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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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The Essence of Anthroposophy
within the World Of Sense, Soul And Spirit
GA 68b

14 March 1909, Hamburg

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The Circular Flow of Man's Life, tr. SOL
  1. Der Kreislauf des Menschen

9. Das Leben nach dem Tode, Eine Tatsache der Wirklichkeit

9. Life After Death: A Fact of Reality

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Es ist noch nicht 300 Jahre her, da glaubten nicht nur Laien, sondern auch gelehrte Naturforscher daran, dass niedere Tiere, Würmer, sogar Fische aus leblosem Flussschlamm entstehen können. Und es war ein großer Fortschritt im menschlichen Denken, als der italienische Naturforscher Redi zuerst den Satz aussprach, dass unter unseren heutigen Verhältnissen Lebendiges nur aus dem lebendigen Keim hervorgehen könnte. Heute würde jeder Mensch denjenigen gewissermaßen für einen Toren oder einen Unwissenden halten, der noch behaupten wollte, dass aus dem gewöhnlichen Sand oder Schlamm Regenwürmer oder Fische einfach sich bilden können. Ja, der weitaus größte Teil der heutigen denkenden Menschen weiß kaum etwas davon, dass nur diese dreihundert Jahre hinter uns liegen, vor denen man noch geglaubt hat, dass so etwas möglich sei! Was heute selbstverständlich ist für den Laien und für die Wissenschaft, dass unter unseren heutigen Verhältnissen Lebendiges nur aus Lebendigem hervorgehen kann, das musste sich die Menschheit erst im Laufe der Jahrhunderte für ihr Denken erringen, und so ist es, verehrte Anwesende, für viele Errungenschaften der menschlichen Erkenntnis. Eine ganz ähnliche Wahrheit hat heute die Geisteswissenschaft oder Theosophie durchzuführen und in das menschliche Bewusstsein einzuführen. Dass diese Wahrheit dem menschlichen Bewusstsein in der Zukunft eigen werde, das hängt lediglich davon ab, dass man ebenso selbstverständlich finden wird, was heute wiederum viele Menschen für eine Torheit, eine Träumerei oder Phantasterei halten, dass Geistig-Seelisches wiederum nur aus Geistig-Seelischem entstehen könne. Mehr braucht man im Grunde genommen nicht zum Verständnis aller derjenigen Dinge, die das heutige Thema bilden werden, als ein gründliches Durchleben dieses einfachen Satzes. Dennoch wird noch viel, viel Wasser zur Elbe herunterrinnen, bis die Verfechter dieses Satzes nicht mehr werden angesehen werden als Toren, Träumer oder Phantasten.

[ 1 ] Ladies and gentlemen! Less than 300 years ago, not only laypeople but also learned naturalists believed that lower animals, worms, and even fish could arise from lifeless river mud. And it was a great leap forward in human thought when the Italian naturalist Redi first stated that, under our present conditions, living things could arise only from a living seed. Today, anyone who still claimed that earthworms or fish could simply form from ordinary sand or mud would, in a sense, be considered a fool or an ignorant person. Indeed, the vast majority of today’s thinking people are hardly aware that it was only three hundred years ago that people still believed such a thing was possible! What is taken for granted today by both the layperson and science—that under our present conditions, life can arise only from life—was something humanity had to win for itself through the course of centuries; and so it is, ladies and gentlemen, with many achievements of human knowledge. Today, spiritual science—or theosophy—must establish a very similar truth and introduce it into human consciousness. Whether this truth becomes second nature to human consciousness in the future depends solely on people coming to regard as equally self-evident what many today still consider folly, daydreaming, or fantasy—namely, that the spiritual-soul aspect can arise only from the spiritual-soul aspect. Essentially, all that is needed to understand all the things that will form the subject of today’s discussion is a thorough living through of this simple statement. Nevertheless, much, much water will still flow down the Elbe before the advocates of this statement are no longer regarded as fools, dreamers, or fantasists.

