Mind and Matter
Life and Death
GA 66
17 March 1917, Berlin
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Mind and Matter. Life and Death, tr. SOL
5. Seelenrätsel und Welträtsel: Forschung und Anschauung im Deutschen Geistesleben
5. Mysteries of the Soul and Mysteries of the World: Research and Contemplation in German Spiritual Life
[ 1 ] Im letzten Vortrag versuchte ich zu zeigen, wie es Mißverständnissen zuzuschreiben ist, wenn sich in der gegenwärtigen Geisteskultur so wenig verstehen diejenigen, welche ihre Forschung, ihre Aufmerksamkeit auf das Seelische und seine Vorgänge richten, und jene, die ihre Aufmerksamkeit richten auf die materiellen Vorgänge im menschlichen Organismus, welche ablaufen - nun, wie man es nennen will — als Begleiterscheinungen oder auch, wie der Materialismus meint, als notwendige Ursachen für das seelische Geschehen. Und ich versuchte zu zeigen, welches die Gründe für solches Mißverstehen sind. Heute möchte ich vor allen Dingen darauf aufmerksam machen, daß überall, wo wirkliche, wahre Erkenntnis gesucht wird, ganz notwendigerweise solche Mißverständnisse, und auch Mißverständnisse nach anderer Richtung, sich ergeben müssen, wenn man eines nicht berücksichtigt im Erkenntnisvorgange selbst, was sich bei intimerer, namentlich bei längerer Forschung dem Geistesforscher immer mehr und mehr wie ein unmittelbares Erlebnis, wie eine innere Erfahrung aufdrängt. Es ist dies etwas, was zunächst sehr merkwürdig erscheint, wenn es ausgesprochen wird: Auf den Weltanschauungsgebieten, das heißt auf den Gebieten der Erkenntnis des Geistig-Wirklichen oder überhaupt der Erkenntnis der Quellen des Daseins, muß, wenn man sich, ich möchte sagen, zu sehr verstrickt in gewisse Vorstellungen, in gewisse Begriffe, notwendigerweise eine solche Anschauungsweise der menschlichen Seele eintreten, die unbedingt widerlegt werden kann, und ebensogut natürlich bewiesen werden kann.
[ 1 ] In my last lecture, I attempted to show how misunderstandings are to blame for the fact that, in today’s intellectual culture, there is so little mutual understanding between those who direct their research and attention toward the soul and its processes, and those who direct their attention to the material processes in the human organism—which occur, well, however one wishes to call them, as accompanying phenomena or, as materialism maintains, as necessary causes of psychological events. And I tried to show what the reasons for such misunderstandings are. Today I would like, above all, to draw attention to the fact that wherever genuine, true knowledge is sought, such misunderstandings—and also misunderstandings in other directions—are bound to arise if one fails to take into account, in the very process of cognition itself, something that, with more intimate and, in particular, prolonged research, imposes itself upon the spiritual researcher more and more as a direct experience, as an inner experience. This is something that at first seems very strange when it is stated: In the realms of worldview—that is, in the realms of knowledge of the spiritual-real or, more generally, of the sources of existence—if one becomes, I might say, too entangled in certain ideas or concepts, a certain perspective on the human soul will inevitably arise that can be absolutely refuted and just as easily proven to be true.
[ 2 ] Daher wird der Geistesforscher immer mehr und mehr abkommen von dem, was sonst in Weltanschauungsfragen Gepflogenheit ist, nämlich das oder jenes zur Bekräftigung der einen oder anderen Anschauung vorzubringen, was ähnlich wäre dem, was man im gewöhnlichen Leben einen Beweis oder auch eine Widerlegung nennt. Denn auf diesem Gebiete ist, wie gesagt, alles mit gewissen Gründen zu beweisen, alles mit gewissen Gründen zu widerlegen. Der Materialismus kann durchaus streng bewiesen werden in seiner Ganzheit, und er kann streng bewiesen werden, wenn er sich auf einzelne Fragen des Lebens oder des Daseins einläßt. Und man wird dasjenige, was ein Materialist zur Bekräftigung seiner Anschauungen anführen kann, bei ihm nicht ohne weiteres aus dem Feld schlagen können, wenn man von entgegengesetzten Gesichtspunkten aus seine Anschauung einfach widerlegen will. Ebenso ist es bei demjenigen, der ein geistiges Dasein vertritt. Daher muß, wer wirklich auf geistigen Gebieten forschen will, für irgendeine solche Weltanschauungsfrage nicht nur dasjenige kennen, was für eine Sache spricht, sondern er muß auch all dasjenige kennen, was gegen eine Sache spricht. Denn das merkwürdige Resultat stellt sich heraus, daß die eigentliche Wahrheit erst auftaucht, wenn man auf die Seele wirken läßt das, was für eine Sache spricht, und das, was gegen eine Sache spricht. Und wer seinen Geist, ich möchte sagen, so fest hinstarren läßt auf irgendein Begriffs- oder Vorstellungsgewebe einer einseitigen Weltanschauung, der wird sich immer der Tatsache verschließen, daß auch das Gegenteil in der Seele sich geltend machen kann, das Gegenteil sogar bis zu einem gewissen Grade richtig erscheinen muß. Und er wird daher in einer Lage sein, wie etwa jemand, der behaupten wollte, das menschliche Leben könnte nur durch die Einatmung erhalten werden. Einatmung setzt Ausatmung voraus, beide gehören zusammen. So aber verhalten sich immer unsere Begriffe, unsere Vorstellungen, die sich auf Weltanschauungsfragen beziehen. Wir können für irgend etwas einen Begriff, der die Sache bejaht, vorbringen, wir können einen Begriff vorbringen, der die Sache verneint; das eine fordert das andere, wie die Einatmung die Ausatmung, und umgekehrt. Und so wie das wirkliche Leben nur erscheinen kann, nur sich offenbaren kann durch Ausatmen und Einatmen, wenn also beides vorhanden ist, so kann das, was das Geistige ist, in der Seele nur aufleben, wenn man in der Lage ist, in ebenso positiver Weise auf das Für wie auf das Gegen einer Sache einzugehen. Der bejahende Begriff, die bejahende Vorstellung, ist innerhalb des lebendigen Ganzen der Seele gewissermaßen wie ein Ausatmen, der verneinende Begriff wie eine Einatmung; und in ihrem lebendigen Zusammenwirken enthüllt sich erst dasjenige, was sich auf die geistige Wirklichkeit bezieht. Daher wird es der Geisteswissenschaft gar nicht liegen, die gewöhnlichen Methoden anzuwenden, die man so gewohnt ist aus der alltäglichen Literatur, wo dieses oder jenes bewiesen oder widerlegt wird. Der Geisteswissenschaftler sieht nämlich ein, daß das, was in positiver Weise vorgebracht wird, immer eine gewisse Berechtigung haben kann, wenn es sich auf Weltanschauungsfragen bezieht, ebenso aber auch die entgegengesetzte Erscheinung. Wenn man nun aber vorschreitet in Weltanschauungsfragen zu jenem unmittelbaren Leben, das in positiven und negativen Begriffen lebt, so wie das körperliche Leben in Ausatmung und Einatmung lebt, dann kommt man zu wirklich den Geist unmittelbar in sich aufnehmenden Begriffen, zu Begriffen, welche der Wirklichkeit gewachsen sind. Man muß sich dann allerdings öfters anders aussprechen, als man sich ausspricht nach den Denkgewohnheiten des gewöhnlichen Lebens. Aber die Art und Weise, wie man sich ausspricht, ergibt sich aus dem lebendig tätigen inneren Erleben des Geistes. Und der Geist kann nur innerlich erlebt, nicht nach Art des materiellen Daseins äußerlich wahrgenommen werden.
[ 2 ] Therefore, the spiritual researcher will increasingly depart from what is otherwise customary in matters of worldview—namely, presenting this or that to support one view or another, which would be similar to what is called “proof” or “refutation” in everyday life. For in this field, as has been said, everything must be proven with certain reasons, and everything must be refuted with certain reasons. Materialism can certainly be rigorously proven in its entirety, and it can be rigorously proven when it addresses individual questions of life or existence. And one will not be able to simply dismiss what a materialist can cite to support his views if one merely seeks to refute his view from opposing perspectives. The same applies to one who advocates a spiritual existence. Therefore, anyone who truly wishes to conduct research in spiritual realms must, with regard to any such worldview question, not only know what speaks in favor of a position, but must also know everything that speaks against it. For the remarkable result is that the actual truth only emerges when one allows both what speaks in favor of a position and what speaks against it to take effect upon the soul. And anyone who allows their mind—I might say—to fixate so firmly on any conceptual or imaginative framework of a one-sided worldview will always remain oblivious to the fact that the opposite can also assert itself in the soul, and that the opposite must even appear correct to a certain degree. And they will therefore find themselves in a situation similar to that of someone who might claim that human life can be sustained only through inhalation. Inhalation presupposes exhalation; the two belong together. But this is always the relationship between our concepts and our ideas concerning questions of worldview. We can put forward a concept that affirms a thing, and we can put forward a concept that denies it; one demands the other, just as inhalation demands exhalation, and vice versa. And just as real life can only appear, can only reveal itself, through exhalation and inhalation—that is, when both are present—so, too, can that which is spiritual come to life in the soul only when one is able to engage with both the “for” and the “against” of a matter in an equally positive way. The affirmative concept, the affirmative idea, is, within the living whole of the soul, in a sense like an exhalation, while the negative concept is like an inhalation; and it is only through their living interaction that that which relates to spiritual reality is revealed. For this reason, it is not at all the nature of spiritual science to apply the ordinary methods one is so accustomed to seeing in everyday literature, where this or that is proven or refuted. The spiritual scientist recognizes, in fact, that what is presented in a positive manner can always have a certain validity when it relates to questions of worldview, just as the opposite phenomenon can as well. But when one proceeds in questions of worldview to that immediate life that exists in positive and negative concepts—just as physical life exists in exhalation and inhalation—one arrives at concepts that truly take the spirit directly within themselves, at concepts that are equal to reality. One must then, admittedly, often express oneself differently than one does according to the habits of thought in ordinary life. But the way in which one expresses oneself arises from the living, active inner experience of the spirit. And the spirit can only be experienced inwardly; it cannot be perceived externally in the manner of material existence.
[ 3 ] Nun wissen Sie ja, daß eine der hauptsächlichsten Weltanschauungsfragen diejenige ist, welche auch behandelt worden ist in den ersten Vorträgen, die ich in diesem Winter hier gehalten habe, die Frage nach dem Stoff, nach der Materie. Und ich will von dem eben angedeuteten Gesichtspunkte aus diese Frage heute kurz einleitungsweise berühren.
[ 3 ] As you know, one of the most fundamental questions of worldview is the one that was also addressed in the first lectures I gave here this winter—the question of substance, of matter. And today, from the perspective I have just outlined, I would like to briefly touch on this question by way of introduction.
[ 4 ] Mit der Frage nach dem Stoff oder der Materie kann man nicht zurechtkommen, wenn man versucht, immer wieder und wiederum sich Vorstellungen oder Begriffe zu bilden, was denn Materie eigentlich sei; wenn man verstehen will - mit anderen Worten -, was denn Materie, was Stoff sei. Wer mit solchen für viele Menschen abgelegenen Rätselfragen wirklich seelisch gerungen hat, der weiß, was es mit solchen Fragen auf sich hat. Denn wenn er eine Zeitlang gerungen hat, ohne sich irgendeinem Vorurteil hinzugeben, dann kommt er zu einem ganz anderen Gesichtspunkt gegenüber einer solchen Frage. Er kommt zu einem Gesichtspunkt, der ihm wichtiger erscheinen läßt die Art, wie man sich überhaupt in der Seele verhält, wenn man sich einen solchen Begriff wie den Begriff der Materie bildet. Dieses Ringen der Seele selber, das wird ins Bewußtsein heraufgehoben. Und dann kommt man zu einer Anschauung gerade über diese Rätselfragen, welche ich etwa in folgender Weise aussprechen könnte.
[ 4 ] One cannot come to terms with the question of substance or matter by repeatedly trying to form ideas or concepts about what matter actually is; in other words, by trying to understand what matter—or substance—is. Anyone who has truly wrestled inwardly with such enigmatic questions—which many people find remote—knows what these questions are really about. For if one has wrestled with them for a time without succumbing to any preconceptions, one arrives at an entirely different perspective on such a question. They arrive at a perspective that makes them see as more important the very way one behaves within one’s soul when forming a concept such as that of matter. This inner struggle of the soul itself is brought to the surface of consciousness. And then one arrives at a view concerning precisely these enigmatic questions, which I might express something like this:
[ 5 ] Derjenige, der die Materie, den Stoff, so verstehen will, wie man das gewöhnlich auffaßt, der gleicht einem Menschen, welcher sagt: Ich will jetzt den Eindruck bekommen von der Dunkelheit, von einem dunklen Zimmer. Was tut er? Er zündet ein Licht an und betrachtet das als die richtige Methode, den Eindruck vom dunklen Zimmer zu bekommen. Nicht wahr, es wird das Verkehrteste sein, was man tun kann. Ebenso ist es das Verkehrteste, was man tun kann - nur muß man das durch das gekennzeichnete Ringen gewahr werden —, wenn man sich dem Glauben hingibt, daß man jemals Materie erkennen wird, wenn man den Geist in Bewegung setzt, um gewissermaßen mit dem Geist die Materie, den Stoff zu beleuchten. Einzig und allein da, wo der Geist in unserem Leibe selber schweigen kann, bei der Sinnesempfindung, wo das Vorstellungsleben aufhört, da geschieht es, daß ein äußerer Vorgang in unser Inneres dringt. Da können wir - indem wir den Geist eben schweigen lassen und dieses Schweigen des Geistes erleben — Materie, Stoff, wirklich in unsere Seele gewissermaßen hereinrepräsentiert haben.
[ 5 ] Anyone who wants to understand matter—substance—in the way it is usually understood is like a person who says: “I now want to get a sense of darkness, of a dark room.” What does he do? He lights a lamp and considers that the correct method for getting a sense of the dark room. Isn’t that the most absurd thing one could do? Similarly, it is the most absurd thing one could do—though one must realize this through the struggle described above—to succumb to the belief that one will ever come to know matter by setting the spirit in motion to, so to speak, illuminate matter with the spirit. Only and exclusively where the spirit within our body itself can be silent—in sensory perception, where the life of the imagination ceases—does an external process penetrate into our inner being. There, by allowing the spirit to be silent and experiencing this silence of the spirit, we can truly have matter, substance, represented within our soul, as it were.
[ 6 ] Zu solchen Begriffen kommt man nicht durch die gewöhnliche Logik; oder kommt man durch die gewöhnliche Logik dazu, dann stellen sie sich, ich möchte sagen, als viel zu dünn heraus, um wirkliche Überzeugung hervorzurufen. Erst wenn man in der angedeuteten Weise ringt in seiner Seele mit gewissen Begriffen, dann führen sie einen zu einem solchen Ergebnis, wie ich es angedeutet habe.
[ 6 ] One does not arrive at such concepts through ordinary logic; or, if one does arrive at them through ordinary logic, they turn out, I would say, to be far too flimsy to inspire genuine conviction. Only when one wrestles with certain concepts in one’s soul in the manner I have indicated do they lead one to a conclusion such as the one I have suggested.
[ 7 ] Nun ist auch das Umgekehrte der Fall. Nehmen wir an, es will jemand den Geist begreifen. Wenn er ihn sucht zum Beispiel in der rein äußeren materiellen Gestaltung des Menschenleibes, so gleicht er demjenigen, der, um das Licht zu begreifen, es auslöscht. Denn das ist das Geheimnis der Sache, daß die äußere sinnliche Natur selber die Widerlegung des Geistes, die Auslöscherin des Geistes ist. Sie bildet den Geist nach, ebenso wie die beleuchteten Gegenstände das Licht zurückwerfen. Aber nirgends können wiir, wenn wir den Geist nicht in lebendiger Tätigkeit erfassen, ihn jemals aus irgendwelchen materiellen Vorgängen finden. Denn das ist gerade das Wesen der materiellen Vorgänge, daß sich der Geist in sie verwandelt hat, daß sich der Geist in sie umgesetzt hat. Und versuchen wir dann, den Geist aus ihnen zu erkennen, dann mißverstehen wir uns selber.
