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From Central European Spiritual Life
GA 65

25 February 1916, Berlin

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From Central European Spiritual Life, tr. SOL
  1. Aus dem mitteleuropäischen Geistesleben

10. Ein vergessenes Streben nach Geisteswissenschaft Innerhalb der Deutschen Gedankenentwickelung

10. A Forgotten Quest for Spiritual Science Within the Development of German Thought

[ 1 ] Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, wurde öfter innerhalb dieser Vorträge von mir charakterisiert. Sie will eine wahre Fortsetzung der naturwissenschaftlichen Weltanschauung, ja, des naturwissenschaftlichen Forschens überhaupt sein dadurch, daß sie zu denjenigen Kräften der menschlichen Seele, welche zunächst, wenn der Mensch der äußeren sinnlichen Welt gegenübersteht und sich zur Erforschung seiner Sinne und des Verstandes bedient, der an das Gehirn gebunden ist, — daß sie zu diesen Kräften, deren sich also auch alle äußere Wissenschaft bedient, hinzufügt diejenigen, welche im gewöhnlichen Leben und in der Arbeit der gewöhnlichen Wissenschaft in der Seele schlummern, aber aus dieser Seele hervorgeholt werden können, entwickelt werden können und dadurch den Menschen in die Möglichkeit versetzen, sich in lebendige Beziehung zu versetzen zu dem, was als geistige Gesetze, geistige Wesenheiten die Welt durchwebt und durchwirkt und durchwest, und dem der Mensch mit seinem innersten Wesen ja auch angehört, angehört mit denjenigen Kräften seiner Wesenheit, welche durch Geburten und Tode gehen, welche die ewigen Kräfte seiner Wesenheit sind. In der ganzen Gesinnung, in der wissenschaftlichen Gesinnung will diese Geisteswissenschaft eine wahre Fortsetzerin der Naturwissenschaft sein. Und dasjenige, was sie von der Naturwissenschaft unterscheidet und was eben charakterisiert wurde, muß in ihr vorhanden sein aus dem Grunde, weil man gerade, wenn man in die geistige Welt eindringen will, eindringen will in derselben Art, wie die Naturwissenschaft in die natürliche Welt eindringt, andere Kräfte für die geistige Welt braucht. Man braucht die Bloßlegung von erkennendem Vermögen in der menschlichen Seele, von erkennenden Kräften, welche abgestimmt sind auf die geistige Welt.

[ 1 ] The humanities, as understood here, have been characterized by me on several occasions in these lectures. It aims to be a true continuation of the scientific worldview—indeed, of scientific research itself—by drawing upon those forces of the human soul which, when a person faces the external sensory world and makes use of their senses and the intellect bound to the brain, are initially at work—that is, by drawing upon these forces, which all external science also makes use of, adds those forces that lie dormant in the soul in ordinary life and in the work of ordinary science, but which can be drawn forth from this soul, can be developed, and thereby enable human beings to enter into a living relationship with that which, as spiritual laws and spiritual beings, interweaves, permeates, and permeates throughout the world, and to which the human being, with his innermost being, indeed also belongs—belongs with those forces of his being that pass through births and deaths, which are the eternal forces of his being. In its entire outlook, in its scientific outlook, this spiritual science seeks to be a true successor to natural science. And that which distinguishes it from natural science—and which has just been characterized—must be present in it for the very reason that, precisely when one wishes to penetrate the spiritual world—to penetrate it in the same way that natural science penetrates the natural world—one needs different powers for the spiritual world. One needs to uncover the cognitive faculties within the human soul—cognitive powers that are attuned to the spiritual world.

[ 2 ] Heute will ich nun im besonderen zeigen, daß diese Geisteswissenschaft, wie sie in der Gegenwart als Ausgangspunkt für eine geistige Entwickelung der Menschenzukunft auftreten will, nicht durch eine bloße Willkür aus dem geistigen Leben hervorgeholt oder in das geistige Leben hineingestellt wird, sondern fest verankert ist in den bedeutendsten, wenn auch vielleicht durch die Verhältnisse der neueren Zeit vergessenen Bestrebungen des deutschen Geisteslebens. Und da werden uns immer wieder und wiederum entgegentreten — und sie müssen auch heute erwähnt werden, obwohl ich sie in den Vorträgen, die ich im vorigen und in diesem Winter hier gehalten habe, wiederholt dargestellt habe —, es müssen uns immer wieder und wiederum entgegentreten, wenn wir von des deutschen Volkes größtem geistigen Aufschwung sprechen, von dem eigentlichen Gipfel seines Geisteslebens, die drei Gestalten: Fichte, Schelling und Hegel.

[ 2 ] Today I would like to show, in particular, that this spiritual science—which seeks to emerge in the present as the starting point for the spiritual development of humanity’s future— is not merely arbitrarily extracted from spiritual life or inserted into it, but is firmly anchored in the most significant endeavors of German spiritual life—even if these have perhaps been forgotten due to the circumstances of more recent times. And there we will encounter time and again—and they must be mentioned today as well, even though I have repeatedly described them in the lectures I gave here last winter and this winter—we must encounter them time and again when we speak of the German people’s greatest spiritual upsurge, of the very pinnacle of their spiritual life: the three figures: Fichte, Schelling, and Hegel.

[ 3 ] Fichte erlaubte ich mir, so wie er fest drinnen steht im deutschen Geistesleben, in einem besonderen Vortrage im Dezember zu charakterisieren. Heute möchte ich im besonderen darauf aufmerksam machen, wie Fichte dadurch, daß er unablässig gesucht hat nach einem festen Punkt im eigenen menschlichen Innern, nach einem lebendigen Mittelpunkt des menschlichen Seins, in einer gewissen Weise ein Ausgangspunkt von Bestrebungen in der Geisteswissenschaft ist. Und er ist ja zugleich — das wurde insbesondere im Fichte-Vortrag hier erwähnt — derjenige Geist, der, ich möchte sagen, wie aus einer tiefen Empfindung heraus dasjenige, was er zu sagen hatte, selber empfand wie bekommen durch ein Zwiegespräch mit dem deutschen Volksgeiste. Ich habe aufmerksam gemacht, wie Fichte im Gegensatz zu der westlichen Philosophie zum Beispiel, zu der westlichen Weltanschauung, vor allen Dingen darauf bedacht ist, allen Quell einer höheren menschlichen Weltauffassung durch eine Bloßlegung der menschlichen inneren Kräfte, der menschlichen Seelenkräfte zu erlangen. Das menschliche Ich-Wesen, der Mittelpunkt des menschlichen Seelenseins, ist für Fichte etwas, das im Innern des Menschen sich fortwährend erschafft, so daß es dem Menschen niemals verloren gehen kann, weil der Mensch Anteil hat nicht nur an dem Sein dieses Mittelpunktes des menschlichen Wesens, sondern Anteil hat an den schöpferischen Kräften dieses menschlichen Wesens. Und wie stellt sich Fichte vor, daß dieses Schöpferische im Menschen verankert ist in dem Allschöpferischen der Welt? Als das Höchste, zu dem der Mensch zunächst gelangen kann, wenn er versucht, sich einzuleben in dasjenige, was in der Welt als das Göttlich-Geistige webt und west. Als solches oberstes Göttlich-Geistiges erkennt Fichte dasjenige an, was willensartig ist, was als von der Weltenpflicht durchzogener Weltenwille alles durchpulst und alles durchsetzt und mit seinem Strom durchzieht die eigene menschliche Seele, in dieser eigenen menschlichen Seele selber aber nun nicht als Sein, sondern als Schöpferisches erfaßt wird. So daß der Mensch, wenn er sein Ich ausspricht, sich eins wissen kann mit dem in der Welt wirkenden Weltenwillen. Das GöttlichGeistige, das die Welt, die äußere Natur dem Menschen vorangestellt hat, will gleichsam hinein in den Mittelpunkt des menschlichen Wesens. Und der Mensch wird gewahr dieses innere Wollen, spricht dieses als sein Selbst, als sein Ich an.

[ 3 ] I took the liberty of characterizing Fichte—given his firm place within German intellectual life—in a special lecture in December. Today I would like to draw particular attention to how Fichte, by ceaselessly seeking a fixed point within his own inner being—a living center of human existence—is, in a certain sense, a starting point for endeavors in the science of the spirit. And at the same time—as was mentioned in particular in the Fichte lecture here—he is the thinker who, I would say, out of a deep sense of feeling, himself perceived what he had to say as having been received through a dialogue with the German national spirit. I have pointed out how Fichte, in contrast to Western philosophy, for example, or the Western worldview, is above all concerned with attaining the source of a higher human conception of the world through an unveiling of the inner human forces, the forces of the human soul. For Fichte, the human “I”—the center of human soul-being—is something that continually creates itself within the human being, so that it can never be lost to the human being, because the human being participates not only in the being of this center of human existence but also in the creative powers of this human being. And how does Fichte conceive of this creative aspect in human beings as being anchored in the all-creative nature of the world? As the highest reality to which a human being can initially attain when attempting to attune oneself to that which weaves and flows through the world as the divine-spiritual. Fichte recognizes as this supreme Divine-Spiritual that which is volitional—that which, as the World-Will permeated by the World-Duty, pulsates through everything, permeates everything, and flows through the human soul itself; yet within this human soul, it is grasped not as Being but as the Creative. Thus, when a person articulates his “I,” he can know himself to be one with the World-Will at work in the world. The Divine-Spiritual, which the world—outer nature—has placed before humanity, seeks, as it were, to enter the very center of human being. And the person becomes aware of this inner volition, addressing it as his self, as his “I.”

[ 4 ] Und so fühlte sich Fichte mit seinem Ich ruhend, aber in dieser Ruhe zugleich — der Widerspruch ist durchaus gewollt gesagt — aufs äußerste bewegt in dem schöpferischen Weltenwillen. Daraus wird ihm dann die Kraft, die er in seinem ganzen Leben betätigt hat. Daraus wird ihm auch die Kraft, all das äußere Sinnliche, wie er sagt, anzusehen als ein bloßes verstofflichtes Werkzeug für die Pflicht des Menschen, die in seinem Willen pulsiert. So ist für Fichte das eigentlich Geistige dasjenige, was als Wollen hereinströmt in die menschliche Seele. Die Außenwelt ist ihm das versinnlichte Material der Pflicht. Und damit sehen wir ihn, wie er immer wieder und wiederum durch sein ganzes Leben den Menschen hinweisen will auf den Quellpunkt, auf den lebendigen Quellpunkt des eigenen Inneren.

[ 4 ] And so Fichte felt at rest with his “I,” but at the same time—and this contradiction is entirely intentional—he was deeply moved by the creative will of the world. From this he draws the strength he exercised throughout his entire life. From this he also draws the strength to regard all that is external and sensuous, as he puts it, as a mere materialized instrument for human duty, which pulsates within his will. Thus, for Fichte, what is truly spiritual is that which flows into the human soul as will. For him, the external world is the sensed material of duty. And thus we see him, time and again throughout his entire life, seeking to direct people’s attention to the source, to the living source within their own inner being.

[ 5 ] Ich habe aufmerksam gemacht im Fichte-Vortrage, wie Fichte vor seine Zuhörer trat, zum Beispiel in Jena, und versuchte, jeden einzelnen Zuhörer in seiner Seele zu ergreifen, damit dieser gewahr würde, wie im Innern das Allschöpferische geistig lebt. So sagte er zu seinen Zuhörern: «Denken Sie sich die Wand!» Da sahen die Zuhörer zur Wand hin, konnten die Wand denken. Nachdem sie eine Weile die Wand gedacht hatten, sagte er: «Nun denken Sie denjenigen, der die Wand gedacht hat.» Da waren die Zuhörer zuerst etwas verblüfft. Sie sollten sich, jeder sich selber, innerlich ergreifen, innerlich geistig ergreifen. Aber es war zugleich der Weg, jeden Einzelnen auf das eigene Selbst hinzuweisen, ihn darauf hinzuweisen, wie er die Welt nur erfassen kann, wenn er sich in seinem tiefsten Inneren findet und dort entdeckt, wie hineinströmt dasjenige, was die Welt will und was im eigenen Wollen als Quellpunkt des eigenen Wesens aufgeht. Man sieht vor allen Dingen — und ich will heute mich nicht wiederholen in bezug auf den Vortrag, den ich im Dezember hier gehalten habe -, wie in Fichte lebt eine Weltanschauung der Kraft. Daher konnte auch derjenige, der ihm zuhörte — und viele haben in ähnlicher Weise gesprochen — sagen: Seine Worte rauschten «daher wie ein Gewitter, das sich seines Feuers in einzelnen Schlägen entladet». Und Fichte wollte, indem er also unmittelbar die Seele ergriff, an die Seele heranbrachte das göttlich-geistige Wollen, das durch die Welt geht, nicht bloß gute, er wollte große Menschen erziehen. Und so lebte er sich in ein lebendiges Zusammensein seiner Seele mit dem Weltenseelensein hinein und betrachtete dieses gerade wie das Ergebnis eines Zwiegespäches mit dem deutschen Volksgeist und fand aus diesem Bewußtsein heraus jene kraftvollen Worte, mit denen er sein Volk in einer der schwersten Zeiten Deutschlands aufmunterte und erkraftete. Er fand gerade aus diesem Bewußtsein heraus die Macht, so zu wirken, wie er in den «Reden an die deutsche Nation», weithin sein Volk befeuernd, sprechen konnte.

[ 5 ] In my lecture on Fichte, I drew attention to how Fichte addressed his audience—for example, in Jena—and sought to touch each individual listener in their soul, so that they might become aware of how the all-creative force lives spiritually within them. So he said to his listeners: “Imagine the wall!” Then the listeners looked at the wall and were able to imagine it. After they had imagined the wall for a while, he said: “Now imagine the one who imagined the wall.” At first, the listeners were somewhat taken aback. They were to grasp themselves—each one themselves—inwardly, spiritually. But at the same time, it was the way to direct each individual toward their own self, to point out to them how they can only grasp the world if they find themselves in their deepest inner being and discover there how that which the world wills flows in, and how it rises within their own will as the source of their own being. Above all—and I do not wish to repeat myself today with regard to the lecture I gave here in December—one sees how a worldview of power lives within Fichte. That is why even those who listened to him—and many have spoken in a similar vein—could say: His words roared “like a thunderstorm discharging its fire in individual flashes.” And Fichte, by thus directly seizing the soul and bringing to it the divine-spiritual will that permeates the world, sought not merely to educate good people, but great ones. And so he immersed himself in a living communion of his soul with the soul of the world, viewing this precisely as the result of a dialogue with the German national spirit, and from this consciousness he found those powerful words with which he encouraged and strengthened his people during one of Germany’s most difficult times. It was precisely from this awareness that he found the power to act in the way he was able to speak in the “Addresses to the German Nation,” greatly inspiring his people.

[ 6 ] Wie der Folger Fichtes steht nun Schelling da, gerade in seinen besten Seiten, man könnte sagen, wie Fichte mehr oder weniger vergessen. Wenn Fichte mehr dasteht wie der Mann, der das Wollen, das Weltenwollen ergreifen und in dem eigenen Worte das Weltenwollen fortrollen lassen will, wenn dieser Fichte dasteht wie der Mann, der gewissermaßen den Begriffen und Vorstellungen befiehlt, so steht Schelling vor uns da, wie er vor seinen begeisterten Zuhörern gestanden hat — und es hat viele solche gegeben, ich habe selber noch Leute gekannt, die den altgewordenen Schelling sehr gut gekannt haben -, er steht da vor uns, nicht wie Fichte, der Befehler der Weltanschauung, er steht da wie der Seher, aus dessen Augen funkelte, was er im Worte begeistert mitzuteilen hatte über Natur und Geist. So stand er schon in den neunziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts vor seinen Jenenser Zuhörern, gewissermaßen an der damaligen Mittelpunkts-Universität des deutschen Volkes, so stand er später wieder in München, so in Erlangen, so in Berlin später in den vierziger Jahren, überall etwas wie ein Seher von sich ausströmend, wie umflossen von Geistigkeit, wie heraussprechend aus der Geistigkeit.

[ 6 ] Just as Fichte’s follower, Schelling now stands there—precisely in his best light—one might say, much like Fichte, more or less forgotten. If Fichte stands there more as the man who seeks to grasp the will—the will to the world—and to let that will to the world roll on in his own words, if this Fichte stands there as the man who, so to speak, commands concepts and ideas, then Schelling stands before us just as he stood before his enthusiastic listeners—and there were many such listeners; I myself have known people who knew the elderly Schelling very well—he stands there before us, not like Fichte, the commander of the worldview; he stands there like the seer, from whose eyes sparkled what he was inspired to convey in words about nature and spirit. This is how he stood before his audience in Jena in the 1790s—at what was, in a sense, the central university of the German people at that time—and this is how he stood later in Munich, in Erlangen, and in Berlin in the 1840s: everywhere radiating something of a seer, as if surrounded by spirituality, as if speaking from within that spirituality.

[ 7 ] Damit Sie einen Begriff bekommen, wie eine solche Gestalt in der damaligen Blüte des deutschen Geisteslebens vor Menschen stand, die ein Empfinden dafür hatten, möchte ich Ihnen einige Worte zur Vorlesung bringen, welche niedergeschrieben sind von einem Zuhörer, von einem treuen, weil immer wieder mit Schelling zusammentreffenden Zuhörer: Gotthilf Heinrich Schubert. Ich möchte Ihnen die Worte vorlesen, die Schubert über die Art und Weise geschrieben hat, wie Schelling vor seinen Zuhörern stand, «schon als ein Jüngling unter Jünglingen», dazumal in den neunziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts in Jena. Darüber schreibt Schubert, der selber ein tief geistiger Mensch war, ein Mensch, der sich wunderbar vertieft hat in die Geheimnisse der Natur, der versuchte, das geheimnisvolle Weben der menschlichen Seele bis in die Traumwelt und in die abnormen Erscheinungen des Seelenlebens hinein zu verfolgen, der aber imstande war, auch hinaufzusteigen zu den höchsten Höhen des denkerischen menschlichen Lebens. Dieser Schubert schreibt über Schelling:

[ 7 ] To give you an idea of how such a figure appeared before people who were attuned to him during that golden age of German intellectual life, I would like to share with you a few words about the lecture, as recorded by a listener—a faithful listener, since he frequently met with Schelling: Gotthilf Heinrich Schubert. I would like to read to you the words Schubert wrote about the way Schelling stood before his audience—“already as a young man among young men”—back then in the 1790s in Jena. Schubert, who was himself a deeply intellectual man—a man who delved wonderfully into the mysteries of nature, who sought to trace the mysterious workings of the human soul all the way into the world of dreams and the abnormal manifestations of the soul’s life, but who was also capable of ascending to the highest heights of human intellectual life—writes about this. This Schubert writes about Schelling:

[ 8 ] «Was war es, das Jünglinge wie gereifte Männer von ferne und nahe so mächtig zu Schellings Vorlesungen hinzog? War es nur die Persönlichkeit des Mannes oder der eigentümliche Reiz seines mündlichen Vortrags, darinnen diese anziehende Macht lag?» — Schubert meint, das sei es nicht allein gewesen, sondern: «In seinem lebendigen Worte lag eine hinnehmende Kraft, welcher, wo sie nur einige Empfänglichkeit traf, keine der jungen Seelen sich erwehren konnte. Es möchte schwer sein, einem Leser unserer Zeit» — 1854 schreibt das Schubert, schon als alter Mann -, «der nicht wie ich jugendlich teilnehmender Hörer war, es begreiflich zu machen, wie es mir, wenn Schelling zu uns sprach, öfter so zu Mute wurde, als ob ich Dante, den Seher einer nur dem geweihten Auge geöffneten Jenseitswelt, läse oder hörte. Der mächtige Inhalt, der in seiner wie mit mathematischer Schärfe im Lapidarstile abgemessenen Rede lag, erschien mir wie ein gebundener Prometheus, dessen Bande zu lösen und aus dessen Hand das unverlöschende Feuer zu empfangen die Aufgabe des verstehenden Geistes ist.» — Dann aber sagt Schubert weiter: «Aber weder die Persönlichkeit, noch die belebende Kraft der mündlichen Mitteilung konnten es allein sein, welche für die Schellingsche Philosophie, alsbald nach ihrem öffentlichen Kundwerden durch Schriften, eine Teilnahme und eine Aufregung für oder wider ihre Richtung hervorriefen, wie dies vor und nachher in langer Zeit keine andere literarische Erscheinung in ähnlicher Art vermocht hat. Man wird da, wo es sich um sinnlich wahrnehmbare Dinge oder natürliche Erscheinungen handelt, einem Lehrer oder Schriftsteller es sogleich anmerken, ob er aus eigener Anschauung und Erfahrung spricht oder bloß von dem redet, was er von anderen gehört, ja, nach seiner eigenen selbstgemachten Vorstellung sich ausgedacht hat. Nur was ich selbst gesehen und erfahren, das hat für mich Gewißheit; ich kann davon mit Überzeugung reden, die sich auch Anderen in siegreicher Weise mitteilt. Auf die gleiche Weise, wie mit der äußeren Erfahrung, verhält es sich mit der inneren. Es gibt eine Wirklichkeit von höherer Art, deren Sein der erkennende Geist in uns mit derselben Sicherheit und Gewißheit erfahren kann, als unser Leib durch seine Sinne das Sein der äußeren, sichtbaren Natur erfährt. Diese, die Wirklichkeit der leiblichen Dinge, stellt sich unseren wahrnehmenden Sinnen als eine Tat eben derselben schaffenden Kraft dar, durch welche auch unsere leibliche Natur zum Werden gekommen. Das Sein der Sichtbarkeit ist in gleicher Weise eine wirkliche Tatsache, als das Sein des wahrnehmenden Sinnes. Auch dem erkennenden Geiste in uns hat sich die Wirklichkeit der höheren Art als geistig-leibliche Tatsache genaht. Er wird ihrer inne werden, wenn sich sein eigenes Erkennen zu einem Anerkennen dessen erhebt, von welchem er erkannt und aus welchem nach gleichmäßiger Ordnung die Wirklichkeit des leiblichen wie des geistigen Werdens hervorgeht. Und jenes Innewerden einer geistigen, göttlichen Wirklichkeit, in der wir selber leben, weben und sind, ist der höchste Gewinn des Erdenlebens und des Forschens nach Weisheit... Schon zu meiner Zeit» — schreibt Schubert weiter — «gab es unter den Jünglingen, die ihn hörten, solche, welche es ahnten, was er unter der intellektuellen Anschauung meinte, durch welche unser Geist den unendlichen Urgrund alles Seins und Werdens erfassen muß.»

