The Eternal in the Human Soul
Immortality and Freedom
GA 67
21 March 1918, Berlin
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
The Eternal in the Human Soul, tr. SOL
7. Die Offenbarungen des Unbewussten vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkt
7. The Revelations of the Unconscious from the Perspective of Spiritual Science
[ 1 ] Erkenntnisgewinn über diejenigen Dinge des menschlichen Lebens, welche in der hier vertretenen Geisteswissenschaft behandelt werden, wünscht eigentlich jeder, der bis zu einem gewissen Grade zum Erkennen erwacht ist und Einsicht gewonnen hat, welchen Dienst ein wahres Verständnis der Wirklichkeit dem menschlichen Leben leisten kann. Dagegen ist gerade die Art der Erkenntnisbestrebungen, welche innerhalb dieser Geisteswissenschaft gesucht wird, manchem unbequem aus dem Grunde, weil sie immer wieder aus der Natur ihres Suchens heraus darauf hinweisen muß, daß die gewöhnlichen und auch die in der gewöhnlichen Wissenschaft üblichen Erkenntniskräfte in dieses Gebiet des geistigen Lebens nicht hineinführen können; denn man findet es eben unbequem, sich an andere Erkenntnisquellen zu wenden. Zwar kann es gerade aus der Betrachtung dieser Geisteswissenschaft jedem, wenn die Betrachtung vorurteilslos ist, immer klarer werden, daß der gewöhnliche, gesunde Menschenverstand, der sich nur wirklich an das Leben heranmacht, in der Lage ist, alles dasjenige unmittelbar einzusehen, was aus der Geisteswissenschaft dargeboten wird. Dennoch will man gerade dieser Geisteswissenschaft gegenüber diesen gesunden Menschenverstand und die gewöhnliche Lebenserfahrung nicht anwenden, weil man sich nicht an dasjenige wenden will, was erst durch die Entwickelung der menschlichen Seele herbeigeführt werden muß. Erforscht können die Tatsachen der Geisteswissenschaft nur werden durch die hier schon geschilderten und weiter zu schildernden geisteswissenschaftlichen Methoden, aber wenn die Tatsachen erforscht sind, so können sie von dem gesunden Menschenverstand und der gewöhnlichen Lebenserfahrung durchaus erfaßt werden. Weil man aber aus einer inneren Erkenntnisbequemlichkeit eine gewisse Scheu hat, an diese Geisteswissenschaft heranzutreten, deshalb wenden sich auch diejenigen Persönlichkeiten der Gegenwart, welche den Drang haben, hierüber etwas zu wissen, gern an andere Quellen, an solche Quellen, welche ihrer Natur nach näherliegen den Methoden, die man im Laboratorium, im Seziersaal oder sonst in der heute gebräuchlichen Wissenschaft anwendet. So kommt es denn, daß diejenigen, die es nicht über sich bringen können, an die Geisteswissenschaft selbst heranzutreten, oftmals gerade die abnormen Erscheinungen des menschlichen Lebens heranziehen, die sich in dem Gebiet der äußeren Sinneswelt beobachten lassen, um gewisse Einblicke in das geistige Leben zu gewinnen. Denn sie glauben, durch dasjenige, was sich am Menschen in abnormer Weise äußert, Aufschlüsse über gewisse Rätsel des Daseins gewinnen zu können. Aus diesem Grunde ist ja die Geisteswissenschaft in weitesten Kreisen immer wiederum verwechselt worden mit solchen Bestrebungen, die an allerlei abnorme Grenzgebiete des menschlichen Lebens herangehen, um das Geistige zu erkennen.
[ 1 ] In fact, anyone who has awakened to a certain degree of understanding and has come to realize the service that a true understanding of reality can render to human life desires to gain insight into those aspects of human life that are addressed in the spiritual science advocated here. On the other hand, it is precisely the nature of the quest for knowledge pursued within this spiritual science that is uncomfortable for some, because—by the very nature of its inquiry—it must repeatedly point out that the ordinary powers of cognition, including those customary in conventional science, cannot lead into this realm of spiritual life; for people simply find it uncomfortable to turn to other sources of knowledge. Admittedly, it can become increasingly clear to anyone—provided their consideration is free of prejudice—precisely through the study of this spiritual science that ordinary, sound common sense, when it truly engages with life, is capable of immediately grasping everything that is presented by spiritual science. Nevertheless, it is precisely in the face of this spiritual science that people refuse to apply this common sense and ordinary life experience, because they do not wish to turn to that which must first be brought about through the development of the human soul. The facts of spiritual science can be investigated only through the spiritual-scientific methods already described here and to be described further; but once the facts have been investigated, they can certainly be grasped by common sense and ordinary life experience. However, because a certain reluctance to approach this spiritual science stems from a desire for intellectual ease, even those individuals today who feel an urge to learn about these matters often turn to other sources—sources that, by their very nature, are closer to the methods used in the laboratory, the dissection room, or elsewhere in modern science. Thus it happens that those who cannot bring themselves to approach spiritual science directly often turn precisely to the abnormal phenomena of human life—those observable in the realm of the external sensory world—in order to gain certain insights into spiritual life. For they believe that through what manifests itself in an abnormal way in human beings, they can gain insight into certain mysteries of existence. For this reason, spiritual science has time and again been confused in the broadest circles with those endeavors that approach all manner of abnormal borderlands of human life in order to recognize the spiritual.
[ 2 ] Deshalb ist es notwendig, daß ich auch in einem dieser Vorträge auf eine Betrachtung solcher Grenzgebiete eingehe, die zwar durch ihre Abnormität hinweisen auf gewisse Geheimnisse des Daseins, die aber nur durch die Geisteswissenschaft wirklich verstanden werden können, und die zu unzähligen Irrtümern über die wahre Wirklichkeit des geistigen Lebens führen müssen, wenn man sie ohne die Hilfe der Geisteswissenschaft betrachtet. Das Grenzgebiet, das ich heute ins Auge fassen will, ist ja in aller seiner Weite und aller seiner Interessantheit und Rätselhaftigkeit jedem Menschen mehr oder weniger bekannt, da es hinweist auf gewisse Zusammenhänge des äußeren Lebens mit den verborgenen Untergründen dieses Daseins. Ich meine das Traumleben des Menschen. Ausgehend von diesem 'Traumleben wird es mir dann obliegen, auch andere Grenzgebiete des menschlichen Daseins heute zu betrachten, nämlich die Erscheinungen, durch welche im abnormen Erleben der Glaube entstehen könnte, daß man durch sie irgendwie den Untergründen des Lebens besonders nahe stände, die Erscheinungen der Halluzination, die Erscheinungen des visionären Lebens, und was damit verwandt ist, die Erscheinungen des Somnambulismus, der Mediumschaft, soweit es im Rahmen eines kurzen Vortrages geschehen kann.
[ 2 ] That is why it is necessary for me to address, in one of these lectures, a consideration of such borderline areas which, while pointing to certain mysteries of existence through their abnormality, can only be truly understood through spiritual science, and which are bound to lead to countless errors regarding the true reality of spiritual life if they are considered without the aid of spiritual science. The borderland I wish to consider today is, in all its breadth, interest, and mystery, more or less familiar to everyone, since it points to certain connections between outer life and the hidden depths of this existence. I am referring to the human life of dreams. Taking this “dream life” as my starting point, it will then be my task today to also consider other borderlands of human existence—namely, the phenomena through which, in abnormal experiences, the belief might arise that one is somehow particularly close to the underlying foundations of life: the phenomena of hallucination, the phenomena of visionary life, and, related to these, the phenomena of somnambulism, mediumship—as far as this is possible within the scope of a short lecture.
[ 3 ] Wer vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkt aus über diese Grenzgebiete des menschlichen Lebens sich Aufschluß verschaffen will, der hat nötig, daß er gerade diejenigen Eigentümlichkeiten wirklicher Geistesforschung ins Auge faßt, welche irgendwie darüber Licht verbreiten können. Daher möchte ich aus dem Umfang dessen, was ich von verschiedenen Gesichtspunkten her in den bisherigen Vorträgen schon charakterisiert habe, einiges herausgreifen, was dann geeignet sein kann, eine Grundlage abzugeben für die Besprechung der eben genannten Erscheinungen. Geistesforschung muß begründet sein auf einer wirklichen Entfaltung von Kräften der menschlichen Seele, die im gewöhnlichen Bewußtsein und auch in demjenigen Bewußtsein, mit dem die gewöhnliche Wissenschaft arbeitet, verborgen sind. Ich habe darauf hingewiesen, daß die menschliche Seele in der Lage ist, durch gewisse Übungen, gewisse Veranstaltungen rein seelischer Art, die gar nicht mit irgend etwas Leiblichem zu tun haben, in ihr sonst schlummernde Kräfte aus sich herauszuholen, so daß sie sich dadurch in die Möglichkeit versetzt, hineinzuschauen in das wirkliche geistige Leben. Charakterisieren muß ich heute das, was vor allen Dingen Vorbedingung für die menschliche Seele ist, um in einer solchen übersinnlichen Erkenntnis sich von dem Leiblichen unabhängig zu machen. Da ist vor allem notwendig, daß man dasjenige berücksichtigt, was ich in einem früheren Vortrage schon auseinandergesetzt habe und heute kurz wiederholen will.
[ 3 ] Anyone who wishes to gain insight into these borderlands of human life from a humanities perspective must focus specifically on those characteristics of genuine spiritual research that can shed light on them in some way. Therefore, I would like to draw out a few points from the scope of what I have already characterized from various perspectives in my previous lectures—points that may then serve as a foundation for discussing the phenomena just mentioned. Spiritual research must be based on a genuine unfolding of the powers of the human soul that are hidden within ordinary consciousness and also within the consciousness with which ordinary science works. I have pointed out that the human soul is capable, through certain exercises—certain activities of a purely spiritual nature that have nothing at all to do with anything physical—of drawing forth from within itself powers that would otherwise lie dormant, thereby enabling it to gain insight into the true spiritual life. Today I must characterize what is, above all, a prerequisite for the human soul to become independent of the physical realm in such supersensory knowledge. Above all, it is necessary to take into account what I have already explained in an earlier lecture and wish to briefly repeat today.
[ 4 ] Ich habe gesagt, daß allerdings die Art, sich zur geistigen Wirklichkeit zu stellen, eine andere sein muß als diejenige, wie man sich zur äußeren physisch-sinnlichen Wirklichkeit stellt. Da ist vor allem notwendig zu berücksichtigen, daß dasjenige, was in der geistigen Welt erfahren wird von der leibfreien Seele, nicht unmittelbar so, wie es erfahren wird, wie eine gewöhnliche Vorstellung übergehen kann in das menschliche Erinnerungsvermögen. Dasjenige, was man im Geiste erfährt, das muß immer wieder von neuem erfahren werden, so wie man einer äußeren physischen Wirklichkeit, wenn man sich nicht bloß an sie erinnern, sondern sie vor sich haben will, immer wieder von neuem gegenübertreten muß. Wer glaubt, wirkliche geistige Erfahrung mit solchen Vorstellungen zu haben, an die er sich erinnern kann wie an gewöhnliche Vorstellungen des alltäglichen Lebens, der kennt nicht das wirklich Geistige. Wenn man sich, wie das selbstverständlich möglich ist, doch später erinnert an geistige Erlebnisse, so rührt das davon her, daß man in der Lage ist, solche Erlebnisse in das gewöhnliche Bewußtsein hineinbringen zu können, wie man die Anschauungen einer äußeren physischen Wirklichkeit hineinbringen kann. Dann kann man sich an die Vorstellungen erinnern. Aber man muß unterscheiden lernen zwischen diesem Erinnern an die selbst gebildeten Vorstellungen und dem unmittelbaren Erleben eines geistigen Vorganges, dem unmittelbaren einer geistigen Wesenheit Gegenüber-Stehen. Das also ist ein besonderes Charakteristikum des leibfreien Erlebens, daß dieses Erleben nicht unmittelbar in das Gedächtnis eingreift.
[ 4 ] I have said that, admittedly, the way one approaches spiritual reality must be different from the way one approaches external, physical-sensory reality. Above all, it is necessary to bear in mind that what is experienced in the spiritual world by the bodyless soul cannot be transferred directly—as it is experienced—into human memory in the same way as an ordinary idea. What one experiences in the spirit must be experienced again and again anew, just as one must confront an external physical reality again and again anew if one wishes not merely to remember it but to have it before oneself. Anyone who believes they have genuine spiritual experience through such impressions—which they can recall just as they would ordinary impressions of everyday life—does not know the truly spiritual. If, as is of course possible, one later recalls spiritual experiences, this stems from the fact that one is able to bring such experiences into ordinary consciousness, just as one can bring perceptions of an external physical reality into it. Then one can recall the images. But one must learn to distinguish between this recollection of self-formed ideas and the immediate experience of a spiritual process—the immediate encounter with a spiritual being. This, then, is a distinctive characteristic of disembodied experience: that this experience does not directly enter into memory.
[ 5 ] Ein anderes Charakteristikum — ein auch schon von mir hier erwähntes — ist, daß der Mensch sonst, wenn er sich im Leben übt, um irgend etwas zu können, durch die fortschreitenden Übungen immer mehr in die Lage kommt, leichter und geschickter das, was er übt, zu vollbringen. Beim geistigen Erkennen ist sonderbarerweise das Umgekehrte der Fall. Je öfter man ein gleiches geistiges Erleben hat, desto schwieriger wird es der Seele, sich in eine solche Lage zu versetzen, um dieses geistige Erlebnis gerade so wieder zu haben. Man muß auch die Methode kennenlernen, durch die ein geistiges Erlebnis wiederholt gemacht werden kann, weil es auf dieselbe Art sich nicht erneuern läßt.
[ 5 ] Another characteristic—one I have already mentioned here—is that when a person practices something in life in order to master it, progressive practice gradually enables them to perform what they are practicing more easily and skillfully. Strangely enough, the opposite is true when it comes to spiritual cognition. The more often one has the same spiritual experience, the more difficult it becomes for the soul to put itself in a position to have that very same spiritual experience again. One must also learn the method by which a spiritual experience can be repeated, because it cannot be renewed in exactly the same way.
[ 6 ] Das dritte, was ich erwähnt habe, ist, daß die eigentlichen geistigen Erlebnisse so schnell vor der Seele vorüberhuschen, daß man Geistesgegenwart braucht, um sie festzuhalten. Sonst huscht das Ereignis so schnell vorüber, daß es schon vorbei ist, wenn man nur die Aufmerksamkeit darauf lenkt. Ich sagte, man müsse sich üben, solche Lagen des Lebens zu beherrschen, wo man nicht lange herumtrödeln und überlegen kann, ob man sich zu dem oder jenem entschließt, sondern wo eine Entschließung rasch notwendig ist, wo man rasch zugreifen muß und sicher zugreifen muß. Solche Geistesgegenwart ist notwendig, um geistige Erlebnisse wirklich in den Bereich der Aufmerksamkeit hineinbringen zu können. Ich erwähne diese Eigentümlichkeiten des geistigen Erlebens aus dem Grunde, weil sie schon zeigen, wie sehr das Erleben im Geiste verschieden ist von dem Erleben in der äußeren physischen Sinnenwelt und wie wenig es daher eigentlich gerechtfertigt ist, wenn immer wiederum von Nichtkennern behauptet wird, daß es nur die aus der äußeren Sinnenwelt gewonnenen Ideen und Begriffe sind, die der Geistesforscher als Reminiszenz hineinträgt in irgendeine von ihm geträumte geistige Welt. Wer von der Eigentümlichkeit dieser geistigen Welt wirklich etwas weiß, der weiß auch, daß sie sich so unterscheidet von der gewöhnlichen Sinnenwelt, daß aus ihr nichts hineingetragen werden kann, sondern daß die Seele eben die Entwickelung besonderer Fähigkeiten braucht, um als Geist einem Geistigen gegenübertreten zu können.
[ 6 ] The third point I mentioned is that actual spiritual experiences flit past the soul so quickly that one needs presence of mind to grasp them. Otherwise, the event passes so quickly that it is already over by the time one turns one’s attention to it. I said that one must practice mastering those situations in life where one cannot dawdle and ponder for long about whether to decide on this or that, but where a decision is needed quickly—where one must act swiftly and with certainty. Such presence of mind is necessary to truly bring spiritual experiences into the realm of one’s attention. I mention these peculiarities of spiritual experience for the reason because they already show how very different spiritual experience is from experience in the outer physical sensory world, and how little justification there actually is for the repeated claims made by those unfamiliar with it—namely, that it is only the ideas and concepts derived from the outer sensory world that the spiritual researcher carries as reminiscences into some spiritual world of his own dreaming. Anyone who truly knows anything about the peculiar nature of this spiritual world also knows that it differs so greatly from the ordinary sensory world that nothing can be carried over from it; rather, the soul needs to develop special abilities in order to be able to encounter the spiritual as spirit.
