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The Essence of Christianity
GA 68a

27 November 1906, Düsseldorf

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The Essence of Christianity, tr. SOL
  1. Über das Wesen des Christentums

22. Esoterisches Christentum

22. Esoteric Christianity

[ 1 ] Es ist heute die Zeit, in der in weiteren Kreisen bekannt werden muss, was man durch die ganze Entwicklungsgeschichte der Menschheit hindurch genannt hat: Mysterien, Mystik, die sogenannte esoterische Weisheit.

[ 1 ] Today is the time when what has been called throughout the entire history of human development—mysteries, mysticism, and so-called esoteric wisdom—must become known to wider circles.

[ 2 ] All dem, was in dem Geist der Menschheit zutage getreten ist, liegt eine tiefere Weisheit zugrunde, von der die Menschheit im Allgemeinen bisher nicht gewusst hat.

[ 2 ] Everything that has come to light in the spirit of humanity is based on a deeper wisdom of which humanity in general has been unaware until now.

[ 3 ] Verständigen wir uns zuerst darüber, was man unter Mysterien, Esoterik immer verstanden hat. Alles, was die Menschenkultur zustande bringt in der Welt, geht zuletzt zurück auf einige große Persönlichkeiten und führende Individualitäten. So ist zum Beispiel eine Anlage wie der Simplon-Tunnel auch zuletzt zurückzuführen auf die Geistesarbeit großer Individualitäten, die zwar nicht direkt bei dem Bau beteiligt waren, aber deren Entdeckungen auf geistigem Gebiet es möglich gemacht haben, dass andere diesen Bau ausführen konnten. Der Praktiker wird zunächst vielleicht die Meinung haben, dass aus rein äußerlicher Betätigung solche Dinge geschaffen worden sind. Es wäre der größte Irrtum, dem man sich hingeben könnte, dies anzunehmen. Nicht jene Ingenieure, die zuerst den Plan gefasst haben, nicht die Arbeiter, die ihn ausgeführt haben, sind die geistigen Urheber dieser Dinge. Gäbe es nicht das, was man höhere Mathematik nennt, wie sie von Leibniz, Newton und so weiter ausgesonnen worden ist, so hätte man niemals diese Arbeiten ausführen können! Alle diese Denker waren notwendig, um das zustande zu bringen, was man materielle Kultur nennt,

[ 3 ] Let us first agree on what has always been meant by “mysteries” and “esotericism.” Everything that human culture brings about in the world can ultimately be traced back to a few great personalities and leading individuals. For example, a project such as the Simplon Tunnel can ultimately be attributed to the intellectual work of great individuals who, although not directly involved in its construction, made it possible for others to carry out this project through their discoveries in the realm of the spirit. At first, the practical person might think that such things were created through purely external activity. It would be the greatest error one could commit to assume this. It is not the engineers who first conceived the plan, nor the workers who carried it out, who are the spiritual creators of these things. If it were not for what is called higher mathematics—as conceived by Leibniz, Newton, and others—these works could never have been carried out! All these thinkers were necessary to bring about what is called material culture,

[ 4 ] Wenn wir auf den Grund der Tatsachen gehen, dann können wir sehen, wie all die Arbeiten und Fabrikationen ohne die Seelen der Denker nie hätten zustande gebracht werden können. Ist das bei der äußeren, materiellen Kultur der Fall, so ist es das noch in ganz anderem Maße bei den geistigen Strömungen.

[ 4 ] If we get to the heart of the matter, we can see how all these works and creations could never have come about without the minds of the thinkers. If this is true of external, material culture, it is true to an even greater extent of intellectual currents.

[ 5 ] Was Religion und Kunst je den Menschen gebracht haben, was Staaten regiert hat als Recht und Gerechtigkeit, was als Ordnung, als Sittlichkeit gelebt hat, was Moral ist für die Menschen, alles das führt zurück zu tieferen Initiatoren der Menschheit, zu verborgenen Weisheitsstätten, wenn man den tieferen Ursprung zu suchen unternimmt.

[ 5 ] Whatever religion and art have ever brought to humanity, whatever has governed states in the form of law and justice, whatever has been lived out as order and morality, whatever morality means to people—all of this leads back to the deeper sources of humanity, to hidden repositories of wisdom, if one undertakes to seek out its deeper origins.

[ 6 ] Sehen wir uns die Kunstwerke an, die hinüberleiten über die Jahrhunderte, so finden wir, dass sie zurückführen auf tiefere Quellen. Ob man sich einen Dichter wie Dante, einen Geist wie Goethe, einen Maler wie Raffael oder religiöse Erscheinungen wie die des Christentums vorstellt, sie alle, wie alle moralischen und religiösen Strömungen, Kunst und Wissenschaft, führen in die geheimen Stätten hinein, wo im Verborgenen das gepflegt wurde, was man die Mystik, die Esoterik nennt.

[ 6 ] When we look at the works of art that span the centuries, we find that they lead back to deeper sources. Whether one imagines a poet like Dante, a thinker like Goethe, a painter like Raphael, or religious phenomena such as those of Christianity, all of them—like all moral and religious movements, art, and science—lead into the secret places where, in concealment, that which is called mysticism and esotericism was cultivated.

[ 7 ] Wie allen Religionen, so liegt auch dem Christentum eine Esoterik zugrunde. Es ist nur kurzsichtig, wenn die Einwendungen gemacht werden, das Christentum sei für «schlichte Herzen», es müsse zu den Gefühlen sprechen und für jeden verständlich sein. Das ist eine kurzsichtige Anschauung.

[ 7 ] Like all religions, Christianity is also based on esotericism. It is short-sighted to argue that Christianity is for “simple hearts,” that it must appeal to the emotions and be understandable to everyone. That is a short-sighted view.