[ 7 ] Now, the reverse is also true. Let us suppose that someone wants to understand the spirit. If they seek it, for example, in the purely external, material form of the human body, they are like someone who, in order to understand light, extinguishes it. For that is the mystery of the matter: that external, sensory nature itself is the refutation of the spirit, the extinguisher of the spirit. It mimics the spirit, just as illuminated objects reflect light. But nowhere can we ever find the spirit in any material processes unless we grasp it in living activity. For that is precisely the essence of material processes: that the spirit has been transformed into them, that the spirit has been converted into them. And if we then try to recognize the spirit from them, we misunderstand ourselves.
[ 8 ] Ich wollte dies einleitungsweise vorausschicken, damit immer mehr und mehr Klarheit darüber kommen kann, was eigentlich die Erkenntnisgesinnung des Geistesforschers ist, und wie der Geistesforscher eine gewisse Weite und Beweglichkeit des Vorstellungslebens braucht, um in die Dinge, in die einzudringen ist, eben einzudringen. Mit solchen Begriffen ist es dann möglich, die wichtigen Fragen zu beleuchten, die ich auch das letztemal hier berührt habe, und die ich, um zu unseren heutigen Betrachtungen überzugehen, nur kurz andeute.
[ 8 ] I wanted to preface this so that there can be ever greater clarity regarding what the spiritual researcher’s attitude toward knowledge actually is, and how the spiritual researcher needs a certain breadth and flexibility in their imaginative life in order to truly penetrate the things into which they must penetrate. With such concepts, it is then possible to shed light on the important questions that I touched upon here last time, and which I will only briefly allude to in order to move on to our reflections today.
[ 9 ] Ich habe gesagt: So wie sich einmal die Dinge entwickelt haben in der neueren Geistesbildung, ist man immer mehr zu einer einseitigen Anschauung gekommen über die Beziehungen des Seelisch-Geistigen zu dem Leiblich-Physischen, die sich dadurch ausdrückt, daß man heute das Seelisch-Geistige eigentlich nur sucht innerhalb jenes Teiles der menschlichen Leiblichkeit, der im Nervensystem beziehungsweise im Gehirn liegt. Man teilt gewissermaßen das Seelisch-Geistige dem Gehirn und Nervensystem allein zu, und man betrachtet mehr oder weniger den übrigen Organismus, wenn man vom Seelisch-Geistigen spricht, nur wie eine Art von Beigabe zum Gehirn und Nervensystem. Nun habe ich versucht, die Ergebnisse der Geistesforschung auf diesem Gebiete klarzulegen, indem ich darauf hingewiesen habe, daß man zu einer wahren Anschauung über das Verhältnis von Menschenseele und Menschenleib nur kommt, wenn man die ganze menschliche Seele in Beziehung zu der ganzen Leiblichkeit setzt. Dann aber zeigt es sich, daß es wohl einen tieferen Hintergrund hat, das Ganze der menschlichen Seele zu gliedern in das eigentliche Vorstellungsleben, in das Gefühlsleben und das Willensleben. Denn nur das eigentliche Vorstellungsleben der Seele ist in der Weise an den Nervenorganismus gebunden, wie es die neuere physiologische Psychologie annimmt. Dagegen ist das Gefühlsleben — wohlgemerkt: nicht insofern es vorgestellt wird, sondern insofern es entsteht — in einer solchen Beziehung zu dem Atmungsorganismus des Menschen, zu alle dem, was Atmung ist und mit der Atmung zusammenhängt, wie das Vorstellungsleben zum Nervensystem. So daß wir zuteilen müssen das Gefühlsleben der Seele dem Atmungsorganismus. Dann weiter: dasjenige, was wir Willensleben nennen, ist in einer gleichen Beziehung zu dem, was wir physisch im Leibe den Stoffwechsel nennen müssen; natürlich bis in seine feinsten Verzweigungen hinein. Und indem man berücksichtigt, daß ja im Organismus die einzelnen Systeme ineinandergreifen — der Stoffwechsel geht natürlich auch in den Nerven vor -, dadurch dringen, ich möchte sagen, an diesen äußersten Enden die Dinge ineinander. Es bleibt aber doch ein richtiges Verständnis nur möglich, wenn man die Dinge so ansieht, wenn man weiß, daß die Willensimpulse ebenso zuzuteilen sind den Stoffwechselvorgängen, wie die Vorstellungserlebnisse den Vorgängen im menschlichen Nervensystem beziehungsweise im Gehirn.
[ 9 ] I have said: As things have developed in recent intellectual thought, a one-sided view has increasingly emerged regarding the relationship between the soul-spiritual and the physical-bodily, a view expressed by the fact that today people actually seek the soul-spiritual only within that part of the human body which lies in the nervous system or, more specifically, in the brain. In a sense, the soul-spiritual is attributed solely to the brain and nervous system, and when speaking of the soul-spiritual, the rest of the organism is regarded, more or less, merely as a kind of appendix to the brain and nervous system. Now I have attempted to clarify the findings of spiritual research in this area by pointing out that a true understanding of the relationship between the human soul and the human body can only be attained by placing the entire human soul in relation to the entirety of physicality. But then it becomes apparent that there is indeed a deeper reason for dividing the totality of the human soul into the actual life of imagination, the life of feeling, and the life of will. For only the actual life of imagination in the soul is connected to the nervous system in the way that modern physiological psychology assumes. In contrast, the life of feeling—mind you: not insofar as it is represented, but insofar as it arises—is related to the human respiratory system, to all that constitutes respiration and is connected with it, in the same way that the life of imagination is related to the nervous system. Thus we must assign the life of feeling to the respiratory system. Furthermore: what we call the life of the will stands in the same relationship to what we must physically call metabolism in the body—naturally down to its finest ramifications. And since the individual systems in the organism are interlinked—metabolism naturally also takes place in the nervous system—things, I might say, interpenetrate one another at these outermost ends. However, a true understanding remains possible only if one views things in this way, if one knows that the impulses of the will are to be attributed to metabolic processes just as much as the experiences of imagination are to the processes in the human nervous system or, respectively, in the brain.
[ 10 ] Solche Dinge können selbstverständlich zunächst nur angedeutet werden. Und auch schon aus dem Grunde, weil sie nur angedeutet werden können, sind Einwände über Einwände möglich. Aber ich weiß es ganz bestimmt: Wenn nicht mit Berücksichtigung bloßer Teile von Tatsachen der heutigen naturwissenschaftlichen Forschung, sondern mit dem ganzen Umfang der anatomisch-physiologischen Forschung an das eben Auseinandergesetzte wirklich herangegangen wird, das heißt wenn man an alles denkt, was anatomisch-physiologische Forschung ist, dann wird sich ein vollständiger Einklang zwischen den von mir gemachten geisteswissenschaftlichen Behauptungen und den naturwissenschaftlichen Behauptungen ergeben. Oberflächlich angesehen — lassen Sie mich den Einwand nur als besonders Charakteristisches vorbringen — lassen sich natürlich Einwände über Einwände gegen eine so umfassende Wahrheit machen. Es könnte jemand sagen: Nun wollen wir uns zunächst darin einigen, daß gewisse Gefühle mit dem Atmungsorganismus zusammenhängen; denn daß dies für gewisse Gefühle sehr einleuchtend gezeigt werden kann, daran kann eigentlich niemand zweifeln. Aber es könnte jemand sagen: Ja, wie verhältst du dich denn dann dazu, daß wir zum Beispiel Melodien wahrnehmen, daß Melodien in unserem Bewußtsein auftreten; an Melodien knüpft sich das Gefühl des ästhetischen Wohlgefallens an. Kann man da sprechen von irgendeiner Beziehung des Atmungsorganismus zu dem, was ja ganz offenbar im Haupte entsteht, was so ganz offenbar nach physiologischen Ergebnissen zusammenhängt mit dem Nervenorganismus?-Sobald man die Sache richtig betrachtet, stellt sich auch sogleich mit vollständiger Klarheit das Richtige meiner Behauptung heraus. Nämlich, man muß dann in Erwägung ziehen, daß mit jeder Ausatmung ein wichtiger Vorgang im Gehirn parallel geht: daß das Gehirn bei der Ausatmung, wenn es nicht von der Schädeldecke niedergehalten würde, steigen würde — die Atmung pflanzt sich ins Gehirn hinein fort — und umgekehrt; bei der Einatmung sinkt das Gehirn. Und da es nicht steigen und sinken kann, weil die Schädeldecke da ist, so tritt das ein, was der Physiologie ganz bekannt ist: es tritt der Wechsel in der Blutströmung ein, es findet das statt, was die Physiologie als Gehirn-Atmung kennt, das heißt gewisse Vorgänge, die in der Nervenumgebung parallel vorgehen dem Atmungsprozeß. Und in dieser Begegnung des Atmungsprozesses mit dem, was durch unser Ohr in uns als Töne lebt, spielt sich das ab, was eben darauf hinweist, daß das Fühlen auch auf diesem Gebiet so zusammenhängt mit dem Atmungsorganismus, wie das bloße Vorstellungsleben mit dem Nervenorganismus.
[ 10 ] Of course, such things can initially only be hinted at. And precisely because they can only be hinted at, there is room for objection upon objection. But I know this for certain: If one approaches what has just been discussed not by considering mere fragments of facts from contemporary scientific research, but by taking into account the full scope of anatomical and physiological research—that is, if one considers everything that constitutes anatomical and physiological research—then a complete harmony will emerge between the claims I have made in the humanities and the claims of the natural sciences. Viewed superficially—let me raise this objection merely as a particularly characteristic example—one can, of course, raise objection after objection against such a comprehensive truth. Someone might say: Well, let us first agree that certain feelings are connected to the respiratory system; for no one can really doubt that this can be demonstrated very convincingly for certain feelings. But someone might say: Yes, but how do you account for the fact that we perceive melodies, for example, that melodies arise in our consciousness; the feeling of aesthetic pleasure is associated with melodies. Can one speak here of any relationship between the respiratory system and what quite obviously arises in the head—something that, according to physiological findings, is so clearly connected to the nervous system?—As soon as one considers the matter correctly, the truth of my assertion immediately becomes completely clear. Namely, one must then take into account that with every exhalation an important process occurs in the brain in parallel: that during exhalation, if the brain were not held down by the skull, it would rise—breathing extends into the brain—and conversely, during inhalation, the brain sinks. And since it cannot rise and sink because of the skull, what occurs is well known to physiology: a change in blood flow takes place; what physiology refers to as “brain respiration” occurs—that is, certain processes that take place in the nervous system in parallel with the respiratory process. And in this encounter between the respiratory process and what lives within us as sounds through our ears, what unfolds is precisely what indicates that feeling, in this realm as well, is connected to the respiratory organism just as the mere life of the imagination is connected to the nervous organism.
[ 11 ] Ich will dieses andeuten, weil es etwas besonders Fernliegendes ist und deshalb einen naheliegenden Einwand abgibt. Könnte man sich mit jemand verständigen über alle Einzelheiten der physiologischen Ergebnisse, so würden keine solchen Einzelheiten dem widersprechen, was das letztemal hier vorgebracht wurde und heute wieder vorgebracht worden ist.
[ 11 ] I want to point this out because it is something particularly far-fetched and therefore lends itself to an obvious objection. If one could reach an understanding with someone regarding all the details of the physiological findings, none of those details would contradict what was presented here last time and has been presented again today.
[ 12 ] Nun soll es meine Aufgabe sein, wiederum in einer ähnlichen Weise wie im letzten Vortrag unsere Betrachtung weiter auszubauen. Und da muß ich ein wenig näher eingehen auf die Art und Weise, wie der Mensch das sinnliche Wahrnehmungsleben entfaltet, um zu zeigen, welches eigentlich das Verhältnis ist zwischen dem sinnlichen Wahrnehmungsvermögen, das zu Vorstellungen führt, und dem Gefühls- und Willensleben, überhaupt dem Leben des Menschen als Seele, als Leib und als Geist.
[ 12 ] Now it is my task to further expand our discussion, again in a manner similar to that of the last lecture. And in doing so, I must go into a little more detail regarding the way in which human beings develop their life of sensory perception, in order to show what the actual relationship is between the faculty of sensory perception—which leads to mental images—and the life of feeling and will, indeed the whole life of the human being as soul, body, and spirit.
[ 13 ] Durch unser Sinnesleben kommen wir mit der sinnlichen Umgebung in Verkehr. Innerhalb dieser sinnlichen Umgebung unterscheidet die Naturforschung gewisse Stoffe, sagen wir besser Stoff-Formen — denn auf diese kommt es ja jetzt an; wenn ich mit dem Physiker sprechen wollte, würde ich sagen müssen Aggregatzustände -: Festes, Flüssiges, Luftförmiges. Nun aber kommt, wie Sie ja alle wohl wissen, die physikalisch-naturwissenschaftliche Forschung dazu, außer diesen stofflichen Formen noch etwas anderes anzunehmen. Wenn die Naturwissenschaft das Licht erklären will, so begnügt sie sich nicht damit, diese StoffFormen nur gelten zu lassen, welche ich eben angeführt habe, sondern sie greift dann zu dem, was ihr zunächst feiner erscheint als diese Stoffsorten; sie greift zu dem, was man gewöhnlich Äther nennt. Die Vorstellung des Äthers ist ja eine außerordentlich schwierige, und man kann sagen: Die verschiedenen Gedanken, die man sich über das gemacht hat, was über den Äther gesagt werden soll, sind denkbar verschieden, mannigfaltig. Auf alle diese Einzelheiten kann natürlich nicht eingegangen werden. Nur darauf soll aufmerksam gemacht werden, daß eben die Naturwissenschaft sich gedrängt fühlt, den Ätherbegriff aufzustellen, das heißt die Welt nicht nur von der unmittelbar sinnlichen Wahrnehmung der dichteren Stoffe erfüllt zu denken, sondern sie erfüllt zu denken von Äther. Das Charakteristische ist, daß die Naturforschung nicht heraufkommt mit ihren Methoden zu dem, was eigentlich Äther ist. Denn die Naturforschung braucht zu ihrer wirklichen Betätigung doch immer materielle Grundlagen. Der Äther selber aber entzieht sich gewissermaßen doch immer den materiellen Grundlagen. Er erscheint in Verbindung mit materiellen Vorgängen, er ruft materielle Vorgänge hervor; aber er ist sozusagen mit den Mitteln, die an die materiellen Grundlagen gebunden sind, nicht zu fassen. Daher hat sich gerade in der neueren Zeit ein eigentümlicher Ätherbegriff herausgebildet, der im Grunde genommen außerordentlich interessant ist. Der Ätherbegriff, den man heute schon bei Physikern finden kann, der geht dahin, zu sagen: Äther muß dasjenige sein — was es auch sonst sein mag —, was jedenfalls keine Eigenschaften hat, wie sie die gewöhnliche Materie hat. So weist die Naturforschung über ihre eigenen materiellen Grundlagen hinaus, indem sie vom Äther sagt, er habe das, was sie mit ihren Mitteln nicht finden kann. Die Naturforschung kommt gerade bis zu der Annahme eines Äthers, aber nicht dazu, mit ihren Mitteln diese Äthervorstellung mit irgendeinem Inhalt zu erfüllen.
[ 13 ] Through our sensory life, we interact with our sensory environment. Within this sensory environment, natural science distinguishes certain substances—or, better said, forms of matter—for it is these that matter now; if I were to speak with a physicist, I would have to say “states of matter”: solid, liquid, and gaseous. But now, as you all well know, physical and natural scientific research goes so far as to assume something else in addition to these forms of matter. When natural science seeks to explain light, it does not content itself with merely accepting the forms of matter I have just mentioned, but rather turns to what initially appears to it to be finer than these types of matter; it turns to what is commonly called ether. The concept of ether is, after all, an extraordinarily difficult one, and one can say: The various ideas that have been formed about what should be said regarding ether are incredibly diverse and varied. Naturally, it is not possible to go into all these details. It should merely be pointed out that natural science feels compelled to introduce the concept of ether—that is, to conceive of the world as filled not only with the denser substances directly perceptible to the senses, but also with ether. What is characteristic is that natural science, with its methods, does not arrive at what ether actually is. For scientific research always requires material foundations for its actual work. The ether itself, however, always eludes these material foundations, so to speak. It appears in connection with material processes; it brings about material processes; but it cannot, so to speak, be grasped by the means that are bound to the material foundations. Consequently, a peculiar concept of the ether has emerged, particularly in recent times, one that is, in essence, extraordinarily interesting. The concept of the ether that can already be found among physicists today amounts to saying: The ether must be that—whatever else it may be—which, in any case, lacks the properties possessed by ordinary matter. In this way, natural science points beyond its own material foundations by saying that the ether possesses what it cannot find with its own methods. Natural science goes as far as assuming the existence of an ether, but it does not go so far as to fill this concept of the ether with any substance using its own methods.
