The Essence of Christianity
GA 68a
9 November 1906, Leipzig
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The Essence of Christianity, tr. SOL
21. Über Luzifer
21. About Lucifer
[ 1 ] Der Name Luzifer flößt manchem ein gelindes Grauen ein, und man verbindet in der Regel Begriffe von Antipathie damit. Ist das berechtigt? Der Name Luzifer bedeutet: Lichtträger, Lichtbringer. Die mittelalterlichen Anschauungen waren andere, für diejenigen aber, die sich mit dem tiefen Wissen der Welt befasst haben, bezeichnet Luzifer eigentlich etwas ganz anderes.
[ 1 ] The name Lucifer instills a mild sense of dread in some people, and it is generally associated with feelings of antipathy. Is this justified? The name Lucifer means “bearer of light,” “bringer of light.” Medieval views were different, but for those who have delved into the profound knowledge of the world, Lucifer actually signifies something entirely different.
[ 2 ] In das Menschenleben spielen geistige Wesenheiten hinein. Die Religionen des Morgenlandes sprechen von Deva und von Dhyan Tschohan, die westlicheren, wie das Christentum, von Engeln und Erzengeln. Demjenigen, der mit den geistigen Welten bekannt ist, bezeichnen sie etwas Wahres, Wirkliches. Es spielen höhere Wesenheiten in das Menschenleben hinein. Unter den leitenden Persönlichkeiten, den führenden, oder verführenden, versteht man auch den Luzifer.
[ 2 ] Spiritual beings influence human life. The religions of the East speak of devas and dhyan chohans, while those of the West, such as Christianity, speak of angels and archangels. To those familiar with the spiritual worlds, these terms denote something true and real. Higher beings play a role in human life. Among the guiding figures—whether leading or misleading—one also includes Lucifer.
[ 3 ] Hier müssen wir uns den Dualismus — die Zweiheit — klarmachen, die auf allen Gebieten des Lebens spielt. Die Alten, so auch Pythagoras, sprechen von dieser Zweiheit: Licht und Finsternis, männlich, weiblich, positiver und negativer Magnetismus, viele solche Zweiheiten könnten wir anführen. — Wenn wir eine Glasstange durch Reiben elektrisch positiv machen, machen wir zugleich das Reibzeug elektrisch negativ. So verhält sich die Elektrizität des Glases zu dem des Reibzeugs zueinander wie Licht zu Finsternis. In der persischen Schöpfungssage finden wir Ormuzd und Ahriman: gute Gottheit, böse Gottheit. Alles, was die Welt vorwärtstreibt, tut für sie der gute Gott, während alles, was aufhält, zurückzieht, vom bösen Gott kommt. Den Menschen stellen sie da mitten hinein.
[ 3 ] Here we must understand the dualism—the duality—that is at work in all areas of life. The ancients, including Pythagoras, speak of this duality: light and darkness, male and female, positive and negative magnetism; we could cite many such dualities. — When we make a glass rod electrically positive by rubbing it, we simultaneously make the object used for rubbing electrically negative. Thus, the electricity of the glass relates to that of the rubbing object as light relates to darkness. In the Persian creation myth, we find Ormuzd and Ahriman: the good deity and the evil deity. Everything that propels the world forward is done for it by the good god, while everything that holds it back or draws it backward comes from the evil god. Human beings are placed right in the middle of this.
[ 4 ] Erinnern Sie sich, dass alles, was es in der Welt gibt, eine gute und eine böse Seite hat. Was hat der Mensch mit seiner Kultur nicht alles dem Feuer zu verdanken. Und auf der anderen Seite, wie zerstörend wirkt zum Beispiel die Macht des Feuers in vulkanischen Erscheinungen. Deutschlands großer Dichter Schiller besang das herrlich in der «Glocke»: «Wohltätig ist des Feuers Macht ...» und so weiter.
[ 4 ] Remember that everything in the world has a good side and a bad side. Just think of all that humanity owes to fire through its culture. And on the other hand, consider how destructive the power of fire can be, for example, in volcanic eruptions. Germany’s great poet Schiller sang of this beautifully in “The Bell”: “Beneficial is the power of fire...” and so on.
