The Essence of Christianity
GA 68a
23 May 1907, Munich
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The Essence of Christianity, tr. SOL
31. Bibel und Weisheit I
31. The Bible and Wisdom I
[ 1 ] Der große deutsche Philosoph Johann Gottlieb Fichte sagte einmal in einer seiner begeisternden «Reden an die deutsche Nation» bedeutungsvolle Worte über das Zusammenwirken zweier Schichten der Bevölkerung. Er sprach davon, dass das geistige Leben einer Nation nur dann ein unmittelbar regsames sein könne, wenn ein volles Verständnis da sei zwischen der Art und Weise, wie sich die an der Spitze dieses geistigen Lebens stehenden Führer auszusprechen pflegen, und der Vorstellungsart, den Empfindungen und Gefühlen derer, die empfangen, die in ihren Herzen, in ihrer Seele hinhorchen sollen auf dasjenige, was die Führer des Volkes zu sagen haben. Und Fichte nannte diejenigen Nationen in Bezug auf ihr geistiges Leben mehr oder weniger tote Nationen, in denen eine Schichte von gelehrter Bildung, eine Schichte von höherem Geistesleben eine solche Sprache und solches Gedankenleben führt, welche nicht einen lebendigen vollen Wiederhall unmittelbar finden in denjenigen, die da hören sollen auf die Stimmen der Führer, auf die Stimmen derjenigen, die etwas zu verkünden haben über die höchsten Fragen des Daseins, über die Rätsel und die Weltengeheimnisse, die verborgen sind in unserem Dasein.
[ 1 ] The great German philosopher Johann Gottlieb Fichte once spoke meaningful words about the interaction between two segments of the population in one of his inspiring “Addresses to the German Nation.” He spoke of how a nation’s intellectual life can only be truly vibrant if there is a full understanding between the way in which the leaders at the forefront of this intellectual life express themselves, and the way of thinking, the sensibilities, and the feelings of those who receive it—those who are meant to listen in their hearts and souls to what the leaders of the people have to say. And Fichte called those nations—in terms of their intellectual life—more or less dead nations in which a class of the educated, a class of higher intellectual life, employs a language and a mode of thought that do not find an immediate, living, and full resonance in those who are supposed to listen to the voices of the leaders—to the voices of those who have something to proclaim about the highest questions of existence, about the riddles and the secrets of the world that are hidden in our existence.
[ 2 ] Was dazumal der Philosoph und Redner sagte in Bezug auf eine Nation, das können wir auch auf andere Formen des geistigen Lebens anwenden, ja, wir sehen es in einer gewissen Weise immer mehr und mehr bestätigt in dem, was wir erleben auf dem Gebiete des religiösen Zusammenlebens zwischen denen, die da zuhören sollen, denen, die da Sehnsucht und Bedürfnis haben, etwas zu empfangen, und den Führern auf diesem Gebiete des geistigen Lebens, auf dem Gebiete des religiösen Lebens.
[ 2 ] What the philosopher and orator said back then about a nation, we can also apply to other forms of intellectual life; indeed, in a certain sense, we see it increasingly confirmed in what we experience in the realm of religious coexistence—between those who are meant to listen, those who have a longing and a need to receive something, and the leaders in this realm of spiritual life, in the realm of religious life.
[ 3 ] Wenn wir die letzten Jahrzehnte, vielleicht das ganze Jahrhundert etwas genauer daraufhin betrachten, auf diese Tatsachen hin überschauen, so sehen wir, wie denjenigen Urkunden gegenüber, welche eigentlich seit Jahrtausenden die geistige Nahrung bildeten für weite, weite Kreise unserer Bevölkerung, wie gegenüber diesen religiösen Urkunden eine Gelehrsamkeit sich geltend macht, die nicht mehr unmittelbar verstanden wird von den weitesten Kreisen der Bevölkerung, von denen, die da gehört werden sollen. Wir sehen, wie diejenigen, welche in dieser Beziehung Gelehrte, Führer, Lehrer sind, Verschiedenes zu sagen haben über die religiösen Urkunden des Christentums und das, was damit zusammenhängt, Verschiedenes zu sagen haben, was eine tiefe Kluft gezogen hat zwischen dieser Gelehrsamkeit und den unmittelbaren religiösen Bedürfnissen weiter, weiter Volkskreise: Die beiden Schichten verstehen sich nicht mehr recht. Wenn man die Sache mit unbefangenen Blicken betrachtet, so merkt man das sehr, sehr bald.
[ 3 ] If we take a closer look at the past few decades— perhaps the entire century a little more closely and take stock of these facts, we see how, in contrast to those sacred texts that have in fact provided spiritual nourishment for vast, vast segments of our population for millennia—in contrast to these religious texts—a form of scholarship is asserting itself that is no longer immediately understood by the broadest segments of the population, by those for whom it is intended. We see how those who are scholars, leaders, and teachers in this regard have various things to say about the religious texts of Christianity and related matters—various things that have created a deep chasm between this scholarship and the immediate religious needs of broader and broader segments of the population: the two groups no longer really understand one another. If one looks at the matter with an unbiased eye, one notices this very, very quickly.
[ 4 ] Die Theologen und auch andere gelehrte Kreise, die sich wissenschaftlich oder populär mit der Bibel befassen, mit jener Urkunde, die für unser Volksleben die allerwichtigste ist, sie sind geführt worden durch ihre Forschungen zu einer Art und Weise der Auffassung dessen, was diese Urkunden sind, welchen Wert und Ursprung sie haben, und des Inhaltes derselben, zu einer Art und Weise der Auffassung, sodass das, was sie zu sagen haben, nicht mehr einen lebendigen Widerhall findet, nicht mehr das lebendige Leben entzünden kann bei denen, in den Herzen derer, die da zuhören sollen.
[ 4 ] Theologians and other scholarly circles that engage with the Bible—whether in an academic or popular context—with that document that is of the utmost importance to our national life, have been led by their research to a certain way of understanding what these texts are, what value and origin they have, and what their content is—a way of understanding such that what they have to say no longer finds a living echo, can no longer kindle living life in the hearts of those who are meant to listen.
[ 5 ] Wenn wir solche populäre Schriften über diese Dinge in die Hand nehmen, durch die wir uns unterrichten sollen, Bücher, die in tausend und abertausend Exemplaren hinausdringen in das Volk, wenn wir diese uns ansehen und uns fragen: Ist diese Gelehrsamkeit eine solche, dass das, was da von ihr gesprochen wird und durch tausend und abertausend Kanäle hinausdringt in das Volk, ist das so, dass es die tiefsten religiösen Bedürfnisse des Menschen befriedigen kann, dass der einfache Mensch, der vor allen Dingen in den religiösen Urkunden nach geistiger Nahrung sucht, nach etwas, was ihm die höchsten Fragen des Dasein, die Rätsel des Weltlebens löst, ist das, was hier geboten wird so, dass dieser Mensch das finden kann, was er sucht?
[ 5 ] When we pick up such popular writings on these matters—from which we are supposed to learn, books that are distributed to the people in thousands upon thousands of copies—when we look at them and ask ourselves: Is this scholarship of such a nature that what is spoken of there—and which reaches the people through thousands upon thousands of channels—is it such that it can satisfy humanity’s deepest religious needs, so that the ordinary person, who seeks spiritual nourishment above all in religious texts, seeks something that resolves the highest questions of existence, the mysteries of worldly life—is what is offered here such that this person can find what he is seeking?
[ 6 ] Wenn wir die Tatsachen, die uns da vorliegen, unbefangen betrachten, so müssen wir sagen: Wenig, wenig ist von wirklicher, wirklich tiefer religiöser Empfindung in unserer theologischen Gelehrsamkeit und wenig, wenig ist geeignet von dem, was an Ideen, an Forschungsresultaten über unsere religiösen Urkunden aus dieser Gelehrsamkeit herauskommt, an uns herantritt, wenig ist davon geeignet, hineinzudringen in das Herz, das Gemüt zu erheben und zu entfalten. Wir brauchen uns nur ein wenig umzusehen, und das wird sich bestätigen.
[ 6 ] If we examine the facts before us with an open mind, we must say: Very little, very little of genuine, truly profound religious feeling exists in our theological scholarship, and very little, very little of what emerges from this scholarship—in the form of ideas and research findings on our religious documents—resonates with us; very little of it is capable of penetrating the heart, lifting the spirit, and bringing it to full expression. We need only look around a little, and this will be confirmed.
[ 7 ] Sehen wir uns einmal, was sich seit 100 Jahren in dieser Richtung herausgebildet hat, sehen wir es uns einmal übersichtlich an: Die Zeit ist vorüber, in welcher das Alte und das Neue Testament galten als Bücher, in denen wirklich und wahrhaftig einstmals gottbegeisterte Persönlichkeiten unter höherer Eingebung die Rätselfragen des Daseins, so wie man sie gelöst braucht für das religiöse Gemüt, gelöst haben. Lange, lange Jahrhunderte hindurch waren sie da, diese Zeiten, wo die weitesten Kreise der Bevölkerung so hinhorchten auf die Worte der Heiligen Schrift, als wenn hier die höchsten Wahrheiten verkündet würden, dann, wenn sie das empfingen - zwar ja nicht direkt, sondern indirekt durch den Mund der Priester und Weisen, was die religiösen Urkunden bieten, dass sie dann hinhorchten so, als ob sie überzeugt wären, dass ihnen dann, wenn ihnen der Inhalt verkündet wurde, die höchsten Wahrheiten über die unserem alltäglichen sinnlichen Leben zugrunde liegenden geistig-göttlichen Wirklichkeiten gegeben werden. Eine Zeit war das, wo die Menschen überzeugt waren, dass die Bibel kein gewöhnliches Buch ist, sondern ausgegangen ist von jener Wesenheit selbst, die auch alle die Erscheinungen, die uns umgeben, hervorgebracht hat. Von der Bibel sprach man als von einem inspirierten Buche, und man empfand es so als ein Buch, dessen Worte heraustönten aus geistigen Welten selber, dessen Worte daher verkündeten die ewigen Weisheiten, die die Menschheit braucht auf ihrem Pfade der Entwicklung im Verlauf der Weltevolution. Man wagte nicht in diesen alten Zeiten, daran zu denken, irgendwie Kritik anzulegen an dieses Buch. Das eben ist ein Ergebnis einer Arbeit, welche die Forscher seit 100 Jahren geleistet haben, dass der Inhalt dieses Buches gestellt worden ist unter den Gesichtspunkt der Kritik. Man hat nicht mehr jene Scheu sich bewahrt, dieses Buch hinzunehmen wie es geboten ist, man hat sich gefragt: Stimmen die einzelnen Teile miteinander überein, stehen sie nicht in Widerspruch mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen anderer Forschungsgebiete? Sind sie so, dass man daran denken könne, es sei von Anfang bis zu Ende ein inspiriertes Buch? Die Antwort auf diese Fragen gibt den Grund für eine kritische Arbeit, die seit 100 Jahren geleistet worden ist von der Wissenschaft unserer Zeit. Und was ist dabei zutage getreten? Es ist nicht notwendig für unseren Zweck — der darinnen liegt, dass wir heute das Verhältnis der eigentlichen Weisheit zur Bibel betrachten wollen —, dass wir über die Bibelkritik sprechen; nur über den Geist dieser Bibelkritik wollen wir ein paar Worte in dieser Einleitung geben.