[ 7 ] Aber auch sonst sind gewisse Dinge notwendig, die in der Seele desjenigen, der so geistig forschen will, wie es hier gemeint ist, erfüllt werden müssen. Die erste Bedingung ist die, daß die Seele möglichst wenig ausgesetzt ist jener Eigentümlichkeit, die man mit Passivität des Seelenlebens bezeichnen kann. Wer es besonders liebt, sich dem Leben traumhaft hinzugeben, sich passiv zu machen, wie man es nennt, um in einer gewissen traumhaften mystischen Stimmung die Offenbarungen der geistigen Wirklichkeit in sich hineinfließen zu lassen, der ist wenig geeignet, wirklich in die geistige Welt hineinzukommen. Denn das muß schon festgestellt werden: Auf dem Gebiete des eigentlichen geistigen Lebens gibt es der Herr den Seinen nicht im Schlafe! Im Gegenteil, dasjenige, was besonders geeignet macht, in die wirkliche geistige Welt einzudringen, das ist Regsamkeit des Geistes, das ist Aktivität des Geistes, das ist ein gewisser Eifer in dem Verfolgen wirklicher Gedanken, in dem Sichüben an Herstellung von Verbindungen entfernt liegender Gedanken, das ist eine gewisse Regsamkeit in schnellem Ergreifen von Gedankenzusammenhängen, das ist eine gewisse Liebe zur inneren geistigen Aktivität. Zwischen einer medialen Veranlagung und der Veranlagung für wirkliches geistiges Erkennen ist ein Unterschied wie zwischen Tag und Nacht. Das ist die eine Bedingung, die besonders erfüllt werden muß, wenn wirkliches geistiges Forschen möglich sein soll.
[ 7 ] But there are also other things that are necessary—things that must be fulfilled in the soul of anyone who wishes to engage in spiritual inquiry as described here. The first condition is that the soul be as little as possible subject to that trait which can be described as passivity of the soul’s life. Those who particularly love to surrender themselves to life in a dreamlike state—to make themselves passive, as it is called—in order to allow the revelations of spiritual reality to flow into them within a certain dreamlike, mystical mood, are ill-suited to truly enter the spiritual world. For this much must be established: In the realm of true spiritual life, the Lord does not grant His gifts to His own while they are asleep! On the contrary, what makes one particularly suited to penetrate the true spiritual world is mental alertness, mental activity, a certain zeal in pursuing genuine thoughts, in practicing the establishment of connections between distant thoughts, and a certain alertness in quickly grasping the interrelationships of thoughts; that is a certain love for inner spiritual activity. The difference between a mediumistic predisposition and the predisposition for true spiritual knowledge is like the difference between day and night. This is the one condition that must be fulfilled in particular if true spiritual research is to be possible.
[ 8 ] Eine andere Bedingung ist die, daß die Seele eines wirklichen Geistesforschers möglichst wenig zugänglich sein darf für Suggerierbarkeit, dafür, sich irgend etwas suggerieren zu lassen, daß sie möglichst skeptisch, möglichst kritisch gegenüberstehen muß auch den Dingen des äußeren Lebens. Wer sich am liebsten die Dinge, die er im Leben tun soll, von anderen sagen läßt, wer es am liebsten hat, wenn er nicht selber aus seinem freien Urteilsvermögen und aus seiner freien Willensentschließung heraus sich sein Leben einrichtet, der taugt nicht viel zum Geistesforscher. Wer weiß, welch große Rolle auch im normalen alltäglichen Leben Suggerierbarkeit spielt, der weiß auch, wie schwer anzukämpfen ist gegen diese allgemein übliche Suggerierbarkeit. Man bedenke nur, wieviel gerade im öffentlichen Leben sich die Menschen suggerieren lassen, wie wenig sie darauf aus sind, zu versuchen, sich in ihrer eigenen Seele die Bedingungen zu verschaffen für selbständiges Urteil und für die Einrichtung der Lebensverrichtungen aus den eigenen Willensimpulsen heraus. Den Menschen, welche eingehen auf die Geistesforschung, weil sie aus ihrem gesunden Menschenverstande heraus ein Verhältnis zur geistigen Welt gewinnen wollen, wird sehr häufig vorgeworfen, daß sie blind an den Geistesforscher glauben. Es darf gesagt werden, solche blinden Anhänger kann der Geistesforscher, der wirklich versucht, durch schauendes Bewußt sein in die geistige Welt einzudringen, sich am allerwenigsten wünschen. Und eine Gesellschaft von Menschen, die also einem solchen Geistesforscher anhingen, wäre die Karikatur einer Gesellschaft, die geeignet wäre, um solche geistige Erkenntnis zu pflegen. Im Gegenteil, der wirkliche Geistesforscher muß es erleben und wird es mit Freude erleben, daß gerade diejenigen, die ihm nahetreten, über kurz oder lang auch ihm gegenüber zu einem selbständigen Urteil, zu einer gewissen inneren Freiheit kommen, und daß sie nicht durch blinde Anhängerschaft, durch Suggerierfähigkeit sich zu ihm halten, sondern durch die gemeinsamen Interessen gegenüber der geistigen Welt.
[ 8 ] Another condition is that the soul of a true spiritual researcher must be as resistant as possible to suggestibility—to allowing anything to be suggested to it—and must remain as skeptical and critical as possible even toward the matters of external life. Anyone who prefers to let others tell them what to do in life, anyone who prefers not to organize their life based on their own free judgment and free will, is not well-suited to be a spiritual researcher. Anyone who realizes what a major role suggestibility plays even in normal, everyday life also knows how difficult it is to combat this widespread tendency toward suggestibility. One need only consider how much people allow themselves to be influenced, especially in public life, and how little they are inclined to try to create within their own souls the conditions for independent judgment and for organizing the affairs of life based on their own impulses of will. People who turn to spiritual research because they wish to establish a relationship with the spiritual world based on their common sense are very often accused of blindly believing in the spiritual researcher. It must be said that such blind followers are the very last thing a spiritual researcher—who truly strives to penetrate the spiritual world through intuitive awareness—could wish for. And a community of people who were thus attached to such a spiritual researcher would be a caricature of a community capable of cultivating such spiritual knowledge. On the contrary, the true spiritual researcher must experience—and will experience with joy—that it is precisely those who are close to him who, sooner or later, will also arrive at an independent judgment and a certain inner freedom in their relationship to him, and that they remain with him not out of blind devotion or suggestibility, but because of their shared interests in the spiritual world.
[ 9 ] Noch eine besondere Eigentümlichkeit möchte ich heute erwähnen, die Licht werfen kann auf das Verhältnis der geistigen Wirklichkeit zur physischen Wirklichkeit, noch eine besondere Eigentümlichkeit im Verhalten der menschlichen Seele zu dieser geistigen Welt. Es wird ja sehr häufig gesagt, es seien Vorurteile, die der Geistesforscher aus der sinnlichen Welt heraus mitbringt, und durch die er dann irgendeine erträumte geistige Welt charakterisieren will. Ich habe schon in diesem Vortrage angedeutet: Tritt man wirklich in die geistige Welt ein, so kommt es immer anders. Man kann sich davon überzeugen, daß dasjenige, was einen in die geistige Welt hineinträgt, was einen in der geistigen Welt erfahren und erleben läßt, daß das sich immer anders herausstellt, als man vorher geglaubt hat. Gerade deshalb, weil es sich anders herausstellt, sieht man, daß man es mit einer Welt zu tun hat, die man sich erst dadurch erobert, daß man die Seele für sie geeignet macht, daß man nicht in eine erträumte Welt Reminiszenzen aus der physischen Welt hineinträgt. Aber dazu kommt etwas, was sehr paradox klingt, was aber derjenige, der aus einer jahrzehntelangen Erfahrung in bezug auf die Dinge der geistigen Welt spricht, wohl sagen kann. Dazu kommt, daß man noch so geschult sein kann im leibfreien Erkennen, daß man noch so geübt sein kann im Hineinschauen in die geistige Welt: Wenn man irgendein besonderes Wesen, einen besonderen Vorgang wiederum ins Auge faßt, insbesondere einen solchen Vorgang, der eine Beziehung der geistigen Welt zur äußeren physischen Wirklichkeit darstellt, so wird man sehr häufig die folgende Erfahrung machen: Man bekommt zunächst eine Art geistigen Erlebens, man glaubt eine Wahrheit zu erkennen über irgend etwas in der geistigen Welt; man wird aber in der Regel finden, daß dieses erste Erlebnis, das man hat, falsch ist. Daher eignet sich der Geistesforscher jene Vorsicht an, die ihn dazu führt, schon vorauszusetzen, daß das erste Erlebnis falsch ist. Indem er dann immer weiter und weiter schürft, stellt sich ihm heraus, warum er auf dem falschen Wege war, und in dem Vergleichen des späteren Richtigen mit dem vorherigen Falschen ergibt sich ihm etwas, wodurch er erst recht erkennt, worauf es ankommt. Daher wird der Geistesforscher in der Regel erst sehr lange, nachdem er über irgendein Gebiet Forschungen angestellt hat, seinen Mitmenschen die Ergebnisse mitteilen, weil er weiß, wie notwendig es ist, gerade auf dem Gebiete des geistigen Lebens das Wahre dadurch zu erkennen, daß man sich erst durch Täuschung und Irrtum durcharbeiten muß. Diese Täuschung, dieser Irrtum, sie rühren davon her, daß wir ja beim Erforschen des geistigen Lebens ausgehen von der sinnlichen Welt. Da bringen wir unsere Urteilskräfte, die Art unseres Anschauens aus der sinnlichen Welt in die geistige Welt hinein. Zuerst sind wir immer geneigt, das, was wir so hineintragen in die geistige Welt, anzuwenden. Da kommen dann die schiefen, die Fehlurteile. Aber gerade dadurch, daß man genötigt ist, sich jedesmal aufs neue zu überzeugen, wie man sich anders verhalten muß gegenüber den geistigen als gegenüber den physischen Dingen, bemerkt man erst die verschiedenen intimen Eigentümlichkeiten des geistigen Erlebens. So stellt sich — es könnte noch verschiedenes in dieser Beziehung angeführt werden — das geistige Erleben in einer gewissen Weise gegenüber dem gewöhnlichen alltäglichen Erleben allerdings wie etwas Paradoxes hin. Was aber gerade derjenige erkennt, der in die geistige Welt hineinschauen kann, das ist erstens, daß das Ewige, das Unvergängliche der menschlichen Seele sich im gewöhnlichen Erleben, das durch den Leib vollzogen wird, für das Bewußtsein nicht ausdrücken kann, sich verbirgt, weil der Mensch hier im physischen Leben durch seine Leibesorganisation sich nur die Erkenntnis des Physischen verschaffen kann. Daher ist es so notwendig, daß der Geistesforscher streng betont, die Gewinnung von Erkenntnissen des Geistigen wird außerhalb des Leibes vollzogen. In dem Augenblick, wo irgendwie der Leib sich beteiligt an der Gewinnung solcher Erkenntnisse, wird diese Erkenntnis verfälscht, sie wird sogar verfälscht, wenn sich die Erinnerung, die nur im Leib aufbewahrt wird, daran beteiligt.
[ 9 ] Today I would like to mention one more distinctive feature that can shed light on the relationship between spiritual reality and physical reality—one more distinctive feature in the human soul’s attitude toward this spiritual world. It is often said, after all, that these are prejudices which the spiritual researcher brings with him from the sensory world and through which he then seeks to characterize some imagined spiritual world. I have already hinted at this in this lecture: If one truly enters the spiritual world, things always turn out differently. One can convince oneself that what carries one into the spiritual world—what allows one to experience and live within the spiritual world—always turns out to be different from what one had previously believed. Precisely because it turns out differently, one sees that one is dealing with a world that one can only gain access to by making the soul suitable for it—by not carrying reminiscences from the physical world into an imagined world. But there is something else to consider—something that sounds very paradoxical, yet which someone speaking from decades of experience with matters of the spiritual world can certainly affirm. It is this: no matter how well-trained one may be in out-of-body perception, no matter how skilled one may be at looking into the spiritual world: When one again focuses on a particular being or a particular process—especially one that represents a relationship between the spiritual world and external physical reality—one will very often have the following experience: One initially has a kind of spiritual experience; one believes one has recognized a truth about something in the spiritual world; but one will generally find that this first experience one has is false. For this reason, the spiritual researcher cultivates a caution that leads him to assume from the outset that the first experience is false. As he then delves deeper and deeper, it becomes clear to him why he was on the wrong path, and by comparing the later correct understanding with the previous false one, he gains insight that enables him to recognize all the more clearly what really matters. For this reason, the spiritual researcher will generally not share his findings with others until long after he has conducted research in a particular field, because he knows how necessary it is—especially in the realm of spiritual life—to recognize the truth by first working through deception and error. This deception, this error, stems from the fact that, when exploring spiritual life, we start from the sensory world. We bring our powers of judgment and our way of perceiving from the sensory world into the spiritual world. At first, we are always inclined to apply what we bring into the spiritual world in this way. This is when the distorted judgments and errors arise. But precisely because we are compelled to convince ourselves anew each time that we must relate differently to spiritual things than to physical ones, we begin to perceive the various intimate characteristics of spiritual experience. Thus—and various other examples could be cited in this regard—spiritual experience does indeed present itself, in a certain sense, as something paradoxical when contrasted with ordinary, everyday experience. But what the person who can look into the spiritual world recognizes, first of all, is that the eternal, the imperishable aspect of the human soul cannot express itself to consciousness in ordinary experience—which takes place through the body—but remains hidden, because here in physical life, through the organization of the body, human beings can gain knowledge only of the physical. That is why it is so necessary for the spiritual researcher to strictly emphasize that the acquisition of knowledge of the spiritual takes place outside the body. The moment the body is involved in any way in the acquisition of such knowledge, that knowledge is distorted; it is distorted even when memory—which is stored solely in the body—is involved.
[ 10 ] Ein anderes, das sich ergibt durch ein unmittelbares Ergreifen des geistigen Lebens, ist dieses, daß man weiß, derjenige, der drinnen steht im geistigen Leben, schließt sich wiederum durchaus von der geistigen Welt, der das Ewige der Menschenseele angehört, aus, wenn er irgendwie seinen freien Willen aufgibt und unter irgendeinem Zwang oder unter einem suggerierten Einfluß dasjenige, was er in der Seele hat, durch seinen Leib in Handlungen oder dergleichen oder auch nur durch die Sprache zum Ausdruck kommen läßt, wenn nicht alles, was bei ihm durch den Leib zum Ausdruck kommt, durch den Willen vermittelt ist. So ist eine Grundbedingung für das Erleben der geistigen Welt die Anerkenntnis dessen, daß das Leibliche sich nicht beteiligen darf bei dieser Erkenntnis. Die andere Grundbedingung ist die, daß der Mensch versuchen muß, alles dasjenige, was er durch seinen Leib vollführt, aus seiner Urteilskraft, aus seinem freien Willensentschluß heraus folgen zu lassen.
[ 10 ] Another point that arises from a direct grasp of spiritual life is this: one knows that the person who is immersed in spiritual life completely cuts himself off from the spiritual world—to which the eternal aspect of the human soul belongs— whenever he in any way relinquishes his free will and, under any compulsion or suggested influence, allows what he holds in his soul to be expressed through his body in actions or the like—or even merely through speech—unless everything that is expressed through his body is mediated by his will. Thus, a fundamental condition for experiencing the spiritual world is the recognition that the physical must not be involved in this realization. The other fundamental condition is that a person must strive to ensure that everything he accomplishes through his body flows from his power of judgment and from his free volitional decision.
