional impulses. When described in this way, this concentration of the life of thought, the life of feeling, and the life of volitional impulses seems easy; yet one is tempted to say, with Goethe’s Faust: “But what is easy is hard!” And what I have to describe concerns soul experiences that are shattering and have a profoundly powerful inner effect—soul experiences that, in our recognition of them, confront us with a far greater inner tragedy, I would say, than we can ever face in the face of outer, physical death. That is why those who have been close to spiritual science throughout the ages have always emphasized that the path into the spiritual worlds—the path to spiritual knowledge—leads to the threshold of death. It seems simple—but this simplicity must be grasped with all intensity, with all energy—it seems simple, what one must do to detach the soul from its experience in union with the body. One must first fully embrace a thought, a feeling, or a series of thoughts and feelings with the soul, make them fully present within the soul, and then place them at the center of consciousness, so that nothing else remains in this consciousness except these thoughts and feelings—which we have arbitrarily placed at the center of our consciousness through our soul—; so that, as it were, the entire world around us is forgotten and submerged, along with all sensory impressions, all other sensations and thoughts; and only that which we place at the center of our consciousness through our free will must merge completely with the soul and its powers; the soul must feel itself to be entirely at one with what it thus brings to the center of consciousness.
[ 5 ] Dies ist eine Aufgabe für lange, lange Zeiten. Je nachdem die Anlage des Menschen dazu mehr oder weniger geeignet ist, hat er Wochen, Monate, Jahre damit zu tun; immer wieder und wieder, wenn er auch nur Minuten während des Tages darauf zu verwenden hat, — lange hat er damit zu tun, um in der Seele jene innere Fähigkeit hervorzurufen, die imstande ist, abzuweisen alles übrige Denken und Empfinden, alles übrige Fühlen und Wollen auch und in den Mittelpunkt des Bewußtseins nur eine bestimmte Art von Gedanken zu rücken. Es kommt nicht so sehr darauf an, welches der Inhalt der Gedanken ist, sondern darauf kommt es an, daß sie durch eigene freie Willkür eine überschaubare Empfindung oder einen überschaubaren Gedanken so in den Mittelpunkt unseres Bewußtseins stellen, daß wir eigentlich nur in dem, was wir uns also denken oder empfinden, ganz darinnen leben, daß wir uns selbst vergessen dadurch, daß wir uns ganz eins damit wissen. Auf diese Weise konzentrieren wir alle Seelenkräfte nur auf diese einzige Empfindung, diesen einzigen Gedanken. Zunächst muß der Mensch sich allerdings klar sein, daß dies, wie gesagt, leicht scheint; doch ist das Leichte schwer. Es kommt auf verschiedenerlei an, wenn man also Konzentration des Gedankens übt. Vor allen Dingen kommt es darauf an, daß wir einen solchen Gedanken in den Mittelpunkt unseres Bewußtseins rücken, den wir voll überschauen können. Bei den meisten Gedanken, die wir haben, spielen allerlei innere Sympathien und Antipathien, allerlei Empfindungen, Erinnerungsvorstellungen mit; die färben uns den Gedanken, so daß wir zumeist gar nicht wissen, was alles in unserer Seele wirkt, wenn wir im Alltagsleben einen Gedanken haben und uns darauf konzentrieren. Derjenige, der heute auf dem Boden der Psychiatrie oder Psychologie oder moderner Naturwissenschaft steht, hat natürlich gegen das alles einen billigen Einwand. Er wird sagen: Wenn also der Geistesforscher sich auf einen Gedanken konzentriert, so kann er ja nicht wissen, was in diesem Gedanken alles aus den unterbewußten Untergründen seiner Seele heraufspielt und wie er sich dann in Selbstsuggestion und Phantasien hineinlebt. Gewiß ist es ganz begreiflich, daß man vom naturwissenschaftlichen Gesichtspunkt aus solche Einwände macht; sie sind scheinbar in einer gewissen Weise voll begründet, und der Geistesforscher kann gut einsehen, daß sie gemacht werden müssen. Allein gewöhnlich wird das, was bei allen diesen Dingen beobachtet werden muß, nicht beachtet. Sie finden das nähere sorgfältig zusammengestellt in den beiden Büchern: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in meiner «Geheimwissenschaft». Doch geht man häufig an dem vorüber, was gerade voll beachtet werden soll. Darauf kommt es an, daß man einen Gedanken, eine Empfindung in den Mittelpunkt seines ganzen Seelenlebens stellt, den man leicht überschauen kann, der uns an nichts erinnern kann, der nichts aus den unterbewußten Untergründen der Seele heraufrufen kann. Daher ist es sogar besser, nicht eine Vorstellung in den Mittelpunkt seines Bewußtseins zu stellen, die von irgendeiner äußeren Wirklichkeit hergenommen ist, eine Vorstellung, die etwas abbildet, sondern eine Vorstellung, die rein sinnbildlich, rein symbolisch ist, bei der es nur darauf ankommt, daß wir die Seelenkräfte eben konzentrieren, zusammenfassen, daß wir alle Arbeit der Seelenkräfte darauf verwenden, uns abzuziehen von allem übrigen, um uns rein auf diesen einen Punkt zu konzentrieren. Ich will ein recht einfaches Beispiel nennen. Jemand kann sich in die Vorstellung vertiefen:
[ 5 ] This is a task that takes a long, long time. Depending on how well-suited a person is to it, it may take weeks, months, or years; again and again, even if they have only a few minutes to devote to it each day—it takes a long time to evoke within the soul that inner capacity which is capable of setting aside all other thoughts and sensations, all other feelings and desires as well, and of placing only a specific kind of thought at the center of consciousness. It does not matter so much what the content of the thoughts is, but rather that, through our own free will, we place a manageable sensation or a manageable thought at the center of our consciousness in such a way that we actually live entirely within what we are thinking or feeling, forgetting ourselves in the process because we know ourselves to be completely one with it. In this way, we focus all our mental powers solely on this single sensation, this single thought. First of all, however, one must realize that, as I said, this seems easy; yet what seems easy is actually difficult. Various factors come into play when one practices concentration of thought. Above all, it is essential that we place at the center of our consciousness a thought that we can fully grasp. With most of the thoughts we have, all sorts of inner sympathies and antipathies, all sorts of sensations and memories come into play; they color our thoughts, so that we usually have no idea what is actually at work in our soul when we have a thought in everyday life and concentrate on it. Anyone who today stands on the ground of psychiatry, psychology, or modern natural science naturally has a facile objection to all of this. They will say: If the spiritual researcher concentrates on a thought, they cannot possibly know what is surfacing in that thought from the subconscious depths of their soul, or how they then lose themselves in self-suggestion and fantasies. Certainly, it is quite understandable that such objections are raised from a scientific standpoint; they appear, in a certain sense, to be fully justified, and the spiritual researcher can well understand why they must be raised. However, what must be observed in all these matters is usually overlooked. You will find a detailed and careful account of this in the two books: *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?* and in my *The Secret Science*. Yet people often overlook precisely what should be given full attention. What matters is that one places a thought or a feeling at the center of one’s entire soul life—one that is easy to grasp, that reminds us of nothing, and that cannot summon anything from the subconscious depths of the soul. Therefore, it is even better not to place at the center of one’s consciousness an image taken from any external reality—an image that depicts something—but rather an image that is purely symbolic, purely symbolic, in which the only thing that matters is that we concentrate and focus our soul forces, that we devote all the work of our soul forces to withdrawing from everything else in order to concentrate purely on this one point. I’ll give a very simple example. Someone can immerse themselves in the following idea:
[ 6 ] «Im hellen Lichte wirkt die klare Weltenwahrheit!» oder: «Im hellen Lichte lebt die klare Weltenwahrheit!» Wenn er sich einen solchen Satz bildet, dann kann jeder selbstverständlich, wenn er auf dem Boden des äußerlich sinnlichen Materialismus steht, sagen: Ja, solch ein Satz ist ja eine reine Träumerei; er bedeutet nichts; er bildet keine Wirklichkeit ab. Aber darauf kommt es nicht an, sondern darauf, was man /zt beim Denken, Empfinden eines solchen Satzes, was die Seele verrichtet. Und dann, wenn man entweder lange über einen solchen Satz meditiert oder aber wenn man mit einem solchen Satz abwechselt mit anderen, macht man eine sehr bedeutsame innere Erfahrung. Derjenige, der diese Erfahrung durchgemacht hat, weiß bestimmt, daß sie in bezug auf die menschliche Seele etwas so Wirkliches, so Reales darstellt wie nur irgendeine chemische oder physikalische Methode mit Bezug auf äußere sinnliche Dinge. Indem man sich also konzentriert auf einen bestimmten Bewußtseinsinhalt, kommt man dahin, immer stärker diejenigen Seelenkräfte zu fühlen, die man die vorstellenden, die denkenden Seelenkräfte nennen kann. Man fühlt sich gewissermaßen immer mehr und mehr, indem man sich damit identifiziert, innerlich stärker und stärker, und während man äußerlich mit Bezug auf die ganze Welt ruht mit seinen Sinnen, mit dem äußerlichen Verstand, fühlt man sich innerlich erstarkt. In tiefen Untergründen fühlt man etwas heraufströmen, was in der Seele verborgen liegt, was man nicht beobachtet hat, dessen man aber jetzt im unmittelbaren Erleben gewahr wird. Und indem man also immer stärker und stärker, innerlich immer lichtvoller und lichtvoller das Erleben fühlt, kommt man auf einen bestimmten Punkt. Wir werden gleich sehen, daß dieser Punkt durch eine regelrechte geistige Entwickelung eigentlich so nicht voll erreicht werden soll, wie ich dann gleich schildern werde, sondern durch etwas anderes modifiziert zu werden hat. Aber wenn man sich mehr und mehr konzentrieren würde, immer mehr und mehr alles das, was im Innern der Seele ist, hinrichten würde auf das eine Erwählte, dann würde man endlich, indem man immer stärker anschwellen gefühlt hat seine innere Aktivität, seine innere Tätigkeit, man würde dazu kommen, diese Kraft wie sich ablähmen zu fühlen, schwinden zu fühlen. Das ist ein bedeutsames Erlebnis, zu dem man da kommt, ein Erlebnis, das für den, der es durchmacht, eine unvergeßliche innere Erfahrung darstellt; denn er hat ein ganz bestimmtes inneres Erlebnis dabei. Er fühlt: jetzt ist der Moment, wo du nach Konzentrierung aller Seelenkräfte, nachdem du zusammengenommen hast alles, was sonst verborgen ist in der Seele, wo du das hineinfließen ließest in deine Denkkraft, in deine Vorstellungskraft; wo das nun aus dir herausgeht, — wo das in die Welt ausfließt, was du aus den Tiefen deiner Seele heraufgeholt hast. Das entzieht sich dir, es verläßt deinen Leib, es flieht dich!
[ 6 ] “In the bright light, the clear truth of the world shines forth!” or: “In the bright light, the clear truth of the world lives!” When one forms such a sentence, then anyone who stands on the ground of external, sensory materialism can, of course, say: Yes, such a sentence is pure fantasy; it means nothing; it does not reflect reality. But that is not the point; rather, the point is what the soul accomplishes when one thinks and feels such a sentence. And then, whether one meditates at length on such a sentence or alternates it with others, one has a very significant inner experience. Anyone who has gone through this experience knows for certain that, in relation to the human soul, it represents something as real and tangible as any chemical or physical method does in relation to external, sensory things. Thus, by concentrating on a specific content of consciousness, one comes to feel more and more strongly those powers of the soul that can be called the imaginative and thinking powers of the soul. In a sense, one feels oneself becoming more and more, by identifying with them, inwardly stronger and stronger; and while one remains outwardly at rest in relation to the whole world—with one’s senses and the external intellect—one feels oneself growing stronger inwardly. Deep within, one feels something welling up—something hidden in the soul, something one has not previously observed, but of which one now becomes aware through direct experience. And as one thus experiences this feeling growing ever stronger and stronger, and inwardly ever more luminous, one reaches a certain point. We shall see shortly that this point is not actually meant to be fully attained through a genuine spiritual development, as I will describe shortly, but must be modified by something else. But if one were to concentrate more and more, directing everything within the soul more and more toward the one chosen thing, then finally—having felt one’s inner activity and inner energy swell ever more strongly—one would come to feel this force as if it were subsiding, as if it were fading away. This is a significant experience one arrives at—an experience that represents an unforgettable inner journey for the one who undergoes it; for they have a very specific inner experience in the process. He feels: now is the moment when, after concentrating all the soul’s powers, after gathering together everything that is otherwise hidden in the soul—which you have allowed to flow into your power of thought, into your power of imagination—it now flows out of you—it flows out into the world, what you have brought up from the depths of your soul. It eludes you, it leaves your body, it flees from you!
[ 7 ] Und man würde jetzt nicht mitkommen, man würde empfinden, wie die Seele, gleichsam aus dem Leibe geholt, mit dem allgemeinen Geiste sich vereinigt, der durch die Welt weht und wirkt. Man würde sich selbst entfremdet fühlen. Deshalb muß die Übung, die damit angedeutet ist, durch eine andere modifiziert werden, die mit ihr gleichzeitig ablaufen muß. Und jeder, der den Weg zur Geistesforschung so geht, wie ich es geschildert habe in meinem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», der bekommt dadurch die einzelnen Regeln, durch welche er wirklich das, was ich eben jetzt geschildert habe, modifiziert, so daß es nicht so eintritt, daß wir uns gleichsam mit dem besten Teil uns selbst entrissen fühlen. Da muß also etwas anderes hinzutreten. Das Erste also, was die Seele vom Leibe abtrennt, war die Gedanken-Konzentration, die Verstärkung des Gedankenlebens. Durch diese Verstärkung des Gedankenlebens werden wir uns gleichsam selbst entrissen.
[ 7 ] And one would not be able to keep up at that moment; one would feel as if the soul were, as it were, drawn out of the body and united with the universal spirit that sweeps through the world and works within it. One would feel alienated from oneself. Therefore, the exercise implied here must be modified by another that must take place simultaneously with it. And anyone who follows the path of spiritual research as I have described it in my book *How Does One Gain Insight into the Higher Worlds?* will thereby receive the specific rules by which they can truly modify what I have just described, so that we do not end up feeling, as it were, torn away from the best part of ourselves. Something else must therefore be added. The first thing, then, that separates the soul from the body was the concentration of thought—the intensification of the life of thought. Through this intensification of the life of thought, we are, as it were, torn away from ourselves.