[ 5 ] Auch im Menschen selbst wirkt solche Zweiheit. Das eine Prinzip wurde jahrhundertelang als das Böse angesehen. Man unterschied: göttlich — gut, und: luziferisch — böse. In der Schöpfungsgeschichte wurde das luziferische Prinzip als Schlange hineingestellt. Der Mensch musste aus dumpfer Art herauswachsen, da kam die Schlange und öffnete ihm die Augen über Gut und Böse, und damit wurde dem göttlichen Prinzip ein anderes entgegengesetzt. Die alten Inder bezeichneten die Rishis als Schlange.
[ 5 ] Such duality is at work within human beings as well. For centuries, one of these principles was regarded as evil. A distinction was made between the divine—which was good—and the Luciferic—which was evil. In the story of creation, the Luciferic principle was represented by the serpent. Human beings had to grow out of a state of dullness; then the serpent came and opened their eyes to good and evil, thereby setting another principle in opposition to the divine one. The ancient Indians referred to the Rishis as serpents.
[ 6 ] Wir müssen viel tiefer in die Entwicklung der menschlichen Seele hineingehen, um zu sehen, welche Wirklichkeit dem Luzifer-Prinzip zugrunde liegt. In neuerer Zeit haben die Anschauungen darüber Wandlungen erfahren. In der alten Faustsage zeigten sich diese schon. Goethe gestaltete sie um, um dem menschlichen Bedürfnis entgegenzukommen. Faust wollte sich nicht nur in die göttliche Wissenschaft vertiefen, er wollte auch einen Bund mit bösen Mächten schließen. Dann wollte er sich keiner Theologie mehr nähern, er wollte Mediziner bleiben. Er legte die Bibel hinter die Bank und das galt als Grund, [den] bösen Mächten [zu] verfallen. Bei Goethe liegt der [Kernpunkt] im zweiten Teil des Faust: «Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen.» Also nichts Verderben Bringendes, sondern eine Macht wird hervorgerufen, die nicht gegensätzlich gegen die Gottheit ist.
[ 6 ] We must delve much deeper into the development of the human soul to see what reality underlies the Lucifer principle. In more recent times, views on this subject have undergone changes. These were already evident in the ancient Faust legend. Goethe reworked it to meet human needs. Faust did not merely wish to immerse himself in divine knowledge; he also sought to form an alliance with evil forces. He then wished to have nothing more to do with theology; he wanted to remain a physician. He cast the Bible aside, and this was seen as the reason for his [fall] into the clutches of evil forces. For Goethe, the [crux of the matter] lies in the second part of Faust: “Whoever strives with all his might, we can redeem.” Thus, it is not something that brings ruin, but rather a power is evoked that is not in opposition to the deity.
[ 7 ] Wollen wir diese Macht verstehen, so müssen wir uns klar werden, wie der Mensch sich in diese ihn umgebende Welt hineinstellt. Der Mensch bildet eines der Reiche, daneben haben wir das mineralische Reich, das pflanzliche, das tierische. Der Mensch empfindet sich als selbstbewusstes Wesen und trägt in sich alle diese Reiche, er ist Träger aller dieser Naturen. Einen physischen Leib hat er gemeinsam mit dem Mineral, mit der Pflanze hat er außerdem gemeinsam den Äther- oder Lebensleib. Durch seine Empfindungswelt, die als Astralleib der Träger der Leidenschaften, Triebe, Begierden ist, hat er etwas Gemeinsames mit dem Tier. So steht der Mensch in einem Wechselverhältnis zu den drei Reichen.
[ 7 ] If we are to understand this power, we must first understand how human beings position themselves within the world that surrounds them. Human beings constitute one of the kingdoms; alongside it are the mineral, plant, and animal kingdoms. Human beings perceive themselves as self-conscious beings and carry within themselves all these kingdoms; they are the bearers of all these natures. He shares a physical body with the mineral kingdom; he also shares the etheric or life body with the plant kingdom. Through his world of sensation—which, as the astral body, is the bearer of passions, instincts, and desires—he has something in common with the animal kingdom. Thus, human beings stand in a reciprocal relationship to the three kingdoms.