[ 14 ] Nun, Geistesforschung ergibt das Folgende. Die Naturforschung geht von der materiellen Grundlage aus, die Geistesforschung geht von der geistig-seelischen Grundlage aus. Der Geistesforscher wird nun, wenn er nicht willkürlich stehen bleibt bei einer gewissen Grenze, ebenso zu dem Ätherbegriff getrieben wie der Naturforscher, nur von der anderen Seite her. Der Geistesforscher versucht in seine Erkenntnis aufzunehmen dasjenige, was im Innern der Seele regsam und wirksam ist. Würde er nun bei dem stehen bleiben, was er so innerlich im gewöhnlichen Seelenleben erleben kann, dann würde er auf diesem Gebiet nicht einmal so weit gehen wie der Naturforscher, der den Ätherbegriff annimmt. Denn der Naturforscher stellt wenigstens den Ätherbegriff auf, er läßt ihn gelten. Der Seelenforscher, wenn er von sich aus zu keinem Ätherbegriff kommt, gleicht einem Naturforscher, der da sagte: Was kümmere ich mich darum, was da noch lebt! Ich nehme an die drei Grundformen: feste, flüssige, luftförmige Körper; was noch dünner sein soll, darum kiümmere ich mich nicht. — So macht es in der Tat zumeist die Seelenlehre. |
[ 14 ] Well, spiritual research yields the following. Natural science proceeds from a material foundation, while spiritual research proceeds from a spiritual-psychic foundation. The spiritual researcher, if he does not arbitrarily stop at a certain boundary, is driven just as much toward the concept of the ether as the natural scientist is—only from the other side. The spiritual researcher attempts to incorporate into his understanding that which is active and effective within the soul. If he were to stop at what he can experience inwardly in ordinary soul life, then in this area he would not even go as far as the natural scientist who accepts the concept of ether. For the natural scientist at least posits the concept of ether; he accepts it as valid. The researcher of the soul, if he does not arrive at a concept of the ether on his own, resembles a natural scientist who said: “Why should I care about what still lives there! I accept the three basic forms: solid, liquid, and gaseous bodies; whatever is supposed to be even more subtle, I do not concern myself with.” — This is, in fact, how the doctrine of the soul usually proceeds. |
[ 15 ] Allein nicht jeder, der auf dem Gebiete der Seelenforschung sich betätigt hat, macht es so; und man findet insbesondere innerhalb jener außerordentlich bedeutungsvollen wissenschaftlichen Entwickelung, die sich auf der Grundlage des im ersten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts geltend gewordenen deutschen Idealismus aufbaut — nicht in diesem Idealismus selber, aber in dem, was dann aus diesem Idealismus geworden ist —, Ansätze, zu dem Ätherbegriffe so von der anderen Seite, von der geistigseelischen Seite aus hinzukommen, wie die Naturforschung von der materiellen Seite zum Äther aufsteigt. Und man muß sich, will man den Ätherbegriff wirklich haben, von zwei Seiten her diesem Begriff nähern. Anders wird man mit diesem Begriff nicht zurechtkommen. Nun, das Interessante liegt darin, daß die großen deutschen philosophischen Idealisten, Fichte, Schelling, Hegel, trotz ihres von mir ja öfter hier charakterisierten eindringlichen Vorstellens und Denkens, den Ätherbegriff noch liegengelassen haben. Sie konnten gewissermaßen das innere Seelenleben nicht so erstarken, nicht so erkraften, daß ihnen der Ätherbegriff sich ergeben hätte. Dafür ist in denjenigen, die sich haben befruchten lassen von diesem Idealismus, die gewissermaßen die Gedanken, die damals erzeugt worden sind, in ihrer Seele haben weiterwirken lassen, trotzdem sie nicht so große Genies waren, wie die Idealisten-Vorgänger, dieser Ätherbegriff entsprungen aus dieser Seelenforschung heraus. Wir finden diesen Ätherbegriff zunächst bei Immanuel Hermann Fichte, dem Sohn des großen Johann Gottlieb Fichte, zugleich Schüler seines Vaters, indem er in sich fortwirken ließ, was Johann Gottlieb Fichte und seine Nachfolger, Schelling und Hegel, in ihrer Seele gewissermaßen gemacht haben. Aber es zu größerer innerer Wirksamkeit gleichsam verdichtend, kam er dazu, sich zu sagen: Wenn man das seelisch-geistige Leben betrachtet, wenn man es, ich möchte sagen, nach allen Seiten durchmißt, dann kommt man dazu, sich zu sagen: Da nach unten muß dieses seelisch-geistige Leben in den Äther auslaufen, so wie Festes, Flüssiges, Luftförmiges nach oben hin in den Äther ausläuft. Es muß gewissermaßen das Niederste des Seelischen so in den Äther hineinmünden, wie das Höchste des Materiellen in den Äther hineinmündet nach oben. Und charakteristisch sind gewisse Vorstellungen, die sich darüber Immanuel Hermann Fichte gebildet hat, und durch die er nun wirklich von dem Geistig-Seelischen aus bis an die Grenze des Äthers gekommen ist. Wir lesen in seiner «Anthropologie» 1860 — Sie finden die Stelle angeführt in meinem letzten Buche «Vom Menschenrätsel» —:
[ 15 ] However, not everyone who has been active in the field of soul research proceeds in this way; and one finds, in particular, within that extraordinarily significant scientific development that is based on German idealism—which gained prominence in the first third of the nineteenth century—not in this idealism itself, but in what subsequently emerged from it— one finds approaches in which concepts of the ether are introduced from the other side—the spiritual-psychic side—just as natural science ascends to the ether from the material side. And if one truly wishes to grasp the concept of the ether, one must approach it from both sides. Otherwise, one will not be able to make sense of this concept. Now, what is interesting is that the great German philosophical idealists—Fichte, Schelling, Hegel—despite their vivid imagination and thinking, which I have often characterized here, still left the concept of the ether untouched. They were, so to speak, unable to strengthen their inner soul life or muster the necessary strength to the extent that the concept of the ether would have revealed itself to them. In contrast, among those who allowed themselves to be inspired by this idealism—who, so to speak, allowed the ideas generated at that time to continue working within their souls—even though they were not as great geniuses as their idealist predecessors, this concept of ether sprang forth from this exploration of the soul. We find this concept of the ether first in Immanuel Hermann Fichte, the son of the great Johann Gottlieb Fichte and at the same time a student of his father, in that he allowed within himself to continue working what Johann Gottlieb Fichte and his successors, Schelling and Hegel, had, so to speak, created in their souls. But by condensing it, as it were, into greater inner effectiveness, he came to say to himself: When one considers the soul-spiritual life, when one, I might say, surveys it from every angle, one comes to say to oneself: Downward, this soul-spiritual life must flow into the ether, just as solids, liquids, and gaseous substances flow upward into the ether. In a sense, the lowest aspect of the soul must flow into the ether just as the highest aspect of the material world flows upward into the ether. And characteristic of this are certain ideas that Immanuel Hermann Fichte formed on this subject, through which he truly reached the boundary of the ether, starting from the spiritual-soul realm. We read in his Anthropology (1860)—you will find the passage cited in my latest book, The Riddle of Man—:
[ 16 ] «In den Stoffelementen....kann das wahrhaft Beharrende, jenes einende Formprinzip des Leibes nicht gefunden werden, welche sich während unseres ganzen Lebens wirksam erweist.» «So werden wir auf eine zweite, wesentlich andere Ursache im Leibe hingewiesen.» «Indem» dieses «das eigentlich im Stoffwechsel Beharrliche enthält, ist es der wahre, innere, unsichtbare, aber in aller sichtbaren Stofflichkeit gegenwärtige Leib. Das andere, die äußere Erscheinung desselben, aus unablässigem Stoffwechsel gebildet, möge fortan «Körper» heißen, der wahrhaft nicht beharrlich und nicht eins, der bloße Effekt oder das Nachbild jener inneren Leiblichkeit ist, welche ihn in die wechselnde Stoffwelt hineinwirft, gleichwie etwa die magnetische Kraft aus den Teilen des Eisenfeilstaubes sich einen scheinbar dichten Körper bereitet, der aber nach allen Seiten zerstäubt, wenn die bindende Gewalt ihm entzogen ist.»
[ 16 ] “In the material elements... the truly enduring, that unifying principle of form in the body, which proves effective throughout our entire lives, cannot be found.” “Thus we are directed to a second, fundamentally different cause within the body.” “Inasmuch as” this “contains that which is truly persistent in metabolism, it is the true, inner, invisible body, yet present in all visible materiality. The other—its outer appearance, formed by ceaseless metabolism—may henceforth be called the “body”—which is truly neither persistent nor one, but merely the effect or afterimage of that inner corporeality which casts it into the changing material world, just as, for example, the magnetic force forms an apparently dense body from the particles of iron filings, which, however, disperses in all directions when the binding force is withdrawn from it.”
[ 17 ] Nun, für I. H. Fichte lebte also in dem gewöhnlichen, aus dem äußeren Stoff bestehenden Leib ein unsichtbarer Leib, und diesen unsichtbaren Leib könnten wir auch den ätherischen Leib nennen; ein Ätherleib, der die einzelnen Stoffteilchen dieses sichtbaren Leibes in ihre Formen hereinbringt, sie gestaltet, sie ausbildet. Und I. H. Fichte ist sich so klar, daß dieser Ätherleib, zu dem er aus dem Seelischen heruntersteigt, nicht den Vorgängen des physischen Leibes unterworfen ist, daß für ihn schon genug ist die Einsicht in das Dasein eines solchen Ätherleibes, um über das Todesrätsel hinauszukommen. Denn I. H. Fichte sagt in seiner «Anthropologie»:
[ 17 ] Now, according to I. H. Fichte, an invisible body lived within the ordinary body, which consists of external matter, and we might also call this invisible body the etheric body—an etheric body that brings the individual particles of matter in this visible body into their forms, shapes them, and develops them. And I. H. Fichte is so clear that this etheric body, to which he descends from the spiritual realm, is not subject to the processes of the physical body—so much so that for him, the insight into the existence of such an etheric body is sufficient to transcend the mystery of death. For I. H. Fichte says in his Anthropology:
[ 18 ] «Denn kaum braucht noch gefragt zu werden, wie der Mensch an sich selbst sich verhalte in diesem Todesvorgange. Dieser bleibt auch nach dem letzten, uns sichtbaren Akte des Lebensprozesses in seinem Wesen ganz derselbe nach Geist und Organisationskraft, welcher er vorher war. Seine Integrität ist bewahrt; denn er hat durchaus nichts verloren von dem, was sein war und zu seiner Substanz gehörte während des sichtbaren Lebens. Er kehrt nur im Tode in die unsichtbare Welt zurück, oder vielmehr, da er dieselbe nie verlassen hatte, da sie das eigentlich Beharrende in allem Sichtbaren ist, — er hat nur eine bestimmte Form der Sichtbarkeit abgestreift. «Totsein» bedeutet lediglich, der gewöhnlichen Sinnesauffassung nicht mehr perceptibel bleiben, ganz auf gleiche Weise, wie auch das eigentlich Reale, die letzten Gründe der Körpererscheinungen, den Sinnen imperceptibel sind.»
[ 18 ] “For there is hardly any need to ask how a person relates to himself in this process of death. Even after the final act of the life process visible to us, he remains, in his very essence, entirely the same in spirit and organizational power as he was before. His integrity is preserved; for he has lost absolutely nothing of what was his and belonged to his substance during his visible life. In death, he merely returns to the invisible world—or rather, since he had never left it, since it is the very essence that persists in all that is visible—he has merely shed a particular form of visibility. “Being dead” simply means no longer being perceptible to ordinary sensory perception, in exactly the same way that what is truly real—the ultimate causes of physical phenomena—is imperceptible to the senses.”
[ 19 ] Ich habe bei I. H. Fichte aufgezeigt, wie er zu einem solchen unsichtbaren Leibe vorrückt von dem Seelischen. Interessant ist es, daß an vielen Stellen in der Nachblüte des deutschen idealistischen Geisteslebens dasselbe aufgetaucht ist. Ich habe auch hier schon vor längerer Zeit aufmerksam gemacht auf einen einsamen Denker, der Schuldirektor in Bromberg war, der sich befaßt hat mit der Unsterblichkeitsfrage: Johann Heinrich Deinhardt, der in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts gestorben ist. Er hat sich zunächst mit der Unsterblichkeitsfrage befaßt wie die anderen, indem er versuchte, durch Vorstellungen und Begriffe hinter diese Unsterblichkeitsfrage zukommen. Aber für ihn hat sich mehr ergeben als für diejenigen, die bloß in Begriffen leben. Und so konnte der Herausgeber jener Abhandlung über Unsterblichkeit, die J. H. Deinhardt geschrieben hat, aus einem Briefe, den der Verfasser an ihn geschrieben hat, eine Stelle anführen, in der dieser J. H. Deinhardt sagt, daß er zwar noch nicht dazu gekommen wäre, die Sache einem Buche mitzuteilen, daß aber seine innerliche Forschung ihm klar ergeben hätte, daß der Mensch während seines Lebens zwischen Geburt und Tod an der Ausgestaltung eines unsichtbaren Leibes arbeite, welcher _ mit dem Tod in die geistige Welt hinein entlassen wird.
[ 19 ] I have shown, with regard to I. H. Fichte, how he arrives at such an invisible body from the realm of the soul. It is interesting that the same idea has emerged in many places during the late flowering of German idealist intellectual life. Some time ago, I also drew attention here to a solitary thinker—a school principal in Bromberg—who grappled with the question of immortality: Johann Heinrich Deinhardt, who died in the 1860s. He initially approached the question of immortality like the others, by attempting to get to the heart of this question through ideas and concepts. But he discovered more than those who live merely in concepts. And so the editor of that treatise on immortality written by J. H. Deinhardt was able to quote, from a letter the author had written to him, a passage in which J. H. Deinhardt that, although he had not yet gotten around to setting the matter down in a book, his inner research had clearly shown him that during his life—between birth and death—a person works on the formation of an invisible body, which _ upon death is released into the spiritual world.
[ 20 ] Und so könnten noch mannigfaltige andere Erscheinungen des deutschen Geisteslebens für eine solche Forschungsrichtung und Anschauungsrichtung angeführt werden. Sie alle würden beweisen, daß in dieser Forschungsrichtung der Drang war, nicht stehen zu bleiben bei dem, was bloß philosophierende Spekulation, was bloßes Leben in Begriffen ergeben kann, sondern das innere Seelenleben so zu erkraften, daß es herandringt bis zu jener Dichtigkeit, welche den Äther erreicht.
[ 20 ] And so many other manifestations of German intellectual life could be cited in support of such a direction of research and perspective. All of them would prove that this line of research was driven by the urge not to remain content with what mere philosophical speculation—what a life lived solely in concepts—can yield, but rather to strengthen the inner life of the soul so that it reaches the density that touches the ether.
[ 21 ] Nun wird allerdings auf den Wegen, die diese Forscher eingeschlagen haben, noch nicht von innen heraus das wirkliche Ätherrätsel gelöst werden können, aber man kann gewissermaßen sagen: diese Forscher sind auf dem Wege zur Geisteswissenschaft. Denn dieses Rätsel nach dem Äther wird gelöst, indem die menschliche Seele diejenigen übungsgemäfßen inneren Vorgänge durchmacht, welche ich hier öfters charakterisiert habe, und die in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» genauer beschrieben werden. Der Mensch gelangt, wenn er diese inneren Seelenvorgänge durchmacht, allerdings nach und nach, dazu, den Äther wirklich von innen heraus zu erreichen. Dann wird der Äther für ihn unmittelbar da sein. Dann aber erst ist er imstande zu begreifen, was eigentlich eine Sinnesempfindung ist, was eigentlich vorliegt in der sinnlichen Wahrnehmung.