[ 8 ] Das Zweite widerspricht dem gleichsam; es ist etwas Entgegengesetztes, der andere Pol; aber das Leben verläuft polarisch, es verläuft so, daß es durch Gegensätze hindurchgeht. Wenn man daher eine Erkenntnis hat, die nicht eine Erkenntnis in abstrakten Begriffen sein soll, sondern eine Erkenntnis der Naturgesetze, des Lebens, so muß man sich durch Gegensätze hindurchbewegen. Das Zweite ist das, was man nennen könnte: eine völlige Ergebung des Willens in die waltenden, wesenden, wirkenden Weltenmächte. So wie wir gewissermaßen beim Ersten zum Stillstand bringen unser sinnliches Erkennen, den Verstand, der sonst nach Anleitung der äußeren Sinneswahrnehmung spielt, so müssen wir beim Zweiten jedes innere eigensinnige Wollen zum Stillstand bringen, gewissermaßen alles, was in uns Wille ist, zum Stillstand bringen. Nun gibt es ein gewisses Mittel, wodurch man in sich die Kräfte entwickeln kann, das eigene Wollen wirklich radikal in sich ergeben zu machen dem allgemeinen Weltenweben: das ist, wenn man eine ganz neue Stellung zu dem gewinnt, was man unser Schicksal nennt. Wie erleben wir doch im gewöhnlichen Dasein dieses unser Schicksal? Nun, dieses unser Schicksal erleben wir so, daß wir das, was uns als Schicksalsfall im Guten und Bösen zustößt, eben als etwas uns Zustoßendes betrachten; daß wir ihm mit Sympathie oder Antipathie begegnen, so daß wir das, was gewissermaßen als die Schicksalszufälle angesprochen wird, was uns anfällt, so recht als etwas an uns Herankommendes ansehen; wir stehen außerhalb, wir sehen uns als die Ich-, die Selbst-Wesenheit, auf die das Schicksal wirkt, an die es herankommt.
[ 8 ] The Second contradicts the First, as it were; it is something opposite, the other pole; but life proceeds in a polar manner—it proceeds in such a way that it passes through opposites. Therefore, if one has a form of knowledge that is not to be knowledge in abstract terms, but rather a knowledge of the laws of nature and of life, one must move through opposites. The Second is what one might call: a complete surrender of the will to the ruling, essential, and active powers of the world. Just as, in a sense, in the first we bring our sensory cognition—the intellect, which otherwise operates according to the guidance of external sensory perception—to a standstill, so in the second we must bring every inner, self-willed desire to a standstill; in a sense, we must bring everything within us that is will to a standstill. Now there is a certain means by which one can develop within oneself the powers to make one’s own will truly and radically surrender to the general fabric of the world: this is achieved by gaining a completely new attitude toward what we call our fate. How do we experience this fate of ours in ordinary life? Well, we experience this destiny of ours in such a way that we regard what befalls us as a stroke of fate—whether good or bad—simply as something that happens to us; that we meet it with sympathy or antipathy, so that we view what is, so to speak, referred to as the vagaries of fate—what befalls us—as something that truly comes upon us; we stand outside it; we see ourselves as the “I,” the self-essence, upon which fate acts, toward which it approaches.
[ 9 ] Schon im gewöhnlichen Leben kann man durch ein wirklich vernunftgemäßes Nachdenken ersehen, daß wir im Grunde genommen gar nicht so zum Schicksal stehen können. Wenn man sich einmal betrachtet, wenn man in einem bestimmten Zeitpunkt eines späteren Erlebens ist, so wird man sich sagen: das, was man dann ist, was man da in seiner inneren Wesenheit an sich erlebt, was man kann und vermag, schon das ist gar nicht denkbar ohne das gewöhnliche Schicksal des Lebens zwischen Geburt und Tod. Man denke nur einmal reiflich darüber nach. Alles das, was wir im gegenwärtigen Moment können, — wenn wir es zurückverfolgen im gewöhnlichen Leben zwischen Geburt und Tod, müssen wir uns sagen: das hängt mit irgend etwas zusammen, was wir früher einmal durchgemacht haben. Daß ich jetzt etwas kann, hängt vielleicht damit zusammen, daß der, der meine Erziehung zu besorgen hatte, mich einmal in diese oder jene Sphäre hineinbrachte. Was mir damals zustieß, das vereinigte sich mit mir, das wurde in mir zur Kraft; jetzt ist es meine Fähigkeit. Immer, wenn man wirklich intensiv nachdenkt: Was bin ich denn eigentlich, was ist denn an mir? so wird man sehen, daß das, was in einem selbst oder in anderen Menschen im gegenwärtigen Moment ist, zusammengewoben ist aus dem Schicksal. Und wenn man diesen Gedanken sachgemäß, man möchte sagen, seelengemäß verfolgt, kommt man darauf, wie man gewissermaßen immer mehr zusammenwachsen muß mit seinem Schicksal, wie man gewissermaßen das, was man sein Ich nennt, als ein Gewebe des Schicksals erkennen muß. Das, was man sonst so anspricht als einen Zufall, das findet man jetzt verarbeiter in sich, verwoben in sich; man findet sich als Ergebnis des Schicksals. Man wächst so damit zusammen, mit dem Schicksal, daß man sich mit ihm identifiziert. Wie man bei dem früheren Wege, dem früheren Mittel der Geistesforschung sagen muß: man identifiziert sich mit einem Gedanken, mit einer Empfindung, so muß man sich jetzt durch die Sache selbst, durch die Verhältnisse selbst identisch erkennen mit seinem Schicksal. Was ich jetzt sage, muß allerdings nicht nur theoretisch bleiben, das muß nicht nur eine abstrakte Betrachtung sein, sondern das muß innerlich empfindend ganz durchlebt werden; es muß in alle Fasern unserer Seele übergehen. Dann fühlen wir, wie wir nach und nach unseren Willen selbst in unser Schicksal hinausströmen sehen, schauen, wie wir uns sagen: Du hast bisher etwas als einen Schicksalszufall betrachtet, aber du warst es selbst. Das, was in dir ist, hat diesen Schicksalszufall an dich herangebracht, sonst wärest du dieses Wesen, dieses Ich nicht!
[ 9 ] Even in everyday life, one can see through truly rational reflection that, fundamentally speaking, we cannot really take that kind of stance toward fate. If one takes a moment to reflect—if one considers a specific moment in a future experience—one will say to oneself: what one is at that moment, what one experiences in one’s inner being, what one is capable of and can do—all of that is simply inconceivable without the ordinary course of life between birth and death. Just think about it carefully for a moment. Everything we are capable of in the present moment—if we trace it back through the ordinary course of life between birth and death—we must admit: it is connected to something we experienced in the past. The fact that I am capable of something now may be related to the fact that the person responsible for my upbringing once introduced me to this or that sphere. What happened to me back then became part of me; it became a strength within me; now it is my ability. Whenever one really thinks deeply: “What am I, actually? What is it about me?”—one will see that what is within oneself or within other people in the present moment is woven together from destiny. And if one pursues this thought properly—one might say, in accordance with the soul—one comes to realize how, in a sense, one must grow ever more closely together with one’s destiny, how, in a sense, one must recognize what one calls the “I” as a fabric of destiny. What one otherwise refers to as a coincidence, one now finds processed within oneself, woven into oneself; one finds oneself to be the result of destiny. One grows so closely together with destiny that one identifies with it. Just as, with the earlier path—the earlier method of spiritual research—one must identify with a thought or a feeling, so now, through the thing itself, through the circumstances themselves, one must recognize oneself as identical with one’s destiny. What I am saying now, however, must not remain merely theoretical; it must not be merely an abstract consideration, but must be lived through completely with inner feeling; it must permeate every fiber of our soul. Then we feel how, little by little, we see our own will flowing out into our destiny, and we say to ourselves: Until now, you have regarded something as a twist of fate, but it was you yourself. What is within you has brought this twist of fate to you; otherwise, you would not be this being, this “I”!
[ 10 ] Im wesentlichen ergibt sich dann, wenn man wiederum solches Meditieren über sein Schicksal wochen-, monate-, jahrelang durchführt, je nach den Anlagen, die man hat, ein gefühlsmäßiges Ergeben in das Schicksal. Man lernt erkennen, daß man mit sich selbst hinausgehen muß aus dem Kämmerlein, in das man sich selbst bisher eingeschlossen gefühlt hat. Man lernt sich im Strom seines Schicksals selbst dahinströmen. Wenn man also erkennt, wie das Selbst, das Ich, eigentlich außerhalb lebt, wie in dem, was wir «zustoßen» nennen, in Wahrheit unser Wille darinnen ruht, wie das Ich da im Schicksal dahinströmt, dann wird dieser Wille mit uns, indem wir uns selbst an unser Schicksal hingeben, aus uns wiederum losgerissen. Und das ist das Zweite. Aber es muß eben errungen werden, muß errungen werden in innerlichem gemütsund gefühlsmäßigem Erleben. Es muß den ganzen Menschen erfüllen, also sich hinzugeben gefühlsmäßig an das Schicksal. Dann fühlt man, wie man mit dem Schicksal zugleich zusammenwächst mit geistig wirksamen Weltenkräften, die die Außenwelt durchwalten und durchwirken. Demjenigen, was mit uns zu entfliehen scheint in der Gedanken-Konzentration, was uns unsere Selbstheit zu nehmen scheint, folgt dann nach — das heißt dem Gedanken folgt nach — ein Willenselement, ein gefühlsmäßiges Willenselement. Während wir auf die früher angedeutete Art den Gedanken aus unserem Kopfe herausströmen fühlen, ziehen wir jetzt aus unserem ganzen Wesen etwas nach. Wir opfern den Willen an den Gedanken hin. Und dann tritt das Seelische, das Gedankenmäßige, das Gefühls-, Empfindungs-, Willensmäßige zu den Gedanken heraus und wir gehen mit.
[ 10 ] Essentially, when one engages in such meditation on one’s fate for weeks, months, or years—depending on one’s disposition—an emotional surrender to fate emerges. One learns to recognize that one must step out of the little room in which one has hitherto felt confined. One learns to let oneself flow along with the current of one’s destiny. So when one recognizes how the self, the “I,” actually lives outside of oneself—how, in what we call “chance,” our will in truth rests within it—how the “I” flows along with fate—then, as we surrender ourselves to our fate, this will is in turn torn away from us. And that is the second point. But it must be attained—it must be attained through an inner experience of the mind and emotions. It must fill the whole person—that is, one must surrender emotionally to destiny. Then one feels how, through destiny, one simultaneously grows together with spiritually active world forces that govern and permeate the external world. What seems to escape us in thought concentration—what seems to rob us of our sense of self—is then followed—that is, the thought is followed—by an element of will, an emotional element of will. While we feel the thought flowing out of our head in the manner indicated earlier, we now draw something from our entire being to follow it. We offer our will to the thought. And then the soul, the thought, the feeling, the sensation, and the will emerge into the thoughts, and we go with them.
[ 11 ] Das, was ich geschildert habe, ist ein realer Prozeß, ein wirkliches Heraussteigen der Seele aus der Leibeshülle. Das ist etwas, was ebenso wahr und intensiv und wirklich — man möchte sagen, experimentell — zu erleben ist wie das Herausgehen des Wasserstoffes aus dem Wasser, das Ablösen des Wasserstoffes von dem Wasser. Es ist so wie das Ablösen des Seelischen vom Leiblichen, das dann so zurückbleibt, daß dieses Leibliche mit dem ganzen äußeren Erleben ein äußerer Gegenstand wird; die Seele ist aus dem Leibe herausgestiegen. Wie man sonst in der Sinneswelt den Tisch oder den Stuhl betrachtet, so betrachtet die Seele ihren Leib, den sie verlassen hat. Und was das Wichtigste ist, sie erlebt sich nicht bloß im Abstrakten, sondern so wahr, wie sie im Leibe ein innerliches Erleben entwickelt, so wahr entwickelt sie außerhalb des Leibes ein innerliches Erleben, von dem sie weiß, es ist ein geistigseelisches Erleben. Vollinhaltlich im inneren Erlebnis, so erlebt sich die Seele. Und wirklich, wie die Menschen lange nichts davon wußten, daß man Sauerstoff von Wasserstoff abtrennen kann, und es erst lernen mußten, so wird die Geisteskultur der Menschheit lernen, daß das Geistig-Seelische abzusondern ist von dem Leiblichen, — so barock, so töricht, so närrisch der gegenwärtigen Menschheit das heute noch erscheinen mag. Eine wirkliche Geisteswissenschaft ist dasjenige, was die Zukunft haben wird — und wodurch die Zukunft der Menschenseele jenes Wissen bringen wird, dessen die Menschenseele bedarf, wenn in ihr die Kräfte, die von alters her da waren, für solche Dinge reif geworden sind. Einer solchen Zeit harren wir entgegen. Derjenige nur kann es leugnen, der die Zeichen der Zeit verkennt, der nicht kennt die tiefste Sehnsucht, die heute schon in zahlreichen Seelen bewußt, in anderen unbewußt, lebt und die die ganze Menschheit ergreifen wird: die Sehnsucht, zu wissen von dem Geistigen. Dann aber, wenn also die Seele sich im wirklichen leibfreien Erleben erfaßt, dann lernt sie in sich Kräfte kennen, welche man im Alltagsleben nicht hat, welche man im Leibe nicht entfalten kann. Eine Kraft lernt man kennen, die auf folgende Weise geschildert sei:
[ 11 ] What I have described is a real process, a genuine emergence of the soul from the physical body. This is something that can be experienced just as truly, intensely, and realistically—one might say, experimentally—as the release of hydrogen from water, the separation of hydrogen from water. It is like the separation of the soul from the body, which is then left behind in such a way that the body, along with the entire external experience, becomes an external object; the soul has emerged from the body. Just as one normally regards a table or a chair in the sensory world, so the soul regards the body it has left behind. And what is most important is that it does not merely experience itself in the abstract; rather, just as truly as it develops an inner experience within the body, so truly does it develop an inner experience outside the body—an experience of which it knows is a spiritual-soul experience. The soul experiences itself with full content within this inner experience. And truly, just as people long remained unaware that oxygen could be separated from hydrogen and had to learn this first, so the spiritual culture of humanity will learn that the spiritual-soul aspect must be separated from the physical—no matter how bizarre, how foolish, how absurd this may still seem to present-day humanity. A true spiritual science is what the future will bring—and through which the future of the human soul will provide the knowledge of which the human soul has need, once the forces that have existed since time immemorial have matured within it for such matters. We are awaiting such a time. Only those who fail to recognize the signs of the times can deny this—those who are unaware of the deepest longing that already lives today in numerous souls, consciously in some and unconsciously in others, and that will seize all of humanity: the longing to know about the spiritual. But then, when the soul experiences itself in a true, body-free state, it comes to know within itself powers that one does not possess in everyday life—powers that cannot be unfolded within the body. One comes to know a power that may be described as follows:
[ 12 ] Wenn wir unser alltägliches Leben durchleben, in dem die Seele die Kraft des Vorstellens, des Fühlens und des Wollens entwickelt, so kommen wir zu dem, was man zuletzt die Erinnerung nennt. Und derjenige, der ein wenig nachdenkt über die Erinnerung, der weiß, was diese Erinnerung, dieses Gedächtnis für die ganze in sich zusammenhaltende Wesenheit des Menschen bedeutet. Wir könnten kein Ich-Bewußtsein entwickeln, wenn wir uns nicht darin an die Erlebnisse, die wir durchgemacht haben, erinnerten seit einem bestimmten Zeitpunkt nach der Geburt. Nur dadurch, daß der Strom der Erinnerungen nicht abreißt, daß wir wissen, wir sind es eben gewesen, die diesen Strom durchlebt haben, dadurch sind wir ein Ich, ein Selbst. Selbst Weltanschauungen können nur mit Erinnerungen arbeiten, die die Seele in sich aufspeichert, und können diese Erinnerungen dann in einen harmonischen oder logischen Zusammenhang bringen. Wir können also das, was die Seele im Alltagsleben als ihr Enderlebnis vor sich hat, als Erinnerung, als Gedächtnis auffassen. Worauf beruht nun das Erinnern, das Gedächtnis? Nun, äußerlich betrachtet, können wir sagen, wenn Erlebnisse durchgemacht werden, wir bilden uns Vorstellungen, wir empfinden dieses oder jenes an den Erlebnissen. Dann bleibt uns ein Bild, das wir aufgespeichert in der Seele haben, und wenn wir lange über das Erlebnis hinausgekommen sind, wissen wir auf das Bild im inneren Erleben zurückzuschauen; das Erlebnis selbst ist nicht da, sondern nur das innere Bild ist da, etwas ist da, was unsere Seele nur webt. Um uns diesem Bild, um uns dem Wesen des Gedächtnisses überhaupt nähern zu können, können wir nun folgendes überlegen — ich kann es nur in groben Strichen, gleichsam mit Kohlestrichen anführen, was Sie dann in der Literatur der Geisteswissenschaft ausführlich verfolgen können.