[ 7 ] Let’s take a look at what has developed in this area over the past 100 years; let’s examine it clearly: The time has passed when the Old and New Testaments were regarded as books in which truly and genuinely God-inspired individuals, under divine inspiration, once solved the enigmatic questions of existence—as they needed to be solved for the religious mind. For many, many centuries, there were times when the broadest segments of the population listened to the words of Holy Scripture as if the highest truths were being proclaimed—even when they received them —admittedly not directly, but indirectly through the mouths of priests and sages, as the religious texts provide—they listened as if convinced that, when the content was proclaimed to them, they were being given the highest truths about the spiritual-divine realities underlying our everyday sensory life. There was a time when people were convinced that the Bible is no ordinary book, but originated from that very Being who also brought forth all the phenomena that surround us. The Bible was spoken of as an inspired book, and it was thus perceived as a book whose words resounded from the spiritual worlds themselves, whose words therefore proclaimed the eternal wisdom that humanity needs on its path of development throughout the course of world evolution. In those ancient times, no one dared to think of subjecting this book to any kind of criticism. It is precisely the result of work carried out by researchers over the past 100 years that the content of this book has been subjected to critical scrutiny. People no longer retain that reverence that led them to accept this book as it is presented; instead, they have asked themselves: Do the individual parts agree with one another, or do they contradict scientific findings from other fields of research? Are they such that one might consider it an inspired book from beginning to end? The answer to these questions provides the basis for the critical work that has been carried out over the past 100 years by the scholarship of our time. And what has come to light in the process? It is not necessary for our purpose—which is to examine today the relationship between true wisdom and the Bible—that we discuss biblical criticism; we wish only to say a few words in this introduction about the spirit of this biblical criticism.
[ 8 ] Man hat zum Beispiel — ich kann nur kurz und summarisch berühren, auf was es da ankommt —, man hat da zum Beispiel gesehen, dass in den ersten Teilen des Alten Testamentes sich eine Eigentümlichkeit findet: zwei Arten, in denen die göttliche Urwesenheit der Welt benannt wird. Das hat man bemerkt, dass die göttliche Urwesenheit in gewissen Partien als Jahve bezeichnet wird, in andern Partien in einer Art von Plural, Mehrzahl: die Elohim.
[ 8 ] For example—and I can only touch on this briefly and in general terms—it has been observed that in the early parts of the Old Testament there is a peculiarity: two ways in which the divine primordial being of the world is named. It has been noted that in certain passages the divine primordial being is referred to as Yahweh, while in other passages it is referred to in a kind of plural form: the Elohim.
[ 9 ] Und noch eine andere Beobachtung hat man gemacht, die auf irgendetwas hinzudeuten schien: dass gleich im Anfang des Alten Testamentes, wie man glaubt, eine Tatsache: die Schöpfung des Menschen, zweimal erzählt wird. Die Schöpfung wird erzählt im Siebentagewerk, und dabei wird erzählt, wie zuletzt am sechsten Tage der Mensch, als die Krone der Schöpfung, wie es heißt, «männlich-weiblich» (1 Mos 1,27) entstanden sei. Merkwürdigerweise, sagt man nun, wird noch einmal diese Schöpfung des Menschen, und zwar des männlichweiblichen Menschen erzählt! Nun wird die Sache zwar so hingestellt, als ob der Mensch schon dagewesen wäre, wie wenn noch nicht um ihn herum Tiere geschaffen wären, kurz: Die kritische Forschung sagt, es wird eben dieselbe Tatsache ein zweites Mal erzählt.
[ 9 ] Another observation was made that seemed to point to something: that right at the beginning of the Old Testament, as is believed, a fact—the creation of humankind—is recounted twice. The creation is recounted as a seven-day process, and in this account it is told how, finally, on the sixth day, humankind—as the crown of creation, as it is said—“male and female” (Genesis 1:27) came into being. Strangely enough, it is now said, this creation of humankind—specifically, of male and female humankind—is recounted once again! Now, the matter is presented as if humankind had already existed, as if animals had not yet been created around them; in short: Critical scholarship maintains that the very same event is recounted a second time.
[ 10 ] Man fand ferner viele Stellen in den nach Moses benannten Schriften von denen man nicht glauben konnte, und auch Beweise dafür zu haben glaubte, dass sie im Sinne der alten Meinung von dem großen inspirierten Moses selbst herrührten, so zum Beispiel, wenn gesprochen wird über das Land Kanaan, sodass man sah: Es konnte in dieser alten Zeit, in der Moses lebte, nicht so gesprochen werden von diesem Land, sondern erst in einer späteren Zeit. Dann untersuchte man den Stil, in dem da gesprochen wird und fand, dass die einzelnen Teile in der Ausdrucksweise einen großen Unterschied zeigen; man fand sie einmal mehr volkstümlich, das andere Mal mehr priesterhaft gelehrt.
[ 10 ] Furthermore, many passages were found in the writings named after Moses that were difficult to believe, and for which one also believed there was evidence that they originated from the great, inspired Moses himself, in accordance with the ancient view—for example, when speaking of the land of Canaan, so that one saw: It was not possible to speak of this land in this way during the ancient times in which Moses lived, but only at a later time. Then one examined the style in which it is written and found that the individual parts show a great difference in expression; at times they were more colloquial, at other times more priestly and scholarly.
[ 11 ] Vieles, vieles müsste ich Ihnen noch erzählen, um Ihnen genau den Geist und Sinn dieser Bibelforschung auseinanderzusetzen. Wir brauchen das nicht, wir müssen uns nur klarmachen, dass unter dem Eindrucke einer solchen kritischen Forschung die Gelehrten darauf kamen zu sagen: Ein einheitlicher Sinn, ein einheitlicher Verfasser kann diese so verschiedenen, zusammengestückelten Teile, die wir die einzelnen Bücher der Bibel nennen, nicht verfasst haben. So kam man dazu, sich zu sagen: Diese verschiedensten Teile sind zu den verschieden[st]en Zeiten entstanden, haben sich auf die verschiedenste Weise unter dem Volke gebildet und sind dann gesammelt worden. Namentlich unterschied man zwei Teile: einen ersten Teil und einen zweiten, davon deutlich verschiedenen Teil. Jeder dieser Teile sollte seinen besonderen Aufschreiber haben. Den Ersteren, den nannte man den Jahvisten. Und man schrieb diesem Jahvisten alles das zu, was mehr ursprünglichere, von volkstümlicher Kraft durchtränkte Partien schienen. So schrieb man dieser Quelle alles das zu, was in dem Stile ist wie die Paradieseserzählung, wo Adam in das Paradies hineingeführt wird und aus seinem eigenen Stoffe heraus die Eva geschaffen wird.
[ 11 ] There is still so much, so much I would need to tell you in order to fully explain the spirit and meaning of this biblical research. We don’t need to do that; we just need to realize that, under the influence of such critical research, scholars came to conclude: A single meaning or a single author could not have produced these highly diverse, pieced-together parts that we call the individual books of the Bible. Thus, people came to conclude: These highly diverse parts originated at the most varied times, took shape among the people in the most varied ways, and were then compiled. Specifically, two parts were distinguished: a first part and a second part, clearly distinct from the first. Each of these parts was thought to have its own specific scribe. The former was called the Yahwist. And everything that seemed to be more original and imbued with folk power was attributed to this Yahwist. Thus, everything written in the style of the Paradise narrative—where Adam is led into Paradise and Eve is created from his own substance—was attributed to this source.
[ 12 ] Alles das schrieb man einer Quelle zu. Dagegen alles dasjenige, was einem mehr wie eine Spekulation vorkam, das schrieb man einer andern Quelle zu. Man nannte diese Quelle das sogenannte Priesterbuch, das soll allein die mehr gelehrtenhaften, priesterhaften Teile enthalten, die einen mehr spekulativen Charakter trugen, wie das Sechs- oder Siebentagewerk. So ist man nach und nach dazu gekommen, dass man diese Stiluntersuchungen, Quelluntersuchungen bis auf einzelne kleinste Teile, ja, man möchte sagen, Fetzen ausgedehnt hat und auf die verschiedenen Ursprünge zurückgeführt hat.
[ 12 ] All of this was attributed to one source. In contrast, everything that seemed more like speculation was attributed to another source. This source was called the so-called “Priestly Source,” which is said to contain only the more scholarly, priestly sections that had a more speculative character, such as the account of the six- or seven-day creation. Thus, little by little, these stylistic and source analyses came to be extended to even the smallest individual parts—one might even say scraps—and traced back to their various origins.
[ 13 ] Ja, es gibt heute Bibelübersetzungen, die sogenannten Regenbogenbibeln, in denen die einzelnen Teile, die aus verschiedenen Quellen herstammen sollen, mit verschiedenen Farben gedruckt sind. Oft sieht man hier in einer solchen Bibel sogar mitten in einer Zeile, mitten im Satze zum Beispiel, die Farbe unterbrochen und eine andere Farbe auftreten, das heißt also, dass dieser Satz als von verschiedenen Quellen herrührend betrachtet wird. Die Teile, die vorzugsweise dem Jahvisten zugeschrieben werden, sollen nun zu Davids Zeiten, die andern nach dem babylonischen Exil entstanden sein. So erschien allmählich das Alte Testament als eine Sammlung, als etwas, das zusammengetragen ist im Laufe langer Zeit, und bei der Art, wie man sich das vorstellt, ging so notwendigerweise das verloren, was in der alten Größe und Bedeutung als religiöse Empfindung sich angliederte an das, was man als Offenbarung durch Jahrhunderte, ja Jahrtausende hindurch in der Bibel gefunden hatte.
[ 13 ] Yes, there are Bible translations today—the so-called “Rainbow Bibles”—in which the individual sections, which are said to come from different sources, are printed in different colors. Often, in such a Bible, you’ll even see the color interrupted—for example, in the middle of a line or in the middle of a sentence—and another color appear; this means that this sentence is considered to have come from different sources. The parts primarily attributed to the Yahwist are said to have been written during David’s time, while the others are said to have been written after the Babylonian Exile. Thus, the Old Testament gradually came to be seen as a collection—something compiled over the course of a long period of time—and, given this way of thinking, what was lost was necessarily that which, in its ancient grandeur and significance as a religious sentiment, was linked to what had been found in the Bible as revelation over the course of centuries, indeed millennia.
[ 14 ] So betrachtet müssen wir sagen, dass die Stellung weitester Kreise zur Bibel sich mehr verändert hat, als man gegenwärtig gewöhnlich eigentlich sich zugestehen will.
[ 14 ] Viewed in this light, we must say that the attitude of the broadest circles toward the Bible has changed more than people are generally willing to admit at present.
[ 15 ] Mehr als diejenigen, die noch eine tiefe religiöse Inbrunst haben, sich klarmachen, ist diese Kluft vorhanden zwischen denjenigen, die sagen sollen, was es mit der Bibel eigentlich für eine Bewandtnis hat, und denjenigen, die glauben sollen. Und derjenige, der unbefangen hineinzuschauen vermag in diese Verhältnisse, der unbefangen die geistigen Strömungen unserer Zeit überblickt, der sieht, dass eine Zeit nicht mehr fern ist, wo diese Kluft zwischen theologischer Gelehrsamkeit und warmem religiösen Volksempfinden nicht mehr überbrückbar sein wird, wenn es in dieser Art weitergeht, wenn nichts sich ändert.
[ 15 ] This divide exists—more than even those who still possess deep religious fervor realize—between those who are supposed to explain what the Bible is really all about and those who are supposed to believe. And anyone who is able to look impartially at these circumstances, who surveys the spiritual currents of our time with an open mind, will see that a time is not far off when this gulf between theological scholarship and the warm religious sentiment of the people will no longer be bridgeable if things continue in this manner, if nothing changes.
[ 16 ] Das religiöse Leben in der alten Weise ist bei diesen Verhältnissen nicht mehr möglich, und da kann man, wenn man nur nicht die Augen verschließen will, die Zeit voraussehen, wo die Bibelkritik — trotz aller Einwände derer, die diese Tatsachen verhüllen wollen -, wo diese Bibelkritik tötend wirken muss auf das religiöse Leben, die Kluft unüberbrückbar machen wird, wenn nicht eine andere geistige Strömung der Sache eine ganz andere Wendung, Richtung gibt, die einen solchen Wechsel hervorbringt. Diese geistige Strömung kann nur eine Strömung sein, wie sie sich heute seit einigen Jahrzehnten als theosophische Weisheit bezeichnet.
