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The Essence of Christianity
GA 68a

18 December 1907, Cologne

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The Essence of Christianity, tr. SOL
  1. Über das Wesen des Christentums

36. Die Initiation

36. The Initiation

[ 1 ] Das Wort Initiation gehört dem Gebiet der Theosophie an. Wenn man von Theosophie oder Geisteswissenschaft spricht, so soll man nicht die Empfindung haben, als ob man mit etwas zu tun habe, das erst der letzten Zeit angehört. Theosophie ist so alt als das Denken, das Sehnen der Menschheit nach einem Ewigen, einem Bleibenden, das als Übersinnliches allem Vergänglichen zugrunde liegt. Im Verlauf seines Daseins lernt der Mensch immer mehr die um ihn her befindlichen Dinge und Wesenheiten kennen, insofern sie einen Eindruck auf ihn machen, seine Willensimpulse hemmen oder fördern. Er kommt zu einem mehr oder weniger klaren Erkennen dieser Dinge, durch die Kräfte, die hinter ihnen walten; dasjenige, was verborgen ist hinter dem Sichtbaren, das kann er so nicht kennenlernen.

[ 1 ] The word “initiation” belongs to the field of theosophy. When speaking of theosophy or spiritual science, one should not have the impression that one is dealing with something that belongs solely to modern times. Theosophy is as old as human thought itself—the human longing for something eternal, something enduring, which, as the supersensible, underlies all that is transitory. In the course of his existence, a person comes to know more and more about the things and beings around him, insofar as they make an impression on him or inhibit or promote his impulses of will. He arrives at a more or less clear understanding of these things through the forces that govern them; however, he cannot come to know what lies hidden behind the visible.

[ 2 ] Die Geisteswissenschaft nun ruht auf zwei festen Grundsäulen. Vielleicht scheinen sie Hypothesen für denjenigen, der noch nicht eingedrungen ist in die Geisteswissenschaft, aber sichere Tatsachen sind sie für denjenigen, der mehr und mehr untertaucht in sie.

[ 2 ] The science of the spirit, then, rests on two firm pillars. They may seem like hypotheses to those who have not yet delved into the science of the spirit, but they are certain facts for those who immerse themselves more and more in it.

[ 3 ] Die erste Säule ist der Glaube an die Tatsache, dass hinter allem, was der Verstand als die sichtbare Welt bezeichnen kann, ein Unsichtbares besteht, und die zweite Säule, dass der Mensch in diese Welt des Unsichtbaren, Verborgenen einzudringen vermag. Diejenigen Menschen, die ganz und gar fasziniert sind von materialistischen Anschauungen, werden ein solches Streben als fantastisch ansehen. Das Urteil unserer Zeitgenossen sagt wohl, in der Kindheitsstufe der Menschheit träumten die Menschen von etwas Unerklärlichem hinter den Erscheinungen; weil sie nicht erkennen konnten, träumten sie von Göttern, Geistern! Der heutige Mensch aber ist durch die Wissenschaft eingedrungen in die Gesetze des Daseins, er steht auf der männlichen Stufe seines Daseins und konnte solche kindlichen Ansichten nicht mehr festhalten.

[ 3 ] The first pillar is the belief that behind everything the mind can designate as the visible world lies an invisible realm, and the second pillar is that human beings are capable of penetrating this world of the invisible and the hidden. Those who are completely captivated by materialistic views will regard such a quest as fanciful. The judgment of our contemporaries is that, in humanity’s childhood stage, people dreamed of something inexplicable behind appearances; because they could not comprehend it, they dreamed of gods and spirits! Modern man, however, has penetrated the laws of existence through science; he stands at the masculine stage of his existence and could no longer hold on to such childish views.

[ 4 ] Durchaus wahr ist es, dass unsere bewunderungswerte Wissenschaft uns die Möglichkeit geboten hat, ganz anders zu sehen in Bezug auf alles, was die Erkenntnisse des physischen Planes bertrifft, als unsere Vorfahren gesehen haben. Doch wenn sie damit zugleich die Anschauungen unserer Vorfahren über die Kenntnis des Unsichtbaren absetzen will, wenn sie als Ideal der Naturwissenschaft zum Beispiel nur eine möglichst vollkommene Erkenntnis des Physischen hinstellt, dann ist sie für uns nicht mehr wahr.

[ 4 ] It is certainly true that our admirable science has given us the opportunity to view everything pertaining to knowledge of the physical plane in a completely different way than our ancestors did. But if, in doing so, it seeks to dismiss our ancestors’ views on knowledge of the invisible—if, for example, it presents only the most complete possible understanding of the physical world as the ideal of natural science—then it is no longer true for us.

[ 5 ] Wer, wenn er die Gesetze der Mechanik kennt, zum Beispiel eine Uhr ansieht, wird an der Hand dieses Gesetzes sagen können: So laufen die Räder, so bewegt sich der ganze Mechanismus der Uhr. Er kann die Uhr aus sich selber restlos erklären. Doch kann man deshalb sagen, der Uhrmacher sei überflüssig? Wenn wir einmal die Welt wie eine Uhr aus sich selber ganz und gar erklären können sollten, wird dadurch doch das nicht unnötig, was hinter der Welt liegt.

[ 5 ] Anyone who knows the laws of mechanics and looks, for example, at a watch will be able to say, based on these laws: “This is how the gears turn; this is how the entire mechanism of the watch moves.” He can explain the watch completely on his own. But does that mean we can say the watchmaker is superfluous? Even if we were ever able to explain the world entirely on its own, as if it were a watch, that would not render unnecessary what lies behind the world.

[ 6 ] Andere sagen, es mag wohl sein, dass hinter dem Sinnlichen ein Übersinnliches liege, doch sie seien begrenzt in ihrem Erkennen, der Mensch sei nicht so geartet, dass er eindringen könne in die Kenntnis dieses Übersinnlichen. Deshalb brauchten sie sich nicht weiter darum zu kümmern. Dies alles gehört dem Gebiet des Glaubens oder Meinens an, und solle da bleiben wohin es gehöre.

[ 6 ] Others say that it may well be that there is a supernatural realm beyond the sensory world, but that their understanding is limited; human nature is not such that it can penetrate the knowledge of this supernatural realm. Therefore, they need not concern themselves with it any further. All of this belongs to the realm of faith or opinion, and should remain where it belongs.

[ 7 ] Die Geisteswissenschaft aber sagt das Entgegengesetzte. Sie sagt, dass dem Menschen die Erkenntnis dieser Welten möglich sei, dass er sich fähig machen könne, einzudringen in das Übersinnliche. Allerdings nicht mit den Fähigkeiten und Mitteln, die der naturalistische Forscher bei seinen Forschungen anwendet; mit denen kann man nicht eindringen in das Gebiet des Übersinnlichen. Aber es gibt in dem Menschen schlummernde Kräfte, die der Mensch entwickeln kann. Wenn er sie entwickelt, dann tritt für den Menschen etwas auf, was sich vergleichen lässt mit der Operation eines Blindgeborenen. Es ist ein gewaltiges Ereignis für den Blindgeborenen, wenn die öde Finsternis und Dunkelheit, die ihn bisher umgab, aufhört, wenn für ihn auftaucht aus der Dunkelheit die Welt des Lichtes und der Farben. Eine Welt, die schon immer um ihn herum war und die er nicht wahrnehmen konnte, er kann sie jetzt gewahren. Ein noch gewaltigeres glanzvolleres höheres Ereignis ist es aber für den Menschen, wenn durch die innere Erweckung, durch die Wiedergeburt innere geistige Sinne in ihm herausoperiert werden. Goethe wusste wohl Bescheid in diesen Dingen, er sagt: Es gibt um uns herum viel unerkannte nicht anerkannte Welten, geistige Welten, und kein Mensch hat heute das Recht, dieselben abzuleugnen, weil er sie nicht erkennt. Das wäre ebenso logisch, als wenn der Blinde die Welt der Farben und des Lichtes um ihn herum ableugnen wollte, weil er sie nicht wahrnehmen kann.

