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The Rudolf Steiner Archive

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The Essence of Anthroposophy
within the World Of Sense, Soul And Spirit
GA 68b

17 December 1909, Wrocław

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The Circular Flow of Man's Life, tr. SOL
  1. Der Kreislauf des Menschen

10. Das Geheimnis des Todes als Schlüssel zum Rätsel des Lebens

10. The Mystery of Death as the Key to the Enigma of Life

[ 1 ] Eine wichtige Lebensfrage soll vom Gesichtspunkt der Theosophie behandelt werden, eine Frage, die hinaufweist zu den höchsten Lebenshöhen und hineinspielt in das Alltagsleben, die uns beschäftigen muss immer und immer.

[ 1 ] An important question of life is to be addressed from the perspective of theosophy—a question that points to the highest realms of existence and touches upon everyday life, a question that must occupy us time and again.

[ 2 ] Wir müssen uns zuerst verständigen über Theosophie. Sie stellt sich erst seit Kurzem in unser Geistesleben und erhält erst jetzt eine Mission für die Menschheit. Und so wollen wir zuerst ihre Art und Denkweise erörtern. Sie will in einer Form, die der heutigen Sehnsucht entspricht, eindringen in die geistige Welt, will lehren, dass hinter allem Wahrnehmbaren geistige Ursachen stehen, will zu diesen Ursachen vordringen durch wirkliche Erkenntnis, die sich hinstellen kann neben die wissenschaftliche Erkenntnis der Gegenwart.

[ 2 ] We must first come to an understanding about theosophy. It has only recently entered our spiritual life and is only now taking on a mission for humanity. And so let us first discuss its nature and way of thinking. It seeks to penetrate the spiritual world in a form that corresponds to today’s longing; it seeks to teach that spiritual causes lie behind all that is perceptible; it seeks to penetrate to these causes through genuine knowledge that can stand alongside the scientific knowledge of the present.

[ 3 ] Viele Vorurteile gibt’s bei denen, die oberflächlich über sie unterrichtet sind, viele Missverständnisse. Da wäre zunächst ein Missverständnis, dass sie jemanden beirren könnte in den Glaubensbekenntnissen, die in ihm leben, als ob Theosophie eine neue Religion sein wollte. Das ist ein Irrtum. Sie wird nie jemanden beirren in Bezug auf das, was sein religiöses Glaubensbekenntnis ist. Nur wird sie die Menschen, die heute durch eine materialistische Wissenschaft beirrt sind, zur Religion hinführen. So wird sich für die tiefer Eindringenden zeigen, dass Theosophie tiefer religiös macht. Ein anderes Missverständnis ist das, wonach man meint, dass Theosophie eine buddhistische, indische Weltanschauung nach Europa verpflanzen wolle. Das ist ein Irrtum, so etwas lässt sich nicht verpflanzen. Theosophie hat die Aufgabe, das europäische Geistesleben zu vertiefen, und dazu muss sie die Wurzeln berücksichtigen, aus denen es sich seit Jahrhunderten entwickelt hat.

[ 3 ] There are many prejudices among those who have only a superficial understanding of it, as well as many misunderstandings. First, there is the misconception that it could lead someone astray from the creeds they hold dear, as if Theosophy were intended to be a new religion. That is a mistake. It will never lead anyone astray with regard to their religious beliefs. Rather, it will guide those who are currently misled by materialistic science toward religion. Thus, for those who delve deeper, it will become clear that Theosophy fosters a deeper religious life. Another misunderstanding is the belief that Theosophy seeks to transplant a Buddhist, Indian worldview into Europe. This is a mistake; such a thing cannot be transplanted. Theosophy’s task is to deepen European spiritual life, and to do so, it must take into account the roots from which it has developed over the centuries.