[ 8 ] Alle Religionen kleiden zuletzt ihre Wahrheiten in so impulsive Sätze, dass keine Seele so schlicht sein kann, dass sie nicht zu ihr sprechen. Was aber da in dieser Einfachheit herauskommt, ist aus den Höhen entstanden, bei den sogenannten Eingeweihten. Eingeweihte hat es immer gegeben. Im alten Indien waren es die Rishis, welche eine uralte Weisheit gelehrt haben. In Persien war es Zarathustra, der die Weisheit gelehrt hat. Wir können nach Griechenland, nach Ägypten, nach Rom gehen; überall finden wir eine Volksreligion, aber inmitten all dieser Völker sogenannte Geistesriesen, überall der Menschheit unbekannt dem Namen nach. Sie sind es, die sich zu okkulten Bruderschaften vereinigen. Wer da aufgenommen werden will, der muss strenge Proben ablegen. Die Prüfungen beziehen sich zunächst nicht auf das intellektuelle Leben; es handelte sich vielmehr darum, dass sich der Mensch durchgerungen hatte zu einem freien Charakter, wo nichts, was Gefühl und Leidenschaft ist, durchgeht mit dem Menschen. Dann musste der Mensch sich die Möglichkeit erwerben, sein Wissen niemals zu missbrauchen. Solche durch schwere Proben hindurchgegangene Menschen wurden dann zu Sendboten für die übrige Menschheit. Sie durften keine andere Gesinnung im Herzen tragen, als den Menschen zu dienen, den Menschen zu helfen. Sie mussten solche sein, die das Wort verwirklichen: «Wer der Erste sein will unter euch, der muss aller Diener sein.» (Mk 9,35) Auch im intellektuellen Streben durften sie nie, niemals nachlassen, sich durchzuringen zu den höheren Wahrheiten.

[ 8 ] Ultimately, all religions clothe their truths in such spontaneous phrases that no soul can be so simple as to remain unmoved by them. But what emerges from this simplicity has its origins in the heights, among the so-called initiates. There have always been initiates. In ancient India, it was the Rishis who taught an ancient wisdom. In Persia, it was Zarathustra who taught that wisdom. We can look to Greece, to Egypt, to Rome; everywhere we find a popular religion, but in the midst of all these peoples are so-called giants of the spirit, unknown to humanity by name. It is they who unite in occult brotherhoods. Anyone who wishes to be admitted must undergo rigorous trials. These trials do not initially pertain to intellectual life; rather, they were about the individual having forged a free character, one in which nothing—whether emotion or passion—overwhelms the person. Then the person had to acquire the ability never to misuse their knowledge. Such people, having passed through severe trials, then became messengers to the rest of humanity. They were not allowed to harbor any other intention in their hearts than to serve humanity and to help humanity. They had to be those who put into practice the words: “Whoever wants to be first among you must be the servant of all.” (Mark 9:35) Even in their intellectual pursuits, they were never, ever to slacken in their determination to strive for the higher truths.

[ 9 ] Heute wird vielfach dem gesagt, der an die Möglichkeit glaubt, die geistigen Welten zu erkennen: Wir Menschen haben Grenzen der Erkenntnis. Aber innerhalb des Mysterienkreises sagte man: Du hast Fähigkeiten, die in dir schlummern; wenn du sie entwickelst, dann kannst du zu einer höheren Erkenntnis dich durchringen. Das, wozu die Menschen durch Ausbildung ihrer inneren Anlagen entwickelt wurden in den Mysterienstätten, das nannte man eine zweite Geburt.

[ 9 ] Today, those who believe in the possibility of perceiving the spiritual worlds are often told: We humans have limits to our knowledge. But within the Mystery Schools, it was said: You have abilities that lie dormant within you; if you develop them, you can rise to a higher level of knowledge. What people were led to achieve through the cultivation of their inner faculties in the mystery schools was called a second birth.

[ 10 ] Man sagte, ein solcher Mensch erlebt etwas auf einer höheren Stufe wie der Blindgeborene, der operiert wird, hier in der Sinnenwelt erlebt. Diese «Operation der Seele», die Wiedergeburt im Geiste, die wurde vollzogen mit dem Mysten in den Mysterien. Das, was man «die Reiche der Himmel» nannte in den Mysterien, in welche dann der Myste eingeführt wurde, das war nicht etwa an einem anderen Ort. Das Reich der geistigen Welt ist hier um den Menschen herum. So viele Welten sind um uns herum, so viel wir Fähigkeiten haben, um die Welten wahrzunehmen. Nicht eine Weisheit empfing man in den Mysterien, die trocken und abstrakt war, sondern eine Weisheit, die zugleich Religion war, die zugleich Kunst war. In den ältesten Mysterien war die Weisheit zugleich Religion, zugleich Kunst. In allen Mysterien Griechenlands wurde dem Mysten das geistige Auge geöffnet. Es wurde ihm vorgeführt, wie einstmals in Urzeiten der Mensch noch halb Tier war und wie sich die Seele heraufgerungen hat bis zu der Stufe der Menschheit, auf der sich der Mensch selbst erblickte. Drei Stufen führte man ihm vor: Er sah Gestalten, wie sie in einer fernen Menschheitsentwicklung gelebt haben; dann Gestalten, halb Tier, halb Mensch, dann vollkommene menschliche Gestalten. Diese drei Typen der Menschheitsentwicklung traten ihm in den griechischen Mysterien entgegen, und sie fanden ihren Ausdruck in der griechischen Plastik, als Erstes der Zeustypus mit der geraden Nase, Augen mit der Ausrundung nach oben; zweitens: Der Typus des Gottes Merkur, mit dem wolligen Haar und der aufgestülpten Nase; drittens: Der Typus des Satyr mit anderen Augen, anderer Nase und anderen Mundwinkeln. Diese drei Typen treten uns als Abbild der Stufen der Menschheitsentwicklung in der griechischen Kunst entgegen.

