The Essence of Christianity
GA 68a
9 April 1907, Munich
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The Essence of Christianity, tr. SOL
29. Das Gleichnis Vom Ungerechten Haushalter — Evangelium Luke XVI, 1-18
29. The Parable of the Unjust Steward — Gospel of Luke 16:11-18
[ 1 ] Die Betrachtung der Gleichnisse und ihre Auslegung wird in gegenwärtiger Zeit nur zu leicht in das Fahrwasser der materiellen Weltanschauung gezogen; denn der Materialismus hat, wenn es auch nur von dem Einzelnen nicht so sehr gefühlt und zugegeben wird, unser ganzes Zeitalter, die ganze Denkungsweise in demselben ergriffen. Nicht nur die Naturwissenschaft — die Philosophie, auch die Theologie ist im gewissen Maße in Mitleidenschaft gezogen worden. Eine Art von Materialismus lässt sich gewissermaßen leicht heilen, das ist der theoretische, denn dieser führt logisch leicht ins Absurde. — Viel schwieriger gestaltet sich die Sache mit der materialistischen Vorstellungsart, welche zum Beispiel in Jesus nichts weiter sieht als einen selbstlosen, reinen Menschen und dann diese Gestalt so ganz ins Materialistische heruntergezogen hat.
[ 1 ] In the present day, the study and interpretation of the parables are all too easily drawn into the current of a materialistic worldview; for materialism—even if it is not so keenly felt or acknowledged by individuals—has taken hold of our entire age and the entire way of thinking within it. Not only the natural sciences—but also philosophy and, to a certain extent, theology have been affected. One kind of materialism can, in a sense, be easily remedied—namely, the theoretical kind—for this logically leads all too easily to the absurd. — The matter is far more difficult when it comes to the materialistic way of thinking, which, for example, sees in Jesus nothing more than a selfless, pure human being and has thus reduced this figure entirely to the material.
[ 2 ] Es gab Zeiten, in denen man sich die Gleichnisse nicht hoch genug auslegen konnte; in den ersten Jahrhunderten wurde von den Auslegern der Evangelien alles aufgewandt, um den Christus in Jesus zu bezeichnen; heute dagegen sehen wir, dass neuere Theologen keine Neigung haben, in Jesus etwas anderes zu sehen als eine idealisierte Person, die zwar etwas höher war als Goethe oder Schiller, aber nach ihrem Urteile in keinem Falle über die Menschheit so erheblich hinausragen darf. Jesus ist für diese modernen Theologen einfach der schlichte Mann aus Nazareth und ein solches Herunterdrängen der Person Jesu ist viel schlimmerer Materialismus als der theoretische.
[ 2 ] There were times when the parables could not be interpreted in a high enough light; in the early centuries, Gospel commentators did everything in their power to identify the Christ in Jesus; today, however, we see that modern theologians have no inclination to see in Jesus anything other than an idealized figure who, while somewhat greater than Goethe or Schiller, in their view must by no means be allowed to rise so significantly above humanity. For these modern theologians, Jesus is simply the humble man from Nazareth, and such a belittling of the person of Jesus is a far worse form of materialism than the theoretical kind.
[ 3 ] Solche Dinge wie die Gleichnisse darf man nicht herunterziehen ins allgemein Menschliche, sonst wird auf dem Gebiet religiöser Denkungsweise nur glatter Materialismus verbreitet. Das Heil kann nur daher kommen, dass in diesen Urkunden nicht schlichte Tatsachen, sondern weltumfassende Wahrheiten [enthalten sind], man muss tief auf diese Wahrheiten eingehen, um die richtigen Absichten daraus zu erkennen, und nicht darüber spintisieren.
[ 3 ] Things such as parables must not be reduced to the realm of general human experience; otherwise, nothing but crude materialism will spread in the realm of religious thought. Salvation can come only from the fact that these texts [contain] not mere facts but universal truths; one must delve deeply into these truths to discern their true intentions, rather than speculating about them.
[ 4 ] Wie hat man doch im Esoterischen zum Beispiel «das Vaterunser» betrachtet, wovon ich schon früher zu Ihnen sprechen konnte! Das Richtige kann nur der finden, der auf die okkulten Schulen zurückgreift.
[ 4 ] Just consider, for example, how “The Lord’s Prayer” has been viewed in esoteric circles—something I’ve spoken to you about before! Only those who draw upon the occult schools can find the truth.