[ 21 ] However, the true mystery of the ether cannot yet be solved from within by following the paths these researchers have taken; but one might say, in a sense, that these researchers are on the path to spiritual science. For this mystery of the ether is solved when the human soul undergoes those inner processes, achieved through practice, which I have often described here and which are described in more detail in my book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?. When a person undergoes these inner soul processes—albeit gradually—they come to truly reach the ether from within. Then the ether will be immediately present to them. Only then, however, will they be able to comprehend what a sensory perception actually is, and what actually lies at the heart of sensory perception.
[ 22 ] Um dieses heute darzustellen, muß ich gewissermaßen von anderer Seite den Zugang zu dieser Frage suchen. Gehen wir heran an das, was in den Stoffwechselvorgängen für den Menschen eigentlich vorgeht. Grob gesprochen, können wir uns die Stoffwechselvorgänge im menschlichen Organismus als so verlaufend denken, daß sie im wesentlichen mit dem flüssigen Stoffelement zu tun haben. Das wird ja leicht eingesehen werden können, wenn man sich nur ein wenig mit den gangbarsten naturwissenschaftlichen Vorstellungen auf diesem Gebiete bekannt macht. Was Stoffwechselvorgang ist, das lebt gewissermaßen im flüssigen Element. Das, was Atmung ist, lebt im luftförmigen Element; in der Atmung haben wir eine Wechselwirkung zwischen inneren und äußeren Luftvorgängen, wie wir im Stoffwechsel eine Wechselwirkung haben zwischen stofflichen Vorgängen, die sich außer unserem Leibe abgespielt haben, und solchen, die sich in unserem Leibe abspielen. Was geht nun vor, wenn wir sinnlich wahrnehmen und das Vorstellen daran reihen? Was entspricht dem eigentlich? In ebensolcher Weise, wie die flüssigen Vorgänge dem Stoffwechsel, die luftförmigen Vorgänge dem Atmen entsprechen — was entspricht dem Wahrnehmen? Dem Wahrnehmen entsprechen ätherische Vorgänge. So wie wir gewissermaßen mit dem Stoffwechsel im Flüssigen leben, leben wir mit der Atmung in der Luft, leben wir mit der Wahrnehmung im Äther. Und innere Ätherprozesse, innere ätherische Vorgänge, die sich in dem unsichtbaren Leibe, von dem eben gesprochen worden ist, abspielen, berühren sich mit äußeren ätherischen Vorgängen in der sinnlichen Wahrnehmung. Wenn eingewendet wird: Ja, aber gewisse sinnliche Wahrnehmungen sind doch so offenbare Stoffwechselvorgänge! — es ist für diejenigen sinnlichen Wahrnehmungen besonders auffällig, die den sogenannten niederen Sinnen entsprechen, Geruch, Geschmack -, so würde ein genaueres Eingehen zeigen, daß dabei das, was stofflich ist, dem Stoffwechsel selbst angehört, und daß bei jedem solchen Vorgang, auch beim Schmecken zum Beispiel ein ätherischer Prozeß vorgeht, durch den wir in Beziehung treten mit dem äußeren Äther, wie wir mit dem physischen Leibe zu der Luft in Beziehung treten, indem wir atmen. Ohne das Verständnis der ätherischen Welt ist ein Verständnis der Sinnesempfindungen nicht möglich. |
[ 22 ] To illustrate this today, I must, so to speak, approach this question from a different angle. Let us examine what actually takes place in the metabolic processes of the human body. Broadly speaking, we can conceive of the metabolic processes in the human organism as essentially involving the liquid element. This is easy to understand if one familiarizes oneself even a little with the most widely accepted scientific concepts in this field. Metabolic processes, so to speak, take place within the liquid element. What constitutes respiration takes place in the airy element; in respiration, we have an interaction between internal and external air processes, just as in metabolism we have an interaction between material processes that have taken place outside our body and those that take place within our body. What, then, happens when we perceive with our senses and link this to our imagination? What actually corresponds to this? Just as the fluid processes correspond to metabolism and the air-like processes to breathing—what corresponds to perception? Perception corresponds to etheric processes. Just as we, so to speak, live within the fluid realm through metabolism, we live within the air through breathing, and we live within the ether through perception. And inner etheric processes—inner etheric activities that take place in the invisible body just mentioned—interact with outer etheric processes in sensory perception. If it is objected: “Yes, but certain sensory perceptions are clearly metabolic processes!”—this is particularly evident in those sensory perceptions that correspond to the so-called lower senses, smell, taste—a closer examination would show that what is material in these cases belongs to metabolism itself, and that in every such process—including tasting, for example—an etheric process takes place through which we enter into a relationship with the outer ether, just as we enter into a relationship with the air through our physical body when we breathe. Without an understanding of the etheric world, an understanding of sensory perceptions is not possible. |
[ 23 ] Und was geschieht denn eigentlich? Nun, was da geschieht, das kann man im Grunde genommen erst durchschauen, wenn man den inneren Seelenprozeß so weit gebracht hat, daß einem das innerlich Ätherisch-Leibliche eine Wirklichkeit geworden ist. Das wird es, wenn das erreicht ist, was ich in den Vorträgen vor kurzem hier das imaginative Vorstellen genannt habe. Wenn die Vorstellungen durch die Übungen, die Sie in dem genannten Buche finden können, sich so erkraftet haben, daß sie nicht mehr abstrakte Vorstellungen sind, die wir sonst haben, sondern lebensvolle Vorstellungen sind, dann kann man sie Imaginationen nennen. Wenn diese Vorstellungen so lebensvoll geworden sind, daß sie Imaginationen sind, dann leben sie unmittelbar im Ätherischen, während sie, wenn sie abstrakte Vorstellungen sind, nur im Seelischen leben. Sie greifen auf das Ätherische über. Und dann, wenn man es so weit gewissermaßen im innerlichen Experimentieren gebracht hat, daß man den Äther als Lebendig-Wirkliches in sich erlebt, dann kann man erfahren, was geschieht in der Sinnesempfindung. Die Sinnesempfindung besteht darin ich kann dies heute nur als Ergebnis anführen -, daß, indem die äußere Umgebung das Ätherische aus dem Materiellen in unsere Sinnesorgane hineinsendet, jene Golfe macht, von denen ich vorgestern sprach, so daß das, was draußen ist, innerhalb unseres Sinnenbereiches auch innerlich wird, wir zum Beispiel einen Ton haben gewissermaßen zwischen Sinnesleben und Außenwelt. Dann wird dadurch, daß der äußere Äther eindringt in unsere Sinnesorgane, dieser äußere Äther abgetötet. Und indem der äußere Äther abgetötet in unsere Sinnesorgane hereinkommt, wird er, indem der innere Äther vom ätherischen Leibe ihm entgegenwirkt, wieder belebt. Darin haben wir das Wesen der Sinnesempfindung. Wie Ertötung und Belebung im Atmungsprozeß entsteht, indem wir den Sauerstoff einatmen, und ausatmen die Kohlensäure, so besteht eine Wechselwirkung zwischen gewissermaßen erstorbenem Äther und belebtem Äther in der Sinnesempfindung.
[ 23 ] And what actually happens? Well, what happens there can really only be understood once one has brought the inner soul process to the point where the inner etheric-physical realm has become a reality for one. This happens when one has achieved what I recently referred to in my lectures here as “imaginative visualization.” When, through the exercises you can find in the book I mentioned, these ideas have become so powerful that they are no longer the abstract ideas we usually have, but rather living ideas, then they can be called “imaginations.” When these ideas have become so full of life that they are imaginations, they live directly in the etheric realm, whereas, when they are abstract ideas, they live only in the soul. They extend into the etheric realm. And then, when one has, so to speak, progressed so far in inner experimentation that one experiences the ether as a living reality within oneself, one can experience what happens in sensory perception. Sensory perception consists—and I can only present this today as a conclusion—in the fact that, as the external environment sends the ethereal from the material realm into our sense organs, it creates those waves I spoke of the day before yesterday, so that what is outside also becomes internal within our sphere of perception; for example, we have a sound, so to speak, situated between sensory life and the external world. Then, as the external ether penetrates our sense organs, this external ether is deactivated. And as the deactivated external ether enters our sense organs, it is reanimated by the inner ether of the etheric body counteracting it. In this we have the essence of sensory perception. Just as death and revival occur in the process of breathing—when we inhale oxygen and exhale carbon dioxide—so there is an interaction between, so to speak, “dead” ether and “revived” ether in sensory perception.
[ 24 ] Dies ist eine außerordentlich wichtige Tatsache, die sich der Geisteswissenschaft ergibt. Denn das, was keine philosophischen Spekulationen finden, woran die philosophische Spekulation der letzten Jahrhunderte so unzählige Male gescheitert ist, das kann nur auf dem Wege der Geisteswissenschaft gefunden werden. Sinnesempfindung kann so erkannt werden als eine feine Wechselwirkung zwischen äußerem und innerem Äther; als Belebung des im Sinnesorgan ertöteten Äthers vom inneren Ätherleibe aus. So daß dasjenige, was die Sinne uns aus der Umgebung abtöten, innerlich durch den Ätherleib wieder belebt wird, und wir dadurch zu dem kommen, was eben Wahrnehmung der Außenwelt ist.
[ 24 ] This is an extraordinarily important fact that emerges from spiritual science. For that which philosophical speculation cannot discover—and on which the philosophical speculation of the past centuries has failed so countless times—can only be discovered through spiritual science. Sensory perception can thus be understood as a subtle interaction between the outer and inner ether; as the revitalization of the ether, which has been “killed” in the sense organ, by the inner etheric body. Thus, what the senses “kill” for us from the environment is internally revitalized by the etheric body, and through this we arrive at what is precisely the perception of the external world.
[ 25 ] Dies ist außerordentlich wichtig, denn es zeigt, wie der Mensch, schon wenn er der Sinnesempfindung sich hingibt, nicht nur lebt im physischen Organismus, sondern im ätherisch Übersinnlichen, wie das ganze Sinnesleben ein Leben und Weben im Ätherisch-Unsichtbaren ist. Dies ist es, das eben in der charakterisierten Zeit die tieferen Forscher immer geahnt haben, das aber zur Gewißheit erhoben werden wird durch die Geisteswissenschaft. Ich will unter denen, die diese bedeutsame Wahrheit erkannten, noch anführen den fast ganz vergessenen J.P.V.Troxler. Ich habe ihn in früheren Vorträgen, in früheren Jahren, hier schon erwähnt. Er sagte in seinen «Vorlesungen über Philosophie»:
[ 25 ] This is extraordinarily important, for it shows how human beings, even when they surrender to sensory perception, live not only in the physical organism but also in the ethereal, supersensible realm—just as the entire sensory life is a living and weaving within the ethereal, invisible realm. This is precisely what the deeper researchers have always sensed during the period just described, but which will be raised to the level of certainty through spiritual science. Among those who recognized this significant truth, I would also like to mention the almost completely forgotten J.P.V. Troxler. I have already mentioned him here in earlier lectures, in years past. In his Lectures on Philosophy, he said:
[ 26 ] «Schon früher haben die Philosophen einen feinen, hehren Seelenleib unterschieden von dem gröberen Körper... eine Seele, die ein Bild des Leibes an sich habe, das sie Schema nannten, und das ihnen der innere höhere Mensch war... In der neuesten Zeit selbst Kant in den Träumen eines Geistersehers träumt ernsthaft im Scherze einen ganzen inwendigen seelischen Menschen, der alle Gliedmaßen des auswendigen an seinem Geistesleib trage; Lavater dichtet und denkt ebenso... .»
[ 26 ] “Even in the past, philosophers distinguished a subtle, noble spiritual body from the coarser physical body... a soul that possessed an image of the body within itself, which they called a ‘schema,’ and which represented to them the inner, higher human being... Even in recent times, Kant, in the dreams of a clairvoyant, seriously yet playfully envisions an entire inner, spiritual human being who bears all the limbs of the outer human being on his spiritual body; Lavater writes and thinks likewise... .”
[ 27 ] Diese Forscher waren sich aber auch klar, daß mit dem Augenblick, wo man aufsteigt nur aus dem gewöhnlichen materiellen Anschauen zu dem Anschauen dieses übersinnlichen Organismus in uns, man überzugehen hat von der gewöhnlichen Anthropologie zu einer solchen Art von Erkenntnis, die durch Erkraftung des Inneren zu ihren Ergebnissen kommt. Daher ist es interessant, wie zum Beispiel sowohl I. H. Fichte wie auch Troxler sich klar sind darüber, daß Anthropologie aufsteigen müsse zu etwas anderem, wenn sie den ganzen Menschen erfassen will. I. H. Fichte sagt in seiner «Anthropologie»:
[ 27 ] These researchers were also well aware, however, that the moment one rises from ordinary material observation to the observation of this supersensible organism within us, one must transition from ordinary anthropology to a kind of knowledge that arrives at its conclusions through an inner spiritualization. It is therefore interesting to note, for example, that both I. H. Fichte and Troxler recognize that anthropology must rise to a different level if it is to encompass the whole human being. I. H. Fichte states in his Anthropology:
[ 28 ] «Das Sinnenbewußtsein...mit dem gesamten, auch menschlichen Sinnenleben, hat keine andere Bedeutung, als nur die Stätte zu sein, in welcher jenes übersinnliche Leben des Geistes sich vollzieht, indem er durch frei bewußte eigene Tat den jenseitigen Geistgehalt der Ideen in die Sinnenwelt einführt... Diese gründliche Erfassung des Menschenwesens erhebt nunmehr die «Anthropologie in ihrem Endresultate zur «Anthroposophie.»
[ 28 ] “Sensory consciousness... along with the entire sensory life, including that of human beings, has no other significance than to be the place in which that supersensory life of the spirit unfolds, as it introduces the otherworldly spiritual content of ideas into the sensory world through its own freely conscious act... This thorough understanding of the human being now elevates “anthropology,” in its final form, to “anthroposophy.”
[ 29 ] Wir sehen aus dieser Strömung des deutschen Geisteslebens, die, ich möchte sagen, den Idealismus von seiner Abstraktheit zur Wirklichkeit hintreibt, die Ahnung einer Anthroposophie. Und Troxler sagt, daß man annehmen müsse einen übergeistigen Sinn im Verein mit einem übersinnlichen Geiste, und daß man dadurch den Menschen so erfassen kann, daß man es nicht mehr zu tun hat mit einer gewöhnlichen Anthropologie, sondern mit etwas Höherem:
[ 29 ] From this current in German intellectual life—which, I would say, drives idealism from its abstractness toward reality—we can glimpse the beginnings of anthroposophy. And Troxler says that one must assume a super-spiritual meaning in conjunction with a supersensible spirit, and that through this one can grasp the human being in such a way that one is no longer dealing with ordinary anthropology, but with something higher:
[ 30 ] «Wenn es nun höchst erfreulich ist, daß die neueste Philosophie, welche... . in jeder Anthroposophie .. . sich offenbaren muß, emporwindet, so ist doch nicht zu übersehen, daß diese Idee nicht eine Frucht der Spekulation sein kann, und die wahrhafte... Individualität des Menschen weder mit dem, was sie als subjektiven Geist oder endliches Ich aufstellt, noch mit dem, was sie als absoluten Geist oder absolute Persönlichkeit diesem gegenüberstellt, verwechselt werden darf.»
[ 30 ] “While it is indeed most gratifying that the latest philosophy—which... must reveal itself in every form of anthroposophy...—is gaining momentum, it cannot be overlooked that this idea cannot be the fruit of speculation, and that the true... individuality of the human being must not be confused either with what it posits as subjective spirit or finite “I,” nor with what it sets against this as absolute spirit or absolute personality.”
[ 31 ] Mit Anthroposophie ist nicht irgend etwas vorgebracht, was gewissermaßen aus der Willkür heraus auftritt, sondern etwas, wozu mit Notwendigkeit jenes Geistesleben führt, das sich einmal darauf einläßt, Begriffe und Vorstellungen nicht nur als Begriffe und Vorstellungen zu erleben, sondern sie so weit — und ich möchte den Ausdruck noch einmal gebrauchen - zu verdichten, daß sie in die Wirklichkeit hineinführen, daß sie wirklichkeitsgesättigt werden.
[ 31 ] Anthroposophy does not present something that arises, as it were, out of sheer caprice, but rather something to which that spiritual life necessarily leads—a spiritual life that once begins to experience concepts and ideas not merely as concepts and ideas, but to deepen them to such an extent — and I would like to use the expression once more — to the point where they lead into reality, where they become saturated with reality.
