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The Essence of Christianity
GA 68a

7 March 1907, Düsseldorf

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The Essence of Christianity, tr. SOL
  1. Über das Wesen des Christentums

28. Theosophie, Buddhismus und Christentum

28. Theosophy, Buddhism, and Christianity

[ 1 ] Unter den mancherlei Geistesströmungen, die zur Befriedigung der höchsten Fragen und Rätsel des Daseins in der letzten Zeit aufgetaucht sind, ist auch die Theosophie. Es ist ungefähr dreißig Jahre her, dass diese Bewegung in den verschiedenen Ländern sich immer mehr verbreitet hat. Ausgegangen ist sie von Indien, sie dehnt sich aber auch aus über die andern Länder und wirkt durch das, was man die Theosophische Gesellschaft nennt. Diese Theosophische Gesellschaft ist in einzelne Sektionen geteilt und diese Sektionen finden sich in den gebildeten Ländern der Erde überall. Wir haben eine Indische, eine Amerikanische, Britische, Holländische, Französische, Italienische, Skandinavische, Deutsche Sektion und so weiter.

[ 1 ] Among the various intellectual movements that have emerged in recent times to address the highest questions and mysteries of existence is Theosophy. It has been about thirty years since this movement began to spread more and more widely in various countries. It originated in India, but it is also spreading to other countries and operates through what is known as the Theosophical Society. This Theosophical Society is divided into individual sections, and these sections can be found everywhere in the educated countries of the world. We have an Indian, an American, a British, a Dutch, a French, an Italian, a Scandinavian, a German section, and so on.

[ 2 ] Daraus ersehen wir, dass Theosophie etwas ist, was keineswegs heute mehr nur einzelne Menschen ergründen, sondern was die Sehnsucht und das Bedürfnis der weitesten Kreise befriedigt. Dennoch muss man sagen, dass sie oft missverstanden wird; spricht man nur aus das Wort «Theosophie», so vermuten viele finsteren Aberglauben, phantastische Hirngespinste; und wenn irgendwo in der Welt obskure Richtungen auftreten, kann man heute noch erleben, dass das Wort Theosophie immer mitgenannt wird. Andere meinen, Theosophie sei etwas Unwissenschaftliches; keine Wissenschaft könne sich dazu bekennen. Von anderer Seite wird die Theosophie sogar mit Angst behandelt, sie sei eine Sekte, die sich gegen das Christentum richte; wer ein guter Christ bleiben wolle, dürfe nicht Theosoph werden. Und endlich wird sie bezeichnet mit dem Wort, das wir immer und immer wieder in den Zeitungen lesen können: «Neubuddhismus», und wenn jemand heute der Theosophie das Wort anhängt «Buddhismus», wird bei einem großen Teil aller Abendländer großer Schrecken entstehen.

[ 2 ] From this we can see that Theosophy is by no means something that only a few individuals seek to understand today, but rather something that satisfies the longing and need of the broadest circles. Nevertheless, it must be said that it is often misunderstood; if one merely utters the word “theosophy,” many suspect sinister superstitions or fantastical flights of fancy; and whenever obscure movements emerge anywhere in the world, one can still observe today that the word “theosophy” is invariably mentioned in the same breath. Others believe that Theosophy is unscientific; no science could embrace it. From another perspective, Theosophy is even viewed with fear, as if it were a sect directed against Christianity; anyone who wishes to remain a good Christian, they say, must not become a Theosophist. And finally, it is described with the term we read time and time again in the newspapers: “New Buddhism”; and if anyone today were to attach the word “Buddhism” to Theosophy, it would cause great alarm among a large portion of the Western world.