[ 10 ] It was said that such a person experiences something on a higher level than what the person born blind experiences here in the sensory world after undergoing surgery. This “operation of the soul”—rebirth in the spirit—was performed upon the initiate in the Mysteries. What was called “the realms of the heavens” in the mysteries, into which the initiate was then introduced, was not located in some other place. The realm of the spiritual world is right here, all around us. There are as many worlds around us as there are capacities we possess to perceive them. In the Mysteries, one did not receive a wisdom that was dry and abstract, but rather a wisdom that was at once religion and art. In the oldest Mysteries, wisdom was at once religion and art. In all the Mysteries of Greece, the mystic’s spiritual eye was opened. He was shown how, in primeval times, human beings were still half-animal, and how the soul had struggled its way up to the stage of humanity at which human beings saw themselves. Three stages were presented to him: He saw figures as they had lived in a distant phase of human evolution; then figures that were half-animal, half-human; and finally, fully human figures. These three types of human evolution appeared to him in the Greek mysteries, and they found their expression in Greek sculpture: first, the Zeus type with a straight nose and eyes that curve upward; second, the type of the god Mercury, with wavy hair and a upturned nose; third, the type of the satyr with different eyes, a different nose, and different corners of the mouth. These three types appear to us in Greek art as a reflection of the stages of human development.

[ 11 ] Ein anderes Mal wurde dem Mysten gezeigt, wie der Gott selbst herniederstieg in die Natur, wie er sich durch das Gesteinsreich, durch das Pflanzenreich und Tierreich bis hinauf zum Menschenreich hindurch entwickelt hat und dann aus dem menschlichen Herzen neu geboren wird. Man nannte das den Abstieg des Gottes, seine Auferstehung und seine Himmelfahrt.

[ 11 ] On another occasion, the mystic was shown how God Himself descended into nature, how He evolved through the mineral, plant, and animal kingdoms all the way up to the human kingdom, and then was reborn from the human heart. This was called the descent of God, His resurrection, and His ascension.

[ 12 ] Dies wurde alles dargestellt im griechischen Drama. Alles, was im Drama dargestellt wurde, ging aus den Mysterien hervor. Wie sich der Stamm trennt in verschiedene Zweige, so trennten sich die Mysterien in Religion, Wissenschaft und Kunst. Die alten Mysterien, die in Griechenland gefeiert wurden, die Eleusinien, die Mysterien der ägyptischen Priesterweisen, die nannte man die Mysterien des Geistes. Die an der Spitze standen als Lehrer und Führer in diesen Mysterien, die hatten sich durchgerungen zu geistigen Welten; sie waren Genossen der Geister selber; sie hatten Verkehr mit den geistigen Wesenheiten. Jamblichus schildert uns, wie die Götter herabsteigen in den Mysterien.

[ 12 ] All of this was depicted in Greek drama. Everything portrayed in drama originated from the Mysteries. Just as a tree branches out into different limbs, so did the Mysteries branch out into religion, science, and art. The ancient Mysteries celebrated in Greece—the Eleusinian Mysteries—and the Mysteries of the Egyptian priestly sages were called the Mysteries of the Spirit. Those at the head of these Mysteries, as teachers and guides, had penetrated into spiritual worlds; they were companions of the spirits themselves; they were in communion with spiritual beings. Iamblichus describes to us how the gods descend in the Mysteries.

[ 13 ] Nur nach sittlicher Läuterung, nach intellektueller Klärung konnte man hineinkommen in diese Stätten der Weisheit. In der alten heidnischen Zeit war es so. Da lebten vorzugsweise die Mysterien des Geistes. Nur mit wunderbarem Enthusiasmus, mit intimster Hingabe sprachen die Mysten von dem, was man in den Mysterienschulen erleben konnte. Aristides spricht davon: «Ich glaubte, den Gott zu berühren, sein Nahen zu fühlen, und ich war dabei zwischen Wachen und Schlafen, mein Geist war ganz leicht, sodass es kein Mensch sagen und begreifen kann, der nicht eingeweiht ist.» Und an anderer Stelle sagt er: «Es war, als ob die geistige Welt mich umrieselte.» Plutarch sagt: «Der die Weihen empfangen hatte in diesen Mysterien, der grüßte die Gottheit mit dem Ewigkeitsgruß.» Denjenigen, der sie durchgemacht hatte, den nannte man einen «Wiedergeborenen».

[ 13 ] Only after moral purification and intellectual clarification could one enter these places of wisdom. That was how it was in ancient pagan times. It was there that the mysteries of the spirit flourished. Only with wondrous enthusiasm and the most intimate devotion did the mystics speak of what one could experience in the mystery schools. Aristides speaks of this: “I believed I was touching the god, feeling his presence, and I was in a state between waking and sleeping; my spirit was so light that no one who is not initiated can describe or comprehend it.” And elsewhere he says: “It was as if the spiritual world were showering down upon me.” Plutarch says: “He who had received the initiations into these mysteries greeted the deity with the greeting of eternity.” Those who had undergone them were called “the reborn.”

