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The Essence of Christianity
GA 68a

24 April 1906, Leipzig

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The Essence of Christianity, tr. SOL
  1. Über das Wesen des Christentums

20. Germanische und Indische Geheimlehre

20. Germanic and Indian Esoteric Teachings

[ 1 ] Die theosophische Gesellschaft hat unter ihren Grundsätzen den, den Wahrheitskern der verschiedenen Religionsbekenntnisse aller Völker und Zeiten kennenzulernen und zu vergleichen. Es wird die Frage gestellt: Was können wir aus einer solchen Vergleichung gewinnen? Schon die gewöhnliche materialistische Forschung merkte eine Eigentümlichkeit bei den Weltanschauungen der verschiedenen Zeiten und Völker. Man fand eine merkwürdige Übereinstimmung zwischen den verschiedensten Weltanschauungen und Religionsbekenntnissen. Die alte ägyptische, die indische, die germanische Weltanschauung, ja selbst bei näherer Prüfung die Religionsvorstellungen afrikanischer Urvölker haben die gleichen Grundgedanken. Früher hat man gar nicht gewagt, fremde Religionen zu durchforschen. Jetzt ist man darin schon unbefangener. Es gibt jetzt eine Religionswissenschaft, welche sich damit beschäftigt, die verschiedenen Religionsbekenntnisse aller Völker und Zeiten zu vergleichen. Die materialistische Religionswissenschaft hat aber das nicht verstanden, was sie gefunden hat. Sie sagt, die Völker hätten früher die Naturkräfte verehrt, weil sie sich fürchteten vor den Naturkräften et cetera, deshalb hätten sie zu den Naturkräften gebetet. Kindliche Vorstellungen suchte man hinter den Anschauungen der alten Völker. Man meinte, die Religionen seien hervorgegangen aus der kindlichen Volksphantasie, sie bedeuteten nichts anderes als die verschiedenen Stufen der Weltanschauung; jetzt sei man aufgerückt zu einem männlichen Zeitalter, wo man wirklich etwas wisse von den Dingen. — Eine solche Vorstellung kann nicht auftkommen, wenn man zwei Tatsachen betrachtet. Die eine Tatsache ist die, dass die Völker nicht Götter erdichten für die Naturkräfte. Die Gelehrsamkeit hatte gar keine Ahnung von dem Walten und Streben der Volksseele; vom grünen Tische aus hat man das ganz falsch beurteilt. So hat man manche Volkssagen auf ganz falsche Weise ausgelegt. Es gibt eine indische Sage von dem Gotte Indra, der die Kühe den ... [Lücke] entwendet. Man hat das so erklärt: Indra, die Sonne, gewinnt der feindlichen Gewalt, der Finsternis, die Kühe, die Morgenröte, ab. Wer sich jemals einen Begriff gemacht hat von dem wahren Wirken der Volksseele, der kann nicht zugeben, dass die Volksseele sich das ausgedacht habe. Auch in Buddha haben gewisse Gelehrte nichts gesehen als die nur bildliche Darstellung der Sonne. So hat man in den Religionsvorstellungen sinnbildliche Ausgestaltungen der Volksphantasie zu finden geglaubt.

[ 1 ] One of the principles of the Theosophical Society is to identify and compare the core truths of the various religious beliefs of all peoples and all ages. The question is posed: What can we gain from such a comparison? Even conventional materialistic research has noted a peculiarity in the worldviews of different eras and peoples. A remarkable convergence was found among the most diverse worldviews and religious beliefs. The ancient Egyptian, Indian, and Germanic worldviews—and, upon closer examination, even the religious concepts of indigenous African peoples—share the same fundamental ideas. In the past, people did not even dare to explore foreign religions. Now, however, people are more open-minded in this regard. There is now a field of religious studies dedicated to comparing the various religious beliefs of all peoples and eras. Materialist religious studies, however, have failed to understand what they have discovered. It claims that peoples in the past worshiped the forces of nature because they feared them, and so on, and that is why they prayed to them. People sought childlike notions behind the beliefs of ancient peoples. It was thought that religions had emerged from the childlike imagination of the people; they were said to represent nothing more than the various stages of worldview; now we have advanced to a mature age in which we truly know something about these things. — Such a notion cannot arise when one considers two facts. The first fact is that peoples do not invent gods for the forces of nature. Scholarly circles had no idea whatsoever of the workings and aspirations of the folk soul; from their ivory towers, they judged this entirely wrongly. Thus, many folk tales have been interpreted in a completely erroneous manner. There is an Indian legend about the god Indra, who steals the cows from the ... [gap]. This has been explained as follows: Indra, the sun, wrests the cows—the dawn—from the enemy force, darkness. Anyone who has ever gained an understanding of the true workings of the folk soul cannot accept that the folk soul would have devised such a thing. Even in Buddha, certain scholars saw nothing more than a purely figurative representation of the sun. Thus, people have believed that religious concepts contain symbolic expressions of the folk imagination.

