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From Central European Spiritual Life
GA 65

11 February 1916, Berlin

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From Central European Spiritual Life, tr. SOL
  1. Aus dem mitteleuropäischen Geistesleben

9. Wie Werden die ewigen Kräfte der Menschenseele Erforscht?

9. How Are the Eternal Powers of the Human Soul Studied?

[ 1 ] Über die große Zeit der Geistesentwickelung, die man nennen kann die Zeit des deutschen Idealismus, habe ich hier im Verlaufe der gehaltenen Vorträge öfter gesprochen. Und im wesentlichen ist ja wohl auch in weiteren Kreisen heute bekannt, was der ganze intime geistige Entwickelungsgang von Kant bis über Hegel herauf für das Geistesleben der Menschheit überhaupt bedeutet. Allerdings möchte ich nicht versäumen, wenn so etwas erwähnt wird, zugleich hinzuzusetzen, daß die großen Denkergestalten, die dabei in Betracht kommen, niemals eigentlich richtig gewürdigt werden, wenn man auch nur einigermaßen noch auf dem Boden steht, der einen dazu bringt, dasjenige, was ein Mensch als eine von ihm erkannte oder, sagen wir besser, gemeinte Wahrheit ausspricht, als Dogma hinzunehmen. Man kann darüber hinaus sein; dann ist man in der Lage, die Formulierung irgend einer menschlichen Meinung, einer menschlichen Aufstellung vollständig fallen zu lassen. Aber zu schauen die Art und Weise, wie ein Mensch nach Wahrheit gestrebt hat, wie gewissermaßen der Wahrheitstrieb in ihm lebte, das Wie des Suchens nach Wahrheit, das ist dasjenige, was als das ewig Interessante bleibt gegenüber den Gestalten namentlich der Denker der Vorzeit. Und unter vielem anderen kann insbesondere gegenüber den Denkern des deutschen Idealismus bleiben dasjenige, was einem sozusagen immer wieder fühlbar wird, wenn man sich in sie vertieft: daß sie sich errungen haben ein gewisses Orientierungsvermögen über dasjenige, was der Mensch Wahrheit, Wahrheitsforschung, Weltanschauung nennen kann, daß sie gewissermaßen gewußt haben, wie unmöglich es ist, sich in der Welt zu orientieren, wenn man nur darauf angewiesen ist, die Eindrücke der Welt zu nehmen, sie auf sich wirken zu lassen, um gewissermaßen wie ein Spielball ihnen hingegeben zu sein. Diese Denker wußten vor allen Dingen, daß das, was entscheiden kann über Wahrheitssinn, über Weltanschauungssinn, in dem Tiefsten der menschlichen Seele selber zu suchen ist, da heraufgeholt werden muß.

[ 1 ] I have spoken frequently here, in the course of the lectures I have given, about the great era of intellectual development that can be called the age of German Idealism. And for the most part, it is probably well known even in wider circles today what the entire intimate course of intellectual development—from Kant up through Hegel—means for the intellectual life of humanity as a whole. However, whenever such a topic is mentioned, I do not wish to fail to add that the great thinkers involved in this process are never truly appreciated if one still stands, even to any degree, on the ground that leads one to accept as dogma what a person expresses as a truth they have recognized—or, let us say, intended. One can transcend this; then one is in a position to completely set aside the formulation of any human opinion or human position. But to observe the way in which a person strove for truth—how, so to speak, the drive for truth lived within them—the very manner of their search for truth—that is what remains eternally fascinating when it comes to the figures, particularly the thinkers of the past. And among many other things, what remains—particularly with regard to the thinkers of German Idealism—is what one, so to speak, feels time and again when one delves into their work: that they had attained a certain sense of orientation regarding what a person might call truth, the pursuit of truth, and a worldview; that they knew, as it were, how impossible it is to find one’s bearings in the world if one relies solely on taking in the world’s impressions, allowing them to take effect upon oneself, and being, as it were, at their mercy like a plaything. Above all, these thinkers knew that what can determine a sense of truth and a sense of worldview must be sought in the very depths of the human soul itself and must be drawn up from there.

[ 2 ] Ein weniger anerkannter Nachzügler dieser großen Denker, der auch weniger bekannt geworden ist, war nun Karl Rosenkranz. Und dieser Karl Rosenkranz hat in den sechziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts versucht, dasjenige vor seinem geistigen Auge Revue passieren zu lassen, was sich als Anschauung über die menschliche Seele und deren Kräfte seit dem deutschen Idealismus durch die Einflüsse einer mehr naturwissenschaftlichen Denkweise entwickelt hat. Wie sich nun Karl Rosenkranz, der feingebildete, feinsinnige Hegelianer, über diese Seelenforschung der dreißig Jahre, die auf die Zeit des deutschen Idealismus gefolgt sind, ausgesprochen hat, das möchte ich Ihnen in der Einleitung zu den heutigen Betrachtungen einmal vorlesen. Karl Rosenkranz schrieb 1863:

[ 2 ] A lesser-recognized latecomer among these great thinkers—and one who has also become less well-known—was Karl Rosenkranz. And in the 1860s, Karl Rosenkranz attempted to review, in his mind’s eye, what had developed since the era of German Idealism as a conception of the human soul and its powers under the influence of a more scientific way of thinking. I would like to read to you, in the introduction to today’s reflections, what Karl Rosenkranz—the highly educated, subtle Hegelian—had to say about this thirty-year exploration of the soul that followed the era of German Idealism. Karl Rosenkranz wrote in 1863:

[ 3 ] «Unsere Tagesphilosophie kommt so oft auf die Kantsche zurück, weil dieselbe der Ausgang unserer großen philosophischen Epoche gewesen ist, Sie sollte aber von Kant nicht bloß diejenigen Seiten aufgreifen, die ihr bequem sind, sondern sie sollte ihn in seiner Totalität zu begreifen suchen. Dann würde sie auch begreifen, daß man auf Kant wohl als Begründer unserer deutschen Philosophie und als ein Ideal philosophischen Strebens zurückgehen kann, nicht aber um bei ihm stehen zu bleiben. Die Bescheidenheit der Wissenschaft besteht darin, Grenzen, die man für sich erkennt, anzuerkennen, und nicht mit einem Scheinwissen sie zu überfliegen, nicht aber darin, seinen Stolz mit der Demut eines unkritischen Nichtwissens oder schwächlichen Zweifelns aufzublähen und von der Geschichte überwundene Standpunkte deshalb als absolute zu proklamieren, weil man sich auf andern, selbstgemachten nicht halten konnte, Unserer Tagesphilosophieistüber allen Induktionen, über aller physikalischen und physiologischen, psychologischen und ästhetischen, politischen und historischen Mikrologie der Begriff des Absoluten» — und unter «absolut» versteht ja Karl Rosenkranz die Philosophie des Geistes —, «ohne welchen doch wirkliche Philosophie nicht bestehen kann, verloren gegangen. Für diesen Begriff hört alles Anschauen, alles Entdecken durch Teleskope und Mikroskope, alles Berechnen auf, er kann nur noch gedacht werden.»

[ 3 ] “Our contemporary philosophy so often returns to Kant’s because it was the starting point of our great philosophical epoch; however, it should not merely take up those aspects of Kant that are convenient for it, but should seek to understand him in his entirety. Then it would also understand that while one can certainly look to Kant as the founder of our German philosophy and as an ideal of philosophical endeavor, one should not stop there. The modesty of science lies in acknowledging the limits one recognizes for oneself, and not in glossing over them with a semblance of knowledge; it does not, however, lie in inflating one’s pride with the humility of uncritical ignorance or feeble doubt, and in proclaiming viewpoints that have been overcome by history to be absolute simply because one could not hold one’s ground on other, self-made ones. “In our contemporary philosophy, the concept of the Absolute—above all inductions, above all physical, physiological, psychological, aesthetic, political, and historical micrologies—has been lost,”—and by “absolute,” Karl Rosenkranz, of course, means the philosophy of the spirit—“without which, however, true philosophy cannot exist. For this concept, all observation, all discovery through telescopes and microscopes, all calculation comes to an end; it can only be thought.”

[ 4 ] Das kann man sagen von diesen Denkern: Sie haben einen Sinn gehabt für die Produktivität des Denkens; sie haben ein Vertrauen gehabt in die Kraft des Denkens, die, indem sie sich in sich selber verstärkt, in sich finden kann jenen Quell, aus dem heraussprudelt dasjenige, was über die Welt aufzuklären vermag. Und sie haben gewußt: Wenn auch die äußeren Methoden und Instrumente der Naturforschung noch so vervollkommnet werden — auf dem Gebiet, das durch die äußeren Methoden, durch die äußeren Instrumente erobert werden kann, ist das, was des Menschen eigentlich Geistbelebendes ist, nicht zu finden. Ich habe mir schon öfter hier zu sagen erlaubt, daß diejenige Geisteswissenschaft, die in diesen Betrachtungen vertreten sein will, nicht etwa in irgend einem auch wie immer gearteten Widerspruch mit der naturwissenschaftlichen Weltanschauung unserer Zeit stehen kann, daß sie im Gegenteil in vollständigem Einklange mit jeder berechtigten Aufstellung der naturwissenschaftlichen Weltanschauung steht. Nicht irgend etwas von einer neuen Religion will diese Geisteswissenschaft sein, eine echte, wahre Fortsetzerin gerade der Naturwissenschaft beziehungsweise der naturwissenschaftlichen Denkweise will sie sein. Und sagen kann man gerade: Für den, der die Entwickelung der Naturwissenschaft betrachtet nun wiederum in der Zeit, die verflossen ist, seit Karl Rosenkranz das Ihnen Vorgelesene niedergeschrieben hat, bietet sie, wenn man sich wirklich in sie einzulassen vermag, auf jedem Gebiete Impulse, die unmittelbar in diese Geisteswissenschaft hineinführen, hineindrängen. Und gerade dann bietet diese Naturwissenschaft solche Impulse, wenn man sich da auf sie einläßt, wo sie selber versucht, ihre Betrachtungen so auszudehnen, daß sie nach dem Gebiete des Geistigen hingehen.

[ 4 ] This can be said of these thinkers: They had a sense of the productivity of thought; they had faith in the power of thought, which, by strengthening itself from within, can find within itself that source from which springs forth that which is capable of enlightening the world. And they knew: No matter how much the external methods and instruments of natural science may be perfected—in the realm that can be conquered by external methods and instruments, what truly enlivens the human spirit is not to be found. I have often taken the liberty of saying here that the spiritual science which seeks to be represented in these reflections cannot be in any kind of contradiction—whatever its nature—with the scientific worldview of our time; on the contrary, it stands in complete harmony with every legitimate formulation of the scientific worldview. This spiritual science does not seek to be some kind of new religion; rather, it seeks to be a genuine, true successor to natural science itself—or, more precisely, to the scientific way of thinking. And one can certainly say: For those who now look back at the development of natural science in the time that has elapsed since Karl Rosenkranz wrote down what was read to you, it offers—if one is truly able to engage with it—impulses in every field that lead directly into this spiritual science, that press their way into it. And this natural science offers such impulses precisely when one engages with it at the very points where it itself attempts to extend its observations in such a way that they lead into the realm of the spiritual.

[ 5 ] Nun gibt es eine Wissenschaft, die besonders geeignet ist, einem klar zu machen, wohin Naturwissenschaft kommt, wenn sie an das Gebiet des Geistigen so herantreten will, wie es ihr und ihren Methoden richtig, gemäß ist. Diese Wissenschaft nennt man mit einem etwas schwerfälligen WortPsycho-Physiologie, und wir haben es in der Regel bei den Psycho-Physiologen mit Menschen zu tun, welche wohl verstehen, gründlich verstehen, die naturwissenschaftlichen Methoden zu handhaben, die man sich in den verschiedenen wissenschaftlichen Werkstätten aneignen kann. Jetzt gibt es ja auch schon psychologische Laboratorien, und wir haben in diesen Psycho-Physiologen auch Menschen, welche genau vertraut sein können - ich will selbstverständlich damit nicht dem Einzelnen gerade ein besonders gutes Zeugnis ausstellen, deshalb sage ich: welche besonders vertraut sein können — mit der naturwissenschaftlichen Denkweise, mit der Art und Weise dieser naturwissenschaftlichen Denkungsart, sich zur Welt und ihren Erscheinungen zu stellen. Wir können nun irgendwo anfassen dasjenige, was auf diesem psycho-physiologischen Gebiete geleistet worden ist. Wollen Sie sich in kurzem unterrichten, so rate ich Ihnen, zu der «Physiologischen Psychologie» von Theodor Ziehen zu greifen, weil sie einen raschen Überblick gibt und weil sie im Grunde genommen, selbst die älteren Auflagen, auf der vollständigen Höhe der heutigen diesbezüglichen Forschung steht. Aber man könnte ebensogut diese physiologische Psychologie bei irgendeinem anderen Autor aufsuchen. Wenn man sich nun auf diese physiologische Psychologie einläßt, so bekommt man einen Begriff, wie derjenige, der naturwissenschaftliche Methoden handhabt im Sinne der naturwissenschaftlichen Denkweise, an den Menschen herantritt, um dasjenige zu untersuchen, was, ich möchte sagen, klinisch und im Sinne des physikalischen Laboratoriums, oder des psychologischen Laboratoriums meinetwillen, erfahren werden kann am Menschen, was untersucht werden kann am Menschen, indem der Mensch sich geistig-seelisch äußert. Und man darf sagen, wenn auch noch das, was auf diesem Gebiete Wissenschaft ist, heute vielfach ein Ideal darstellt, so sind überall schon die verschiedenen Wegrichtungen nach diesem Ideal hin zu sehen, und derjenige, der nicht vorurteilsvoll ist, wird die großen Verdienste der einzelnen Forschungen auf diesem Gebiete voll anerkennen wollen. Selbstverständlich sind im Sinne der heutigen naturwissenschaftlichen Denkungsweise diese Forscher bemüht, für alles, was geistig-seelisch verläuft am Menschen, das Physikalische, das Leiblich-Körperhafte zu suchen, diejenigen Vorgänge zu suchen im Menschenleib, die sich abspielen, während sich ein Seelisch-Geistiges in uns zuträgt. Und gerade auf diesem Gebiete sind, wie gesagt, schon Wegrichtungen eröffnet. Und da erfährt man denn zunächst etwas sehr Eigentümliches. Und in diesem Augenblick, in dem ich Ihnen zu schildern versuche, was man da erfährt, betone ich es ausdrücklich, daß ich mich zunächst vollständig auf den Boden dessen stelle, was auf diesem Gebiet der Wissenschaft berechtigt ist. Man erfährt etwas Eigentümliches; man erfährt, daß die Forscher auf diesem Gebiete dem, was man Vorstellungsleben nennt, also das Leben der menschlichen Vorstellungen, in einer, man kann sagen, wirklich großartigen Weise nachgehen können. In unserem Seelenleben werden die Vorstellungen durch äußere Eindrücke, die wir empfinden können, angeregt. Diese Vorstellungen gesellen sich zueinander, sie sondern sich voneinander. Darin besteht ja unser Seelenleben, insofern es Vorstellungsleben ist: Wir machen uns von der Außenwelt nach ihren Eindrücken innere Bilder, diese Bilder gruppieren sich. Das ist ein großer Teil unseres Seelenlebens. Nun kann der Psycho-Physiologe verfolgen, wie sich die Vorstellungen innerlich vergesellschaften, wie sie sich bilden, und er kann überall die leiblich-körperhaften Vorgänge so verfolgen, daß er immer sieht: Auf der einen Seite ist der seelische Vorgang im Vorstellungsleben da, und auf der anderen Seite ist der leiblich-physische Vorgang da. Und es wird niemals irgendwie gelingen können, wenn man nur vorurteilslos ist, ein wirkliches Seelenleben im Menschen zu entdecken, zu dem nicht ein solches leiblich-physisches Gegenbild wirklich aufgewiesen werden könnte, wenn auch der Nachweis heute noch vielfach, wie gesagt, ein wissenschaftliches Ideal ist. Und so ist es denn außerordentlich reizhaft, außerordentlich interessant, in dem menschlichen Denkapparat — jetzt wirklich Denkapparat, im richtigen Sinne gefaßt, insofern er leiblich-physisch konstruiert ist-, zu verfolgen, wie da alles vor sich geht, indem der Mensch sein Vorstellungsleben innerlich erlebt. Und gerade in dieser Beziehung finden Sie in dem angeführten Buch von Theodor Ziehen außerordentlich Bedeutsames, ja, ich möchte sagen, wissenschaftlich außerordentlich Vernünftiges.