[ 14 ] Wir müssen ein wenig beleuchten, welches der letzte Akt war bei einer jeden Einweihung in die Mysterien des Geistes. Man musste eine moralische Läuterung durchmachen, eine intellektuelle Klärung. Dann musste man das sehen mit den Augen des Geistes. Hinter dem Bewusstsein, das uns im wachen Zustand begleitet, da gibt es ein anderes Bewusstsein. Das Bewusstsein sinkt nicht beim Einschlafen in die vollkommene Finsternis. Der Mensch bleibt des Nachts bewusst; er ist vorhanden. Aber das Bewusstsein, welches ihn vom Morgen bis zum Abend begleitet, das bleibt nicht in der Nacht. Es gibt ein Mittel, dem Menschen die Bewusstlosigkeit zu nehmen. Es gibt Methoden, dies zu erlangen. Durch eine gewisse Seelenkultur, durch Dinge, die sich als intime Vorgänge im Innern der Seele erweisen, kann der Mensch sich die Möglichkeit erringen, dass sein Traumleben ihm neue Offenbarungen bietet, dass er etwas erfährt von Dingen, die man nicht mit sinnlichen Augen und Ohren erkennt. Es ist ganz gleich, ob man die Wahrheit im Schlafe oder am Tage im Wachen erkennt; nur muss der Mensch lernen, die Welt, die er da erlebt, herüberzunehmen in die physische Wirklichkeit. Wenn er dadurch imstande ist, das Geistige in der ganzen Welt zu sehen, dann hat er die erste Stufe der Einweihung erreicht.

[ 14 ] We need to shed a little light on what the final act was in every initiation into the mysteries of the Spirit. One had to undergo moral purification and intellectual clarification. Then one had to see with the eyes of the Spirit. Behind the consciousness that accompanies us in the waking state, there is another consciousness. Consciousness does not sink into complete darkness when we fall asleep. The person remains conscious at night; he is present. But the consciousness that accompanies him from morning to evening does not remain during the night. There is a way to free a person from unconsciousness. There are methods to achieve this. Through a certain cultivation of the soul—through processes that prove to be intimate occurrences within the soul—a person can gain the ability for his dream life to offer him new revelations, to experience things that cannot be perceived with the physical eyes and ears. It makes no difference whether one perceives the truth in sleep or during the waking day; one must simply learn to carry the world one experiences there over into physical reality. If, through this, one is able to see the spiritual in the entire world, then one has reached the first stage of initiation.

[ 15 ] Auf der zweiten Stufe erlebt er dann etwas, wie wenn er in einem flutenden Meer von Farben lebte. Da gibt es eine höhere Einweihung, wo ein Bewusstsein entwickelt wird, wo dem Menschen eine noch höhere geistige Welt aufgeht. Der Mensch ist heute im gewöhnlichen Leben nicht imstande, das Bewusstsein, welches hinter der physischen Welt liegt, wachzurufen.

[ 15 ] At the second stage, he then experiences something as if he were living in a surging sea of colors. There is a higher initiation in which a consciousness is developed, through which an even higher spiritual world opens up to the individual. In ordinary life today, human beings are unable to awaken the consciousness that lies beyond the physical world.

[ 16 ] Der letzte Akt der Mysterien des Geistes war der, wo der Mensch in eine Art von Schlafzustand versetzt wurde. Man hatte dafür gesorgt durch die Vorbereitung, dass, wo das Alltagsbewusstsein heruntersank, dort sein Bewusstsein nicht aufhörte. Drei Tage und drei Nächte lag der Mensch in den Mysterientempeln in einem anderen Bewusstseinszustand; der Bürger und Teilnehmer einer anderen Welt. Dann wurde er von dem Priesterweisen wieder erweckt. Er bekam einen neuen Namen. Er war ein Eingeweihter, ein Wiedergeborener. Von den Mysterien des Geistes konnte man sagen: «Selig sind, die sie durchgemacht haben, selig sind, die da schauen!»

[ 16 ] The final act of the Mysteries of the Spirit was the one in which the person was induced into a kind of sleep-like state. Through the preparatory rites, care had been taken to ensure that, as everyday consciousness subsided, the person’s consciousness did not cease. For three days and three nights, the individual lay in the mystery temples in an altered state of consciousness—a citizen and participant in another world. Then he was awakened again by the wise priest. He was given a new name. He was an initiate, one who had been reborn. Of the Mysteries of the Spirit, one could say: “Blessed are those who have undergone them; blessed are those who behold them!”

[ 17 ] Zur Zeit des Christus Jesus kamen zu den Mysterien des Geistes die Mysterien des Sohnes, die es seit der Zeit des Christus gibt. Die Mysterien des Vaters, die Mysterien der Zukunft, werden nur in einem ganz kleinen Kreise gepflegt. Die Mysterien des Sohnes werden gepflegt in den Rosenkreuzer-Schulen. Auch in der neueren Zeit gibt es wieder Mysterien der Rosenkreuzer, die auch christlich sind, für diejenigen, welche ein Christentum brauchen, das aller Weisheit gegenüber gewappnet ist.

[ 17 ] At the time of Christ Jesus, the Mysteries of the Son—which have existed since the time of Christ—were added to the Mysteries of the Spirit. The Mysteries of the Father—the Mysteries of the Future—are practiced only within a very small circle. The Mysteries of the Son are practiced in the Rosicrucian schools. Even in more recent times, there are once again Rosicrucian Mysteries—which are also Christian—for those who need a form of Christianity that is equipped to face all forms of wisdom.

[ 18 ] Heute wollen wir uns beschäftigen mit den Mysterien des Sohnes und sehen, wie sie sich unterscheiden von den alten heidnischen Mysterien. Wenn wir begreifen wollen den ganz gewaltigen Fortschritt, der durch das Christentum geschehen ist, so müssen wir zwei bedeutungsvolle Aussprüche ins Auge fassen und verstehen lernen. Der eine ist: «Selig sind, die da glauben, auch wenn sie nicht schauen.» (Joh 20,29) Und der andere: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.» (Joh 14,6)

[ 18 ] Today we want to examine the mysteries of the Son and see how they differ from the ancient pagan mysteries. If we wish to grasp the truly immense progress that has been brought about by Christianity, we must consider and come to understand two significant sayings. One is: “Blessed are those who have not seen and yet have believed.” (John 20:29) And the other: “I am the way, the truth, and the life.” (John 14:6)

[ 19 ] Wer diese Aussprüche in aller Tiefe erfasst, der kann die Grundlage des Christentums verstehen. Während Paulus auf der einen Seite das zündende, gewaltige Wort gefunden hatte für die ganze Welt, hatte er seinen intimen Schülern Lehren gegeben, die zuerst überliefert und dann aufgeschrieben wurden, und die zurückgehen auf den Namen des Dionysius, mit dem Beinamen «der Areopagite». Es handelt sich da um eine Stiftung des heiligen Paulus selber, der die tiefste Weisheit verkündet hat. Zuerst wurden diese Lehren des Paulus aufgezeichnet im 6. Jahrhundert. Das sind die Schriften des sogenannten Pseudo-Dionysius. Weniger das Historische als der Inhalt dieser Schriften interessiert uns.