[ 2 ] Nur wer die Mythologien oberflächlich betrachtet, der allein kann über die tiefe Weisheit, die sich darin ausspricht, hinwegsehen, der allein kann verkennen, dass da etwas viel Tieferes verborgen liegt als bloße dichterische Phantasie, Volksphantasie. Die wirkliche Geistesforschung weiß, dass es immer auserlesene Persönlichkeiten gegeben hat, die höher standen als die anderen Menschen. Solche höherstehende Persönlichkeiten waren zum Beispiel Buddha, Pythagoras, Moses und der größte Eingeweihte, der Christus Jesus. Es sind dies Individualitäten, die weit voran sind den anderen Menschen; solche Individualitäten sind es, die aus eigener Anschauung die höheren Welten kennen, die Erfahrung besitzen über das, was hinter der physischen Welt verborgen liegt. Sie kennen selbst die geistige Welt. Diese haben den Völkern, zu denen sie kamen, einen Teil der Wahrheit gebracht. Die Weisheit ist dieselbe zu allen Zeiten. Aber sie muss den verschiedenen Völkern zu verschiedenen Zeiten verschieden gebracht werden. Dasjenige, was wahr ist, das bewahren die großen Führer, die Eingeweihten der Menschheit, und sie kleiden es in diejenigen Vorstellungen, die irgendein Volk zu einer bestimmten Zeitperiode verstehen kann. Die verschiedenen Religionen sind die eine Wahrheit, angepasst den verschiedenen Völkern gemäß ihrer Begabung und ihrer Eigenart.

[ 2 ] Only those who view mythologies superficially can overlook the profound wisdom expressed within them; only they can fail to recognize that something far deeper lies hidden there than mere poetic imagination or folk imagination. True spiritual research knows that there have always been exceptional individuals who stood higher than other people. Such exalted individuals included, for example, Buddha, Pythagoras, Moses, and the greatest initiate, Jesus Christ. These are individuals who are far ahead of other human beings; it is such individuals who, through their own direct perception, know the higher worlds and possess experience of what lies hidden beyond the physical world. They themselves know the spiritual world. They have brought a portion of the truth to the peoples among whom they lived. Wisdom is the same in all ages. But it must be conveyed differently to different peoples at different times. The great leaders, the initiates of humanity, preserve what is true and clothe it in concepts that a particular people can understand at a specific period of time. The various religions are the one truth, adapted to different peoples according to their gifts and their distinctive characteristics.

[ 3 ] Die gemeinschaftliche Weisheit, die wir auch die Geheimlehre nennen, drückt sich in den verschiedensten Religionsbekenntnissen aus. Um zu verstehen, warum ein Volk diese Vorstellungen hat, ein anderes andere Vorstellungen, da müssen wir die Eigenart der Völker kennenlernen. Die Eigenart der alten Germanen und der indischen Völker müssen wir prüfen.

[ 3 ] The collective wisdom, which we also call the Esoteric Doctrine, is expressed in a wide variety of religious beliefs. To understand why one people holds certain beliefs and another holds different ones, we must come to know the distinctive characteristics of these peoples. We must examine the distinctive characteristics of the ancient Germanic peoples and the Indian peoples.