[ 8 ] “What was it that drew young men and mature men alike, from near and far, so powerfully to Schelling’s lectures? Was it merely the man’s personality, or the unique charm of his oral presentation, that held this alluring power?” — Schubert believes it was not that alone, but rather: “In his lively speech lay a compelling force which, wherever it met even a modicum of receptivity, no young soul could resist. It would be difficult to make a reader of our time”—Schubert wrote this in 1854, already an old man—“who was not, like me, a youthful and attentive listener, understand how, when Schelling spoke to us, I often felt as though I were reading or hearing Dante, the seer of an otherworldly realm open only to the consecrated eye. The powerful content contained in his speech—measured out in a lapidary style with almost mathematical precision—appeared to me like a bound Prometheus, whose bonds it is the task of the understanding mind to loose and from whose hand to receive the inextinguishable fire.” — But then Schubert continues: “Yet neither the personality nor the enlivening power of the oral communication alone could have been what, as soon as Schelling’s philosophy became publicly known through his writings, aroused such interest and excitement—whether for or against its direction—as no other literary phenomenon has been able to do in a similar way, either before or since, for a long time. When it comes to things perceptible to the senses or natural phenomena, one can immediately tell whether a teacher or writer is speaking from his own observation and experience or merely discussing what he has heard from others—or even what he has concocted based on his own imagination. Only what I myself have seen and experienced holds certainty for me; I can speak of it with conviction that also triumphantly communicates itself to others. The same applies to inner experience as to outer experience. There is a reality of a higher order, the existence of which the discerning mind within us can experience with the same certainty and assurance as our body experiences the existence of outer, visible nature through its senses. This reality of physical things presents itself to our perceiving senses as an act of the very same creative power through which our physical nature itself came into being. The existence of the visible is just as much a real fact as the existence of the perceiving sense. The reality of a higher order has also approached the knowing spirit within us as a spiritual-physical fact. It will become aware of this reality when its own cognition rises to a recognition of that from which it is known and from which, according to a uniform order, the reality of both physical and spiritual becoming arises. And that realization of a spiritual, divine reality, in which we ourselves live, move, and have our being, is the highest gain of earthly life and of the quest for wisdom... “Even in my day,” Schubert continues, “there were among the young men who heard him some who sensed what he meant by the ‘intellectual insight’ through which our spirit must grasp the infinite source of all being and becoming.”

[ 9 ] An diesen Worten des gemütstiefen und geistvollen Schubert kann zweierlei auffallen. Das Erste ist, daß er fühlte - und wir wissen, daß es bei anderen ebenso war, die Schelling hörten -: dieser Mann spricht aus unmittelbar geistiger Erfahrung heraus, er prägt seine Worte, indem er hineinschaut in eine geistige Welt und so aus unmittelbar geistigem Erleben heraus eine Weisheit prägt, welche von dieser geistigen Welt handelt.

[ 9 ] Two things stand out in these words by Schubert, a man of profound sensitivity and great intellect. The first is that he sensed—and we know that others who listened to Schelling felt the same way—that this man speaks from immediate spiritual experience; he shapes his words by looking into a spiritual world and thus, from immediate spiritual experience, articulates a wisdom that deals with this spiritual world.

[ 10 ] Das ist das Bedeutsame, das unendlich Bedeutsame an dieser großen Zeit des deutschen Idealismus, daß unzählige dann im Leben draußen stehende Menschen Persönlichkeiten gehört haben wie Fichte, wie Schelling und, wie wir gleich sehen werden, Hegel, und aus den Worten dieser Persönlichkeiten heraus den Geist sprechen hörten, in dessen Reich hineinblickten diese Genien des deutschen Volkes. Wer die Geistesgeschichte der Menschheit kennt, der weiß, daß solches Verhältnis des Geistes zur Zeit nur innerhalb des deutschen Volkes vorhanden war und wegen des Wesens des deutschen Volkes vorhanden sein konnte, daß dies ein besonderes Ergebnis dessen ist, was tief wurzelt in den Untergründen des deutschen Wesens selber. Das ist das eine, das man daran sehen kann.

[ 10 ] This is what is significant—what is infinitely significant—about this great era of German idealism: that countless people who were then on the margins of society heard figures such as Fichte, Schelling, and, as we shall soon see, Hegel, and, through the words of these figures, heard the voice of the Spirit, into whose realm these geniuses of the German people gazed. Anyone familiar with the intellectual history of humanity knows that such a relationship between the spirit and the times existed only within the German people—and could exist only because of the nature of the German people—and that this is a unique outcome of what is deeply rooted in the very foundations of the German spirit itself. That is one thing that can be seen in this.

[ 11 ] Das andere ist, daß aus dieser Zeit heraus sich Menschen bildeten, welche ihr eigenes Verhältnis zur geistigen Welt, so wie etwa Schubert, entzünden konnten an diesen großen, bedeutenden, eindrucksvollen Persönlichkeiten. Aus solcher Seelenlage ging bei Schelling hervor ein Denken über die Natur und ein Denken über Seele und Geist, die, man möchte sagen, durchaus den Charakter des innigsten Lebendigen trugen, aber auch den Charakter trugen, von dem man sagen kann: er zeigt, wie der Mensch bereit ist, mit seiner Seele unterzutauchen in alles Sein und in allem Sein, vor allen Dingen in dem Natursein, dann auch im Geistessein, das Leben, das unmittelbare Leben zu suchen. Erkenntnis wird unter den Einflüssen dieser Denkungsweise etwas ganz Besonderes: Erkenntnis wird inneres Erleben, wird Miterleben mit den Dingen.

[ 11 ] The other point is that this era gave rise to individuals who, like Schubert, were able to draw inspiration for their own relationship to the spiritual world from these great, significant, and impressive personalities. From such a state of mind emerged, in Schelling, a way of thinking about nature and a way of thinking about soul and spirit that, one might say, bore the character of the most intimate vitality, but also bore a character of which one can say: it shows how human beings are ready to immerse themselves with their souls in all of being—and within all of being, above all in the being of nature, and then also in the being of the spirit—to seek life, immediate life. Under the influence of this way of thinking, knowledge becomes something quite special: knowledge becomes an inner experience, a shared experience with things.

[ 12 ] Ich habe ja immer wieder zu sagen: Es kommt nicht darauf an, daß man sich heute in irgend einer dogmatischen Weise auf den Boden dessen stellt, was inhaltlich diese Geister gesagt haben. Man braucht gar nicht einverstanden zu sein mit dem, was sie inhaltlich gesagt haben. Es kommt auf die Art des Strebens an, auf die Art und Weise, wie sie suchen die Wege in die geistige Welt hinein. So innig verbunden fühlte sich Schelling — wenn er das auch einseitig ausgesprochen hat — mit dem, was in der Natur lebt und webt, daß er einmal den Ausspruch tun konnte: «Die Natur erkennen heißt, die Natur schaffen.» Gewiß, bei einem solchen Ausspruch wird der seichte Oberflächling immer Recht haben gegenüber dem Genialen, der wie Schelling einen solchen Ausspruch aus der Tiefe seines Wesens heraus tut. Lassen wir das Recht dem seichten Oberflächling, aber seien wir uns klar: Wenn man auch die Natur nur nachschaffen kann in der menschlichen Seele, — bei Schelling bedeutet der Ausspruch: «Die Natur erkennen heißt, die Natur schaffen» ein inniges Verwobensein der ganzen menschlichen Persönlichkeit mit dem Naturdasein. Und das wird für Schelling die eine Offenbarung des Göttlich-Geistigen, und die Seele des Menschen die andere Offenbarung. Sie stehen einander gegenüber, sie entsprechen einander. Der Geist hat sich zuerst in der seelenlosen Natur, die allmählich sich beseelt vom Pflanzen- zum Tierreich herauf und zum Menschen, gleichsam den Boden geschaffen, in dem dann gedeihen kann die Seele, die an sich selber unmittelbar das Geistige erlebt, in unmittelbarer Wirklichkeit erlebt.

[ 12 ] I find myself having to say this again and again: What matters is not that one today, in any dogmatic way, takes a stand based on the actual content of what these thinkers said. One does not have to agree at all with the content of what they said. What matters is the nature of their striving, the way in which they seek paths into the spiritual world. Schelling felt so intimately connected—even if he expressed it one-sidedly—with what lives and weaves within nature that he was once able to say: “To know nature is to create nature.” Certainly, when it comes to such a statement, the shallow superficial person will always have the upper hand over the genius who, like Schelling, utters such a statement from the depths of his being. Let us concede the point to the shallow superficial person, but let us be clear: even if one can only recreate nature within the human soul—for Schelling, the statement: “To know nature is to create nature” signifies an intimate interweaving of the entire human personality with the existence of nature. And for Schelling, this becomes one revelation of the divine-spiritual, while the human soul becomes the other revelation. They stand opposite one another; they correspond to one another. The spirit first created, as it were, the ground in which the soul can then flourish—in soulless nature, which gradually became animated, rising from the plant kingdom to the animal kingdom and on to humanity—so that the soul may experience the spiritual directly within itself, in immediate reality.

[ 13 ] Wie anders sieht, wenn man es richtig versteht, das aus, was da lebt als eine erstrebte geistige Naturerkenntnis, als dasjenige, was, sagen wir, aus der romanischen Volkstümlichkeit hervorgeht. Man hat innerhalb der deutschen Geistesentwickelung nicht nötig, in den Ton zu verfallen, in den jetzt Deutschlands Feinde verfallen, wenn man charakterisieren will das Verhältnis des deutschen Geisteslebens zu anderem Geistesleben Europas. Man kann durchaus auf dem Boden der Tatsächlichkeit bleiben. Daher ist nicht aus eng nationalen Gefühlen heraus dasjenige gesagt, was nun gesagt werden soll, sondern aus der. Tatsächlichkeit selber heraus. Man vergleiche ein solches Eindringenwollen in die Natur, wie es bei Schelling vorhanden ist, wo die Natur erfaßt werden soll so, daß das eigene Leben der Seele untertaucht in dasjenige, was draußen lebt und webt. Man vergleiche das. mit dem, was gerade charakteristisch ist für das westliche Weltanschauungsbild, das seine höchste Höhe erreicht hat bei Descartes, Cartesius, Anfang des siebzehnten Jahrhunderts, aber seine Fortsetzung gefunden hat bis in unsere Tage herein und für das westliche Volkstum ebenso charakteristisch ist wie Fichtes, Schellings Streben für das deutsche Volkstum charakteristisch ist. Wie Fichte und Schelling später, stellt sich auch Cartesius gegenüber der Welt der Natur. Er stellt sich zuerst auf den Standpunkt des Zweifels. Er sucht auch im eigenen Innern einen Kernpunkt, durch den er zu einer Sicherheit über das Dasein der Welt und des Lebens kommen kann. Sein berühmtes «Cogito ergo sum» ist ja bekannt — «Ich denke, also bin ich.» Auf was stützt er sich? Nicht wie Fichte auf das lebendige Ich, dem man sein Sein nicht nehmen kann, weil es fortwährend aus dem Weltenwillen sich erschafft. Auf das Denken, das schon da sein soll, stützt er sich, auf dasjenige, was im Menschen schon lebt: Ich denke, also bin ich, — was einfach widerlegt werden kann mit jedem Nachtschlafe des Menschen, denn da kann man ebensogut sagen: Ich denke nicht, also bin ich nicht. Irgendwie Fruchtbares folgt nicht aus dem Descartesschen «Ich denke, also bin ich». Aber wie wenig diese Weltanschauung geeignet ist, mit dem eigenen Seelenwesen unterzutauchen in die Natur, das geht am besten daraus hervor, wenn man ein einziges Äußeres Kennzeichen anführt. Descartes versuchte zu charakterisieren die die Seele umgebende Natur. Und er suchte selbst die Tiere als bewegte Maschinen, als seelenlose Maschinen anzusprechen. Nur der Mensch selber, so meinte er, könne von sich so reden, als ob er eine Seele hätte. Die Tiere sind bewegte Maschinen, sind seelenlose Maschinen.

[ 13 ] How different, when properly understood, does what is alive here appear as a sought-after spiritual understanding of nature, as that which, let us say, emerges from Romanic folk culture. Within the development of the German spirit, there is no need to resort to the tone now adopted by Germany’s enemies when characterizing the relationship between German spiritual life and other spiritual lives in Europe. One can certainly remain grounded in reality. Therefore, what is about to be said is not motivated by narrow national sentiments, but by reality itself. Compare this desire to penetrate nature, as found in Schelling, where nature is to be grasped in such a way that the soul’s own life submerges into that which lives and weaves outside. Compare this with what is characteristic of the Western worldview, which reached its zenith with Descartes in the early seventeenth century but has continued to the present day and is just as characteristic of Western culture as Fichte’s and Schelling’s aspirations are of German culture. Like Fichte and Schelling later, Cartesius, too, positions himself in opposition to the natural world. He first adopts a stance of doubt. He also seeks within himself a central point through which he can arrive at certainty regarding the existence of the world and of life. His famous “Cogito ergo sum” is well known—“I think, therefore I am.” On what does he base this? Not, like Fichte, on the living “I,” from which one cannot take away its being because it continually creates itself out of the will of the world. He bases it on thought, which is supposed to already be there, on that which already lives within the human being: “I think, therefore I am”—which can easily be refuted by every night’s sleep a person experiences, for then one might just as well say: “I do not think, therefore I am not.” Nothing particularly fruitful follows from Descartes’ “I think, therefore I am.” But just how ill-suited this worldview is to immersing one’s own soul in nature is best illustrated by citing a single external characteristic. Descartes attempted to characterize the nature surrounding the soul. And he sought to regard even animals as moving machines, as soulless machines. Only human beings themselves, he believed, could speak of themselves as if they had a soul. Animals are moving machines; they are soulless machines.

[ 14 ] So wenig ist die Seele aus diesem Volkstume heraus in die Möglichkeit versetzt, unterzutauchen in das innere Leben des Außendinges, daß sie nicht finden kann die Beseelung innerhalb der tierischen Welt. Was Wunder, daß sich das dann fortsetzte bis in den Materialismus des achtzehnten Jahrhunderts herein und fortsetzte — wie wir heute noch mit einigen Worten erwähnen werden - bis in unsere Tage herein, wie in jenem Materialismus des achtzehnten Jahrhunderts, in jenem Materialismus, der die ganze Welt nur als einen Mechanismus auffaßte, und der sich zuletzt darüber klar wird, besonders bei de Lamettrie in seinem Buche «L’homme-machine» sogar dahin gelangt ist, den Menschen selber nur als bewegte Maschine aufzufassen. Das alles liegt keimhaft schon in Cartesius.

[ 14 ] The soul is so little enabled by this folk tradition to immerse itself in the inner life of external things that it cannot find any animacy within the animal world. Is it any wonder, then, that this continued right into the materialism of the eighteenth century and persisted—as we shall mention briefly later today—right up to the present day, just as in that eighteenth-century materialism, in that materialism which viewed the entire world merely as a mechanism, and which ultimately came to realize—particularly in de Lamettrie’s book *L’homme-machine*—that it had even gone so far as to view human beings themselves merely as moving machines. All of this is already present in embryonic form in Descartes.

[ 15 ] Goethe, aus seinem deutschen Bewußtsein heraus, lernte kennen diese Weltanschauung des Westens, und er sprach sich aus seinem deutschen Bewußtsein heraus aus: Da bieten sie uns eine Welt bewegter Atome, die sich stoßen und zerren. Wenn sie die mannigfaltigen, die schönen, die großen, erhabenen Erscheinungen der Welt dann wenigstens ableiten wollten aus diesen einander stoßenden, zerrenden Atomen. Aber nachdem sie dieses trostlose, öde Weltenbild hingestellt haben, lassen sie es hingestellt sein und tun nichts dafür, um zu zeigen, wie die Welt aus diesen Atomhäufungen hervorgeht.

[ 15 ] Goethe, drawing on his German consciousness, came to know this Western worldview, and he spoke out from that same German consciousness: “They offer us a world of moving atoms that collide and struggle against one another.” If only they were willing to derive the manifold, beautiful, great, and sublime phenomena of the world from these colliding, tugging atoms. But after they have presented this bleak, desolate picture of the world, they leave it at that and do nothing to show how the world emerges from these clusters of atoms.

[ 16 ] Der Dritte, der zu nennen ist unter denjenigen Geistern, die gewissermaßen den Weltanschauungshintergrund bilden, aus dem auch alles hervorgesprossen ist, was der Deutsche geistig in jener Zeit durch Goethe, Schiller, Herder, Lessing und so weiter geleistet hat, — der Dritte, der zu nennen ist: Hegel, in ihm sehen wir zugleich die dritte Seite des deutschen Wesens verkörpert. Wir sehen in ihm eine dritte Art, in der Seele den Punkt zu finden, durch den sich diese Menschenseele unmittelbar eins fühlen kann mit der ganzen Welt, mit dem, was göttlich-geistig die Welt durchpulst, durchwebt und durchsetzt. Sehen wir bei Fichte den Willen unmittelbar ergreifen im Innersten des Menschen, bei Schelling, ich möchte sagen, das Gemüt, so sieht man bei Hegel ergreifen den menschlichen Gedanken. Aber indem Hegel versucht, den Gedanken nicht bloß als menschlich, sondern in seiner Reinheit, losgelöst von allen sinnlichen Empfindungen und Wahrnehmungen, unmittelbar in der Seele zu ergreifen, fühlt sich Hegel so, als ob er, indem er in dem Leben und Weben und Werden des reinen Gedankens lebt, zugleich lebt in dem Gedanken, der nicht nur in der Seele lebt, sondern der in der Seele nur erscheinen soll, weil er sich in ihr offenbart, als göttlich-geistiges Denken alle Welt durchziehend. Wie die göttlich-geistigen Wesen ihre Gedanken gleichsam durch die Welt sprühen, wie sie die Welt denken und fortwährend denkend gestalten, das offenbart sich, wenn der Denker einsam in sich aufleben läßt das reine Denken, das Denken, das nicht aus der äußeren Sinneswelt entlehnt ist, sondern das der Mensch findet als in sich aufsprießendes Denken, wenn er sich seinem Innern hingibt. Im Grunde genommen ist ja dasjenige, was Hegel da will, wenn man so sagen möchte, ein mystisches Wollen. Aber es ist kein unklarer, kein dunkler, kein nebuloser Mystizismus. Der dunkle, der unklare, der nebulose Mystizismus will sich in möglichst dunklen Gefühlen vereinigen mit dem Weltengrunde. Hegel will auch die Vereinigung der Seele mit dem Weltengrund, aber er sucht sie in der Kristallklarheit, in der Durchsichtigkeit des Denkens, er sucht in dem inneren Erleben, er sucht Gedankenmäßiges der Welt. In vollendeter Klarheit sucht er dasjenige für die Seele, was man sonst bloß glaubt in unklarer Mystik zu erlangen.