[ 11 ] Diese Bedingungen mußte ich vorausnehmen, weil sie uns die Grundlagen abgeben für die abnormen Gebiete des Seelenlebens, die wir nun zu betrachten haben. Wir sehen in dem wirklichen Geist-Erkennen diejenige Offenbarung des sonst unbewußt Bleibenden, welche den Menschen aufklären kann über sein ewiges, über sein wirklich freies Wesen in der Seele, und wir können das, was also offenbart wird, gerade dadurch vergleichen mit dem, was durch die abnormen Erscheinungen des Seelenlebens zutage tritt. Noch nicht ganz unter die abnormen Erscheinungen kann man das rechnen, was in der auf- und abwogenden Traumeswelt an das menschliche Bewußtsein mehr heranschlägt, als daß es wirklich herankommt. Diese Traumeswelt ist auch schon Gegenstand äußerer naturwissenschaftlicher und philosophischer Untersuchungen geworden, ohne daß man sagen kann, daß gerade die Methoden, die heute für die äußere Naturwissenschaft so glänzend dastehen, besonders geeignet wären, in dieses Grenzgebiet des menschlichen Lebens einzudringen. Aber auch in bezug auf Grenzgebiete, wie wir sie heute noch erwähnen wollen, ist dasjenige, was so recht nur im Sinne der heutigen Naturwissenschaft denken will und sich ganz den Vorurteilen, die sich daraus ergeben, hingibt, wenig geeignet, in die Wahrheit der Sache einzudringen. Die heutige Menschheit hat ja zwar vielfach, obwohl sie erklärlicherweise sich für recht wenig autoritätsgläubig hält, eine gewisse Hinneigung, alles auf Autorität hin unter gewissen Voraussetzungen anzunehmen. Wenn von jemand, der überall im öffentlichen Leben als ein großer Geist hingestellt wird, einmal ein dickes Buch auch in bezug auf die Erforschung abnormer Seelenerscheinungen herauskommt, dann finden sich so und soviele, die zwar nicht sonderlich viel verstehen von diesen Dingen, die aber dieses Buch loben, und unsere autoritätsfreie Gesellschaft findet dann selbstverständlich, daß dieses Buch etwas ist, worauf man bauen kann.
[ 11 ] I had to establish these conditions in advance because they provide the foundation for the abnormal realms of the life of the soul that we are now to examine. In true spiritual knowledge, we see the revelation of what would otherwise remain unconscious—a revelation that can enlighten human beings about their eternal, truly free nature in the soul—and we can compare what is thus revealed precisely with what comes to light through the abnormal phenomena of the soul’s life. One cannot yet fully classify as abnormal phenomena that which, in the ebbing and flowing world of dreams, strikes at human consciousness more than it actually reaches it. This world of dreams has already become the subject of external scientific and philosophical investigations, though one cannot say that the very methods that are so highly regarded in modern natural science today are particularly suited to penetrating this borderland of human life. But even with regard to borderline areas such as those we wish to mention today, a mindset that seeks to think solely in terms of modern natural science—and surrenders entirely to the prejudices arising from it—is ill-suited to penetrating the truth of the matter. After all, although modern humanity understandably considers itself to be rather skeptical of authority, it often has a certain tendency to accept everything on the basis of authority under certain conditions. If someone who is universally regarded in public life as a great mind were to publish a thick book—even one dealing with the study of abnormal mental phenomena—there would be many who, while not understanding much about these matters, would praise the book; and our society, which prides itself on being free of authority, would then naturally conclude that this book is something one can rely on.
[ 12 ] Unter den philosophischen Abhandlungen über das Traumleben möchte ich ein Buch hervorheben, das ein geistvoller deutscher Gelehrter, Johannes Volkelt, gegenwärtig Professor der Philosophie und Pädagogik in Leipzig, im Jahre 1875 über die Traumphantasie geschrieben hat, als er noch nicht Professor war. Dieses recht wertvolle Buch hängt sich ihm bis heute noch immer an, und ihm ist es wohl mit zuzuschreiben, wenn er auch heute noch nur Nebenprofessor ist. Der außerordentlich bedeutende schwäbische Ästhetiker Friedrich Theodor Vischer hat eine sehr schöne Abhandlung über dieses Buch geschrieben. Allein die akademischen Vorurteile, die in den letzten Jahrzehnten zu einer gewissen Anschauung von sogenannter Wissenschaftlichkeit geführt haben, sind schuld daran, daß das, was mit diesem Buche, wenn auch spärlich, inauguriert werden konnte, nicht aufgegriffen worden ist, sondern daß es wieder verdeckt worden ist von den landläufigen Vorurteilen, die verhindern, in das Traumleben wirklich einzudringen.
[ 12 ] Among the philosophical treatises on the life of dreams, I would like to highlight a book on dream fantasy written in 1875 by Johannes Volkelt, a brilliant German scholar who is currently a professor of philosophy and pedagogy in Leipzig, at a time when he was not yet a professor. This highly valuable book continues to dog him to this day, and it is likely partly due to it that he remains only an associate professor even now. The exceptionally important Swabian aesthetician Friedrich Theodor Vischer wrote a very fine essay on this book. Yet it is the academic prejudices—which in recent decades have led to a certain conception of so-called scientific rigor—that are to blame for the fact that what this book managed to inaugurate, however modestly, has not been taken up, but has instead been obscured once again by the prevailing prejudices that prevent a true penetration into the life of dreams.
[ 13 ] Nun werde ich selbstverständlich im Rahmen eines kurzen Vortrages nicht viel mehr als eine skizzenhafte Charakteristik geben können, aber ich möchte doch auf einzelnes so hinweisen, daß die Dinge sich geisteswissenschaftlich beleuchten lassen. Jeder kennt das Traumleben, dieses auf- und abwogende, aus dem Schlaf heraufkommende Vorstellungsleben des Menschen, und jeder weiß, welches die äußerlichen Eigentümlichkeiten des Traumlebens sind. Ich will nur einige davon eingehend charakterisieren. Auf besondere Veranlassung hin - das kann man dem Traumleben ansehen - tritt der Traum ein. Man hat es da zunächst zu tun mit sogenannten Sinnesreiz-Träumen. Man braucht sich nur zu erinnern, wie der Traum dadurch entstehen kann, daß man neben sich eine pendelnde Uhr hat. Unter besonderen Bedingungen werden einem die Pendelschläge zu Pferdegetrampel oder zu irgend etwas anderem. Man bildet also im Traum gewisse Sinnbilder aus. Ich möchte das besonders hervorheben; denn auf zahlreiche Eindrücke der äußeren Sinne gründet sich das Traumerleben. Aber dasjenige, was da auf die äußeren Sinne wirkt, wirkt niemals im Traume so, wie es wirkt im gewöhnlichen wachen Tagesleben. Es findet immer eine Umgestaltung des Sinneseindrucks im symbolisierenden, im sinnbildlichen Sinne statt, in etwas, was eine Umgestaltung durch das Seelenleben ist.
[ 13 ] Of course, in the context of a short lecture, I will not be able to provide much more than a rough outline, but I would still like to point out a few specific aspects so that these matters can be examined from a spiritual scientific perspective. Everyone is familiar with the dream life—this ebbing and flowing, imaginative life that emerges from sleep—and everyone knows what the external characteristics of the dream life are. I will characterize only a few of them in detail. Dreams arise in response to a specific stimulus—this can be observed in the dream life itself. Initially, we are dealing with what are known as sensory-stimulus dreams. One need only recall how a dream can arise from having a pendulum clock nearby. Under certain conditions, the ticking of the pendulum becomes the trampling of horses or something else entirely. Thus, one forms certain symbolic images in the dream. I would like to emphasize this point in particular, for the dream experience is based on numerous impressions from the external senses. But what acts upon the external senses never has the same effect in a dream as it does in ordinary waking life. There is always a transformation of the sensory impression in a symbolic, allegorical sense—into something that is a transformation brought about by the life of the soul.
[ 14 ] Es ist ja bekannt, wie solche Träume immer wiederum vorkommen. Johannes Volkelt erzählt in seinem genannten Buche: Ein Schullehrer unterrichtet im Traum; er erwartet von einem Schüler, daß er auf eine Frage, die der Lehrer gestellt hat, mit «ja» antwortet. Aber der Schüler antwortet nicht «ja», sondern «jo», was manchmal für den Lehrer recht störend und unangenehm sein kann. Der Lehrer erneut die Frage, und da antwortet der Schüler nicht bloß «jo», sondern «i-o», und dann fängt die ganze Klasse zu schreien an: «Feurio». Der Lehrer wacht auf, und draußen fährt die Feuerwache vorbei, und man schreit «Feurio». Dieser Eindruck auf die Sinne hat sich in dieser ganzen komplizierten Traumeshandlung symbolisiert.
[ 14 ] It is well known how such dreams keep recurring. Johannes Volkelt recounts in his aforementioned book: A schoolteacher is teaching in a dream; he expects a student to answer “yes” to a question the teacher has asked. But the student does not answer “yes,” but rather “jo,” which can sometimes be quite disruptive and unpleasant for the teacher. The teacher asks the question again, and this time the student answers not just “jo,” but “i-o,” and then the whole class starts shouting, “Feurio!” The teacher wakes up, and outside, the fire truck drives by, and people are shouting “Feurio.” This sensory impression has been symbolized in this entire complicated dream sequence.
[ 15 ] Ein anderes Beispiel, das auch von Volkelt stammt — wo es sich machen läßt, werde ich nichts anderes, als was schon in der Literatur verzeichnet ist, anführen - ist dieses: Eine schwäbische Frau besucht ihre Schwester in einer größeren Stadt. Die Schwester ist die Frau eines Pfarrers. Die beiden Schwestern hören sich die Predigt an, und siehe da, der Pfarrer fängt zunächst ganz würdig an. Dann aber bekommt er plötzlich etwas wie Flügel und fängt an zu krähen wie ein Hahn. Da sagt die eine Schwester zu der andern: «Das ist aber eine besondere Art des Predigens.» Die Schwester antwortet ihr im Traum: «Ja, so hat es das Konsistorium verfügt; jetzt muß so gepredigt werden.» Darauf wacht die Frau auf, und draußen hört sie einen Hahn schreien. Also, der Hahnschrei, der selbstverständlich sonst als trockener, nüchterner Hahnschrei zum Bewußtsein gekommen wäre, ist so in der Seele umgewandelt worden. Alles andere hat sich um den Hahnschrei herumgruppiert. Sehen Sie, das sind Sinnesreiz-Träume.
[ 15 ] Another example, also from Volkelt—whenever possible, I will cite nothing other than what has already been recorded in the literature—is this: A Swabian woman visits her sister in a larger city. The sister is a pastor’s wife. The two sisters listen to the sermon, and lo and behold, the pastor begins quite dignifiedly at first. But then he suddenly seems to grow wings and starts crowing like a rooster. So one sister says to the other, “That’s certainly a peculiar way of preaching.” The sister replies to her in the dream: “Yes, that’s what the consistory decreed; now sermons must be preached that way.” Then the woman wakes up, and outside she hears a rooster crowing. So, the rooster’s crow—which, of course, would otherwise have entered her consciousness as a dry, sober rooster’s crow—has been transformed in this way within her soul. Everything else has been organized around the crowing of the rooster. You see, these are sensory-stimulus dreams.
[ 16 ] Aber auch aus inneren Reizen können sich die Träume bilden, und wiederum sind es nicht die Reize als solche, die zum Vorschein kommen, sondern das durch die Seele symbolisierte, umgestaltete Sinnesbild. Jemand träumt zum Beispiel von einem heißen, kochenden Ofen: er wacht auf mit einem pochenden Herzen. Flugträume, die sehr häufig sind, rühren in der Regel her von irgendwelchen abnormen Erlebnissen, die sich während des Schlafes in der Lunge abspielen und so weiter. Solche Beispiele könnten ja zu Hunderten angeführt werden. Die reine Aufzählung der verschiedenen Kategorien des Traumes könnte noch lange fortgesetzt werden. Obwohl wir auf das 'Tiefere der Sache nicht vollständig eingehen können, möchte ich noch einiges erwähnen.
[ 16 ] But dreams can also arise from internal stimuli, and here again it is not the stimuli themselves that come to the fore, but rather the sensory image that has been transformed and symbolized by the soul. For example, someone dreams of a hot, blazing oven: they wake up with a pounding heart. Dreams of flying, which are very common, usually stem from some kind of abnormal experience taking place in the lungs during sleep, and so on. Hundreds of such examples could be cited. The mere enumeration of the various categories of dreams could go on for a long time. Although we cannot fully delve into the “deeper aspects of the matter,” I would like to mention a few more things.
[ 17 ] Man kann nicht finden, daß die Literatur besonders glücklich war im Auffinden von solchen Elementen in der menschlichen Seele, die zeigen könnten, was da eigentlich in ihr vorgeht, indem sie solche Umgestaltungen der äußeren Veranlassung zum Traume vornimmt. Aber diese Frage muß einen doch vor allen Dingen interessieren: Was ist es eigentlich in der Seele, was auf eine äußere Veranlassung hin, oder auch auf eine Erinnerungsvorstellung hin, die aus dem Dunkel des Schlafes heraufkommt, solche andersartigen Vorstellungen anknüpfen läßt? Darauf ist zu sagen: Das, was im gewöhnlichen Tagesleben den Menschen dazu bringt, aus dessen Erfahrungen heraus eine Vorstellung an die andere zu gliedern, das ist es nicht, was eigentlich im Traume wirkt. Ich könnte Ihnen Hunderte von Beispielen aufzählen, die Ihnen beweisen würden, was ich nur vergleichsweise durch ein Beispiel belegen kann. Nehmen Sie das folgende Beispiel; Eine Frau träumt, sie habe für ihren Mann zu kochen, manchmal eine schwierige Aufgabe für eine Hausfrau. Nun, sie träumt, sie habe ihm schon alles Mögliche vorgeschlagen. Erster Vorschlag: «Mag ich nicht!» Zweiter Vorschlag: «Mag ich auch nicht!» Dritter Vorschlag: «Mag ich erst recht nicht! Damit kannst du mir zu Hause bleiben!» Und so weiter. Die Frau ist darüber schon ganz unglücklich im Traume. Da fällt ihr ein: «Wir haben ja auf dem Boden eine gesalzene Großmutter; sie ist zwar etwas zäh, aber sollte ich sie dir nicht morgen kochen?» Auch ein Traum, den Sie in der Literatur finden können. Wer mit Träumen bekannt ist, wird nicht zweifeln, daß der Traum sich so abgespielt hat. Ich könnte dieses Beispiel durch hunderte gleichgeartete vermehren. Sie werden sich unmittelbar sagen müssen: Die Stimmung des Ängstlichen liegt zugrunde. Irgend etwas liegt vor, was der Frau eine ängstliche Stimmung gemacht hat. Diese Stimmung, die gar nichts zu tun zu haben braucht mit der Vorstellung des Kochens und dergleichen, setzt sich in eine solche Traumvorstellung um. Dies ist nur eine Umkleidung der ängstlichen Stimmung. Diese aber hat die Seele während des Schlafes nötig, um aus der Angst herauszukommen, sie sucht sich über die Angst hinwegzuhelfen, und gerade so, wie Sie über die gesalzene Großmutter gelacht haben, so erfindet die Seele diese zu dem übrigen Trauminhalt in grotesk-komischer Weise sich hinzugesellende Vorstellung, um innerlich die Angstlichkeit zu überwinden, um in eine ironisierende, humorvolle Stimmung zu kommen. Das ist es, was Sie in den Träumen immer verfolgen können: ein Oszillieren, ein Hin- und Herschwingen von Stimmungen und — wie die Uhr hin- und herpendelt — ein Hin- und Herpendeln zwischen Spannung und Entspannung, zwischen Ängstlichkeit und Lustigkeit und so weiter. Immer ist für die Gliederung der’ITraumvorstellungen maßgebend das, was im Gefühlsleben des Menschen das hervorragend Bedeutsame ist. Nach diesem Gesichtspunkt: Gewisse Spannungen in der Seele zu überwinden, wird der Traum gestaltet. Aus dieser Notwendigkeit, Spannung in Entspannung, Entspannung in Spannung überzuführen, wird erst dasjenige, was als Vorstellung gar nicht besonders bedeutsam ist, geboren. Die Seele zaubert sich etwas vor, was ein Imaginatives sein kann für das, worauf es eigentlich ankommt.
[ 17 ] One cannot say that literature has been particularly successful in identifying those elements of the human soul that might reveal what is actually going on within it as it transforms external stimuli into dreams. But this question must be of primary interest: What is it, actually, in the soul that, in response to an external stimulus—or even to a memory that emerges from the darkness of sleep—causes it to link such dissimilar images together? To this we must say: What causes people in ordinary daily life to link one idea to another based on their experiences is not what actually operates in dreams. I could list hundreds of examples that would prove to you what I can only illustrate by way of comparison. Take the following example: A woman dreams that she has to cook for her husband—sometimes a difficult task for a housewife. Well, she dreams that she has already suggested all sorts of things to him. First suggestion: “I don’t like that!” Second suggestion: “I don’t like that either!” Third suggestion: “I certainly don’t like that! You can just stay home with that!” And so on. The woman is already quite unhappy about this in her dream. Then it occurs to her: “We do have a salted grandmother on the floor; she’s a bit tough, but shouldn’t I cook her for you tomorrow?” This is also a dream you can find in literature. Anyone familiar with dreams will have no doubt that the dream unfolded exactly this way. I could multiply this example by hundreds of similar ones. You’ll have to admit right away: The underlying mood is one of anxiety. Something has happened that has put the woman in a state of anxiety. This mood—which needn’t have anything to do with the idea of cooking or the like—translates into such a dream image. This is merely a disguise for the anxious mood. But the soul needs this during sleep in order to escape the anxiety; it seeks to overcome the anxiety, and just as you laughed at the “salty grandmother,” so the soul invents this image—which joins the rest of the dream content in a grotesquely comical way—in order to internally overcome the anxiety and enter into an ironic, humorous mood. This is what you can always observe in dreams: an oscillation, a back-and-forth swing of moods and—just as a clock pendulum swings back and forth—a back-and-forth oscillation between tension and relaxation, between anxiety and merriment, and so on. What is of paramount importance in a person’s emotional life is always decisive for the structure of dream imagery. From this perspective—that of overcoming certain tensions in the soul—the dream takes shape. It is precisely from this necessity to transform tension into relaxation, and relaxation into tension, that what is not particularly significant as an image is born. The soul conjures up something that can serve as an imaginative representation of what actually matters.