[ 4 ] Zuerst geben wir eine kurze Skizze von der Geheimlehre, die von den eingeweihten Führern der Menschheit bewahrt wird. Der Grundzug der gemeinsamen Geheimlehre ist der bei den verschiedenen Völkern, dass der Mensch ein Doppelwesen ist, dass er besteht aus einem geistig-seelischen Teil und einem physisch-leiblichen Teil und dass der geistig-seelische Teil berufen ist, den physisch-leiblichen Teil emporzuheben, zu veredeln, zu läutern, zu beseligen. Schiller spricht von der Läuterung der untern Teile des Menschen in den Briefen über die ästhetische Erziehung des Menschengeschlechtes. Da spricht er davon, wie die ganze Entwicklung des Menschen darin besteht, die niedere Natur zu reinigen und zu läutern. Die ganze Entwicklung des Menschen besteht darin, dass er zu immer höheren und höheren Stufen aufsteigt in dieser Läuterung. Diese Anschauung verbindet die Geheimlehre mit einer ganz bestimmten Vorstellung über die Beziehung des Menschen zur Welt. Alle Mystik nennt den Menschen den Mikrokosmos im Vergleich zum Makrokosmos, zur großen Welt. Wer nun die Naturreiche durchgeht und prüft dann die Kräfte, Fähigkeiten und Eigenschaften des Menschen, für den stellt sich heraus, dass der Mensch ein Zusammenfluss ist aller Kräfte, die draußen in der Welt sind. Paracelsus sagte: Wenn ihr hinausschaut in die Natur, so seht ihr überall die Buchstaben, und der Mensch ist das Wort, das aus diesen Buchstaben zusammengesetzt ist. Schiller schrieb an Goethe über dessen Auffassung des Menschen: «Ich sehe, wie Sie die ganze Natur nehmen, um den Menschen zu erklären. Sie suchen überall die Teile, um aus der Allheit der Erscheinungen den Menschen zu erklären.» Alle Extrakte der einzelnen Naturkräfte sind im Wesen des Menschen zusammengeflossen; so stellt die Geheimlehre den Menschen dar.

[ 4 ] First, we will provide a brief outline of the Esoteric Doctrine preserved by the initiated leaders of humanity. The fundamental tenet of the esoteric teachings shared by various peoples is that human beings are dual beings, consisting of a spiritual-soul aspect and a physical-bodily aspect, and that the spiritual-soul aspect is called upon to elevate, ennoble, purify, and spiritualize the physical-bodily aspect. Schiller speaks of the purification of the lower parts of the human being in his Letters on the Aesthetic Education of the Human Race. There he discusses how the entire development of the human being consists in purifying and refining the lower nature. The entire development of the human being consists in ascending to ever higher and higher stages in this process of purification. This view links the Esoteric Doctrine with a very specific conception of the relationship between the human being and the world. All mysticism refers to the human being as the microcosm in comparison to the macrocosm, the greater world. Now, anyone who surveys the kingdoms of nature and then examines the powers, abilities, and qualities of the human being will find that the human being is a confluence of all the forces that exist out there in the world. Paracelsus said: “When you look out into nature, you see letters everywhere, and the human being is the word composed of these letters.” Schiller wrote to Goethe about his conception of humanity: “I see how you draw upon all of nature to explain humanity. You seek out the parts everywhere in order to explain humanity from the totality of phenomena.” All the essences of the individual forces of nature have converged in the human being; this is how the Esoteric Doctrine portrays humanity.

[ 5 ] Auch die Grundlage des Menschen ist ein Abbild jenes Kosmos. Der Kampf zwischen der niederen und höheren Natur im Menschen ist ein Abbild des großen Kosmos. Der Mensch ist ein Kampfplatz des Geistigen gegen das Physische. Das ist auch draußen in der Natur so. Doch der Mensch ist noch mitten in dem Kampf drin. Er blickt zurück auf eine Zeit, wo er noch ganz im Kampf drin war, und auf eine Zukunft, wo er den Kampf überwunden haben wird. Das Geistige, die physisch unsichtbaren Kräfte, kämpfen gegen die physisch sichtbare Welt. Dieser Kampf wird in der Geheimlehre in verschiedener Weise vor den verschiedensten Völkerschaften dargestellt. Überall findet man bei den Völkern die Erzählung von dem Kampf geistiger Naturgewalten. Draußen in der Welt ist der Kampf schon entschieden. Dort sind die niederen Naturreiche aus dem Kampfe zurückgeblieben. Wenn der Mensch in der Zukunft seine niedere Natur abgestoßen haben wird, dann wird er das erreicht haben, was die Götter jetzt schon erreicht haben. Die Naturreiche sind zurückgelassene Spuren der Götter. Der Mensch sieht hinauf zu den göttlichen Wesen, die ein Bild davon geben, was der Mensch einmal sein wird. Die Götter sind die älteren Brüder der Menschen. Der Mensch ist auf dem Wege, ein Gott zu werden. Draußen in der Welt sieht der Mensch auch die Überwindung der niederen Natur durch eine höhere. Dies drückt sich in den alten Sagen und Mythen aus in manchen ihnen gemeinsamen Bildern. Im alten Indien finden wir den Gott Dhyans, im neuen Indien den Gott Indra. Er überwindet die Schlange. In der germanischen Mythologie finden wir den Gott Dhin oder Dhinz. Es wird erzählt, dass ein Drache von ihm überwunden worden ist in alten Zeiten. Die Götter Wotan, Wille und Weh haben den Riesen Ymir überwunden und aus ihm den Mikrokosmos geformt. Herausgehoben haben sich die alten Götter Wotan, Wille und Weh aus dem, was zurückgeblieben ist in der Natur. Eine weitere Vorstellung der Geheimlehre ist die, dass der Mensch der jüngere Bruder der Götter ist und dass derjenige den Göttern näherkommt, der ein Eingeweihter ist. Er hat gewisse Stufen durchgemacht zur Gottwerdung. — Die verschiedenen Mythologien haben die Natur angesehen als die zurückgelassenen Spuren der Götter. Diese Geheimlehre fand je nach den verschiedenen Anlagen der Völker einen verschiedenen Ausdruck. Die germanischen Völker hatten einen ganz besonderen Ausdruck dafür.