[ 16 ] The third figure to be mentioned among those spirits who, in a sense, form the ideological backdrop from which everything sprang that the Germans achieved intellectually during that period through Goethe, Schiller, Herder, Lessing, and so on—the third figure to be mentioned is: Hegel; in him we see the third aspect of the German essence embodied. We see in him a third way of finding within the soul the point through which the human soul can feel itself directly at one with the entire world—with that which, in a divine-spiritual sense, pulses through, interweaves, and permeates the world. Just as we see in Fichte the will taking hold directly in the innermost core of the human being, and in Schelling—I would say—the mind, so in Hegel we see the human thought taking hold. But in Hegel’s attempt to grasp thought not merely as human, but in its purity, detached from all sensory sensations and perceptions—Hegel feels as though, by living within the life, the weaving, and the becoming of pure thought, he is at the same time living within the thought that not only lives in the soul but is meant to appear in the soul only because it reveals itself there as divine-spiritual thought permeating the entire world. Just as divine-spiritual beings, as it were, scatter their thoughts throughout the world—just as they think the world and continually shape it through thought—so this is revealed when the thinker, in solitude, allows pure thought to spring forth within himself: thought that is not borrowed from the external sensory world, but which man finds as thought sprouting from within himself when he surrenders to his inner self. Fundamentally, what Hegel seeks here—if one may put it that way—is a mystical will. But it is not an unclear, obscure, or nebulous mysticism. Obscure, unclear, and nebulous mysticism seeks to unite with the foundation of the world through the darkest possible feelings. Hegel also seeks the union of the soul with the foundation of the world, but he seeks it in the crystal clarity and transparency of thought; he seeks it in inner experience; he seeks the conceptual aspects of the world. In perfect clarity, he seeks for the soul that which one otherwise believes one can attain only through obscure mysticism.

[ 17 ] Das alles zeigt, wie diese drei bedeutenden Geister von drei verschiedenen Seiten her bemüht sind, die menschliche Seele durch Hingabe an die Gesamtwirklichkeit zum Miterleben dieser Gesamtwirklichkeit zu bringen, wie sie überzeugt sind davon, daß in der Seele etwas gefunden werden kann, was die Welt in ihren Tiefen miterlebt und so ein befriedigendes Weltenbild ergibt.

[ 17 ] All of this shows how these three great thinkers, approaching the subject from three different angles, strive to lead the human soul—through devotion to the totality of reality—to experience that reality firsthand, and how convinced they are that something can be found within the soul that experiences the world in its depths, thereby yielding a satisfying worldview.

[ 18 ] Fichte spricht 1811, 1813 zu seinen Berliner Studenten von der Erlangung eines solchen Weltenbildes so, daß man sieht: er ist sich wohl bewußt, man müsse erstreben gewisse, in der Seele schlummernde Erkenntniskräfte. Fichte sagt dann in den genannten Jahren zu seinen Berliner Studenten: Wenn man dasjenige, was angestrebt werden muß, um die Welt wirklich innerlich geistig zu begreifen, wirklich haben will, so ist es nötig, daß der Mensch einen in sich selber schlummernden Sinn, einen neuen Sinn, ein neues Sinnesorgan findet, erweckt. So wie im physischen Körper das Auge herausgebildet wird, so muß aus der Seele im Fichteschen Sinne ein neues Sinnesorgan entwickelt werden, wenn hineingeschaut werden soll in die geistige Welt. Daher sagt Fichte kühn in diesen Jahren, in denen, soweit er es erreichen konnte in seinem verhältnismäßig kurzen Leben, seine Weltanschauung zum höchsten Gipfel gelangt ist, zu seinen Zuhörern: Mit dem, was ich Ihnen zu sagen habe, ist es, wie wenn unter eine Welt von Blinden ein einziger Sehender tritt. Was er ihnen zu sagen hat von der Welt des Lichts, der Welt der Farben, das macht sie zunächst betroffen, davon werden sie zunächst sagen, es sei Unsinn, weil sie nichts ahnen können.

[ 18 ] In 1811 and 1813, Fichte spoke to his Berlin students about attaining such a worldview in a way that makes it clear: he was well aware that one must strive to develop certain powers of knowledge that lie dormant in the soul. Fichte then tells his Berlin students in those years: If one truly wants to possess that which must be sought in order to truly comprehend the world inwardly and spiritually, it is necessary for a person to find and awaken a sense that lies dormant within oneself—a new sense, a new sensory organ. Just as the eye develops in the physical body, so must a new sense organ be developed from the soul—in Fichte’s sense—if one is to look into the spiritual world. That is why Fichte boldly says to his listeners during these years—in which, as far as he could achieve in his relatively short life, his worldview reached its highest peak—: What I have to say to you is like a single sighted person entering a world of the blind. What he has to tell them about the world of light, the world of colors, will at first take them aback; at first they will say it is nonsense, because they cannot even begin to imagine it.

[ 19 ] Und Schelling — wir sehen es schon in dem Ausspruch, den Schubert über ihn getan hat - hat aufmerksam gemacht auf die intellektuelle Anschauung. Was er in seine Worte prägte, wofür er eine Weisheit prägte, das suchte er zu erkunden in der Welt dadurch, daß er das in ihm gelegene Organ zu einer «intellektuellen Anschauung» entwickelt zu haben glaubte. Aus dieser intellektuellen Anschauung heraus spricht Schelling so, daß er wirken konnte, wie es eben charakterisiert worden ist.

[ 19 ] And Schelling—as we can already see from Schubert’s remark about him—drew attention to intellectual intuition. What he expressed in his words—for which he formulated a wisdom—he sought to explore in the world by believing that he had developed the organ within himself for “intellectual intuition.” Speaking from this intellectual intuition, Schelling was able to exert the influence that has just been described.

[ 20 ] Hegel wendet sich dann von seinem Standpunkte aus gegen diese intellektuelle Anschauung. Er war des Glaubens, wenn man diese intellektuelle Anschauung besonders geltend mache, so wolle man einzelne Ausnahme-Menschen kennzeichnen, Menschen, die gewissermaßen durch eine höhere Anlage fähig geworden seien, hineinzuschauen in die geistige Welt. Hegel war vielmehr im tiefsten Sinne davon überzeugt, daß das Hineinschauen in die geistige Welt jedem Menschen möglich ist, und das wollte er gründlich betonen.

[ 20 ] Hegel then, from his own standpoint, opposes this intellectual perspective. He believed that if one were to emphasize this intellectual perspective in particular, one would be seeking to identify exceptional individuals—people who, as it were, had become capable, through a higher disposition, of gaining insight into the spiritual world. Hegel was, rather, deeply convinced that gaining insight into the spiritual world is possible for every human being, and he wanted to emphasize this point thoroughly.

[ 21 ] So standen sich diese Geister nicht nur in dem gegenüber, was sie inhaltlich gesagt haben, sondern sie standen sich auch in so tiefgehenden Anschauungen gegenüber. Aber darauf kommt es nicht an, sondern auf die Tatsache, daß sie alle im Grunde genommen das erstreben, was man im wahren Sinne Geisteswissenschaft nennen kann: das Erleben der Welt durch dasjenige, was in des Menschen tiefstem Innern sitzt. Und darinnen sind sie, wie Fichte, wie Hegel, wie Schelling es oftmals ausgesprochen haben, einig mit dem größten Geiste, der aus deutschem Volkstum heraus geschaffen hat, mit Goethe.

[ 21 ] Thus, these thinkers were at odds not only in terms of the content of what they said, but also in terms of their profound views. But that is not the point; what matters is the fact that, at heart, they all strive for what can truly be called spiritual science: the experience of the world through that which lies in the deepest recesses of the human soul. And in this, as Fichte, Hegel, and Schelling have often stated, they are in agreement with the greatest spirit to have emerged from the German people: Goethe.

[ 22 ] Goethe spricht in einer wunderschönen kleinen Abhandlung, die er «Anschauende Urteilskraft» überschrieben hat, von dieser anschauenden Urteilskraft. Was meint Goethe mit dieser anschauenden Urteilskraft? Die Sinne schauen zunächst die äußere physische Welt an. Der Verstand kombiniert, was diese äußere physische Welt ihm darbietet. Wenn die Sinne die äußere physische Welt anschauen, so sehen sie nicht den Grund der Dinge, meint Goethe; der muß geistig angeschaut werden. Da muß das, was Urteilskraft ist, nicht bloß kombinieren, da muß das, was als Begriffe und Ideen entsteht, nicht bloß so entstehen, daß es etwas anderes abbilden will, da muß in der Kraft, die Begriffe und Ideen bildet, etwas leben vom Weltengeiste selber. Da muß die Urteilskraft nicht bloß denken, da muß die Urteilskraft anschauen, geistig anschauen, wie sonst die Sinne anschauen. Goethe ist ganz einig mit denjenigen, die gewissermaßen den Hintergrund des Weltanschauungsbildes gegeben haben, wie sie sich auch mit ihm einig fühlen. So wie Fichte etwa, als er seine scheinbar so abstrakte Wissenschaftslehre in der ersten Auflage veröffentlichte, sie bogenweise an Goethe schickte und ihm schrieb: Die reine Geistigkeit des Gefühles, die man an Ihnen sieht, muß auch dem, was wir schaffen, Probierstein sein.

[ 22 ] In a beautiful little treatise he titled “Anschauende Urteilskraft” (Contemplative Judgment), Goethe speaks of this contemplative judgment. What does Goethe mean by this contemplative judgment? The senses first perceive the external physical world. The intellect synthesizes what this external physical world presents to it. When the senses perceive the external physical world, they do not see the essence of things, Goethe argues; this must be perceived spiritually. Here, the faculty of judgment must do more than merely combine; the concepts and ideas that arise must not merely arise in order to represent something else; rather, the power that forms concepts and ideas must contain something alive from the World Spirit itself. There, the power of judgment must not merely think; there, the power of judgment must perceive—perceive spiritually, just as the senses otherwise perceive. Goethe is in complete agreement with those who, in a sense, have provided the backdrop for the worldview, just as they, in turn, feel in agreement with him. Just as Fichte, for example, when he published the first edition of his seemingly so abstract *Science of Knowledge*, sent it to Goethe in installments and wrote to him: “The pure spirituality of feeling that one sees in you must also be the touchstone for what we create.”

[ 23 ] Ein wunderbares Verhältnis geistiger Art ist überhaupt zwischen den drei genannten Weltanschauungspersönlichkeiten und Geistern wie Goethe; wir könnten dann auch Schiller, wir könnten dann auch Herder, wir könnten sie alle anführen, die in einer so großen Zeit unmittelbar aus den Tiefen des deutschen Volkstums heraus geschöpft haben.

[ 23 ] There is, in fact, a wonderful spiritual connection between the three aforementioned intellectual figures and spirits such as Goethe; we could also mention Schiller, we could also mention Herder—we could name them all, those who, during such a great era, drew directly from the depths of German folk culture.

[ 24 ] Man muß sagen, über all dem, was da entstand in Fichte, Schelling, Hegel, auch in den anderen, ist etwas enthalten, was in keinem einzigen voll zum Ausdruck kommt: Fichte sucht die geistige Welt zu erkennen, indem er den Willen erlebt, wie er hereinströmt in die Seele; Schelling wendet sich mehr zum Gemüte, Hegel zu dem Gedankeninhalt der Welt, andere zu anderem. Über allem schwebt gewissermaßen wie die Einheit, die sich auf drei oder so und so viel verschiedene Arten äußert, das, was man wirklich nennen kann: das Streben des deutschen Volksgeistes selber, der sich durch keine einzelne Persönlichkeit voll aussprechen kann, der sich wie in drei Schattierungen zum Beispiel in bezug auf ein Weltenbild in Fichte, Schelling und Hegel ausspricht. Wer nicht als dogmatischer Anhänger oder Gegner zu diesen Persönlichkeiten steht — über solche Kinderei könnte man heute hinaus sein, daß man Anhänger oder Gegner eines Geistes sein will, wenn man ihn in seiner Größe einsehen will -, sondern ein Herz und einen Sinn und ein offenes Empfinden hat für ihr Streben, der wird überall, in allen ihren Äußerungen etwas durchhören wie die deutsche Volksseele selber, so daß gleichsam dasjenige, was sie sagen, immer mächtiger ist als dasjenige, was unmittelbar zum Ausdruck kommt. Das ist so das Merkwürdige und Geheimnisvolle dieser Geister. Und daher kommt es nun, daß spätere, weit geringere Persönlichkeiten, als diese großen, genialischen, sogar zu bedeutenderen, zu eindringlicheren geistigen Wahrheiten kommen konnten, als diese führenden und tonangebenden Geister selber. Das ist das Bedeutsame: Durch diese Geister spricht sich eben etwas aus, was mehr ist als diese Geister, was der zentrale deutsche Volksgeist selber ist, der fortwirkt, so daß dann Geringere kommen konnten, weit weniger Begabte, und in diesen weit weniger Begabten derselbe Geist zum Ausdrucke kommt, aber sogar auf eine geisteswissenschaftlichere Art, als bei Fichte, Schelling, Hegel selber. Siewaren diejenigen, die zuerst, ich möchte sagen, den Ton angegeben hatten und zum ersten Mal etwas der Welt mitteilten, es herausholten aus dem Quell des geistigen Lebens. Das ist selbst dem Genialischen schwierig. Nachdem aber die Anregung, die große, die gewaltige Anregung gegeben war, kamen kleinere Geister. Und man muß sagen: Diese kleineren Geister, sie haben zum Teil dasjenige, was darstellt den Weg hinein in die geistigen Welten, noch tiefer, noch bedeutungsvoller getroffen als diejenigen, von denen sie abhängig waren, die ihre Lehrmeister waren.

[ 24 ] It must be said that, in all that emerged in Fichte, Schelling, Hegel, and also in the others, there is something contained that is not fully expressed in any one of them: Fichte seeks to comprehend the spiritual world by experiencing the will as it flows into the soul; Schelling turns more to the mind, Hegel to the content of thought in the world, and others to other things. Hovering above it all, as it were, like a unity that manifests itself in three or so different ways, is what one can truly call the striving of the German national spirit itself—a spirit that cannot be fully articulated by any single personality, but which expresses itself, as it were, in three shades—for example, with regard to a worldview—in Fichte, Schelling, and Hegel. Anyone who does not approach these figures as a dogmatic follower or opponent—we should have moved beyond such childishness today, that of wanting to be a follower or opponent of a spirit if one wishes to grasp its greatness—but who has a heart, a mind, and an open sensibility for their striving, will hear something in all their expressions that is like the German national soul itself, so that, as it were, what they say is always more powerful than what is directly expressed. That is the remarkable and mysterious aspect of these spirits. And that is why later, far lesser figures than these great, brilliant ones were able to arrive at more significant, more penetrating spiritual truths than these leading and influential spirits themselves. This is what is significant: through these thinkers, something expresses itself that is more than these thinkers themselves—namely, the central German national spirit itself, which continues to work, so that lesser figures could then emerge—those far less gifted—and in these far less gifted individuals the same spirit finds expression, but in a manner even more in keeping with spiritual science than in Fichte, Schelling, or Hegel themselves. They were the ones who, I would say, first set the tone and, for the first time, communicated something to the world, drawing it out from the source of spiritual life. This is difficult even for the most brilliant minds. But once the inspiration—the great, the mighty inspiration—had been given, lesser minds followed. And one must say: these lesser minds, in part, have grasped that which represents the path into the spiritual worlds even more deeply, even more meaningfully than those on whom they depended, who were their teachers.

[ 25 ] So sehen wir bei Immanuel Hermann Fichte, dem Sohn des großen Johann Gottlieb Fichte, wie er auf seine Art nach einer Geisteswissenschaft strebt, und zwar so, daß er in dem sinnlichen Menschen, der vor uns steht, den die äußeren Sinne und die äußere Wissenschaft ergreifen, einen höheren Menschen sucht, den er einen ätherischen Menschen nennt, und in dem die Bildekräfte liegen für diesen physischen Menschen, der aufgebaut wird, bevor der physische Leib seine Vererbungssubstanz von den Eltern erhält, der sich erhält als die Summe der Bildekräfte, wenn der physische Leib durch die Pforte des Todes geht. Von einem ätherischen Menschen, von einem innerlich erkrafteten und von Kraft erfüllten ätherischen Menschen, der ebenso den ewigen Kräften des Universums angehört, wie der Mensch hier als physischer Mensch den physischen Kräften der Vererbungsströmung angehört, davon spricht Immanuel Hermann Fichte, wohl aus dem Umgang mit seinem Vater heraus, der ihm ein guter Erzieher war.

[ 25 ] Thus, in the case of Immanuel Hermann Fichte, the son of the great Johann Gottlieb Fichte, we see how he strives, in his own way, toward a science of the spirit—namely, by seeking within the sensory human being standing before us, whom the external senses and external science perceive, a higher human being whom he calls an “etheric human being,” and in whom lie the formative forces for this physical human being—a being who is formed before the physical body receives its hereditary substance from the parents, and who endures as the sum of these formative forces when the physical body passes through the gate of death. Immanuel Hermann Fichte speaks of an etheric human being—an etheric human being inwardly empowered and filled with strength, who belongs to the eternal forces of the universe just as the human being here, as a physical human being, belongs to the physical forces of the hereditary stream—likely as a result of his relationship with his father, who was a good educator to him.

[ 26 ] Und man möchte sagen: Wie zu höheren Höhen getragen finden wir das Fichtesche, das Schellingsche Streben bei einem Manne, der wenig bekannt geworden ist, der geradezu zu den vergessenen Geistern des deutschen Geisteslebens gehört, aber in dem gerade tief wurzelt, was Wesen des deutschen Volksgeistes ist, - in Troxler. Troxler — wer kennt Troxler? Und dennoch, wie steht dieser Troxler vor uns? Schon unter dem Einflusse namentlich von Schelling schreibt er 1811 seine tiefsinnigen «Blicke in das Wesen des Menschen» und hält dann 1834 seine Vorlesungen über Philosophie. Diese Vorlesungen sind gewiß nicht pikant geschrieben, um das ausländische Wort für etwas Ausländisches zu gebrauchen, aber sie sind so geschrieben, daß sie uns zeigen: Da spricht ein Mensch, der nicht bloß mit dem Verstande, mit dem man nur Endliches erfassen kann, sich der Welt nähern will, sondern es spricht einer, der die ganze Persönlichkeit des Menschen mit all ihren Kräften hingeben will an die Welt, damit diese Persönlichkeit, wenn sie in die Weltenerscheinungen untertaucht, eine Erkenntnis mitbringt, die befruchtet ist von dem Miterleben, von dem intimsten Miterleben mit dem Sein der Welt. Und Troxler weiß etwas davon, daß unter denjenigen Kräften der Seele, die zunächst der äußeren Natur und ihrer Sinnlichkeit zugewendet sind, höhere geistige Kräfte leben. Und auf eine merkwürdige Art sucht nun Troxler den Geist über sich selbst zu erhöhen. Er spricht von einem übergeistigen Sinn, der im Menschen erweckt werden könne, von einem übergeistigen Sinn, der da schlummert im Menschen. — Was meint Troxler damit? Er meint damit: Der Geist des Menschen denkt sonst nur in abstrakten Begriffen und Ideen, die trocken und leer sind, die bloße Bilder der Außenwelt sind; in derselben Kraft, die in diesen abstrakten Begriffen und Ideen lebt, lebt aber auch etwas, das der Mensch erwecken kann als eine geistige Wesenheit. Dann schaut er in übersinnlichen Bildern so, wie man die äußere Wirklichkeit mit Augen schauen kann. Im gewöhnlichen Erkennen liegt zuerst das Sinnesbild vor, und der Gedanke kommt hinzu im Erkenntnisvorgang, der Gedanke, der nicht sinnlich-bildhaft ist. Im geistigen Erkenntnisvorgang liegt das übersinnliche Erlebnis vor; dieses könnte als solches nicht angeschaut werden, wenn es sich nicht durch eine dem Geist naturgemäße Kraft in das Bild ergösse, das sie zur geistig-anschaulichen Versinnlichung bringt. Ein solches Erkennen ist für Troxler das des übergeistigen Sinnes. Und was diesem übergeistigen Sinn bei Troxler nebenher geht, nennt er den übersinnlichen Geist, den Geist, der sich erhebt über das bloße Anschauen des Sinnlichen, und der als Geist miterlebt, was da draußen in der Welt webt und west. Wie brauchte ich für diejenigen verehrten Zuhörer, die einen solchen Vortrag wie den, den ich am Freitag vorletzter Woche gehalten habe, angehört haben, noch zu erwähnen, daß in diesem übergeistigen Sinn und übersinnlichen Geist des Troxler die Keime — wenn auch erst die Keime, aber so doch die Keime — zu dem liegen, was ich als die zwei Wege in Geisteswissenschaft hinein zu charakterisieren hatte,