[ 19 ] Whoever grasps the full depth of these sayings can understand the foundation of Christianity. While Paul, on the one hand, had found the inspiring, powerful word for the whole world, he had given his close disciples teachings that were first handed down orally and then written down, and which are attributed to Dionysius, known as “the Areopagite.” This is a legacy of Saint Paul himself, who proclaimed the deepest wisdom. These teachings of Paul were first recorded in the 6th century. These are the writings of the so-called Pseudo-Dionysius. We are interested less in the historical context than in the content of these writings.

[ 20 ] Es gibt ein esoterisches Christentum. Weil man das in gewissen Kreisen nicht zugeben will, hat man dem Johannesevangelium eine eigentümliche Stellung gegeben. Das Johannesevangelium wird von den Theologen als ein Buch, aus dichterischer Kraft hervorgegangen, angesehen. Sie verstehen aber nicht, was mit dem Johannesevangelium eigentlich gemeint ist. Wo die drei anderen Evangelisten das Exoterische erzählen, da erzählt Johannes, was er erlebt hat als der eingeweihte Seher, der in die geistigen Welten schauen konnte. Vom Gesichtspunkt des Eingeweihten hat der Schreiber des JohannesevangeJiums dieses Evangelium geschrieben.

[ 20 ] There is such a thing as esoteric Christianity. Because certain circles are unwilling to admit this, they have assigned a peculiar status to the Gospel of John. Theologians regard the Gospel of John as a book born of poetic power. However, they do not understand what the Gospel of John actually means. Whereas the three other evangelists recount the exoteric, John recounts what he experienced as an initiated seer who could gaze into the spiritual worlds. The writer of the Gospel of John composed this Gospel from the perspective of an initiate.

[ 21 ] Wer das Johannesevangelium als ein Buch betrachtet, das man ebenso lesen soll, das man so verstehen soll wie ein anderes Buch, der weiß gar nichts vom Johannesevangelium. Nur der weiß etwas davon, der es erleben kann. Die meisten Übersetzungen geben nicht den Geist des Johannesevangeliums wieder. Die ... /Lücke?] ersten Worte dieses Evangeliums lauten in richtiger Übersetzung (Joh 1,1-14):

[ 21 ] Anyone who regards the Gospel of John as a book to be read and understood just like any other book knows nothing at all about the Gospel of John. Only those who can experience it truly understand it. Most translations do not convey the spirit of the Gospel of John. The ... /gap?] first words of this Gospel, correctly translated (John 1:1–14), read:

1. Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort.
2. Dieses war im Urbeginne bei Gott.
3. Alles ist durch dasselbe geworden, und außer durch dieses ist nichts von dem Entstandenen geworden.
4. In diesem war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
5. Und das Licht schien in die Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht begriffen.
6. Es ward ein Mensch gesandt von Gott, mit seinem Namen Johannes.
7. Dieser kam zum Zeugnis, auf dass er Zeugnis ablege von dem Licht, auf dass ihm alle glauben sollten. 8. Er war nicht das Licht, sondern ein Zeuge des Lichts.
9. Denn das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, sollte in die Welt kommen.
10. Es war in der Welt, und die Welt ist durch es geworden, aber die Welt hat es nicht erkannt.
11. In die einzelnen Menschen kam es — bis zu den Ich-Menschen kam es —, aber die einzelnen Menschen — die Ich-Menschen — nahmen es nicht auf.
12. Die es aber aufnahmen, die konnten sich durch es als Gotteskinder offenbaren.
13. Die seinem Namen vertrauten, sind nicht aus Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches und nicht aus menschlichem Willen, sondern aus Gott geboren.
14. Und das Wort ward Fleisch und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Lehre gehört, die Lehre von dem einzigen Sohne des Vaters, erfüllt von Hingabe und Wahrheit.

1. In the beginning was the Word, and the Word was with God, and the Word was God.
2. He was with God in the beginning.
3. Through him all things were made, and without him nothing was made that has been made.
4. In him was life, and that life was the light of mankind.
5. And the light shone in the darkness, but the darkness did not comprehend it.
6. A man was sent by God, whose name was John.
7. He came as a witness, to bear witness to the light, so that all might believe through him. 8. He was not the light, but a witness to the light.
9. For the true light, which enlightens every person, was to come into the world.
10. It was in the world, and the world was made through it, but the world did not recognize it.
11. It came to individual human beings—it came even to the “I”-people—but the individual human beings—the “I”-people—did not receive it.
12. But those who did receive it were able, through it, to reveal themselves as children of God.
13. Those who trusted in its name were born not of blood, nor of the will of the flesh, nor of the will of man, but of God.
14. And the Word became flesh and dwelt among us, and we heard its teaching—the teaching of the Father’s only Son, filled with devotion and truth.

[ 22 ] Diese Worte mit ihrem monumentalen Inhalt, die soll man nicht so benutzen, dass man über sie grübelt, sondern dass man sie in folgender Weise auf sich wirken lässt, wie zahlreiche Menschen sie durch die Jahrhunderte hindurch benutzt haben: Des Morgens in der Frühe, wenn die Seele noch morgen-jungfräulich war, da ließ man diese Worte in der Seele auftönen bis zu der Stelle: «Und das Wort ward Fleisch und hat unter uns gewohnet» und so weiter (Joh, 1,14; wie oben).