[ 2 ] Auch der Satz, dass Lebendiges nur aus lebendigem Keim entstehen könne, der wurde nicht so einfach angenommen, und Redi ist nur mit Mühe dem Schicksal Giordano Brunos entgangen. Heute verurteilt man die, die etwas Ähnliches zusammenführt, nicht gerade mehr zum Feuertode, das ist aus der Mode gekommen. Aber man verurteilt sie zum anderen Tode, der ja weniger brennt, der aber deshalb doch gleichwertig ist mit der Art, wie man früher unbequeme Wahrheitsforscher aus der Welt geschafft hat. Heute verschreit man sie als Träumer, Phantasten, Narren oder dergleichen. Aber es wird die Zeit kommen, und sie ist nicht mehr so fern, in welcher es selbstverständlich erscheinen wird, dass GeistigSeelisches nur aus Geistig-Seelischem entstehen könne. Und an dem Verständnis dieses Satzes hängt die ganze Frage, um die es sich heute handelt, jene Frage, die von so unermesslicher Bedeutung für die Menschen ist, jene Frage nach den übersinnlichen Welten und dem Schicksal der Menschenseele in den übersinnlichen Welten, jene Frage nach den Rätseln des Todes und des Lebens der Menschen, jene Frage, die nicht bloß eine theoretische, sondern eine praktische im eminentesten Sinne ist, weil derjenige, der sie für seine eigene Seele zu lösen vermag, aus der Antwort Sicherheit und Kraft für das Leben schöpft, Hoffnung und Zuversicht für sein Arbeiten, kurz alles das, was die Menschen aufrecht stehen lässt in den schwersten Schicksalskämpfen, in all dem, was das Leben bringt.

[ 2 ] Even the idea that living things can arise only from living matter was not readily accepted, and Redi narrowly escaped the fate of Giordano Bruno. Today, those who propose something similar are no longer condemned to death by fire—that has gone out of style. But they are condemned to another kind of death, one that burns less, yet is nonetheless equivalent to the way in which inconvenient seekers of truth were once eliminated. Today they are denounced as dreamers, fantasists, fools, or the like. But the time will come—and it is not far off—when it will seem self-evident that the spiritual-soul realm can arise only from the spiritual-soul realm. And the entire question at stake today hinges on the understanding of this statement—that question of immeasurable significance for humanity, the question concerning the supersensible worlds and the destiny of the human soul in those worlds, the question concerning the mysteries of death and human life, that question which is not merely theoretical but practical in the most eminent sense, because whoever is able to resolve it for his own soul draws from the answer security and strength for life, hope and confidence for his work—in short, everything that enables human beings to stand firm in the hardest struggles of fate, in all that life brings.

[ 3 ] Von zwei Seiten werden wir heute die Frage nach des Menschen Schicksal im Tode und im Leben zu beantworten haben. Die eine Richtung wird diese Frage bringen vor den Gerichtshof der Tatsachen, die andere vor den Gerichtshof des gesunden Menschenverstandes. Wenn wir von den Tatsachen reden wollen, dann müssen wir uns einen Begriff machen von dem, was wir eigentlich als Tatsachen aufzufassen haben. Man spricht das Wort vom Beweisen so ohne Weiteres aus. Wir werden sehen, dass diese Dinge doch sehr oberflächlich im weiten Kreise der Menschheit genommen werden. Um das Schicksal der Menschenseele in der übersinnlichen Welt wird es sich handeln.

[ 3 ] Today we will have to address the question of man’s fate in death and in life from two perspectives. One approach will bring this question before the court of facts; the other, before the court of common sense. If we wish to speak of facts, then we must form a concept of what we actually mean by “facts.” The word “proof” is often used so casually. We shall see that these matters are, after all, taken very superficially by a broad segment of humanity. The subject at hand will be the destiny of the human soul in the supersensible world.