[ 5 ] So wollen wir denn auch in Bezug auf unser heutiges Gleichnis aus diesen richtigen Quellen schöpfen: Es lautet:
[ 5 ] So let us also draw from these reliable sources when considering today’s parable: It reads:
[ 6 ] Er sprach aber auch zu seinen Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter, der ward vor ihm berüchtigt, als hätte er ihm seine Güter umgebracht, und er forderte ihn und sprach zu ihm: Wie höre ich das von dir? Tue Rechnung von deinem Haushalten, denn du kannst hinfort nicht mehr Haushalter sein. Der Haushalter sprach bei sich selbst: Was soll ich tun, mein Herr nimmt das Amt von mir; graben mag ich nicht, so schäme ich mich zu betteln. - Ich weiß wohl, was ich tun will, wenn ich nun von dem Amt gesetzt werde, dass sie mich in ihre Häuser nehmen. Und er rief zu sich alle Schuldner seines Herrn und sprach zu dem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er sprach: Hundert Tonnen Öls. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief, setze dich und schreibe flugs fünfzig. Darauf sprach er zu dem anderen: Du aber, wie viel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Malter Weizen, Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief und schreibe achtzig. - Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, dass er klüglich getan hätte; denn die Kinder dieser Welt sind klüger als die Kinder des Lichts in ihrem Geschlecht. - Und ich sage Euch: Macht Euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf dass, wenn Ihr nun darbet, sie Euch aufnehmen in die ewigen Hütten. Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Größten treu; und wer im Geringsten unrecht ist, der ist auch im Großen unrecht. So Ihr nun in dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer will Euch das Wahrhaftige vertrauen! Und so Ihr in dem Fremden nicht treu seid, wer wird Euch geben dasjenige, das Euer ist! Kein Knecht kann zweien Herren dienen; entweder er wird einen hassen und den anderen lieben, oder er wird einem anhangen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott samt dem Mammon dienen. Das alles hörten die Pharisäer auch, die waren geizig und spotteten seiner. Und er sprach zu ihnen: Ihr seid es, die Ihr Euch selbst rechtfertigt vor den Menschen, aber Gott kennt Eure Herzen, denn was hoch ist unter den Menschen, das ist ein Gräuel vor Gott. Das Gesetz und die Propheten weissagen bis auf Johannem, und von der Zeit an wird das Reich Gottes durch das Evangelium gepredigt und jedermann dringet mit Gewalt hinein, Es ist aber leichter, dass Himmel und Erde vergehen, denn dass ein Tüttel vom Gesetz falle. Wer sich scheidet von seinem Weibe und freiet eine andere, der bricht die Ehe und wer die Abgeschiedene von dem Manne freiet, der bricht auch die Ehe. (Lk 16,1-18)
[ 6 ] But he also said to his disciples: “There was a rich man who had a steward, and the steward gained a bad reputation before him for squandering his property. So he summoned him and said to him, ‘What is this I hear about you? Give an account of your stewardship, for you can no longer be my steward.’ The steward said to himself, ‘What shall I do? My master is taking this position away from me; I’m not cut out for manual labor, and I’m too ashamed to beg.’ ‘I know just what I’ll do so that, when I’m removed from this position, they’ll welcome me into their homes.’ So he summoned all his master’s debtors and asked the first one, ‘How much do you owe my master?’ He said, “A hundred metric tons of oil.” And he said to him, “Take your bill, sit down, and quickly write fifty.” Then he said to the other, “And you, how much do you owe?” He said, “A hundred bushels of wheat.” And he said to him, “Take your bill and write eighty.” - And the master commended the unjust steward, saying that he had acted shrewdly; for the children of this world are more shrewd in their own generation than the children of light. - And I say to you: Make friends for yourselves with unjust mammon, so that when you fail, they may receive you into the eternal dwellings. Whoever is faithful in the least is also faithful in much; and whoever is unfaithful in the least is also unfaithful in much. So if you are not faithful in the unrighteous mammon, who will entrust you with what is true? And if you are not faithful in what belongs to another, who will give you what is your own? No servant can serve two masters; either he will hate one and love the other, or he will be devoted to one and despise the other. You cannot serve both God and Mammon. The Pharisees, who were greedy, heard all this and mocked him. And he said to them, “It is you who justify yourselves before men, but God knows your hearts; for what is highly esteemed among men is an abomination in the sight of God. The Law and the Prophets prophesied up to John, and from that time on, the kingdom of God is preached through the Gospel, and everyone is forcing his way into it, But it is easier for heaven and earth to pass away than for one tittle of the Law to fall. Whoever divorces his wife and marries another commits adultery, and whoever marries a woman divorced from her husband also commits adultery.” (Luke 16:1–18)
[ 7 ] Zum wirklichen Verständnis dieses Gleichnisses ist es zunächst notwendig zu sehen, wo es steht; es steht bei dem Evangelisten Lukas. — Die scheinbare Verschiedenartigkeit der vier Evangelien ist darin begründet, dass deren Verfasser nicht durch ein und dieselbe Mysterienschule gegangen waren. So liegen zum Beispiel dem Johannesevangelium die griechischen Mysterienschulen zugrunde. Lukas dagegen hat geschöpft aus den tiefen Mysterien der Therapeuten und Essäer und daher hat das Lukasevangelium einen ganz anderen Erklärungston als etwa das des Johannes. Es darf in diesem Sinne nicht alles über einen Leisten geschlagen werden.