[ 4 ] Und jetzt die Ursachen, die Quellen: Woher schöpft Theosophie das, was wir heute besprechen wollen? Sie steht auf dem Boden einer ehrlichen Anerkennung dessen, was wir «Entwicklung» nennen. Sie sagt aber nicht: Wir erkennen nur das Äußere und seine Entwicklung — wie die materialistische Wissenschaft -, sondern wir geben zu, dass der Mensch lebendig drinnen steht in der Entwicklung. Diese Entwicklung schreitet vorwärts, der Mensch wird sich immer weiterentwickeln, ja der Mensch kann diese Entwicklung nicht nur beobachten, er kann sie auch fördern, weil er ein selbstbewusstes Wesen ist. Wie ein Samenkorn sich entwickelt und aus ihm die Pflanze erwächst, so ist auch eine Seele nicht nur, was sie äußerlich erscheint — einem Samenkorn sieht man auch nicht an, was für Kräfte in ihm schlummern, was für eine Pflanze aus ihn sich entwickeln kann —, so enthält auch die menschliche Seele Kräfte, die entwickelt werden können, und Theosophie zeigt am lebendigen Beispiel, dass aus den Seelen etwas ganz anderes werden kann.

[ 4 ] And now the causes, the sources: Where does Theosophy draw what we wish to discuss today? It is grounded in an honest acknowledgment of what we call “evolution.” However, it does not say: We recognize only the external and its development—as materialistic science does—but rather we acknowledge that human beings are actively involved in the process of development. This development moves forward; human beings will continue to develop; indeed, human beings can not only observe this development, but they can also promote it, because they are self-aware beings. Just as a seed develops and a plant grows from it, so too is a soul not merely what it appears to be on the outside—just as you cannot tell from a seed what powers lie dormant within it, or what kind of plant might develop from it— so too does the human soul contain powers that can be developed, and Theosophy demonstrates through living examples that souls can become something entirely different.

[ 5 ] Heute fragen wir nach den verborgenen Quellen des Lebens und des Todes, und die Antwort der materialistischen Wissenschaft lautet: Wir können nichts davon wissen. Aber der Theosoph sagt: Gewiss, so wie der Mensch jetzt ist, hat seine Erkenntnis diese Grenzen, und er kann davon nichts wissen, aber diese Grenzen können erweitert werden eben durch eine Entwicklung, und dann kann er davon wissen.

[ 5 ] Today we ask about the hidden sources of life and death, and the answer given by materialistic science is: We cannot know anything about them. But the theosophist says: Certainly, as human beings are now, their knowledge has these limitations, and they cannot know anything about them; but these limitations can be expanded precisely through evolution, and then they will be able to know about them.

[ 6 ] Soll nun durch Entwicklung diese Grenze überschritten werden, so müssen sich zunächst neue Organe entwickeln. Die Theosophie zeigt nun den Weg, wie in uns neue Kräfte, neue Organe lebendig werden können; sie zeigt den Weg, wie die Seele zu einem Instrument werden kann für höhere Entwicklung. So wie Mikroskop und Teleskop den Sinnesorganen für die Erkenntnisvergrößerung der äußeren Welt beigestanden haben und die Instrumente für diese Art der wissenschaftlichen Erkenntnis geworden sind, so kann auch die Seele ein Instrument der Geisteswissenschaft werden. Ein Wissenschaftler hält dies für Phantasien und bestreitet, dass so etwas möglich ist. Fichte, der große Philosoph, sagte einmal: Man denke sich eine Versammlung von vielen Blinden, unter denen sich einige Sehende befinden, die den Blinden von Farbe und Licht reden. Werden die Blinden diese Reden verstehen und glauben können? Würde aber einem das Sehen geschenkt, so würde auch ihm Licht und Farbe leuchten, die vorher Finsternis waren. Die Wahrnehmung in der Umwelt hängt also ab von den Organen, die der Mensch besitzt. Neue Organe können neue Welten öffnen, wie ja auch Mikroskop und Teleskop den Menschen neue Welten wiesen.

