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Mind and Matter
Life and Death
GA 66

17 February 1917, Berlin

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Mind and Matter. Life and Death, tr. SOL
  1. Geist und Stoff. Leben und Tod

2. Schicksal und Seele

2. Fate and the Soul

[ 1 ] Die Frage nach dem Wesen des menschlichen Schicksals, die zweifellos für jeden Menschen im Mittelpunkt nicht nur des seelischen, sondern des gesamten Lebens steht, ist zugleich eine solche, an welche die verschiedenen Philosophien, die doch in der mannigfaltigsten Weise nach der Lösung der Weltenrätsel gerungen haben, nur wenig herangetreten sind. Man findet, wie diese Philosophien die Rätsel der Natur, die Rätsel der menschlichen Seele, den Zusammenhang der stofflichen Welt mit der geistigen Welt, die Eigentümlichkeit der geistigen Welt selber erforschen wollen, wie sie aber zumeist haltmachen gerade vor dieser so hervorragenden Lebensfrage nach dem menschlichen Schicksal.

[ 1 ] The question of the nature of human destiny—which undoubtedly lies at the center of every person’s life, not only in terms of the spiritual but of life as a whole—is, at the same time, one that the various philosophies, which have nevertheless struggled in the most diverse ways to solve the world’s mysteries, have barely begun to address. One sees how these philosophies seek to explore the mysteries of nature, the mysteries of the human soul, the connection between the material world and the spiritual world, and the nature of the spiritual world itself; yet they usually stop short of addressing precisely this most fundamental question of life: the question of human destiny.

[ 2 ] Unter den wenigen philosophischen Denkern, welche ihr Denken heranzubringen versuchten an die Schicksalsfrage, ist Schopenhauer. Man mag nun zu Schopenhauer stehen wie man will, man mag, was er als Ergebnisse seiner Weltanschauung dargelegt, zugeben oder ablehnen, das eine wird man gerade ihm nicht absprechen können: daß er versuchte, sein philosophisches Denken unmittelbar an das Leben heranzubringen, es so zu gestalten, daß die Fragen, die dem Menschen entgegentreten im Alltag, wirklich eine Lösung finden können. Und so war er es auch, der nicht nur versucht hat, über das Schicksal im allgemeinen sich Gedanken zu machen, sondern sogar eine interessante Abhandlung geschrieben hat über den Zusammenhang der auf den ersten Augenblick zufällig im menschlichen Lebenslauf sich folgenden Ereignisse, die in diesen Lebenslauf bestimmend eingreifen. Allein es ist merkwürdig, daß selbst Schopenhauer, der in bezug auf manche seiner Gedanken so kühn war, gerade im Beginn seiner Abhandlung über den Schicksalszusammenhang der menschlichen Lebensverhältnisse sagt, daß man die Meinungen, die er ausspricht, nicht allzu ernstlich nehmen, sondern mehr eben als Meinungen ansehen solle, weil er durchaus nicht, wie in bezug auf seine übrigen philosophischen Aufstellungen, in bezug auf diese Schicksalsfragen seiner selbst in seinem Denken ganz sicher sei. Und man kann sagen, daß gerade an der Art und Weise, wie ein solcher ins Leben hineinschürfender Denker Schicksalsfragen sich vorlegt und zu lösen versucht, sich zeigt, daß diesen Fragen eigentlich nur ein solches Forschen nahekommen kann, welches aufsteigt — wie ich vorgestern hier ausgeführt habe — von dem gewöhnlichen Bewußtsein des Alltags und der gewöhnlichen Wissenschaft zu dem, was damals genannt wurde das schauende Bewußtsein. Ich erlaubte mir zu sagen, daß dieses sich ebenso zu dem gewöhnlichen Bewußtsein verhält, wie das gewöhnliche Bewußtsein zu dem vom Traum erfüllten Bewußtsein, und daß der Mensch aufwachen kann aus dem gewöhnlichen Bewußtsein zu dem schauenden Bewußtsein, wie er aufwacht aus dem träumenden Bewußtsein zu dem gewöhnlichen Bewußtsein, durch das er sich einordnet den Dingen der sinnlichen, der stofllichen Welt um ihn herum. Wer sich wirklich zu nähern versucht den tiefen Fragen nach der Wesenheit des menschlichen Schicksals, der verspürt, daß diese Wesenheit an das menschliche Erkennen nur herankommt, wenn dieses Erkennen selber sich — wie es vorgestern charakterisiert worden ist — aus der Welt der stofflichen Vorgänge heraus zu erheben vermag in das unmittelbar geistige Erleben.

[ 2 ] Schopenhauer is among the few philosophical thinkers who attempted to apply their thinking to the question of fate. Whatever one’s opinion of Schopenhauer may be, and whether one accepts or rejects the conclusions he presented as the results of his worldview, there is one thing that cannot be denied about him: that he attempted to apply his philosophical thinking directly to life, shaping it in such a way that the questions people face in everyday life could truly be resolved. And so it was he who not only attempted to reflect on fate in general but even wrote an interesting treatise on the connection between events that, at first glance, seem to follow one another by chance in the course of human life yet have a decisive impact on that course. Yet it is curious that even Schopenhauer, who was so bold in regard to some of his ideas, says, right at the beginning of his treatise on the connection of fate to human life circumstances, that the opinions he expresses should not be taken too seriously, but rather viewed simply as opinions, because—unlike with his other philosophical positions—he is by no means entirely certain of his own thinking regarding these questions of fate. And one can say that it is precisely in the way such a thinker—who delves deeply into life—approaches questions of fate and attempts to resolve them that it becomes evident that these questions can actually only be approached by a form of inquiry that rises — as I explained here the day before yesterday — from ordinary everyday consciousness and ordinary science to what was then called the contemplative consciousness. I took the liberty of saying that this relates to ordinary consciousness in the same way that ordinary consciousness relates to dream-filled consciousness, and that a person can awaken from ordinary consciousness to intuitive consciousness just as they awaken from dream-filled consciousness to ordinary consciousness, through which they orient themselves to the things of the sensory, material world around them. Anyone who truly attempts to approach the profound questions concerning the essence of human destiny senses that this essence can only be grasped by human cognition if that cognition itself—as was characterized the day before yesterday—is able to rise out of the world of material processes into immediate spiritual experience.

[ 3 ] Es ist interessant, wie Schopenhauer den Traum zu Hilfe ruft in seiner eigentümlichen Art, um der Schicksalsfrage nahezukommen. Er sagt: In der Traumeswelt, die scheinbar chaotisch ist, folgen Vorstellungsbilder auf Vorstellungsbilder, welche gewisse Widersprüche zeigen können, gerade so, wie das Leben sie zeigt, nur daß das Leben sie intensiver, stärker an den Menschen heranbringt. Dann aber zeigt sich gewissermaßen die Auflösung der Traumeswidersprüche im wachen Bewußtsein, wenn diese Widersprüche sich zusammenfügen. Und da macht Schopenhauer besonders aufmerksam auf den ja sehr bekannten Typus der Traumeswelt, auf den sogenannten Examenstraum, wo der Mensch alle Schrecknisse im Traum durchlebt, die ihn überkommen können, wenn er sich selber im Traume gefragt sieht um dieses oder jenes, und nun die Prüfung nicht bestehen kann, nicht antworten kann. Ein anderer kommt im Traume, der dann die Antwort gibt. Schopenhauer macht gerade auf diesen Traum aufmerksam. Er sagt: Also hat sich — im Traume — das Ich des Menschen selber gefragt. Aber es ist doch natürlich, daß auch derjenige, der dem Träumenden erschienen ist als der Wissende, er selber ist, dieser Träumende; er war also imstande, selber diese Antworten zu geben. Und erwacht der Mensch, meint Schopenhauer, dann sieht er, daß sowohl der Wissende wie der Nichtwissende er selber ist; es fügt sich das Ganze in die Einheit der Persönlichkeit zusammen. Das wache Bewußtsein zeigt, daß dasjenige, was gespalten war im Traum, eine Wesenheit ist. Allein gerade an der Art und Weise, wie Schopenhauer dieses Beispiel verfolgt, zeigt sich so recht deutlich, wie er als bloß denkender Philosoph, nicht als schauender Philosoph, zwar dazu kommen kann, gewisse Beobachtungen über das Seelenleben zu machen, aber nicht dazu, diese Beobachtungen zu wirklichen Ergebnissen zu bringen. Greifen wir dieses Beispiel auf und versuchen wir im späteren Verlauf des Vortrages gerade auf dieses Beispiel aus der Traumeswelt hinzudeuten von dem Gesichtspunkte des schauenden Bewußtseins.

[ 3 ] It is interesting how Schopenhauer, in his own peculiar way, turns to dreams to address the question of fate. He says: In the world of dreams, which appears chaotic, mental images follow one after another, and these may reveal certain contradictions—just as life does—except that life presents them to people more intensely and powerfully. But then, in a sense, the resolution of these dream contradictions becomes apparent in waking consciousness when these contradictions come together. And here Schopenhauer draws particular attention to the very well-known type of dream—the so-called “exam dream”—in which a person experiences in a dream all the terrors that might overwhelm them when they find themselves being questioned in a dream about this or that, and are then unable to pass the test or provide an answer. Another person appears in the dream, who then provides the answer. Schopenhauer draws attention specifically to this dream. He says: Thus—in the dream—the person’s “I” has questioned itself. But it is only natural that the one who appeared to the dreamer as the knower is, in fact, the dreamer himself; he was therefore capable of providing these answers himself. And when the person awakens, Schopenhauer argues, he sees that both the knower and the non-knower are himself; the whole comes together into the unity of the personality. Waking consciousness reveals that what was divided in the dream is a single entity. Yet it is precisely in the way Schopenhauer approaches this example that it becomes quite clear how, as a merely thinking philosopher—not as a perceiving philosopher—he may indeed arrive at certain observations about the life of the soul, but not at bringing these observations to genuine conclusions. Let us take up this example and, later in the lecture, attempt to shed light on this very example from the world of dreams from the perspective of intuitive consciousness.

[ 4 ] Das Schicksalsrätsel gehört eben zu denjenigen Lebensrätseln, welche sich dem alltäglichen Denken, das sich ausgebildet hat an der äußeren stofflichen Welt, nicht ergeben, mit denen dieses Denken nichts anzufangen weiß. Im Grunde genommen zeigt sich diesem Denken der Verlauf des menschlichen Schicksals mehr oder weniger als eine Summe von Zufälligkeiten. Und wenn sich auch Notwendigkeiten, innere Zusammenhänge ergeben, so ist es doch so, daß der Mensch im gewöhnlichen Bewußtsein niemals sicher sein kann, ob dasjenige, was er wie eine planmäßige Einheit in seinem Schicksal, seinem gesamten Lebensschicksal erblickt, auf einem objektiven inneren Wirklichkeitszusammenhang beruht, oder ob es bloß von der Phantasie in den ganzen Lebensverlauf hineinversetzt ist als Idee eines Planes.

[ 4 ] The mystery of fate is precisely one of those mysteries of life that do not yield to everyday thinking—which has developed in relation to the external material world—and which such thinking does not know how to handle. Essentially, to this way of thinking, the course of human destiny appears more or less as a sum of coincidences. And even if necessities and inner connections do emerge, it is nevertheless the case that, in ordinary consciousness, a person can never be certain whether what they perceive as a systematic unity in their destiny—the destiny of their entire life—is based on an objective, inner reality, or whether it is merely projected by the imagination into the course of their entire life as the idea of a plan.

[ 5 ] Nun kann man sich nicht dem Bereich des menschlichen Lebens nähern, in dem das Schicksal in seiner wahren Gestalt erscheint, so daß es in seinem Leben und Weben durchschaut werden kann, wenn man nicht das Leben der Seele etwas näher verfolgt, wie es sich entwickeln muß, wenn es aus dem gewöhnlichen Alltagsbewußtsein des Wachens aufsteigt in das schauende Bewußtsein. Dann aber zeigt sich, daß man mit diesem Gange des inneren Seelenlebens des Menschen zugleich der so tief einschneidenden Schicksalsfrage nahekommt. Ich habe vorgestern bereits darauf aufmerksam gemacht, daß der Ausgangspunkt der Geistesforschung sein muß das innere Erleben des Denkens. Aber ich habe ausdrücklich hervorgehoben, daß dieses Denken nicht nur durch Sinnen vertieft werden muß, sondern daß es wirklich durch Zurücktreten des Menschen vor seinem eigenen Erkenntnisakte angeschaut werden muß, dann aber, indem es angeschaut wird, innerlich erkraftet, entwickelt werden muß. Ich habe das Bild gebraucht, daß das Denken, wie man es gewöhnlich im Leben hat, gewissermaßen als die Wurzel angesehen werden muß, aus der durch Seelenübungen herausgetrieben werden der Stamm und die Blätter der ganzen geistigen Erkenntnispflanze. Ich habe aufmerksam gemacht, daß diese Seelenübungen, die rein innere Vorgänge der Seele sind, die der Mensch vorzunehmen hat, nicht willkürliche sind, sondern daß sie methodische, systematische innere Seelenarbeiten darstellen, die keineswegs zurückstehen, in bezug auf innere Systematik, hinter demjenigen wissenschaftlichen Arbeiten, das sich auf die äußere Welt bezieht. Nur arbeitet der Naturforscher im Laboratoriium mit äußerlichen Werkzeugen. Der Geistesforscher arbeitet mit dem, was seine Scele erlebt, indem er es nicht so läßt, wie es im gewöhnlichen Leben erlebt wird, sondern es bearbeitet, umwandelt, vorwärtsbringt bis zu jenem Punkte, den ich charakterisiert habe dadurch, daß ich sagte: Wird das Denken also entwickelt, so gelangt der Mensch dazu, sein seelisches Leben herauszuheben aus dem Leben der Stoftlichkeit, der Leibesvorgänge. Der Mensch gelangt dazu, durch Entwickelung, innere Bearbeitung seines Denkens, sich selber - insofern er der Welt der stofflichen Vorgänge angehört — so gegenüberzutreten, wie man im gewöhnlichen Leben den sinnlichen Dingen gegenübertritt. So daß man sich selber als Sinnesmensch Objekt wird, während man gewissermaßen einzieht in den eigentlichen Geistesmenschen, der sonst immer im Menschen steckt, der aber durch solche seelische Übungen herausgezogen wird aus dem Leibesleben. Diese inneren seelischen Arbeiten können hier nicht im einzelnen beschrieben werden. Sie sind ausführlich dargestellt in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und «Geheimwissenschaft» und in anderen Büchern, die Sie in diesen angegeben finden. Das Wichtige nun, was für unsere heutige Frage in Betracht kommt, ist dieses, daß zum Eindringen in die hinter der physisch-sinnlichen Welt liegende geistige Welt jenes gewissermaßen persönliche Denken nicht hinreichend ist, das man geübt hat in der äußeren stofflichen Welt, das man dadurch gelernt hat, daß man die Dinge der äußeren stofflichen Welt vergleicht, daß man nach ihren Zusammenhängen forscht und so weiter. Dieses Denken steht — das zeigt sich dem schauenden Bewußtsein — in einem viel zu unmittelbaren Zusammenhang mit dem seelisch-leiblichen Menschen, um eindringen zu können in die wirkliche geistige Welt. Der Mensch selbst, indem er im gewöhnlichen Leben ein Denker ist, benützt dieses Denken ausschließlich in Anwendung auf die sinnliche Welt. Dieses Denken kommt, so wie es zum Gebrauche in der sinnlichen Welt an seiner Subjektivität, an seiner Persönlichkeit haftet, nicht aus der Sinneswelt, in der der Mensch steht, heraus, kann nicht in die geistige Welt eindringen. Der Denkübungen sind viele vorzunehmen, um das zu erreichen, wovon gesprochen werden soll, aber eine charakteristische möchte ich herausgreifen: Es handelt sich darum, das Denken gewissermaßen loszulösen von seiner gewöhnlichen Wesenheit, seinen gewöhnlichen Bedingungen. Wenn man einen Gedanken faßt, so ist er zunächst gar nichts anderes als das, was mit der physisch-sinnlichen Welt in Zusammenhang steht. Und man mag sich noch so sehr anstrengen: Wenn man nur bei der Denkarbeit bleibt, die sich im gewöhnlichen Leben entwickelt, ist das Denken zu schwach, zu kraftlos, zu wenig energisch, um in die geistige Welt einzutreten. Man muß gewissermaßen erst von dem gewöhnlichen Leben das Denken loslösen, damit man dann mit seiner Individualität in das losgelöste Denken hineinschlüpfen und sich so aus dem Leibe herausziehen kann.