[ 7 ] To truly understand this parable, it is first necessary to see where it appears; it is found in the Gospel of Luke. — The apparent diversity of the four Gospels stems from the fact that their authors did not all pass through the same mystery school. For example, the Gospel of John is based on the Greek mystery schools. Luke, on the other hand, drew upon the profound mysteries of the Therapeuts and the Essenes, and therefore the Gospel of Luke has a completely different explanatory tone than, say, that of John. In this sense, one must not lump everything together.
[ 8 ] Das Lukasevangelium ist, wie gesagt, herausgeboren aus der Gesinnung der Therapeuten und Essäer, die darin bestand, den Menschen in seinem ganzen Streben hinzuweisen auf die Kräfte der eigenen Seele. Den Grundton dieses Evangeliums wird man erst hiermit in der richtigen Weise erfassen, wenn man den Satz dieser Essäer berücksichtigt: Ihr sollt Gedanken in euch zur Reife bringen, die sich der Armen, der Mühseligen, der Beladenen annehmen. Ein Evangelium der Armut ist das des Lukas und steht so aufs Innigste im Zusammenhang mit der Gesinnung der Therapeuten und Essäer.
[ 8 ] The Gospel of Luke, as mentioned, grew out of the philosophy of the Therapeuts and Essenes, which consisted in guiding people, in all their endeavors, toward the powers of their own souls. One can only truly grasp the fundamental tone of this Gospel by taking into account this statement of the Essenes: “You shall bring to maturity within yourselves thoughts that take care of the poor, the weary, and the burdened.” Luke’s Gospel is a Gospel of poverty and is thus most intimately connected with the mindset of the Therapeuts and Essenes.
[ 9 ] Von dieser edlen Bruderschaft wurde die Gleichheit aller Menschen vor Gott zuerst betont. Dem Leibe nur die allernötigste Nahrung gewährend, von größter Reinheit der Sitten, waren sie ihren Mitmenschen Ärzte des Leibes und der Seele; keiner durfte heilen um des Lohnes willen, ihr segensreiches Wirken erstreckte sich auf die Hütten der Armen wie auf die Paläste der Reichen. Wer die Verhältnisse dieser Zeit nicht kennt, weiß nicht, was für ein eminenter Fortschritt mit dem Auftreten dieses Ordens verbunden war, und dann verstehen wir erst, warum das Evangelium des Lukas gerade diesen besonderen Ton hat. Die Gegenüberstellung des Reichen und derer, die ihm schuldig sind, tritt zunächst in den Vordergrund, es handelt sich gar nicht darum, den reichen Mann irgendwie anzuklagen, sondern die Schuldner, die Armen sollen in das rechte Licht gestellt werden. Somit wird es gut sein, in dem reichen Manne nicht Gott, den unendlich reichen, erkennen zu wollen; denn von dem Manne ist einfach gesagt, dass er ein reicher ist. Ist aber auch seine Denkweise so, dass er die Menschen ausbeuten will, oder ist sie anders geartet, und wäre es nicht möglich, dass der Handlungsweise seines Haushalters ausschließlich die gute Absicht zugrunde lag, die Schulden der Armen zurückzuschrauben?
[ 9 ] This noble brotherhood was the first to emphasize the equality of all people before God. Providing their bodies with only the bare necessities and living with the utmost purity of morals, they served their fellow human beings as healers of both body and soul; no one was allowed to heal for the sake of reward; their benevolent work extended to the huts of the poor as well as to the palaces of the rich. Anyone unfamiliar with the conditions of that time does not know what an eminent advance was associated with the emergence of this order, and only then do we understand why the Gospel of Luke has precisely this particular tone. The contrast between the rich man and those who owe him money comes to the fore at first; the point is not at all to accuse the rich man in any way, but rather to present the debtors—the poor—in the proper light. Thus, it would be best not to try to recognize in the rich man God, who is infinitely rich; for it is simply stated that the man is a rich man. But is his mindset such that he wants to exploit people, or is it of a different nature? And might it not be possible that his steward’s actions were based solely on the good intention of reducing the debts of the poor?