[ 32 ] Man kommt aber, und das ist nun der Mangel dieser Forschung, wenn man sich bloß erhebt vom physischen zu dem ätherischen Leibe, doch nicht zurecht; sondern man kommt da nur an eine gewisse Grenze, die aber überschritten werden muß; denn jenseits des Ätherischen liegt erst das SeelischGeistige. Und das Wesentliche ist, daß eben dieses SeelischGeistige nur durch die Vermittlung des Ätherischen mit dem Physischen in eine Beziehung kommen kann. So haben wir das eigentlich Seelische des Menschen erst in dem zu suchen, was nun völlig überätherisch arbeitet und kraftet im Ätherischen, so daß das Ätherische wiederum das Physische gestaltet, wie es selbst gestaltet, durchkraftet, durchlebt ist von dem Seelischen.
[ 32 ] However, and this is the shortcoming of this research, if one merely ascends from the physical to the etheric body, one does not arrive at a proper understanding; rather, one reaches only a certain boundary, which must be crossed; for beyond the etheric lies the soul-spiritual realm. And the essential point is that this very soul-spiritual realm can enter into a relationship with the physical realm only through the mediation of the ethereal. Thus, we must seek the true soul of the human being in that which now works and exerts its power entirely supra-ethereally within the ethereal, so that the ethereal, in turn, shapes the physical just as it itself is shaped, permeated, and lived through by the soul.
[ 33 ] Versuchen wir den Menschen nun am anderen, am Willens-Pol zu ergreifen: Wir haben ja gesagt, daß das Willensleben zusammenhängt mit dem Stoffwechsel. Indem der Willensimpuls sich im Stoffwechsel auslebt, lebt er nicht bloß in dem äußeren physischen Stoffwechsel, sondern da überall der ganze Mensch ist innerhalb der Grenzen seiner Wesenheit, so lebt auch das Ätherische _ in dem, was sich als Stoffwechsel ausgestaltet, wenn ein Willensimpuls vorgeht. Nun zeigt die Geisteswissenschaft, daß im Willensimpuls gerade das Umgekehrte vorliegt von der Sinneswahrnehmung. Während bei der Sinneswahrnehmung der äußere Äther gewissermaßen belebt wird durch den inneren Äther, also der innere Äther sich in den toten Äther hinein ergießt, ist es beim Willensimpuls so, daß, wenn er aus dem Seelisch-Geistigen heraus entspringt, dann immer durch den Stoffwechsel und alles das, was damit zusammenhängt, der Ätherleib herausgelockert, herausgetrieben wird aus dem physischen Leibe für diejenigen Gebiete, in denen sich der Stoffwechsel abspielt. Wir haben also hier das Umgekehrte: der Ätherleib zieht sich gewissermaßen zurück von den physischen Vorgängen. Und darin liegt das Wesentliche der Willenshandlungen, daß sich bei ihnen der Ätherleib zurückzieht von dem physischen Leib.
[ 33 ] Let us now try to grasp the human being from the other perspective, that of the will: We have indeed said that the life of the will is connected to metabolism. As the impulse of the will plays itself out in metabolism, it does not merely exist in the outer physical metabolism; rather, since the whole human being is present everywhere within the limits of his being, the etheric aspect also lives within what manifests as metabolism when an impulse of the will occurs. Now, spiritual science shows that in the impulse of the will, the exact opposite of sensory perception occurs. Whereas in sensory perception the outer ether is, so to speak, enlivened by the inner ether, that is, the inner ether pours into the dead ether, the situation with the impulse of will is such that, when it springs from the soul-spiritual realm, the etheric body is always, through metabolism and all that is connected with it, drawn out and driven out of the physical body into those regions where metabolism takes place. So here we have the opposite: the etheric body, so to speak, withdraws from the physical processes. And therein lies the essence of acts of will—that in them the etheric body withdraws from the physical body.
[ 34 ] Nun werden sich diejenigen verehrten Zuhörer, die die früheren Vorträge gehört haben, erinnern, daß ich außer der imaginativen Erkenntnis unterschieden habe die inspirierte und dann die eigentliche intuitive Erkenntnis. Und ebenso, wie die imaginative Erkenntnis ein solches Erkraften des Seelenlebens ist, daß man zu dem Ätherleben auf die vorhin angedeutete Weise kommt, so ist die intuitive Erkenntnis dadurch gegeben, daß man im Seelenleben gewissermaßen lernt, durch mächtige Willensimpulse mitzumachen, ja selbst hervorzurufen, was man nennen kann: Zurückziehen des Ätherleibes von den physischen Vorgängen. So ragt auf diesem Gebiete das Seelisch-Geistige in das Physisch-Leibliche hinein. Dringt ein Willensimpuls ursprünglich aus dem Seelisch-Geistigen heraus, so findet er sich mit dem Ätherischen, und die Folge ist, daß dieses Ätherische zurückgezogen wird aus irgendeinem Stoffwechsel-Gebiet des Physisch-Leiblichen. Und aus diesem Wirken des GeistigSeelischen durch das Ätherische auf das Leibliche entsteht das, was man nennen kann den Übergang eines Willensimpulses zu irgendeiner leiblichen Bewegung, zu einer leiblichen Hantierung. Dann aber erst, wenn man in dieser Weise den ganzen Menschen ins Auge faßt, gelangt man zu seinem eigentlichen unsterblichen Teil. Denn sobald man erkennen lernt, wie das Geistig-Seelische im Äther webt, wird einem auch klar, daß dieses Weben des GeistigSeelischen im Äther unabhängig ist auch von denjenigen Vorgängen des physischen Leibes, die in Geburt, Empfängnis und Tod eingeschlossen sind. Und auf diesem Wege ist möglich ein wirkliches Sich-Erheben zu dem Unsterblichen im Menschenwesen, zu demjenigen, das sich mit dem Leibe, den man durch die Vererbungsströmung erhält, verbindet, und das sich erhält, wenn der Mensch wiederum durch die Pforte des Todes geht. Denn mit dem, was hier geboren wird und stirbt, steht das Ewig-Geistige auf dem Umwege durch das Ätherische in Zusammenhang.
[ 34 ] Now, those esteemed listeners who have heard the earlier lectures will recall that, in addition to imaginative knowledge, I have distinguished between inspired knowledge and then intuitive knowledge proper. And just as imaginative knowledge is a strengthening of soul life that enables one to reach the etheric life in the manner indicated earlier, so intuitive knowledge is achieved by learning, as it were, to participate in soul life through powerful impulses of will—and indeed to bring about what might be called the withdrawal of the etheric body from physical processes. Thus, in this realm, the soul-spiritual penetrates into the physical-bodily. When a will impulse originally emanates from the soul-spiritual, it encounters the etheric, and the result is that this etheric is withdrawn from some metabolic process of the physical-bodily. And from this interaction of the spiritual-soul through the etheric with the physical arises what can be called the transition of a volitional impulse into some physical movement, into a physical action. But only then, when one views the whole human being in this way, does one arrive at its true immortal part. For as soon as one learns to recognize how the spiritual-soul aspect weaves within the ether, it also becomes clear that this weaving of the spiritual-soul aspect in the ether is independent even of those processes of the physical body that are involved in birth, conception, and death. And in this way, it is possible to truly rise to the immortal aspect within the human being—to that which connects with the body received through the currents of heredity and which endures when the human being once again passes through the gate of death. For the eternal-spiritual is connected, via the etheric, to that which is born and dies here.
[ 35 ] Es hat sich ja bis jetzt ergeben, daß die Vorstellungen, zu denen Geisteswissenschaft kommt, den Denkgewohnheiten von heute gar sehr widerstreben, daß sich die Menschen schwer hineinfinden können in diese Vorstellungen. Man kann sagen, daß ein Hindernis für dieses Hineinfinden neben anderem auch dies ist, daß man sich so wenig bemüht, den wirklichen Zusammenhang des Geistig-Seelischen mit dem Leiblichen in der heute angedeuteten Weise zu suchen. Die meisten Menschen ersehnen nämlich ganz anderes als dasjenige, was die Geistesforschung eigentlich liefern kann. Was ist es eigentlich, was im Menschen stattfindet, wenn er vorstellt? Ein Ätherprozeß, der nur in eine Wechselwirkung tritt mit einem äußeren Ätherprozeß. Notwendig ist aber, damit der Mensch sozusagen in gesundem seelischen und leiblichen Leben nach dieser Richtung ist, daß der Mensch gewahr werde, wo die Grenze ist, in der sich berührt der innere und der äußere Äther. Das geschieht zumeist ja unbewußt. Es wird bewußt, wenn der Mensch zur imaginativen Erkenntnis aufsteigt, wenn er innerlich erlebt das Regen und Bewegen des Äthers, und sein Zusammenkommen mit dem äußeren Äther, der im Sinnesorgan erstirbt. In diesem Wechselwirken zwischen dem inneren und äußeren Äther haben wir gewissermaßen die äußerste Grenze der Wirksamkeit des Äthers überhaupt auf den menschlichen Organismus. Denn das, was in unserem Ätherleibe ist, wirkt auf den Organismus zum Beispiel vornehmlich im Wachstum. Da ist es noch von innen heraus bildend im Organismus wirksam. Es organisiert allmählich unseren Organismus, so daß er sich anpaßt in der Weise an die Außenwelt, wie wir das sehen, wenn das Kind heranwächst. Aber dieses innerlich bildende Ergreifen des physischen Leibes durch den Äther muß an einer gewissen Grenze anlangen. Wenn es über diese Grenze hinausgeht durch irgendwelche krankhaften Prozesse, dann tritt. das ein, daß das im Äther Lebende und Webende, das aber im Ätherischen sich erhalten soll, übergreift auf den physischen Organismus, so daß dieser gewissermaßen in sich verwoben erhält dasjenige, was als Ätherbewegung bleiben soll. Was tritt dann ein? Das, was eigentlich nur innerlich erlebt werden soll als Vorstellung, das tritt auf als ein Vorgang im physischen Leibe. Dann ist es das, was man eine Halluzination nennt. Wenn der Äthervorgang seine Grenze überschreitet nach dem Leiblichen hin, dadurch daß der Leib ihm durch seine Krankhaftigkeit nicht den richtigen Widerstand entgegensetzt, dann entsteht das, was man eine Halluzination nennt. Nun wünschen sich eigentlich sehr viele Menschen, die in die geistige Welt eindringen wollen, vor allen Dingen Halluzinationen. Das kann ihnen der Geistesforscher selbstverständlich nicht bieten; denn die Halluzination ist nichts anderes als die Wiedergabe eines rein materiellen Vorganges, eines Vorganges, der sich gegenüber der Seele jenseits der Grenzen des Leibes abspielt, das heißt im Leibe. Dagegen besteht das, was in die geistige Welt führt, darin, daß man von dieser Grenze zurück ins Seelische geht und statt zu Halluzinationen, zur Imagination kommt, und die Imagination ist ein rein seelisches Erlebnis. Und indem sie rein seelisches Erlebnis ist, lebt die Seele in der Imagination in der geistigen Welt. Dadurch aber auch lebt die Seele in vollbewußtem Durchdringen der Imagination. Und ein Wichtiges ist, daß man einsieht, daß Imagination, das heißt berechtigter Weg, um geistige Erkenntnis zu erlangen, und Halluzination, das Entgegengesetzte sind und sich auch gegenseitig vernichten. Wer durch einen krankhaften Organismus zur Halluzination kommt, verlegt sich den Weg zur eigentlichen Imagination; und wer zur wirklichen Imagination kommt, bewahrt sich am sichersten vor allem Halluzinieren. Halluzination und Imagination schließen sich gegenseitig aus, zerstören sich gegenseitig.
[ 35 ] It has become apparent so far that the concepts arrived at by spiritual science run very much counter to today’s habits of thought, and that people find it difficult to come to terms with these concepts. One could say that one obstacle to this process of familiarization—among other things—is that people make so little effort to seek the true connection between the spiritual-soul aspects and the physical in the way suggested today. For most people yearn for something quite different from what spiritual research can actually provide. What is it, in fact, that takes place within a person when they imagine? An etheric process that interacts only with an external etheric process. However, for a person to be oriented in this direction—so to speak—in a healthy soul and physical life, it is necessary that the person become aware of where the boundary lies at which the inner and outer ether meet. This usually happens unconsciously. It becomes conscious when a person rises to imaginative insight, when they inwardly experience the flow and movement of the ether, and its convergence with the outer ether, which dies out in the sense organ. In this interaction between the inner and outer ether, we have, so to speak, the outermost boundary of the ether’s influence on the human organism. For what is in our etheric body acts upon the organism, for example, primarily during growth. There it is still active within the organism, shaping it from within. It gradually organizes our organism so that it adapts to the external world in the way we see when a child grows up. But this inner, formative influence of the ether on the physical body must reach a certain limit. If it goes beyond this limit through any pathological processes, then what happens is that what lives and weaves within the ether—but is meant to remain within the etheric realm—spills over into the physical organism, so that the latter, as it were, becomes interwoven with that which is meant to remain as etheric movement. What happens then? That which is actually meant to be experienced only inwardly as an idea manifests as a process in the physical body. This is what is called a hallucination. When the etheric process crosses its boundary into the physical realm—because the body, due to its diseased state, fails to offer the proper resistance—then what is called a hallucination arises. Now, in fact, a great many people who wish to penetrate the spiritual world desire, above all else, hallucinations. The spiritual researcher cannot, of course, offer them this; for a hallucination is nothing other than the reproduction of a purely material process—a process that takes place in relation to the soul beyond the body’s boundaries, that is, within the body. In contrast, the path that leads into the spiritual world consists of turning back from this boundary toward the soul and, instead of hallucinations, arriving at imagination—and imagination is a purely soul-based experience. And because it is a purely soul-based experience, the soul lives in the spiritual world through imagination. Through this, however, the soul also lives in a fully conscious immersion in imagination. And it is important to realize that imagination—that is, the legitimate path to spiritual knowledge—and hallucination are opposites and also mutually exclusive. Anyone who experiences hallucinations due to a pathological condition strays from the path to true imagination; and anyone who attains true imagination is most surely protected against all forms of hallucination. Hallucination and imagination are mutually exclusive; they destroy one another.
[ 36 ] So aber liegt die Sache auch am anderen Pol des Menschen. Ebenso wie der Ätherleib übergreifen kann auf das Leibliche, seine Bildekraft in das Leibliche hineinsenken kann, und dadurch die Halluzination, das heißt die rein leiblichen Vorgänge, hervorrufen kann, so kann auf der anderen Seite durch gewisse krankhafte Bildungen des Organismus oder durch herbeigeführte Ermüdung oder sonstige Zustände des Organismus das Heraustreten des Ätherischen, wie es charakterisiert wurde bei der Willenshandlung, in unregelmäßiger Weise erfolgen. Dann kann es geschehen, daß, statt daß in einer richtigen Willenshandlung das Ätherische wirklich aus dem physischen Stoffwechselgebiet herausgenommen wird, es drinnen bleibt, und das physische Stoffwechsel-Gebiet in seiner rein physischen Betätigung in das Ätherische hineingreift, so daß das Ätherische abhängig wird von dem Physischen, während im normalen Willensentfalten das Physische abhängig ist vom Ätherischen, das wiederum seinerseits bestimmt wird von dem Seelisch-Geistigen. Wenn das geschieht durch solche Vorgänge, wie ich es angedeutet habe, dann entsteht, ich möchte sagen, wie das krankhafte Gegenbild der Halluzination die Zwangshandlung, die darin besteht, daß sich der physische Leib mit seinen Stoffwechselvorgängen in das Ätherische hereindrängt, in den Ätherleib gewissermaßen hereinschiebt. Und wird die Zwangshandlung als krankhafte Erscheinung hervorgerufen, so kann man wiederum sagen: sie schließt das aus, was man in der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis die Intuition nennt. Intuition und Zwangshandlung schließen sich gegenseitig aus, so wie sich Halluzination und Imagination ausschließen. Daher ist es auch, daß es nichts Seelenloseres gibt, als auf der einen Seite die Halluzinierenden, denn die Halluzinationen sind eben Andeutungen von Körperzuständen, die nicht sein sollten; und auf der anderen Seite zum Beispiel die tanzenden Derwische. Der Tanz des Derwischs entsteht dadurch, daß sich das Physisch-Leibliche hineinschiebt in das Ätherische, so daß nicht das Ätherische vom Geistig-Seelischen aus das Wirksame wird, sondern im Grunde genommen nur reguläre Zwangshandlungen auftreten. Und wer da glaubt, im tanzenden Derwisch Offenbarungen des Seelischen zu erhalten, der sollte gerade sich in die Geisteswissenschaft einlassen, um sich darüber klar zu werden, daß der tanzende Derwisch ein Beweis dafür ist, daß der Geist, das Geistig-Seelische aus seinem Leibe herausgegangen ist; deshalb tanzt er in dieser Weise.