[ 5 ] One cannot approach that realm of human life where destiny appears in its true form—so that it can be perceived in its unfolding—without examining more closely the life of the soul as it must develop when it rises from the ordinary, everyday consciousness of wakefulness into the contemplative consciousness. But then it becomes clear that, through this process of the inner life of the human soul, one simultaneously draws near to the profoundly significant question of destiny. I already pointed out the day before yesterday that the starting point of spiritual research must be the inner experience of thinking. But I have expressly emphasized that this thinking must not only be deepened through reflection, but that it must truly be observed by the human being stepping back from his own act of cognition; and then, by being observed, it must be inwardly strengthened and developed. I used the image that thinking, as it is usually experienced in life, must be regarded, so to speak, as the root from which—through spiritual exercises—the trunk and leaves of the entire plant of spiritual knowledge sprout. I have pointed out that these soul exercises—which are purely inner processes of the soul that a person must undertake—are not arbitrary, but rather constitute methodical, systematic inner work of the soul that, in terms of inner systematics, in no way falls short of scientific work relating to the external world. The natural scientist, however, works in the laboratory with external tools. The spiritual researcher works with what his soul experiences, not by leaving it as it is experienced in ordinary life, but by processing it, transforming it, and advancing it to that point which I characterized by saying: If thinking is thus developed, the human being comes to lift his soul life out of the life of materiality, of bodily processes. Through development and the inner processing of their thinking, human beings come to face themselves—insofar as they belong to the world of physical processes—in the same way that one faces sensory objects in ordinary life. So that one becomes an object to oneself as a sensory being, while, in a sense, one draws into the actual spiritual being who is otherwise always present within the human being but who is drawn out of bodily life through such soul exercises. These inner spiritual exercises cannot be described in detail here. They are presented in detail in How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds? and Esoteric Science, as well as in other books listed there. The important point now, as it pertains to our question today, is this: to penetrate the spiritual world lying beyond the physical-sensory world, that kind of thinking—which is, in a sense, personal—that one has practiced in the outer material world, and which one has learned by comparing the things of the outer material world, by investigating their interrelationships, and so on, is not sufficient. This kind of thinking—as becomes evident to the observing consciousness—is far too directly connected to the psychophysical human being to be able to penetrate the true spiritual world. Human beings themselves, insofar as they are thinkers in ordinary life, apply this kind of thinking exclusively to the sensory world. This kind of thinking, insofar as it is bound to subjectivity and personality for use in the sensory world, does not transcend the sensory world in which human beings exist and cannot penetrate the spiritual world. Many thinking exercises must be undertaken to achieve what is to be discussed, but I would like to single out one characteristic one: it involves, so to speak, detaching thinking from its ordinary nature, from its ordinary conditions. When one forms a thought, it is at first nothing other than what is connected to the physical-sensory world. And no matter how hard one tries: if one remains solely within the realm of thinking that develops in ordinary life, thought is too weak, too feeble, and lacks the energy to enter the spiritual world. One must, so to speak, first detach thought from ordinary life so that one can then slip one’s individuality into this detached thought and thus withdraw from the body.

[ 6 ] Wie kann man es nun machen, daß man sein Denken gewissermaßen von seinem gewöhnlichen Wesen loslöst? Das kann man dadurch zustandebringen, daß man gewisse Gedanken — es kommt gar nicht darauf an, welche Gedanken das sind, am besten bildhafte Gedanken, die man leicht überschaut, bei denen man sicher ist, daß man sie in dem Moment, wo man sie hegt, wirklich bildet, so daß sie nicht Reminiszenzen sein können von Erlebnissen — in energischer Meditation, in energischer Konzentration durchdenkt. Solch eine Übung muß allerdings oftmals gemacht werden. Dadurch aber, daß man solche Übungen wiederholt, daß man immer wiederum auf denselben Gedankenkomplex zurückkommt, löst man aus dem Bereiche des gewöhnlichen Lebens diesen Denkkomplex heraus, man übergibt ihn der Welt, man läßt ihn mit sich selbst leben. Wenn ich heute einen bestimmten Denkkomplex habe, mich ganz in ihn vertiefe, dann von ihm abkomme, das gewöhnliche Leben verfolge, dann ist er nicht etwa völlig vernichtet, dann lebt er weiter, und er kann nach einiger Zeit heraufgeholt werden und wiederum in mein Bewußtsein gebracht werden. Das Leben, das er so weiterlebt, das lebt er gewissermaßen ohne meine Persönlichkeit, die unmittelbar an das stofflich-leibliche Leben gebunden ist. Das Denken ist der geistigen Welt übergeben. Den Gedanken hat man hineinfließen lassen in das geistige Leben, und er wird wiederum aus demselben herausgezogen. Wenn man die nötige Geduld und Ausdauer hat, bringt man es dahin, nach verhältnismäßig langer Zeit— es können Tage, Wochen, Monate, Jahre sein — einem Gedanken wieder zu begegnen, den man also losgelöst hat aus dem Bereich des subjektiven Lebens, den man dem unbekannten Weltenwirken übergeben hat, so daß er ohne uns fortfließt. Wenn man dann gewahr wird, was er geworden ist, ohne daß unsere an die Leiblichkeit gebundene Seele eingegriffen hat, dann macht man an dieser Gedankenbegegnung nach und nach jene bedeutsamen Erlebnisse durch, die es einem zur inneren Gewißheit bringen, daß man in dem Gedankenleben als in einem Geistigen lebt. Daß man sich jetzt dem Gedankenleben, das sich also zuerst losgelöst hat von uns, selber übergibt, mit dem losgelösten Gedankenleben selber von den stofflich-leiblichen Vorgängen loskommt - eine Begegnung eines Gedankenkomplexes mit anderen Gedankenkomplexen, die oftmals nach Jahren eintreten kann, mit jenen Tatsachen, die zwischen den Gedanken verlaufen -, das sind die für die nächste Stufe der Geist-Erkenntnis wichtigsten inneren Erlebnisse.

[ 6 ] How, then, can one go about detaching one’s thinking, so to speak, from its usual nature? This can be achieved by thinking through certain thoughts—it doesn’t matter at all which thoughts these are; ideally, they should be vivid, easily grasped thoughts that one is certain one is actually forming in the very moment one conceives them, so that they cannot be mere reminiscences of past experiences—through vigorous meditation and intense concentration. Such an exercise must, of course, be done frequently. But by repeating these exercises—by returning again and again to the same complex of thoughts—one extracts this complex from the realm of ordinary life; one hands it over to the world; one allows it to live on its own. If today I have a particular thought complex, immerse myself completely in it, then step away from it and go about my ordinary life, it is not, as it were, completely destroyed; rather, it lives on, and after some time it can be retrieved and brought back into my consciousness. The life it continues to live in this way is, so to speak, lived apart from my personality, which is directly bound to material, physical life. Thought is entrusted to the spiritual world. One has allowed the thought to flow into spiritual life, and it is in turn drawn back out of it. If one has the necessary patience and perseverance, one can eventually—after a relatively long time—which may be days, weeks, months, or years—encounter once more a thought that one has thus detached from the realm of subjective life, that one has entrusted to the unknown workings of the world, so that it flows on without us. When one then becomes aware of what has become of it, without our soul—bound to physicality—having intervened, one gradually undergoes, through this encounter with the thought, those significant experiences that lead one to the inner certainty that one lives in the life of thought as in a spiritual realm. That one now surrenders oneself to the life of thought—which has thus first detached itself from us—and, through this detached life of thought, detaches oneself from material-physical processes —an encounter of one thought complex with other thought complexes, which can often occur years later, involving the facts that unfold between the thoughts—these are the inner experiences most important for the next stage of spiritual knowledge.

[ 7 ] Man kommt dadurch in die Lage, in einen neuen Lebensbereich einzutreten, welcher uns so vorkommt, als ob, gerade so wie im physischen Leben die Augen dem Leibe eingeprägt sind zum physischen Anschauen, sich der Seele «geistige Augen» — um diesen Goethe-Ausdruck zu brauchen — eingeprägt haben, die nun eine neue Welt um sich herum schauen. Der Mensch erwacht wirklich aus seinem gewöhnlichen Bewußtsein zu einer neuen Welt. Ebenso, wie sonst die farbenbunte, die tönende Welt, die wärmende Welt um uns herum ist, ist jetzt eine ätherisch-geistige Welt um uns herum. Dadurch aber, daß wir diese geistige Welt kennenlernen in ihren mannigfaltigsten Erscheinungen, lernen wir auch etwas an uns selber kennen, das wir eigentlich auf eine andere Art nicht kennenlernen können, als auf den Wegen, die beschrieben worden sind. Wir lernen dasjenige kennen, das ich mir erlaubt habe in einem Aufsatz, der kürzlich in der Vierteljahrsschrift «Das Reich» erschienen ist, den Bildekräfteleib des Menschen zu nennen. Dieser Bildekräfteleib ist im Menschen ebenso wie der physische Menschenleib. Wie dieser physische Menschenleib mit seinem Leben verläuft in physischen und chemischen Prozessen, so trägt der Mensch in sich, diesen physischen Menschenleib durchdringend, in dem Leben zwischen Geburt und Tod diesen Bildekräfteleib. Ich nenne ihn so aus dem Grunde, weil wir, wenn wir ihn schauen, wenn wir wirklich hinausdringen über die bloß stofflichen Vorgänge, dann gewahr werden, daß ebenso, wie in dem physischen Leib die physischen und chemischen Kräfte die Vorgänge dieses physischen Leibes bewirken, der Mensch getrieben wird zwischen Geburt und Tod durch die Kräfte dieses Bildekräfteleibes, welche da sein müssen, damit das Wachstum verläuft, damit eine Entwickelung verläuft, damit der Mensch hinübergetragen wird von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr, wie sie verfließen zwischen Geburt und Tod.

[ 7 ] This enables us to enter a new realm of life, which seems to us as if—just as in physical life the eyes are imprinted on the body for physical perception—the soul has been imbued with “spiritual eyes” — to use Goethe’s expression — have been imprinted upon the soul, which now beholds a new world around itself. Human beings truly awaken from their ordinary consciousness to a new world. Just as the colorful, resonant, and warming world usually surrounds us, so now an ethereal-spiritual world surrounds us. But by coming to know this spiritual world in its most manifold manifestations, we also come to know something within ourselves that we cannot actually come to know in any other way than through the paths that have been described. We come to know that which I have taken the liberty of calling the human body of formative forces in an essay that recently appeared in the quarterly journal Das Reich. This body of formative forces exists within the human being just as the physical human body does. Just as this physical human body, with its life, is governed by physical and chemical processes, so too does the human being carry within themselves—permeating this physical human body—this body of formative forces throughout the life between birth and death. I call it this because when we observe it—when we truly transcend mere material processes—we realize that just as the physical and chemical forces in the physical body bring about the processes of that body, human beings are driven between birth and death by the forces of this formative body, which must be present so that growth can take place, so that development can proceed, so that human beings are carried forward from day to day, from year to year, as time flows between birth and death.

[ 8 ] Allerdings muß man sich Verschiedenes aneignen, will man auf diesen Gebieten nicht straucheln. Denn was so von der Geistesforschung gesagt wird, es sind wahrhaftig nicht Phantasien, es sind Wirklichkeiten, wie die derbsten Wirklichkeiten der äußeren physischen Welt, ja intensivere Wirk-. lichkeiten. Aber gar sehr steht entgegen aus der Welt des gewöhnlichen Bewußtseins erstens die Tatsache, daß der Mensch für die Auffassungsweiseder gewöhnlichen Welt kaum in der Regel so ehrlich und wahr gegen sich selber ist, wie er sein muß, wenn er in diesen Dingen wirklich Fortschritte machen will. Und das zweite ist, daß die Art des Anschauens, des Wahrnehmens, eine ganz andere ist, wenn man hinausdringt aus der Welt seines bloß sinnlichen Wahrnehmens und des Bloß-über-die-Sinnenwelt-Denkens zu diesem schauenden denkerischen Erleben; denn es ist kein bloßes Denken mehr, es ist ein denkerisches Erleben. Man muß zu einer anderen Art des Sichverhaltens zu sich in der Seele kommen, um Fortschritte zu machen. Man muß gewissermaßen in die Lage kommen, den Augenblick zu erfassen — so möchte ich es nennen. Im gewöhnlichen Bewußtsein haben wir Zeit, den Gedanken da zu lassen im Bewußtsein, wenn wir dieses oder jenes auffassen wollen. Wenn wir aber zum denkerischen Erleben, zum Erleben des anschauenden Denkens aufrücken, müssen wir in die Lage kommen, dasjenige, was herauserglänzt, heraus sich offenbart aus der geistigen Welt -— also zunächst aus dieser Welt des Bildekräfteleibes -, rasch im Augenblick zu erfassen. Ich möchte sagen, jene Auffassungsweise, die wir sonst als die Auffassungweise der Reflexakte bezeichnen, die muß sich vergeistigend unseres Seelenlebens bemächtigen. Wir brauchen nicht erst lange einen Gedanken zu fassen im Bewußtsein, wenn zum Beispiel eine Fliege uns ins Auge fliegen will, sondern wir schließen das Auge rasch. Wie wir da die Geistesgegenwart haben, im Augenblick das Richtige zu treffen, so müssen wir innerlich mit der Seele im Augenblick dasjenige erfassen, was aus der geistigen Welt herausblitzt und nur dadurch in die persönlichen Gedanken hereingebracht werden kann, daß es stark erfaßt wird, aber im Augenblick erfaßt wird. Dieses Üben der Geistesgegenwart für das Erfassen, das gehört zu dem Wichtigsten, das sich der Geistesforscher aneignen muß. Eignet er es sich nicht an, so kann es kommen, daß die Dinge, die er beobachtet - wie es vielen geht, die Versuche machen auf diesem Gebiet - in dem Augenblick, wo er aufmerksam wird, wo er siegewahr wird, auch schon wiederum verflogen sind, so daß sie wie nicht da gewesen sind.