[ 22 ] These words, with their monumental meaning, should not be used in a way that makes one ponder them, but rather in a way that allows them to take effect in the following manner, just as countless people have used them throughout the centuries: Early in the morning, when the soul was still as fresh as the morning itself, one would let these words resound within the soul up to the point: “And the Word became flesh and dwelt among us,” and so on (John 1:14; as above).

[ 23 ] Wenn der Mensch das tut, Tag für Tag, dann zeigt sich in der Seele etwas, was ihm ein neues Leben gibt, eine Wiedergeburt, ihn zu einem geistig Verwandelten macht. Er sieht dann um sich eine geistige Welt, von der er vorher keine Ahnung hatte. Jeder, der also die ersten Worte des Johannesevangeliums als seelenerzieherisches Mittel auf sich wirken lässt, der erlebt das Johannesevangelium selbst in gewaltigen Bildern.

[ 23 ] When a person does this, day after day, something emerges in the soul that gives him a new life—a rebirth—and transforms him spiritually. He then perceives a spiritual world around him of which he previously had no inkling. Anyone, then, who allows the opening words of the Gospel of John to work upon them as a means of spiritual education will experience the Gospel of John itself through powerful imagery.

[ 24 ] Da steht vor seinem geistigen Schauen Johannes der Täufer, wie er den Christus tauft; da sieht er das Bild des Nikodemus, wie er seine Unterredung mit dem Christus hat. Dann sieht er, wie Christus den Tempel reinigt, und alle die darauf folgenden Szenen des Johannesevangeliums, und er erlebt die Stationen vom 13. Kapitel an.

[ 24 ] Before his spiritual gaze stands John the Baptist, baptizing Christ; there he sees the image of Nicodemus having his conversation with Christ. Then he sees Christ cleansing the temple, and all the subsequent scenes in the Gospel of John, and he experiences the events beginning in chapter 13.

[ 25 ] Um in der richtigen Weise diese Worte auf sich wirken zu lassen, und um das «Wort» zu finden, das durch das Johannesevangelium verkündet wird, sagte der Lehrer dem Schüler Folgendes: Du musst dich ganz erfüllen durch Wochen hindurch mit einem einzigen Gefühl: Denke einmal an die Pflanze. Sie wurzelt im toten Stein. Wenn sie Bewusstsein hätte, so müsste sie sich niederbeugen zum toten Stein und zu ihm sagen: Ohne dich könnte ich nicht leben; aus dir hole ich Nahrung und Kräfte; dir verdanke ich mein Dasein - Dank dir!

[ 25 ] In order to truly let these words sink in, and to find the “Word” proclaimed in the Gospel of John, the teacher said the following to the student: You must fill yourself completely, for weeks on end, with a single feeling: Think for a moment about the plant. It takes root in the dead stone. If it had consciousness, it would have to bow down to the dead stone and say to it: Without you, I could not live; from you I draw nourishment and strength; to you I owe my existence—thank you!

[ 26 ] Das Tier müsste ebenso zur Pflanze sprechen: Ohne dich könnte ich nicht leben; ich neige mich in Dankbarkeit zur dir, denn aus dir ziehe ich das, was ich zu meinem Leben brauche. — So ist es mit allen Reichen. Der Mensch muss sich, auch auf einer höheren Bildungsstufe angelangt, herabneigen, wie die Pflanze zum Stein, zu denen, die für ihn arbeiten, und ihnen danken. Wer ein christlicher Eingeweihter werden will, der muss durch viele Wochen dies Gefühl in sich entwickeln, dass er Dank schuldet dem, der unter ihm steht. Dann erlebt er geistig das 13. Kapitel des Johannesevangeliums, wo dieses Gefühl monumental dargestellt ist durch Christus bei der Fußwaschung.

[ 26 ] The animal, too, should say to the plant: “Without you, I could not live; I bow to you in gratitude, for from you I draw what I need to live.” — So it is with all realms. Even having reached a higher level of education, a person must bow down—like the plant to the stone—to those who work for him and thank them. Whoever wishes to become a Christian initiate must spend many weeks developing within himself the feeling that he owes gratitude to those beneath him. Then he will spiritually experience the 13th chapter of the Gospel of John, where this feeling is monumentally portrayed by Christ during the washing of the feet.

[ 27 ] Er stellt das dar: «Ohne dass ihr da seid, könnte ich nicht da sein; ich neige mich zu euch wie die Pflanze zu dem Stein.» Als äußeres Symbol erlebte der Eingeweihte bei dieser Stufe ein Gefühl, wie wenn Wasser um seine Füße spülte. Lange Zeit ist dies vorhanden. Wenn er dies durchgemacht hat, kann der christliche Myste durchmachen die nächste Stufe der Einweihung. Dazu musste er das ausbilden, dass er standhalten konnte gegenüber allen Stürmen und Bedrängnissen des Lebens. Dann erlebte er ein zweites Bild. Er sah dann sich selbst gegeißelt und spürte wochenlang am eigenen Leibe etwas wie ein Wehtun an einzelnen Stellen. Dann erlebte er die Geißelung.

[ 27 ] He describes it this way: “Without you being there, I could not be there; I lean toward you as a plant leans toward a rock.” As an outward symbol, the initiate experienced at this stage a sensation as if water were washing around his feet. This sensation persists for a long time. Once he has gone through this, the Christian mystic can proceed to the next stage of initiation. To do so, he had to develop the strength to withstand all of life’s storms and tribulations. Then he experienced a second vision. He saw himself being scourged and felt, for weeks on end, a kind of pain in specific parts of his own body. Then he experienced the scourging.