[ 16 ] Religious life in the old way is no longer possible under these circumstances, and anyone who is willing to keep their eyes open can foresee the time when biblical criticism —despite all the objections of those who wish to conceal these facts—will have a devastating effect on religious life and render the divide unbridgeable, unless another spiritual current gives the matter a completely different turn and direction, bringing about such a change. This spiritual current can only be one such as has been known for several decades now as Theosophical Wisdom.
[ 17 ] Wir haben hier — in München — im Laufe dieses Winters über die mannigfaltigsten Gebiete gesprochen; heute und morgen wollen wir das Verhältnis dieser theosophischen Geistesrichtung zu der Auffassung dieser für unser Kulturleben so bedeutungsvollen religiösen Urkunde, der Bibel, betrachten.
[ 17 ] Here—in Munich—we have discussed a wide variety of topics over the course of this winter; today and tomorrow we will examine the relationship between this theosophical school of thought and the interpretation of the Bible, that religious text which is so significant for our cultural life.
[ 18 ] Es ist eine ganz eigenartige Weise, in der sich diese theosophische Art der Weltbetrachtung zur Bibel stellen muss. Nicht irgendetwas, was herausfällt aus dem notwendigen geschichtlichen Gang unseres neuzeitlichen Geisteslebens, ist und darf unsere Auffassung von der Bibel sein, sondern etwas, was ganz im Programm unseres neuzeitlichen Geisteslebens liegt.
[ 18 ] This theosophical worldview takes a very peculiar stance toward the Bible. Our understanding of the Bible is not—and must not be—something that falls outside the necessary historical course of our modern intellectual life, but rather something that lies entirely within the framework of our modern intellectual life.
[ 19 ] Theosophie will sein eine Erneuerung, eine Wiederherstellung einer unmittelbaren direkten Erkenntnis der geistigen Welten. Es ist die feste Überzeugung aller derjenigen, welche ihr Leben durchdrungen haben von dieser theosophischen Geistesrichtung, dass hinter der Welt, die unsere Sinne sehen, eine geistige Welt steht, eine Welt geistiger Wesenheiten. Es ist weiter die feste Überzeugung dieser selben Geistesrichtung, dass diese geistige Welt nicht etwas für die Menschen Unzugängliches und Unerforschbares ist, sondern etwas, was der Mensch erforschen, was der Mensch erkennen kann. Gerade unter dem Einfluss der materialistischen Geistesrichtung der letzten Zeit ist in unser Erkenntnisstreben etwas hineingekommen wie Kleinmut, wie Hoffnungslosigkeit: Man hat niemals in der Weltentwicklung so viel gesprochen von Grenzen des Erkennens wie eigentlich in unserer Zeit, wenn geredet wird von dem eigentlichen Warum des Daseins, von den eigentlich schaffenden und wirkenden Wesenheiten, die hinter der Sinneswelt stehen. Da sagt heute der Mensch leicht: Dafür reichen unsere Erkenntniskräfte nicht aus, das können wir nicht erforschen.
[ 19 ] Theosophy aims to be a renewal, a restoration of an immediate, direct knowledge of the spiritual worlds. It is the firm conviction of all those whose lives have been permeated by this theosophical school of thought that behind the world perceived by our senses lies a spiritual world, a world of spiritual beings. It is further the firm conviction of this same spiritual movement that this spiritual world is not something inaccessible and unfathomable to human beings, but rather something that human beings can explore and come to know. Precisely under the influence of the materialistic mindset of recent times, a sense of timidity and hopelessness has crept into our quest for knowledge: Never in the history of human development has there been so much talk of the limits of knowledge as there is in our time, especially when discussing the very reason for existence and the truly creative and active beings that lie behind the sensory world. Today, people are quick to say: “Our powers of cognition are not sufficient for this; we cannot investigate it.”
[ 20 ] Unsere Geistesrichtung aber, Geisteswissenschaft, sagt: Wir glauben ganz ehrlich und mit allen Konsequenzen an Entwicklung; nicht nur alles Übrige in der Welt, sondern auch der Mensch entwickelt sich, und so, wie er heute vor uns steht, ist seine Entwicklung nicht abgeschlossen, er kann in jedem Augenblick diese Entwicklung, besonders aber die geistige Entwicklung, fortsetzen. In ihm schlummern Kräfte, die hervorgeholt werden können aus seiner Seele, um dann zu höherem Erkennen tätig zu werden.
[ 20 ] Our school of thought, however—Spiritual Science—says: We believe wholeheartedly and without reservation in evolution; not only does everything else in the world evolve, but human beings do as well, and as they stand before us today, their evolution is not complete; they can continue this evolution—especially their spiritual evolution—at any moment. Within him lie dormant powers that can be drawn forth from his soul to then become active in the pursuit of higher knowledge.
[ 21 ] Denjenigen, die von Grenzen des Erkennens sprechen, sagt die Geisteswissenschaft: Gewiss, ihr habt recht, ganz recht, wenn ihr sagt, mit denjenigen Erkenntniskräften, von denen ihr redet, sei nicht der Urgrund des Daseins zu erforschen - wenn ihr nur von diesen Kräften sprecht, so habt ihr vollständig recht; aber wir, wir sprechen auf geisteswissenschaftlichem Gebiet nicht von diesen Kräften, sondern von Kräften, die der Mensch zwar nicht von vornherein hat, die aber jeder, jeder haben kann, wenn er sie sich nicht selbst verschließt dadurch, dass er sagt: Ich will nicht weiter. Der Mensch lebt in dieser Welt, die mit Farbe und Ton ihn umgibt. Durch seine Sinne und mit seinem auf die Sinneswelt beschränkten Verstand erlangt er darin Erkenntnisse. Ebenso umgeben ihn auch die höheren Welten: Für sie aber hat er noch keine Organe in sich zur Tätigkeit gebracht; er lebt in diesen höheren Welten wie der Blinde in der physischen Welt der Farben und des Lichtes. Aber der Mensch kann auch in dieser höheren Welt leben als ein Sehender.
[ 21 ] To those who speak of the limits of knowledge, spiritual science says: Certainly, you are right, quite right, when you say that the source of existence cannot be explored with the powers of cognition of which you speak—if you speak only of these powers, you are entirely correct; but we, in the realm of spiritual science, do not speak of these powers, but rather of powers that, while not inherent in human beings from the outset, can be developed by anyone—and indeed, by everyone—provided they do not shut themselves off from them by saying, “I do not want to go any further.” Human beings live in this world, which surrounds them with color and sound. Through his senses and with his intellect, which is limited to the sensory world, he gains insights into it. Likewise, the higher worlds also surround him; but he has not yet activated the organs within himself to perceive them; he lives in these higher worlds like a blind person in the physical world of colors and light. But a person can also live in this higher world as one who sees.
[ 22 ] So wie der Blindgeborene, wenn er operiert wird, eintritt in eine Welt, die ihm vorher unbekannt war, während sie doch immer um ihn gewesen ist, so tritt derjenige, dem das geistige Auge geöffnet, dem die geistigen Sinne erschlossen werden, hinein in eine neue Welt, die ihn auch vorher schon umgeben hat, die er nur nicht wahrnehmen konnte, weil er die Organe dafür noch nicht sich geöffnet hat. Nur derjenige, der nicht logisch denken will, der kann die Möglichkeit einer solchen höheren Welt bestreiten. Zu entscheiden, wie es darin aussieht in dieser Welt, dazu ist nur derjenige berufen, der selbst hineinschauen kann.
[ 22 ] Just as a person born blind, when he undergoes surgery, enters a world that was previously unknown to him—even though it has always been around him—so too does the one whose spiritual eye has been opened, whose spiritual senses have been awakened, enter a new world that has also surrounded him all along, but which he could not perceive because he had not yet opened the faculties necessary for it. Only those who refuse to think logically can deny the possibility of such a higher world. Only those who can look into it themselves are qualified to determine what that world is like.
[ 23 ] Nun, was stellt sich in Bezug auf die religiösen Urkunden für diese Geisteswissenschaft heraus? Etwas, was für den, der wirklich auf die Sache eingeht, ein Quell ist immer neuer und neuer Befriedigung und Erhebung. Bevor wir das nun aber näher besprechen, wollen wir noch auf etwas anderes eingehen.
[ 23 ] Now, what do the religious texts reveal about this spiritual science? Something that, for those who truly delve into the matter, is a source of ever-renewed satisfaction and inspiration. But before we discuss this in more detail, let us turn to something else.
[ 24 ] Es gibt vier Arten in unserer Zeit, sich zu den religiösen Urkunden zu verhalten. Diese vier Arten kann man erleben, wenn man als ein Mensch, der in unsere Zeit hineingeboren ist, alles aufsucht, was einem Befriedigung zu geben imstande zu sein scheint. Nehmen wir an, ein Mensch werde geboren, durch Schule und Familie hineingeführt dann in ein mehr oder weniger naives religiöses Leben, sodass er zunächst die Vorstellungen der Bibel empfängt in naiver Weise, wie der naiv Gläubige sie eben empfängt. Er glaubt eine Zeit lang daran. Dann kommt für ihn vielleicht in unserer Gegenwart die Zeit, wo er — wie man sagt, wie viele Menschen sagen - gescheit wird, wo er ein «aufgeklärter» Mensch wird, da kommt er dann ab von seinem alten Kinderglauben!
[ 24 ] In our time, there are four ways of relating to religious texts. One can experience these four ways when, as a person born into our time, one seeks out everything that seems capable of providing satisfaction. Let us suppose a person is born and, through school and family, is then guided into a more or less naive religious life, so that at first he accepts the ideas of the Bible in a naive way, just as the naive believer does. He believes in them for a time. Then, perhaps in our present day, the time comes when—as they say, as many people say—he becomes “wise,” when he becomes an “enlightened” person, and he then turns away from his old, childlike faith!
[ 25 ] Was ich jetzt sage, ist nicht Spott, sondern gemeint als ein wirklich tragisches Erlebnis vieler, vieler unserer Zeitgenossen. Sie kommen dazu, sich zu sagen: Betrachte ich die moderne Naturwissenschaft mit ihren unwiderleglichen Ergebnissen, die so vielem widersprechen von dem, was mir gelehrt wurde, und was ich gläubig hingenommen habe, so kann ich nicht anders, ich muss ihn aufgeben, meinen schönen Kinderglauben. -Tragisch wird es oft für solche Menschen, sich zu trennen von solchem Glauben; viele hängen mit ganzem Herzen an ihrem alten Glauben, doch ihr Wahrheitsgefühl der Naturwissenschaft gegenüber trennt sie davon. Sie werden dann «aufgeklärte Menschen», sie versuchen, zufrieden zu sein mit dem, was ihnen die rein äußere Naturwissenschaft zur Verfügung stellt. Das sind die «gescheiten Leute», unter denen oft manche mit einem gewissen Hochmut und auch etwas Spott heruntersehen auf die naiven Gläubigen.
[ 25 ] What I am about to say is not meant as mockery, but as a truly tragic experience shared by many, many of our contemporaries. They find themselves saying: When I consider modern science with its irrefutable findings—which contradict so much of what I was taught and what I accepted with faith—I have no choice; I must give it up, my beautiful childhood faith. —It is often tragic for such people to part with that faith; many cling with all their hearts to their old faith, yet their sense of truth regarding modern science separates them from it. They then become “enlightened people”; they try to be content with what purely external modern science makes available to them. These are the “smart people,” among whom many often look down on the naive believers with a certain arrogance and even some derision.