[ 4 ] Nun, verehrte Anwesende, als ich noch ein kleiner Junge war, da hörte ich sehr häufig Gesprächen von sehr einfachen Leuten zu über jenes geheimnisvolle Land, wohin der Mensch nach dem Tode kommt. Es gab gläubige Leute, die aus ihrem Glauben gewisse Antworten gaben über das Schicksal, aber es gab auch schon unter den einfachen Leuten freigeistige Leute, Ungläubige. Ein Satz zog immer, mit dem die anderen geschlagen wurden. Das war der Satz: Niemand kann etwas wissen über jenes Land, aus dem noch kein Wanderer zurückgekehrt ist. Man sagte das zwar einfacher: Hast du einen gesehen, der erzählt hat von den Ereignissen nach dem Tode?

[ 4 ] Well, ladies and gentlemen, when I was still a little boy, I very often listened to conversations among very simple people about that mysterious land where people go after death. There were devout people who, based on their faith, offered certain answers about the afterlife, but even among the common folk there were free-thinkers and nonbelievers. There was one phrase that was always used to silence the others. It was this: “No one can know anything about that land from which no traveler has ever returned.” People put it more simply: “Have you ever seen anyone who’s told you about what happens after death?”

[ 5 ] Das war etwas, was von vielen als etwas Schlagendes aufgefasst wurde. Nun, verehrte Anwesende, die Menschen würden nicht so schr viel Gewicht solchen Worten beilegen, wenn sie den gewöhnlichen Ereignissen des Tages gegenüber, die jedem Menschen begegnen in 24 Stunden, gründlicher nachdenken wollten. Im gewöhnlichen Tagesleben erlebt der Mensch deutlich verschiedene Zustände. In 24 Stunden machen Sie alle zwei Bewusstseinszustände durch, den des Wachens und den des Schlafens. Freilich über das Gewöhnlichste und Alltäglichste wird am wenigsten nachgedacht; aber im Alltäglichen sind die Welträtsel vorhanden. Rätselhaft müsste es dem Menschen vorkommen, dass das, was er vom Morgen bis Abend in seinem Innern erlebt, die ganze Welt von auf- und abwogenden Empfindungen, Vorstellungen und Gedanken, Lust und Leid, Freude und Schmerz, Trieben und Begierden und Leidenschaften, dass er diese ganze Welt des Abends in ein unbestimmtes Dunkel hineinsinken sieht. All das, was der Mensch durch seine Augen vom Morgen bis Abend wahrnimmt, was in ihm Begierden, Lust und Leid et cetera erweckt, das geht herunter wie die untersinkende Sonne in ein Dunkel des Bewusstseins. Des Morgens wacht der Mensch wieder auf; das, was er gestern für sein Bewusstsein verlassen hat, dämmert wieder herauf aus einem Dunkel. Alle die bekannten Vorstellungen, Gedanken, Eindrücke, sie kommen ebenso für das Bewusstsein herauf, wie die Sonne über den Horizont heraufkommt. Alle die Schmerzen und Leiden, die vergessen waren, kommen wieder herauf wie das, was als Tagesgestirn über den Horizont heraufzieht.

[ 5 ] That was something many people perceived as quite striking. Well, ladies and gentlemen, people would not attach so much importance to such words if they were to reflect more deeply on the ordinary events of the day that every person encounters in a 24-hour period. In ordinary daily life, people clearly experience various states. In 24 hours, you all go through two states of consciousness: that of wakefulness and that of sleep. Of course, the most ordinary and everyday things are given the least thought; yet it is in the everyday that the mysteries of the world lie. It must seem mysterious to a person that what they experience within themselves from morning to evening—this entire world of ebbing and flowing sensations, images, and thoughts; pleasure and suffering; joy and pain; drives, desires, and passions—that they see this entire world sink into an indefinite darkness by evening. Everything that a person perceives through their eyes from morning to evening—everything that stirs up cravings, pleasure, and suffering, and so on—sinks, like the setting sun, into the darkness of consciousness. In the morning, the person awakens again; what they left behind in their consciousness yesterday dawns anew from the darkness. All the familiar ideas, thoughts, and impressions rise up into consciousness just as the sun rises above the horizon. All the pains and sufferings that had been forgotten resurface, like the sun rising above the horizon.