[ 5 ] Now there is a branch of science that is particularly well-suited to making it clear where the natural sciences are headed when they seek to approach the realm of the spiritual in a way that is proper and consistent with their nature and methods. This science is called—using a somewhat cumbersome term—psychophysiology, and as a rule, we are dealing with psychophysiologists who understand well, thoroughly understand, how to apply the scientific methods that can be acquired in the various scientific laboratories. Now there are already psychological laboratories, and among these psychophysiologists we also have people who may be thoroughly familiar—I do not, of course, mean by this to give any particular individual a special commendation; that is why I say: who may be thoroughly familiar—with the scientific way of thinking, with the manner in which this scientific mindset approaches the world and its phenomena. We can now get a sense of what has been accomplished in this field of psychophysiology. If you’d like a brief introduction, I recommend Theodor Ziehen’s *Physiological Psychology*, because it provides a quick overview and because, even the older editions, are essentially up to date with current research in this area. But one could just as easily explore this physiological psychology through any other author. Once one engages with this physiological psychology, one gains an understanding of how someone who applies scientific methods in the spirit of scientific thinking approaches human beings in order to investigate what, I would say, can be experienced clinically and in the sense of a physical laboratory—or a psychological laboratory, for that matter—in human beings; that is, what can be investigated in human beings through their mental and emotional expressions. And one may say that, even if what constitutes science in this field is still largely an ideal today, the various paths leading toward this ideal can already be seen everywhere, and anyone who is free of prejudice will want to fully acknowledge the great merits of the individual research efforts in this field. Of course, in keeping with today’s scientific way of thinking, these researchers strive to find the physical and bodily aspects of everything that takes place spiritually and psychologically in human beings—to identify the processes within the human body that occur while a spiritual-psychological event is unfolding within us. And it is precisely in this field, as I said, that new avenues have already been opened. And there one discovers, first of all, something very peculiar. And at this very moment, as I attempt to describe to you what one discovers there, I expressly emphasize that I am, for the time being, standing firmly on the ground of what is legitimate in this field of science. One discovers something peculiar; one discovers that researchers in this field are able to investigate what is called the life of the imagination—that is, the life of human ideas—in a way that is, one might say, truly magnificent. In our inner life, mental images are stimulated by external impressions that we can perceive. These images come together; they separate from one another. This is, in fact, what our inner life consists of, insofar as it is a life of mental images: we form inner images of the external world based on its impressions, and these images group together. This constitutes a large part of our inner life. Now, the psychophysiologist can observe how these mental images come together internally, how they form, and he can track the physical processes throughout in such a way that he always sees: on the one hand, there is the psychological process in the life of the imagination, and on the other hand, there is the physical process. And as long as one is merely free of prejudice, it will never be possible to discover a true inner life in human beings for which a corresponding physical counterpart cannot actually be demonstrated—even if, as I said, such proof remains largely a scientific ideal today. And so it is extraordinarily fascinating, extraordinarily interesting, to trace within the human thinking apparatus—now truly understood as a thinking apparatus in the proper sense, insofar as it is physically constructed—how everything unfolds there as a person internally experiences their imaginative life. And it is precisely in this regard that you will find extraordinarily significant insights in the aforementioned book by Theodor Ziehen—indeed, I would say, insights that are scientifically extremely sound.

[ 6 ] Aber nun das andere Eigentümliche. In dem Augenblicke, wo man im Seelenleben sprechen muß von Gefühl und insbesondere von Wille, da versagt diese PsychoPhysiologie nicht nur, ich möchte sagen, instinktiv, sondern sie versagt bei dem wirklich modernen Psycho-Physiologen sogar ganz bewußt. Und Sie können in dem Buch von Ziehen finden, wie er in dem Augenblicke, wo von Gefühl und von Wille geredet werden soll, sich überhaupt nicht darauf einläßt, die Untersuchungen bis dahin fortzuführen. Wie redet er von Gefühlen? Nun, er sagt es klipp und klar: Der Naturforscher spricht nicht von einem selbständigen Gefühlsleben im Menschen, sondern indem man die Eindrücke bekommt von außen - es sind diese Eindrücke stärker oder schwächer, sie haben diese oder andere Eigenschaften —, danach bildet sich ein gewisser «Gefühlston». Er redet nur von Gefühlston, also gewissermaßen von einer Art und Weise, wie sich hereinsenkt erst die Empfindung und dann die Vorstellung ins Seelenleben. Das heißt, der Psycho-Physiologe verliert — verzeihen Sie den trivialen Ausdruck, aber man muß schon so sagen — verliert den Atem in dem Augenblicke, wo er vom Vorstellungsleben und seiner Parallelisierung im psycho-physiologischen Mechanismus übergehen soll zum Gefühlsleben. Und wenn er so ehrlich ist wie Theodor Ziehen, so gesteht er das, indem er einfach ausspricht, wie er es tut: Früher haben die Menschen ja noch naiv gedacht, haben von drei Seelenkräften gesprochen, von einem Denken oder Vorstellen, von einem Fühlen, von einem Wollen. Allein von einem Fühlen, von einem wirklichen Seelenwesen, das da in Lust und Unlust wie ein Reales lebt, kann gar nicht die Rede sein für den Naturforscher. Das sind alles nur Töne, in denen schattiert auftritt, was Vorstellungs- beziehungsweise Empfindungsleben ist. Also bewußt, nicht nur unbewußt, verliert der Forscher den Atem; bewußt hört er auf, wissenschaftlich zu atmen.

[ 6 ] But now for the other peculiarity. The moment one must speak of emotion—and in particular of the will—in the life of the soul, this psychophysiology fails not only, I would say, instinctively, but—in the case of the truly modern psychophysiologist—even quite consciously. And you can find in Ziehen’s book how, the moment he is supposed to speak of emotion and will, he refuses outright to continue his investigations any further. How does he speak of emotions? Well, he says it plain and simple: The natural scientist does not speak of an independent emotional life in human beings, but rather of how, as one receives impressions from the outside—these impressions being stronger or weaker, possessing certain characteristics or others—a certain “emotional tone” is formed. He speaks only of emotional tone, that is, in a sense, of the manner in which first sensation and then representation are absorbed into the life of the soul. This means that the psychophysiologist runs out of steam—forgive the trivial expression, but one really must put it that way—at the very moment when he is supposed to move from the life of imagination and its parallel in the psychophysiological mechanism to the life of feeling. And if he is as honest as Theodor Ziehen, he admits this by simply stating it as he does: In the past, people used to think naively, speaking of three powers of the soul: thinking or imagining, feeling, and willing. But for the natural scientist, there can be no question whatsoever of feeling—of a real soul-being that lives there in pleasure and displeasure as something real. These are all merely sounds in which the nature of the life of imagination and sensation is subtly revealed. Thus, consciously—not merely unconsciously—the researcher loses his breath; consciously, he ceases to breathe scientifically.

[ 7 ] Und in noch stärkerem Maße tritt das auf, wenn von der dritten Seelenkraft geredet wird, vom Willen. Vom Willen finden Sie in der Psycho-Physiologie nichts als das eine, das ausgesprochen wird: Man kann ihn nicht finden, unmöglich finden gerade mit den Mitteln einer vernünftigen naturwissenschaftlichen Denkungsweise. Es ist ein interessantes und ein außerordentlich wichtiges Ergebnis, das festgehalten sein will, das man ernst nehmen muß. Der Naturforscher kann sagen: Nun, ich habe diese meine naturwissenschaftliche Auffassung; mit dieser naturwissenschaftlichen Auffassung finde ich gewissermaßen den Denkapparat, den Vorstellungsapparat für das Seelenleben, insofern es im Vorstellungsleben abläuft; um das andere kümmere ich mich nicht! - Das kann mit einem vollen Rechte der naturwissenschaftliche Forscher sagen. Der dilettantische Weltanschauungsmensch, der sich heute gern den hochtrabenden Titel Monist beilegt, wird ja allerdings nicht leicht bemerken, daß ganz willkürlich der Atem unterdrückt worden ist, sondern er wird glauben, er atme fort, indem man herübergeht vom Vorstellungsleben in das Gefühls- und Willensleben hinein, und er wird in dem Gefühls- und Willensleben nur eine Art Entwickelungsprodukt des Vorstellungslebens sehen. Da kommt man dann selbstverständlich — wirklich mit einer gewissen Selbstverständlichkeit — zu dem merkwürdigen Ergebnis, daß solche Leute sagen — und das tut leider auch Theodor Ziehen -: Der Wille ist überhaupt nicht vorhanden, der Wille ist eine reine Erfindung.

[ 7 ] And this is even more evident when we speak of the third soul force, the will. In psychophysiology, you will find nothing about the will other than this one statement: It cannot be found—it is impossible to find it using the methods of rational, scientific thinking. This is an interesting and extraordinarily important finding that demands to be noted and taken seriously. The natural scientist can say: Well, I have my scientific perspective; with this scientific perspective, I find, as it were, the apparatus of thought and imagination for the life of the soul, insofar as it unfolds in the realm of the imagination; I do not concern myself with the rest! - The scientific researcher is fully entitled to say this. The amateur philosopher, who today likes to bestow upon himself the grandiose title of “monist,” will not, however, easily notice that his breath has been arbitrarily suppressed; rather, he will believe that he continues to breathe as he moves from the life of imagination into the life of feeling and will, and he will see the life of feeling and will merely as a kind of developmental product of the life of imagination. Then, of course—truly with a certain matter-of-factness—one arrives at the strange conclusion that such people say—and unfortunately Theodor Ziehen does as well—: “The will does not exist at all; the will is a pure invention.”

[ 8 ] Was haben wir denn eigentlich, wenn wir bei irgendeiner unserer Betätigungen vom Willen sprechen? Nun, Wille ist ja, wie die Leute in trivialer Anschauungsweise meinen, schon vorhanden, wenn ich nur die Hand bewege. Aber da habe ich zunächst den Eindruck, empfinde einen Vorstellungseindruck, der mich veranlaßt, die Hand zu bewegen. Und dann geht mein Vorstellungsleben über zu der Anschauung meiner bewegten Hand, die ich vielleicht auch mit anderen Sinnen wahrnehme als mit dem Auge. Aber ich habe nur eine Summe der Vorstellungen. Ich gehe einfach über von den Eindrucks-Vorstellungen zu den Bewegungs-Vorstellungen. Das heißt, ich schaue mir eigentlich fortwährend nur zu. Und wenn man überhaupt gegenüber diesen Auseinandersetzungen - ich sage jetzt: des dilettantischen Monismus, der Weltanschauung sein will —, nur ganz Mensch sein kann, so müßte man fühlen, wie man gerade dasjenige ausmerzt, was des Menschen intimste innerliche Erlebnisse sind: das Gefühls- und das Willensleben, — wenn man den Menschen zu dem macht, wozu er gemacht werden muß, wenn man Naturwissenschaft nicht Naturwissenschaft sein läßt, sondern wenn man aus ihr in dilettantischer Weise eine Weltanschauung machen will.

[ 8 ] What do we actually have when we speak of “will” in connection with any of our activities? Well, as people tend to think in a trivial, intuitive way, “will” is already present when I simply move my hand. But first I have an impression—a mental image—that prompts me to move my hand. And then my mental life shifts to the perception of my moving hand, which I may also perceive with senses other than my eyes. But I have only a sum of mental images. I simply transition from the mental images of the impressions to the mental images of the movement. That is to say, I am actually just constantly observing myself. And if, in the face of these debates—I am now referring to dilettantish monism, which aspires to be a worldview—one can at all be fully human, then one would have to feel how one is eradicating precisely what constitutes humanity’s most intimate inner experiences: the life of feeling and the life of the will, — if one turns human beings into what they must be turned into, if one does not allow natural science to be natural science, but instead seeks to turn it, in an amateurish way, into a worldview.

[ 9 ] Für den Geistesforscher hat aber der Weg der Naturwissenschafter eine außerordentlich große Bedeutung, denn dieser Weg ist heute schon so weit beschritten, daß klar gezeigt wird, wie weit naturwissenschaftliche Forschungsart kommen kann. Es kann schon eine deutliche Grenze aufgezeigt werden. Gerade nun, wenn man sich vertieft in diejenigen Denker, die der naturwissenschaftlichen Richtung vorangegangen sind, in die Denker des deutschen Idealismus, so findet man bei ihnen ein klares Bewußtsein, daß die höheren Geheimnisse der Welt erforscht werden müssen dadurch, daß man sich versenkt in dieses menschliche Innere. Man hat ja sogar diese Denker deshalb verspottet, daß sie gleichsam wie einen Knäuel diese Weltengeheimnisse aufdröseln, alle aus dem menschlichen Innern heraus entwickeln wollen. Aber charakteristisch ist es auch, wozu es gerade diese Denker gebracht haben, und charakteristisch ist es dann besonders für den Betrachter, was herauskommt, wenn er vergleicht, was die deutschen Idealisten erreicht haben und was dann durch die naturwissenschaftliche Denkungs- und Forschungsweise erreicht worden ist. Was haben diese deutschen Idealisten erreicht, diese viel verspotteten deutschen Idealisten? Hegel - ich darf vielleicht, ohne unbescheiden zu scheinen, auf die Darstellungen aufmerksam machen, die ich über Hegel gegeben habe in den «Rätseln der Philosophie», in der neuen Auflage meiner «Welt- und Lebensanschauungen im neunzehnten Jahrhundert», — Hegel hat versucht, alles dasjenige, wie man sagt, im reinen Gedanken zu erfassen, was draußen in der Welt webt und lebt, gewissermaßen das ganze Gedankennetz herauszusaugen aus der Fülle der Erscheinungen, der Tatsachen und Dinge der Welt. Man wird aber schon zugestehen müssen trotz aller Einwände, daß dieses Gedankennetz nicht durch Anschauung gewonnen werden kann, nicht durch äußere Beobachtung gewonnen werden kann. Denn man versuche es nur einmal, bloß die Außenwelt auf sich wirken zu lassen, nicht in sich zu erzeugen den Quell des Denkens, der die Seele aktiv macht, — nichts wird herauskommen von Gedanken! Will man aber nicht die Gedanken anwenden auf die Welt, will man den Gedanken jede Bedeutung absprechen, weil sie sich notwendigerweise aus dem menschlichen Inneren wirklich, man könnte sagen, herausspinnen müssen, dann müßte man verzichten auf jedes gedankliche Besprechen der Welt. Und das wird nicht einmal Haeckel tun wollen!

[ 9 ] For the spiritual researcher, however, the path taken by the natural scientists is of extraordinary importance, for this path has already been pursued so far today that it clearly demonstrates how far the natural-scientific method of research can go. A distinct boundary can already be identified. Precisely now, when one delves deeply into the thinkers who preceded the natural-scientific approach—the thinkers of German Idealism—one finds in them a clear awareness that the higher mysteries of the world must be explored by immersing oneself in the innermost depths of the human being. In fact, these thinkers were even mocked for wanting to unravel these mysteries of the world—as if they were a tangled ball of yarn—and develop them all from within the human inner being. But it is also characteristic of what these thinkers in particular have achieved, and it is especially characteristic for the observer to see what emerges when he compares what the German idealists have achieved with what has been achieved through the scientific mode of thinking and research. What have these German idealists achieved—these much-mocked German idealists? Hegel—perhaps I may, without appearing immodest, draw attention to the discussions I have provided on Hegel in *The Riddles of Philosophy* and in the new edition of my *Worldviews and Lifestyles in the Nineteenth Century*— — Hegel attempted to grasp, as one might say, in pure thought everything that weaves and lives out there in the world; in a sense, to extract the entire web of thought from the abundance of phenomena, facts, and things in the world. But one must admit, despite all objections, that this web of thought cannot be gained through intuition, nor can it be gained through external observation. For one need only try just once to simply let the external world take its course, without generating within oneself the source of thought that activates the soul—nothing will come of it in terms of thought! But if one does not wish to apply thoughts to the world, if one wishes to deny thought any significance because it must necessarily be spun out—one might say—from within the human being, then one would have to renounce any intellectual discussion of the world. And not even Haeckel would be willing to do that!

[ 10 ] Indem man den Gedanken überhaupt handhabt, gebraucht, lebt man ganz im Gedanken, in dem Bewußtsein, daß man durch den Gedanken irgend etwas ausdrückt, das Bedeutung hat für die Welt selber. Die Hegelianer waren sich nur dessen bewußt, indem sie den Gedanken handhabten, daß der Gedanke inneres Erlebnis ist und, trotzdem er inneres Erlebnis ist, objektive Bedeutung für das Weltendasein hat. Aber sehe man einmal genauer zu, was nun die ganze idealistische Denkungsart — ich will jetzt sagen: durch den Gedanken und in dem Gedanken, für dessen Beobachtungsart sie eine solche Übung gehabt hat - erreicht hat. Man kann eigentlich heute kaum jemandem zumuten, zum Beispiel Hegels Schriften auf dasjenige durchzunehmen, was ich jetzt anführen will. Aber wenn es nun doch jemand tut, so kommt er auf Folgendes: Hegel ist Meister in dem Handhaben des Gedankens, der gar nicht beeinflußt ist von irgendeinem sinnlichen Eindruck von außen, er ist Meister in der Entwickelung eines Gedankens aus dem anderen heraus, so daß man einen ganzen lebendigen Gedanken-Organismus in seinem — nun, gebrauchen wir das schreckliche Wort - System hat. Aber schauen wir uns diesen Hegel mit all seinen Gedanken näher an. Wir können ihn, möchte ich sagen, in zwei Teile teilen. Einen ersten Teil, da entwickelt er Gedanken. Aber alle diese Gedanken beziehen sich auf dasjenige, was äußerlich sinnlich in der Welt ist. Es sind nur, möchte ich sagen, innere Widerspiegelungen dessen, was äußerlich sinnlich in der Welt ist. Und der zweite Teil bezieht sich auf die geschichtliche Entwickelung der Menschheit, auf die sozialen, auf die staatlichen Begriffe, und er gipfelt zuletzt in dem, was der Mensch an Vorstellungen, an Gedanken, an Ideen entwickeln kann, die sich dann empfindungsgemäß als Religion, anschauungsgemäß als Kunst, und den Ideen gemäß als Wissenschaft ausleben. Also dasjenige, wozu Hegel treten will, indem er den Gedanken in sich belebt, das betrachtet er als den innersten Quell des Weltendaseins, das verfolgt er bis zu der Blüte der Entwickelung in Religion, in Kunst, in Wissenschaft. Aber Religion, Kunst und Wissenschaft - sind sie nicht wiederum bloß etwas, was für die äußere physische Welt eine Bedeutung hat? Oder könnte sich jemand vorstellen, daß der Inhalt der religiösen Überzeugung irgendwie eine Bedeutung haben könnte für eine geistige Welt? Oder könnte er sich gar dem Glauben hingeben, daß die Kunst, die durch das sinnliche Werkzeug sprechen muß, irgendeine Bedeutung haben kann — eine unmittelbare Bedeutung selbstverständlich - innerhalb der geistigen Welt? Oder unsere Wissenschaft? Nun, von der werden wir noch sprechen.

