The Essence of Christianity
GA 68a
31 January 1908, Mainz
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The Essence of Christianity, tr. SOL
38. Religion, Wissenschaft und Theosophie
38. Religion, Science, and Theosophy
[ 1 ] Dasjenige, was heute als theosophische Bewegung, theosophische Weltanschauung bezeichnet wird, ist nicht wie so manche andere Bewegung in die neuere Kultur hineingekommen. Die theosophische Bewegung entspringt nicht der Willkür eines einzelnen Agitators. Manchmal entsteht eine Bewegung durch einen Einzelnen, dadurch, dass er fähig ist, auf die Menschen zu wirken, durch seine Rede Herzen zu entflammen. Der theosophischen Bewegung als solcher müssen wir eine ganz andere Grundlage zuschreiben. Sie ist entsprungen aus der Erkenntnis heraus, dass die fortschreitende Menschheit eine solche Bewegung braucht, aus der Erkenntnis heraus, dass solche Seelengüter der Menschheit, die seit Urzeiten die Menschheit hoffnungsfreudig gemacht haben, in einer neuen Form an die Menschheit herangebracht werden müssen.
[ 1 ] What is today referred to as the Theosophical Movement or the Theosophical worldview did not enter modern culture in the same way as so many other movements. The Theosophical Movement does not spring from the whim of a single agitator. Sometimes a movement arises through an individual who is capable of influencing people and inspiring hearts through his speech. We must attribute a completely different foundation to the Theosophical Movement as such. It arose from the realization that humanity, as it progresses, needs such a movement; from the realization that those spiritual treasures of humanity—which have filled people with hope since time immemorial—must be presented to humanity in a new form.
[ 2 ] Wenn wir hineinblicken in die Seele des Kindes, das heranwächst, das entgegenwachsen soll dem Leben, ausgerüstet werden soll mit den Kräften, die es zu einem gesunden Leben vorbereiten, dann werden wir sehen, wie die herbsten Zweifel schon vom frühesten Alter an unter den Eindrücken der heutigen Erziehung in seiner Seele Platz greifen müssen. Wir sehen, wie das Kind hineingeführt wird in die Erkenntnisse einer übersinnlichen Welt, einer Welt, in der ihm Antwort gegeben werden soll auf die Fragen nach den Rätseln des Lebens, auf die Frage, wie verhält es sich mit dem Tode, und andere ernste Fragen, auf alle großen Rätselfragen des Daseins, die ein jeder Mensch nicht nur aus einem bloßen Gefühl beantwortet haben muss.
[ 2 ] If we look into the soul of the child who is growing up, who is meant to develop in harmony with life and be equipped with the strengths that prepare him or her for a healthy life, then we will see how the deepest doubts must take root in his or her soul from the earliest age under the influence of today’s education. We see how the child is introduced to the insights of a supernatural world—a world in which answers are to be given to the questions about the mysteries of life, to the question of what death is all about, and to other serious questions—to all the great mysteries of existence that every human being must answer based on more than just a mere feeling.
[ 3 ] Allen diesen Fragen gegenüber, die den Menschen hinweisen auf ein Übersinnliches, gerät der Mensch in bange Zweifel und herbe Enttäuschungen, schon als Kind, wenn er das erfährt, was scheinbar so gewaltig die heutige Naturwissenschaft vor den Menschen hinstellt. Gerade die Menschen, die veranlagt sind mit dem besten Wahrheitsgefühl, die kommen in der frühesten Jugend in die herbsten Zweifel durch das, was an sie herantritt in unserer Zeit. Bei manchen herrscht oftmals eine große Bangigkeit; man möchte gar nicht rühren an das, was über das Sichtbare hinausgeht. Gleichgültigkeit gegen diese Fragen ist das eine, was man bei manchen Menschen findet; das andere ist jene bittere Spaltung der Seele zwischen dem, was scheinbar die Wissenschaft auf der einen Seite und auf der anderen Seite die religiösen Wahrheiten geben.
[ 3 ] Faced with all these questions that point people toward the supernatural, human beings are plunged into anxious doubt and bitter disappointment—even as children—when they learn what modern science seemingly presents to them as so overwhelming. It is precisely those people who are endowed with the keenest sense of truth who, in their earliest youth, are plunged into the most bitter doubts by what confronts them in our time. Some are often overcome by great trepidation; they do not even want to touch upon what lies beyond the visible. Indifference toward these questions is one thing one finds in some people; the other is that bitter division of the soul between what science seemingly offers on the one hand and religious truths on the other.
[ 4 ] Man kann sich fragen, was das Bessere ist: wenn der Mensch stumpf durch das Leben geht, oder das tragische Geschick erlebt, woran er seelisch zerbrechen kann. Man kann vielleicht sagen, es gibt ja immer auch noch solche, die nicht in solche Zweifel kommen. Aber wer die Zeichen der Zeit versteht, der weiß, dass das, was da sich zeigt, nur ein Anfang ist dessen, was sich immer mehr verstärken wird. Es muss etwas geboten werden, damit die Menschen, die durch die Erkenntnisse der Naturwissenschaft glauben, nicht mehr festhalten zu können an dem Glauben an das Übersinnliche, wieder einen Weg dahin finden. Es muss ein Weg gefunden werden auch für die, welche glauben, brechen zu müssen mit den religiösen Traditionen. Wir sehen, wie gerade die Besten unserer Zeit in den religiösen Bekenntnissen sehen, was ihrer Meinung nach für ein Kindheitszeitalter das Richtige war; diese müssen etwas haben, was ihr Bewusstsein befriedigt. Die theosophische Weltanschauung ist da, um auch für das modernste Bewusstsein einen Weg zu eröffnen nach den Urquellen des Daseins.
