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The Essence of Christianity
GA 68a

20 February 1908, Kassel

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The Essence of Christianity, tr. SOL
  1. Über das Wesen des Christentums

39. Der Ursprung des Bösen

39. The Origin of Evil

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Es gibt Welträtsel, die uns nicht nur dann entgegentreten, wenn wir den Blick auf die großen Ereignisse des Lebens richten, sondern welche uns auf Schritt und Tritt im Alltagsleben auftauchen. Viele derartige Lebensrätsel könnten wir anführen, eines ist dasjenige, welches uns heute beschäftigen soll: die Frage nach dem Ursprung des Bösen. Es ist eines derjenigen Rätsel, welche uns im Alltagsleben begegnen, welche ihre Antwort aber nur finden können, wenn wir zu den Quellen und Ursprüngen des Lebens zurückgehen. Gerade eine solche Frage zeigt uns in der Art, wie sie seit alten Zeiten von der Menschheit behandelt worden ist, dass sie eigentlich nur fruchtbar irgendwie in Angriff genommen werden kann in dem, was wir Geisteswissenschaft oder theosophische Weltanschauung nennen. Ohne jene gewichtigen Ausblicke in die Welt, ohne das Eindringen in die Quellen des Daseins, die uns durch diese Strömung im Kulturleben erfließen kann, ist eine Antwort nicht möglich. Daher werden Sie mit mir einen recht weiten Gang zu den Quellen des Daseins unternehmen müssen, um diese in gewisser Beziehung alltägliche Rätselfrage zu durchschauen. Derjenige, der nur mit der aus dem Materialismus fließenden Gesinnung die Welt anschaut, der den Verlauf der Handlungen mit den Sinnen verfolgt, der kann nicht im Entferntesten eine Beantwortung dieser Frage finden.

[ 1 ] Ladies and gentlemen! There are mysteries of the world that confront us not only when we turn our attention to life’s major events, but that arise at every turn in our everyday lives. We could cite many such mysteries of life; one is the very one that is to occupy us today: the question of the origin of evil. It is one of those mysteries that we encounter in everyday life but which can only be answered if we go back to the sources and origins of life. Precisely such a question—in the way it has been approached by humanity since ancient times—shows us that it can really only be fruitfully addressed within what we call spiritual science or the theosophical worldview. Without those profound insights into the world, without delving into the sources of existence—which can flow to us through this current in cultural life—an answer is not possible. Therefore, you will have to join me on a rather extensive journey to the sources of existence in order to gain insight into this, in a certain sense, everyday mystery. Anyone who views the world solely through a mindset rooted in materialism, who follows the course of events with the senses, cannot even remotely find an answer to this question.

[ 2 ] Das Böse taucht uns auf, allerdings nicht in seinem eigentlichen Sinn, im untergeordneten Dasein, im menschlichen Leben. Der Weise, der ein gläubiger Mensch ist, fragt sich: Wie ist es verträglich mit einer weisen Weltordnung, die man auch Vorsehung nennt, dass diese Vorsehung den Menschen bis zu dem, was wir das Böse nennen, sinken lässt, dass die Gottheit den Menschen böse werden lässt, um ihn dann zu strafen? Nicht nur der naiv gläubige Mensch fasst das so auf, sondern wir hören dasselbe auch in dem Gedicht, das der junge Goethe verfasst hat, als er die Worte einer göttlichen Geistigkeit entgegenruft:

[ 2 ] Evil appears to us, though not in its true sense, in this subordinate existence, in human life. The wise person, who is a person of faith, asks himself: How is it compatible with a wise world order—which is also called Providence—that this Providence allows human beings to sink to what we call evil, that the Deity allows human beings to become evil in order to then punish them? It is not only the naively devout person who interprets it this way; we also hear the same idea in the poem that the young Goethe wrote when he cried out to a divine spirituality:

Ihr lasst den Armen schuldig werden,
Dann überlasst ihr ihn der Pein!

You make the poor man guilty,
Then you leave him to suffer!

[ 3 ] Derjenige, welcher auf weniger religiösem Boden steht, ist dieser Frage erst recht nicht zugänglich. Ohne eine seelisch-geistige Grundlage kommen wir zu keinem geordneten Begriff des Bösen, geschweige denn zu einem Zusammenhang mit dem Weltengeiste. Seit Menschen denken können, haben die Führer der Menschen, die Denker, die Frage: Woher rührt das Böse, was hat es für eine Bedeutung? —- zu lösen versucht.

[ 3 ] Those who stand on less religious ground are even less able to grapple with this question. Without a spiritual foundation, we cannot arrive at a coherent understanding of evil, much less a connection to the World Spirit. Ever since humans have been capable of thought, their leaders and thinkers have sought to answer the question: Where does evil come from, and what is its significance? —

[ 4 ] Wir müssen einmal zurückblicken in die Zeit der Vergangenheit, wo in persischen Mythen schon der fortdauernde Kampf gegen die bösen Gewalten verzeichnet ist, die dem Ormuzd den Ahriman entgegengesetzt haben, als einen fortdauernden Kämpfer gegen das Gute. Ahriman wird uns dort gezeigt als die Kraft, die im Kampfe den guten Geist erstarken lässt.

[ 4 ] We must look back to a time in the past when Persian myths already recounted the ongoing struggle against the evil forces that pitted Ahriman against Ormuzd, portraying Ahriman as a relentless opponent of good. There, Ahriman is presented to us as the force that, through the struggle, strengthens the good spirit.

[ 5 ] Wenn wir uns mit einem großen Sprung hinüberversetzen in den tiefen Sinn deutscher Denker, zu Jakob Böhme, so finden wir in seinen Schriften und in der Folgezeit sein ganzes Leben ausgefüllt mit jener Frage nach dem Ursprung des Bösen. Jakob Böhme sagt, dass eine Vielheit nur aus einer Einheit entsteht, die Vielheit aber nur durch den Willen der Einheit gelenkt werden muss; wie zum Beispiel zwei Hände, wenn sie nicht dirigiert werden von einem Willen, getrennte Glieder sind; ohne diese lenkende Einheit können wir kein großes Werk schaffen. Diese Hände können gegeneinander wüten, sie können sich zerfleischen. Die Möglichkeit ist grade dann gegeben, wenn den zweien das gegeben wird, was wir Freiheit nennen. Solange die beiden Hände von der Persönlichkeit abgestimmt und so lange sie ein Wille beherrscht, werden sie sich nicht gegeneinander wenden.

[ 5 ] If we take a great leap into the profound thought of German thinkers, to Jakob Böhme, we find in his writings—and, subsequently, throughout his entire life—a preoccupation with the question of the origin of evil. Jakob Böhme says that multiplicity arises only from unity, but that multiplicity must be guided by the will of unity; just as, for example, two hands, if not directed by a single will, are separate limbs; without this guiding unity, we cannot accomplish any great work. These hands can rage against one another; they can tear each other apart. The possibility arises precisely when the two are given what we call freedom. As long as the two hands are coordinated by the personality and as long as a single will governs them, they will not turn against one another.

[ 6 ] Und hier fließt Jakob Böhme schon eine Empfindung ein, dass das Böse etwas zu tun hat mit der Liebe. Wenn das die Welt durchflutende Gotteswesen die Welt so liebt, dass es allen Wesen alles hinreicht und nichts zurückbehält, um den vielen eine möglichst große Freiheit zu geben, dann können die vielen gegeneinander streben.

[ 6 ] And here Jakob Böhme already expresses a sense that evil has something to do with love. If the divine being that permeates the world loves the world so much that it gives everything to all beings and withholds nothing, in order to grant the many the greatest possible freedom, then the many may strive against one another.