[ 36 ] But this is also true at the other end of the human spectrum. Just as the etheric body can spill over into the physical body, can infuse its formative power into the physical body, and thereby cause hallucinations, that is, purely physical processes—so, on the other hand, through certain pathological formations in the organism, or through induced fatigue or other states of the organism, the emergence of the etheric—as characterized in the act of will—can occur in an irregular manner. Then it can happen that, instead of the etheric being truly withdrawn from the physical metabolic sphere in a proper act of will, it remains within it, and the physical metabolic realm, in its purely physical activity, encroaches upon the etheric, so that the etheric becomes dependent on the physical, whereas in the normal unfolding of the will, the physical is dependent on the etheric, which in turn is determined by the soul-spiritual. When this occurs through processes such as those I have indicated, then—I would say—the pathological counterpart to hallucination arises in the form of compulsive behavior, which consists in the physical body, with its metabolic processes, forcing its way into the etheric, pushing its way into the etheric body, so to speak. And if the compulsive act is brought about as a pathological phenomenon, then one can say in turn: it excludes what is called “intuition” in spiritual scientific knowledge. Intuition and compulsive action are mutually exclusive, just as hallucination and imagination are mutually exclusive. That is why there is nothing more soulless than, on the one hand, those who hallucinate—for hallucinations are precisely indications of physical states that ought not to be—and, on the other hand, for example, the dancing dervishes. The dervish’s dance arises when the physical-bodily penetrates the etheric, so that it is not the etheric—arising from the spiritual-soul—that becomes the active force, but rather, in essence, only regular compulsive actions occur. And anyone who believes they are receiving revelations of the soul from the dancing dervish should precisely engage with spiritual science in order to realize that the dancing dervish is proof that the spirit—the spiritual-soul aspect—has left his body; that is why he dances in this way.
[ 37 ] Und, ich möchte sagen, nur etwas umfangreicher ist dasjenige, was nun nicht Tanzen ist, sondern was zum Beispiel automatisches Schreiben, mediales Schreiben ist. Das besteht auch in nichts anderem, als daß man erst das GeistigSeelische ganz heraustreibt aus dem Menschlichen, und den in den Ätherleib hineingeschobenen physischen Leib sich entfalten läßt, wie er sich entfaltet, wenn er, der gleichsam leer geworden ist von innerem Äther, nun in die Gewalt des äußeren umgebenden Äthers kommt. Diese Gebiete alle führen gerade von der Geisteswissenschaft ab, nicht zur Geisteswissenschaft hin, obwohl durchaus nicht von jenen Gesichtspunkten aus etwas eingewendet werden soll gegen diese Dinge, von denen man gewöhnlich gegen sie so viel einwendet. Gerade am tanzenden Derwisch kann studiert werden, was ein Kunsttanzen, ein wirklich künstlerischer Tanz sein soll. Der künstlerische Tanz soll gerade darin bestehen, daß jeder einzelnen Bewegung ein Willensimpuls, der dem Betreffenden auch zum Bewußtsein kommen kann, entspricht, so daß man es niemals zu tun hat mit einem bloßen Hereindrängen der physischen Vorgänge in die ätherischen Vorgänge. Mit Vorstellungen durchgeistigter Tanz ist allein Kunsttanz. Das Tanzen des Derwischs, das ist nur Verleugnung der Geistigkeit. Manche werden einwenden: Aber es zeigt doch den Geist an! - Das tut es, aber wie? Nun, eine Muschel können Sie studieren, wenn Sie die lebendige Muschel aufnehmen und anschauen; aber Sie können sie auch studieren, wenn die lebendige Muschel heraus ist, indem Sie die Schale anschauen: in der Muschelschale ist nachgebildet die Form der Muschel, die aus dem Leben geborene Form. So ungefähr hat man aber auch eine Nachbildung des Geistigen, eine tote Nachbildung des Geistigen, wenn man es mit dem automatischen Schreiben oder mit dem tanzenden Derwisch zu tun hat. Deshalb sieht das dem Geistigen so ähnlich, wie die Muschelschale der Muschel, und kann so leicht verwechselt werden. Aber nur wenn man wirklich innerlich in das wahrhaft Geistige eindringt, kann man für diese Dinge auch das richtige Verständnis haben. |
[ 37 ] And, I would say, what is not dancing—but rather, for example, automatic writing or mediumistic writing—is only slightly more complex. This consists of nothing other than first driving the spiritual-soul aspect entirely out of the human being and allowing the physical body—which has been pushed into the etheric body—to unfold as it does when, having become, as it were, empty of inner ether, it now comes under the influence of the surrounding outer ether. All these areas lead away from spiritual science, not toward it, although from those points of view there is certainly no reason to object to these things, against which so many objections are usually raised. It is precisely by observing the dancing dervish that one can study what artistic dance—a truly artistic dance—should be. Artistic dance should consist precisely in the fact that every single movement corresponds to an impulse of the will—one that may even come to the dancer’s consciousness—so that one is never dealing with a mere intrusion of physical processes into the etheric processes. Only dance imbued with spiritual ideas is artistic dance. The dervish’s dancing is merely a denial of spirituality. Some will object: But it does reveal the spirit! — It does, but how? Well, you can study a mussel by picking up and observing the living mussel; but you can also study it when the living mussel is removed, by observing the shell: the mussel’s shell reproduces the form of the mussel—the form born of life. In much the same way, however, one also has a replica of the spiritual—a lifeless replica of the spiritual—when dealing with automatic writing or the dancing dervish. That is why it resembles the spiritual just as much as the shell resembles the mussel, and can so easily be confused with it. But only when one truly penetrates inwardly into what is genuinely spiritual can one have the correct understanding of these things. |
[ 38 ] Wenn wir von dem Leiblichen ausgehen, durch die Sinnesempfindung hinaufgelangen zum Vorstellen, das sich dann in das Seelisch-Geistige überträgt, so kommen wir auf diesem Wege dazu, geisteswissenschaftlich zu erkennen, daß das, was durch die Sinnesempfindungen erregt wird, in einem bestimmten Punkte gleichsam abgesetzt wird und Erinnerung wird. Erinnerung entsteht dadurch, daß der Sinneseindruck sich nach dem Leibe fortsetzt, so daß nicht nur in den Sinneseindrücken selbst das Ätherische von innen wirken kann, sondern in dem, was der Sinneseindruck im Leibe zurückgelassen hat, nun das Ätherische sich betätigt. Dann wird das, was in die Erinnerung gegangen ist, aus der Errinnerung wieder heraufgeholt.
[ 38 ] If we start from the physical realm, ascend through sensory perception to the level of imagination, which then transcends into the soul-spiritual realm, we arrive through this path at the spiritual-scientific insight that what is stirred by sensory perceptions is, as it were, set aside at a certain point and becomes memory. Memory arises because the sensory impression continues within the body, so that the etheric can act not only from within the sensory impressions themselves, but also within what the sensory impression has left behind in the body. Then what has entered into memory is brought back up from memory.
[ 39 ] Es ist natürlich nicht möglich, in der kurzen Zeit eines einstündigen Vortrages genauer auf diese Dinge einzugehen. Aber man wird niemals zu einem wirklichen Verständnis desjenigen kommen, was Vorstellung und Erinnerung ist, und wie sie sich zum Geistig-Seelischen verhalten, wenn man nicht vorrückt im geisteswissenschaftlichen Sinne auf dem Wege, der angedeutet worden ist.
[ 39 ] Of course, it is not possible to go into these matters in greater detail in the short time allotted for a one-hour lecture. But one will never arrive at a true understanding of what perception and memory are, and how they relate to the spiritual-soul aspect, unless one advances—in the spiritual-scientific sense—along the path that has been outlined.
[ 40 ] Nun liegt auf dem anderen Pol die ganze Strömung, die da fließt von dem Geistig-Seelischen der Willensimpulse herunter in das Physisch-Leibliche, durch das die Handlungen bewirkt werden. Im gewöhnlichen Menschenleben ist die Sache so, daß das Sinnesleben bis zur Erinnerung kommt, bei der Erinnerung gewissermaßen stehen bleibt. Die Erinnerung stellt sich gleichsam vor das Geistig-Seelische hin, so daß dieses sich selbst nicht gewahr wird, wie es schafft und kraftet, indem es Sinnesempfindungen hat. Nur eine Andeutung, eine verworrene Andeutung davon, daß die Seele im Ätherischen webt und lebt, entsteht dann, wenn diese im Ätherischen lebende und webende Seele in diesem Ätherweben noch nicht so erkraftet ist, daß alles Ätherweben an der Grenze des Körperlichen sich bricht. Wenn das Seelisch-Geistige den Ätherleib so durchwebt, daß sich das, was es im Ätherleibe ausprägt, nicht sofort bricht an dem physischen Leibe, sondern sich im Ätherischen so erhält, daß es gleichsam an die Grenzen des physischen Leibes kommt, aber im Ätherischen noch bemerkt wird, dann entsteht der Traum. Und das Traumleben, wenn es wirklich studiert wird, wird ein Beweis werden für die niederste Form des übersinnlichen Erlebens des Menschen. Denn im Traume erlebt der Mensch, daß er sein Seelisch-Geistiges, weil es zu kraftlos wirkt, nicht entfalten kann in Willensimpulsen innerhalb desjenigen, was in den Traumbildern vorliegt. Und indem die Willensimpulse fehlen, indem der Geist und die Seele im Traum in das Ätherische so wenig eingreifen, daß die Seele selbst diese Willensimpulse gewahr wird, entsteht das chaotische Gewebe, das der Traum eben darstellt.
[ 40 ] At the other pole lies the entire current that flows down from the spiritual-soul aspect of the impulses of the will into the physical-bodily realm, through which actions are brought about. In ordinary human life, the situation is such that the sensory life extends as far as memory and, in a sense, comes to a halt there. Memory, as it were, stands in front of the spiritual-soul realm, so that the latter is not aware of how it creates and works through its sensory perceptions. Only a hint—a vague hint—that the soul weaves and lives in the etheric arises when this soul, living and weaving in the etheric, has not yet gained enough strength in this etheric weaving for all etheric activity to break at the boundary of the physical body. When the soul-spirit weaves through the etheric body in such a way that what is expressed in the etheric body does not immediately break off at the physical body, but is sustained in the etheric realm so that it reaches, as it were, the boundaries of the physical body yet is still perceptible in the etheric, then the dream arises. And the life of dreams, when truly studied, will become proof of the lowest form of the human being’s supersensible experience. For in a dream, the human being experiences that, because their soul-spiritual nature acts too feebly, they cannot unfold it in impulses of will within what is present in the dream images. And because these impulses of the will are absent—because the spirit and the soul intervene so little in the etheric realm during the dream that the soul itself becomes aware of these impulses of the will—the chaotic fabric that the dream represents comes into being.
[ 41 ] Was auf der einen Seite die Träume sind, sind auf der anderen Seite diejenigen Erscheinungen, wo der Wille, der aus dem Geistig-Seelischen kommt, durch das ÄtherischLeibliche in die äußere Welt eingreift, aber ebensowenig gewahr wird, was da eigentlich vorgeht, wie er im Traum wegen des schwachen Wirkens des Geistig-Seelischen gewahr werden kann, daß der Mensch da im Geistigen webt und lebt. Wie der Traum so gewissermaßen die abgeschwächte sinnliche Erkenntnis darstellt, so stellt etwas anderes die verstärkte Wirkung des Geistig-Seelischen, die verstärkte Wirkung der Willensimpulse dar; und das ist dasjenige, was wir Schicksal nennen.
[ 41 ] What dreams are on the one hand, are, on the other hand, those phenomena in which the will—arising from the spiritual-soul aspect—intervenes in the outer world through the etheric-physical, but just as little is aware of what is actually happening there as it is in a dream—where, due to the weak activity of the spiritual-soul aspect, one cannot perceive that the human being is weaving and living in the spiritual realm. Just as the dream represents, so to speak, a weakened form of sensory perception, so does something else represent the intensified effect of the spiritual-soul aspect, the intensified effect of the impulses of the will; and that is what we call fate.
[ 42 ] Wir sehen in dem Schicksal die Zusammenhänge nicht, so wie wir im Traum nicht sehen, was da eigentlich als das Wirkliche webt und lebt. Wie im Traum immer materielle Vorgänge zugrunde liegen, die in den Äther hineinwogen, so brandet heran das im Willen verankerte Geistig-Seelische an die äußere Welt. Aber das Geistig-Seelische ist nicht so organisiert im gewöhnlichen Leben, daß der Geist selber in seiner Wirksamkeit geschaut werden kann in dem, was als die Aufeinanderfolge der sogenannten Schicksalserlebnisse für uns vorgeht. In dem Augenblick, wo wir diese Aufeinanderfolge ergreifen, lernen wir das Gewebe des Schicksals erkennen, lernen wir erkennen, daß ebenso, wie im gewöhnlichen Leben die Seele durch die Vorstellungen sich das Geistige verdeckt, sie im Schicksal sich das Geistige verdeckt durch den Affekt, durch Sympathie und Antipathie, mit denen sie die Ereignisse, die als Lebensereignisse an sie herankommen, aufnimmt. In dem Augenblick, wo man geisteswissenschaftlich durchblickt durch Sympathie und Antipathie, wo man den Lauf der Lebensereignisse objektiv in Gelassenheit wirklich ergreift, merkt man, wie alles das, was schicksalsmäßig in unserem Leben zwischen Geburt und Tod vorgeht, entweder die Nachwirkung ist früherer Erdenleben oder die Vorbereitung für spätere Erdenleben. So wie auf der einen Seite die äußere Naturwissenschaft nicht vordringt zum Geistig-Seelischen, nicht einmal zum Ätherischen, wenn sie die Beziehungen aufsucht zwischen der materiellen Welt und dem Vorstellen, so kommt die Naturwissenschaft heute am anderen Pol mit ihren Bemühungen nicht zurecht. Wie sie auf der einen Seite im Vorstellungsleben haften bleibt an den materiellen Vorgängen im Nervenorganismus, so bleibt sie haften am anderen Pol bei einem Unklaren, das da, ich möchte sagen, nebulos schwebt zwischen Physischem und Seelischem.
[ 42 ] We do not see the connections in fate, just as we do not see in a dream what is actually weaving and living there as reality. Just as material processes always underlie a dream, flowing into the ether, so does the spiritual-soul element, anchored in the will, surge toward the outer world. But the spiritual-soul element is not organized in ordinary life in such a way that the spirit itself can be perceived in its activity within what unfolds for us as the succession of so-called experiences of fate. The moment we grasp this sequence, we learn to recognize the fabric of destiny; we learn to recognize that just as, in ordinary life, the soul veils the spiritual from itself through its concepts, so too, in destiny, it veils the spiritual from itself through emotion—through sympathy and antipathy—with which it receives the events that come to it as life events. The moment one sees through sympathy and antipathy from a spiritual scientific perspective, the moment one truly grasps the course of life’s events objectively and with equanimity, one realizes how everything that occurs in our lives between birth and death as a matter of destiny is either the aftereffect of previous earthly lives or the preparation for future earthly lives. Just as, on the one hand, external natural science does not penetrate to the spiritual-soul realm—not even to the etheric—when it seeks the relationships between the material world and the imagination, so, at the other extreme, natural science today is unable to cope with its endeavors. Just as, on the one hand, it remains stuck in the realm of imagination at the material processes in the nervous system, so, at the other extreme, it remains stuck in an obscurity that, I might say, hovers nebulously between the physical and the soulful.