[ 4 ] One might ask which is better: for a person to go through life in a daze, or to experience a tragic fate that could break them emotionally. One might say, after all, that there are always those who do not fall into such doubts. But anyone who understands the signs of the times knows that what is now becoming apparent is only the beginning of something that will continue to intensify. Something must be offered so that people who, due to the findings of natural science, feel they can no longer hold fast to a belief in the supernatural, may find a path back to it. A path must also be found for those who feel they must break with religious traditions. We see how even the finest minds of our time view religious creeds as something that, in their opinion, was appropriate for a childhood era; they need something that satisfies their consciousness. The theosophical worldview is here to open a path—even for the most modern consciousness—to the primordial sources of existence.
[ 5 ] Wer einen solchen Weg sucht, darf sich vielleicht erinnern an einen der großen Geister der neueren Zeit, der nie das Wort «Theosophie» ausgesprochen hat, aber dessen ganzes Denken, Fühlen und Empfinden den Geist der Theosophie aussprach. Er sagte: «Wer Wissenschaft und Kunst besitzt, der hat auch Religion; wer diese beiden nicht besitzt, der habe Religion.» Wir dürfen uns erinnern an jenen Augenblick, als Goethe in Italien den großen Kunstwerken gegenüberstand, nach denen er sich so sehr sehnte, ehe er nach Italien kam. «Da ist Notwendigkeit, da ist Gott», sagte er, als er von ihnen sprach. Als er erklären wollte, warum ihm aus der künstlerischen Form Notwendigkeit, Gott entgegenleuchtete, da sagte er: Ich habe die Vermutung, dass die Griechen nach den Gesetzen verfuhren, nach welchen die Natur selbst verfährt, und denen ich auf der Spur bin.
[ 5 ] Anyone seeking such a path might recall one of the great minds of modern times, who never uttered the word “theosophy,” but whose entire way of thinking, feeling, and perceiving expressed the spirit of theosophy. He said: “Whoever possesses science and art also possesses religion; whoever does not possess these two, let him have religion.” We may recall that moment when Goethe stood before the great works of art in Italy—the very works he had so longed for before coming to Italy. “There is necessity; there is God,” he said as he spoke of them. When he sought to explain why necessity—God—shone forth to him from the artistic form, he said: “I suspect that the Greeks acted according to the laws by which nature itself acts, and which I am seeking to trace.”
[ 6 ] Fassen wir einmal zusammen, wie bei Goethe zusammenwirkte Naturanschauung, Weltanschauung und religiöses Empfinden. Goethe hatte etwas von dem, was wir als theosophische Grundempfindung erkennenlernen wollen. Als Kind besaß er schon diese Empfindung. Er suchte sich allerlei Mineralien und Pflanzen, legte sie auf ein Musikpult, darauf stellte er ein Räucherkerzchen; das entzündete er mit einen Brennglas durch die ersten Strahlen der Sonne. So glaubte er, dem Gotte, der ihm entgegentrat aus allen Naturwerken, nahe zu sein durch dieses Opfer, was er ihm darbrachte. Dürfen wir uns verwundern, dass solch gewaltiges religiöses Gefühl auch später in seinen wissenschaftlichen Bestrebungen zum Vorschein kommt?
[ 6 ] Let us summarize how Goethe’s view of nature, his worldview, and his religious sensibility interplayed. Goethe possessed something of what we are seeking to recognize as a fundamental theosophical sensibility. He already possessed this sensibility as a child. He would collect all sorts of minerals and plants, place them on a music stand, and set a small incense candle on top; he would light it with a magnifying glass using the first rays of the sun. In this way, he believed he was drawing near to God—who appeared to him in all of nature’s works—through this offering he presented to Him. Should we be surprised that such a powerful religious feeling also emerged later in his scientific endeavors?
[ 7 ] Goethe versuchte zu erkennen, wie die alten Künstler die göttliche Gesetzmäßigkeit durchschauen lassen in ihren Kunstwerken. Da sah er in dem, was die alten Künstler schufen, Notwendigkeit, Gott. Für ihn war der echte Künstler der, der in seiner Seele das geistige Gotteslicht auffing, wie das Brennglas das physische Licht auffängt. Wenn Goethe in den Farben und Formen sah, dann erschien es ihm als echte Kunst. Wer in die Natur hineinblickt, der sehnt sich nach ihrer schaffenden Auslegerin, der Kunst. Goethe erkannte den engen Zusammenhang zwischen Natur und Kunst, wie in beiden dieselbe Gesetzmäßigkeit herrscht, und die Wissenschaft ist für ihn die rechte, wenn sie zu dieser Erkenntnis führt. «Wer Wissenschaft und Kunst besitzt, der hat auch Religion», sagt er deshalb. Für einen so hohen Geist konnte durch die Erkenntnis nur entstehen das Fühlen des Gottes in seiner die ganzen Natur durchflutenden Gesetzmäßigkeit.