[ 8 ] Der Mensch kann sein Leben nur erhalten dadurch, dass er atmet. Er zieht die Lebensluft — Sauerstoff — in sich ein, verbindet Letzteren mit Kohlenstoff in seinem Leib und atmet dieses Gift — Kohlensäure — aus. Mensch und Tier aber könnten nicht leben, wenn die Pflanze nicht fortwährend für Erneuerung dieser Lebensluft sorgte. Der Pflanze verdanken Mensch und Tier die Lebensmöglichkeit. Die Pflanze verdankt sie dem Mineral. Logisch ist es nur, wenn man diese Entwicklungsreihe über den Menschen hinaus ausdehnt, also nicht nur zu den unteren, sondern auch hinauf zu anderen Wesenheiten. Der Mensch gehört ebenso höheren Wesen zu, wie ihm niedere zugehören. Dass der Mensch höhere Wesenheiten nicht sieht, ist kein Grund, dass sie nicht existieren. Dem Menschen können höhere Sinne diese Wahrnehmung bringen.
[ 8 ] Humans can sustain their lives only by breathing. They inhale the air of life—oxygen—combine it with carbon in their bodies, and exhale this poison—carbon dioxide. However, humans and animals could not live if plants did not constantly ensure the renewal of this life-giving air. Humans and animals owe their very existence to plants. Plants, in turn, owe their existence to minerals. It is only logical to extend this chain of development beyond human beings—that is, not only to lower forms of life but also upward to other beings. Human beings belong to higher beings just as lower beings belong to them. The fact that human beings cannot see higher beings is no reason to believe that they do not exist. Higher senses can enable human beings to perceive them.
[ 9 ] Der Mensch ist zunächst eine Vierheit: Physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und das Ich. Er ist ein werdendes Wesen. Wie geschieht seine Entwicklung? Ein Wilder folgt noch seinem tierischen Instinkt, er folgt jedem Triebe, der höher Stehende folgt nur gewissen Trieben und sehr hoch Stehende, sagen wir zum Beispiel Schiller, oder Franz von Assisi, folgen noch weniger den niederen Trieben, sondern wandeln dieselben um zu Idealen. Hiermit geschieht eine Höherentwicklung des astralischen Leibes. Der niedrige Mensch hat ja auch einen astralischen Leib, aber er hat noch wenig in ihn hineingearbeitet. Ein Höherstehender hebt seinen astralischen Leib aus der Tierheit herauf in höhere, edlere und vollkommenere Form. Aus zwei Teilen besteht der astralische Leib, aus dem, was andere Wesenheiten ihm mitgegeben haben, und aus dem, was er selbst hineingearbeitet hat. Das, was er selbst hineingearbeitet hat, nennen wir «Manas», Geistselbst, und wir bezeichnen damit das fünfte Glied des Menschen. Nichts anderes ist Manas als der umgewandelte astralische Leib. Der Mensch kann aber noch viel mehr, als seinen astralischen Leib verändern. Ein unentwickelter Mensch weiß nichts von Moral, Recht, Logik, er hat Manas noch wenig entwickelt.
[ 9 ] Human beings are, first and foremost, a fourfold being: physical body, etheric body, astral body, and the “I.” They are beings in the process of becoming. How does this development take place? A primitive person still follows his animal instincts; he follows every impulse. Those at a higher level follow only certain impulses, and those at a very high level—such as, for example, Schiller or Francis of Assisi—follow the lower impulses even less, but rather transform them into ideals. This brings about a higher development of the astral body. The lower human being also has an astral body, but has worked little into it. A higher being elevates his astral body from the animal realm to a higher, nobler, and more perfect form. The astral body consists of two parts: that which other beings have endowed him with, and that which he himself has worked into it. What the individual has worked into it, we call “Manas,” the spiritual self, and by this we refer to the fifth member of the human being. Manas is nothing other than the transformed astral body. However, the human being is capable of much more than merely transforming his astral body. An undeveloped person knows nothing of morality, justice, or logic; he has developed Manas only to a limited extent.
[ 10 ] Es gibt aber noch tiefere Veränderungen. Im neunten und zehnten Jahrhundert hatten die Menschen nicht alle so vollkommene Vorstellungen, aber das viele, was sie gelernt hatten, das haben sie in ihren astralischen Leib aufgenommen, denn er ist der Träger von alledem, was wir lernen können in der Welt. Rasch ändert sich, was wir lernen, aber langsamer ändern sich Gewohnheiten, Temperamente. Das rasch sich Ändernde könnten wir mit dem Minutenzeiger der Uhr vergleichen, das langsamere mit dem Stundenzeiger. Es gibt aber auch Gelegenheit, Gewohntes zu ändern, und damit ändern wir den Äther- oder Lebensleib: Weil er dichter ist, setzt er dem Ich mehr Schwierigkeit zur Veränderung entgegen. Soviel der Mensch seinen Ätherleib verändert, soviel ersteht in ihm «Budhi». Die Religionen sind Anleitung, wie die «Budhi» hineingearbeitet wird in den Ätherleib, während Moral nur den astralischen Leib ändert. Die Kunst im hohen Sinn tut das Gleiche wie die Religionen.