[ 8 ] However, one must acquire a variety of knowledge if one does not wish to stumble in these areas. For what is said in spiritual research is truly not fantasy; it is reality—just like the most tangible realities of the external physical world, indeed, even more intense realities. But standing in the way from the world of ordinary consciousness is, first of all, the fact that, in the way of perceiving the ordinary world, people are generally not as honest and true to themselves as they must be if they truly wish to make progress in these matters. And the second is that the manner of viewing and perceiving is entirely different when one moves beyond the world of mere sensory perception and thinking solely about the sensory world to this contemplative, thinking experience; for it is no longer mere thinking—it is a thinking experience. One must arrive at a different way of relating to oneself within the soul in order to make progress. One must, so to speak, be able to grasp the moment—that is how I would put it. In ordinary consciousness, we have time to let a thought linger in our consciousness when we wish to grasp this or that. But when we ascend to the experience of thinking, to the experience of intuitive thinking, we must be able to quickly grasp in the moment that which shines forth and reveals itself from the spiritual world—that is, initially from this world of the body of formative forces. I would say that this mode of perception—which we otherwise call the mode of perception of reflex acts—must take hold of our soul life in a spiritualizing way. We do not need to hold a thought in our consciousness for a long time when, for example, a fly is about to fly into our eye; rather, we quickly close our eye. Just as we have the presence of mind to do the right thing in the moment, so must we inwardly, with our soul, grasp in that very moment what flashes forth from the spiritual world—and this can only be brought into our personal thoughts by grasping it strongly, but grasping it in the moment. This practice of presence of mind for grasping is among the most important things a spiritual researcher must master. If he does not master this skill, it may happen that the things he observes—as is the case for many who experiment in this field—will have already vanished by the time he becomes aware of them or perceives them, so that it is as though they had never been there.

[ 9 ] So kommt der Mensch zunächst zu der Erkenntnis seines Bildekräfteleibes, ohne den der physische Leib in jedem Augenblick ein Leichnam wäre, so wie er ein Leichnam wird, wenn dieser Bildekräfteleib ihn verläßt, das heißt, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht. Um aber in die wirkliche geistige Welt, in eine, ich möchte sagen, selbständige geistige Welt einzudringen — denn die geistige Welt des Bildekräfteleibes ist ja an den physischen Stoffesleib gebunden, bleibt immer bei ihm zwischen Geburt und Tod -, muß man jene Seelenentwickelung, jene seelische Selbsterziehung, von der ich gesprochen habe, noch weitertreiben. Und da kommt es darauf an, nun für das innere Weben der Gedanken und Vorstellungen, die man ja schon bis zu einem Grade selbständig gemacht hat auf der ersten Stufe des Übens, die ich eben beschrieben habe, noch etwas ganz Besonderes einzuführen.

[ 9 ] Thus, human beings first come to recognize their body of formative forces, without which the physical body would be a corpse at every moment, just as it becomes a corpse when this body of formative forces leaves it—that is, when a person passes through the gate of death. But in order to penetrate into the true spiritual world—into what I would call an independent spiritual world, for the spiritual world of the form-body is, after all, bound to the physical body and remains with it at all times between birth and death—one must continue to pursue that soul development, that soul self-education, of which I have spoken. And here it is essential to introduce something quite special into the inner weaving of thoughts and ideas—which one has already made to a certain degree independent during the first stage of practice that I have just described.

[ 10 ] Sollman charakterisieren,was nunmehr in das anschauend erlebte Denken eingeführt werden muß, so könnte man es in der folgenden Weise charakterisieren: Im gewöhnlichen Denken, das wir im Alltag und in der gewöhnlichen Wissenschaft brauchen, bewegen wir uns von einem Gedanken zum anderen hin, so daß wir uns beherrschen lassen von der Logik, von dem Zusammenhang der Gedanken. Wir versuchen im wesentlichen durch innere Logik zu einem richtigen Denken zu kommen. Das genügt nicht für das geistige Erkennen. Das einfache, logische Fügen eines Gedankens an den anderen, und Nachsehen, ob ein Gedanke mit dem anderen in einem logischen Widerspruch oder Einklang steht, das genügt nicht für das schauende Bewußtsein. Da muß vielmehr etwas eintreten, was sich vergleichen läßt mit dem Leben, das wir sonst in der Außenwelt führen auf den verschiedensten Gebieten. Leicht läßt es sich charakterisieren auf moralischem Gebiete. Wie verhalten wir uns als Menschen auf moralischem Gebiet? Da können wir versucht sein, diese oder jene Handlung zunächst in Gedanken uns vorzustellen; aber wir werden nicht jede Handlung ausführen, die wir uns vorstellen können, die veranlaßt ist durch diese oder jene Begierde oder Affekte, sondern indem wir eine Handlung, ich möchte sagen, in der Absicht haben, oder nicht bis zu der Absicht, sondern nur bis zur Vorstellung gebracht haben, sagen wir uns: diese Handlung soll vollzogen werden, oder sie soll nicht vollzogen werden. Die Kräfte des Seelenlebens, die uns dazu verleiten, diese Handlung zu vollziehen, die sollen bekämpft werden. Als moralische Menschen stehen wir in einem Leben des Kampfes drinnen. Das innere und äußere Leben mag die Intentionen geben zu den mannigfaltigsten Handlungen: wir vollziehen sie nicht alle. Wir wissen, sie sind uns erlaubt, aber wir dürfen sie uns nicht gestatten. Wir stehen nicht bloß in einem logischen Einklang oder Widerspruch, sondern wir stehen in einem Zusammenhang der Wirklichkeit, und wir gestatten uns die eine Handlung nicht, gegenüber der anderen, die vollzogen werden muß.

[ 10 ] If one were to characterize what must now be introduced into intuitive thinking, one could characterize it in the following way: In ordinary thinking—the kind we use in everyday life and in conventional science—we move from one thought to the next, allowing ourselves to be guided by logic and by the connections between thoughts. We essentially try to arrive at correct thinking through inner logic. This is not sufficient for spiritual cognition. The simple, logical linking of one thought to another, and checking whether one thought is in logical contradiction or harmony with another—this is not sufficient for intuitive consciousness. Rather, something must occur that can be compared to the life we otherwise lead in the external world in the most diverse spheres. It can easily be characterized in the moral sphere. How do we conduct ourselves as human beings in the moral sphere? We may be tempted to first imagine this or that action in our minds; but we will not carry out every action we can imagine—one prompted by this or that desire or emotion—rather, when we have formed an intention regarding an action—or, I would say, not yet reached the stage of intention but have merely formed the mental image—we tell ourselves: this action shall be carried out, or it shall not be carried out. The forces of the inner life that tempt us to carry out this action must be resisted. As moral beings, we are engaged in a life of struggle. Our inner and outer lives may give rise to intentions for the most varied actions: we do not carry them all out. We know they are permitted to us, but we must not allow ourselves to act on them. We are not merely in logical harmony or contradiction, but we exist within the context of reality, and we do not permit ourselves one action in preference to another that must be carried out.

[ 11 ] Mit diesem sich von einem bloß logischen Zusammenhang sehr wohl unterscheidenden realen Zusammenhang der Handlungen läßt sich das vergleichen, zu dem jetzt das Denken aufrücken muß. Der Geistesforscher muß dazu kommen, indem er gewissen Gedanken sich hingibt, die vielleicht geeignet sind, die Welt in der einen oder anderen Weise zu erklären, sich vielleicht anderen Gedanken hinzugeben, die gewisse Dinge von der einen oder anderen Seite beleuchten. Dann aber muß der Mensch in seinem Leben nicht bloße Logik in seinen Gedanken suchen, sondern die Gedanken müssen in der Seele aufleben so, daß der eine Gedanke nicht nur dem anderen logisch widerspricht, sondern den anderen vernichtet. Dieses innere Leben, das ein äußeres Bild im moralischen Sollen oder Nichtsollen hat, das ergibt sich. Gewisse Gedanken verbieten sich, bekämpfen einander; eine lebendige Wechselwirkung der Gedanken tritt ein in dem Leben der Gedanken, in dem man lebendig drinnensteht. Es ist im ganzen gerade darauf der größte Wert zu legen, daß man, wenn man, wie geschildert, fortschreitet im Seelenleben, zu einer Stufe des denkerischen Anschauens kommt, wo die Gedanken zu innerem Leben übergehen und sich dadurch in ihrer Vielfältigkeit zeigen, aber so, daß gewissermaßen der eine den anderen verschluckt, aufzehrt, aus jedem einzelnen ein lebendiges Leben kommt. Ich will ein Beispiel anführen, indem ich wieder an Schopenhauer anknüpfe. Schopenhauer bleibt bloßer Denker, er steigt nicht auf zum schauenden Bewußitsein, und wir wissen ja: Schopenhauer ist ein Ankläger des Lebens. Er hat ja wie zu einem Geleitspruch seines Lebens denjenigen gemacht: «Das Leben ist eine mißliche Sache. Ich habe mich entschlossen, es damit hinzubringen, daß ich über das Leben nachdenke.» Und wohl die meisten der Zuhörer werden wissen, wie scharfe Anklagen Schopenhauer gegen das Leben als solches gerichtet hat. Da finder sich denn einmal eine besonders bezeichnende Stelle. Da sagt er: Das Leben könnte eigentlich gar nicht in Wirklichkeit eine theoretische Frage sein, wenn es nicht praktisch wertlos wäre. Denn würde das Leben, so wie es uns praktisch entgegentritt, seinen Wert unmittelbar darbieten, so würde der Verstand nichts mehr zu tun haben, es würde ihm nicht einfallen, irgendwie nach Rätseln zu forschen, er würde sich nicht verwundern über das Leben und nicht dazu kommen, nach den Rätseln und nach den tieferen Gründen des Lebens zu forschen, er könnte auch nicht in gewisse Zweifel kommen; er könnte nicht nach einem Zweck fragen, da der Zweck ihm unmittelbar entgegentreten würde. — Man kann allerdings sagen: Für jemand, der das Leben in seiner Vielseitigkeit betrachtet, wird dieser Gedanke, den Schopenhauer anführt, als ein einseitiger erscheinen. Aber für Schopenhauer ist er sogar ein solcher, in dem er ganz gefangen ist, in dem er drinnen lebt. Wer die Vielseitigkeit des Lebens ins Auge faßt, der wird sagen: Nun, wie Schopenhauers Seele durch ehrliche, aufrichtige Gedanken dazu getrieben wird, so das Leben anzuschauen, daß dieser Gedanke vor seine Seele tritt, so könnte auch ein anderer Gedanke vor eine Menschenseele treten, der, ich möchte sagen, das Leben gerade entgegengesetzt ansieht. Zum Beispiel könnte gesagt werden: Wenn das Leben so wäre, daß es gar nichts zu fragen gäbe, so würde es dem Verstand keine Möglichkeit geben, sich zu entwickeln. Der Mensch würde verurteilt sein, in sich untätig zu sein, wie mit gelähmtem Verstand durch das Leben zu gehen. Denn das Leben brächte ihm auf dem Präsentierteller das schon entgegen, was es ist. Gerade solches Leben wäre ja nichtig, weil es den Menschen innerlich ertötet. — Sie sehen also klar den der Schopenhauerschen Weltanschauung entgegengesetzten Gedanken. Würde es niemandem einfallen können, über das Leben nachzudenken, so müßte das Leben nichtig sein; würde der Zweck des Lebens einem unmittelbar entgegentreten, so würde alles Streben aufhören müssen, und das Leben des Menschen wäre zwecklos.

[ 11 ] This real connection among actions—which is quite distinct from a merely logical connection—can be compared to what thought must now move toward. The researcher of the spirit must arrive at this by devoting himself to certain thoughts that may be suitable for explaining the world in one way or another, and perhaps by devoting himself to other thoughts that shed light on certain things from one perspective or another. But then, in life, a person must not seek mere logic in their thoughts; rather, the thoughts must come alive in the soul in such a way that one thought not only logically contradicts another but annihilates it. This inner life, which has an outward expression in moral oughts and ought-not-to-be’s, emerges. Certain thoughts are ruled out; they combat one another; a lively interplay of thoughts arises in the life of thought, in which one stands vividly immersed. Above all, the greatest value lies precisely in the fact that, as one progresses in the life of the soul as described, one reaches a stage of contemplative thinking where thoughts transition into inner life and thereby reveal themselves in their diversity—but in such a way that, so to speak, one thought swallows up and consumes the other, and a living life emerges from each individual thought. I will give an example by referring once again to Schopenhauer. Schopenhauer remains a mere thinker; he does not ascend to contemplative consciousness, and as we know, Schopenhauer is an accuser of life. He has, in fact, made the following his life’s motto: “Life is a troublesome thing. I have resolved to make do with it by reflecting on life.” And most of the listeners will surely know how sharply Schopenhauer leveled accusations against life as such. There is, in fact, one particularly telling passage. There he says: Life could not actually be a theoretical question in reality if it were not practically worthless. For if life, as it presents itself to us in practice, were to reveal its value immediately, the intellect would have nothing left to do; it would not occur to it to search for mysteries in any way; it would not marvel at life and would not get around to investigating the mysteries and the deeper reasons for life; nor could it be seized by certain doubts; it could not ask about a purpose, since the purpose would present itself to it directly. — One might say, however, that for someone who contemplates life in all its diversity, this idea advanced by Schopenhauer will appear one-sided. But for Schopenhauer, it is precisely such an idea—one in which he is entirely trapped, within which he lives. Anyone who takes in the diversity of life will say: Well, just as Schopenhauer’s soul is driven by honest, sincere thoughts to view life in such a way that this idea presents itself to his soul, so too could another idea present itself to a human soul—one that, I would say, views life in exactly the opposite way. For example, one might say: If life were such that there were nothing at all to ask, it would offer the intellect no opportunity to develop. Man would be condemned to inactivity within himself, to go through life as if with a paralyzed intellect. For life would present to him on a silver platter exactly what it is. Precisely such a life would indeed be meaningless, because it kills man from within. — So you can clearly see the idea that is contrary to Schopenhauer’s worldview. If it were impossible for anyone to reflect on life, then life would be meaningless; if the purpose of life were immediately apparent, then all striving would have to cease, and human life would be purposeless.

[ 12 ] Mit derselben innerlichen Kraft, durch dieselbe innere Seelenhingabe an die Wirklichkeit kann einem dieser dem Schopenhauerischen Gedanken entgegengesetzte Gedanke kommen. Solche Gedanken, welche das Leben in der verschiedensten Weise beleuchten — und alle solchen Gedanken sind in einer gewissen Weise berechtigt, so wie die verschiedenen photographischen Aufnahmen einesHauses oder eines Baumes verschieden ausfallen, und alle im Grunde genommen berechtigt sind, aber das Haus oder der Baum doch nur durch Zusammenfassen aller einzelnen Aufnahmen gegeben ist —, treten gerade dem, der seelische Übungen als Geistesforscher macht, von allen Seiten entgegen. Aber sie treten in das geschilderte Wechselspiel zueinander; der eine Gedanke vernichtet den anderen teilweise oder ganz. Und man ist mit seiner Seele hingegeben diesem inneren Leben, einem Leben, das man sonst nicht haben kann in dieser inneren Seelenintimität, wenn man sich nicht vorbereitet hat dadurch, daß man also nicht dem gegenwärtigen den vergangenen Gedanken entgegenstellt, wie ich es beschrieben habe, sondern dem gegenwärtigen Gedanken den gegenwärtigen, daß man die Gedanken ihr Leben aneinander entfalten läßt, und selber hingegeben ist an dieses Entfalten. Und indem man also an diesen Gedankenkampf und die Gedankenharmonie — denn beides ist es zugleich — hingegeben ist, dadurch kommt man in einem noch intensiveren Maße los von dem gewöhnlichen Leben im stofflichen Leibe.

