From Central European Spiritual Life
GA 65
4 February 1916, Berlin
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From Central European Spiritual Life, tr. SOL
7. Gesundes Seelenleben und Geistesforschung
7. A Healthy Soul Life and Spiritual Research
[ 1 ] Unter den mancherlei Vorurteilen, die man der Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, entgegenbringt, sind auch diejenigen, welche die Methoden der Geistesforschung, dasjenige, was man als Wege der Geistesforschung bezeichnen kann, in irgendeinen Zusammenhang bringen mit einem unnormalen, krankhaften Seelenleben. Obgleich nun derjenige, welcher genauer verfolgt, was sich über den Gang jener Seelenentwickelung sagen läßt, der in die Geistesforschung hineinführen soll, entweder nur aus Dilettantismus, aus Unkenntnis oder aber aus Übelwollen heraus im Grunde genommen zu einem solchen Vorurteil kommen kann, so muß ja doch auch einmal über dieses Vorurteil gesprochen werden. Denn es sind in der Welt reichlich vorhanden sowohl Unkenntnis in dem angegebenen Sinne wie auch Übelwollen. Ich will nicht auf einzelne Angriffe eingehen, die gegen die Geisteswissenschaft gerade von dieser Seite her unternommen worden sind, sondern ich möchte nur im allgemeinen die möglichen Angriffe, die möglichen Einwände und Vorurteile besprechen und zeigen, wie ungerechtfertigt sie gegenüber dem Wesen der wahren Geistesforschung eigentlich sind. Dazu muß ich allerdings von einem gewissen Gesichtspunkte aus kurz einiges von dem vorbringen, was schon Gegenstand der Vorträge war, die ich im Beginne des Winters hier gehalten habe. Ich muß in ganz skizzenhafter Weise den Weg der Geistesforschung charakterisieren.
[ 1 ] Among the various prejudices directed against spiritual science, as understood here, are those that link the methods of spiritual research—what might be called the paths of spiritual research—in some way to an abnormal, pathological mental state. Although anyone who examines more closely what can be said about the course of that spiritual development intended to lead into spiritual research may, whether out of dilettantism, ignorance, or malice, ultimately arrive at such a prejudice, this prejudice must nevertheless be addressed at some point. For there is no shortage in the world of both ignorance in the sense described and ill will. I do not wish to address individual attacks that have been launched against spiritual science specifically from this quarter, but I would simply like to discuss in general terms the possible attacks, objections, and prejudices, and show how unjustified they actually are in light of the nature of true spiritual research. To do this, however, I must briefly present, from a certain perspective, some of what was already the subject of the lectures I gave here at the beginning of winter. I must characterize the path of spiritual research in a very sketchy manner.
[ 2 ] Der Weg der Geistesforschung — das wurde hier ja immer wieder und wiederum betont - ist ein rein innerlicher Seelenweg, ist ein Weg, welcher nur durchgemacht wird innerhalb des Seelenlebens selbst, und er besteht in gewissen Verrichtungen des Seelenlebens, in gewissen Übungen des Seelenlebens, welche dieses Seelenleben von dem Punkte aus, auf dem es im gewöhnlichen Leben steht, zu einem anderen Punkte führen, von dem aus es eben in der Lage ist, heranzutreten an das, was man die geistige Welt nennen kann. Nun habe ich, vieles zusammenfassend, gerade in einem der Vorträge, die ich in diesem Winter gehalten habe, die Übungen, die der Geistesforscher durchzumachen hat, in zwei Hauptgruppen behandelt. Die einen Übungen, welche darin bestehen, daß man in einer gewissen Weise sein Denken anders formt, als es im gewöhnlichen Leben ist: Übungen des Denkens. Sie gehören zur ersten Gruppe der geistesforscherischen Übungen. Übungen des Willens, in einer gewissen Weise vorgenommen, gehören zur zweiten Gruppe der geistesforscherischen Übungen.
[ 2 ] The path of spiritual research—as has been emphasized here time and again—is a purely inner path of the soul, a path that is traversed only within the life of the soul itself, and it consists of certain activities of the soul, certain exercises of the soul, which lead this soul life from the point at which it stands in ordinary life to another point, from which it is then able to approach what may be called the spiritual world. Now, summarizing much of this, I have, in one of the lectures I gave this winter, divided the exercises that the spiritual researcher must undergo into two main groups. The first group consists of exercises that involve shaping one’s thinking in a certain way that differs from how it is in ordinary life: exercises of thought. These belong to the first group of spiritual research exercises. Exercises of the will, performed in a certain way, belong to the second group of spiritual research exercises.
[ 3 ] Ich werde heute, kurz zusammenfassend selbstverständlich, vieles sagen müssen, zu dessen vollem Verständnis entweder notwendig ist dasjenige, was in früheren Vorträgen gesagt worden ist, oder das Nachlesen zum Beispiel meines Buches «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» oder des zweiten Bandes meiner «Geheimwissenschaft». Denn ich werde vorzugsweise versuchen auseinanderzusetzen, inwiefern das Denken durch gewisse Übungen, die man technisch Meditation, Konzentration des Denkens nennt, gegenüber dem gewöhnlichen Denken verändert wird. Ich will nicht darauf eingehen, wie diese Übungen gemacht werden, sondern gleich erwähnen, daß es bei den eigentlichen Denkübungen darauf ankommt, etwas in das Bewußtsein heraufzuheben, was immer im menschlichen Denken und gerade im gesundesten menschlichen Denken vorhanden ist, aber innerhalb dieses gesunden menschlichen Denkens des Alltags mehr oder weniger unbewußt bleibt aus dem Grunde, weil wir dieses Denken des Alltags im Sinne dessen vollziehen, was man Anpassung an die Gesetzmäßigkeiten, an die Vorgänge der Außenwelt nennen könnte. Wir nehmen ja nicht nur die Außenwelt durch unsere Sinne wahr; wir denken über die Außenwelt, wir bilden uns Vorstellungen, die zu Gedanken werden, wir verbinden diese Vorstellungen in unserem Gedankenleben. Wir verbinden sie, wenn es sich um gesundes, zur Wirklichkeit gehörendes Denken handelt, in ganz bestimmter, gesetzmäßiger Weise. Allein selbst dasjenige, was man Logik nennt, kann nur beschreiben, wie Urteile vor sich gehen, wie geurteilt wird, wie das Denken sich gewissermaßen innerlich bewegt, um zu dem zu kommen, was man Wahrheit nennt. Die eigentliche Verrichtung des Denkens, das innerliche Tun des Denkens, bleibt im wesentlichen im gewöhnlichen Denken unbewußt. Was im gewöhnlichen Denken vor sich geht, aber unbewußt bleibt, so zu behandeln, daß es heraufgehoben wird ins volle Bewußtsein, so daß wir nicht bloß unsere Gedanken gleichsam unter dem Zwange der Weltenströmungen weben und leben lassen, sondern daß unser voller, bewußter Wille in dem Denken drinnen zum Vorschein kommt, — das ist das Ziel, das mit der einen Gruppe der Übungen angestrebt wird.
[ 3 ] Today, I will, of course, have to summarize many things briefly; to fully understand them, it is necessary either to have heard what was said in earlier lectures or to read, for example, my book *How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds?* or the second volume of my *Esoteric Science*. For I will primarily attempt to explain to what extent thinking is transformed—through certain exercises technically referred to as meditation or concentration of thought—in comparison to ordinary thinking. I do not wish to go into detail about how these exercises are performed, but rather to mention right away that what matters in the actual thinking exercises is bringing into consciousness something that is always present in human thinking—and especially in the healthiest human thinking— but which remains more or less unconscious within this healthy, everyday human thinking for the reason that we carry out this everyday thinking in the sense of what might be called adaptation to the laws and processes of the external world. After all, we do not merely perceive the external world through our senses; we think about the external world, we form ideas that become thoughts, and we connect these ideas in our thought life. When it comes to healthy thinking grounded in reality, we connect them in a very specific, lawful manner. Yet even what is called logic can only describe how judgments take place, how we judge, and how thinking moves, so to speak, internally in order to arrive at what is called truth. The actual process of thinking—the inner activity of thinking—remains essentially unconscious in ordinary thinking. To treat what takes place in ordinary thinking but remains unconscious in such a way that it is raised to full consciousness—so that we do not merely allow our thoughts to weave and live, as it were, under the compulsion of the currents of the world, but rather so that our full, conscious will comes to the fore within thinking—this is the goal sought by one group of exercises.
[ 4 ] Man muß sich sagen, wenn man das Denken, das Vorstellen, wie es verfließt, wirklich betrachtet, daß wir es vollziehen im Sinne desjenigen, was uns wie ein Zwang der Strömung der Wirklichkeit aufgedrängt wird. Die Übungen, die nun insbesondere Denkübungen sind, zielen darauf hinaus, ins Bewußtsein solche Vorstellungen und auf eine solche Art Vorstellungen hereinzunehmen in den Vorgängen, die man eben Meditation, Konzentration des Denkens nennt, daß man in dem ganzen Vorgang des Meditierens, dieses Konzentrierens, den bewußten Willen immer waltend hat, daß kein Augenblick da ist, in dem der bewußte Wille nicht waltete. Und da stellt sich eben heraus, wenn man die nötige Geduld und die nötige Ausdauer und Energie hat, solche Übungen vorzunehmen, daß man dahin kommt, die Tätigkeit des Denkens, die Denktätigkeit, gewissermaßen loszulösen von demjenigen, was im gewöhnlichen Leben das Gedankensein ist, daß man lernt, sich zu konzentrieren nicht bloß auf das Gedachte, sondern auf den Vorgang des Denkens, auf jenes innere Weben und Leben der Seele, das sich vollzieht, indem man denkt. Und ich habe auch auseinandergesetzt, mit welchen Begleiterscheinungen diese innere Entdeckung verknüpft ist, die darinnen besteht, daß man die Denktätigkeit im Denken gewahr wird. Die Begleiterscheinung ist diese, daß man gewissermaßen die Gedanken selbst, von denen man sonst gewöhnt ist, daß man sie in der Denktätigkeit immer hat, als etwas Sekundäres betrachten kann, ja, daß man sie zuletzt ganz, aus der Denktätigkeit heraußen hat. Man beginnt mit gewissen Gedanken, man geht aber über zu einer bloßen bewußten willentlichen, voll willentlichen Denktätigkeit. Man gelangt in die Lage, die Gedanken aus- und einzuschalten und bewußt zu walten in der Denktätigkeit. Da tritt als Begleiterscheinung dieses auf, daß man allerdings nunmehr sich erfestet, erkraftet in diesem willentlichen Handhaben der Denktätigkeit. Aber zugleich kommt man in eine gewisse Leerheit des Bewußtseins, in ein leeres Weben und Leben des Bewußtseins hinein. Daher, so sagte ich, dürfen diese Übungen, die sich auf die bloße Denk tätigkeit beziehen, niemals allein vorgenommen werden. Ja, es werden die Übungen der Meditation und Konzentration schon so vorgenommen, daß, indem man sie im Bewußtsein durchmacht, zugleich das gewöhnliche Willenselement eine Schulung durchmacht; daß man dazu kommt, das, was im Willen im gewöhnlichen Leben verborgen ist, nun wiederum ins Bewußtsein heraufzuheben. Und da kommt man dazu, etwas ganz Reales im gewöhnlichen Wollen, in der gewöhnlichen Willenstätigkeit zu finden, etwas, was wiederum immer da ist, was aber sonst im Unbewußten des Menschen drunten stecken bleibt. Man kann nicht irgend etwas wollen, man kann auch nicht irgendein Wollen in die Handlung ausfließen lassen, ohne daß dasjenige, von dem ich rede, in der Betätigung vorhanden ist. Aber es bleibt unbewußt. Durch diejenigen Übungen, die eben wiederum in einer Art Konzentration, Meditation, in einem inneren, jetzt mehr, ich möchte sagen, auf das Affektleben bezügliche Vornehmen der Seele beruhen, gelangt man dazu, das zu entdecken, was sich sonst, indem man will, indem man einen Willen ausfließen läßt in die Handlung, unbewußt in das Wollen oder in das Handeln ergießt, was man aber nicht anschaut. Nunmehr entdeckt man es. Man entdeckt nun im Willen merkwürdigerweise etwas, was bewußtseinsähnlich ist. Man entdeckt ein anderes Bewußtsein, als das gewöhnliche Bewußtsein ist. Man entdeckt - und man muß dies, was jetzt angeschaut wird, nicht wie ein Bild nehmen, sondern wie eine Realität, wie eine Wirklichkeit —, daß uns fortwährend ein anderes Bewußtsein als unser gewöhnliches Tagesbewußtsein begleitet, daß wir uns — wenn der paradoxe Ausdruck gebraucht werden darf — dieses anderen Bewußtseins eben nur nicht bewußt sind. Man entdeckt einen anderen Menschen im Menschen. Man entdeckt dasjenige, was man nennen kann: ein uns fortwährend zuschauendes Bewußtsein. Und man lernt dieses Bewußtsein, das man also in den Verrichtungen seines Wollens entdeckt, handhaben wie das gewöhnliche Bewußtsein. Man lernt auch dieses Bewußtsein nunmehr so zu verbinden mit den Ergebnissen, die man durch die Denkübungen erreicht hat, daß die zwei sich gewissermaßen miteinander verbinden und daß man nun in die Lage kommt, Verrichtungen der Seele vorzunehmen, von denen man jetzt erst weiß, daß sie völlig frei sind von jeder Mitwirkung der Leiblichkeit. Das letztere muß eben eine innere Erfahrung sein, und es wird eine innere Erfahrung.
[ 4 ] One must realize that when one truly observes the flow of thought and imagination, we carry them out in accordance with what is imposed upon us like a compulsion from the current of reality. The exercises—which are, in particular, exercises in thinking—aim to bring such ideas into consciousness and to incorporate them in such a way during the processes that we call meditation, concentration of thought, that throughout the entire process of meditating—this concentrating—the conscious will is always in control, so that there is not a single moment in which the conscious will is not in control. And it turns out that if one has the necessary patience, perseverance, and energy to undertake such exercises, one arrives at a point where one can, so to speak, detach the activity of thinking—the act of thinking—from what constitutes “thought” in ordinary life; one learns to concentrate not merely on the thought itself, but on the process of thinking, on that inner weaving and life of the soul that takes place as one thinks. And I have also explained the accompanying phenomena associated with this inner discovery, which consists in becoming aware of the activity of thinking within the act of thinking itself. The accompanying phenomenon is this: one can, as it were, regard the thoughts themselves—which one is otherwise accustomed to always having present in the act of thinking—as something secondary; indeed, one ultimately removes them entirely from the act of thinking. One begins with certain thoughts, but then moves on to a purely conscious, volitional—and fully volitional—act of thinking. One reaches a state in which one can switch thoughts on and off and consciously exercise control over the act of thinking. As a concomitant of this, one does indeed become more grounded and empowered in this volitional handling of the act of thinking. But at the same time, one enters a certain emptiness of consciousness, a form of empty weaving and living of consciousness. Therefore, as I said, these exercises, which relate to the mere act of thinking, must never be undertaken on their own. Indeed, the exercises of meditation and concentration are carried out in such a way that, as one undergoes them in consciousness, the ordinary element of the will is simultaneously trained; so that one comes to bring up into consciousness what is hidden in the will in ordinary life. And there one comes to find something quite real in ordinary willing, in ordinary volitional activity—something that is always there, but which otherwise remains buried in the depths of the human unconscious. One cannot simply want anything; nor can one allow just any kind of will to flow into an action without what I am speaking of being present in the activity. But it remains unconscious. Through those exercises—which, in turn, are based on a kind of concentration, meditation, and an inner, now more—I would say—emotionally oriented act of the soul—one comes to discover what is otherwise unconsciously poured into the act of willing or into the action itself when one wills or allows a will to flow into the action, but which one does not observe. Now one discovers it. Strangely enough, one now discovers in the will something that resembles consciousness. One discovers a consciousness other than ordinary consciousness. One discovers—and one must not regard what is now being observed as a mere image, but as a reality, as something actual—that we are constantly accompanied by a consciousness other than our ordinary everyday consciousness, that we—if one may use this paradoxical expression—are simply not aware of this other consciousness. One discovers another human being within the human being. One discovers what one might call: a consciousness that is constantly observing us. And one learns to handle this consciousness—which one thus discovers in the activities of one’s will—in the same way as ordinary consciousness. One also learns to connect this consciousness with the results achieved through the exercises of thought in such a way that the two, so to speak, merge with one another, and one is now able to perform acts of the soul that one now realizes are completely free from any involvement of the physical body. The latter must simply be an inner experience, and it does become an inner experience.