[ 26 ] And one is tempted to say: As if carried to greater heights, we find the Fichtean and Schellingian striving in a man who has become little known, who belongs, in fact, to the forgotten figures of German intellectual life, yet in whom is deeply rooted the very essence of the German national spirit—in Troxler. Troxler—who knows Troxler? And yet, how does this Troxler stand before us? Already under the influence of Schelling in particular, he wrote his profound *Insights into the Nature of Man* in 1811 and then delivered his lectures on philosophy in 1834. These lectures are certainly not written in a “piquant” style—to use a foreign word for something foreign—but they are written in such a way that they show us: Here speaks a person who does not merely wish to approach the world with the intellect—with which one can grasp only the finite—but one who wishes to devote the entire human personality, with all its powers, to the world, so that this personality, when it immerses itself in the phenomena of the world, it may bring forth an insight fertilized by shared experience—by the most intimate shared experience with the being of the world. And Troxler knows something of the fact that among those powers of the soul that are initially directed toward external nature and its sensuality, higher spiritual powers dwell. And in a remarkable way, Troxler now seeks to elevate the spirit above itself. He speaks of a super-spiritual sense that can be awakened in human beings, of a super-spiritual sense that slumbers within them. — What does Troxler mean by this? He means this: The human spirit normally thinks only in abstract concepts and ideas that are dry and empty, that are mere images of the external world; yet within the very same power that lives in these abstract concepts and ideas, there also lives something that a person can awaken as a spiritual entity. Then one perceives in supersensible images just as one can perceive external reality with the eyes. In ordinary cognition, the sensory image is present first, and thought is added in the process of cognition—thought that is not sensory or pictorial. In the spiritual process of cognition, the supersensory experience is present; this could not be perceived as such if it did not pour itself, through a power natural to the spirit, into the image that brings it to spiritual-intuitive sensibility. For Troxler, such cognition is that of the super-spiritual sense. And what accompanies this super-spiritual sense in Troxler’s view, he calls the supersensible spirit—the spirit that rises above the mere contemplation of the sensible and, as spirit, participates in what is unfolding and evolving out there in the world. How could I have failed to mention to those esteemed listeners who attended a lecture such as the one I gave the Friday before last that in Troxler’s “super-spiritual sense” and “super-sensible spirit” lie the seeds—albeit only the seeds, but still the seeds—of what I had to characterize as the two paths into spiritual science,

[ 27 ] Aber noch in einer anderen Weise spricht Troxler wunderbar es aus. Er sagt: Wenn der Mensch zunächst so, wie er mit seiner Seele, mit seinem ewigen Menschen hineingestellt ist in seine physische Leiblichkeit, - wenn der Mensch da dem Moralischen, dem Religiösen, aber auch der äußeren unmittelbaren Wirklichkeit gegenübersteht, dann entwickelt er drei Kräfte: Glaube, Hoffnung, Liebe. Diese drei Kräfte, die er fortentwickelt, entwickelt er im Leben innerhalb des physisch-sinnlichen Leibes. Es gehört einfach zu dem Menschen, so wie er dasteht in der physisch-sinnlichen Welt, daß er in Glaube, in Liebe, in Hoffnung lebt. Aber Troxler sagt: Dasjenige, was als Glaube, als berechtigter Glaube hier innerhalb des physischen Leibes der Seele des Menschen eigen ist, das ist gewissermaßen das Äußere für eine tiefere Kraft, die in der Seele drinnen ist, die durch diesen Glauben als Göttliches in die physische Welt hereinscheint. Aber hinter dieser Glaubenskraft, zu der, um sie zu entfalten, durchaus der physische Leib gehört, liegt ein übersinnliches Hören, das heißt der Glaube ist gewissermaßen dasjenige, was der Mensch macht aus dem übersinnlichen Hören. Indem er sich für dasübersinnlicheHören des sinnlichen Werkzeuges bedient, glaubt er. Kommt er aber los von seinem sinnlichen Leib, erlebt er sich im Seelischen, so geht ihm aus derselben Kraft, die im Sinnesleben zum Glauben wird, das übersinnliche Hören auf, durch das er sich hineinvertiefen kann in eine Welt der geistigen Tonerscheinungen, durch die geistige Wesenheiten und geistige Tatsachen zu ihm sprechen.

[ 27 ] But Troxler expresses it wonderfully in yet another way. He says: When a human being is first placed, as he is with his soul and his eternal self, within his physical body—when a human being is confronted there with the moral, the religious, but also with external, immediate reality—then he develops three forces: faith, hope, and love. These three forces, which he continues to develop, he cultivates throughout his life within the physical-sensory body. It is simply part of being human, as we exist in the physical-sensory world, that we live in faith, love, and hope. But Troxler says: What is inherent in the human soul as faith—as justified faith—here within the physical body is, in a sense, the outer expression of a deeper force that lies within the soul, a force that shines into the physical world through this faith as something divine. But behind this power of faith—which, in order to unfold, absolutely requires the physical body—lies a supersensible hearing; that is to say, faith is, in a sense, what the human being makes of this supersensible hearing. By making use of the physical instrument for supersensible hearing, he believes. But when he detaches himself from his physical body and experiences himself in the soul, the same power that becomes faith in sensory life gives rise to supersensible hearing, through which he can immerse himself in a world of spiritual sound phenomena, through which spiritual beings and spiritual realities speak to him.

[ 28 ] Und die Liebe, die der Mensch hier im physischen Leibe entfaltet, welche die Blüte des Menschenlebens auf Erden ist, sie ist der äußere Ausdruck für eine Kraft, die dahinter liegt: für geistiges Fühlen oder Tasten, sagt Troxler. Und wenn der Mensch dieselbe Kraft, die hier als Blüte des moralischen Erdendaseins, des religiösen Erdendaseins lebt, wenn er diese Liebe noch vertieft, wenn er zu den Untergründen dieser Liebe geht, dann entdeckt er in sich, daß der geistig-seelische Mensch geradeso Fühlorgane hat, durch die er die geistigen Wesenheiten und geistigen Tatsachen berühren kann, wie er mit seinen sinnlichen Fühl- oder Tastorganen die physisch-sinnlichen Tatsachen berühren kann. Hinter der Liebe liegt das geistige Fühlen oder Tasten, wie hinter dem Glauben das geistige Hören liegt.

[ 28 ] And the love that a person develops here in the physical body—which is the blossom of human life on Earth—is the outward expression of a force that lies behind it: spiritual feeling or sensing, as Troxler says. And when a person takes this same force—which lives here as the flowering of moral and religious existence on Earth—and deepens this love, delving into its depths, then he discovers within himself that the spiritually -soul-human being possesses organs of feeling through which he can touch spiritual beings and spiritual realities, just as he can touch physical-sensory realities with his sensory organs of feeling or touch. Behind love lies spiritual feeling or sensing, just as behind faith lies spiritual hearing.

[ 29 ] Und hinter der Hoffnung, die der Mensch in dieser oder in jener Weise hat, liegt das geistige Sehen, das Hineinsehen durch den geistigen Sinn des Sehens in die geistige Welt.

[ 29 ] And behind the hope that a person has in one way or another lies spiritual vision—the ability to see into the spiritual world through the spiritual sense of sight.

[ 30 ] So sieht Troxler hinter dem, was der Mensch selbst als Glaubens-, als Liebe-, als Hoffnungskraft darlebt, nur den äußeren Ausdruck für höhere Kräfte: für ein geistiges Hören, für ein geistiges Fühlen, für ein geistiges Schauen oder Sehen. Und dann sagt er: Wenn der Mensch sich der Welt so hingeben kann, daß er mit seinem geistigen Hören, geistigen Fühlen, geistigen Schauen sich hingibt, dann leben in ihm nicht nur Gedanken auf, die so äußerlich abstrakt vielfach die äußere Welt wiedergeben, sondern, wie Troxler sich ausdrückt, «sensible Gedanken», Gedanken, die selber gefühlt werden können, das heißt, die lebendige Wesen sind, und «intelligente Gefühle», das heißt nicht bloß dunkle Gefühle, in denen man das Weltendasein fühlt, sondern etwas, wodurch die Gefühle selber intelligent werden. Wir wissen aus dem eben erwähnten Vortrag, daß es eigentlich der Wille ist, nicht die Gefühle; aber bei Troxler liegt durchaus der Keim zu alle dem, was man heute in der Geisteswissenschaft darstellen kann. Wenn der Mensch also überhaupt zu diesem Schauen, zu diesem Hören, Tasten der geistigen Welt erwacht, erwacht in diesem Fühlen Gedankenleben, durch das sich der Mensch mit dem lebendigen Gedanken verbinden kann, der in der geistigen Welt webt und lebt, so wie der Gedanke wesenhaft, nicht bloß abstrakt, in uns lebt. So tief fühlt Troxler sein Streben nach Geisteswissenschaft. Und ich möchte eine Stelle aus Troxler vorlesen, aus der Sie gerade werden ersehen können, wie tiefgehend dieses Streben bei Troxler war. Er sagt einmal:

[ 30 ] Thus, Troxler sees in what human beings themselves experience as the power of faith, love, and hope merely the outward expression of higher powers: spiritual hearing, spiritual feeling, and spiritual perception or vision. And then he says: When a person can devote themselves to the world in such a way that they give themselves over with their spiritual hearing, spiritual feeling, and spiritual seeing, then not only do thoughts arise within them that outwardly and abstractly reflect the external world in many ways, but—as Troxler puts it—“sensible thoughts,” thoughts that can themselves be felt—that is, that are living beings—and ‘intelligent feelings’—that is, not merely vague feelings in which one senses the existence of the world, but something through which the feelings themselves become intelligent. We know from the lecture just mentioned that it is actually the will, not the feelings; but in Troxler lies the very seed of everything that can be presented today in spiritual science. So when a person awakens at all to this seeing, this hearing, this sensing of the spiritual world, a life of thought awakens within this feeling, through which the person can connect with the living thought that weaves and lives in the spiritual world, just as thought lives within us in an essential, not merely abstract, way. This is how deeply Troxler felt his striving toward spiritual science. And I would like to read a passage from Troxler that will allow you to see just how profound this striving was in him. He once said:

[ 31 ] «Schon früher haben die Philosophen einen feinen, hehren Seelleib unterschieden von dem gröberen Körper, oder in diesem eine Art von Hülle des Gesichts angenommen, eine Seele, die ein Bild des Leibes an sich habe, das sie Schema nannten, und das ihnen der innere höhere Mensch war... In der neuesten Zeit selbst Kant in den Träumen eines Geistersehers träumt ernsthaft im Scherze einen ganzen inwendigen, seelischen Menschen, der alle Gliedmaßen des auswendigen an seinem Geistesleib trage.»

[ 31 ] “Philosophers of old had already distinguished a subtle, noble spiritual body from the coarser physical body, or posited within the latter a kind of veil over the face—a soul that possessed within itself an image of the body, which they called a ‘schema,’ and which they regarded as the inner, higher human being... Even in recent times, Kant, in the *Dreams of a Spirit-Seer*, seriously yet playfully envisions an entire inner, spiritual human being who bears all the limbs of the outer body on his spiritual body.”

[ 32 ] Dann macht Troxler noch auf andere aufmerksam, die mehr oder weniger geahnt haben, aus der Tiefe des deutschen Geistesstrebens heraus geahnt haben diese andere Seite des Weltenwesens. Trozler sagt weiter:

[ 32 ] Troxler then draws attention to others who, to a greater or lesser extent, had sensed—out of the depths of German intellectual endeavor—this other aspect of the nature of the world. Troxler goes on to say:

[ 33 ] «Lavater dichtet und denkt ebenso, und selbst, wenn Jean Paul humoristisch über das Bonnetsche Unterziehröckchen und das Platnersche Seelenschnürleibchen scherzt, die im gröberen Körperüberrock und Marterkittel stecken sollen, so hören wir ihn doch auch wieder fragen: Wozu und woher wurden diese außerordentlichen Anlagen und Wünsche in uns gelegt, die bloß wie verschluckte Diamanten unsere erdige Hülle langsam verschneiden? Warum wurde ich auf den schmutzigen Erdenkloß ein Geschöpf mit unnützen Lichtflügeln geklebt, wenn es in die Geburtsscholle zurückfaulen sollte, ohne sich je mit ätherischen Flügeln loszuwinden?»

[ 33 ] “Lavater writes and thinks in the same way, and even when Jean Paul jokes humorously about Bonnet’s little petticoat and Platner’s soul-corset—which are supposed to be tucked into the coarse outer coat and torture smock—we still hear him ask once more: Why and from where were these extraordinary inclinations and desires placed within us, which, like swallowed diamonds, slowly cut through our earthly shell? Why was I glued to this dirty clod of earth as a creature with useless wings of light, if I was to rot back into the soil of my birth without ever fluttering free with ethereal wings?”

[ 34 ] Auf solche Strömungen im deutschen Geistesleben macht Troxler aufmerksam. Und dann geht ihm der Gedanke auf, daß nunmehr eine besondere Wissenschaft ersprießen könnte, eine Wissenschaft, die Wissenschaft ist, aber die es zum Beispiel mit der Poesie gemeinschaftlich hat, daß sie entsteht aus der menschlichen Seele, indem nicht eine einzelne Seelenkraft, sondern die ganze menschliche Seele sich hingibt, um die Welt mitzuerleben,

[ 34 ] Troxler draws attention to such trends in German intellectual life. And then it occurs to him that a distinct science might now emerge—a science that is indeed a science, but which shares a commonality with poetry, for example, in that it arises from the human soul, not through a single faculty of the soul, but through the entire human soul devoting itself to experiencing the world,

[ 35 ] Wenn man so von außen den Menschen anschaut, meint Troxler, so lernt man Anthropologie kennen. Anthropologie ist dasjenige, was entsteht, wenn man mit den Sinnen, mit dem Verstande untersucht, was der Mensch darbietet, was sich am Menschen offenbart. Damit findet man aber nicht das volle Wesen des Menschen. Was 'Troxler in dem charakterisierten Sinne nennt geistiges Hören, geistiges Tasten, geistiges Schauen, was er nenntübersinnlichen Geist, übergeistigen Sinn, das gehört dazu, um etwas Höheres am Menschen zu schauen. Eine Wissenschaft steht vor seiner Seele, welche entsteht nicht aus den Sinnen, nicht aus dem bloßen Verstande heraus, sondern aus diesem höheren Erkenntnisvermögen des Menschen heraus. Und über diese Wissenschaft spricht sich Troxler sehr charakteristisch in der folgenden Weise aus. Er sagt — 1835 sind die folgenden Worte Troxlers geschrieben -:

[ 35 ] Troxler says that when one looks at human beings from the outside in this way, one comes to understand anthropology. Anthropology is what arises when one uses the senses and the intellect to examine what human beings present and what is revealed in them. However, this does not reveal the full essence of the human being. What Troxler, in the sense he describes, calls spiritual hearing, spiritual feeling, and spiritual seeing—what he calls the supersensory spirit and the super-spiritual sense—is necessary in order to perceive something higher in human beings. There is a science that lies before the human soul, one that arises not from the senses, not from mere intellect, but from this higher capacity for knowledge within the human being. And Troxler speaks very characteristically about this science in the following manner. He says—the following words were written by Troxler in 1835—:

[ 36 ] «Wenn es nun höchst erfreulich ist, daß die neueste Philosophie, welche wir längst als diejenige anerkannt haben, die alle lebendige Religion begründet, und in jeder Anthroposophie, also in Poesie, wie in Historie sich offenbaren muß, emporwindet, so ist doch nicht zu übersehen, daß diese Idee nicht eine wahrhafte Frucht der Spekulation sein kann, und die wahrhaftige Persönlichkeit oder Individualität des Menschen weder mit dem, was sie als subjektiven Geist oder endliches Ich aufstellt, noch mit dem, was sie als absoluter Geist oder absolute Persönlichkeit diesem gegenüberstellt, verwechselt werden darf.»

[ 36 ] “While it is indeed most gratifying that the latest philosophy—which we have long recognized as the foundation of all living religion and which must manifest itself in every form of anthroposophy, that is, in poetry as well as in history—is now gaining momentum, it cannot be overlooked that this idea cannot be a true fruit of speculation, and that the true personality or individuality of the human being must not be confused either with what it posits as subjective spirit or finite “I,” nor with what it sets against this as absolute spirit or absolute personality.”

[ 37 ] Da ersteht vor Troxlers Sinn in den dreißiger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts der Gedanke der Anthroposophie, jener Wissenschaft, die im wahren Sinne des Wortes eine auf menschliche Kraft begründete Geisteswissenschaft sein will. Geisteswissenschaft kann, wenn sie die Keime richtig zu verstehen vermag, die aus der fortlaufenden Strömung des deutschen Geisteslebens ihr kommen, eben sagen: Bei den westlichen Völkern zum Beispiel kann ja selbst irgend etwas, was mit Geisteswissenschaft zu vergleichen ist, was mit Anthroposophie zu vergleichen ist, entstehen; aber es wird dort immer so entstehen, daß es neben dem fortlaufenden Strom der Weltanschauung, neben dem, was dort Wissenschaft ist, einherläuft, daher sehr, sehr leicht zu Sektiererei oder zu Dilettantismus neigt. Im deutschen Geistesleben — und in dieser Beziehung steht das deutsche Geistesleben einzig da - ergibt sich Geisteswissenschaft als etwas, was gerade auf naturgemäße Weise hervorgeht aus den tiefsten Impulsen, aus den tiefsten Kräften dieses deutschen Geisteslebens. Selbst wenn dieses deutsche Geistesleben wissenschaftlich wird in bezug auf die geistige Welt und ein Streben nach geistiger Erkenntnis entwickelt, so liegen in diesem Streben schon die Keime zu demjenigen, was Geisteswissenschaft werden muß. Daher sehen wir auch niemals wiederum verglimmen dasjenige, was in dieser Weise durch das deutsche Geistesleben strömt.

[ 37 ] It was in the 1830s that the idea of anthroposophy first arose in Troxler’s mind—that science which, in the true sense of the word, seeks to be a spiritual science grounded in human power. If spiritual science is able to correctly understand the seeds that come to it from the ongoing current of German spiritual life, it can indeed say: Among Western peoples, for example, something comparable to spiritual science, something comparable to anthroposophy, can indeed arise; but there it will always arise in such a way that it runs parallel to the ongoing current of worldview, alongside what is considered science there, and therefore very, very easily tends toward sectarianism or dilettantism. In German intellectual life—and in this respect German intellectual life stands alone—spiritual science emerges as something that arises in a natural way from the deepest impulses, from the deepest forces of this German intellectual life. Even when this German spiritual life becomes scientific with regard to the spiritual world and develops a striving for spiritual knowledge, the seeds of what must become spiritual science are already present in this striving. Therefore, we will never see what flows in this way through German spiritual life fade away again.

[ 38 ] Oder ist es nicht etwa geradezu wunderbar, daß im Jahre 1856 ein kleines Büchelchen erschien von einem Waldecker Pfarrer - in Sachsenberg in Waldeck, da war er Pfarrer. In diesem kleinen Büchelchen — wie gesagt, auf Übereinstimmung, auf den Inhalt kommt es dabei nicht an, sondern auf das Streben - ist in einer der Hegelschen ganz entgegengesetzten Art versucht, für die menschliche Seele etwas zu finden, wodurch diese menschliche Seele mit Erweckung der in ihr schlummernden Kraft sich selber anschließen kann an die ganze hehre erwachende geistige Welt. Und in bewundernswerter Weise ist dies von dem einfachen Pfarrer Rocholl in Sachsenberg im Fürstentum Waldeck dargestellt in seinem Büchelchen: «Beiträge zu einer Geschichte deutscher Theosophie» — ein kleines Büchelchen, aber voll von wirklichem innerem Geistesleben, von einem Geistesleben, bei dem man ersehen kann, daß derjenige, der es in seiner Einsamkeit gesucht hat, überall die Möglichkeit findet, aus dem einsamen inneren Erleben der Seele aufzusteigen zu weiten Ausblicken in die Welt, die hinter der sinnlichen verborgen ist und doch diese sinnliche immer trägt, so daß man nur eine Seite der Welt hat, wenn man dieses sinnliche Leben betrachtet. Man weiß nicht, was man an einem solchen Büchelchen, das ja gewiß heute einen phantastischen Eindruck machen muß - aber darauf kommt es auch nicht an -, zuerst bewundern soll; ob man bewundern soll mehr die Tatsache, daß der einfache Landpfarrer sich in die tiefsten Tiefen geisterkennerischen Strebens hinein findet, oder aber, ob man mehr bewundern mag die Grundlagen der fortlaufenden Strömung des deutschen Geisteslebens, die selbst in dem einfachsten Menschen solche Blüten treiben kann. Und wenn wir Zeit hätten dazu, so könnte ich Ihnen Hunderte und Hunderte von Beispielen anführen, aus denen Sie sehen würden, wie allerdings nicht auf dem Gebiete des äußerlich Anerkannten, sondern mehr auf dem Gebiet der vergessenen Geistestöne, aber dennoch lebendig fortlebender Geistestöne überall solche Menschen vorhanden sind, die dasjenige, was man ein geisteswissenschaftliches Streben innerhalb der deutschen Gedankenentwickelung nennen kann, herauftragen bis in unsere Tage.