[ 18 ] Wenn man das Traumleben in seiner ganzen Breite verfolgt, so findet man zwei Eigentümlichkeiten, die besonders ins Auge gefaßt werden müssen. Die eine ist, daß im Traumleben dasjenige schweigt, was wir im Leben gewöhnlich als Logik bezeichnen. Der Traum hat eine ganz andere Regel für die Art, wie er von einem zum andern Gegenstand übergeht, als die gewöhnliche Logik. Nun werden Sie selbstverständlich einwenden können: Ja, aber manche Träume sind doch so, daß der Traum ganz logisch verläuft. Das ist aber nur scheinbar. Wer diese Dinge wirklich intim beobachten kann, weiß, daß es nur scheinbar ist. Wenn Sie Traumvorstellungen haben, die aufeinanderfolgen in logischer Verkettung, so rührt das nicht davon her, daß Sie während des Traumes selbst diese logische Verkettung herbeiführen, sondern es rührt davon her, daß Sie Vorstellungen aneinanderreihen, die Sie schon einmal im Leben logisch zusammengegliedert haben, oder die sonst durch irgend etwas im Leben logisch zusammenhängen. Da ist die Logik Reminiszenz, da ist die Logik in den Traum hineingetragen, die Traumhandlung selbst geht nicht nach den Regeln der gewöhnlichen Logik vor sich. Man kann immer sehen, daß ein tieferes, intimeres Element der Seele der Traumhandlung zugrunde liegt. Jemand träumt zum Beispiel — ich erzähle einen wirklichen Traum -, er muß zu einem Bekannten gehen, und er weiß, daß dieser Bekannte ihn über irgend etwas ausschelten wird. Er träumt, daß er tatsächlich zur Tür der Wohnung dieses Bekannten kommt. In dem Augenblick ist aber die ganze Situation verwandelt. Als er durch die Tür des Bekannten eintritt, tritt er in einen Keller ein, in dem wilde Tiere sind, die ihn auffressen wollen. Da fällt ihm ein, daß er doch zu Hause eine ganze Reihe von Stecknadeln hat, und diese Stecknadeln spritzen Säfte aus, durch die diese wilden Tiere getötet werden können. Die Stecknadeln sind auch schon da, und er schießt mit ihnen auf die wilden Tiere. Da verwandeln sich diese in lauter junge Hunde, die er nun sanft streicheln will. Sie sehen aus diesem Traume, der einen typischen Traumverlauf darstellt, wie es sich wieder darum handelt, die Spannung, die hervorgerufen wird durch eine Ängstlichkeit, hervorgerufen gegenüber dem Freunde, die sich in den wilden Tieren ausdrückt, zu entspannen dadurch, daß die Seele sich vorzaubert die Verwandlung der wilden, grausamen Tiere in liebliche junge Hunde. Sie sehen, das ist etwas anderes als dasLogische. Allerdings, ein wichtiger Einwand ist da. Wer das Traumleben kennt, weiß, daß folgendes schon oft vorgekommen ist: Man hat sich angestrengt, um die Lösung irgendeiner Aufgabe zu finden, bevor man zu Bett gegangen ist, man konnte sie nicht finden; dann träumen Sie und finden im Traum die Lösung der Aufgabe, so daß Sie sie am Morgen wirklich niederschreiben können. Das wird mit Recht erzählt. Wer solche Dinge nicht richtig untersuchen kann, wird sie immer mißverstehen. Man soll nur ja nicht glauben, daß man die wirkliche Lösung im Traum gefunden hat. Was man wirklich im Traum gefunden hat, woran man glaubt, sich zu erinnern, das ist irgend etwas ganz anderes. Das ist etwas, was sehr wenig logisch abzulaufen braucht, was aber jene wohltätige Wirkung im menschlichen Gemüte hat, die eintritt, wenn eine Spannung in eine Entspannung überführt wird. Vor dem Einschlafen war der Mensch eben in einer solchen Spannung seines Gemütes, daß er die Aufgabe nicht lösen konnte. Er brütete und brütete, es fehlte ihm etwas. Er wurde gesund durch die Art, wie er träumte, und dadurch kam es, daß er beim Aufwachen die Aufgabe lösen kann.
[ 18 ] If one examines the world of dreams in its entirety, one finds two peculiarities that deserve special attention. The first is that in the world of dreams, what we usually refer to as logic is absent. Dreams follow a completely different set of rules regarding how they transition from one object to another than ordinary logic does. Now, of course, you might object: “Yes, but some dreams do proceed quite logically.” However, this is only an illusion. Anyone who can truly observe these things closely knows that it is only an illusion. If you have dream images that follow one another in a logical sequence, this does not stem from your bringing about this logical sequence during the dream itself, but rather from the fact that you are stringing together images that you have already logically organized in your waking life, or that are otherwise logically connected by something in your waking life. Here, logic is reminiscence; logic is carried into the dream; the dream plot itself does not proceed according to the rules of ordinary logic. One can always see that a deeper, more intimate element of the soul underlies the dream’s plot. For example, someone dreams—I’m recounting a real dream—that he has to go to an acquaintance’s place, and he knows that this acquaintance is going to give him a dressing-down about something. He dreams that he actually arrives at the door of this acquaintance’s apartment. But at that very moment, the entire situation is transformed. As he steps through the acquaintance’s door, he enters a cellar filled with wild animals that want to devour him. Then it occurs to him that he has a whole collection of pins at home, and these pins squirt a liquid that can kill the wild animals. The pins are already there, and he shoots them at the wild animals. Then they turn into a whole litter of puppies, which he now wants to gently pet. From this dream—which represents a typical dream sequence—you can see that it is once again a matter of relieving the tension caused by a fear directed toward a friend, a fear expressed through the wild animals, by having the soul conjure up the transformation of the wild, cruel animals into lovely young dogs. You see, this is something different from what is logical. However, there is an important objection here. Anyone familiar with the world of dreams knows that the following has often happened: You’ve struggled to find the solution to some problem before going to bed, but couldn’t find it; then you dream and find the solution to the problem in your dream, so that you can actually write it down in the morning. This is rightly recounted. Anyone who cannot properly examine such things will always misunderstand them. One must not, however, believe that one has found the real solution in a dream. What one has actually found in a dream—what one believes one remembers—is something entirely different. It is something that need not unfold in a very logical manner, but which has that beneficial effect on the human mind that occurs when tension is transformed into relaxation. Before falling asleep, the person was in such a state of mental tension that he could not solve the problem. He brooded and brooded; something was missing. He was healed by the way he dreamed, and as a result, he was able to solve the problem upon waking.
[ 19 ] Auch das moralische Urteil schweigt im Traum. Man weiß ja, daß man im Traum allerlei Verbrechen und sonstige Dinge begeht, deren man sich im wachen Tagesleben schämen würde, Man kann einwenden, daß ja gerade im Traum das Gewissen sich regt, ja, daß das Gewissen im Traum sich oftmals in einer ganz merkwürdigen Weise geltend macht. Man braucht sich nur an die in Shakespeares Werken vorkommenden Träume zu erinnern, dann wird man finden — Dichter tun solche Dinge in der Regel mit Recht -, daß hingewiesen werden kann auf den Schein, als ob gerade durch den Traum moralische Vorwürfe sich besonders zur Erscheinung bringen. Wiederum nur eine ungenaue Beobachtung. Vielmehr ist durchaus richtig, daß wir im Traum herausgerissen sind aus der gewöhnlichen moralischen Beurteilung, die wir im äußeren Leben im Zusammenhang mit den Menschen erwerben müssen und uns aneignen können. Wenn der Traum uns dennoch scheinbar gerade moralische Vorurteile und moralische Vorwürfe bildlich anschaulich vor die Seele führt, so rührt das nicht davon her, daß wir als Träumende moralisch urteilen, sondern es rührt davon her, daß wir, wenn wir uns moralisch verhalten, eine gewisse befriedigende Stimmung in der Seele haben, daß wir befriedigt gestimmt sind über etwas, wozu wir moralisch «ja» sagen können. Dieses Befriedigtsein, nicht das moralische Urteil, das ist es, was im Traum sich uns vor die Seele stellt. Ebensowenig wie Logik ist moralisches Urteil im Traum vorhanden. Es ist eben notwendig, wenn man wirklich Wahrheit sucht, viel genauer und intimer zu Werke zu gehen, als man es gewöhnlich im Leben und auch in der Wissenschaft versucht. Den groben Methoden, die man gewöhnlich anwendet, ergeben sich solche Dinge nicht recht. Es ist also außerordentlich wichtig, daß weder die Logik noch das moralische Urteil in die Traumwelt Einlaß finden. Wir werden gleich hören, warum das der Fall ist.
[ 19 ] Moral judgment, too, is silent in dreams. We know, of course, that in dreams we commit all sorts of crimes and other acts of which we would be ashamed in waking life. One might object that it is precisely in dreams that the conscience stirs—indeed, that the conscience often makes itself felt in a most peculiar way in dreams. One need only recall the dreams that appear in Shakespeare’s works, and one will find—poets generally do such things with good reason—that one can point to the appearance that moral reproaches come to the fore particularly through dreams. Again, this is merely an inaccurate observation. Rather, it is entirely correct that in dreams we are torn away from the ordinary moral judgment that we must acquire and can internalize in our external lives in relation to other people. If, nevertheless, the dream seems to present moral prejudices and moral reproaches vividly before our minds, this does not stem from the fact that we, as dreamers, make moral judgments, but rather from the fact that when we behave morally, we experience a certain sense of satisfaction in our souls—we are satisfied with something to which we can morally can say “yes” to. This sense of satisfaction—not the moral judgment—is what presents itself to our soul in the dream. Just as logic is absent in dreams, so too is moral judgment. If one is truly seeking truth, it is necessary to proceed much more precisely and intimately than is usually attempted in life and even in science. Such things do not readily yield to the crude methods that are commonly applied. It is therefore extremely important that neither logic nor moral judgment be allowed into the world of dreams. We will hear shortly why this is the case.
[ 20 ] Nun möchte ich noch eine Eigentümlichkeit des 'Traumes hervorheben, welche schon, wenn der Traum nur äußerlich betrachtet wird, darauf hinweisen kann, welche Stellung die Seele zur Welt hat, indem sie träumt. Allerdings kann diese Stellung sich vollständig nur aufklären, wenn sie geisteswissenschaftlich betrachtet wird. Derjenige, welcher den schlafenden Menschen betrachtet, wird sich schon äußerlich sagen können: Der Mensch ist im Schlafe abgeschlossen sowohl von dem, was aus seinem eigenen Leben her erlebt werden kann, wie von demjenigen, was aus der Umgebung erlebt werden kann. Nun, Geisteswissenschaft zeigt zwar, daß der Mensch, indem er einschläft, als geistig-seelisches Wesen wirklich in die geistige Welt hineingeht, und im Aufwachen sich wiederum mit seinem Leibe verbindet. Allein, man braucht darauf nicht einmal Rücksicht zu nehmen, sondern man braucht sich nur dasjenige, was auch dem gewöhnlichen Bewußtsein vorliegen kann, klar vor die Seele zu führen. Der Mensch ist abgeschlossen von seiner Umgebung, und auch dasjenige, was aus seinem Leibe dem gewöhnlichen Bewußtsein bewußt wird, schweigt während des Schlafes. Im Traum wogen zwar Bilder auf und ab, aber ihr Verhältnis zur Außenwelt ändert sich nicht; die Bilder werden gerade so geformt, daß dieses Verhältnis so bleibt. Das Verhältnis zur Außenwelt, dasjenige, was als nüchterne Umgebung, als nüchterne Konturierung der äußeren Eindrücke an den Menschen herantritt, indem er seine Sinne wachend der Außenwelt öffnet, das tritt in den Traum nicht hinein. Eindrücke können zwar, wie wir gesehen haben, auf den Menschen gemacht werden. Allein, gerade das, was charakteristisch ist für das, was die Sinne aus diesen Eindrücken machen, das bleibt weg. Das Seelische setzt ein Sinnbild, ein Symbol an die Stelle des gewöhnlichen nüchternen Eindrucks. So ändert sich nicht das Verhältnis zur Außenwelt. Das könnte an unzähligen Fällen erhärtet werden. Der Mensch bleibt im normalen "Traum von der Außenwelt so abgeschlossen, wie er es auch im normalen Schlafe ist, und ebenso von seiner eigenen Leiblichkeit. Auch dasjenige, was von der eigenen Leiblichkeit aufsteigt, kommt nicht in unmittelbarer Weise zum Ausdruck, wie wenn man in normaler Art mit seinem Leibe verbunden ist. Wenn man zum Beispiel durch eine zu warme Decke zu warme Füße bekommt, so würde man im gewöhnlichen wachen Zustande spüren, daß man die Füße zu warm bekommt. Das spürt man im Traume nicht so, sondern man glaubt, daß man zum Beispiel über glühende Kohlen oder dergleichen geht. Wiederum ist es die Umwandlung, die die Seele leistet, worauf es ankommt.
[ 20 ] Now I would like to highlight another peculiarity of the “dream,” which—even when considered solely from an external perspective—can reveal the soul’s relationship to the world as it dreams. However, this relationship can only be fully elucidated when viewed from the perspective of spiritual science. Anyone observing a sleeping person will already be able to say, based on outward appearances: In sleep, the human being is cut off both from what can be experienced from their own life and from what can be experienced from their surroundings. Now, spiritual science does indeed show that when a person falls asleep, as a spiritual-soul being, they truly enter the spiritual world, and upon waking, they reconnect with their body. However, one need not even take this into account; one need only clearly bring to mind what is already accessible to ordinary consciousness. A person is cut off from their surroundings, and even what becomes conscious to ordinary consciousness from the body falls silent during sleep. In dreams, images do indeed ebb and flow, but their relationship to the external world does not change; the images are shaped precisely so that this relationship remains the same. The relationship to the external world—that which approaches the human being as a sober environment, as the sober delineation of external impressions, when he opens his senses to the external world while awake—does not enter into the dream. Impressions can indeed, as we have seen, be made on a person. Yet precisely that which is characteristic of what the senses make of these impressions is absent. The psyche substitutes a symbol for the ordinary, sober impression. Thus, the relationship to the external world does not change. This could be corroborated by countless examples. In the normal “dream of the external world,” a person remains just as cut off as they are in normal sleep, and likewise from their own physicality. Even that which arises from one’s own physicality is not expressed in a direct way, as it is when one is normally connected to one’s body. For example, if one’s feet become too warm because of a blanket that is too warm, one would normally feel in the ordinary waking state that one’s feet are getting too warm. One does not feel this in the same way in a dream; rather, one believes, for example, that one is walking over glowing coals or something similar. Once again, it is the transformation accomplished by the soul that is of the essence.
[ 21 ] So sehr man sich auch bemühen wird, bloß mit den Mitteln und Quellen der äußeren Wissenschaft an den Traum heranzukommen, man kann es nicht, aus dem Grunde, weil man den Traum mit nichts vergleichen kann. Der Traum tritt tatsächlich wie eine Art Wunder in die gewöhnliche Welt hinein, man kann ihn nicht mit irgend etwas anderem vergleichen. Das ist das Wesentliche. In die Möglichkeit, den Traum mit etwas anderem zu vergleichen, kommt erst der Geistesforscher. Warum? Er kommt dazu, weil er selbst kennenlernt, was sich ihm ergibt, wenn er in die geistige Welt eintreten kann. Da nimmt er wahr, daß er nicht mehr mit der gewöhnlichen Logik auskommt — wir haben es auch heute wieder erwähnt -, die für die Erklärung des äußeren Sinneslebens gilt. Derjenige, der in die geistige Welt aufsteigt, muß das freie Vermögen bekommen, die Erlebnisse der geistigen Welt in Sinnbildern auszudrücken. Daher habe ich auch im letzten Vortrage die erste Stufe des Erkennens der geistigen Welt die «imaginative Erkenntnis» genannt. Man weiß dann allerdings, daß die Sinnbilder nicht die Wirklichkeit sind, aber man weiß, daß man durch die Sinnbilder die Wirklichkeit zum Ausdruck bringt. Diese Sinnbilder müssen natürlich nach den sich aus der geistigen Welt ergebenden wahren Gesetzen geformt sein, sie dürfen nicht durch wilikürliche Phantasie entstehen. Der Geistesforscher lernt erkennen, wie man — abgesehen von der physisch-sinnlichen Welt — Vorstellungen aneinanderbindet, lernt erkennen, wie man Sinnbilder schafft. Diese erste Stufe des Erkennens der geistigen Welt kann man dann vergleichen mit der unbewußten Tätigkeit, die in den Traumhandlungen vollzogen wird. Da ergibt sich ein Vergleich, und außerdem ergibt sich noch etwas anderes.