[ 7 ] Spiritual science, however, asserts the opposite. It states that it is possible for human beings to gain knowledge of these worlds, that they can develop the ability to penetrate the supersensible realm. However, not with the abilities and methods that the naturalistic researcher employs in his investigations; those cannot penetrate the realm of the supersensible. But there are latent powers within the human being that he can develop. When he develops them, something occurs for him that can be compared to the experience of a person born blind. It is a momentous event for a person born blind when the bleak darkness that has surrounded him until now ceases, when the world of light and colors emerges for him out of the darkness. A world that has always been around him but which he could not perceive—he can now perceive it. But it is an even more profound, more glorious, and more exalted event for a human being when, through inner awakening—through rebirth—inner spiritual senses are brought to light within him. Goethe certainly knew a thing or two about these matters; he says: There are many unrecognized, unacknowledged worlds around us—spiritual worlds—and no one today has the right to deny them simply because they cannot perceive them. That would be just as illogical as if a blind person were to deny the world of colors and light around him simply because he cannot perceive it.

[ 8 ] Wir können die Wahrnehmungsfähigkeit der um uns herum liegenden Welten entwickeln. Goethe weist darauf hin, er sagt: Unsere Augen waren gleichgültige, noch nicht sehende Organe. Mit dem Moment, wo die elementaren Kräfte des Lichtes herauszauberten die Augen, da war für den Menschen eine neue Welt des Lichtes und der Farben da. Die Entwicklung ist endlos und geht fort und fort, und wenn der Mensch diese nicht sinnlichen, diese übersinnlichen geistigen Sinne entwickelt, dann gehen neue, unbekannte, unerkannte Welten für ihn auf, die aber immer um ihn herum waren.

[ 8 ] We can develop our ability to perceive the worlds around us. Goethe points this out, saying: “Our eyes were indifferent organs that could not yet see.” The moment the elemental forces of light conjured up the eyes, a new world of light and color opened up for human beings. This development is endless and continues on and on, and when human beings develop these non-sensory, these supersensory spiritual senses, new, unknown, and unrecognized worlds open up to them—worlds that have always been around them.

[ 9 ] Unsere Zeitgenossen sind allerdings nicht geneigt, das anzuerkennen. Die Geisteswissenschaft begegnet vielem Widerspruch, man sagt, sie beschäftige sich mit erträumten, fantastischen Gegenständen. Der Geisteswissenschaftler kann am besten einsehen, wie weit das berechtigt ist, dass die Menschen der Gegenwart, der Geisteswissenschaft, diesen Vorwurf machen. Aber es ist heute notwendig, vor die Menschen hinzustellen diese Geisteswissenschaft. Die Menschheit wird sie anerkennen, sie braucht nur Zeit dazu.

[ 9 ] Our contemporaries, however, are not inclined to acknowledge this. Spiritual science encounters a great deal of opposition; people say it deals with imaginary, fantastical subjects. The spiritual scientist is best able to understand to what extent it is justified that people today level this accusation against spiritual science. But it is necessary today to present this spiritual science to people. Humanity will come to recognize it; it just needs time to do so.

[ 10 ] Wenn wir sprechen über die Entwicklung solcher im Menschen liegenden Organe und Fähigkeiten, die dem Menschen neue Welten aufschließen, haben wir Menschen gegenüber, die man nennen könnte Wir-Menschen, Man-Menschen.

[ 10 ] When we speak of the development of those innate human faculties and abilities that open up new worlds to us, we are dealing with people whom one might call “We-people” or “Man-people.”

[ 11 ] Wenn wir in die Hand nehmen Schriften oder Zeitungsartikel, die über diese Dinge handeln, sagen sie: «Wir können nicht erkennen», oder: «Man kann nicht erkennen», sie sehen den Geisteswissenschaftler als unbescheiden an, wenn er sagt: «Wir können erkennen.» Was aber ist unbescheiden? Etwas entscheiden zu wollen, wovon man nichts weiß. Logisch ist, nur über etwas zu reden und über etwas zu entscheiden, worüber man etwas weiß.

[ 11 ] When we pick up books or newspaper articles that deal with these matters, they say: “We cannot know,” or: “One cannot know”; they regard the spiritual scientist as presumptuous when he says: “We can know.” But what is immodest? It is to want to decide something about which one knows nothing. It is logical to speak about and make decisions only regarding things about which one has some knowledge.

[ 12 ] Da ist schon auf den Quell hingewiesen, woher das entnommen, was die Geisteswissenschaft sagt. Es ist entnommen aus jenen Welten die betreten werden können, wenn der Mensch seine geistigen Sinne entwickelt. Das gewöhnliche Wissen, das der Mensch hat, besteht aus einer Reihe von Urteilen und so weiter, die der Mensch gleichsam an einem Faden aufreiht, und dieser Faden gleitet ihm fortwährend aus der Hand, verlässt ihn fortwährend. Er verlässt ihn auch, wenn der Mensch in Schlaf versinkt, wenn Glück und Leid, Freud und Schmerz, alles, was im Tagesleben ihn umgibt, für ihn untergeht. Kein Mensch kann aber sagen, wenn er Logik besitzt, dass diese Summe von Lust und Leid, von Schmerz und Kümmernissen et cetera, des Abends vergeht und des morgens wieder neu auftaucht. Er überdauert den Schlafzustand, und der Mensch muss sich fragen: Wo ist denn des Menschen Seele, das, was wir als unser Inneres fühlen, das, was uns entzückt und erschüttert, wo sind diese inneren Kräfte, während wir schlafen bis zu dem Moment, wo sie wieder einziehen in den Menschen und Kundschafter werden für die uns umgebende Welt? Wo ist das, was uns vorzaubert eine Welt von Träumen, von Licht, Farbe, von Wärme und Kälte? Wo ist das während des Schlafzustandes? Da entgleitet dem Menschen die Erkenntnis, und sie entgleitet ihm auch, wenn der Tod eintritt, wenn jene geheimnisvolle Stunde eintritt, wo der Mensch seine physische Hülle für immer verlässt. Ist dann der ganze Inhalt der Seele, wenn der Mensch keine physischen Organe mehr behält, mit diesen physischen Organen fortgegangen? Da ist es wiederum, wo die Erkenntnis des Sinnlichen dem Menschen entgleitet. Der Mensch kann sagen: Es muss allerlei dahinter sein, doch der Mensch, der im Leben steht, braucht nicht das zu kennen, was das Tor des Todes verschließt, was der Schlaf verbirgt, wir sind da zu schaffen, zu arbeiten in der sichtbaren Welt, was kümmert uns das Unsichtbare? Aber wenn der Mensch seine volle Tätigkeit entfalten könnte im Sinnlichen, dann könnte das wohl gelten, dann könnte er sagen: Mag was immerhin hinter dem Tod liegen! Doch das Wissen von dem, was hinter dem Tode liegt, hat die größte Bedeutung für das Leben. Denn die Kräfte im Unsichtbaren ragen fortwährend in die Sinnenwelt hinein, und wir können sie nutzbar machen, wenn wir Anschluss gewinnen an die übersinnliche Welt. Derjenige Mensch, der nichts von ihr weiß, wird nach und nach, wenn er entfremdet lebt, den Erkenntnissen der übersinnlichen Welt schwach und kraftlos sein auch in der sinnlichen Welt. Jedes Ding, jedes Wesen in unserer Umgebung ist durchflutet von der übersinnlichen Welt, und wir benehmen uns schwach und kraftlos, wenn wir nichts wissen von diesem Übersinnlichen. Nehmen wir zum Beispiel ein Stück Eisen: In ihm ruht übersinnliche magnetische Kraft. Wenn wir nichts wissen von dieser Kraft, können wir dieses Eisen auch nur halb benutzen. Und so schlummern überall im Sinnlichen übersinnliche Kräfte und Wesenheiten. Das Wissen vom Übersinnlichen ist notwendig für den Menschen, es ist nichts, was nur eine bloße Neugierde befriedigt. Der Mensch braucht diese Kenntnis zu seinem Schaffen und Arbeiten in dieser Welt.