[ 6 ] If this limit is to be transcended through evolution, new organs must first develop. Theosophy now shows the way in which new powers and new organs can come to life within us; it shows the way in which the soul can become an instrument for higher development. Just as the microscope and the telescope have assisted the sense organs in expanding our understanding of the external world and have become the instruments for this kind of scientific knowledge, so too can the soul become an instrument of spiritual science. A scientist considers this to be mere fantasy and denies that such a thing is possible. Fichte, the great philosopher, once said: Imagine a gathering of many blind people, among whom are a few sighted individuals who speak to the blind about color and light. Will the blind be able to understand and believe these words? But if sight were granted to one of them, light and color—which were previously darkness—would shine for him as well. Perception of the environment thus depends on the organs that a person possesses. New organs can open up new worlds, just as the microscope and the telescope have revealed new worlds to humanity.

[ 7 ] Und so redet die Geisteswissenschaft von der geistigen Welt. Dadurch, dass der Mensch die in ihm keimhaft enthaltenen Organe entwickelt und in höhere Welten sich einlebt, dadurch, dass dies möglich ist, kann man die ganze Geisteswissenschaft beurteilen. Denn nur die Erfahrung gilt. Das Erleben in geistigen Welten ist da; es wird geistig geforscht, und die Ergebnisse dieser Forschung werden zum Inhalt der Theosophie.

[ 7 ] And this is how spiritual science speaks of the spiritual world. The fact that human beings can develop the organs latent within them and acclimate themselves to higher worlds—the very fact that this is possible—is what allows us to evaluate the entirety of spiritual science. For only experience counts. The experience of spiritual worlds exists; spiritual research is conducted, and the results of this research form the content of theosophy.

[ 8 ] Nun kann freilich nur der forschen, der die Erleuchtung erlebt hat — wie auch der nur mikroskopische Untersuchungen machen kann, der die nötigen Studien getrieben hat. Die Forschungen des Geistesforschers sind aber, wenn sie in üblicher Weise mitgeteilt werden, für die Menschen begreiflich. Und diese Mitteilungen sind für [sie] wertvoll, auch wenn nicht jede Seele sogleich auf eine höhere Stufe der Entwicklung kommt. Jeder Mensch kann diese Mitteilungen anhören und sich fragen, ob das Leben Belege liefert für das, was der Forscher sagt, ob sich’s im Leben als wahr erzeigt.

[ 8 ] Of course, only those who have experienced enlightenment can conduct research—just as only those who have completed the necessary studies can perform microscopic examinations. However, the research of the spiritual scientist is understandable to people when communicated in the usual way. And these messages are valuable to [them], even if not every soul immediately reaches a higher stage of development. Everyone can listen to these messages and ask themselves whether life provides evidence for what the researcher says, whether it proves to be true in life.

[ 9 ] So wollen wir über Leben und Tod sprechen und hören, was der Forscher, was das Leben sagt. Der Forscher sagt: Um dies große Rätsel zu verstehen, müssen wir zuerst das Wesen des Menschen verstehen. Wir haben es mit einer viergliedrigen Wesenheit zu tun. Das erste Glied ist der physische Leib. Die Theosophie steht bei Betrachtung desselben völlig auf wissenschaftlichem Boden. Der physische Leib ist eins mit der Natur. Doch allein für sich tritt er uns erst nach dem Tode entgegen, und da folgt er seinen physischen Gesetzen und Kräften und löst sich auf. Nun sagt die Theosophie: Es muss noch etwas anderes gesucht werden, um den ganzen Menschen zu verstehen, das kann nicht der ganze Mensch sein. Dies andere, welches während der Lebenszeit das Zerfallen des physischen Körpers hindert, ist eine Kraft, ein zweiter Körper, den wir Lebensleib oder Ätherleib nennen. Dieser Lebensleib durchdringt den physischen Leib. Der Forscher sieht nun diesen Lebensleib; er ist also eine Erfahrung. Mit der ganzen lebendigen Natur hat der Mensch diesen Lebensleib gemeinsam, mit Pflanzen und Tieren.