[ 21 ] No matter how hard one tries to approach the dream using only the methods and sources of external science, it is impossible—for the simple reason that the dream cannot be compared to anything else. The dream truly enters the ordinary world like a kind of miracle; it cannot be compared to anything else. That is the essential point. Only the spiritual researcher gains the ability to compare the dream with something else. Why? He gains this ability because he himself comes to know what unfolds before him when he is able to enter the spiritual world. There he perceives that he can no longer rely on ordinary logic—as we mentioned again today—which applies to the explanation of external sensory life. Anyone who ascends into the spiritual world must acquire the free capacity to express the experiences of the spiritual world in symbols. That is why, in my last lecture, I also called the first stage of knowing the spiritual world “imaginative knowledge.” One knows, of course, that the symbols are not reality itself, but one knows that through the symbols one is expressing reality. These symbols must, of course, be formed according to the true laws arising from the spiritual world; they must not arise from arbitrary fantasy. The spiritual researcher learns to recognize how—apart from the physical-sensory world—one links ideas together and learns to recognize how to create symbols. This first stage of perceiving the spiritual world can then be compared to the unconscious activity that takes place in dream actions. A comparison arises here, and something else emerges as well.
[ 22 ] Wer wirklich weiterkommt in der Erkenntnis der geistigen Welt, der erlebt nach und nach, daß sich auch seine Träume umgestalten. Sie werden regelmäßiger und regelmäßiger, aus den verworrenen Dingen, wie der eingesalzenen Großmutter und dergleichen, werden allmählich Dinge, welche sinnvoll etwas zum Ausdruck bringen, das ganze 'Traumleben wird sinnvoll durchsetzt. So lernt der Geistesforscher die eigentümliche Artverwandtschaft kennen zwischen dem Traumleben und dem Leben, das er zum Behuf der Geistesforschung suchen muß. Dadurch kommt er in die Lage, wirklich sagen zu können, was eigentlich von der Seele träumt, was in Wirklichkeit träumend ist. Denn er lernt noch etwas erkennen zu dem, was ich eben angeführt habe, nämlich wie jene Seelenverfassung ist, in _ der man sich befindet, während man imaginative Vorstellungen hat. Man weiß, man steht da mit der Seele in der geistigen Welt drinnen. Wenn man diese Seelenverfassung, diese besondere Stimmung des Seelenlebens kennt, kann man auch diese Stimmung, diese Verfassung vergleichen mit dem, wie die Seele im Traume gestimmt ist, wie die Seele im Traume in einer bestimmten Verfassung lebt. Aus dieser gewissenhaften Vergleichung stellt sich in der Tat heraus, daß dasjenige, was in der Seele träumt, was wirklich in der Seele tätig ist, während der Mensch die chaotischen Traumhandlungen abspielen läßt, der geistige, ewige Wesenskern des Menschen ist. Der Mensch ist als Träumender in der Welt, der er als geistig-seelisches Wesen angehört.
[ 22 ] Those who truly make progress in their understanding of the spiritual world gradually experience a transformation in their dreams as well. They become more and more regular; the confused images—such as the salted grandmother and the like—gradually give way to things that meaningfully express something, and the entire ‘dream life’ becomes permeated with meaning. In this way, the spiritual researcher comes to recognize the peculiar kinship between the dream life and the life he must seek for the sake of spiritual research. This enables him to truly say what it is that the soul actually dreams, what is in reality the dreaming entity. For he comes to recognize something else in addition to what I have just mentioned, namely, what that state of mind is like in which one finds oneself while having imaginative visions. One knows that one stands there with one’s soul immersed in the spiritual world. When one is familiar with this state of the soul—this particular mood of the soul’s life—one can also compare this mood, this state, with how the soul is disposed in a dream, how the soul lives in a specific state during a dream. From this careful comparison, it indeed becomes clear that what dreams within the soul—what is truly active in the soul while a person allows the chaotic dream actions to unfold—is the spiritual, eternal core of the human being. As a dreamer, a person exists in the world to which they belong as a spiritual-soul being.
[ 23 ] Das ist das eine Resultat. Das andere möchte ich mit einem persönlichen Erlebnis charakterisieren. Als ich vor nicht langer Zeit in Zürich einen Vortrag über das Traumleben und damit verwandte Gebiete hielt, da hörte ich dann, daß verschiedene Zuhörer, die aus der gegenwärtigen wissenschaftlichen Disziplin, die man die analytische Psychologie oder Psychoanalyse nennt, besonders klug geworden sein wollten, nach meinem Vortrage sagten: «Ja, dieser Mann ist noch in Vorurteilen befangen, über die wir in der Psychoanalyse längst hinaus sind. Er glaubt, das Traumleben als etwas Wirkliches nehmen zu sollen, während wir wissen, daß das 'Traumleben nur als symbolische Ausgestaltung des Seelenlebens genommen werden darf.» Ich will mich auf Psychoanalyse hier nicht einlassen, sondern nur erwähnen, daß diese Klugheit nur auf einem grobklotzigen Mißverständnis beruht. Denn es wird dem wirklichen Geistesforscher gar nicht einfallen, dasjenige, was sich im Traume darbietet, so, wie es sich darbietet, als unmittelbar wirklich zu nehmen. Er nimmt nicht einmal den Traum in seinem Verlauf, wie ihn der Psychoanalytiker nimmt, unmittelbar als symbolische Handlung, sondern ihm kommt es auf etwas ganz anderes an. Wer bekannt ist mit dem Traumleben, der weiß: Zehn Menschen und auch mehr können inhaltlich die verschiedensten Träume erzählen, und es kann ihnen doch derselbe Tatbestand zugrunde liegen. Der eine erzählt, er sei auf einen Berg hinaufgegangen, und sei dann oben von etwas besonders Freudigem überrascht worden, der andere erzählt, er sei durch einen dunklen Gang gegangen bis zu einer Tür, die habe sich dann unverhofft geöffnet, ein Dritter erzählt etwas anderes. Die Träume sehen sich in ihrem Verlauf äußerlich nicht im geringsten ähnlich, dennoch gehen sie auf ein ganz gleichgeartetes, wirkliches Erlebnis zurück, nämlich auf dieselbe Spannung und Entspannung, die sich einmal in diesen Bildern, das andere Mal in jenen Bildern symbolisiert. Also nicht auf die Wirklichkeit des Traumes, nicht einmal, wie die Psychoanalytiker meinen, auf die Symbole kommt es an, sondern auf die innerliche Dramatik des Traumes. Man muß imstande sein, aus den bedeutungslosen Bildern in ihrer Aufeinanderfolge diese innere Dramatik zu erkennen, die Wirklichkeit, in der die Seele mit ihrem geistig-seelischen Wesenskern lebt, indem sie träumt. Diese Wirklichkeit ist eine ganz andere als das, was sich in den Traumbildern zum Ausdruck bringt. Darauf kommt es an. So weist schon der Traum tief hinunter in die unterbewußten und unbewußten Untergründe der Seele. Aber dasjenige, was er ausgestaltet, ist nur eine Verkleidung dessen, was eigentlich, während geträumt wird, wirklich erlebt wird.
[ 23 ] That is one result. I would like to illustrate the other with a personal experience. Not long ago, when I gave a lecture in Zurich on the life of dreams and related fields, I heard that various members of the audience—who claimed to have become particularly knowledgeable in the current scientific discipline known as analytical psychology or psychoanalysis—said after my lecture: “Yes, this man is still caught up in prejudices that we in psychoanalysis have long since moved beyond. He believes that the dream life should be taken as something real, whereas we know that the ‘dream life’ must be taken only as a symbolic representation of the life of the soul.” I do not wish to delve into psychoanalysis here, but merely to mention that this “wisdom” is based solely on a gross misunderstanding. For it would never occur to the true researcher of the mind to take what presents itself in a dream—just as it presents itself—as immediately real. He does not even regard the dream, in its unfolding, as the psychoanalyst does—as an immediate symbolic act—but rather, he is concerned with something entirely different. Anyone familiar with the dream life knows: Ten people—or even more—can recount dreams with vastly different content, and yet they may all be based on the same underlying event. One person recounts having climbed a mountain and then been surprised by something particularly joyful at the summit; another recounts having walked through a dark corridor to a door that then opened unexpectedly; a third recounts something else entirely. Outwardly, the dreams do not resemble one another in the slightest in their course; yet they stem from a very similar, real experience—namely, the same tension and release, symbolized in some images one way and in others another. So it is not the reality of the dream—nor even, as psychoanalysts believe, the symbols—that matters, but rather the inner drama of the dream. One must be able to recognize, from the meaningless images in their sequence, this inner drama—the reality in which the soul lives with its spiritual and psychological essence while it dreams. This reality is entirely different from what is expressed in the dream images. That is what matters. Thus, the dream already points deep down into the subconscious and unconscious depths of the soul. But what it portrays is merely a disguise for what is actually being experienced while one is dreaming.
[ 24 ] Ich muß immer wiederum betonen, daß es mir wahrhaftig nicht darauf ankommt, irgendwelche alten Vorurteile auf irgendeinem Gebiete zu erneuern. Es wird nicht gesprochen etwa aus solchen Voraussetzungen heraus, die entnommen sind aus allerlei mittelalterlicher oder orientalischer sogenannter Geheimwissenschaft, wie sie bei Blavatsky und bei solchen, die aus allen möglichen dunklen Quellen schöpfen, vorhanden ist, sondern es liegt durchaus das Bewußtsein zugrunde, daß alles, was hier gesagt wird, aufrechterhalten werden kann gegenüber jedem naturwissenschaftlichen Urteil; wenn sich die Gelegenheit bieten sollte, so kann sie auch benutzt werden. Geisteswissenschaft wird vorgetragen mit vollem Bewußtsein davon, daß wir im naturwissenschaftlichen Zeitalter leben, mit voller Kenntnis dessen, was Naturwissenschaft über das Dasein und seine Rätsel zu sagen hat, aber auch in voller Kenntnis dessen, was sie nicht zu sagen hat über die Gebiete des geistigen Lebens.
[ 24 ] I must emphasize again and again that I truly have no interest in reviving any old prejudices in any field. I am not speaking, for example, on the basis of assumptions drawn from all sorts of medieval or Eastern so-called “esoteric sciences,” as found in the works of Blavatsky and others who draw from all manner of obscure sources; rather, my approach is firmly grounded in the awareness that everything said here can stand up to any scientific scrutiny; and should the opportunity arise, it can be utilized. Spiritual science is presented with the full awareness that we live in the age of natural science, with full knowledge of what natural science has to say about existence and its mysteries, but also with full knowledge of what it has nothing to say about the realms of spiritual life.
[ 25 ] Woher kommen nun die Bilder, die den Traumablauf ausmachen? Nun, das ist so: Während derjenige, der wirklich leibfrei im geistigen Erleben drinnensteht, die geistige Welt mit ihren Tatsachen und Wesenheiten vor sich hat, hat der Träumende sein Bewußtsein noch nicht so weit auferweckt, daß er diese volle geistige Welt vor sich haben könnte. Dadurch stellt sich seine Seele ein auf die Reminiszenzen des gewöhnlichen Lebens, und dann entsteht der Traum, wenn die Seele heranschlägt an das Leibliche. Der Traum wird nicht im Leibe erlebt, aber er wird durch das Heranschlagen der Seele an das Leibliche verursacht. Daher stellen sich vor den Traumerleber diejenigen Dinge, die seinem Lebenslaufe zugrunde liegen, aber so gruppiert, daß sie jene innerlichen Tendenzen, die ich charakterisiert habe, zum Ausdruck bringen. Es ist also, wenn man charakterisieren will, was der Traum eigentlich ist, ein Erleben des seelisch-geistigen Eigenwesens des Menschen. Aber was erlebt wird, ist nicht das Ewige, es ist das Zeitliche. Das Ewige ist es, was am Traum bewußt tätig ist. Das aber, was diese Tätigkeit vermittelt, das ist das Vorübergehende, das ist das Vergängliche. Das ist das Wesentliche, worauf es ankommt, daß das Ewige im Traume als Erlebnis gerade das Zeitliche, das Vergängliche hat, dasjenige, was sonst Inhalt des Lebens ist.
[ 25 ] Where, then, do the images that make up the course of a dream come from? Well, it is like this: While the person who is truly free from the body and immersed in spiritual experience has the spiritual world with its realities and beings before them, the dreamer has not yet awakened their consciousness to the point where they could have this full spiritual world before them. As a result, his soul attunes itself to the reminiscences of ordinary life, and the dream arises when the soul comes into contact with the physical. The dream is not experienced in the body, but it is caused by the soul’s contact with the physical. Therefore, the things that underlie the dreamer’s life course appear before him, but grouped in such a way that they express those inner tendencies I have described. So, if one wishes to characterize what a dream actually is, it is an experience of the human being’s soul-spiritual essence. But what is experienced is not the eternal; it is the temporal. It is the eternal that is consciously at work in the dream. But what mediates this activity is the transient, the ephemeral. This is the essential point: that in the dream, the eternal takes on as an experience precisely the temporal, the ephemeral—that which is otherwise the content of life.
[ 26 ] Damit habe ich, allerdings skizzenhaft, ausgeführt, was das Wesen des Traumes im Lichte der Geisteswissenschaft ist, und warum dasjenige, was der Traum zum Inhalte hat, so gar nicht ausdrückt dasjenige, was wirklich in der Seele vorgeht, indem Entspannung auf Spannung, Spannung auf Entspannung folgt. Da ist die Seele innerhalb der Welt des Ewigen, da ist die Seele in einem leibfreien Element. Was aber bewußt wird als Umkleidung dieses Erlebens, das rührt von der Verbindung mit den gewöhnlichen Lebensverhältnissen her.
[ 26 ] I have thus outlined—albeit in a sketchy manner—what the nature of the dream is in the light of spiritual science, and why the content of the dream does not at all express what is actually taking place in the soul, as relaxation follows tension and tension follows relaxation. There the soul is within the world of the eternal; there the soul is in a bodyless element. But what becomes conscious as the outer form of this experience stems from the connection with ordinary life circumstances.
[ 27 ] Ich gehe über zu dem zweiten Gebiet, welches an der Grenze des menschlichen Seelenlebens als unbewußte Erscheinung auftreten kann, dasjenige, was in dieses Seelenleben hineintritt in der Form der Halluzination, Vision und dergleichen. Selbst Philosophen, die gut urteilen können, wie Eduard von Hartmann zum Beispiel, den ich außerordentlich hoch stelle in bezug auf den Scharfsinn seines Urteils, sie sind, weil sie nicht vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus den Traum wirklich durchschauen konnten, verführt worden zu glauben, daß dasjenige, was sich als Bild im 'Traume vor die Seele stellt, eigentlich gleichartig sei mit dem, was sich durch eine Halluzination oder eine Vision als Bild vor die Seele stellt. Aber diese Gebiete sind grundverschieden voneinander. Dadurch, daß der wirkliche Geistesforscher weiß, welche Seelenverfassung vorhanden ist, wenn man in der geistigen Welt drinnensteht, und diese mit der Seelenverfassung des Träumenden vergleichen kann, ist er imstande, gewisse Eigentümlichkeiten des Traumlebens zu würdigen, wie etwa, daß der Traum nicht die Logik aufnimmt. Denn der Geistesforscher weiß, daß dieses sinnliche Erleben nicht bedeutungslos ist, sondern daß es ebenso wie das leibfreie Erleben zwischen Tod und neuer Geburt seine Aufgaben im Gesamtleben des Menschen hat. Dazu gehört zum Beispiel, daß wir uns gerade im Umgang mit der sinnlichen Außenwelt die Logik aneignen können, die aus der sinnlichen Außenwelt in unsere Seele hineinfließt. Ebenso weiß der Geistesforscher, daß auch das moralische Urteil sich unmittelbar im physischen Erleben, im Miterleben der menschlichen Kultur zum Ausdruck bringt. Nicht eine Flucht aus dem Leben, nicht eine falsche Askese kann jemals für wirkliche Geisteswissenschaft sich ergeben, sondern volle Anerkennung dieses Lebens, weil Logik und moralische Urteilsfähigkeit, moralische Impulse der Seele einverleibt werden dadurch, daß sie im sinnlichen Leben mit der Außenwelt in Berührung kommt.