[ 12 ] The source from which spiritual science derives its teachings has already been indicated. It is drawn from those worlds that can be entered when a person develops their spiritual senses. The ordinary knowledge that a person possesses consists of a series of judgments and so on, which a person strings together, as it were, on a thread; and this thread continually slips from their grasp, continually leaving them. It also leaves them when a person falls asleep, when happiness and suffering, joy and pain—everything that surrounds them in daily life—fade away for them. But no person who possesses logic can say that this sum of pleasure and suffering, of pain and sorrow, and so on, disappears in the evening only to reappear anew in the morning. It endures beyond the state of sleep, and a person must ask himself: Where, then, is the human soul—that which we feel as our inner self, that which delights and moves us—where are these inner forces while we sleep, until the moment when they re-enter the person and become scouts for the world around us? Where is that which conjures up a world of dreams, of light, color, warmth, and cold? Where is that during sleep? There, human understanding slips away, and it also slips away when death occurs, when that mysterious hour arrives when a person leaves their physical body forever. Has the entire content of the soul—when a person no longer retains any physical organs—departed along with those physical organs? Here again is where awareness of the sensory world slips away from us. We might say: There must be all sorts of things beyond it, yet we who live in this world need not know what lies behind the gate of death, what sleep conceals; we are here to be active, to work in the visible world—why should we concern ourselves with the invisible? But if a person could fully unfold their activity within the sensory realm, then that might well hold true; then they could say: Let there be whatever lies beyond death! Yet knowledge of what lies beyond death is of the utmost importance for life. For the forces in the invisible realm constantly reach into the sensory world, and we can make use of them if we establish a connection with the supersensory world. A person who knows nothing of this world will, little by little—if they live in alienation—become weak and powerless in the sensory world as well, unable to grasp the insights of the supersensible world. Every object, every being in our surroundings is permeated by the supersensible world, and we behave weakly and powerlessly if we know nothing of this supersensible realm. Take, for example, a piece of iron: A supernatural magnetic force lies within it. If we know nothing of this force, we can only make partial use of this iron. And so supernatural forces and beings lie dormant everywhere within the physical world. Knowledge of the supernatural is necessary for human beings; it is not merely something that satisfies mere curiosity. Human beings need this knowledge for their creative work and labor in this world.

[ 13 ] Diese übersinnliche Welt kann erreicht werden durch Entwicklung von in den Menschen schlummernden Kräften und Fähigkeiten. Die Geisteswissenschaft weist den Menschen hin auf diese Kräfte und Fähigkeiten und zeigt den Weg, sie zu entwickeln. Die Geisteswissenschaft ist nichts Neues, es hat immer in der Menschheit gegeben die Eingeweihten, und Einweihung ist nichts weiter als das Erschließen dieser übersinnlichen Kräfte im Menschen. Die wenigsten allerdings wissen, dass es immer gegeben hat eingeweihte Menschen, die in Einweihungs- oder Geheimschulen vorbereitet waren und benutzen konnten die dort entwickelten Kräfte und Fähigkeiten, um ebensolche Erfahrungen in den übersinnlichen Welten zu machen wie die gewöhnlichen Menschen in der sinnlichen Welt. Man nannte solche Menschen immer Eingeweihte.

[ 13 ] This supersensory world can be attained by developing the powers and abilities that lie dormant within human beings. Spiritual science draws people’s attention to these powers and abilities and shows the way to develop them. Spiritual science is nothing new; there have always been initiates among humanity, and initiation is nothing more than the unlocking of these supersensory powers within the human being. Very few people, however, know that there have always been initiated individuals who were trained in schools of initiation or secret schools and were able to use the powers and abilities developed there to have the same kinds of experiences in the supersensible worlds as ordinary people have in the sensory world. Such people were always called initiates.

[ 14 ] Nur solche konnten zugelassen werden zu einer solchen Schule, die genaue Proben abgelegt hatten in moralischer sowohl als intellektueller und geistiger Beziehung, dass sie fähig seien, jene gewaltigen Erfahrungen, die sich dem Menschen erschließen, wenn er die Tore zu den höheren Welten durchschritten hat, dann in richtiger Weise zum Wohl seiner Mitmenschen zu benutzen. Darum musste der Mensch Proben ablegen, Schüler werden konnte er nur, wenn er solche Proben ablegte. Freilich stellen sich die Menschen dieselben anders vor, als eigentlich hinter ihnen liegt. Also eingeweiht kann ein Mensch werden, wenn er fähig ist, das große Geheimnis der Schwelle zu überschreiten, die zwischen dem Sinnlichen und dem Übersinnlichen liegt, und Einweihung oder Initiation ist nichts anderes, als was im gewöhnlichen Leben die Operation eines Blindgeborenen sein würde, doch noch größer und gewaltiger, denn dem Einzuweihenden werden operiert die Sinne, die den Menschen für die geistigen Welten fähig machen. Diese Sinne sind in jedem Menschen im Keime vorhanden, sie brauchen nur entwickelt zu werden, und das ist es, was man Einweihung oder Initiation nennt.

[ 14 ] Only those who had passed rigorous tests—in moral, intellectual, and spiritual terms—could be admitted to such a school, so that they would be capable of using, in the right way and for the benefit of their fellow human beings, those profound experiences that become accessible to a person once they have passed through the gates to the higher worlds. That is why a person had to pass tests; he could become a student only if he passed such tests. Of course, people imagine these trials differently than they actually are. Thus, a person can become initiated if they are capable of crossing the great mystery of the threshold that lies between the physical and the supernatural, and initiation is nothing other than what, in ordinary life, would be the operation of a person born blind, yet even greater and more powerful, for the initiate undergoes an operation on the senses that enable human beings to perceive the spiritual worlds. These senses are present in every human being in embryonic form; they merely need to be developed, and that is what is called initiation.

[ 15 ] Jene elementaren Kenntnisse, die in der Theosophie mitgeteilt werden, sind nur die Grundlage zu einem viel, viel höheren Wissen. Selbst dies elementare Wissen der Theosophie heute ist schon ein solches, das vor Kurzem noch nicht weiteren Kreisen mitgeteilt werden durfte. Denn es ist nicht ohne Gefahr für den Menschen, wenn er an dies Wissen herantritt, obwohl diese Gefahren oftmals ganz falsch beurteilt und übertrieben werden. Diejenigen Fähigkeiten, die in jeder Seele schlummern, sind es, die entwickelt werden müssen: Wir nennen sie Denken, Fühlen, Wollen. Diese Fähigkeiten hat jede Seele. Es ist eine Tatsache, dass durch dieses gewöhnliche Denken, Fühlen und Wollen, wenn der Mensch sie in richtiger Weise entwickelt, er fähig wird, eine ganze Anzahl von Welten sich zu erschließen.

[ 15 ] The elementary knowledge imparted in Theosophy is merely the foundation for a much, much higher level of knowledge. Even this elementary knowledge of Theosophy today is of a kind that, until recently, was not permitted to be shared with wider circles. For it is not without danger for a person to approach this knowledge, although these dangers are often misjudged and exaggerated. It is the faculties that lie dormant in every soul that must be developed: we call them thinking, feeling, and willing. Every soul possesses these faculties. It is a fact that through these ordinary faculties of thinking, feeling, and willing—if a person develops them in the right way—he becomes capable of opening up a whole host of worlds.

[ 16 ] Es können diese drei Fähigkeiten, wenn der Mensch Geduld und Energie besitzt, sich der Schulung hinzugeben, zu immer höherem Schauen und immer weiter einzudringen in die geistigen Welten ausgebildet werden. Wenn der Mensch bis zu einer gewissen Stufe emporgeht, dann sind die Träger des eigentlichen Geistes-Wissens erst in der Lage, ihn zu einem Eingeweihten zu machen.