[ 7 ] Wir könnten, wenn wir die Denker Revue passieren lassen wollten, noch lange darüber reden, noch manche Beispiele aus großen Epochen heranziehen, wir würden aber immer nur eine Art philosophischer Antwort bekommen. Heute wollen wir uns aber nicht mit philosophischen Fragen, sondern ohne Umschweife mit den Tatsachen der geistigen Welt befassen, um die Anhaltspunkte zu gewinnen zur Beantwortung unserer Frage. Ich möchte, um die Betrachtungsweise nicht zu weit auszudehnen, gleich in die Mitte der Sache gehen, und da müssen wir uns ganz kurz das Wesen des Menschen vor die Seele hinstellen. Wir sind uns klar, dass das Böse mit der menschlichen Natur etwas zu tun haben muss.

[ 7 ] If we were to review the thinkers, we could talk about this at length and cite many more examples from major historical periods; however, we would always end up with only a kind of philosophical answer. Today, however, we do not wish to concern ourselves with philosophical questions, but rather to address the facts of the spiritual world without further ado, in order to gain the clues needed to answer our question. So as not to broaden the scope of our discussion too much, I would like to go straight to the heart of the matter, and there we must briefly consider the nature of the human being. We are well aware that evil must have something to do with human nature.

[ 8 ] Wenn wir den Menschen von dem Standpunkt aus betrachten, was Augen sehen, Hände greifen können, so haben wir nur einen Teil der menschlichen Wesenheit im Sinne der Geisteswissenschaft. Wir sehen nur den physischen Teil des Menschen, welchen dieser mit allen scheinbar leblosen Wesen gemein hat. Alles, was im Menschenleib zu finden ist, ist auch dort vorhanden, nur sind diese mineralischen Kräfte freilich im Menschen in einer ganz besonderen Art vorhanden: Sie sind so kompliziert ineinandergefügt, so mannigfaltig aufgebaut, dass der physische Leib durch seine eigenen physischen Gesetze zerfallen würde, wenn ihn nicht etwas durchdränge, wie das Wasser den Schwamm durchdringt, etwas, was in jedem Menschen in jedem Augenblick ein Kämpfer ist gegen alle Störungen im physischen Leibe. Diesen Kämpfer nennen wir den Ätherleib oder Lebensleib. In jedem von Ihnen ist der physische Leib in jedem Augenblick dem Zerfall ausgesetzt, wenn in Ihnen nicht wäre jener Kämpfer, jener Sieger, den wir Ätherleib oder Lebensleib nennen. Diesen hat der Mensch gemeinsam mit der ganzen lebendigen Natur; in allem, was da lebt, ist dieser Kämpfer. In dem Augenblicke, wo im Tode der physische Körper vom Ätherleib getrennt wird, da folgt er den physischen Gesetzen, er zerfällt und geht in die leblose Welt über. Der Ätherleib ist etwas, was von der heutigen Wissenschaft als etwas Unmögliches angesehen wird. Doch wir können uns darauf nicht weiter einlassen, sondern müssen die Sache nur skizzenhaft anführen.

[ 8 ] If we view human beings from the standpoint of what the eyes can see and the hands can grasp, we perceive only a part of the human being as understood by spiritual science. We see only the physical part of the human being, which the human being shares with all seemingly inanimate beings. Everything found in the human body is also present there; however, these mineral forces are, of course, present in the human being in a very special way: They are so intricately interwoven and so diversely structured that the physical body would disintegrate under its own physical laws if it were not permeated by something—just as water permeates a sponge—something that, in every human being and at every moment, fights against all disturbances in the physical body. We call this fighter the etheric body or life body. In each of you, the physical body is subject to decay at every moment, were it not for that fighter, that victor, within you whom we call the etheric body or life body. Human beings share this with all of living nature; this fighter is present in everything that lives. At the moment when, at death, the physical body is separated from the etheric body, it follows the laws of physics; it decays and passes into the lifeless world. The etheric body is something that modern science regards as impossible. However, we cannot delve further into this here; we must merely touch upon the subject in outline form.

[ 9 ] Über den Ätherleib hinaus hat der Mensch ein drittes Glied seiner Wesenheit. Dies dritte Glied seiner Wesenheit ist für den, dem die geistigen Augen geöffnet sind, jederzeit sichtbar. Sie können sich dies dritte Glied logisch vorstellen. Wir fragen uns: Ist das, was physischer Leib und Lebensleib ist, alles? Eine einfache Erwägung genügt; es ist wirklich etwas vorhanden, was dem Menschen viel näher steht als seine Knochen, Muskeln, Blut und Nerven. Etwas liegt als Wirklichkeit ganz nahe, das ist die Summe von dem, was wir die Summe von Gefühlen, Instinkten, Leidenschaften nennen, das gehört uns in Wirklichkeit an, und das ist in denselben Räumen vorhanden, wo Blut, Muskeln, Nerven vorhanden sind. Diesen Teil der menschlichen Wesenheit haben wir nur mit den Tieren gemein, nicht mit den Pflanzen.

[ 9 ] Beyond the etheric body, the human being has a third aspect of his being. This third aspect of his being is visible at all times to those whose spiritual eyes are open. You can conceive of this third aspect logically. We ask ourselves: Is the physical body and the life body all there is? A simple consideration suffices; there truly is something that is much closer to a person than their bones, muscles, blood, and nerves. There is something very close to us as a reality—the sum of what we call feelings, instincts, and passions—which truly belongs to us and exists in the same spaces as blood, muscles, and nerves. We share this part of the human being only with animals, not with plants.

[ 10 ] Nun gibt es noch ein viertes Glied, durch welches der Mensch die Krone der Schöpfung ist. Das vierte Glied seiner Wesenheit ist das, was ihn befähigt, alles, was in ihm ist, zusammenzufassen in den Namen «Ich». Dieser Name «Ich» ist ein Name, welcher das Geheimnisvolle seines Wesens schon verbirgt hinter dem Unterschied, welchen er aufweist gegenüber allen anderen Namen welche wir in der deutschen Sprache haben. Einen Stuhl kann jeder «Stuhl» nennen, einen Tisch «Tisch» und so weiter, doch den Namen «Ich» kann niemand von außen hören, er muss aus der eigenen Seele tönen. Jedes Ding kann seinen Namen von außen uns zutönen, das «Ich» kann er nur von sich selbst hören. Das haben diejenigen Weltanschauungen immer gefühlt, welche auf dem, was wir die Geisteswissenschaft nennen, aufgebaut waren. In der alttestamentlichen, hebräischen Religion finden Sie für diesen intimen Namen der Seele den unausgesprochenen Namen Gottes. Warum wird der nun so genannt? Soll die Seele ihren wahren Namen hören, dann spricht etwas in der Seele, das mit dieser Seele verbunden sein kann, ohne dass es eindringt durch irgendwelche Organe von außen: Es muss das Ich aus der eigenen Seele tönen. Ein Funke des göttlichen Seins ist in der Seele, indem sie ihren Namen «Ich» ausspricht.

[ 10 ] Now there is a fourth element through which human beings are the crown of creation. The fourth element of their being is that which enables them to summarize everything within themselves under the name “I.” This name “I” is a name that already conceals the mystery of its essence behind the distinction it exhibits compared to all other names we have in the German language. Anyone can call a chair “chair,” a table “table,” and so on, but no one can hear the name “I” from the outside; it must resound from one’s own soul. Every object can have its name resound to us from the outside; the “I,” however, can only be heard from within oneself. This has always been sensed by those worldviews that were based on what we call spiritual science. In the Old Testament, Hebrew religion, you will find the unspoken name of God corresponding to this intimate name of the soul. Why is it called that? If the soul is to hear its true name, then something within the soul must speak—something that can be connected to that soul without penetrating through any external organs: the “I” must resound from within the soul itself. A spark of divine being is within the soul when it utters its name, “I.”