[ 9 ] So let us speak about life and death and hear what the researcher and what life itself have to say. The researcher says: To understand this great mystery, we must first understand the nature of the human being. We are dealing with a fourfold being. The first part is the physical body. Theosophy stands entirely on scientific ground in its consideration of the physical body. The physical body is one with nature. Yet it appears to us in and of itself only after death, and then it follows its physical laws and forces and dissolves. Now Theosophy says: Something else must be sought in order to understand the whole human being; this cannot be the whole human being. This other aspect, which prevents the physical body from disintegrating during one’s lifetime, is a force, a second body, which we call the life body or etheric body. This life body permeates the physical body. The researcher now perceives this life body; it is therefore an experience. Human beings share this life body with all of living nature, with plants and animals.

[ 10 ] Wir stellen uns einmal einen Menschen vor. Ein Stück des Raumes ist ausgefüllt mit dem physischen Leib, in diesem ist der Lebensleib. Doch lebt in diesem ausgefüllten Raume noch etwas anderes, was dem Menschen sehr nahe steht. Da lebt etwas, was er als Lust und Leid, als Freude und Schmerz und Leidenschaft kennt. Das lebt dort, und das kann er nicht fassen, nicht sehen, es ist aber da, und der Seher sieht es als Astralleib. Diesen hat der Mensch gemeinsam mit der Tierwelt.

[ 10 ] Let us imagine a human being. A portion of space is occupied by the physical body, within which lies the life body. Yet something else lives within this occupied space, something very close to the human being. There lives something that the person experiences as pleasure and suffering, as joy, pain, and passion. It lives there, and though the person cannot grasp it or see it, it is there, and the seer perceives it as the astral body. Humans share this with the animal kingdom.

[ 11 ] Nun der vierte Teil, der den Menschen zur Krone der Schöpfung macht: Jedes Ding hat einen Namen, der ihm von außen her gegeben wird. Wir nennen diese Namen der Dinge, der Personen, diese Namen klingen von außen her an unser Ohr. Nun gibt es einen Namen, der nicht in dieser Weise angewandt werden kann, den nur ein Mund aussprechen kann, der Mund des einen Menschen, dessen Wesenheit eben bezeichnet werden soll: «Ich» sagen wir nur von uns - ein jeder für sich. «Ich» sagen wir von niemandem anderen. Und dieses Wörtlein bezeichnet eben jenen Kern, den wir mit keinem Wesen auf Erden gemeinsam haben. Kein Tier hat ein Ich. Dieses Ich, das nur in jeder einzelnen Seele erklingt, haben alle tiefen Weltanschauungen «göttliche Substanz» genannt. Dieser vierte Teil der menschlichen Wesenheit ist also ihr göttlicher Kern. Wie aber ein Wassertropfen kein Meer ist, so ist ein solcher göttlicher Kern nicht etwa ein Gott.

[ 11 ] Now for the fourth aspect that makes humans the crown of creation: Every thing has a name that is given to it from the outside. We call these names of things and people; these names reach our ears from the outside. Now there is a name that cannot be used in this way, one that can be uttered only by a single mouth—the mouth of the one human being whose very essence is to be designated: “I” we say only of ourselves—each one for himself. “I” we say of no one else. And this little word designates precisely that core which we share with no other being on earth. No animal has an “I.” This “I,” which resounds only within each individual soul, has been called “divine substance” by all profound worldviews. This fourth part of human essence is thus its divine core. But just as a drop of water is not the sea, so too is such a divine core not a god.

[ 12 ] In diesem vierten Gliede ist aber etwas, was gleicher Substanz ist mit dem, was die Welt durchlebt und durchwebt, dieses vierte Glied, durch das der Mensch sich heraushebt über alles — über dieses vierte Glied hat jede sinnige Dichternatur wunderbar gesprochen, zum Beispiel Jean Paul, als er als Kind erkannte: Ich bin ein Ich. — Wenn wir dies wissen, können wir viel begreifen von den Lebensrätseln.