[ 16 ] If a person possesses the patience and energy to devote himself to training, these three abilities can be developed to enable ever higher levels of perception and ever deeper penetration into the spiritual worlds. Once a person has advanced to a certain level, only then are the bearers of true spiritual knowledge able to make him an initiate.

[ 17 ] Wir unterscheiden Vorstufen und eigentliche Einweihung. Es ist allerdings etwas anderes damit verbunden, das es rechtfertigt, dass dies Wissen der großen Menge noch geheim gehalten werden muss. Es besteht in einem Sinne noch als Geheimnis insofern, als für den, der noch nicht bekannt ist, für den, der noch nicht eingedrungen ist, das, was die Theosophie mitteilt, zunächst sonderbar paradox erscheint; man darf nichts Zauberisches damit verbinden. Allerdings etwas anderes ist damit verbunden, das es rechtfertigt, dass dies Wissen der großen Menge noch geheim gehalten werden muss. Schon das, was mitgeteilt wird, macht den Eindruck des Fantastischen, Sonderbaren, sodass viele es für unreif halten; das ist dem Geisteswissenschaftler wohl bekannt und kann nicht anders sein. Wenn aber der Mensch zu den Quellen hinaufsteigt, die allem, was hier im Sinnlichen ist zugrunde liegen, dann wird das Urteil des Menschen über Welt und Leben so radikal umgewandelt, dass man sagen kann, es muss dem gewöhnlichen Menschen ganz unglaublich paradox erscheinen, sodass er nichts damit anfangen kann.

[ 17 ] We distinguish between preliminary stages and the actual initiation. However, there is another aspect involved that justifies keeping this knowledge secret from the general public for the time being. In a sense, it still remains a mystery insofar as, to those who are not yet familiar with it—to those who have not yet penetrated it—what theosophy reveals initially appears strangely paradoxical; one must not associate anything magical with it. However, there is another aspect to it that justifies keeping this knowledge secret from the general public for the time being. Even what is communicated gives the impression of being fantastical and strange, so that many consider it immature; this is well known to the spiritual scientist and cannot be otherwise. But when a person ascends to the sources that underlie everything that exists here in the sensory world, their judgment about the world and life is so radically transformed that one can say it must appear utterly unbelievable and paradoxical to the average person, so that they cannot make sense of it.

[ 18 ] Der Mensch muss erst langsam, stufenweise vorbereitet werden, um die Wahrheit ertragen zu können, und ein großer Teil der Geheimschulung besteht darin, dass der Mensch lernt, die großen, allumfassenden Wahrheiten zu ertragen. Eingeweiht wird derjenige, der vorbereitet und entwickelt wird, um diese Wahrheiten ertragen zu können. Es muss die Zeit kommen, wo eine größere Anzahl von Menschen, ihnen zum Heil und zu ihrer Fortentwicklung, zufließen muss die Möglichkeit, diese Einweihung zu erlangen.

[ 18 ] Human beings must first be prepared slowly and gradually to be able to bear the truth, and a large part of esoteric training consists in learning to bear the great, all-encompassing truths. Initiation is granted to those who have been prepared and developed to bear these truths. The time must come when a greater number of people, for their own salvation and further development, must be given the opportunity to attain this initiation.

[ 19 ] So sprechen wir zunächst von einer Vorschulung. In dieser muss stattfinden eine Entwicklung des Denkens, Fühlens und Wollens. Das Erstere wird leicht vernachlässigt. Da ist oft eine Gier, hineinschauen zu können in die übersinnlichen Welten. Doch diejenigen, die solches Wissen den Menschen ermöglichen sollen, müssen zunächst darauf bestehen, dass zuerst ein festes, sicheres Denken ausgebildet wird, ein Denken, das sinnlichkeitsfrei ist. Was ist ein sinnlichkeitsfreies Denken? Wenn wir uns erinnern wie viel von unserm Denken an der Sinnlichkeit aufgebaut ist: Wir sehen die Welt um uns herum, wir nehmen ihre Eindrücke durch unsere Sinne in uns auf. Eine Vorstellung bleibt im Menschen, eine Erinnerung bleibt davon zurück, dann denken wir nach darüber; rechnen wir ab, alles, was von unserem Denken Reminiszenzen von äußeren Eindrücken sind, wenn wir von denen absehen, was sich an der Außenwelt entzündet hat, dann bleibt so wenig übrig, dass ein Philosoph sagt: «Es ist ausgeschlossen, dass ein Mensch ein Denken entfalten kann, das nicht von der Außenwelt angefacht ist.» Plato hat eine merkwürdige Inschrift über seinem Tempel der Wahrheit setzen lassen: «Kein mit der Geometrie Unbekannter darf hier eintreten.» Das ist nun nicht wörtlich zu nehmen, sondern so zu verstehen, dass man zwar nicht unbedingt Geometrie zu lernen brauche, um einzudringen in die übersinnliche Welt, das hat auch Plato nicht gemeint mit dieser Inschrift, sondern dass ein jeder so denken muss, wie man in der Geometrie denken muss, wenn er eindringen will in die höheren Welten. Ein Kind, wenn es 2 x 3 = 6 an Bohnen oder an den Fingern lernt, erlernt die Wahrheit, dass 2 x 3 = 6 ist. Aber es ist nicht nötig, dass der Mensch das Denken, das auf einer Zahl beruht, nur so kennenlernt. Nimmt man statt der Bohnen gedachte Punkte, so ist das viel nützlicher. Es ist nötig, durch innere Anschauung zu dieser Wahrheit zu kommen und so sinnlichkeitsfreie Anschauung zu bekommen. Durch sinnlichkeitsfreies Denken zum Beispiel ist ein Kreis konstruiert. Ein Kreis, den ich auf die Tafel zeichne, ist eine Reihe von Kreidebergen, wenn ich ihn unter dem Mikroskop betrachte, ein Kreis ist es nicht, den können die Sinne nicht geben, der muss in der inneren Anschauung da sein. In sinnlichkeitsfreier Anschauung muss man den Kreis suchen.

[ 19 ] So we speak first of all of preliminary training. During this training, the development of thinking, feeling, and willing must take place. The former is easily neglected. There is often an eagerness to be able to glimpse into the supersensible worlds. Yet those who are meant to make such knowledge accessible to people must first insist that a firm, secure way of thinking be developed—a way of thinking that is free from sensuousness. What is thinking free from sensuousness? If we recall how much of our thinking is built upon sensuousness: We see the world around us; we take in its impressions through our senses. An idea remains within a person; a memory of it lingers, and then we reflect on it; if we set aside everything in our thinking that is a reminiscence of external impressions—that is, if we disregard what has been sparked by the external world—then so little remains that a philosopher says: “It is impossible for a human being to develop a mode of thinking that is not kindled by the external world.” Plato had a curious inscription placed above his Temple of Truth: “Let no one who is unfamiliar with geometry enter here.” This is not to be taken literally, but rather understood to mean that, while one does not necessarily need to study geometry to penetrate the supersensible world—which is not what Plato intended with this inscription—one must think in the same way one must think in geometry if one wishes to penetrate the higher worlds. A child, when learning that 2 × 3 = 6 using beans or by counting on their fingers, learns the truth that 2 × 3 = 6. But it is not necessary for a person to learn thinking based on numbers only in this way. If one uses imagined points instead of beans, that is much more useful. It is necessary to arrive at this truth through inner intuition and thus attain intuition free from the senses. A circle, for example, is constructed through thinking free from the senses. A circle that I draw on the blackboard is a series of chalk mounds; when I look at it under a microscope, it is not a circle—the senses cannot provide that; it must be present in inner intuition. One must seek the circle in non-sensory intuition.