[ 10 ] Der Haushalter hatte die Wirtschaft in Unordnung gebracht; nun muss er Rechenschaft ablegen und fürchtet, dass er entlassen wird und daher bemüht er sich um seine Versorgung. Er kann nicht arbeiten, mag nicht betteln, aber er will ein Unterkommen haben und das sucht er nun zu finden bei denen, welchen er Unrecht zugefügt hatte. Er selbst ist schuld daran, dass ihnen eine zu große Schuld aufgerechnet wurde, darum sagt er zu dem ersten: Du bist mir nicht mehr 100 Tonnen Öl schuldig, sondern 50, und zu dem anderen: Du bist mir nicht mehr 100 Malter Weizen schuldig, sondern 80, und damit sind die Schuldner befriedigt, er hat ihnen die drückende Last nach Kräften, das heißt nach Möglichkeit erleichtert. Was hat er also getan? Er hat den Reichtum seines Herrn benützt, um den Armen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, ihnen damit etwas Gutes zu tun.
[ 10 ] The steward had mismanaged the estate; now he must give an account and fears he will be dismissed, so he is trying to secure his future. He cannot work, does not want to beg, but he wants a place to stay, and he is now seeking it from those whom he had wronged. He himself is to blame for the fact that they were charged an excessive debt; therefore, he says to the first: “You no longer owe me 100 metric tons of oil, but 50,” and to the other: “You no longer owe me 100 malter of wheat, but 80,” and thus the debtors are satisfied; he has lightened their oppressive burden to the best of his ability—that is, as much as possible. So what did he do? He used his master’s wealth to do justice to the poor, thereby doing them a good deed.
[ 11 ] Darauf kommt es an. Nun wollen wir uns daran erinnern, dass der reiche Mann zu seinem Haushalter sagt: «Du hast klug gehandelt»; er will kein Ausbeuter sein, sondern denkt bei sich etwa: Jetzt gefällst du mir.
[ 11 ] That is the point. Now let us recall that the rich man says to his steward, “You have acted wisely”; he does not want to be an exploiter, but rather thinks to himself, “Now I am pleased with you.”
[ 12 ] Den Schriftgelehrten der damaligen Zeit war eine solche Gesinnung neu, nie hatte man bisher auf diese Art jemanden veranlasst, Gutes zu tun, es war damit etwas erreicht, was man bis dahin für unzulässig, ja sogar für unmöglich hielt. Die Schuldner, die Armen hätten keinen Ausweg aus ihrer fatalen Lage gefunden; sie sind hier bezeichnet als die Kinder des Lichts, das heißt als solche, die die Lehre der Weisheit annehmen, im Gegensatz zu den Kindern der Welt. Diese, die Pharisäer, sind geizig und handeln nur nach dem starren Buchstaben des Gesetzes, sie wollen den Armen nicht zu Hilfe kommen, der Haushalter dagegen war immer derjenige, der etwas für die Armen tat.
[ 12 ] Such an attitude was new to the scribes of that time; never before had anyone been prompted to do good in this way; thus, something had been achieved that had previously been considered impermissible, even impossible. The debtors, the poor, would have found no way out of their dire situation; here they are referred to as the children of light—that is, those who embrace the teaching of wisdom—in contrast to the children of the world. The latter, the Pharisees, are stingy and act only according to the rigid letter of the law; they do not want to come to the aid of the poor, whereas the steward was always the one who did something for the poor.
[ 13 ] Und nun können wir das Gleichnis auch anwenden auf eine höhere Wahrheit und stehen nicht an, Gott selbst als den reichen Mann zu bezeichnen, der wohl zwar von niemand mit einem Ausbeuter verglichen wird, dagegen mit seinem unerschöpflichen Reichtum stets gerne gibt und den Haushalter ganz besonders dafür lobt, dass er sich des göttlichen Reichtums bedient hat, um den Armen Gutes zu tun.
[ 13 ] And now we can apply this parable to a higher truth and do not hesitate to describe God Himself as the rich man—who, while certainly not compared by anyone to an exploiter, nevertheless, with His inexhaustible wealth, is always eager to give and praises the steward especially for having used His divine riches to do good for the poor.
[ 14 ] Das Gleichnis wird aber durch die nachfolgenden Worte Jesu auch zugleich zu einer universellen Wahrheit. Jesus sagt, das Gesetz und die Propheten weissagen bis auf Johannes. (Lk 16,16) Hierin liegt der Hinweis auf die höhere geistige Wahrheit; sie bezieht sich auf den großen Umschwung, der durch Christus Jesus eintrat. Vorher das starre Gesetz, an dessen Wortlaut sich die Menschen zwar peinlichst hielten, was aber nicht verhindern konnte, dass die Kluft zwischen den Wohlhabenden und den Armen immer größer wurde, dass sich die Gegensätze bis zu einer uns heute kaum mehr vorstellbaren Härte und Schärfe entwickelten. Dieser zur äußersten Spitze getriebene Zustand fand nun endlich seine Auflösung darin, dass Christus Jesus, obwohl er das Gesetz in voller Gültigkeit zu Recht bestehen ließ, den Sitz und das Wirken derselben in die Seelen der einzelnen Menschen verlegt.