[ 5 ] Also man entwickelt das Seelenleben zu einem anderen Bewußtsein, als das gewöhnliche ist, und gibt diesem Seelenleben dadurch einen Inhalt, daß man den Willen im Denken entdeckt, daß man das Denken als diese "Tätigkeit in sich entdeckt. Nicht in solch abstrakter Weise, wie das durch die gewöhnlichen Philosophien oder sonstigen Wissenschaften geschieht, sondern in lebendiger Weise entdeckt man die Denktätigkeit als Willenstätigkeir. Man kann nun auch sagen, daß man im Denken den Willen entdeckt, und man kann sagen, daß man im Willen ein Bewußtsein entdeckt, das man so als ein denkendes Bewußtsein ansprechen kann, wie sonst das gewöhnliche alltägliche Bewußtsein, das wir im Leben haben, ein denkerisches Bewußtsein ist. Man entdeckt im Denken den Willen, im Willen ein objektives, von uns sonst nicht gehandhabtes — wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf -, sich selber handhabendes Denken, einen Denker in uns, der in uns steckt, der objektiv vorhanden ist. Damit ist im wesentlichen dasjenige charakterisiert, was erzielt werden soll.
[ 5 ] Thus, one develops one’s inner life into a form of consciousness different from the ordinary one, and thereby gives this inner life substance by discovering the will within thought—by discovering thought as this “activity in itself.” Not in such an abstract way as is done by ordinary philosophies or other sciences, but in a living way, one discovers the activity of thought as an activity of the will. One can also say that one discovers the will in thinking, and one can say that one discovers in the will a consciousness that can be described as a thinking consciousness, just as the ordinary, everyday consciousness we have in life is a thinking consciousness. One discovers the will in thinking, and in the will one discovers an objective form of thinking—which we do not otherwise control, if I may use that expression—that controls itself; a thinker within us, who is present within us and exists objectively. This essentially characterizes what is to be achieved.
[ 6 ] Noch andere Begleiterscheinungen dieses Vorgangs müssen charakterisiert werden, damit man ein vollständiges Bild davon hat, wenn man dabei angekommen ist, das Denken als Tätigkeit zu entdecken, in sich wirklich in seinem Denken das zu finden, was sonst unbewußt bleiben kann; ich habe das in früheren Vorträgen ausführlicher geschildert. Dann sieht man sich vor etwas gestellt, wie man sich sonst vor die Gegenstände und Vorgänge der Außenwelt gestellt findet. Aber eine Eigentümlichkeit tritt auf, die wichtig ist, die wesentlich ist. Was man jetzt erlebt mit Hilfe des also entwickelten Denkens und jenes Bewußtseins, von dem ich eben gesprochen habe, jenes anderen Bewußtseins, als das gewöhnliche ist, — was man so entdeckt, das unterscheidet sich ganz wesentlich von den Seelenerlebnissen, die man sonst im gewöhnlichen Leben hat. Man mag jetzt den Vorgang mehr materialistisch oder mehr spirituell deuten, darauf kommt es nicht an, wie es überhaupt bei den heutigen Betrachtungen nicht auf Deutung, sondern auf Erfahrung ankommen wird. Dasjenige, was in unserem gewöhnlichen Erleben durch die Wahrnehmungen in uns eingeflossen ist, was zu Gedanken, zu Vorstellungen geworden ist, wandelt sich nämlich so um, daß es im Gedächtnis, in der Erinnerung, wie man sagt, haften bleiben kann, wenn auch natürlich hinter diesem Haftenbleiben ganz andere Vorgänge dahinterstecken. So wie die Erlebnisse des gewöhnlichen Wahrnehmens und gewöhnlichen Denkens durch einen gewissen Seelenvorgang die Möglichkeit gewinnen, im Gedächtnis unmittelbar aufbewahrt zu werden, wie sie gewissermaßen ohne unser Zutun zu unserem Gedächtnisschatze werden, so ist es nicht der Fall bei denjenigen Erfahrungen, die wir auf die Weise, die ich eben geschildert habe, mit dem entwickelten Bewußtsein und der entwickelten willenserfüllten Denktätigkeit machen. Diese Erfahrungen werden gemacht, aber sie gehen vorüber, indem sie gemacht werden, so daß man sie eigentlich nur einen Augenblick festhalten kann. Sie prägen sich nicht ein in unser organisches Leben. Man kann ihre Flüchtigkeit mit der Flüchtigkeit von Traumerlebnissen vergleichen. Aber man sagt damit nicht mehr als einen Vergleich. Denn der Traum hat schließlich noch immer die Eigentümlichkeit, daß er wenigstens in einer gewissen Weise unmittelbar durch sich selber im Gedächtnis behalten werden kann. Dasjenige, was auf die geschilderte Weise in der geistigen Welt als geistige Erfahrung gemacht wird, spielt sich ab, geht aber nun durch sich selbst nicht in den gewöhnlichen Gedächtnisschatz über. Und das ist das eigentümliche, daß man, wenn man im Geiste der Wirklichkeit gegenüberstehen will, niemals so verfahren kann, daß man dasjenige, was man einmal erfahren hat, einfach aus seinem Gedächtnis herausholen kann und es dann wieder hat. Man würde es dann nicht wieder haben; sondern man muß die Erfahrung von neuem machen. Selbstverständlich bereitet sich dasjenige, was ich geschildert habe, langsam vor; durch alle möglichen Stadien bereitet es sich vor. Aber wozu man zuletzt kommt, wenn man all die Dinge beachtet, die zum Beispiel in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» geschildert sind, das ist das“ jenige, was ich eben geschildert habe.
[ 6 ] Other accompanying phenomena of this process must be characterized so that one has a complete picture of it once one has reached the point of discovering thought as an activity—of truly finding within one’s own thinking that which might otherwise remain unconscious; I have described this in more detail in earlier lectures. Then one finds oneself confronted with something, just as one otherwise finds oneself confronted with the objects and events of the external world. But a peculiarity arises that is important, that is essential. What one now experiences with the help of thinking developed in this way and that consciousness of which I have just spoken—that consciousness which is different from the ordinary one—what one discovers in this way differs quite fundamentally from the soul experiences one otherwise has in ordinary life. One may now interpret the process in a more materialistic or a more spiritual way; that is not the point, just as today’s reflections will not depend on interpretation at all, but on experience. For what has flowed into us through our perceptions in our ordinary experience—what has become thoughts and ideas—is transformed in such a way that it can remain fixed in memory, as we say, even though, of course, there are entirely different processes underlying this retention. Just as the experiences of ordinary perception and ordinary thought gain the capacity, through a certain psychological process, be immediately retained in memory—as they, so to speak, become part of our store of memories without any effort on our part—so it is not the case with those experiences we have in the manner I have just described, through developed consciousness and developed, will-filled thought activity. These experiences are had, but they pass as they are had, so that one can actually hold onto them for only a moment. They do not become imprinted on our organic life. One can compare their fleeting nature to the fleeting nature of dream experiences. But this is no more than a comparison. For the dream, after all, still has the peculiarity that it can at least, in a certain way, be retained in memory directly through itself. What is experienced in the spiritual world in the manner described takes place, but does not, through itself, pass into the ordinary store of memory. And this is the peculiar thing: when one wishes to confront reality in the spirit, one can never proceed in such a way that one can simply retrieve from memory what one has once experienced and then possess it again. One would not then possess it again; rather, one must have the experience anew. Of course, what I have described develops slowly; it unfolds through all manner of stages. But what one ultimately arrives at—if one takes into account all the things described, for example, in my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*—is precisely what I have just described.
[ 7 ] Nun werden Sie sagen: Also können eigentlich die geistigen Erfahrungen nur gemacht werden und müssen dann vergessen werden. Das müßten sie auch, wenn nichts anderes dazu käme. Und das andere, das jetzt dazu kommt, ist zu gleicher Zeit die besondere Tatsache des geistigen Verlierens, die ins Auge gefaßt werden muß, wenn man einsehen will, welche Beziehung zwischen dem gesundesten Seelenleben und der Geistesforschung herrscht, und wie unbegründet die Vorurteile sind, die darauf hinausgehen, daß Geistesforschung irgendwie etwas mit krankhafter Seelenentwickelung zu tun haben könnte. Das Eigentümliche, um das es sich handelt, ist, daß sich derjenige Bewußstseinszustand entwickelt, welcher durch den wahrhaftigen, durch den rechten geisteswissenschaftlichen Weg erlangt wird. Er kommt zustande, er ist dann da für unser Seelenleben. Aber der gewöhnliche Bewußtseinszustand, mit dem wir sonst im Alltagsleben drinnenstehen, bleibt so bestehen, wie er vorhanden war, bevor wir in diesen anderen Bewußtseinszustand eingetreten sind. Das heißt: wir bleiben in genau derselben Weise urteilsfähig oder meinetwillen auch mangelhaft urteilsfähig, wie wir vorher waren; wir bleiben zunächst in derselben Weise affektvoll oder weniger affektvoll, wie wir vorher waren. Zunächst besteht die Möglichkeit, mit dem neu errungenen Bewußtsein den anderen Menschen, der man vorher war und der man nun geblieben ist, mit derselben Objektivität zu beobachten, wie man heute diejenigen Vorgänge beobachten kann, die man etwa gestern seelisch durchlebt hat. So wenig wird irgend etwas am gewöhnlichen Bewußtsein dadurch verändert, daß man dieses andere Bewußtsein errungen hat, wie das Seelenleben, das man gestern durchgemacht hat, irgendwie dadurch verändert wird, daß man es heute betrachtet. Und wenn es verändert wird, wenn man etwas hineinphantasiert, dann ist eben die Betrachtung nicht diejenige, die irgend zu einer Objektivität führen kann; dann muß sich irgend etwas vollzogen haben, was nicht in der Ordnung ist. Man steht also seinem gewöhnlichen Seelenleben so gegenüber, wie man, ich möchte sagen, einem vorangegangenen Seelenerlebnis gegenübersteht. Das gewöhnliche Seelenleben bleibt vollständig intakt. Und man muß, wenn man geisteswissenschaftliche Erfahrungen aufbewahren will, im Gedächtnis erst dasjenige, was man im Geiste erlebt hat, herübernehmen in das gewöhnliche Bewußtsein, das sich erhalten hat, und kann es dann selbstverständlich, wie man Erlebnisse des gewöhnlichen Bewußtseins behalten kann, im Gedächtnis aufbewahren. Das aber ist immer notwendig, daß das gewöhnliche Bewußtsein neben dem neu errungenen Bewußtsein steht und daß dasjenige, was für das gewöhnliche Leben vorgenommen wird, nicht mit dem neu errungenen Bewußtsein, sondern mit dem gewöhnlichen Bewußtsein vorgenommen wird. Will man also die geisteswissenschaftlichen Erfahrungen dem gewöhnlichen Gedankenleben, das sich in der Erinnerung bewahren kann, einverleiben, so muß man sie erst aus dem anderen Bewußtsein herübernehmen. Will man einsehen, daß diese geistigen Erlebnisse wahr sind, so kann man das nicht in dem anderen Bewußtsein erfahren — das muß ausdrücklich betont werden -, sondern man muß sie mit dem gewöhnlichen Bewußtsein beurteilen. Sie müssen durchaus der Urteilskraft des gewöhnlichen Bewußtseins unterzogen werden. Die Einsicht in den geistigen Tatbestand erlangt man durch das entwickelte Bewußtsein; die Einsicht in die Wahrheit dieses geistigen Tatbestandes erlangt man zunächst durch seine ganz gewöhnliche gesunde Urteilskraft, die vollständig intakt erhalten bleibt, wenn alle Übungen in der richtigen Weise absolviert werden.
[ 7 ] Now you might say: So spiritual experiences can only be had and must then be forgotten. That would indeed be the case if nothing else were added to the picture. And what is now added to this is, at the same time, the specific fact of spiritual loss, which must be taken into account if one wishes to understand the relationship between the healthiest spiritual life and spiritual research, and how unfounded are the prejudices that suggest spiritual research might somehow have anything to do with pathological spiritual development. The peculiar aspect in question is that the state of consciousness develops which is attained through the true, proper path of spiritual science. It comes into being; it is then present in our soul life. But the ordinary state of consciousness in which we otherwise find ourselves in everyday life remains just as it was before we entered this other state of consciousness. That is to say: we remain capable of judgment—or, if you will, deficient in judgment—in exactly the same way as we were before; we remain, for the time being, just as emotionally engaged—or less so—as we were before. Initially, there is the possibility of using this newly attained consciousness to observe the other person—the person we were before and who we have remained—with the same objectivity with which we can now observe the events we experienced emotionally yesterday. Just as the inner life one experienced yesterday is not altered in any way by observing it today, so too is ordinary consciousness not altered in the slightest by having attained this other consciousness. And if it is altered—if one projects something into it—then that observation is not the kind that can lead to any objectivity; then something must have taken place that is not in accordance with the proper order. One thus faces one’s ordinary inner life in the same way that one, I might say, faces a past inner experience. The ordinary inner life remains completely intact. And if one wishes to retain experiences from spiritual science, one must first bring what one has experienced in the spirit into ordinary consciousness—which has been preserved—and can then, of course, retain it in memory just as one retains experiences of ordinary consciousness. But it is always necessary that ordinary consciousness stand alongside the newly attained consciousness, and that what is undertaken for ordinary life be done not with the newly attained consciousness, but with ordinary consciousness. If, therefore, one wishes to incorporate spiritual scientific experiences into ordinary thought life—which can be retained in memory—one must first transfer them from the other state of consciousness. If one wishes to recognize that these spiritual experiences are true, one cannot experience this within the other state of consciousness—this must be expressly emphasized—but must judge them with ordinary consciousness. They must be subjected to the judgment of ordinary consciousness. Insight into the spiritual reality is attained through developed consciousness; insight into the truth of this spiritual reality is attained initially through one’s entirely ordinary, sound power of judgment, which remains completely intact when all exercises are performed correctly.