[ 26 ] Merkwürdigerweise hat sich nun innerhalb dieser Kreise, die sich so ganz von der Bibel losgesagt hatten, innerhalb der Freidenkerschaft selbst eine Gruppe herausgebildet, die darauf kam, dass diese religiösen Urkunden doch nicht bloß naiven Kinderglauben enthalten. Sie sagen sich: Zwar sind das nicht Tatsachen, was uns hier erzählt wird, aber es sind Sinnbilder, Symbole für Entwicklungsvorgänge — meinetwegen für die innere Entwicklung —, und da deutet nun der eine diese Dinge so, der andere auf eine andere Weise und so weiter. Gerade innerhalb der sogenannten Freidenkerschaft hat sich in der letzten Zeit eine Gruppe gebildet, die die sinnbildliche Auslegung der Bibel sich zur Aufgabe gemacht hat. Wenn man die Arbeit dieser Gruppe betrachtet, muss man sagen, dass man vieles Schöne, Geistvolle geliefert findet von ihr, sie haben über manche Mythe und Legende in ausgezeichneter Weise gedacht. Aber hier herrscht die ärgste Willkür. Alles ist abhängig von der Geistesbeschaffenheit des Auslegers. Der eine denkt mehr, der andere weniger hinein in die Dinge, die er erklären will. Was ein jeder weiß und einzusehen vermag, das ist eben verschieden. Zu diesen Standpunkten kommen manche; manche können sich aber auch den Weg abkürzen, indem sie das eine oder andere davon auslassen.
[ 26 ] Strangely enough, a group has now emerged within these circles—which had so completely broken away from the Bible—within the freethinking movement itself, which has come to realize that these religious texts do not merely contain naive, childlike beliefs. They say to themselves: Although what is told to us here are not facts, they are allegories, symbols of developmental processes—for inner development, if you will—and so one person interprets these things one way, another in a different way, and so on. Precisely within the so-called freethinking movement, a group has recently formed that has made the allegorical interpretation of the Bible its mission. When one considers the work of this group, one must say that it has produced much that is beautiful and profound; they have reflected on many myths and legends in an excellent manner. But here the worst kind of arbitrariness prevails. Everything depends on the interpreter’s state of mind. One person thinks more deeply, another less so, about the things they seek to explain. What each person knows and is able to comprehend simply varies. Some arrive at these points of view; others, however, can take a shortcut by omitting one or the other.
[ 27 ] Endlich, nach dem Durchgang durch solche Vorstufen, kommen manche dahin, wirklich mithilfe der Geisteswissenschaft in die religiösen Urkunden einzudringen, und da merken sie etwas Eigentümliches. Da merken sie immer mehr, dass das, was in der Bibel steht, wiederum wörtlich, wahrhaft wörtlich zu nehmen ist. Wie ein neues Licht, wie eine Offenbarung geht es ihnen auf, und auf einer höheren Stufe kommen sie wiederum zurück, den Wert und die Bedeutung dieser religiösen Urkunden zu erkennen. Das ist ein Erlebnis, das gewiss viele gerade durch die Theosophie durchgemacht haben. Ausgegangen von einem ernsten Erkenntnisstreben, sind sie dazu gekommen, alles, alles über Bord zu werfen, über die einzelnen Zwischenstufen hinweg, geführt von diesem Wahrheitsstreben, sind sie nach kürzerer oder längerer Zeit zur Theosophie gekommen, und durch sie sind die religiösen Urkunden ihnen wieder wert geworden, und was diese ihnen einstmals gegeben haben, das haben sie wieder zurückgewonnen! Je tiefer man eindringt in den Sinn dieses wunderbaren Buches, desto mehr erkennt man, dass alles, alles sich so verhält, wie es uns dort erzählt wird, und dass gerade die Stellen, die vielleicht unseren Unglauben, unsere Kritik und unseren Spott am meisten herausgefordert haben, die tiefsten geistigen Wahrheiten uns offenbaren können.
[ 27 ] Finally, after passing through these preliminary stages, some people come to truly penetrate the religious texts with the help of spiritual science, and there they notice something peculiar. They increasingly realize that what is written in the Bible must, in turn, be taken literally—truly literally. It dawns on them like a new light, like a revelation, and on a higher level they come to recognize once again the value and significance of these religious texts. This is an experience that many have certainly undergone precisely through theosophy. Starting from a serious quest for knowledge, they have come to cast everything—everything—aside; moving beyond the individual intermediate stages, guided by this quest for truth, they have, after a shorter or longer period of time, arrived at Theosophy, and through it the religious texts have regained their value for them, and what these once gave them, they have regained! The deeper one delves into the meaning of this marvelous book, the more one realizes that everything, absolutely everything, is exactly as it is described there, and that it is precisely those passages that may have most provoked our disbelief, our criticism, and our mockery that can reveal to us the deepest spiritual truths.
[ 28 ] Auch von einer andern Seite her soll Ihnen noch charakterisiert werden die Stellung der Geisteswissenschaft zur Bibel und andern religiösen Urkunden. Scehen Sie, dasjenige, was die Theosophie sein kann gegenüber der Bibel, das hat sich auf einem andern Gebiete des Geisteslebens längst vollzogen, auf dem Gebiete der Naturwissenschaften, um deren Stellung gegenüber einer anderen großen Urkunde festzulegen. Was sich seit Kopernikus und Galilei für die äußere Naturerkenntnis vollzogen hat, das vollzieht sich in neuerer Zeit für das religiöse Erkennen und in Bezug auf die religiösen Urkunden durch die Geisteswissenschaft, durch die Theosophie.
[ 28 ] The relationship of spiritual science to the Bible and other religious texts will also be described from another perspective. You see, what theosophy can be in relation to the Bible has long since taken place in another realm of spiritual life—the realm of the natural sciences—in order to define its position in relation to another great text. What has taken place since Copernicus and Galileo in the realm of external scientific knowledge is now taking place in more recent times in the realm of religious knowledge and with regard to religious texts through spiritual science, through theosophy.
[ 29 ] Ich möchte Ihnen eine Tatsache erzählen, die Ihnen das deutlicher machen wird: Das ganze Mittelalter hindurch galt auf allen Schulen in Bezug auf die äußere Naturerkenntnis als unumstößliche Tatsache das, was Aristoteles geleistet hatte; er war für seine Zeit ein bedeutender Naturforscher und Sammler naturwissenschaftlicher Erkenntnisse gewesen. Auch wirklich erstaunlich ist es, was er zusammengetragen hat an Erkenntnissen über die Natur in seinen Schriften. Das war da, das hatte man als Bücher, und diese waren jener Zeit dogmatische Urkunden über die Natur. Das ganze Mittelalter hindurch lehrte man nach diesen Büchern; was er über Sterne, Pflanzen, Tiere und Menschen gesagt hatte, was sie enthielten als eine neue Offenbarung, das galt als das eigentlich Maßgebende. Dann kamen Galilei, Kopernikus, Kepler und ihr großer Anführer Giordano Bruno; eine ganz neue Stellung gegenüber der Naturerkenntnis griff Platz. Diese Leute richteten den Blick auf die Natur selbst; sie fragten nicht mehr: Was hat Aristoteles gesagt über dieses oder jenes Organ des Menschen vielleicht — sondern sie prüften selbst alles, sie sahen mit ihren Instrumenten und Methoden die Naturobjekte selbst an; mit eigenen Augen wollten sie sehen, und das galt ihnen nur als das für sie Maßgebende, was sie selbst gefunden hatten, und nicht mehr das, was Aristoteles gesagt hatte.
[ 29 ] I would like to share a fact with you that will make this clearer: Throughout the entire Middle Ages, Aristotle’s contributions were regarded as an irrefutable fact in all schools with regard to the study of the external natural world; he had been a significant naturalist and collector of scientific knowledge for his time. It is truly astonishing what he compiled in his writings regarding knowledge of nature. It was there; it existed in the form of books, and these were, for that time, dogmatic texts on nature. Throughout the entire Middle Ages, people taught from these books; what he had said about stars, plants, animals, and humans—what they contained as a new revelation—was regarded as the definitive authority. Then came Galileo, Copernicus, Kepler, and their great leader Giordano Bruno; a completely new approach to the study of nature took hold. These people turned their gaze to nature itself; they no longer asked, “What did Aristotle say about this or that human organ, perhaps?”—but instead they examined everything themselves; they observed natural objects directly with their own instruments and methods; they wanted to see with their own eyes, and for them, the only thing that was authoritative was what they themselves had discovered, and no longer what Aristotle had said.
[ 30 ] Mit wie großen Schwierigkeiten sie da aber dem alten Aristoteles-Glauben gegenüber zu kämpfen hatten, wie fest dieser gewurzelt war, möge eine kleine Erzählung zeigen. Galilei hatte durch eingehende Studien am menschlichen Körper verschiedenes gefunden, was sich mit Aristoteles nicht in Einklang bringen ließ. Interessant ist es nun, was ein alter Aristoteliker, ein Freund Galileis, in dieser Beziehung diesem einmal gesagt hat. Er wurde eingeladen von Galilei und geführt von ihm an einen Menschenorganismus, und ihm gezeigt, dass eine Behauptung des Aristoteles sich als unrichtig herausstellte, wenn man die Sache selbst am menschlichen Leibe beobachtete. Galilei wollte seinem Freunde klarlegen, dass die wahre Quelle der Wissenschaft über die Natur die unmittelbare Erkenntnis der Natur selbst sei. Dieser Freund nun, er schaute sich an, was Galilei ihm zeigte, und musste wohl oder übel zugeben, dass Galilei augenscheinlich recht habe, aber er schwor weiter auf die Behauptung des Aristoteles, wie nur irgendein orthodoxer Theologe heute auf die Bibel schwören kann: Es ist wahr, sagte er, die Tatsachen sind hier so, aber Aristoteles sagte das anders, und ich glaube Aristoteles mehr als meinen Augen. So stark wirkt die Tradition, so stark wirken Vorurteile auf den Menschen.
[ 30 ] A brief story may illustrate just how great the difficulties they faced in challenging the old Aristotelian beliefs and how deeply rooted those beliefs were. Through his thorough studies of the human body, Galileo had discovered various things that could not be reconciled with Aristotle’s teachings. It is interesting to note what an old Aristotelian, a friend of Galileo’s, once said to him in this regard. He was invited by Galileo and guided by him to examine a human body, where he was shown that one of Aristotle’s assertions proved to be incorrect when observed directly in the human body. Galileo wanted to make it clear to his friend that the true source of scientific knowledge about nature is the direct observation of nature itself. This friend, however, looked at what Galileo was showing him and, willy-nilly, had to admit that Galileo was evidently right, yet he continued to swear by Aristotle’s assertion, just as any orthodox theologian today might swear by the Bible: “It is true,” he said, “the facts are as you describe, but Aristotle said otherwise, and I believe Aristotle more than my own eyes.” That is how powerful tradition is, how powerful prejudices are in shaping human thought.
[ 31 ] Aber heute sehen wir etwas anderes, und wir müssen sagen: So ändern sich die Zeiten; an die Stelle jener Vorurteile ist eine andere Tatsache getreten. Wir sind heute durchdrungen von der Gesinnung, unmittelbar an die Natur selbst herantreten zu müssen, wenn wir zu einer richtigen Erkenntnis kommen wollen. Wir sind uns klar darüber, dass nicht alte Überlieferungen für uns maßgebend sein können, sondern unsere aufgrund eigener Anschauungen gewonnenen Urteile und Erkenntnisse. Zugleich aber lernen wir durch die Naturwissenschaft mehr und mehr erkennen, dass die Leute damals den Aristoteles noch gar nicht begriffen, sondern ihn vielmehr ganz falsch verstanden hatten. Heute sind wir so weit, machen wir die erstaunliche Erfahrung, zu erkennen, dass Aristoteles doch das Richtige meinte, wenn wir ihn nur richtig verstehen. So ist uns dadurch, dass wir den Durchgang gewonnen haben durch die unmittelbare Erkenntnis der Tatsachen der Natur, erst die Möglichkeit geworden, die Überlieferung wiederum in ihrem wahren Werte, in ihrer wahren Bedeutung zu erkennen.