[ 11 ] Was eine vertrackte Philosophie auch hat finden wollen, die wahre Bedeutung des Wortes «Jahve» ist: «der unaussprechliche Name des göttlichen Seelenteils im Menschen». Und so war es auch gemeint, als darauf hingewiesen wurde im alten Ägypten mit dem verschleierten Bilde von Sais. Wir können die Aufschrift lesen: «Ich bin, der da war, der da ist und der da sein wird. Meinen Schleier hat noch kein Sterblicher gelüftet.» Ein Forscher, ein deutscher Romantiker, hat aus einem merkwürdigen Instinkt etwas Richtiges gesagt, obwohl er nicht tief gegangen ist: Kein Sterblicher hat den Schleier gehoben; wir müssen Unsterbliche werden.

[ 11 ] No matter what a convoluted philosophy may have sought to find, the true meaning of the word “Yahweh” is: “the unpronounceable name of the divine part of the soul within man.” And this was precisely the intention when it was alluded to in ancient Egypt through the veiled image of Sais. We can read the inscription: “I am the one who was, who is, and who will be. No mortal has yet lifted my veil.” A researcher, a German Romantic, spoke the truth out of a strange instinct, even though he did not delve deeply: No mortal has lifted the veil; we must become immortal.

[ 12 ] Es war die Meinung der großen ägyptischen Priesterweisen, dass das Ich eingehüllt war, dass aber die Hüllen abfallen. Das Wesen des Ich kann niemand enträtseln als das Ich selbst, wenn es sich der wahren Natur bewusst wird. Indem es hinuntersteigt in die eigenen Tiefen und Abgründe, ergreift es sich in seiner eigenen Unsterblichkeit; dann weiß es, was hinter dem Schleier verborgen ist. Allerdings die wenigsten Menschen sind heute geneigt, in das Wesen des Ich hineinzublicken, es gilt noch heute der Ausspruch Fichtes: Die meisten Menschen würden sich lieber für ein Stück Lava im Monde halten als für ein Ich. Seit Fichte haben wir den groben Materialismus hineinfluten sehen in die Kultur des neunzehnten Jahrhunderts. Die Menschen sind heute sehr zufrieden, wenn sie etwas Physisches teilweise kennen und materialistisch nachweisen können. Sie halten sich dem Stück Lava im Monde ähnlicher als dem Ich. Es wäre unsinnig, von den höheren Gliedern der Menschennatur zu reden, wenn im Sinne der geistigen Forschung von dem vierten Teil so zu sprechen wäre, dass er irgendwie eine Erscheinung des physischen Körpers wäre. Selbstverständlich muss die geistige Forschung auf diesem Gebiete etwas haben, was einem Menschen, der heute vielfach glaubt, dass alle sich auf den Boden der naturwissenschaftlichen Tatsachen zu stellen haben, sehr dumm erscheinen muss: Dasjenige, was vorgeht im Ätherleib, Astralleib und Ich, ist nicht die Wirkung des physischen Leibes, sondern umgekehrt. Das, was im physischen und Ätherleib vorgeht, das sind Werke des astralischen Leibes. Nur wenn man sich nach und nach zu dieser Anschauung aufschwingt, ist man imstande, diese Frage zu beantworten.

[ 12 ] It was the belief of the great Egyptian priest-sages that the self was enveloped, but that these layers would fall away. No one can unravel the essence of the self except the self itself, when it becomes aware of its true nature. By descending into its own depths and abysses, it grasps its own immortality; then it knows what is hidden behind the veil. However, very few people today are inclined to look into the essence of the “I”; Fichte’s saying still holds true today: Most people would rather consider themselves a piece of lava on the moon than an “I.” Since Fichte, we have seen crude materialism flood into nineteenth-century culture. People today are quite content if they can partially understand something physical and prove it materialistically. They consider themselves more akin to that piece of lava on the moon than to the “I.” It would be nonsensical to speak of the higher aspects of human nature if, in the context of spiritual research, we were to describe the fourth part as somehow being a manifestation of the physical body. Of course, spiritual research in this field must involve something that must seem very foolish to a person who today often believes that everyone must stand on the ground of scientific facts: What takes place in the etheric body, the astral body, and the “I” is not the effect of the physical body, but rather the reverse. What takes place in the physical and etheric bodies are the workings of the astral body. Only by gradually rising to this perspective can one answer this question.

[ 13 ] Beobachten Sie zum Beispiel zwei Vorgänge, die alle Tage an uns herantreten. Irgendetwas setzt uns in den Zustand des Schamgefühls; es ist irgendetwas an mir, von dem es mir am liebsten wäre, wenn meine Umgebung nichts davon sähe; ich erröte. Ein anderer Vorgang ist das Angstgefühl, welches sich durch Erblassen bemerkbar macht. Beim Schamgefühl wallt ein Blutstrom in die Haut, bei der Angst tritt das Blut aus der Haut zurück in das Körperinnere. Was ist da geschehen? Ein seelischer Vorgang lässt das Blut zurückweichen, ein seelischer Vorgang wirkt auf den Körper. Jeder dieser Vorgänge erscheint Ihnen als Folge eines seelischen Vorganges. Das sind Hinweise, in denen sich die seelische Einwirkung im Materiellen abspielt. Diese Erkenntnisse im Materiellen sind heute sozusagen nicht mehr so leicht zu erkennen; sie sind mehr oder weniger zurückgetreten gegen die mächtigen Gestaltungen, die der physische Leib, im Gegensatz zu früheren Daseinsformen, angenommen hat. Aber je weiter wir zurückgehen in der Menschheitsentwicklung, desto mehr gewinnen die geistigen Momente das Übergewicht.

[ 13 ] Consider, for example, two processes that we encounter every day. Something puts us in a state of shame; there is something about me that I would prefer those around me not to see; I blush. Another process is the feeling of fear, which manifests as a pallor. With shame, a rush of blood flows to the skin; with fear, the blood withdraws from the skin back into the body’s interior. What has happened here? A psychological process causes the blood to recede; a psychological process acts upon the body. Each of these processes appears to you as a consequence of a psychological process. These are indications in which the psychological influence plays out in the material realm. Today, these manifestations in the material realm are, so to speak, no longer so easy to recognize; they have more or less receded in the face of the powerful forms that the physical body has assumed, in contrast to earlier forms of existence. But the further back we go in human evolution, the more the spiritual elements gain the upper hand.

[ 14 ] Es gibt heute sogar Menschen, die so weit gehen, die Wirkung des Seelischen auf den materiellen Körper zu leugnen. Man sollte es nicht glauben, dass es Menschen gibt mit so materialistischen Anschauungen, aber es gibt in Amerika eine theologische Richtung, welche sich «Pragmatismus» nennt. Sie hat es zu einem Ausspruch gebracht, welcher das Groteske des darin vertretenen Materialismus zeigt. Wir brauchen uns nur den einen Ausspruch einmal vor die Seele zu führen: «Der Mensch weint nicht, weil er traurig ist, sondern er ist traurig, weil er weint.» Hier ist handgreiflich, wie die materialistische Weltanschauung in Widerspruch gekommen ist mit dem gesunden Menschenverstand.

[ 14 ] Today there are even people who go so far as to deny the influence of the soul on the physical body. It is hard to believe that there are people with such materialistic views, but there is a theological movement in America that calls itself “Pragmatism.” It has produced a statement that reveals the absurdity of the materialism it espouses. We need only reflect on this one statement: “A person does not cry because he is sad, but he is sad because he cries.” Here it is plain to see how the materialistic worldview has come into conflict with common sense.

[ 15 ] Es ist Tatsache, dass es uns natürlich erscheinen muss, dass solche Konsequenzen heraustreten, die heute in unzähligen Gebieten vorkommen, nur tritt es nicht in so grotesker Weise an die Oberfläche. Wenn wir das nun festhalten, dass physische Vorgänge Wirkungen sind des Geistig-Seelischen, dann wird es uns nicht mehr schlimm erscheinen, wenn wir beim Zurückgehen in Vorzeiten der Entwicklung erfahren, dass diese Wirkungen umso bedeutender sind, je weiter wir zurückgehen, sodass wir in Urzeiten der Menschheitsentwicklung mit weitgehenden geistigen Einflüssen zu rechnen haben, die heute verborgen sind.