[ 10 ] By handling and using thought at all, one lives entirely within thought, in the awareness that through thought one expresses something that has significance for the world itself. The Hegelians were only aware—by engaging with thought—that thought is an inner experience and, even though it is an inner experience, has objective significance for the existence of the world. But let us take a closer look at what the entire idealistic mode of thinking—I will now say: through thought and within thought, for whose mode of observation it has been so well-practiced—has actually achieved. One can hardly expect anyone today, for example, to work through Hegel’s writings for the very point I am about to raise. But if someone were to do so, they would arrive at the following: Hegel is a master in the handling of thought that is not at all influenced by any sensory impression from the outside; he is a master in developing one thought out of another, so that one has an entire living organism of thought in his—well, let’s use that dreadful word—system. But let’s take a closer look at this Hegel with all his thoughts. We can, I would say, divide him into two parts. In the first part, he develops thoughts. But all these thoughts relate to what exists externally and sensually in the world. They are, I would say, merely inner reflections of what exists externally and sensually in the world. And the second part relates to the historical development of humanity, to social and political concepts, and ultimately culminates in what human beings can develop in terms of conceptions, thoughts, and ideas—which then find their expression, in terms of sensation, as religion; in terms of intuition, as art; and in terms of ideas, as science. So what Hegel seeks to bring to light by enlivening the thought within—he regards this as the innermost source of worldly existence, and he traces it all the way to its full blossoming in religion, art, and science. But religion, art, and science—are they not, in turn, merely things that have significance for the external physical world? Or could anyone imagine that the content of religious conviction might somehow have significance for a spiritual world? Or could one even entertain the belief that art, which must speak through sensory means, can have any significance—an immediate significance, of course—within the spiritual world? Or our science? Well, we will speak of that later.

[ 11 ] Hegel findet wohl den Gedanken, aber er findet nur einen solchen Gedanken, der, obzwar er im Innern lebt und webt, nur Äußeres abbildet. Dieser Gedanke kann sich nicht einleben in irgendeine Welt, die da sein könnte außer der sinnlich-physischen Welt. Eine geistige Welt kommt durch den Hegelianismus nicht zustande, sondern nur das geistige Bild der physischen Welt.

[ 11 ] Hegel may well discover the idea, but he discovers only an idea that, although it lives and weaves within, merely reflects the external world. This idea cannot take root in any world that might exist apart from the sensory-physical world. Hegelianism does not give rise to a spiritual world, but only to a spiritual image of the physical world.

[ 12 ] Und die Naturwissenschaft? Gerade die recht ernst zu nehmende Naturwissenschaft, die darauf gefolgt ist, prüft nun diesen Gedanken, dieses Gedankenleben des Menschen, und findet: Sie kommt damit, indem sie den Denkapparat gleichsam im Menschen für das Gedankenleben findet, bis zum Gefühls-, bis zum Willensleben; da muß sie stehenbleiben. Muß man jetzt nicht annehmen, wenn man beides wirklich zusammenhält: Zwar strebte der Hegelianismus zum Beispiel, oder überhaupt jene idealistische Weltanschauung, von der wir gesprochen haben, auf der einen Seite wirklich in eine geistige Welt hinein — fand er aber mehr, als bloß das geistige Gegenbild dessen, was nicht geistig ist? Muß man nicht auf der anderen Seite sagen: Also konnte auch dieser Hegelianismus; konnte dieser Idealismus nicht sich den Zugang verschaffen zu dem, was er seinem Dasein nach deshalb schon zugeben muß, weil der Gedanken keine Bedeutung haben könnte als rein Geistiges gegenüber der Wirklichkeit, wenn es nicht eine geistige Welt gäbe? Es ist das Interessante, daß alles das, was der deutsche Idealismus eben noch an Gedanken hervorgebracht hat, zwar aus der geistigen Welt fließt, daß in ihm aber nichts anderes ist als dasjenige, wofür wirklich die naturwissenschaftliche Denkungsweise den Denkapparat annehmen kann. Das heißt aber mit anderen Worten: Will man nun wirklich in die geistige Welt hinein, und will man so hinein, daß man vor der Naturwissenschaft bestehen kann, dann muß man in das Gebiet des Fühlens und Wollens hinein, aber nicht in dem Sinne, wie man fühlt und will im gewöhnlichen Leben, . sondern so wie der Naturforscher hineintritt in die Welt der Natur. |

[ 12 ] And what about the natural sciences? It is precisely the natural sciences—which must be taken quite seriously—that have followed in this vein and are now examining this thought, this inner life of thought in human beings, and find that by identifying, as it were, the “thinking apparatus” within human beings as the basis for the life of thought, they reach the realm of emotion and the will; there they must stop. Must one not now assume, if one truly holds both together: Although Hegelianism, for example—or indeed that idealistic worldview of which we have spoken—truly strove, on the one hand, toward a spiritual world, did it not find more than merely the spiritual counterpart of that which is not spiritual? Must we not say, on the other hand: Could not this Hegelianism—could not this idealism—therefore also gain access to that which it must already acknowledge by virtue of its very existence, because thoughts could have no significance as purely spiritual entities in relation to reality if there were no spiritual world? What is interesting is that everything German idealism has recently produced in the way of thought does indeed flow from the spiritual world, yet contains nothing other than that which the scientific mode of thinking can actually accept as a conceptual framework. But to put it another way: If one truly wishes to enter the spiritual world—and to do so in a way that stands up to the scrutiny of the natural sciences—then one must enter the realm of feeling and willing, but not in the sense in which one feels and wills in ordinary life, . but rather in the same way that the natural scientist enters the world of nature. |

[ 13 ] Nun habe ich hier von anderen Gesichtspunkten her öfter die Wege angegeben, wie man, im strengsten Sinne auf naturwissenschaftlichem Boden stehen bleibend, wirklich in die geistige Welt eintreten kann. Ich wollte heute durch diesen historischen Überblick nur noch zeigen, wie durch das Denken, das man gewöhnlich kennt, selbst wenn es zu solcher Reinheit, zu solcher kalten, nüchtern eisigen Reinheit getrieben ist wie im deutschen Idealismus, zwar zu der Überzeugung kommen kann: Es gibt eine geistige Welt — denn dieses Denken ist nicht durch einen äußeren Eindruck gewonnen, das muß selber aus der geistigen Welt stammen —, aber man kann durch dieses Denken in die geistige Welt nicht eintreten.

[ 13 ] I have often outlined here, from other perspectives, the paths by which one can truly enter the spiritual world while remaining, in the strictest sense, grounded in the natural sciences. My aim today, through this historical overview, was simply to show how thinking as we commonly understand it—even when driven to such purity, to such cold, sober, icy purity as in German idealism—can indeed lead to the conviction: There is a spiritual world—for this thinking is not derived from an external impression; it must itself originate from the spiritual world—but one cannot enter the spiritual world through this kind of thinking.

[ 14 ] Warum kann man durch dieses Denken in die geistige Welt nicht eintreten? Ich habe diese Frage öfter, wie gesagt, von anderen Gesichtspunkten hier behandelt. Sie sei heute noch einmal von einem anderen Gesichtspunkt wiederum ins Auge gefaßt, Man kann nicht eintreten, weil man in der neueren Zeit wirklich immer mehr dazu gekommen ist, das aus diesem Denken zu tilgen, was der Naturforscher auch gar nicht mehr darin findet — nämlich Gefühl und Wille herauszutilgen aus diesem Denken. Daß das so ist, dazu braucht man sich nur vor die Seele zu führen, worauf die große, hauptsächlichste Bedeutung der naturwissenschaftlichen Denkungsweise beruht. Sie beruht darauf, daß man möglichst, ich möchte sagen, alles Seelische in sich ertötet, herablähmt, wenn man an die Beobachtung der Natur geht. Der Naturforscher wird streng ausschalten wollen — sei es, daß er beobachtet die Dinge und ihre Tatsachen, sei es, daß er experimentiert — all das, was aus seinem Gefühl, all das, was aus seinem Willen herstammt. Er wird in dasjenige, was er ausdrücken will über das Beobachtete, niemals hineinsprechen lassen, was er den Dingen gegenüber empfindet, was ihm gewissermaßen lieber wäre, wenn’s Wahrheit wäre, als dasjenige, was die Dinge sagen, wenn man ganz mit Ausschaltung des eigenen Seelenlebens an die Natur geht und die Natur sich nur selber aussprechen läßt. Man kann sagen, da die naturwissenschaftliche Entwickelung der neueren Zeit drei bis vier Jahrhunderte hinter uns liegt: Man hat wirklich schon eine gute Schule durchgemacht in bezug auf das, was man naturwissenschaftlich Objektivität nennt. Selbstlos, im guten Sinne wissenschaftlich und in vieler Beziehung veredelnd hieße für das menschliche Leben, was man etwa Ausschalten des Selbst gegenüber der Sprache der Naturerscheinungen nennen kann. Man hat große Fortschritte darin gemacht, man hat es weit gebracht. Und man hat es in der Psycho-Physiologie sogar so weit gebracht, so zu denken, daß man in dem Denken nicht mehr findet Gefühl und Wille. Das heißt: Es ist schon praktisch geworden, lebendig geworden, was Methode der Forschung war. Ausschalten soll man das Seelische bei der Naturbeobachtung. Man hat gelernt, es nun so auszuschalten, daß man es nicht mehr finden kann auf dem ganzen Felde der Beobachtung. Unbewußt bleibt in unserem Denken, wenn wir uns ganz passiv der Außenwelt hingeben, wie es das Ideal des Naturforschers sein muß — wenn er auch die Experimente zusammenstellt, so muß das doch sein Ideal sein -, unbewußt bleibt in dem Denken dasjenige, was man nennen kann: Wille, Es ist gerade das Bestreben, den Willen ganz auszuschalten aus dem Denken, wenn man in bezug auf die Natur im heutigen Sinne forscht. Unbewußt bleibt er, denn man braucht immer einen Willen, wenn man einen Gedanken zum anderen fügt — selber tun sie das nämlich doch nicht — oder wenn man einen Gedanken vom anderen scheidet. Trotzdem bleibt es doch das Ideal der Naturforschung, von diesem Willen, der im Gedankenleben liegt, so viel wie möglich zu unterdrücken. Dadurch ist es natürlich ganz selbstverständlich, daß das naturwissenschaftliche Ideal das innere Seelenleben, ich möchte sagen, für die menschliche Gewohnheit ersterben macht. Und viel mehr als an etwas anderem liegt es an diesem — und ich sage ausdrücklich: berechtigten — naturwissenschaftlichen Ideal, daß die Ausschaltung des Seelischen so hat stattfinden können, wie sie stattgefunden hat, daß man gerade absehen muß von allem Seelischen, ausschalten muß alles Seelische, wenn man treu im Sinne der heutigen Naturforschung der Natur folgen will.

[ 14 ] Why can’t one enter the spiritual world through this way of thinking? As I have said, I have addressed this question here on several occasions from different perspectives. Let us consider it once more today from yet another angle. One cannot enter because, in recent times, we have increasingly come to eliminate from this way of thinking what the natural scientist no longer finds in it at all—namely, to eliminate feeling and will from this way of thinking. To see that this is so, one need only bring to mind the very foundation upon which the great, primary significance of the scientific way of thinking rests. It rests on the fact that, as far as possible—I would say—one must kill off or numb everything spiritual within oneself when one sets out to observe nature. The natural scientist will want to strictly exclude—whether he is observing things and their facts or conducting experiments—everything that stems from his feeling, everything that stems from his will. He will never allow what he feels toward things—what he would, so to speak, prefer to be true rather than what the things themselves reveal—to influence what he wishes to express about what he has observed, when one approaches nature with one’s own inner life completely set aside and allows nature to speak for itself. One can say, since the scientific development of recent times lies three to four centuries behind us: We have truly already undergone a thorough training in what is called scientific objectivity. Selfless, scientific in the best sense, and in many respects ennobling for human life—that is what one might call the “setting aside of the self” in the face of the language of natural phenomena. Great progress has been made in this regard; we have come a long way. And in psychophysiology, we have even gone so far as to think in such a way that feeling and will are no longer found in thought. This means that what was once a method of research has already become practical and come to life. One is supposed to set aside the psychological aspect when observing nature. We have now learned to set it aside to such an extent that it can no longer be found anywhere in the entire field of observation. When we surrender ourselves entirely passively to the external world—as must be the ideal of the natural scientist, even when he designs experiments, for this must surely be his ideal—what remains unconscious in our thinking is what might be called: will. It is precisely the endeavor to completely eliminate the will from thought when conducting research on nature in the modern sense. It remains unconscious, for one always needs a will when linking one thought to another—since thoughts do not do this on their own—or when separating one thought from another. Nevertheless, it remains the ideal of natural science to suppress this will—which lies within the life of thought—as much as possible. Consequently, it goes without saying that the scientific ideal causes the inner life of the soul, I might say, to wither away in human habit. And more than anything else, it is due to this—and I say expressly: justified—scientific ideal that the exclusion of the psychological has been able to take place as it has; that one must deliberately disregard everything psychological, must exclude everything psychological, if one wishes to follow nature faithfully in the spirit of contemporary natural science.