[ 5 ] The very essence of the human being is also a reflection of that cosmos. The struggle between the lower and higher natures within the human being is a reflection of the great cosmos. The human being is a battleground where the spiritual struggles against the physical. This is also true out in nature. Yet the human being is still in the midst of that struggle. He looks back on a time when he was still fully immersed in the struggle, and toward a future in which he will have overcome it. The spiritual—the forces invisible to the physical eye—battles against the physically visible world. This struggle is depicted in various ways in the Esoteric Doctrine among the most diverse peoples. Everywhere among the peoples one finds tales of the struggle between spiritual and natural forces. Out in the world, the struggle has already been decided. There, the lower kingdoms of nature have been left behind by the struggle. When human beings have cast off their lower nature in the future, they will have achieved what the gods have already achieved. The kingdoms of nature are traces left behind by the gods. Human beings look up to the divine beings, who offer a picture of what human beings will one day become. The gods are humanity’s elder brothers. Humanity is on the path to becoming a god. Out in the world, humanity also sees the overcoming of the lower nature by a higher one. This is expressed in the ancient legends and myths through certain images common to many of them. In ancient India, we find the god Dhyans; in modern India, the god Indra. He overcomes the serpent. In Germanic mythology, we find the god Dhin or Dhinz. It is told that he vanquished a dragon in ancient times. The gods Wotan, Wille, and Weh overcame the giant Ymir and formed the microcosm from him. The ancient gods Wotan, Wille, and Weh have emerged from what remains in nature. Another concept of the secret doctrine is that human beings are the younger brothers of the gods, and that those who are initiates come closer to the gods. They have passed through certain stages on the path to becoming gods. — The various mythologies have regarded nature as the traces left behind by the gods. This secret doctrine found different expressions depending on the varying dispositions of the peoples. The Germanic peoples had a very special way of expressing this.

[ 6 ] Um zu verstehen, wie die alten Germanen zu ihren Vorstellungen gekommen sind, muss man tiefer eindringen in ihre Art. Auch die alten Germanen haben sich ihre Sagen nicht so zusammengedichtet, wie man das in der Gelehrsamkeit geglaubt hat. Gerade die deutsche Wissenschaft hätte eine gute Grundlage zu einer richtigen Auffassung geben können. Es gibt ein Werk, das eine gründliche Sagenforschung darstellt, das ist: «Das Rätsel der Sphinx» von Ludwig Laistner. Früher vertrat er auch den Standpunkt, den die alten deutschen Sagengelehrten einnahmen, dass die Menschen die Naturereignisse symbolisiert haben. In seinem Werk «Die Rätsel der Sphinx» ist es ihm gelungen, in Bezug auf noch heute in dem Volke lebende Sagen auf den Grund zu kommen. Es gibt eine weitverbreitete Sage, die Sage von der Mittagsfrau. Wenn der Landmann, statt am Mittag nach Hause zu gehen, draußen auf dem Felde bleibt, so erscheint ihm die Mittagsfrau, die ihm drei Fragen stellt. Wer diese Fragen nicht beantworten kann, der wird von der Mittagsfrau getötet. In gewissen Gegenden sagt man, man könne sich ihrer nur erwehren, wenn man das Vaterunser betet. Ludwig Laistner hat nachgewiesen, dass man in dieser Sage nichts anderes zu sehen hat als etwas, was tatsächlich draußen dem Menschen begegnet, wenn er auf dem Felde über Mittag bleibt. Er kommt dort schlafend in einen Zustand, in dem ihm seine Umgebung unter dem Sinnbild der Mittagsfrau entgegentritt.