[ 20 ] Es gibt ein solches sinnlichkeitsfreies Denken auf allen Gebieten, wenn es auch abgeleugnet wird von manchen Menschen, zum Beispiel für die lebendigen Wesenheiten um uns herum. Das hat Goethe bewiesen. Er sagt in seiner «Weltanschauung»: So, wie der Mensch ein Dreieck konstruieren kann, so kann er auch eine Pflanze konstruieren, Urpflanze nennt er dies. Die Urpflanze ist ein geistiges Wesen und Goethe sagt: Mit dieser Pflanze im Sinn kann man alle Pflanzen in ihrem Werden, Wachsen und Gedeihen verfolgen. Die Menschen verstehen nicht leicht, was Goethe damit meint. Schiller war einstmals mit ihm in einem Vortrag, den der Naturforscher Batsch hielt. Es war von Botanik die Rede. Schiller sagte beim Herausgehen zu Goethe, merkwürdig sei es, wie zerstückelt man die Welt betrachtet, niemand wiese hin auf das große einigende Einheitsband. Da antwortete Goethe, der damals schon seine Morphologie ausgebaut hatte, es könne eine andere Betrachtungsweise geben, und zeichnete vor Schiller seine Urpflanze hin. Schiller meinte, das sei ja eine bloße Idee, und Goethe antwortete ihm ganz traurig: Dann habe ich aber meine Idee im Innern vor Augen.

[ 20 ] Such thinking, free from sensuality, exists in all areas, even if it is denied by some people—for example, regarding the living beings around us. Goethe proved this. In his Weltanschauung (Worldview), he says: Just as a person can construct a triangle, so too can he construct a plant; he calls this the “primordial plant.” The primordial plant is a spiritual being, and Goethe says: With this plant in mind, one can trace all plants in their becoming, growing, and flourishing. People do not easily understand what Goethe means by this. Schiller was once with him at a lecture given by the naturalist Batsch. The topic was botany. As they were leaving, Schiller said to Goethe that it was strange how fragmented people’s view of the world was; no one pointed out the great unifying bond. Goethe, who by then had already developed his theory of morphology, replied that there could be a different way of looking at things, and sketched his “primordial plant” for Schiller. Schiller remarked that it was merely an idea, and Goethe replied to him quite sadly: “But then I have my idea before my inner eye.”

[ 21 ] Er war sich klar, dass das keine bloße Idee sei. Was er in der Urpflanze erfasst hatte, war nicht bloßer Gedanke, sondern er war sich klar, dass die Pflanzen nach diesem Bilde der Urpflanze aus den geistigen Welten heraus erschaffen seien. Wie die Pflanzen entstanden, hat hier der menschliche Geist erfasst. Das ist ein lebendiges Hineindenken in die Welt des sinnlichkeitsfreien Denkens. Wir haben im Innern eine Quelle aus der alle sinnliche Welt entsprungen ist, und wir können auferstehen machen diesen Quell. Aber wir können es nur, wenn wir die starke Kraft haben, den Geist aus uns heraus schaffen zu lassen. Der Mensch kann auch das Werden der Geschichte, den Gang der Menschheitsentwicklung aus sich heraus gestalten.

[ 21 ] He realized that this was not merely an idea. What he had grasped in the primordial plant was not merely a thought; rather, he realized that the plants had been created from the spiritual worlds in the image of this primordial plant. The human spirit has grasped here how the plants came into being. This is a living penetration into the world of non-sensory thought. We have within us a source from which the entire sensory world has sprung, and we can bring this source to life. But we can do so only if we possess the strong power to allow the spirit to emerge from within us. Human beings can also shape the unfolding of history and the course of human development from within themselves.

[ 22 ] Es hat solche Denker gegeben. - Die Menschen glaubten, es seien Phantasten, zum Beispiel Hegel in seiner Philosophie der Geschichte. Das ist eine rein ideale Geschichte der Menschheit. Nicht alle Einzelheiten darin sollen von mir vertreten werden, aber das Prinzip gilt, diese Gesinnung liegt dem Werke zugrunde. Es gibt eine Art Mathematik der Geschichte, und wer sich davon befruchten, anregen lässt, wird sehen, dass es möglich ist, auch in Bezug auf die Geschichte von innerer Mathematik zu sprechen.

[ 22 ] There have been thinkers of this kind. — People believed they were dreamers—Hegel, for example, in his Philosophy of History. That is a purely ideal history of humanity. I do not intend to endorse every detail in it, but the principle holds true; this mindset underlies the work. There is a kind of mathematics of history, and anyone who allows themselves to be inspired and stimulated by it will see that it is possible to speak of an inner mathematics even in relation to history.

[ 23 ] Doch alles das ist für den heutigen Menschen nicht nötig; es wurde aber verlangt in allen Geheimschulen auf der ersten Stufe ein sinnlichkeitsfreies Denken auf allen Gebieten. Die elementare Theosophie gibt dies. Wie sie spricht über die verschiedenen Glieder der menschlichen Natur, wir sehen sie nicht, wenn sie die Entwicklung des Menschen darstellt, das sind Bilder aus der geistigen Erfahrung heraus. Der Mensch muss sich mit seinem ganzen Denken hineinleben, darin. Das geschieht, damit der Mensch lernt, mit seinem Denken loszukommen von der Sinnlichkeit. Zum Erforschen der übersinnlichen Welten gehört Einweihung, zum Verstehen aber gehört sie nicht; da ist nur gewöhnliche Menschenlogik nötig. Für jedes schlichte Gemüt, für das allerungelehrteste ist zugänglich dasjenige, was die Theosophie an sinnlichkeitsfreiem Denken gibt.

[ 23 ] Yet none of this is necessary for people today; however, in all secret schools, thinking free from sensory influences in all areas was required at the first level. Elementary theosophy provides this. When it speaks of the various aspects of human nature—which we do not see—as it describes human development, these are images drawn from spiritual experience. A person must immerse themselves in this with their entire thinking. This happens so that a person may learn to free their thinking from the senses. Initiation is necessary for exploring the supersensory worlds, but it is not necessary for understanding them; ordinary human logic is all that is required there. What theosophy offers in terms of thinking free from sensuality is accessible to every simple mind, even the most uneducated.

[ 24 ] Und wir sollen nicht gering achten, was uns gegeben wird in der theoretischen Theosophie. Dem Schüler, der sich nähert den höheren Welten, wird gesagt: Mache dich zunächst bekannt mit dem, was vom Menschen, seiner Entwicklung, seiner Vergangenheit und Zukunft von denen, die es wissen, mitgeteilt wird. Genau vertraut musst du dich damit machen. Warum das? Deshalb, weil nur derjenige vor gewissen Gefahren der übersinnlichen Erkenntnisse bewahrt werden kann, der sein Denken in diesen Gebieten geübt hat. Wenn der Mensch eintritt in diese unsichtbaren Welten, so hat er Gefühle, die der Mensch, der das nicht erlebt, gar nicht kennt. Er fühlt sich im Innern seiner Seele so, dass man es vergleichen kann, als stehe er auf einer Fläche von Eis. Das Eis schmilzt von allen Seiten ab, und er sieht voraus: Jetzt ist das Eis geschmolzen, jetzt hast du Wasser unter deinen Füßen. So fühlt sich der Mensch, denn alles, was er bisher erkannt hat, seine sinnlichen Erfahrungen erweisen sich als eine Summe von Illusionen, sie zerschmelzen wie Eis, das zu Wasser geworden ist. Der Mensch erkennt, dass alle die Vorstellungen, die er bisher erkannt hat aus seiner Sinnlichkeit, nicht die wahren sind, er fühlt sich wie ohne Grund und Boden. Zwar ist ein gewisser Unterschied da, das Gleichnis hinkt, wie alle Gleichnisse. In der Außenwelt geht nichts Sonderliches vor, wenn der, der eingeweiht wird, dies durchmacht, aber im Inneren des Menschen geht umso Gewaltigeres vor. Nicht das, was wir sehen und hören, wird anders, sondern die gesamten Vorstellungen, die wir uns bisher davon machten, die sinken ins Unbestimmte hinab. Es ist, als ob alles, was wir bisher für Wahrheit gehalten haben, nicht mehr Wahrheit wäre.