[ 15 ] Das aber hat auch noch eine andere Seite. Und diese andere Seite zu betrachten, ist außerordentlich wichtig. Was sucht denn der Mensch eigentlich, wenn er Erkenntnis sucht? Nun, zunächst, wenn er Erkenntnis sucht, sucht er irgend etwas, was abgesehen von ihm wahr ist. Denn wenn er sich die Wahrheit nicht abgesondert von sich denken würde, so könnte er sie sich ja in jedem Augenblicke selber machen. Daß er das nicht will, das wird ja ohne weiteres zugegeben werden. Sucht also der Mensch nach einem Ideal der Erkenntnis, so sucht er gerade in sich etwas zu beleben, wozu er möglichst wenig selber beiträgt. Bedenken Sie nur, was man heute gegen selbstgemachte Begriffe gerade auf wissenschaftlichem Gebiete hat! Also man strebt an, in der Erkenntnis etwas zu haben, was zwar, ich möchte sagen, spiegelt die äußere Wirklichkeit, was aber ebensowenig zu tun hat mit dieser äußeren Wirklichkeit, wie etwa das Spiegelbild mit dem, was abgespiegelt wird. Wie das Spiegelbild nicht verändern kann, was abgespiegelt wird, so soll auch das, was sich als Erkenntnisinhalt in der Seele belebt, nicht verändern, was sich draußen abspielt. Dann muß man aber alles Seelische ausschalten, dann kann das Seelische gar keine Bedeutung haben für die Erkenntnis. Und wenn man so intensiv anstrebt Ausschaltung der Seele, ist es nicht zu verwundern, daß auf diesem Gebiet das Seelische nicht gefunden werden kann. Daher muß Geistesforschung gerade da beginnen, wo naturwissenschaftliche Denkungsweise enden muß. Das heißt, es muß in dem Denken dasjenige aufgesucht werden, was in dem Denken Wille ist. Und das geschieht bei all dem, was die Seele durchzumachen hat in jenen inneren Experimenten, von denen hier ja öfter gesprochen worden ist, was die Seele durchzumachen hat, indem sie das Denken innerlich erkraftet, innerlich verstärkt, so daß dem Denken nicht mehr unbewußt bleibt der im Denken wirkende Wille, sondern bewußt wird dieser Wille, so daß der Mensch wirklich dahin kommt, sich so zu erleben, daß er gewissermaßen im Denken lebt und webt, in dem Leben und Weben der Vorstellungen selber drinnen ist und jetzt gar nicht mehr hinblickt auf die Vorstellungen selber, sondern auf dasjenige, was er tut. Und darinnen muß der Mensch immer mehr und mehr, ich möchte sagen, Techniker werden, immer mehr und mehr innere Praxis sich erwerben, sich einleben in das, was von ihm selber geschieht, indem das Vorstellungsleben sich abspielt. Und alles, was der Mensch da in sich entdeckt, bleibt sonst zwischen den Zeilen des Lebens. Das lebt immer im Menschen, aber es dringt nicht herauf ins Bewußtsein, der Wille wird unterdrückt in dem Vorstellungsleben. Wenn man eine solche innere Vitalität, eine solche innere Lebendigkeit in sich entwickelt, daß man nicht nur Vorstellungen hat, sondern mit seinem Erleben hineingeht in dieses Auf- und Abwogen, in dieses Werden und Vergehen der Vorstellungen, und wenn man das so weit treiben kann, daß man gar nicht mehr in seine Aufmerksamkeit hereinholt den Inhalt der Vorstellungen, sondern nur diese Tätigkeit, dann ist man auf dem Wege, den Willen in der Vorstellungswelt zu erleben, an der Vorstellungswelt wirklich etwas zu erleben, was man sonst im Leben nicht erlebt. Das heißt, man muß gerade, wenn man das treu einhält, wozu die naturwissenschaftliche Vorstellungsweise selber führt, ganz und gar hinausgehen über die Art und Weise, wie Naturwissenschaft forscht. Man muß gewissermaßen nicht das nehmen, was Naturwissenschaft erkundet, sondern man muß sich selber zuschauen beim Naturwissenschafttreiben. Und was auf diese Weise geübt wird, und was wirklich nur zu Erfolgen führen kann, wenn es jahrelang geübt wird - alle wissenschaftlichen Resultate werden ja auch nur in langer Arbeit erreicht -, was auf diese Weise erreicht wird, das ist ein Einleben des Bewußtseins wirklich in eine ganz andere Welt. Dasjenige, was erreicht wird, das läßt sich eben nur erleben; das läßt sich beschreiben, aber es läßt sich nicht äußerlich aufzeigen, es läßt sich nur erleben. Denn dasjenige, was erreicht wird, das ist, ich möchte sagen, in der Praxis das, worauf schon die naturwissenschaftliche Denkweise deutet. Diese naturwissenschaftliche Denkweise sagt uns ja: Geh’ ich auf meinem Wege fort, so komme ich an eine Grenze, Ich gehe so weit, als ich noch etwas vom Menschen finde. Da finde ich nicht eine Welt, in der Wille und Gefühl ist. — Aber diese Welt, wo man Gefühl und Wille ebenso objektiv entdeckt, wie sonst hier die Pflanzen und Mineralien, diese Welt findet man, wenn man zwischen den Zeilen des sonstigen Vorstellungslebens dieses innere Erleben der Vorstellungen in der Seele wirksam machen kann. Nur erlebt man jetzt dasjenige, was man sonst nur ahnen kann. Der Naturforscher wird heute schon mehr oder weniger geneigt sein zu sagen: Es ist ein blinder Aberglaube, wenn irgend jemand behauptet, das, was in der physischen Welt als Denken, als Vorstellen bekannt ist, das könne sich irgendwie vollziehen ohne einen Denkapparat, ohne ein Gehirn, ohne ein Nervensystem. Der Naturforscher behauptet es aus seiner Theorie heraus. Leicht könnte man glauben — und Dilettanten in bezug auf diese Geistesforschung glauben es -, daß die Geistesforschung dieser Behauptung des Naturforschers unrecht geben muß. Das ist nicht der Fall. Im Gegenteil, der Geistesforscher steht, insofern sich diese Behauptung gut aus den naturwissenschaftlichen Tatsachen ergibt, gerade voll auf dem Boden der Naturforschung auf diesem Gebiete. Nur, daß er sogar erlebt, was der Naturforscher aus der Theorie heraus behandelt. Erlebt man es nämlich, dieses Weben und Leben, das ich angedeutet habe, in der Vorstellungswelt, dann weiß man: Jetzt ist man erst da angelangt, wozu der Denkapparat einem nichts mehr geben kann. Alles Denken, das man bisher geleistet hat, ist an den Denkapparat gebunden. Jetzt ist man erst angelangt bei jenem inneren Erleben, Erweben, das nicht mehr an den Denkapparat gebunden ist.

[ 15 ] But there is another side to this as well. And it is extremely important to consider this other side. What, after all, is a person actually seeking when he seeks knowledge? Well, first of all, when a person seeks knowledge, they seek something that is true apart from themselves. For if they were to conceive of truth as separate from themselves, they could, after all, create it for themselves at any moment. That they do not want this is readily admitted. So when a person seeks an ideal of knowledge, they are seeking to bring to life within themselves something to which they themselves contribute as little as possible. Just consider the objections raised today against self-constructed concepts, particularly in the scientific realm! Thus, one strives to have in knowledge something that, I might say, reflects external reality, but which has just as little to do with this external reality as, say, a mirror image has with what is reflected. Just as the reflection cannot change what is being reflected, so, too, what comes to life in the soul as the content of knowledge should not change what is taking place outside. But then one must eliminate everything psychological; then the psychological can have no significance whatsoever for knowledge. And if one strives so intensely to exclude the soul, it is no wonder that the spiritual cannot be found in this realm. Therefore, spiritual research must begin precisely where the scientific way of thinking must end. That is to say, one must seek within thought that which is will within thought. And this occurs in everything the soul must undergo in those inner experiments—which have been discussed here on several occasions—in which the soul must strengthen and reinforce thinking from within, so that the will active within thinking is no longer unconscious to thinking, but rather becomes conscious, so that the human being truly comes to experience himself in such a way that he, as it were, lives and weaves within thinking, is right inside the life and weaving of the images themselves, and now no longer looks at the images themselves at all, but at what he is doing. And in this process, a person must increasingly—I would say—become a “technician,” acquiring more and more inner practice, becoming attuned to what is happening within them as the life of ideas unfolds. And everything a person discovers within themselves in this way otherwise remains hidden between the lines of life. This is always alive within a person, but it does not rise to consciousness; the will is suppressed within the life of imagination. When one develops such inner vitality, such inner liveliness within oneself that one not only has ideas but enters with one’s own experience into this ebb and flow, into this coming into being and passing away of ideas, and if one can take this so far that one no longer brings the content of the ideas into one’s attention at all, but only this activity, then one is on the path to experiencing the will in the world of ideas—to truly experiencing something in the world of ideas that one otherwise does not experience in life. This means that, precisely if one faithfully adheres to what the scientific mode of thinking itself leads to, one must go completely beyond the way in which natural science conducts its research. One must, so to speak, not take what natural science investigates, but rather observe oneself engaging in scientific inquiry. And what is practiced in this way—and what can truly lead to success only if it is practiced for years (after all, all scientific results are achieved only through long, painstaking work)—what is achieved in this way is a true immersion of consciousness into a completely different world. What is achieved can only be experienced; it can be described, but it cannot be demonstrated externally—it can only be experienced. For what is achieved is, I would say, in practice precisely what the scientific way of thinking already points toward. This scientific way of thinking tells us: If I continue on my path, I come to a boundary; I go as far as I can still find something human. There I do not find a world in which there is will and feeling. — But this world, where one discovers feeling and will just as objectively as one otherwise discovers plants and minerals here, this world is found when, between the lines of one’s ordinary life of imagination, one can bring this inner experience of the ideas to life within the soul. Only now does one actually experience what one can otherwise only intuit. The natural scientist today will already be more or less inclined to say: It is blind superstition for anyone to claim that what is known in the physical world as thinking or imagining could somehow take place without a thinking apparatus, without a brain, without a nervous system. The natural scientist asserts this on the basis of his theory. One might easily believe—and amateurs in the field of spiritual research do believe—that spiritual research must prove the natural scientist’s assertion wrong. That is not the case. On the contrary, insofar as this assertion follows logically from scientific facts, the spiritual researcher stands firmly on the ground of natural science in this field. It is simply that the spiritual researcher actually experiences what the natural scientist treats as a theoretical concept. For when one experiences—in the world of the imagination—this weaving and living that I have alluded to, then one knows: Only now has one arrived at that point where the thinking apparatus can no longer provide anything. All the thinking one has done up to this point is bound to the thinking apparatus. Only now has one arrived at that inner experience, that inner weaving, which is no longer bound to the thinking apparatus.

[ 16 ] Aber man ist zugleich bei etwas angelangt, was, wenn man es sagt, selbstverständlich zunächst vor den gewohnten Vorstellungsarten der Gegenwart verrückt erscheint. Aber alles, was in der Wissenschaft einmal aufgetreten ist und sich einfügen mußte der Geistesentwickelung der Welt, war ja zuerst verrückt und dann selbstverständlich. Es erscheint zuerst verrückt, aber es ist doch eine Wahrheit. Man ist, indem man dieses innere Weben und Leben wirklich innerlich regsam gemacht hat, aus der Welt draußen, die man zwischen Geburt oder, sagen wir, zwischen Empfängnis und Tod hier auf der Erde erlebt, - man ist draußen. Man ist in einer Welt, die man nicht im physischen Leibe erleben kann. Man ist vielmehr in der Welt, der man angehört hat vor der Geburt oder, sagen wir, als das Geistig-Seelische sich erst angeschickt hat, sich allmählich an dasjenige anzupassen, was ihm von der Vererbungsströmung an Körperlichem gegeben worden ist, oder was es sich selber gibt darauf wollen wir heute nicht eingehen. Man ist in den Kräften drinnen, die den Denkapparat nicht gebrauchen, um ein Vorstellungsleben zu entwickeln, sondern Kräften, die den Denkapparat erst bilden und fertig ausbilden erst im Grunde genommen im Leben nach der Geburt. Denn das innere Nervenleben, das innere Nervenweben wird ja erst ausziseliert, ausplastiziert im Verlauf der ersten Jahre und noch lange darüber hinaus, wenn wir unser physisches Dasein betreten haben. Man ist in den Kräften drinnen, die als plastische Kräfte diesen Menschen innerlich formen, damit er das werden kann, was er ist; damit er ein Geschöpf seines geistig-seelischen Selbstes ist. Nur darf man eben nicht glauben, daß man dieses Draußensein nicht in vollem, und ich meine jetzt, praktischem Ernste nehmen müsse. Denn sehen Sie, es wird aus einer selbstverständlichen Schwäche der Menschennatur heraus an den Geistesforscher immer wieder die Anforderung gestellt werden, zunächst dasjenige zu erkennen, was unmittelbare Gegenwart ist, was so, ich möchte sagen, mehr das verworrene Geistige der physisch-sinnlichen Welt ist. Hier in der physisch-sinnlichen Welt lernt man die Dinge kennen mit den Sinnen, Das aber, was diese Sinne selber erst geformt hat, das, was als der Baumeister diesen Sinnen zugrunde liegt, das lernt man kennen, wenn man sich aus der physischen Lebenszeit hinaus in die Zeit zu versetzen weiß — auf die Art, wie’s geschildert worden ist —, die vorangegangen ist dem physischen Leben und dienachfolgen wird dem physischen Leben. Man lernt eine Welt kennen, mit der diese Welt hier im Grunde genommen keine Ähnlichkeit hat. Und in dem, was ich geschildert habe als inneres Erleben der Denktätigkeit statt der Gedanken, eröffnet sich eine wirklich geistige Welt, in dem eröffnet sich wirklich die Welt, in der der Mensch mit anderen Geistwesen zusammen ist, wenn er nicht im physischen Leibe verkörpert ist. Ebenso konkret, ebenso innerlich anschaulich wie die äußere, wirkliche, physische Welt ist diese Welt, die sich da ausbreitet. Nur muß, wie ich auch schon hier ausgeführt habe, noch etwas anderes dazutreten.

[ 16 ] But at the same time, one has arrived at something that, when spoken of, naturally seems crazy at first in light of the familiar ways of thinking in the present. Yet everything that has ever emerged in science and had to find its place in the spiritual development of the world was, after all, crazy at first and then became self-evident. It seems crazy at first, but it is nevertheless a truth. By truly awakening this inner weaving and life within oneself, one has stepped outside the outer world—the one one experiences here on Earth between birth or, let’s say, between conception and death—one is outside it. One is in a world that cannot be experienced in the physical body. Rather, one is in the world to which one belonged before birth—or, let us say, when the spiritual-soul aspect had only just begun to gradually adapt itself to what had been given to it from the hereditary stream in terms of the physical, or what it gives itself—we will not go into that today. One is immersed in the forces that do not use the thinking apparatus to develop a life of imagination, but rather in forces that first form the thinking apparatus and only fully develop it, strictly speaking, in life after birth. For the inner nervous life—the inner nervous tissue—is only chiseled out and shaped in the course of the first few years and long beyond, once we have entered our physical existence. One is immersed in the forces that, as formative forces, shape this human being from within so that he can become what he is; so that he is a creation of his own spiritual-soul self. But one must not believe that one need not take this “being outside” in full—and I mean now, in practical—seriousness. For you see, out of a natural weakness of human nature, the spiritual researcher will time and again be required first to recognize what is immediately present—what is, I might say, more the confused spiritual aspect of the physical-sensory world. Here in the physical-sensory world, one comes to know things through the senses, But that which first shaped these senses themselves—that which, as the architect, underlies these senses—one comes to know this when one knows how to transport oneself beyond physical life into the time—in the manner that has been described—that preceded physical life and will follow it. One comes to know a world with which this world here bears, in essence, no resemblance. And in what I have described as the inner experience of thought activity rather than thoughts, a truly spiritual world opens up; in it, the world truly opens up in which human beings are together with other spiritual beings when they are not embodied in a physical body. This world that unfolds there is just as concrete and just as vividly perceptible inwardly as the outer, real, physical world. Only, as I have already explained here, something else must be added.

[ 17 ] Wir sehen, bei dem Wege, der durch das Denken genommen wird, kommt alles an auf ein Erkraften, auf ein Verstärken des Denkens, auf ein innerliches kraftvolles Erleben des Denkens. So kommt es darauf an, daß zuletzt vor diesem innerlichen kraftvollen Erleben der Inhalt des Denkens liegt, selbstverständlich nur im Bewußtsein liegt, und die Seele sich wirklich selber erleben kann im Weben des Vorstellens. Aber es muß hinzutreten, als ein Parallel-Experiment, möchte ich sagen, unseres Lebens eine Kultur, eine Entwickelung des Willenselementes, des Willens- und Gefühlselementes. Nun, während alles darauf ankommt bei der Entwickelung des Denkens in die geistige Welt hinein, dieses Denken innerlich zu erkraften, ich möchte sagen, es zu erwesen, kommt alles bei der anderen Entwickelung des Willens darauf an, daß man die umgekehrten Eigenschaften entwickelt: Seelenruhe, Gelassenheit; daß man imstande wird, sich dem, was wir unsere Handlungen, die Entfaltungen unseres Wollens nennen, so gegenüberzustellen, wie man es gerade lernen kann an der Naturforschung. Nicht, daß man ein kalter, wie eine Zitrone ausgesogener Mensch wird; das wird man nicht. Im Gegenteil, alles, was sonst vielfach unbenutzt bleibt von dem tiefer liegenden 'Temperament und den Affekten, tritt so recht vor die Seele, wenn es der Beobachtung unterzogen wird, die aus Gelassenheit und Seelenruhe kommt. Wenn man sich erst übt, so übt, wie etwa Goethe sich geübt hat im Anschauen der Pflanzen- und der Tiertypen, wenn man sich erst übt, die Außenwelt so zu beobachten, daß man wirklich Selbstverleugnung übt und dies dann nicht pedantisch theoretisch überträgt auf die Selbstbeobachtung, sondern sich die entsprechende Bekräftigung aneignet und dann den Blick, den man geschärft hat an der Natur, auf sich selber zurückwendet, dann findet man die Möglichkeit, das eigene Seelenleben, insoferne es sich entwickelt aus Wollen und aus Gefühl, aus Sympathien und Antipathien und als Willensimpulse in die Handlungen fließt, - man gewinnt die Möglichkeit, dieses Seelenleben so zu betrachten, daß man nun nicht im bildlichen Sinne, sondern wirklich so neben sich steht und bewußt anschaut diesen Menschen, wie man einen anderen Menschen anschauen kann, oder, wie ich heute vor acht Tagen gesagt habe: wie man auch sein eigenes Leben von gestern in der Erinnerung trägt, weil man es auch nicht verändert. Man schaut das, indem man ein Bewußtsein herausholt aus dem gewöhnlichen Bewußtsein. Man kommt da wirklich zu der Möglichkeit, sich zu sagen: Man hält stille innerhalb des sonstigen Stromes der Seelenerlebnisse, die aus Gefühl und Wille stammen. Dadurch, daß man selber stille hält, daß man vollständige innere Ruhe bekommt, daß man wirklich stehen bleibt, nicht mitgeht mit den Affekten, nicht mitgeht mit den Willensimpulsen und so weiter, sondern eben stehen bleibt mit der Seele, — verdoppelt man sich selbstverständlich. Denn es wäre vom Übel, wenn man, wie gesagt, eine ausgepreßte Menschenzitrone würde, wenn man nicht vollständig auch in dem ganzen Temperamentsmenschen drinnen stehen bliebe, der nun weiter geht; wenn man nicht mitleben könnte mit all seinen Affekten und Temperamenten. Aber der andere, den ich im vorigen Vortrage den Zuschauer benannt habe, der bleibt stehen: Dadurch bleibt er da, und das eigene Seelenleben beginnt wirklich, sich um ihn zu bewegen, wie die Planeten um die Sonne sich bewegen. Alles ein geistiger Vorgang! Es ist schwierig, dieses Stille-stehen-Lernen, aber man kann das Willensleben nicht beobachten, wenn man nicht stillestehen kann. Wenn man mitgeht mit dem Strom des Willenslebens, so ist man immer in allem drinnen. Wenn man stehen bleibt, dann kann man es beobachten, weil es sich gewissermaßen, wenn ich den groben Ausdruck gebrauchen darf, an einem reibt, indem es vorübergeht, indem es sich von einem entfernt. Dies alles muß aber nicht Theorie bleiben — das Theoriebleiben kann nichts nützen -, sondern es muß wirklich innere Lebenspraxis werden. Dann ist es kein Bild, sondern Wirklichkeit, daß da ein zweiter Mensch aus dem ersten heraustritt und sich mit diesem vereinigt. Wie sich unter gewissen Bedingungen der Sauerstoff mit dem Wasserstoff vereinigt, so vereinigt sich, wie ich eben geschildert habe, mit dem Menschen, den man ergriffen hat, der mit dem Vorstellungsleben mitlebt und mitwebt, der zweite Mensch. Und das ist nun wirklich ein Mensch, der außerhalb der Vorstellungen lebt. Während man früher in den Vorstellungen eine geistige, konkrete Welt entdeckt, in der es geistige Wesen gibt, wie es hier auf Erden Tiere und Mineralien gibt, so entdeckt man, wenn hinzukommt das, was ich zuletzt geschildert habe, durch das In-Ruhe-Stehen des zweiten Menschen gegenüber den Willensimpulsen, — so entdeckt man in der Tat dasjenige, was aus dieser geistigen Welt immer heraus sich in die physische hinein entwickelt, sich zum Physischen findet; was immerdar in der geistigen Welt danach strebt, einen physischen Ausdruck zu finden entweder durch Vereinigung mit der Physis, wie das beim Menschenleben oder beim Tierleben der Fall ist, oder durch unmittelbare Ausgestaltung, wie es zum Beispiel beim Kristall der Fall ist.