[ 14 ] However, Jesus’ subsequent words also transform the parable into a universal truth. Jesus says that the Law and the Prophets prophesied up to John (Luke 16:16). Herein lies the reference to the higher spiritual truth; it refers to the great turning point brought about by Christ Jesus. Previously, there was the rigid Law, whose letter people adhered to scrupulously, yet this could not prevent the gap between the wealthy and the poor from growing ever wider, nor could it prevent the contrasts from developing to a degree of harshness and intensity that is scarcely imaginable to us today. This situation, driven to its extreme, finally found its resolution in the fact that Christ Jesus—although He rightly allowed the law to remain in full force—transferred its seat and its workings into the souls of individual human beings.
[ 15 ] Wie später noch zu ersehen ist, verliert hierdurch das Gesetz nicht nur keinen «Tüttel», sondern es verschärft und verfeinert sich dadurch in einer bislang ungeahnten und ungekannten Weise. Bei der ernsten und eindringlichen Mahnung, die Jesus an die sich selbst vor den Menschen rechtfertigenden Pharisäer richtet, zieht wohl auch das Gleichnis vom verlorenen Sohn an unserer Seele vorüber. Der Sohn, der immer zu Hause blieb, steht weniger hoch in der Gunst des Vaters als der «verlorene», der die Prüfung durchgemacht hat, der wieder ins Vaterland zurückgekehrt, wieder auferstanden war. Hier spricht sich so recht aus, was die Gnade bedeutet, die vom liebenden zum liebenden Herzen sich den Weg bahnt. Das Gesetz ist das Netz, das die Menschen zusammenfasste, die Gnade strömt in das Innere, sie wird das in der Seele lebendige Gesetz. Nicht umsonst sagt Jesus: «Ich bin des Gesetzes Erfüllung.» (Mt 5,17-18) Das Himmelreich lässt sich nicht forcieren, es kommt nicht mit äußeren Gebärden; der es mit der Gewalt seiner Seele zu erreichen versucht, nur der wird es finden, und zwar dadurch, dass Christus in ihm lebendig wird.
[ 15 ] As will become clear later, not only does the law lose nothing of its substance as a result, but it is actually strengthened and refined in a way that was previously unimagined and unknown. In the serious and urgent admonition that Jesus directs at the Pharisees—who justify themselves before others—the parable of the prodigal son also resonates deeply within our souls. The son who always remained at home is held in lower esteem by the father than the “lost” one, who endured the trial, returned to his father’s house, and was reborn. Here we see so clearly what grace means—grace that makes its way from a loving heart to another loving heart. The Law is the net that gathered people together; grace flows into the innermost being; it becomes the living Law within the soul. It is not for nothing that Jesus says, “I am the fulfillment of the Law.” (Mt 5:17–18) The Kingdom of Heaven cannot be forced; it does not come through outward gestures; only those who seek to attain it with the strength of their soul will find it—and they will do so because Christ comes alive within them.
[ 16 ] In den aufeinanderfolgenden Zeiten herrschen die verschiedensten Impulse in der Seele. Was ist also das Gesetz gegenüber der Gnade? Es ist dasjenige, welches nicht erst durch das Christentum eingetreten ist, sondern, was da war durch den Haushalter. Das Christentum war vor seinem Auftreten noch nicht die geeignete Religion für die Menschen, diese brauchten noch das Gesetz, sie brauchten noch Haushalter. —
[ 16 ] In successive eras, the most diverse impulses prevail in the soul. What, then, is the law in relation to grace? It is that which did not come into being only through Christianity, but which existed through the Steward. Before its advent, Christianity was not yet the appropriate religion for humankind; they still needed the law; they still needed stewards. —
[ 17 ] Dieser wird mit dem Wirken Christi an der Menschheit abgesetzt und muss Rechenschaft ablegen. Das Gesetz ist im Laufe der Zeiten ein ungerechtes geworden, wie alle für die Menschen zeitweise passenden Ordnungen. - Die Unterdrückung der Armen klingt immer wieder an im Lukasevangelium, an die Stelle dieser Denkungsart und Handlungsweise lehrt Christus eine neue Art. Jetzt verstehen wir, wenn es in diesem Evangelium heißt: «Das Gesetz und die Propheten weissagen bis auf Johannes; und von der Zeit an wird das Reich Gottes durch das Evangelium gepredigt, jedermann dringt mit Gewalt hinein.» (Lk 16,16)
[ 17 ] This is superseded by Christ’s work among humanity, and it must be held accountable. Over the course of time, the law has become unjust, just like all systems that are temporarily suitable for human beings. - The oppression of the poor is a recurring theme in the Gospel of Luke; in place of this way of thinking and acting, Christ teaches a new way. Now we understand what is meant in this Gospel when it says: “The Law and the Prophets prophesied until John; and from that time on, the Kingdom of God is preached through the Gospel, and everyone is forcing his way into it.” (Luke 16:16)