[ 7 ] Goethe sought to understand how the ancient artists revealed divine lawfulness in their works of art. In what the ancient artists created, he saw necessity—and God. For him, the true artist was one who captured the spiritual light of God in his soul, just as a magnifying glass captures physical light. When Goethe looked at colors and forms, they appeared to him as true art. Anyone who looks into nature yearns for its creative interpreter: art. Goethe recognized the close connection between nature and art, how the same laws govern both, and for him, science is true only if it leads to this insight. “Whoever possesses science and art also possesses religion,” he therefore says. For such a lofty spirit, this insight could only give rise to a sense of God in the laws that permeate all of nature.
[ 8 ] Die menschliche Natur braucht Impulse, wodurch dies Fühlen in jede Seele dringt. — Blicken wir einmal in die Zeiten des viel verlästerten Mittelalters, als noch nicht durch tausend und abertausend Kanäle eine wissenschaftliche Tatsache hineingesenkt wurde in die schlichteste Menschenseele. Wir wollen uns versetzen in ein strebendes, schlichtes Menschenherz, wie es gegenüberstand seinen Lehrern, und wollen uns hineinversetzen in den Gang der geschichtlichen Ereignisse, wie das damals alles nach und nach heraufkam, wie die neue Zeit begann und die kopernikanische Weltanschauung einen so großen Umschwung in der Menschheitsentwicklung brachte. Wir wollen uns klar werden darüber, wie das, was man jetzt als Theosophie bezeichnet, für den Menschen der älteren Zeit gar nicht notwendig war, wie der weitaus größte Teil der Menschheit das damals erhielt aus Empfindungen heraus, die bei den meisten aus religiösen Überzeugungen hervorgingen. Gerade die Entwicklung in unsere Zeit hinein, die macht die Theosophie notwendig. Gäbe es nicht die moderne Wissenschaft mit ihren Zweifeln und Skrupeln, welche sie gerade erzeugt, so brauchte man keine Theosophie.
[ 8 ] Human nature needs impulses through which this feeling can penetrate every soul. — Let us take a look back at the much-maligned Middle Ages, when scientific facts had not yet been instilled into even the simplest human soul through a thousand and thousands of channels. Let us put ourselves in the place of an aspiring, simple human heart as it faced its teachers, and let us immerse ourselves in the course of historical events—how everything gradually came to the fore at that time, how the new era began, and how the Copernican worldview brought about such a great transformation in human development. Let us clarify how what is now called theosophy was not at all necessary for people of earlier times, how the vast majority of humanity received their understanding back then through feelings that, for most, arose from religious convictions. It is precisely the development leading up to our own time that makes theosophy necessary. If it were not for modern science, with the doubts and reservations it itself generates, there would be no need for theosophy.
[ 9 ] Wer die Theosophie kennt, der weiß, dass in Wirklichkeit kein Widerspruch besteht zwischen den religiösen Überzeugungen und den wissenschaftlichen Wahrheiten. Seit die moderne Wissenschaft die Welt beeinflusst, seit jener Zeit braucht man ein Instrument der Erkenntnis, welches tiefer geht als die Wissenschaft, die die Welt nur an der Oberfläche betrachtet. Theosophie steht durchaus im Einklang mit der Wissenschaft. Wenn wir uns tiefer einlassen auf Theosophie, werden wir finden, dass sie ganz im Einklange ist mit der Wissenschaft. Sie geht nur tiefer. Sie beschäftigt sich mit der übersinnlichen, mit der überphysischen Welt. Die Art, wie sie sich damit befasst, ist genau dieselbe wie die, womit man forscht in der modernen Wissenschaft. Nur hat sie zu tun mit der übersinnlichen Welt. Dadurch, dass sie sich befasst mit der Welt, in welcher der Mensch selbst ein übersinnliches Wesen ist, wird sie zu einer Art religiöser Erkenntnis. Die Theosophie bezweifelt nicht die Wahrheit der wirklichen religiösen Erkenntnis. Dem Menschen, der nicht mehr imstande ist, mit den alten Mitteln diese religiöse Überzeugung festzuhalten, dem will sie neue Mittel geben, um diese Überzeugung festzuhalten.
[ 9 ] Anyone familiar with Theosophy knows that, in reality, there is no contradiction between religious beliefs and scientific truths. Ever since modern science began to influence the world, we have needed a means of understanding that goes deeper than science, which views the world only on the surface. Theosophy is entirely in harmony with science. If we delve deeper into theosophy, we will find that it is fully in harmony with science. It simply goes deeper. It deals with the supersensible, the superphysical world. The way it approaches this is exactly the same as the methods used in modern scientific research. The only difference is that it deals with the supersensible world. Because it deals with the world in which human beings themselves are supersensible beings, it becomes a form of religious knowledge. Theosophy does not doubt the truth of genuine religious insight. For those who are no longer able to maintain this religious conviction through traditional means, it seeks to provide new means by which to uphold this conviction.