[ 12 ] With the same inner strength, through the same inner devotion of the soul to reality, one may arrive at this idea, which is opposed to Schopenhauer’s. Such thoughts, which shed light on life in a wide variety of ways—and all such thoughts are, in a certain sense, valid, just as the various photographic images of a house or a tree turn out differently, and all are, in essence, valid, yet the house or the tree is only fully captured by synthesizing all the individual images—come at one from all sides, especially for those who engage in spiritual exercises as researchers of the mind. But they enter into the interplay described above; one thought partially or completely annihilates the other. And one is wholly absorbed with one’s soul in this inner life—a life that one cannot otherwise experience in this inner intimacy of the soul unless one has prepared oneself by not contrasting the present thought with past thoughts, as I have described, but rather by contrasting the present thought with the present one, allowing the thoughts to unfold their life in relation to one another, and being wholly absorbed in this unfolding. And by devoting oneself in this way to this struggle of thoughts and the harmony of thoughts—for it is both at the same time—one detaches oneself even more intensely from ordinary life in the physical body.

[ 13 ] Und nunmehr gelangt man in eine selbständige Geisteswelt, die also nicht wie diejenige Welt, in der der Bildekräfteleib ist, an den menschlichen physischen Leib gebunden ist, sondern die völlig unabhängig ist vom menschlichen physischen Leibe. Und jetzt lernt man erst erkennen eine Erscheinung des gewöhnlichen Lebens, die bedeutungsvoll ist, die aber eigentlich nur von dem Gesichtspunkte, der jetzt geschildert worden ist, wirklich beobachtet werden kann, so daß die Beobachtung zu Ergebnissen führt: das ist die Welt des Schlafes.

[ 13 ] And now one enters an independent spiritual world, which—unlike the world in which the body of formative forces exists—is not bound to the human physical body, but is completely independent of it. And only now does one begin to recognize a phenomenon of ordinary life that is significant, but which can actually be truly observed only from the perspective just described, so that the observation leads to conclusions: this is the world of sleep.

[ 14 ] Indem der Mensch einschläft, hört sein gewöhnliches Leben des Tages auf; indem er aufwacht, beginnt es wieder. ' Für das schauende Bewußtsein zeigt sich, daß der Mensch in selbständiger geistiger Wesenheit vom Einschlafen bis zum Aufwachen außerhalb seines physisch-stofflichen Leibes ist. Nur ist sein Bewußtsein im gewöhnlichen Leben so wenig kraftvoll, daß er, wenn er so selbständig außerhalb des physischen Leibes ist, dasjenige, in dem er jetzt ist, und auch die geistige Umgebung, in der dieses lebt, nicht wahrnehmen kann. Denn das gewöhnliche Bewußtsein ist nur so geübt, daß es durch das Werkzeug des physischen Leibes die äußeren physischen Gegenstände wahrnehmen kann; es ist nicht so erkraftet, daß es am Geiste selber jenen inneren Widerstand finden kann, der ihm dann diese Geist-Erlebnisse spiegelt. Dieses Erkraften aber ist für die Seele eingetreten durch die Übungen, die ich in meinen Büchern näher beschrieben habe, und so kann der Mensch dazu kommen, daß er erkennen lernt, was das eigentlich ist, in dem er sich außerhalb seines Leibes vom Einschlafen bis zum Aufwachen befindet. Das wird für ihn jetzt nicht die leere Welt, die sonst für ihn verläuft vom Einschlafen bis zum Aufwachen, sondern es wird eine erfüllte Welt, die mit dem schauenden Bewußtsein wirklich erfahren, erlebt wird. Der Mensch ist jetzt nicht nur sich selber gegenüber als seinem Bildekräfteleib, sondern er ist jetzt wirklich so, daß er sein Seelisches schaut, dasjenige schaut, was ihn nicht nur, sein Wachstum bewirkend, durchdringt, sondern ihn so durchdringt, daß es, wie ich es vorgestern geschildert habe, an diesem physischen Leib und auch an dem Bildekräfteleib arbeitet, um alle die seelischen Erlebnisse hervorzurufen, die mit Hilfe des physischen und Bildekräfteleibes erlebt werden. Aber der Mensch kennt das jetzt auch, was so im physischen Leibe arbeitet und im Bildekräfteleib als selbständige geistige Wesenheit, die in der geistigen Welt wurzelt und selber darinnen lebt, und die rhythmisch abwechseln muß zwischen dem Versenktsein in den physischen Leib und dem selbständigen Leben in der geistigen Welt zwischen Einschlafen und Aufwachen. Indem der Mensch dem schauenden Bewußtsein entgegenbringen kann durch die Stufe der Erkenntnis, die ich geschildert habe, das, was außerhalb des Leibes erlebt werden kann, erlebt er das Seelisch-Geistige. Aber er lernt jetzt auch erkennen, was er unbewußt durchmacht in der Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen. In diesem unbewußten Erleben sind rein geistige Erlebnisse, die der Mensch durchmacht, während der Körper seine rein organischen, physikalischen Prozesse durchmacht, durch die er gewissermaßen das ausbessert, was die Seele verbraucht während des täglichen Arbeits- und Erkenntnislebens. Es sind geistige Prozesse, die die Seele durchlebt, und diese geistigen Prozesse kommen nur zum Bewußtsein, wenn dieses Bewußtein so weit erwacht ist. Aber es kann im träumenden Bewußtsein das geschehen — und geschieht in jedem Traum -, daß das, was in der rein geistigen Welt durchlebt wird zwischen Einschlafen und Aufwachen, hinuntergespiegelt wird in den physischen und Bildekräfteleib. In dem Momente des nicht genug starken Schlafes, des Aufwachens, da wird es hineingespiegelt, und da tritt es dann durch den Bildekräfteleib, wie eben die Traumesbilder, in Spiegelung vor die Seele. Es ist gewissermaßen das rein geistige Leben, das sonst für das gewöhnliche Bewußtsein unbewußt bleibt, wenn der Mensch träumt, in die intensive Traumesphantasie umgesetzt. Das, was die Traumesbilder darbieten, ist so nicht eine Wirklichkeit, sondern es sind Bilder, die wahre geistige Wirklichkeit verändernde Bilder; aber sie sind veranlaßt durch das Wirken der geistigen Wirklichkeit auf den physischen Leib und Bildekräfteleib. Da kann dann der Mensch, indem er also das schauende Bewußtsein entwickelt, auch kraftvoll zurückblicken auf das, was sonst vorgeht während seines Schlafes. Und von diesem Gesichtspunkte aus gelangt man jetzt zu einer ganz anderen, und jetzt erst wahrhaftigen Erklärung dessen, was Schopenhauer nur als Beobachtung hinstellen kann, aber ohne zu einem Ergebnis zu kommen.

[ 14 ] “When a person falls asleep, their ordinary daily life comes to an end; when they wake up, it begins again.” To the observing consciousness, it becomes apparent that, from the moment of falling asleep until waking up, the person exists as an independent spiritual being outside of their physical, material body. However, in ordinary life, a person’s consciousness is so weak that, even when they are thus existing independently outside the physical body, they cannot perceive the being in which they now find themselves, nor the spiritual environment in which that being lives. For ordinary consciousness is trained only to perceive external physical objects through the medium of the physical body; it is not sufficiently strengthened to find within the spirit itself that inner resistance which then reflects these spiritual experiences to him. This strengthening, however, has come about for the soul through the exercises I have described in detail in my books, and thus a person can come to recognize what it actually is in which he finds himself outside his body from the moment he falls asleep until he awakens. For them, this will no longer be the empty world that otherwise passes them by from falling asleep to waking up, but rather a fulfilled world that is truly experienced and lived through the beholding consciousness. A person is now not merely facing their own form-forming body, but is truly in a state where they perceive their soul life—perceiving that which not only permeates them, bringing about their growth, but permeates them in such a way that, as I described the day before yesterday, works on this physical body and also on the body of formative forces to bring about all the soul experiences that are lived through with the help of the physical and the body of formative forces. But the human being now also knows what works in this way within the physical body and the form-forming body as an independent spiritual entity that is rooted in the spiritual world and lives there itself, and which must rhythmically alternate between being immersed in the physical body and living independently in the spiritual world—between falling asleep and waking up. By bringing to the contemplative consciousness—through the stage of knowledge I have described—what can be experienced outside the body, human beings experience the soul-spiritual realm. But they also come to recognize what they unconsciously go through during the time between falling asleep and waking up. Within this unconscious experience are purely spiritual experiences that a person undergoes while the body undergoes its purely organic, physical processes—through which it, so to speak, restores what the soul has expended during the daily life of work and cognition. These are spiritual processes that the soul undergoes, and these spiritual processes come to consciousness only when that consciousness has awakened sufficiently. But it can happen in the dreaming consciousness—and does happen in every dream—that what is experienced in the purely spiritual world between falling asleep and waking up is reflected down into the physical body and the body of formative forces. At the moment of insufficiently deep sleep, of waking, it is reflected into the body, and there it appears before the soul as a reflection through the body of formative forces, just as dream images do. In a sense, it is the purely spiritual life—which otherwise remains unconscious to ordinary consciousness when a person dreams—transformed into the intense fantasy of the dream. What the dream images present is not, as such, a reality, but rather images that transform true spiritual reality; yet they are brought about by the influence of spiritual reality upon the physical body and the body of formative forces. Thus, by developing this contemplative consciousness, a person can also look back with clarity on what otherwise takes place during sleep. And from this perspective, one now arrives at a completely different—and only now truly accurate—explanation of what Schopenhauer can only present as an observation, but without reaching a conclusion.

[ 15 ] Nehmen wir wiederum auf von diesem Gesichtspunkte aus diesen sogenannten Examenstraum, wo also der Mensch sich spaltet in bezug auf sein Ich in zwei Teile, von denen der eine eine Antwort geben kann, der andere nicht. Schopenhauer kommt nur bis zu der abstrakten Auskunft: Wenn der Mensch aufgewacht ist, merkt er, daß diese beiden Traumpersönlichkeiten eine sind. Er kommt bis zu jener abstrakten Einheit, an der alle Abstraktlinge ein solches Gefallen haben. Derjenige aber, der mit dem schauenden Bewußtsein den ganzen Vorgang durchdringt, der lernt erkennen, daß das seelisch-geistige Wesen, das den Menschen begleitet von der Geburt bis zum Tode, es ist, was da angeschaut wird, daß das selbständige geistige Leben angeschaut wird, das ja, nur unterbewußt oder unbewußt, dem Traumesleben und auch dem Schlafesleben zugrunde liegt. Und so stellt sich dar, daß der Mensch, indem er vor sich hat sich selber als den Nichtwissenden, der auf die Fragen keine Antwort geben kann, da einmal sich anschaut in einer Lebenszeit, wo er noch nicht Antwort geben konnte; und dann schaut er sich an in dem anderen, der die Antwort geben kann, in einem späteren Lebensaugenblick, wo er eben schon Antwort geben kann. Er hat diese beiden Lebensaugenblicke vor sich: Einmal, wo er noch nicht Antwort geben konnte, und dann, wo er Antwort geben kann. Er schaut sich also zweimal an.

[ 15 ] Let us again consider, from this perspective, this so-called “exam dream,” in which a person splits into two parts with regard to his or her self, one of which can give an answer and the other cannot. Schopenhauer only arrives at the abstract conclusion: When a person wakes up, they realize that these two dream personalities are one and the same. He arrives at that abstract unity that all lovers of abstraction take such delight in. But the one who penetrates the entire process with a contemplative consciousness learns to recognize that the soul-spiritual being that accompanies a person from birth to death is what is being contemplated there—that it is the independent spiritual life that is being contemplated, which, albeit only subconsciously or unconsciously, underlies both the life of dreams and the life of sleep. And so it becomes apparent that the human being, having before him his own self as the ignorant one who cannot answer the questions, first looks at himself in a lifetime when he was not yet able to give an answer; and then he looks at himself in the other, who can give the answer, at a later moment in life when he is indeed already able to give an answer. He has these two moments in life before him: one in which he could not yet provide an answer, and then one in which he can provide an answer. He thus looks at himself twice.

[ 16 ] Sehen Sie, da haben wir konkret herausgearbeitet, wozu Schopenhauer, da er nicht schauender Philosoph war, nicht kommen konnte. Er wußte nicht, inwiefern sich des Menschen Ich gespalten hat in den jüngeren Menschen, der noch nicht Antwort geben konnte, und in den älteren, der schon Antwort geben konnte. Und warum geschieht diese Spaltung? Sie geschieht, weil tief im Untergrunde der Seele das lebt, wovon wir sagen können: der Mensch ist in einen fortwährenden Kampf hineingestellt, in ein fortwährendes Ringen. Ein inneres Ringen war es, wodurch der Mensch gekommen ist von dem Nichtwissen, das nicht Antwort geben konnte, zu dem Wissen, das Antwort geben konnte auf die Fragen. Im äußeren Leben verläuft dieses Ringen so, daß man ihm nicht viel Aufmerksamkeit zuwendet. Man läßt es gewissermaßen aus der Alltagsaufmerksamkeit fallen. Aber in den Tiefen der Seele, da stellt dieses Ringen eine Summe von Kräften dar. Man hat innerlich unterbewußt arbeiten müssen, um aus dem Nichtwissen in das Wissen hineinzukommen. Dieses Ringen, das sonst unter der Schwelle des Bewußtseins verläuft, lebt aber in der Seele. Denn in der Seele ist wahrhaftig viel mehr als dasjenige, dessen sich die Seele gewöhnlich bewußt ist. Und wenn die Seele ihre Aufmerksamkeit abwendet von der äußeren Welt, an die sie sonst gefesselt ist, dann tritt ihr das entgegen; aber sie hat jetzt für das gewöhnliche Bewußtsein keine Möglichkeit, das in seiner Wahrheit aufzufassen. Denn sie ist ja nicht gewöhnt, dieses Ringen wahrzunehmen. Sie wendet ihm, wie gesagt, im gewöhnlichen Bewußtsein keine Aufmerksamkeit zu. So tritt dieses innere Bewußtsein zwar in der Seele auf im Schlafe, im Traume, aber es bildet sich ab, indem es zwei Bilder zeigt: den nichtwissenden und den wissenden Menschen, zwischen denen das Ringen liegt und tätig war. So hätte Schopenhauer, wenn er zum konkreten schauenden Bewußtsein aufgerückt wäre, diese interessante Tatsache des Examenstraumes auffassen müssen. Dann hätte er auch einsehen müssen, daß da etwas sich hineinwebt in diese Welt des Traumes, was durch das ganze Leben hindurch auf dem Grunde der Seele pulst, und was zusammenhängt mit einem tiefinnerlichen Ringen und Kraften in der Seele. In der Außenwelt zeigt sich dieses nicht. Der Mensch würde beirrt werden, wenn er fortwährend dieses Ringens vor seinem seelischen Auge hätte. Ermuß sich hineinstellen in die äußere Welt, muß sich einordnen in die äußere Welt. Aber es verläuft vieles, während er sich also in die Welt einordnet, in seiner Seele. Während er aus einem Nichtwissenden, der nicht Antwort geben kann, zu einem Wissenden wird, der die Fragen beantworten kann, verläuft eben sehr vieles in der Seele. Und das webt und lebt, während der Mensch der äußeren Wirklichkeit abgewendet ist. So zeigtsich gewissermaßen das, was der Mensch nun äußerlich im wirklichen Leben durchmacht, was er für die Welt der Arbeit, für die Welt der anderen Menschen wird, für die Welt, in der er nützlich, wertvoll sein soll dadurch, daß in seinem inneren Leben geheimnisvolle Vorgänge des Ringens stattfinden.