[ 8 ] Dadurch aber unterscheidet sich das Bewußtsein, von dem ich eben jetzt gesprochen habe, von allen krankhaften Seelenzuständen. Es unterscheidet sich dadurch von krankhaften Bewußtseinszuständen, daß sich die krankhaften Bewußtseinszustände aus den gesunden — meinetwillen — herausentwickeln, daß diejenigen, die noch als gesund angesehen werden können, übergehen in die kranken Bewußtseinszustände. Das veränderte Bewußtsein löst das erste ab. Aber wenn Sie sich auch nacheinander denken können: gesundes Bewußtsein, krankes Bewußtsein, wiederum gesundes Bewußtsein, so können Sie nicht im eigentlich bewußten Sinne denken, daß man zu gleicher Zeit normal, verständig — und verrückt ist. Denn man wäre dann nicht verrückt. In dem Augenblicke, wo man seine Verrücktheit mit dem normalen Verstande beurteilen kann, ist man doch wahrhaftig nicht verrückt. Das ist die besondere Tatsache, die ins Auge gefaßt werden muß, daß alles veränderte Bewußtsein, alles krankhafte Bewußtsein aus dem gesunden hervorgeht wie eine Metamorphose, und daß man niemals eigentlich von einem Doppel-Ich sprechen sollte — was schon der ausgezeichnete Kriminalanthropologe Benedikt gerügt hat —, sondern sprechen sollte für die gewöhnlichen pathologischen Erscheinungen von einem veränderten Bewußtsein.
[ 8 ] This, however, is what distinguishes the consciousness I have just been speaking of from all pathological mental states. It differs from pathological states of consciousness in that the pathological states of consciousness develop out of the healthy ones—for the sake of argument—and that those which can still be regarded as healthy transition into the pathological states of consciousness. The altered consciousness replaces the first. But even if you can conceive of them in succession—healthy consciousness, pathological consciousness, and then healthy consciousness again—you cannot, in the truly conscious sense, conceive of being normal, sane, and crazy all at the same time. For then one would not be crazy. The moment one can judge one’s own madness with a normal mind, one is truly not mad. This is the crucial point that must be kept in mind: that all altered consciousness, all pathological consciousness, arises from healthy consciousness like a metamorphosis, and that one should never actually speak of a “dual self”—a point already criticized by the distinguished criminal anthropologist Benedikt—but rather, in the case of ordinary pathological phenomena, speak of an altered consciousness.
[ 9 ] Damit ist zu gleicher Zeit charakterisiert, worauf die geisteswissenschaftlichen Übungen abzielen, wohin das, was man Geistesforschung nennt, den Menschen eigentlich führt. Nun ist es ganz begreiflich — ich sage ausdrücklich: ganz begreiflich -, daß derjenige, der zunächst nicht das ganze Wesen der hier angeführten Sache kennt, leicht zu dem Vorurteile kommen kann: Nun ja, da hat irgend jemand mit seinem Seelenleben Unfug getrieben und ist zu einem abnormen Seelenleben gekommen. Vielleicht könnte man auch ganz hübsch, wie man das ja sonst macht, etwa neben den gewöhnlichen abnormen, krankhaften Seelenerscheinungen, die alle im Grunde genommen dadurch charakterisiert werden müssen, daß in der Wirklichkeit nicht das eine Bewußtsein neben dem anderen vorhanden sein kann, sondern daß sich das eine aus dem anderen entwickeln, das eine dasandere ablösen muß, — man könnte neben diesen krankhaften Seelenerscheinungen ja einfach neue registrieren - man macht es so —, bei denen eben das eine Bewußtsein neben dem anderen bestehen könnte. Denn derjenige, der mit diesen Dingen nicht bekannt ist, kann ja zunächst im Grunde genommen zu keinem anderen Urteil kommen, als daß der Betreffende, der zu einem solchen anderen Bewußtsein gekommen ist, im Grunde genommen einem unnormalen Denken, oder auch einem unnormalen Wollen oder Fühlen in irgendeiner Weise unterliegt.
[ 9 ] This simultaneously characterizes what the spiritual science exercises aim at, and where what is called spiritual research actually leads people. Now it is quite understandable—and I say explicitly: quite understandable—that someone who is not initially familiar with the full nature of the matter described here might easily fall into the prejudice: Well, someone has been messing around with their inner life and has ended up with an abnormal mental state. Perhaps one could also quite neatly—as is usually done—place this alongside the ordinary abnormal, pathological mental phenomena, all of which must, in essence, be characterized by the fact that in reality one consciousness cannot exist alongside another, but rather that one must develop from the other, one must replace the other, — one could simply record new ones alongside these pathological mental phenomena—that’s how it’s done—in which one consciousness could indeed coexist alongside another. For anyone unfamiliar with these matters can, in the first instance, come to no other conclusion than that the person in question, who has arrived at such a different state of consciousness, is essentially subject to abnormal thinking, or even abnormal volition or feeling in some way.
[ 10 ] Diese Dinge sind zunächst ganz begreiflich, obwohl sie ja schließlich auf keinem anderen Gebiete stehen als auf dem, wie derjenige, der auf einer bestimmten bäuerlichen Bildungsstufe steht — damit soll durchaus keine Herabwürdigung gemeint sein! —, denjenigen, der sich zum Beispiel den ganzen "Tag mit recht gescheiten mathematischen Operationen befaßt, von seinem Standpunkte aus auch als einen Verrückten ansehen kann, denn es liegt so in der menschlichen Natur, alles, was man nicht selber denkt und woran man nicht selber glaubt, eben als ein Abnormes anzusehen. Im Grunde genommen liegt hinter den Vorurteilen, die vielfach gerade von dieser Seite aus der Geisteswissenschaft entgegengebracht werden, auch nichts anderes als der eben gekennzeichnete Trieb der Menschennatur, nur dasjenige gelten zu lassen, was man eben selber innerlich erleben kann.
[ 10 ] These things are quite understandable at first, even though they ultimately belong to no other realm than that of someone who has attained a certain level of peasant education—and this is by no means meant as a disparagement! ——for example, someone who spends the entire “day engaged in quite clever mathematical operations” might, from his own standpoint, regard such a person as a madman, for it is in human nature to view everything one does not think of oneself and does not believe in as something abnormal. Essentially, the prejudices often directed against the humanities from this very quarter stem from nothing other than the impulse inherent in human nature—as just described—to accept only that which one can experience inwardly oneself.
[ 11 ] Nun aber handelt es sich darum, daß ja allerdings auch objektiv viel Gelegenheit gegeben ist, wahre Geistesforschung mit allerlei Unfug zu verwechseln. Geistesforschung — das ist ja in gewissem Sinne durch die Notwendigkeiten des Lebens gegeben — wird zunächst gerade so zu einem kleineren, geschlossenen Kreis von Menschen sprechen, so wie es schließlich auf anderen Gebieten auch geschieht. Gewiß, man macht heute vielfach denjenigen, die die Aufgabe haben, zu den Menschen über Geistesforschung zu sprechen, den Vorwurf, sie sprächen in allerlei kleinen Zirkeln und dergleichen, sie sprächen zu Menschen, die sich gewissermaßen erst bereit erklärt haben, die Dinge anzuhören. Ja, aber ich kann keinen objektiven Unterschied zwischen diesem Vorgang und dem anderen sehen, daß am Beginne eines Semesters eine Anzahl von Studenten bei irgendeinem Dozenten eingeschrieben wird, und dieser dann auch eben zu diesem geschlossenen Kreise spricht. Und ich kann, wenn nicht sonstiger Unfug getrieben wird, auch nicht einsehen, warum der geschlossene Kreis eines Hörsaales weniger eine Sekte genannt werden sollte, wenn man den Ausdruck gebrauchen will, als eine Anzahl von Leuten, die irgend etwas Geisteswissenschaftliches hören. Aber man hat es im Geisteswissenschaftlichen allerdings zunächst mit Dingen zu tun, die ja nicht durch die Vorgänge, die Geschehnisse des äußeren physischen Planes so ohne weiteres kontrolliert werden können. Wenn einem jemand sagt: irgendein zusammengesetzter Körper bestehe aus diesen oder jenen Elementen, so kann man durch äußere Mittel so etwas unmittelbar nachprüfen. Auch alle geisteswissenschaftlichen Resultate kann man nachprüfen, aber es ist notwendig, daß man erst den Weg des Geistesforschers geht, der geschildert worden ist. Also obzwar diese Dinge nachprüfbar sind, können sie nicht so in der gewöhnlichen Seelenverfassung nachgeprüft werden, in der andere, rein in der äußeren physischen Welt vor sich gehende Dinge nachgeprüft werden können. Daher kommt es — und ich brauche wohl jetzt keinen ausführlichen Gedankenübergang zu machen, um die Erfahrung, die ich charakterisieren will, anzuführen -, daß auf diesem Gebiete, wo eben die Nachkontrolle nur bei Anwendung der entsprechenden Mittel herbeigeführt werden kann, tatsächlich in ungeheuerstem Maße dasjenige blüht, was man nennen kann Autoritätsglaube an das, was ausgesprochen wird, was man nennen kann überhaupt die Phrase, das bloße Hinreden. Ja, aus Antrieben, die hier nicht charakterisiert zu werden brauchen, schließen sich leicht Gesellschaften gerade zu geisteswissenschaftlichem Leben zusammen, die zu ihrem ersten Grundsatze mit einem gewissen Recht Toleranz, gegenseitige Liebe und gegenseitiges Vertrauen machen. Das ist ein schöner Grundsatz. Aber die Erfahrung hat vielfach gezeigt, daß nirgends mehr gestritten wird und nirgends mehr Uneinigkeit herrscht als in solchen Gesellschaften. Und obwohl solche Gesellschaften oftmals auf ihre Fahne geschrieben haben, die Wahrheit als das Höchste zu verehren, so kann man wiederum die Erfahrung machen, daß auf keinem Gebiet oftmals die Wahrheit weniger respektiert wird als innerhalb von Gesellschaften, die vorgeben, solche entsprechenden Ziele zu haben. Und so kommt es denn allerdings, daß innerhalb von Kreisen, wo angeblich Geisteswissenschaft getrieben wird, viel Unfug herrscht. Und dann ist es schwierig für denjenigen, der sich nicht auf die Sache selber einläßt, sondern die Dinge nach den äußeren Symptomen und nach den äußeren Vorgängen beurteilt, das Wahre von dem Unfug zu unterscheiden. Und ich möchte nun im weiteren Verlauf dieser heutigen Betrachtungen einiges beibringen, welches die Möglichkeit geben kann, Wahrheit und Unfug auf diesem Gebiet zu unterscheiden. Ich möchte vor allen Dingen betonen, daß man nicht zu strenge Kritik üben soll an den Vorurteilen, die der Geistesforschung gerade von der heute charakterisierten Seite aus entgegengebracht werden, daß man vielmehr diese Vorurteile sogar im weitesten Umfange begreiflich finden kann. Ich will nun gleich etwas ganz Konkretes erwähnen.
[ 11 ] The point, however, is that there are indeed many objective opportunities to confuse true spiritual research with all sorts of nonsense. Spiritual research—which, in a certain sense, is dictated by the necessities of life—will initially address a smaller, closed circle of people, just as is ultimately the case in other fields as well. Certainly, those who have the task of speaking to people about spiritual research are often accused today of speaking in all sorts of small circles and the like, of speaking to people who, in a sense, have first declared themselves willing to listen to these things. Yes, but I cannot see any objective difference between this process and the one in which, at the beginning of a semester, a number of students enroll with a particular professor, who then also speaks to this closed circle. And unless other nonsense is going on, I also fail to see why the closed circle of a lecture hall should be any less deserving of the label “sect”—if one wishes to use that term—than a group of people listening to something related to spiritual science. But in the field of spiritual science, one is indeed initially dealing with things that cannot be readily verified through the processes and events of the outer physical plane. If someone tells you that a certain compound body consists of these or those elements, you can verify this directly by external means. All findings of spiritual science can also be verified, but it is necessary first to follow the path of the spiritual researcher that has been described. So although these things are verifiable, they cannot be verified in the ordinary state of mind in which other things taking place purely in the outer physical world can be verified. Hence—and I need not now make a detailed line of reasoning to illustrate the experience I wish to characterize—in this realm, where verification can only be achieved through the use of the appropriate means, what one might call a blind faith in authority regarding what is said—or, more generally, mere rhetoric and empty talk—flourishes to an immense degree. Indeed, driven by motives that need not be elaborated upon here, societies dedicated to the life of the humanities readily form, making tolerance, mutual love, and mutual trust—with a certain degree of justification—their primary principles. That is a fine principle. But experience has repeatedly shown that nowhere is there more strife and nowhere does discord reign more than in such societies. And although such societies have often made it their banner to revere the truth as the highest good, one can also observe that in no field is the truth often less respected than within societies that claim to have such goals. And so it indeed happens that within circles where spiritual science is supposedly practiced, a great deal of nonsense prevails. And then it is difficult for those who do not engage with the matter itself, but judge things by outward symptoms and external events, to distinguish the truth from the nonsense. And I would now like, in the course of today’s reflections, to offer some insights that may make it possible to distinguish truth from nonsense in this field. Above all, I would like to emphasize that one should not be too critical of the prejudices directed against spiritual research, particularly from the perspective I have just described; rather, one can even find these prejudices understandable to the greatest extent. I will now mention something quite specific right away.
[ 12 ] Wenn man in einer gewissen Weise in die geistige Welt eingetreten ist, wenn man geistige Erfahrungen gemacht hat, also die geistige Wirklichkeit kennengelernt hat, dann kommt man zu dem, was ich hier ja auch schon öfter charakterisiert habe, was Sie aber in den genannten Büchern genau charakterisiert finden können, - man kommt zu dem, was man imaginative Erkenntnis nennt, nicht, weil es sich nur eben um Übungen in der Phantasie, um eine bloße Imagination im gewöhnlichen Sinne handelt, sondern weil man in die Lage kommt, dasjenige, was man erlebt, bildhaft ausdrücken zu müssen. Selbstverständlich dasjenige, was der Mensch zunächst an Vorstellungsvermögen hat, auch in alledem, wie er die Vorstellungen in Worte bringen kann, wie er die Vorstellungen charakterisieren kann, das bezieht sich ja auf die physische Welt. Wenn man nun in eine ganz andere Welt versetzt wird und sie dann nicht anders charakterisiert, nämlich schon für sich selber diese andere Welt als bildhaft charakterisiert, so bildet man falsche Vorstellungen über sie aus. Man muß dann dasjenige, was im Einzelnen, Konkreten über die geistige Welt angegeben wird, immer mit dem Bewußtsein aufnehmen, daß alles, was der Geistesforscher schildert, aus vollbewußter Willenstätigkeit heraus fließt, daß er also nicht ausirgendeinem unbestimmten dämmerigen Bewußtseinszustand heraus, nicht aus einem visionären Bewußtsein heraus schildert, sondern daß er gerade im Gegensatz zu jedem abgedämmerten oder visionären Bewußtsein bewußt, mit vollem Willen dasjenige ausbildet, was er als Imagination, als Bilder für die geistigen Erlebnisse darstellt. Wie er dasjenige, was er darstellt, in diesem Sinne gibt, daß alles von ihm willentlich durchdrungen ist, so muß es auch in diesem Sinne aufgenommen werden.
[ 12 ] Once one has, in a certain sense, entered the spiritual world—once one has had spiritual experiences, that is, come to know spiritual reality—one arrives at what I have already described here on several occasions, but which you can find described in detail in the books I mentioned, —one arrives at what is called imaginative knowledge, not because it involves merely exercises of the imagination—mere imagination in the ordinary sense—but because one finds oneself in a position where one must express what one experiences in pictorial terms. Of course, the capacity for imagination that a person initially possesses—including in all the ways they can put ideas into words and characterize them—relates to the physical world. If one is then transported into an entirely different world and does not characterize it differently—that is, if one already characterizes this other world pictorially in one’s own mind—one forms false ideas about it. One must therefore always take in what is stated in detail and concretely about the spiritual world with the awareness that everything the spiritual researcher describes flows from fully conscious volitional activity—that is, he does not describe it from some indeterminate, twilight state of consciousness, nor from a visionary state of consciousness, but rather—in direct contrast to any twilight or visionary state of consciousness—he consciously and with full will shapes what he presents as imagination, as images of spiritual experiences. Just as he presents what he depicts in this sense—that is, with everything imbued by his will—so must it also be received in this sense.