[ 18 ] Man darf eben bei der Auslegung der Gleichnisse nichts auslassen, erst so wird man den Zusammenhang gewinnen. Nun gehen wir noch einen Schritt weiter:
[ 18 ] When interpreting the parables, one must not leave anything out; only then can one grasp the context. Now let’s take it a step further:
[ 19 ] Das Gesetz hatte dazu geführt, die Armen zu bedrücken; diese, die Kinder des Lichts, vernahmen, dass etwas Neues kommen solle, dass sie Rechenschaft ablegen sollten. Sie können nun nichts anderes ins Feld führen als die innersten Gefühle ihres Herzens, wenn sie etwas zur Entschuldigung vorbringen wollen. Die Bedrücker vernahmen bisher nicht die Stimme der Caritas, doch jetzt versuchen sie den ungerechten Mammon zurückzugeben, es ist auch zu ihnen der unbestimmte Ruf nach einer neuen Zeit gedrungen, in der es nicht so weitergehen soll mit der Ungerechtigkeit, die Kinder der Welt können sich der Heuchelei nicht hingeben, die neuen äußeren und inneren Verhältnisse der Welt zwingen sie, sich anders wie bisher zu verhalten. Das alles rechtfertigt, dass Christus Jesus diesen Umschwung im Geist der Zeit für sich in Anspruch nehmen kann. Und ich sage auch Euch: «Machet Euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf dass, wenn Ihr nun darbet, sie Euch aufnehmen in die ewigen Hütten.» (Lk 16,9) Er kann sagen: Ihr seht es an diesem Haushalter, wie man sich der Armut gegenüber zu verhalten hat, und Ihr könnt Euch wirklich ein Beispiel daran nehmen, jedoch müsst Ihr dazu gedrängt werden durch die innersten Antriebe Eurer Seele; dann werdet Ihr für das, was Ihr braucht, bei eigener Bedürftigkeit wiederum Euer Genügen finden. —
[ 19 ] The law had led to the oppression of the poor; these people, the children of light, heard that something new was to come, that they would have to give an account. They can now offer nothing else but the innermost feelings of their hearts when they wish to present a defense. The oppressors have not yet heard the voice of charity, but now they are trying to return the unjust mammon; the vague call for a new era has reached them as well—an era in which injustice must not continue as before. The children of the world cannot give in to hypocrisy; the new external and internal conditions of the world compel them to behave differently than before. All of this justifies Christ Jesus’ claiming this turning point in the spirit of the times as his own. And I say to you as well: “Make friends for yourselves with unrighteous wealth, so that when you fail, they may welcome you into the eternal dwellings.” (Luke 16:9) He can say: You see from this steward how one should behave toward poverty, and you can truly take this as an example; however, you must be driven to do so by the innermost impulses of your soul; then, in your own time of need, you will again find contentment in what you have. —
[ 20 ] In dem alten Geschlecht waren die Kinder der Welt klüger als die Kinder des Lichts, das wird später wieder umgekehrt. Ihr müsst nicht glauben, dass es nur dienlich sein kann, sich eng an die starren Buchstaben des Gesetzes zu halten, die Kinder der Welt haben im Allgemeinen immer gesprochen von Gerechtigkeit, sich aber nicht im Geringsten in Wirklichkeit darnach gehalten. An dem, wie nun der Haushalter handelte, können wir beobachten, wie das Gesetz in seinem tiefsten inneren Sinne hätte angewendet werden sollen.
[ 20 ] In the ancient lineage, the children of the world were wiser than the children of light; later, this will be reversed. You must not believe that it can only be beneficial to adhere strictly to the rigid letter of the law; the children of the world have generally always spoken of justice, but have not in the least abided by it in reality. From the way the steward acted, we can see how the law should have been applied in its deepest, innermost sense.
[ 21 ] «So Ihr nun in dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer will Euch das Wahrhaftige anvertrauen? Und so Ihr in dem Fremden nicht treu seid, wer wird Euch geben, was Euer ist?» (Lk 16,11-12) Diese Worte deuten hin auf die Ablösung der alten durch eine neue Zeit, es wird eine neue soziale Ordnung eingeleitet, in der jedem das Seine gegeben werden soll. Und nun wird nochmals zusammengefasst, worauf es ankommt: «Machet Ernst.» Dort die alte Gesinnung mit ihrer Härte nach dem Buchstaben des Gesetzes, hier die neue Gesinnung, die nichts anderes kennt, als einzugehen auf die Bedürfnisse des anderen, indem sie in diesem eine gleichberechtigte Wesenheit anerkennt, gleichzeitig getragen von dem Bewusstsein, Gott damit zu dienen.