[ 38 ] Or isn’t it simply marvelous that in 1856 a little book was published by a pastor from Waldeck—in Sachsenberg in Waldeck, where he served as pastor. In this little book—as I said, the focus is not on agreement or on the content itself, but on the endeavor—an attempt is made, in a manner entirely opposed to Hegel’s, to find something for the human soul through which this human soul, by awakening the power slumbering within it, can connect itself to the entire sublime, awakening spiritual world. And in an admirable way, this is presented by the simple pastor Rocholl in Sachsenberg in the Principality of Waldeck in his little book: “Contributions to a History of German Theosophy”—a small book, but full of genuine inner spiritual life, a spiritual life in which one can see that the person who sought it in his solitude finds the possibility everywhere to rise from the solitary inner experience of the soul to broad vistas of the world that lies hidden behind the sensory world and yet always sustains it, so that one sees only one side of the world when one considers this sensory life. One does not know what to admire first in such a little book, which certainly must make a fantastical impression today—but that is not the point—; whether one should admire more the fact that a simple country pastor finds his way into the deepest depths of spiritual inquiry, or whether one might admire more the foundations of the ongoing current of German spiritual life, which can bring forth such blossoms even in the simplest of people. And if we had the time, I could cite hundreds and hundreds of examples from which you would see how—admittedly not in the realm of what is outwardly recognized, but rather in the realm of forgotten spiritual tones, yet still vibrating with life—there are people everywhere who carry forward into our own time what might be called a spiritual-scientific pursuit within the development of German thought.

[ 39 ] Schon als ich die erste Auflage meiner «Welt- und Lebensanschauungen» schrieb, die jetzt unter dem Titel «Rätsel der Philosophie» vor mehr als einundeinhalb Jahren wieder erschienen sind, machte ich aufmerksam auf einen wenig gekannten Denker: Karl Christian Planck. Aber was half es denn viel, auf solche Geister aufmerksam zu machen — zunächst? Solche Geister sind mehr zu fassen wie ein Ausdruck, wie eine Offenbarung dessen, was nun lebt, was in dem bewußten Wissenschaftstreiben nicht zum Ausdruck kommt, aber dennoch dieses Wissenschaftstreiben vielfach trägt und hält. Gerade aus den tiefsten Tiefen des deutschen Wesens gehen solche Geister hervor, wie auch Karl Christian Planck einer ist. Planck hat ein Buch geschrieben: «Wahrheit und Flachheit des Darwinismus», ein sehr bedeutendes Buch. Er hat auch ein Buch geschrieben über die Erkenntnis der Natur. Von diesem Buch will ich nur das Folgende erwähnen, obwohl im Grunde genommen jede Seite Interessant ist:

[ 39 ] Even when I was writing the first edition of my *Welt- und Lebensanschauungen* (Worldviews and Philosophies of Life)—which has now been republished under the title *Rätsel der Philosophie* (The Riddles of Philosophy) more than a year and a half ago—I drew attention to a little-known thinker: Karl Christian Planck. But what good did it do, at first, to draw attention to such minds? Such minds are best understood as an expression, as a revelation of what is alive today—what is not expressed in the conscious pursuit of science, yet nonetheless sustains and supports that pursuit in many ways. It is precisely from the deepest depths of the German spirit that such minds emerge, and Karl Christian Planck is one of them. Planck wrote a book titled *The Truth and Superficiality of Darwinism*, a very significant work. He also wrote a book on the understanding of nature. From this book, I would like to mention only the following, although, strictly speaking, every page is interesting:

[ 40 ] Wenn die Menschen heute über die Erde sprechen, so sprechen sie, ich möchte sagen, im geologischen Sinne. Die Erde ist ihnen der mineralische Körper, und der Mensch wandelt so als ein fremdes Wesen darauf herum. Für Planck ist die Erde mit allem, was darauf wächst und einschließlich des Menschen ein großer Geist-Seelenorganismus, und der Mensch gehört dazu. Man hat die Erde einfach nicht begriffen, wenn man nicht gezeigt hat, wie im ganzen Organismus der Erde der physische Mensch vorhanden sein muß, indem sich seine Seele äußerlich verkörpert. Die Erde als ein Ganzes wird gefaßt, all ihre Kräfte von den physischesten bis heran zu den geistigsten werden als ein Ganzes erfaßt. Ein einheitliches Weltenbild, das geistgemäß ist, um diesen Goetheschen Ausdruck zu gebrauchen, will Planck aufstellen. Aber Planck ist sich bewußt - er ist in dieser Beziehung einer der charakteristischsten Denker des neunzehnten Jahrhunderts -, wie dasjenige, was er zu schaffen in der Lage ist, wirklich nun hervorgeht aus dem tiefsten Inneren des deutschen Volksgeistes. Das bringt er in der Schrift «Grundlinien einer Wissenschaft der Natur», die 1864 erschienen ist, in folgenden schönen Worten zum Ausdruck:

[ 40 ] When people today speak of the Earth, they speak, I would say, in a geological sense. To them, the Earth is a mineral body, and human beings walk upon it as alien beings. For Planck, the Earth—with everything that grows on it, including human beings—is a great spirit-soul organism, and human beings are part of it. One simply has not understood the Earth unless one has shown how the physical human being must be present within the entire organism of the Earth through the external embodiment of his soul. The Earth is conceived as a whole; all its forces, from the most physical to the most spiritual, are grasped as a whole. Planck seeks to establish a unified worldview that is “spirit-based,” to use Goethe’s expression. But Planck is aware—and in this regard he is one of the most characteristic thinkers of the nineteenth century—that what he is capable of creating truly springs from the deepest core of the German national spirit. He expresses this in his work *Grundlinien einer Wissenschaft der Natur* (Fundamentals of a Science of Nature), published in 1864, in the following beautiful words:

[ 41 ] «Welche Macht tiefgewurzelter Vorurteile von der bisherigen Anschauung aus seiner» — des Verfassers — «Schrift entgegensteht, dessen ist er sich vollkommen bewußt; allein wie schon die Arbeit selbst, trotz aller Ungunst der Umstände, die zufolge der ganzen Lage und Berufstellung des Verfassers» — er war nämlich ein einfacher Gymnasiallehrer, nicht ein Universitätsprofessor — «einem Werke dieser Art sich entgegenstellte, doch ihre Durchführung und ihren Weg in die Öffentlichkeit sich erkämpft hat, so ist er auch gewiß, daß das, was sich jetzt erst seine Anerkennung erkämpfen muß, einst als die einfachste und selbstverständlichste Wahrheit erscheinen wird, und daß darin nicht bloß seine Sache, sondern die wahrhaft deutsche Anschauung der Dinge über alle noch unwürdig äußerliche und undeutsche Auffassung der Natur und des Geistes siegen wird.

[ 41 ] “He is fully aware of the power of deep-rooted prejudices—based on prevailing views—that stand in the way of his”—the author’s—“work; yet just as the work itself, despite all the adverse circumstances—which, due to the author’s overall situation and professional status” — for he was, after all, a mere high school teacher, not a university professor — “stood in the way of a work of this kind, it nevertheless fought its way to completion and into the public eye; so he is also certain that what must now first fight for recognition will one day appear as the simplest and most self-evident truth, and that in this, not merely his cause, but the truly German view of things will triumph over all still unworthy, superficial, and un-German conceptions of nature and the spirit.

[ 42 ] Was in unbewußter tiefsinniger Ahnung schon unsere mittelalterliche Dichtung vorgebildet hat, das wird endlich in der Reife der Zeiten an unserer Nation sich erfüllen. Die unpraktische, mit Schaden und Spott heimgesuchte Innerlichkeit deutschen Geistes (wie Wolfram von Eschenbach sie in seinem «Parzival» schildert)» - das ist 1864, lange vor Wagners «Parsifal» geschrieben! -, «erringt endlich in der Kraft ihres unablässigen Strebens das Höchste, sie schaut den letzten einfachen Gesetzen der Dinge und des menschlichen Daseins selbst auf den Grund; und was die Dichtung phantastisch mittelalterlich in den Wundern des Grals versinnbildlicht hat, dessen Herrschaft ihr Held erringt, das erhält umgekehrt seine rein natürliche Erfüllung und Wirklichkeit in der bleibenden Erkenntnis der Natur und des Geistes selbst.»

[ 42 ] What our medieval poetry had already foreshadowed in an unconscious, profound intuition will finally be fulfilled in our nation as the times mature. The impractical, inward-looking nature of the German spirit—plagued by harm and ridicule (as Wolfram von Eschenbach depicts it in his *Parzival*)” —this was written in 1864, long before Wagner’s *Parsifal*!— “finally attains the highest through the power of its unceasing striving; it penetrates to the very core of the ultimate, simple laws of things and of human existence itself; and what poetry symbolized in a fantastical, medieval manner through the miracles of the Grail—whose dominion its hero attains—finds, conversely, its purely natural fulfillment and reality in the enduring knowledge of nature and the spirit itself.”

[ 43 ] So spricht derjenige, der dann die Zusammenfassung seines Weltenbildes gegeben hat unter dem Titel «Testament eines Deutschen», in dem wirklich versucht wird, wiederum auf einer höheren Stufe, als dies Schelling möglich war, Natur und Geist zu durchdringen. 1912 ist dieses «Testament eines Deutschen» in neuer Auflage erschienen. Ich glaube nicht, daß sich viele Menschen damit beschäftigt haben. Diejenigen, die sich berufsmäßig mit so etwas beschäftigen, die hatten ja anderes zu tun: in demselben Verlage, in dem dieses «Testament eines Deutschen» erschienen ist mit einer echt deutschen Weltanschauung, erschienen ja die Bücher von Bergson, von jenem Bergson — er heißt noch immer Bergson! —, der die gegenwärtige Zeit dazu benutzt, um nicht nur zu schmähen, sondern in wirklichem Sinne zu verleumden, was aus deutschem Geistesleben hervorgegangen ist; der es fertig gebracht hat, die ganze gegenwärtige Geisteskultur der Deutschen als eine mechanistische zu bezeichnen. Ich habe schon einmal hier gesagt: wenn er schrieb, die Deutschen sind heruntergekommen von ihrer Höhe, auf der sie unter Goethe, Schiller, Herder, Schelling und Hegel gestanden haben, denn jetzt machen sie eine mechanische Kultur, so hat er wahrscheinlich geglaubt, die Deutschen würden ihren Gegnern, wenn sie mit Kanonen anrücken, Novalis oder Goethes Gedichte vordeklamieren! Aber aus dem Umstande, daß er jetzt nur Kanonen und Flinten sieht -— oder auch wahrscheinlich nicht sieht -, macht er die deutsche Kultur zu einer vollständig mechanistischen.

[ 43 ] So speaks the man who went on to present a summary of his worldview under the title “Testament of a German,” in which he truly attempts—once again at a higher level than Schelling was able to achieve—to penetrate nature and spirit. In 1912, this “Testament of a German” was published in a new edition. I do not believe that many people have given it much thought. Those who deal with such matters professionally had other things to do: the same publishing house that released this “Testament of a German”—with its genuinely German worldview—also published the books by Bergson, by that Bergson—he is still called Bergson! —who uses the present time not only to denigrate but, in the truest sense, to slander what has emerged from German intellectual life; who has managed to characterize the entire current intellectual culture of the Germans as mechanistic. I have said here before: when he wrote that the Germans have fallen from the heights they once stood upon under Goethe, Schiller, Herder, Schelling, and Hegel—for now they are creating a mechanical culture—he probably believed that the Germans would recite Novalis or Goethe’s poems to their enemies as they advanced with cannons! But based on the fact that he now sees only cannons and rifles—or perhaps does not even see them—he reduces German culture to a thoroughly mechanistic one.

[ 44 ] Nun, ebenso wie die anderen Dinge, die ich in dieser Zeit spreche, in den Jahren vor dem Kriege immer wieder und wiederum gesagt worden sind, auch vor den Angehörigen anderer Nationen — so daß sie nicht etwa als durch das Verhältnis des Krieges veranlaßt aufgefaßt werden dürfen —, habe ich in dem Buch, das bei Kriegsbeginn abgeschlossen war, eben der zweiten Auflage meiner «Weltund Lebensanschauungen», Bergsons Philosophie darzustellen versucht. Und ich habe in diesem selben Buch gleichzeitig aufmerksam gemacht, wie, ich möchte sagen, einer der blendendsten Gedanken bei Bergson, unendlich viel größer, einschneidender und tiefer — wiederum haben wir einen solch vergessenen 'Ton des deutschen Geisteslebens — bei dem wenig bekannten Wilhelm Heinrich Preuß schon 1882 erschienen ist. Bergson macht nämlich an einer Stelle seiner Bücher darauf aufmerksam, wie man auszugehen habe bei der Weltenbetrachtung nicht von dem Mineralreich und vom Pflanzenreich und Tierreich und dann erst den Menschen daran zu gliedern habe, sondern vom Menschen; wie der Mensch das Utsprüngliche ist und die anderen Wesenheiten in der fortlaufenden Strömung, in der er sich entwickelte, während er das Erste war, abgestoßen hat als weniger Vollkommenes, so daß die anderen Naturreiche sich aus dem Reich des Menschen heraus entwickelt haben.

[ 44 ] Now, just as the other things I am speaking about at this time have been said time and again in the years before the war—even to members of other nations—so that they must not be understood as prompted by the circumstances of the war—I have, in the book that was completed at the outbreak of the war, namely the second edition of my *Worldview and Philosophy of Life*, I attempted to present Bergson’s philosophy. And in that same book, I also pointed out how—I would say—one of Bergson’s most dazzling ideas, infinitely greater, more profound, and more far-reaching—once again, we encounter such a forgotten “voice of German intellectual life”—had already appeared as early as 1882 in the work of the little-known Wilhelm Heinrich Preuß. For Bergson points out at one place in his books that, when contemplating the world, one should not start with the mineral, plant, and animal kingdoms and only then incorporate humanity into that framework, but rather start with humanity; how humanity is the primal source, and how, in the continuous flow in which it developed—while it was the first—it has cast off the other entities as less perfect, so that the other kingdoms of nature have developed out of the human realm.

[ 45 ] Ich habe in meinen «Rätseln der Philosophie» darauf aufmerksam gemacht, wie der einsame tiefe Denker, aber auch energische, kraftvolle Denker, Wilhelm Heinrich Preuß, in seinem Buche «Geist und Stoff», und im Grunde genommen schon früher als 1882, diesen Gedanken in mächtiger, in mutvoller Weise dargestellt hat, — den Gedanken, daß man nicht zurecht komme mit dem im bloß westlichen Sinne aufgefaßten Darwinismus, sondern daß man sich vorzustellen hat: Wenn man zurückgeht in der Welt, so hat man zuerst den Menschen. Der Mensch ist das Ursprüngliche, und indem der Mensch sich weiterentwickelt, stößt er gewisse Wesenheiten aus, zuerst die Tiere, dann die Pflanzen, dann die Mineralien. Das ist der umgekehrte Entwickelungsgang.

[ 45 ] In my *Riddles of Philosophy*, I pointed out how Wilhelm Heinrich Preuß—a solitary, profound thinker, but also an energetic and powerful one—in his book *Spirit and Matter*, and, in fact, even before 1882, presented this idea in a powerful, courageous manner—the idea that one cannot make sense of Darwinism as understood in the purely Western sense, but that one must imagine: If one goes back in the world, one first encounters human beings. Human beings are the primordial beings, and as they continue to evolve, they give rise to certain entities—first the animals, then the plants, and finally the minerals. This is the reverse course of evolution.

[ 46 ] Ich kann heute nicht darauf eingehen - in Vorträgen der früheren Jahre bin ich auf diesen Gedanken sogar öfters eingegangen —, aber ich will heute erwähnen, daß diese geistgemäße Weltanschauung in den achtziger Jahren voll dasteht innerhalb der deutschen Geistesströmung in dem Buche von Preuß «Geist und Stoff». Eine Hauptstelle aus meinem Buche «Die Rätsel der Philosophie» möchte ich Ihnen vorlesen, damit Sie sehen, wie sich da mit gewichtigen Worten eine eindringliche Weltanschauung, die in der ganzen Strömung, die ich Ihnen heute charakterisiert habe, liegt, die in das Geistesleben der Menschheit hineinströmt. Da sagt Preuß:

[ 46 ] I cannot go into detail on this today—in lectures from previous years I have even addressed this idea on several occasions—but I would like to mention today that this spiritual worldview is fully articulated in the 1880s within the German spiritual movement in von Preuß’s book *Geist und Stoff* (*Spirit and Matter*). I would like to read to you a key passage from my book *The Riddles of Philosophy* so that you can see how, in weighty words, a compelling worldview—one that lies at the heart of the entire current I have described to you today—flows into the spiritual life of humanity. Preuß says there:

[ 47 ] «Es dürfte... an der Zeit sein, eine... Lehre von der Entstehung der organischen Arten aufzustellen, welche sich nicht allein auf einseitig aufgestellte Sätze aus der beschreibenden Naturwissenschaft gründet, sondern auch mit den übrigen Naturgesetzen, welche zugleich auch die Gesetze des menschlichen Denkens sind, in voller Übereinstimmung ist. Eine Lehre zugleich, die alles Hypothesierens bar ist und nur auf strengen Schlüssen aus naturwissenschaftlichen Beobachtungen im weitesten Sinne beruht; eine Lehre, die den Artbegriff nach tatsächlicher Möglichkeit rettet, aber zugleich den von Darwin aufgestellten Begriff der Entwickelung hinübernimmt auf ihr Gebiet und fruchtbar zu machen sucht.

[ 47 ] “It is probably… time to formulate a… theory of the origin of organic species that is not based solely on one-sided propositions derived from descriptive natural science, but is also in full harmony with the other laws of nature, which are at the same time the laws of human thought. A theory, at the same time, that is free of all speculation and rests solely on rigorous conclusions drawn from scientific observations in the broadest sense; a theory that preserves the concept of species to the extent that is actually possible, but at the same time incorporates Darwin’s concept of evolution into its own domain and seeks to make it fruitful.

[ 48 ] Der Mittelpunkt dieser neuen Lehre nun ist der Mensch, die nur einmal auf unserem Planeten wiederkehrende Spezies: Homo sapiens. Merkwürdig, daß die älteren Beobachter bei den Naturgegenständen anfingen und sich dann dermaßen verirrten, daß sie den Weg zum Menschen nicht fanden, was ja auch Darwin nur in kümmerlichster und durchaus unbefriedigender Weise gelang, indem er den Stammvater des Herrn der Schöpfung unter den Tieren suchte — während der Naturforscher bei sich als Menschen anfangen mußte, um so fortschreitend durch das ganze Gebiet des Seins und Denkens zur Menschheit zurückzukehren! ... Es war nicht Zufall, daß die menschliche Natur aus der Entwickelung alles Irdischen hervorging, sondern Notwendigkeit. Der Mensch ist das Ziel aller tellurischen Vorgänge, und jede andere neben ihm auftauchende Form hat aus der seinigen ihre Züge entlehnt. Der Mensch ist das erstgeborene Wesen des ganzen Kosmos .. . Als seine Keime entstanden waren, hatte der gebliebene organische Rückstand nicht die nötige Kraft mehr, um weitere menschliche Keime zu erzeugen. Was noch entstand, wurde Tier oder Pflanze...»

[ 48 ] The focal point of this new doctrine is humanity, the species that exists only once on our planet: Homo sapiens. It is strange that the earlier observers began with natural objects and then strayed so far off course that they failed to find the path to humanity—a feat that even Darwin achieved only in the most meager and thoroughly unsatisfactory manner, by seeking the progenitor of the Lord of Creation among the animals — whereas the naturalist had to begin with himself as a human being, in order to return progressively to humanity through the entire realm of being and thought! ... It was no coincidence that human nature emerged from the evolution of all earthly things, but rather a necessity. Man is the goal of all terrestrial processes, and every other form that emerged alongside him has borrowed its traits from his. Man is the firstborn being of the entire cosmos... Once his seeds had emerged, the remaining organic residue no longer had the necessary power to produce further human seeds. Whatever else came into being became an animal or a plant...»

[ 49 ] 1882 aus dem, was die Menschenseele geistig erleben kann, dargestellt innerhalb des deutschen Geisteslebens! Dann kommt hinterher Bergson und stellt den Gedanken keinesfalls in einer solch kraftvollen, eindringlichen, mit dem innersten Leben der Seele zusammenhängenden Art dar, sondern, man möchte sagen, leicht geschürzt, trippelnd mehr und unbestimmt. Und die Menschen sind überwältigt von Bergson und wollen nichts wissen von Preuß. Und Bergson weiß anscheinend nichts von Preuß. Aber das ist bei jemandem, der über Weltanschauungen schreibt, ungefähr ebenso schlimm, wie wenn er davon etwas weiß und es nicht sagt. Aber wir wollen bei Bergson nicht untersuchen, ob er es gewußt hat und nicht gesagt hat, oder ob er es nicht gewußt hat, nachdem jetzt hinlänglich nachgewiesen ist, daß Bergson nicht nur Gedanken aus Schopenhauer entlehnt und in seiner eigenen Form wiedergibt, sondern auch der gesamten Philosophie des deutschen Idealismus, zum Beispiel Schelling und Fichte, Gedanken entnommen hat, als deren Schöpfer er sich zu betrachten scheint. Es ist in der Tat eine besondere Methode, das Verhältnis eines Volkstums zum anderen so zu charakterisieren, wie das Bergson jetzt fortwährend seinen Franzosen gegenüber macht, indem er deutsche Wissenschaft und die deutsche Erkenntnis als etwas besonders Mechanisches hinstellt, nachdem er sich zuvor bemüht-- was ja wahrscheinlich keine sehr mechanische Tätigkeit ist -, seitenlang diese deutschen Weltanschauungspersönlichkeiten erst auszuschreiben. Nachderhand merkt man, daß der ganze Bergson überhaupt hätte schweigen können, wenn er nicht auf Grundlage der deutschen Weltanschauungspersönlichkeiten seine Weltanschauung aufgebaut hätte, die ja im Grunde genommen nichts anderes ist, als Cartesiusscher Mechanismus, der Mechanismus des achtzehnten Jahrhunderts, aufgewärmt durch etwas romanisch verstandenen Schellingianismus und Schopenhauerianismus.