[ 3 ] Alle diese Gedanken sind Vorurteile; Theosophie ist weder Erneuerung blinden Aberglaubens noch unwissenschaftlich. Gerade der, der die Wissenschaft der neueren Zeit gründlich und logisch versteht, wird nicht nur, wenn er einen Blick in die Theosophie wirft, überrascht sein, sondern auch gewahr werden, wenn er aus den Naturwissenschaften gewisse Konsequenzen zieht, dass diese ihn hinleiten zur Theosophie und durch dieselbe erst verständlich werden. Und wenn man sagt, Theosophie sei eine Sekte, so werden wir nachher, wenn wir das Wesen der Theosophie näher erörtert haben, sehen, wie weit sie davon entfernt ist, etwas Sektiererisches an sich zu haben, und wie sie nicht im Mindesten entgegentritt dem tief erfassten, begreifbaren heutigen Christentum, und wie wenig sie zu tun hat mit irgendeinem Buddhismus, am wenigsten mit dem Buddhismus, der 600 Jahre vor Christus durch Buddha entstanden ist. Ein merkwürdiges Missverständnis hat gewaltet, das schon von H. P. Blavatsky in der «Geheimlehre» aufgeklärt worden ist. Es gibt vielerlei Bücher, die über Theosophie geschrieben worden sind. Zu diesen Büchern, die ungeheuer mitgewirkt haben, die theosophische Wissenschaft zu verbreiten, gehört Sinnetts «Esoterischer Buddhismus». Frau Blavatsky hat gesagt, dass dieses Buch weder esoterisch noch Buddhismus ist, denn esoterisch ist nur etwas, was von Person zu Person gebracht wird, etwas Esoterisches kann nie durch eine Schrift veröffentlicht werden, dann wird es eben exoterisch. Nur bei intimstem Verkehr zwischen Lehrer und Schüler ist es möglich, die intimsten Gedanken zu übertragen, es kann niemals, was von Seele zu Seele hinüberfließt und was man esoterisch nennt, veröffentlicht werden. So kann ein Buch niemals esoterischer Buddhismus sein, das Buch ist aber auch überhaupt kein Buddhismus.

[ 3 ] All these ideas are prejudices; Theosophy is neither a revival of blind superstition nor unscientific. Precisely those who thoroughly and logically understand modern science will not only be surprised when they take a look at theosophy, but will also realize, when drawing certain conclusions from the natural sciences, that these lead them to theosophy and become comprehensible only through it. And if it is said that Theosophy is a sect, we will see later—once we have discussed the nature of Theosophy in more detail—how far it is from having anything sectarian about it, and how it in no way conflicts with the deeply understood, comprehensible Christianity of today, and how little it has to do with any form of Buddhism, least of all with the Buddhism that originated 600 years before Christ through the Buddha. A curious misunderstanding has prevailed, one that was already clarified by H. P. Blavatsky in The Secret Doctrine. There are many books that have been written about theosophy. Among these books, which have contributed immensely to the spread of theosophical knowledge, is Sinnett’s Esoteric Buddhism. Madame Blavatsky stated that this book is neither esoteric nor Buddhism, for only that which is conveyed from person to person is esoteric; something esoteric can never be published in writing, for then it simply becomes exoteric. Only through the most intimate interaction between teacher and student is it possible to convey the most intimate thoughts; what flows from soul to soul—and what is called esoteric—can never be published. Thus, a book can never be “Esoteric Buddhism,” nor is the book Buddhism at all.

[ 4 ] Innerhalb derjenigen Weltanschauung, die man als Theosophie bezeichnet, gibt es gewisse Lehren über den Aufbau des Menschen. Lassen Sie uns kurz diese Lehre wiederholen, die das gemeinsame Gut aller derer ist, die auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen, diese Lehre, die seit Jahrtausenden sagt, dass dasjenige, was man nur durch die äußeren Sinne, durch die materielle Anschauung vom Menschen kennt, nur ein kleiner Teil der menschlichen Wesenheit ist. Diesen physischen Menschenleib, den wir durch unsere äußeren Sinne wahrnehmen, hat der Mensch gemeinsam mit allen Wesen auf der Erde, überhaupt mit allem, was den Menschen umgibt, denn auch die Steine und Kristalle sind aufgebaut aus denselben Stoffen, die auch im menschlichen Leibe enthalten sind.

[ 4 ] Within the worldview known as Theosophy, there are certain teachings regarding the structure of the human being. Let us briefly review this teaching, which is common to all who stand on the ground of spiritual science—this teaching that has maintained for millennia that what we know of the human being solely through the external senses, through the material perception of the human being, is only a small part of the human being. This physical human body, which we perceive through our external senses, is something that human beings share with all beings on Earth—indeed, with everything that surrounds them—for even stones and crystals are composed of the same substances found in the human body.