[ 13 ] Zur Darstellung der geistigen Erlebnisse, die im Seelenleben deshalb doch real anwesend sind, wenn sie auch bildlich dargestellt werden müssen, ist es selbstverständlich notwendig, daß man Bildhaftes aus dem gewöhnlichen Leben nimmt, daß man also dasjenige, was geistig erlebt wird, dadurch charakterisiert, daß man das eine mit dieser Farbe, das andere mit jener Farbe bezeichnet und so weiter. Dabei besteht aber eine gewisse — aber jetzt rein seelisch-geistige, nicht physiologisch-organische -— Notwendigkeit zur Schilderung des einen, sagen wir, diese Farbe, diesen Ton und dieses Tasterlebnis, zur Schilderung des andern irgend etwas anderes zu verwenden. Und gerade so, wie man, wenn man in einer bestimmten Sprache redet, nicht erst auseinandersetzt, daß dieses Wort diese Bedeutung, jenes Wort jene Bedeutung hat, so muß selbstverständlich, wenn man im Konkreten die geistigen Erlebnisse genau schildert, die Bilderwelt, in der man sich auszudrücken hat, da sein wie eine innere Sprache, wie etwas, durch das man vergegenwärtigt, repräsentiert das eigentlich erst dahinterstehende geistige Erlebnis. Tritt nun — ich habe dasjenige, was ich jetzt hier auseinandersetze, in Einzelheiten genau in der sechsten Auflage meiner «Theosophie» auseinandergesetzt — eine solche Schilderung eines geistigen Erlebnisses auf und wird dieses oder jenes geistige Wesen rot, blau und so weiter beschrieben, was ganz richtig ist, wodurch es wirklich repräsentiert, nicht nur charakterisiert wird, dann kann selbstverständlich derjenige, der diese Beschreibung entgegennimmt und der ganz unbekannt ist mit der Art und Weise, wie sie eigentlich gemeint ist, sagen: Das kennen wir! Das kennen wir aus dem Gebiet der Psychologie! Wir kennen gut jene Seelenleben, in denen als sekundäre Sinnesempfindung oder als Halluzination oder auch als Illusion Seelenerlebnisse auftreten, die rein aus dem Inneren hervorgehen. -So ist es durchaus berechtigt, wenn zum Beispiel darauf hingewiesen wird, daß es Menschen gibt — nach gewissen Erfahrungen, die gesammelt worden sind, hat sogar ein Achtel aller Menschen diese Eigenschaft -, die zum Beispiel, wenn sie einen gewissen Ton wahrnehmen, ohne daß sie irgendeine Farbe sehen, eine Farbe hinzufügen, aber so, daß sie einem ganz gegenständlich wird. Solche Farbenerscheinungen, die nicht durch einen äußeren Eindruck hervorgerufen sind, sondern die sich aus dem Inneren heraus zu einem Ton hinzugesellen - ich will jetzt die verschiedenen Hypothesen, die darüber gemacht worden sind, nicht ausführen -, nennt man sekundäre Sinnesempfindungen. Und was Menschen auf diese Weise erleben können, kann ja so weit gehen, daß ihnen, wenn sie zum Beispiel eine gedruckte Sache in die Hand nehmen, die einzelnen Buchstaben nach ihrem Inhalt, je nachdem es ein o oder ein a ist, in anderen Farben erscheinen. Kurz, der Psychiater kann selbstverständlich sagen: Diese Sachen kennen wir. Und er kann das dann ganz besonders sagen, wenn nun Seelenerlebnisse mit dem vollen Charakter der Sinnesempfindungen auftreten, aber von innen heraus als Halluzinationen gebildet sind. Und wenn man oftmals Halluzinationen nimmt, die besonders lebendig plastisch vor die Seele treten, dann kann man sagen: Ja, ist denn nicht das krankhafte Seelenleben in der Lage, wirklich innerlich Wirkungen hervorzurufen? Und hört man dann, was von dieser oder jener Seite vorgebracht wird, die Behauptung: sie hätten sich in bezug auf das Seelenleben entwickelt, — so findet man ganz dasselbe. Das Bedeutsame ist nur, daß eben wegen des genannten Unfugs, der angeführt worden ist, sehr häufig bei Menschen, die dazu besondere Dispositionen haben, sekundäre Sinnesempfindungen oder halluzinatorische Zustände auftreten und dann behauptet wird, daß das «höhere Erlebnisse» seien, daß sie damit wirklich etwas aus der geistigen Welt gegeben hätten. Ich habe schon gestern in Anknüpfung an den «Faust» darauf hingewiesen: damit ist gar nichts aus der geistigen Welt gegeben, sondern das sind bloße Umwandlungen des inneren Trieblebens, das ist bloß aus dem Inneren des Menschen aufgestiegen. Das gibt nicht mehr als das normale Seelenleben, sondern es gibt weniger, weil es etwas gibt, was unter dem normalen Seelenleben wirkt und was sich nur, indem es ins Bewußtsein heraufgehoben wird, eben in Dinge umsetzt, die so aussehen wie das gewöhnliche Seelenleben. Aber es ist ein beträchtlicher Unterschied zwischen dem, was wahre Geistesforschung und, wenn man den Ausdruck anwenden will, wahres Hellsehen erlangt, und diesem im gewöhnlichen Leben oftmals auch «Hellsehen» Genannten.
[ 13 ] To depict the spiritual experiences that are, after all, truly present in the life of the soul—even if they must be represented figuratively—it is, of course, necessary to draw on imagery from everyday life; that is, to characterize what is spiritually experienced by designating one thing with this color, another with that color, and so on. However, there is a certain—though now purely psychological and spiritual, not physiological or organic—necessity to use one thing—let us say, this color, this tone, and this tactile sensation—to describe one aspect, and something else to describe the other. And just as, when speaking in a particular language, one does not first have to explain that this word has this meaning and that word has that meaning, so it goes without saying that when one describes spiritual experiences in concrete terms, the world of images through which one must express oneself must be present like an inner language, like something through which one brings to mind and represents the spiritual experience that actually lies behind it. Now, if—I have discussed what I am now explaining here in great detail in the sixth edition of my *Theosophy*—such a description of a spiritual experience arises, and this or that spiritual being is described as red, blue, and so on—which is entirely correct, and through which it is truly represented, not merely characterized—then, of course, the person receiving this description, who is completely unfamiliar with the way it is actually intended, may say: “We know that! We know that from the field of psychology!” We are well acquainted with those inner lives in which soul experiences arise—as secondary sensory perceptions, hallucinations, or even illusions—that originate purely from within. —So it is entirely justified, for example, to point out that there are people—according to certain findings, as many as one-eighth of all people have this characteristic—who, for instance, when they perceive a certain tone without seeing any color, add a color to it, but in such a way that it becomes quite concrete to them. Such color phenomena, which are not caused by an external impression but arise from within and accompany a sound—I will not go into the various hypotheses that have been proposed about this—are called secondary sensory perceptions. And what people can experience in this way can go so far that, for example, when they pick up a printed text, the individual letters appear in different colors depending on their content—whether it is an “o” or an “a.” In short, the psychiatrist can of course say: We are familiar with these phenomena. And he can say this all the more so when psychological experiences occur with the full character of sensory perceptions, yet are formed from within as hallucinations. And when one frequently encounters hallucinations that appear before the soul in a particularly vivid and three-dimensional way, one might ask: “Is not the pathological mental life capable of truly producing inner effects?” And when one then hears the claim put forward from this or that quarter—that such experiences have developed in relation to the mental life—one finds exactly the same thing. The significant point is simply that, precisely because of the aforementioned nonsense that has been cited, secondary sensory perceptions or hallucinatory states very often occur in people who have a particular predisposition for them, and it is then claimed that these are “higher experiences,” that they have thereby truly received something from the spiritual world. I already pointed this out yesterday in connection with *Faust*: nothing at all has been received from the spiritual world in this way; rather, these are mere transformations of the inner life of the drives—they have simply risen from within the human being. This is no more than normal soul life; in fact, it is less, because there is something at work beneath normal soul life that, only when raised into consciousness, transforms itself into phenomena that appear to be ordinary soul life. But there is a considerable difference between what true spiritual research—and, if one wishes to use the term, true clairvoyance—achieves, and what is often also called “clairvoyance” in everyday life.
[ 14 ] Und diesen gewaltigen Unterschied wird man merken, wenn man dasjenige nimmt, was gesagt worden ist: In aller Tätigkeit des Geistesforschers, in aller Tätigkeit des wahren Hellsehers steckt voll willentliche Tätigkeit drinnen, ist kein Element, bei dessen Zustandekommen man nicht dabei ist, während die Vision gerade das Eigentümliche hat, daß sie zustande kommt, ohne daß der Wille darin tätig ist. Und man kann sogar — trotzdem sich das für viele außerordentlich paradox ausnehmen wird — die Frage: Wodurch unterscheidet sich denn der Geistesforscher von dem gewöhnlichen Visionär, von dem Halluzionär? — damit beantworten, daß man sagt: Dadurch unterscheiden sie sich, daß eben der Geistesforscher nie in dem gewöhnlichen Sinne Visionen und Halluzinationen hat, daß er gerade durch seine Ausbildung in der Geisteswissenschaft über dieMöglichkeit ganz hinauskommt, jemals Halluzinationen oder Visionen im gewöhnlichen Sinne des Wortes zu haben. Und damit hängt es zusammen, daß das, was geistesforscherisches Erlebnis ist, sich — wie ich gesagt habe nicht unmittelbar festsetzen darf in der menschlichen Organisation, sondern daß es immer wiederum neu erfahren werden muß,
[ 14 ] And one will notice this enormous difference when one considers what has been said: In all the activities of the spiritual researcher, in all the activities of the true clairvoyant, there is a full measure of volitional activity; there is no element that comes about without one’s participation, whereas the vision has precisely the peculiarity that it comes about without the will being active in it. And one can even—even though this will seem extremely paradoxical to many—answer the question: “How, then, does the spiritual researcher differ from the ordinary visionary, from the hallucinationist?” — by saying: They differ in that the spiritual researcher never has visions or hallucinations in the ordinary sense; precisely through his training in spiritual science, he transcends entirely the possibility of ever having hallucinations or visions in the ordinary sense of the word. And this is connected to the fact that what constitutes a spiritual scientific experience—as I have said—cannot be fixed directly within the human organism, but must always be experienced anew,
[ 15 ] Würde sich die geisteswissenschaftliche Erfahrung so, wie sie unmittelbar ist, im Organismus festsetzen, so könnte sie allerdings zu einem illusionären Leben führen, weil sie dann durch sich selbst aus dem Organismus aufsteigen, weil sie im Organismus haften und der Mensch die Gewalt darüber verlieren würde. Willentlich kann er immer nur bei der Erzeugung sein, wenn er jedesmal, ich möchte sagen, jungfräulich herantritt, wie er zum Beispiel an einen äußeren Eindruck herantritt. Und nur durch dieses jedesmalige jungfräuliche Herantreten an das geistige Erlebnis kann er wissen, daß er aus der geistigen Welt einen Eindruck hat, wie er durch das gewöhnliche Leben weiß, daß er, wenn er einen äußeren Gegenstand, etwa eine Uhr sieht, diese Uhr nicht halluziniert, sondern daß wirklich ein äußerer Eindruck vorliegt. Durch das, was sich zwischen ihm und der Uhr neuerdings abspielt, kann er dasjenige, was er jetzt in unmittelbarer Tätigkeit an der äußeren physischen Welt erlebt, von dem unterscheiden, was in ihm aufsteigt, was ihn etwa zu irgendeiner Halluzination oder Illusion zwingen könnte. Und wiederum nur dadurch, daß er sich gegenüber den geistigen Erlebnissen die eben geschilderte Jungfräulichkeit erhält, daß er sie wirklich nicht in die Leiblichkeit einpreßt, sondern immer wieder von neuem macht, weiß er, daß er nicht dem, was aus seiner Organisation aufsteigt, gegenübersteht, sondern daß er immer objektiven Erlebnissen gegenübersteht, die aus einer geistigen Welt herauskommen, Und man lernt allerdings nun noch, wenn man wirklich auf die geschilderte Weise im lebendigen Erfassen der geistigen Welt drinnen steckt, jene innere Energie, jene innere Kraft, die man braucht, um willentlich, sagen wir, zur imaginativen Erkenntnis zu kommen, merkwürdigerweise als die gleiche Kraft erkennen, welche Illusionen und Halluzinationen vertreibt, durchschaut. Das ist es, worauf es ankommt. Nicht die Kraft, wodurch Halluzinationen entstehen, ruft man auf, sondern gerade diejenige Kraft, wodurch man Illusionen und Halluzinationen und Wahnvorstellungen, und wie alle diese Dinge heißen mögen, zerstiebt.
[ 15 ] If the experience of the humanities, as it is in its immediacy, were to become fixed in the organism, it could indeed lead to an illusory life, because it would then rise up from the organism of its own accord, because it would cling to the organism, and the human being would lose control over it. He can only be present in the act of creation when he approaches it each time—I would say—with a sense of freshness, just as he approaches, for example, an external impression. And only through this fresh, unencumbered approach to the spiritual experience each time can he know that he has received an impression from the spiritual world, just as he knows through ordinary life that when he sees an external object—say, a watch—he is not hallucinating this watch, but that an external impression truly exists. Through what is now taking place between him and the watch, he can distinguish what he is currently experiencing in direct interaction with the external physical world from what arises within him—which might, for example, compel him toward some kind of hallucination or illusion. And again, only by maintaining the purity just described in relation to spiritual experiences—by truly not forcing them into the physical realm but rather creating them anew time and again—does he know that he is not facing what arises from his own constitution, but that he is always facing objective experiences that emerge from a spiritual world, And indeed, when one is truly immersed in the living perception of the spiritual world in the manner described, one learns to recognize, strangely enough, that inner energy, that inner power needed to arrive—let us say—at imaginative insight by one’s own will, as the very same power that dispels and sees through illusions and hallucinations. That is what matters. One does not invoke the force through which hallucinations arise, but rather the very force through which one dispels illusions, hallucinations, delusions—and whatever else these things may be called.
[ 16 ] Und so könnte man auch noch etwas anderes anführen, welches wiederum in ganz leicht begreiflicher Weise als ein Einwand gemacht werden könnte. Wenn derjenige, der in bezug auf diese Dinge noch Laie ist, davon hört, daß der Mensch, welcher seine geistigen Erlebnisse durch den Ausdruck «Farbenwelt» oder «Tonwelt» wiedergibt, wie Sie ja zum Beispiel in meiner «Theosophie» die Seelenwelt und die Geisteswelt in dieser Weise illustriert, als imaginative Welten geschildert finden, so könnte er sagen: Ja, wenn man also in die Lage kommen muß, in dieser Weise die geistige Welt als farbige Welt, als tönende Welt zu erkennen, gilt das alles auf der einen Seite als halluzinatorische, als visionäre Tätigkeit, als pathologische Zustände; auf der anderen Seite wissen wir aber auch — kann er einwenden -, daß derjenige, der blind geboren ist, durch keinen Vorgang der geistigen Schulung zu solchen Visionen, die in farbigen Bildern spielen, oder der taub geboren ist, zu solchen Gehörshalluzinationen gebracht werden kann. Und man kann daraus sehr leicht die Widerlegung formen, daß man sagt: Also haben wir es doch rein mit der Ausbildung von demjenigen zu tun, was doch an dem Vorhandensein gewisser Organe hängt.