[ 12 ] But in this fourth element there is something that is of the same substance as that which permeates and interweaves the world—this fourth element through which human beings rise above all else. Every profound poetic spirit has spoken wondrously of this fourth element; for example, Jean Paul, when as a child he realized: I am an “I.” — If we know this, we can understand much about the mysteries of life.

[ 13 ] Bedeutungsvoll und schwerwiegend ist ferner die Gegenüberstellung von Wachen und Schlafen einerseits und Leben und Tod andrerseits. Was heißt Wachen und Schlafen? Der Wachende steht so vor uns, dass seine vier Glieder miteinander verwoben sind und ineinander arbeiten. Schläft der Mensch ein, so sinkt die Außenwelt, die Seelenwelt in ein unbestimmtes Dunkel. Das Ich und der Astralleib lösen sich von den unteren Gliedern und leben in einer geistigen Welt während des Schlafens.

[ 13 ] The juxtaposition of waking and sleeping on the one hand, and life and death on the other, is also significant and profound. What do waking and sleeping mean? The waking person stands before us in such a way that his four bodies are interwoven and work together. When a person falls asleep, the outer world and the world of the soul sink into an indeterminate darkness. The ego and the astral body detach from the lower bodies and live in a spiritual world during sleep.

[ 14 ] Warum weiß der Mensch von diesem Leben in der geistigen Welt nichts? Weil er in seinem Astralleib keine Organe hat und alle seine Wahrnehmungen nur durch seine physischen Organe gemacht werden können. Und diese können in der geistigen Welt nicht angewandt werden. Um solche Organe des Astralleibs zu erlangen, bedarf es intimer seelischer Vorgänge. In meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» wird darüber geredet. Hat aber der Astralleib sich Organe gebildet, so besitzt er dieselben auch im Schlaf. Das Licht hat das Auge geschaffen; so kann die Seele sich durch Übungen auch Organe schaffen, und einen Menschen mit solch höheren Organen nennen wir einen Seher.

[ 14 ] Why does a person know nothing about this life in the spiritual world? Because he has no organs in his astral body, and all his perceptions can be made only through his physical organs. And these cannot be used in the spiritual world. To acquire such organs of the astral body, intimate soul processes are required. This is discussed in my book *How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds?*. However, once the astral body has formed organs, it possesses them even during sleep. Light created the eye; in the same way, the soul can also create organs through practice, and we call a person with such higher organs a seer.

[ 15 ] In der Nacht holt sich der Mensch die Kräfte, um überhaupt leben zu können. Während des Wachens gibt der Astralleib, der ganz im Physischen und Ätherischen drin steckt, die eigenen Kräfte an diese ab. Nun muss er das Verbrauchte ergänzen, und das kann er nur in der geistigen, in der Astralwelt. Der Ätherleib, der der Bildner des physischen Leibes ist, bedarf auch eines Ersatzes seiner Kräfte. Er aber kann den physischen Leib nicht verlassen, solange der physische Leib in der physischen Welt lebt. Nun gibt es ein Gesetz, das vor langen Jahren ein Italiener, Francesco Redi, ausgesprochen hat: «Lebendiges stammt nur von Lebendigen.» Uns erscheint das selbstverständlich. Damals aber war dies nicht selbstverständlich, denn man glaubte, dass Regenwürmer aus Schlamm entstünden. Francesco Redi wurde als wissenschaftlicher Ketzer angesehen. Heute sagt nun die Theosophie: Seelisch-Geistiges stammt nur von Seelisch-Geistigem. Nun tritt dasselbe ein wie damals, als Francesco Redi dem üblichen Glauben widersprach aufgrund seiner genaueren Beobachtung. Der heutige Wissenschaftler hält uns für Toren und Phantasten. Aber diese Ansicht der Theosophen: Seelisch-Geistiges stammt nur von Seelisch-Geistigem, wird einmal ebenso selbstverständlich sein, wie heute die Ansicht Francesco Redis es geworden ist. Uns aber darf daraus Kraft, Zuversicht und Trost erwachsen. Genauere Beobachtung erwies den Aberglauben, und nur ungenaue Beobachtung kann sagen, dass der Mensch nur von den Eltern abstamme. Nein, Seelisch-Geistiges stammt nur von Seelisch-Geistigem. Und damit hängt die Erkenntnis von der Wiederverkörperung zusammen. Das, was in uns als Seelisch-Geistiges lebt, ist die Wiederholung von Seelisch-Geistigem, das schon einmal da war, und ist zugleich Ursache für das Kommende. Die zwei höheren Glieder arbeiten sich also hinein in die Menschenwesenheit, und das gibt Fähigkeiten. Das geschieht aber in ganz besonderer Weise, weil es eben seelisch-geistigen Ursprungs ist.

