The Essence of Anthroposophy
within the World Of Sense, Soul And Spirit
GA 68b
2 January 1910, Stockholm
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The Circular Flow of Man's Life, tr. SOL
11. Das Geheimnis des Todes als Schlüssel zum Rätsel des Lebens
11. The Mystery of Death as the Key to the Enigma of Life
Bericht in: «Dagens Nyheter», 3. Januar 1910
Article in: “Dagens Nyheter,” January 3, 1910
[ 1 ] Das Leben und der Tod. Eine theosophische Vorlesung in der [KöniglichSchwedischen] Akademie der Wissenschaften. Auf Einladung der Theosophischen Gesellschaft in Skandinavien, Stockholm, hielt am Sonntag der bereits bekannte Doktor Rudolf Steiner im Hörsaal der Akademie der Wissenschaften einen Vortrag vor einem Publikum, das das Lokal nur zur Hälfte füllte,
[ 1 ] Life and Death. A Theosophical Lecture at the [Royal Swedish] Academy of Sciences. At the invitation of the Theosophical Society in Scandinavia, Stockholm, the well-known Dr. Rudolf Steiner gave a lecture on Sunday in the lecture hall of the Academy of Sciences before an audience that filled only half the room,
[ 2 ] Selbst derjenige, der keine theosophischen Ansichten vertritt, muss von der Kraft, der Wärme und der tiefen Überzeugung, mit der der Vortrag gehalten wurde, mitgerissen worden sein. In einem klaren und deutlichen Deutsch, das bloß hier und da den Fehler der endlos langen deutschen Satzbildungen hatte, hielt Dr. Steiner ohne Konzept seinen Vortrag, der nach theosophischer Sicht den menschlichen Schlaf und Wachzustand, sein Leben und seinen Tod darstellte.
[ 2 ] Even those who do not hold theosophical views must have been swept away by the power, warmth, and deep conviction with which the lecture was delivered. In clear and precise German—though occasionally marred by the tendency toward endlessly long German sentences—Dr. Steiner delivered his lecture off the cuff, presenting the human states of sleep and wakefulness, life, and death from a theosophical perspective.
[ 3 ] Dr. Steiner, ein dünner, glatt rasierter Mann mit einem fast asketischen Aussehen, begann seine Rede ruhig, ernst und gesetzt. Seine linke Hand spielte mit dem an einer Schnur hängenden Zwicker, während die rechte gelegentlich in den Raum zeigte. Aber als der Vortrag fortschritt, wurde die Stimme wärmer und lauter. Die rechte Hand reichte für die Gesten nicht aus, beide Arme wurden ausgebreitet und beide Hände halfen mit, um für die Zuhörer sinnbildlich vorzuformen, was der Redner veranschaulichen wollte. Die Stimme stieg und die Rede nahm immer mehr Geschwindigkeit auf, während sie ohne Unterbrechung in perfekten, schönen Bewegungen floss, wie sie nur ein geborener Redner hervorbringen kann. Und als die letzten Worte mit einem Zitat von Goethe mit großem Pathos in den Raum geworfen waren, saß das Auditorium eine Weile stumm und völlig begeistert, bevor der Applaus folgte.
[ 3 ] Dr. Steiner, a thin, clean-shaven man with an almost ascetic appearance, began his speech calmly, solemnly, and composedly. His left hand fiddled with his pince-nez, which hung from a string, while his right hand occasionally pointed out into the room. But as the lecture progressed, his voice grew warmer and louder. His right hand alone was not enough for his gestures; he spread both arms wide, and both hands helped to symbolically shape for the audience what the speaker wished to illustrate. His voice rose and the speech gained more and more momentum, flowing without interruption in perfect, beautiful movements, as only a natural orator can produce. And when the final words—a quote from Goethe—were delivered with great pathos, the audience sat in silence for a moment, completely captivated, before the applause began.
[ 4 ] Der Mensch muss lernen, im Tod etwas anderes als Vernichtung zu sehen, sagte der Redner, er muss daran arbeiten, im Tod eine Möglichkeit für eine höhere Entwicklung zu sehen. Es gibt nichts, das uns berechtigt, zu glauben, dass das Leben allein die sichtbare Welt ist. Wenn der Mensch einschläft, ist es sein unsichtbarer Teil, sein Geist, sein Selbst, der Astralmensch, der den physischen Körper des Lebens verlässt, um in der geistigen Welt neue Kräfte für die weitere Entwicklung zu sammeln. Wenn der Tod eintritt, hat der Körper als Medium für spirituelle Aktivitäten ausgedient, er kann nicht weiter auf etwas Höheres trainiert werden. So, wie in der Kindheit das geistige Selbst des Menschen nur schrittweise alle Möglichkeiten des physischen Körpers entwickeln kann, so treibt das Alter den Astralkörper schrittweise aus einem physischen Instrument heraus, das nicht weiterentwickelt werden kann. Der Leichnam eines Menschen ist der physische Körper, wie er ohne den lebensspendenden, prägenden Geist ist. Und dieser kehrt nach dem Tod in die unsichtbare Welt zurück, aus der er für die Entwicklung gekommen ist und in die er zur weiteren Entwicklung in anderen Existenzformen zurückkehrt. So wie das Leben nur aus dem Leben entstehen kann, kann die Geist-Seele (das GeistlichSeelische) nur aus etwas Geistigem entstehen, das vorher existierte. Wenn der Tod so geschen wird, muss der Mensch froh sein, dass er als Möglichkeit für eine weitere und reichere Entwicklung besteht.
[ 4 ] “Human beings must learn to see death as something other than annihilation,” said the speaker; “they must work to see death as an opportunity for higher development.” There is nothing that justifies our belief that life consists solely of the visible world. When a person falls asleep, it is their invisible part—their spirit, their self, the astral being—that leaves the physical body of life in order to gather new strength for further development in the spiritual world. When death occurs, the body has outlived its usefulness as a medium for spiritual activities; it can no longer be trained toward anything higher. Just as in childhood the human spiritual self can develop all the potential of the physical body only gradually, so old age gradually drives the astral body out of a physical instrument that can no longer be developed. A person’s corpse is the physical body as it exists without the life-giving, formative spirit. And after death, this spirit returns to the invisible world from which it came for the purpose of development and to which it returns for further development in other forms of existence. Just as life can arise only from life, the spirit-soul (the spiritual-soul aspect) can arise only from something spiritual that existed previously. When death comes in this way, a person should be glad that it exists as an opportunity for further and richer development.
[ 5 ] Dr. Steiner wird hier zwei weitere Vorträge halten, berührend verwandte Themen und illustrative Fragen, die sich aus den Ansichten ergeben, die er in dem ersten entwickelt hat.
[ 5 ] Dr. Steiner will give two more lectures here, covering closely related topics and illustrative questions that arise from the views he developed in the first one.