[ 12 ] As we go about our daily lives, in which the soul develops the powers of imagination, feeling, and will, we arrive at what is ultimately called memory. And anyone who reflects a little on memory knows what this memory, this recollection, means for the entire, cohesive essence of the human being. We could not develop a sense of self if we did not recall, within it, the experiences we have gone through since a certain point in time after birth. It is only because the stream of memories does not cease—because we know that it was we ourselves who lived through this stream—that we are an “I,” a self. Even worldviews can operate only with memories that the soul stores within itself, and can then bring these memories into a harmonious or logical context. We can therefore regard what the soul experiences in everyday life as its final experience—as a memory, as recollection. On what, then, does remembering, or memory, depend? Well, viewed from the outside, we can say that when we go through experiences, we form mental images; we perceive this or that in those experiences. Then an image remains with us, stored in the soul, and even long after the experience has passed, we are able to look back upon this image in our inner life; the experience itself is no longer there, but only the inner image remains—something that our soul simply weaves. In order to approach this image—and indeed, the very nature of memory—we can now consider the following: I can only sketch it out in broad strokes, as it were, with charcoal lines, which you can then explore in detail in the literature of spiritual science.
[ 13 ] Wenn wir diesem Gedächtnis nähertreten wollen, finden wir: in der ersten Zeit, die der Mensch durchlebt nach seiner Geburt, nachdem er die Welt betreten hat, da ist diese Erinnerung noch nicht lebendig. Diese Erinnerung tritt erst im zartesten Kindesalter auf; bis zu einem bestimmten Punkt des zarten Kindesalters erinnern wir uns später zurück. Was vorher ist, darüber muß uns berichtet werden von unserer Umgebung, aber wir erinnern uns nicht zurück. Worauf beruht denn das, daß wir uns zurückerinnern? Das beruht auf bestimmten Kräften, die die Seele anwenden kann, um die Bilder zu behalten, auf Kräften, die die Seele fähig machen, diese Bilder in sich aufzuspeichern. Diese Kräfte waren schon da, bevor die Erinnerung da war, sie waren schon unmittelbar nach der Geburt vorhanden, aber sie hatten da eine andere Aufgabe. Sie hatten die Aufgabe, noch zu arbeiten an den zarten Organen des Menschen, an dem Nervensystem und dem Gehirn des Menschen; an dem Nervensystem und Gehirn haben sie plastisch zu arbeiten. Sie waren da noch Bildekräfte des menschlichen Organismus, desjenigen, was gleichsam noch weich ist — grob gesprochen, aber es bedeutet eine Realität —, was erst so geformt werden muß, daß der Mensch dieser bestinnmte Mensch ist. Das läuft als Bildekräfte noch in die leibliche Organisation hinein im zartesten Kindesalter. Und wenn diese Organisation verhärtet ist — das ist wiederum bildlich gesprochen —, so weit verhärtet ist, daß diese Bildekräfte nicht mehr in sie hineinströmen, dann werden sie von dem Leiblichen zurückgeworfen ins Seelische. Das Leibliche wirkt wie ein Spiegel. Und das, was wir dann seelisch erleben, besonders das, was in unseren Erinnerungen aufgespeichert wird, das sind Spiegelbilder, die von unserem Leibesleben zurückgeworfen werden. In Wahrheit erinnern wir uns deshalb, weil unser Leib ein Spiegelungsapparat ist. Das wird gerade die Naturwissenschaft voll einsehen, wenn sie auf ihrem Wege noch weitergehen wird. Dann wird sie auch die Widersprüche durchschauen, die sie jetzt noch aufbringt, wenn solche Dinge vorgebracht werden. Wie wenn da an der Wand ein Spiegel nach dem andern hängen würde und wir vorbeigingen, so würden wir uns nur sehen, solange wir eben vor den Spiegeln stehen. Der Spiegel wirft unser eigenes Bild zurück. So ist es mit unserem innerlich seelischen Erleben. Der Leib ist ein Spiegelungsapparat; er wirft zurück, was die Seele erlebt. Die Seele erlebt dadurch selbst dasjenige, was früher im zartesten Kindesalter Bildekräfte waren, was verwendet wurde gleichsam, um den Spiegel erst aufzubauen.
[ 13 ] If we wish to examine this memory more closely, we find that in the earliest period of a person’s life after birth, once they have entered the world, this memory is not yet active. This memory first emerges in early childhood; later on, we recall events up to a certain point in early childhood. As for what came before, we must rely on accounts from those around us, but we do not recall it ourselves. On what, then, does our ability to recall the past depend? It is based on certain powers that the soul can employ to retain images—powers that enable the soul to store these images within itself. These powers were already present before memory existed; they were already present immediately after birth, but they had a different task at that time. Their task was to continue working on the delicate organs of the human being—on the nervous system and the brain—shaping them in a plastic manner. They were still formative forces of the human organism, acting upon that which is, so to speak, still soft—to put it crudely, but it describes a reality—that which must first be shaped in such a way that the human being becomes this particular individual. These formative forces continue to flow into the physical organization during the earliest childhood. And when this organization has hardened—again, speaking figuratively—to the point where these formative forces no longer flow into it, they are reflected back from the physical into the soul. The physical body acts like a mirror. And what we then experience in our soul—especially what is stored in our memories—are mirror images reflected back from our physical life. In truth, we remember because our body is a mirroring apparatus. Natural science will come to fully understand this as it continues on its path. Then it will also see through the contradictions it currently raises when such ideas are put forward. It is as if one mirror after another were hanging on the wall, and as we walked past, we would see ourselves only as long as we stood directly in front of the mirrors. The mirror reflects our own image back to us. So it is with our inner spiritual experience. The body is a mirroring apparatus; it reflects back what the soul experiences. Through this, the soul itself experiences what were once formative forces in the earliest childhood—forces that were used, as it were, to construct the mirror in the first place.
[ 14 ] Eine weitere Stufe ist dann diese: Denken Sie sich einmal etwa folgendes - als Vergleich will ich es vor Sie hinstellen, aber es bedeutet etwas ganz Reales —, denken Sie sich, Sie stehen vor einem Spiegel, der Ihnen die Möglichkeit gibt, sich zu sehen, das zu sehen, was Sie selbst als Lichtstrahl zum Spiegel senden. Sie sehen sich, weil der Spiegel Ihr leibliches Bild zurückwirft. So wirft Ihr Leib dasjenige, was in der Seele ist, zurück. Aber denken Sie nun, Sie bekämen — im Seelischen findet. das statt — Sie bekämen die Kräfte, den Spiegel nicht zu brauchen; so starke Kräfte würden Sie entwickeln, daß Sie gleichsam das, was sonst der Spiegel zurückwirft als Ihr eigenes Abbild, hinschauen würden in den Raum. Das aber geschieht durch die Seelenübungen, die ich anführte: Konzentration der Gedanken, Versenkung in den Willen — die Ergebung in die Weltenordnung, könnte man auch sagen. Dadurch werden die Seelenkräfte so verstärkt, daß das, was sonst zurückgeworfen wird vom Leibe, was wie ein Spiegelbild nur ist, als eigenes inneres, seelisches Erlebnis auftaucht, daß es durch die eigene Kraft der Seele selbst innerlich lebendig wird. Daher ist dasjenige, was der Geistesforscher innerlich erlebt, wenn er seine Seele vom Leibe abgetrennt hat, ein höher entwickeltes, ein tätiges Erinnetungswerk. Während wir es im gewöhnlichen Leben nur bis zur Erinnerung bringen, durch die wir auf Spiegelung des Leibes angewiesen sind, erhalten wir durch die angedeuteten Übungen nun die Fähigkeit, innere seelische Kräfte zu entwickeln und unser seelisches Inneres aktiv tätig zu machen, so daß es eine innere Wirklichkeit gleichsam strahlend von sich aussendet.
[ 14 ] The next step is this: Imagine the following—I’m presenting it as a comparison, but it represents something very real—imagine that you are standing in front of a mirror that allows you to see yourself, to see what you yourself send to the mirror as a beam of light. You see yourself because the mirror reflects your physical image. In the same way, your body reflects what is in your soul. But now imagine that you were to acquire—and this takes place in the realm of the soul—the power to do without the mirror; you would develop such strong powers that you would, as it were, project into space what the mirror otherwise reflects as your own image. But this is achieved through the soul exercises I mentioned: concentration of thought, immersion in the will—one could also call it surrender to the order of the worlds. Through this, the soul’s powers are strengthened to such an extent that what is otherwise reflected by the body—which is merely a mirror image—emerges as one’s own inner, soul-based experience, so that it comes to life internally through the soul’s own power. Therefore, what the spiritual researcher experiences inwardly when he has separated his soul from the body is a higher-order, active act of remembrance. Whereas in ordinary life we manage only to reach the level of memory—through which we are dependent on the body’s reflection—the exercises described here now give us the ability to develop inner soul forces and to activate our inner soul life, so that it radiates an inner reality, as it were.
[ 15 ] Gelangt die Seele dahin, daß sie so ihre innerlichen Kräfte gleichsam erschafft, in Wahrheit aber sie aus dem tiefsten Innern herausholt, dann wird sie merken, daß sie nicht nur diese Kräfte entfaltet, sondern daß mit der Entfaltung dieser Kräfte, mit dem Verschaffen gleichsam des inneren Spiegelbildes noch etwas anderes stattfindet, was wir nennen können: Wahrnehmen, unmittelbares Ergreifen einer geistigen Welt. Allerdings ist dieses Wahrnehmen ein ganz anderes als das Wahrnehmen der äußeren sinnlichen Wirklichkeit. Wenn wir die äußerlich sinnliche Wirklichkeit wahrnehmen, schauen wir auf die Gegenstände mit unseren Augen hin, wir hören auf die Töne mit den Ohren hin, greifen mit der Hand die äußeren Gegenstände an. Da ist es der Gegenstand, dem wir uns nahen, der von außen auf uns wirkt. Wenn wir aber das entwickeln, was ich als innere Kräfte der Seele geschildert habe, was wirklich auflebt, so daß die Seele sich außerhalb des Leibes weiß in einem System von innerlichen Kräften, dann strömt in diese Kräfte hinein das, was geistige Wesenheit, geistige Wirklichkeit ist. Ich will wiederum einen Vergleich gebrauchen: Wenn ich mit der Hand diese Ecke hier anfasse, sie sinnlich wahrnehme, so ist die Ecke außer mir; die Ecke berührt meine Hand von außen. So ist es nicht in der geistigen Wahrnehmung, sondern so, daß wenn dies eine Seelenkraft wäre, was jetzt die Hand darstellt, und wenn ich sie nicht wirken lasse, so strömt gleichsam von rückwärts in die Hand das Geistige ein. Während das Physische die Dinge berührt von außen her, berührt das Geistige nicht von außen her, strömt das Geistige in die Seelenkräfte ein, so daß wir uns ganz neue Begriffe aneignen müssen, wenn wir von diesem geistigen Erkennen und Wahrnehmen sprechen wollen. Die äußeren Dinge nehmen wir wahr; daß wir zum Geistigen in ein Verhältnis kommen, dazu ist notwendig, daß wir Kräfte entwickeln, in welche diese geistige Welt hineinströmt. Das heißt, wir müssen sagen: durch Seelenentwickelung erleben wir das Große, Gewaltige, daß die geistige Welt uns wahrnimmt, daß wir etwas werden wie ein Gedanke, wie ein Willensimpuls höherer geistiger Wesenheiten, die unsichtbar übersinnlich über uns stehen. Von diesen geistigen Wesenheiten, die unsichtbar, übersinnlich sind gegenüber den eben besprochenen Erkenntniskräften der Seele, muß der Geistesforscher so sprechen, wie der Naturforscher spricht von Mineral-, Pflanzen-, Tierreich, physischem Menschenreich als den vier Naturreichen, die außer uns sind. Und wie wir, wenn wir diesen Wesen der vier Reiche gegenüberstehen, sagen: Wir nehmen wahr, wir machen uns Gedanken von diesen Wesenheiten — sie sind draußen, und wir machen uns sinnliche Abbilder —, so müssen wir sagen: indem wir mit der Seele aus unserem Leib herausgehen, werden wir selbst — aber in einer viel höheren, in einer innerlichen Lebendigkeit und Wesenhaftigkeit — werden wir selbst Gedanken, Empfindungen, Willensimpulse der höheren geistigen Wesenheiten — wir werden wahrgenommen, wir erleben uns wahrgenommen durch die höheren geistigen Wesenheiten.