[ 10 ] Nachdem wir gesehen haben, dass nicht nur einer Willkür die theosophische Weltanschauung entspricht, wollen wir hindeuten auf die Orte, wo die Theosophie aufklärend und Licht verbreitend zu wirken hat. Die äußere Wissenschaft beschäftigt sich nur mit dem, was sich aus der äußeren Erfahrung heraus ergeben kann. Wer würde denn nicht mit dieser äußeren Wissenschaft übereinstimmen, seit dem, was von Kopernikus, Galilei, Kepler bis zu Kirchhoff und [Bunsen], bis zu all denen, die in unsern Tagen hineinleuchten in die Welt des Materiellen, der Menschheit gegeben worden ist? Wir könnten nennen eine lange Reihe von wunderbaren Ergebnissen moderner Wissenschaft. Der Theosoph hat keinen Grund, seine Bewunderung gegenüber dieser Tatsachenwelt zurückzuhalten. Die moderne Wissenschaft hat es aber gerade dadurch zu ihrer Höhe gebracht, dass sie sich beschränkte auf den Umkreis der äußeren Welt.
[ 10 ] Now that we have seen that the theosophical worldview is not merely arbitrary, let us point out the areas where theosophy has an enlightening and illuminating effect. External science deals only with what can be derived from external experience. Who would not agree with this external science, given what has been bestowed upon humanity—from Copernicus, Galileo, and Kepler to Kirchhoff and [Bunsen], and on to all those who, in our own day, shed light on the material world? We could name a long series of marvelous achievements of modern science. The theosophist has no reason to withhold his admiration for this world of facts. Yet modern science has reached its pinnacle precisely by limiting itself to the sphere of the external world.
[ 11 ] Du Bois-Reymond sprach auf der Naturforscherversammlung in Leipzig im Jahre 1872 in der Ignorabimusrede gegenüber der Erkenntnis des Menschen ein merkwürdiges Wort aus. Er sagt, der Naturforscher sei eigentlich nur imstande, den schlafenden Menschen zu begreifen, aber nicht den wachenden Menschen. Er sagt, dass der Naturforscher die stofflichen Grundlagen des Menschen zu erforschen habe, wie sich im menschlichen Gehirn die Kohlenstoff-, Wasserstoff-, Stickstoff-, Sauerstoff-Atome zusammenlegen, wenn irgendein Impuls oder Gedanke zustande kommt. Er sagt, dass dadurch über die eigentliche Seelenhaftigkeit noch nichts begriffen ist. Er führt Leibniz an, der sagt: Stellt euch einmal vor, das Gehirn sei so vergrößert, dass ihr darin spazieren gehen könntet wie in einer Fabrik, so würdet ihr doch nicht wissen, wie die Bewegungen entstehen, warum dadurch die Empfindungen entstehen: Ich sehe Rot, ich rieche Rosenduft, ich höre Orgelton. Du Bois-Reymond wollte es der Naturwissenschaft nicht zugeben, dass sie die Möglichkeit habe, herauszufinden die Brücke zwischen den physischen Bewegungen der Atome und den seelischen Empfindungen. Ganz recht sagte er: «Wenn wir einen schlafenden Menschen vor uns haben, dann können wir ihn erkennen, denn dann ist das nicht da, was wir die inneren Seelenerlebnisse nennen. Das ist hinunter entschwunden in ein unbestimmtes Dunkel, während der Mensch im Schlafe ist.»
[ 11 ] In his “Ignorabimus” speech at the naturalists’ conference in Leipzig in 1872, Du Bois-Reymond made a curious remark regarding human understanding. He said that the naturalist is actually only capable of understanding the sleeping human being, but not the waking one. He says that the natural scientist must investigate the material foundations of human beings—how the carbon, hydrogen, nitrogen, and oxygen atoms in the human brain combine when any impulse or thought arises. He says that this still does not explain the actual nature of the soul. He quotes Leibniz, who says: Imagine for a moment that the brain were enlarged to such an extent that you could walk through it as if through a factory; yet you would still not know how the movements arise, or why they give rise to sensations: “I see red,” “I smell the scent of roses,” “I hear the sound of an organ.” Du Bois-Reymond refused to concede to the natural sciences that they had the ability to discover the bridge between the physical movements of atoms and mental sensations. He was quite right when he said: “When we have a sleeping person before us, we can recognize them, because what we call inner mental experiences are not present then. They have vanished down into an indefinite darkness while the person is asleep.”
[ 12 ] Noch ein anderes ist hinunter entschwunden, wenn der Mensch schläft, das, was wir nennen können des Menschen Ich-Gefühl, das, was den Mittelpunkt seines Wesens ausmacht. Nicht fühlt der Mensch in seinem Ich während des Schlafes die Erlebnisse der Seele, Lust und Schmerz, Freude und Leid et cetera. Es wäre nun das Unsinnigste, was es gäbe, wenn man behaupten wollte, das, was zu sich «Ich» sagt, was Rosenduft riecht, Orgeltöne hört, Farben sieht, das entschwindet des Abends ganz und gar und wird jeden Morgen wieder neu. Keine auf äußere sinnliche Tatsachen gerichtete Erklärung ist imstande, hier ein lösendes Wort zu sprechen. Deshalb durfte auch Du Bois-Reymond sagen: Den schlafenden Menschen kann der Naturforscher erkennen, den wachenden Menschen aber nicht. — Es entschwindet der naturwissenschaftlichen Erklärung beim Einschlafen der wahre Mensch.