[ 16 ] And so one could also cite something else that, in turn, could quite easily be raised as an objection. If someone who is still a layperson in these matters hears that a person who describes their spiritual experiences using the terms “world of colors” or “world of sounds”—as you, for example, illustrate the world of the soul and the world of the spirit in this way in my *Theosophy*—is portrayed as depicting imaginative worlds, they might say: Yes, if one must come to perceive the spiritual world in this way—as a world of color, as a world of sound—then on the one hand, all of this is regarded as hallucinatory, as visionary activity, as pathological conditions; on the other hand, however—he might object—we also know that someone born blind cannot, through any process of spiritual training, be led to such visions that play out in colorful images, nor can someone born deaf be led to such auditory hallucinations. And from this, one can very easily formulate the rebuttal by saying: So we are, after all, dealing purely with the development of that which depends on the presence of certain organs.
[ 17 ] Ein Einwand, der von diesem Gesichtspunkt aus gemacht wird, hat für den, der die Dinge durchschaut, gerade soviel Wert wie die Frage: Ob denn nun jemand, der ganz gute Gedanken hat, diese Gedanken in einer Sprache ausdrücken kann, die er augenblicklich nicht gelernt hat. Er kann die Gedanken natürlich nicht in einer Sprache ausdrücken, die er nicht gelernt hat, ganz selbstverständlich. So kann derjenige, der blind geboren ist, nicht in Farben zum Ausdruck bringen, was er geistig erlebt. Deshalb kann er doch geistig genau dasselbe erleben, was der andere erlebt, der es in Farben auszudrücken vermag, das heißt, der es sich auch selber, in Farben illustriert, willentlich eben auf diese Art zum Ausdruck bringt. Es ist allerdings oftmals notwendig, daß man die Dinge wirklich genau kennen lernt, wenn man die Berechtigung oder Nicht-Berechtigung von Einwänden durchschauen will.
[ 17 ] An objection raised from this perspective is, to those who see through things, just as meaningful as the question: Can someone who has very good thoughts express those thoughts in a language they have not yet learned? Of course, he cannot express those thoughts in a language he has not learned—that goes without saying. Just as someone born blind cannot express in colors what he experiences mentally. Nevertheless, he can still experience mentally exactly the same thing as the other person who is able to express it in colors—that is, who also illustrates it for himself in colors and deliberately chooses to express it in this way. However, it is often necessary to gain a truly precise understanding of things if one wishes to see through the validity or invalidity of objections.
[ 18 ] Wenn man nun aber die Dinge nicht nach ihrem inneren Charakter, nach ihrem inneren Wesen betrachtet, sondern danach, wie sie äußerlich auftreten, so wird man sehr leicht finden, daß es ja nun doch — wenn ich mich des trivialen Ausdrucks bedienen darf — recht verrückte Zwickel gibt, welche irgendeiner Bewegung angehören, die sich eine geistesforscherische nennt, und die einem mit allerlei Zeug kommen, das man mehr oder weniger wirklich in die Rubrik hineinbringen kann, welche der Psychiater sehr gut kennt. Wenn zum Beispiel irgend jemand an einen Psychiater herankommt und ihm erzählt, er wäre der wiedergeborene Johannes, so wird es jedenfalls ganz berechtigt sein, wenn der Psychiater sagt: Wir haben es mit einem gewöhnlichen Größenwahnsinnigen zu tun. Man hat es auch vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte mit einem gewöhnlichen Größenwahnsinnigen aus dem Grunde zu tun, weil der wirklich wiedergeborene Johannes dies in einer solchen Form nicht aussprechen würde. Aber davon ganz abgesehen, muß man sich klar sein: wenn man es mit solchen Erscheinungen zu tun hat, die wirklich als krankhaft bezeichnet werden müssen, so kann man danach das Wesen der Sache nicht charakterisieren; denn man muß die ganze Art und Weise, wie sich Geistesforschung in unsere gegenwärtige Zeit hereingestellt hat, ins Auge fassen. Man muß sich klar sein darüber, daß heute eine Weltanschauungsrichtung herrschend ist, die sehr, sehr viele Menschen aus verschiedenen Gründen unbefriedigt läßt. Ich brauche nicht auszuführen — denn das ist zu genau und zu weit bekannt -, warum verschiedene religiöse Weltanschauungsströmungen viele, viele Menschen heute unbefriedigt lassen. Ich brauche aber nur darauf aufmerksam zu machen, daß ja auch diejenigen Weltanschauungen, die sehr häufig auf dem sogenannten festen Boden der naturwissenschaftlichen Denkweise gebaut werden, viele Leute unbefriedigt lassen, und zwar aus einem zweifachen Grunde. Erstens zum Teil aus dem Grunde, weil ja derjenige, der sich die naturwissenschaftliche Denkweise aneignet, wirklich erkennt, daß in den naturwissenschaftlichen Ergebnissen, wie man sie so haben kann, in der Regel nicht die Antworten auf die großen Fragen liegen, sondern höchstens die Hinweise auf die Fragen selber. Naturwissenschaftliche Bücher werden für den, der die Sache genau sehen kann, in der Regel eigentlich nicht zu Antworten, sondern erst recht zu Fragen. Das auf der einen Seite. Auf der anderen Seite gibt es aber noch andere Gründe, warum der Aufbau einer Weltanschauung auf einer naturwissenschaftlichen oder überhaupt auf einer heute modernen Grundlage manchen unbefriedigt läßt. Da muß man schon sagen: Auf naturwissenschaftlicher oder historischer Grundlage sich heute eine Weltanschauung aufzubauen, dazu gehört sehr viel. Dazu “ gehört vor allen Dingen, daß man sich Mühe gibt, viele, viele Tatsachen und Tatsachen-Verkettungen kennen zu lernen. Man kann durchaus nicht immer sagen, daß derjenige, der sich nicht auf Grundlage der naturwissenschaftlichen Denkweise eine Weltanschauung aufbauen will, dies wirklich deshalb tut, weil er einsieht: es läßt sich nichts Befriedigendes, nichts leichthin Befriedigendes darauf aufbauen; sondern sehr häufig ist es einfach die Bequemlichkeit, auch das Unvermögen, sich mit den nötigen Tatsachen und Tatsachen-Verkettungen bekannt zu machen. Man scheut zurück davor, mit der Schwierigkeit, die die heutige Wissenschaft allerdings bietet, für sich selber zurecht zu kommen. Und da stellt es sich denn heraus, daß sehr viele Menschen es bequemer finden, nicht den langen Weg der Vorbereitung zu gehen, der auf eine gewisse Wissenschaftlichkeit Anspruch macht, sondern bequemer finden, dasjenige aufzunehmen, was man ja in der Tat aufnehmen kann manchmal als bloße Phrase, als schöne Redensart -, dasjenige, was auf irgendeine Art aus der Geisteswissenschaft heraus kommt. Es gefällt einem auch, weil es zunächst an das Persönliche anknüpft, was den Menschen persönlich unmittelbar interessiert. Es gefällt einem mehr, es befriedigt einen mehr, als wenn man bei der Natur anfängt und dann versucht, zu irgendeinem Verständnisse des Menschen heraufzukommen, soweit es sich aus der Naturwissenschaft gewinnen läßt. So hat man einen weiten und immer .entsagungsvollen Weg zu gehen. Den will mancher meiden. Daher kommt es eben, daß Menschen, die eigentlich keine Möglichkeit haben, für ihre Befriedigung etwas zu gewinnen durch das, was die gegenwärtige Zeitbildung bietet, an die Geisteswissenschaft herankommen und daß sie dann in der Geisteswissenschaft nicht das ausbilden, was aus der Geisteswissenschaft kommt, sondern in die geisteswissenschaftlihe Weltenströmung hineintragen, was sie vorher in ihrem ganzen Organismus, in ihrer ganzen Seele haben.
[ 18 ] But if one considers things not according to their inner character, according to their inner nature, but rather according to how they appear externally, one will very easily find that there are indeed—if I may use the trivial expression—quite crazy offshoots that belong to a certain movement that calls itself “parapsychological,” and which comes up with all sorts of things that can more or less truly be classified under the category that psychiatrists know very well. If, for example, someone approaches a psychiatrist and tells him that he is the reincarnation of John the Baptist, then it will certainly be entirely justified for the psychiatrist to say: We are dealing with an ordinary megalomaniac. From the standpoint of spiritual science, too, we are dealing with an ordinary megalomaniac, for the truly reincarnated John would not express this in such a manner. But quite apart from that, one must be clear about this: when dealing with such phenomena, which truly must be described as pathological, one cannot characterize the essence of the matter on that basis alone; for one must take into account the entire manner in which spiritual research has established itself in our present time. One must realize that a particular worldview prevails today that leaves a great, great many people unsatisfied for various reasons. I need not elaborate—for this is too well known and too widely understood—on why various religious worldviews leave many, many people unsatisfied today. I need only point out, however, that even those worldviews which are very often built on the so-called solid ground of the scientific way of thinking leave many people unsatisfied, and for two reasons. First, in part because anyone who adopts the scientific way of thinking truly recognizes that scientific findings, as they currently stand, generally do not provide the answers to the big questions, but at most point to the questions themselves. For those who can see the matter clearly, scientific books generally do not actually provide answers, but rather raise even more questions. That is one aspect. On the other hand, however, there are other reasons why building a worldview on a scientific foundation—or indeed on any modern foundation today—leaves some people unsatisfied. It must be said: Building a worldview today on a scientific or historical foundation requires a great deal. Above all, it requires making an effort to become familiar with many, many facts and chains of facts. It certainly cannot always be said that those who do not wish to build a worldview on the basis of scientific thinking do so because they realize that nothing satisfactory—nothing readily satisfactory—can be built upon it; rather, very often it is simply a matter of convenience, or even an inability, to familiarize oneself with the necessary facts and chains of facts. People shy away from coming to terms with the difficulties that modern science, admittedly, presents. And so it turns out that a great many people find it more convenient not to take the long path of preparation that claims a certain scientific rigor, but rather to accept—as mere phrases or beautiful sayings—whatever comes out of the spiritual sciences in one way or another. It also appeals to people because it initially ties in with the personal—what interests people directly and personally. It appeals to them more, satisfies them more, than if one were to start with nature and then attempt to arrive at some understanding of the human being, insofar as this can be gleaned from the natural sciences. For then one has a long and ever-demanding path to follow. Many wish to avoid that. This is precisely why people who actually have no way of finding satisfaction in what the current cultural climate has to offer turn to the science of the spirit—and why, in the science of the spirit, they do not develop what arises from the science of the spirit itself, but rather bring into the spiritual current of the world what they already possess within their entire being, within their entire soul.
[ 19 ] Wenn nun jemand, der in seinen ganzen Affekten, in seinem ganzen emotionellen Leben etwas hat, was man, wenn man die Dinge äußerlich symptomatisch beschreibt, als Neigung zum Größenwahn bezeichnen kann - ich weiß sehr gut, daß ich damit nur ein Symptom ausdrücke -, so kann es natürlich sehr leicht geschehen, daß diese Neigung zum Größenwahn nun hereingetragen wird in die geisteswissenschaftliche Bewegung. Und dann ist es ganz selbstverständlich, daß der Betreffende dasjenige, was er über den Menschen hört, in unmittelbaren Zusammenhang bringt, nun nicht in objektiver Weise mit dem Menschlichen, sondern mit demjenigen, was gerade er durch seine Neigung an Gefühlen, an Emotionen entwickelt. Und dann geschieht es eben, daß er es, wenn er das Gesetz der wiederholten Erdenleben kennen lernt, selbstverständlich sehr befriedigend findet, wenn er auf irgendeine Weise erträumen kann, er sei, sagen wir, der wiedergeborene Soundso, Da ist allerdings derjenige, der dieDinge vernünftig überlegt, sich ganz klar darüber, daß den Betreffenden das, was er selbst hineingebracht hat in die Geisteswissenschaft, zu einer solchen Idee gebracht hat und daß ihn nicht die Geisteswissenschaft zu dieser Idee gebracht haben kann. Und derjenige, der das in Betracht zieht, was nur als ganz kurze Andeutungen über den Weg der Geistesforschung im letzten Kapitel meiner «Theosophie» steht — er braucht gar nicht einmal mehr kennen zu lernen -, und der es dann noch wirklich ernst nimmt mit dem, was aus der heutigen offiziellen Psychiatrie, aus der anerkannten Psychiatrie zu gewinnen ist, der kann unmöglich zu der Idee kommen, daß aus dem geisteswissenschaftlichen Weg selber irgend etwas zur Erkrankung des Seelenlebens beigetragen werden kann. Umgekehrt aber können die geisteswissenschaftlichen Verrichtungen verzerrt, karikiert werden durch dasjenige, was in die Geisteswissenschaft hineingetragen wird durch Menschen, die eben die nötigen Anlagen dazu haben, Es könnte einer statt in die geisteswissenschaftliche Weltanschauungsströmung, sagen wir, ins Börsenleben hineinkommen, und er könnte solche Anlagen haben, die sich zum Größenwahn ausbilden; dann würde er selbstverständlich seine größenwahnsinnigen Ideen in allerlei Vorstellungen ausleben, welche mit dem Börsenleben zusammenhängen. Er würde sich vielleicht als ein besonderer Börsenkönig vorkommen oder dergleichen. Kommt er statt ins Börsenleben in die geisteswissenschaftliche Weltanschauungsströmung hinein, so lebt er dieselben Anlagen aus, indem er sich, nun meinetwegen, für den wiedergeborenen Johannes hält.
[ 19 ] If someone, in all their affections, in their entire emotional life, has something that—when describing things externally in terms of symptoms—can be called a tendency toward megalomania—I am well aware that I am merely describing a symptom here—then it can, of course, very easily happen that this tendency toward megalomania is carried over into the spiritual science movement. And then it is only natural that the person in question will bring what he hears about human beings into direct connection—not in an objective way with what is human, but with what he himself develops through his own emotional inclinations. And so it happens that when he learns of the law of repeated earthly lives, he naturally finds it very satisfying if he can somehow imagine that he is, let’s say, the reincarnated so-and-so, There are, of course, those who think things through rationally and realize quite clearly that what the person in question has himself brought into spiritual science has led him to such an idea, and that spiritual science itself could not have led him to this idea. And the person who takes into account what appears only as very brief hints regarding the path of spiritual research in the last chapter of my *Theosophy*—he doesn’t even need to learn more about it— and who then takes seriously what can be gained from today’s official psychiatry—from recognized psychiatry—cannot possibly arrive at the idea that the spiritual-scientific path itself could contribute in any way to the illness of the soul’s life. Conversely, however, the activities of spiritual science can be distorted or caricatured by what is brought into spiritual science by people who possess the necessary predispositions. Someone might, instead of entering the spiritual-scientific worldview, enter, say, the world of the stock market, and he might have predispositions that develop into delusions of grandeur; then he would, of course, act out his megalomaniacal ideas in all sorts of notions related to the stock market. He might imagine himself to be a special “stock market king” or something of the sort. If, instead of entering the world of the stock market, he enters the spiritual scientific worldview, he acts out the same predispositions by, say, considering himself to be the reincarnated John the Baptist.