[ 6 ] Wäre es nicht eine Torheit, wenn man behaupten wollte, dass jeden Abend die Summe der Vorstellungen, Empfindungen und Wahrnehmungen, Lust und Leides, Schmerzen und Freuden, dass die verschwinden und in ein unbestimmtes Nichts hineingehen und morgen neu entständen? Jeder, der gründlich denkt, sagt: Die größte Torheit wäre es, ein solches Verschwinden des Seelenlebens und ein Neuentstehen zu behaupten. Da ist die Seele, da ist sie, vorhanden ist sie, alles andere widerspricht dem gesunden Menschenverstand. Was unterscheidet die schlafende Seele von der wachenden Seele? Einzig und allein das, dass die schlafende Seele nicht wahrnehmen kann, dass sie kein Bewusstsein hat von dem, was als ihre Erlebnisse ihr Blickfeld ausfüllt während des Tages. Bewusstseinszustände wechseln bei jedem Menschen in 24 Stunden.

[ 6 ] Wouldn’t it be sheer folly to claim that every evening the sum total of thoughts, feelings, and perceptions—pleasure and suffering, pain and joy—disappears into an indeterminate nothingness, only to be reborn anew tomorrow? Anyone who thinks deeply will say: It would be the greatest folly to assert such a disappearance of the soul’s life and a rebirth. The soul is there; it is there; it exists—anything else contradicts common sense. What distinguishes the sleeping soul from the waking soul? Solely the fact that the sleeping soul cannot perceive—that it has no awareness of what fills its field of vision as its experiences during the day. States of consciousness change in every person over the course of 24 hours.

[ 7 ] Hier tritt nun, verehrte Anwesende, ein, wenn die Tatsachenwelt erforscht werden soll, das, was man nennen kann das hellsichtige Menschenbewusstsein. Nun habe ich mit diesem Wort ausgesprochen, was von vornherein, namentlich dem ganz Aufgeklärten der Gegenwart, als etwas Phantastisches, Närrisches erscheinen mag. Was ist dieses hellsichtige Menschenbewusstsein? Zunächst wollen wir uns dieses Bewusstsein durch einen Vergleich klarmachen. Sie denken sich, verehrte Anwesende, Sie führen in diesen Saal einen blind geborenen Menschen. Für Sie leuchten diese Lampen, Ihnen erscheinen diese Türen in brauner Farbe. Für den Blindgeborenen erscheint dieser Saal nicht in der Weise, die Lichter und Farben sind für ihn nicht da. Wenn es Ihnen gelingen würde, diesen Blindgeborenen hier zu operieren, so würde hereintreten in das Blickfeld das, was vorher auch da war, aber was er nicht gesehen hat. Das, was vorher da war, ist für ihn nun auch wahrnehmbar geworden.

[ 7 ] Here, ladies and gentlemen, is where—when the world of facts is to be explored—what might be called “clairvoyant human consciousness” comes into play. Now, by using this term, I have expressed something that may, from the outset, appear—especially to the fully enlightened people of the present—as something fantastical or foolish. What is this clairvoyant human consciousness? First, let us clarify this concept through a comparison. Imagine, ladies and gentlemen, that you are leading a person who was born blind into this hall. To you, these lamps are shining; to you, these doors appear brown. To the person born blind, this hall does not appear in this way; the lights and colors do not exist for him. If you were able to perform an operation on this person born blind here, what was there all along—but which he had not seen—would enter his field of vision. What was there before has now become perceptible to him as well.

[ 8 ] Das, was dieser Blindgeborene erleben kann durch die Operation, das kann erlebt werden in Bezug auf die geistigen Fähigkeiten der Seele. Geradeso, wie in diesem Menschen, den Sie operiert haben, schlummernd war das Sehvermögen, so schlummert in jeder Menschenseele etwas von höheren Fähigkeiten, die ebenso aus der Menschenseele heraus operiert werden können. Das, was zum Beispiel Goethe bezeichnet hatte mit geistigen Augen, das schlummert in der Seele eines jeden Menschen. Und dann, wenn diese geistigen Augen in der Seele des Menschen erweckt werden, dann ist es geradeso auf einer höheren Stufe, wie es ist für den Blindgeborenen auf einer niederen Stufe, dessen physisches Auge operiert worden ist. Eine neue Welt dringt über ihn herein, diejenige Welt dringt ein, die immer um uns herum ist, die geistige Welt. In dieser Welt ist aber auch des Menschen Seele während des Schlafzustandes, während der Nacht.