[ 12 ] Yet another aspect vanishes when a person sleeps: what we might call a person’s sense of self—that which constitutes the center of their being. During sleep, a person does not feel within their “I” the experiences of the soul—pleasure and pain, joy and sorrow, and so on. It would be the most absurd thing imaginable to claim that what says “I” to itself—what smells the scent of roses, hears the sounds of an organ, and sees colors—disappears completely each evening and is renewed every morning. No explanation based on external sensory facts is capable of providing a definitive answer here. That is why Du Bois-Reymond was also able to say: The natural scientist can recognize the sleeping human being, but not the waking one. — The true human being eludes scientific explanation when one falls asleep.
[ 13 ] Nur die Geisteswissenschaft kann über den wahren Vorgang Aufschluss geben. Der schlafende Mensch lässt des Abends im Bette liegen seine äußeren Hülle und bezieht diesen Leib des Morgens wieder. Er selbst entschwindet des Abends in eine andere Welt. Ihn zu erforschen ist die Aufgabe der Theosophie oder Geisteswissenschaft. Es gibt die Möglichkeit, diesem Menschen zu folgen, nur ist es dem gegenwärtigen Menschen nicht leicht, zu dem Glauben an diese Möglichkeit zu kommen. Die theosophische Weltanschauung führt den Menschen in eine andere Welt ein. Sie redet von übersinnlichen und überphysischen Welten, nicht in einem zauberhaften oder abergläubischen Sinne, sondern in ganz natürlichem Sinne, in dem Sinne, wie Johann Gottlieb Fichte davon gesprochen hat. Er sagte im Herbst 1813 zu seinen Zuhörern: «Denke man eine Welt von Blindgeborenen, denen darum allein die Dinge und ihre Verhältnisse bekannt sind, die durch den Sinn der Betastung existieren. Tretet unter diese und redet ihnen von Farben und den anderen Verhältnissen, die nur durch das Licht und für das Sehen vorhanden sind. Entweder ihr redet ihnen von nichts, und dies ist das Glücklichere, wenn sie es sagen; denn auf diese Weise werdet ihr bald den Fehler merken und, falls ihr ihnen nicht die Augen zu öffnen vermögt, das vergebliche Reden einstellen.»
[ 13 ] Only spiritual science can shed light on the true process. In the evening, when going to bed, the sleeping person leaves his outer shell behind and re-enters this body in the morning. He himself disappears into another world in the evening. Exploring him is the task of theosophy or spiritual science. It is possible to follow this person, but it is not easy for people today to come to believe in this possibility. The theosophical worldview introduces people to another world. It speaks of supersensible and superphysical worlds, not in a magical or superstitious sense, but in a completely natural sense—in the sense that Johann Gottlieb Fichte spoke of them. In the fall of 1813, he said to his audience: “Imagine a world of people born blind, who therefore know only those things and their relationships that exist through the sense of touch. Go among them and speak to them of colors and the other qualities that exist only through light and for sight. Either you are speaking to them of nothing—and this is the better outcome, if they say so—for in this way you will soon realize your mistake and, if you are unable to open their eyes, cease your futile talk.”
[ 14 ] Für den Blindgeborenen existiert diese Welt von Farben und Licht nicht. Wir denken uns nun, ein Blindgeborener würde in diesem Raume operiert, so würde ihm eine ganz neue Welt auftreten, die vorher auch da war, aber für die ihm das Organ fehlte. Eine Welt, die vorher für ihn nicht da war, die wird nun sein Besitz, dadurch, dass er ein neues Organ erhält. So viele Welten gibt es für uns, als wir Organe haben, sie wahrzunehmen.
[ 14 ] For someone born blind, this world of colors and light does not exist. Let us now imagine that a person born blind were to undergo surgery in this room; a whole new world would open up to him—one that was always there but which he could not perceive because he lacked the necessary organ. A world that did not exist for him before now becomes his own, simply because he has received a new organ. There are as many worlds for us as there are organs with which to perceive them.
[ 15 ] Es gehört die schlimmste Unlogik dazu, wenn der Mensch das Dasein beschränken will auf das, was ihm erreichbar ist. — Nicht jeden Blindgeborenen können wir operieren, aber jeder Mensch hat in seiner Seele schlummernde Kräfte und Fähigkeiten, die erweckt werden können, das, was Goethe das geistige Auge nennt. Dann gibt es einen Augenblick, wo eine neue Welt für den Menschen aufgeht. Solche Erweckte oder Eingeweihte hat es zu allen Zeiten gegeben. Wenn die geistigen Organe erweckt werden, so nimmt der Mensch eine neue Welt wahr; was er dann wahrnimmt, das erklärt ihm die Welt des Übersinnlichen. Wie um den Blindgeborenen immer Licht und Farbe sind, so sind um die Menschen geistige Welten, in denen geistige Wesenheiten sind. Die Religionen haben von diesen Welten immer in der Form gesprochen, wie sie die Menschen verstehen konnten. Die Theosophie spricht davon in der Form, wie sie für die heutige Zeit die richtige ist.