[ 15 ] If the soul reaches the point where it, as it were, creates its inner powers—though in truth it draws them forth from the deepest inner self—then it will realize that it is not only unfolding these powers, but that with the unfolding of these powers, with the creation, as it were, of the inner reflection, something else takes place, which we can call: perception, the direct grasping of a spiritual world. However, this perception is quite different from the perception of external sensory reality. When we perceive external sensory reality, we look at objects with our eyes, listen to sounds with our ears, and touch external objects with our hands. In that case, it is the object we approach that acts upon us from the outside. But when we develop what I have described as the inner forces of the soul—forces that truly come to life, so that the soul knows itself to be outside the body within a system of inner forces—then that which is spiritual essence, spiritual reality, flows into these forces. I will again use a comparison: When I touch this corner here with my hand and perceive it through the senses, the corner is outside of me; the corner touches my hand from the outside. It is not like that in spiritual perception; rather, if what the hand now represents were a soul force, and if I did not allow it to act, the spiritual would, as it were, flow into the hand from behind. While the physical touches things from the outside, the spiritual does not touch from the outside; rather, the spiritual flows into the powers of the soul, so that we must acquire entirely new concepts if we are to speak of this spiritual cognition and perception. We perceive external things; in order to enter into a relationship with the spiritual, it is necessary that we develop powers into which this spiritual world can flow. That is to say, we must say: through the development of the soul, we experience the great and mighty reality that the spiritual world perceives us, that we become something like a thought, like a volitional impulse of higher spiritual beings who stand above us, invisible and supersensory. Of these spiritual beings—who are invisible and supersensible in relation to the soul’s powers of cognition just discussed—the spiritual researcher must speak in the same way that the natural scientist speaks of the mineral, plant, and animal kingdoms, and the physical human kingdom, as the four kingdoms of nature that exist outside of us. And just as we, when we encounter these beings of the four kingdoms, say: We perceive them, we form concepts of these beings—they are outside of us, and we create sensory images of them—so we must say: as we step out of our body with our soul, we ourselves—but in a much higher, inner vitality and essential nature—become thoughts, feelings, and impulses of will of the higher spiritual beings—we are perceived, we experience ourselves being perceived by the higher spiritual beings.
[ 16 ] Daraus ersehen Sie, daß derjenige, der herantritt an die Frage: Was ist am Menschenwesen unsterblich? sich nicht so zu der Frage stellen kann, wie sich die Menschen heute noch so häufig dazu stellen. Sie kommen an eine solche Frage heran und sagen: Nun, ich habe mir diesen oder jenen Begriff angeeignet. Wie kann man mir die Unsterblichkeit der Seele beweisen? Ja, mit diesen Begriffen, die man sich im äußeren Leben und in der Wissenschaft angeeignet hat, kann man das nicht beweisen; denn diese Begriffe beziehen sich auf das, was die Seele im Alltagsleben erlebt und was nur ein inneres Spiegelbild ist. Ebensowenig wie das Spiegelbild bleibt, wenn der Spiegel nicht mehr da ist, bleibt dasjenige, was die Seele im Alltagsleben denkt, fühlt und will, weil es nur ein Spiegelbild des Leibes ist; selbst die Erinnerung, in der das aufgespeichert wird, ist ein Spiegelbild der Seele. Wer aus Denken, Fühlen und Wollen die Unsterblichkeit der Seele beweisen will, der ist auf dem gleichen Wege wie einer, der das Bleibende des Spiegelbildes beweisen will aus dem Bilde im Spiegel. Alles das, was Spiegelbild ist, muß eben dem Naturforscher zugegeben werden — und etwas anderes liegt ihm nicht vor. Alles dasjenige, was man im gewöhnlichen Leben «Seele» nennt, geht nicht durch die Pforte des Todes hindurch. Aber in der Seele ist etwas enthalten — denn das, was Geisteswissenschaft heraufholt, ist in der Seele enthalten —, was durch die Pforte des Todes geht, und so durch die Pforte des Todes geht, daß es in Begriffen, in Ideen nur erfaßt werden kann, die man gar nicht hat, wenn man sie nicht erst entwickelt. Während man für das gewöhnliche Erleben sagen muß, die Menschenseele nehme wahr, muß man für das geistige Erleben sagen: die Seele wird wahrgenommen von höheren Wesen. Während man im sinnlichen Erleben selbst wahrnimmt, muß man für das geistige Erleben sagen: nach dem Tode wird der Mensch hingenommen von den höheren geistigen Wesenheiten. Wenn der Mensch seine Gedanken von den äußeren Naturdingen einverleibt seiner Seele, so verleibt sich ihm ein diejenige Wesenheit, die übersinnlich über ihm waltet; er wird gedacht, er wird fortgetragen in die geistige Welt hinein. Deshalb kann man so schwer die Frage beantworten: Was ist am Menschenwesen unsterblich’, wenn man sie mit den gewöhnlichen Begriffen des Tages beantworten will, die gar nicht auf sie passen.
[ 16 ] From this you can see that anyone who approaches the question, “What is immortal in the human being?” cannot approach it in the way people still so often do today. They approach such a question and say, “Well, I have acquired this or that concept.” “How can you prove to me the immortality of the soul?” Yes, with these concepts—which one has acquired in external life and in science—one cannot prove it; for these concepts refer to what the soul experiences in everyday life, and that is merely an inner reflection. Just as the reflection does not remain when the mirror is no longer there, neither does what the soul thinks, feels, and wills in everyday life, because it is merely a reflection of the body; even the memory in which this is stored is a reflection of the soul. Anyone who seeks to prove the immortality of the soul on the basis of thinking, feeling, and willing is on the same path as someone who seeks to prove the permanence of the reflection from the image in the mirror. The natural scientist must be granted that all of this is merely a reflection—and he has nothing else to go on. Everything that is commonly called the “soul” in everyday life does not pass through the gate of death. But there is something contained within the soul—for what spiritual science brings to light is contained within the soul—that passes through the gate of death, and does so in such a way that it can be grasped only in concepts and ideas that one does not possess at all unless one first develops them. Whereas in ordinary experience one must say that the human soul perceives, in spiritual experience one must say: the soul is perceived by higher beings. Whereas in sensory experience one perceives oneself, in spiritual experience one must say: after death, the human being is received by the higher spiritual beings. When a person incorporates thoughts of external natural phenomena into his soul, the being that reigns supersensibly above him incorporates himself into the person; he is thought of, he is carried away into the spiritual world. That is why it is so difficult to answer the question, “What is immortal in the human being?” if one tries to answer it using the ordinary, everyday concepts that do not apply to it at all.
[ 17 ] Und alle Philosophen, welche versucht haben, sich der Unsterblichkeit der Menschenseele zu nähern, sich die Frage nach der Unsterblichkeit der Seele zu beantworten, sind doch immer wieder darauf gekommen, zu sagen: da muß irgend etwas feines Substantielles sein, was da über den Tod hinausgeht. Wir haben gesehen, daß von dem Substantiellen gar nichts bleibt, daß aber das, was die Seele an Kräften hat, selbst ein höher entwickeltes Erinnerungsleben ist, daß es ein Wahrgenommenwerden, ein Geborenwerden in der geistigen Welt ist. Sie wissen alle, daß solche Prozesse im Sinnenleben sogar schon ihre Sinnbilder, ihre Analogien haben. Wenn man eine Billardkugel gegen eine andere stößt, so sagt der Physiker: in die zweite Kugel geht der Bewegungszustand der ersten hinüber. Was ist hinübergegangen von einer Kugel zur anderen? Nicht die Substanz von der ersten ist in die zweite hinübergegangen, sondern nur die Kraft geht hinüber.
[ 17 ] And all philosophers who have attempted to approach the immortality of the human soul—to answer the question of the soul’s immortality—have nevertheless always come to the conclusion that there must be some subtle, substantial entity that transcends death. We have seen that nothing of the substantial remains at all, but that the soul’s powers are themselves a more highly developed life of memory—that they constitute a process of being perceived, of being born into the spiritual world. You all know that such processes even have their symbols and analogies in sensory life. When one billiard ball is struck against another, the physicist says: the state of motion of the first ball is transferred to the second. What has been transferred from one ball to the other? It is not the substance of the first ball that has been transferred to the second, but only the force.
[ 18 ] Diejenigen, die über die Unsterblichkeit der Seele gedacht haben, haben immer gedacht wie über etwas, was im bewöhnlichen Leben ist und durch die Pforte des Todes geht; während man das, was durch die Pforte des Todes geht, eben erst suchen muß, denn es liegt so tief verborgen in der Seele, daß es gar nicht beachtet wird, daß die Aufmerksamkeit im gewöhnlichen Leben nicht darauf gerichtet ist; aber es ist eben doch da. Und wenn derjenige, der so wirklich, gleichsam chemisch, abtrennt das Geistig-Seelische vom Leiblichen, wenn er dieses Geistig-Seelische dann erlebt, wie es geborgen wird in einer über ihm stehenden, übersinnlichen Welt von geistigen Wesenheiten, dann weiß er auch, daß er in diesem, sich im gewöhnlichen Leben Verbergenden der Seele — so wie der Wasserstoff im Wasser verborgen ist —, daß er in dem etwas hat, was ganz im geheimen arbeitet, sozusagen zwischen den Zeilen des Lebens; was so die feinsten Kräfte der Seele, der Erfahrung, der moralischen Fähigkeiten des Menschen in sich aufnimmt, wie der kleine Pflanzenkeim aufnimmt aus der ganzen Pflanze die Kräfte, um sie zu konzentrieren. Und wie nach dem Abwelken, nachdem die Blätter abwelken und die Blüte erstirbt, die Pflanze als kleinen Keim das, was in der vorigen Pflanze gelebt hat, hinüberträgt in die folgende Pflanze, das, was die Pflanze als Keim hinüber gerettet hat, — so ist es in der Menschenseele. Wenn man sie so herausdestilliert, so merkt man: unablässig arbeitet in jedem Augenblick des Lebens, wachend und schlafend, diese Menschenseele in den Untergründen des alltäglichen Lebens, arbeitet heraus alles das, was wir uns an Fähigkeiten aneignen, wird durchdrungen, tief durchdrungen von dem, was sie getan hat an Unrecht und Recht, Schön und Häßlich; das trägt sie in sich, wie der Pflanzenkeim in sich träge den Keim der ganzen neuen Pflanze. Und dann weiß man, daß das so verborgen in der Seele Lebende ein Leben durchmacht zwischen Tod und neuer Geburt — und wiederum zurückkehrt zum Erdenleben. In dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt sammelt aus einer geistigen Welt heraus dann der Mensch die Kräfte, die aber Bildekräfte werden, so daß er sich durch eine neue Geburt vereinigen kann mit dem, was ihm gegeben wird von Vater und Mutter, von der Vorfahrenreihe. So durchlebt die Menschenseele nicht ein Erdenleben, sondern aufeinanderfolgende Erdenleben.
[ 18 ] Those who have reflected on the immortality of the soul have always thought of it as something that exists in ordinary life and passes through the gate of death; whereas what passes through the gate of death is precisely what one must first seek, for it lies so deeply hidden within the soul that it goes completely unnoticed—attention in ordinary life is not directed toward it; yet it is indeed there. And when the person who so truly—as it were, chemically—separates the spiritual-soul aspect from the physical body, when he then experiences this spiritual-soul aspect as it is sheltered in a supersensible world of spiritual beings that stands above him, then he also knows that in this aspect of the soul, which conceals itself in ordinary life — just as hydrogen is hidden in water — that he possesses something that works entirely in secret, so to speak, between the lines of life; something that takes in the finest forces of the soul, of experience, and of human moral capacities, just as the tiny plant seed takes in from the entire plant the forces it needs to concentrate them. And just as after withering—after the leaves wither and the flower dies—the plant, as a small seed, carries over into the next plant what lived in the previous plant—that which the plant has preserved as a seed—so it is in the human soul. When one distills it out in this way, one realizes: at every moment of life, whether awake or asleep, this human soul works ceaselessly in the depths of everyday life, shaping all the abilities we acquire; it is permeated, deeply permeated by what it has done—right and wrong, beautiful and ugly; it carries this within itself, just as the plant seed sluggishly carries within itself the germ of the entire new plant. And then one knows that what lives so hidden within the soul undergoes a life between death and new birth—and returns once more to earthly life. In this life between death and new birth, the human being gathers from the spiritual world the forces that become formative powers, so that through a new birth he can unite with what is given to him by his father and mother and by the line of ancestors. Thus, the human soul does not live through a single earthly life, but rather through successive earthly lives.
[ 19 ] Das vollständige Erdenleben ist also bestehend aus einer Folge von Leben, die verlaufen zwischen Geburt und Tod, und vom Leben zwischen Tod und neuer Geburt, die länger sind als die Erdenleben, wo die Seele in rein geistigen Sphären weilt, wo sie dort tätig, beschäftigt ist, — wo sie ebenso zusammengewachsen ist mit der geistigen Welt wie hier mit der physischen Welt. Dies, daß die Menschenseele in ihrem Universellen wiederholte Erdenleben durchlebt, daß jedes folgende Erdenleben dann Wirkung von früheren Erdenleben ist, das ist dasjenige, was die Geisteswissenschaft allmählich der geistigen Menschheitskultur einverleiben wird, so wie einverleibt worden ist der äußeren Kultur das, was die kopernikanische Weltanschauung ist. Gewiß, es ist heute wirklich noch so, daß der Mensch oft sagt: Ja, was du mir da erzählst, widerspricht ja dem, was die fünf Sinne für wahr halten! Nun, der Mensch hat sogar ganz anderes erfahren müssen, was seinen fünf Sinnen widerspricht. Der Mensch hat durch Jahrtausende nach seinen fünf Sinnen geglaubt, daß sich die Sonne und der Sternenhimmel um die Erde bewege. Daß es umgekehrt ist, daß sich die Erde um die Sonne bewegt, das hat er glauben müssen trotz des Widerspruches gegen die fünf Sinne. So wird das, was jetzt den fünf Sinnen widersprechen muß, daß der Mensch durch wiederholte Erdenleben geht, ebenso in die Denkgewohnheiten der Menschen hineingehen. Dann aber wird der Mensch aus einer wirklichen Wissenschaft heraus sprechen von dem, was am Menschenwesen unsterblich ist. Er wird dieses Unsterbliche suchen gewissermaßen zwischen den Zeilen der gewöhnlichen Erlebnisse, wird in sich wissen ein innerlich arbeitendes Wesen, welches geborgen ist in einer geistigen Welt, wie sich denkend birgt die sinnliche Außenwelt in unseren Vorstellungen und Gedanken und Empfindungen.