[ 20 ] Und so kann man sagen: Es leidet in einem gewissen Sinne die Geistesforschung selber unter der Tatsache, daß gerade viele Leute, die mit ihrem Weltanschauungsstreben gescheitert sind an dem, was sonst heute für das Weltanschauungsstreben geboten wird, in irgendeine geistesforscherische Strömung hineinkommen und dann dasjenige, was sie sonst in einer ganz anderen Weise ausgelebt haben würden, eben in allerlei geisteswissenschaftliche Ideen kleiden. Man kann nun leicht die Erfahrung machen, daß gerade in Kreisen, die sich aus Leuten zusammensetzen, welche sich wegen eines gescheiterten Weltanschauungsstrebens zu einer geistesforscherischen Richtung bekennen, viele gerade in dem Augenblick an die Geistesforschung herantreten, wo sie irre werden an dem, was ihnen die Außenwelt bieten kann. Nun denken Sie einmal, was da eigentlich für eine Tatsache auftritt. Vorher hat der Mensch gelebt mit seinen Anlagen, die selbstverständlich einmal zu irgendeiner Abnormität des Seelenlebens führen müssen. Diese Abnormität des Seelenlebens wäre ganz gewiß aufgetreten. Aber in dem Augenblick, wo sie noch kaschiert ist, wo er sich nun in der Außenwelt nicht mehr recht auskennt, wendet er sich zu irgendeiner geistesforscherischen Richtung. Die Folge davon ist, daß er selbst nicht in der Weise, wie ich es auch gleich andeuten werde, durch die geistesforscherische Richtung etwa gerettet werden kann, sondern daß er dasjenige, was in ihm rumort, in die geistesforscherische Richtung hineinträgt. Und durch alle diese Tatsachen kann es gerade vorkommen, daß man, weil man auch sonst mit Mißgunst auf eine solche geistesforscherische Richtung sieht, ihr gewissermaßen in die Schuhe schiebt, daß sie solche Menschen seelisch krank gemacht habe. Selbstverständlich wird auf der einen Seite jeder gesunde Psychiater und jeder gesunde Geistesforscher sich über den wahren Vorgang ganz klar sein. Nun, um Weiteres auf diesem Gebiet zu verstehen, wird es gut sein, daß man noch einmal ins Auge faßt, wie die zwei Bewußtseinsarten, von denen gesprochen worden ist, sich wirklich nicht so verhalten müssen, daß das eine sich aus dem andern entwickelt, das eine das andere ersetzt, sondern daß sie nebeneinander bestehen, daß volles Bewußtsein vorhanden ist für zwei Seelenleben, die aber nicht auseinanderfallen. Diese zwei Seelen sollen nicht mehr bezeichnen als dasjenige, was schon im Konkreten charakterisiert ist. Das also muß man ins Auge fassen.
[ 20 ] And so one can say: In a certain sense, spiritual research itself suffers from the fact that many people—who have failed in their search for a worldview through what is otherwise offered today for such a search—end up joining some spiritual research movement and then clothe in all sorts of spiritual-scientific ideas precisely what they would otherwise have lived out in a completely different way. One can easily observe that, precisely in circles composed of people who, because of a failed quest for a worldview, have turned to a spiritual scientific movement, many approach spiritual science at the very moment when they become disillusioned with what the external world has to offer. Now consider what is actually happening here. Previously, the person lived with their predispositions, which, of course, were bound to lead to some abnormality in their inner life. This abnormality in their inner life would certainly have arisen. But at the very moment when it is still concealed—when they no longer feel quite at home in the external world—they turn to some form of spiritual research. The consequence of this is not that he can be saved by spiritual science—as I will indicate shortly—but rather that he carries what is churning within him into the realm of spiritual science. And because of all these facts, it can very well happen that—since such a spiritualist movement is generally viewed with suspicion—people will, as it were, blame it for having driven such individuals to mental illness. Of course, on the one hand, every sound psychiatrist and every sound spiritualist will be perfectly clear about the true nature of the process. Now, to understand more in this area, it will be helpful to consider once again how the two types of consciousness we have spoken of do not necessarily relate to one another in such a way that one develops out of the other or one replaces the other, but rather that they coexist—that full consciousness exists for two spiritual lives, which, however, do not diverge. These two souls should denote nothing more than what has already been concretely characterized. This, then, is what one must bear in mind.
[ 21 ] Nun kann man die Frage aufwerfen: Hat nun diese Geistesforschung als solche für das gewöhnliche Leben, für das äußerliche Leben in der physischen Welt irgend welche positive Bedeutung? Man könnte meinen, daß sie keine Bedeutung habe, denn es ist ja gerade gesagt worden: Unmittelbar kann dasjenige nicht ins gewöhnliche Bewußtsein einfließen, was in der geistigen Welt erlebt wird. Aber es kann zum Beispiel doch das Folgende eintreten. Es kann eintreten, daß der Mensch in der geistigen Welt dies oder jenes wahrnimmt, was ein moralischer Impuls ist, ein moralisches Motiv, das man nur aus der geistigen Welt erkennen kann. Es kann allerdings unsere moralische Anschauung aus der geistigen Welt heraus bereichert werden. Ebenso kann auf der anderen Seite unsere Naturanschauung aus der geistigen Welt heraus bereichert werden. Nun, halten wir den Fall fest, daß man aus der geistigen Welt also durch eine geistige Erfahrung einen moralischen Antrieb erhält, das heißt einen Antrieb, dies oder jenes im ganz gewöhnlichen physischen Leben zu tun. Dann muß nach dem, was auseinandergesetzt worden ist, dieser moralische Antrieb, der zunächst in der geistigen Welt erlebt wird, herübergenommen werden ins gewöhnliche physische Bewußtsein und da gerechtfertigt werden, ja, so in die Welt hineingestellt werden, wie man sonst moralische Antriebe in die Welt hineinstellt. Damit wird alle Möglichkeit wegfallen, daß man etwa in der Welt auftritt und sagt: Ich muß jetzt dies oder jenes tun, denn dies ist meine Mission — eine Redewendung, die man sehr, sehr häufig hört gerade auf den Gebieten, die ich so nur charakterisieren konnte, daß ich sagte: Es wird Unfug getrieben damit. Die Motivierung aus der geistigen Welt heraus wird bei dem wahren Geistesforscher niemals in einer solchen Weise auftreten. Was er aus der geistigen Welt heraus empfängt, tritt in sein gewöhnliches Bewußtsein ein, und er stellt sich nun, indem er diejenigen Vorstellungen entwickelt, die angepaßt sind an die äußere physische Welt, mit seinem Willensimpuls in diese physische Welt hinein — ebenso, wie wenn man einen Impuls erhält, um irgendeinen naturwissenschaftlichen Zusammenhang zu erkennen. Man wird diesen naturwissenschaftlichen Zusammenhang nicht von vornherein wie eine Erleuchtung hinstellen, sondern ihn herübernehmen ins gewöhnliche Bewußtsein, ihn am gesunden Menschenverstand und an all dem prüfen, was man bisher an Erkenntnissen hat auf dem Gebiet der Naturwissenschaft, und wird nun anfangen, indem man ihn herübergenommen hat, ihn in das System naturwissenschaftlichen Wissens hineinzustellen, das man sich ausgebildet hat. Wenn man dies ins Auge faßt, dann wird niemals eintreten können, daß man in einen Zwiespalt, in eine Disharmonie kommt mit dem äußeren physischen Leben. In einen solchen Zwiespalt, in eine solche Disharmonie kann aber derjenige kommen, der sich auf Grundlage von zwangsmäßig in ihm wohnenden, als Zwangstriebe in ihm wohnenden Impulsen diese Mission zuschreibt, die dann selbstverständlich, weil sie nur aus seinem Inneren heraus kommt, gar nicht angepaßt ist an die äußere Welt, möglichst schlecht in die äußere Welt hineinpassen wird. Er wird eher ein zerstörendes Individuum sein als ein solches, welches das Zusammenleben bereichern könnte durch dasjenige, was in der geistigen Welt erfahren werden kann. Mit allen diesen Dingen macht aber der Gang, der eingehalten wird auf dem Wege, der zur Geistesforschung führen soll, gründlich bekannt. Und man muß sagen: Alles dasjenige, was sich sonst an die geschilderte Übungsgruppe des Denkens und des Willens reiht, ist im wesentlichen dazu da, damit der Mensch auf der einen Seite wirklich nichts Ungesundes hinaufträgt in sein geistiges Leben aus dem gewöhnlichen physischen Leben, daß er wirklich frei werde mit seinem geistig-seelischen Erleben von dem Leibesleben, und daß er auf der anderen Seite nicht dasjenige, was auf geistigem Gebiet erfahren werden kann, dadurch karikiert, daß er es — statt in die gesunde Vernunft, in das normale Affektleben — ins krankhafte Affektleben, ins Pathologische hereinnimmt. Wenn aber in einer so gearteten gesunden Weise dasjenige entwickelt wird, was dem Erleben in der geistigen Welt eigentlich zu Grunde liegt, dann hat man nicht nur etwas Gesundes in dem geistesforscherischen Wege, sondern man hat etwas Gesundendes, man hat wirklich etwas, was den Menschen auch in bezug auf seine Gesundheitsverhältnisse weiterbringt. Aber es muß so verlaufen, wie ich es heute geschildert oder wenigstens skizziert habe. VerwechsJungen, die dann zu den mißlichsten Vorurteilen führen, werden immer auftreten.
[ 21 ] Now one might ask: Does this spiritual research, as such, have any positive significance for ordinary life—for external life in the physical world? One might think that it has no significance, for it has just been said: What is experienced in the spiritual world cannot flow directly into ordinary consciousness. But the following, for example, can still occur. It can happen that a person perceives this or that in the spiritual world—a moral impulse, a moral motive—that can only be recognized from the spiritual world. Our moral perspective can, however, be enriched from within the spiritual world. Likewise, our view of nature can be enriched from within the spiritual world. Now, let us consider the case in which one receives a moral impulse from the spiritual world through a spiritual experience—that is, an impulse to do this or that in ordinary physical life. Then, according to what has been explained, this moral impulse—which is initially experienced in the spiritual world—must be brought over into ordinary physical consciousness and justified there; indeed, it must be introduced into the world in the same way that moral impulses are otherwise introduced into the world. This will eliminate any possibility of someone appearing in the world and saying: “I must now do this or that, for this is my mission”—a phrase one hears very, very frequently, especially in the areas I could only characterize by saying: “Nonsense is being made of it.” Motivation arising from the spiritual world will never manifest in such a way for the true spiritual researcher. What he receives from the spiritual world enters his ordinary consciousness, and he then, by developing ideas adapted to the outer physical world, steps into this physical world with his impulse of will—just as when one receives an impulse to recognize some scientific relationship. One will not present this scientific connection from the outset as some kind of epiphany, but will bring it into ordinary consciousness, test it against common sense and all the knowledge one has acquired so far in the field of natural science, and will then, having brought it over, begin to place it within the system of scientific knowledge that one has developed. If one keeps this in mind, then one will never find oneself in a conflict or disharmony with external physical life. However, one can fall into such a conflict, such a disharmony, if one assigns this mission to oneself on the basis of compulsive impulses—compulsive drives—that dwell within one; this mission, of course, because it arises solely from within, is not at all adapted to the external world and will fit into it as poorly as possible. Such a person will be more of a destructive individual than one who could enrich communal life through what can be experienced in the spiritual world. Yet the path one follows on the journey toward spiritual research makes one thoroughly familiar with all these things. And it must be said: Everything else that is associated with the described series of exercises for thinking and willing is essentially there so that, on the one hand, the human being truly carries nothing unhealthy into his spiritual life from ordinary physical life, so that he may truly become free in his spiritual and soul experiences from bodily life, and, on the other hand, so that they do not distort what can be experienced in the spiritual realm by incorporating it—instead of into healthy reason or a normal emotional life—into a morbid emotional life or into the pathological. But if what actually underlies experience in the spiritual world is developed in such a healthy way, then one has not only something healthy in the path of spiritual research, but one has something healing; one truly has something that advances a person even in terms of their physical health. But it must proceed as I have described—or at least outlined—today. Confusions, which then lead to the most unfortunate prejudices, will always arise.
[ 22 ] So kommt die Geistesforschung zu einer tieferen Erfassung des menschlichen Inneren, zu einem Erschauen von mehr im menschlichen Inneren, als in diesem menschlichen Inneren mit der gewöhnlichen Seelenstimmung erschaut werden kann. Und man kann dann, wenn man das Wort nicht mißbraucht, eine solche Anschauung desjenigen, was im Inneren über das gewöhnliche Seelenleben hinaus lebt, eine mystische Anschauung des eigenen Inneren nennen. Man kann ein solches Leben ein Leben in Mystik nennen. Wiederum ist es ganz begreiflich, wenn derjenige, der diesen Dingen gegenüber Laie ist, sagt: Ja, eine Mystik kennen wir ganz gut; wir haben sie ganz gut kennen gelernt, nur bezeichnen wir sie mit dem Titel: mystisches Irresein. - Denn es gibt in der Tat einen pathologischen Zustand, der streng begrenzt werden kann, den man als mystisches Irresein bezeichnet, der in einer gewissen Weise aus rein pathologischen Untergründen heraus zu einer Seelenschau führt, die aber rein organisch-physiologisch ist, meinetwillen zu einem inneren Grübeln, in dem man dann dazu kommt, allerlei religiöse Schauungen, die visionärer Art sind, in seinem Inneren zu finden. Kurz, es gibt dasjenige, was man in der Psychiatrie mystisches Irresein nennt.
[ 22 ] In this way, spiritual research arrives at a deeper understanding of the human inner life, at a perception of more within the human inner life than can be perceived there with the ordinary state of mind. And one can then—if one does not misuse the term—call such a perception of that which lives within beyond ordinary soul life a mystical perception of one’s own inner being. One can call such a life a life of mysticism. Again, it is quite understandable when someone who is a layperson in these matters says: Yes, we know mysticism quite well; we have come to know it quite well, only we call it “mystical madness.” - For there is indeed a pathological condition that can be strictly defined, which is called “mystical madness”; it leads, in a certain way and from purely pathological sources, to a vision of the soul that is, however, purely organic and physiological—if you will, to a form of inner brooding in which one then comes to find all sorts of religious visions of a visionary nature within oneself. In short, there is what is called “mystical insanity” in psychiatry.
[ 23 ] Derjenige, der auf dem gesunden Boden der Geistesforschung steht, wird nicht etwa auftreten und nun den Psychologen in Grund und Boden kritisieren wollen, obwohl es natürlich genug solcher Leute gibt, die glauben, auch von Geisteswissenschaft etwas zu verstehen. Er wird nicht sagen: Wo du von mystischem Irresein sprichst, da haben wir es mit einer gottgeheiligten Person zu tun, der mehr geoffenbart wird als anderen. Nein, der gesunde Geistesforscher bezeichnet den mystisch Irren eben auch als mystisch Irren wie der Psychiater selber, gerade in demselben Sinn und auch mit derselben Vorsicht, auf die ich heute nicht einzugehen brauche. Mit Bezug auf alles dasjenige, was überhaupt gesunde, natürliche Berechtigung hat, da steht gesunde Geisteswissenschaft vollständig auf dem Boden gesunder Naturwissenschaft, leugnet nichts ab, was naturwissenschaftlich als berechtigt angenommen ist, auch nicht in solchen Dingen, die eben jetzt besprochen worden sind. Und so kann sich der Geistesforscher, ohne in Dilertantismus zu verfallen, wenn er die Dinge zu beurteilen vermag, ganz gut sachgemäß, positiv mit dem Psychiater einigen über alle pathologischen Erscheinungen, die äußerlich mit Irre-Symptomen bezeichnet werden, meinetwillen als mystisches Irresein, als religiöser Wahnsinn oder dergleichen. Niemals wird er ableugnen, daß diese Dinge vorhanden sind und im konkreten Fall da und dort auftreten.