[ 5 ] Nun sagt die Geisteswissenschaft: Dieser physische Leib ist nur ein Teil der menschlichen Wesenheit, den zweiten Teil, der eigentlich viel realer und wirklicher ist, weil er den physischen Leib erschafft und heranbildet, nennt man den Ätherleib oder Lebensleib. Diesen hat der Mensch gemeinsam mit allen Lebewesen, die ihn hier auf der Erde umgeben, auch mit den Pflanzen. Der physische Leib ist nichts anderes als eine Mischung von physischen Stoffen, die unmöglich wäre und sofort zerfallen würde, wenn sie vom Äther- oder Lebensleib nicht zusammengehalten würde. Der Ätherleib hat die Aufgabe, den physischen Leib zu schützen vor dem Verfall.

[ 5 ] Now, spiritual science tells us: This physical body is only one part of the human being; the second part—which is actually much more real and substantial, because it creates and shapes the physical body—is called the etheric body or life body. Human beings share this with all living beings that surround them here on Earth, including plants. The physical body is nothing more than a mixture of physical substances that would be impossible and would immediately disintegrate if it were not held together by the etheric body or life body. The etheric body has the task of protecting the physical body from decay.

[ 6 ] Das dritte Glied der menschlichen Wesenheit ist im Sinne der Geisteswissenschaft der Astralleib. Dieser Astralleib ist der Träger von allen Begierden, Trieben und Leidenschaften, kurz von allen Affekten, von alledem, was sich innerlich spiegelt im Innern des Menschen, und diesen Astralleib hat der Mensch gemeinsam nur mehr mit den Tieren, nicht mehr mit den Pflanzen.

[ 6 ] In spiritual science, the third component of the human being is the astral body. This astral body is the vehicle for all desires, drives, and passions—in short, for all emotions, for everything that is reflected internally within the human being—and this astral body is what humans share only with animals, and no longer with plants.

[ 7 ] Danach unterscheidet die Geisteswissenschaft ein viertes Glied der menschlichen Wesenheit, durch das er die Krone dieser Schöpfung ist, durch das er sich unterscheidet von allen ihn umgebenden Geschöpfen. Dieses vierte Glied nennt man in der deutschen Sprache das «Ich», das von innen heraus arbeitet an der menschlichen Wesenheit. Nur einen Namen gibt es, der niemals von außen tönen kann, wenn er den Menschen selbst bezeichnet, deshalb sagten alle großen Religionen: Hier haben wir den unaussprechlichen Namen Gottes, vom Meere der Göttlichkeit ein Tropfen, der in jeden Menschen hineingeflossen ist. Ebenso wenig, wie der einzelne Meerestropfen das ganze Meer ist, ebenso wenig ist die Menschenseele die ganze Gottheit. Nur weil die Gottheit in der Seele zu sprechen beginnt, beginnt mit der Aussprache des Zch die Seele in sich selbst zu sprechen, oder, wie die Religionen sagen: Der Gott spricht im Menschen.

[ 7 ] According to this, spiritual science distinguishes a fourth element of the human being, through which he is the crown of this creation, through which he differs from all the creatures surrounding him. This fourth element is called the “I” in the German language, which works from within the human being. There is only one name that can never be uttered from the outside when it designates the human being itself; that is why all the great religions have said: Here we have the ineffable name of God, a drop from the ocean of divinity that has flowed into every human being. Just as a single drop of the ocean is not the entire ocean, so too the human soul is not the entire divinity. Only because the Divinity begins to speak within the soul does the soul, upon uttering the “Zch,” begin to speak within itself—or, as the religions say: God speaks within man.

[ 8 ] Diese Geisteswissenschaft ist heute exoterisch gemacht durch öffentliche Vorträge und Schriften, sie wird nicht mehr esoterisch weitergegeben wie früher, von Mensch zu Mensch. Eine dieser geistigen Schulen, wo nur von Mensch zu Mensch gelehrt wurde, war die alte Pythagoräische Schule in Griechenland.