[ 19 ] The complete earthly life thus consists of a succession of lives that unfold between birth and death, and of the life between death and a new birth—lives that are longer than the earthly ones—during which the soul dwells in purely spiritual spheres, where it is active and engaged—where it has become just as intertwined with the spiritual world as it is here with the physical world. This fact—that the human soul, in its universal nature, experiences repeated earthly lives, and that each subsequent earthly life is the result of earlier ones—is precisely what spiritual science will gradually incorporate into the spiritual culture of humanity, just as the Copernican worldview has been incorporated into external culture. Certainly, it is still very much the case today that people often say: “Well, what you’re telling me contradicts what my five senses hold to be true!” Well, human beings have even had to experience something entirely different that contradicts their five senses. For millennia, guided by their five senses, people believed that the sun and the starry sky revolved around the Earth. That the opposite is true—that the Earth moves around the Sun—is what they had to believe despite the contradiction with their five senses. In the same way, what must now contradict the five senses—namely, that human beings go through repeated earthly lives—will likewise become part of people’s habits of thought. But then human beings will speak, based on true science, of what is immortal in the human being. They will seek this immortality, so to speak, between the lines of ordinary experiences; they will know within themselves an inwardly active being that is secure in a spiritual world, just as the sensory external world is secured in our conceptions, thoughts, and feelings through thinking.
[ 20 ] Dann wird sich der Mensch verbunden wissen mit seinem Ewigen, seinem Unsterblichen, verbunden wissen mit der geistigen Welt. Solches steht der Menschheitsentwickelung bevor. Und wir dürfen uns wirklich daran erinnern in dieser unserer Zeit, in der Zeit der schweren, aber auch glorreichen Prüfungen, wir dürfen uns erinnern, wie gerade deutsches Geistesleben — Sie werden es nicht ungereimt empfinden, wenn ich dieses im letzten Teil meiner Auseinandersetzungen erwähne -, wie gerade deutsches Geistesleben seit langem hinarbeitet, eine solche Wissenschaft zu gewinnen. Wir brauchen uns nur zu erinnern an Lessing, den großen Bannerträger des neueren deutschen Geisteslebens, was er in seiner Seele gesammelt hat an ihn und die Menschheit aufklärenden Gedanken. Er hat es wie in einem Lebenstestament zusammengefaßt in seiner so wunderschönen Schrift «Die Erziehung des Menschengeschlechts». Freilich, viele Menschen, besonders die ganz gescheiten, sagen heute: Nun ja, der Lessing! Sein ganzes Leben hat er ja vieles geschrieben und vieles gesagt, dann ist er alt geworden, seine Geisteskraft wurde schwach, dann hat er auch solch vertracktes Zeug geschrieben, wo er so etwas durchgefochten hat wie die Lehre von den wiederholten Erdenleben, von Zwischenleben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt in der geistigen Welt! Für eine verschrobene Idee halten es die Menschen, und sie verzeihen es den großen Geistern, wenn sie auch einmal zu solch vertrackten Ideen kommen, die man im gewöhnlichen Leben nicht als solche ansieht, die man mit den fünf Sinnen erfassen kann. Aber Lessing hat sehr bedeutsam am Schlusse des Werkes gesagt: Es hat ja immer in den ältesten Zeiten Menschen gegeben, die aus altem Hellsehen heraus, aus alten, den geistigen Weltenkräften noch näher stehenden Fähigkeiten der Menschenseele heraus etwas gewußt haben von den wiederholten Erdenleben. Und Lessing sagt: Soll denn das, worauf die Menschenseele durch ursprüngliche Kräfte gekommen ist, was sie geleistet hat, bevor sie durch die Sophisterei der Schule verdorben war, soll gerade das unwahr sein?
[ 20 ] Then human beings will know themselves to be connected to their Eternal Self, their Immortal Self, and to the spiritual world. This is what lies ahead for the evolution of humanity. And we must truly remember this in our own time—a time of difficult yet glorious trials—we must remember how German intellectual life in particular—you will not find it out of place that I mention this in the final part of my reflections—how German intellectual life in particular has long been striving to attain such a science. We need only recall Lessing, the great standard-bearer of modern German spiritual life, and the thoughts he gathered in his soul—thoughts that enlightened both him and humanity. He summarized them, as if in a testament of his life, in his exquisite work *The Education of the Human Race*. Of course, many people today—especially the very clever ones—say: “Well, Lessing!” He wrote and said so much throughout his life; then he grew old, his mental powers waned, and he went on to write such convoluted stuff, in which he grappled with concepts like the doctrine of repeated earthly lives and the intermediate lives between death and a new birth in the spiritual world! People consider it a whimsical idea, and they forgive the great minds when they, too, occasionally arrive at such convoluted ideas—ideas that are not regarded as such in ordinary life, ideas that cannot be grasped by the five senses. But Lessing made a very significant statement at the end of the work: There have, after all, always been people in the most ancient times who, through ancient clairvoyance—through ancient abilities of the human soul that were still closer to the spiritual forces of the world—knew something about repeated earthly lives. And Lessing says: “Is that which the human soul attained through its original powers—what it accomplished before it was corrupted by the sophistry of the school—is that precisely what is to be deemed untrue?”
[ 21 ] Lessing hat recht gehabt. Geisteswissenschaft wird der Menschheit zeigen, daß das, was gewissermaßen auf einer primitiven Stufe der Entwickelung da war, auf der höchsten Stufe einer wirklich herausgebildeten wissenschaftlichen Erkenntnis kommen wird, wenn allerdings die Wissenschaft so weit sein wird, daß sie nicht nur äußerlich handgreifliche Methoden, die mit den fünf Sinnen erfaßt werden können, zu ihren Hilfsmitteln wählt; sondern wenn sie als solche Methoden geistig-seelische Experimente gelten läßt, — was eben geschildert worden ist als eine Art geistiger Chemie. Und gerade das deutsche Geistesleben ist es, welches auf diese Intimität des Seelenlebens ja immer hingewiesen hat, durch welche die Seele über sich hinauskommt in ein höheres Empfindungsleben, das kein bloßes Erinnerungsleben, sondern ein Eintauchen in die geistige Wirklichkeit ist. Ein höheres Gedankenleben, ein höheres Gefühlsleben, ein höheres Willensleben. Daß die Seele also ihre Kräfte verstärkt und also aus ihrem Leibe herauskommen kann, das zu erreichen hat das deutsche Geistesleben von jeher gestrebt; und das gehört zu den Keimen des deutschen Geisteslebens, auf die ich gestern hingewiesen habe, die noch aufgehen müssen als Blüten und Früchte dieses deutschen Geisteslebens.
[ 21 ] Lessing was right. The science of the spirit will show humanity that what existed, so to speak, at a primitive stage of development will reach the highest level of truly mature scientific knowledge—provided, of course, that science has advanced to the point where it does not limit itself to relying on outwardly tangible methods that can be grasped by the five senses; but when it accepts as such methods experiments of the mind and soul—which have just been described as a kind of spiritual chemistry. And it is precisely German spiritual life that has always pointed to this intimacy of the soul’s life, through which the soul transcends itself into a higher life of feeling—one that is not merely a life of memory, but an immersion in spiritual reality. A higher life of thought, a higher life of feeling, a higher life of will. German spiritual life has always strived to achieve this: that the soul may thus strengthen its powers and thereby emerge from its body; and this belongs to the seeds of German spiritual life that I pointed out yesterday, which have yet to blossom and bear fruit as the flowers and fruits of this German spiritual life.
[ 22 ] Wir sehen ja, wie ganz merkwürdig verinnerlichte Geister, wie zum Beispiel der wunderbare Novaks, wie diese deutschen Geister immer und wiederum durch die innere lebendige Betrachtung, durch das betrachtende Erleben ihres Seelischen, in unmittelbarem Anschauen dahinkommen, daß sie wissen: das geht als Unsterbliches der Seele durch die Pforte des Todes hindurch; und wie sie dann zu Begriffen kommen, die für das gewöhnliche Erleben närrisch erscheinen, die aber, weil sie für das gewöhnliche Erleben nicht passen, gerade für ein Erleben passen, das über das gewöhnliche Erleben hinausgeht. Derjenige, der in der Geisteswissenschaft nur die gewöhnlichen Begriffe finden will, der kann nicht zu ihr kommen. Es erfordert. diese Geisteswissenschaft eine innere Beweglichkeit, eine Elastizität des Geistes, damit man zu neuen Begriffen kommen kann. Die meisten Menschen möchten sich das ersparen aus innerer Bequemlichkeit. Sie glauben, die geistige Welt müsse etwas sein wie eine feinere Kopie der sinnlichen Welt; sie stellen sich die geistige Welt wiederum materiell, substantiell vor. Wenn man aber die Welt geistig erlebt, bleibt nichts vorher Gewohntes in ihr; dagegen erwacht etwas ganz Neues, was man noch nicht gekannt hat, womit man aber seine Seele bereichern muß, um in sich zu erleben, was in der Menschenseele unsterblich ist.
[ 22 ] We see, after all, how strangely inwardly focused spirits—such as the marvelous Novaks, for example—how these German spirits, time and again through inner, living contemplation, through the contemplative experience of their soul life, arrive through direct insight at the realization that this passes through the gate of death as the immortality of the soul; and how they then arrive at concepts that seem absurd to ordinary experience, but which—precisely because they do not fit ordinary experience—are suited to an experience that goes beyond ordinary experience. Anyone who seeks only ordinary concepts in spiritual science cannot come to it. This spiritual science requires an inner flexibility, an elasticity of the mind, so that one can arrive at new concepts. Most people would like to spare themselves this out of inner complacency. They believe the spiritual world must be something like a finer copy of the sensory world; they, in turn, imagine the spiritual world as material and substantial. But when one experiences the world spiritually, nothing familiar from before remains in it; instead, something entirely new awakens—something one has not yet known, but with which one must enrich one’s soul in order to experience within oneself what is immortal in the human soul.
[ 23 ] Indem also solche Menschen reden von der geistigen Welt, der die Seele im Unsterblichen angehört, müssen sie erst die Worte, die Begriffe formen. Daher ist es auch, warum ich gewissermaßen Sie bei dem heutigen Vortrag um Entschuldigung bitten muß. Bei einem solchen Vortrag, wo man von der geistigen Welt spricht, aber in Worten, die für das gewöhnliche Leben geprägt sind, muß man mit den Worten ringen. Man muß beanspruchen, daß man in seiner Formulierung zu Worten greift, die unbequem sind für den, der am Gewohnten haften will. Man erlebt immer wiederum, daß Kritiker kommen, die sagen: Das was du gesagt hast, das gibt es ja gar nicht! Ich weiß das. Gewiß, die Herren wissen ja unendlich viel, aber wenn sie ihre alten Begriffe anwenden auf das, was ganz neue Begriffe haben muß, dann kann ihre Kritik nicht passen zu dem, was sie charakterisieren wollen. Aber wir haben im deutschen Geistesleben Geister — Novalis ist einer von diesen —, die zu sprechen wissen in einer Sprache, die zwar die deutsche Sprache ist, aber doch wie ein wunderbar lebendiger Extrakt erscheint, der aus der deutschen Sprache herausdestilliert wird, um etwas zu zeigen, was so real ist wie die Sinneswelt, was die Realität ist, in die die Seele geht, wenn sie durch die Pforte des Todes schreitet. Was solche Menschen sprechen, es kann schon wirken auf die, die dafür empfänglich sind.
[ 23 ] So when such people speak of the spiritual world, to which the soul belongs in its immortality, they must first formulate the words and concepts. That is also why I must, in a sense, ask for your forgiveness regarding today’s lecture. In a lecture like this, where one speaks of the spiritual world but in words shaped by everyday life, one must grapple with the words. One must accept that, in one’s phrasing, one resorts to words that are uncomfortable for those who wish to cling to the familiar. Time and again, one encounters critics who say: “What you’ve said doesn’t even exist!” I know that. Certainly, these gentlemen know an infinite amount, but when they apply their old concepts to what must be expressed in entirely new terms, their criticism cannot fit what they are trying to describe. But in German intellectual life we have minds—Novalis is one of them—who know how to speak in a language that, while it is the German language, nevertheless appears as a wonderfully vivid essence distilled from the German language to reveal something as real as the sensory world—the reality into which the soul enters when it passes through the gate of death. What such people say can indeed have an effect on those who are receptive to it.
[ 24 ] Und nun will ich Ihnen ein merkwürdiges Beispiel geben; es ist zu schön, als daß ich es Ihnen vorenthalten möchte, weil es zeigt, wie Novalis gewirkt hat. Ich suche absichtlich Ihnen anzuführen seine Wirkung auf einen belgisch-französischen Dichter-Philosophen, der Novalis studiert hat, der sich mit seiner Seele, wie er vorgibt, ganz vertieft hat in Novalis, der einen Eindruck bekommen hat, den er in der folgenden Weise schildert.
[ 24 ] And now I would like to give you a curious example; it is too beautiful for me to withhold from you, because it shows how Novalis influenced others. I am deliberately citing his influence on a Belgian-French poet-philosopher who studied Novalis, who, as he claims, immersed himself completely in Novalis with his soul, and who was left with an impression that he describes as follows.
[ 25 ] Bevor ich das vorbringe, muß ich sagen, daß ja ein anderer belgisch-französischer Dichter-Philosoph, Maurice Maeterlinck, gleich nach Kriegsausbruch und immer wieder und wiederum über die deutschen Barbaren besondere Schmähworte gefunden hat, über diese barbarische Kultur losgezogen ist in ungeheuerlicher Weise. Das ist Maurice Maeterlinck, für dessen Bekanntwerden in der Welt allerdings das deutsche Geistesleben mehr getan hat als das französische. Aber Dankbarkeit braucht in der heutigen Zeit nicht gefordert zu werden. Er hat wirklich recht sehr diese deutschen Barbaren beschimpft und geschmäht nach dem Muster der andern, die ich gestern angeführt habe.
[ 25 ] Before I get to that, I must say that another Belgian-French poet-philosopher, Maurice Maeterlinck, immediately after the outbreak of the war—and time and again thereafter—found particularly scathing words to describe the German barbarians and launched monstrous attacks against this barbaric culture. This is Maurice Maeterlinck, though German intellectual life has done more than French intellectual life to make him known to the world. But gratitude need not be demanded in this day and age. He truly did revile and denounce these German barbarians in the same vein as the others I mentioned yesterday.