[ 31 ] But today we see something different, and we must say: Times have changed; those prejudices have been replaced by a different reality. Today we are imbued with the conviction that we must approach nature itself directly if we are to arrive at true knowledge. We are well aware that it is not ancient traditions that can serve as our guide, but rather the judgments and insights we have gained based on our own observations. At the same time, however, through the natural sciences we are coming to realize more and more that the people of that time did not understand Aristotle at all, but rather had misunderstood him entirely. Today we have reached the point where we are making the astonishing discovery that Aristotle was right after all—if only we understand him correctly. Thus, it is precisely because we have gained access through the direct knowledge of the facts of nature that we have now been able to recognize the true value and meaning of the traditional teachings.
[ 32 ] Da, wo damals die Naturwissenschaft stand, steht heute die Geisteswissenschaft der Bibel gegenüber. Durch diejenige Strömung, die die Geisteswissenschaft heute den Menschen bringt, stellt sich der Mensch der geistigen Welt gegenüber so, wie sich damals zu Galileis Zeit der sinnliche Mensch der äußeren, realen Natur gegenübergestellt hat. Wie es seit jener Zeit Forscher gibt, die mit ihren Methoden und Instrumenten direkt an die sinnlichen Tatsachen der Natur herangehen, so wird es immer mehr und mehr Forscher geben, die direkt hineinschauen in die geistigen Welten und das unmittelbar erkennen, was in der Bibel erzählt wird. Seit einer langen Zeit bereitet sich das vor. Für die Naturwissenschaft ist es erreicht, für die Geisteswissenschaft muss es erreicht werden.
[ 32 ] Where natural science stood back then, spiritual science now stands in relation to the Bible. Through the current that spiritual science brings to people today, human beings face the spiritual world in the same way that, in Galileo’s time, the sensually oriented person faced external, real nature. Just as there have been researchers since that time who, with their methods and instruments, approach the sensory facts of nature directly, so there will be more and more researchers who look directly into the spiritual worlds and immediately recognize what is recounted in the Bible. This has been in the making for a long time. For natural science, this has been achieved; for spiritual science, it must yet be achieved.
[ 33 ] Die Deutschen haben eine Sage, die in ihrer Bedeutung darauf hindeuten will: Die Faust-Sage. Faust — von ihm heißt es, er hat eine Zeit lang die Bibel hinter die Bank gelegt, er will kein Theolog mehr sein, sondern ein Weltmensch und Mediziner, weil er die Bibel eine Zeit lang hinter die Bank gelegt. Er wollte herantreten an die Geheimnisse der Natur in unmittelbarer Art, unmittelbare Weisheit wollte er erlangen.
[ 33 ] The Germans have a legend whose significance points to this: the Faust legend. Faust—it is said of him that for a time he set the Bible aside; he no longer wanted to be a theologian, but rather a man of the world and a physician, because he had set the Bible aside for a time. He wanted to approach the mysteries of nature directly; he wanted to attain direct wisdom.
[ 34 ] So sucht die Geistesweisheit nicht in der Bibel nach dem Inhalte und den Erkenntnissen der geistigen Welt, sondern unabhängig von jeder Überlieferung sucht sie die Tatsachen-Inhalte der geistigen Welt zu erforschen und geht an die Urkunden heran mit dem, was sie schon hat, um die Urkunden in ihren Erkenntnissen zu prüfen. Soll ich Ihnen diese Stellung charakterisieren, so möchte ich es mit einem Beispiel tun. Das, was heute jeder Schulknabe lernt in der Geometrie, das ist einstmals schon von alten Forschern gefunden worden. Man nennt das, was heute der Schulknabe lernt, Euklid’sche Geometrie, nach jenem großen griechischen Forscher, dem wir das älteste Werk über diese Dinge verdanken. Ist nun jeder Schulknabe angewiesen darauf, das erste Werk des Euklid zur Hand zu nehmen, um darin zu lernen, was er zu lernen hat? Der Schulknabe weiß gar nichts davon, von diesen Urkunden; er lernt das aus sich, aus seiner eigenen Fähigkeit, das Richtige einzusehen, aus der eigenen Richtigkeit, Klarheit, Wahrheit der Sache selbst heraus, und erst viel später, wenn er die Geschichte studiert, dann zeigt sich ihm, dass schon in jenem Werke von Euklid das Richtige enthalten und also dort zu finden ist.
[ 34 ] Thus, spiritual wisdom does not seek the content and insights of the spiritual world in the Bible; rather, independent of any tradition, it seeks to explore the factual content of the spiritual world and approaches the texts with what it already possesses in order to test the texts against its own insights. If I am to characterize this approach, I would like to do so with an example. What every schoolboy learns today in geometry was once already discovered by ancient researchers. What schoolboys learn today is called Euclidean geometry, named after that great Greek scholar to whom we owe the oldest work on these subjects. Is every schoolboy now required to pick up Euclid’s first work in order to learn from it what he needs to learn? The schoolboy knows nothing at all about these ancient texts; he learns from within himself, from his own ability to discern what is correct, from the inherent correctness, clarity, and truth of the matter itself, and only much later, when he studies history, does it become clear to him that what is correct is already contained in that work by Euclid and can therefore be found there.
[ 35 ] So wahr nun die Geometrie ist durch sich selbst, so wahr sind die Tatsachen der geistigen Welt durch sich selbst, und so wenig man nun die alten Urkunden braucht, um die Lehrsätze der Geometrie heute zu erforschen, so wenig braucht man alte Urkunden, um die Wahrheiten der geistigen Welt zu erkennen. Das soll eben der direkte Weg sein, der unmittelbare Weg in die geistige Welt, der gezeigt wird durch die moderne Geisteswissenschaft. Hier ist die Bibel die geschichtliche Urkunde, die wie der «Euklid» nicht zum Verständnis nötig ist, wohl aber das unabhängig Gefundene bestätigen kann. So sehen Sie, dass so unabhängig wie nur möglich die Geisteswissenschaft der Bibel gegenüber steht und darum auch berufen ist, sie zu erforschen und ihren wirklichen Wert zu erkennen. Fragen wir uns: Wer ist da eigentlich berufen, dies zu erkennen? Unser Beispiel kann uns auf die Antwort hinführen: Zu erkennen den Wert und die Bedeutung einer Urkunde über Geometrie kann nur der berufen sein, der tatsächlich Geometrie kennt! Ebenso müssen wir sagen: Der allein ist berufen, den Wert und die Bedeutung der Bibel zu beurteilen, zu erkennen, der das, was darin steht, aus der geistigen Welt selbst heraus zu erforschen vermag! So gibt es, wie Sie sehen, heute schon ein vollständig neues Verhältnis zu der Urkunde der Bibel durch die Geisteswissenschaft.
[ 35 ] Just as geometry is true in and of itself, so too are the facts of the spiritual world true in and of themselves; and just as we no longer need ancient texts to explore the principles of geometry today, so too do we not need ancient texts to recognize the truths of the spiritual world. This is precisely the direct path, the immediate path into the spiritual world, as shown by modern spiritual science. Here, the Bible is the historical document which, like Euclid, is not necessary for understanding, but can confirm what has been discovered independently. So you see that spiritual science stands as independently as possible in relation to the Bible and is therefore also called upon to explore it and recognize its true value. Let us ask ourselves: Who is actually called upon to recognize this? Our example can lead us to the answer: Only one who truly knows geometry can be called upon to recognize the value and significance of a text on geometry! Likewise, we must say: The only one called to assess and recognize the value and significance of the Bible is the one who is able to investigate what it contains from within the spiritual world itself! Thus, as you can see, spiritual science has already established a completely new relationship to the Bible as a text.
[ 36 ] Nun, dieser Geisteswissenschaft gegenüber erscheinen nun die Dinge, die die «kritische Forschung» über die Bibel zutage gefördert hat, in einem eigentümlichen Lichte! Es erscheint als verhältnismäßig recht unbedeutend, recht nebensächlich und gleichgültig, wann die einzelnen Stücke, Teile dieser Urkunde geschrieben, entstanden sind, das interessiert uns nur als geschichtliche Tatsache. Den Wert des Buches selbst aber ermessen wir als das, was wir selbst als den Inhalt erkennen, an der Richtigkeit des Inhaltes.
[ 36 ] Well, in light of this spiritual science, the findings that “critical scholarship” on the Bible has brought to light now appear in a peculiar light! It seems relatively insignificant, quite trivial, and irrelevant when the individual sections or parts of this document were written or composed; that interests us only as a historical fact. We, however, gauge the value of the book itself—that is, what we ourselves recognize as its content—by the accuracy of that content.
[ 37 ] Derjenige, der vom Standpunkte der Geisteswissenschaft aus diese Bibel studiert, den überkommt manchmal bei der Betrachtung moderner Bibelkritik das Gefühl —das ich selbst einmal hatte gegenüber der philologischen Gelehrsamkeit, den überkommt manchmal gegenüber dieser kritischen Philologie - denn die moderne Theologie ist ja auch nur Philologie — ein Gefühl, das ich Ihnen nun schildern will.
[ 37 ] Anyone who studies the Bible from the perspective of spiritual science is sometimes overcome, when considering modern biblical criticism, by a feeling—one that I myself once had toward philological scholarship—that sometimes arises in response to this critical philology—for modern theology is, after all, nothing more than philology—a feeling that I will now describe to you.
[ 38 ] Es gibt, es ist nur scheinbar weit hergeholt, es gibt einen sehr schönen, von mir schon öfter erwähnten ProsaHymnus an die Natur von Goethe. Goethe hat darin in seiner damaligen begeisterten Art seine religiöse Überzeugung ausgesprochen:
[ 38 ] There is—and this is only seemingly far-fetched—a very beautiful prose hymn to nature by Goethe, which I have mentioned on several occasions. In it, Goethe expressed his religious convictions in the enthusiastic manner characteristic of him at that time:
Natur! Wir sind von ihr umgeben und umschlungen, unvermögend, aus ihr herauszutreten, und unvermögend, tiefer in sie hineinzukommen. Ungebeten und ungewarnt nimmt sie uns in den Kreislauf ihres Tanzes auf und treibt sich mit uns fort, bis wir ermüdet sind und ihrem Arme entfallen. ... Die Menschen sind all in ihr, und sie in allen. ... Auch das Unnatürlichste ist Natur, auch die plumpeste Philisterei hat etwas von ihrem Genie. ... Man gehorcht ihren Gesetzen, auch wenn man ihnen widerstrebt; man wirkt mit ihr, auch wenn man gegen sie wirken will. ... Sie ist alles. Sie belohnt sich selbst [und bestraft sich selbst], erfreut und quält sich selbst. ... Sie hat mich hereingestellt, sie wird mich auch herausführen. Ich vertraue mich ihr. Sie mag mit mir schalten; sie wird ihr Werk nicht hassen. Ich sprach nicht von ihr; nein, was wahr ist und was falsch ist, alles hat sie gesprochen. Alles ist ihre Schuld, alles ist ihr Verdienst.
Nature! We are surrounded and embraced by her, unable to step out of her, and unable to penetrate deeper into her. Uninvited and without warning, she draws us into the cycle of her dance and carries us along until we grow weary and slip from her arms. ... Human beings are all within her, and she is within all of them. ... Even the most unnatural is nature; even the crudest philistinism has something of her genius. ... One obeys her laws, even when one resists them; one acts in concert with her, even when one seeks to act against her. ... She is everything. She rewards herself [and punishes herself], delights and torments herself. ... She has led me in; she will also lead me out. I entrust myself to her. Let her do with me as she pleases; she will not hate her own work. I did not speak of her; no, whatever is true and whatever is false—she has spoken it all. Everything is her fault; everything is her merit.
[ 39 ] Und dann schließt er mit den Worten:
[ 39 ] And then he concludes with the words:
Ihre Krone ist die Liebe, ... und ein paar Züge aus dem Becher der Liebe hält sie für ein Leben voll Mühe schadlos.