[ 17 ] We see that, in the path taken through thinking, everything comes down to a strengthening of thought, to an inner, powerful experience of thought. Thus, it is essential that, ultimately, the content of thought lie before this inner, powerful experience—of course, only in consciousness—and that the soul can truly experience itself in the weaving of imagination. But there must also be, as a parallel experiment, I might say, in our lives, a cultivation, a development of the element of will, of the elements of will and feeling. Now, while everything depends—in the development of thought into the spiritual world—on strengthening this thought inwardly, or, I would say, on experiencing it as such, everything in the other development of the will depends on developing the opposite qualities: serenity, composure; that one becomes capable of approaching what we call our actions—the manifestations of our will—in the very way one can learn to do so through the study of nature. Not that one becomes a cold person, drained like a lemon; one does not become that. On the contrary, everything that otherwise often remains unused—the deeper “temperament” and “affects”—truly comes to the fore in the soul when subjected to observation that arises from serenity and inner calm. Once one begins to practice—as Goethe, for example, practiced in observing plant and animal types—once one begins to observe the external world in such a way that one truly practices self-denial, and then does not pedantically or theoretically apply this to self-observation, but rather appropriates the corresponding affirmation and then turns the gaze, which one has sharpened through nature, turn it back upon oneself, then one finds the possibility of viewing one’s own inner life—insofar as it develops from will and feeling, from sympathies and antipathies, and flows into actions as impulses of the will— —one gains the ability to observe this inner life in such a way that one now stands beside oneself—not in a figurative sense, but truly—and consciously looks at this person, just as one might look at another person, or, as I said eight days ago: just as one carries one’s own life from yesterday in memory, because one does not alter it either. One observes this by drawing a consciousness out of ordinary consciousness. One truly arrives at the point where one can say to oneself: One remains still within the otherwise ceaseless stream of soul experiences that arise from feeling and will. By remaining still oneself, by attaining complete inner peace, by truly standing still—not going along with the emotions, not going along with the impulses of the will, and so on, but simply standing still with the soul—one naturally doubles oneself. For it would be a misfortune if, as I said, one were to become a squeezed-out human lemon, if one did not remain fully present within the whole temperamental being who now moves on; if one could not live along with all his emotions and temperaments. But the other one—whom I called the “spectator” in the previous lecture—remains still: through this, he remains there, and one’s own soul life truly begins to revolve around him, just as the planets revolve around the sun. It is all a spiritual process! It is difficult to learn this art of standing still, but one cannot observe the life of the will unless one can stand still. If one goes along with the flow of the life of the will, one is always caught up in everything. If one stands still, then one can observe it, because—if I may use a crude expression—it rubs against one, so to speak, as it passes by, as it moves away from one. But all this must not remain theory—remaining theory is of no use—rather, it must truly become an inner practice of life. Then it is no longer a mere image but reality that a second human being emerges from the first and unites with it. Just as, under certain conditions, oxygen combines with hydrogen, so too—as I have just described—the second human being unites with the person who has been grasped, the one who lives and weaves together with the life of imagination. And this is truly a human being who lives outside of thoughts. Whereas one used to discover in thoughts a spiritual, concrete world in which spiritual beings exist, just as animals and minerals exist here on earth, one discovers—when what I have just described is added, through the second human being’s state of calm in the face of impulses of will— — one does indeed discover that which constantly develops out of this spiritual world and into the physical world, finding its way to the physical; that which perpetually strives in the spiritual world to find a physical expression, either through union with the physical, as is the case with human or animal life, or through direct formation, as is the case, for example, with a crystal.

[ 18 ] Und jetzt beginnt für das innerliche Erleben dasjenige, was heute von den Menschen wieder vielfach als verrückt angesehen wird, innerliche Erfahrung zu werden; was Lessing gesagt hat, was er so schön ausdrückt in seiner «Erziehung des Menschengeschlechts», jetzt beginnt es Erfahrung zu werden. Jetzt weiß der Mensch - indem er diesen inneren Stillstand gegenüber seinem Leben in Willensimpulsen erreicht hat —, daß etwas in ihm lebt, was auf der einen Seite gerade mit diesem Leib sich vereinigen wollte, weil es solche Kräfte früher entwickelte, wie es jetzt wiederum entwickelt, wie sie sich jetzt zeigen, und wie sie in diesem Leibe leben, so wie der Keim in der Pflanze lebt. Und wie der Keim in der Pflanze der Quell einer neuen Pflanze ist, so ist dasjenige, was jetzt in dem Menschen also erfaßt wird, der Quell eines zukünftigen Lebens, das erfaßt wird, wenn die Zeit zwischen dem Tod und der Geburt oder einer neuen Empfängnis abgeschlossen wird. Die wiederholten Erdenleben werden ein Gedanke, der eine wirkliche Fortsetzung des naturwissenschaftlichen Entwickelungsgedankens ist. Und nur derjenige, der sein Denken nicht weit genug bringen kann, um einzusehen, daß das, was da im Menschen lebt, wirklich in diesem Menschen, sofern er ein physisches Wesen ist, so lebt, wie physisch der Pflanzenkeim in der Pflanze lebt für eine neue Pflanze, daß da ein geistig-seelischer Mensch lebt, so lebt, daß dieser geistig-seelische Mensch, ich möchte sagen, zunächst seine Hülle hat in dem physisch-leiblichen Menschen, aber die Keimanlage ist für ein folgendes Erdenleben, - nur derjenige, der nicht scharf genug denken kann, der nicht wirklich die Gedanken, die heute schon da sind und die auch in der Naturwissenschaft verwendet werden, nicht ausdenken kann, dem kann die Notwendigkeit entgehen, von der naturwissenschaftlichen Denkungsweise heraus diese ewigen Kräfte der Menschenseele zu suchen, die ganz naturwissenschaftlich gesucht werden, indem zuerst einfach, ich möchte sagen, im Ernste die Naturwissenschaft beim Wort genommen wird: daß sie stille stehen muß gegenüber dem Gefühls- und Willensleben, dann aber gerade in dieses Gefühls- und Willensleben hineingelangen wird, indem es dort aufgesucht wird, wo es sonst unbewußt bleibt: im Denken. Und daß auf der anderen Seite das Denken da aufgesucht wird, wo es sich sonst verbirgt; denn im Willen, wo es hineinfließt, verbirgt sich dieses Denken. Dadurch aber, daß gerade diese Naturwissenschaft recht ernst genommen wird, entdecken sich diese ewigen Kräfte der Menschenseele, die man nicht erreichen kann, wenn man nur so abstrakt den Menschen betrachtet und sich sagt: Nun, in diesem Menschen muß auch ein Ewiges sein, — und die Linien meinetwillen nach hinten und vorne verlängert; denn so kommt man nicht zu diesem Ewigen. Diese Linien sind keine gerade fortlaufenden Linien. Gerade so, wie ich -— wenn ich eine Pflanze vor mir habe, diese Pflanze den Keim bildet und in dem Keim die Anlage zur neuen Pflanze ist — von Pflanze zu Pflanze gehen muß, Glied für Glied aneinanderfügen muß, so muß ich beim Menschen in seinem gegenwärtigen Sein dasjenige suchen, was ihn zu einem nächsten Lebenssein führt, und in diesem Lebenssein wird sich wiederum der Keim finden für ein weiteres Lebenssein. Und ebenso findet sich — wenn wir eben dieses Zweite erreichen: Ruhe im Willensleben -, ich möchte sagen, wie ein anderes Gedächtnis, das aufleuchtet, der Rückblick auf die früheren Erdenleben. Allerdings, die meisten Menschen werden ziemlich früh stehen bleiben, wenn sie sich also einer Forschung unterziehen sollen, die nicht eine Forschung ist, die so bequem ist wie die äußere Naturforschung. Da hat man vor sich das Objekt oder das Experiment, da gibt man sich passiv hin, da beobachtet man. Nein, so läßt sich die geistige Welt nicht beobachten! Die geistige Welt läßt sich nur ergreifen, wenn man wirklich sein Inneres ändert, lebendig macht für die geistige Welt. Für die physische Welt hat man die Hände; für die geistige Welt muß man erst dasjenige zu dem Greifen der Vorstellungen herausbilden, was wie innere Hände, wie innere Greiforgane erfassen kann die geistige Welt. Immer aktiv, immer tätig ist der Forscher, wenn er wirklich in der geistigen Welt drinnen steht.

[ 18 ] And now, for inner experience, that which people today often regard as madness begins to become inner experience; what Lessing said, what he so beautifully expresses in his *The Education of the Human Race*, now begins to become experience. Now, having attained this inner stillness in relation to his life through impulses of the will, the human being knows that something lives within him that, on the one hand, sought to unite itself with this very body—because it developed such forces in the past as it is now developing again, as they now manifest themselves, and as they live within this body, just as the seed lives within the plant. And just as the seed in the plant is the source of a new plant, so what is now perceived within the human being is the source of a future life that will be realized when the period between death and birth—or a new conception—is completed. The idea of repeated earthly lives becomes a concept that is a true continuation of the scientific concept of evolution. And only those who cannot extend their thinking far enough to realize that what lives within the human being truly lives in that human being—insofar as he is a physical being—just as the plant seed physically lives within the plant for a new plant; that a spiritual-soul human being lives there in such a way that this spiritual-soul human being, I would say, first of all has its shell within the physical human being, but the germ is for a subsequent earthly life—only those who cannot think clearly enough, who cannot truly follow through on the ideas that already exist today and are also used in natural science, may fail to grasp the necessity of seeking, from the perspective of the scientific way of thinking, these eternal forces of the human soul, which are sought entirely in a scientific manner by first simply, I might say, taking science seriously at its word: that it must stand aside from the life of feeling and will, but will then penetrate precisely into this life of feeling and will by seeking it out where it otherwise remains unconscious—in thinking. And that, on the other hand, thought is sought out where it is otherwise concealed; for this thought is hidden in the will, into which it flows. But precisely by taking this natural science very seriously, these eternal forces of the human soul are revealed—forces that cannot be reached if one merely views the human being in such an abstract way and says to oneself: “Well, there must also be something eternal in this human being”—and extends the lines backward and forward for my sake; for that is not how one arrives at this eternal. These lines are not straight, continuous lines. Just as I—when I have a plant before me, and this plant forms the seed, and within the seed lies the potential for a new plant—must move from plant to plant, joining one link to the next, so too must I seek within the human being, in his present existence, that which leads him to his next life, and in that life the seed for yet another life will in turn be found. And likewise—when we attain precisely this second stage: tranquility in the life of the will—I would say, like another memory that dawns upon us, the retrospect of earlier earthly lives. Admittedly, most people will come to a halt quite early on if they are to undergo a form of inquiry that is not as comfortable as the study of external nature. There, one has the object or the experiment before one; there, one surrenders passively; there, one observes. No, the spiritual world cannot be observed in this way! The spiritual world can only be grasped if one truly transforms one’s inner self, making it alive to the spiritual world. For the physical world, one has one’s hands; for the spiritual world, one must first develop within oneself that which can grasp the spiritual world—like inner hands, like inner organs of perception. The researcher is always active, always at work, when he truly stands within the spiritual world.

[ 19 ] Nun sagte ich aber, man bleibt meistens früh stehen, man wird den Weg, der ein mühseliger ist, nicht leicht bis an ein erfolgreiches Ende führen. Allerdings, die Wünsche, die bei diesem Erforschen der ewigen Kräfte der Menschenseele erfüllt werden können, diese Wünsche haben gewiß viele Leute — denn nicht wahr, «schön», «unendlich schön» ist es, in frühere Erdenleben zurückzuschauen! Man erlebt es ja immer wieder, wie die Menschen das schön finden. Diejenigen, die ein bißchen hineingerochen haben in dasjenige, was Geistesforschung ist, und sich dann Geistesforscher nennen, bei denen erleben wir es immer wiederum, daß sie in ihre früheren Erdenleben zurückschauen. Es sind allerdings diese früheren Erdenleben dann Erdenleben von selbstverständlich bedeutsamen Menschen, die man auch findet, wenn man die Geschichte da oder dort aufschlägt. Ich habe einmal teilgenommen - ich habe das schon öfter erwähnt — an einem Caféhaustisch einer österreichischen Stadt. Da waren vereinigt: Seneca, nein — Marc Aurel, der Herzog von Reichstadt, Marquise Pompadour, Marie Antoinette, Kaiser Josef und Friedrich der Große. Und alle diese Leute glaubten wirklich an diese ihre Rückschau in frühere Erdenleben!

[ 19 ] But then I said that people usually give up early; a path that is arduous will not easily lead to a successful conclusion. However, the desires that can be fulfilled through this exploration of the eternal forces of the human soul—many people certainly have such desires—for isn’t it “beautiful,” “infinitely beautiful,” to look back on past earthly lives? One sees time and again how people find this beautiful. Those who have gotten a little taste of what spiritual research is—and then call themselves spiritual researchers—we see time and again that they look back on their past earthly lives. These past earthly lives, of course, are those of significant people, whom one also finds when one opens a history book here or there. I once took part—as I’ve mentioned before—in a gathering at a café table in an Austrian city. There were gathered together: Seneca—no, Marcus Aurelius, the Duke of Reichstadt, the Marquise de Pompadour, Marie Antoinette, Emperor Joseph, and Frederick the Great. And all these people truly believed in their recollections of past lives!

[ 20 ] Bei der wirklichen Rückschau hat es etwas Unangenehmes für die gewöhnlichen Wünsche. Diese Rückschau befriedigt nämlich wirklich nichts anderes als die Erkenntnis. Und man muß ein reines Erkenntnisstreben haben, wenn man überhaupt irgend etwas erreichen will auf diesem Gebiete. Hat man nicht dieses reine Erkenntnisstreben, dann kann man nichts erreichen. Man kann schon in bezug auf die äußere Natur nichts erreichen, wenn man nicht eben jene Selbstlosigkeit im guten und schlechten Sinne, von der ich gesprochen habe, entwickeln kann. Aber das muß noch gesteigert sein, wenn man nun etwa die Rückschau in frühere Erdenleben entwickeln will. Und da, wenn sie selbst im eigenen Erleben auftritt, diese Rückschau - erstens enttäuscht sie einen meistens in dem Sinne, auf den jetzt gedeutet worden ist; aber sie kann niemals auftreten — das ist eben ein Erfahrungssatz —, wenn man dasjenige, was man dadurch erfährt, noch in diesem Erdenleben irgendwie verwenden könnte. Ich sage: bei sich selbst auftreten. Also jedesmal, wenn eine Rückschau in frühere Erdenleben wirklich in einem selber auftritt, so kann sie nur die Erkenntnis befriedigen. Sie kann niemals einem irgend etwas helfen für die Befriedigung irgendwelcher Wünsche in dem Erdenleben, in dem man drinnen steht. Wenn also jemand glaubt, er müsse seine früheren Erdenleben kennen, um so recht seine Stellung in der Welt zu würdigen, so wird er, wenn er auf eigene Forschung hin diese früheren Erdenleben erkennen lernen will, sehr fehl gehen. Und auch in vieler anderer Beziehung werden die Wünsche, die irgendjemand hat, sehr selten irgendwie befriedigt bei wirklicher, echter Geistesforschung.

[ 20 ] When one truly looks back, there is something unpleasant about it for ordinary desires. For this reflection truly satisfies nothing other than knowledge. And one must have a pure pursuit of knowledge if one wants to achieve anything at all in this field. If one does not have this pure pursuit of knowledge, then one cannot achieve anything. One cannot achieve anything even with regard to external nature unless one can develop precisely that selflessness—in both the positive and negative senses—of which I have spoken. But this must be taken even further if one wishes, for example, to develop the ability to look back on past earthly lives. And when this recollection arises in one’s own experience—first of all, it usually disappoints one in the sense that has just been explained; but it can never arise—this is simply a principle derived from experience—if one could in any way make use of what one learns through it in this present earthly life. I say: arise within oneself. So whenever a review of past earthly lives truly arises within oneself, it can only satisfy the intellect. It can never help anyone in any way to satisfy any desires in the earthly life in which one is currently living. So if someone believes they must know their past earthly lives in order to truly appreciate their place in the world, they will go very astray if they attempt to gain knowledge of these past lives through their own research. And in many other respects as well, the desires that anyone may have are very rarely satisfied in any way through genuine spiritual research.