[ 21 ] “If you are not faithful in handling this unrighteous mammon, who will entrust you with what is truly valuable? And if you are not faithful in handling what belongs to others, who will give you what is yours?” (Luke 16:11–12) These words point to the replacement of the old era with a new one; a new social order is being ushered in, in which each person is to receive what is rightfully theirs. And now the essential point is summarized once more: “Take this seriously.” On the one hand, the old mindset with its strict adherence to the letter of the law; on the other, the new mindset, which knows nothing other than responding to the needs of others by recognizing them as beings of equal worth, while at the same time being guided by the awareness that this is how one serves God.
[ 22 ] «Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon» (Lk 16,13); Mammon ist die Bezeichnung für die Götter der Hindernisse, während Christus und die Weisheit vorwärtsbringt. Mammon ist der Ausdruck für alles, was der Mensch für den engen Kreis seines «Ichs» erraffen will; doch hat dies nur sekundäre Bedeutung. Diese verkörperte Selbstsucht zeigt uns das Evangelium in Judas Ischarioth, der dazu beiträgt, dass Christus zum Tode geführt werden kann.
[ 22 ] “You cannot serve both God and Mammon” (Luke 16:13); Mammon is the name for the gods of obstacles, whereas Christ and Wisdom lead us forward. Mammon is the term for everything that a person seeks to grasp for the narrow circle of his “self”; yet this has only secondary significance. The Gospel shows us this embodied selfishness in Judas Iscariot, who contributes to Christ’s being led to his death.
[ 23 ] «Alte Zeit - Neue Zeit.» Es ist nun begreiflich, dass die Pharisäer spotteten, von denen es heißt: «Sie waren geizig.» (Lk 16,14) Die Übersetzung ist nicht ganz richtig, es hieße besser: «Sie hatten mammonische Gesinnung.» Deshalb spricht Christus Jesus: «aber Gott kennt die Herzen», und darauf wird’s ankommen, denn was hoch ist unter den Menschen, das ist ein Gräuel vor Gott; nur wahre geistige Macht bestimmt die wirkliche Rangordnung. — Nicht gegen das Gesetz ist die Caritas, sondern als Impuls zur vollsten Erfüllung des Gesetzes aus dem freien Antrieb der eigenen Seele. Zur Zeit Christi war der Zeitpunkt eingetreten, wo Caritas erscheinen musste, bevor die Herzen der Menschen sich ganz und gar verhärteten. — Weiter aber sagt Christus Jesus: «Es ist leichter, dass Himmel und Erde vergehen, als dass ein Tüttel am Gesetz falle» (Lk 16,17); «wer sich scheidet von seinem Weibe und freiet eine andere, der bricht die Ehe, und wer die Abgeschiedene vom Manne freiet, der bricht auch die Ehe.» (Lk 16,18) - Wenn wir nun im Kapitel V bei Matthäus nachsehen, so finden wir, dass dort von Jesus gesagt wird, dass die wahre Ehe weder gebrochen noch geschieden werden darf (Mt 5,30-31). Wir Anwesenden kennen die Auffassung der Ehe nur nach dem Gesetz, dazu bildet natürlich die ganz neue Auffassung Jesu, die den Schwerpunkt des ehelichen Lebens so ganz und gar aufs Innere in die Seele verlegt, den denkbar größten Gegensatz. Solche Worte mussten wohl den meisten unverständlich erscheinen, weil die Herzen verhärtet waren, wie dies Jesus des Öfteren in seinen Reden betonte. Statt von des Gesetzes Form gebunden, sind hier die Verhältnisse in die Kraft der innersten Impulse gefasst. Es müssen darum durch die Verwirklichung der Lehren Jesu die herrlichsten Verhältnisse aus dem Herzen entspringen. Auch in der analogen Stelle bei Markus (Mk 10,2-10) wird von der Ehe und der Scheidungsmöglichkeit und den Folgen gesprochen, aber das ganze eheliche Verhältnis ist in Wirklichkeit ein derartig zartes, dass es nicht auf einen anderen übergehen kann. Die Lehren, die das Gleichnis ausdrückt, weisen auf den Umschwung hin, der durch Christus Jesus herbeigeführt wird. — Nachdem wir das Evangelium in dieser Art betrachtet haben, dürfen wir auch den reichen Mann mit dem Weltenregierer vergleichen, der aus seiner unerschöpflichen Fülle stets gerne gibt und diejenigen lobt, welche sich dieses Reichtums bedienen, um anderen Gutes zu tun. Sie sehen, das Gleichnis ist ganz aus dem Geiste des Lukasevangeliums geschrieben und so will es auch beachtet sein, sonst würde man es nicht verstehen. - Wenn man einzelne Teile des Evangeliums studiert, so ist es — wie schon zu Anfang erwähnt — stets nötig, zu berücksichtigen, welcher Evangelist sie schrieb, jeder ist aus einer anderen Schule hervorgegangen.