[ 10 ] But there are even deeper changes. In the ninth and tenth centuries, not everyone had such complete understandings, but much of what they had learned was absorbed into their astral bodies, for the astral body is the vessel of everything we can learn in the world. What we learn changes rapidly, but habits and temperaments change more slowly. We could compare what changes rapidly to the minute hand of a clock, and what changes more slowly to the hour hand. But there are also opportunities to change our habits, and in doing so we change the etheric or life body: because it is denser, it presents the “I” with greater resistance to change. To the extent that a person transforms their etheric body, to that extent “Budhi” arises within them. Religions provide guidance on how “Budhi” is incorporated into the etheric body, whereas morality changes only the astral body. Art, in the highest sense, does the same as religions.
[ 11 ] So finden Sie jetzt den Menschen mit sechs Gliedern, wenn auch Manas und Budhi nur keimhaft in ihm sind. Es gibt aber jetzt schon Geheimschulung, die den Ätherleib entwickelt. Was dem Menschen nur gelehrt wird, ist Lehre, was die Menschheit umändert, ist Einwirkung auf die Budhi, ist Geheimschulung. Ein Chela, ein okkulter Schüler, arbeitet in seinem Ätherleib.
[ 11 ] Thus you will now find the human being with six members, even though Manas and Budhi are present in him only in embryonic form. However, there is already secret training that develops the etheric body. What is merely taught to a person is doctrine; what transforms humanity is an influence on the budhi—that is secret training. A chela, an occult student, works within his etheric body.
[ 12 ] Was aber noch kaum im Keim da ist, das ist «Atman». Es ist eine so starke Macht, dass der Mensch damit bis in seinen physischen Leib hineinarbeiten kann. Was kann der heutige Mensch in seinem physischen [Leib] wirken? Der Mensch, der sich entwickeln kann, als künstlerischer Mensch, als Chela, der kann Herr werden über seine Gewohnheiten, der Mensch aber, der dieses siebente Glied, dieses Atman, in sich hineingearbeitet hat, der lernt auch seinen Pulsschlag beherrschen. Und hiermit macht er sich des Ewigen teilhaftig. Dies ist eine Errungenschaft der Meisterschaft.
[ 12 ] But what is still barely present in its infancy is the “Atman.” It is such a powerful force that a person can use it to work deep into their physical body. What can a person today accomplish in their physical [body]? The person who is capable of developing—as an artistic person, as a chela—can become master of his habits; but the person who has worked this seventh limb, this Atman, into himself also learns to control his pulse. And in doing so, he partakes of the Eternal. This is an achievement of mastery.
[ 13 ] Nun steht der Mensch vor uns mit Manas, Budhi und Atman. Wir wissen nun, dass der Mensch, wir sagten das Ich, zu den drei unteren Reichen in Beziehung steht, und sehen nun, dass er zu einem über ihm stehenden Reich, dem göttlichen Reich, in Beziehung steht durch das, was er als Manas in sich hineingearbeitet hat. In diesem göttlichen Reich haben wir die Elohim, göttliche Geister, von denen die Bibel als Jehova einen nennt, zu suchen.
[ 13 ] Now the human being stands before us with Manas, Budhi, and Atman. We now know that the human being—what we called the “I”—is related to the three lower realms, and we now see that he is related to a realm above him, the divine realm, through what he has internalized as Manas. In this divine realm we are to seek the Elohim, divine spirits, one of whom the Bible names as Jehovah.
[ 14 ] Durch sein Manas, sein Geistselbst, gliedert sich der Mensch den höheren Welten an. Deshalb sprechen wir von dem Menschen als einem Werdenden, einem werdenden Gott. Christus Jesus sagt: «Ihr seid Götter.» (Joh 10,34) Der Mensch wird einstmals auf seine jetzige geistige Stufe zurückblicken und er wird sich als ein Mensch vorkommen, der da ganz herausgewachsen ist.