[ 6 ] To understand how the ancient Germanic peoples arrived at their beliefs, one must delve deeper into their way of life. Nor did the ancient Germanic peoples simply make up their legends, as scholars have traditionally believed. German scholarship, in particular, could have provided a solid foundation for a correct understanding. There is one work that represents a thorough study of legends: The Riddle of the Sphinx by Ludwig Laistner. He used to share the view held by the old German scholars of mythology—that people symbolized natural phenomena. In his work The Riddles of the Sphinx, he succeeded in getting to the bottom of the legends that are still alive among the people today. There is a widespread legend, the legend of the Noon Woman. If a farmer, instead of going home at noon, remains out in the field, the Noon Woman appears to him and asks him three questions. Anyone who cannot answer these questions is killed by the Noon Woman. In certain regions, it is said that one can only ward her off by reciting the Lord’s Prayer. Ludwig Laistner has demonstrated that this legend is nothing more than a reflection of what actually happens to a person when he remains in the fields past noon. While sleeping there, he enters a state in which his surroundings appear to him in the form of the Noon Woman.

[ 7 ] Der Traum ist ein Symboliker. Das Ticken der Uhr, die neben unserem Bette liegt, wird vielleicht symbolisiert als Pferdegetrappel. Der Traum symbolisiert, auch wenn es sich um ein äußeres sinnliches Ereignis handelt. Das ist die Eigentümlichkeit der Traumerlebnisse, dass sie symbolisch sind.

[ 7 ] Dreams are symbolic. The ticking of the clock next to our bed may be symbolized as the clopping of horses' hooves. Even when a dream involves an external sensory event, it is still symbolic. This is the distinctive feature of dream experiences: they are symbolic.

[ 8 ] Alles in der Welt hat sich entwickelt, auch das Bewusstsein. Das jetzige Tagesbewusstsein hat sich herausentwickelt aus einer Art somnambulen Bewusstsein. Alles ist nach und nach entstanden. So ist das Bewusstsein von heute aus einem gewissen hellseherischen Bewusstsein entstanden. Manche Organe, die früher Zweck hatten, sind nur noch als Rudimente da. Der Traum ist auch ein rudimentärer Zustand. Er ist der letzte Rest eines früheren sogenannten astralischen Bewusstseins. Beim Hellseher wird aus dem Traumbewusstsein heraus das hellseherische Bewusstsein entwickelt. Er erlangt ein Bewusstsein, das nicht nur das physische Bewusstsein ist, sondern dazu auch noch ein geistiges Bewusstsein. Die Somnambulen suchen das gewöhnliche physische Bewusstsein herabzustimmen, um das sogenannte Trancebewusstsein herbeizuführen. Durch das Auftreten des Tagesbewusstseins haben die Menschen das astrale Trancebewusstsein verloren. Früher brauchten die Menschen ein somnambules, hellseherisches Bewusstsein. In der Zukunft wird das frühere Hellseherbewusstsein wiederkehren, es wird dann zu dem Tagesbewusstsein hinzu ausgebildet. Die Menschen, die weniger ihren Intellekt entwickelt haben, die besitzen noch häufig Spuren des alten hellseherischen Bewusstseins. Bei den Leuten auf dem Lande ist es nicht selten, dass sie ein hellseherisches Bewusstsein haben.

[ 8 ] Everything in the world has evolved, including consciousness. Our current waking consciousness has evolved from a kind of somnambulistic consciousness. Everything has come into being gradually. Thus, today’s consciousness has emerged from a certain clairvoyant consciousness. Some organs that once served a purpose now exist only as vestiges. The dream is also a vestigial state. It is the last remnant of an earlier so-called astral consciousness. In the clairvoyant, clairvoyant consciousness develops out of dream consciousness. He attains a consciousness that is not only physical consciousness but also spiritual consciousness. Somnambulists seek to dampen ordinary physical consciousness in order to induce what is known as trance consciousness. With the emergence of waking consciousness, people have lost astral trance consciousness. In the past, people needed a somnambulistic, clairvoyant consciousness. In the future, the former clairvoyant consciousness will return; it will then be developed alongside waking consciousness. People who have developed their intellect to a lesser degree often still possess traces of the old clairvoyant consciousness. It is not uncommon for people in rural areas to have a clairvoyant consciousness.