[ 49 ] 1882—a portrayal of what the human soul can experience spiritually, presented within the context of German intellectual life! Then Bergson comes along and presents the idea not in such a powerful, compelling way—one connected to the innermost life of the soul—but, one might say, in a somewhat abbreviated, fussy, and vague manner. And people are overwhelmed by Bergson and want nothing to do with Preuß. And Bergson apparently knows nothing about Preuß. But for someone who writes about worldviews, that is about as bad as if he knew something about it and didn’t say so. But let us not examine whether Bergson knew and did not say so, or whether he did not know, since it has now been sufficiently proven that Bergson not only borrowed ideas from Schopenhauer and rendered them in his own form, but also drew upon the entire philosophy of German idealism—for example, Schelling and Fichte—whose creator he seems to regard himself as. It is indeed a peculiar method to characterize the relationship of one culture to another in the way Bergson now constantly does with regard to the French, by portraying German scholarship and German thought as something particularly mechanical, after having first taken the trouble—which is probably not a very mechanical activity—to devote pages upon pages to describing these German thinkers. In retrospect, one realizes that Bergson could have remained silent altogether had he not built his worldview on the foundation of these German philosophical figures—a worldview that is, at its core, nothing other than Cartesian mechanism, the mechanism of the eighteenth century, rehashed with a touch of Romanic-style Schellingianism and Schopenhauerianism.

[ 50 ] Wie gesagt, man muß schon so sachgemäß die Dinge charakterisieren; denn das muß vor unserer Seele stehen, daß wir, wenn wir von dem Verhältnis des deutschen Wesens in der Gesamtentwickelung der Menschheit reden, nicht nötig haben, dieselbe Methode der Herabsetzung anderer Volkstümer einzuschlagen, die heute bei unseren Gegnern so weidlich angewandt wird. Der Deutsche ist in der Lage, auf das Tatsächliche hinzuweisen, und er wird nun aus der schweren Prüfung der gegenwärtigen Zeit auch die Kraft gewinnen, da noch in dieses deutsche Wesen mit seiner Seele unterzutauchen, wo es ihm bisher nicht gelungen ist. Die vergessenen Seiten des Strebens nach Geisteswissenschaft, sie werden wieder erinnert werden. Ich darf das immer wieder und wiederum sagen, nachdem ich mich seit mehr als dreißig Jahren bemühe, eine andere Seite vergessenen Strebens der deutschen Erkenntnis zu betonen.

[ 50 ] As I said, one must characterize things appropriately; for we must keep this in mind so that, when we speak of the place of the German spirit in the overall development of humanity, we do not need to resort to the same method of belittling other peoples that is so widely employed today by our opponents. The German is in a position to point to what is factual, and from the severe trials of the present time, he will now also gain the strength to delve even deeper into this German essence with his soul—where he has not yet succeeded. The forgotten aspects of the pursuit of spiritual science will be remembered once more. I may say this again and again, having striven for more than thirty years to emphasize another aspect of the forgotten quest for German knowledge.

[ 51 ] Aus dem, was ganz und gar aus dem nur auf die Außenwelt gerichteten Erkennen des britischen Wesens hervorgegangen ist, haben wir die sogenannte Newtonsche Farbenlehre. Und die Macht des britischen Wesens, nicht nur äußerlich, sondern innerlich, geistig, ist so groß, daß diese Newtonsche Farbenlehre sich aller Geister, die über solche Dinge denken, bemächtigt hat. Nur Goethe, aus jenem Wesen heraus, das aus dem deutschen Volkstum gewonnen werden kann, er hat sich aufgelehnt gegen die Newtonsche Farbenlehre auf physikalischem Gebiete. Gewiß, die Newtonsche Farbenlehre ist, ich möchte sagen, in einem speziellen Kapitel dasselbe, was de Lamettries «L’Hommemachine» für alle seichten Oberflächlinge der Welt sein kann. Nur ist der Fall mit der Farbenlehre besonders tragisch. Seit 35 Jahren, wie gesagt, bemühe ich mich, die ganze Bedeutung der Goetheschen Farbenlehre darzustellen, den ganzen Kampf der deutschen Weltanschauung, die in bezug auf die Farbenwelt in Goethe hervortritt, gegen die mechanistische Auffassung, die im britischen Volkstume wurzelt bei Newton. Das Kapitel «Goethe im Recht gegen Newton», es wird auch einmal zur Geltung kommen, wenn dasjenige immer mehr zur Geltung kommt, was nicht immer bewußt, aber doch lebendig wirksam fortlebt und was immer für denjenigen, der schauen will, geschaut werden kann. Und es wird zur Geltung kommen, gerade aus den Prüfungen unserer Zeit heraus, das innigste Bewußtsein des Deutschen von der Tiefe seines Erkenntnisstrebens.

[ 51 ] From what arose entirely out of a perception of the British character directed solely toward the external world, we have the so-called Newtonian theory of colors. And the power of the British spirit—not only externally, but internally, spiritually—is so great that this Newtonian theory of color has taken hold of all minds that reflect on such matters. Only Goethe, drawing from that spirit that can be derived from German folk culture, has rebelled against the Newtonian theory of color in the realm of physics. Certainly, Newtonian color theory is—I might say—in a specific sense the same as what de Lamettrie’s *L’Hommemachine* can be for all the shallow, superficial people of the world. Only the case of color theory is particularly tragic. For 35 years, as I said, I have been striving to present the full significance of Goethe’s theory of colors—the entire struggle of the German worldview, which emerges in Goethe with regard to the world of colors, against the mechanistic conception rooted in British folklore as embodied by Newton. The chapter “Goethe Is Right Against Newton,” will also come to the fore one day, as that which does not always live on consciously but nevertheless remains vividly active—and which can always be perceived by those who wish to see—gains ever greater prominence. And it will come to the fore, precisely out of the trials of our time, the deepest awareness among Germans of the depth of their quest for knowledge.

[ 52 ] Es ist fast eine Selbstverständlichkeit, und deshalb so leicht begreiflich wie alle oberflächlichen Selbstverständlichkeiten, wenn die Leute heute sagen: Wissenschaft ist ja selbstverständlich international. Der Mond ist auch international! Dennoch, was die einzelnen Menschen zu sagen haben über den Mond, das ist ganz und gar nicht international. Goethe, als er reiste, schrieb an seine deutschen Freunde zurück: «Nach dem, was ich bei Neapel, in Sizilien von Pflanzen und Fischen gesehen habe, würde ich, wenn ich zehn Jahre jünger wäre, sehr versucht sein, eine Reise nach Indien zu machen, nicht um Neues zu entdecken, sondern das Entdeckte nach meiner Art anzusehen.» Gewiß ist die Wissenschaft international. Man kann die entsprechenden Ausführungen nicht leicht widerlegen, weil sie selbstverständlich sind, wie alles Oberflächliche selbstverständlich ist. Aber wie gesagt, sie ist auch international wie der Mond. Aber was die einzelnen Völker aus der Tiefe, aus der Wurzel ihres Volkstums heraus zu sagen haben über dasjenige, was international ist, das ist das Bedeutsame, das ist auch das Wirksame, das trägt die Menschheitsentwickelung aus der Art und Weise, wie sich die Art des einzelnen Volkes zu dem international zu Erkennenden zu stellen hat, weiter. Darauf kommt es an.

[ 52 ] It goes almost without saying—and is therefore as easy to grasp as all superficial truisms—when people today say: “Science is, of course, international.” The moon is international, too! Yet what individual people have to say about the moon is by no means international. When Goethe was traveling, he wrote back to his German friends: “Based on what I have seen of plants and fish near Naples, in Sicily, if I were ten years younger, I would be very tempted to take a trip to India—not to discover anything new, but to view what has already been discovered in my own way.” Certainly, science is international. It is not easy to refute these statements, because they go without saying—just as everything superficial goes without saying. But as I said, science is as international as the moon. But what individual peoples have to say from the depths, from the very roots of their national character, about that which is international—that is what is significant; that is also what is effective; that is what advances human development through the way in which each individual people relates to what is to be recognized as international. That is what matters.

[ 53 ] Bis heute kann man allerdings noch nicht sagen, daß gerade dasjenige, was im tiefsten Sinne deutsches Wesen darstellt auf dem Erkenntniswege, einen bedeutenden Eindruck gemacht hat in der Folgezeit. Innerhalb des deutschen Wesens selber wirkten Fichte, Schelling und Hegel zunächst so groß, daß die Nachwelt wie betäubt war und daß sie zunächst nur das eine oder das andere, die eine oder die andere Seite hervorbrachte, daß sogar der undeutsche Materialismus innerhalb des deutschen Geisteslebens platzgreifen konnte, Besonders lehrreich ist es aber, wenn man sieht, wie das, was urdeutsch ist, in anderem Volkstum wirkt, wenn es darin untertaucht. Und urdeutsch ist zum Beispiel Schelling. Schelling hat viel gewirkt, zum Beispiel innerhalb des russischen Geisteslebens. Innerhalb des russischen Geisteslebens sehen wir, wie Schelling aufgenommen wird, wie seine gewaltigen Anschauungen der Natur, aber namentlich der Geschichte - für Naturanschauung hat der Russe nicht viel Sinn — aufgenommen wird. Aber wir sehen auch, wie gerade das Wesentliche, worauf es ankommt, im Osten Europas durchaus nicht verstanden werden kann. Ja, es ist besonders interessant — und Sie können das Genauere ja nachlesen in meiner Schrift «Gedanken während der Zeit des Krieges» —, wie dieser Osten Europas im neunzehnten Jahrhundert nach und nach herausleiter eine vollständige Ablehnung gerade des Geisteslebens nicht nur Mittel-, sondern sogar Westeuropas. Und man bekommt einen Eindruck vom deutschen Geistesleben, gerade wenn man sieht, wie dieses Wesentliche, das ich heute herauszuarbeiten versuchte, dieses Drinleben mit der Seele in Natur- und Geistesentwickelung, nicht verstanden werden kann gerade im Osten, wo man die Dinge äußerlich hinnimmt. Diesem Osten ist ja das Bewußtsein im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts gerade bei den Intellektuellen furchtbar angeschwollen, — nicht bei den Bauern selbstverständlich, die auch von dem Kriege, selbst wenn sie ihn führen, nicht viel wissen. Merkwürdig geht es allerdings mit diesem Geistesleben des Ostens. Ich habe es ja schon einmal ausgeführt: Slawophilismus tritt uns in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, in den dreißiger Jahren auf, gerade befruchtet von Fichte, Schelling und Hegel; aber er tritt so auf, daß man Fichte, Schelling und Hegel nur äußerlich nimmt, ganz äußerlich, daß man davon keine Ahnung hat, wie Fichte, Schelling und Hegel — die Werkzeuge des Willens, des Gemüts, des Denkens -, gerade sich objektiv zusammenleben mit dem, was äußerlich die Welt durchwebt und durchlebt. Und so konnte es kommen, daß dieses in bezug auf seinen Erkenntnissinn noch tief in mittelalterlichem Fühlen lebende Russentum gerade Fichte, Schelling und Hegel so aufnahm, daß eine fast größenwahnsinnige Anschauung im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts sich ausbildete, die auf literarischem und Erkenntnisgebier wirklich eine Art Umsetzung des — sei es gefälscht oder nicht gefälscht — Politischen Testamentes Peters des Großen ist.

[ 53 ] To this day, however, one cannot yet say that precisely that which, in the deepest sense, constitutes the German essence has made a significant impression in subsequent times through the path of knowledge. Within the German essence itself, Fichte, Schelling, and Hegel were initially so influential that posterity was left in a daze, and that at first they brought forth only one or the other, one or the other aspect—to the extent that even un-German materialism was able to take hold within German intellectual life. It is particularly instructive, however, to see how that which is quintessentially German takes effect in other cultures when it becomes immersed within them. And Schelling, for example, is quintessentially German. Schelling had a profound influence, for example, within Russian intellectual life. Within Russian intellectual life, we see how Schelling is received—how his powerful conceptions of nature, but especially of history—for Russians have little appreciation for a conception of nature—are received. But we also see how precisely the essential element—the very thing that matters—cannot be understood at all in Eastern Europe. Indeed, it is particularly interesting—and you can read the details in my essay “Thoughts During the Time of War”—how this part of Eastern Europe in the nineteenth century gradually developed a complete rejection of the intellectual life not only of Central but even of Western Europe. And one gains an impression of German spiritual life precisely when one sees how this essential aspect—which I have tried to elaborate on today—this inner living with the soul in the development of nature and spirit—cannot be understood in the East, where things are accepted merely on the surface. In this Eastern region, consciousness swelled tremendously over the course of the nineteenth century, particularly among the intellectuals—not among the peasants, of course, who know little about war, even when they wage it. The intellectual life of the East is, however, a curious phenomenon. I have already explained this once before: Slavophilism emerged in the first half of the nineteenth century, in the 1830s, directly influenced by Fichte, Schelling, and Hegel; but it emerges in such a way that Fichte, Schelling, and Hegel are taken only superficially—entirely superficially—so that one has no inkling of how Fichte, Schelling, and Hegel—the instruments of the will, the mind, and thought—objectively coexist with that which, externally, interweaves and permeates the world. And so it came to pass that this Russian culture—which, in terms of its sense of knowledge, still lived deeply within a medieval sensibility—assimilated Fichte, Schelling, and Hegel in such a way that, over the course of the nineteenth century, an almost megalomaniacal worldview took shape, which, in the realms of literature and knowledge, truly constituted a kind of transposition of—whether forged or not forged— — Political Testament of Peter the Great.

[ 54 ] Was haben sie alles da drüben mit der deutschen Weltanschauung zu machen gewußt! Ich habe in einem der Vorträge, die ich erst vor kurzer Zeit gehalten habe, dargestellt, wie Goethes «Faust» so recht hervorwächst aus dem, was wir auch heute wieder als deutsche Weltanschauung auf unsere Seele wirken lassen konnten. Wir brauchen aber nur zu hören Worte von Pissarew — der als russischer Geist tief beeinflußt ist von Goethe — über Goethes «Faust», und wir werden sehen, wie nicht verstanden werden kann, was gerade mit dem Allercharakteristischsten, mit dem Allerwesenhaftesten der deutschen Volksseele zusammenhängt. Pissarew sagt zum Beispiel: «Die kleinen Gedanken und die kleinen Gefühle mußten zu Perlen der Schöpfung gemacht werden» - im «Faust meint er nämlich die kleinen Gedanken, die menschlichen Gefühle, die nur so den Menschen angehen! — «Goethe hat dieses Kunststück zustande gebracht, und ähnliche Kunststücke werden bis jetzt für den allergrößten Sieg der Kunst gehalten; aber man macht solchen Hokuspokus nicht nur in der Sphäre der Kunst, sondern auch in allen übrigen Sphären menschlicher Tätigkeit.»

[ 54 ] What a profound impact the German worldview has had over there! In one of the lectures I gave just recently, I explained how Goethe’s *Faust* truly springs from what we have been able to allow to influence our souls once again today as the German worldview. But we need only listen to the words of Pissarev—who, as a Russian intellectual, was deeply influenced by Goethe—about Goethe’s *Faust*, and we will see how it is impossible to understand what is connected precisely with the most characteristic, the most essential aspect of the German national soul. Pissarev says, for example: “The small thoughts and the small feelings had to be turned into pearls of creation”—for in “Faust” he is referring precisely to the small thoughts and human feelings that concern human beings in this very way! — “Goethe accomplished this feat, and similar feats are still regarded as the greatest triumph of art; but such hocus-pocus is practiced not only in the realm of art, but also in all other spheres of human activity.”

[ 55 ] Es stellt ein interessantes Kapitel dar, wie in einer nur äußerlichen Weise bei Geistern wie zum Beispiel Iwan Wassilijewitsch Kirejewski oder bei Chomjakow gerade das, was groß und bedeutsam als Innerlichkeit lebt, aber als klare Innerlichkeit, wie das verdunkelte und nebulose Gefühlsduselei erzeugend in solchen Geistern weiter gelebt hat und wir könnten eine stattliche Reihe bis in die heutigen Tage herein gerade von russischen Weltanschauungsgeistern anführen -, wie in diesem russischen Weltanschauungsgeiste allgemein sich die Überzeugung gebildet hat: Das, was da westlich von uns lebt, ist greisenhafte Kultur, abgelebte Kultur; das ist reif zum Aussterben. Das russische Wesen ist da, das muß ersetzen, was da in Mitteleuropa und sie meinten damals auch Westeuropa im neunzehnten Jahrhundert, dazu namentlich England -, was da in England lebt.

[ 55 ] It is an interesting phenomenon how, in figures such as Ivan Vasilyevich Kireyevsky or Khomyakov, precisely that which lives as something great and significant in the inner world yet as clear inner life—continues to live on in such minds in a way that generates a darkened and nebulous sentimentalism, and we could cite an impressive list right up to the present day consisting precisely of Russian thinkers—how, in this Russian worldview, the conviction has generally taken shape: What exists to the west of us is a senile culture, a culture past its prime; it is ripe for extinction. The Russian essence is here; it must replace what exists in Central Europe—and by that they also meant Western Europe in the nineteenth century, specifically England—what exists in England.

[ 56 ] Das ist nicht etwa von mir an dem einen oder anderen Punkt herausgesucht, sondern das ist ein durchgehender Zug im russischen Geistesleben, der charakterisiert diejenigen, auf die es ankommt, die tonangebend sind. Bei Kirejewski steigert sich das etwa 1829 zu einem Ausspruch, den ich gleich verlesen werde, und man wird sehen aus einem solchen Ausspruch, daß dasjenige, was einem heute vom Osten entgegentönt, nicht eben erst heute entstanden ist, sondern daß das tief wurzelt in dem, was da allmählich in diesem Osten sich angesammelt hat.

[ 56 ] This is not something I have singled out on one point or another; rather, it is a consistent feature of Russian intellectual life that characterizes those who matter—those who set the tone. In Kireyevsky’s work, this culminated around 1829 in a statement that I will read aloud in a moment, and one will see from such a statement that what resounds from the East today did not just emerge today, but is deeply rooted in what has gradually accumulated there in the East.

[ 57 ] Vorher will ich aber noch etwas anderes anführen. Vom Slawophilismus geht die ganze Sache aus, von einem scheinbar wissenschaftlich-theoretischen Aufgeschraubtwerden von der Bedeutung des russischen Volkes, das ablösen muß das alte, greisenhafte, in lauter abstrakten Begriffen, in lauter kalten Nützlichkeitsvorstellungen verkommende Europa. Ja, man findet das, wie gesagt, immer wieder im russischen Geistesleben. Aber woher kommt denn eigentlich diese Slawophilie, woher stammt sie denn eigentlich? Wodurch sind denn diese Menschen im Osten darauf aufmerksam geworden auf das, was sie später in allen Variationen wiederholt haben: Die Leute in Mitteleuropa und Westeuropa sind verkommen, sind greisenhaft; sie haben es dahin gebracht, alle Liebe, alles Gefühlsmäßige aus dem Herzen auszuschalten und nur im Verstande zu leben, was zum Krieg und zum Haß der einzelnen Völker führt. Im russischen Reich lebt die Liebe, lebt der Friede, lebt auch eine Wissenschaft, die aus Liebe, aus Friede hervorgeht. Woher haben denn diese Menscien das? Aus deutscher Weltanschauung haben sie es! Herder ist der erste Slawophile im Grunde genommen. Herder hat zuerst dies ausgesprochen, was berechtigt war zu seiner Zeit, was auch berechtigt ist, wenn man auf die Tiefe des Volkswesens schaut, das wahrhaft nichts mit dem heutigen Kriege und mit alledem zu tun hat, was zu diesem Kriege geführt hat. Man kann aber auf dieses hinweisen, was bei den sogenannten Intellektuellen geführt hat zu dem Größenwahn: Wir stehen da im Osten, da drüben ist alles, alles greisenhaft, das muß alles ausgerottet werden, und an die Stelle dessen muß treten die Weltanschauung des Ostens.