[ 21 ] In bezug auf diese Wünsche muß zum Beispiel folgendes bemerkt werden: Zunächst ist es so, daß derjenige, der sich mehr als Laie oder als Dilettant in die Geistesforschung hineinbegibt — aber das kann selbstverständlich jeder, Sie können das Betreffende nachlesen aus meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» —, der sich so hineinbegibt als Laie, er strebt vor allen Dingen an, recht viel zu sehen, recht viel zu schauen in der geistigen Welt. Das ist selbstverständlich und natürlich. Und so könnte er dann glauben, daß der erfahrene Geistesforscher ihm rät, sich nur ja recht viel zu befassen und alle mögliche Zeit, die er hat, nun anzuwenden auf die Geistesforschung. Der seiner Verantwortung sich bewußte und kundige Geistesforscher wird das gar nicht tun. Er wird es auch selber nicht bei sich so halten, sondern er weiß, daß es von großem Übel ist, wenn man das gewöhnliche Denken, das Denken, das man in der äußeren Welt anwenden muß, abzieht von der äußeren Welt, nachdem man Geistesforscher geworden ist; daß es von Übel ist, wenn man das Denken, das hingeordnet ist auf die äußere Welt, nun zurückzieht und nichts mehr von der äußeren Welt wissen will. Wenn man ein Denk-Asket wird, meinetwillen, und alles Denken nur verwendet, um ja sich hineinzubohren in die geistige Welt, wird man in Wirklichkeit nichts erreichen. Man wird ein schwärmerischer Grübler werden. Man wird dasjenige in sich erleben, was nahe, ich möchte sagen, an irgendeinen religiösen Wahnsinn grenzen könnte. Wird man aber wirklich Geistesforscher, so ist notwendig, daß man alle Vorsichtsmaßregeln berücksichtigt — und Sie finden sie sämtlich aufgezählt in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» —, um ein vernünftiger Mensch zu bleiben, derselbe vernünftige Mensch, wie ich heute vor acht Tagen gesagt habe, der man war, bevor man in die geistige Forschung eingetreten ist, — wenigstens nicht weniger vernünftig. Und um das zu erreichen, dazu versucht der Geistesforscher gerade, sein Interesse rege zu erhalten für alles, was in der Außenwelt eben sein Interesse erregen kann. Ja, man wird gerade, wenn man in der geistesforscherischen Entwickelung drinnen steht, und als vernünftiger Mensch darinnen steht, immer mehr und mehr Bedürfnis haben, seine Horizonte in bezug auf Weltbeobachtung und Mitleben mit der Welt zu erweitern, nicht zu verengern, sich mit möglichst vielem zu befassen, was nur mit Erfahrungen, Beobachtungen, Erlebnissen der äußeren, physischen Welt zusammenhängt. Denn je mehr man abgelenkt wird von dem, wohinein man gerade gelangen will, desto besser. Dadurch erreicht man, daß das Denken immer wieder und wiederum, ich möchte sagen, diszipliniert wird an der äußeren, physischen Welt und sich nicht auf die freie Fluchtbahn begibt, auf die sich die Seele leicht begeben kann, wenn sie sich nun zurückzieht von der äußeren Welt und sich möglichst nur hineinvergräbt in dasjenige, in dem sie zu leben glaubt als in einem geistig Erweiterten. Also, das Interesse, das ist dasjenige, was wie ein äußerer praktischer Rückhalt eben zur Geistesforschung dazugehört.

[ 21 ] With regard to these wishes, the following must be noted, for example: First of all, anyone who enters the field of spiritual research as a layperson or dilettante—but of course anyone can do this; you can read about it in my book *How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds?* —who approaches it as a layperson—strives above all to see a great deal, to observe a great deal in the spiritual world. That is only natural and to be expected. And so they might then believe that the experienced spiritual researcher advises them to immerse themselves as much as possible and to devote all the time they have to spiritual research. The spiritual researcher who is aware of his responsibility and is knowledgeable will not do that at all. Nor will he practice this himself; rather, he knows that it is a great evil to withdraw ordinary thinking—the thinking one must apply in the outer world—from the outer world after becoming a spiritual researcher; that it is an evil to withdraw the thinking that is oriented toward the outer world and no longer wish to know anything about the outer world. If one becomes, so to speak, an ascetic of thought and uses all one’s thinking solely to delve into the spiritual world, one will in reality achieve nothing. One will become a fanciful brooder. One will experience within oneself something that could, I might say, border on some form of religious madness. But if one truly becomes a spiritual researcher, it is necessary to observe all precautions—and you will find them all listed in my book *How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds?* — in order to remain a reasonable person, the same reasonable person, as I said eight days ago, that one was before embarking on spiritual research—at least no less reasonable. And to achieve this, the spiritual researcher strives precisely to keep his interest alive in everything in the external world that can arouse his interest. Indeed, precisely when one is engaged in spiritual research and remains a reasonable person within that context, one will feel an ever-increasing need to broaden—not narrow—one’s horizons with regard to observing the world and participating in it, and to engage with as many aspects as possible that are connected to experiences, observations, and events in the external, physical world. For the more one is distracted from what one is currently striving to achieve, the better. In this way, one ensures that thinking is repeatedly—I would say—disciplined by the external, physical world and does not set off on the free course of flight that the soul can so easily take when it withdraws from the external world and buries itself as much as possible in that which it believes it is living in as a spiritually expanded state. So, interest—that is what, like an external, practical anchor, is an essential part of spiritual research.

[ 22 ] Daher wird insbesondere dem Anfänger in der Geistesforschung geraten werden müssen, seine gewöhnliche Lebensweise nicht erheblich zu ändern, sondern gewissermaßen unvermerkt für diese äußere Lebensweise in die Geistesforschung einzutreten. Wenn man die äußere Lebensweise zu stark ändert, dann ist der Kontrast zu wenig groß — und er muß groß sein — zwischen dem inneren Erleben und dem Erleben mit der äußeren Welt. Alles, was heute so vielfach angestrebt wird von den Menschen, die - nun, wie soll ich sagen -— ihr Heil darin suchen, sich von der Welt zurückzuziehen, Kolonien zu gründen, lange Haare zu tragen, wenn man vorher kurze getragen hat, oder, wenn man vorher als Dame lange getragen hat, nachher kurze zu tragen, oder besondere Kleider anzulegen und so weiter, und auch sich andere Lebensgewohnheiten anzueignen, — alles das ist vom Übel. Das ist deshalb vom Übel, weil man zweierlei von sich verlangt: sich einzugewöhnen in eine neue Lebensweise und zugleich sich einzugewöhnen, sich einzuleben in die geistige Welt. Das aber muß bestehen bleiben, was ich heute vor acht Tagen hier ausführte, was ich versuchte recht scharf auszuführen: Während bei irgendeinem pathologischen Zustand, der sich im Bewußtsein herausbildet, dieser pathologische Zustand da ist und der vernünftige Mensch fort ist, muß beim Entwickeln des Selbstbewußtseins für die Geistesforschung der alte Mensch ganz dableiben, wie er ist, und neben dem das andere Bewußtsein stehen, — immer müssen die beiden nebeneinander da sein. Man kann sagen, trivial ausgedrückt: Beim Geistesforscher ist das so, daß das entwickelte Bewußtsein, das Erleben in einer anderen Welt, das er hat, vollständig gesondert dasteht von dem, was er sonst in der Welt ist.

[ 22 ] For this reason, beginners in spiritual science, in particular, will need to be advised not to make significant changes to their usual way of life, but rather to enter into spiritual science, as it were, imperceptibly, while maintaining this outward way of life. If one changes one’s outward way of life too drastically, the contrast—which must be great—between inner experience and experience of the outer world will be too small. Everything that is so often sought today by people who—well, how shall I put it—seek their salvation in withdrawing from the world, founding colonies, wearing long hair when one previously wore it short, or—if one previously wore it long as a lady—wearing it short afterward, or donning special clothing and so on, and also adopting different lifestyle habits—all of that is harmful. This is harmful because one demands two things of oneself: to become accustomed to a new way of life and, at the same time, to become accustomed to and settled into the spiritual world. But what I explained here eight days ago—which I tried to explain quite sharply—must remain true: Whereas in any pathological state that develops in consciousness, that pathological state is present and the rational human being is absent, in the development of self-consciousness for spiritual research, the old self must remain entirely as it is, and the other consciousness must stand alongside it—the two must always exist side by side. To put it simply: For the spiritual researcher, the developed consciousness—the experience of another world that he possesses—stands completely separate from what he otherwise is in the world.

[ 23 ] Es ist nichts anders geworden mit dem, was man sonst in der Welt ist, als es früher war. Und man sieht auf das, was man sonst in der Welt war, wie man auf seine gestrigen Erlebnisse hinschaut. Und wie man diese gestrigen Erlebnisse nicht mehr antasten kann, so tastet man nicht an dasjenige, was man war, bevor man in die geistige Welt eingetreten ist. Wenn man ein verrückter oder ein hypnotisierter oder irgendwie sonst pathologisch zu nehmender Mensch ist, so ist man es und kann nicht daneben irgendein vernünftiger Mensch sein. Denn Sie werden niemals entdecken, daß einer zugleich vernünftig und ein Narr ist. Darin besteht eben gerade dasjenige, worauf es ankommt, daß man sagen kann: Das pathologische Bewußtsein ist ein verändertes Bewußtsein; das Bewußtsein hat eine Metamorphose erfahren. Bei dem richtigen Drinnenleben in der geistigen Welt hat es gar keine Metamorphose erfahren, sondern es hat sich das neue Bewußtsein neben das alte hingestellt. Und das ist das Wesentliche, worauf es ankommt, so daß der Mensch die beiden Bewußtseine wirklich voll überschauen kann.

[ 23 ] Nothing has changed in terms of who one used to be in the world; it is just as it was before. And one looks back on who one used to be in the world just as one looks back on yesterday’s experiences. And just as one can no longer touch those experiences of yesterday, so one does not touch upon what one was before entering the spiritual world. If one is a madman, or a hypnotized person, or someone who must be regarded as pathological in some other way, then one is that—and cannot at the same time be a rational person. For you will never discover that someone is both sane and a fool at the same time. This is precisely the crux of the matter: one can say that pathological consciousness is an altered consciousness; consciousness has undergone a metamorphosis. In the case of a true inner life in the spiritual world, consciousness has not undergone any metamorphosis at all; rather, the new consciousness has simply taken its place alongside the old. And that is the essential point: so that a person can truly grasp both states of consciousness in their entirety.

[ 24 ] Eine weitere, ich möchte sagen, Unbequemlichkeit beim Erreichen solcher geistigen Ziele, wie sie angegeben worden sind, kommt daher, daß ja nun selbstverständlich der naturwissenschaftlich Denkende sich daran gewöhnt, auf seinem Felde zu bleiben und die ganze Welt umfassen möchte mit dem, was sich aus seinem Felde ergibt; daß er daher ablehnt — wenn er es nur für sich täte, so käme nichts darauf an -, als eine Weltanschauung dasjenige zu suchen, was gerade jenseits seiner Weltauffassung lebt. Alle Größe des gewöhnlichen Lebens, sogar auch des praktischen Lebens, alle Größe auch der Naturwissenschaft beruht auf der Denkweise, die sich im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte herausgebildet hat. Und meistens wird von der Geisteswissenschaft nicht geringer, sondern oftmals höher geachtet dasjenige, was die Naturwissenschaft leistet für das Leben, auch für das äußere Leben; sie wird voll anerkannt von der Geisteswissenschaft. Aber gerade diese Geisteswissenschaft weiß auch, daß das naturwissenschaftliche Denken — verzeihen Sie wiederum einen trivialen Ausdruck — leicht ist, wenn man abweist dasjenige, was man als Gedanke braucht. Wahrhaftig, heute ist es schon so, daß zu der Erfindung des Experimentes viel mehr gehört, als zu dem Beobachten dessen, was durch das Experiment einem vor Augen tritt. Leicht und bequem ist das Gedanken-Ablesen von der Natur. Dazu braucht man wenig innere Aktivität. Gar nicht zu vergleichen ist diese Aktivität mit der, die man braucht, wenn man das in sich entwickeln will, wovon heute gesprochen worden ist. Und so kommt es denn, daß diejenigen, die sich ihrem Bewußtsein nach auf den strengen Boden der Wissenschaft stellen, ihrem Instinkte nach aber der Bequemlichkeit des abgelesenen Denkens sich überlassen, selbstverständlich sagen: Nun ja, das ist so etwas Ausgedachtes, Ausspintisiertes, was von dieser Geisteswissenschaft kommt. Aber es besteht eben das, was man sich vielleicht ohne Hochmut und ohne Überhebung gestehen muß: Es gehört ein scharfsinnigeres Denken dazu, um die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten einzusehen. Aber einem scharfsinnigen Denken ergeben sie sich zum Beispiel schon, wenn der Betreffende, dem sie sich ergeben sollen, auch kein Geistesforscher geworden ist. Autoritätsgläubig wollen ja heute die Menschen nicht sein; aber, Hand aufs Herz - ich habe das schon öfter auch gesagt: Wie viele Leute glauben denn, trotzdem sie niemals das entsprechende Experiment gesehen haben, daß sich Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegen läßt, oder andere Dinge! Wenn man nämlich den Dingen auf den Grund geht, so war keine Zeit so von Autoritätsgläubigkeit durchdrungen wie gerade die heutige Zeit, und so keine Zeit den Dogmen unterworfen wie die heutige, Nur daß man heute sagen kann, wie ich vor Jahrzehnten es ausgesprochen habe in meiner Einleitung zu Goethes naturwissenschaftlichen Schriften, daß die Leute das Dogma der Erfahrungen glauben, während früher die Leute das Dogma der Autorität hingenommen haben. Gerade so, wie man verwenden kann im praktischen Leben, ohne selber im Laboratorium gewesen zu sein, dasjenige, wasaus dem Laboratorium kommt, so kann man durch entsprechendes wirklich angestrengtes Denken dasjenige für seine Weltanschauung anwenden, was der Geistesforscher zutage fördert und wovon er weiß, daß er es in der geistigen Welt drinnen wirklich entdeckt hat.

[ 24 ] Another—I would say—inconvenience in achieving such intellectual goals, as they have been stated, stems from the fact that, naturally, the scientific thinker becomes accustomed to remaining within his own field and wishes to encompass the entire world with what arises from that field; and therefore refuses—if he were to do so only for himself, it would not matter—to seek, as a worldview, that which lies precisely beyond his own conception of the world. All the greatness of ordinary life, even of practical life, and all the greatness of the natural sciences rests upon the mode of thinking that has developed over the course of the last three to four centuries. And for the most part, spiritual science does not regard what natural science contributes to life—including external life—as any less, but often as more; it is fully acknowledged by spiritual science. But spiritual science itself also knows that natural-scientific thinking—forgive me again for a trivial expression—is easy when one rejects what one needs as thought. Truly, it is already the case today that the invention of the experiment involves far more than the mere observation of what the experiment reveals. It is easy and convenient to derive thoughts from nature. This requires little inner activity. This activity cannot be compared at all to the activity required if one wishes to develop within oneself what has been discussed today. And so it happens that those who, in their consciousness, stand on the rigorous ground of science, but who, by instinct, surrender to the comfort of thought derived from observation, naturally say: Well, this is just something contrived and fanciful that comes from this spiritual science. But there is precisely this fact, which one must perhaps admit without arrogance or conceit: It takes a more discerning mind to grasp the truths of spiritual science. Yet they reveal themselves to a discerning mind, for example, even if the person to whom they are meant to be revealed has not become a researcher in the humanities. People today do not want to be believers in authority; but, hand on heart—I have said this many times before: How many people believe, even though they have never witnessed the corresponding experiment, that water can be decomposed into hydrogen and oxygen, or other things! For when one gets to the bottom of things, no era has been as permeated by a belief in authority as the present one, and no era has been as subject to dogma as the present one. Except that today one can say—as I stated decades ago in my introduction to Goethe’s scientific writings—that people believe in the dogma of experience, whereas in the past people accepted the dogma of authority. Just as one can apply in practical life, without having been in the laboratory oneself, what comes out of the laboratory, so too can one, through appropriate and truly rigorous thinking, apply to one’s worldview what the spiritual researcher brings to light and which he knows he has truly discovered within the spiritual world.