[ 9 ] Würden wir in der Zeit weit zurückgehen, so würden wir da Menschen finden, die noch sehr wenig ihre Sinne gebrauchen, aber noch das alte atlantische Hellseherbewusstsein hatten. Sie wussten, dass die Götter gar nichts sind als Schöpfungen des alten astralischen Bewusstseins. Die Volksseele hat noch Reste des astralischen Bewusstseins bewahrt. Die germanische Mythologie ist ein Ausdruck seelisch-geistiger Erfahrungen. Unsere Vorfahren hatten noch ein geistiges Bewusstsein. Ihre astralischen Erlebnisse haben die Germanen in ihrer Mythologie aufbewahrt. Der Germane sah in der astralen Welt den Kampf der Götter mit den niederen Naturgewalten. Die ganze germanische Mythologie umfasst Erzählungen von Erlebnissen innerhalb der astralen Welt. Das Herunterrücken der alten hellseherischen Menschheit wird geschildert in der Sage von Baldur. Baldur hatte mal einen Traum, dass sein Tod bald erfolgen sollte. Alle Geschöpfe legten einen Eid ab, ihn nicht zu verletzen. Loki aber benutzte die Mistel, der man den Eid abzunehmen vergessen hatte, und ließ Hödur, den blinden Hödur, mit der Mistel den Baldur töten. Die Menschheit, die blind geworden ist gegen die geistige Welt, die ist Hödur. Sein Vorfahre mit dem alten somnambulen Bewusstsein ist Baldur. Ihn kann nur das töten, was zu ihm gehört, die Mistel, die noch aus einer früheren Entwicklungsepoche stammt. Damals war auf der Erde ein Mineralreich, was halb pflanzlich war; darin wuchsen die Pflanzen wie in einem Lebendigen. Die Mistel ist noch ein Rest des damaligen Pflanzenreichs, die nur auf einer anderen lebenden Pflanze wachsen kann.

[ 9 ] If we were to go far back in time, we would find people there who still made very little use of their senses, but who still possessed the ancient Atlantean clairvoyant consciousness. They knew that the gods are nothing more than creations of the ancient astral consciousness. The collective soul has preserved remnants of the astral consciousness. Germanic mythology is an expression of spiritual and soul experiences. Our ancestors still possessed a spiritual consciousness. The Germanic peoples preserved their astral experiences in their mythology. The Germanic people saw in the astral world the struggle of the gods against the lower forces of nature. The entire body of Germanic mythology comprises narratives of experiences within the astral world. The decline of the ancient clairvoyant humanity is depicted in the legend of Baldur. Baldur once had a dream that his death was imminent. All creatures swore an oath not to harm him. But Loki used the mistletoe—which had been forgotten when the oath was taken—and had Hödur, the blind Hödur, kill Baldur with the mistletoe. Humanity, which has become blind to the spiritual world, is Hödur. His ancestor, with the ancient somnambulistic consciousness, is Baldur. He can only be killed by that which belongs to him—the mistletoe, which dates back to an earlier epoch of evolution. At that time, there was a mineral kingdom on Earth that was half-vegetal; within it, plants grew as if in a living being. The mistletoe is a remnant of that former plant kingdom, capable of growing only on another living plant.

[ 10 ] Es ist den alten Germanen zum Bewusstsein gekommen, dass die geistige Welt auch eine Lichtwelt ist, die der Mensch aber nicht wahrnehmen kann. Baldur ist ein Lichtmensch aus dieser geistigen Welt. Er kann die Astralwelt wahrnehmen. Hödur aber ist der neue Mensch, der die Astralwelt nicht sieht. Auch dass der Mensch ein jüngerer Bruder der Götter ist, das drückt die germanische Mythologie aus. Es wird uns in der germanischen Mythologie erzählt, wie Wotan neun Tage und neun Nächte an dem Galgenbaume des Kreuzes hing und dass Mimir ihm einen Trunk reichte. Das erinnert an den Christus Jesus. Die Kreuzigung wird auch hier als ein Symbol dargestellt. Wotan wird hier als ein Eingeweihter dargestellt. Dann wird erzählt, dass Wotan als Schlange durch die Klüfte der Erde kriecht und dass er da zu Gunnlöd, der Walküre, gelangt. Drei Tage und drei Nächte bleibt er da. Sie reicht ihm den Weisheitstrunk. Der Eingeweihte blieb drei Tage und drei Nächte in der Höhle in Lethargie. Er sollte sich da vereinigen mit seiner höheren Seele. Das höhere Bewusstsein des Menschen ist immer als erwas Weibliches dargestellt worden. Das Weibliche ist das höhere Bewusstsein, was der Mensch erlangt, wenn er die Gefilde der geistigen Welt betritt.