[ 57 ] But first I would like to mention something else. The whole thing stems from Slavophilism—a seemingly scientific and theoretical exaggeration of the significance of the Russian people, who are supposed to replace the old, decrepit Europe, which has degenerated into nothing but abstract concepts and cold notions of utility. Yes, as I said, one finds this time and again in Russian intellectual life. But where does this Slavophilism actually come from; where does it actually originate? What is it that drew the attention of these people in the East to what they later repeated in all manner of variations: The people of Central and Western Europe have degenerated; they are senile; they have managed to banish all love and all emotion from their hearts and to live solely in the intellect, which leads to war and hatred among the various peoples. In the Russian Empire, love lives, peace lives, and a science that springs from love and peace also lives. Where, then, did these people get this from? They got it from the German worldview! Herder is, in essence, the first Slavophile. Herder was the first to articulate this—which was justified in his time and remains justified when one looks at the depths of the national character, which truly has nothing to do with today’s war or with anything that led to it. But one can point to what has led to the delusion of grandeur among the so-called intellectuals: We stand here in the East; over there, everything—everything—is decrepit; it must all be eradicated, and in its place must come the worldview of the East.

[ 58 ] Führen wir uns nur solche Worte ganz tief zu Gemüte, wie wir sie bei Kirejewski finden. Er sagt 1829: «Das Schicksal jedes europäischen Staates hängt von der Vereinigung aller übrigen ab; — das Schicksal Rußlands hängt von Rußland allein ab. Aber das Schicksal Rußlands ist in seiner Bildung beschlossen: diese ist die Bedingung und Quelle aller Güter. Sobald alle diese Güter unser sein werden, werden wir uns dieselben mit dem übrigen Europa teilen, und unsere ganze Schuld werden wir ihm hundertfach heimzahlen.»

[ 58 ] Let us take such words to heart, as we find them in Kireyevsky. He wrote in 1829: “The fate of every European state depends on the unity of all the others; — the fate of Russia depends on Russia alone. But Russia’s fate is determined by its education: this is the condition and source of all blessings. As soon as all these blessings are ours, we will share them with the rest of Europe, and we will repay our entire debt to it a hundredfold.”

[ 59 ] Hier haben Sie von einem tonangebenden Menschen, auf den immer wieder gerade die Geister, welche die fortlaufende Strömung des russischen Geisteslebens mehr ablehnten, gefußt haben. Hier haben Sie es ausgesprochen: Europa ist zum Untergang reif, die russische Kultur muß es ersetzen. Die russische Kultur hat alles dasjenige in sich, was zukunftssicher ist. Also eignen wir uns alles an. Und wenn wir alles haben, nun, dann werden wir gütig sein, dann werden wir uns mit den anderen entsprechend teilen. Das ist das literarische Programm, schon 1829 aufgestellt innerhalb der russischen Menschheit von einem Geiste, in dessen Unreife, in dessen Gefühlsduselei hinein selbst Fichte, Schelling und Hegel gewirkt haben.

[ 59 ] Here you have a leading figure who has repeatedly served as a point of reference precisely for those minds that were most opposed to the prevailing current of Russian intellectual life. Here he stated it plainly: Europe is ripe for collapse; Russian culture must replace it. Russian culture embodies everything that is future-proof. So let us embrace it all. And when we have it all—well, then we will be generous; then we will share it appropriately with others. This is the literary program, established as early as 1829 within Russian society by a mind into whose immaturity and sentimentalism even Fichte, Schelling, and Hegel had an influence.

[ 60 ] Es ist überhaupt eine merkwürdige Auffassung da im Osten. Lassen Sie mich das zum Schluß noch ausführen. Da ist zum Beispiel 1885 ein merkwürdiges Buch erschienen von Sergius Jushakow, ein merkwürdiges Buch, wie gesagt. Dieser Jushakow findet, daß Rußland eine große Aufgabe hat. 1885 findet er diese Aufgabe noch mehr gegen Asien hinüber gerichtet. Da drüben in Asien, so meint er, leben die Nachkommen der alten Iranier — zu denen er auch die Inder rechnet, die Perser rechnet — und der alten Turanier. Die haben ein langes Kulturleben hinter sich, haben es zu dem gebracht, was sich heute in ihnen darbietet. In dieses lange Kulturleben haben die westlichen Menschen - so sagt Jushakow 1885 — eingegriffen, haben eingegriffen mit dem, was sie werden konnten aus ihren Grundempfindungen, aus ihrer Weltanschauung heraus. Aber Rußland muß in der richtigen Weise eingreifen.

[ 60 ] There is, in general, a peculiar way of thinking in the East. Let me elaborate on this in closing. For example, in 1885 a peculiar book was published by Sergius Yushakov—a peculiar book, as I said. This Yushakov believes that Russia has a great mission. In 1885, he saw this mission as directed even more toward Asia. Over there in Asia, he argues, live the descendants of the ancient Iranians—among whom he includes the Indians and the Persians—and the ancient Turanians. They have a long cultural history behind them, which has shaped them into what they are today. Westerners—as Yushakov stated in 1885—have intervened in this long cultural history, intervening with whatever they were able to bring forth from their fundamental sensibilities and their worldview. But Russia must intervene in the right way.

[ 61 ] Ein merkwürdiger Panasiatismus, 1885 von Jushakow ganz programmäßig in einem dicken Buche ausgesprochen! Er sagt: In einem schönen Mythos — der aber wahr ist — haben diese asiatischen Völker ihr Schicksal dargestellt. Da gibt es die iranischen Völker drüben, welche gekämpft haben gegen Ahriman, so sagt Jushakow, gegen den bösen Geist Ahriman, der Unfruchtbarkeit und Dürre und Unmoralität wachruft gegen die Menschen, alles dasjenige, was die menschliche Kultur stört. Verbunden haben sie sich mit dem guten Geist Ormuzd, dem Gott des Lichtes, dem Geist, der alles die Menschen Fördernde gibt. Aber nachdem es die Asiaten eine Weile dazu gebracht haben, daß sie die Segnungen des Ormuzd innerhalb ihres Geisteslebens empfangen haben, da wurde Ahriman mächtiger. Was aber haben die europäischen Völker des Westens, so meint Jushakow, den Asiaten gebracht? Und das ist recht interessant. Jushakow stellt das so dar, daß diese westlichen Völker mit ihrem Kulturleben, das nach seiner Anschauung aber versumpft und greisenhaft ist, nach Asien zu den Indern, zu den Persern hinübergegangen sind, daß sie ihnen all dasjenige abgenommen haben, was sie der Ormuzd, der gute Ormuzd hat erkämpfen lassen. Dazu waren die westlichen Völker da. Rußland wird nun hinübergehen nach Asien — nicht ich sage dies, sondern der Russe Jushakow sagt es —, denn in Rußland wurzelt in einer tiefen Kultur das Bündnis zwischen dem alle Fruchtbarkeit entwickelnden Bauern und dem alle Ritterlichkeit in sich tragenden Kosaken — wie gesagt, nicht ich sage es, Jushakow sagt es -, und aus dem Bündnis des Bauern und des Kosaken, das hinübergehen wird nach Asien, wird etwas anderes entstehen, als was die westlichen Völker den Asiaten haben bringen können. Die westlichen Völker haben den Asiaten die Ormuzd-Kultur abgenommen; die Russen aber, das heißt die Bauern und die Kosaken, werden sich verbinden mit dem armen, durch die Westler geknechteten Asien und werden mit ihm kämpfen gegen Ahriman und sich ganz mit ihm verbinden. Denn dasjenige, was als ein Zusammengehen mit der Natur selber sich die Asiaten unter Ormuzd’ Führung erworben haben, das nehmen ihnen die Russen nicht weg, sondern die verbinden sich mit ihnen, um neuerdings mit ihnen gegen Ahriman zu kämpfen.

[ 61 ] A strange form of Pan-Asianism, articulated quite programmatically by Yushakov in a thick book in 1885! He says: In a beautiful myth—which is, however, true—these Asian peoples have depicted their destiny. There are the Iranian peoples over there who fought against Ahriman, says Yushakov, against the evil spirit Ahriman, who brings about barrenness, drought, and immorality against humanity—everything that disrupts human culture. They have allied themselves with the good spirit Ormuzd, the god of light, the spirit who bestows everything that benefits humanity. But after the Asians had, for a time, managed to receive the blessings of Ormuzd within their spiritual life, Ahriman grew more powerful. But what, according to Yushakov, have the European peoples of the West brought to the Asians? And that is quite interesting. Yushakov presents it this way: these Western peoples, with their cultural life—which, in his view, is stagnant and senile—crossed over to Asia, to the Indians and the Persians, and took from them everything that Ormuzd, the good Ormuzd, had enabled them to win. That was the purpose of the Western peoples. Russia will now cross over to Asia—it is not I who say this, but the Russian Yushakov—for in Russia, rooted in a profound culture, lies the alliance between the peasant, who cultivates all fertility, and the Cossack, who embodies all chivalry—as I said, it is not I who say this, Yushakov says it—and from the alliance of the peasant and the Cossack, which will cross over to Asia, something different will emerge than what the Western peoples have been able to bring to the Asians. The Western peoples have taken the Ormuzd culture away from the Asians; but the Russians—that is, the farmers and the Cossacks—will unite with poor Asia, which has been enslaved by the Westerners, and will fight alongside it against Ahriman and unite with it completely. For what the Asians, under Ormuzd’s guidance, have attained as a union with nature itself—the Russians will not take that away from them, but will unite with them to fight anew alongside them against Ahriman.

[ 62 ] Und genauer schildert dieser Mann, 1885, wie sich eigentlich diese westlichen Völker verhalten haben gegen die asiatischen, von Ahriman geplagten Menschen. Da schildert er — er hätte dazumal noch wenig Veranlassung gehabt dazu — nicht die Deutschen, aber er, Jushakow, der Russe schildert die Engländer. Und er sagt von den Engländern, diese glaubten nach alledem, was sie darleben: die asiatischen Völker seien nur da, damit sie sich in englische Gewebe kleiden, untereinander mit englischen Waffen kämpfen, mit englischen Werkzeugen arbeiten, aus englischen Gefäßen essen und mit englischem Flitter spielen. Und weiter sagt Jushakow, 1885: «England beutet Millionen von Hindus aus, seine ganze Existenz aber hängt von dem Gehorsam der verschiedenen Völker ab, von denen die reiche Halbinsel bewohnt wird; ich wünsche meinem Vaterlande nichts Ähnliches — ich kann mich nur freuen, daß es von diesem so glänzenden wie traurigen Zustand hinreichend entfernt ist.»

[ 62 ] And in 1885, this man describes in greater detail how these Western peoples actually behaved toward the Asian peoples plagued by Ahriman. There he describes—though he had little reason to do so at the time—not the Germans, but he, Yushakov, the Russian, describes the English. And he says of the English that, based on everything they witnessed, they believed the Asian peoples existed solely so that they could clothe themselves in English fabrics, fight one another with English weapons, work with English tools, eat from English vessels, and play with English trinkets. And Yushakov goes on to say, in 1885: “England exploits millions of Hindus, yet its entire existence depends on the obedience of the various peoples who inhabit the rich peninsula; I wish nothing of the sort for my fatherland—I can only rejoice that it is sufficiently removed from this state of affairs, which is as brilliant as it is sad.”

[ 63 ] Aus diesen, 1885, nicht nur bei Jushakow, sondern bei vielen auftretenden Empfindungen heraus wird es ja wohl wahrscheinlich gekommen sein, daß sich Rußland zunächst nicht verbunden hat mit den Asiaten, um ihnen gegen Ahriman, den bösen Ahriman zu helfen, sondern daß es sich zunächst mit jenem «so glänzenden wie traurigen Zustande» Englands verbunden hat, um das «greisenhafte», «versumpfte» Europa in Grund und Boden zu treten.

[ 63 ] It was likely these sentiments—which arose in 1885 not only among Yushakov but among many others—that led Russia, at first, not to ally itself with the Asians to help them against Ahriman, the evil Ahriman, but rather to align itself with that “state as brilliant as it is sad” of England in order to trample “senile,” “mired” Europe into the ground.

[ 64 ] Das, was einstmals die Weltgeschichte sehen wird in diesem Ring, der sich um Mitteleuropa herum schließt, das kann im Grunde genommen recht einfach ausgesprochen werden. Man braucht nur ein paar Zahlen zu nennen. Diese paar Zahlen wirken außerordentlich lehrreich, denn sie sind Wirklichkeit. Einmal wird doch die Geschichte die Frage aufwerfen, ganz abgesehen davon, daß dieser gegenwärtige Kampf der allerschwierigste, der allerbedeutungsvollste, der allergrößte ist, der in der Entwickelung der Menschengeschichte vorgekommen ist, ganz abgesehen davon, bloß auf die Verhältnisse der Zahlen gesehen: Wie wird man beurteilen einmal, daß 777 Millionen Menschen einen Ring schließen um 150 Millionen Menschen? 777 Millionen Menschen stehen in der sogenannten Entente im Ring geschlossen um 150 Millionen Menschen herum und erwarten nicht einmal von der kriegerischen Tapferkeit die Entscheidung, sondern von der Aushungerung. Das ist der bessere Teil der Tapferkeit wahrscheinlich nach den Anschauungen der 777 Millionen Menschen! Neidisch um den Boden, auf dem sich ein Geistesleben entwickelte, wie wir es dargestellt haben, braucht man auch gerade nicht zu sein, denn da sprechen auch wieder die Zahlen. Die 777 Millionen Menschen leben auf 68 Millionen Quadratkilometern, gegenüber 6 Millionen Quadratkilometern, auf denen die 150 Millionen Menschen leben. Das wird die Geschichte einmal ins Auge fassen, daß 777 Millionen Menschen auf 68 Millionen Quadratkilometern stehen, ringförmig geschlossen gegen 150 Millionen Menschen auf 6 Millionen Quadratkilometern. Der Deutsche braucht nur auf diesem so wie auch auf anderen Gebieten diese Tatsächlichkeit sprechen zu lassen, welche einen daran verhindert, in einseitig nationales Zetern und Wettern und in haßerfülltes Reden zu kommen, in das Deutschlands Feinde kommen.

[ 64 ] What world history will one day witness within this ring that encircles Central Europe can, in essence, be stated quite simply. One need only cite a few figures. These few figures are extraordinarily instructive, for they are reality. One day, history will raise the question—quite apart from the fact that this current struggle is the most difficult, the most significant, and the greatest that has ever occurred in the course of human history—and quite apart from that, simply looking at the numerical ratios: How will one judge, in the future, the fact that 777 million people form a ring around 150 million people? 777 million people in the so-called Entente stand in a tight ring around 150 million people and do not even expect the outcome to be decided by military valor, but rather by starvation. That is probably the “better” kind of valor, according to the views of those 777 million people! There is certainly no need to be envious of the ground on which a spiritual life developed, as we have described it, for here, too, the numbers speak for themselves. The 777 million people live on 68 million square kilometers, compared to the 6 million square kilometers on which the 150 million people live. History will one day take note of the fact that 777 million people are concentrated on 68 million square kilometers, encircling 150 million people on 6 million square kilometers. Germans need only let this reality speak for itself in this as well as in other areas—a reality that prevents them from succumbing to one-sided national ranting and raving and to hate-filled rhetoric, into which Germany’s enemies fall.

[ 65 ] Ich will jetzt nicht reden über diejenigen Gebiete, die hier nicht hergehören, die durch die Waffen entschieden werden. Aber wir sehen ja hinlänglich, wie hinweggehoben über den Kampfplatz der Waffen heute wirklich eingeschlossen ist, was man als deutsche Kultur hegen und tragen will, eingeschlossen ist von Haß und Verleumdung, von wirklicher Verleumdung, nicht bloß von Haß; wie unsere traurige Prüfungszeit dazu verwendet wird, gerade das zu schmähen und zu verdammen, was sich in solcher Art in die Weltgeschichte, in die Gesamtentwickelung der Menschheit hineinzustellen hat. Denn was ist es eigentlich, was uns in diesem deutschen Geistesleben mit all seinen bewußten und vergessenen Tönen entgegentritt? Ein Großes ist es deshalb, weil es die zweite große Erkenntnisblüte ist und die zweite große Kunstblüte der Menschheit überhaupt. Die erste große Kunstblüte war das Griechentum. Die deutsche Entwickelung hat um die Wende des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts eine Blüte hervorgebracht, von der selbst ein Geist wie Renan gesagt hat, als er, nachdem er alles Übrige in sich aufgenommen hatte, die deutsche Entwickelung in Goethe und Herder kennen lernte: «Ich glaubte in einen Tempel zu treten, und von dem Augenblick an machte mir alles, was ich bis dahin für eine der Gottheit würdige Pracht gehalten hatte, nur noch den Eindruck welker und vergilbter Papierblumen.» Was das deutsche Geistesleben geleistet hat, so sagt Renan, indem er es mit dem anderen vergleicht, ist wie die DifferentialRechnung gegenüber der Elementar-Mathematik. Dennoch weist Renan — auf derselben Seite, auf der er diese Worte an David Friedrich Strauß geschrieben hat, auf jene Strömung in Frankreich hin, die für den Fall eines Verlustes von Elsaß-Lothringen den «Vertilgungskampf gegen die germanische Rasse» forderte. 1870 ist dieser Brief geschrieben.

[ 65 ] I do not wish to speak now about those areas that do not belong here, that are decided by force of arms. But we can see all too clearly how, far removed from the battlefield, what we wish to cherish and uphold as German culture is today truly besieged—besieged by hatred and slander, by genuine slander, not merely by hatred; how our sad time of trial is being used to denigrate and condemn precisely that which, in this way, must take its place in world history, in the overall development of humanity. For what is it, actually, that confronts us in this German intellectual life, with all its conscious and forgotten tones? It is a great thing precisely because it is the second great flowering of knowledge and the second great flowering of art in human history. The first great flowering of art was Greek civilization. German development produced a flowering at the turn of the eighteenth and nineteenth centuries, of which even a mind like Renan said, when—having taken everything else into account—he came to know German development through Goethe and Herder: “I felt as though I were entering a temple, and from that moment on, everything I had previously considered splendor worthy of the divine struck me merely as withered and yellowed paper flowers.” What German intellectual life has achieved, says Renan, comparing it to the other, is like differential calculus compared to elementary mathematics. Nevertheless, on the very same page where he wrote these words to David Friedrich Strauss, Renan points to that current of thought in France which, in the event of the loss of Alsace-Lorraine, called for a “war of extermination against the Germanic race.” This letter was written in 1870.

[ 66 ] Anerkannt ist ja dieses deutsche Geistesleben immer wieder und wiederum worden. Aber heute muß es verkannt werden. Denn wie könnten sonst eigentlich die Worte gefunden werden, die in dem Ring, der uns umschließt, gesprochen werden!

[ 66 ] This German intellectual life has, after all, been recognized time and again. But today it must be misunderstood. For how else could the words spoken within the circle that surrounds us actually be found!

[ 67 ] Schauen wir hinüber, jetzt nicht mit den Augen Jushakows, sondern mit unbefangenem Auge nach jenem Asien. Da sehen wir alt geworden eine Menschenkultur, die auch nach Erkenntnis strebte, die aber nach einer alten, nach der vorchristlichen Weise nach Erkenntnis strebte. Da sucht man das Ich abzudämpfen, um aufzugehen in dem Weltenall, in Brahman oder Atman, mit Auslöschung des Ich. Das ist nicht mehr möglich. Nachdem sich der größte Impuls in die Menschheitsgeschichte eingelebt hat, der ChristusImpuls, muß das Ich selber sich erhöhen, sich erkraften, sich verstärken, nicht sich herabdämpfen wie im morgenländischen Geistesleben, sondern im Gegenteil sich erkraften, verstärken, um als Ich sich mit dem Geistig-Göttlichen in der Welt zu verbinden, das die Welt durchpulst und durchwebt und durchlebt. Das ist das Bedeutsame, wie das wieder aufleuchtet im deutschen Geistesstreben. Und dieses, was einzig ist und was als einer der wesentlichsten Töne eingegliedert werden muß der Gesamtentwickelung der Menschheit, das lebt eben auf den 6 Millionen Quadratkilometern gegenüber den 68 Millionen Quadratkilometern. Diese Tatsache müssen sich diejenigen verschleiern, die, wie gesagt, nicht mit den Waffen kämpfen, aber die mit Wortenkämpfen und mit Worten verleumden dieses mitteleuropäische Geistesleben, diese Tatsache müssen sie sich mit Nebel bedecken. Sie dürfen sie nicht sehen. Wir aber müssen uns das gestehen, müssen uns zu erklären versuchen, wie es möglich ist, daß diese Leute so verblendet sein können, gerade das, was die Tiefe dieser Verbindung der eigenen Seele mit dem Geistesleben draußen in der Welt ist, zu verkennen.