[ 15 ] It is the height of illogicality for a person to want to limit existence to what is within their reach. — We cannot operate on every person born blind, but every human being has latent powers and abilities slumbering in their soul that can be awakened—what Goethe calls the “spiritual eye.” Then there comes a moment when a new world opens up for the individual. Such awakened or initiated individuals have existed in every age. When the spiritual faculties are awakened, the individual perceives a new world; what he then perceives is explained to him by the world of the supersensible. Just as light and color are always present around a person born blind, so too are spiritual worlds filled with spiritual beings all around human beings. Religions have always spoken of these worlds in a way that people could understand. Theosophy speaks of them in the way that is appropriate for the present age.
[ 16 ] Erzählen, Mitteilen, Forschen in Bezug auf diese geistigen Welten können nur die, welche in diese geistigen Welten hineingeschaut haben oder welche es von denen wissen, die hineingeschaut haben. Zum Forschen ist das Hineinschauen notwendig, aber zum Verstehen gehört der gewöhnliche logische Menschenverstand. Fabelhaft, phantastisch mag vieles den Menschen erscheinen, was sie über diese geistigen Welten mitgeteilt bekommen. Aber man nehme es als eine Erzählung. Wenn man sich hineinfindet, wird man sehen, dass zum Begreifen der gesunde Menschenverstand, die gewöhnliche Menschenlogik genügt.
[ 16 ] Only those who have looked into these spiritual worlds—or who have learned about them from those who have looked into them—can speak of, share, or explore these spiritual worlds. To explore these worlds, one must look into them, but understanding requires ordinary, logical human reason. Much of what people are told about these spiritual worlds may seem fabulous or fantastical to them. But take it as a story. If you immerse yourself in it, you will see that common sense and ordinary human logic are sufficient for understanding it.
[ 17 ] Auch die Berichte der Wissenschaft werden zum großen Teil angenommen, ohne dass die Menschen selbst den Weg des Forschers nachgegangen sind und alles geprüft haben. Wie viele von denjenigen Menschen, die Haeckels «Schöpfungsgeschichte» für ein Evangelium halten, haben sich selbst überzeugt von dem, was darin steht? Es ist außerordentlich schwer, solche Prüfungen vorzunehmen; zum Beispiel die Erfahrung der Entwicklung des Menschenkeimes von Stufe zu Stufe ist etwas so Schwieriges, dass man sehr selten dazu Gelegenheit findet. Es nimmt sich das alles anders aus, wenn man es in einem fertigen, populären Werke liest. Wenn man das aber auch nicht alles selbst prüfen kann, kann man doch sagen, dass man es versteht und glaubt.
[ 17 ] Scientific reports, too, are largely accepted without people having followed in the researcher’s footsteps themselves and verified everything. How many of those who regard Haeckel’s “History of Creation” as gospel have convinced themselves of what it contains? It is extremely difficult to carry out such examinations; for example, observing the development of the human embryo step by step is so difficult that one very rarely has the opportunity to do so. It all looks different when one reads about it in a finished, popular work. But even if one cannot verify all of this for oneself, one can still say that one understands and believes it.
[ 18 ] Es gibt ebenso wie die naturwissenschaftlichen Methoden zur Erforschung der sinnlichen Welt höhere geistige Methoden, wodurch wir eindringen können in eine übersinnliche Welt. Dann, wenn wir diese anwenden, zeigt sich, dass im Schlafe der wahre Mensch heraus sich hebt aus dem Menschen, den unsere Augen sehen. Der physische Mensch kann das nicht sehen mit seinen physischen Sinnesorganen. Aber das erweckte Auge des Sehers sieht das Ich, sieht den Träger der Begierden und Leidenschaften. Der Mensch ist da, auch im Schlaf, sein Bewusstsein allerdings kann nur aufsprießen in ihm, wenn er wieder hineintaucht in das, was seine Augen sehen von der physischen Körperlichkeit.
[ 18 ] Just as there are scientific methods for investigating the sensory world, there are also higher spiritual methods through which we can penetrate into a supersensory world. When we apply these methods, it becomes apparent that during sleep the true human being emerges from the person our eyes see. The physical human being cannot see this with his physical sense organs. But the awakened eye of the seer sees the “I,” sees the bearer of desires and passions. The human being is there, even in sleep; however, his consciousness can only spring forth within him when he plunges back into what his eyes perceive of physicality.
[ 19 ] In der theosophischen Weltanschauung wird uns gezeigt, wie es den wahren Menschen gibt, der im Schlafe herausgeht aus den äußeren Hüllen, und wie dieser besteht aus zwei Teilen, aus dem eigentlichen Ich und dem astralen Leibe, dem Träger von Begierden und Leidenschaften. Zwei Glieder am Menschen sind geistiger Art. Sie sind vom Abend bis zum Morgen während des Schlafes in einer anderen Welt. Die treten am Morgen wieder in den physischen Leib ein.