[ 27 ] I will now turn to the second realm, which can arise as an unconscious phenomenon at the boundary of human spiritual life—that which enters into this spiritual life in the form of hallucinations, visions, and the like. Even philosophers capable of sound judgment—such as Eduard von Hartmann, for example, whom I hold in exceptionally high regard for the acuity of his judgment— have been led to believe—precisely because they were unable to truly penetrate the nature of dreams from the standpoint of spiritual science—that what appears as an image before the soul in a “dream” is essentially the same as what appears as an image before the soul through a hallucination or a vision. But these realms are fundamentally different from one another. Because the true spiritual researcher knows what state of mind prevails when one is immersed in the spiritual world and can compare this to the state of mind of the dreamer, he is able to appreciate certain peculiarities of the dream life, such as the fact that dreams do not follow logic. For the spiritual researcher knows that this sensory experience is not meaningless, but that—just like the disembodied experience between death and rebirth—it has its purpose in the totality of human life. This includes, for example, the fact that it is precisely through our interaction with the external sensory world that we can acquire the logic which flows from that world into our soul. Likewise, the spiritual researcher knows that moral judgment, too, finds its direct expression in physical experience—in our active participation in human culture. True spiritual science can never arise from an escape from life or from false asceticism, but rather from a full acceptance of this life, because logic, moral judgment, and the moral impulses of the soul are internalized through the soul’s contact with the external world in sensory life.
[ 28 ] Nun handelt es sich darum, daß tatsächlich der Traum, ich möchte sagen, nur etwas hineinleuchtet in das abnorme Seelenleben. Geisteswissenschaft zeigt, wie die Seele leibfrei ist im Traum, und die Traumerlebnisse unabhängig sind vom Leibeserleben, ebenso wie sie getrennt sind von der im Wachleben vorhandenen Verbindung mit der Außenwelt. Der Mensch ist wirklich leibfrei im Traum. Ist er es auch in der Halluzination, in der Vision? Nein, das ist er nicht! Denn Halluzinationen und Visionen kommen gerade durch die Abnormitäten des physischen Leibes zustande. Niemals kann wirkliches visionäres, halluzinierendes Leben in der Seele zutage treten in unabhängigem Erleben von dem Leibe. Es muß immer irgend etwas im Leib gestört, krank sein, unrichtig oder zu schwach funktionieren, so daß der Mensch mit seinem Leib nicht diejenige volle Verbindung eingehen kann, welche dann vorhanden ist, wenn er sich seines Nerven- und Sinnessystems so bedient, daß er wirklich die Außenwelt miterlebt, indem er sich erlebt. Es ist das Eigentümliche, daß, wenn irgendein mit dem Erkennen irgendwie zusammenhängendes Organ erkrankt oder zu schwach ist, dann allerdings eine Erscheinung wie die Halluzination oder die Vision eintreten kann, die ähnlich ist dem geistigen Erleben, aber doch prinzipiell davon verschieden. Während das geistige Erleben auf dem leibfreien Zustande beruht, tritt dieses halluzinierende oder visionäre Leben dadurch ein, daß irgend etwas krankhaft oder zu schwach ist im Leibe. Was liegt im besonderen dem halluzinierenden, dem visionären Leben zugrunde? Nun, das gewöhnliche Vorstellen, wie es im Sinnesleben normalerweise stattfindet, bringt es dazu, unabhängig zu sein von denjenigen Kräften in der menschlichen Organisation, die das gewöhnliche Wachstum im Kindesalter hervorbringen, die die inneren Funktionen des Leibes bewirken, den Stoffwechsel, die Verdauung und so weiter. Ich kann darauf heute nicht näher eingehen, wie dasjenige, was als Leibesorganisation dem normalen Vorstellungsleben zugrunde liegt, dadurch entsteht, daß ein Teil der Leibesorganisation herausgehoben wird aus dem Kreise des bloß animalischen Lebens, des bloßen Wachstums, der Verdauung, des Stoffwechsels und so weiter. Darauf beruht das normale Nervenleben, daß gewissermaßen ein Seelenorganismus wie ein Parasit sich herausgestaltet aus demjenigen, was Verdauung, Stoffwechsel und dergleichen ist. Wenn nun durch besondere abnorme Zustände irgendein Erkenntnisorgan des Menschen so ergriffen wird, daß nicht der Seelenorganismus allein durch dasselbe wirkt, sondern auch der übrige Organismus mit seiner animalischen Organisation, eben durch die Krankhaftigkeit oder die Schwäche eines Organs, so ist die Wirkung, daß der Mensch sich nicht unabhängig von Wachstums-, Verdauungs- und Stoffwechselkräften dem vorstellenden Leben der Außenwelt widmet, sondern daß dann Halluzinationen und Visionen eintreten. Dasjenige, was in der Vision organisch im Menschen tätig ist, sollte entweder in den Wachstumskräften sein, sollte in ihm — verzeihen Sie den harten Ausdruck, aber so ist es — Verdauung bewirken, sollte den Stoffwechsel in seiner feineren Gliederung bewirken. Was in diesem Zustande zutage tritt, ist ein Heraufschlagen des animalischen Lebens in den Seelenorganismus.
[ 28 ] The point is that, in fact, the dream—I would say—merely sheds some light on the abnormal life of the soul. Spiritual science shows how the soul is free from the body in the dream, and how dream experiences are independent of bodily experiences, just as they are separate from the connection to the external world that exists in waking life. A person is truly free from the body in a dream. Is this also the case in a hallucination or a vision? No, it is not! For hallucinations and visions arise precisely because of abnormalities in the physical body. True visionary or hallucinatory life in the soul can never manifest itself in an experience independent of the body. There must always be something in the body that is disturbed, diseased, functioning improperly, or too weak, so that a person cannot establish with their body the full connection that exists when they use their nervous and sensory systems in such a way that they truly experience the external world by experiencing themselves. It is peculiar that when any organ related in some way to cognition becomes diseased or is too weak, a phenomenon such as a hallucination or a vision can indeed occur, which is similar to spiritual experience but nevertheless fundamentally different from it. While spiritual experience is based on a state of freedom from the body, this hallucinatory or visionary life arises because something in the body is diseased or too weak. What, specifically, underlies the hallucinatory, visionary life? Well, ordinary imagination, as it normally takes place in sensory life, leads to independence from those forces in the human organism that bring about normal growth in childhood and that govern the body’s internal functions—metabolism, digestion, and so on. I cannot go into detail today about how the bodily organization that underlies normal imaginative life arises from the fact that a part of the bodily organization is lifted out of the sphere of mere animal life—mere growth, digestion, metabolism, and so on. Normal nervous life is based on the fact that, in a sense, a soul organism develops—like a parasite—out of what constitutes digestion, metabolism, and the like. Now, if—through particular abnormal conditions—any of a person’s organs of cognition is affected in such a way that not only the psychological organism acts through it, but also the rest of the organism with its animal nature—precisely because of the pathological condition or weakness of an organ— the result is that the human being does not devote himself to the imaginative life of the external world independently of the forces of growth, digestion, and metabolism, but rather hallucinations and visions occur. That which is organically active in the human being during a vision should either be present in the growth forces, should—forgive the harsh expression, but that is how it is—bring about digestion within the person, or should bring about metabolism in its finer structure. What comes to light in this state is an upsurge of animal life into the soul organism.
[ 29 ] Das Halluzinieren, Visionieren ist daher nicht eine Erhöhung des Lebens, ist vielmehr eine Durchsetzung des Lebens mit dem Animalischen, das sich sonst nicht in den Seelenorganismus hineinerstreckt. Es wird das, was ganz anderen Vorgängen dienen sollte, hinaufgetragen in die Erkenntnis, in die Anschauungsvorgänge. Daher ist die Halluzination und Vision immer ein Ausdruck davon, daß etwas nicht in Ordnung ist im Menschen. Zwar ist dasjenige, was da zutage tritt, ein Geistiges, aber ein Geistiges, das die Geisteswissenschaft nicht brauchen kann; denn Geisteswissenschaft kann nur das brauchen, was unabhängig vom Leibe erfahren wird. Sie sehen, wie unbegründet es ist, wenn immer wiederum das Mißverständnis auftaucht, als wenn Geisteswissenschaft irgendwie ihre Erkenntnis gewänne durch Visionen, Halluzinationen und dergleichen. Sie zeigt im Gegenteil, daß diese Zustände irgendwie zusammenhängen mit Abnormitäten in der Leibesorganisation, und daß sie niemals hineingetragen werden dürfen in die Ergebnisse der Geisteswissenschaft. Niemals sind Halluzinationen und Visionen gleich dem, was als Traumbild auftritt. Was als Traumbild auftritt, entsteht außerhalb des Leibes und spiegelt sich nur im Leib; was als Halluzination und Vision auftritt, entsteht dadurch, daß irgend etwas im Leib gewissermaßen ausgespart ist. Würde es normal funktionieren, dann würde der Mensch mit gesunden Sinnen in der Sinnenwelt drinnenstehen. Dadurch, daß es sich ausspart, kommt das Geistig-Ewige, das unsichtbar bleiben sollte in der Leibesorganisation, gerade durch die Leibesorganisation zum Vorschein. Das ist nicht nur eine physische Erkrankung, das ist eine seelische Abnormität, etwas, was die Bilder aus der geistigen Welt nur trüben, nur verfälschen könnte. Man braucht sich nicht zu wundern, daß, wenn irgend etwas herabgestimmt ist im Leib, dann Bilder auftreten. Denn wodurch treten die Sinnbilder auf? Dadurch, daß eben dasjenige, was in normaler Weise dem Stoffwechsel, der Verdauung dient, herabgestimmt wird, und daß sich das im Seelenorganismus als etwas anderes geltend macht. Wenn es nun mehr, als eigentlich sein sollte, herabgestimmt ist im Menschen, dann tritt eben abnormes Bewußtsein zutage. Dasjenige, was wir als Sinnbilder im normalen Bewußtsein haben, ist bedingt durch herabgestimmtes Leibesleben, aber normal herabgestimmtes Leibesleben. Ist es mehr herabgestimmt, so erscheint irgend etwas, was nur von dieser Herabstimmung, die eigentlich nicht da sein sollte, herrührt. So kann man sagen, daß das halluzinierende und visionäre Leben ein gehemmtes Streben im Menschen darstellt. Wenn der Mensch sich von der Kindheit bis ins reife Alter entwickelt, so strebt er eigentlich in seine Leibesorganisation hinein. Er strebt, sein Geistig-Seelisches immer mehr und mehr so zu entwickeln, daß der Leib als völliges Werkzeug der seelischen Betätigung gebraucht werden kann. Das wird gehemmt dadurch, daß irgend etwas im Leib nicht gesund ist. Wenn der Mensch so heranwächst, daß er sich seines Leibes bedienen kann, wächst er hinein in das, was seine physische Selbständigkeit, seine physische Egoität hier in der Sinnenwelt ist, er wächst in dasjenige Quantum von Egoismus hinein, das notwendig ist, damit der Mensch wirklich ein auf sich gestelltes Wesen ist, damit er seine menschliche Bestimmung erfüllen kann. Dieses Quantum von Egoismus muß selbstverständlich mit der gehörigen Selbstlosigkeit verknüpft sein. Dasjenige, um was es sich handelt, ist, daß der Mensch sein Leben mit den Kräften seines Ichs durchdringt. Kann er das durch irgendwelche Hemmungen nicht, so ist er auf der Suche nach dem Quantum Egoismus, das ihm notwendig ist, auf eine krankhafte Weise. Das drückt sich dann im halluzinierenden und visionären Leben aus, das immer darauf beruht, daß der Mensch den für das Leben notwendigen Egoismus durch seine Leibesbeschaffenheit nicht erlangen kann.
[ 29 ] Hallucinations and visions are therefore not an elevation of life; rather, they are an intrusion of the animalistic into life—an aspect that would otherwise not extend into the soul organism. That which should serve entirely different processes is carried up into cognition, into the processes of perception. Therefore, hallucination and vision are always an expression of the fact that something is not right within the human being. Admittedly, what comes to light there is spiritual, but it is a spirituality that spiritual science cannot use; for spiritual science can only make use of what is experienced independently of the body. You can see how unfounded it is whenever the misunderstanding arises that spiritual science somehow gains its knowledge through visions, hallucinations, and the like. On the contrary, spiritual science shows that these states are somehow connected with abnormalities in the physical constitution, and that they must never be incorporated into the findings of spiritual science. Hallucinations and visions are never the same as what appears as a dream image. What appears as a dream image arises outside the body and is merely reflected in the body; what appears as a hallucination or vision arises because something in the body is, so to speak, missing. If it were functioning normally, a person with healthy senses would be fully immersed in the sensory world. Because this part is missing, the spiritual-eternal—which should remain invisible within the bodily organization—comes to light precisely through the bodily organization. This is not merely a physical illness; it is a psychological abnormality, something that could only cloud or distort the images from the spiritual world. It is no wonder that when something in the body is out of balance, images appear. For how do these symbolic images arise? Precisely because that which normally serves metabolism and digestion is out of balance, and this manifests itself in the soul organism as something else. If, then, a person’s bodily life is more impaired than it ought to be, abnormal consciousness comes to the fore. What we experience as symbolic images in normal consciousness is conditioned by a lowered physical life—but a normally lowered physical life. If it is lowered to a greater extent, then something appears that stems solely from this lowering, which should not actually be present. Thus, one can say that the hallucinatory and visionary life represents a blocked striving within the human being. As a person develops from childhood into adulthood, they are actually striving toward their physical organization. They strive to develop their spiritual-soul aspect more and more so that the body can be used as a complete instrument of soul activity. This is inhibited by the fact that something in the body is not healthy. When a person grows up to the point where they can make use of their body, they grow into what constitutes their physical independence, their physical sense of self here in the sensory world; they grow into that degree of egoism that is necessary for a person to truly be a self-reliant being, so that they can fulfill their human destiny. This degree of egoism must, of course, be linked to the appropriate degree of selflessness. What is at stake is that a person permeates their life with the powers of their “I.” If they are unable to do so due to any inhibitions, they seek the degree of egoism they need in a pathological way. This then manifests itself in a life of hallucinations and visions, which always stems from the fact that the person, due to his physical constitution, cannot attain the egoism necessary for life.
[ 30 ] Weiter gehört zu den Grenzgebieten des Seelenlebens dasjenige, was durch Zustände der Katalepsie, der Lethargie zum Somnambulismus führt, der verwandt ist mit den mediumistischen Erscheinungen. Ebenso wie der Vorstellungsorganismus des Menschen - ich sage ausdrücklich «Vorstellungsorganismus» und nicht «Vorstellungsmechanismus» — in einer gewissen Weise beschaffen sein muß, damit nicht jene Störung zutage kommen kann, welche ich soeben als halluzinierendes und visionäres Leben charakterisiert habe, so muß für das in der Sinnenwelt normal ablaufende Leben der Willensmechanismus — ich sage Willensmechanismus — in einer gewissen Weise beschaffen sein. So wie der Vorstellungsorganismus auf die Art, wie ich geschildert habe, Halluzinationen und Visionen als krankhaftes Seelenleben herbeiführen kann, so kann, wenn der Willensmechanismus gestört wird, aufgehoben, gelähmt wird, in der Katalepsie, in der Lethargie, im Mediumismus, dadurch der Wille untergraben werden. Der Leib ist zwar nicht geeignet, den Willen unmittelbar hervorzurufen, wenn der Geist auf ihn nicht wirkt, aber der Leib ist geeignet, wenn gewisse Organe stillgelegt werden, wenn der Willensmechanismus unterbunden wird, den Willen abzuschwächen, während der Geistesforscher — das habe ich heute in der Einleitung gesagt — in der Wirklichkeit der geistigen Welt dadurch bleiben kann, daß sein Wille mit voller Bewußtheit auf seinen Leib wirkt. Wird der Leib in bezug auf den Willen gelähmt, dann wird der Leib zu einem Unterdrücker, zu einem Aufheber dieses Willens, dann wird der Mensch aus derjenigen Welt herausgehoben, welcher er angehört als geistig-seelisches, als ewiges Wesen, und wird eingeschaltet in die physische Umgebung, die ja auch überall von geistigen Kräften und Entitäten durchsetzt ist. Der Mensch wird dann herausgeworfen aus der wirklichen Welt und wird eingeschaltet in dasjenige Geistige, was immerfort das Physische durchwebt und durchsetzt. Das ist der Fall beim Somnambulismus, ist der Fall beim Mediumismus.