[ 8 ] What this man, who was born blind, can experience through surgery can also be experienced in relation to the soul’s spiritual faculties. Just as the ability to see lay dormant in this man whom you operated on, so too do higher faculties lie dormant in every human soul—faculties that can likewise be “operated on” to emerge from the human soul. What Goethe, for example, referred to as “spiritual eyes” lies dormant in the soul of every human being. And when these spiritual eyes are awakened in the human soul, it is on a higher level—just as it is for the man born blind, on a lower level, whose physical eye has been operated on. A new world breaks in upon him—the world that is always around us, the spiritual world. But it is also in this world that the human soul resides during sleep, during the night.

[ 9 ] Warum sieht des Menschen Seele im normalen Zustand diese geistige Welt nicht? Sehr einfach können Sie sich das vorstellen, warum. Denken Sie, Ihnen passierte, dass Sie bei lebendem Leibe hier ständen, Ihr Augenlicht ginge Ihnen verloren, nichts würden Sie sehen. Ginge Ihnen auch noch das Gehör und andere Sinne verloren, so wäre die Welt Ihnen unwahrnehmbar. Wovon hängt es dann ab, ob eine Welt für uns da ist? Lediglich davon, dass wir Organe haben für diese Welt. Wenn der Mensch in der Nacht im schlafenden Zustande in der geistigen Welt ist, dann hat er in seinem heutigen normalen Zustande keine Organe für diese Welt, er hat keine geistigen Augen. Wenn aber der Mensch das entwickelt erhält, was man diese geistigen Augen nennt, dann ist es nicht um ihn herum finster und dunkel, sondern dann lebt er in den schlafenden Zustand hinüber, sodass er wahrnimmt: Da ist eine Welt, ich bin ausgetreten aus der physischen; ich bin in eine andere Welt eingetreten. Jetzt ist sichtbar geworden eine andere Welt, eine Tatsache, wie die Welt der physischen Farben und Lichter für den operierten Blindgeborenen.

[ 9 ] Why doesn’t the human soul perceive this spiritual world under normal circumstances? It’s very easy to imagine why. Imagine that you were standing here, alive and well, and suddenly lost your sight—you would see nothing. If you were also to lose your hearing and other senses, the world would be imperceptible to you. What, then, determines whether a world exists for us? It depends solely on the fact that we have organs for this world. When a person is in the spiritual world at night while asleep, they do not have organs for this world in their current normal state; they do not have spiritual eyes. But when a person develops what are called these spiritual eyes, it is no longer dark and gloomy around them; rather, they transition into the sleeping state in such a way that they perceive: There is a world; I have stepped out of the physical world; I have entered another world. Now another world has become visible—a reality just as tangible as the world of physical colors and lights for a person who was born blind and has undergone eye surgery.