[ 15 ] It is a fact that it must seem natural to us that such consequences—which occur today in countless areas—should arise; it’s just that they do not come to the surface in such a grotesque manner. If we now accept that physical processes are effects of the spiritual-soul aspects, then it will no longer seem alarming to us when, looking back into earlier periods of development, we discover that these effects become all the more significant the further back we go—so that in the primeval ages of human development, we must reckon with far-reaching spiritual influences that are hidden from us today.

[ 16 ] Sie wissen vielleicht, dass die theosophische Weltanschauung ausspricht, dass das Menschendasein in wiederholten Erdenleben verläuft. Das wollen wir nur kurz anführen: Der Mensch geht durch viele Erdenleben hindurch in seinem Entwicklungsgang zu immer höherer Vollkommenheit. Wir sprechen in der Geistesforschung davon, dass das, was lebt, in Umwandlung begriffen ist. Alles in der Welt ist in einer solchen Umwandlung begriffen, nicht nur der Mensch, sondern auch große Welten sind in fortwährender Umwandlung begriffen. So, wie, wenn wir den einzelnen Menschen betrachten, wir sagen: Das, was sich im gegenwärtigen Leben zwischen Geburt und Tod abspielt, ist die Wirkung früherer Verkörperungen, so können wir auf einen ganzen Himmelskörper blicken; und geisteswissenschaftlich verstehen wir einen solchen Körper nur dann, wenn wir wissen, dass er das, was er heute geworden ist, sich erworben hat in früheren Leben. Wir sprechen auch von der Erde und den Planeten, dass sie durch andere Verkörperungen hindurchgegangen sind. Wie der geistig hochentwickelte Mensch zurücksehen kann auf frühere Erdenleben, so lassen sich auch frühere planetarische Zustände übersehen vom Standpunkt der Geisteswissenschaft. Wir weisen zurück auf den vorhergehenden planetarischen Zustand der Erde, und diese Vorerde bezeichnen wir in der Geisteswissenschaft mit «Kosmos der Weisheit».

[ 16 ] You may know that the Theosophical worldview holds that human existence unfolds through repeated earthly lives. Let us just briefly mention this: In the course of their development toward ever greater perfection, human beings pass through many earthly lives. In spiritual science, we speak of the fact that all that lives is in a state of transformation. Everything in the world is undergoing such a transformation—not only human beings, but even vast worlds are in a state of constant transformation. Just as, when we consider the individual human being, we say: What takes place in the present life between birth and death is the effect of earlier incarnations; in the same way, we can look at an entire celestial body; and from a spiritual scientific perspective, we can understand such a body only if we know that it has acquired what it has become today through earlier lives. We also speak of the Earth and the planets as having passed through other incarnations. Just as a spiritually highly developed person can look back on earlier earthly lives, so too can earlier planetary states be surveyed from the standpoint of spiritual science. We refer back to the Earth’s preceding planetary state, and in spiritual science we designate this pre-Earth as the “Cosmos of Wisdom.”

[ 17 ] Ein Blick auf das, was um Sie herum ist, kann Ihnen erklärlich machen, warum wir auf die Vorerde als den Kosmos der Weisheit zurückblicken. Sehen Sie sich den Menschen an, den physischen Leib, betrachten Sie seine Teile. Nehmen Sie ein Stück Oberschenkelknochen, der zusammengesetzt ist aus unzähligen Balken und Gliedern. Er ist ein künstlich zusammengesetztes Gerüst, mit wunderbarer Weisheit aufgebaut. Er ist durch weisheitsvollste Ingenieurkunst so zusammengefügt, dass der Oberschenkelknochen trotz seiner verhältnismäßig geringen Stärke imstande ist, den Oberkörper zu tragen. Kein Ingenieur ist imstande, einen Brückenbau so weise auszuführen; und wer den menschlichen Wunderbau betrachtet, weiß, welche große Weisheit darin enthalten ist.

[ 17 ] A look at what surrounds you can help explain why we regard the pre-earth as the cosmos of wisdom. Look at the human being, the physical body; examine its parts. Take a section of the femur, which is composed of countless beams and joints. It is an artfully assembled framework, constructed with marvelous wisdom. It is joined together through the wisest of engineering so that, despite its relatively slight strength, the femur is capable of supporting the upper body. No engineer is capable of constructing a bridge with such wisdom; and anyone who contemplates this marvelous human structure knows the great wisdom contained within it.

[ 18 ] Wir wissen aber auch, dass andere Glieder des Menschen noch nicht so weise sind. Wir brauchen uns nur zu denken, wie die Leidenschaften und Triebe des Astralleibes wirken. In dem, was wir essen und trinken, sind oft Herzgifte enthalten, und doch ist das Herz so weisheitsvoll gebaut, dass es jahrzehntelang die Attacken ertragen kann, und überall da finden wir ausgebreitet Weisheit. In dem Bau des Körpers —- wir finden diese Weisheit überall, in jeder Blüte, in jedem Tier, und wir sehen, wie durchflutet die ganze Welt von dieser Weisheit ist. Sehen wir uns zum Beispiel den Biber an und seinen Bau, wie er mit merkwürdiger Kunst seine Dämme baut, und misst man die Winkel, so wird man finden, dass sie ganz genau bemessen sind.

[ 18 ] But we also know that other parts of the human being are not yet so wise. We need only consider how the passions and instincts of the astral body operate. What we eat and drink often contains substances toxic to the heart, and yet the heart is so wisely constructed that it can endure these assaults for decades; and everywhere we find wisdom spread out before us. In the structure of the body—we find this wisdom everywhere, in every flower, in every animal, and we see how the whole world is permeated by this wisdom. Let us consider, for example, the beaver and its lodge, how it builds its dams with remarkable artistry; and if one measures the angles, one will find that they are precisely calculated.

[ 19 ] So könnten wir Stück um Stück alles, was uns umgibt, betrachten. Könnten wir selbst nun diese Weisheit aus der Welt herausholen, wenn sie nicht darin wäre? Die materielle Gesinnung leugnet, dass die Weisheit, welche der Mensch herausholt, hineingelegt ist in die Erscheinungen. Ein natürliches Denken wird Ihnen sagen, dass etwas, was ein Mensch aus der Natur herausholt, in ihr enthalten sein muss. Ebenso wenig, wie man Wasser aus einem Glase trinken kann, wenn keins darinnen ist, ebenso wenig kann man Weisheit aus der Welt holen, wenn keine darinnen ist. Aber diese Weisheit ist darin, und die Geisteswissenschaft weiß, dass die Weisheit darin war in allen Dingen beim Beginn der Erdenentwicklung. So war in dem Pflanzenkeim zum Beispiel eine Buche; und als Beweis dafür sehen wir, dass eine Buche daraus wächst und keine Eiche.

[ 19 ] In this way, we could examine, piece by piece, everything that surrounds us. Could we ourselves extract this wisdom from the world if it were not already contained within it? The materialistic mindset denies that the wisdom which human beings extract is inherent in phenomena. Common sense will tell you that something a person extracts from nature must be contained within it. Just as one cannot drink water from a glass if there is none in it, so too one cannot extract wisdom from the world if there is none in it. But this wisdom is there, and spiritual science knows that this wisdom was present in all things at the beginning of Earth’s development. Thus, for example, a beech tree was contained within the plant seed; and as proof of this, we see that a beech tree grows from it and not an oak.