[ 26 ] Dagegen gibt es einen andern belgisch-französischen DichterPhilosophen, der hat Novalis, einen der deutschesten der deutschen Dichter-Philosophen, mit alledem, was er zu sagen hat über das, was am Menschenwesen unsterblich ist, auf sich wirken lassen, und er erzählt dann von dieser Wirkung. Er kann nicht anders als sagen: Wenn man so Sophokles, Shakespeare liest, wenn man sieht, was die Figuren des Sophokles, was die Personen des Shakespeare erleben, was Hamlet sogar erlebt, so ist das durchaus irdisches Geschehen, was diese Personen handeln und erleiden; es interessiert nur den Erdenmenschen. Wenn aber — so meint der belgisch-französische DichterPhilosoph — ein Geist von einem andern Planeten heruntersteigen würde, so würde er sich nicht interessieren können für das, was die Personen des Sophokles und Shakespeare erleben; das sind doch nur Erdenangelegenheiten. Aber in Novalis findet dieser belgisch-französische Dichter-Philosoph eine Seele, welche etwas zu sagen hat, was selbst Geister interessieren würde, die einmal vom Weltenall heruntersteigen würden, um der Erde einen Besuch abzustatten; weil Novalis vom Ewigen der Menschenseele redet, was nicht bloß die Menschenseelen, insofern sie im Leibe leben, interessiert, sondern was alle Wesen, die der außerirdischen Welt angehören, interessieren muß. Und mit schönen Worten spricht dieser belgisch-französische Dichter-Philosoph von dem, was er an Novalis, dem deutschen Dichter-Philosophen, erlebt hat:
[ 26 ] In contrast, there is another Belgian-French poet-philosopher who has allowed Novalis—one of the most “German” of the German poet-philosophers—to influence him with everything he has to say about what is immortal in human nature, and he then describes this influence. He cannot help but say: When one reads Sophocles or Shakespeare in this way, when one sees what Sophocles’ characters and Shakespeare’s characters experience—even what Hamlet experiences—what these characters do and suffer is entirely an earthly affair; it is of interest only to earthly human beings. But—so the Belgian-French poet-philosopher argues—if a spirit were to descend from another planet, it could not take an interest in what the characters of Sophocles and Shakespeare experience; after all, these are merely earthly matters. But in Novalis, this Belgian-French poet-philosopher finds a soul that has something to say that would interest even spirits who might one day descend from the cosmos to pay a visit to Earth; because Novalis speaks of the eternal nature of the human soul—a subject that interests not only human souls insofar as they dwell within the body, but must also interest all beings belonging to the extraterrestrial world. And with beautiful words, this Belgian-French poet-philosopher speaks of what he experienced in Novalis, the German poet-philosopher:
[ 27 ] «Wenn es aber anderer Beweise bedürfte, so würde sie ihn unter die führen, deren Werke fast ans Schweigen rühren» — er meint, die gewöhnliche Sprache des Tages ist ja für das, was zeitlich vergänglich ist; was aber unsterblich ist, davon müsse man eigentlich schweigen oder dafür müsse man eine andere Sprache finden —, «sie würde die Pforte des Reiches öffnen, wo einige sie um ihrer selbst willen liebten, ohne sich um die kleine Gebärde ihres Körpers zu kümmern. Sie werden zusammen auf die einsamen Hochflächen steigen, wo sich das Bewußtsein um einen Grad steigert, und wo alle, welche die Unruhe über sich selbst plagt, aufmerksam den ungeheuren Ring umschweifen, der die Erscheinungswelt mit unseren höheren Welten verknüpft. Sie würde mit ihm zu den Grenzen der Menschheit gehen; denn an dem Punkte, wo der Mensch zu endigen scheint, fängt er wahrscheinlich an, und seine wesentlichsten und unerschöpflichsten Teile befinden sich im Unsichtbaren, wo er unaufhörlich auf seiner Hut sein muß. Auf dieser Höhe allein gibt es Gedanken, welche die Seele billigen kann, und Vorstellungen, die ihr ähneln und die so gebieterisch sind wie sie selbst. Dort hat die Menschheit einen Augenblick geherrscht; und diese schwach erleuchteten Spitzen sind vielleicht die einzigen Lichter, welche die Erde dem Geisterreiche ankündigen. Ihr Widerschein hat fürwahr die Farbe unserer Seele. Wir empfinden, daß die Leidenschaften des Geistes und des Körpers in den Augen einer fremden Vernunft den Klagen von Glocken gleichen würden; aber die Menschen, von denen ich rede, sind in ihren Werken aus dem kleinen Dorfe der Leidenschaften herausgekommen und haben Dinge gesagt, die auch denen von Wert sind, die nicht zur irdischen Gemeinde zählen!»
[ 27 ] “But if further proof were needed, she would count him among those whose works border on silence” — he means that the ordinary language of everyday life is, after all, meant for what is fleeting; but as for what is immortal, one must actually remain silent about it or find another language for it —, “it would open the gate to the realm where some loved it for its own sake, without paying attention to the slight gestures of their bodies. Together they would ascend to the lonely highlands, where consciousness rises by one degree, and where all those plagued by restlessness about themselves attentively survey the immense ring that links the world of phenomena with our higher worlds. She would go with him to the boundaries of humanity; for at the point where man seems to end, he likely begins, and his most essential and inexhaustible parts lie in the invisible realm, where he must remain constantly on guard. At this height alone are there thoughts that the soul can approve of, and ideas that resemble it and are as commanding as the soul itself. There, humanity reigned for a moment; and these dimly lit peaks are perhaps the only lights that announce the Earth to the spirit realm. Their reflection truly bears the color of our soul. We sense that the passions of the mind and body would resemble the tolling of bells in the eyes of an alien reason; but the people of whom I speak have, through their works, emerged from the small village of passions and have spoken words that are of value even to those who do not belong to the earthly community!”
[ 28 ] Solche Worte spricht der belgisch-französische DichterPhilosoph. Wenn derselbe jetzt Maurice Maeterlinck über die Barbaren schimpfen hörte, über die gleichen Barbaren, aus denen das hervorgegangen ist, worüber der belgisch-französische Dichter-Philosoph so spricht, wie ich Ihnen soeben vorgelesen habe, würde der gleiche belgisch-französische DichterPhilosoph diesen Maurice Maeterlinck mit seinem Barbarengeschwätz nicht einen unnützen Schreier nennen? Ja, aber die Sache hat allerdings einen Haken, denn die Worte sind von Maurice Maeterlinck selbst -- allerdings vor dem Ausbruch des Krieges geschrieben!
[ 28 ] Such are the words of the Belgian-French poet-philosopher. If that same man were to hear Maurice Maeterlinck now railing against the barbarians—the very same barbarians from whom emerged what the Belgian-French poet-philosopher speaks of, as I have just read to you—wouldn’t that same Belgian-French poet-philosopher call this Maurice Maeterlinck, with his barbarian drivel, a useless loudmouth? Yes, but there is, of course, a catch, for the words are Maurice Maeterlinck’s own—though written before the outbreak of the war!
[ 29 ] Solche Dinge sind es, die man heute erlebt; deshalb sagte ich gestern: es ist wie ein charakteristisches Kapitel der Psychiatrie, was wir heute in der Welt erleben. Denn was folgt aus der unglaublich paradoxen Tatsache, daß derselbe Maurice Maeterlinck diese Worte über den deutschen Novalis zustande bringt — und nachher das ganze deutsche Volk ein Barbarenvolk schmäht und schimpft? Was folgt daraus, daß dasjenige, was er vor Jahren gesagt hat und was ich Ihnen vorgelesen habe, tief innerlich unwahr und verlogen ist. Das ist ja das Eigentümliche unserer gegenwärtigen Kultur, daß — weil diese Kultur gewissermaßen strotzt von dem, was schon durch die Sprache und durch das Äußere aufgespeichert ist — auch die unwahre Seele sehr schöne Worte, schön klingende Worte hervorbringen kann, Worte, die aber innerlich verlogen sein können. Aber es gehört gerade zu den Wegen der Seele, die zu dem Geiste auf die Art führen, wie ich es geschildert habe, daß all das, was die Seele in sich hervorbringt, durchmacht, daß all das im tiefsten Innern wahr, wahr ist, erschütternd wahr ist. Wenn nur etwas Phrase, nur etwas verlogen ist im Innern der Seele auf dem Wege in die geistige Welt hinein, so kann man diesen Weg in die geistige Welt hinein nicht finden. Eine Nachfolge desjenigen, der da gesagt hat: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!» — das heißt die Verbindung der drei —, ein solcher Weg der Nachahmung desjenigen, der dies gesagt hat, ist dieser Wahrheitsweg. Und wenn er nur Phrase ist, wenn auch noch so schön klingende Phrase —, er findet die Wahrheit nicht; er findet eben nur die große Täuschung, die auch bis in die Seele hineindringen kann, da, wo die Seele dasjenige finden will, womit sie verbunden ist als mit ihrem unsterblichen Teil. Innere Wahrheit allein bringt die Seele in Verbindung mit dem, was als Göttliches die Welt durchwebt und durchwest.
[ 29 ] These are the kinds of things we experience today; that is why I said yesterday: what we are witnessing in the world today is like a characteristic chapter in the history of psychiatry. For what follows from the incredibly paradoxical fact that the very same Maurice Maeterlinck could utter these words about the German Novalis—and then go on to revile and denounce the entire German people as a barbarian people? What follows from this is that what he said years ago—and what I have read to you—is, deep down, untrue and hypocritical. That is, after all, the peculiarity of our present-day culture: that—because this culture, so to speak, overflows with what has already been stored up through language and outward appearances—even a false soul can produce very beautiful words, words that sound beautiful, words that may, however, be insincere at their core. But it is precisely one of the paths of the soul that lead to the spirit in the way I have described—that everything the soul brings forth within itself, everything it goes through, is true, truly true, and profoundly true in its deepest core. If there is even a single phrase, even a single element of falsehood within the soul on the path into the spiritual world, then one cannot find this path into the spiritual world. Following in the footsteps of the One who said, “I am the Way, the Truth, and the Life!”—that is, the union of the three—such a path of imitating the One who spoke these words is this path of truth. And if it is merely a phrase—no matter how beautiful it may sound—one will not find the truth; one will find only the great deception that can penetrate even into the soul, precisely where the soul seeks to find that with which it is connected as its immortal part. Inner truth alone brings the soul into connection with that which, as the Divine, interweaves and permeates the world.
[ 30 ] Und wenn wiederum aus dem deutschen Geistesleben heraus wunderschön und tief Meister Eckhart, der Philosoph, spricht, daß in dem Gemüt das Fünklein ist, in dem dasjenige entzündet wird, was von dem Göttlichen in der einzelnen Menschenseele leben kann, so muß man sagen, die Menschenseele kann aber das, was also wie ein Fünklein im Gemüt sich entzünden soll, nur in Echtheit erleben, wenn sie tief innerlich wahr ist.
[ 30 ] And when, again, drawing from German intellectual life, Meister Eckhart— the philosopher, speaks from German intellectual life, saying that within the mind there is a spark in which that which can live from the Divine in the individual human soul is kindled—then one must say that the human soul can experience what is to be kindled like a spark in the mind with authenticity only if it is profoundly true within itself.
[ 31 ] Dazu gehört allerdings Selbsterkenntnis. Aber diese Selbsterkenntnis, sie ist schwer im Leben zu erreichen. Wenn der Mensch, wie ich auseinandersetzte, erreicht, mit seinem SeelischGeistigen aus dem Leiblichen herauszusteigen, dann hat er seinen gewöhnlichen Erdenmenschen vor sich, wie er sonst die äußeren Dinge vor sich hat. Aber er muß seinen Erdenmenschen sehen können und bevor er diesen Geistesweg antritt, sich Selbsterkenntnis als innerliche Gewohnheit aneignen können. Wie schwer sie aber ist, dafür gewissermaßen ein vergleichendes Beispiel: Ein recht berühmter Professor der Gegenwart, der Wiener Philosoph — früher war er in Prag — Dr. Ernst Mach, der verschiedene Bücher geschrieben hat, die heute sehr geschätzt werden, — er hat auf der dritten Seite seines Buches «Analyse der Empfindungen» ein Pröbchen gegeben, wie man es schwer hat, schon in bezug auf die physische Gestalt, zur Selbsterkenntnis zu kommen. Er erzählt da: «Als junger Mensch erblickte ich einmal, als ich über die Straße ging, in einer Auslage, in der zwei Spiegel einander gegenüberstanden, ein Gesicht im Profil. Ich dachte: was begegnet mir da für ein Mensch mit einem widerwärtigen, ja abstoßenden Gesicht; und ich war nicht wenig überrascht, als ich entdeckte, daß ich mein eigenes Bild vor mir hatte, das sich mir zeigte dadurch, daß die Spiegel so angeordnet waren.» Und als zweites Beispiel erzählt derselbe Professor gleich darunter auf der dritten Seite seines Buches: «Als ich einmal recht ermüdet von einer Reise kam, stieg ich in einen Omnibus. Da sah ich von der andern Seite auch einen Mann einsteigen, und ich dachte» — so sagt er, er gesteht es, er ist ganz aufrichtig — «welch ein herabgekommener, unsympathischer Schulmeister steigt denn da ein. Und wiederum sah ich: ich war es selbst.» Und er fügt hinzu: «Also kannte ich den Gattungshabitus besser als den eigenen.» Eine Dame, die das gehört hat, nachdem ich es in anderen Vorträgen gesagt habe, erzählt ein Beispiel von einer solch mangelnden Selbsterkenntnis in bezug auf das Äußere, das sie an einer Verwandten erlebt hat. Diese Verwandte ging in einer fremden Stadt in ein Restaurant. Sie kannte sich nicht recht aus. Da sah sie denn, indem sie auf die Wand zuging, von der andern Seite eine Dame sich entgegenkommen. «Nun, was ist denn das für eine häßliche Landpomeranze?», so dachte sie. Sie war eine sehr elegante Stadtfrau. Erst als sie die Dame ansprach und diese ihr keine Antwort gab, erkannte sie sich selbst.
[ 31 ] This, however, requires self-knowledge. But this self-knowledge is difficult to attain in life. When a person, as I have explained, succeeds in stepping out of the physical realm with his soul-spiritual being, he then has his ordinary earthly self before him, just as he otherwise has external things before him. But they must be able to see their earthly self and, before embarking on this spiritual path, must be able to cultivate self-knowledge as an inner habit. To illustrate just how difficult this is, here is a comparative example: A rather famous contemporary professor, the Viennese philosopher—who was formerly in Prague—Dr. Ernst Mach, who has written various books that are highly regarded today, provided a brief example on the third page of his book *Analysis of Sensations* of how difficult it is to attain self-knowledge, even with regard to one’s physical form. He recounts there: “As a young man, while crossing the street, I once caught sight of a face in profile in a shop window where two mirrors faced each other. I thought: what kind of person is this before me with such a repulsive, indeed repugnant face? And I was quite surprised when I discovered that I was looking at my own reflection, revealed to me by the way the mirrors were arranged.” And as a second example, the same professor recounts immediately below that, on the third page of his book: “Once, when I came back from a trip quite exhausted, I got on a bus. There I saw a man getting on from the other side as well, and I thought”—so he says, he admits it, he is completely sincere—“what a shabby, unsympathetic schoolmaster is getting on there. And then I realized: it was me.” And he adds: “So I recognized the typical traits of the species better than my own.” A lady who heard this after I had mentioned it in other lectures recounts an example of such a lack of self-awareness regarding one’s appearance that she observed in a relative. This relative went into a restaurant in a strange city. She wasn’t quite familiar with the place. As she walked toward the wall, she saw a woman coming toward her from the other side. “Well, what kind of ugly country bumpkin is that?” she thought. She was a very elegant city woman. It wasn’t until she spoke to the woman and the woman didn’t answer that she recognized herself.