[ 10 ] The ancient Germanic peoples came to realize that the spiritual world is also a world of light, one that humans, however, cannot perceive. Baldur is a being of light from this spiritual world. He can perceive the astral world. Hödur, on the other hand, is the new human being who cannot see the astral world. Germanic mythology also expresses the idea that humankind is the younger brother of the gods. Germanic mythology tells us how Wotan hung from the gallows tree of the cross for nine days and nine nights, and that Mimir gave him a drink. This is reminiscent of Jesus Christ. The crucifixion is also depicted here as a symbol. Wotan is portrayed here as an initiate. The story then recounts how Wotan crawls through the crevices of the earth as a serpent and reaches Gunnlöd, the Valkyrie. He remains there for three days and three nights. She offers him the drink of wisdom. The initiate remained in a state of lethargy in the cave for three days and three nights. There, he was to unite with his higher soul. The higher consciousness of human beings has always been depicted as something feminine. The feminine represents the higher consciousness that a person attains when entering the realms of the spiritual world.

[ 11 ] Von Wotan wird erzählt, angepasst für die Fähigkeiten der damaligen Menschheit, was von allen Eingeweihten erzählt wird. Gunnlöd ist die Walküre. Sie ist das höhere Bewusstsein. Das wird auch sonst in den germanischen Sagen als die Walküre bezeichnet. Auch Siegfried gelangt zur Walküre, als er sein höheres Bewusstsein erlangt. — Diese Darstellung von der Walküre Gunnlöd führt uns tief in die germanische Mythologie. Die Germanen waren ein kriegerisches Volk, welches den größten Wert auf die Tapferkeit legte. Ein Krieger, der auf dem Schlachtfelde fiel, der wurde von der Walküre nach Walhall geführt. Wer auf dem Schlachtfelde gefallen war, erreicht sein höheres Seelenteil. Das kam ihm entgegen als die Walküre. Der Mensch, der durch die Pforte des Todes schritt, musste sich vereinigen mit der Walküre. Deshalb verweilte Wotan bei der Gunnlöd. Einen jeden Eingeweihten stellte man sich in der germanischen Sage vor als jemand, der mit der Walküre verbunden wird.

[ 11 ] The story of Wotan—adapted to the capabilities of humanity at that time—is told by all initiates. Gunnlöd is the Valkyrie. She represents higher consciousness. This is also referred to as the Valkyrie in other Germanic legends. Siegfried, too, attains the Valkyrie when he attains his higher consciousness. — This depiction of the Valkyrie Gunnlöd takes us deep into Germanic mythology. The Germanic peoples were a warlike people who placed the greatest value on bravery. A warrior who fell on the battlefield was led to Valhalla by the Valkyrie. Whoever had fallen on the battlefield reached the higher part of his soul. This came to meet him in the form of the Valkyrie. The person who passed through the gate of death had to unite with the Valkyrie. That is why Wotan lingered with Gunnlöd. In Germanic legend, every initiate was imagined as someone who becomes united with the Valkyrie.

[ 12 ] Von Siegfried wird erzählt, dass er die Tarnkappe trug. Der Eingeweihte ist in gewisser Weise verborgen. Die Menschen erkennen den Eingeweihten nicht. Durch die Tarnkappe ist er den Menschen verborgen. Siegfried ist ein Eingeweihter, er vereinigt sich mit der Walküre Brunhild. Er wird unverwundbar wie alle Eingeweihten. Nur da bleibt er verwundbar, wo er das Kreuz trägt, zwischen den Schulterblättern. Ein größerer Eingeweihter wird verheißen, der auch da unverwundbar sein wird. Weil die alten Germanen sich noch lange die astralischen Vorstellungen bewahrt hatten, da konnten die Geheimlehrer ihnen die Lehren in das astralische Bewusstsein hineingeben.

[ 12 ] It is said that Siegfried wore the cloak of invisibility. The initiate is, in a certain sense, hidden. People do not recognize the initiate. Through the cloak of invisibility, he is hidden from people. Siegfried is an initiate; he unites with the Valkyrie Brunhild. He becomes invulnerable, like all initiates. Yet he remains vulnerable only where he bears the cross, between his shoulder blades. A greater initiate is promised, one who will be invulnerable even there. Because the ancient Germanic peoples had long preserved their astral concepts, the secret teachers were able to impart the teachings into their astral consciousness.