[ 24 ] And we should not underestimate what is given to us in theoretical theosophy. The student who approaches the higher worlds is told: First, familiarize yourself with what is communicated by those who know about human beings, their development, their past, and their future. You must become thoroughly acquainted with this. Why is this? Because only those who have trained their thinking in these areas can be protected from certain dangers associated with supersensory knowledge. When a person enters these invisible worlds, they experience feelings that someone who has not had this experience does not know at all. They feel, deep within their soul, as if they were standing on a sheet of ice. The ice is melting away on all sides, and they foresee: Now the ice has melted; now you have water beneath your feet. This is how a person feels, for everything they have recognized up to this point—their sensory experiences—turn out to be a sum of illusions; they melt away like ice that has turned to water. A person realizes that all the ideas he has previously derived from his senses are not the true ones; he feels as if he has lost his footing. Admittedly, there is a certain difference here; the analogy is imperfect, as all analogies are. Nothing out of the ordinary happens in the external world when the initiate goes through this, but something all the more powerful is taking place within the person. It is not what we see and hear that changes, but rather the entire set of ideas we have formed about it up to this point—these sink into the indeterminate. It is as if everything we have hitherto regarded as truth were no longer truth.

[ 25 ] Das wird noch erhöht durch einen Eindruck. Wenn der Mensch eintritt über diese Schwelle der höheren Welten, die das Physische vom Übersinnlichen trennt, dann nimmt er ein ganz Neues wahr. Dinge, Erlebnisse, die er vorher sich nicht hat träumen lassen, treten an ihn heran. Das lässt sich nicht vergleichen mit irgendetwas, was der Mensch in der Sinneswelt wahrnimmt. Eines aber gibt es, eines bleibt gleich in beiden Welten und in allen Welten, die dem Menschen möglich zu erreichen sind: Das ist das Denken, jenes Denken, das der Mensch sich aneignet, wenn er sinnlichkeitsfrei denkt. Er braucht dies Denken dort oben, um Illusionen von Wirklichkeit, Blendwerk von Wahrheit zu unterscheiden. Hier im Physischen korrigiert sich ein falsches Denken durch die Dinge selbst; wollte einer an einer Maschine, an einer falschen Kurbel drehen, würde die Maschine nicht richtig funktionieren oder stille stehen. In den höheren Welten aber sind wir einzig und allein das Wesen, das sich seine feste Richtung geben muss. Dort können wir nicht unterscheiden zwischen Illusion und Wirklichkeit, Blendwerk oder Wahrheit, wenn wir nicht durch unser geschultes Denken uns diese feste Richtung geben können; sind wir dazu nicht imstande, dann können wir uns nicht zurechtfinden in diesen höheren Welten. Das, was uns sicher führen wird, sind die Gedanken, denn sie sind dieselben, hier im Physischen und dort in den geistigen Welten.

[ 25 ] This is further heightened by a certain impression. When a person crosses the threshold of the higher worlds—the threshold that separates the physical from the supersensory—they perceive something entirely new. Things and experiences they could never have imagined before come to meet them. This cannot be compared to anything a person perceives in the sensory world. But there is one thing that remains the same in both worlds and in all worlds that are within a person’s reach: that is thinking—the kind of thinking a person acquires when they think free from sensory influences. They need this kind of thinking up there to distinguish illusions from reality and deceptions from truth. Here in the physical world, erroneous thinking is corrected by the things themselves; if someone were to turn the wrong crank on a machine, the machine would not function properly or would come to a standstill. In the higher worlds, however, we are solely the beings who must set our own firm course. There, we cannot distinguish between illusion and reality, or between deception and truth, unless we can set this fixed direction for ourselves through our trained thinking; if we are unable to do so, then we cannot find our way in these higher worlds. What will guide us safely are our thoughts, for they are the same, both here in the physical world and there in the spiritual worlds.

[ 26 ] Wenn der Schüler diese Vorstufe überwunden hat, dann erst ist er reif, wirklich die Schwelle zu übertreten, die einführt in die höheren Welten, die er nicht sehen kann, ohne die übersinnlichen Wahrnehmungsorgane, die er entwickelt hat. Wir müssen auch hier ein Gebiet beschreiben, das für viele ganz unbekannt ist: Es müssen Gefühle entwickelt werden dadurch, dass wir von dem bloßen Denken, von den Vorstellungen hinaufschreiten zu dem, was man Imagination, Bild nennt. Durch diese Imagination wird das wahre Gefühl geschult, sodass wir durch die Dinge hindurch zu ihrem Ewigen, Unvergänglichen schreiten können, in dem Sinne, wie Goethe sagt: «Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.» Die Dinge in dieser Art ansehen, als Gleichnis für ein Ewiges, das gewöhnen wir uns an, wenn wir Schüler werden.

[ 26 ] Only when the student has overcome this preliminary stage is he truly ready to cross the threshold that leads into the higher worlds, which he cannot see without the supersensible organs of perception he has developed. Here, too, we must describe a realm that is entirely unknown to many: feelings must be developed by rising from mere thinking and concepts to what is called imagination or imagery. Through this imagination, true feeling is cultivated, so that we can look through things to their eternal, imperishable essence, in the sense that Goethe says: “Everything transitory is but a parable.” We accustom ourselves to viewing things in this way—as parables for the eternal—when we become students.