[ 23 ] Anyone who stands on the solid ground of spiritual research will not, for example, set out to criticize psychologists to the hilt, although there are, of course, plenty of such people who believe they understand something about spiritual science as well. They will not say: “When you speak of mystical delusion, we are dealing with a person sanctified by God, to whom more is revealed than to others.” No, the sound researcher in spiritual science describes the mystically deluded person precisely as such—just as the psychiatrist himself does—in exactly the same sense and with the same caution, which I need not go into today. With regard to everything that has any sound, natural justification whatsoever, sound spiritual science stands entirely on the ground of sound natural science; it does not deny anything that is accepted as justified by natural science, not even in matters such as those just discussed. And so, without falling into dilettantism, the researcher of the spiritual realm—if he is capable of judging these matters—can quite appropriately and positively agree with the psychiatrist on all pathological phenomena that are outwardly characterized as symptoms of insanity—for my part, as mystical insanity, religious madness, or the like. He will never deny that these things exist and occur here and there in specific cases.
[ 24 ] Aber wenn nun wirklich mit innerer Energie wahre Geistesforschung getrieben wird, dann kommt man allerdings dazu, daß gewisse Arten des abnormen Seelenlebens durch das, was der Betreffende seelisch erlebt, auf die Art, wie es heute geschildert worden ist, geheilt, ausgeglichen werden. Wenn der Betreffende, der solche Übungen macht, auf die heute hingedeutet worden ist und wie sie in den genannten Büchern ausführlicher dargestellt sind, zur wahren Mystik kommt, zu dem, was einem objektiv in der menschlichen Seele als geistig-seelische Erfahrung entgegentreten kann, dann kann er vorher sogar Neigung, Disposition zu mystischem Irresein gehabt haben: das wird sich verlieren, das wird gerade korrigiert werden! Alle falsche Mystik wird in dem angedeuteten Sinne durch wahre Mystik vertrieben. Und es kann sogar viel weiter gehen. Dispositionen zu Größenwahn, Dispositionen zu anderen Dingen können dadurch überwunden werden, daß man sich in dieser Weise in das geisteswissenschaftliche Leben hineinfindet. Gar nicht zu reden davon, daß allerdings, je stärker und stärker dieses Hineinleben in das GeistigSeelische ist, die Energien, die da entwickelt werden, auch weiter, bis in das Leibesleben hinein, sich geltend machen können. Aber ich will auf dieses Kapitel, das ja nur im Einzelnen, Speziellen, besprochen werden kann, heute nicht eingehen. So hat das Hineinleben in die Geistesforschung auch auf diesem eingeschränkten Gebiete, von dem heute gesprochen worden ist —- und das könnte eigentlich ja über alle Erscheinungen des krankhaften Seelenlebens in einer gewissen Weise ausgedehnt werden -, nicht nur etwas Gesundes, sondern es hat etwas Gesundendes. Und in diesem Sinne muß es auch verstanden werden. Immer muß man sich eben klar sein darüber, daß das, was als Geistesforschung auftritt, deshalb, weil es abweicht von den Erfahrungen des gewöhnlichen Seelenlebens, eben sehr leicht Verwechselungen mit dem abnormen Seelenleben unterliegen kann, und daß das abnorme Seelenleben auch selbst verwechselt werden kann — von seinem Träger selbstverständlich — mit demjenigen, was gesundes Seelenleben ist. Und da erfährt man ja auch bei den Trägern des abnormen Seelenlebens, indem sie sich in eine geistesforscherische Richtung hineinbegeben, die sonderbarsten Dinge. Es ist jetzt - um nur eines hervorzuheben - so viel in der Literatur vorliegend für die Möglichkeit, bis zu einem gewissen Grade vorwärts zu kommen auf dem geistesforscherischen Wege, daß ihn unter Umständen jeder, und jeder gefahrlos, wenn er nur irgend die Vorschriften beachtet, anwenden kann. Nehmen wir nun an, jemand will vorwärtskommen. Es drängt ihn zunächst ein innerer Impuls, ein Trieb, vorwärts zu kommen. Es ist ja oftmals die Neugierde, die Sensationslust, in die geistige Welt hineinzuschauen. Da tritt im Verlaufe seines Strebens sehr häufig das auf, daß er das nicht erreicht, was er sich anfangs vorstellt. Die Gründe, warum dies oder jenes nicht erreicht wird, die Gründe, warum dies oder jenes verkehrt erreicht wird, sind in den genannten Büchern genugsam auseinandergesetzt. Der Betreffende ist aber, weil er eben nicht wirklich hinein will in die geisteswissenschaftliche Weltanschauungsströmung, abgeneigt, zu sagen, daß er nicht vorwärts kommt oder daß er zu einer Karikierung von geisteswissenschaftlicher Anschauung kommt, und gibt nicht zu, daß er dies oder jenes nicht beachtet hat, sondern er ist häufig geneigt zu sagen: Die Vorschriften haben die Schuld; ich bin zu dem oder jenem gekommen, was mir abnorm erscheint, die Vorschriften haben die Schuld oder derjenige, der die Vorschriften gegeben hat. Und es bildet sich besonders aus irgendeiner krankhaften Disposition sehr leicht der Glaube heraus, der sich charakterisieren läßt durch eine Art Verfolgungswahn gerade gegenüber demjenigen, der die Anleitung in irgendeiner Weise gegeben hat, um durch Übungen den Seelenweg in die geistige Welt hinein zu machen. Das ist eine sehr, sehr häufige Erscheinung, eine Erscheinung, die immer wieder vorkommt und die ausgenützt werden kann, weil man sich selbstverständlich auf das Zeugnis solcher Leute sehr leicht berufen kann. Ich will nicht auf einzelne Fälle hinweisen, sondern nur zeigen, wie dadurch, daß krankhaftes Seelenleben in die geisteswissenschaftliche Weltanschauung hineingetragen wird, in der Tat die geisteswissenschaftliche Weltanschauung als solche verkannt werden kann. Wenn man sich mit dieser geisteswissenschaftlichen Weltanschauung bekannt machen will, wird man deshalb gut tun, sie da kennen zu lernen, wo sie ihrem Wesen nach erkannt werden kann.
[ 24 ] But if true spiritual research is indeed pursued with inner energy, then one does indeed come to the conclusion that certain types of abnormal mental life can be healed and brought into balance through what the individual experiences psychologically, in the manner described today. If the person performing such exercises—as alluded to today and described in greater detail in the books mentioned—attains true mysticism, that which can objectively present itself in the human soul as a spiritual-psychic experience, then even if they previously had a tendency or disposition toward mystical delusion, this will disappear; it will be corrected! All false mysticism is dispelled by true mysticism in the sense indicated. And it can even go much further. Predispositions toward megalomania, as well as toward other things, can be overcome by finding one’s way into spiritual scientific life in this manner. Not to mention that, of course, the more deeply one immerses oneself in the spiritual-soul realm, the more the energies developed there can extend their influence even further, into physical life itself. But I do not wish to delve into this topic today, as it can only be discussed in detail and in specific terms. Thus, immersing oneself in spiritual research—even in this limited area discussed today—and this could actually be extended in a certain way to all manifestations of pathological soul life—is not only something healthy but also has a healing effect. And it must be understood in this sense. One must always be clear that what appears as spiritual research, precisely because it deviates from the experiences of ordinary mental life, can very easily be confused with abnormal mental life, and that abnormal mental life itself can also be confused—by the person experiencing it, of course—with what constitutes a healthy mental life. And indeed, one encounters the strangest things among those with abnormal mental states when they venture into the realm of spiritual research. There is now—to highlight just one point—so much available in the literature regarding the possibility of making progress to a certain degree on the path of spiritual research that, under certain circumstances, anyone can follow it safely, provided they observe the guidelines. Let us now assume that someone wants to make progress. At first, they are driven by an inner impulse, a desire, to move forward. It is often curiosity, or a thirst for sensation, that prompts them to look into the spiritual world. In the course of their striving, it very often happens that they do not achieve what they initially envisioned. The reasons why this or that is not achieved, and the reasons why this or that is achieved in the wrong way, are sufficiently explained in the books mentioned. However, because the person in question does not truly wish to enter into the spiritual-scientific worldview, he is reluctant to admit that he is not making progress or that he is arriving at a caricature of the spiritual-scientific perspective, and he does not acknowledge that he has failed to heed this or that; rather, he is often inclined to say: “The instructions are to blame; I have arrived at this or that, which seems abnormal to me; the instructions are to blame, or the person who gave the instructions.” And particularly out of some pathological disposition, a belief very easily takes shape that can be characterized by a kind of persecutory delusion directed precisely against the very person who, in some way, provided the guidance for making the soul’s journey into the spiritual world through exercises. This is a very, very common phenomenon, one that occurs time and again and that can be exploited, because, of course, it is very easy to cite the testimony of such people. I do not wish to point to individual cases, but only to show how, when a pathological inner life is carried into the spiritual-scientific worldview, the spiritual-scientific worldview as such can in fact be misunderstood. If one wishes to become acquainted with this spiritual-scientific worldview, one would therefore do well to learn about it where it can be recognized in its true nature.
[ 25 ] Und da wird sich eben durchaus herausstellen, daß wahr ist, was ich in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?» gesagt habe, all das, was ich heute und was ich sonst geschildert habe: daß der Mensch zu gewissen erschütternden Erlebnissen kommt, die ihn in einer gewissen Weise aus dem Gleichgewicht bringen können, aber so aus dem Gleichgewicht bringen wie eine objektive Tatsache, nicht wie dasjenige, das aus dem Innern auftaucht. Aus all diesen Gründen kann es vorkommen, daß in verschiedenen Schriften, die von solchen Dingen handeln - ich habe das in dem genannten Buche ausgesprochen -, ja viel von den Gefahren gesprochen wird, die mit dem Aufstiege in die höheren Welten verbunden sind. Die Schilderungen, die da zuweilen von solchen Gefahren gemacht werden, sind wohl geeignet, ängstliche Gemüter nur mit Schaudern auf dieses höhere Leben blicken zu lassen. Doch muß gesagt werden, daß diese Gefahr nur dann vorhanden ist, wenn die nötigen Vorsichtsmaßregeln außer acht gelassen werden. Wenn dagegen wirklich alles beachtet wird, was wahre Geistesschulung an die Hand gibt, dann erfolgt der Aufstieg so, daß die Gewalt der Erscheinungen an Größe überragt, was die kühnste Phantasie sich ausmalen kann. Und wenn davon gesprochen wird, der Mensch lerne gleichsam an allen Ecken und Enden drohende Gefahren kennen, so muß er diesen Gefahren kühn und mutig ins Auge schauen. Es wird ihm möglich, sich solcher Kräfte und Wege zu bedienen, welche der sinnlichen Wahrnehmung entzogen sind. Und er wird von Versuchungen bedroht, sich gerade dieser Kräfte im Dienste eines eigensüchtigen, ungesunden Interesses zu bemächtigen oder aus Mangel an klarem Denken über die Verhältnisse der Sinneswelt in irrtümlicher Weise diese Kräfte zu verwenden. Aber von einem Hineinkommen in ein ungesundes Seelenleben kann, wenn alle Regeln in der entsprechenden Weise wirklich beachtet werden, nicht gesprochen werden. Und wenn sie nicht in der entsprechenden Weise beachtet werden, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn dasjenige nicht erreicht wird, was erreicht werden soll. Das hat die Geisteswissenschaft ja schließlich mit anderen Dingen im Leben auch gemein. Wenn jemand in der Schule etwas lernen soll und statt in die Schule immer hinter die Schule geht, so wird er auch nicht das erreichen, was in der Schule erreicht werden soll. Trotzdem dies ein sehr trivialer Vergleich ist, ist es doch ein treffender Vergleich.
[ 25 ] And then it will certainly become clear that what I said in my book *How Does One Gain Insight into Higher Worlds?* —everything I have described today and in other writings: that a person may undergo certain unsettling experiences that can, in a certain way, throw them off balance—but in the same way that an objective fact does, not like something that arises from within. For all these reasons, it may happen that in various writings dealing with such matters—as I have stated in the aforementioned book—there is indeed much discussion of the dangers associated with the ascent into the higher worlds. The descriptions of such dangers that are sometimes given are well suited to making anxious minds view this higher life with nothing but dread. Yet it must be said that this danger exists only if the necessary precautions are disregarded. If, on the other hand, everything that true spiritual training provides is truly observed, then the ascent takes place in such a way that the grandeur of the phenomena surpasses anything the boldest imagination can conceive. And when it is said that a person comes to recognize, as it were, impending dangers at every turn, he must face these dangers boldly and courageously. It becomes possible for them to make use of forces and paths that are beyond sensory perception. And they are threatened by temptations to seize upon these very forces in the service of a selfish, unhealthy interest, or—due to a lack of clear thinking about the conditions of the sensory world—to use these forces in an erroneous manner. But there can be no question of slipping into an unhealthy spiritual life if all the rules are truly observed in the proper manner. And if they are not observed in the proper manner, then one need not be surprised if what is to be achieved is not attained. After all, spiritual science has this in common with other aspects of life as well. If someone is supposed to learn something in school but instead of going to school always goes behind the school, then they will not achieve what is supposed to be achieved in school. Although this is a very trivial comparison, it is nonetheless an apt one.
[ 26 ] Es könnte noch lange gesprochen werden über die verschiedenen Irrtümer und Vorurteile, welche der Geisteswissenschaft entgegengehalten werden können. Derjenige, der tief drinnensteht in dieser Geisteswissenschaft selber, der weiß, daß in ihr vieles anders ist, als man es heute in dem gewöhnlichen Bildungs- und Weltanschauungsleben gewöhnt ist. Vieles ist anders. So hat zum Beispiel jüngst einmal ein Kritiker über mein Buch «Theosophie» gesagt: Nun ja, da werden verschiedene Dinge behauptet, die müßte man aber doch erst objektiv prüfen. -— Wenn also da behauptet wird, man könne in der geistigen Welt dies oder jenes sehen, dann bestände die objektive Prüfung nach diesem Kritiker darin, daß fünf bis sechs Geistesforscher nebeneinandergesetzt werden hüben und drüben und daß sie nun über ein und dieselbe Sache ihre geistesforscherischen Erlebnisse zum besten geben. Wenn sie übereinstimmen, sagt man dann vom Standpunkte dieses Kritikers aus, dann ist es selbstverständlich richtig. Der Mann hat das Buch «Theosophie» kritisiert. Aber wenn er es wirklich gelesen hat - und man ist fast versucht zu glauben, daß er ein so geschriebenes Buch überhaupt nicht zu verstehen in der Lage ist —, dann hätte er erkennen müssen, daß von diesem Wege überhaupt nicht die Rede sein kann; daß die einzige richtige Prüfung aber möglich ist, indem er versucht, sich selber auf den geistesforscherischen Weg zu begeben. Da kann jeder nachforschen und wird finden, daß sich alles durch seine eigene Nachforschung bestätigt. Warum alles dies nur möglich ist, das habe ich in einer Anmerkung zur sechsten Auflage meiner «Theosophie» jüngst auseinandergesetzt. Aber man muß sich eben auf die Sache selber einlassen. Man muß sich heute schon einmal, ich möchte sagen, zu dem Gesichtspunkt erheben können, daß Geisteswissenschaft etwas ist, was zwar in wahrem, echtem Sinne eine Fortsetzung der naturwissenschaftlichen Denkungsweise ist, welche die Morgenröte der neueren Zeit gebracht hat; daß man aber gerade deshalb, weil sie ebenso, wie Naturwissenschaft in die sinnlichen Vorgänge, in die geistige Welt eindringen und deren Geheimnisse erforschen will, auch anders vorgehen muß als die bloß auf das Äußere gerichtete naturwissenschaftliche Denkweise. Und wenn man dann die Sache selbst in dieser Art durchschaut, dann wird man finden, daß im Grunde genommen die Art, wie Geisteswissenschaft aufgenommen wird, sich doch wirklich hinsichtlich Verständnis und auch hinsichtlich Böswilligkeit gar nicht so sehr unterscheidet von der Art, wie andere Geistesbewegungen aufgenommen wurden, die den herkömmlichen Anschauungen ungewohnt waren, — denn nichts anderes als ungewohnt ist diese Geisteswissenschaft. Gewiß, derjenige, der zu den höheren Geist-Erlebnissen kommen will, hat einen langen, langen Weg durchzumachen, bevor er dahin kommen kann. Aber wir leben heute einmal in einer Zeit der Entwickelung der Menschheit, wo jeder bis zu einem gewissen Grade in sich selber das entwickeln kann, was ihn wenigstens zu der Überzeugung, zu der eigen errungenen Überzeugung kommen lassen kann, welches Wesens der geisteswissenschaftliche Weg ist. Um zu verstehen, daß die geisteswissenschaftlichen Ergebnisse wahr sind, braucht man nur gesunden Menschenverstand zu haben; das ist oftmals hier betont worden. Denn derjenige, der sie erforschen kann, kann ihre Wahrheit selber erst durch den gesunden Menschenverstand, den er daneben haben muß, erkennen und bestätigt finden. Und der Naturwissenschaft gegenüber kann man eher sagen, daß einen Geisteswissenschaft zunächst zu den Fragen hinführt, die die Natur aufgibt, daß sie einem den ganzen Inhalt der Natur bereichert, als daß sie einen in einer philiströs pedantischen Weise in leichter Art abfertigte mit einem rasch zu findenden sogenannten «Sinn des Lebens». Sie findet schon den Sinn des Lebens, aber in einer anderen Weise, als man sich oftmals denkt.