[ 20 ] Die Weisheit, die uns heute entgegentritt, sie trug die Erde schon, als alle Dinge, die um uns herum sind, noch im Samen waren. So wahr der Samen nicht aus der Erde, sondern von der Pflanze stammt, so wahr ist, dass der Same, aus dem unsere Erde geboren ist, aus dem stammt, was die Erde vorher gewesen ist, das ist der Kosmos der Weisheit. Das, was Sie heute sehen in jedem Blatt, in jedem Organ der menschlichen Gliederung, was Sie ausgebreitet sehen, ist langsam und allmählich entstanden, hat sich Glied für Glied gebildet und ist erst hervorgetreten, nachdem Weisheit mit Weisheit gekämpft hatte. Auf der Vorerde unserer Erde hatten wir eine Verkörperung, wo die Weisheit der Dinge ausgearbeitet wurde, in der sozusagen die Dinge in ihrer Weisheit vorgearbeitet sind.

[ 20 ] The wisdom that confronts us today was already present in the Earth when all the things around us were still in their seed form. Just as the seed does not come from the earth but from the plant, so it is true that the seed from which our earth was born comes from what the earth was before—that is, the cosmos of wisdom. What you see today in every leaf, in every organ of the human body—what you see spread out before you—has come into being slowly and gradually, has formed limb by limb, and has emerged only after wisdom had struggled with wisdom. On the pre-earth of our Earth, we had an incarnation in which the wisdom of things was worked out—in which, so to speak, things were prepared in their wisdom.

[ 21 ] Unsere Erde, welche die Weisheit überkommen hat, was hat sie für eine Aufgabe? Sie hat ihre besondere Mission; so wahr, wie die Vorerde die Weisheit, die uns heute umgibt, Stück für Stück ausgebildet hat, so wahr bildet heute unsere Erde Glied für Glied eine andere kosmische Kraft aus, und diese Kraft ist die Liebe. Deshalb nennen wir in der Geistesforschung die Erde den «Kosmos der Liebe». Die Entwicklung der Erde verläuft so, dass die Liebe als Kraft heraustritt und immer mehr überhandnimmt, und wenn die Erde an ihrem Ziele angelangt ist, so wird alles von der Kraft der Liebe durchdrungen sein, darum nennen wir die Erde den Kosmos der Liebe. Ebenso, wie auf dem vorhergehenden Kosmos der Anfang gemacht wurde mit Unweisheit und nach und nach erst die Gestalt der Weisheit ausgearbeitet wurde, so verläuft auch diese Erde so, dass nach und nach die Liebe sich ausarbeitet; dann, wenn die Erde an ihrem Ziel angelangt sein wird, dann wird die Liebe sich überall ausgebreitet haben und alles wird durchtränkt sein von Liebe, und die Erde wird Wesen auf sich sehen, die ebenso die Liebe finden werden, wie wir die Weisheit finden in allem, was uns umgibt. Diejenigen, die auf der neuen Verkörperung der Erde sind, werden bewundernd stehen vor der Liebe, wie wir bewundernd stehen vor der Weisheit. Unsere Erde hat die heilige Mission, den Drang der Liebe den Dingen einzuflößen. Dieser Drang ist da, diese Mission zu erfüllen, zur Tat zu machen.

[ 21 ] Our Earth, which has inherited wisdom—what is its purpose? It has its own special mission; just as the pre-Earth gradually developed, piece by piece, the wisdom that surrounds us today, so too is our Earth today gradually developing, step by step, another cosmic force—and that force is love. That is why, in spiritual research, we call the Earth the “Cosmos of Love.” The Earth’s development proceeds in such a way that love emerges as a force and increasingly takes hold, and when the Earth has reached its goal, everything will be permeated by the power of love; that is why we call the Earth the Cosmos of Love. Just as in the preceding cosmos, the beginning was marked by ignorance, and the form of wisdom was gradually developed, so too does this Earth evolve in such a way that love gradually takes shape; then, when the Earth has reached its goal, love will have spread everywhere and everything will be imbued with love, and the Earth will see beings upon it who will find love just as we find wisdom in everything that surrounds us. Those who are on the Earth’s new incarnation will stand in awe before love, just as we stand in awe before wisdom. Our Earth has the sacred mission of instilling the impulse of love into all things. This impulse exists to fulfill this mission and put it into action.

[ 22 ] So haben wir uns den Ausbau unserer Erde zu denken als den durch die ganze Erdenentwicklung des Menschen hindurchgehenden Ausbau der Liebe. Wenn wir dies einsehen, so haben wir eine Handhabe zum Verständnis der heutigen Frage. Nur müssen wir uns klar sein, dass der Mensch nicht das einzige Wesen ist, was um uns herum ist. Sie wissen, dass der Geistesforscher nicht spricht von den geistigen Welten als von etwas, was in einem fernen Kuckucksheim ist, sondern er spricht davon im natürlichsten und selbstverständlichsten Sinne. Ebenso wie ein Blindgeborener, dem die Augen geöffnet werden, sieht er plötzlich alles durchflutet von Licht und Glanz. Er sieht eine neue Welt um sich, die immer vorhanden war, wie Licht und Farbe immer vorhanden waren, bevor ihm die Augen geöffnet waren. In dieser Welt, die nur unlogisches Denken ableugnen kann, sind noch andere Wesenheiten vorhanden, mit anderen Formen der Geistigkeit als der Mensch sie hat. Wir können uns eine Vorstellung von diesen geistigen Wesen machen, indem wir uns vor Augen führen, dass der Mensch in einer fortwährenden Entwicklung begriffen ist, wie er immer höher und höher kommen muss und dass er in jeder Verkörperung etwas erfährt und erlebt; er wird ein immer vollkommeneres Wesen.

[ 22 ] We should thus conceive of the development of our Earth as the development of love that runs through the entire course of human evolution on Earth. Once we realize this, we have a starting point for understanding today’s question. We must simply be clear that human beings are not the only beings that exist around us. You know that the spiritual researcher does not speak of the spiritual worlds as something located in some distant, far-off realm, but rather in the most natural and self-evident sense. Just as a person born blind, whose eyes are opened, suddenly sees everything bathed in light and radiance, so too does he see a new world around him that has always existed—just as light and color have always existed—before his eyes were opened. In this world, which only illogical thinking can deny, there are other beings with forms of spirituality different from those of human beings. We can form a conception of these spiritual beings by reminding ourselves that human beings are engaged in a continuous process of development, in which they must ascend ever higher and higher, and that in every incarnation they learn and experience something; they become ever more perfect beings.

[ 23 ] Welche Perspektive erhebt sich da? Wir sehen die großen Ideale der Menschen; den Menschen der Zukunft ... erhaben wie ein Gott ... [Lücken in der Mitschrift]. Wir sehen, dass, wie der heutige Mensch über Tier und Pflanze steht, so wird der zukünftige zu seinem heutigen Dasein stehen. Die Geisteswissenschaft weiß schon heute — es ist unleugbar, dass Wesen über dem Menschen in seiner jetzigen Entwicklungsstufe stehen, die so vollkommen sind, wie wir sein werden in ferner Zukunft. Es sind Wesen, die hoch erhaben über dem Menschen sind und die die Stufe, welche wir heute einnehmen, schon vor langer Zeit durchgemacht haben, die ein rein geistiges Leben haben, die nicht mehr nötig haben, bis zu einem physischen Leibe herunterzusteigen. So sehen wir, als der Mensch sein Erdendasein beginnt, als er das, was von ihm vorhanden war vom Kosmos der Weisheit herüberführte, da betritt nicht nur er den Kosmos der Liebe, sondern auch höhere geistige leitende Wesenheiten.

[ 23 ] What perspective emerges here? We see humanity’s great ideals; the human being of the future … exalted like a god … [Gaps in the transcript]. We see that just as today’s human being stands above animals and plants, so will the human being of the future stand above his present existence. Spiritual science already knows today—it is undeniable that there are beings above human beings at their present stage of development who are as perfect as we will be in the distant future. These are beings who are far exalted above human beings and who long ago passed through the stage we occupy today; they lead a purely spiritual life and no longer need to descend into a physical body. Thus we see that when a human being begins his earthly existence, when he brings over from the Cosmos of Wisdom what was present within him, it is not only he who enters the Cosmos of Love, but also higher spiritual guiding beings.