[ 27 ] Wir können heute überall ein Zauberwort, «Entwicklung», aussprechen hören. Man redet davon, der Mensch, ein untergeordnetes Wesen ist hinaufgestiegen, ist immer vollkommener und vollkommener geworden, und er hat sich aus einem niederen Wesen hinaufentwickelt zu seiner heutigen Gestalt. Da stellt man abstrakte Ideen hin. Wer wirklich eindringen will in die Entwicklung der Welt und des Menschen, der muss lernen, seine Begriffe zu Bildern umzuwandeln. Nur dadurch kann er hinter den Schleier dringen; das müssen wir lernen, der Lehrer macht das, was damit gemeint ist, dem Schüler klar in solchem Dialog, der zwar niemals gehalten wird, aber doch zu einer monate-, manchmal jahrelangen Entwicklung des Schülers gehört: Sieh dir an die Pflanze, sie streckt ihre Wurzeln hinein in die Erde, aus der Erde erheben sich Stängel, Blätter, zuletzt Blüte und Kelche. Die Blumenkrone erhebt sich der Sonne entgegen, darin ruht das Fruchtorgan. Dadurch, dass sie dem Sonnenstrahl entgegenstreckt ihren Blütenkelch, wird herausgelockt ihr Inneres, sodass sie neuen Samen und damit neue Pflanzen hervorbringen kann. Dem Kuss des Sonnenstrahls verdankt die Pflanze ihre Reifung, sodass sie ein Ähnliches hervorbringen kann. Vergleiche nun den Menschen mit der Pflanze, doch so, dass du den Kopf des Menschen mit der Wurzel der Pflanze vergleichst. Das, was die Pflanze rein und keusch dem Sonnenstrahl entgegenstreckt, ihr Befruchtungsorgan, das verbirgt der Mensch schamvoll und streckt es der Erde zu. Der Mensch ist die umgewandelte Pflanze; er wendet den Kopf, der die Wurzel der Pflanze darstellt, frei in den Kosmos hinaus, um diejenigen Kräfte aufzunehmen, wie die Pflanze sie auch aufnimmt, wenn sie vom Sonnenstrahl die Kraft erhält, um Samen hervorzubringen. Wir verstehen so ein Wort des großen Plato: Die Weltenseele ist am Kreuz des Weltenleibes gekreuzigt. Die Weltenseele entwickelt sich durch die Lebewesen; sie lebt in Pflanzen, Tier und Mensch. —- Das sind ihre Leiber, die Reiche der Natur. Im Kreuze finden wir das symbolisch angedeutet. Die drei Reiche sind in dem nach unten gerichteten Balken, die Pflanze, die mit ihren Wurzeln in der Erde steckt, der obere Balken ist der Mensch, der das, was an der Pflanze Wurzel ist, frei in den Kosmos hineinstreckt, in der Mitte das Tier, der Querbalken, der der horizontalen Stellung des Tieres entspricht. Das ist die tiefste Bedeutung des Kreuzes in allen Religionen. Das wurde dem Schüler klargemacht. Der Mensch ist emporgestiegen von der Pflanze. Schau an die Pflanze, warum darf sie sich frei dem Sonnenstrahl entgegenstrecken? Die ganze Substanz der Pflanze ist keusch, frei von Begierde, dafür aber hat sie kein Bewusstsein, durch das sie wahrnehmen kann wie der Mensch. Sie schläft wie der Mensch in der Nacht. Der Mensch hat sich dies Bewusstsein, was er jetzt hat, erkauft dadurch, dass er die reine keusche Pflanzensubstanz durchzogen hat mit Leidenschaft und Begierde. Die Pflanzensubstanz ist in ihm zum Fleisch geworden. In diesem zum Fleisch gewordenen Substanziellen lebt der Mensch im Wachbewusstsein. Nun schaut hinein in die Zukunft, da wird der Mensch sich umgewandelt haben. Er wird gereinigt haben die unreine begierdenvolle Fleischessubstanz, rein und keusch wird wiederum sein die Menschennatur. Dann werden die niederen Begierdenorgane abgefallen sein, er wird mit höheren Organen ausgerüstet sein, und mit einem höheren Bewusstsein, und er wird seine reinen, keuschen Befruchtungsorgane dem geistigen Sonnenstrahl der heiligen Liebeslanze entgegenstrecken. Wer hineinschauen kann in den Gang des Weltenwerdens, der weiß: Es gibt Organe am Menschenleib, die abfallen, die sich abschnüren werden, und solche, die höher und höher entwickelt werden, die rein und keusch ausgerüstet mit einem höheren Bewusstsein dem Menschen Ähnliches hervorbringen werden. Dies reale Ideal, das dem Menschen als Schüler vor Augen steht wie etwas, das wirklich die ganze Menschheit erreichen wird, gibt einen anderen Begriff von Entwicklung als abstrakte Begriffe. Wenn wir uns hinaufwenden zu diesem realen Ideal, das man nennt den heiligen Gral, wenn wir diese Entwicklung überschauen, dann verfolgen wir eine solche Entwicklung nicht nur mit Gedanken, nicht bloß mit dem Verstand, sondern unser Gefühl wird mitgerissen. Schauer durchbeben den, der so verfolgt den Entwicklungsgang der Menschheit, und was wir dann fühlen, ist etwas, was wie ein Hauch durch die Seele geht. Dann entwickeln wir innere Organe in unserer Seele und neue Welten erscheinen uns — durch solche intime Vorgänge des Innern werden erweckt die Geistesorgane. Wie vorher das Denken wird jetzt entwickelt das Gefühl.

[ 27 ] Today, we hear the magic word “evolution” spoken everywhere. People talk about how human beings—once inferior creatures—have risen, becoming more and more perfect, and have evolved from a lower form of life into their present form. These are abstract ideas being put forward. Anyone who truly wishes to penetrate the evolution of the world and of humankind must learn to transform their concepts into images. Only in this way can one penetrate the veil; this is what we must learn. The teacher makes clear to the student what is meant by this through a dialogue that, while never actually spoken, is nonetheless part of the student’s development over months, sometimes years: Look at the plant—it stretches its roots into the earth; from the earth rise stems, leaves, and finally blossoms and calyxes. The corolla rises toward the sun; within it rests the fruit-bearing organ. By stretching its calyx toward the sun’s rays, its innermost being is drawn forth, enabling it to produce new seeds and thus new plants. The plant owes its maturation to the kiss of the sun’s rays, allowing it to bring forth something similar. Now compare the human being to the plant, but in such a way that you compare the human head to the plant’s root. What the plant stretches out purely and chastely toward the sun’s rays—its reproductive organ—the human being bashfully conceals and stretches toward the earth. Human beings are the transformed plant; they turn their head—which represents the plant’s root—freely out into the cosmos to absorb those forces, just as the plant absorbs them when it receives the power from the sunbeam to produce seeds. This helps us understand a saying by the great Plato: The world soul is crucified on the cross of the world body. The world soul develops through living beings; it lives in plants, animals, and human beings. —- These are its bodies, the kingdoms of nature. We find this symbolically represented in the cross. The three kingdoms are depicted in the downward-pointing beam: the plant, with its roots embedded in the earth; the upper beam represents humanity, which extends freely into the cosmos what is the root in the plant; and in the middle is the animal, the crossbeam corresponding to the animal’s horizontal posture. This is the deepest meaning of the cross in all religions. This was made clear to the student. Humanity has ascended from the plant. Look at the plant—why is it allowed to stretch freely toward the sun’s rays? The entire substance of the plant is chaste, free from desire; yet it lacks the consciousness through which it can perceive as humans do. It sleeps, just as humans do at night. Humanity has acquired this consciousness—which it now possesses—by permeating the pure, chaste plant substance with passion and desire. The plant substance has become flesh within humanity. In this substantial form that has become flesh, humanity lives in waking consciousness. Now look into the future: by then, humanity will have been transformed. He will have purified the impure, lustful fleshly substance; human nature will once again be pure and chaste. Then the lower organs of desire will have fallen away; he will be endowed with higher organs and a higher consciousness, and he will extend his pure, chaste reproductive organs toward the spiritual sunbeam of the holy lance of love. Anyone who can look into the course of world-becoming knows this: There are organs in the human body that will fall away, that will be severed, and others that will be developed higher and higher—organs that, pure and chaste and endowed with a higher consciousness, will bring forth beings similar to humankind. This real ideal, which stands before the human being as a student as something that will truly be attained by all of humanity, offers a different conception of development than abstract concepts. When we turn our gaze upward toward this real ideal, which is called the Holy Grail, when we survey this development, then we do not merely follow such a development with our thoughts, not merely with our intellect, but our feelings are swept along as well. Shivers run through the one who thus follows the course of human development, and what we then feel is something that passes through the soul like a breath. Then we develop inner organs in our soul, and new worlds appear to us—through such intimate inner processes, the spiritual organs are awakened. Just as thinking was developed before, so now feeling is developed.

[ 28 ] Hat der Schüler Energie, immer weiter und weiter zu schreiten, dass er die Welt so in Bildern in sich erlebt, dann steigt auf die Welt des Geistigen, die Welt des Astralen. Das ist die Vorbereitung, um die Schwelle zu überschreiten.

[ 28 ] If the student has the energy to keep going further and further, so that he experiences the world as images within himself, then he ascends to the world of the spiritual, the astral world. This is the preparation for crossing the threshold.