[ 28 ] Nun konnte er zur dritten Stufe aufsteigen. Der Lehrer sagte zu ihm: Du musst in dir ein Gefühl ausbilden, das zu ertragen, dass das, was das Höchste für dich ist, mit Spott und Hohn bedeckt wird. Spott und Hohn durften für ihn nichts sein gegenüber der Festigkeit und Sicherheit seines Innern. Dann erlebte der Schüler zwei Symptome der christlichen Einweihung. Er erlebte die Dornenkrönung; er sah geistig sich selbst mit der Dornenkrone und erlebte eine Art von Kopfschmerz, die das Zeichen ist für diese Einweihungsstufe.

[ 28 ] Now he was ready to advance to the third stage. The teacher said to him: “You must cultivate within yourself the ability to endure seeing what is most sacred to you covered with scorn and derision. Scorn and derision must mean nothing to you compared to the steadfastness and security of your inner self.” Then the student experienced two symptoms of Christian initiation. He experienced the crowning with thorns; he saw himself spiritually wearing the crown of thorns and experienced a kind of headache that is the sign of this stage of initiation.

[ 29 ] Dann musste er als Viertes in sich das Gefühl entwickeln, dass der Leib nichts anderes für ihn ist als ein anderer Gegenstand der Welt. Dann trug er den Leib nur noch als Instrument mit sich. Man lernt in manchen Mysterienschulen sich angewöhnen zu sagen: Mein Leib geht durch die Tür und so weiter. Darauf erlebte der Myste selbst die Kreuzigung. Er sah sich selbst gekreuzigt. Das äußere Symptom war, dass während der Meditation an den Stellen der Wundmale Christi Stigmata auftraten; an den Händen, Füßen und an der rechten Seite. Das ist die Blutprobe des Mysten, die vierte Stufe der Einweihung.

[ 29 ] Fourth, he had to develop within himself the feeling that the body is nothing more to him than another object in the world. Then he carried the body with him only as an instrument. In some mystery schools, one learns to get into the habit of saying: “My body is going through the door,” and so on. Thereupon, the initiate himself experienced the crucifixion. He saw himself crucified. The outward sign was that during meditation, stigmata appeared at the sites of Christ’s wounds—on the hands, feet, and right side. This is the initiate’s trial by blood, the fourth stage of initiation.

[ 30 ] Darnach stieg er auf zur fünften Station, die man den «mystischen Tod» nennt; ein hohes Erlebnis geistiger Art, auf das nur hingedeutet werden kann; Momente, wo die ganze physische Umwelt ihn umgibt wie ein schwarzer Schleier. Da lernt er kennen alles das, was die Ursachen des Bösen sind. Das nannte man die «Hinabfahrt in die Hölle». Es kam dann ein merkwürdiges Gefühl, wie wenn der ganze Vorhang auseinanderrisse. Das ist der mystische Tod und die mystische Erweckung.

[ 30 ] Afterward, he ascended to the fifth station, which is called the “mystical death”—a profound spiritual experience that can only be hinted at; moments when his entire physical surroundings enveloped him like a black veil. There he came to know all the causes of evil. This was called the “Descent into Hell.” Then a strange feeling came over him, as if the entire curtain were tearing apart. This is the mystical death and the mystical awakening.

[ 31 ] Die sechste Stufe ist die sogenannte «Grablegung». Alles, was die Erde trägt, muss dem Menschen so wertvoll werden wie sein eigener Leib. Der physische Leib des Menschen könnte losgelöst von der Erde nicht existieren. Einige Meilen von der Erde entfernt, würde er verdorren, wie die Hand verdorren würde, wenn man sie vom Körper trennt. Was für meine Finger mein Leib, das ist die Erde für den Menschen. Die Selbstständigkeit, die sich der Mensch beilegt, ist eine Illusion. Wie der Mensch physisch abhängig ist von der Erde, so ist er geistig abhängig von der Geisteswelt. Erst wenn der Mensch sich fühlt als vereinigt mit dem ganzen Planeten, dann ist er in die Erde gelegt, dann erfolgt die Grablegung.

[ 31 ] The sixth stage is what is known as “burial.” Everything that the earth sustains must become as precious to human beings as their own bodies. The human body could not exist apart from the earth. A few miles away from the earth, it would wither away, just as a hand would wither if separated from the body. What my body is to my fingers, the earth is to human beings. The independence that a person attributes to themselves is an illusion. Just as a person is physically dependent on the earth, so too are they spiritually dependent on the spiritual world. Only when a person feels united with the entire planet are they truly rooted in the earth; only then does the “burial” take place.

[ 32 ] Darauf folgt die siebente Stufe, die Auferstehung und Himmelfahrt. Hier erlebt der Mensch das Ewige. Beschreiben lässt sich diese Stufe nicht. Die ägyptischen Priesterweisen bedienten sich nicht der Schriftzeichen, um solche Dinge zu beschreiben. Solch eine Art und Weise muss gefunden werden in den Mysterien, um das zu sagen, was Worte nicht sagen können.

[ 32 ] This is followed by the seventh stage: the Resurrection and Ascension. Here, the human being experiences the Eternal. This stage cannot be described. The Egyptian priest-sages did not use written characters to describe such things. Such a way must be found within the Mysteries to express what words cannot say.

[ 33 ] Durch die Gewalt, die Zauberkraft des Johannesevangeliums selbst kann man das Johannesevangelium erleben. Solch eine Einweihung ist die Einweihung des Sohnes. So etwas war erst möglich, nachdem der Christus da — auf Erden — war. Der äußere Christus, der in Palästina gewandelt ist, der verhält sich zu dem inneren Christus, den der Myste erlebt, wie die Sonne sich verhält zum Auge. Gäbe es kein Auge, die Sonne könnte nicht wahrgenommen werden. Aber die Sonne hat das Auge erzeugt. Wo kein Bild ist, geht auch das Organ für das Licht verloren. Das Auge ist nach und nach geschaffen worden durch die Sonne. Das Auge ist für das Licht durch das Licht geschaffen, sagt Goethe.