[ 14 ] Through his Manas, his spiritual self, human beings become part of the higher worlds. That is why we speak of human beings as beings in the process of becoming, as gods-in-the-making. Christ Jesus says: “You are gods.” (John 10:34) One day, human beings will look back on their present spiritual level and see themselves as having completely outgrown it.
[ 15 ] Wenn wir an eine Entwicklung glauben, so müssen wir dies auch für andere Wesen in Betracht ziehen, und zurückschauend erblicken wir da die Zeit, wo unsere älteren Brüder, die Elohim, mit ihnen Jehova, auf einem früheren Planeten oder auf der früheren Verkörperung der Erde, diejenige Stufe einnahmen, die jetzt der Mensch auf der jetzigen Verkörperung der Erde einnimmt. Das Gesetz der Verkörperung liegt nicht nur dem Menschen, sondern es liegt allen Wesen zugrunde. Goethe spricht vom Erdgeist: «In Lebensfluten, im Tatensturm wall ich auf und ab» und so weiter. Die Erde wurde von Einzelnen als ein geistiges Wesen angesehen und die Menschen als die Glieder. Die Erde war öfters verkörpert und in ihrer vorigen Verkörperung brachte sie den jetzigen Göttern die Menschheitsstufe. Und der Mensch der Jetztzeit wird in späterer Verkörperung der Erde die Stufe seiner älteren Brüder einnehmen, die der Elohim oder Götter. Von Gott, dem Namenlosen, dem Unergründlichen, wird hier nicht gesprochen. Elohim oder Deva, deutsch besser gesagt: Geister.
[ 15 ] If we believe in evolution, we must also consider this for other beings, and looking back, we see the time when our elder brothers, the Elohim—along with Jehovah—occupied, on an earlier planet or on an earlier incarnation of Earth, the stage that humanity now occupies on Earth’s current incarnation. The law of incarnation applies not only to human beings but underlies all beings. Goethe speaks of the Earth Spirit: “In floods of life, in a storm of deeds, I surge up and down,” and so on. The Earth was regarded by some as a spiritual being, with human beings as its limbs. The Earth has been incarnated many times, and in its previous incarnation it brought the stage of humanity to the present-day gods. And the human beings of the present age will, in a later incarnation of the Earth, attain the stage of their elder brothers, the Elohim or gods. There is no mention here of God, the Nameless One, the Unfathomable. Elohim or Deva—or, to put it more accurately in German: spirits.
[ 16 ] Um dieses «stufenweise» anzusehen, bringe ich einen, wenn auch trivialen Vergleich: Wie wenn ein Schüler verschiedene Klassen durchmacht, so haben die Klasse, die die jetzige Menschheit durchmacht, die Götter auf der vorhergehenden Erdeninkarnation durchgemacht. In Klassen bleiben auch Schüler sitzen, und so hat es Wesen gegeben, die diese nicht ganz durchgemacht haben.
[ 16 ] To illustrate this “step-by-step” process, I’ll offer a comparison, albeit a trivial one: Just as a student progresses through different grades, so too have the gods, in their previous incarnation on Earth, gone through the same stages that humanity is currently experiencing. Just as students sometimes fail to advance to the next grade, there have been beings who did not fully complete this process.
[ 17 ] Wie stehen diese heute zwischen Mensch und Göttern? Sie sind höhere Wesen als die Menschen, aber tiefere als die Götter. Sie stehen in gewisser Weise den Menschen vertraulich gegenüber. Folgendes Gesetz besteht: Von den Grundteilen des Menschen ist ein jeder in einer Inkarnation der Erde ausgebildet. In der jetzigen Erdenverkörperung bildet sich das Manas aus, in der früheren der Astralleib. Das Wesentliche in dieser Erdentwicklung war, dass der Mensch seinen ganzen Astralleib verändert hat, dass er nichts mehr von der Tierheit an sich hat. Durch die Entwicklung des Manas kann er in Verbindung mit manasischen Wesen treten. Erst wenn Atman entwickelt ist, kann er sich selbstständig entwickeln. Heute wirken ältere Brüder, später in Budhi noch ältere und in Atman noch ältere. Die sitzen gebliebenen höheren Geister stehen in Beziehung zu dem menschlichen astralischen Leibe. Sie haben schon von dem Göttlichen gekostet. Ebenso wie in Manas helfen auch Halbgötter, uns zu durchsetzen und zu durchglühen mit Göttlichem. Wir würden in niederen Trieben gefangen bleiben, wenn es diese Anregung nicht gäbe. So werden die Leidenschaften umgewandelt zu höheren Trieben. Es gäbe nur ein kahles Reich sittlicher Grundsätze, die aber nicht im Menschen pulsieren.