[ 15 ] At night, human beings replenish the forces they need simply to live. While awake, the astral body—which is fully immersed in the physical and etheric bodies—transfers its own forces to them. It must then replenish what has been expended, and it can do so only in the spiritual, or astral, world. The etheric body, which is the formative principle of the physical body, also needs to replenish its forces. However, it cannot leave the physical body as long as the physical body lives in the physical world. There is a law that was articulated many years ago by an Italian, Francesco Redi: “Life comes only from life.” This seems self-evident to us. At that time, however, it was not self-evident, for it was believed that earthworms arose from mud. Francesco Redi was regarded as a scientific heretic. Today, Theosophy states: The soul-spiritual arises only from the soul-spiritual. Now the same thing is happening as it did back then, when Francesco Redi contradicted the prevailing belief on the basis of his more precise observations. Today’s scientists consider us fools and dreamers. But this view of the Theosophists—that the soul-spiritual originates only from the soul-spiritual—will one day be just as self-evident as Francesco Redi’s view has become today. But from this, strength, confidence, and comfort may spring forth for us. More precise observation disproved the superstition, and only imprecise observation can claim that human beings descend solely from their parents. No, the soul-spiritual originates only from the soul-spiritual. And this is connected to the realization of reincarnation. That which lives within us as soul-spiritual is the repetition of soul-spiritual that has already existed, and is at the same time the cause of what is to come. The two higher aspects thus work their way into the human being, and this gives rise to abilities. But this occurs in a very special way, precisely because it is of soul-spiritual origin.

[ 16 ] Während nun beim Einschlafen die zwei höheren Glieder den Ätherleib und physischen Leib verlassen, ist beim Tode die Trennung auch auf den Ätherleib ausgedehnt, und nur der physische Körper bleibt zurück. Nun nehmen Sie etwas mit dem Glauben hin, den Sie den wissenschaftlichen Forschern entgegenbringen. Wenn sich im Tode die Trennung des Physischen vollzieht, tritt durch das Freiwerden des Ätherleibes vom Physischen ein Erinnerungstableau vor die Menschenseele, denn der Ätherleib ist Träger des Gedächtnisses, und diese Kraft wirkt nun intensiv ohne Beeinflussung der groben physischen Substanz; ein Ähnliches kann vor nahem Ertrinken oder bei einem Nervenschock eintreten.

[ 16 ] While, upon falling asleep, the two higher members leave the etheric body and the physical body, at death this separation is extended to include the etheric body as well, and only the physical body remains behind. Now accept this with the same faith you extend to scientific researchers. When the separation of the physical body takes place at death, the liberation of the etheric body from the physical body causes a tableau of memories to appear before the human soul, for the etheric body is the bearer of memory, and this force now acts intensely without being influenced by the gross physical substance; something similar can occur just before drowning or during a nervous shock.