[ 8 ] Today, this spiritual science is made exoteric through public lectures and writings; it is no longer passed down esoterically, as it was in the past, from person to person. One of these spiritual schools, where teaching took place only from person to person, was the ancient Pythagorean School in Greece.

[ 9 ] Nun wollen wir sehen, wie das Ich im Innern der menschlichen Wesenheit wirkt. Betrachten wir einen Wilden auf der primitivsten Stufe. Darwin kam einst auf einer seiner Reisen zu einem Stamm wilder Menschen, die noch Menschenfresser waren. Er wollte einem derselben klarmachen, dass man das nicht tun dürfe, er ließ ihm durch den Dolmetscher sagen, dass es schlecht sei, Menschen zu fressen. Da antwortete der Wilde, woher er wissen könne, ob das gut oder schlecht sei, bevor er den Menschen gefressen habe. Wir sehen aus diesem Beispiel, dass der ungebildete Wilde auf dieser Stufe des Daseins nichts anderes kennt, als die niedersten Triebe und Begierden seines Astralleibes zu befriedigen. Wenn er aber eine höhere Entwicklung durchmacht, wenn er zu der Erkenntnis kommt: Du darfst diesen niederen Trieben und Begierden nicht folgen, wenn er erkennt sittliche und moralische Gesetze und Gebote, so arbeitet sein Ich an der Veredelung seines Astralleibes. Der primitive Mensch, auf der untersten Stufe des Daseins, dessen Ich noch nicht gearbeitet hat am Astralleib, hat nur den einen Astralleib, den die Mächte ihm mitgegeben haben bei seiner Geburt. Der höher entwickelte Mensch hat zwerz Teile in seinem Astralleib, denjenigen Teil, den er durch sein Ich veredelt hat, und den anderen Teil, der noch so ist, wie ihn die Mächte ihm gegeben haben. Den Teil des Astralleibes, der ein Produkt ist des Ich, nennt man Manas oder Geistselbst.

[ 9 ] Now let us see how the “I” functions within the human being. Let us consider a savage at the most primitive stage. Darwin once came across a tribe of savages on one of his journeys who were still cannibals. He wanted to make it clear to one of them that this was wrong; he had the interpreter tell him that it was bad to eat people. The savage replied, “How can I know whether it is good or bad before I have eaten the person?” We see from this example that the uneducated savage at this stage of existence knows nothing other than how to satisfy the basest instincts and desires of his astral body. But when he undergoes a higher development, when he comes to the realization: “You must not follow these base instincts and desires”—and when he recognizes ethical and moral laws and commandments—then his “I” works toward the refinement of his astral body. The primitive human being, at the lowest stage of existence, whose “I” has not yet worked on the astral body, possesses only the single astral body that the forces bestowed upon him at birth. The more highly developed human being has two parts in his astral body: the part that he has refined through his “I,” and the other part, which remains as the powers gave it to him. The part of the astral body that is a product of the “I” is called Manas or the spiritual self.

[ 10 ] Nun kann der Mensch auch hineinarbeiten in seinen Äther- oder Lebensleib. Wollen wir uns den Unterschied klarmachen, so denken wir einmal darüber nach, was jeder von uns gewusst hat als achtjähriges Kind und was er sich seitdem angeeignet hat. Eine ungeheure Summe von Vorstellungen und Begriffen haben wir seitdem aufgenommen. Vergleichen wir nun diese Summe von Vorstellungen mit dem, was sich an unserem Temperament, Leidenschaften, Gewohnheiten und Charakter langsam geändert hat. Wenn wir die Veränderungen des Astralleibes des Menschen vergleichen mit dem Minutenzeiger einer Uhr, so kann man das Vorrücken, die Veränderungen des Ätherleibes vergleichen mit dem Stundenzeiger der Uhr. So viel langsamer geht die Bearbeitung des Ätherleibes vor sich. Jähzorn, Melancholie, die im achtjährigen Kinde vorhanden waren, werden in den meisten Fällen auch im späteren Alter immer wieder durchkommen.