Her crown is love, ... and a few sips from the cup of love make up for a life full of hardship.
[ 40 ] Das ist ein Aufsatz, von vielen von Begeisterung durchtränkten Weisheitsperlen erfüllt. Goethe wurde einmal in seinen späteren Jahren gefragt, wann er diesen Aufsatz geschrieben habe. Als Antwort auf diese Frage finden Sie dann einen zweiten Aufsatz, in dem Goethe sagt, er könne sich gar nicht mehr erinnern, wann er diesen ersten Aufsatz geschrieben, und selbst nicht mehr, dass er ihn geschrieben habe, aber er stelle sich dar ganz als ein Ausdruck seiner damaligen Anschauungen, dass sehr wohl anzunehmen sei, er habe ihn geschrieben. Das, was Goethe da gesagt hat, das hat den gelehrten Goetheforschern viel zu denken und Veranlassung zu unglaublichen Forschungen gegeben; es gab eine Zeit, da haben die Goetheforscher lange, lange Untersuchungen darüber angestellt, ob nun dieser Aufsatz von Goethe selbst geschrieben wurde oder nicht.
[ 40 ] This is an essay filled with many pearls of wisdom steeped in enthusiasm. Goethe was once asked in his later years when he had written this essay. In response to this question, you will find a second essay in which Goethe says he can no longer remember when he wrote this first essay, nor even that he wrote it at all, but he presents it entirely as an expression of his views at the time, so that it is quite reasonable to assume he did write it. What Goethe said there has given the learned Goethe scholars much to ponder and has prompted incredible research; there was a time when Goethe scholars conducted long, long investigations into whether this essay was written by Goethe himself or not.
[ 41 ] Als ich nun vor Jahren berufen wurde an das Goethe-Archiv in Weimar, um die naturwissenschaftlichen Schriften Goethes neu herauszugeben, da wurde mir einmal übertragen, auch diese Frage zu prüfen, da bat man mich, auch besonders auf die Klarstellung dieser Streitfrage Rücksicht zu nehmen. Ich kam zu dem Resultate, es gelang mir nun, festzustellen, dass Goethe zu der Zeit, in der der genannte Hymnus entstanden ist, mit einem jüngeren Menschen oftmals spazieren ging, und dass er bei einem Spaziergang die Ilm entlang diesem jungen Menschen eines Tages diesen Aufsatz in jenen schönen Worten vorsprach. Dieser Mensch war ein gewisser Tobler, dieser hatte ein vorzügliches Gedächtnis und konnte aus dem Gedächtnis wörtlich diesem Aufsatz niederschreiben. So haben wir also in der Niederschrift von Tobler einen echten Goethe-Aufsatz.
[ 41 ] When I was appointed years ago to the Goethe Archive in Weimar to prepare a new edition of Goethe’s scientific writings, I was once tasked with examining this question as well; I was asked to pay particular attention to clarifying this point of contention. I came to the conclusion—and was able to establish—that at the time the aforementioned hymn was written, Goethe often went for walks with a younger man, and that one day, during a walk along the Ilm, he recited this essay to that young man in those beautiful words. This person was a certain Tobler, who had an excellent memory and was able to transcribe this essay verbatim from memory. Thus, we have in Tobler’s transcription a genuine essay by Goethe.
[ 42 ] Mit einer Art pedantischer philologischer Genauigkeit habe ich selbst damals nachgewiesen, dass jeder Satz von Goethe stammt, obwohl er von einem andern niedergeschrieben ist. Da traf ich dann kurz darnach einen der bekanntesten Goetheforscher [dessen Name ich begreiflicherweise nicht nenne]. Der sprach mich mit folgenden Worten an: [Sie haben sich da wirklich ein Verdienst erworben durch das, was Sie ans Licht gebracht haben, denn] nun wissen wir doch endlich, wer den Aufsatz geschrieben hat, dass ihn nicht Goethe, sondern Tobler geschrieben hat.
[ 42 ] With a sort of pedantic philological precision, I myself demonstrated back then that every sentence was written by Goethe, even though it was transcribed by someone else. Shortly thereafter, I met one of the most renowned Goethe scholars [whose name I understandably will not mention]. He addressed me with the following words: [“You have truly earned credit for what you have brought to light, because] now we finally know who wrote the essay—that it was not Goethe, but Tobler.”
[ 43 ] Das ist ein Erlebnis, das uns zeigen kann, wie die heutige Bibelkritik zu nehmen ist. Es kam diesen Herrn gar nicht darauf an, wo die geistige Quelle war, sondern nur darauf, festzustellen, wer die Feder in die Tinte getaucht hat und mit dieser über das Papier gefahren ist.
[ 43 ] This is an experience that can show us how to approach modern biblical criticism. It did not matter to this gentleman at all where the spiritual source lay; his sole concern was to determine who had dipped the pen in ink and used it to write on the paper.
[ 44 ] Es nimmt sich fast grotesk aus, aber im Grunde genommen steht die Bibelkritik von heute auf demselben Standpunkte. Es kommt ihr nicht darauf an, wo die geistigen Quellen für das sind, was da erzählt wird, sondern darauf, mit minutiöser Genauigkeit zu zeigen — im übertragenen Sinne —, wer zuletzt die Feder ins Tintenfass gesteckt hat, und das möchten diese Menschen genau leisten: mit den Farben abgrenzen, was aus der einen und was aus der andern Feder geflossen ist. Nicht die geringste Kritik soll hiermit an dieser Kritik geübt werden. Der Gelehrte hatte ja damals auch recht: Tobler hatte jene Feder in die Tinte getaucht und den Aufsatz geschrieben. Es soll deshalb nicht im Mindesten an dem Wert dieser Forschung gerüttelt werden. Darauf kommt es nicht an. Voll anerkannt soll werden der wahre und der unendliche Fleiß, der da entfaltet wird, denn der das kennt, der weiß, welcher Fleiß, welcher erstaunliche Fleiß darauf angewendet wird, diese Fragen zu beantworten. Wahr, wahr ist es alles vielleicht, was diese Wissenschaft findet, aber die Frage ist nur diese: Ist das fruchtbar für das innere Leben der Menschen, ist es von Wert für diejenigen, die aus tiefstem Innern heraus eine Antwort auf die großen Fragen des Daseins erhoffen? Noch auf eines muss zum besseren Verständnis dieser Vorträge jetzt hingewiesen werden. Das Wort Inspiration, das hat eine große Rolle gespielt, wenn man früher von der Auffassung der Bibel gesprochen hat: Man hat gesagt, dieses in der Bibel Stehende ist aus der Inspiration entstanden. In sie — die Bibel — floss die Weisheit aus denselben geistigen Quellen, die mit dem Schaffen und Produzieren in der Welt selbst zu tun haben. Nach und nach kam das materialistische Zeitalter; dieses konnte an eine solche Inspiration nicht glauben. In dem Augenblick, in dem die Menschheit aufhörte, an die geistigen Welten selbst zu glauben, musste dieser Begriff fallen. Die Geisteswissenschaft nun kennt diesen Begriff, und sie führt ihn auf seinen wahren Inhalt, seine wahre Bedeutung zurück.
[ 44 ] It seems almost grotesque, but essentially, today's biblical criticism takes the same stance. It is not concerned with the spiritual sources of what is recounted there, but rather with demonstrating—in a figurative sense—with meticulous precision who was the last to dip the pen in the inkwell, and that is precisely what these people wish to accomplish: to distinguish, with different colors, what flowed from one pen and what from the other. This is not meant to be the slightest criticism of that line of scholarship. The scholar was, after all, correct at the time: Tobler had dipped that pen in the ink and written the essay. The value of this research should therefore not be called into question in the slightest. That is not the point. The true and boundless diligence displayed here deserves full recognition, for whoever is familiar with it knows what diligence—what astonishing diligence—is applied to answering these questions. True, perhaps everything this science discovers is true, but the question is simply this: Is it fruitful for people’s inner lives? Is it of value to those who, from the depths of their being, hope for an answer to the great questions of existence? One more point must now be pointed out for a better understanding of these lectures. The word “inspiration” played a major role when people spoke in the past of the conception of the Bible: it was said that what is written in the Bible arose from inspiration. Into it—the Bible—flowed wisdom from the very same spiritual sources that are connected with the creation and production of the world itself. Gradually, the materialistic age dawned; it could not believe in such inspiration. The moment humanity ceased to believe in the spiritual worlds themselves, this concept had to be abandoned. Spiritual science, however, recognizes this concept and traces it back to its true content, its true meaning.
[ 45 ] Die Geisteswissenschaft erkennt zunächst eine Welt, eine physische Welt, die Welt unserer Sinne, die wir mit Augen wahrnehmen, mit unseren Händen greifen können, die wir hören, wenn wir das Ohr auf irgendetwas Tönendes richten. Diese ganze Welt der Sinne und des Verstandes, der diese Welt begreift, diese Welt ist für den materialistischen Sinn die einzig Wirkliche. Die geistige Welt ist nun eine zweite Welt für denjenigen, der mit unbefangenen Sinnen durch die Geisteswissenschaft in sie eindringen will. Wie gesagt, zeigt die Geistesweisheit, dass es Fähigkeiten gibt, die zwar im Menschen heute meist schlummern, die man aber zum Erwachen bringen kann und die dann den Menschen wirklich erfahren lassen die geistigen Welten. Im Organismus des Menschen hat sich das Auge nach und nach erst entwickelt; mit der Entwicklung des Auges durchdrang ihn erst die umgebende Finsternis, das Licht und die Farbe. Mit der Bildung des Ohres erklang ihm die Welt der Töne. Mit der Entwicklung des Gehirnes wurde der Mensch fähig, die Sinneswelt in seinem Geiste wieder zu entwickeln und zu erschaffen, sie geistig zu begreifen.
[ 45 ] The science of the spirit first recognizes a world—a physical world, the world of our senses—which we perceive with our eyes, can grasp with our hands, and hear when we listen to something that makes a sound. This entire world of the senses and of the intellect that comprehends this world—this world is, for the materialistic mind, the only real one. The spiritual world is, however, a second world for those who, with an open mind, seek to enter it through spiritual science. As mentioned, spiritual wisdom reveals that there are abilities which, although mostly dormant in human beings today, can be awakened and then enable people to truly experience the spiritual worlds. In the human organism, the eye developed only gradually; it was only with the development of the eye that the surrounding darkness, light, and color began to penetrate the human being. With the formation of the ear, the world of sounds resounded within him. With the development of the brain, human beings became capable of recreating and forming the sensory world within their minds and of comprehending it spiritually.
[ 46 ] Wie das Auge einstmals schlummerte im menschlichen Organismus, so schlummern andere geistige Organe im Geiste des Menschen, im Innern des Menschen. Diese Organe, sie können herausgerufen werden — durch gewisse Methoden, welche die Geisteswissenschaft dem Menschen darbietet — aus der Seele und dem Geiste, und dann ist in derselben Welt, die uns umgibt, eine zweite und dritte Welt. Die zweite Welt will ich Ihnen zuerst in ein paar Worten charakterisieren. Wenn der Mensch, dessen physische Sinne bloß aufgeschlossen sind, irgendeinen Gegenstand betrachtet, dann sieht er dieses Ding mit bestimmter Farbe. Die Oberfläche dieses Wesens ist mit einer gewissen Farbe behaftet. Er kann dann hören, was als Ton aus der Seele dieses Wesens dringt, und so weiter, aber innerhalb der Grenzen der Haut dieses Wesens ist noch etwas anderes, aber ebenso wahr und ebenso wirklich wie das, was er sinnlich wahrnehmen kann: Innerhalb dieses Wesens ist eine Summe von Schmerz und Freude, Trieben, Begierden und Leidenschaften. Unmöglich können Sie in diese zweite Welt sinnlich eindringen.
