The Essence of Christianity
GA 68a
13 September 1910, Bern
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The Essence of Christianity, tr. SOL
54. Das Wesen des Menschlichen Schicksals
54. The Nature of Human Destiny
[ 1 ] Es gibt Lebensrätsel, deren [Lösungs]versuch nicht nur einen wissenschaftlichen Wert hat, sondern auch im eigentlichsten Sinne einen Lebenswert, einen Wert für unsere Standfestigkeit im Leben, für unsere Lebenshoffnungen, ja einen Wert für unsere Kraft zur Arbeit im Leben. Und zu diesen Lebensrätseln gehört ohne Frage das, das sich einschließt in dem bedeutungsvollen Worte des menschlichen Schicksals.
[ 1 ] There are mysteries of life whose [attempted] solution has not only scientific value, but also, in the truest sense, a value for life itself—a value for our steadfastness in life, for our hopes in life, and indeed a value for our strength to work in life. And among these mysteries of life is, without question, the one encapsulated in the meaningful phrase “human destiny.”
[ 2 ] Es hängt davon ab, wie wir das Schicksal ertragen können. Es will nicht nur verstanden, begriffen, sondern ertragen sein. Da sehen wir, wie scheinbar ohne seine Schuld der Mensch hereingeführt wird durch Mächte.
[ 2 ] It depends on how we can endure fate. It must not only be understood and grasped, but also endured. There we see how, seemingly through no fault of his own, a person is led astray by forces.
[ 3 ] Gerade dieser allercharakteristischsten Frage gegenüber ist das, was wir Wissenschaft, Forschung des menschlichen Verstandes nennen, machtlos.
[ 3 ] It is precisely in the face of this most fundamental question that what we call science—the study of the human mind—is powerless.
[ 4 ] Man braucht nur einiges sich vor Augen zu stellen, allerdings vor Augen der Seele, dann wird man sehen, dass das nicht so ist, dass in gewisser Weise für oberflächlichen Blick unser Schicksal nicht bloß sehr abhängig ist von dem, was uns zustößt, sondern von dem, wie wir sind. Vergleichen: Ein Menschen mit einem melancholischen Temperament wird das, was mit [dem] Wort Schicksal bezeichnet wird, ganz anders empfinden wie ein Choleriker.
[ 4 ] One need only consider a few things—though in the eyes of the soul—and then one will see that this is not the case; that, in a certain sense, to the superficial eye, our fate depends not merely on what happens to us, but on who we are. Compare: A person with a melancholic temperament will experience what is referred to by the word “fate” quite differently than a choleric person.
[ 5 ] Kaum beachten wir die Dinge, die einem entgegentreten, im Tun, und [wie es] alles durchsetzt. Jeder Mensch wird mehr oder weniger in der Lage gewesen sein, Erfahrungen gemacht haben, dass er seinem Schicksal grollen konnte. Es gibt aber eine Versöhnung mit dem Schicksal. Sie besteht darinnen, dass Selbsterkenntnis wahre, echte Selbsterkenntnis [ist], der unbefangene Blick in unser Inneres.
[ 5 ] We hardly pay attention to the things that come our way as we go about our business, and [how] everything is permeated by them. Every person will, to a greater or lesser extent, have had experiences that led them to resent their fate. But there is a way to come to terms with fate. It consists in self-knowledge—true, genuine self-knowledge—the unbiased look into our inner selves.
[ 6 ] Goethe: «Erkenne Dich und leb mit der Welt in Frieden.»
[ 6 ] Goethe: “Know thyself and live in peace with the world.”
[ 7 ] Wegen dem Zusammenhang [?], [den] wir verloren [?] mit der Welt und weil leidensvolles Schicksal, treffen müssen nicht immer durch eigene Schuld, durch Untugenden /Lücke].
[ 7 ] Because of the connection [?] that we have lost [?] with the world, and because a painful fate does not always come about through one’s own fault, but through vices / gap].
[ 8 ] Die Frage nach dem [Lücke].
[ 8 ] The question of the [gap].
[ 9 ] Schlafen und Wachen. Während Schlafs: Die eigene innere Wesenheit ist herausgezogen, in einer anderen Welt.
[ 9 ] Sleeping and Waking. During sleep: One’s inner essence is withdrawn, in another world.
[ 10 ] Für unser Unglück können wir dankbar werden den Schicksalsmächten. Für unser Glück kommen wir zu etwas anderem. Im Glück sind wir passiv, das nehmen wir hin. Wenn wir aber anerkennen, dass sich die Leben des Menschen folgen und dass ein jedes Folgeleben die Frucht des vorherigen zeitigt, dann werden wir lernen an[zu]wenden das Glück, Saaten für die zukünftigen Leben zu streuen.
[ 10 ] We can be grateful to the forces of fate for our misfortune. When it comes to our good fortune, however, we turn to something else. In good fortune, we are passive; we simply accept it. But if we recognize that human lives follow one another and that each subsequent life bears the fruit of the previous one, then we will learn to use our good fortune to sow seeds for future lives.
[ 11 ] Das Glück zu verwenden, um unsere Tätigkeit zu verbinden /?).
[ 11 ] Using happiness to connect our actions /?).
Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen,
Die Sonne stand zum Gruße der Planeten,
Bist alsobald [und fort und fort] gediehen,
[...]
Hier musst du sein, hier kannst du nicht entfliehen
[...]
Just as on the day you were born into this world,
The sun stood in greeting to the planets,
You flourished immediately [and on and on],
[...]
You must be here; you cannot escape
[...]