[ 10 ] Now, a person can also work on their etheric or life body. If we want to understand the difference, let’s think for a moment about what each of us knew as an eight-year-old child and what we have acquired since then. We have absorbed an immense number of ideas and concepts since then. Let us now compare this sum of ideas with the changes that have slowly taken place in our temperament, passions, habits, and character. If we compare the changes in a person’s astral body to the minute hand of a clock, then the progression and changes in the etheric body can be compared to the hour hand of the clock. The transformation of the etheric body proceeds so much more slowly. Irascibility and melancholy, which were present in the eight-year-old child, will in most cases continue to resurface even in later life.

[ 11 ] Es gibt nun Impulse in der Geistesentwicklung, die stark wirken auf den Ätherleib, durch welche man auch ihn umwandeln kann. Zu diesen Impulsen gehört zum Beispiel die Kunst. Wenn der Mensch lernt, durch den Spiegel der Materie hinzuschauen auf das Göttliche, das durch das Kunstwerk zu ihm spricht, so bildet er den Ätherleib um und bildet einen Teil des Ätherleibes so um, dass auch er ein Produkt des Ich ist. Und je mehr und mehr vollkommen der Mensch wird, ein desto größerer Teil des Ätherleibes ist durch das Ich veredelt, umgebildet, und diesen veredelten Teil des Ätherleibes nennt man Budhi, sodass Budhi das ist, was der Mensch von seinem Lebensleib in Lebensgeist verwandelt. Diejenigen Impulse, die am meisten imstande sind, den Ätherleib umzugestalten, sind die religiösen Impulse, ob sie nun von Hermes, Zarathustra, Buddha, Moses oder einem andern der großen Initiierten der Menschheit gegeben werden. Es sind die großen, mächtigen Impulse, die imstande sind, den Lebensleib in Lebensgeist umzugestalten.

[ 11 ] There are certain impulses in spiritual development that have a powerful effect on the etheric body and through which it can also be transformed. Art, for example, is one of these impulses. When a person learns to look through the mirror of matter at the divine that speaks to them through a work of art, they transform the etheric body and reshape a part of it so that it, too, becomes a product of the “I.” And the more and more perfect a person becomes, the greater a portion of the etheric body is refined and transformed by the “I”; and this refined portion of the etheric body is called buddhi, so that buddhi is what a person transforms from their life body into life spirit. The impulses most capable of transforming the etheric body are the religious impulses, whether they are given by Hermes, Zarathustra, Buddha, Moses, or any other of humanity’s great Initiates. These are the great, powerful impulses capable of transforming the life body into life spirit.

[ 12 ] Noch gewaltiger sind die Impulse, die in den Geheimschulen auf den Schüler wirken, der eine geistige Schulung durchmacht. Demjenigen, der diese geistige Schulung durchmacht, wird es völlig klar, dass es das gibt, was man einen geistigen Wesenskern nennt. Wenn der Mensch in der Geheimschulung zum Seher gemacht wird, dann arbeitet er noch immer tiefer hinein in seinen Ätherleib, er entwickelt einen immer größeren Weisheitskern, der in ihm lebt und imstande ist, den Tod zu besiegen. Wenn dann der Schüler diese Budhi empfing, wenn er immer mehr und mehr ausgestaltete den Lebensleib zum Lebensgeist, dann wurde er genannt ein Initiierter, und die größten Initiierten sind die Religionsstifter. Diese große Weisheit wurde von ihnen in Bilder gegossen, so wie das Volk, das von ihnen belehrt wurde, diese Urweisheit aufnehmen konnte. So gab Hermes dem ägyptischen Volke ein Bild der Urweisheit, so lehrten die Rishis, wie es das alte indische Volk verstehen konnte. Diese Urweisheit wurde von Zarathustra für das persische Volk verständlich gemacht, so war es Pythagoras, der das für die Griechen tat. So war es bei dem größten Religionsstifter, der kein gewöhnlicher Initiierter war, sondern einen göttlichen Geist in sich trug, mit dem Christus Jesus, dem es vorbehalten war, die größte und reinste Religion zu gründen, die, wenn sie von allen verstanden werden wird, die allgemeine Menschheitsreligion sein wird. So verstehen wir auch ein Wort des Christus Jesus: «Wenn du nicht verlässest Vater und Mutter» (Lk 14,26; Mt 19,29) und so weiter. Dieses ist gesprochen nicht um die heiligen Bande der Familie zu zerstören, sondern um einen Bruderbund der ganzen Menschheit zu stiften, wo die Menschen brüderlich sollen zusammenleben, trotzdem sie nicht leiblich Bruder und Schwester sind und durch Familienbande gebunden. So hat Christus die Urweisheit der Welt in diese Form gegossen.