[ 25 ] Das sind solche Unbequemlichkeiten gegenüber der Geistesforschung; doch viele solche Unbequemlichkeiten könnten aufgezählt werden. Die Hauptsache ist diese, daß die Menschen sehr leicht zurückschrecken vor dem, was sich wie eine Art von Seelenstimmung ergeben muß, wenn der Weg in die geistige Welt hinein genommen wird. Zunächst — und ich möchte dasjenige, was ich zu sagen habe, gewissermaßen historisch entwickeln - sind es Gedanken der historischen Entwickelung. Die meisten Menschen sagen zum Beispiel: Ach, da hat es so viele Philosophen und Philosophien in der Welt gegeben, und alle haben etwas anderes behauptet. Oh, es ist am besten, sich mit diesen Philosophen und Philosophien überhaupt gar nicht zu befassen! Aber solch ein Urteilen entsteht nur unter dem Einflusse des Glaubens, daß man einen Philosophen nur dann erfassen kann, wenn man ihn als einen Dogmatiker und nicht, ich möchte sagen, wie einen inneren Gedankenkünstler auffaßt. Man kann ihn erfassen wie einen inneren Gedankenkünstler, dann wird man gerade dann recht viel von ihm haben, wenn man ihn recht intim studiert, recht intim ihn auf sich wirken läßt und ihm womöglich gar nichts davon glaubt, dann zu dem anderen geht und wiederum sieht ein ernstes Streben, das darin lebt im Wahrheitsstreben, und man wird vielseitig. Man wird sich gerade dadurch den Sinn erwerben für das Drinnenstehen in der geistigen Welt. Allerdings erlebt man dann, daß man sich klar wird darüber, gerade wenn man echt den Wegen in der Gegenwart der Naturforschung folgt: Alles, was man aus der Beobachtung und dem Experiment holt, ist im Grunde genommen inneres Erleben, und das Äußere sollte niemals Naturgesetz oder so etwas genannt werden, sondern — Goethe hat schon den großartigen Ausdruck gewählt — Urphänomen, Urerscheinung. Und wenn mehr erlebt wird in der äußeren Sinneswelt, so ist es erlebt durch die Betätigung des Innern. Das Denken muß untergreifen unter das Phänomen. Man kann nicht ohne das Denken unter das Phänomen hinunterkommen. Dazu gehört ein inneres Erkraften des Denkens, ein wirkliches inneres kraftvolles Erleben und Fortsetzen der Linie des Denkens.

[ 25 ] These are some of the difficulties people face when it comes to spiritual research; yet many such difficulties could be listed. The main point is this: people very easily shy away from what must inevitably arise as a kind of spiritual disposition when one embarks on the path into the spiritual world. First of all—and I would like to present what I have to say in a sort of historical context—there are considerations regarding historical development. Most people say, for example: “Oh, there have been so many philosophers and philosophies in the world, and they’ve all claimed something different.” Oh, it’s best not to concern oneself with these philosophers and philosophies at all! But such a judgment arises only under the influence of the belief that one can grasp a philosopher only if one regards him as a dogmatist and not, I would say, as an inner artist of thought. One can grasp him as an inner artist of thought; then one will gain a great deal from him precisely when one studies him quite intimately, allows him to work on oneself quite intimately, and—if possible—believes nothing of what he says, then moves on to the next one and again sees a serious striving that lives within the pursuit of truth, and one becomes versatile. It is precisely through this that one will acquire a sense of being immersed in the spiritual world. However, one then comes to realize—precisely when one genuinely follows the paths of contemporary natural science—that everything one derives from observation and experiment is, at its core, an inner experience; and the external should never be called a law of nature or anything of the sort, but rather—as Goethe so magnificently put it—a primal phenomenon, a primordial manifestation. And when more is experienced in the outer sensory world, it is experienced through the activity of the inner self. Thinking must reach beneath the phenomenon. One cannot descend beneath the phenomenon without thinking. This requires an inner strengthening of thought, a truly powerful inner experience and continuation of the line of thought.

[ 26 ] Das will man unter dem Einflusse der naturwissenschaftlichen Denkungsweise nicht. Daher hat von dieser Seite die naturwissenschaftliche Denkungsweise heute wirklich noch etwas von dem letzten Reste der alten Zauberei, so paradox das klingt. Hier erzeigt sich uns klar, daß dasjenige, was wir heute naturwissenschaftliches Experimentieren und Beobachten nennen, sich in gerader Linie entwickelt hat aus der alten Zauberei, wo man geglaubt hat, durch Veranstaltungen — im Verlaufe der Veranstaltungen durch das Zeremonielle, das man zugrunde gelegt hat — etwa zu erfahren, was man nicht innerlich miterlebt. Man schauderte zurück vor dem innerlichen Erleben. Man wollte nicht hinein in die Dinge und wollte sich diktieren lassen von den Geistern draußen, die da zauberhaft in den Phänomenen leben, dasjenige, was man durch das Hinein-fließenLassen des inneren Erlebens in das äußere allein finden kann. Aber all solches ist gerade so, wie wenn jemand sagen würde: Die Zeiger der Uhr gehen vorwärts, weil darinnen ein kleiner Dämon sitzt, ein kleiner Elementargeist. Es ist zwar heute nur noch leise zu bemerken, aber im naturwissenschaftlichen Experiment, oder wenn die Physiologen kommen und kleine Froschleichen zerschneiden, um innere Teile zu sehen, da haben Sie immer noch im Gemüte jenen Schauer vor den Naturgeheimnissen, der in der alten Zauberei vorhanden war. Das muß auch noch heraus! Man muß nicht in innere Ohnmacht fallen, wenn man das Denken über die Natur ausdehnen soll. Man muß die Kraft haben, mit dem Denken wirklich unterzugreifen unter die Naturerscheinungen. Unter den modernen Errungenschaften — Errungenschaften sind ja alle — zeigt uns diese besondere Schwäche dasjenige, was sich im landläufigen Sinne so kundgibt, daß man wiederum durch äußere Veranstaltungen den Geist erforschen will, indem sich die Leute anschicken, zum Beispiel sich um einen Tisch herum zu setzen, um durch allerlei mechanische, wiederum äußere Veranstaltungen, nicht durch Untertauchen mit dem eigenen Geist in die Wesenheiten der Welt, sondern durch äußere Veranstaltungen den Geist zu suchen. Natürlich suchen sie nur, nun, sagen wir, in Klopftönen oder etwas anderem den Geist. Daß sie ihn vielleicht viel näher finden könnten, wenn sie daran dächten, daß wenn acht um den Tisch herumsitzen, acht verkörperte Geister da sind, die anders wahrzunehmen sind als gerade der Geist, der gerade durch allerlei Unsinn an den Tisch klopft, - daran denken die Menschen nicht. Und so ist denn wie die andere Seite, wie eine groteske Seite das Gegenbild des Experimentierens zur Tagesordnung geworden, wo man wirklich auf die grobklotzigste Weise den Geist suchen will durch Dinge, die man gerade zu überwinden hat.

[ 26 ] Under the influence of the scientific way of thinking, this is not what one wants. Therefore, from this perspective, the scientific way of thinking today truly still retains something of the last remnants of ancient magic, as paradoxical as that may sound. Here it becomes clear to us that what we today call scientific experimentation and observation has developed in a straight line from ancient magic, where people believed that through rituals—and, in the course of these rituals, through the ceremonial practices on which they were based—they could somehow experience what they did not experience inwardly. They shuddered at the idea of inner experience. People did not want to go deep into things; instead, they wanted to be dictated to by the spirits outside—those that magically dwell within the phenomena—regarding what can be discovered solely by allowing inner experience to flow into the outer world. But all of this is just as if someone were to say: The hands of the clock move forward because a little demon sits inside it, a little elemental spirit. Admittedly, it’s only faintly perceptible today, but in scientific experiments, or when physiologists come along and dissect little frogs to examine their internal parts, you still feel in your heart that same shudder of awe before the mysteries of nature that was present in ancient sorcery. That, too, must be cast aside! One need not succumb to a sense of helplessness when expanding one’s thinking about nature. One must have the strength to truly reach beneath natural phenomena with one’s thinking. Among modern achievements—and they are all achievements, after all—this particular weakness reveals itself in what is commonly expressed as the desire to explore the spirit once again through external events, as people set out, for example, to sit around a table in order to seek the spirit through all manner of mechanical, again external means—not by immersing one’s own spirit in the essences of the world, but through external means. Of course, they seek the spirit only—well, let’s say—in knocking sounds or something else. That they might find it much closer if they considered that when eight people sit around the table, there are eight embodied spirits present who can be perceived differently from the very spirit that is knocking on the table through all sorts of nonsense—people do not think of that. And so, as the other side—as a grotesque counterpart—the opposite of experimentation has become the order of the day, where people truly seek the spirit in the crudest, most clumsy way possible through the very things they are trying to overcome.

[ 27 ] Dann hat aber dieses, was man heute vielfach im landläufigen Sinn Weltanschauung nennt, noch eine andere Seite. Es ist ganz natürlich, daß sich nach und nach, ich möchte sagen, eine Scheu ausgebildet hat, diese innere Seelenaktivität wirklich zu entwickeln, denn man hält sie für etwas wirklich bloß Subjektives. Man glaubt, daß man bloß ein Subjektives herausarbeitet. Daß man unter dem Subjektiven das Objektive findet, das wird man eben erst gewahr, wenn man wirklich in die Sache eindringt. Man scheut zurück, das Innere wirklich zu entwickeln. Es wäre gerade so, als wenn man vor der Geburt zurückschrecken würde, Arme und Beine zu entwickeln, weil man glauben würde, man trüge dadurch etwas Subjektives in die Welt hinaus und Arme und Beine könnten niemals etwas Objektives wahrnehmen. Man schreckt zurück, man will also das Innere nicht entfalten. Man will dasjenige, was, wie wir gesagt haben, mit Recht an den bloßen Denkapparat geknüpft wird, allein entwickeln. Das heißt, man will nur den Denkapparat in sich wirken lassen, man zieht sich wirklich auf das unaktive Vorstellungsleben zurück. Und die Folge davon ist, daß sich allerlei Weltanschauungen entwickeln, über die man auch gerade mit dem modernen Psychiater eins werden könnte, wenn man sich nur auf einen ganz objektiven, unbefangenen Standpunkt stellt. Man kann sich gerade mit dem modernen Psychiater schon einigen zum Beispiel über das, was man heute Monismus nennt. Man ist sich klar darüber, daß diejenigen Menschen, die im heutigen grob materiellen Sinne Monisten sind, den Mut nicht haben, die innere Aktivität zu entwickeln, daß sie nur den Denkapparat in sich wirken lassen und aus dem Denkapparat selbstverständlich nur eine Abspiegelung der äußeren physischen Welt bekommen können. Schlagen Sie sich irgendwo ein psychiatrisches Buch auf, so werden Sie die Definition dieser Sache finden: Da entsteht eine Summe von Ideen, welche der Betreffende für richtig hält, weil er sich nicht bewußt ist, daß sie nur von dem Denkapparat stammen; er hält diese Ideen im absoluten Sinne für richtig. Das nennt man im psychiatrischen Sinne heute Wahnideen im Gegensatz zu Zwangsideen. Viele Wahnideen sind heute Weltanschauung! Wenn Sie auf die geisteswissenschaftliche Weltanschauung eingehen, so werden Sie sehen, daß sie weder in den einen noch in den anderen Fehler verfallen kann, weder in den Aberglauben der äußeren Naturanschauung, die noch immer etwas von Zauberei, das heißt, Aberglauben, zugrunde legt, noch hinüberspielen kann in das Gebiet der Wahnideen, weil der Geistesforscher eben gerade da sich ganz klar macht, daß er das, was er innerlich zur Erforschung der Welt erzeugt, selber erzeugt, selber hervorbringt, und auch weiß: Er darf es selber erzeugen, selber hervorbringen. Dann kann es die äußere Welt berühren. So kann er niemals in eine Weltanschauung verfallen, die nur eine Wahnidee wäre.

[ 27 ] But there is another side to what is today commonly referred to as a “worldview.” It is only natural that, little by little, a certain reluctance has developed—I would say—to truly cultivate this inner activity of the soul, because it is regarded as something purely subjective. People believe that they are merely working out something subjective. That one finds the objective beneath the subjective—one only becomes aware of this when one truly delves into the matter. One shrinks back from truly developing the inner life. It would be just as if, before birth, one were to shrink back from developing arms and legs because one believed that in doing so one would bring something subjective into the world, and that arms and legs could never perceive anything objective. One shrinks back; one therefore does not want to unfold the inner self. One wants to develop only that which, as we have said, is rightly linked to the mere thinking apparatus. That is to say, one wants only to allow the thinking apparatus to work within oneself; one truly withdraws into an inactive life of imagination. And the consequence of this is that all sorts of worldviews develop—views on which one could actually find common ground with the modern psychiatrist, if only one were to adopt a completely objective, unbiased standpoint. One can, in fact, agree with the modern psychiatrist, for example, on what is today called monism. It is clear that those people who are monists in today’s crude, materialistic sense lack the courage to develop their inner activity; they merely allow their thinking apparatus to operate, and from that apparatus they can, of course, obtain only a reflection of the external physical world. If you open any book on psychiatry, you will find the definition of this phenomenon: a set of ideas arises that the person in question considers to be true, because he is not aware that they originate solely from the thinking apparatus; he regards these ideas as true in an absolute sense. In psychiatric terms, this is today called delusional ideas, as opposed to obsessive ideas. Many delusional ideas today constitute a worldview! If you examine the spiritual-scientific worldview, you will see that it cannot fall into either of these errors—neither into the superstition of the external view of nature, which is still based on something akin to magic—that is, superstition, nor can it drift into the realm of delusional ideas, because the spiritual researcher makes it perfectly clear to himself that what he generates internally for the purpose of exploring the world, he generates himself, brings forth himself, and also knows: he is permitted to generate it himself, to bring it forth himself. Then it can touch the external world. In this way, he can never fall into a worldview that would be nothing more than a delusion.

[ 28 ] Aber, wie schon oft angedeutet: Die Dinge, von denen auch heute wiederum gesprochen worden ist, entstehen, wenn die naturwissenschaftliche Denkungsweise, wie sie sich seit drei bis vier Jahrhunderten herausgebildet hat, fortgesetzt wird. Aber sie muß so fortgesetzt werden, daß nicht bloß betrachtet wird, sondern erlebt wird die Wahrheit. Daher ist ein gewisses in das geistigste Leben hineingehendes künstlerisches Empfinden eine viel bessere Vorbereitung für das geisteswissenschaftliche Erleben als jede andere Vorbereitung. Und man wird daher immer finden, daß das asketische Sich-Zurückziehen von der Kunst, wie es gerade bei Menschen, die Bestrebungen der geistigen Erforschung der Dinge haben, so oftmals bemerkbar ist, daß dieses von großem Übel ist, daß in der Tat auch über dieses künstlerische Gebiet der Gesichtskreis des Menschen durch die Geistesforschung erweitert wird. Hegel konnte eine metaphysische Bedeutung der Kunst zum Beispiel nicht finden. Für ihn war die Kunst nur die höchste Blüte dessen, was sich hier in der physischen Welt ausbildet. Aber für den, der in die geistige Welt wirklich eindringt, ist es klar: Dasjenige, was hier Phantasie bleiben muß, solange sie sich auf der physischen Welt bewegt als eine menschliche Seelenkraft, das ist doch herausgeboren aus dem Geistigen, das ist das physische Abbild für das Geistige, das ist der Bote, der aus der geistigen Welt kommt. Und kann man nur diese übersinnliche Sendung der Kunst fassen, so hat man ja schon, ich möchte sagen, einen Anfang für das wirklich lebendige, stimmungsvoll lebendige Eindringen in die geistige Welt. Sonst aber wird es dieser Geisteswissenschaft lange noch so gehen, wie es jedem geistigen Impuls gegangen ist, der sich in die Geistesentwickelung der Menschheit hat einfügen müssen. Ich habe hier oftmals darauf aufmerksam gemacht, daß ja die weitaus größte Zahl der Menschen der Kopernikanischen Weltanschauung feindselig gegenüberstand, begreiflicherweise, denn sie widersprach allen Denkgewohnheiten. Man hatte bis dahin gedacht: Die Erde steht still, man steht fest auf der stillstehenden Erde, die Sonne bewegt sich, die Sterne bewegen sich. Nun sollte man auf einmal alles umdenken. Und man kann noch nicht einmal sagen, daß dieser Kopernikanismus gerade dadurch groß geworden ist, daß er, wie es heute der Monismus gerade fordert, nur auf das äußere Sinnliche sah; denn das äußere Sinnliche ist gerade mit dem zusammenstimmend, was man früher gedacht hat. Die äußere Sinnenwelt zeigt uns selbst, für diese Sinnenwelt selber, daß die Erde stillsteht und die Sonne sich bewegt. Der Kopernikanismus ist gerade dadurch zu etwas Neuem gekommen, daß er der sinnlichen Auffassung widersprach. Und heute muß man dadurch zu etwas Neuem kommen, daß man der gewöhnlichen Seelenauffassung selbstverständlich widerspricht, daß man gerade dasjenige, wovon man so leicht glauben möchte, das sei zunächst selber etwas, was als ewige Kraft der Menschenseele bezeichnet werden kann, nämlich Denken, Fühlen und Wollen, daß man das gerade bezeichnet als das, was nun als innerer Schein, als innerer Abglanz des eigentlich Ewigen sich erweist, und daß das eigentlich Ewige, die wirklich ewigen Kräfte der Menschenseele, unter diesem Schein liegen. Und erst, wenn man das Vorstellen, das Denken so vertieft, daß man aus dem gewöhnlichen Denken heraus an das aktive Denken kommt, wo das Denken Wille wird — aber erlebter, nicht bloß wie bei Schopenhauer angeschauter Wille - und wo das Wollen Denken wird dadurch, daß man es in Ruhe deuten kann, erst dann entdeckt man die ewigen Kräfte der Menschenseele, und man wird gewahr, daß man dieser physische Mensch ist, ich möchte sagen, ganz nach einem Naturgesetz, nur in einem höheren Sinne aufgefaßt. Dieser physische Mensch ist man dadurch, daß man aus geistigen Kräften umgewandelt ist. In der Naturwissenschaft weiß jeder: Wenn er so über den Tisch streicht, entsteht Wärme. Da glaubt er an die Umwandlung der Kräfte. Man nennt das heute Umwandlung der Energien. Umwandlung der Energien, Umwandlung der Kräfte ist auch in der geistigen Welt vorhanden. Was wir sonst geistig sind, wandelt sich um ins Physische. Diese Umwandlung des Geistigen ist gerade so, wie wenn durch Reibung Wärme entsteht.