[ 24 ] Wer sind diese? Dieselben sind es, die ihre Weisheit haben hineinfließen lassen in den Kosmos der Weisheit, dieselben, die aufgebaut haben aus ihrer schaffenden Weisheit heraus diesen «Kosmos der Weisheit». Was wir heute fertig vor uns haben, geschaffen ist es worden von diesen Wesenheiten. Sie sind die Besitzer der produktiven Weisheit; sie haben ihre Weisheit hineingelegt. Diese Wesenheiten haben sich dadurch, dass sie sich vorher auf dem Kosmos der Weisheit als schöpferisch in Bezug auf die Weisheit entwickelt haben, eine Fähigkeit erworben, dass sie auf der Erde sozusagen einträufeln die Liebe allen Erdenmenschen, und Stück für Stück fließt diese Liebe auf die Erde ein. Wir brauchen nur einen kurzen Blick auf diese Erde zu werfen, da sehen wir, wie sich die Liebe so nach und nach entwickelt - sie tritt uns in uralten Zeiten in engsten Grenzen entgegen. Wer liebte sich in uralten Zeiten? - Zunächst nur kleine Gruppen Blutsverwandte. Weiter sehen wir die Liebe sich über die engste Blutsverwandtschaft hinaus ausbreiten, immer weiter wird der Kreis, den die Liebe zieht, wir sehen zunächst nur die engsten Verwandten sich heiraten, wie dann die Liebe sich ausdehnt über einen ganzen Stamm, wie dann im Alten Testament das ganze Volk geliebt wird und wie jeder, der nicht zum Volk gehört, fremd ist. Weit ist der Weg, aber wir haben den großen Schritt gemacht, wo die Liebe von dem Prinzip der Blutsverwandtschaft hinübergeführt wird in das Geistige bis zu dem großen Bruderbund, der die Erde umspannen soll, bis zu dem Christusprinzip. Darauf bezieht sich auch der Spruch:

[ 24 ] Who are these? They are the very ones who have poured their wisdom into the Cosmos of Wisdom; they are the very ones who, out of their creative wisdom, have built this “Cosmos of Wisdom.” What stands before us today as a completed work was created by these beings. They are the possessors of productive wisdom; they have infused their wisdom into it. By having previously developed creatively in relation to wisdom within the Cosmos of Wisdom, these beings have acquired the ability to, so to speak, pour love into all earthly human beings, and bit by bit this love flows into the Earth. We need only cast a brief glance at this Earth to see how love develops little by little—in ancient times, it appears to us within the narrowest of bounds. Who loved one another in ancient times?—At first, only small groups of blood relatives. Further on, we see love spreading beyond the closest blood ties; the circle that love draws grows ever wider. At first, we see only the closest relatives marrying one another; then love expands to encompass an entire tribe; then, in the Old Testament, the entire people are loved, and anyone who does not belong to that people is considered a stranger. The path is long, but we have taken the great step where love is led from the principle of blood kinship into the spiritual realm—all the way to the great brotherhood that is to encompass the earth, all the way to the Christ principle. This is also what the saying refers to:

Wer nicht verlässt Vater und Mutter, Bruder und Schwester und folget mir nach, et cetera. (Lk 14,26; Mt 19,29)

Whoever does not leave his father and mother, brother and sister, and follow me, et cetera. (Luke 14:26; Matthew 19:29)

[ 25 ] Dieser Spruch ist nicht buchstäblich aufzufassen, der Ausspruch bezieht sich darauf, dass die Liebe heraustreten soll aus dem engen Kreis der Blutsverwandtschaft und geistig werden muss, und umfassen Seele um Seele. Das ist die große Mission des Christentums: Die Liebe immer geistiger zu gestalten, bis sie hinunterdringen wird zu der Gestalt der allumfassenden Liebe, mit der die ganze Erde durchtränkt werden soll, sodass die Wesen der nächsten Welt diese Liebe finden werden in allen Dingen, wie wir die Weisheit gefunden haben. So sehen wir, dass während des Erdendaseins die Mission sich erfüllt, dass das, was der Mensch hinübergebracht hat von der Vorerde, durchdrungen wird von der Liebe. Die Aneignung der Liebe ist das, was der Mensch im Erdenlauf an seinem ganzen Geschlecht zu entwickeln die Aufgabe hat. So können wir sehen, dass eine ganze Kraft, welche die Menschen zusammenführt, immer weiter schreitet und immer größere Kreise zieht.

[ 25 ] This saying is not to be taken literally; it refers to the fact that love must step outside the narrow circle of blood kinship, become spiritual, and embrace soul after soul. This is the great mission of Christianity: to make love ever more spiritual until it descends into the form of all-encompassing love, with which the entire earth is to be imbued, so that the beings of the next world will find this love in all things, just as we have found wisdom. Thus we see that during earthly existence, the mission is fulfilled: that which humanity has brought over from the pre-earthly realm is permeated by love. The assimilation of love is the task that humanity has to develop throughout its entire lineage during the course of earthly life. Thus we can see that a whole force, which brings people together, is advancing ever further and drawing ever wider circles.

[ 26 ] Das ist der Liebe allein möglich. Gehen wir noch einmal zurück von dem Kosmos der Liebe zum Kosmos der Weisheit. Was ist vom Menschen da bei dem Übergang vorhanden? Wie ich ihn beschrieben habe als das vierte Glied seiner Wesenheit, was den Menschen zur Krone der Schöpfung macht, das war beim Beginn unserer Erdenentwicklung noch nicht vorhanden, nur die Anlage des physischen Leibes, des Äther- und des Astralleibes. Aber ebenso, wie ein Samenkorn verfault und doch wieder aufgeht und eine Pflanze entstehen lässt, so verschwinden die Menschen beim Übergang vom Kosmos der Weisheit zum Kosmos der Liebe und erscheinen wieder auf der jetzigen Erde, und es wurde nach und nach heranentwickelt das Ich. Und dieses Ich musste da sein als Gegenpol der Kraft der Liebe. Liebe hat andere Daseinsbedingungen als Weisheit. Weisheit kann da walten, wo alle einzelnen Glieder voneinander abhängig sind, Weisheit kann da walten, wo ein Wesen der Liebe regiert. Soll Liebe von einem Wesen zum andern gehen, so kann das nur da sein, wo sie eine freie Gabe ist, die da sein muss wie eine Vaterkraft.

[ 26 ] Only love can do this. Let us return once more from the cosmos of love to the cosmos of wisdom. What is present in the human being at this transition? What I have described as the fourth member of the human being’s nature—that which makes humanity the crown of creation—was not yet present at the beginning of our Earth’s evolution; only the rudiments of the physical body, the etheric body, and the astral body existed. But just as a seed decays and yet sprouts again, giving rise to a plant, so human beings disappear during the transition from the cosmos of wisdom to the cosmos of love and reappear on the present Earth, and the “I” gradually developed. And this “I” had to be there as the counterpole to the power of love. Love has different conditions of existence than wisdom. Wisdom can prevail where all individual members are interdependent; wisdom can prevail where a being of love reigns. If love is to flow from one being to another, this can only occur where it is a free gift that must be present like a fatherly force.