[ 12 ] Even more powerful are the impulses that act upon the student undergoing spiritual training in the secret schools. It becomes perfectly clear to the one undergoing this spiritual training that there is such a thing as what is called a spiritual core. When a person is made a seer through the secret training, he works ever more deeply into his etheric body; he develops an ever-greater core of wisdom that lives within him and is capable of conquering death. When the student then received this buddhi, when he increasingly transformed the life body into the life spirit, he was called an initiate, and the greatest initiates are the founders of religions. They cast this great wisdom into images, in a way that the people they taught could absorb this primordial wisdom. Thus Hermes gave the Egyptian people an image of primordial wisdom, and the Rishis taught in a way the ancient Indian people could understand. This primordial wisdom was made understandable to the Persian people by Zarathustra, just as it was Pythagoras who did so for the Greeks. So it was with the greatest founder of a religion, who was no ordinary initiate but bore within himself a divine spirit—Christ Jesus, to whom it was reserved to found the greatest and purest religion, which, when understood by all, will be the universal religion of humanity. Thus we also understand a saying of Christ Jesus: “If you do not forsake father and mother” (Luke 14:26; Matthew 19:29) and so on. This is said not to destroy the sacred bonds of the family, but to establish a brotherhood of all humanity, where people are to live together as brothers and sisters, even though they are not biological brothers and sisters and are not bound by family ties. Thus, Christ cast the primordial wisdom of the world into this form.

[ 13 ] Wenn wir den Buddhismus betrachten, so ist es dasjenige, was zugeschnitten ist für das indische Volk, und denjenigen, der diese Religion dem indischen Volke gebracht hat, nennt man Buddha, weil er gesagt hat: «Ich gebe euch die Budhi, die in mir den Lebensleib zum Lebensgeist anregt.» Dasjenige aber, was Sinnett in seinem Buch beschrieben hat, ist nicht das, was der Buddha gelehrt hat, sondern sind jene Lehren, die in den Geheimschulen als die Budhi zur Umwandlung des Lebensleibes in Lebensgeist figurieren. Sinnetts Irrtum ist also nichts anderes als ein orthografischer Fehler, er schreibt fälschlicherweise Budhi mit zwei d, es handelt sich aber nicht um Buddha und Buddhismus, sondern um die Umwandlung von Lebensleib in Lebensgeist. In der Geheimschulung lernt der Schüler auch noch in seinen physischen Leib hineinzuarbeiten. Der physische Leib des Menschen ist der dichteste und es ist daher am schwersten, in ihn hineinzuarbeiten. Weil er der niederste ist der vier Glieder der menschlichen Wesenheit, so gehört die höchste Kraft dazu, in ihn hineinzuarbeiten. Was weiß der Mensch von seinem physischen Leibe, von dem Gange der Verdauung, dem Blutumlauf, der Arbeit der Muskeln? Es ist nicht gemeint, was der Anatom am physischen Leibe feststellen kann, sondern dass man hineinschauen kann, wie die Nervenströme fließen, wie die Atmung und der Blutkreislauf verlaufen, dass es Licht wird in dem physischen Leibe. Wenn der Mensch mit Bewusstsein arbeitet an der Umgestaltung des physischen Leibes, so nennt man das, er hat Atman ausgebildet, wenn er Gewalt bekommt von seinem Ich aus über den physischen Leib. Nun gibt es eine gemeinschaftliche Lehre, die allen Religionsbekenntnissen zugrunde liegt. Alles dasjenige, was der Mensch noch nicht durch das Ich bearbeitet hat von seinem physischen, Äther- und Astralleib, fällt von dem Menschen ab, bleibt als Leichnam zurück. Aber das wird zum ewigen Wesenskern des Menschen, was das Ich von sich selbst aus in diese äußeren Hüllen, die wir physischen Leib, Ätherleib und Astralleib nennen, hineingearbeitet hat. Und nun erklärt die Geisteswissenschaft, dass es einen, von dem Ich aus gebildeten Wesenskern gibt, der ewig ist, der oft sich wiederverkörpern muss, und immer vollkommener werden wird, wenn der Mensch seinen normalen Gang durchmacht, bis er zu dem Standpunkte gekommen sein wird, wo er die niederen Leiber umgewandelt, vergöttlicht hat, sodass er wieder aufgenommen wird in den Schoß der Gottheit, wo die Seele einstmals in urfernen Zeiten hergekommen ist. Der Mensch besteht aus zwei Teilen, dem ewigen Wesenskern und dem vergänglichen Teil des Menschen. Es ist klar, dass er die Stufe der Vollkommenheit nicht gleich erreichen kann, dass er durch viele, viele Leben hindurchgehen muss. Was wir in früheren Leben gesät haben, das werden wir jetzt ernten; der Mensch wird immer wieder und wieder geboren, bis er auf der Höhe der Menschheit steht. Wir können vieles begreifen, wenn wir nicht bloß auf ein, sondern auf viele Erdenleben schauen, es macht uns erklärlich Not und Elend, Glück und Missgeschick, denn alles das ist in früheren Leben vorbereitet. Es sind nicht Schicksalsfügungen, sondern Folgen unserer eigenen Taten. So müssen wir Karma nicht nur auffassen in Bezug auf die Vergangenheit, sondern dabei auch in die Zukunft sehen. Dann wird uns Karma ein großer Trost, etwas, was uns arbeiten macht im Leben und uns Kraft und Trost für die Zukunft gibt. So wird Karma zum praktischen Lebensgesichtspunkt, zur moralischen Unterlage für unser Leben. So haben die Religionen gesprochen zu den Menschen, so von dem ewigen Wesenskern und dessen Wiederverkörperung.