[ 16 ] You see, we have specifically identified what Schopenhauer—since he was not a contemplative philosopher—could not arrive at. He did not know to what extent the human “I” had split into the younger self, which was not yet able to provide an answer, and the older self, which was already able to provide an answer. And why does this division occur? It occurs because deep within the soul lies what we might describe as follows: human beings are caught up in a constant struggle, a ceaseless wrestling match. It was through this inner struggle that human beings progressed from a state of ignorance—which could offer no answers—to a state of knowledge capable of answering those questions. In outward life, this struggle unfolds in such a way that one does not pay it much attention. One, so to speak, lets it fall out of one’s everyday awareness. But in the depths of the soul, this struggle represents a sum of forces. One has had to work inwardly and subconsciously to move from ignorance to knowledge. This struggle, which otherwise takes place below the threshold of consciousness, lives on in the soul. For there is truly much more in the soul than what the soul is usually aware of. And when the soul turns its attention away from the external world to which it is otherwise bound, this struggle comes to meet it; but ordinary consciousness has no way of grasping it in its truth. For it is not accustomed to perceiving this struggle. As mentioned, it pays no attention to it in ordinary consciousness. Thus, this inner consciousness does indeed arise in the soul during sleep and in dreams, but it manifests itself by presenting two images: the ignorant and the knowing human being, between whom the struggle lies and was active. Thus, if Schopenhauer had advanced to concrete, contemplative consciousness, he would have had to grasp this interesting fact of the exam dream. Then he would also have had to realize that something weaves itself into this world of dreams—something that pulses at the very depths of the soul throughout one’s entire life and is connected to a deeply inner struggle and forces within the soul. This does not manifest itself in the external world. A person would be misled if he constantly had this struggle before his inner eye. He must place himself within the outer world; he must fit himself into the outer world. But much is taking place within his soul as he thus fits himself into the world. As he transforms from one who does not know—who cannot give answers—into one who knows—who can answer the questions—a great deal is indeed taking place within the soul. And this weaves and lives on while the person is turned away from external reality. Thus, in a sense, what the person now experiences externally in real life—what he becomes for the world of work, for the world of other people, for the world in which he is supposed to be useful and valuable—is shaped by the mysterious processes of inner struggle taking place within him.

[ 17 ] Nun, ich sagte schon vorgestern: Vergleichsweise, nicht mit einem gewissen mißverständlichen asketischen Nebensinn, zeigt sich für den, der das Leben durchschaut, auch dasjenige, was in der Sinnenwelt ausgebreitet ist, als eine Summe von Bildern. Ebenso wie der Traum eine Nachbildung ist des äußeren physischen Lebens, so ist dieses äußere physische Leben eine Nachbildung eines geistigen Lebens, zu dem der Mensch durch das schauende Bewußtsein aufwacht, in das er sich hineinlebt.

[ 17 ] Well, as I said the day before yesterday: Relatively speaking—and not in some misleading, ascetic sense—to those who see through life, even what is spread out in the sensory world appears as a collection of images. Just as a dream is a replica of external physical life, so this external physical life is a replica of a spiritual life to which the human being awakens through the contemplative consciousness into which he immerses himself.

[ 18 ] Ich habe in meinen verschiedenen Schriften den ersten Standpunkt der geistigen Erkenntnis, durch den der Mensch dazu gelangt, am Menschen selber den Bildekräfteleib wahrzunehmen, die imaginative Erkenntnis genannt. Ich bitte, sich nicht an diesem Ausdruck zu stoßen. Es ist sehr leicht, sich daran zu stoßen, weil man gewöhnlich dasjenige dabei denkt, was im gewöhnlichen Leben darunter vorgestellt wird. Man braucht sich aber nicht daran zu stoßen, es ist nur das gemeint, was charakterisiert ist. Dieses imaginative Erkennen stellt sich in Bildern dar, aber in Bildern, die nicht bloße Phantasiebilder sind, sondern die auf eine Wirklichkeit hinweisen. Dasjenige Denken aber, das sich so vor die Seele stellt, daß man es vergleichen kann mit dem äußeren Wechselleben im Moralischen, das nannte ich in meinen Schriften die inspirierte Erkenntnis, weil da ein selbständiges Geistiges vor die Seele tritt, in dem die Seele nun lebt. Der Begriff der Inspiration — von dem man nur allen Aberglauben fernhalten muß — ist durchaus anwendbar auf jenes innere Wahrnehmen einer geistigen Welt, das jetzt eintritt, wenn die Seele sich erhoben hat zu einem solchen Erkennen. Durch die inspirierte Erkenntnis gelangt sie dazu, nicht nur für das gewöhnliche Leben die Bedeutung des Träumens, des Schlafes einzusehen, sondern nun wirklich das selbständige Geistesleben so zu überschauen, daß sie sich Vorstellungen machen kann über das geistige Leben, das außerhalb des Lebens zwischen Geburt und Tod verläuft. Die Seele gelangt dazu, die selbständige Geisteswelt in die Vorstellungen über jenes Leben hereinzunehmen, in dem die Seele lebte, bevor sie durch die Geburt oder Empfängnis heruntergestiegen ist in die physische Welt. Die Seele gelangt dazu, sich Vorstellungen zu machen, wie das Leben verfließt, wenn sie durch die Pforte des Todes gegangen ist. Der Mensch - ich habe schon vorgestern darauf hingedeutet, und es wird Gegenstand der weiteren Vorträge sein — erlebt wiederholte Erdenleben, und so erlebt er auch eine Zeit, die verfließt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. In dieser Zeit, die wesentlich länger dauert als das Leben zwischen Geburt und Tod, lebt die Seele in einer rein geistigen Welt; aber in dieser hat sie die Kräfte, mit denen sie sich selbst durchdringt, die so um sie herum sind, wie hier die Kräfte der physischen Welt. Aus dieser Welt heraus holt sie die Kräfte, mit denen sie sich selber durchdringt, und die sie in das hineinträgt, was ihr durch die Vererbung von Vater und Mutter, Großvater und Großmutter und so weiter aus der Welt der physischen Stofflichkeit entgegengebracht wird. Indem der Mensch aber in diese Welt hineinschaut, schaut er auf die Grundkräfte, auf die, ich möchte sagen, richtunggebenden Kräfte seines inneren Schicksals. Denn dasjenige, was wir, aus der Seele heraus veranlagt, dem Leben entgegentragen, so daß wir in einer gewissen Weise sind, und dadurch dieses oder jenes erfahren, das wirkt unser inneres Schicksal. Das wird aber nicht bloß durch die Erziehung, die ja die Dinge herausholt aus der menschlichen Individualität, aber nur das, was in ihr liegt, herausholen kann, das wird nicht bloß durch das äußere physische Leben im Menschen ausgebildet, das trägt der Mensch durch die Empfängnis oder Geburt herein aus der Zeit vor der Geburt, aus dem Leben in der geistigen Welt, in der es das schauende Bewußtsein schaut. Und so sehen wir auf die Gründe für das innere Schicksal des Menschen, zu dem die Kräfte gebildet werden zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Da sehen wir auf all das, was aus dem Inneren der Seele heraus unser Schicksal bestimmt. Sind wir dazu veranlagt, besonders zu sinnen, so kann uns das Leben in gewissen Lagen schwerfallen. Diese Veranlagung zum Sinnen, wir bringen sie aber mit aus dem Leben, das verflossen ist zwischen dem letzten Erdenleben und dieser Geburt. Dadurch, daß wir dieses Leben durchleben, dadurch durchweben wir die physische Stofflichkeit, die uns durch die Empfängnis oder Geburt gegeben wird, mit all den Kräften, die von innen heraus unser Leben schicksalsmäßig gestalten.

[ 18 ] In my various writings, I have called the first stage of spiritual knowledge—through which a person comes to perceive the body of formative forces within the human being—“imaginative knowledge.” Please do not take offense at this term. It is very easy to take offense at it, because one usually associates it with what is commonly understood by the term in everyday life. But there is no need to take offense; it simply refers to what is described. This imaginative cognition presents itself in images, but in images that are not mere figments of the imagination, but rather point to a reality. But the kind of thinking that presents itself to the soul in such a way that it can be compared to the external, ever-changing life in the moral realm—that is what I have called “inspired insight” in my writings, because an independent spiritual reality steps before the soul, within which the soul now lives. The concept of inspiration—from which one must simply keep all superstition at bay—is entirely applicable to that inner perception of a spiritual world that now arises when the soul has elevated itself to such a form of cognition. Through inspired insight, the soul comes to understand not only the significance of dreaming and sleep for ordinary life, but also to truly grasp the independent spiritual life in such a way that it can form concepts of the spiritual life that unfolds beyond the life between birth and death. The soul comes to incorporate the independent spiritual world into its conceptions of that life in which the soul lived before it descended into the physical world through birth or conception. The soul comes to form conceptions of how life unfolds once it has passed through the gate of death. Human beings—as I already alluded to the day before yesterday, and as will be the subject of future lectures—experience repeated earthly lives, and thus they also experience a period that elapses between death and a new birth. During this period, which lasts considerably longer than the life between birth and death, the soul lives in a purely spiritual world; but in this world it possesses the forces with which it permeates itself—forces that surround it just as the forces of the physical world do here. From this world it draws the forces with which it permeates itself, and which it carries into that which is bestowed upon it from the world of physical matter through inheritance from father and mother, grandfather and grandmother, and so on. But as the human being looks into this world, he looks upon the fundamental forces—the forces, I might say, that direct the course of his inner destiny. For what we bring to life from within the soul—so that we are in a certain way, and thereby experience this or that—is the work of our inner destiny. But this is not shaped merely by education—which, after all, draws things out of human individuality, though it can only draw out what lies within it—nor is it formed solely by the outer physical life within the human being; rather, the human being carries it in from the time before birth, through conception or birth, from life in the spiritual world, where the beholding consciousness perceives it. And so we look to the foundations of a person’s inner destiny, for which the forces are formed between death and a new birth. There we see all that determines our destiny from within the soul. If we are predisposed to be particularly contemplative, life can be difficult for us in certain situations. This predisposition to deep reflection, however, we bring with us from the life that elapsed between our last earthly life and this birth. By living through this life, we interweave the physical matter given to us through conception or birth with all the forces that, from within, shape our life in accordance with destiny.

[ 19 ] Dazu kommt nun dasjenige, was von außen herein das Leben schicksalsmäßig gestaltet. Denn das Gesamtschicksal des Menschen fließt ja zusammen aus der Art und Weise, wie wir selbst unsere Kräfte der Außenwelt entgegentragen: ob wir stumpf diese Kräfte ihr entgegentragen, und nur durch die stumpfen Kräfte etwas erfahren, oder ob wir die Kräfte energisch der Außenwelt entgegenbringen und dadurch anders unser Leben hinbringen. In hundertfältiger Weise gestaltet sich so das von innen heraus sich formende Schicksal; und in dem, was äußere Schicksalsschläge sind, die in Leid und Freude, in Lust und in Schmerz bestehen, in ihnen besteht der andere Teil des Schicksals, der sich zusammenwebt zu dem gesamten Schicksalsverlauf mit dem, was von innen kommt. Auch zu dem Begreifen desjenigen, was von außen her am Schicksal webt, gelangen wir nur, wenn wir Einlaß gewinnen durch das schauende Bewußtsein in die geistige Welt,

[ 19 ] Added to this is what comes from outside and shapes life through fate. For a person’s overall destiny arises from the way we ourselves direct our forces toward the external world: whether we passively direct these forces toward it, experiencing things only through those passive forces, or whether we actively direct our forces toward the external world and thereby shape our lives differently. In a hundred different ways, fate—which takes shape from within—is thus formed; and in what are external blows of fate, consisting of suffering and joy, pleasure and pain, there lies the other part of fate, which weaves itself together with what comes from within to form the entire course of fate. We, too, can only come to understand what weaves into our destiny from the outside if we gain access to the spiritual world through contemplative consciousness,

[ 20 ] Dazu muß nun noch ein Drittes kommen. Um das zu erforschen, reichen die beiden Erkenntnisarten nicht aus. Dazu muß kommen die intuitive Erkenntnis. Ich gebrauche dieses Wort jetzt aber nicht in dunkel symbolischem Sinne, sondern in dem Sinne, wie ich es charakterisieren will. Ich habe zwei Stufen des Aufrückens in geistiger Erkenntnis dargestellt. Die eine Stufe wurde dadurch herbeigeführt, daß das Denken sich selbständig erlebt in den Gedanken, und gewissermaßen das, was zwischen den Gedanken ist, wenn sie sich selbst überlassen werden, erlebt wird. Dann treten die Gedanken in ein inneres Wechselspiel, es werden die Gedanken zu dem inneren Schicksal, und dadurch fangen wir an, das Schicksal zu begreifen, das in der geistigen Welt veranlagt ist. Nun kann aber ein Weiteres dadurch eintreten, daß man all die inneren Prüfungen der Seele, die man durchmakcht, wenn man dasjenige erlebt, was ich so als diese beiden Stufen des lebendigen Erkennens geschildert habe, daß man das innerlich wahr, innerlich ehrlich durchlebt. Denn gar groß sind ja die Versuchungen, die den Menschen auf diesem Gebiet dazu verführen, unaufrichtig gegen sich selbst zu sein, sich einzureden, man erlebe wirklich dieses oder jenes. Allein nicht durch einen logischen, nicht durch irgendeinen dialektischen Beweis läßt sich klarlegen, wodurch man zur Wirklichkeit kommt. Die eben charakterisierte Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit gegen sich selbst muß da sein. Sonst aber kann man nur sagen: Man erlebt eben die Wirklichkeit durch unmittelbare Erfahrung; da läßt sich nichts beweisen. Geradeso, wie man niemandem beweisen kann, der es abstreiten will, daß es einen Walfisch gibt, wie der Walfisch nur durch die Erfahrung bewiesen werden kann, so läßt sich auch für geistige Erlebnisse nur durch das schauende Bewußtsein beweisen, daß sie da sind. Durch das schauende Bewußtsein kann man sich so klar sein, daß man es mit einer geistigen Wirklichkeit und nicht mit einer Phantasieschöpfung zu tun hat, wie man sich in der Sinnenwelt klar sein kann, ob man ein Tier aus Papiermache oder ein lebendiges Tier vor sich hat. Wie man da nicht zu beweisen braucht, sondern durch unmittelbare Erfahrung sich überzeugt, so überzeugt man sich auch von der geistigen Wirklichkeit durch innere Erfahrung.