[ 28 ] But, as has often been suggested: The issues that have been discussed again today arise when the scientific way of thinking—as it has developed over the past three to four centuries—is continued. But it must be continued in such a way that the truth is not merely observed, but experienced. Therefore, a certain artistic sensibility that penetrates into the most spiritual life is a far better preparation for spiritual scientific experience than any other preparation. And one will therefore always find that the ascetic withdrawal from art—as is so often evident, particularly among people who strive to explore things spiritually—is a great evil; for it is indeed through this artistic realm that a person’s horizon is broadened by spiritual research. Hegel, for example, could not find a metaphysical significance in art. For him, art was merely the highest flowering of what develops here in the physical world. But for those who truly penetrate the spiritual world, it is clear: that which must remain imagination here, as long as it operates in the physical world as a human soul force, is in fact born of the spiritual; it is the physical image of the spiritual; it is the messenger who comes from the spiritual world. And if one can only grasp this supersensory mission of art, then one already has, I would say, a starting point for a truly living, atmospherically vivid penetration into the spiritual world. Otherwise, however, this spiritual science will continue to fare as every spiritual impulse has fared that has had to find its place in the spiritual development of humanity. I have often pointed out here that the vast majority of people were hostile toward the Copernican worldview—understandably so, for it contradicted all their established ways of thinking. Until then, people had believed: The Earth stands still; one stands firmly on the stationary Earth; the Sun moves; the stars move. Now, all of a sudden, one was supposed to rethink everything. And one cannot even say that this Copernicanism became significant precisely because it, as monism demands today, looked only at the external sensory world; for the external sensory world is precisely in harmony with what people had previously thought. The external sensory world itself shows us—for this sensory world itself—that the Earth stands still and the Sun moves. Copernicanism achieved something new precisely by contradicting sensory perception. And today we must arrive at something new by naturally contradicting the conventional conception of the soul—by recognizing that precisely that which we are so inclined to believe is, at first glance, something that can be described as an eternal power of the human soul—namely, thinking, feeling, and willing—that one designates precisely this as that which now proves to be an inner appearance, an inner reflection of what is truly eternal, and that what is truly eternal—the truly eternal forces of the human soul—lie beneath this appearance. And only when one deepens one’s imagination and thinking to such an extent that one moves beyond ordinary thinking to active thinking—where thinking becomes will (but will as experienced, not merely as contemplated, as in Schopenhauer), and where willing becomes thinking through the ability to interpret it calmly— only then does one discover the eternal powers of the human soul, and one becomes aware that one is this physical human being—I would say, entirely in accordance with a law of nature, only understood in a higher sense. One is this physical human being through being transformed by spiritual powers. In the natural sciences, everyone knows: when one rubs one’s hands together over a table, heat is generated. There, one believes in the transformation of forces. Today this is called the transformation of energies. The transformation of energies and forces also exists in the spiritual world. What we are otherwise in the spiritual realm is transformed into the physical. This transformation of the spiritual is exactly like the generation of heat through friction.

[ 29 ] Bloß Umänderung der Denkgewohnheiten wird nötig sein. Das ist für manche Leute schwer. Denn nicht nur, daß sie Denkgewohnheiten haben, von denen sie nicht losgelassen werden, — sogar zu Begriffen haben sich diese Denkgewohnheiten verhärtet. Und wenn heute einer von Fortsetzung der Naturwissenschaft spricht, von lebendiger Fortsetzung, wie sie hier gemeint ist, dann guckt derjenige, der so ganz dick drinnen steht, knüppeldick drinnen steht in den Denkgewohnheiten, und sagt: Der will eine neue Religion stiften, das ist ganz klar, der will eine neue Religion stiften! Das alles muß man begreiflich finden, selbstverständlich finden. Und man wird es begreiflich finden, wenn man nur ein wenig über den Gang der Geistesentwickelung der Menschheit hin den Seelenblick schweifen läß. Aber für dasjenige, was die Besten der Menschen angestrebt haben, gibt von einem gewissen Gesichtspunkte aus Geisteswissenschaft doch, ich möchte sagen, eine gewisse Befriedigung. Nicht eine leichte Befriedigung. Vor dieser leichten Befriedigung — das ist auch wiederum etwas, was der Geisteswissenschaft entgegen ist — vor dieser leichten Befriedigung fürchten sich sogar die Menschen. So gibt es einen, der wandte einmal ein: Ja, diese Geisteswissenschaft will die Fragen, die Geheimnisse der Welt beantworten. Ach, wie öde wird das Leben dann sein, wenn alle Fragen beantwortet sind; denn gerade darin, daß man Fragen haben kann, liegt das Leben. — Solche Leute, die so denken, würden sich wundern, was ihnen geschieht, wenn sie in die wirkliche Geisteswissenschaft eintreten! Allerdings, der Bequemling glaubt, Geisteswissenschaft sei so etwas wie ein geistiges Morphium zu seiner Beruhigung. Das ist sie gar nicht. Die Fragen werden nämlich nicht weniger, die Rätsel werden nicht weniger, sondern gerade vermehrt. Immer neue und neue Rätsel entstehen. Und wenn man als gewöhnlicher Materialist Haeckels «Welträtsel» oder seine besseren Werke in die Hand nimmt, dann wird man Antworten haben! Für den Geistesforscher sind da erst die Fragen; da springen erst die Fragen heraus. Und er weiß, daß die Fragen, die ihm entstehen, nicht durch Theorien, sondern durch Erleben beantwortet werden. Er sieht auf eine Entwickelung von unendlicher Perspektive. Und indem er Fragen aufwirft, belebt er gerade das Seelenleben, bereitet es vor auf die Antworten, die von immer neuen und neuen Geschehnissen gegeben werden. Reicher, unendlich reicher wird das Leben, weil die Fragen vermehrt werden. Wiederum eine Unbequemlichkeit für viele, die Behagen und nicht Erkenntnis suchen.

[ 29 ] All that will be necessary is a change in thinking habits. This is difficult for some people. For not only do they have thinking habits from which they cannot break free—these thinking habits have even solidified into concepts. And when someone today speaks of the continuation of the natural sciences—of a living continuation, as is meant here—then the person who is so deeply entrenched, so thoroughly entrenched in those habits of thought, looks on and says: “He wants to found a new religion; that’s perfectly clear—he wants to found a new religion!” One must find all of this understandable, take it for granted. And one will find it understandable if one allows one’s soul’s gaze to wander even a little over the course of humanity’s spiritual development. But from a certain point of view, spiritual science does, I would say, offer a certain satisfaction regarding what the best of humanity have strived for. Not a superficial satisfaction. People even fear this superficial satisfaction—which is, in turn, something that stands in the way of spiritual science. For example, there was once someone who objected: “Yes, this spiritual science wants to answer the questions, the mysteries of the world. Oh, how dreary life will be then, when all questions have been answered; for it is precisely in the fact that one can have questions that life lies.” — People who think this way would be surprised at what happens to them when they enter into true spiritual science! Of course, the complacent person believes that spiritual science is something like a spiritual morphine to soothe him. It is nothing of the sort. For the questions do not diminish, the mysteries do not diminish, but rather increase. Ever new and new mysteries arise. And if, as an ordinary materialist, one picks up Haeckel’s *The Riddle of the World* or his better works, then one will find answers! For the spiritual researcher, however, the questions are what come first; it is the questions that leap out at him. And he knows that the questions that arise for him are answered not by theories, but through experience. He looks upon a development of infinite perspective. And by raising questions, he actually enlivens the life of the soul, preparing it for the answers provided by ever-new events. Life becomes richer—infinitely richer—because the questions multiply. Yet again, this is an inconvenience for many who seek comfort rather than knowledge.

[ 30 ] Aber im Ganzen ist Geisteswissenschaft schon etwas, was doch die besten Menschen gesucht haben, und was schon der junge Goethe im Auge hatte, als er einem Weisen, den er so verborgen hält, nachspricht:

[ 30 ] But on the whole, the science of the spirit is indeed something that the finest people have sought, and something that even the young Goethe had in mind when he echoed a sage whom he keeps so hidden:

Die Geisterwelt ist nicht verschlossen;
Dein Sinn ist zu, dein Herz ist tot!
Auf, bade, Schüler, unverdrossen
Die irdsche Brust im Morgenrot!

The spirit world is not closed off;
Your mind is closed, your heart is dead!
Come, bathe, disciple, undaunted
Your earthly breast in the morning glow!

[ 31 ] Ja, man muß es nur finden, dieses Morgenrot! Wer es sucht aus dem Grunde, weil er sich vor der Sonne fürchtet, wird dieses Morgenrot nicht im richtigen Sinne finden. Und das ist derjenige, der sich als Geistesforscher fürchten würde vor dem ganzen, vollen, lebendigen Menschendasein. Wer sich nun in irgendein ästhetisches Wolkenkuckucksheim zurückziehen wollte, um die geistige Welt zu finden, der gleicht einem Menschen, der das Morgenrot sucht, weil er sich vor der Sonne, vor der voll scheinenden Sonne fürchtet. Aber man kann auch noch in anderem Sinne das Morgenrot suchen, in dem Sinne, daß es einem der Nachglanz der Sonne ist, die immer scheint und die da auch schien, bevor sie uns für unseren Tag aufgegangen ist, für andere Gebiete, Sucht man so das geistige Morgenrot, dann wird einem die eröffnete Geist-Erkenntnis zum Mittel, zum Werkzeug für das Gebiet, aus dem man herausgekommen ist vor der Verwandlung in das physische Menschendasein und in das man nach der Verwandlung des physischen Menschendaseins zurückkehrt, zu jener geistigen Kraft, mit der man wirklich wissenschaftlich sich selber offenbart das Gesetz der wiederholten Erdenleben. Geisteswissenschaft wird dann zu dem Morgenrot, das man erlebt als einen Nachglanz der Sonnenwirksamkeit, die man nicht unmittelbar haben kann, indem man den Sonnenglanz beobachtet, der einem zugeteilt ist auf dem Gebiet, auf dem man einmal steht hier in der physischen Welt, zu jenem Sonnenglanz, der sich ausbreitet in der geistigen Welt, in die man eintritt dadurch, daß man gerade den Mut und die Kraft hat, herauszutreten aus der sinnlich-physischen Welt, um in eine andere einzutreten, und in dieser anderen Welt, die man erleben kann, in dem Sinne erleben kann, wie Hegel nun wiederum richtig ahnte, indem er sagte: O wie elend ist der Gedanke, der die Unsterblichkeit erst jenseits des Grabes sucht. Suchst du die unsterblichen, suchst du die ewigen Kräfte der Menschenseele, du kannst sie schon finden. Aber sie müssen gesucht werden.

[ 31 ] Yes, one just has to find it, this dawn! Anyone who seeks it simply because they fear the sun will not find this dawn in the true sense. And that is the person who, as a spiritual researcher, would fear the whole, full, living human existence. Anyone who now wishes to retreat into some aesthetic cloud-cuckoo-land in order to find the spiritual world is like a person who seeks the dawn because they fear the sun—the sun shining in all its fullness. But one can also seek the dawn in another sense—in the sense that it is the afterglow of the sun, which always shines and which was already shining there before it rose for us to begin our day, for other realms, If one seeks the spiritual dawn in this way, then the spiritual insight thus revealed becomes a means, a tool for the realm from which one emerged before the transformation into physical human existence and to which one returns after the transformation of physical human existence—that spiritual power through which one truly and scientifically reveals to oneself the law of repeated earthly lives. Spiritual science then becomes the dawn that one experiences as a lingering glow of the Sun’s activity—an activity one cannot directly perceive by observing the solar radiance allotted to one in the realm in which one currently stands here in the physical world— to that solar radiance that spreads throughout the spiritual world, into which one enters precisely by having the courage and strength to step out of the sensory-physical world in order to enter another, and in this other world—which one can experience, in the sense that Hegel, in turn, correctly intuited when he said: “Oh, how wretched is the thought that seeks immortality only beyond the grave. If you seek the immortal, if you seek the eternal powers of the human soul, you can already find them. But they must be sought.”

[ 32 ] Weil der Mensch ein solches Doppelwesen ist, deshalb kann er die andere Seite seines Wesens wirklich auch finden. Und für diejenigen, die vom Standpunkte des gewöhnlichen Monismus aus das Forschen nach den ewigen Kräften der Menschenseele verpönen, weil dadurch die Seele in zwei Teile auseinandergerissen wird, für diese muß immer wiederum das gelten, daß man sagt: Ja, ist man kein Monist mehr, wenn man zugibt, daß das Monon Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerfällt und zerfallen muß für die Erkenntnis, wenn man es erkennen lernen will? Man ist wahrhaftig nicht weniger Monist, wenn man zugibt, daß wahrhafte Erkenntnis des eigentlich seelischen Wesens, dasjenige gesucht werden muß, aus dem das Monon, die Einheit, die Ganzheit Mensch wird. Aber sicher ist derjenige, der solche Wege einschlägt, wie sie heute versucht worden sind zu charakterisieren, daß er nichts verliert von dem, was die Welt ihm ist und was er sich selber sein kann in der Welt dadurch, daß er in die geistige Welt eintritt; daß nicht eine Verarmung desLebens, sondern eineBereicherung desLebens eintritt, und von diesem Gesichtspunkte aus eine höhere Befriedigung des Lebens. Es pulst etwas Neues durch Sinn und Gemüt, durch Denken und Herz, wenn dasjenige Sinn und Gemüt und Denken und Herz durchdringt, was erregt werden kann dadurch, daß keine Furcht da ist vor der Ohnmacht, kein Zurückscheuen da ist vor dem Mut, die dazu gehören, nun innerlich über sich selber hinauszukommen. Und das ist im Grunde genommen das, was die Besten angestrebt haben.

[ 32 ] Because human beings are such dual beings, they can indeed discover the other side of their nature. And for those who, from the standpoint of ordinary monism, disapprove of the search for the eternal forces of the human soul—because this tears the soul apart into two parts—the following must always hold true: Indeed, is one no longer a monist if one admits that the “monon”—water—breaks down into hydrogen and oxygen, and must do so for the sake of knowledge, if one wishes to come to know it? One is truly no less a monist if one admits that true knowledge of the truly spiritual essence—that from which the “monon,” the unity, the wholeness of the human being arises—must be sought. But the one who embarks on such paths—as they have been attempted to be characterized today—can be certain that he loses nothing of what the world is to him and of what he himself can be in the world by entering the spiritual world; that what ensues is not an impoverishment of life, but an enrichment of life, and from this perspective, a higher fulfillment of life. Something new pulsates through the senses and the mind, through thought and the heart, when that which can be stirred—by the absence of fear of powerlessness and the absence of hesitation in the face of the courage required to transcend oneself inwardly—penetrates the senses, the mind, thought, and the heart. And that, in essence, is what the greatest minds have strived for.

[ 33 ] Aber wie alles erst in einem bestimmten Zeitpunkte eintreten konnte in die Geistesentwickelung, so konnte Geisteswissenschaft auch nur in einem bestimmten Zeitpunkt eintreten. Aber mag sie angefeindet, mag sie feindselig betrachtet werden, mag sie verhöhnt, verspottet werden sie wird ebenso wahr fortleben, wie anderes fortgelebt hat, was verhöhnt, verspottet worden ist. Als zuerst aufgetreten ist derjenige, der gesagt hat: «Alles Leben stammt vom Leben», sprach er etwas aus, wofür man ihn dazumal auch dem Schicksal des Giordano Bruno entgegengehen ließ. Heute ist es eine Selbstverständlichkeit. So verwandeln sich in der Welt die Wahrheiten in der menschlichen Auffassung aus Verrücktheiten in Selbstverständlichkeiten. Für viele ist Geisteswissenschaft heute eine Verrücktheit. In der Zukunft wird ihr auch dieses Los zufallen, eine Selbstverständlichkeit zu werden.

[ 33 ] But just as everything else could only enter into the development of the spirit at a specific point in time, so too could spiritual science only emerge at a specific point in time. But no matter how much it may be opposed, no matter how hostile the attitude toward it, no matter how much it may be ridiculed or mocked, it will live on just as truly as other things that have been ridiculed and mocked have lived on. When the first person to say, “All life comes from life,” appeared, he expressed something for which he was, at the time, made to meet the same fate as Giordano Bruno. Today, it is taken for granted. Thus, in the world, truths in human perception transform from follies into self-evident truths. For many, spiritual science is a form of madness today. In the future, it, too, will share this fate—that of becoming a matter of course.