[ 23 ] “Old Times—New Times.” It is now understandable that the Pharisees mocked—of whom it is said, “They were greedy.” (Luke 16:14) The translation is not entirely accurate; it would be better to say: “They had a mammon-centered mindset.” That is why Christ Jesus says: “But God knows the hearts,” and that is what will matter, for what is exalted among men is an abomination before God; only true spiritual power determines the real hierarchy. — Charity is not contrary to the law, but rather an impulse toward the fullest fulfillment of the law, arising from the free impulse of one’s own soul. In Christ’s time, the moment had come when charity had to appear, before people’s hearts became completely hardened. — But Christ Jesus goes on to say: “It is easier for heaven and earth to pass away than for one stroke of a letter of the Law to fail” (Luke 16:17); “Whoever divorces his wife and marries another commits adultery, and whoever marries a woman divorced from her husband also commits adultery.” (Luke 16:18)—If we now look at Chapter 5 of Matthew, we find that Jesus says there that true marriage must neither be broken nor dissolved (Matthew 5:30–31). We who are present here know marriage only according to the law; naturally, Jesus’ entirely new conception—which shifts the focus of married life so completely inward, to the soul—forms the greatest possible contrast to this. Such words must surely have seemed incomprehensible to most, because their hearts were hardened, as Jesus often emphasized in his discourses. Instead of being bound by the form of the law, relationships here are shaped by the power of the innermost impulses. Therefore, by putting Jesus’ teachings into practice, the most wonderful relationships must spring from the heart. The analogous passage in Mark (Mark 10:2–10) also speaks of marriage, the possibility of divorce, and its consequences, but the entire marital relationship is in reality so delicate that it cannot be transferred to another. The teachings expressed in the parable point to the transformation brought about by Jesus Christ. — Having considered the Gospel in this way, we may also compare the rich man to the Ruler of the World, who, from his inexhaustible abundance, always gives gladly and praises those who use this wealth to do good for others. You see, the parable is written entirely in the spirit of the Gospel of Luke, and it must be understood in that light; otherwise, it would not be comprehended. - When studying individual passages of the Gospel, it is—as mentioned at the beginning—always necessary to consider which evangelist wrote them, for each came from a different school.
[ 24 ] Es wird jetzt kaum mehr viel übrig bleiben, von diesem Gleichnis zu erklären. Die Theosophie ist stets ein klarer Leitfaden für solche Betrachtungen. Nicht grübeln und spintisieren sollen wir, sondern die Weisheit aus diesen Worten selbst herausholen, dann werden wir finden, was dem Scharfsinn der liberalen Theologen verborgen bleibt und laufen gleichzeitig nicht Gefahr, in die Lehren der materiellen Phantastiker gezogen zu werden, die trotz ihrer neuen Lehre über die Wirbel der Atome dem Wesenskern der Erscheinungen auf ihre Art nicht näher kommen können.
[ 24 ] There is now hardly anything left to explain about this parable. Theosophy is always a clear guide for such reflections. We should not brood or speculate, but rather draw wisdom from these words themselves; then we will find what remains hidden from the acumen of liberal theologians, while at the same time avoiding the danger of being drawn into the teachings of materialistic fantasists, who, despite their new doctrine about the vortices of atoms, cannot in their own way come any closer to the essence of phenomena.
[ 25 ] Zurzeit hat es ja allerdings den Anschein, als wäre die Menschheit geleitet von rein materiellen Profanen, die nichts anderes gelten lassen, als was man mit den leiblichen Sinnen wahrnehmen kann. Dem Fortschritt der Menschheit nützt auch nicht das Festhalten an Phrasen über Harmonie und allgemeine Bruderschaft. - Wenn ich zum Ofen sage, er soll warm sein, so verbreitet er deswegen noch keine Wärme, man muss ihn eben heizen, dann erst wird er warm werden und andere erwärmen. So nützen auch Ermahnungen zur Brüderlichkeit nichts, man muss den Menschen Weisheit geben, dann entwickelt sich die Bruderschaft von selbst.
[ 25 ] At present, however, it certainly seems as though humanity is led by purely materialistic, worldly people who accept nothing other than what can be perceived by the physical senses. Clinging to platitudes about harmony and universal brotherhood does nothing to advance humanity. - If I tell a stove to be warm, it does not automatically give off heat; one must first stoke it, and only then will it become warm and warm others. Likewise, exhortations to brotherhood are of no use; one must give people wisdom, and then brotherhood will develop on its own.