[ 27 ] Nur Wesen, welche die göttliche Kraft zum Immerweitergewinnen der Freiheit haben, nur solche Wesen haben die Kraft zur Liebe. Das Ich ist der Gegenpol der Liebe. In demselben Maße, wie sich die Liebe ausprägte, prägte sich das Ich aus. Nach und nach im Werden konnte das nur geschehen. Anfänglich spricht das Blut, das Blut, welches verwandt ist einem geliebten Wesen. Es erscheint uns die Liebe in der primitivsten Stufe. Immer mehr entwickelt sich die Liebe zu einer seelisch-geistigen Kraft, und immer mehr macht sich das Ich dabei frei. Nur müssen wir, um die wahre Entwicklung des Menschen innerhalb des Kosmos der Liebe zu verstehen, auf eines Rücksicht nehmen. Wir müssen darauf sehen, dass es im Kosmos zugeht wie in einer Schule: Es bleiben da immer einige sitzen; so geht es auch im Kosmos zu. Diejenigen Wesen, von welchen wir gesprochen haben, welche erhaben über dem Menschen dastehen, diese schufen in produktiver Weisheit und konnten übergehen zu der Liebe. Es blieben aber einige zurück, die nicht das Endziel des Kosmos der Weisheit erlangten, welche noch nicht fertig waren mit ihrer Aufgabe; sie hatten noch zu schaffen an der Weisheit, sie konnten noch keine Liebe ausströmen; ihnen war sie noch nicht gegeben.

[ 27 ] Only beings who possess the divine power to continually gain greater freedom—only such beings have the power to love. The ego is the antithesis of love. To the same extent that love developed, the ego developed. This could only happen gradually in the process of becoming. At first, it is the blood that speaks—the blood that is related to a beloved being. Love appears to us at its most primitive stage. Love develops more and more into a soul-spiritual force, and in the process, the “I” frees itself more and more. However, in order to understand the true development of the human being within the cosmos of love, we must take one thing into account. We must recognize that the cosmos functions like a school: there are always some who fail to advance; the same is true in the cosmos. Those beings we have spoken of—who stand exalted above humankind—created through productive wisdom and were able to transition to love. However, some remained behind who did not attain the ultimate goal of the cosmos of wisdom, who were not yet finished with their task; they still had work to do on their wisdom and could not yet radiate love; it had not yet been given to them.

[ 28 ] Es sind Wesen, die zwischen den erhabenen Wesen stehen und den Menschen. Sie bezeichnet die Geisteswissenschaft als die luziferischen Wesen, unter der Herrschaft Luzifers. — Mag man lachen. Aber ebenso wie es zum Beispiel magnetische Kräfte um uns herum gibt, ebenso gibt es auch die luziferischen. Sie reichen hinein aus dem Kosmos der Weisheit in den Kosmos der Liebe. Sie waren es, welche den Menschen begabten mit ihrer kleinen Weisheit, sie schufen die subjektive intellektuelle Weisheit des Menschen im Ich, das zunächst sozusagen imprägniert wurde. Diesem Ich war eine Selbstständigkeit gegeben, die ihm nur ziemte auf dem Kosmos der Weisheit, wenn diese liebeerfüllte Weisheit eine bestimmte Stufe erreicht hatte. So bekam das Ich eine Kraft, die es jetzt in Selbstständigkeit verwandeln soll.

[ 28 ] These are beings that stand between the exalted beings and human beings. Spiritual science refers to them as the Luciferic beings, under the rule of Lucifer. — One might laugh. But just as there are, for example, magnetic forces all around us, so too are there Luciferic forces. They extend from the cosmos of wisdom into the cosmos of love. It was they who endowed human beings with their modest wisdom; they created the subjective intellectual wisdom of the human being within the “I,” which was, so to speak, initially imbued with it. This “I” was endowed with a degree of independence that was appropriate for the cosmos of wisdom only once this love-filled wisdom had reached a certain level. Thus, the “I” received a power that is now meant to transform it into independence.

[ 29 ] Erst in dem Maße, als das Christusprinzip hervorleuchtete, wurde das Ich fähig, sich in Einklang zu versetzen mit allen Kräften seiner Umgebung auf der Erde. Bevor diese Annäherung an das Ideal des Christus erreicht ist, setzen sich immer wieder solche Wesenheiten fest im Menschen, welche die entgegengesetzte Kraft des Ich sind. Die Kraft ist eine trennende Kraft, welche das Ich zu früh abtrennen will. Gegen alles das, was die Menschen zusammenführt, führen die luziferischen Wesenheiten einen Kampf. Diese Kraft hat auch ihre gute Aufgabe, sie verhindert, dass die Menschen sozusagen in einen Urbrei von Liebe zusammenfallen. Ebenso wie die Menschen auf die Liebe vorbereitet sein mussten, mussten sie früher auf die Weisheit vorbereitet werden. So ist dies luziferische Prinzip als das Prinzip der Erleuchtung, der Selbstständigmachung anzusehen.

[ 29 ] Only to the extent that the Christ principle shone forth did the ego become capable of harmonizing itself with all the forces of its earthly environment. Before this approach to the ideal of Christ is achieved, beings that represent the opposite force of the ego repeatedly take root within the human being. This force is a divisive one that seeks to sever the “I” too soon. The Luciferic beings wage a battle against everything that brings people together. This force also has a positive purpose: it prevents people from collapsing, so to speak, into a primordial mass of love. Just as people had to be prepared for love, they had to be prepared for wisdom in the past. Thus, this Luciferic principle must be regarded as the principle of enlightenment and of fostering independence.

[ 30 ] Nun haben wir die zwei Kräfte, welche nach zwei verschiedenen Richtungen hin die Menschheit leiten, und damit haben wir auch das Prinzip des selbstständigen Ich, das aus diesem Kampf heraus sich festigt. Ohne diese Selbstständigkeit wäre die Liebe nicht möglich, ohne diese Selbstständigkeit wäre der Ursprung des Bösen nicht möglich; die Liebe macht das Böse nötig. Und daher kommt das Prinzip der Liebe, welches herrührt von den Geistern der Liebe, und das Prinzip der Weisheit, welches herrührt von den Geistern der Weisheit, welche beide uns von Seele zu Seele, Geist zu Geist, Ich zu Ich führen.

[ 30 ] Now we have the two forces that guide humanity in two different directions, and with them we also have the principle of the independent self, which is strengthened through this struggle. Without this independence, love would not be possible; without this independence, the origin of evil would not be possible; love makes evil necessary. And from this comes the principle of love, which originates from the spirits of love, and the principle of wisdom, which originates from the spirits of wisdom—both of which guide us from soul to soul, spirit to spirit, and self to self.

[ 31 ] Auf dieser geistigen Tatsache beruht das Böse. Mit der Möglichkeit der Liebe war die Möglichkeit des Bösen gegeben. Nur dadurch, dass der Gott der Erde der Gott der Liebe ist und die Wesen selbstständige Ichmenschen wurden, nur dadurch war der Ursprung des Bösen möglich. Die Liebe machte das Böse möglich. Erst durch die luziferischen Kräfte gelangt der Mensch zur freien Liebe und zur wahren Größe, und nur dadurch nimmt er die Kräfte des Bösen in sich auf. Die Kraft der Liebe muss die ganze Erde durchdringen, muss das Böse überrungen, sozusagen bekehrt haben am Ende der Erdenlaufbahn. Wir sehen ein, dass es ein Gutes ist, was der Mensch dem Bösen verdankt, er verdankt dem Bösen die Freiheit. So ist im Luzifer-Prinzip, in dem der Ursprung des Bösen liegt, auch der Ursprung der Freiheit und damit die Möglichkeit der Entwicklung der Liebe gegeben.

[ 31 ] Evil is based on this spiritual reality. With the possibility of love came the possibility of evil. Only because the God of the Earth is the God of love and human beings became independent, self-aware individuals—only through this was the origin of evil possible. Love made evil possible. It is only through the Luciferic forces that human beings attain free love and true greatness, and it is only through this that they take the forces of evil into themselves. The power of love must permeate the entire Earth; it must have overcome evil—converted it, so to speak—by the end of the Earth’s cycle. We recognize that what humanity owes to evil is a good thing; humanity owes freedom to evil. Thus, within the Lucifer principle—in which the origin of evil lies—lies also the origin of freedom and, with it, the possibility for the development of love.