[ 26 ] One could speak at length about the various errors and prejudices that are levelled against spiritual science. Anyone who is deeply immersed in spiritual science itself knows that much about it is different from what people are accustomed to today in their ordinary educational and worldview contexts. Much is different. For example, a critic recently said about my book *Theosophy*: “Well, various things are claimed there, but they would first have to be objectively examined.” — So if it is claimed that one can see this or that in the spiritual world, then, according to this critic, the objective examination would consist of seating five or six spiritual researchers side by side—on one side and the other—and having them recount their spiritual experiences regarding the very same matter. If they agree, then—from this critic’s point of view—it is, of course, true. The man has criticized the book *Theosophy*. But if he has actually read it—and one is almost tempted to believe that he is incapable of understanding a book written in such a way at all—then he should have realized that this approach is out of the question; that the only valid test, however, is possible by his attempting to embark on the path of spiritual research himself. Anyone can investigate for themselves and will find that everything is confirmed by their own research. I recently explained why all of this is possible in a note to the sixth edition of my *Theosophy*. But one must simply engage with the subject itself. One must already today, I would say, be able to rise to the point of view that spiritual science is something which, in a true and genuine sense, is a continuation of the scientific way of thinking that the dawn of the modern era has brought; but that precisely because it, just like natural science, seeks to penetrate the spiritual world and explore its mysteries—as well as the sensory phenomena—it must also proceed differently from the natural-scientific way of thinking, which is directed solely toward the external. And once one sees the matter itself in this light, one will find that, fundamentally, the way spiritual science is received does not really differ all that much—in terms of understanding and even in terms of hostility—from the way other spiritual movements were received that were unfamiliar to conventional views—for this spiritual science is nothing other than unfamiliar. Certainly, anyone who wishes to attain higher spiritual experiences has a long, long path to travel before they can reach that point. But we are living today in an era of human development where everyone can, to a certain degree, cultivate within themselves what will at least lead them to the conviction—a conviction they have arrived at on their own—regarding the nature of the spiritual-scientific path. To understand that the findings of spiritual science are true, one need only have common sense; this has often been emphasized here. For those who can explore them can only recognize and confirm their truth through the common sense they must also possess. And in contrast to the natural sciences, one can say that spiritual science first leads one to the questions that nature poses, that it enriches one’s understanding of the whole of nature, rather than dismissing one in a philistine, pedantic manner with a so-called “meaning of life” that is easily found. It does indeed find the meaning of life, but in a different way than is often thought.
[ 27 ] Dasjenige also, was zum Verständnis der Geistesforschung notwendig ist, macht nicht notwendig, daß man nun selber einen weiten Weg macht, und auch dasjenige, wessen man in der Gegenwart sozusagen zur Sicherheit seiner Seele bedarf — zu jener Sicherheit, die man gewinnen kann, wenn man weiß, daß diese Seele durch Geburten und Tode geht, daß sie nicht der Zeitlichkeit, sondern der Ewigkeit angehört -, zu dem, dessen man so bedarf, braucht man allerdings auch nicht einmal an die Geistesforschung selber heranzutreten; sondern wenn der Geistesforscher schildert, was er erforscht hat und diese Schilderung sachgemäß gibt, dann hat man darin schon dasjenige, dessen man bedarf. Ich habe das hier oftmals schon erwähnt, es kann aber nicht oft genug wiederholt werden: Gerade so wenig, wie man einem Bilde gegenüber das Bedürfnis zu empfinden braucht, die Tatsache selbst einmal vor sich zu haben, sondern am Bilde Genüge findet, so handelt es sich darum, daß man für gewisse Seelenbedürfnisse wirklich genug in der Schilderung hat, die derjenige gibt, der selbst Geistesforscher ist. Ja, dieser selbst kann das, was er für seine Seelenbedürfnisse haben will, nicht nur durch seine Geistesforschung haben, sondern auch dadurch, daß er es herausholt aus den geistigen Welten und hinunterträgt in die Welt, in der er selber lebt, indem er es für sich selber schildert. Daß es heute aber auch notwendig ist, auch jene Übungen anzugeben, durch die man gewisse Schritte in der Geistesforschung unternehmen kann, hängt ja nicht damit zusammen, daß etwa nur derjenige die Früchte der Geistesforschung haben kann, der in die geistige Welt selber hineingeht, sondern mit etwas ganz anderem hängt dies zusammen. Es hängt damit zusammen, daß allerdings die gegenwärtige Menschheit auf einem Punkt ihrer Entwickelung steht, wo sie die Dinge nicht bloß auf Autorität hinnehmen will, wo sie wirklich wenigstens bis zu demjenigen Grade zu einer Entwickelung kommen will, daß sie sagen kann: Ich kann auch bis zu einem gewissen Grade dann beurteilen, was der Geistesforscher sagt. — Deshalb wird die geistesforscherische Entwickelung schon den Weg nehmen, daß eine größere Anzahl von Personen sich finden wird, welche die ersten Schritte, die schon sehr weit führen, auf geistesforscherischem Gebiet unternimmt, um - ohne auf Autorität und nicht nur auf das bloße Wahrheitsgefühl hin, das für die Seelenbedürfnisse auch genügt — dasjenige annehmen zu können, was aus den geistigen Welten durch Geistesforschung herausgeholt wird. Für die Seelenbedürfnisse wäre Selbstforschung nicht nötig. Für die Bedürfnisse der Zeit aber wird sich Selbstforschung immer mehr und mehr herausbilden. Für die Bedürfnisse der Seele genügt es geradeso, dasjenige zu hören, was der Geistesforscher sagt, wie es genügt für den gewöhnlichen Menschen, wenn er gar nicht im chemischen Laboratorium chemische Versuche macht, sondern die Ergebnisse der Chemie hinnimmt für das gewöhnliche Leben. Schlage sich nun jeder einmal an die Brust und sage sich, wieviel er von seinen naturwissenschaftlichen Anschauungen anders übernommen hat als auf Autorität hin. Zweifellos, niemals war im Grunde genommen, wenn man die Sache der Wahrheit nach betrachtet, der Autoritätsglaube ein so großer, wie gerade heute, trotzdem das manchem heute als ein vollständig paradoxer Ausspruch erscheint.
[ 27 ] What is necessary for understanding spiritual research, then, does not require that one personally travel a long path; nor does what one needs in the present, so to speak, for the security of one’s soul—that security which one can attain when one knows that this soul passes through births and deaths, that it belongs not to temporality but to eternity”—for what one needs in this way, one need not even approach spiritual science itself; rather, when the spiritual scientist describes what he has investigated and presents this description accurately, then one already has in it what one needs. I have mentioned this here many times before, but it cannot be repeated often enough: Just as one does not need to feel the need, when looking at a picture, to have the actual event before one’s eyes, but finds satisfaction in the picture itself, so it is the case that, for certain spiritual needs, one truly has enough in the description provided by one who is a spiritual researcher. Indeed, such a person can obtain what he desires for his spiritual needs not only through his spiritual research, but also by drawing it from the spiritual worlds and bringing it down into the world in which he himself lives, by describing it for himself. However, the fact that it is also necessary today to describe those exercises through which one can take certain steps in spiritual research is not related to the idea that only those who enter the spiritual world themselves can reap the fruits of spiritual research; rather, it is connected to something entirely different. It has to do with the fact that present-day humanity has reached a point in its development where it no longer wishes to accept things merely on authority, but truly desires to reach a level of development—at least to the extent that it can say: “I, too, can then judge to a certain degree what the spiritual researcher says.” — Therefore, the development of spiritual research will naturally take the path whereby a larger number of people will come together who take the first steps—which already lead very far—in the field of spiritual research, in order to — without relying on authority, and not merely on that simple sense of truth which is sufficient for the soul’s needs — to be able to accept what is brought forth from the spiritual worlds through spiritual research. For the soul’s needs, self-inquiry would not be necessary. For the needs of the times, however, self-inquiry will emerge more and more. For the needs of the soul, it is just as sufficient to hear what the spiritual researcher says as it is sufficient for the ordinary person not to conduct chemical experiments in a laboratory at all, but simply to accept the results of chemistry for everyday life. Let each person now search their conscience and ask themselves how many of their scientific views they have adopted other than on the basis of authority. Undoubtedly, when one considers the matter in truth, faith in authority has never been as great as it is today—even though this may seem to some today like a completely paradoxical statement.
[ 28 ] Wenn man alle diese Dinge in Erwägung zieht, so muß man sagen: Geisteswissenschaft muß allerdings etwas sein, was sich in die Geistesentwickelung der Menschheit, von der Gegenwart an in die Zukunft, hineinstellen will, nicht deshalb, weil sie sich diese Mission selber nur aus geistigen Welten zuschreibt, sondern weil man erkennen kann nach dem, was heute in der Menschheit als Bedürfnis lebt, was als Entwickelungsmöglichkeit lebt, daß Geisteswissenschaft ebenso ein notwendiges Produkt ist in der weiteren Fortentwickelung, wie es der Kopernikanismus, wie es der Galileismus, wie es der Keplerismus in der Morgenröte der neueren Zeitentwickelung war. Wer diese Dinge durchschaut, der wird nicht verzweifeln können, auch nicht kleinmütig werden können gegenüber alle dem, was an Mißverständnissen der Geistesforschung entgegengebracht wird. Er wird nicht kleinmütig werden können, sondern er wird gerade, wenn er die großen Beispiele der Geschichte betrachtet, einsehen, wie immer wieder und wiederum allem, was sich als Neues einfügen muß in die geistige Entwickelung der Menschheit, Vorurteile entgegengebracht werden. Wie dem Kopernikanismus Vorurteile entgegengebracht werden mußten, wie er auf kirchlichem Gebiete sogar erst im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts geglaubt zu werden erlaubt wurde, so müssen im Grunde genommen auch der Geisteswissenschaft Vorurteile entgegengebracht werden.
[ 28 ] When one takes all these things into consideration, one must say: Spiritual science must indeed be something that seeks to become an integral part of humanity’s spiritual development, from the present into the future, not because it ascribes this mission to itself solely from spiritual realms, but because one can recognize—based on what exists today in humanity as a need, as a potential for development—that spiritual science is just as much a necessary product of further development as Copernicanism, Galileanism, and Keplerianism were in the dawn of modern history. Anyone who sees through these things will not be able to despair, nor will they be able to lose heart in the face of all the misunderstandings directed against spiritual research. They will not lose heart; rather, when they consider the great examples of history, they will realize how, time and again, everything that must be integrated as something new into the spiritual development of humanity is met with prejudice. Just as Copernicanism had to face prejudice—and was not even permitted to be believed in ecclesiastical circles until the course of the nineteenth century—so, fundamentally speaking, spiritual science must also face prejudice.
[ 29 ] Aber derjenige, der den Gang der Wahrheit durch die menschliche geschichtliche Entwickelung ein wenig betrachtet hat, der weiß, daß die Wahrheit etwas ist, was der Menschenseele innig verwandt ist. Man kann die Wahrheit verkennen, aber wenn sie auch in einer Zeit, in einem Zeitalter so stark verkannt würde, daß sie zunächst verschwinden müßte, sie würde demnächst wiederum sich erheben! Denn sie hat Kräfte, durch die sie sich durch die engsten Spalten der Felsen von Vorurteilen im Entwickelungsgange der Menschheit hindurchdrängt. Man kann die Wahrheit hassen. Aber wer die Wahrheit haßt, wird im Grunde genommen nur sich selber benachteiligen können. Man kann die Wahrheit in irgendeinem Zeitalter zurückdrängen, aber die Wahrheit kann nicht vollständig unterdrückt werden, aus dem Grunde, weil sie - und das sei jetzt bildlich ausgesprochen - gewissermaßen die Schwester der menschlichen Seele ist. Die menschliche Seele und die Wahrheit sind Schwestern. Und wie zwischen Geschwistern zuweilen Zwietracht ausbrechen kann, aber immer wieder und wiederum Einigung kommen wird, wenn man sich des gemeinsamen Ursprungs in rechtem Sinne erinnert, so werden auch, wenn zwischen Menschenseele und der Wahrheit Zwietracht und Haß und Verkennung ausbricht, immer wieder Zeiten kommen, wo erkannt werden wird von beiden Seiten her, wo bekräftigt werden wird von beiden Seiten her, daß Wahrheit und Menschenseele zusammengehören und einen Ursprung haben in dem urewigen Geiste der Welt. Deshalb wird sich derjenige, der solches durchschaut, was ich jetzt versuchte bildlich auszusprechen, mit Recht sagen können, was in einem Sprichworte liegt, mit dem ich diese heutigen Betrachtungen abschließen will, in einem jener Sprichworte, von denen man sagt in gewissen Gegenden Deutschlands: Ein Sprichwort — ein Wahrwort. Ja, ein Sprichwort und ein Wahrwort ist es: Man kann die Wahrheit drücken, aber nicht zerdrücken!
[ 29 ] But anyone who has given even a little thought to the course of truth through human historical development knows that truth is something intimately connected to the human soul. One may fail to recognize the truth, but even if it were so thoroughly misunderstood in a particular time or era that it were forced to disappear for the time being, it would soon rise again! For it possesses powers that enable it to force its way through even the narrowest crevices of the rocks of prejudice in the course of human development. One may hate the truth. But whoever hates the truth will, in the end, only be able to harm themselves. One can repress the truth in any age, but the truth cannot be completely suppressed, for the reason that it is—to put it figuratively—in a sense the sister of the human soul. The human soul and the truth are sisters. And just as discord can sometimes break out between siblings, but harmony will always be restored when they remember their common origin in the true sense, so too, when discord, hatred, and misunderstanding break out between the human soul and the truth, there will always be times when both sides come to recognize and affirm that truth and the human soul belong together and have a common origin in the eternal Spirit of the world. Therefore, anyone who sees through what I have just attempted to express figuratively will be able to rightly say what is contained in a proverb with which I wish to conclude today’s reflections—one of those proverbs of which it is said in certain regions of Germany: “A proverb—a word of truth.” Yes, it is both a proverb and a word of truth: You can squeeze the truth, but you cannot crush it!