[ 13 ] When we consider Buddhism, it is the religion tailored to the Indian people, and the one who brought this religion to the Indian people is called the Buddha, because he said: “I give you the budhi, which within me transforms the physical body into the spirit of life.” However, what Sinnett described in his book is not what the Buddha taught, but rather those teachings that appear in the secret schools as the budhi for the transformation of the life body into life spirit. Sinnett’s error, therefore, is nothing more than a spelling mistake; he mistakenly writes “Budhi” with two “d”s, but this has nothing to do with Buddha or Buddhism—rather, it concerns the transformation of the life body into life spirit. In the secret school, the student also learns to work into his physical body. The human physical body is the densest, and it is therefore the most difficult to work into. Because it is the lowest of the four members of the human being, the greatest power is required to work into it. What does a person know about their physical body—about the process of digestion, the circulation of blood, the workings of the muscles? This does not refer to what an anatomist can observe in the physical body, but rather to the ability to look within and see how the nerve currents flow, how respiration and blood circulation take place—so that light may shine within the physical body. When a person works consciously on the transformation of the physical body—that is to say, when he has developed the Atman—he gains control over the physical body through his ego. Now there is a common teaching that underlies all religious creeds. Everything in the physical, etheric, and astral bodies that a person has not yet processed through the “I” falls away from the person and remains behind as a corpse. But that which the “I” has worked into these outer sheaths—which we call the physical, etheric, and astral bodies—of its own accord becomes the eternal core of the human being. And now spiritual science explains that there is a core of being formed by the “I” that is eternal, that must often reincarnate, and will become ever more perfect as the human being follows his normal course, until he has reached the point where he has transformed and deified the lower bodies, so that he may be received once more into the bosom of the Deity, from whence the soul came in time immemorial. Human beings consist of two parts: the eternal core of being and the transitory part of the human being. It is clear that they cannot reach the stage of perfection immediately, but must pass through many, many lives. What we have sown in past lives, we will now reap; human beings are born again and again until they stand at the pinnacle of humanity. We can understand much if we look not merely at one, but at many earthly lives; this makes our hardships and misery, happiness and misfortune, understandable, for all of this was prepared in past lives. These are not twists of fate, but the consequences of our own actions. Thus, we must not only understand karma in relation to the past, but also look toward the future. Then karma becomes a great source of comfort to us—something that motivates us to work in life and gives us strength and solace for the future. In this way, karma becomes a practical perspective on life, the moral foundation for our existence. This is how the religions have spoken to humanity—about the eternal core of being and its reincarnation.