[ 19 ] The theosophical worldview shows us how the true human being leaves his outer shells during sleep, and how this being consists of two parts: the true self and the astral body, the bearer of desires and passions. Two parts of the human being are of a spiritual nature. From evening until morning, while we sleep, they are in another world. In the morning, they re-enter the physical body.
[ 20 ] Ist denn der physische Leib selbst etwas so Einfaches? Auch ihm gegenüber kommen wir nicht mit einer gewöhnlichen Erklärung aus. Dieselbe Wesenheit, die abends beim Einschlafen in die Bewusstlosigkeit versunken ist, die sagt wieder zu sich «Ich» am Morgen. Der denkende Weltenbetrachter muss es begreiflich finden, wenn der Geistesforscher ihm sagt: Wenn wir den Menschen betrachten von der Geburt an bis zum Tode, so sehen wir sein Wesen keineswegs im Physischen erschöpft. Nur wenn wir uns dem kurzsinnigsten Vorurteil hingeben, können wir stehen bleiben bei dem, was uns wirklich aus der sinnlich-physischen Welt heraus als der Mensch erscheint.
[ 20 ] Is the physical body itself really something so simple? Even when it comes to the physical body, we cannot get by with a mere ordinary explanation. The same being who, upon falling asleep in the evening, has sunk into unconsciousness, says to itself “I” again in the morning. The thoughtful observer of the world must find it understandable when the spiritual researcher tells him: When we consider the human being from birth to death, we see that his essence is by no means limited to the physical. Only if we succumb to the most short-sighted prejudice can we remain stuck at what truly appears to us from the sensory-physical world as the human being.
[ 21 ] Betrachten wir den Menschen von seiner Geburt an, so sehen wir die sich entfaltenden Eigenschaften des Kindes als etwas, was sich nicht im Physischen erschöpft; wir erkennen, wie etwas Geistiges da arbeitet. Auch beim heranwachsenden Menschen sehen wir, wie etwas aus seinem Innern sich herausarbeitet, was da war, bevor die physischen Formen da waren. In der Familie Bach lebten innerhalb von 250 Jahren etwa 29 mehr oder weniger bedeutende Musiker. Man könnte sagen: Da kann man sehen, wie sich die Anlage von Vater und Mutter vererbt. Das steht aber gar nicht im Widerspruch zu dem, dass hinter dem physischen Vorgang ein geistiger Vorgang tätig ist. Das musikalische Ohr ist nur eine bestimmte Physiognomie des inneren Ohres. Das Physische ererbt man von seinen Vorfahren, aber das, wofür das Physische das Instrument ist, das Geistige, das erbt man nicht von seinen Vorfahren. Die geistigen Anlagen sind an das Individuum gebunden.
[ 21 ] If we observe a human being from birth onward, we see the unfolding qualities of the child as something that is not limited to the physical; we recognize how something spiritual is at work there. Even in the growing human being, we see how something from within works its way out—something that was there before the physical forms came into being. Over the course of 250 years, the Bach family included some 29 musicians of varying degrees of significance. One might say: Here we can see how the predisposition of the father and mother is inherited. But this is by no means in contradiction to the fact that a spiritual process is at work behind the physical process. The musical ear is merely a specific manifestation of the inner ear. One inherits the physical from one’s ancestors, but what the physical serves as an instrument for—the spiritual—is not inherited from one’s ancestors. Spiritual aptitudes are bound to the individual.
[ 22 ] Wenn der Mensch das erkennt, dann sieht er etwas Ähnliches in der werdenden Menschenindividualität wie beim aufwachenden Menschen am Morgen. Er sagt sich, dass der geistige Mensch im werdenden Menschen wächst, sich entfaltet. Er sieht nicht bloß einen physischen Zusammenhang, sondern, wie er bei dem aufwachenden Menschen nicht bloß einen physischen Prozess sieht, ebenso sieht er in dem heranwachsenden Menschen auch etwas Geistiges sich entfalten.
[ 22 ] When a person recognizes this, they see something similar in the developing human individuality as in a person waking up in the morning. They tell themselves that the spiritual human being is growing and unfolding within the developing human being. They see not merely a physical connection, but—just as they do not see merely a physical process in the person waking up in the morning—they also see something spiritual unfolding in the growing human being.
[ 23 ] Dieses andere Geistige, was sich im werdenden Menschen entfaltet, bleibt beim schlafenden physischen Menschen. Im Bette liegen bleibt beim schlafenden Menschen der physische Leib, aber auch noch mit einem Geistigen verbunden. Dieses Geistige, was wir nach und nach sich entfalten sehen, von der Kindheit an, was da war vor der Geburt, was da war vor der Empfängnis, das nennen wir des Menschen Ätherleib. Wie wir den Träger der Gefühle, Leidenschaften und Begierden im Astralleib sehen, nennen wir das, was wir im Menschen heranwachsen sehen, den Äther- oder Lebensleib. Keine Pflanze ist ohne den Äther- oder Lebensleib. Er ist bei der Pflanze noch beschränkt darauf, dass er die Kräfte des Wachstums und der Fortpflanzung regelt. Aber bei dem Menschen ist er der Träger aller geistigen Anlagen, der Gewohnheiten, des Gedächtnisses. Er wird beim Menschen immer mehr Träger eines höheren Geistigen, wird immer mehr Lebensgeist. So, wie, wenn der Schlaf eintritt, das Ich mit dem Astralleib den Menschen verlässt, so verlässt im Tode den physischen Leib der Äther- oder Lebensleib, und der physische Leib zerfällt.