[ 32 ] Das sind solche Beispiele, die, ich möchte sagen, vom gröbsten Äußerlich-Sinnlichen hergenommen sind. Aber wenn schon der Mensch so wenig Anschauung hat von seinem Äußerlich-Physisch-Sinnlichen, von dem Seelischen hat er noch weniger eine Anschauung im gewöhnlichen Leben. Aber es gehört diese Möglichkeit, auf sich selbst hinzuschauen, sich als ein äußeres Objekt zu wissen, — es gehört zum wirklichen Erfassen desjenigen, was am Menschenwesen unsterblich ist. Und wer sich wirklich hineinlebt in die geistige Welt und dann auch verfolgen kann, was in dieser geistigen Welt real ist, wer also verfolgen kann den Menschen nicht nur in seinem Leben zwischen Geburt und Tod, sondern über den Tod hinaus, der weiß, daß die Seele, wenn er mit ihr verkehrt, zurückblickt auf den Tod, gerade indem sie in Selbsterkenntnis zurückblickt auf sich selbst, auf das, was man zwischen Geburt und Tod erlebt hat. Die Selbsterkenntnis ist gleichsam das Auge des unsterblichen Geistes. Wir müssen durch die Selbsterkenntnis die ganze geistige Welt erschauen in der Zeit, die wir geistig durchleben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. — Das alles ist wirklich so, daß wir sagen können: in dem deutschen Geistesleben stecken die Keime, die zur weiteren Entfaltung und Entwickelung kommen müssen, die lebendig erfaßt werden müssen im Laufe der Zeit. Dann wird aus diesem deutschen Geistesleben wirkliche Erkenntnis, wirkliche Geisterfassung in Zukunft hervorgehen.
[ 32 ] These are examples that, I would say, are taken from the coarsest external-sensory realm. But if a person has so little insight into their outer, physical, and sensory nature, they have even less insight into the soul in ordinary life. Yet this ability to look within oneself, to recognize oneself as an external object—this is part of truly grasping what is immortal in the human being. And whoever truly immerses themselves in the spiritual world and can then also trace what is real in this spiritual world—who can thus trace the human being not only in their life between birth and death, but beyond death—knows that when the soul, in communion with the individual, looks back on death, it does so precisely by looking back in self-knowledge upon itself, upon what has been experienced between birth and death. Self-knowledge is, as it were, the eye of the immortal spirit. Through self-knowledge, we must perceive the entire spiritual world during the time we live through spiritually between death and a new birth. — All of this is truly so that we can say: within German spiritual life lie the seeds that must come to further unfolding and development, that must be grasped in a living way over the course of time. Then, from this German spiritual life, true knowledge and a true grasp of the spirit will emerge in the future.
[ 33 ] Wenn man ein wenig die geistige Kulturgeschichte der neueren Zeit betrachtet, so wird man auch dadurch dahin geführt, zu erkennen, wie gerade der deutsche Geist in seiner tragenden Kraft dazu berufen ist, seinen Idealismus, den er in seinen großen Philosophen entwickelt hat, zum Spiritualismus, zum Geist-Erkennen, zum Geist-Erleben, zu einer wissenschaftlichen Erkenntnis auszubilden. Gepreßt, möchte man sagen, gedrückt und unterdrückt war der deutsche Geist vom fremdländischen Geist. Wir sehen, wie Goethe, der ganz im deutschen Geiste drinnen wurzelt, seufzt unter dem, was gerade in seiner Zeit von Frankreich herüberkommt. Während der deutsche Geist eigentlich daraufhin angelegt ist, in seinem Erkennen mehr und mehr intim den die Welt durchwaltenden und durchwallenden Geist zu erkennen, ist der französische Geist mehr darauf angelegt, alles das zu erfassen, was durch den Verstand erfaßt werden kann, zu rationalisieren. Das merkt man sogar in der Eigentümlichkeit der französischen Poesie. Der Verstand aber, der an das Gehirn gebunden ist, ist im Grunde genommen nur imstande, den Materialismus auszubilden. Daher ist der Materialismus im Grunde genommen echt französisches Fabrikat. Materialismus ist nicht im deutschen Charakter gelegen, wenn dieser sich in seinem tiefsten intimen Inneren selbst erfaßt. Besiegt muß werden auch dieses innere Franzosentum, dieser innere Materialismus, besiegt werden durch den deutschen Geist im Laufe der Zeit.
[ 33 ] If one considers the intellectual and cultural history of modern times even a little, one is led to recognize how the German spirit, in its sustaining power, is specifically called upon to develop the idealism it has cultivated through its great philosophers into spiritualism, into the recognition of the spirit, into the experience of the spirit, and into scientific knowledge. One might say the German spirit was pressed, weighed down, and suppressed by the foreign spirit. We see how Goethe, who is deeply rooted in the German spirit, sighs under the influence of what was coming over from France in his time. While the German spirit is actually inclined to recognize, in its cognition, more and more intimately the Spirit that pervades and surges through the world, the French spirit is more inclined to grasp everything that can be grasped by the intellect and to rationalize it. This is even evident in the distinctive character of French poetry. The intellect, however, which is bound to the brain, is fundamentally capable only of developing materialism. Therefore, materialism is, at its core, a genuine French product. Materialism is not inherent in the German character when it perceives itself in its deepest, most intimate core. This inner “Frenchness,” this inner materialism, must also be overcome—overcome by the German spirit in the course of time.
[ 34 ] Und wenn wir eine charakteristische Erscheinung der Weltanschauungs-Entwickelung verfolgen auf den britischen Inseln, gerade bei dem, was als tonangebende Philosophie von dort herrührt, so können wir das so zusammenfassen: Der britische Philosoph — man kann das im einzelnen überall beweisen — geht auf das hinaus, auf das Locke, Hobbes.und so weiter ausgegangen sind: nur gelten zu lassen, was die Sinne schauen und was man daraus kombiniert, und den Verstand nur zum Diener der Sinneswahrnehmung zu machen. Das führt zum äußerlichen Empirismus oder zum Skeptizismus, zu Zweifelsucht. Das hat aber auch den deutschen Geist tief beeinflußt, und das ist auch etwas, wovon er sich frei machen muß. Wir erleben ja im Grunde genommen unter der Bewußtseinsoberfläche der Seele in unserer Zeit gerade manches. Während England mit seiner Weltanschauung dazu berufen war, auf den bloßen Sinnenschein zu schwören, Frankreich berufen war, aus dem Rationalismus, aus dem Verstand heraus den Menschen bis zu dem Satze «Der Mensch als Maschine» zu kultivieren, pflegte der deutsche Geist, nachdem er sich von Frankreich emanzipiert hatte, den Idealismus, der der Vorgänger ist des Spiritualismus, der eigentlichen Geisteswissenschaft. Der Idealismus sucht nicht stehenzubleiben bei dem Materialismus, der nur an den Verstand gebunden ist; er sucht nicht stehen zu bleiben bei dem Empirismus des Engländertums, das sich nur an die Sinne halten will, nicht bei dem Rationalismus des Franzosentums, sondern er will das erfassen, was lebendig in der Seele lebt. Indem das aber befreit wird vom Fremdländischen, indem der Deutsche sich geistig voll auf sich selber stellen wird, wird aus dem deutschen Idealismus die lebendige Geist-Erkenntnis der Kultur der Zukunft einverleibt werden.
[ 34 ] And if we trace a characteristic feature of the development of worldviews in the British Isles—particularly in what has emerged from there as the dominant philosophy—we can summarize it as follows: The British philosopher—and this can be demonstrated in detail everywhere—ultimately arrives at the same conclusion as Locke, Hobbes, and so on: to accept only what the senses perceive and what is deduced from that, and to make the intellect merely a servant of sensory perception. This leads to external empiricism or to skepticism, to a tendency toward doubt. But this has also deeply influenced the German spirit, and it is something from which it must free itself. After all, beneath the surface of the soul’s consciousness, we are experiencing quite a lot in our time. While England, with its worldview, was destined to swear by mere sensory appearances, and France was destined to cultivate humanity—out of rationalism, out of reason—to the point of the proposition “Man as a Machine,” the German spirit, after emancipating itself from France, cultivated idealism, which is the precursor to spiritualism, the true science of the spirit. Idealism does not seek to remain stuck in materialism, which is bound solely to the intellect; it does not seek to remain stuck in the empiricism of the English, who wish to adhere only to the senses, nor in the rationalism of the French, but rather it seeks to grasp what lives vividly within the soul. But as this is liberated from foreign influences, as the German people come to stand fully on their own spiritual feet, German idealism will be incorporated into the living spiritual understanding of the culture of the future.
[ 35 ] Wenn man sich heute bemüht, etwas für diese lebendige Geist-Erkenntnis zu tun, stößt man allerdings vorläufig noch recht sehr auf heftige Widerstände. Wenn ich dies Persönliche hier anführen darf: Seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bemühe ich mich, das, was Goethes Farbenlehre ist, was das Tiefe dieser Farbenlehre ist, gegen die materialistische englische Newtonsche Physik durchzubringen. Es ist leicht begreiflich — man kann alle Einwände, die die Physik gegen die Goethesche Farbenlehre hat, aufzählen —, es ist begreiflich, daß sie sich dagegen wendet. Aber die Goethesche Farbenlehre ist selbst als wissenschaftliches Produkt ein lebendiges Eindringen in die physische Wirklichkeit der Farben; und indem eine geistige Erkenntnis die menschliche Kultur ergreifen wird, wird eingesehen werden, wie unendlich höher diese Goethesche Farbenlehre steht als die englische. Heute redet man aber noch tauben Ohren; die entsprechenden Schriften werden noch nicht gelesen — oder von einem kleinen Kreise nur. Aber so ist es immer.
[ 35 ] If one tries today to do something to promote this living spiritual insight, one still encounters quite fierce resistance for the time being. If I may mention something personal here: Since the 1880s, I have been striving to assert what Goethe’s theory of colors is—and the depth of this theory—against the materialistic English Newtonian physics. It is easy to understand—one can list all the objections that physics has against Goethe’s theory of colors—it is understandable that physics opposes it. But Goethe’s theory of colors, even as a scientific product, is a living penetration into the physical reality of colors; and as spiritual insight takes hold of human culture, it will become clear how infinitely superior this Goethean theory of colors is to the English one. Today, however, people still turn a deaf ear; the relevant writings are not yet being read—or are read only by a small circle. But that is always the way it is.
[ 36 ] Goethe hat als Vorfahre wirklicher Geisteswissenschaft eine naturgemäße Weltanschauung der Entwickelung der Lebewesen aufgestellt. Auch darüber schreibe ich seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, um zu zeigen, wie diese Goethesche Entwickelungslehre eine geistgemäße Anschauung ist. Darauf beruht, daß Goethe das wahrmachen konnte, was er Schiller gegenüber betonen konnte, daß er in der Wirklichkeit schon die Idee sieht. Aber auch da predigt man noch tauben Ohren; denn das andere ist bequemer. Diese Goethesche Lehre war der Menschheit unbequem anzunehmen. Und als dann Darwin kam und auf eine sinnengemäße Weise, in äußerlich sinnlicher Anschauung, in bequemerer Art alles das dargeboten hat, in einer Art, die dem englischen Geist so mundet, da wurde sie angenommen, da überschwemmte sie die Welt; und die schwierige, unbequeme, aber geistgemäße Goethesche Lehre, an der gingen die Menschen vorüber. Als Darwin die Entwickelungslehre sinngemäß bequem brachte, wurde sie angenommen.
[ 36 ] As the forefather of true spiritual science, Goethe established a natural worldview of the development of living beings. I, too, have been writing about this since the 1880s to show how Goethe’s theory of development is a spiritual perspective. This is the basis for Goethe’s ability to substantiate what he emphasized to Schiller: that he already sees the idea in reality. But even here, people still turn a deaf ear; for the alternative is more convenient. This Goethean doctrine was uncomfortable for humanity to accept. And when Darwin came along and presented all of this in a way that appealed to the senses—through external, sensory perception—in a more comfortable manner, in a way that so appealed to the English mind, it was accepted; it swept the world; and people passed by Goethe’s difficult, uncomfortable, yet spiritually sound theory. When Darwin presented the theory of evolution in a way that was intuitive and accessible, it was accepted.
[ 37 ] Und ein anderes Beispiel hat ja der große Philosoph Hegel gezeigt, der auch einiges mit dieser Stadt zu tun hat. Er hat gezeigt, wie derjenige deutsche astronomische Philosoph, philosophische Astronom, dem die Wissenschaft so ungeheuer viel verdankt, Johann Kepler, Großes geleistet hat in bezug auf die Auffassung des Zusammenhanges der Welt. Ja, allerdings ist es Kepler so gegangen, daß das berühmte Kästnersche Epigramm auf ihn paßt, weil er den Gang der Sterne, weil er das alles durchschaute und in wunderbare Formeln brachte, hat er ein Leben führen müssen, von dem der Epigrammatiker Kästner sagt:
[ 37 ] And the great philosopher Hegel, who also had quite a connection to this city, provided another example. He demonstrated how Johann Kepler—the German astronomical philosopher, or philosophical astronomer, to whom science owes so immensely much—achieved great things in terms of understanding the interconnectedness of the world. Yes, indeed, Kepler’s life was such that Kästner’s famous epigram applies to him: because he understood the course of the stars—because he saw through it all and expressed it in marvelous formulas—he was forced to lead a life about which the epigrammatist Kästner says:
So hoch war noch kein Sterblicher gestiegen,
Als Kepler stieg — und starb an Hungersnot.
Er wußte nur die Geister zu vergnügen,
Drum ließen ihn die Körper ohne Brot!
No mortal had ever climbed so high,
When Kepler climbed—and died of starvation.
He knew only how to entertain the spirits,
So the mortals left him without bread!
[ 38 ] Aber Hegel zeigt noch weiter, daß die berühmte Newtonsche Gravitationslehre, von der jeder Physiker sagt, daß auf ihr die moderne Physik stehe, nichts anderes ist, als in mathematische Formeln gebracht dasjenige, was der Schwabe Kepler geleistet hat. Das Reale liegt bei Kepler. Vor einer Geschichtslüge steht man, wenn man von einer Berechtigung des Newtonismus spricht.