[ 17 ] Where do they stand today between humans and the gods? They are higher beings than humans, but lower than the gods. In a certain sense, they are intimately connected to humans. The following law applies: Each of the fundamental parts of the human being is developed during one incarnation on Earth. In the present earthly incarnation, the Manas is formed; in the previous one, the astral body. The essential aspect of this earthly evolution was that human beings transformed their entire astral body, so that they no longer possess any animal nature. Through the development of the Manas, they can enter into contact with manasic beings. Only when the Atman is developed can they develop independently. Today, older brothers are at work; later, in Budhi, even older ones, and in Atman, still older ones. These higher spirits who have remained behind are connected to the human astral body. They have already tasted the Divine. Just as in Manas, demigods also help us to be permeated and infused with the Divine. We would remain trapped in lower instincts if it were not for this inspiration. In this way, the passions are transformed into higher instincts. There would be nothing but a barren realm of moral principles, which, however, do not pulse within the human being.
[ 18 ] Das Alte Testament hat dieses Gesetz wunderbar herausgebildet. Die Wesenheiten, die den Enthusiasmus, die Liebesglut für das Manasische hervorrufen, nennt man luziferische Wesenheiten. So ist Luzifer derjenige, der im Menschen die astralische Leidenschaft aufruft für das Göttliche. So erregt er in ihm die Teilnahme, nicht als Pflicht, sondern als Neigung, das Göttliche lieben zu lernen. Er fügt zur Unterwerfung die Selbstständigkeit hinzu. Er ist der Erreger der menschlichen Freiheit.
[ 18 ] The Old Testament has beautifully elaborated on this law. The entities that evoke enthusiasm and a burning love for the Manasic realm are called Luciferic entities. Thus, Lucifer is the one who awakens in human beings an astral passion for the Divine. In this way, he stirs within the human being a desire—not as a duty, but as an inclination—to learn to love the Divine. He combines submission with independence. He is the instigator of human freedom.
[ 19 ] Frei wird der Mensch erst dadurch, dass er aus eigenem Triebe heraus dem Göttlichen folgt. Das spielt sich ab in der biblischen Schöpfungsgeschichte. Gott leitete den Menschen, er konnte nicht wählen. Da kam die Schlange, und der Gedanke kam in die Menschen, nicht nur in Gott leben sei erstrebenswert, sondern selber Gott zu werden, als Persönlichkeit das Ebenbild der Gottheit in [sich] zu tragen. Durch Luzifer — biblisch durch die Schlange ausgedrückt — wurde der menschliche Leib zum Lichtträger, wie Luzifer selbst Lichtträger war, bis Christus hereintrat in die Welt als «Ich bin das Licht der Welt» (Joh 8,12) und das Prinzip der Liebe zum Göttlichen verwirklichte. Das äußere Wissen, wissen, wie die Gesetze der Welt sind, das kommt dem Menschen nun öde vor. Dieses äußere Wissen soll unser Inneres erfassen, soll unmittelbar eingreifen als Theosophie, als selbstständige innere Erfahrung. So verankert sich Luzifer im Menschen. Diese Forschung nennt man die Schule des luziferischen Strebens. Die Menschen nennt man: Kinder des Luzifer.
[ 19 ] Human beings become free only by following the divine of their own accord. This is depicted in the biblical story of creation. God guided humankind; they could not choose. Then the serpent came, and the thought arose in people that it was not only desirable to live in God, but to become God themselves—to bear within themselves, as a personality, the image of the Deity. Through Lucifer—represented in the Bible by the serpent—the human body became a bearer of light, just as Lucifer himself was a bearer of light, until Christ entered the world as “I am the light of the world” (John 8:12) and realized the principle of love for the divine. External knowledge—knowing what the laws of the world are—now seems dull to human beings. This external knowledge is meant to penetrate our inner being, to intervene directly as theosophy, as an independent inner experience. This is how Lucifer takes root in human beings. This quest is called the School of Luciferic Aspiration. These people are called the Children of Lucifer.