[ 14 ] Nun war dieser Gautama Buddha derjenige, welcher diese Lehre von der Reinkarnation und von Karma, wie wir sie jetzt entwickelt haben, am reinsten dargestellt hat. Wenn aber diese Lehre von jeher geherrscht haben würde, würde es die Menschheit niemals bis zur heutigen Kultur gebracht haben. Vergleichen wir die Zeit, wo diese Lehre der Menschheit mitgeteilt wurde, mit der heutigen. Der Arbeiter an der ägyptischen Pyramide hat sich gesagt, dieses mühevolle Leben ist ein Leben unter vielen, er hat aufgeschaut zur ewigen Göttlichkeit, aber dadurch den Zusammenhang mit dem Physischen verloren. Da sehen die Menschen auf den Geist, verlieren aber den Zusammenhang mit dem Irdischen, und niemals wäre möglich gewesen, was uns heute als Kultur umgibt. Der Mensch musste lieben lernen das eine Leben zwischen Geburt und Tod. Nur dadurch, dass der Christus Jesus als eine so gewaltige Persönlichkeit auftrat, war es möglich, dass der Mensch seine Persönlichkeit so entwickeln konnte, dass sie ihn mit dieser Welt so zusammengebracht hat. Niemals wäre ohne das Christentum diese Kultur gekommen. Die Lehre von der Reinkarnation ist von Christus Jesus auch gelehrt worden, aber esoterisch, in Gleichnissen. Nur den intimsten seiner Schüler sagte er: Eine Weile muss die Lehre von Karma und Reinkarnation geheim bleiben, aber die Zeit wird kommen, wo sie wieder verkündet werden muss vor allen Menschen. Diese Zeit ist heute gekommen. Und diese Weisheit will die Theosophie heute den Menschen bringen und deshalb ist die Theosophie keine Sekte, sondern das Instrument, die Dienerin, die zum Verständnis führt des höchsten geistigen Daseins; daher ist sie nichts Unwissenschaftliches, und gerade dadurch, dass die Theosophie den gemeinschaftlichen Wesenskern im Buddhismus und Christentum und allen andern großen Religionen zeigt, ist sie überhaupt keine Religionsgemeinschaft, sondern sie ist das Instrument zum Verständnis einer jeden Religion.

[ 14 ] Now, it was this Gautama Buddha who presented the doctrine of reincarnation and karma—as we have now developed it—in its purest form. But if this doctrine had prevailed from the very beginning, humanity would never have reached the level of culture it has today. Let us compare the time when this teaching was imparted to humanity with the present day. The laborer building the Egyptian pyramids told himself that this arduous life was just one among many; he looked up to eternal divinity but thereby lost his connection to the physical realm. In that case, people look to the spirit but lose their connection to the earthly realm, and what surrounds us today as culture would never have been possible. Humanity had to learn to love this one life between birth and death. Only because Christ Jesus appeared as such a powerful personality was it possible for humanity to develop its personality in such a way that it brought them into harmony with this world. Without Christianity, this culture would never have come into being. The doctrine of reincarnation was also taught by Christ Jesus, but esoterically, through parables. He told only his closest disciples: “For a time, the doctrine of karma and reincarnation must remain secret, but the time will come when it must be proclaimed again to all people.” That time has come today. And Theosophy seeks to bring this wisdom to people today; therefore, Theosophy is not a sect, but rather the instrument, the servant, that leads to an understanding of the highest spiritual existence; therefore, it is not unscientific, and precisely because Theosophy reveals the common essence at the heart of Buddhism, Christianity, and all other great religions, it is by no means a religious community, but rather the instrument for understanding every religion.