[ 30 ] Furthermore, among the borderline areas of mental life is that which, through states of catalepsy and lethargy, leads to somnambulism, which is related to mediumistic phenomena. Just as the human organism of imagination—I say explicitly “organism of imagination” and not “mechanism of imagination” — must be constituted in a certain way so that the disturbance I have just characterized as a hallucinatory and visionary life cannot manifest itself, so too must the mechanism of the will—I say mechanism of the will—be constituted in a certain way for life to proceed normally in the sensory world. Just as the organism of imagination, in the manner I have described, can give rise to hallucinations and visions as a pathological state of the soul, so too, when the mechanism of the will is disturbed, suspended, or paralyzed—as in catalepsy, lethargy, or mediumship—the will can thereby be undermined. Although the body is not capable of directly bringing about the will unless the spirit acts upon it, but the body is capable—when certain organs are shut down, when the mechanism of the will is suppressed—of weakening the will, whereas the spiritual researcher—as I said today in the introduction—can remain in the reality of the spiritual world by having his will act upon his body with full consciousness. If the body is paralyzed with regard to the will, then the body becomes a suppressor, a nullifier of that will; then the human being is lifted out of the world to which he belongs as a spiritual-soul being, as an eternal being, and is drawn into the physical environment, which is, after all, permeated everywhere by spiritual forces and entities. The human being is then cast out of the real world and drawn into that spiritual realm which constantly interweaves with and permeates the physical world. This is the case with somnambulism; it is the case with mediumship.
[ 31 ] Nun, diejenigen, die in dem Sinn bequem sind gegenüber der Geisteswissenschaft, wie ich das im Eingang des heutigen Vortrags erwähnt habe, möchten aber doch auf diese Weise die geistige Welt erforschen. Sie können aber nicht die wirklich geistige Welt erforschen, die der Seele ihr ewiges, ihr unsterbliches Leben verbürgt, sondern können den Menschen nur zusammenkriegen mit dem, was die physische Umgebung durchdringt. Dasjenige, was da wirkt im Somnambulen, was wirkt im Medium, das wirkt im normalen Menschen auch, nur wirkt es auf eine andere Art. Es klingt zwar sonderbar, aber Geisteswissenschaft liefert das als Ergebnis. Was wirkt eigentlich im Medium? Was wirkt eigentlich im Somnambulen? Wenn wir im gewöhnlichen Leben stehen, stehen wir mit den anderen Menschen in einer gewissen moralischen Verbindung. Wir handeln aus moralischen Impulsen heraus. Ich sagte, daß diese moralischen Impulse gerade mit dem äußeren physischen Leib erzeugt werden. Wir handeln im äußeren Kulturleben, lernen schreiben, lesen, lernen dasjenige, was sonst der menschliche Wille der äußeren physischen Welt als Geistiges einfügt. Mit dem nun, was wir in der Seele für unsere Tätigkeit in Anspruch nehmen, indem wir lesen lernen, indem wir uns sonstige Kulturerrungenschaften aneignen, indem wir in moralische Beziehungen zur Welt treten, mit all dem lebt die Seele des Somnambulen, des Mediums in einer abnormen Weise zusammen. Diese Tätigkeit, die sonst nur auf moralischem Felde, auf dem Felde des Kulturlebens herauskommt, die drückt sich durch die Herabstimmung des Bewußtseins, durch die Ausschaltung der Seele unmittelbar in die Leiblichkeit des Mediums oder des Somnambulen ein. Während sonst der Mensch im normalen Leben nur durch seine Sinne mit der Umwelt in Berührung steht, kommt beim Somnambulen und beim Medium der ganze Mensch durch seinen Willensmechanismus mit der Umwelt in Beziehung. Dadurch können Fernwirkungen eintreten, der Gedanke kann in die Ferne wirken, es können auch räumliche und zeitliche Ferngesichte auftreten und so weiter. Es kann aber nur dasjenige, was in der physischen Welt, der wir als physische Menschen angehören, als Geistiges enthalten ist, zumeist dasjenige nur, was dem Kultur- und dem moralischen Leben angehört, hineintreten in den menschlichen Organismus. Aber es tritt so hinein, daß dieser menschliche Organismus das Seelische ausgeschaltet hat. Dadurch führt dasjenige, was durch das Medium, durch den Somnambulen auftritt, nicht zu dem GeistigSeelischen im Menschen, sondern zu einer Nachäffung der Wirkungen des Geistigen auf das Leibliche des Menschen. Während im normalen Leben die Seele Vermittler sein muß zwischen dem wirklich Geistigen und dem Leiblichen, wirkt da unmittelbar — aber nur so geartet, wie ich es geschildert habe — das Geistige auf den Leib. Die Folge ist, daß der Mensch mit Ausschaltung des Bewußtseins wie zum Automaten wird, und daß doch eigentlich nur das, was äußerlich dem Kulturleben oder dem moralischen Leben angehört, in diesem automatisch werdenden Menschen sich ausdrückt. Dabei werden Sie sehen, daß, zwar in der verschiedensten Weise kaschiert, maskiert durch den Mediumismus und Somnambulismus, auch scheinbar Geistiges zum Ausdruck kommt, aber nur durch ganz gewisse Kombinationen und Verbindungen, die hier jetzt nicht erörtert werden können, weil das zu weit führen würde. Das Hauptsächlichste, was auf diesem Wege zum Ausdruck kommt, stammt aus der physischen Umgebung. Gerade diejenigen, die voll auf naturwissenschaftlichem Boden stehen, aber über die hier charakterisierten naturwissenschaftlichen Vorurteile nicht hinauskommen, möchten auf solche Art, indem sie den Somnambulismus und Mediumismus zu Hilfe nehmen, in diejenige geistige Welt eindringen, der der Mensch mit seinem Ewigen und seiner Seele Wesenskern angehört. Da können dann die mannigfaltigsten Irrtümer entstehen.
[ 31 ] Well, those who are comfortable with spiritual science in the sense I mentioned at the beginning of today’s lecture would still like to explore the spiritual world in this way. However, they cannot explore the true spiritual world—the one that guarantees the soul its eternal, immortal life—but can only bring people into contact with what permeates the physical environment. What is at work in the somnambulist, what is at work in the medium—that is also at work in the normal person, only in a different way. It may sound strange, but spiritual science arrives at this conclusion. What actually operates within the medium? What actually operates within the somnambulist? When we are living our ordinary lives, we are connected to other people through a certain moral bond. We act out of moral impulses. I said that these moral impulses are generated precisely through the outer physical body. We act in outer cultural life; we learn to write and read; we learn what the human will otherwise incorporates into the outer physical world as something spiritual. Now, the soul of the somnambulist—the medium—interacts in an abnormal way with everything we draw upon in our soul for our activities: as we learn to read, as we acquire other cultural achievements, and as we enter into moral relationships with the world. This activity, which otherwise manifests only in the moral realm and in the realm of cultural life, expresses itself directly into the physicality of the medium or the somnambulist through the lowering of consciousness and the disengagement of the soul. Whereas in normal life a person comes into contact with the environment solely through the senses, in the case of the somnambulist and the medium, the whole person enters into a relationship with the environment through the mechanism of the will. As a result, remote effects can occur; thought can act at a distance; visions extending across space and time can also arise, and so on. However, only that which is contained as spiritual in the physical world—to which we, as physical human beings, belong—and for the most part only that which pertains to cultural and moral life—can enter the human organism. But it enters in such a way that this human organism has suspended its soul life. Consequently, what manifests through the medium or the somnambulist does not reach the spiritual-soul aspect of the human being, but rather results in an imitation of the effects of the spiritual upon the human body. Whereas in normal life the soul must act as a mediator between the truly spiritual and the physical, here the spiritual acts directly upon the body—but only in the manner I have described. The result is that, with consciousness suspended, the human being becomes like an automaton, and that, in reality, only what belongs externally to cultural or moral life finds expression in this person who has become automatic. You will see that, although concealed in the most varied ways and masked by mediumship and somnambulism, seemingly spiritual elements also find expression—but only through very specific combinations and connections that cannot be discussed here now, as that would lead too far afield. The most significant elements expressed in this way originate from the physical environment. It is precisely those who stand firmly on scientific ground but cannot transcend the scientific prejudices characterized here who, by resorting to somnambulism and mediumship, seek to penetrate the spiritual world to which human beings belong with their Eternal Self and the core of their being—their soul. This is where the most diverse errors can arise.
[ 32 ] Ich will einen solchen Irrtum aus den letzten Jahren anführen, der recht interessant ist, weil er, ich möchte sagen, das ganze Feld charakterisiert. Wir haben es da mit einem in seinem Lande außerordentlich angesehenen Naturforscher zu tun, mit einem Naturforscher, der bekannt ist mit allen Schikanen der naturwissenschaftlichen Methoden, der daher auch, wenn er diesem Gebiet nahetritt, durchaus nicht irgendwie leichtfertig zu Werke geht. Ich meine den berühmten englischen Naturforscher Sir Oliver Lodge. Es ist ein sehr merkwürdiger Fall, der auch mit den gegenwärtigen katastrophalen Ereignissen zusammenhängt. Lodge war schon immer geneigt, irgendwie eine Verbindungsbrücke zu schlagen zwischen der äußerlichen, natürlichen Welt und der Welt, der der Mensch angehört, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist. Aber er wollte auf naturwissenschaftlichem Boden bleiben, was ja für diejenigen Persönlichkeiten charakteristisch ist, die durchaus nicht in die geisteswissenschaftlichen Methoden eindringen wollen. Lodge hatte einen Sohn in den Krieg schicken müssen, der an der französischen Front diente. Siehe da, eines Tages bekam er aus Amerika einen merkwürdigen Brief. Es wurde Lodge darin mitgeteilt, seinem Sohn stehe eine große Gefahr bevor, aber der Geist des verstorbenen Myers, der zehn Jahre vorher gestorben war, werde seine schützende Hand über den Sohn halten, während er durch diese Gefahr gehe. F. Myers war ja Präsident der «Society for Psychological Research» gewesen, ein Mann, der sich mit übersinnlichen Angelegenheiten beschäftigt hatte, und der Lodge und seine Familie gut gekannt hatte, von dem man also annehmen konnte — wenn man überhaupt annimmt, daß sich irgend etwas in der übersinnlichen Welt im Zusammenhang mit dem menschlichen Leben ereignet —, daß er seine schützende Hand über den in Gefahr schwebenden jungen Lodge halten würde. Aber der Brief war recht vieldeutig abgefaßt, so pflegen nämlich solche Briefe zu sein. Nicht wahr, der Sohn konnte in Gefahr kommen, erschossen zu werden, aber gerettet werden, da konnte dann der Briefschreiber sagen: «Ja, habe ich nicht durch ein Medium die Mitteilung bekommen, daß Myers seine Hand über den Sohn des Lodge hält? Durch die Hilfe von Myers ist er aus der Todesgefahr gerettet worden.» Wird er aber erschossen, so kann der Briefschreiber ebensogut sagen: «Nun ja, Myers hält im Jenseits seine Hand über ihn.» Wäre ein dritter Fall möglich, so würde auch der dritte Fall mit diesem Briefe getroffen. Man darf eben durchaus nicht unskeptisch sein, wenn man auf diesem Boden wirklich die Wahrheit erforschen will. Man muß alles vollständig mit kritischem Urteil anschauen. Natürlich, Lodge hat darauf keinen besonderen Wert gelegt, denn das wußte er schon, daß solche Dinge vieldeutig sind. Siehe da, der Sohn fiel. Da bekam er eine zweite Nachricht, daß nun tatsächlich Myers seine Hand im Jenseits über seinen Sohn hält, und daß sich in England Persönlichkeiten finden würden, die den Beweis dafür liefern sollten. Nun, es werden ja auch solche Dinge schon organisiert. Es fanden sich sogar mehrere Medien, welche in die Familie des Oliver Lodge, die größtenteils aus Skeptikern bestand, Zutritt fanden. Da ereigneten sich nun die verschiedensten Manifestationen. Lodge hat das alles in einem dicken Buche, das aus mehrfachen Gründen sehr interessant ist, ausführlich beschrieben. Die Dinge, die da beschrieben werden, unterscheiden sich größtenteils nicht viel von anderen spiritistischen Protokollen, und man brauchte sich nicht sonderlich darüber aufzuregen. Das haben auch die Leute nicht getan. Auch Lodge hätte schließlich die Manifestationen nicht beschrieben, wenn nicht etwas anderes dazu gekommen wäre. Weil Lodge bekannt ist mit allen Schikanen der naturwissenschaftlichen Forschungsweise, so ging er auch in diesem Falle vor wie ein Chemiker, der Untersuchungen im Laboratorium anstellt, und wandte alle nur denkbaren Kautelen an, um den Fall einwandfrei festzustellen. Man hat daher überall das Gefühl, daß man nach diesem Buche den Fall wirklich beurteilen kann, denn Lodge schildert so, wie ein Naturforscher schildert.
[ 32 ] I would like to cite one such error from recent years that is quite interesting because, I would say, it characterizes the entire field. We are dealing here with a naturalist who is highly regarded in his country—a naturalist who is well versed in all the intricacies of scientific methods and who, therefore, when approaching this subject, by no means proceeds lightly. I am referring to the famous English naturalist Sir Oliver Lodge. It is a very curious case, one that is also connected to the current catastrophic events. Lodge had always been inclined, in a way, to build a bridge between the external, natural world and the world to which a person belongs once they have passed through the gate of death. But he wanted to remain on scientific ground—which is characteristic of those individuals who have absolutely no desire to delve into the methods of the spiritual sciences. Lodge had been forced to send his son to war, where he served on the French front. Lo and behold, one day he received a strange letter from America. In it, Lodge was informed that his son was facing great danger, but that the spirit of the late Myers—who had died ten years earlier—would hold his protective hand over his son as he faced this danger. F. Myers had, after all, been president of the “Society for Psychological Research,” a man who had dealt with psychic matters and who had known Lodge and his family well; one could therefore assume—if one assumes at all that anything in the psychic realm occurs in connection with human life—that he would extend his protective hand over the young Lodge, who was in danger. But the letter was worded quite ambiguously, as such letters tend to be. After all, the son could be in danger of being shot, yet still be saved; in that case, the letter writer could say: “Yes, didn’t I receive a message through a medium that Myers is watching over Lodge’s son? Thanks to Myers’s help, he has been saved from mortal danger.” But if he is shot, the writer of the letter might just as well say: “Well, Myers is holding his hand over him in the afterlife.” If a third scenario were possible, that scenario would also be covered by this letter. One simply must not be unskeptical if one truly wishes to seek the truth in this realm. One must examine everything thoroughly with a critical eye. Of course, Lodge did not attach any particular importance to this, for he already knew that such things are open to interpretation. Lo and behold, the son fell. Then he received a second message stating that Myers was indeed keeping his hand over his son in the afterlife, and that there were people in England who would provide proof of this. Well, such things are, after all, already being organized. Several mediums even gained access to Oliver Lodge’s family, which consisted largely of skeptics. There, a wide variety of manifestations took place. Lodge described all of this in detail in a thick book that is very interesting for a number of reasons. The events described there do not differ much from other spiritualist records, and there was no need to make a big fuss about them. Nor did people do so. Lodge, too, would not have described the manifestations had it not been for something else that came into play. Because Lodge is familiar with all the intricacies of the scientific method, he proceeded in this case just as a chemist conducting experiments in a laboratory would, and took every conceivable precaution to establish the facts of the case beyond a doubt. One therefore gets the impression throughout the book that one can truly assess the case based on it, for Lodge describes it just as a natural scientist would.