[ 29 ] Dann wird der Wille entwickelt durch die sogenannte okkulte Schrift. Das, was in der ganzen Apokalypse, im Johannesevangelium sich findet, solche Bilder gehören zur okkulten Schrift. Wenn wir uns darin vertiefen, dann erziehen wir unseren Willen, um in die geistigen Welten hineinzukommen. Das erste Siegel ist eines, das uns vergegenwärtigt den Anfangs- und Endzustand unseres Erdenwerdens. Wir werden eingeführt in den Zustand der Erde, wie noch eine viel höhere Temperatur als auf der heutigen Erde war. Der Mensch war schon damals mit der Erde in Verbindung, er war schon damals in anderer Form vereint mit dem Erdenkörper. Das ist ausgedrückt in dem Mann, dessen Füße im Metallfluss stehen. Sie bestehen aus flüssigem Metall. So wie damals am Menschen andere geistige Wesenheiten im Feuer schufen, so wird sein der Endzustand des Menschen. Die Erde wird wieder Feuer sein, und der Mensch wird imstande sein, mit der Kraft des Feuers zu schaffen. Das zeigt an das feurige Schwert, das aus dem Munde hervorgeht. An diesen Bildern ist alles von tiefer Bedeutung, jedes Zeichen, jede Zahl. Solches Siegel bezieht sich auf tiefe Geheimnisse des Daseins. Wenn der Mensch sich mit dieser Schrift bekannt macht, dringt er ein in die geistige Wesenheit, die hinter den Erscheinungen unseres Daseins sind. Damit wird der Wille des Menschen eins mit dem Willen der Natur; magische Kräfte fließen von dem Menschen hinaus in den Kosmos, sein Wille taucht unter in jedes Wesen, er fühlt sich eins mit dem ganzen Kosmos, er geht auf in dem ganzen Kosmos. Er wird allmählich eins mit den Kräften der Wesen um uns herum. Wenn der Mensch mit Geduld sich durch die okkulte Schrift hindurchfindet, dann wird sein Wille durch Eindringen in den ganzen Kosmos nicht nur wollend, sondern sehend und namentlich hörend. Dann wird es Wahrheit, was Goethe ausspricht, als er von den geistigen Welten redet, da spricht er von der Art, wie der Wille entwickelt ist, wie eben geschildert. Dann ist es Wahrheit:

[ 29 ] Then the will is developed through what is known as the occult scripture. The imagery found throughout the Book of Revelation and the Gospel of John belongs to the occult scripture. When we immerse ourselves in it, we train our will to enter the spiritual worlds. The first seal is one that brings to mind the initial and final states of our earthly existence. We are introduced to the state of the Earth when its temperature was much higher than it is today. Even then, human beings were connected to the Earth; even then, they were united with the Earth’s body in a different form. This is expressed in the figure of the man whose feet stand in a river of metal. They consist of liquid metal. Just as other spiritual beings once created humanity in fire, so will be humanity’s final state. The Earth will once again be fire, and humanity will be able to create with the power of fire. This is symbolized by the fiery sword that emerges from the mouth. In these images, everything has deep significance—every symbol, every number. Such a seal refers to the profound mysteries of existence. When a person familiarizes himself with this text, he penetrates the spiritual essence that lies behind the phenomena of our existence. Thus, the human will becomes one with the will of nature; magical forces flow out from the human being into the cosmos, his will penetrates every being, he feels at one with the entire cosmos, and he merges with the entire cosmos. He gradually becomes one with the forces of the beings around us. When a person patiently makes his way through the occult text, his will—by penetrating the entire cosmos—becomes not only willing, but seeing and, above all, hearing. Then what Goethe expresses when he speaks of the spiritual worlds becomes truth; there he speaks of the way the will is developed, just as described. Then it is true:

Die Sonne tönt in alter Weise
In Brudersphären Wettgesang,
Und ihre vorgeschriebne Reise
Vollendet sie mit Donnergang.

The sun resounds as it always has
In the spheres of the brotherhood, a contest of song,
And its prescribed journey
It completes with a thunderous roar.

[ 30 ] Diejenigen, die das verstehen wollten, haben Geheimnisvolles in diesen Worten gesucht, sie sind aber der Wirklichkeit entlehnt. Es tönt die geistige Sonne für denjenigen, der das geistige Ohr entwickelt hat, das heißt, der einen entwickelten Willen hat, und ihn erweitert hat zum geistigen Hören, das höher steht als das astralische Schauen. Und in den Worten: «Tönend wird für Geistesohren schon der junge Tag geboren» ist selbst der Ausdruck «Geistesohren» wahr. Das ist kein sagenhaftes Bild, es ist wahrer, als man im Allgemeinen annimmt.

[ 30 ] Those who wanted to understand this have sought mystery in these words, but they are drawn from reality. The spiritual sun resounds for those who have developed the spiritual ear—that is, those who possess a developed will and have expanded it to spiritual hearing, which stands higher than astral vision. And in the words, “Resounding, the young day is already born for spiritual ears,” even the expression “spiritual ears” is true. This is not a mythical image; it is truer than is generally assumed.

[ 31 ] Wir haben heute über das Prinzip der Einweihung gesprochen, morgen wollen wir über ihre sogenannten Gefahren reden.

[ 31 ] Today we talked about the principle of initiation; tomorrow we’ll discuss its so-called dangers.

[ 32 ] Das Aufgehen der einzelnen Personen kann nur errungen werden in geduldigem, energischem Vorschreiten. Die Geisteswissenschaft zeigt Schritt für Schritt das erhabene Ziel, das der Mensch erreichen kann. Der Mensch soll sich nicht bloß auf sein Inneres besinnen, das ist bloße Phrase. Aufgehen muss er im All, im Kosmos, denn der enthält unser Ich.

[ 32 ] The absorption of the individual into the whole can only be achieved through patient, determined progress. Spiritual science reveals, step by step, the sublime goal that human beings can attain. Human beings should not merely reflect on their inner selves; that is mere rhetoric. They must merge with the universe, with the cosmos, for it contains our “I.”

[ 33 ] Durch geduldiges Aufgehen in den Wesen um uns herum entwickeln wir unser Inneres so, dass wir lernen, in Liebe den ganzen Kosmos zu umfassen.

[ 33 ] By patiently attuning ourselves to the beings around us, we develop our inner selves in such a way that we learn to embrace the entire cosmos with love.

[ 34 ] Dann dürfen wir erkennen unser höheres Selbst. Wir sind entstanden im Schoße der Welt, wir müssen uns verbinden mit den Geheimnissen des Weltenschoßes, müssen sie erkennen. In der Harmonie zwischen Innen- und Außenwelt, in dem Ausgleich zwischen dem Leben, das wir als unser Tiefstes in uns empfinden, und dem, was wir als Höchstes außer uns erkennen, können wir Seligkeit, Erkenntnis und Frieden finden. Einweihung ist etwas, was nicht bloß in das Innere des Menschen hineinreicht, sondern was weit hinausreicht in die Welt. Jeden Schritt musst du in Einklang bringen mit den Wesen, die, außer dir, zu dir gehören. Nicht dadurch, dass du in dein Inneres blickst, sondern dadurch, dass du loskommst von deinem egoistischen Ich, gelangst du zu einer höheren Stufe des Seins. Als Geleitwort, als Motto für einen jeden Einzuweihenden gilt das Wort Goethes, das ausspricht, dass der Mensch nur dann Harmonie herstellen kann, wenn er loskommt von seinem eigenen Ich. Erst dann kann er seinen eigenen Mittelpunkt finden, wenn er das Innere und das Äußere in Begriffe abstimmt.

[ 34 ] Then we may come to know our higher self. We were born in the womb of the world; we must connect with the mysteries of the world’s womb and come to know them. In the harmony between the inner and outer worlds, in the balance between the life we feel as our deepest self and what we recognize as the highest beyond ourselves, we can find bliss, insight, and peace. Initiation is something that does not merely reach into the innermost being of a person, but extends far out into the world. You must bring every step into harmony with the beings who, apart from yourself, belong to you. It is not by looking inward, but by detaching yourself from your egoistic self that you attain a higher level of being. As a guiding principle, as a motto for every initiate, Goethe’s words apply, which state that a person can create harmony only when he breaks free from his own ego. Only then can he find his own center, when he brings his inner and outer worlds into harmony.

Denn alle Kraft strebt vorwärts in die Weite
Zu leben und zu wirken hier und dort
Dagegen engt und hemmt von jeder Seite
Der Strom der Welt, und reißt uns mit sich fort.
In diesem innern Sturm und äußern Streite
Vernimmt der Geist ein schwer verstanden Wort:
Von der Gewalt, die alle Wesen bindet,
Befreit der Mensch sich, der sich überwindet.

For all power strives forward into the vastness
To live and act here and there
Yet from every side, the current of the world
Restrains and hinders us, sweeping us away.
In this inner storm and outer strife
The spirit hears a word that is hard to understand:
From the power that binds all beings,
The person who overcomes himself is set free.