[ 43 ] Das sind gerade diejenigen Gebiete, wo man so recht gewahr werden muß, wie Weltanschauungsbegriffe sich sowohl beweisen wie widerlegen lassen. Und für den, der sich auf den Beweis versteift, hat das Positive viel für sich; man muß aber, wie zur Ausatmung die Einatmung, auch das Negative innerlich erkenntnisgemäß erleben können. Nun trat ja in der neueren Zeit das hervor, was man die analytische Psychologie nennt. Diese analytische Psychologie ist, ich möchte sagen, von guten Ahnungen beseelt. Denn was will sie? Diese analytische Psychologie, oder wie man sie gewöhnlich heute nennt, Psychoanalyse, sie will von dem gewöhnlichen Seelenleben zu dem heruntersteigen, was in dem gewöhnlichen gegenwärtigen Seelenleben nicht mehr enthalten ist, aber Rest ist aus früherem seelischen Erleben. Der Psychoanalytiker nimmt an, das seelische Leben erschöpfe sich nicht in dem gegenwärtigen seelischen Erleben, in dem bewußten seelischen Erleben, sondern das Bewußtsein tauche hinunter ins Unterbewußte. Und in vielem, was im seelischen Leben als Störung, als Verwirrung, als dieses oder jenes Mangelhafte auftritt, sieht der Psychoanalytiker eine Wirkung des unten im Unterbewußten Wogenden. Aber interessant ist es, was in diesem Unterbewußten der Psychoanalytiker nun sieht. Wenn man hört, was er aufzählt in diesem Unterbewußten, so ist es zunächst getäuschte Lebenshoffnung. Der Psychoanalytiker findet irgendeinen Menschen, der unter dieser oder jener Depression leidet. Diese Depression braucht ihren Ursprung nicht im gegenwärtigen bewußten Seelenleben zu haben, sondern in der Vergangenheit. In diesem Leben trat einmal irgend etwas im seelischen Erleben auf. Der Mensch ist darüber hinausgekommen, aber nicht vollständig; im Unterbewußten ist ein Rest geblieben. Er hat zum Beispiel Enttäuschungen erlebt. Er ist durch Erziehung, durch andere Vorgänge, mit dem bewußten Seelenleben über diese Enttäuschungen hinweggekommen, aber im Unterbewußten, da leben sie. Da wogt sie, diese Enttäuschung, gewissermaßen bis an die Grenze der Bewußtheit heran. Da erzeugt sie dann die unklare seelische Depression. Der Psychoanalytiker sucht also in allerlei Enttäuschungen, in getäuschten Lebenshoffnungen, die ins Unterbewußte heruntergezogen sind, dasjenige, was das bewußte Leben in einer dunklen Weise bestimmt. Das sucht er auch in dem, was das Seelenleben als Temperament färbt. In dem, was das Seelenleben aus gewissen rationalen Impulsen heraus färbt, sucht der Psychoanalytiker ein Unterbewußtes, das gewissermaßen nur anschlägt an das Bewußtsein. Dann aber kommt er zu einem weiten Gebiete — ich referiere hier nur —, welches der Psychoanalytiker dadurch faßt, daß er sagt: Da spielt herauf in dasbewußte Leben der animalische Grundschlamm der Seele. Nun soll gar nicht geleugnet werden, daß dieser Grundschlamm vorhanden ist. Ich selber habe in diesen Vorträgen hier schon aufmerksam gemacht, wie gewisse Mystiker Erlebnisse haben dadurch, daß irgend etwas, sei es zum Beispiel die Erotik, raffiniert gemacht wird und heraufspielt in das Bewußtsein, so daß man glaubt, ganz besonders erhabene Vorgänge zu haben, während nur die Erotik, «der animalische Grundschlamm der Seele», heraufschlägt und ausgedeutet wird manchmal im tief mystischen Sinne. Man kann noch bei einer so poetisch feinen Mystikerin wie Mechthild von Magdeburg nachweisen, wie bis in die Einzelheiten der Vorstellungen hinein das erotische Empfinden geht. Diese Dinge muß man gerade klar erfassen, damit man auf geisteswissenschaftlichem Gebiet keine Irrtümer begeht. Denn wer in den Geist eindringen will, ist ganz besonders darauf angewiesen, alle Irrtumswege zu kennen, nicht um sie zu gehen, sondern um sie zu vermeiden. Derjenige aber, der von diesem animalischen Grundschlamm der Seele spricht, der nur von enttäuschten Lebenshoffnungen spricht und dergleichen, der geht nicht tief genug in das seelische Leben hinein: der gleicht einem Menschen, der über ein Feld geht, auf dem noch nichts zu sehen ist, und der glaubt, daß nur die Ackererde oder gar der Dünger in ihm enthalten ist, während in diesem Felde schon enthalten sind alle die Früchte, die demnächst herauskommen werden als Getreide oder sonstiges. Wenn man vom Grundschlamm der Seele spricht, dann sollte man auch sprechen von dem, was darin eingebettet ist. Gewiß, es sind enttäuschte Hoffnungen in diesem Grundschlamm enthalten; aber in dem, was da eingebettet ist, birgt sich zu gleicher Zeit eine Keimkraft, welche das darstellt, was — wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen sein wird in das Leben, das zwischen dem Tod und einer neuen Geburt verläuft, und dann in ein neues Erdenleben eintritt- aus den getäuschten Hoffnungen etwas ganz anderes macht als eine Depression, dasjenige aus ihnen macht, was dann in einem nächsten Leben zur Ent-Täuschung, zur Ertüchtigung führt. In dem, was der Psychoanalytiker in den enttäuschten Lebenshoffnungen in den Untergründen der Seele sucht, liegt, wenn er nur tief genug darauf eingeht, dasjenige, was sich vorbereitet in einem gegenwärtigen Leben, um schicksalsmäßig in ein nächstes Leben einzugreifen.
[ 43 ] These are precisely the areas where one must truly come to realize how worldview concepts can be both proven and refuted. And for those who insist on proof, the positive has much to recommend it; but just as exhalation follows inhalation, one must also be able to experience the negative inwardly through insight. Now, in recent times, what is called analytical psychology has come to the fore. This analytical psychology is, I would say, inspired by sound intuitions. For what does it seek? This analytical psychology—or, as it is commonly called today, psychoanalysis—seeks to descend from ordinary mental life to that which is no longer contained within ordinary present-day mental life, but is a remnant of earlier psychological experience. The psychoanalyst assumes that psychological life is not exhausted in present-day psychological experience—in conscious psychological experience—but that consciousness delves down into the unconscious. And in much of what appears in psychological life as a disturbance, as confusion, or as this or that deficiency, the psychoanalyst sees an effect of what is surging deep in the unconscious. But what is interesting is what the psychoanalyst now sees in this unconscious. When one hears what he lists as being in this unconscious, it is, first and foremost, a dashed hope for life. The psychoanalyst encounters a person suffering from this or that form of depression. This depression need not have its origin in the present conscious psychological life, but rather in the past. At some point in this life, something occurred in the person’s psychological experience. The person has overcome it, but not completely; a remnant remains in the unconscious. For example, they have experienced disappointments. Through upbringing and other processes, they have moved past these disappointments in their conscious mental life, but in the subconscious, they still linger. There, this disappointment surges, so to speak, right up to the threshold of consciousness. There it then gives rise to a vague psychological depression. The psychoanalyst therefore searches within all manner of disappointments—within dashed hopes for life that have been drawn down into the subconscious—for that which determines conscious life in a hidden way. He also seeks this in what colors the inner life as temperament. In what colors the life of the soul based on certain rational impulses, the psychoanalyst seeks a subconscious that, so to speak, merely brushes against consciousness. But then he arrives at a vast realm—I am merely summarizing here—which the psychoanalyst grasps by saying: Here, the animalistic primal sludge of the soul surges up into conscious life. Now, it is by no means to be denied that this primal sludge exists. I myself have already pointed out in these lectures here how certain mystics have experiences in which something—be it, for example, eroticism—is refined and surfaces into consciousness, so that one believes one is experiencing particularly sublime processes, whereas it is only eroticism, “the animalistic sludge at the bottom of the soul,” surfaces and is sometimes interpreted in a deeply mystical sense. Even in the case of a mystic as poetically refined as Mechthild of Magdeburg, one can demonstrate how erotic feeling permeates even the minutest details of her imagery. One must grasp these things clearly precisely so as not to commit errors in the field of spiritual science. For anyone who wishes to penetrate the spirit is particularly dependent on knowing all the paths to error—not to follow them, but to avoid them. But the one who speaks of this animalistic sludge at the bottom of the soul, who speaks only of disappointed hopes for life and the like, does not delve deeply enough into the life of the soul: such a person is like someone walking across a field where nothing is yet visible, and who believes that it contains only topsoil or even manure, whereas this field already contains all the fruits that will soon emerge as grain or other crops. When one speaks of the primal sludge of the soul, one should also speak of what is embedded within it. Certainly, this deep sludge contains disappointed hopes; but at the same time, what is embedded within it harbors a germinative power that represents what—once a person has passed through the gate of death into the life that lies between death and a new birth, and then enters a new earthly life—will transform these dashed hopes into something entirely different from depression, turning them into what will then lead, in a future life, to disillusionment and spiritual growth. In what the psychoanalyst seeks in the disappointed hopes of life in the depths of the soul lies—if he delves deeply enough into it—that which is being prepared in a present life to intervene, as a matter of destiny, in a future life.
[ 44 ] So findet man überall, wenn man den animalischen Grundschlamm - ohne sich die Hände dabei zu beschmutzen, wie es bei den Psychoanalytikern leider so häufig geschieht — umgräbt, durchforscht, das geistig-seelische Weben des Schicksals, das über Geburt und Tod mit dem geistig-seelischen Leben der Seele hinausgeht. Gerade an der analytischen Psychologie haben wir ein Gebiet, an dem so recht gelernt werden kann, wie alles richtig und alles falsch ist, wenn es sich um Weltanschauungsfragen handelt, nämlich von der einen oder anderen Seite aus. Doch läßt sich ungeheuer viel für die einseitigen Behauptungen der Psychoanalytiker vorbringen; daher wird eine Widerlegung denjenigen, die eingeschworen sind auf diese Begriffe, nicht sehr imponieren. Aber lernt man mit der Erkenntnisgesinnung, die am Anfange dieses Vortrages charakterisiert worden ist, das erkennen, was für und wider spricht, so wird gerade aus dem Für und Wider an der Seele das erlebt werden, was wirklich wirkt. Denn, ich möchte sagen, zwischen dem, was man nur beobachten kann im Seelischen, so wie es die Psychologen tun, die bloß auf das Bewußtsein gehen, und dem, was der Psychoanalytiker unten im animalischen Grundschlamm der Seele findet, da liegt das Gebiet, das dem Geistig-Seelisch-Ewigen angehört, das durch Geburten und Tode geht.
[ 44 ] Thus, wherever one digs through and explores the animalistic primal sludge—without getting one’s hands dirty, as unfortunately so often happens with psychoanalysts—one finds the spiritual-psychic weaving of fate, which transcends birth and death and extends beyond the spiritual-psychic life of the soul. Analytical psychology, in particular, offers a field where one can truly learn how everything is both right and wrong when it comes to questions of worldview—namely, from one side or the other. Yet an immense amount can be said in favor of the one-sided assertions of psychoanalysts; therefore, a refutation will not make much of an impression on those who are firmly committed to these concepts. But if one learns, with the attitude of inquiry characterized at the beginning of this lecture, to recognize the arguments for and against, then it is precisely through weighing the pros and cons within the soul that one will experience what truly has an effect. For, I would say, between what one can merely observe in the soul—as psychologists do, focusing solely on consciousness—and what the psychoanalyst finds deep down in the animalistic sludge at the bottom of the soul, there lies the realm that belongs to the spiritual-soul-eternal, which passes through births and deaths.
[ 45 ] Die Ergründung des ganzen Inneren des Menschen führt auch zu einem richtigen Verhältnis zur Außenwelt. Über den Äther ist ja von der neueren Naturwissenschaft nicht nur in unbestimmter Weise gesprochen worden, sondern von ihm wird auch so gesprochen, daß geradezu auf ihn zurückgeführt werden die größten Weltenrätsel: Aus Ätherzuständen soll sich herausgebildet haben, was dann feste Formen angenommen hat, zu Planeten, Sonnen und Monden geworden ist und so weiter. Da wird dasjenige, was sich als Seelisch-Geistiges im Menschen abspielt, gewissermaßen nur als eine Episode angesehen. Vorne und rückwärts ist der tote Äther. Wenn man den Äther nur von der einen Seite kennenlernt, dann kann man zu einer solchen Konstruktion des Weltenwerdens kommen, zu der der feinsinnige Herman Grimm — ich habe seinen Ausspruch schon öfter angeführt, aber er ist so bedeutsam, daß er immer wiederum vor die Seele geführt werden kann — die folgenden Worte sagt. Indem er sich bekannt gemacht hat damit, wie man denkt, aus dem toten Weltenäthernebel heraus sei das entstanden, worin sich jetzt Leben und Geist entwickelt, und es an der Weltanschauung Goethes mißt, kommt er zu dem folgenden Ausspruch:
[ 45 ] Exploring the entirety of the human inner world also leads to a proper relationship with the outer world. Modern science has not only spoken of the ether in vague terms, but has also spoken of it in such a way that the greatest mysteries of the universe are attributed directly to it: It is said that what later took on solid forms—becoming planets, suns, and moons, and so on—originated from etheric states. In this view, what takes place as the soul-spiritual life within the human being is, in a sense, regarded merely as an episode. The dead ether lies both before and behind. If one comes to know the ether only from one side, then one can arrive at such a conception of the becoming of the world, about which the subtle-minded Herman Grimm—I have quoted his statement many times before, but it is so significant that it can always be brought to mind again—says the following words. Having familiarized himself with the idea that what is now the realm of life and spirit developed out of the dead cosmic etheric nebula—and having measured this against Goethe’s worldview—he arrives at the following statement:
[ 46 ] «Längst hatte, in seinen (Goethes) Jugendzeiten schon, die große Laplace-Kant’sche Phantasie von der Entstehung und dem einstigen Untergange der Erdkugel Platz gegriffen. Aus dem in sich rotierenden Weltnebel - die Kinder bringen es bereits aus der Schule mit — formt sich der zentrale Gastropfen, aus dem hernach die Erde wird, und macht, als erstarrende Kugel, in unfaßbaren Zeiträumen alle Phasen, die Episode der Bewohnung durch das Menschengeschlecht mit einbegriffen, durch, um endlich als ausgebrannte Schlacke in die Sonne zurückzustürzen: ein langer, aber dem heutigen Publikum völlig begreiflicher Prozeß, für dessen Zustandekommen es nun weiter keines äußeren Eingreifens mehr bedurfte, als die Bemühung irgendeiner außenstehenden Kraft, die Sonne in gleicher Heiztemperatur zu erhalten. — Es kann keine fruchtlosere Perspektive für die Zukunft gedacht werden, als die, welche uns in dieser Erwartung als wissenschaftlich notwendig heute aufgedrängt werden soll. Ein Aasknochen, um den ein hungriger Hund einen Umweg machte, wäre ein erfrischendes, appetitliches Stück im Vergleich zu diesem letzten Schöpfungsexkrement, als welches unsere Erde schließlich der Sonne wieder anheimfiele, und es ist die Wißbegier, mit der unsere Generation dergleichen aufnimmt und zu glauben vermeint, ein Zeichen kranker Phantasie, die als ein historisches Zeitphänomen zu erklären die Gelehrten zukünftiger Epochen einmal viel Scharfsinn aufwenden werden.»
[ 46 ] “Long ago, even in his (Goethe’s) youth, the grand Laplace-Kantian vision of the origin and eventual demise of the Earth had already taken hold. From the self-rotating cosmic nebula—the children already learn about this in school—the central gas droplet forms, from which the Earth subsequently emerges, and, as a solidifying sphere, undergoes all phases over inconceivable periods of time—including the episode of human habitation—only to finally plunge back into the sun as burnt-out slag: a long process, yet one entirely comprehensible to today’s audience, the completion of which now required no further external intervention other than the effort of some external force to maintain the Sun at a constant temperature. — No more fruitless prospect for the future can be imagined than the one that is being imposed on us today as scientifically necessary in this expectation. A scrap of bone that a hungry dog went out of its way to find would be a refreshing, appetizing morsel compared to this final excrement of creation, as which our Earth would ultimately fall back into the Sun’s grasp, and the thirst for knowledge with which our generation accepts such ideas and pretends to believe them is a sign of a sick imagination—one that scholars of future eras will one day devote much ingenuity to explaining as a historical phenomenon of our time.”