[ 46 ] Just as the eye once lay dormant within the human organism, so do other spiritual organs lie dormant within the human spirit, within the inner being of the human being. These organs can be brought forth—through certain methods that spiritual science offers to humanity—from the soul and the spirit, and then, within the very same world that surrounds us, there is a second and a third world. I would like to first describe the second world to you in a few words. When a person whose physical senses are fully open looks at any object, they see that object with a certain color. The surface of this being is imbued with a certain color. He can then hear what emerges as sound from the soul of this being, and so on, but within the boundaries of this being’s skin there is something else—just as true and just as real as what he can perceive with his senses: Within this being lies a sum of pain and joy, drives, desires, and passions. It is impossible for you to penetrate this second world through your senses.
[ 47 ] Es gibt aber eine Möglichkeit, das geistige Auge zu erschließen, dann bleibt Ihnen diese innere seelische Welt des andern Wesens nicht verborgen, dann tritt sie vor Ihnen auf, wie diese äußeren Farben und Töne für die Sinne auftreten. Man kann so viel wahrnehmen von der Welt, als man Sinne hat zur Wahrnehmung. Eine gewisse Summe von Wirklichkeiten erkennen wir nur, wenn wir für sie Sinne haben. Was kann es nicht alles geben, das einem Menschen nur entgegentreten würde, wenn er mehr Sinne, mehr Fähigkeiten, aufzufassen, hätte. So können wir es erleben durch das, was man die Einweihung nennt, dass der Sinn uns aufgeschlossen ist, nicht nur für das, was uns die äußeren Sinne von der äußeren Welt sagen, sondern auch für das, was im Innern eines Wesens seelisch vorgeht. Es ist die Möglichkeit vorhanden, dass wir die Lust und das Leid eines Wesens wahrnehmen mit dem aufgeschlossenen Sinn des Sehers. Eine gewisse Farbenempfindung steigt auf vor dem geistigen Auge des Sehers, wenn ein Mensch mit irgendeinem inneren Erlebnis vor ihm steht, und jedes Mal bei demselben Erlebnis tritt ihm dieselbe innere Farbe entgegen.
[ 47 ] There is, however, a way to open up the mind’s eye; then the inner spiritual world of another being will not remain hidden from you, but will appear before you just as these external colors and sounds appear to the senses. One can perceive as much of the world as one has senses with which to perceive it. We can recognize a certain range of realities only if we have senses for them. Just imagine all the things that might reveal themselves to a person if they had more senses, more faculties of perception. Through what is called initiation, we can experience how our senses are opened—not only to what our external senses tell us about the external world, but also to what is happening soul-wise within a being. It is possible for us to perceive the joy and suffering of a being with the open sense of the seer. A certain sense of color arises before the seer’s inner eye when a person stands before him with some inner experience, and each time the same experience occurs, the same inner color appears to him.
[ 48 ] Bei Sympathie zum Beispiel merken wir mit sehendem Auge, wie diese Sympathie sich in eine gewisse Farbe und Form kleidet; die Antipathie und der Schmerz treten uns in einer solchen Bilderwelt auf, in andern Farben und Formen. Diese Welt des zweiten Sehens gibt es; diese Welt kann entwickelt werden, man kannte sie immer in der Geisteswissenschaft. Man nennt diese Welt die imaginative Welt, und die Fähigkeit, so zu sehen, nennt man Imagination. Derjenige, der diese Fähigkeiten hat, der tritt einem fremden Wesen gegenüber in seinem Innern mit der Empfindung seiner Lust und seines Leides. Er nimmt im Bilde dieses seelische Leben des andern Wesens wahr; er ist umgeben zu gleicher Zeit von den Imaginationen des Innern, des inneren Lebens dieser Wesenheit. Diese Welt, der alles dieses angehört, nennt man auch die astralische Welt. Sobald das Auge geöffnet ist für diese Welt, nimmt man nun aber nicht nur dasjenige wahr, was in sinnlichen Wesen an seelischen Erlebnissen wirklich ist, sondern man macht die Entdeckung, dass es außerdem noch seelische Wesenheiten in unserer Umgebung gibt, die keinen sinnlichen Ausdruck haben. Es gibt solche Wesen. Jeder, der die Geisteswissenschaft kennt, wie der Chemiker die Chemie kennt, der kennt diese Welt der Imagination, denn wenn er sich weiterentwickelt, wenn er diejenigen Methoden, die die Geisteswissenschaft angibt, in der richtigen Weise anwendet, dann kommt er in diese Welt von flutenden Farben, und wenn er nun noch weiter schreitet auf dem Wege der inneren Entwicklung, dann tritt dasjenige, was man nennen könnte Hellhören - im Gegensatz zum Hellsehen — an ihn heran und gibt ihm nun Kenntnis von der wirklich nun so genannten geistigen oder auch himmlischen Welt.
[ 48 ] With sympathy, for example, we perceive with the eye of the mind how this sympathy takes on a certain color and form; antipathy and pain appear to us in a similar world of images, in different colors and forms. This world of second sight exists; this world can be developed—it has always been known in the spiritual sciences. This world is called the imaginative world, and the ability to see in this way is called imagination. The person who possesses these abilities encounters a foreign being within themselves, sensing that being’s joy and suffering. They perceive, in an image, the inner life of the other being; at the same time, they are surrounded by the inner imaginations, the inner life of that being. This world, to which all of this belongs, is also called the astral world. As soon as the eye is opened to this world, however, one not only perceives what is truly present in the soul experiences of physical beings, but one also discovers that there are, in addition, soul beings in our surroundings that have no physical expression. Such beings exist. Anyone who knows spiritual science—just as a chemist knows chemistry—knows this world of imagination; for if they continue to develop, if they apply the methods prescribed by spiritual science in the proper way, they enter this world of surging colors, and if they proceed even further along the path of inner development, then what might be called clairaudience—in contrast to clairvoyance — and grants them knowledge of what is truly called the spiritual or even heavenly world.
[ 49 ] Diese weitere Welt bezeichnet man auch mit dem Ausdruck, der in der theosophischen Literatur gebräuchlich ist, als die devachanische Welt; die alte Pythagoräische Schule hat diese Welt die Welt der Sphärenharmonie genannt: Man hört die Töne der Sphärenharmonie, wenn man sich hinaufentwickelt bis in diese Region hinein.
[ 49 ] This other world is also referred to by the term commonly used in theosophical literature as the Devachanic world; the ancient Pythagorean school called this world the world of spherical harmony: One hears the sounds of spherical harmony when one evolves upward into this region.
[ 50 ] So sind wir denn umgeben von drei Welten; von der sinnlichen Welt, die wir mit unseren äußeren Sinnen wahrnehmen, von der astralischen Welt, in der uns entgegentreten - wenn wir in sie eindringen — die Bilder seelischer Wesenheiten. Diese Imaginationen sind der Ausdruck von einer viel wahreren und wirklicheren Welt als die Sinneswelt es ist. Dann, wenn wir noch weiter vordringen, zum Hellhören, dann treten wir in die Welt der Inspiration. Diese Welten, die kennt die Geisteswissenschaft seit den ältesten Zeiten, und sie sollen durch die theosophische Bewegung der neueren Kultur der heutigen Menschheit wiederum zugänglich gemacht werden. Die Erkenntnis dieser geistigen Welt des Devachan, in der Form des Hellhörens, das nannte man Inspiration zu allen Zeiten.
[ 50 ] We are thus surrounded by three worlds: the physical world, which we perceive with our external senses; the astral world, in which—when we enter it—we encounter the images of spiritual beings. These imaginations are the expression of a world far truer and more real than the sensory world. Then, when we penetrate even further into clairaudience, we enter the world of inspiration. Spiritual science has known these worlds since the earliest times, and the theosophical movement aims to make them accessible once again to the modern culture of today’s humanity. The perception of this spiritual world of Devachan, in the form of clairaudience, has been called inspiration throughout the ages.
[ 51 ] Noch eine weitere Stufe kann der Mensch erreichen, wo er noch in eine weitere Welt hineinschaut, die Welt der Intuition. Diese tritt dann für den Menschen ein, wenn er nicht nur dasjenige an den Geisteswesenheiten sieht, was sie an ihrer Oberfläche als astralisch erkennbar haben, wenn er nicht nur hört, was aus ihrer Seele sich drängt als Ton, nur dann, wenn er eins werden kann mit der ganzen Welt. Dadurch ist dies charakterisiert in einem technischen Sinne: Im gewöhnlichen Leben stehen wir außerhalb eines Dinges — man steht außerhalb einer Pflanze, eines Minerals, das man erforschen will, Wenn Sie aber auf dieser Stufe des Erkennens angelangt sind, dann fließt Ihr eigenes Wesen in den fremden Gegenstand hinein und Sie sprechen mit Ihrer Seele aus dem Gegenstand selbst heraus. Da gibt es kein Ding an sich, außerhalb Ihnen, da sind Sie in allen Wesen, da sind Sie eins geworden mit der ganzen Umwelt; da sprechen die Dinge selbst zu uns.
[ 51 ] Human beings can reach yet another level, where they glimpse into yet another world—the world of intuition. This occurs for a person when they see in spiritual beings not only what is recognizable on their surface as astral, when they hear not only what emerges from their soul as sound—only then, when they can become one with the entire world. This is characterized in a technical sense as follows: In ordinary life, we stand outside a thing—one stands outside a plant or a mineral that one wishes to study. But when you have reached this stage of cognition, your own being flows into the foreign object, and you speak with your soul from within the object itself. There is no thing in itself, outside of you; there you are in all beings; there you have become one with the entire environment; there, things themselves speak to us.
[ 52 ] Durch die Inspiration drücken die Dinge unserer Umgebung in der Sphärenharmonie ihr Wesen aus. In den Bildern der Imagination spiegeln sie uns in Farben und Form ihre seelischen Außenseiten. Der Geistesforscher weiß, dass es solche drei Welten außerhalb unserer physischen Welt gibt, dass es dort Wesen gibt, in diesen Welten, die sich unserer physischen Sinnenwelt entziehen, dass in diesen höheren Welten die schaffenden Wesenheiten unserer Sinneswelt enthalten sind.
[ 52 ] Through inspiration, the things around us express their essence within the harmony of the spheres. In the images of the imagination, they reflect their spiritual outer aspects to us in colors and forms. The spiritual researcher knows that there are three such worlds beyond our physical world, that there are beings in these worlds who are beyond the reach of our physical senses, and that the creative beings of our sensory world are contained within these higher worlds.
[ 53 ] Was Mineralien, was Tier und Pflanze geschaffen hat, das ist in diesen Welten enthalten, und was im Menschen als wirkliche höhere Wesenheit enthalten ist, das ist Bürger auch in dieser höheren Welt, die nur in Imaginationen erschaut werden kann. Nicht nur in der Sinneswelt eingeschlossen ist der Mensch, nein, er ist etwas, was in der imaginativen Welt seine Heimat hat, und was nur durch Imagination richtig erkannt werden kann; und in uns allen lebt ein innerstes Wesen — in uns selbst —, das nur dann aber, wenn wir imstande sind, aus uns selbst herauszutreten, sodass es uns scheinbar in andern entgegentritt, in seiner wirklichen Gestalt erkannt werden kann, das heißt, nur intuitiv, in der Intuition erkannt werden kann. Und soll der Menschheit Kunde werden von denjenigen Wesenheiten, die als die schaffenden Ursprungswesenheiten zugrunde liegen unserer sinnlichen Tatsachenwelt, dann müssen die Menschen aus ihrer höher entwickelten Wahrnehmung heraus, aus ihrer Imagination, Intuition heraus die Kunde bringen.
[ 53 ] What created the minerals, the animals, and the plants is contained within these worlds, and what is contained within human beings as a truly higher being is also a citizen of this higher world, which can only be perceived through the imagination. Human beings are not confined to the sensory world alone; no, they are beings that have their home in the world of imagination and can only be truly recognized through imagination; and within all of us lives an innermost being—within ourselves—which can be recognized in its true form only when we are able to step outside of ourselves, so that it seemingly meets us in others; that is, it can be recognized only intuitively, through intuition. And if humanity is to receive knowledge of those entities that, as the creative, primordial entities, underlie our sensory world of facts, then people must convey this knowledge through their higher-developed perception—through their imagination and intuition.