[ 32 ] Denken wir uns diese Erde ohne alles Böse, so gehört nur eine geringe Kraft der Liebe dazu, die Kräfte des Bösen zu überwinden, und die Kräfte der Liebe wachsen, weil sie die Aufgabe haben, das bestehende Böse in Liebe umzuwandeln. So sehen wir wirklich etwas von dem, was Böhme erfühlt hat, dass das Böse die Mission der Liebe stärkt, so sehen wir mit dem Ursprung des Bösen zugleich den Sinn des Bösen, und wenn wir geisteswissenschaftlich das Böse betrachten, so sehen wir das Böse in einer gewissen Weise gerechtfertigt, wir sehen es, wo es uns auch entgegentreten mag, mit anderen Gefühlen.

[ 32 ] If we imagine this Earth without any evil, then only a small measure of the power of love is needed to overcome the forces of evil, and the forces of love grow because their task is to transform existing evil into love. In this way, we truly glimpse something of what Böhme sensed—that evil strengthens the mission of love; we see, along with the origin of evil, the meaning of evil; and when we view evil from a spiritual-scientific perspective, we see it as justified in a certain sense; we regard it—wherever it may confront us—with different feelings.

[ 33 ] Leben wir aber mit den Gefühlen durchdrungen, da macht das für uns einen ganz anderen Eindruck, nicht für den, der sie spekulativ begriffen hat, sondern für den, der sie theosophisch begreift. Wenn wir stille Stunden haben und unseren Geist zu den großen Rätselfragen erheben, so müssen wir etwas so Gewaltiges erleben, dass wir im Bösen noch das Gute fühlen. So durchdringen wir uns mit Gefühlen, so fühlen Sie jeden Schritt des Lebens mit. Wir stehen der ganzen Welt denkend, handelnd und fühlend gegenüber, und das ist äußerst wesentlich. Oh, wie werden wir milde, wenn wir etwas sehen, was uns früher empörte. Diese Empfindungen, die als ein Bodensatz stiller Stunden sich ergeben, machen das theosophische Leben aus. Noch mehr auf das alltägliche Leben angewandt, soll dies morgen betrachtet werden. Heute haben wir die Funktion des Bösen in flüchtigen Skizzen nur andeuten können.

[ 33 ] But if we live with these feelings deeply imbued within us, they make a completely different impression on us—not on those who have grasped them speculatively, but on those who understand them theosophically. When we have quiet moments and lift our minds to the great mysteries, we must experience something so powerful that we sense the good even in evil. In this way, we imbue ourselves with feelings; we feel every step of life. We face the whole world through thought, action, and feeling, and that is of the utmost importance. Oh, how gentle we become when we see something that once outraged us. These feelings, which emerge as the sediment of quiet moments, constitute the theosophical life. Applied even more to everyday life, this will be considered tomorrow. Today we have been able only to hint at the function of evil in fleeting sketches.

[ 34 ] Wir haben die Anschauung gewonnen, dass wir kurzsichtig sind, wenn wir gegen das Böse, die Weisheit, die Liebe, den Geist der Welt irgendetwas einwenden wollen. Wir haben gesehen, dass dieser Geist der Liebe so gewaltig die Welt durchflutet, ein so guter Geist ist, dass er einst das Böse in die Welt gebracht hat, um ein möglichst Energisches, ein möglichst Gutes bewirken zu können.

[ 34 ] We have come to realize that we are short-sighted if we try to object to evil, wisdom, love, or the spirit of the world. We have seen that this spirit of love so powerfully permeates the world—it is such a good spirit—that it once brought evil into the world in order to bring about the most powerful and the greatest good possible.

Fragenbeantwortung

Q&A

[ 35 ] Frage: Wie verhalten sich die ersten Worte aus dem Johannesevangelium zum Christusprinzip?

[ 35 ] Question: How do the opening words of the Gospel of John relate to the Christ principle?

Ich und der Vater sind eins. (Joh 10,30)
In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen. (Joh 14,2)
Ehe denn Abraham war, bin ich. (Joh 8,58)

I and the Father are one. (John 10:30)
In my Father’s house there are many dwelling places. (John 14:2)
Before Abraham was, I am. (John 8:58)

[ 36 ] Rudolf Steiner: Im Lukasevangelium wird das Wort im selben Sinne angewandt wie im Beginn des Johannesevangeliums. (Lk 1,2)

[ 36 ] Rudolf Steiner: In the Gospel of Luke, the word is used in the same sense as at the beginning of the Gospel of John. (Luke 1:2)

[ 37 ] Im Anfange des Alten Testaments:

[ 37 ] In the beginning of the Old Testament:

Im Urbeginne schuf Gott die Welt. (1 Mos 1,1)

In the very beginning, God created the world. (Genesis 1:1)

[ 38 ] Im Anfange des Johannesevangeliums:

[ 38 ] At the beginning of the Gospel of John:

Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott,
und ein Gott war das Wort, et cetera. (Joh 1,1)

In the beginning was the Word, and the Word was with God,
and the Word was God, et cetera. (John 1:1)

[ 39 ] Der alte Jude sprach von der vorbereitenden Liebe, die durch die Christusliebe weiter fortgesetzt werden sollte.

[ 39 ] The old Jew spoke of the preparatory love that was to be carried forward through the love of Christ.

[ 40 ] «Mit Abraham fließt dasselbe Blut bis zu uns», sagte der alte Jude. «Ich und der Vater Abraham sind eins.» Das war ausgedrückt im Alten Testament.

[ 40 ] “The same blood flows through us as through Abraham,” said the old Jew. “I and Father Abraham are one.” This was stated in the Old Testament.

[ 41 ] Älter als alles ist das Ich, aus dem Schoße der Gottheit herabgestiegen in die drei Leiber auf der Erde. Dieses «Ich» als das Geistige ist älter als die Blutsliebe. Deshalb sagt Christus: «Ich und der Vater, das ist die Gottheit, sind eins.» (Joh 10,30) Ich finde in mir einen Quell, der zum Ewigen führt. Dies Ich hatte schon die Kraft, zu bewahren die Blutsliebe durch den Stammeinfluss.

[ 41 ] Older than all else is the “I,” which has descended from the bosom of the Godhead into the three bodies on Earth. This “I,” as the spiritual, is older than blood ties. That is why Christ says: “I and the Father—that is, the Godhead—are one.” (John 10:30) I find within myself a spring that leads to the Eternal. This “I” already had the power to preserve kinship through the influence of the lineage.

[ 42 ] Vor Abraham war das «Ich bin». (Joh 8,58) Das ist der wirkliche Sinn. Das Ich mit Aufgabe des Persönlichen. Das Ich wird als ein Individuelles sich in die Gottheit finden: Für jedes Ich ein separates Haus, separate Zelle.

[ 42 ] Before Abraham was the “I Am” (John 8:58). That is the true meaning. The “I” that has renounced its personal nature. The “I” will find itself within the Godhead as an individual: a separate house, a separate cell for each “I.”

[ 43 ] Vor dem Physischen finden wir das Ich. Licht ist immer noch physisch. «Im Urbeginne war das Wort.» (Joh 1,1) Man könnte auch sagen: «Im Urbeginne war das ‹Ich bin›».

[ 43 ] Before the physical, we find the “I.” Light is still physical. “In the beginning was the Word.” (John 1:1) One could also say: “In the beginning was the ‘I am.’”

[ 44 ] «Ich bin das Licht» (Joh 9,5) heißt: Ich bin der Bringer des Ich.

[ 44 ] “I am the light” (John 9:5) means: I am the bringer of the self.

[ 45 ] Und das «Ich bin» hat im Fleisch gewohnt: = Christus hat im Fleisch gewohnt.» (Joh 1,14)

[ 45 ] “And the ‘I Am’ dwelt among us: = Christ dwelt among us.” (John 1:14)