[ 17 ] Dies Erinnerungstableau des ganzen Lebens dauert kurze Zeit, dann verlässt der Ätherleib den Astralkörper, und nur eine Summe der erworbenen Fähigkeiten des vergangenen Lebens gliedert sich dem Astralleib an und bleibt für die Ewigkeit. Darauf folgt die Zeit der Läuterung, während welcher die Seele das Leben nochmals durchlebt und jedes Leid, das sie andern Menschen zugefügt, als Entwicklungshemmnis kennenlernt und als eigenes Leid fühlt, und dadurch den Impuls fürs Bessermachen empfängt. Hernach betritt das Ich, welches nun mit den Lebensfrüchten des Ätherleibes und den Impulsen zum Wiedergutmachen des Astralleibes verbunden ist, das Devachan, das Himmelreich, und verweilt daselbst eine lange Zeit, bis der Wille, in die Realität einzutreten, so mächtig wird, dass eine neue Verkörperung eintritt. [Lücke in der Textgrundlage]

[ 17 ] This review of one’s entire life lasts only a short time; then the etheric body leaves the astral body, and only a summary of the abilities acquired in the past life becomes part of the astral body and remains for eternity. This is followed by a period of purification, during which the soul relives its life and recognizes every suffering it has inflicted on others as an obstacle to development, feeling it as its own suffering, and thereby receiving the impulse to make amends. Thereafter, the “I,” now connected to the fruits of life from the etheric body and the impulses for making amends from the astral body, enters Devachan, the Kingdom of Heaven, and remains there for a long time until the will to enter reality becomes so powerful that a new incarnation takes place. [Gap in the source text]

[ 18 ] Die Welt ist durchwebt von Geist — nur aus Geist können wir Geist schöpfen. Die Weisheit des Menschen ist draußen in der Natur zu finden. Wie die Wespe Papier macht, wie die Schwalbe mauert, die Bienen bauen —- wir saugen den Geist von außen ein, wir werden befruchtet von diesem Geiste, wir nehmen immer auf. Wie nun in der Blüte einer Pflanze sich das ganze Leben zusammendrängt und sich in der Frucht auslebt, wie so viele Pflanzen absterben, indem sie Samen bringen, Keime entwickeln für neue Pflanzen — solches geschieht durchs ganze Leben beim Menschen. Die Seele des Menschen vereinigt sich mit dem Geist der Welt, das von früher mitgebrachte ist gleich einem Gerüst. Das ewige Ich beginnt sich mit der Außenwelt in Verbindung zu setzen und das Neue wird. Allmählich wird das Gerüst seine Bedeutung verlieren, das Seelisch-Geistige zieht sich immer mehr in sich zusammen und steigt jetzt auf eine höhere Stufe. Das Neue aber braucht Neues, das Alte muss abfallen. Der Leib, der das Resultat des Früheren ist, muss fallen. Die Natur in ihrer Geistigkeit hat den Tod erfunden, um viel Leben zu haben. Eine Notwendigkeit für die Entwicklung ist der Menschentod — Tier- und Pflanzentod sind etwas anderes. - Und so wird uns der Tod zu etwas, was uns die Entwicklungsmöglichkeit verbürgt.

[ 18 ] The world is interwoven with spirit—we can create spirit only from spirit. Human wisdom is to be found out in nature. Just as the wasp makes paper, just as the swallow builds its nest, just as the bees construct their hives—we draw in spirit from the outside; we are fertilized by this spirit; we are constantly absorbing it. Just as the whole of life is concentrated in a plant’s blossom and finds its fulfillment in the fruit, just as so many plants die by producing seeds and developing sprouts for new plants—so it is throughout a human being’s entire life. The human soul unites with the spirit of the world; what was brought from the past is like a framework. The eternal “I” begins to connect with the outside world, and the new comes into being. Gradually, the framework will lose its significance; the soul-spiritual aspect withdraws more and more into itself and now ascends to a higher level. But the new requires something new; the old must fall away. The body, which is the result of what came before, must perish. Nature, in its spiritual nature, invented death in order to have abundant life. Human death is a necessity for development—the death of animals and plants is something else. — And so death becomes for us something that guarantees our potential for development.