[ 13 ] Die asiatischen Völker stammen fast alle ab von den alten Atlantiern. Ihre Vorfahren kamen aus der Atlantis. Auch die Vorfahren der alten Germanen waren aus der Atlantis gekommen. Sie waren in Europa zurückgeblieben, während ein anderer Teil bis nach Asien weitergewandert war. Diejenigen, welche immer weiter vorgerückt waren, hatten zuerst ausgebildet das sinnliche Bewusstsein und das Verstandesbewusstsein. Da leben sie schon mit vorgerückten geistigen Vorstellungen. Daher entstand in Indien auch der Drang, einen künstlichen Weg einzuschlagen, um in die andern Welten einzudringen. Dazu brauchte der Inder einen künstlichen Weg. Das ist, was man Yoga nennt, das ist eine gewisse Schulung, die von der sinnlichen Welt zu der geistigen Welt führt. Ein Yogi ist ein Mensch, der den Weg zurückzufinden sucht zur geistigen Welt. Da entstanden in Indien die Ausdrücke, die der Intellekt gefunden hat für das künstliche Hellsehen, das durch die Yogaschulung entwickelt wurde. Die Germanen hatten auch das astrale Schauen. In Indien entwickelte sich auf der einen Seite das künstliche Hellsehen und auf der anderen Seite die verstandesmäßige Philosophie. Wer das astrale Schauen nicht mehr hat, der braucht äußere Symbole, Ritualien, wie man sie in der indischen Symbolik hat. Es sind das sinnliche Ausdrücke für die geistigen Welten. In Indien entwickelte sich nunmehr auch, was dann in seiner herrlichsten Blüte aufgegangen ist im Christentum. Auch Germanien war hingewiesen worden auf das Christentum. In Siegfried sah man einen Eingeweihten, der unverwundbar war bis auf die eine Stelle. Kriemhild heftete das Kreuz an die Stelle. Das ist ein Bild, welches prophetisch hinweist auf die Zukunft Germaniens. Hier ist die Stelle, wo liegen wird, was unverwundbar macht, das Kreuz. So weist die alte Sage hier auf das Christentum, das diese Stelle unverwundbar machte.

[ 13 ] Almost all Asian peoples are descended from the ancient Atlanteans. Their ancestors came from Atlantis. The ancestors of the ancient Germanic peoples, too, had come from Atlantis. They had remained in Europe, while another group had migrated on to Asia. Those who had advanced further had first developed sensory consciousness and intellectual consciousness. There they already lived with advanced spiritual concepts. Hence, the urge arose in India to take an artificial path in order to penetrate into the other worlds. To do this, the Indians needed an artificial path. This is what is called yoga; it is a specific training that leads from the sensory world to the spiritual world. A yogi is a person who seeks to find the way back to the spiritual world. Thus, in India, the terms emerged that the intellect devised for the artificial clairvoyance developed through yoga training. The Germanic peoples also possessed astral vision. In India, artificial clairvoyance developed on the one hand, and intellectual philosophy on the other. Those who no longer possess astral vision need external symbols and rituals, such as those found in Indian symbolism. These are sensory expressions of the spiritual worlds. In India, what later blossomed most magnificently in Christianity also began to develop. Germania, too, had been guided toward Christianity. In Siegfried, people saw an initiate who was invulnerable except for one spot. Kriemhild fastened the cross to that spot. This is an image that prophetically points to the future of Germania. Here is the spot where the cross—which renders one invulnerable—will lie. Thus, the ancient legend points here to Christianity, which made this spot invulnerable.

[ 14 ] Weil die germanische Welt sich so verwandt fühlte mit dem, was durch das Christentum herüberkam, deshalb fand das Christentum dort solchen Eingang. Innerhalb Europas brauchte man gar keine indische Philosophie. Wir könnten sie ganz entbehren. Noch tiefer muss das erscheinen, was aus der richtigen Vertiefung in die germanischen Göttersagen gewonnen wird.

[ 14 ] Because the Germanic world felt such a kinship with what came over through Christianity, that is why Christianity found such a warm reception there. Within Europe, there was no need for Indian philosophy at all. We could do without it entirely. What is gained from a proper immersion in the Germanic myths of the gods must seem even more profound.

[ 15 ] Lebendig werden wieder diese Begriffe werden, wenn das zum Leben erweckt wird, was in der Volksseele, wenn auch verhüllt, doch noch lebt. Es wird dieser Schatz gehoben werden; dann werden wir in eigenartiger Weise das verstehen, was die europäischen Vorfahren ihren Nachfahren zu sagen haben.

[ 15 ] These concepts will come alive again when that which still lives—albeit veiled—in the soul of the people is brought to life. This treasure will be unearthed; then we will understand, in a unique way, what our European ancestors have to say to their descendants.

[ 16 ] Die Theosophie soll einen Bruderbund bilden über die ganze Menschheit und das bewirken, dass die Menschen in die Zukunft hineintragen, was sie aus der Vergangenheit verstehen.

[ 16 ] Theosophy is intended to form a brotherhood encompassing all of humanity and to ensure that people carry forward into the future what they have learned from the past.