[ 20 ] Gaben die Götter die Wissenschaft, so Luzifer den Enthusiasmus.
[ 20 ] If the gods gave us science, Lucifer gave us enthusiasm.
[ 21 ] Gott: Offenbarung
[ 21 ] God: Revelation
[ 22 ] Luzifer: Freiheit.
[ 22 ] Lucifer: Freedom.
[ 23 ] Zu Gott haben wir Kindschaftsverhältnis, Luzifer erweckte das Gefühl des selbstständigen Wesens, der Freiheit. Die Hingabe war eine freiwillige Opferung. Es muss wie überall eine Zweiheit geben: Gott und Luzifer.
[ 23 ] We have a relationship of sonship with God; Lucifer awakened the sense of being an independent being, of freedom. Devotion was a voluntary sacrifice. As is the case everywhere, there must be a duality: God and Lucifer.
[ 24 ] So sind die luziferischen Wesenheiten nicht umsonst zurückgeblieben, es sind diejenigen, die sich bemühen, uns aus freier Wahl zum Göttlichen zu führen. Dazu muss der Mensch auch die Möglichkeit haben, böse sein zu können. Wohl kann er ohnedem göttlich werden, frei aber nur durch freie Wahl.
[ 24 ] Thus, the Luciferic beings have not remained behind in vain; they are the ones who strive to lead us to the Divine through our own free choice. For this to happen, human beings must also have the possibility of being evil. They can indeed become divine without it, but only through free choice.
[ 25 ] Soll das Höchste frei sein, so muss es in der anderen Natur verankert sein. Auf diese Weise wirken Gott und luziferische Wesenheiten zur Vollkommenheit und zur Freiheit.
[ 25 ] If the Supreme is to be free, it must be anchored in the other nature. In this way, God and Luciferic beings work toward perfection and freedom.
[ 26 ] Fragenbeantwortung Frage: [Was bedeutet die] Sphinx?
[ 26 ] Q&A: [What does the] Sphinx mean?
[ 27 ] Rudolf Steiner: Was heute der Verstand zu suchen sich bemüht, ist als Anschauung nichts Neues. Uralte Anschauungen unserer Voreltern stellen uns die Pyramiden dar: Vier sind die Linien, auf denen sie steht = Vierheit der menschlichen Natur, physischer Leib, Ätherleib, Astralleib mit dem Ich. Das ist das Fundament. Darüber erhebt sich das Dreieck und stellt die drei Grundteile dar, die das Ich aus der Vierheit herausarbeitet: Atman, Budhi, Manas. Die Dreiheit ist noch nicht vollendet. Wollt ihr das fühlen, dann müsst ihr die Sphinx ansehen. Sie stellt die niedere Natur dar und aus dem Auge strahlt euch das Rätsel der zukünftigen Entwicklung entgegen. Darin sucht der Mensch prophetisch seine Zukunft.
[ 27 ] Rudolf Steiner: What the intellect strives to discover today is, as a form of insight, nothing new. The pyramids represent the ancient insights of our ancestors: There are four lines on which it stands = the fourfold nature of the human being: the physical body, the etheric body, the astral body, and the I. This is the foundation. Above it rises the triangle, representing the three fundamental parts that the “I” distills from the fourfold nature: Atman, Budhi, Manas. The triad is not yet complete. If you wish to sense this, you must look upon the Sphinx. It represents the lower nature, and from its eye the mystery of future development radiates toward you. In it, humanity prophetically seeks its future.
[ 28 ] Frage: [Nicht überliefert.]
[ 28 ] Question: [Not recorded.]
[ 29 ] Rudolf Steiner: Zwei Niederschriften gibt es — Schriften im eigentlichen Sinne sind sie nicht —, die eine bewahrt eine Religionsgemeinschaft, eine Kirche im Verborgenen, die andere bewahrt ein Meister, ein großer Führer der Menschheit.
[ 29 ] Rudolf Steiner: There are two records—they are not writings in the strict sense of the word—one is preserved by a religious community, a secret church, and the other by a master, a great leader of humanity.