[ 38 ] But Hegel goes on to show that the famous Newtonian theory of gravity—which every physicist says forms the foundation of modern physics—is nothing more than the achievements of the Swabian Kepler expressed in mathematical formulas. The reality lies with Kepler. One is faced with a historical falsehood when one speaks of the validity of Newtonianism.
[ 39 ] Der deutsche Geist wird sich auf sich selber zu stellen haben. Das wird aus den vielen traurigen, aber auch glorreichen Ereignissen unserer Tage wie ein Merkzeichen der historischen Entwickelung der Menschheit dastehen. Allerdings, gründlich gearbeitet hat dasjenige, was von Westen und Nordwesten her die menschlichen Seelen so bearbeitete, daß ihnen der Weg, den ich beschrieben habe, der Weg in die geistige Welt hinein, erschwert wird.
[ 39 ] The German spirit will have to rely on itself. This will stand out from the many sad, but also glorious, events of our time as a hallmark of humanity’s historical development. However, the forces coming from the west and northwest have worked so thoroughly to influence human souls that the path I have described—the path into the spiritual world—is made more difficult for them.
[ 40 ] Ich werde jetzt etwas, verzeihen Sie, für viele ganz Dummes sagen; aber ich weiß, daß es eine Wahrheit ist. Vielleicht kommt einmal die Zeit, daß man diese Wahrheit im einzelnen wird zeigen können. Dazu braucht man nichts anderes als Zeit. Ich kann es nur so hinstellen: gründlich ist den Seelen von Kindheit auf die Möglichkeit verlegt worden, sich frei zu entfalten in den Kräften, die angedeutet worden sind, um den Weg in geistige Welt hinein zu tun. Dadurch zum Beispiel ist der Weg verlegt worden — ich sage es wahrhaftig nicht aus nationalem Chauvinismus; ich sage das aus psychologischer, kulturhistorischer Erkenntnis heraus —, verlegt ist der Weg dadurch, weil noch immer das Gift des Robinson von Defoe zahlreiche Knaben- und auch Mädchenleben verpestet und vergiftet; und darin steckt dasjenige, was sich hineinnistet in die Seele, um sie mit dem Empirismus des Engländertums zu durchdringen.
[ 40 ] I am now going to say something—forgive me—that many will find quite foolish; but I know that it is the truth. Perhaps the time will come when this truth can be demonstrated in detail. All that is needed is time. I can only put it this way: from childhood onward, the souls have been thoroughly deprived of the opportunity to freely develop the powers that have been hinted at, in order to make their way into the spiritual world. As a result, for example, the path has been obstructed—and I truly do not say this out of national chauvinism; I say this based on psychological and cultural-historical insight—the path has been obstructed because the poison of Defoe’s *Robinson Crusoe* still plagues and poisons the lives of numerous boys and girls; and therein lies what nestles itself in the soul to permeate it with the empiricism of English culture.
[ 41 ] Viele innere Siege, die im Sinne der deutschen Kultur gelegen sind, werden noch zu erfechten sein. Dasjenige aber, was jetzt geschieht, es ist der große, blutige, aber auch glorreiche Vorbote. Und diejenigen, die als Heldenseelen jetzt durch die Pforte des Todes gehen — gerade der Geisteswissenschafter muß darauf hinweisen, da er weiß, wie die Seelen als Realitäten durch den Tod gehen und wie diejenigen, die tot sind, nur in einer anderen Form das Leben weiterleben -, sie werden in einem hohen Sinne unter uns sein mit ihren unverbrauchten Kräften. Denn in ihrem Seelisch-Geistigen ist etwas, das noch jahrzehntelang — es sind ja junge, blühende Menschenleben, die die Erde verlassen in unserer Zeit —, das noch ein ganzes langes Leben den Leib mit Bildekräften hätte versorgen können. Das aber wird in ihrem unsterblichen Seelenteil noch weben und leben; das wird da sein in der geistigen Sphäre; das wird da sein, das wird helfen, wenn die Menschheit ihm mit Verständnis entgegenkommt in der Herbeiführung einer wirklich geistgemäßen Weltanschauung, einer solchen Weltanschauung, welche geistgemäß durch und durch, welche im vollsten Sinne, im strengsten Sinne des Wortes wissenschaftlich ist. Geisteswissenschaft wird damit etwas ganz Lebensvolles und Lebenswirkliches sein können. Denn der Geisteswissenschafter weiß, daß, wenn in den Seelen lebendig wird dasjenige, was er als Forschungstresultat zu geben hat, daß dann diese Seelen so ins Erdenleben sich einleben werden, daß die große Kluft, die heute als materialistische Weltanschauung gähnt zwischen Leiblichem und Übersinnlichem, überbrückt ist. In einem viel realeren Sinne, als man es heute ahnt, werden sich die Menschen hineinleben in eine Weltanschauung, die ihnen außer den unmittelbar gegenwärtigen Erdenbürgern auch die Menschen zeigen wird in ihrer Wirksamkeit, die durch die Pforte des Todes gegangen sind. Das ist aber eine Weltanschauung, auf die zu gleicher Zeit mahnend hinweist die große Zahl der Tode, die unsere schicksaltragende Zeit über uns verhängt. Viel Blut, viel Tod, viel Not, viel Leid und Schmerzen, viel Mut, viel Opferwilligkeit, ungeheure Größe rauscht und webt durch dasjenige, was uns in unserer schicksaltragenden, schicksalschweren, in unserer weltgeschichtlich so bedeutsamen Gegenwart umgibt. Aber nahe liegt es gerade in dieser Gegenwart, hinzuweisen auf dasjenige, was über allen Tod, über alles bloß zeitliche Leben hinausweist auf das Verborgene, auf das, was im Menschenwesen unsterblich ist.
[ 41 ] Many inner victories, in keeping with German culture, still lie ahead. But what is happening now is the great, bloody, yet glorious harbinger. And those who, as heroic souls, are now passing through the gates of death—it is precisely the spiritual scientist who must point this out, since he knows how souls, as realities, pass through death and how those who are dead continue to live in a different form—they will be among us in a higher sense with their untapped powers. For there is something in their soul-spiritual nature that, for decades to come—for these are young, blossoming human lives leaving the earth in our time—could have continued to supply the body with formative forces for a whole long life. But this will continue to weave and live within the immortal part of their soul; it will be present in the spiritual sphere; it will be there, and it will help if humanity meets it with understanding in bringing about a worldview that is truly in keeping with the spirit—a worldview that is thoroughly spiritual through and through, one that is scientific in the fullest and strictest sense of the word. Spiritual science will thus be able to become something truly vibrant and real. For the spiritual scientist knows that when what he has to offer as the result of his research comes alive in people’s souls, these souls will then become so attuned to earthly life that the great chasm—which today yawns as a materialistic worldview between the physical and the supersensible—will be bridged. In a much more real sense than people suspect today, human beings will come to live within a worldview that will show them not only the people who are immediately present on Earth but also, in their active presence, those who have passed through the gate of death. But this is a worldview to which the great number of deaths that our fateful age has brought upon us simultaneously points as a warning. Much blood, much death, much hardship, much suffering and pain, much courage, much willingness to make sacrifices, and immense greatness surge and weave through that which surrounds us in our fateful, fate-laden present—a present of such significance in world history. But it is precisely in this present moment that we must point to that which, beyond all death and all merely temporal life, points to the hidden, to that which is immortal in the human being.
[ 42 ] Nicht jeder wird ein Geistesforscher werden können, wie nicht jeder ein Chemiker werden kann. Aber Zeiten werden kommen, in denen ebenso wie dasjenige, was wenige Chemiker der Menschheit geben, fruchtbar gemacht wird für alle, auch das, was die einzelnen Geistesforscher zu geben haben, der ‚ganzen Menschheit und ihrem Zusammenleben zugute kommt. Man braucht kein Geistesforscher selber zu sein, um das wahr zu finden, was der Geistesforscher an Ergebnissen auffinder; man braucht nur von den Vorurteilen frei zu sein, die die heutigen Vorstellungsgewohnheiten einem in den Weg legen, und die Dinge, die heute angedeutet worden sind, die Geisteswissenschaft, kann verstanden werden. Um die Tatsachen selbst aufzufinden, ja, um nur einen Satz von dem zu sagen, was heute die Hauptsache der Betrachtung gebilder hat, muß man den Weg der Geistesforschung selbst gehen. Um einzudringen in die geistige Welt, wo Wesen darin sind, göttliche Geistwesen, die ebenso real sind wie die Dinge und Wesen der physischen Welt, - um von diesen Welten sachgemäß zu reden, um wirklich Botschaft zu bringen von dieser Welt und diesen Wesen, muß man selbst den Weg der Geistesforschung gehen. Um das zu verstehen, was so geholt wird aus den geistigen Welten, braucht man wirklich bloß unbefangenen Wahrheitssinn der Sache entgegenzubringen. Die Menschen, die diesen Sinn heute nicht glauben vereinigen zu können mit dem, was die Geistesforschung sagt, merken nur nicht, daß es nicht der Wahrheitssinn, sondern daß es die durch Vorurteil hervorgerufenen Denkgewohnheiten sind. Aber wenn diese Denkgewohnheiten so hinweggeräumt sein werden wie die alten Denkgewohnheiten gegen die Kopernikanische Weltanschauung hinweggeräumt worden sind, dann wird Geisteswissenschaft in bezug auf das Geistig-Seelische des menschlichen Erlebens etwas bringen, was unendlich fruchtbarer sein wird als das, was Naturwissenschaft für das äußere Leben gebracht hat. Denn das, was Naturwissenschaft bringt, es bezieht sich auf das, was uns umgibt, auf das, was wir uns bauen, was wir uns errichten, auf manches, wodurch wir uns das Leben behaglich und angenehm machen, was uns nützt. Aber dasjenige, was Geisteswissenschaft zu geben hat, das ist etwas, was jede Seele begehrt, wenn sie sich nur der Kräfte dieses Begehrens im Geistig-Seelischen bewußt wird; dasjenige, was den Menschen die Möglichkeit gibt, sich so zu entfalten, daß in ihre Seelen nicht einziehen kann Trostlosigkeit, Vereinsamung, Unharmonie des Lebens, sondern was die Seele erkraftet, so daß die Seele stark auch dem Leben gegenüberstehen kann, — und das wird immer mehr und mehr die Komplikation des Lebens in der Zukunft von dieser Seele verlangen. Geisteswissenschaft wird etwas der geistigen Entwickelung einverleiben, was ein lebendiges Bewußtsein in der Seele hervorrufen wird von dem, was im Menschenwesen unsterblich ist. Und in diesem Zusammenleben mit dem unsterblichen Teil der Seele wird sich der Mensch erst recht bewußt werden, daß die Welt umfassender ist als das, was Sinne sehen, als das, was man in der Zeit erlebt. Zasammendrängen wird sich das Wissen, das nicht abstrakt, nicht theoretisch bleiben wird, in gewisse Empfindungen, die die Seele innerlich beglücken und tragen, aber sie auch arbeitsam, kraftvoll und tüchtig machen werden.
[ 42 ] Not everyone will be able to become a spiritual scientist, just as not everyone can become a chemist. But there will come a time when, just as what a few chemists contribute to humanity is made fruitful for all, so too will what individual spiritual scientists have to offer benefit all of humanity and its communal life. One need not be a spiritual researcher oneself to recognize the truth of the findings of spiritual researchers; one need only be free from the prejudices that today’s habitual ways of thinking place in one’s path, and the things that have been hinted at today—spiritual science—can be understood. To discover the facts for oneself—indeed, to say even a single sentence about what has been the main focus of today’s discussion—one must walk the path of spiritual research oneself. To penetrate the spiritual world, where there are beings—divine spiritual beings who are just as real as the things and beings of the physical world—to speak accurately about these worlds, to truly bring a message from this world and these beings, one must walk the path of spiritual research oneself. To understand what is thus brought from the spiritual worlds, one really needs only to approach the matter with an unbiased sense of truth. People who today do not believe they can reconcile this sense of truth with what spiritual science says simply fail to realize that it is not their sense of truth, but rather their habits of thought—arising from prejudice—that stand in the way. But when these habits of thought have been swept aside—just as the old habits of thought were swept aside in the face of the Copernican worldview—then spiritual science will contribute, with regard to the spiritual and soul aspects of human experience, something that will be infinitely more fruitful than what natural science has contributed to external life. For what natural science offers relates to what surrounds us, to what we build and construct, to the many things through which we make our lives comfortable and pleasant—things that are useful to us. But what spiritual science has to offer is something every soul desires, provided it becomes aware of the forces of this desire within the spiritual and psychological realm; that which gives human beings the opportunity to develop in such a way that desolation, loneliness, and disharmony in life cannot take root in their souls, but rather what the soul gains in strength, so that the soul can face life with fortitude—and this will be demanded of the soul more and more by the increasing complexity of life in the future. Spiritual science will incorporate into spiritual development something that will awaken a living consciousness in the soul of what is immortal in the human being. And in this coexistence with the immortal part of the soul, human beings will become all the more aware that the world is more comprehensive than what the senses perceive, than what is experienced in time. This knowledge—which will not remain abstract or theoretical—will coalesce into certain feelings that will bring inner joy and sustenance to the soul, while also making it industrious, powerful, and capable.
[ 43 ] Was in der Seele an solchen Empfindungen durch Geisteswissenschaft auferweckt werden kann, das möchte ich am Schluß in ein paar Worte zusammenfassen, in die ausklingen mag dasjenige, was ich, wie gesagt, nur in kurzen Strichen, wie in Kohlezeichnung, über die Frage heute habe sagen können: Was ist am Menschenwesen unsterblich? Ausklingen mag das in die Worte, die gewissermaßen der Empfindungsrest sind der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis und des geisteswissenschaftlichen Bekenntnisses in bezug auf die Frage der heutigen Betrachtung:
[ 43 ] I would like to conclude by summarizing in a few words what spiritual science can awaken in the soul in terms of such feelings—words that may serve as a fitting conclusion to what I have been able to say today about this question, as I mentioned, only in broad strokes, as in a charcoal sketch: What is immortal in the human being? This may find its conclusion in the words that are, in a sense, the lingering impression of spiritual scientific knowledge and spiritual scientific conviction regarding the question under consideration today:
Es sprechen zu den Menschensinnen
Die Dinge in den Raumesweiten;
Sie wandeln sich im Zeitenlauf.
Sich selbst erweckend erwacht die Menschenseele
Von Raumesweiten unbegrenzt
Und unbeirrt vom Zeitenlauf
Im Werdestrom der Ewigkeit!
They speak to the human senses
The things in the vastness of space;
They change as time passes.
Awakening itself, the human soul awakens
Unbounded by the vastness of space
And undeterred by the passage of time
In the stream of becoming that is eternity!
