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The Essence of Christianity
GA 68a

14 September 1910, Bern

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The Essence of Christianity, tr. SOL
  1. Über das Wesen des Christentums

55. Theosophie und Bibel

55. Theosophy and the Bible

[ 1 ] Wenn in unserer gegenwärtigen Zeit von der Bibel die Rede ist, dann können wohl unter mancherlei anderen Gedanken und Empfindungen dem Menschen die folgenden zwei Empfindungen auftreten. Die erste kann herkommen von der Betrachtung der gewaltigen Wirkung, welche dieses Buch der Menschheit in der Entwicklungsgeschichte des Geisteslebens durch lange Zeiten hindurch gespielt hat. Und der, welcher dieser Wirkung gedenkt und ein wenig sich erinnert des Umstandes, wie viel Erbauung nicht nur, sondern Kraft vor allem, Hoffnung, Trostgefühle durch fast unendlich lange Zeiten aus einem Buch geflossen sind, der wird sich nicht verschließen können vor einer gewaltigen Ehrfurcht und hingebenden Anerkennung des Einflusses gegenüber diesem Buche. Aber in unserer Zeit, in dem Geistesleben der Gegenwart kann sich neben diesen Eindruck ein völlig anderer noch stellen.

[ 1 ] When people speak of the Bible in our present day, among various other thoughts and feelings, the following two impressions may well arise in them. The first may stem from contemplating the immense impact this book has had on humanity throughout the long history of the development of spiritual life. And whoever reflects on this impact and recalls even a little how much edification—not only that, but above all strength, hope, and a sense of comfort—has flowed from this book over almost infinitely long periods of time will be unable to resist a profound sense of awe and devoted appreciation for the influence of this book. But in our time, in the spiritual life of the present, a completely different impression may arise alongside this one.

[ 2 ] Wenn wir zurückblicken auf alte Zeiten der christlichen Entwicklung, so finden wir, dass die Bibel zunächst ein Buch war, das dem großen Publikum überhaupt verschlossen war. Das war natürlich in einer Zeit, wo das große Publikum getrennt war von jeder Literatur. Vorher war die Bibel nicht nur in Händen von denen, die Sand streuen den Leuten in die Augen, sondern auch von ernsten Forschern.

[ 2 ] When we look back on the early days of Christianity, we find that the Bible was initially a book that was completely inaccessible to the general public. This was, of course, at a time when the general public had no access to literature whatsoever. Previously, the Bible was not only in the hands of those who throw sand in people’s eyes, but also of serious scholars.

[ 3 ] Gerade in dem Maße, wie sich die Bibel verbreitete, verlor auch das, was darinnen enthalten ist, an überzeugender Kraft. Es verlor an Bedeutung für die, die das große Buch der Naturaufklärung [?] aufschlagen konnten. Die heraufkommende Naturwissenschaft mit allen ihren Errungenschaften gab der Menschheit einen Glauben zum Beispiel [?] von Entstehung der Welt, des Sonnensystems, der nicht mehr für viele vereinbar war mit der Bibel.

[ 3 ] Precisely to the extent that the Bible spread, its contents also lost their persuasive power. It lost its significance for those who were able to open the great book of natural enlightenment [?]. The emerging natural sciences, with all their achievements, gave humanity a belief—for example [?]—regarding the origin of the world and the solar system that was no longer compatible with the Bible for many.

[ 4 ] 1811–13 Fichte: Vorlesungen in Berlin.

[ 4 ] 1811–13 Fichte: Lectures in Berlin.

[ 5 ] Mit den Augen des Sehers kann [die] Erdenentwicklung zurückverfolgt werden. [Mitschrift bricht ab.]

[ 5 ] Through the eyes of the seer, [the] development of the Earth can be traced. [Transcript breaks off.]