[ 67 ] Let us look across—not through Yushakov’s eyes this time, but with an unbiased gaze—toward that Asia. There we see a human culture that has grown old, one that also strove for knowledge, but which sought it in an ancient, pre-Christian way. There, one seeks to subdue the “I” in order to merge into the universe, into Brahman or Atman, through the extinction of the “I.” That is no longer possible. Now that the greatest impulse in human history—the Christ impulse—has taken root, the “I” itself must elevate itself, gain strength, and grow stronger; not by subduing itself as in Eastern spiritual life, but, on the contrary, by gaining strength and growing stronger so that, as the “I,” it may connect with the spiritual-divine in the world—that which pulses through, weaves through, and lives through the world. This is what is significant: how this is shining forth once more in German spiritual striving. And this—which is unique and which must be incorporated as one of the most essential tones into the overall development of humanity—is alive precisely within those 6 million square kilometers, as opposed to the 68 million square kilometers. Those who, as I said, do not fight with weapons but wage war with words and slander this Central European spiritual life—they must obscure this fact; they must shroud it in fog. They must not see it. We, however, must admit this to ourselves and try to explain how it is possible that these people can be so deluded as to fail to recognize precisely the depth of this connection between their own souls and the spiritual life out there in the world.

[ 68 ] Boutroux, der ganz kurze Zeit vor dem Kriege hier in Deutschland herumgezogen ist, sogar an Universitäten über die Geistesverbrüderung Deutschlands und Frankreichs gesprochen hat, erzählt jetzt seinen Franzosen vor, wie die Deutschen alles innerlich erfassen wollen. Er macht sogar einen Witz: Wenn ein Franzose einen Löwen oder eine Hyäne kennen lernen will, so geht er in die Menagerie. Wenn ein Engländer einen Löwen oder eine Hyäne kennen lernen will, macht er eine Weltreise und studiert alle Dinge, die sich auf den Löwen oder die Hyäne beziehen, an Ort und Stelle. Der Deutsche geht weder in die Menagerie noch auf Reisen, sondern zieht sich in sein Stübchen zurück, geht in sein Inneres, und aus dem Inneren erschafft er den Löwen oder die Hyäne. So faßt er die Innerlichkeit auf. Es ist ein Witz. Man muß sogar sagen, es ist vielleicht sogar ein guter Witz. Die Franzosen haben ja immer gute Witze gemacht. Schade nur, daß dieser Witz — von Heinrich Heine ist, und Boutroux ihn nur nachgesprochen hat.

[ 68 ] Boutroux, who traveled around here in Germany for a very short time before the war—even giving lectures at universities on the spiritual kinship between Germany and France—is now telling his French audience how the Germans want to grasp everything on a deep, inner level. He even makes a joke: If a Frenchman wants to get to know a lion or a hyena, he goes to the menagerie. If an Englishman wants to get to know a lion or a hyena, he travels the world and studies everything related to the lion or the hyena on the spot. The German goes neither to the menagerie nor on a journey, but retreats to his little room, turns inward, and from within he creates the lion or the hyena. That is how he understands inner life. It’s a joke. One must even say, it’s perhaps a good joke. The French have always told good jokes, after all. It’s just a shame that this joke is by Heinrich Heine, and Boutroux merely repeated it.

[ 69 ] Aber nun, wenn man so übersieht, wie diese Leute sich benebeln wollen, kommt man eben doch auf Verschiedenes. Man kommt darauf, sich zu fragen: Wie suchen denn diese Menschen je nach ihrem Volkstume sich hinwegzutäuschen über dasjenige, was eigentlich deutsches Wesen ist? Bei den Russen muß es immer eine neue Mission sein. Ich habe das auch dargestellt in meinem Schriftchen: «Gedanken während der Zeit des Krieges». Es muß ihnen die Möglichkeit gegeben werden, die westeuropäische Kultur, die mitteleuropäische Kultur zu ersetzen, weil es dem russischen Menschen - so sagt man ja wohl im Osten — auferlegt ist, die abstrakte, die bloß verstandesmäßige, die auf den Krieg gebaute Kultur zu ersetzen durch die auf das Herz, auf den Frieden, auf das Gemüt gebaute russische Kultur. Das ist die Mission.

[ 69 ] But now, when one observes how these people try to delude themselves, one does indeed come to various conclusions. One finds oneself asking: How do these people, depending on their national character, seek to deceive themselves about what the German essence actually is? For the Russians, it must always be a new mission. I have also described this in my little book: “Thoughts During the War.” They must be given the opportunity to replace Western European culture and Central European culture, because it is incumbent upon the Russian people—as they say in the East—to replace the abstract, purely rational culture built on war with Russian culture, which is built on the heart, on peace, and on the soul. That is the mission.

[ 70 ] Den Engländern — man möchte ihnen nicht unrecht tun, wahrhaftig, man möchte ganz objektiv bleiben, denn es ziemt den Deutschen wirklich nicht, in einseitiger Weise bloß aus nationalen Gefühlen heraus zu sprechen. Das soll auch gar nicht geschehen; aber wenn man, wie in den allerletzten Zeiten in England deklamieren hört, daß die Deutschen nach dem Worte leben: «Macht geht vor Recht», dann muß man doch erinnern daran, daß es eine Philosophie gibt von Thomas Hobbes, eine englische Philosophie, in der zuerst in aller Breite bewiesen ist, daß Recht keinen Sinn hat, wenn es nicht aus der Macht herausquillt. Die Macht ist der Ursprung des Rechts. Das ist der ganze Sinn der Hobbes’schen Lehre. Nachdem von berufener Stelle gesagt wurde - es gibt auch eine unberufene berufene Stelle, aber es ist eben doch eine berufene Stelle in der Außenwelt —, daß die Deutschen nach dem Satze leben «Macht geht vor Recht», daß sie es weit gebracht haben nach dem Grundsatze «Macht geht vor Recht», glaube ich nicht, daß man unobjektiv ist, wenn man dem entgegenhält, daß das gerade ein englischer Grundsatz ist, der sich dem Engländer tief eingeprägt hat. Ja, da kann man wohl sagen: Sie brauchen eine neue Lüge. Und das wird kaum etwas anderes sein, als ein terminus technicus.

[ 70 ] As for the English—one does not wish to do them an injustice, truly; one wishes to remain entirely objective, for it really does not befit Germans to speak in a one-sided manner based solely on national sentiment. That is certainly not the intention; but when one hears, as has been the case in England in very recent times, that the Germans live by the maxim: “Power takes precedence over right,” then one must remind them that there is a philosophy by Thomas Hobbes—an English philosophy—in which it is first demonstrated in full that right has no meaning unless it springs from power. Power is the source of law. That is the whole point of Hobbes’s doctrine. Since an authoritative source has stated—there is also an unauthorized yet purportedly authoritative source, but it is nonetheless an authoritative source in the outside world—that the Germans live by the maxim “Power takes precedence over law,” and that they have come a long way by adhering to the principle “Power takes precedence over law,” I do not believe one is being biased when one counters that this is precisely an English principle that has become deeply ingrained in the English character. Yes, one might well say: They need a new lie. And that will hardly be anything other than a technical term.

[ 71 ] Die Franzosen — womit benebeln sich sie? Ihnen möchte man am allerwenigsten unrecht tun. Und so sei das Wort eines ihrer eigenen Dichter genommen, Edmond Rostands. Der Hahn, der krähende Hahn, er spielt eine große Rolle in der Darstellung von Edmond Rostand. Er kräht, wenn des Morgens die Sonne aufgeht. Da bildet er sich allmählich die Vorstellung, daß die Sonne nicht aufgehen könnte, wenn er nicht in seinem Krähen die Ursache wäre, daß die Sonne aufgeht. Man hat sich gewöhnt — und das ist ja wohl auch der Gedanke des Rostand -, daß in der Welt nichts geschehen kann ohne Frankreich. Man braucht sich nur zu erinnern an das Zeitalter Ludwigs XIV. und an all dasjenige, was Franzosentum war, bis sich Lessing, Goethe, Schiller und andere davon emanzipiert haben, und man kann sich schon vorstellen, wie da die Einbildung entsteht: Ach, die Sonne kann nicht aufgehen, wenn ich nicht dazu krähe. Nun also, man braucht eine neue Einbildung.

[ 71 ] The French—what are they deluding themselves with? They are the last people one would want to wrong. And so let us take the words of one of their own poets, Edmond Rostand. The rooster, the crowing rooster, plays a major role in Edmond Rostand’s portrayal. It crows when the sun rises in the morning. Gradually, it comes to believe that the sun could not rise unless its crowing were the cause of the sun’s rising. People have grown accustomed—and this is surely also Rostand’s idea—to the notion that nothing in the world can happen without France. One need only recall the age of Louis XIV and all that “Frenchness” entailed until Lessing, Goethe, Schiller, and others emancipated themselves from it, and one can already imagine how this delusion arises: “Ah, the sun cannot rise unless I crow.” Well then, we need a new delusion.

[ 72 ] Italien - ich hörte von einem nicht unbedeutenden Politiker Italiens vor dem Kriege den Ausspruch: Ja, unser Volk ist im Grunde genommen auf einem Standpunkt angelangt, so lässig, so verfault, daß wir eine Auffrischung brauchen, daß wir etwas brauchen, was uns belebt. Eine neue Sensation also! Sie drückt sich ja auch darinnen aus, daß gerade die Italiener, um sich zu benebeln, etwas ganz besonders Neues erfunden haben, was man bisher noch nicht gekannt hat, einen neuen Heiligen, nämlich, Sacro Egoismo, den heiligen Egoismus. Wie oft ist er angerufen worden, bevor Italien an den Krieg herangetrieben worden ist, der heilige Egoismus! Also ein neuer Heiliger, - sein Hierophant: Gabriele d’Annunzio. Man kann es heute noch nicht ermessen, wie in der Geschichte fortleben wird der neue Heilige, der Sacro Egoismo und sein Hierophant, sein Hoherpriester, Gabriele d’Annunzio!

[ 72 ] Italy—I heard a rather prominent Italian politician say before the war: “Yes, our people have, when it comes down to it, reached a state so complacent, so decadent, that we need a breath of fresh air, that we need something to invigorate us.” A new sensation, then! It is also evident in the fact that the Italians, in order to delude themselves, have invented something entirely new, something previously unknown: a new saint, namely, *Sacro Egoismo*, holy egoism. How often was it invoked—this holy egoism—before Italy was driven into the war! So, a new saint—and his hierophant: Gabriele d’Annunzio. It is still impossible to gauge today how this new saint, Sacro Egoismo, and his hierophant, his high priest, Gabriele d’Annunzio, will live on in history!

[ 73 ] Da kann man innerhalb des deutschen Wesens bleiben bei demjenigen, was wirklich diesem deutschen Wesen einverwoben ist und was diesseits und jenseits der Erzberge bei den Deutschen Österreichs und bei den Deutschen Deutschlands einmütig empfunden wurde als des deutschen Volkes — jetzt nicht im russischen Sinne Mission, sondern im ganz gewöhnlichen Sinne — welthistorische Sendung. Und da darf ich wohl abschließen mit den Worten, auf die ich schon aufmerksam gemacht habe, als ich, sprechend über die Zusammengehörigkeit der österreichischen Geisteskultur mit der deutschen, auch über Robert Hamerling sprach. Vor Robert Hamerling, dem deutschen Dichter Österreichs, steht, 1862, als er seinen «Germanenzug» schreibt, die Zukunft des deutschen Volkes, die er dadurch ausdrücken will, daß er sie schon den Genius des deutschen Volkes aussprechen läßt, als die Germanen als Vorboten der Deutschen von Asien herüberziehen. Sie lagern sich an der Grenze von Asien nach Europa. Wunderschön ist die Szene von Robert Hamerling geschildert: Untergehende Sonne, aufgehender Mond. Die Germanen lagern. Nur ein Einziger wacht, der blonde Jüngling Teut. Ein Genius erscheint ihm. Dieser Genius spricht zu Teut, in dem Robert Hamerling festhalten will den Repräsentanten der späteren Deutschen. Schön spricht er aus:

[ 73 ] There, one can remain within the German essence, focusing on that which is truly interwoven with this German essence and which, on both sides of the Erzgebirge Mountains—among the Germans of Austria and the Germans of Germany—was unanimously perceived as the German people’s mission in world history—not in the Russian sense of “mission,” but in the most ordinary sense. And here I may well conclude with the words to which I have already drawn attention when, speaking of the kinship between Austrian intellectual culture and German intellectual culture, I also spoke of Robert Hamerling. In 1862, when Robert Hamerling, the German poet of Austria, wrote his “Germanenzug,” he envisioned the future of the German people, which he sought to express by having the genius of the German people articulate it as the Germanic tribes—harbingers of the Germans—moved across from Asia. They encamp at the border between Asia and Europe. Robert Hamerling depicts the scene beautifully: the setting sun, the rising moon. The Germanic tribes are encamped. Only one man remains awake—the blond youth Teut. A spirit appears to him. This spirit speaks to Teut, in whom Robert Hamerling seeks to portray the representative of the future Germans. He articulates it beautifully:

Wem bricht dereinst das Wort aus Seelentiefen
Wie deinem Volk, so reich, so zart, so mächtig?
Wer haucht so weihevoll in Saitenklänge
Sein Innerstes? Wem zieh’n den Sinn so prächtig
Ins Himmelsblau granit’ne Hieroglyphen
Des Seelenaufschwungs und des Lebens Enge?
Wer knüpft zuletzt die Stränge
Des forschenden Gedankens an die Sterne
So kühn und strebt und kämpft auf allen Bahnen?
Wen führt so hoch, so tief sein Drang, sein Ahnen?
Wer faßt so treu das Nahe wie das Ferne?
Wo spiegelt jede Erd- und Himmelszone
Sich wie in deinem Denken, O Teutone?

To whom will words one day burst forth from the depths of the soul
As they do to your people—so rich, so tender, so powerful?
Who breathes so solemnly into the sounds of the strings
His innermost being? To whom do the mind’s thoughts rise so magnificently
Into the sky-blue, granite hieroglyphs
Of the soul’s ascent and life’s confines?
Who, in the end, ties the strands
Of the searching mind to the stars
So boldly, striving and fighting on every path?
Whom does his urge, his intuition, lead so high, so deep?
Who grasps both the near and the far so faithfully?
Where does every zone of earth and sky
Reflect itself as in your thought, O Teuton?

[ 74 ] Und was einstmals drüben in Asien lebte, was wie VäterErbgut die Deutschen mitbrachten aus diesem Asien, es steht vor Robert Hamerlings Seele. Fest steht es vor seiner Seele, was da war wie ein Hineinschauen in die Welt so, daß herabgedämpft wird das Ich, herabgedämpft wird die Leiblichkeit, um zu schauen, was die Welt durchlebt und durchwebt, was aber in einer neuen Form auftauchen muß in der nachchristlichen Zeit, in der Form, daß es aus dem vollbewußten Ich, aus der vollbewußten Seele herausspricht. Diesen Zusammenhang mit der alten Zeit in dem Streben des deutschen Volkes nach dem Geiste, — wie schön drückt auch das Robert Hamerling aus:

[ 74 ] And what once lived over there in Asia—what the Germans brought back from that Asia like a legacy from their forefathers—stands before Robert Hamerling’s soul. It stands firmly before his soul—that which was like a glimpse into the world, such that the “I” is subdued, physicality is subdued, in order to see what lives through and weaves through the world, but which must emerge in a new form in the post-Christian era, in the form that speaks forth from the fully conscious “I,” from the fully conscious soul. This connection to the ancient era in the German people’s striving for the spirit—how beautifully Robert Hamerling also expresses this:

[ 75 ] Doch wie auch stolz du aufstrebst, and’re Schwärme
Hoch überschwebend, stets noch eine Lohe
Wirst du bewahren, uralt heil’gen Brandes:
Fortleben wird in dir die traumesfrohe
Gotttrunkenheit, die sel’ge Herzenswärme
Des alten asiat’schen Heimatlandes.
Geruhigen Bestandes
Wird dieser heil’ge Strahl, ein Tempelfeuer
Der Menschheit, frei von Rauch, mit reiner Flamme
Fortglüh’n in deiner Brust und Seelenamme
Dir bleiben und Pilote deinem Steuer!
Du strebst nur, weil du liebst: dein kühnstes Denken
Wird Andacht sein, die sich in Gott will senken.

[ 75 ] Yet no matter how proudly you soar, among other swarms
Hovering high above, you will always preserve a flame
Of that ancient, sacred fire:
Within you will live on the dream-filled
God-intoxication, that blissful warmth of the heart
Of the ancient Asian homeland.
A tranquil presence
This sacred ray, a temple fire
For humanity, free from smoke, with a pure flame
Will continue to glow in your breast and in the depths of your soul
Remain with you and guide your course!
You strive only because you love: your boldest thought
Will be devotion that seeks to sink into God.

[ 76 ] So knüpft der deutsch-österreichische Dichter graue Vorzeit an unmittelbare Gegenwart an. Und in der Tat, es ist ja hervorgegangen aus diesem schönen Streben des deutschen Wesens, das wir heute zu charakterisieren versuchten, daß alles Erkennen, alles Bestreben sein wollte dasjenige, was man nennen kann: ein Opferdienst vor dem Göttlich-Geistigen. Auch Wissenschaft, auch Erkennen des Geistigen soll wie ein Opferdienst wirken, soll so wirken, daß Jakob Böhme sagen konnte: Wenn man geistig sucht, das ist so, daß man es dahin bringen muß, seinen Weg zu gehen:

[ 76 ] In this way, the German-Austrian poet links ancient times to the immediate present. And indeed, it is precisely from this beautiful striving of the German spirit—which we have attempted to characterize today—that all knowledge and all endeavor sought to be what might be called a service of sacrifice to the divine-spiritual. Science, too, and the understanding of the spiritual, should function as a sacrificial service—so much so that Jakob Böhme could say: When one seeks spiritually, it is necessary to bring oneself to follow one’s own path:

Wandelnd in Gott — Und strebend in Gott —
Und sterbend in Gott - Und begraben werdend in Gott.

Walking in God — And striving in God —
And dying in God — And being buried in God.

[ 77 ] Hamerling drückt das so aus, daß er sagen läßt den deutschen Genius zu Teut:

[ 77 ] Hamerling expresses this by having the German genius say “Teut”:

Du strebst nur, weil du liebst: dein kühnstes Denken
Wird Andacht sein, die sich in Gott will senken.

You strive only because you love: your boldest thought
Will be devotion that seeks to sink into God.

[ 78 ] Die Gottverwandtschaft desjenigen, was die deutsche Seele erstreben will, wird da so schön zum Ausdruck gebracht. Das zeigt uns, wie tief verankert wahres geistiges Streben im deutschen Volkstume ist. Das erzeugt aber in unserer Seele offenbar auch den Gedanken, den kraftvollen Gedanken, daß man sich verbünden kann mit diesem deutschen Volksgeiste, denn in demjenigen, was er hervorgetrieben hat in den geistigen Leistungen - es leitet eine Strömung die andere — wirkt dieser deutsche Volksgeist. Es kommt in den großen, unsterblichen Taten, die in der Gegenwart verrichtet werden, zum Ausdruck. Lassen Sie mich zum Schluß in die vier Zeilen des Deutsch-Österreichers Robert Hamerling zusammenfassen, was sich als deutscher Glaube, als deutsche Liebe, als deutsche Hoffnung der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ergibt, wenn der Deutsche sich verbindet mit dem, was seines Volkes tiefste Wesenheit ist. Lassen Sie mich das, was da als Kraft - als Kraft, die Zuversicht hat dahingehend, daß, wo solche Keime sind, auch später noch, in spätesten Zeiten kraftvoll sich Blüten und Früchte, trotz aller Feinde, im deutschen Volkstum entwickeln müssen —, lassen Sie uns das, was da als Kraft in seiner Seele steht, zusammenfassen in die Worte des deutsch-österreichischen Dichters Robert Hamerling:

[ 78 ] The divine kinship of that which the German soul strives for is so beautifully expressed there. This shows us how deeply rooted true spiritual striving is in the German national character. But this also evidently gives rise in our souls to the thought—the powerful thought—that we can unite with this German national spirit, for in what it has brought forth in spiritual achievements—one current leading to the next—this German national spirit is at work. It finds expression in the great, immortal deeds being accomplished in the present. Let me conclude by summarizing in the four lines by the German-Austrian Robert Hamerling what emerges as German faith, German love, and German hope for the past, present, and future when the German unites with what is the deepest essence of his people. Let me summarize what is there as a force—a force that has the confidence that, where such seeds exist, they will eventually, even in the most distant times, powerfully blossom and bear fruit within the German people, despite all enemies—let us summarize what stands as a force in his soul in the words of the German-Austrian poet Robert Hamerling:

Und wenn je dem deutschen Namen
Feindlich sich der Tag erweist,
Finden wird von Meer zu Meere
Seine Bahn der deutsche Geist!

And if the day should ever prove hostile
To the German name,
From sea to sea
The German spirit will find its path!