[ 19 ] Unter dieser Voraussetzung versteht man vieles, was vorher dunkel war, versteht auch das Alte und das Neue Testament, diese höchsten Bücher der Menschheit. — Das Essen von dem Baume des Lebens wird dem Menschen verwehrt, denn sonst müsste er stehen bleiben in seiner Entwicklung.

[ 19 ] Under this premise, one can understand many things that were previously obscure, including the Old and New Testaments, these most exalted books of humanity. — Man is forbidden to eat from the Tree of Life, for otherwise he would have to remain stagnant in his development.

[ 20 ] Tod ist nur Umwandlung der menschlichen Form, die äußere Wissenschaft kann den Tod nicht begreifen, denn er verschließt sich den äußeren Organen, da er sie zerstört. Die Arbeit am Astralleib aber kann seelische Organe schaffen, die Erlebnisse des Sehers aber sind dann gleich denen des Todes:

[ 20 ] Death is merely a transformation of the human form; external science cannot comprehend death, for it eludes the external organs, since it destroys them. Work on the astral body, however, can create spiritual organs, and the experiences of the seer are then akin to those of death:

Sagt es niemand, nur den Weisen,
Weil die Menge gleich verhöhnet,
Das Lebendige will ich preisen,
Das nach Flammentod sich sehnet.

Und so lang du das nicht hast,
Dieses Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.» (Goethe)

Tell no one—only the wise,
For the crowd will only mock it,
I will praise that which is alive,
That longs for death by flame.

And as long as you do not have that,
This “Die and be reborn!”
You are but a gloomy guest
On this dark earth.” (Goethe)

[ 21 ] Das theosophische Wissen aber wandelt die Menschenherzen um, es lebt Liebe in ihnen auf, jene Liebe, die nicht nur gepredigt wird, die gelebt wird. Allgemeine Redensarten sind nichts. Wir müssen Stück für Stück eindringen, müssen den Geist suchen und verstehen, was er offenbart. Der Mensch steigt immer höher hinauf — sein Leben ist ein ewiges und steht unter dem Gesetz von Karma. Dieses ist nicht ganz genau mit dem Gesetz von Ursache und Wirkung zu übersetzen, wenn schon alles Erleben bedingt ist durch früheres.

[ 21 ] Theosophical knowledge, however, transforms human hearts; it awakens love within them—that love which is not merely preached, but lived. General platitudes are meaningless. We must penetrate bit by bit, must seek the spirit and understand what it reveals. Human beings ascend ever higher—their life is eternal and subject to the law of karma. This cannot be translated exactly as the law of cause and effect, even though all experience is conditioned by what has gone before.

[ 22 ] Sie könnten nun fragen: Warum, wenn diese Bedingtheit da ist, warum helft ihr denn da einer dem andern? — Weil wir die Wirkung für die Zukunft voraussehen, deshalb ist Menschenhilfe so trostreich, und weil wir wissen, dass sie eine ewige Wirkung hat, deshalb müssen wir sie leisten, wo wir sie leisten können. Wir werden einer geringen Anzahl Menschen helfen können, wenn wir ein gewöhnlicher Mensch sind. Ein höheres Wesen aber wird vielen Menschen helfen können, und Seine Liebe, die auf Golgatha sich offenbarte, diese weist uns den Weg, den wir gehen sollen, um Helfer zu werden den vielen.

[ 22 ] You might now ask: Why, if this conditionality exists, do you help one another? — Because we foresee the effect it will have on the future; that is why helping others is so comforting, and because we know that it has an eternal effect, we must do so wherever we can. If we are ordinary people, we will be able to help only a small number of people. A higher being, however, will be able to help many people, and His love—which was revealed on Golgotha—shows us the path we must follow to become helpers to the many.

[ 23 ] Das Geheimnis des Todes aber wird uns zum Schlüssel des Lebens, denn das Vergängliche muss fallen, damit das Ewige wachsen kann und sich entwickeln kann zu immer höherer Höhe.

[ 23 ] But the mystery of death becomes the key to life for us, for the transitory must fall so that the eternal may grow and develop to ever greater heights.