[ 33 ] It is through the power, the magical force of the Gospel of John itself that one can experience the Gospel of John. Such an initiation is the initiation of the Son. Something like this was only possible after Christ was here—on earth. The outer Christ, who walked in Palestine, relates to the inner Christ experienced by the mystic just as the sun relates to the eye. If there were no eye, the sun could not be perceived. But the sun has created the eye. Where there is no image, the organ for light is also lost. The eye has been created little by little by the sun. “The eye is created for the light by the light,” says Goethe.

[ 34 ] Wer das Johannesevangelium auf sich wirken lässt, entwickelt das innere Auge. Aber wie nie ohne Sonne ein Auge entstanden wäre, so wäre nie die geistige Sehkraft entstanden, wenn nicht Christus, die geistige Sonne, persönlich auf der Erde gewandelt wäre. Kein Christentum ohne den persönlichen Christus Jesus. Das ist das Wesentliche und Wichtige.

[ 34 ] Those who allow the Gospel of John to take root within them develop their inner eye. But just as no eye could ever have come into being without the sun, so spiritual sight would never have come into being if Christ—the spiritual sun—had not personally walked the earth. There is no Christianity without the personal Christ Jesus. That is the essential and important point.

[ 35 ] Alle anderen Religionsstifter konnten von sich sagen: «Ich bin der Weg und die Wahrheit.» Lehrer waren alle. Das Christentum hat an Lehren nichts Neues gebracht. Aber darauf kommt es nicht an, sondern darauf, dass sich die Christen wie in einer Familie verbunden fühlen mit dem persönlichen Christus Jesus. Darauf kommt es an, dass er da war und gelebt hat und gesagt: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.» (Joh 14,6)

[ 35 ] All other founders of religions could say of themselves, “I am the way and the truth.” They were all teachers. Christianity did not introduce anything new in terms of doctrine. But that is not what matters; what matters is that Christians feel connected to the personal Christ Jesus, as if within a family. What matters is that he was there, that he lived, and that he said, “I am the way, the truth, and the life.” (John 14:6)

[ 36 ] Morgenländische Religionslehrer haben eine Exoterik und eine Esoterik, so wie das Christentum. Das Christentum unterscheidet sich von diesen dadurch: Seine Exoterik ist schlichter, volkstümlicher, spricht zum Herzen, zum Gefühl; aber seine Esoterik ist wesentlich tiefer als alle morgenländische Esoterik. In Wahrheit ist die christliche Esoterik das Tiefste, was der Menschheit gebracht worden ist. Die christliche Esoterik hat diejenige Wesenheit, mit der man verbunden sein muss, selbst auf die Erde geführt. Es handelt sich darum, dass man an die Göttlichkeit Christi glaubt. In den alten Mysterien musste man dagegen selbst schauen während der dreitägigen Einweihung.

[ 36 ] Eastern religious teachers have both an exoteric and an esoteric aspect, just as Christianity does. Christianity differs from them in this respect: Its exoteric aspect is simpler, more down-to-earth, and speaks to the heart and to the emotions; but its esoteric aspect is substantially deeper than any Eastern esotericism. In truth, Christian esotericism is the deepest teaching ever given to humanity. Christian esotericism has brought to Earth the very Being with whom one must be connected. It is a matter of believing in the divinity of Christ. In the ancient mysteries, on the other hand, one had to witness this for oneself during the three-day initiation.

[ 37 ] Historische Tatsache ist im Christentum geworden, was vorher nur in den Mysterien des Geistes vorhanden war. Die Vorgänge in Palästina sind zugleich historische Tatsache und ein Symbolum.

[ 37 ] What had previously existed only in the mysteries of the spirit has become a historical fact in Christianity. The events in Palestine are both a historical fact and a symbol.

[ 38 ] Das Christentum ist so, dass das einfachste und schlichteste Gemüt es begreifen kann; aber auch der Weise wird niemals über das Christentum hinauswachsen. Die tiefsten Weisheitslehren liegen darinnen.

[ 38 ] Christianity is such that even the simplest and most unassuming mind can understand it; yet even the wisest person will never outgrow Christianity. The deepest teachings of wisdom are found within it.

[ 39 ] Wenn wir das Johannesevangelium als Lebensbuch verstehen, dass wir mit ihm leben wollen, es in uns aufleben lassen, dann werden wir erkennen das esoterische Christentum. Solches esoterisches Christentum hat es immer gegeben; es hat immer da gewirkt, wo das Christentum seine edle Seite zur Geltung gebracht hat, wo das Christentum die großen Kulturgüter der Menschheit gebracht hat. Allen denen, die die Gemeinsamkeit mit dem Christus Jesus empfunden hatten, denen strömte daraus eine solche Kraft zu, dass sie wussten, dass das Leben über den Tod immerdar siegen wird, dass der Tod niemals eine Wahrheit ist. Goethe hat gesagt, dass die großen Weltenmächte den Tod erfunden haben, um viel Leben in der Welt zu haben. Das Christentum ist ein Beweis, dass ein Bewusstsein in die Seele kommen kann von dem, dass das Leben stets dasjenige ist, was der Sieger in der Welt ist.

[ 39 ] If we understand the Gospel of John as a book of life—one that we want to live by and allow to come alive within us—then we will come to recognize esoteric Christianity. Such esoteric Christianity has always existed; it has always been at work wherever Christianity has brought its noble side to the fore, wherever Christianity has contributed to humanity’s great cultural heritage. To all those who had felt a kinship with Christ Jesus, such a power flowed from it that they knew life would always triumph over death, that death is never a truth. Goethe said that the great world powers invented death in order to have much life in the world. Christianity is proof that a consciousness can arise in the soul that life is always the victor in the world.