[ 20 ] A third element must now be added to this. The two types of knowledge are not sufficient to explore this. Intuitive knowledge must be added. However, I am not using this word here in a vague, symbolic sense, but in the sense in which I intend to characterize it. I have described two stages of advancement in spiritual knowledge. One stage was brought about by thinking experiencing itself independently within thoughts, and, in a sense, by experiencing what lies between thoughts when they are left to their own devices. Then the thoughts enter into an inner interplay; the thoughts become one’s inner destiny, and through this we begin to comprehend the destiny that is predetermined in the spiritual world. Now, however, something further can occur if one lives through all the inner trials of the soul—which one undergoes when experiencing what I have described as these two stages of living knowledge—in a way that is inwardly true and inwardly honest. For the temptations that lead people in this realm to be insincere toward themselves—to convince themselves that they are truly experiencing this or that—are indeed very great. Yet it is not through logical proof, nor through any dialectical argument, that one can clarify the path to reality. The sincerity and truthfulness toward oneself that I have just described must be present. Otherwise, one can only say: One simply experiences reality through direct experience; nothing can be proven there. Just as one cannot prove to anyone who denies it that a whale exists—since the whale can only be proven through experience—so too, spiritual experiences can only be proven to exist through contemplative consciousness. Through contemplative consciousness, one can be as certain that one is dealing with a spiritual reality and not a figment of the imagination as one can be certain in the sensory world whether one is looking at a papier-mâché animal or a living animal. Just as one does not need to prove this there, but is convinced through direct experience, so too is one convinced of spiritual reality through inner experience.

[ 21 ] Dann aber, wenn man immer weiter und weiter schreitet, wenn man wirklich in innerer Geduld und Ausdauer die genannten Übungen fortführt, gelangt man dazu, daß von einem bestimmten Punkte ab dieses erlebte Erkennen selbst Schicksal wird, ein Schicksalsereignis wird. Da muß man eben wirklich so aufrichtig sein und sich klar sein, wie wenig das gewöhnliche, oftmals so theoretisierende, bloß logische Erkennen eigentlich für die meisten Menschen ein Schicksalserlebnis ist. Wie wenig! Man erkennt, weil man die Sehnsucht hat dazu; aber dieses Erkennen trägt man doch mit sich wie etwas, was neben dem Leben einherläuft. Aber wenn der Mensch als Geistesforscher so weiterschreitet, wie ich das geschildert habe, dann kommt eben ein Augenblick — er mag früher oder später kommen, er wird kommen -, wo das Erkennen selbst ein Schicksal wird, wo man so innerlich durchkraftet ist durch den Geist, daß man durch den Geist selber im geistigen Universum steht, wo das ein solches ° inneres Ereignis wird, daß es trotz aller inneren Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit das wichtigste Ereignis wird. Man darf sagen: dieses bedeutet etwas in das Leben sehr tief Einschneidendes. Man erlebt gewiß als Mensch — Sie wissen es alle — einschneidende Schicksalserlebnisse, die oftmals das ganze Dasein in andere Bahnen führen, Erlebnisse, die die Seele tief aufrütteln, Erlebnisse erhabenster Freude, Erlebnisse tiefster Tragik. Aber es kann und muß, wenn wirklich geistige Erkenntnis als Forschung erreicht werden soll, doch möglich sein, daß die Erkenntnis selbst an den Menschen so herantritt, daß sie Schicksalserleben wird: ein solches Schicksalserlebnis, gegenüber dem die anderen Schicksalserlebnisse, mögen sie noch so bedeutend sein, ein wenig sich in den Schatten stellen. Die größte Wendung, der größte Einschlag des Lebens, er kann und er muß für den wahrhaft geistig Erkennenden so kommen, daß von einem gewissen Momente ab er sich so erkennend im Geiste weiß, daß dieses Schicksalserlebnis alleanderen Schicksalserlebnisse übertönt. Und der Ton, der von diesem Schicksalserlebnis kommt, er tönt dann so in der Seele, daß man nunmehr weiß, wo die Kräfte weben in der geistigen Welt, welche den Lebenslauf für viele scheinbar zufällig — so zusammenstellen, so durchdringen, daß nicht nur in dem, was von innen heraus sich formt, Plan und Zusammenhang ist, sondern auch diejenigen Ereignisse, die in der Außenwelt sind, entweder zusammenhängen oder so an uns herantreten, daß sie wiederum die Grundlage bilden für Zusammenhänge, die sich dann im nächsten Erdenleben abspielen. Denn es hängt ja beim geistigen Erkennen sehr viel davon ab, daß man das wirklich durchleben kann, was als Wirkung herauskommt. Dadurch, daß man solch ein Erlebnis, wie ich es jetzt als Schicksalserlebnis des Erkennens, und früher als Erlebnis des erkennenden Bewußtseins geschildert habe, durchlebt, daß man nicht nur es anschaut, sondern die Wirkungen in der Seele hat, und die Seele dadurch umgeartet wird dadurch wird die Seele eine schauende Seele. Jetzt gelangt sie dazu, nicht nur hineinzuschauen in das Leben, das zwischen dem Tod und einer neuen Geburt verfließt, sondern sich Vorstellungen zu bilden über Kräfte, die aus früheren Erdenleben herkommen. Diese Kräfte, die herüberwirken aus früheren Erdenleben, leben wieder auf in diesem Erdenleben, und sie weben sich wiederum zusammen mit dem, was als Neues in unser Leben eintritt, sie leben sich zusammen zu einem Gesamtschicksal, das von außen sich seine Kräfte bildet und das wiederum die Grundlage bildet für die folgenden Erdenleben. Und so stellt sich dasjenige, was aus dem Inneren kommt, als die Wirkung dar des Lebens, das zwischen Tod und neuer Geburt verläuft. Das dagegen, was von außen kommt, stellt sich so dar, daß herüberwirken die Grundlagen, die in früheren Erdenleben gelegt sind.

[ 21 ] But then, as one goes on and on, as one truly continues the exercises mentioned with inner patience and perseverance, one reaches a point where, from a certain point onward, this experienced knowledge itself becomes destiny, becomes a fateful event. One really must be sincere and realize just how little ordinary, often overly theoretical, purely logical knowledge actually constitutes a fateful experience for most people. How little! One gains insight because one has a longing for it; yet one carries this insight with oneself as something that runs parallel to life. But when a person, as a spiritual researcher, proceeds as I have described, then a moment arrives—it may come sooner or later, it will come—when the act of knowing itself becomes a destiny, when one is so deeply imbued with the spirit that one stands within the spiritual universe through the spirit itself, when this becomes such an inner event that, despite all inner sincerity and truthfulness, it becomes the most important event. One may say: this signifies something that cuts very deeply into one’s life. As human beings, we certainly experience—as you all know—profound fateful events that often set one’s entire existence on a different course, experiences that deeply shake the soul, experiences of the most sublime joy, and experiences of the deepest tragedy. But if true spiritual knowledge is to be attained through inquiry, it must be possible for that knowledge itself to approach the human being in such a way that it becomes a fateful experience: a fateful experience in the face of which all other fateful experiences—no matter how significant they may be—pale somewhat in comparison. The greatest turning point, the greatest impact of life, can and must come to the truly spiritually discerning person in such a way that, from a certain moment onward, they know themselves to be so discerning in spirit that this fateful experience drowns out all other fateful experiences. And the tone that emanates from this fateful experience resounds in the soul in such a way that one now knows where the forces are at work in the spiritual world—forces that, for many, seemingly by chance, arrange and permeate the course of life in such a way that not only what takes shape from within there is a plan and connection, but also in those events that occur in the outer world—which are either interconnected or approach us in such a way that they, in turn, form the basis for connections that will then unfold in the next earthly life. For in spiritual recognition, a great deal depends on one’s ability to truly live through what emerges as an effect. By living through such an experience—as I have now described it as a fate-related experience of cognition, and previously as an experience of the cognizing consciousness—by not merely observing it but by experiencing its effects in the soul, and thereby having the soul transformed—the soul becomes a beholding soul. Now it is able not only to look into the life that flows between death and a new birth, but also to form concepts of forces that come from previous earthly lives. These forces, which continue to influence us from earlier earthly lives, are revived in this earthly life, and they interweave once more with what enters our life as something new; they coalesce into an overall destiny that draws its forces from the outside and which, in turn, forms the foundation for subsequent earthly lives. And so what comes from within appears as the effect of the life that unfolds between death and a new birth. What comes from without, on the other hand, appears as the influence of the foundations laid in previous earthly lives.

[ 22 ] Ich weiß sehr wohl, wie sehr das heutige Bewußtsein, das mit Recht sich an der naturwissenschaftlichen Weltanschauung herangebildet hat, solchen Vorstellungen widerstrebt, wie sie jetzt über das äußere und innere Schicksal gegeben worden sind. Es wird noch lange brauchen, bis man, ich möchte sagen, durch immerwährende Wiederholung denen, die da glauben, aus einer naturwissenschaftlichen Überzeugung heraus dieser geisteswissenschaftlichen Anschauung widerstreben zu müssen, klarmachen kann, daß diese geisteswissenschaftliche Überzeugung in vollem Einklang steht mit alledem, was durch die Naturwissenschaft heute in so bewundernswürdiger Weise an die Oberfläche des menschlichen Denkens gebracht worden ist. Denjenigen, die vom Standpunkte einer festgegründeten naturwissenschaftlichen Weltanschauung der Geisteswissenschaft widerstreiten, kann man immer nachweisen, daß sie eigentlich nicht wissen, wovon sie reden, weil sie nicht die Geduld und Ausdauer haben, sich wirklich in die Geisteswissenschaft einzulassen.

[ 22 ] I am well aware of how much today’s consciousness—which has rightly been shaped by the scientific worldview—resists such ideas as those now presented regarding external and internal destiny. It will take a long time before we can—I would say, through constant repetition—make it clear to those who, out of a scientific conviction, feel they must resist this spiritual-scientific view, that this spiritual-scientific conviction is in complete harmony with everything that science has so admirably brought to the surface of human thought today. To those who oppose spiritual science from the standpoint of a firmly established scientific worldview, one can always demonstrate that they do not actually know what they are talking about, because they lack the patience and perseverance to truly engage with spiritual science.

[ 23 ] Betrachten wir gerade zum Schluß dasjenige, was sich uns als allgemeine Grundlage für die Schicksalsfrage der menschlichen Seele darstellt, im Zusammenhang mit gewissen naturwissenschaftlichen Gedanken der Gegenwart. Da wird mancher kommen und sagen: Diese Naturwissenschaft hat es endlich dazu gebracht, durch sorgfältige Forschung klarzulegen, wie gerade im physischen Vererbungszusammenhang Kräfte liegen, die uns formen, die an unserem Schicksal mitarbeiten. Und weit ist die Naturwissenschaft schon gekommen auf diesem Gebiet. Und da kommt nun solch ein Geistesforscher und sagt gegenüber dem, was der Naturforscher nachgewiesen hat als aus der physischen Vererbung stammend, es sei das innere Schicksal bedingt durch das, was in der rein geistigen Welt sich abspielt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Beide Dinge stehen aber völlig miteinander im Einklang; nur muß man sich klar sein darüber, daß man ausbilden muß zu demjenigen Denken, das ein bloß logisches Denken ist, das wirklichkeitsgemäße, auch das geistig-wirklichkeitsgemäße Denken. Auf dieses habe ich in meinem neuesten Buche «Vom Menschenrätsel» besonders hingewiesen, ich will es heute nur entwickeln mit Bezug auf diesen Gedanken. Logisches Denken ist meist damit zufrieden, daß Gedanken sich miteinander vertragen. Aber logisch miteinander verträgliche Gedanken können nur scheinbar miteinander verträglich sein. Wenn man außerhalb der Wirklichkeit steht und auf die bloße Logik sieht, kann es durchaus sein, daß der Schein trügt, daß die Logik einen Einklang vorzaubert, während die Wirklichkeit ihr widerstreitet. Schopenhauer spottet selber einmal darüber, wie Gedanken ganz miteinander übereinstimmen können, und doch die Wirklichkeit ihnen widerstreitet, indem er darauf hinweist, wie Franz I. von Frankreich denselben Gedanken zu haben behauptete wie Karl V. Er sagte: «Ich habe ja denselben Gedanken, ich will ganz dasselbe wie mein lieber Bruder Karl V.» Da beide dasselbe wollten, schienen ihre Gedanken gleich zu sein. Ob sie aber zusammenstimmten? Sie wollten nämlich beide Mailand erobern! Die Wirklichkeit rektifiziert den Gedanken. Das ist sehr auffallend, in die Augen springend. Aber wo man sonst in einer ähnlichen Weise am Schein des Einklanges hängt und nicht die Gedanken, sei es in die physische oder in die geistige Wirklichkeit, hinuntertauchen, da merkt man es oftmals nicht. Und so merkt man nicht, wie der Gedanke, den ich eben entwickelt habe über die Kräfte des inneren Schicksals, sehr wohl vereinbar ist mit dem Gedanken der physischen Vererbung. Da sehen wir, wie aber gerade dem richtigen Tatbestand gegenüber eigentlich das Weltanschauungsdenken recht unlogisch wird. Es ist ja sehr interessant, wenn man verfolgt, mit welcher wissenschaftlichen Klarheit der Vererbungsgedanke begründet worden ist, von dem Pflanzenreich angefangen, durch die Mendelschen Resultate, bis hinauf in die Familienforschung, wo gezeigt wird, daß sich in der Familie gewisse Kräfte und Fähigkeiten — nun, meinetwegen forterben. Ein solches Buch über Familienforschung und Vererbungslehre, wie das von Robert Sommer erschienene, ist ja außerordentlich interessant; noch interessanter ist das, was er 1908 hat folgen lassen über Goethe im Lichte der Vererbung. Denn man kann natürlich sehr schön darstellen, wie das, was bei Goethe hervortrat als diese oder jene Kraft seines Geistes, nach der einen Seite schon veranlagt war, die eine bei diesem Vorfahr, die andere bei einem anderen, die dritte bei einem dritten; und so sind sie alle zusammengeflossen in einem Nachkommen und sie zeigen sich zuletzt in ganz besonders genialer Ausbildung. Nun ja, das hat dazu geführt, daß die Vererbungslehre von Gregor Mendel, die auf wissenschaftlich richtigen Tatsachen beruht, die mit Bezug auf die Vererbung bei Pflanzen und Tieren außerordentlich tiefsinnig ist, daß man diese Idee der Vererbung einfach in das Geistige überträgt und sagt: Die besonderen Begabungen stehen immer am Ende einer Abstammungslinie, sind also von der Abstammungsströmung durch Vater und Mutter, durch Großvater und Großmutter hindurch vererbt. Ich habe schon öfter auch hier darauf aufmerksam gemacht, daß dieser Gedanke nicht sehr wirklichkeitsgemäß und logisch ist. Denn wollte man wirklich zeigen, daß die Eigenschaften von einem Menschen auf den Nachkommen übergehen, dann müßte man zeigen, daß der Vorfahr die betreffenden Eigenschaften hat, daß sich beim Nachkommen die Eigenschaften zeigen, die schon beim Vorfahren waren. Das ist aber nicht wunderbarer, der Gedanke ist nicht tiefer als der, daß ein Mensch, der ins Wasser gefallen ist, naß ist. Er ist durchgegangen in der physischen Vererbung durch die Vorfahrenströmung, also bringt er durch die Vererbung besondere Eigenschaften mit sich.