[ 33 ] Neben allerlei anderen Dingen beschreibt er einen Fall, den man als «experimentum crucis» auffassen kann, einen Fall, der ungeheures Aufsehen gemacht hat. Selbst die ungläubigsten Journalisten —und die pflegen ja immer skeptisch zu sein, ich weiß nicht, ob stets aus einem begründeten Urteil heraus - fanden sich irgendwie beeindruckt von diesem experimentum crucis. Es bestand in folgendem: Ein Medium, das behauptete, es stünde in Verbindung mit der Seele sowohl von Myers wie des Sohnes von Lodge, sagte aus, vierzehn Tage bevor der Sohn an der französischen Front fiel, habe er sich mit einer Anzahl von Kollegen photographieren lassen. Die Photographie sähe so und so aus. Es wird genau beschrieben, wie die Kameraden in der Reihe angeordnet sind, wie der Sohn des Lodge in der unteren Reihe sitzt, wie er seine Hände hält und so weiter. Dann wird berichtet, daß mehrere Aufnahmen existieren, wieso der Photograph mehrere Aufnahmen hintereinander macht, und dabei die Gruppierung etwas verändert. Die andere Gruppierung wurde ebenso genau angegeben, wie dabei Lodge die Stellung der Hände und der Arme verändert hat, wie er sich zu seinem Nachbar neigt und so weiter. Auch diese Photographie wurde genau beschrieben. Die Photographien waren nicht in England, niemand hatte sie gesehen, weder das Medium noch irgend jemand von der Familie noch Lodge selber. Man konnte nur glauben, daß das Medium irgendwie phantasiere, als es die Photographien beschrieb. Aber siehe da, nach vierzehn Tagen kamen diese Photographien an, und man sah, daß sie genau mit den Angaben des Mediums übereinstimmten. Daß dies ein Kreuzexperiment für Lodge und für diejenigen war, die es anging, kann nicht wundernehmen. Dies ist es auch, was das Buch interessant macht. Allerdings wird der wirkliche Geistesforscher nicht ebenso hineinfallen, wie Lodge selber in einer gewissen Beziehung hineingefallen ist, weil er gerade wegen der gewissenhaften Darstellung des Lodge sich über den Fall ein unabhängiges, objektives Urteil bilden kann.
[ 33 ] Among all sorts of other things, he describes a case that can be regarded as an “experimentum crucis”—a case that caused a tremendous stir. Even the most skeptical journalists—and they tend to be skeptical, though I don’t know if that’s always based on sound judgment—found themselves somehow impressed by this experimentum crucis. It consisted of the following: A medium who claimed to be in contact with the souls of both Myers and Lodge’s son stated that, fourteen days before Lodge’s son was killed on the French front, he had had his photograph taken with a number of colleagues. The photograph looked like this and that. It is described in detail how the comrades were arranged in the row, how Lodge’s son was seated in the lower row, how he held his hands, and so on. It was then reported that several photographs exist, explaining why the photographer took several shots in succession, slightly altering the grouping each time. The other grouping was described just as precisely, including how Lodge changed the position of his hands and arms, how he leaned toward his neighbor, and so on. This photograph, too, was described in detail. The photographs were not in England; no one had seen them—neither the medium nor anyone from the family, nor Lodge himself. One could only assume that the medium was somehow fantasizing when she described the photographs. But lo and behold, after fourteen days these photographs arrived, and it was seen that they corresponded exactly with the medium’s descriptions. It is no wonder that this was a cross-examination for Lodge and for those involved. This is also what makes the book interesting. However, the true parapsychologist will not fall into the same trap as Lodge himself did in a certain respect, because it is precisely because of Lodge’s conscientious account that he can form an independent, objective judgment about the case.
[ 34 ] Woran liegt es, daß hier einmal etwas auftritt, wodurch ein Mensch, der nicht durch wahre Geistesforschung in die geistige Welt hineinkommen will, auf einem solchen Wege doch etwas findet, was ihn zu der Überzeugung von dem Hineinragen einer geistigen Welt in die physische bringt? Den wirklichen Geistesforscher könnte das nicht zu der gleichen Überzeugung bringen, weil er weiß, worum es sich hier handelt. Er muß sich sogar sehr darüber wundern, daß ein Mann wie Lodge, trotzdem er ein so gewiegter Naturforscher ist, doch so dilettantisch auf diesem Gebiete ist. Wer auch nur oberflächlich mit diesen Erscheinungen bekannt ist, vielleicht gar nicht durch selbständige Anschauungen, sondern nur aus der Literatur, der weiß, daß bei Somnambulen und Medien eine Beziehung zur Umgebung in der Weise vorhanden ist, wie ich es geschildert habe, daß gewissermaßen der ganze Mensch zu Sinnesorganen umgewandelt wird und dadurch automatische und zeitliche Ferngesichte auftauchen. Ihre Grundlage ist stets ein krankes oder schwaches Seelenleben. Sie haben nichts zu tun mit derjenigen Welt, der der Mensch mit seinem unsterblichen Teil angehört, aber sie haben zu tun mit dem, was als physische, sinnliche Umgebung geistig ist, was sich namentlich darinnen durch den Willen des Menschen zuträgt. Gerade weil Lodge gewissenhaft beschreibt, läßt sich feststellen, daß das Medium nichts anderes als ein Ferngesicht gehabt hat, daß es die Photographien vierzehn Tage vor ihrer Ankunft in London gesehen hat. Das mag manchem wunderbar genug vorkommen, allein das sind gewöhnliche Erscheinungen. Jedenfalls ist damit nicht, wie Lodge meint, ein Beweis dafür geliefert, daß Myers nun wirklich seine Hand über den Sohn des Lodge gehalten hat. Es kann das ja der Fall sein, aber es müßte in leibfreier Geistesforschung untersucht werden. Man sieht, wie groß die Versuchungen "und Verlockungen sind selbst für diejenigen, die gewissenhafte Forscher sind und solchen Erscheinungen mit Vorsicht und Kritik gegenüberstehen, wenn man sich nicht wirklich auf den Pfad der Geisteswissenschaft begeben will. Dasjenige, was durch diese abnormen Erscheinungen, durch die der Mensch zum Automaten gemacht wird, erfahren werden kann, darf niemals der Inhalt einer Wissenschaft vom wirklich Übersinnlichen werden, dem der Mensch mit seinem ewigen Teil angehört.
[ 34 ] Why is it that something occurs here through which a person who does not wish to enter the spiritual world through true spiritual research nevertheless finds, in this way, something that leads him to the conviction that a spiritual world extends into the physical world? This could not lead the true spiritual researcher to the same conviction, because he knows what is at stake here. He must even be very surprised that a man like Lodge, despite being such a seasoned natural scientist, is nevertheless so amateurish in this field. Anyone even superficially familiar with these phenomena—perhaps not even through personal experience, but only from the literature—knows that in somnambulists and mediums there is a relationship to their surroundings of the kind I have described, in which, so to speak, the entire human being is transformed into sensory organs, giving rise to automatic and temporal remote visions. Their basis is always a diseased or weakened spiritual life. They have nothing to do with the world to which human beings belong with their immortal part, but they do have to do with that which, within the physical, sensory environment, is spiritual—namely, what takes place within it through human will. Precisely because Lodge describes this so conscientiously, it can be established that the medium experienced nothing other than a remote vision—that she had seen the photographs fourteen days before their arrival in London. This may seem wondrous enough to some, but these are ordinary phenomena. In any case, this does not, as Lodge believes, provide proof that Myers actually laid his hand upon Lodge’s son. That may well be the case, but it would have to be investigated through astral projection. One can see how great the temptations and enticements are—even for those who are conscientious researchers and approach such phenomena with caution and a critical eye—if one does not truly wish to embark on the path of spiritual science. That which can be experienced through these abnormal phenomena—through which human beings are turned into automatons—must never become the subject matter of a science of the truly supersensible, to which human beings belong with their eternal aspect.
[ 35 ] Noch vieles könnte man hinzufügen. Es würde in gleicher Weise zeigen, wie diese Grenzgebiete des menschlichen Seelenlebens hinweisen auf etwas, was allerdings ein sonst unbewußt Bleibendes ist, aber durchaus nicht das für den Menschen eigentlich bedeutungsvollste Unbewußte zur Offenbarung bringen kann, die geistige Welt, der der Mensch mit seinem freien unsterblichen Teil angehört. Von all diesen Erscheinungen bleibt nur das Traumleben, als gewissermaßen noch im Normalen drinnenstehend, weil da der Mensch nicht durch sein Leibliches erlebt, sondern durch sein Geistig-Seelisches, und damit anstößt an das Leibliche und an das physische Erleben. Daher ist der Mensch auch dem Traumleben gegenüber in der Lage, Korrektur in der richtigen Weise zu üben und es in der richtigen Weise in die übrige Wirklichkeit orientierend hineinzustellen, während er nicht imstande ist, dasjenige, was er durch seinen Leib erlebt an Halluzinationen, an Visionen, an Erscheinungen des Somnambulismus und des Mediumismus, in normaler Weise kritisch in das übrige Leben hineinzustellen.
[ 35 ] Much more could be added. It would likewise show how these border regions of human soul life point to something that, while otherwise remaining unconscious, is by no means capable of revealing what is actually most significant for human beings in the unconscious: the spiritual world to which human beings belong with their free, immortal part. Of all these phenomena, only the life of dreams remains, as it is, so to speak, still within the realm of the normal, because there the human being experiences not through the physical body but through the spiritual and soul aspects, and thus comes into contact with the physical body and physical experience. Therefore, even with regard to the dream life, human beings are able to exercise correction in the proper way and to orient it correctly within the rest of reality, whereas they are unable to critically integrate into the rest of their lives, in a normal way, what they experience through their physical body in the form of hallucinations, visions, and manifestations of somnambulism and mediumship.
[ 36 ] Im nächsten Vortrage soll dann eingehender dasjenige behandelt werden, was im Laufe der Kulturentwickelung fortwährend Beseligung und Erhebung in das menschliche Leben hineinträgt: die Kunst. Im Traum erlebt der Mensch die geistige Welt so, daß sich durch das Anstoßen an die Leiblichkeit Sinnbilder gestalten. Auch das, was der wirkliche Künstler erlebt, und was im Kunst genießenden, im Kunst empfangenden Menschen vorgeht, spielt sich in den unbewußten Regionen des Seelenlebens ab, in denjenigen Regionen, die jenseits des bloßen physischen Erlebens liegen. Das wirklich Künstlerische wird hineingetragen aus dem Übersinnlichen in die sinnlichen Regionen des Lebens, nur daß sich dann in der Kunst die Umkleidung mit Bildern nicht unbewußt vollzieht. Gerade so, wie beim Träumenden das eigentlich seelische Erlebnis im Unbewußten bleibt, sich aber offenbart durch dasjenige, was die Seele wiederum unbewußt als Umkleidung hinzufügt zu dem eigentlichen Erlebnis, so wird das übersinnliche Erlebnis des Künstlers und des Kunst Genießenden an dem Kunstwerk hineingetragen in die sinnliche Welt. Aber die Umkleidung mit dem Bild, die Umkleidung mit demjenigen, was vom äußeren Leben als Imagination benutzt wird, um phantasievoll das übersinnlich Erlebte hineinzustellen in die sinnliche Welt, das wird im Bewußtsein durchgeführt. Daß dieses so ist, daß tatsächlich die Kunst eine Botschaft ist aus einer übersinnlichen Welt, daß tatsächlich das Genießen der Kunst ein Heraufheben der Seele zu der übersinnlichen Welt ist, auf dem Wege der sinnlichen Ausgestaltung, durch sinnliche Bildlichkeit, wird Gegenstand des nächsten Vortrags sein.
[ 36 ] In the next lecture, we will examine in greater detail that which, throughout the course of cultural development, continually brings joy and inspiration into human life: art. In dreams, human beings experience the spiritual world in such a way that symbols take shape through contact with the physical body. What the true artist experiences, and what takes place within those who appreciate and receive art, also unfolds in the unconscious realms of the soul—realms that lie beyond mere physical experience. What is truly artistic is carried from the supersensible into the sensory realms of life, except that in art, the process of clothing the experience in images does not take place unconsciously. Just as, in the case of the dreamer, the actual psychological experience remains in the unconscious but reveals itself through what the soul, in turn, unconsciously adds as a form to the actual experience, so the supersensory experience of the artist and the art lover is carried into the sensory world through the work of art. But the process of clothing the experience in an image—clothing it in what is drawn from external life as imagination in order to imaginatively place the supersensory experience into the sensory world—is carried out in consciousness. That this is so—that art is indeed a message from a supersensible world, that the enjoyment of art is indeed an elevation of the soul to the supersensible world, through the medium of sensory form and imagery—will be the subject of the next lecture.
[ 37 ] Wenn man das, was heute betrachtet worden ist, zusammenfaßt, so hat man zu sagen: Gewiß, der Mensch wird dadurch, daß ihm diese abnormen Erscheinungen des Lebens entgegentreten, hingeführt auf das geistige Gebiet. Denn die geistige Welt ist es, die hineinleuchtet in das Leben des Menschen, wenn er sie auch auf eine abnorme Weise erlebt. Aber man soll diese abnormen Erscheinungen ebensowenig künstlich herbeiführen, wie man Krankheitserscheinungen künstlich herbeiführt, um irgend etwas zu erkennen. Was bleibt von all diesen Erscheinungen zurück, das immer dasteht wie eine lebendige Mahnung? Daß der Mensch den Weg finden möge in das wirkliche Erleben des Geistigen hinein. Es bleibt das merkwürdige Ergebnis, daß wir gerade die 'Traumwelt durch Geisteswissenschaft schützen können vor dem Verdacht, daß sie etwas zu tun habe mit krankhaften Erlebnissen, obwohl es dazu natürlich leichte Übergänge vom Traum aus geben kann. Aber wenn man sieht, wie der Mensch so durch den "Traum gemahnt wird, den Weg zu finden in die wahre geistige Welt, dann stellt sich die Betrachtung dieser scheinbar chaotischen Traumeswelt als ein recht Bedeutungsvolles hin. Dann klopft an das menschliche Leben ein wichtiges Weltenrätsel an, der Traum mit seinen sonderbaren Bildern, die nicht logisch und nicht moralisch durchdrungen sind, die aber ein deutlicher Hinweis auf die geistige Welt selbst sind. So kann man zustimmen einer Besprechung des erwähnten Buches von Volkelt durch den geistvollen Ästhetiker und Philosophen Vischer, wo es heißt: Wenn man den 'Traum betrachtet mit seiner reichen Armut, mit seinem armen Reichtum, mit seiner genialischen Dummheit, mit seiner dummen Genialität, und ihm in seinem unbewußten Schaffen zusieht, dann wird man erkennen, wie er doch hinweist auf dasjenige, was geistig im Menschen wirksam ist, und was gesucht werden kann. Und Recht hat Vischer, wenn er weiter sagt: «Wer da glaubt, daß dieses Geisterreich des Traumes nicht würdig wäre, zum Gegenstand wahrer Forschung gemacht zu werden, der zeigt dadurch nur, daß er selbst nicht viel Geist in sich hat.» Wenn aber das Traumesreich ein Mahner ist, an die geistige Welt heranzutreten, so will die Geisteswissenschaft diese Mahnung erfüllen. Während der Traum nur Bilder der Vergänglichkeit gewinnen kann, wenn auch die Seele dabei mit ihrem ewigen Wesenskern tätig ist, kann durch geisteswissenschaftliche Erkenntnis diese in der ewigen Welt lebende Seele sich auch erfüllen mit Bildern, welche die ihrem ureigensten Wesen entsprechende geistige Wirklichkeit zum Ausdruck bringen, und ihr dadurch ebenso, wie ihr durch die Sinne der Platz in der Sinnenwelt angewiesen wird, ihren Platz anweisen als geistig-seelisches Wesen in der geistig-seelischen Wirklichkeit.
[ 37 ] To summarize what has been discussed today, one must say: Certainly, when a person encounters these abnormal phenomena in life, they are led into the spiritual realm. For it is the spiritual world that shines into human life, even if one experiences it in an abnormal way. But one should not artificially induce these abnormal phenomena any more than one artificially induces symptoms of illness in order to gain insight into something. What remains of all these phenomena, standing there as a living reminder? That a person may find the path into the true experience of the spiritual. The remarkable result is that it is precisely through spiritual science that we can protect the “world of dreams” from the suspicion that it has anything to do with pathological experiences, although there can, of course, be easy transitions from dreams into such experiences. But when one sees how human beings are thus “reminded” through dreams to find the path into the true spiritual world, then the contemplation of this seemingly chaotic world of dreams reveals itself to be quite significant. Then an important cosmic mystery knocks at the door of human life: the dream, with its strange images that are neither logical nor imbued with morality, yet which are a clear indication of the spiritual world itself. Thus, one can agree with a review of the aforementioned book by Volkelt written by the brilliant aesthetician and philosopher Vischer, in which he states: When one considers the ‘dream’ with its rich poverty, its poor wealth, its ingenious stupidity, its stupid genius, and observes it at work in its unconscious creation, one will recognize how it does indeed point to that which is spiritually active within the human being and which can be sought. And Vischer is right when he goes on to say: “Anyone who believes that this spiritual realm of the dream is not worthy of being made the subject of true research thereby shows only that he himself possesses little spirit.” But if the realm of dreams serves as a call to approach the spiritual world, then spiritual science seeks to heed this call. While the dream can only produce images of transience—even though the soul is active in the process with its eternal core—through spiritual scientific knowledge, this soul, which lives in the eternal world, can also be filled with images that express the spiritual reality corresponding to its very essence, and thereby assign it—just as the senses assign it a place in the sensory world—its place as a spiritual-soul being in spiritual-soul reality.