[ 23 ] This other spiritual aspect, which unfolds within the developing human being, remains with the sleeping physical human being. When lying in bed, the sleeping human retains the physical body, but it remains connected to a spiritual aspect as well. This spiritual aspect—which we see gradually unfolding from childhood onward, which was present before birth and before conception—is what we call the human etheric body. Just as we see the astral body as the bearer of feelings, passions, and desires, we call what we see growing within the human being the etheric or life body. No plant exists without the etheric or life body. In plants, it is still limited to regulating the forces of growth and reproduction. But in human beings, it is the bearer of all spiritual capacities, habits, and memory. In human beings, it increasingly becomes the bearer of a higher spirituality, increasingly becoming the spirit of life. Just as, when sleep sets in, the “I” leaves the human being together with the astral body, so too, at death, the etheric or life body leaves the physical body, and the physical body decays.
[ 24 ] So führt uns die Theosophie hinter jene Rätsel des Daseins; sie zeigt uns diejenige Wirklichkeit, die dann noch da ist, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht. Die theosophische Weltanschauung gibt uns eine Anschauung von jenen Gefilden, die der Mensch durchwandelt, wenn er durch die Pforte des Schlafes, durch die Pforte des Todes geht. Durch Wissen, durch Erkenntnis werden wir eingeführt in jene Welten, die auch in den Religionen gesucht werden. Die moderne Menschheit braucht diese Harmonisierung, diesen Ausgleich. Deshalb ist diese Weltanschauung der Welt gebracht worden. Von solchen Impulsen, wie sie der junge Goethe suchte zu fühlen vor seinem Altar, wie sie im alten Goethe lebendig waren, als er durch die Werke der Kunst begeistert wurde, kann die Menschheit jetzt nur ergriffen werden, wenn sie durch das Wissen der theosophischen Weltanschauung wieder vermag, in die höheren, geistigen Welten einzudringen. Die theosophische Weltanschauung zeigt dem Menschen der Gegenwart wieder seinen Zusammenhang mit der übersinnlichen Welt. Ohne diesen Zusammenhang kann der Mensch nicht gesund bleiben.
[ 24 ] Thus, theosophy leads us beyond the mysteries of existence; it reveals to us the reality that remains even after a person passes through the gate of death. The theosophical worldview gives us a glimpse of those realms that a person traverses when they pass through the gate of sleep, through the gate of death. Through knowledge and insight, we are introduced to those worlds that are also sought in the religions. Modern humanity needs this harmonization, this balance. That is why this worldview has been brought to the world. Humanity can now be moved by such impulses—as the young Goethe sought to feel before his altar, as they were alive in the older Goethe when he was inspired by works of art—only if, through the knowledge of the theosophical worldview, it is once again able to penetrate the higher, spiritual worlds. The theosophical worldview once again reveals to modern humanity its connection to the supersensible world. Without this connection, humanity cannot remain healthy.
[ 25 ] Der Theosoph ist sich klar, dass den Menschen nicht nur eine Welt des Sinnlichen umgibt, sondern auch eine Welt des Übersinnlichen. Wer diese Welt nur sinnlich kennt, dem entschwindet der Sinn für diese Welt, es entschwindet ihm die Hoffnung, welche ihm die physische Welt bringen soll.
[ 25 ] The Theosophist is well aware that human beings are surrounded not only by a world of the physical, but also by a world of the supersensible. For those who know this world only through the physical senses, their sense of this world fades away, and the hope that the physical world is meant to bring them vanishes.
[ 26 ] Theosophie will dem Menschen wieder bringen eine richtige, eine kräftige Anschauung der übersinnlichen Welt, die nicht nur neugierige oder müde Erkenntnis befriedigt, sondern die den Menschen gerade in dieser Welt arbeitstüchtig, hoffnungsfreudig, gesund macht, weil er weiß: Der Sinn dieser physischen Welt ist ein ewiger, und weil er weiß: Alles, was ich tue in diesem Sinn, hat eine ewige Bedeutung. Dies gibt den Menschen Freudigkeit fürs Leben, Tüchtigkeit für die Arbeit, und das ist, was den Menschen gesund macht für das ganze Leben.
[ 26 ] Theosophy seeks to restore to humanity a true and powerful understanding of the supersensible world—one that not only satisfies curious or weary minds, but also makes people capable of work, full of hope, and healthy right here in this world, because they know: The meaning of this physical world is eternal, and because they know: Everything I do in this context has eternal significance. This gives people joy in life, the ability to work effectively, and that is what keeps them healthy throughout their entire lives.