[ 23 ] Let us now, as a conclusion, consider what presents itself to us as the general foundation for the question of the human soul’s destiny, in connection with certain contemporary scientific ideas. Some will come and say: Modern science has finally succeeded, through careful research, in clarifying how forces exist—precisely within the context of physical heredity—that shape us and contribute to our destiny. And natural science has already come a long way in this field. And now a researcher in the spiritual sciences comes along and says, in contrast to what the natural scientist has demonstrated as stemming from physical heredity, that inner destiny is determined by what takes place in the purely spiritual world between death and a new birth. Both concepts, however, are entirely compatible with one another; one must simply be clear that we must develop—alongside mere logical thinking—a way of thinking that corresponds to reality, including spiritual reality. I have specifically pointed this out in my latest book, The Riddle of Man; today I wish only to elaborate on it in relation to this idea. Logical thinking is usually satisfied when thoughts are compatible with one another. But thoughts that are logically compatible may only appear to be so. If one stands outside of reality and looks at mere logic, it may well be that appearances are deceptive, that logic conjures up a harmony while reality contradicts it. Schopenhauer himself once mocked the idea that thoughts can be entirely in agreement with one another, yet be contradicted by reality, by pointing out how Francis I of France claimed to have the same idea as Charles V. He said: “I do indeed have the same idea; I want exactly the same thing as my dear brother Charles V.” Since both wanted the same thing, their thoughts seemed to be the same. But did they actually agree? For they both wanted to conquer Milan! Reality corrects thought. This is very striking, immediately obvious. But in other cases where one clings in a similar way to the appearance of harmony and does not delve deeper into reality—be it physical or mental—one often fails to notice it. And so one fails to notice how the idea I have just developed regarding the forces of inner destiny is very much compatible with the idea of physical heredity. Here we see how, precisely when confronted with the correct facts, worldview thinking actually becomes quite illogical. It is indeed very interesting to trace the scientific clarity with which the concept of heredity has been established—beginning with the plant kingdom, through Mendel’s findings, all the way to genealogical research, where it is shown that certain strengths and abilities are—well, let’s say—inherited within the family. A book on family research and the theory of heredity, such as the one published by Robert Sommer, is indeed extraordinarily interesting; even more interesting is what he followed up with in 1908 regarding Goethe in the light of heredity. For one can, of course, beautifully illustrate how what emerged in Goethe as this or that faculty of his mind was, on the one hand, already predisposed—one in this ancestor, another in a different one, a third in yet another; and thus they all converged in a single descendant and ultimately manifested themselves in a particularly brilliant form. Well, this has led to the theory of heredity developed by Gregor Mendel—which is based on scientifically accurate facts and is extraordinarily profound with regard to heredity in plants and animals—being simply transferred to the spiritual realm, so that one says: Special talents always appear at the end of a lineage; they are thus inherited through the lineage flowing from father to mother and from grandfather to grandmother. I have pointed out here on several occasions that this idea is not very realistic or logical. For if one truly wanted to demonstrate that a person’s characteristics are passed on to their descendants, one would have to show that the ancestor possesses the characteristics in question and that the characteristics already present in the ancestor manifest themselves in the descendant. But this is no more remarkable—the idea is no deeper—than the notion that a person who has fallen into water is wet. It has been passed down through physical heredity via the ancestral lineage; thus, through heredity, the individual brings specific characteristics with them.

[ 24 ] Aber es ist nicht zu leugnen, daß sich sehr früh in der Vorfahrenreihe die Veranlagung zeigt zu dem, was bei dem Nachkommen zuletzt herauskommt. Dieser Gedanke ist, äußerlich-physisch angeschaut, durchaus zu halten; aber für das schauende Bewußtsein zeigt sich das Folgende: So wie hier diesen physischen Menschenleib die Seele durchdringt, wie die Seele im physischen Menschenleibe wirkt und lebt, so ist auch all dasjenige, was in unserer Umgebung lebt, von Seelisch-Geistigem durchflossen und durchwoben. Alles, was im Physischen geschieht, ist durchdrungen von Seelischem, so wie mein Finger und mein Arm von Seelischem durchdrungen ist und nicht ein bloß Physisches ist. Überall ist Seelisches. Und so durchdrungen ist auch das Physische, das herunterströmt vielleicht von einem Menschen im 14. Jahrhundert durch einen Nachkommen im 15., 16. Jahrhundert bis hinein ins 20.: da leben sich die physischen Vorgänge fort; ihnen fließen parallel geistige Vorgänge. Die geistige Welt ist nicht etwa in einem Wolkenkuckucksheim abgesondert von der physischen Welt; sie durchdringt die physische Welt. Und da, wo die physischen Vererbungsvorgänge sich abwickeln durch die Jahrhunderte hindurch, da geschieht auch Geistiges. Da ist die geistige Welt. Und die Seele des Menschen, der in einem bestimmten Zeitpunkt geboren wird, sie ist lange schon mit den Vorgängen, die sich in der Vorfahrenreihe abspielen, verbunden. Grob gesprochen: Wird ein Mensch im 20. Jahrhundert geboren von einem Vater und einer Mutter, die wiederum abstammen von Eltern, die im 19. Jahrhundert geboren sind und so weiter herauf, so kommen wir durch Jahrhunderte hindurch; da geht die Vererbungsströmung, die schließlich zu dem Menschen, den wir im Auge haben, herunterströmt. Aber die Seele ist schon seit Jahrhunderten tätig in dem, was die Menschenpaare zusammenführt. Was geschieht zwischen den Menschen und sich dann ausprägt in der Vererbung, das wirkt, während hier die physische Vererbung vor sich geht, herein aus der geistigen Welt, so daß immer der richtige Vater zur richtigen Mutter geführt wird. Da wird vorbereitet das, wozu die Seele strebt, damit sie dann geboren werde in dem Nachkommen.

[ 24 ] But it cannot be denied that very early in the ancestral line, the predisposition to what ultimately manifests in the descendant becomes apparent. Viewed from an external, physical perspective, this idea is certainly valid; but to the perceiving consciousness, the following becomes evident: Just as the soul permeates this physical human body—just as the soul acts and lives within the physical human body—so, too, is everything that lives in our surroundings permeated and interwoven with the soul-spiritual. Everything that happens in the physical realm is permeated by the soul, just as my finger and my arm are permeated by the soul and are not merely physical. The soul is everywhere. And just as the physical realm is permeated—perhaps flowing down from a person in the 14th century through a descendant in the 15th and 16th centuries all the way into the 20th—so too do the physical processes continue; spiritual processes flow parallel to them. The spiritual world is not isolated from the physical world in some far-off fantasy realm; it permeates the physical world. And where physical processes of inheritance unfold through the centuries, spiritual processes also take place. There the spiritual world is. And the soul of a human being born at a specific point in time has long been connected to the processes unfolding in the line of ancestors. To put it simply: If a person is born in the 20th century to a father and mother who, in turn, are descended from parents born in the 19th century, and so on back through the centuries, the stream of heredity flows down through the centuries to the person we are considering. But the soul has been active for centuries in bringing couples together. What happens between people and then manifests in heredity—this influence, while physical heredity is taking place here, comes from the spiritual world, so that the right father is always led to the right mother. There, the conditions are prepared for what the soul strives toward, so that it may then be born into the offspring.

[ 25 ] Da haben Sie den Gedanken so gefaßt, daß alles zusammengefaßt ist. Alles geschieht in der physischen Vererbung, aber die Seele ist immer dabei; die Seele gesellt sich schon Jahrhunderte vorher in die Strömung von einem Menschenpaar zu Nachkommen und immer wieder Nachkommen. So bewirkt die Seele selbst dasjenige, was in der Vererbungsfolge das vorbereitet, was sie dann wird, und was endlich heute zum Ausdruck kommt. — Für die heutige Weltanschauung, für die heutige Vererbungstheorie, ist dieser Gedanke vielleicht noch grotesk. Er kann auch nur dadurch erlangt werden, daß man sich auf dem heute geschilderten Wege Vorstellungen über die geistige Welt bilder; aber er wird sich schon im Laufe der Zeit einleben.

[ 25 ] There you have expressed the idea in such a way that everything is summarized. Everything takes place through physical heredity, but the soul is always present; the soul joins the stream centuries in advance, flowing from one human couple to their descendants and, again and again, to their descendants. In this way, the soul itself brings about what, in the chain of heredity, prepares what it will eventually become and what finally finds expression today. — For today’s worldview, for today’s theory of heredity, this idea may still seem grotesque. It can only be grasped by forming conceptions of the spiritual world in the manner described today; but it will become established over time.

[ 26 ] Und jetzt will ich auch noch — wenn es auch wegen der Kürze der Zeit nur ganz kurz geschehen kann - in gewisser Weise schildern, was wir, grob gesprochen, nennen könnten die Technik des äußeren Schicksals, nachdem ich die Technik des inneren Schicksals im Zusammenhang mit der Vererbung besprochen habe. Dies, was unter Menschen sich abspielt im gewöhnlichen Leben, was ein Mensch dem anderen zufügt, was ein Mensch dem anderen sagt, was ein Mensch durch den anderen erlebt dadurch, daß Gefühle in ihm hervorgerufen werden durch die Worte und Taten des anderen, daß er selber zu diesen Worten und Taten veranlaßt wird, das alles ist nur die eine Seite dessen, was zwischen den Menschen geschieht. Und dasjenige, was im Bewußtsein lebt in dem Verhältnis der Menschen zu der übrigen Umgebung, ist auch nur eine Seite. In der menschlichen Seele lebt eigentlich mehr als das, dessen sie sich bewußt ist. Und so spielt sich auch unendlich viel mehr ab zwischen zwei Menschen, die im Leben zusammen sind, als das, was im Bewußtsein des einen oder des anderen Menschen sich abspielt. Und so zwischen allen Menschen, die sich begegnen. In den tiefen Untergründen des Bewußtseins spielt sich gar vieles ab. Das bleibt in diesen Untergründen, tritt auch manchmal herauf. Da ist ein abwechselndes Herauftreten und wiederum Zurückwogen, aber auch ein vollständiges Bleiben im Unterbewußten. Aber was in den Tiefen der Seele abläuft, was nicht im Bewußtsein erlebt wird, nur im Unterbewußten, es ist deshalb doch in der Seele und wirkt in der Seele. Um das Beispiel zu vereinfachen: Wir treten einem Menschen entgegen, wir erleben in bewußter Weise etwas mit ihm, aber gerade dadurch erleben wir auch noch etwas Tieferes, etwas Tieferes wird noch in der Seele angeregt. Es lebt bei uns weiter, lebt in ihm weiter. Das wirkt weiter und wird durchgetragen durch die Pforte des Todes, das wird innerhalb der geistigen Welt in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt weiter ausgebildet zur Vorbereitung für ein neues Erdenleben. Alles dasjenige, was also gerade in den Tiefen der Seele durchlebt wird, es wird so durch die Pforte des Todes getragen, daß ich diese Art etwa damit vergleichen kann, daß ich sage: Es gibt, wie Sie alle wissen, im äußeren physischen Dasein die Möglichkeit, einen Raum luftleer zu machen, wenn man Luft auspumpt aus einem Raum. Wenn man dann irgendwo öffnet, dann dringt die äußere Luft in diesen luftleeren Raum ein. Der Raum, der leer ist, der kann keine Kräfte entwickeln; aber gerade die Außenwelt dringt in ihn ein, das Äußere dringt in ihn ein. Wäre er voll, so würde das Äußere nicht eindringen können, aber das Äußere dringt gerade dadurch ein, daß es zuströmen muß durch seine Leere. Indem wir dasjenige, was in unserer Seele, also in dem Unterbewußten veranlagt wird im weiteren Umkreis des bewußten Seelenlebens, durch die Pforte des Todes tragen, daß es in unserer Seele oftmals als Glücksgefühl lebt, erzeugt es gewissermaßen einen leeren Raum in der Seele, vergleichsweise selbstverständlich gesprochen, das Physische ins Geistige umgesetzt; denn so stelltes sich dem schauenden Bewußtsein dar. Mit dieser Leerheit lebt der Mensch zwischen dem Tod und einer neuen Geburt und tritt wiederum damit durch die Geburt in ein neues Erdenleben. Und so trägt er in dieses neue Erdenleben als Folge der früheren Erdenleben einen leeren Raum - vergleichsweise gesprochen. Durch diesen seelisch leeren Raum zieht er die entsprechenden Verhältnisse der Außenwelt an sich heran. Dadurch kommen die Wesen und die Schläge des äußeren Schicksals heran; dadurch findet er ein Menschenwesen, das er in einem Leben kennenlernte, wieder, tritt wiederum mit ihm zusammen. Er zieht es dadurch heran, daß dasjenige, was seine Vollheit in der Seele war, Leerheit wurde, die saugend ist für gewisse Ereignisse. Und geradeso wie der luftleere Raum die Luft anzieht, so zieht eine durch gewisse Ereignisse erreichte Leerheit gewisse Erlebnisse wieder heran. Das ist, ich möchte sagen, grob ausgedrückt, die Technik, wie das eine Erdenleben in das andere hereinwirkt.

[ 26 ] And now I would also like—even if, due to time constraints, I can only do so very briefly—to describe, in a certain way, what we might broadly call the mechanism of external fate, having already discussed the mechanism of internal fate in connection with heredity. What takes place among people in everyday life—what one person inflicts upon another, what one person says to another, what one person experiences through another as feelings are aroused within them by the other’s words and deeds, and how they themselves are prompted to engage in these words and deeds—all of this is only one side of what happens between people. And what lives in consciousness in people’s relationship to the rest of their environment is also only one side. In the human soul, there is actually more than what it is conscious of. And so infinitely more takes place between two people who are together in life than what takes place in the consciousness of one or the other. And so it is between all people who encounter one another. A great deal takes place in the deep recesses of consciousness. It remains in these recesses, though it sometimes rises to the surface. There is an alternating process of surfacing and then receding again, but also a complete dwelling in the subconscious. But what takes place in the depths of the soul—what is not experienced in consciousness, but only in the subconscious—is nevertheless present in the soul and exerts an influence there. To simplify the example: We encounter another person; we consciously experience something with them, but precisely through this, we also experience something deeper; something deeper is stirred within the soul. It lives on within us, lives on within them. It continues to have an effect and is carried through the gate of death; within the spiritual world, in the life between death and a new birth, it is further developed in preparation for a new earthly life. Everything that is thus experienced in the depths of the soul is carried through the gateway of death in such a way that I can compare this process, for example, by saying: As you all know, in outer physical existence there is the possibility of making a room airless by pumping the air out of it. If one then opens a vent somewhere, the outside air flows into this vacuum. A space that is empty cannot generate any forces; but the outside world penetrates it—the external world flows into it. If it were full, the outside world could not penetrate it, but the outside world penetrates it precisely because it must flow in through its emptiness. By carrying through the gateway of death that which is imprinted in our soul—that is, in the subconscious—into the broader sphere of conscious soul life, so that it often lives on in our soul as a feeling of happiness, it creates, so to speak, an empty space in the soul—to put it in relatively simple terms, the physical transformed into the spiritual; for this is how it presents itself to the observing consciousness. With this emptiness, the human being lives between death and a new birth and, through birth, enters a new earthly life once again. And so, as a consequence of previous earthly lives, the human being carries into this new earthly life an empty space—to put it simply. Through this spiritual void, they draw the corresponding conditions of the external world toward themselves. Through this, the beings and the blows of external fate approach; through this, they encounter again a human being they came to know in a previous life and are reunited with them. They draw this person toward them because what was once fullness in their soul has become a void that acts as a magnet for certain events. And just as a vacuum attracts air, so does a void brought about by certain events draw certain experiences back to itself. That is, to put it roughly, the mechanism by which one earthly life influences the next.