[ 47 ] Was hier wiederum innerhalb des deutschen Geisteslebens auftritt als eine aus gesundem Seelenleben herausgeborene Empfindung, das zeigt gerade Geisteswissenschaft in wahrem Lichte. Denn, lernt man erkennen, wie die Belebung des toten Äthers durch das Seelische, durch den lebendigen Äther, geschieht, dann kommt man durch die innere Erfahrung ab von der Möglichkeit, daß aus einem toten Ätherischen jemals unser Weltengebäude hätte entstehen können. Und dieses Weltenrätsel nimmt eine ganz andere Gestalt an dadurch, daß man sich bekannt macht mit dem entsprechenden Seelenrätsel. Man erkennt nun den Äther selber in seiner lebendigen Gestalt, erkennt, wie der tote Äther erst aus dem lebendigen entstehen muß. So daß, indem man zu dem Weltenanfang zurückgeht, man zur Seele zurückkommen muß und im Geistig-Seelischen den Ursprung desjenigen sieht, was sich heute entwickelt. Aber während dieses Geistig-Seelische so lange eine bloße Hypothese, ein bloß Ausgedachtes bleibt in bezug auf die äußeren Weltenrätsel, solange man nicht durch Geisteswissenschaft in der Begegnung des lebendigen Äthers von innen mit dem toten Äther von außen das ganze Leben und Weben des Ätherischen kennenlernt, wird eben durch Geisteswissenschaft der Weltennebel selber ein Lebendiges, ein GeistigSeelisches.
[ 47 ] What appears here, once again, within German spiritual life as a feeling born of a healthy inner life is precisely what spiritual science reveals in its true light. For when one learns to recognize how the dead ether is enlivened by the soul—by the living ether—one then, through inner experience, comes to reject the possibility that our world structure could ever have arisen from a dead etheric substance. And this mystery of the world takes on an entirely different form as one becomes acquainted with the corresponding mystery of the soul. One now recognizes the ether itself in its living form and sees how the dead ether must first arise from the living ether. Thus, in going back to the beginning of the world, one must return to the soul and see in the spiritual-soul realm the origin of what is developing today. But as long as this spiritual-soul realm remains a mere hypothesis, a mere figment of the imagination, in relation to the external mysteries of the universe, as long as one does not, through spiritual science, come to know the entire life and weaving of the etheric realm through the encounter of the living ether from within with the dead ether from without, it is precisely through spiritual science that the cosmic nebula itself becomes a living entity, a spiritual-soul entity.
[ 48 ] Sie sehen, auch für die Weltenrätsel ergibt sich gerade aus den Seelenrätseln eine bedeutsame Perspektive. Bei dieser Perspektive muß ich heute innehalten. Sie sehen, daß eine wirkliche Betrachtung des äußeren und inneren Lebens vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft aus über den Äther hinüber in das Geistig-Seelische hineinführt, sowohl in der Seele selbst wie in der äußeren Welt.
[ 48 ] You see, even for the mysteries of the world, a significant perspective emerges precisely from the mysteries of the soul. I must pause here today to reflect on this perspective. You see that a genuine contemplation of outer and inner life from the standpoint of spiritual science leads across the ether into the spiritual-soul realm, both within the soul itself and in the outer world.
[ 49 ] Dem steht allerdings gegenüber solch eine Erkenntnisgesinnung, wie ich sie bei einem Manne angeführt habe, den ich schon das letztemal nannte. Wir können es ja heute wenigstens ahnen, daß von einem so gedachten Leiblichen, wie es die Geisteswissenschaft denkt, unmittelbar die Brücke hinaufführt zu dem Geistig-Seelischen, in dem die Ethik, die Moral, die Sittlichkeit wurzelt, die aus dem Geiste stammt — wie überhaupt das Sinnliche in das Geistige hineinführt. Aber innerhalb der Beschäftigung mit dem rein äußerlich Materiellen hat es die Wissenschaft zu einer Gesinnung gebracht, welche ein Verankern der Ethik in einem Geistigen überhaupt schon leugnet. Die Ethik selber zu leugnen geniert man sich ja heute noch, aber man sagt heute über die Ethik folgendes, was nun am Schlusse des Vortrags von Jacques Loeb steht, den ich mit Bezug auf den Anfang das letztemal vorbrachte. Dort sagt er, der durch naturwissenschaftliche Forschung zu einer brutalen Ableugnung der Ethik kommt:
[ 49 ] This, however, stands in contrast to a mindset toward knowledge such as I described in the case of a man whom I mentioned last time. We can at least surmise today that a conception of the physical body such as that held by spiritual science leads directly to the spiritual-psychic realm, in which ethics, morality, and virtue—which originate in the spirit—are rooted—just as the sensory realm leads into the spiritual realm in general. But in its preoccupation with what is purely outwardly material, science has arrived at a mindset that denies any anchoring of ethics in the spiritual at all. People are still reluctant today to deny ethics itself, but they now say the following about ethics, which appears at the end of the lecture by Jacques Loeb that I cited last time in reference to the beginning. There, he—who, through scientific research, arrives at a brutal denial of ethics—says:
[ 50 ] «Wenn unsere Existenz auf dem Spiel blinder Kräfte beruht und nur ein Werk des Zufalls ist, wenn wir selbst nur chemische Mechanismen sind — wie kann es für uns eine Ethik geben? Darauf lautet die Antwort, daß unsere Instinkte die Wurzel unserer Ethik bilden, und daß die Instinkte ebenso erblich sind, wie die Formbestandteile unseres Körpers. Wir essen und trinken und pflanzen uns fort, nicht, weil Metaphysiker zu der Einsicht gelangt sind, daß das wünschenswert ist, sondern weil wir maschinenmäßig dazu veranlaßt werden. Wir sind tätig, weil wir maschinenmäßig durch die Vorgänge in unserem Nervensystem dazu gezwungen werden, und, wenn die Menschen nicht ökonomische Sklaven sind, so bestimmt der Instinkt der «gelungenen Auslösung oder der erfolgreichen Arbeit die Richtung ihrer Tätigkeit. Die Mutter liebt ihre Kinder und pflegt dieselben, nicht, weil Metaphysiker den Einfall hatten, daß das schön sei, sondern weil der Instinkt der Brutpflege, vermutlich durch die zwei Geschlechtschromosomen, ebenso fest bestimmt ist wie die morphologischen Charaktere des weiblichen Körpers. Wir erfreuen uns der Gesellschaft anderer Menschen, weil wir durch erbliche Bedingungen dazu gezwungen werden. Wir kämpfen für Gerechtigkeit und Wahrheit, und sind bereit, Opfer für dieselben zu bringen, weil wir instinktiv unsere Mitmenschen glücklich zu sehen wünschen. Daß wir eine Ethik besitzen, verdanken wir lediglich unseren Instinkten, welche in derselben Weise chemisch und erblich in uns festgelegt sind wie die Form unseres Körpers.»
[ 50 ] “If our existence depends on the interplay of blind forces and is merely a product of chance, if we ourselves are nothing more than chemical mechanisms—how can there be an ethics for us? The answer is that our instincts form the root of our ethics, and that these instincts are just as hereditary as the physical components of our bodies. We eat, drink, and reproduce not because metaphysicians have come to the conclusion that this is desirable, but because we are mechanically driven to do so. We act because we are mechanically compelled to do so by the processes in our nervous system, and, unless people are economic slaves, the instinct for “successful reproduction or productive work” determines the direction of their activity. A mother loves and cares for her children, not because metaphysicians conceived the idea that this is beautiful, but because the instinct for brood care—presumably determined by the two sex chromosomes—is just as firmly established as the morphological characteristics of the female body. We enjoy the company of other people because we are compelled to do so by hereditary conditions. We fight for justice and truth, and are willing to make sacrifices for them, because we instinctively wish to see our fellow human beings happy. We owe the fact that we possess a moral code solely to our instincts, which are chemically and hereditarily fixed within us in the same way as the shape of our bodies.”
[ 51 ] Sittliches Handeln führt zurück auf Instinkte! Instinkte führen zurück auf physisch-chemisches Wirken! Die Logik ist allerdings sehr fadenscheinig. Denn selbstverständlich kann man sagen, daß man mit dem ethischen Handeln nicht erst auf die Metaphysiker warten soll, bis sie irgendwelche metaphysischen Grundsätze ausgetüftelt haben, aber das ist doch dasselbe, wie wenn jemand etwa sagen wollte: soll man denn mit der Verdauung warten, bis die Metaphysiker oder die Physiologen.die Gesetze der Verdauung gefunden haben? Ich möchte einmal dem Professor Loeb anempfehlen, deshalb ebenso die physiologischen Gesetze der Verdauung nicht zu erforschen, wie er brutal anstürmt gegen die metaphysischen Gesetze des ethischen Lebens. Aber man kann schon sagen: Man kann heute ein bedeutender Naturforscher sein — die Denkgewohnheiten aber gehen dahin, daß sie einen gewissermaßen abschnüren von allem geistigen Leben, daß man sich gar keinen Blick mehr wahrt für dieses geistige Leben. Damit geht aber immer parallel, daß man wird nachweisen können gewissermaßen einen Defekt im Denken, so daß man niemals ganz wirksam hat alles, was zu einem Gedanken dazugehört.
[ 51 ] Moral action can be traced back to instincts! Instincts can be traced back to physical-chemical processes! The logic, however, is very flimsy. For of course one can say that when it comes to ethical conduct, one should not wait for the metaphysicians to come up with some metaphysical principles, but that is the same as if someone were to say: should one wait with digestion until the metaphysicians or physiologists have discovered the laws of digestion? I would like to suggest to Professor Loeb that he refrain from investigating the physiological laws of digestion just as he so brutally attacks the metaphysical laws of ethical life. But one can certainly say this: One can be a prominent natural scientist today—yet one’s habits of thought tend to cut one off, as it were, from all spiritual life, so that one no longer retains any perspective on this spiritual life. This is always accompanied by the fact that one can, as it were, demonstrate a defect in thinking, such that one never fully grasps everything that belongs to a thought.
[ 52 ] Darüber kann man ja eigentümliche Erfahrungen machen. Ich habe hier schon vor einiger Zeit eine solche Erfahrung vorgebracht; aber ich möchte sie doch noch einmal vorbringen, weil sie anknüpft an Ausführungen eines sehr bedeutsamen Naturforschers der Gegenwart, der auch zu denen gehört, die ich angreife, gerade weil ich sie auf einem Gebiete sehr hoch schätze. Dieser Naturforscher hat große Verdienste auf dem Gebiete der Astro-Physik und auch auf gewissen anderen Gebieten der Naturforschung. Als er aber ein zusammenfassendes Buch geschrieben hat über das Weltbild der Gegenwart und die Entstehung dieses Weltbildes, da kommt er in der Vorrede zu einem merkwürdigen Ausspruch. Er ist gewissermaßen entzückt, wie wir es so herrlich weit gebracht haben dadurch, daß wir alles naturwissenschaftlich auslegen können, und zeigt mit einem ge' wissen Hochmut, wie das ja gang und gäbe ist in solchen Kreisen, auf die früheren Zeiten, die das nicht konnten, und er beruft sich dabei auf Goethe, indem er sagt: Ob man wirklich sagen kann, daß wir in der besten Zeit leben, das ist nicht auszumachen; aber daß wir mit Bezug auf die naturwissenschaftliche Erkenntnis im Vergleich mit früheren Zeiten, in der besten der Erkenntniszeiten leben, dafür können wir uns auf Goethe berufen, der da sagt:
[ 52 ] One can indeed have some peculiar experiences in this regard. I mentioned such an experience here some time ago; but I would like to bring it up again, because it ties in with the remarks of a very significant contemporary natural scientist, who is also among those I criticize—precisely because I hold him in such high regard in a particular field. This natural scientist has made great contributions in the field of astrophysics and also in certain other areas of natural science. However, when he wrote a comprehensive book on the contemporary worldview and the origins of that worldview, he made a curious statement in the preface. He is, in a sense, delighted at how wonderfully far we have come by being able to interpret everything scientifically, and—with a certain arrogance, as is customary in such circles—he points to earlier times when people could not do this, citing Goethe in the process by saying: Whether one can truly say that we live in the best of times is impossible to determine; but that, with regard to scientific knowledge, we live in the best of times compared to earlier eras—in this respect, we can cite Goethe, who says:
Es ist ein groß Ergötzen,
Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen,
Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht,
Und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.
It is a great delight,
To put oneself in the spirit of the times,
To see how a wise man thought before us,
And how we have ultimately come so far.
[ 53 ] Damit schließt, also mit einem Bekenntnis, das er aus Goethe nimmt, ein großer Naturforscher der Gegenwart. Er hat nur vergessen, daß Wagner es ist, der dieses Bekenntnis ablegt und daß Faust zu diesem Bekenntnis sagt, als Wagner wieder fort ist:
[ 53 ] Thus concludes a great contemporary naturalist—with a profession of faith he takes from Goethe. He has simply forgotten that it is Wagner who makes this profession of faith, and that Faust responds to it once Wagner has departed:
Wie nur dem Kopf nicht alle Hoffnung schwindet,
Der immerfort an schalem Zeuge klebt,
Mit gier’ger Hand nach Schätzen gräbt
Und froh ist, wenn er Regenwürmer findet!
How is it that all hope does not fade from the mind,
Which clings ceaselessly to worthless evidence,
Digging for treasures with a greedy hand
And is happy when it finds earthworms!
[ 54 ] Sich zu besinnen darauf, was Goethe eigentlich sagt, hat dieser große Forscher in dem Moment vergessen, wo er sich auf Wagner beruft, um auszudrücken, wie wir es so herrlich weit gebracht haben. Da kann man, ich möchte sagen, abfangen, wo das Denken ausläßt im Verfolgen der Wirklichkeit.
[ 54 ] This great scholar forgot to reflect on what Goethe actually says the very moment he invoked Wagner to express how wonderfully far we have come. There, I would say, one can pick up where thought leaves off in its pursuit of reality.
[ 55 ] Und solcher Beispiele könnten wir viele vorführen, wenn wir uns gerade in die wissenschaftliche Literatur der Gegenwart ein wenig vertiefen. Es wird ja gewiß, da ich den genannten Naturforscher, wie ich gesagt habe, sehr schätze, nicht übel genommen werden können, wenn ich gegenüber solcher Naturforschung, die sich aufbläht, auch über den Geist Auskunft geben zu können, die wahre Goethesche Gesinnung geltend machen möchte. Denn können wir es auch manchem Monisten verzeihen, wenn er aus der Schwachmütigkeit seines Denkens eben nicht zum Geiste kommen kann: gefährlich ist es, wenn die Gesinnung, die bei Jacques Loeb und bei dem charakterisierten Naturforscher auftritt, der sich als Wagner charakterisiert, aber glaubt, sich als Goethe zu charakterisieren, immer mehr und mehr durch den Autoritätsglauben sich in weiteste Kreise verbreitet. Das tut sie. Wer eindringt in dasjenige, was aus der Geisteswissenschaft heraus Gesinnung geben kann, der wird vielleicht, wenn das auch manchem nicht genug ehrerbietig scheinen könnte, solchem Ausspruch gegenüber, wie ihn jener Naturforscher getan hat, in Anknüpfung an Goethe zu der echten Goetheschen Gesinnung kommen, wenn er anknüpft an die Worte, mit denen ich diesen Vortrag beschließen möchte:
[ 55 ] And we could cite many such examples if we were to delve just a little into contemporary scientific literature. Since, as I have said, I hold the aforementioned naturalist in high regard, I am sure no one will take offense if, in the face of such natural science that presumes to speak even about the spirit, I wish to assert the true Goethean spirit. For while we may forgive some monists if, due to the feebleness of their thinking, they are simply unable to reach the spirit, it is dangerous when the mindset evident in Jacques Loeb and in the natural scientist described—who characterizes himself as Wagner but believes he is characterizing himself as Goethe—spreads ever more widely through a belief in authority. And that is precisely what is happening. Whoever delves into that which, through spiritual science, can provide a mindset may perhaps—even if this might not seem sufficiently reverent to some—in response to a statement such as that made by the natural scientist, in connection with Goethe, arrive at the genuine Goethean mindset, if they take up the words with which I would like to conclude this lecture:
Es ist ein groß Entsetzen,
Sich in dergleichen Seelen zu versetzen,
Wie gierig sie den Stoff betasten
Und an dem Geist vorüberhasten!
It is a great horror,
To put oneself in the place of such souls,
How greedily they grope at the material
And rush past the spirit!