[ 54 ] Wenn heute der Mensch selbst eindringt in die geistige Wahrheit, wenn so der Geistesforscher eindringt in die geistigen Gebiete, dann kann er aus seiner eigenen Erfahrung heraus das verkünden, was einstmals die Führer der Menschheit in die religiösen Urkunden hineingelegt haben, was sie der Menschheit gegeben haben als Wegweiser zu einer Höherentwicklung. In ururalten Zeiten gab es eine Art dämmerhaften Hellsehens. Dieses verschwand allmählich, und unser gegenwärtiges «wissenschaftliches», kritisches Tatsachenbewusstsein trat an seine Stelle. Dieses wird dadurch überwunden werden, dass zu diesem tagwachen Gegenstandsbewusstsein die höhere geisteswissenschaftliche Erkenntnis wiederum hinzutreten muss.
[ 54 ] When human beings today penetrate spiritual truth themselves—when spiritual researchers thus enter the spiritual realms—they can proclaim, based on their own experience, what the leaders of humanity once recorded in religious texts, what they gave to humanity as a guide to higher development. In ancient times, there was a kind of twilight clairvoyance. This gradually disappeared, and our present “scientific,” critical awareness of facts took its place. This will be overcome when higher spiritual-scientific knowledge once again joins this waking, objective awareness of things.
[ 55 ] Für gewisse Zwischenstufen musste der Sinn für die geisteswissenschaftlichen Grundlagen des Wissens von den höheren Welten verloren gehen. Man wusste in älteren spirituellen Zeiten jedoch allgemein, dass jene Menschen Inspirierte waren, die sich zur Inspiration emporgerungen hatten, dass sie wirklich ihre eigenen Erlebnisse in den religiösen Urkunden niedergelegt haben.
[ 55 ] For certain intermediate stages, an understanding of the spiritual foundations of knowledge of the higher worlds had to be lost. In earlier spiritual times, however, it was generally known that those who had risen to a state of inspiration were truly inspired, and that they had genuinely recorded their own experiences in religious texts.
[ 56 ] Es wird immer mehr und mehr solche Menschen geben, die mehr und mehr das unmittelbar erkennen können — unabhängig von diesen Urkunden —, was wahr ist an diesen Urkunden. Man wird den Inspirationsbegriff erst wieder entdecken; dann wird die Zeit kommen, wo ein neues Verhältnis wiederum da sein wird zwischen Weisheit und Bibel. Alles, was man wissen kann über göttlich-geistige Dinge, ist direkt mit den Methoden der Geisteswissenschaft erforschbar, alles, was jemals eine religiöse Urkunde gebracht hat. Dann erkennt der Mensch die Wahrheit dieser Urkunden wieder; wenn er selbst hineinschauen kann in diese Welten, dann erfährt er wiederum, dass diese Dinge alle wahr sind, dass in der Tat ein guter Grund vorhanden war, warum eine Zeit hindurch die Menschen naiv glauben konnten an all das, was in solchen heiligen Büchern berichtet ist. Dass dieses Bewusstsein wieder gewonnen werden kann, das wird hinweisen auf eine Zeit, wo die Menschen gerade dadurch, dass sie selbst etwas wissen werden von dem, was als Geist aller Materie zugrunde liegt, wo sie gerade dadurch wieder dahin kommen werden, zu erkennen, dass wahr sind diejenigen Urkunden, mit denen die Kritik nichts anzufangen weiß, diejenigen Urkunden, die diese Kritik in den Augen vieler Menschen heute entwertet hat. Die Bibel in ihrem Werte wieder zu erkennen als ein Buch, das aus Inspiration hervorgegangen ist, das wird mit ein Erfolg der theosophischen Bewegung sein; weil man wiederum erkennen wird, was Inspiration, was inspirierte Erkenntnis ist. Man wird die Weisheit in der Bibel wiederum finden können, wenn man das unabhängig wird erkennen können, was in ihr geschildert und den Menschen gegeben werden soll.
[ 56 ] There will be more and more people who—regardless of these documents—will be able to recognize more and more directly what is true in these documents. The concept of inspiration will be rediscovered; then the time will come when a new relationship will once again exist between wisdom and the Bible. Everything that can be known about divine-spiritual matters can be directly investigated using the methods of spiritual science—everything that any religious text has ever conveyed. Then people will once again recognize the truth of these texts; when they themselves can look into these worlds, they will once again experience that all these things are true, that there was indeed a good reason why, for a time, people could naively believe in everything reported in such sacred books. The fact that this awareness can be regained will point to a time when people, precisely because they themselves will know something of what underlies all matter as Spirit, will once again come to recognize that those texts—which criticism cannot make sense of, those texts that criticism has devalued in the eyes of many people today—are indeed true. Recognizing the Bible once again for its true value—as a book that arose from inspiration—will be one of the achievements of the Theosophical Movement; for people will once again come to understand what inspiration is and what inspired knowledge entails. People will be able to rediscover the wisdom in the Bible when they are able to recognize, independently, what is described in it and what is meant to be given to humanity.
[ 57 ] Es wird wiederum Weise geben, welche aus ihren eigenen geistigen Erfahrungen heraus werden Kunde geben können von dem, wie die Urgründe des Daseins aussehen, wie die Rätselfragen des Daseins gelöst werden können. Und wenn es solche Weise geben wird, die aus ihrer direkten Erkenntnis heraus das werden sagen können, dann wird wiederum die Kluft überbrückt werden können zwischen denen, die Führer sein sollen in der religiösen Erkenntnis, und demjenigen, welcher hinaufblicken will, der einen Inhalt haben will für sein Dasein, der hinausgeht über die allerleerste Alltäglichkeit, der ein menschenwürdiges Dasein überhaupt wird leben wollen. Eine Verbindung zwischen den breitesten Schichten derjenigen, die zuhören wollen, und denen, die lehren sollen, wird wiederum möglich werden. Dann wird wiederum der Boden gelegt sein für ein gesundes Volksleben und für eine gesunde religiöse Entwicklung. Das hängt zusammen: Diese gesunde religiöse Entwicklung wird gesunde Volksentwicklung bedeuten.
[ 57 ] There will, in turn, be sages who, drawing on their own spiritual experiences, will be able to reveal what the fundamental principles of existence look like and how the enigmatic questions of existence can be resolved. And if there are such sages who, drawing on their direct insight, can speak of these things, then the gulf can once again be bridged between those who are to be guides in religious insight and those who wish to look upward—those who seek meaning for their existence that transcends the most empty of everyday life, and who wish to live a life worthy of human dignity. A connection between the broadest strata of those who wish to listen and those who are to teach will once again become possible. Then the foundation will once again be laid for a healthy national life and for a healthy religious development. These are interconnected: this healthy religious development will mean healthy national development.
[ 58 ] So wird man wiederum lernen, tief in manches hineinsehen und dann erkennen, wie wörtlich wir wiederum manches nehmen können, was gar nicht mehr verstanden wurde, weil der Sinn für geistige Forschung verloren gegangen war. Wir werden sehen, dass es wahr ist: Es gibt ein naives Verhältnis zu jener großen religiösen Urkunde, von der Goethe sagte, dass es für unabsehbare Zeiten ein Grundbuch sein müsse für die religiöse Entwicklung der Menschheit.
[ 58 ] In this way, we will once again learn to look deeply into certain things and then realize how literally we can take certain things that were no longer understood at all because the sense for spiritual research had been lost. We will see that it is true: there is a naive attitude toward that great religious document of which Goethe said that it must serve as a foundation for the religious development of humanity for time immemorial.
[ 59 ] Es hat eine gewisse Berechtigung, dieses Verhältnis des Zweifels, des Verwerfens in unserer Zeit, aber unrecht haben diese, die da sagen: Wahre Weisheit, Tatsachenerkenntnis muss unbedingt von dem hinwegführen, was in dieser Urkunde gegeben ist. Das ist ein schönes, großes Erlebnis, das der Geistesforscher hat, dass er sich sagen kann: So lange ich im Verhältnis des Zweifels und Verwerfens stand ihr gegenüber, lernte ich sie verstehen, da wurde sie mir wieder wert, da schaute ich wieder hinein in ungeheure Tiefen. Da kommt einmal der Standpunkt: Ja, vieles habe ich verstanden, aber noch viel, viel mehr muss ich erst noch verstehen lernen.
[ 59 ] There is a certain validity to this attitude of doubt and rejection in our time, but those who say, “True wisdom and knowledge of facts must necessarily lead away from what is presented in this document,” are mistaken. This is a beautiful, profound experience that the spiritual researcher has—that he can say to himself: As long as I stood in a relationship of doubt and rejection toward it, I learned to understand it; then it became valuable to me again; then I looked once more into immense depths. Then comes the realization: Yes, I have understood much, but there is still much, much more that I must yet learn to understand.
[ 60 ] So findet man dann aber immer mehr und mehr, was man versteht, und man wundert sich, dass man manches kritisiert hat früher, das man eben nur noch gar nicht verstanden hat, dass es nun einem in ganz neuem Lichte erscheint. Dann kommt der Standpunkt, wo man bescheiden und demütig wird gegenüber einem solchen Buch, das nicht nur Menschenweisheit enthält, sondern weit über alles Menschliche hinausgeht. Dann sagt man wohl: Durch die Geisteswissenschaft habe ich einiges verstehen, einiges schätzen gelernt — vieles verstehe ich noch nicht, nun aber kritisiere ich nicht mehr, sondern warte ruhig und geduldig, bis ich auch das Weitere wohl einmal verstehen werde. Es gibt keine schönere Empfindung als diese: in die Urquelle der Weisheit mit Bescheidenheit und Demut hineinzublicken, denn mit diesem Hineinblicken ist ein Gefühl verbunden einer erschließenden Unendlichkeit des Daseins in eine sich immer erweiternde und erweiternde Perspektive der Weisheit. Einiges haben wir erkannt, und das wenige hat uns die Ahnung beigebracht, dass wir mit zunehmender Entwicklung immer mehr und mehr werden aufschließen können, dass immer stärkeres und helleres Licht uns entgegentreten wird aus den großen religiösen Urkunden des Menschengeschlechtes, je mehr wir uns nähern den Quellen des göttlichen Wesens, dem wir einmal unwissend entsprungen sind und dem wir uns wieder nähern werden im Laufe unserer Entwicklung, und wir sehen dieses Ziel als eine blühende, befriedigende Tatsache vor uns zur Aufforderung, nicht mehr nachzulassen in dem Bestreben zur Vervollkommnung, zur Vergeistigung der Menschheit in ihrer Entwicklung.
[ 60 ] But then one finds more and more that one understands, and one is surprised to realize that one used to criticize certain things simply because one did not understand them at all, and that they now appear in a completely new light. Then comes the point where one becomes modest and humble in the face of such a book, which not only contains human wisdom but goes far beyond all that is human. Then one might say: Through spiritual science, I have come to understand some things and to appreciate others—there is still much I do not understand, but now I no longer criticize; instead, I wait calmly and patiently until I, too, will one day understand what lies beyond. There is no more beautiful feeling than this: to gaze into the original source of wisdom with modesty and humility, for this gaze is accompanied by a sense of the unfolding infinity of existence within an ever-expanding and broadening perspective of wisdom. We have come to recognize a few things, and this little has taught us to sense that, as we develop further, we will be able to unlock more and more; that an ever stronger and brighter light will shine upon us from the great religious texts of humankind, the closer we approach the sources of the divine essence from which we once sprang in ignorance and to which we will return in the course of our development; and we see this goal as a flourishing, satisfying reality before us, urging us not to slacken in our striving for perfection, for the spiritualization of humanity in its development.