[ 27 ] Ich habe mich bemüht, Ihnen heute vor die Seele zu führen eine Anzahl Beobachtungen und Ergebnisse der Geisteswissenschaft, die im allgemeinen zusammenhängen mit dem menschlichen Schicksal und seinen Rätseln. Dieses Allgemeine kann die Grundlage werden, um Beobachtungen anzustellen auch über einzelne Schicksalsfragen. In einer so schicksaltragenden Zeit muß auch dieses naheliegen. Daher werde ich im nächsten Vortrag gerade über einzelne solcher Schicksalsfragen sprechen, auf der Grundlage der allgemein-menschlichen Schicksale, die Bedeutung einzelner Schicksalsschläge, freudvoller, leidvoller Schicksalsschläge für das unmittelbare Leben, sein Glück, seinen ganzen Verlauf darzustellen versuchen.

[ 27 ] Today I have endeavored to present to you a number of observations and findings from spiritual science that are generally connected with human destiny and its mysteries. This general framework can serve as a foundation for making observations about individual questions of destiny as well. In such a fateful time, this, too, must be obvious. Therefore, in the next lecture, I will speak specifically about individual questions of destiny; based on the universal human experience of destiny, I will attempt to illustrate the significance of individual blows of fate—both joyful and painful—for one’s immediate life, one’s happiness, and the entire course of one’s life.

[ 28 ] Gerade an der Schicksalsfrage zeigt sich etwas, was ich noch erwähnen will, weil es sehr wichtig ist und verkannt wird auch von denjenigen, die wohlwollend der Geisteswissenschaft gegenüberstehen. Man glaubt sehr leicht, den Einwand machen zu können: Ja, was bedeutet denn diese Geisteswissenschaft für diejenigen, die nicht selber Geistesforscher werden können? — Das beantwortet sich am besten damit, daß für den Geistesforscher selber die Geistesforschung ein Schicksal ist. Sie ist für ihn das, was ich mehr oder weniger geschildert habe; aber was das Leben fordert, das wird das geistige Erlebnis erst dadurch, daß man all dasjenige, was der Geistesforscher findet, herüberbringt in die Gedankenwelt, die jetzt bloß befruchtet wird, nur nicht von der äußeren sinnlichen Wirklichkeit, sondern von der inneren geistigen Wirklichkeit. Und diese Gedankenwelt, die kann jeder Mensch dann aufnehmen, wenn er sich ihr nur vorurteilsfrei hingibt. Es ist wirklich nicht richtig, wenn gesagt wird, nur dem Geistesforscher liegen die Geheimnisse der geistigen Welt klar. Daß sie heute so wenigen Menschen klarliegen, das kommt daher, daß heute verhältnismäßig viele Menschen nur Empfänglichkeit haben für solche Gedanken, die aus dem äußeren Leben hergenommen sind. So glaubt man dem Chemiker, wenn man auch nicht seine Versuche kennt, durch die er gewisse Ergebnisse zustandebringt, so glaubt man den Astronomen, wenn man auch nicht alle intimen Beobachtungen kennt, die er machen muß. Man glaubt daran, weil man sich vorurteilslos den Gedanken hingibt, die in der Forscherstube, in der Klinik, im Laboratorium, auf der Sternwarte sich ergeben, und man wendet die forscherischen Ergebnisse im Leben an; das Leben wird von ihnen befruchtet. Man kann in die Gedanken hereinbekommen das, was der andere erforschen muß.

[ 28 ] It is precisely in the question of destiny that something becomes apparent which I would like to mention, because it is very important and is misunderstood even by those who are well-disposed toward spiritual science. It is very easy to think one can raise the objection: “Yes, but what does this spiritual science mean for those who cannot become spiritual researchers themselves?” — The best answer to this is that, for the spiritual researcher himself, spiritual research is a destiny. For him, it is what I have more or less described; but what life demands becomes a spiritual experience only when one brings all that the spiritual researcher discovers into the world of thought—a world that is now being enriched, not by external sensory reality, but by inner spiritual reality. And every human being can then take in this world of thought, provided they surrender to it without prejudice. It is truly not correct to say that the mysteries of the spiritual world are clear only to the spiritual researcher. The fact that they are clear to so few people today stems from the fact that, today, a relatively large number of people are receptive only to thoughts derived from external life. Thus, people believe the chemist even if they are not familiar with the experiments through which he arrives at certain results; likewise, they believe the astronomer even if they are not aware of all the detailed observations he must make. People believe in them because they open themselves without prejudice to the ideas that emerge in the researcher’s study, in the clinic, in the laboratory, and at the observatory, and they apply the findings of research to their lives; life is enriched by them. One can grasp in one’s thoughts what another must investigate.

[ 29 ] Heute ist die Zeit noch nicht da, aber sie liegt nicht allzu ferne, wo die Menschen ihre Gedanken hinlenken werden auf das, was gewissermaßen in dem geistigen Laboratorium des Geistesforschers vorgeht und zu Ergebnissen führt aus Beobachtungen heraus. Das hängt nur ab von einer gewissen Umänderung der Denkgewohnheiten. Die Menschen haben sich auch an die Kopernikanische Weltanschauung gewöhnen müssen, da werden sie sich auch gewöhnen an die Ergebnisse der Geistesforschung. Dann, wenn man die Gedanken hat, in die der Geistesforscher seine Ergebnisse prägt, dann genügen diese Gedanken, obwohl heute bis zu einem gewissen Grade jeder so weit Geistesforscher werden kann, daß er sich von der Wahrheit der geistigen Welt überzeugen kann, auch von einzelnen Tatsachen der geistigen Welt. Um aber eine vollgegründete Überzeugung haben zu können, braucht man nicht selber Geistesforscher zu sein, sondern nur unbefangen, vorurteilslos, nicht getrübt durch die materialistisch-naturwissenschaftlichen Begriffe der Gegenwart, dem gegenüberzutreten, was sich als Ideenwelt ausbreitet, die das Ergebnis dieser geisteswissenschaftlichen Beobachtungen des Geistesforschers ist. Und hat man das nur einmal wirklich gedacht, dann hat man in diesem Denken dasjenige, was aus der geistigen Welt zunächst für das Leben gebraucht wird. Was für das Leben im allgemeinen gebraucht wird, kann durch ein gedankliches Durchdringen der Geistesforschung erkannt werden. Damit die Geistesforschung fortschreiten kann, müssen gewisse Menschen selber Forscher werden, sich einlassen auf die geistige Welt und sich ihre Seele ausbilden durch jene Methoden, die so innere geistige sind, wie die Methoden des Chemikers, des Physiologen, des Biologen äußere sind. Und in der Zukunft werden Menschen - das ist nicht schwer zu erlangen für die gesunde Seele - sich das aneignen, was als ein gewisser Grundstock der Geisteswissenschaft gelten kann, und was dahin führt, daß man sich bestimmt davon überzeugen kann, daß die Ergebnisse der Geistesforschung der Wirklichkeit entsprechen. Das kann heute auf der gegenwärtigen Stufe der Menschheit durch Berücksichtigung dessen, was Sie in meinen Büchern dargelegt finden, erreicht werden. Aber immer wiederum muß betont werden, daß der Einwand nicht gelten kann: Ich sehe nicht hinein in die geistige Welt, daher hat das keinen Wert, was der Geistesforscher darstellt! — Bei vorurteilslosem Denken kann man finden: Wenn das in Gedanken gegossen wird, was der Geistesforscher gibt, kann in diesen Gedanken ein Lebensgut gewonnen werden, das, in die Seele gelegt, diese Seele wirklich so weiterführt, daß selbst solche Dinge allmählich verständlich werden, welche sonst selbst dem philosophischen Verständnis, wie wir gesehen haben, trotzen, wie die philosophisch so wenig bearbeitete Rätselfrage nach dem menschlichen Schicksal.

[ 29 ] The time has not yet come, but it is not too far off, when people will turn their thoughts to what, in a sense, takes place in the spiritual researcher’s “spiritual laboratory” and leads to findings based on observations. This depends only on a certain shift in thinking habits. Just as people had to get used to the Copernican worldview, so too will they get used to the findings of spiritual research. Once one has the kind of thoughts into which the spiritual researcher shapes his findings, those thoughts are sufficient—even though today, to a certain extent, anyone can become a spiritual researcher to the point of convincing themselves of the truth of the spiritual world, including individual facts about it. However, in order to have a fully grounded conviction, one need not be a spiritual researcher oneself, but only approach—with an open mind, without prejudice, and unclouded by the materialistic, scientific concepts of the present—what unfolds as a world of ideas, which is the result of the spiritual researcher’s observations. And once one has truly considered this even just once, one has, in this thinking, precisely what is needed from the spiritual world for life in the first place. What is needed for life in general can be recognized through an intellectual penetration of spiritual science. For spiritual science to progress, certain people must themselves become researchers, engage with the spiritual world, and develop their souls through methods that are as inwardly spiritual as the methods of the chemist, the physiologist, and the biologist are outward. And in the future, people—and this is not difficult for a healthy soul to achieve—will acquire what can be regarded as a certain foundation of spiritual science, leading to the certainty that the results of spiritual research correspond to reality. At the present stage of human development, this can be achieved by taking into account what you find set forth in my books. But it must be emphasized again and again that the objection cannot hold: “I cannot see into the spiritual world, so what the spiritual researcher presents has no value!” — With unbiased thinking, one can discover: If what the spiritual researcher offers is translated into thoughts, a source of life can be gained from these thoughts which, when placed within the soul, truly guides that soul in such a way that even those things gradually become understandable which, as we have seen, otherwise defy even philosophical understanding—such as the enigmatic question of human destiny, which has received so little attention in philosophy.

[ 30 ] Es zeigt sich nun auf einer viel höheren Stufe vor dem geistigen Anschauen, daß wirklich auch mit Bezug auf das Schicksal der Vergleich fortgesetzt werden kann, den ich vorgestern gebraucht habe: Wir haben das träumende Bewußtsein und können es mit dem gewöhnlichen Bewußtsein vergleichen. Im Traume erlebt der Mensch etwas, was einem Schicksal ähnlich sieht, in solchen Träumen, wie ich sie im Sinne Schopenhauers dargestellt habe. Der Mensch klärt sich auf über diesen Traum, wie er zusammenfließt in das Leben, das erlebt wird in der äußeren physisch-sinnlichen Welt, wenn er aufwacht aus dem Traumbewußtsein in das gewöhnliche Bewußtsein. - Wacht der Mensch aber auf aus dem gewöhnlichen physischen Bewußtsein in das schauende Bewußtsein, dann hellt sich auf, was unser Leben durchfließt, tragisch oder freudig, erhebend oder niederschlagend, leidvoll oder freudvoll. Das, was so unser Leben durchfließt, das klärt sich auf, das gewinnt solchen Zusammenhang, wie der Traum gewinnt, wenn wir aufwachen und uns eingliedern in die physische Wirklichkeit. So wie das scheinbare Zusammenhängen des Traumes der physischen Wirklichkeit weicht beim gewöhnlichen Aufwachen, so weicht dasjenige, was wie der Schicksalstraum, der freudvoll oder leidvoll, schicksaltragend das menschliche Leben durchsetzt, das klärt sich auf in einer höheren, im Geistigen waltenden Wirklichkeit, wo der Mensch nun als geistiger Mensch wacht und lebt; das klärt sich auf in der geistigen Welt. Wir erleben unser Schicksal, weil es der Spiegel ist, den wir erleben müssen, während wir in der geistigen Welt als Geistesmensch unser Leben durchmachen durch viele Stufen hindurch, und weil wir durch dasjenige, was wir im Schicksal erleben, von Lebensstufe zu Lebensstufe eilen. Denn schließlich ist doch für eine tiefere Auffassung alles Leben, im Leibe, im Geiste, durch viele geistige und physische Leben, alles Leben ist in Vervollkommnung. Es strebt nicht nur der Mensch, solange er lebt, es strebt ein jedes Wesen; die ganze Welt strebt, das ganze Universum strebt von Vollkommenheitsstufe zu Vollkommenheitsstufe. Und ein tiefes Gefühl von dem Ziel des Lebens und Werdens enthüllt sich einem erst, wenn der Mensch aufwacht aus seinem Leben in der physischen Welt, der stofflichen Vorgänge, zu einem Leben im Geiste, einem geistigen Leben auf der Erde, wo sich gegenüber dem Abbild der Vollkommenheit hier im Physischen das Urbild aller Vervollkommnung im Geistigen zeigt.

[ 30 ] It now becomes apparent, at a much higher level of spiritual contemplation, that the comparison I used the day before yesterday can indeed be extended to the realm of fate: We have the dreaming consciousness and can compare it to ordinary consciousness. In a dream, a person experiences something that resembles a destiny, in the kind of dreams I have described in the spirit of Schopenhauer. The person gains clarity about this dream—how it flows together with the life experienced in the outer physical-sensory world—when they awaken from dream consciousness into ordinary consciousness. - But when a person awakens from ordinary physical consciousness into contemplative consciousness, then what flows through our life—whether tragic or joyful, uplifting or depressing, painful or joyful—becomes clear. That which thus flows through our lives becomes clarified; it gains a coherence similar to that which a dream gains when we awaken and reintegrate into physical reality. Just as the apparent coherence of a dream gives way to physical reality upon ordinary awakening, so too does that which, like a dream of destiny—whether joyful or painful, bearing the weight of fate—pervades human life; it becomes clear within a higher reality that reigns in the spiritual realm, where the human being now awakens and lives as a spiritual being; this is clarified in the spiritual world. We experience our destiny because it is the mirror we must experience as we pass through our lives in the spiritual world as spiritual beings, progressing through many stages, and because, through what we experience in our destiny, we hasten from one stage of life to the next. For ultimately, from a deeper perspective, all life—in the body, in the spirit, through many spiritual and physical lives—all life is a process of perfection. It is not only the human being who strives while he lives; every being strives; the whole world strives, the entire universe strives from one stage of perfection to the next. And a deep sense of the goal of life and becoming is revealed to one only when a person awakens from his life in the physical world—the world of material processes—to a life in the spirit, a spiritual life on Earth, where, in contrast to the image of perfection here in the physical realm, the archetype of all perfection in the spiritual realm is revealed.