[ 10 ] Das, was hier beschrieben ist als Öffnen der Geistesaugen, nennt man Erweckung oder Einweihung. Solche eingeweihte Menschen, die ihre geistigen Fähigkeiten entwickelt hatten, sie hat es immer gegeben. Dadurch, dass sie die geistigen Fähigkeiten entwickelt hatten, konnten sie hineinschauen in die geistige Welt, in die Welt, von der sie jetzt sagen mussten: Wenn der Mensch einschläft, so bleibt im Bette liegen das, was wir seinen äußeren physischen Leib nennen, und heraus geht aus diesem physischen Leib eine geistig-seelische Wesenheit. Diese Wesenheit tritt wirklich mit dem Einschlafen aus diesem physischen Leibe heraus. Sie ist in einer anderen Welt während des Schlafes. Des Morgens taucht wiederum diese Seele unter in den physischen Leib. Da bedient sie sich wieder der Augen und Ohren und nimmt die physische Welt wahr. Welcher Unterschied ist nun zwischen dem nicht erweckten und dem erweckten Menschen? Der Unterschied ist, dass in dem Teile seiner Wesenheit, der des Nachts herausgeht, dass da drinnen keine geistigen Augen sind; beim erweckten Menschen sind aber geistige Augen entwickelt. Die, die sich tiefer und gründlicher mit diesen Fragen beschäftigen wollen, werden sehen, dass mit solchen Dingen, wie sie jetzt gesagt sind, nicht irgendwie aus dem Blauen Herausgeholtes gesprochen wird, sondern etwas Bestimmtes und Wirkliches. Gewiss können Sie die Frage stellen: Ja, wodurch erlangt man denn diese Erweckung? Die Antwort auf diese Frage wird eben auch gegeben. Es gibt bestimmte Methoden und bestimmte Verrichtungen, die der Mensch auf seine Seele anwenden muss, und dann holt er heraus aus seinem Innern die schlafenden geistigen Augen, die schlummernden seelischen Fähigkeiten. Es kann nur angedeutet werden, dass der Mensch dadurch, dass er ganz bestimmte, seit Jahrtausenden festgestellte innere Seelenerlebnisse in dem, was man Konzentration, Meditation, innere Versenkung nennt, dass er das auf seine Seele wirken lässt, sie sich verändert und sich die geistigen Augen dadurch herausbilden. Dann wird der Mensch hellsichtig in einer Welt, die ihm sonst verschlossen ist.

[ 10 ] What is described here as the opening of the spiritual eyes is called awakening or initiation. Such initiated people, who had developed their spiritual abilities, have always existed. Because they had developed these spiritual abilities, they were able to look into the spiritual world—the world about which they now had to say: When a person falls asleep, what we call his outer physical body remains in bed, and a spiritual-soul entity emerges from this physical body. This being truly steps out of the physical body when a person falls asleep. It is in another world during sleep. In the morning, this soul re-enters the physical body. There it once again makes use of the eyes and ears and perceives the physical world. What, then, is the difference between the unawakened and the awakened person? The difference is that in the part of his being that leaves the body at night, there are no spiritual eyes; in the awakened person, however, spiritual eyes are developed. Those who wish to explore these questions more deeply and thoroughly will see that what has just been said is not merely something pulled out of thin air, but something definite and real. Certainly, you may ask: “Yes, but how does one attain this awakening?” The answer to this question is also provided. There are specific methods and specific practices that a person must apply to their soul, and through them they draw forth from within themselves the sleeping spiritual eyes and the slumbering soul capacities. It can only be hinted at that by allowing very specific inner soul experiences—established over millennia—in what is called concentration, meditation, and inner contemplation to take effect upon one’s soul, the soul is transformed and the spiritual eyes are thereby developed. Then a person becomes clairvoyant in a world that is otherwise closed to them.

[ 11 ] Wenn Sie das kleine Heftchen über Einweihung und Mysterien durchsehen, dann werden Sie sehen, dass man in einer ganz bestimmten Weise, geradeso, wie man Methoden hat, um Mikroskope zu machen, gerade so Methoden hat, um die Seele hellsichtig zu machen. Gewisse Vorstellungen wirken auf diese Seele, und dann verwandelt sie sich, und dann treten zuerst auf Fähigkeiten, die Sie meinetwegen Halluzinationen, Visionen nennen wollen, aber die wandeln sich sehr bald um, sodass sie werden die Vermittler der geistigen Welten, die um uns herum sind. Man lernt in dieser Entwicklung sehr bald unterscheiden voneinander, was Vision ist und was einer Wirklichkeit in der geistigen Welt entspricht. Geradeso, wie in der physischen Welt Sie aber nur durch Erfahrung, Erleben dazu kommen können, Vorstellungen zu unterscheiden von der Wirklichkeit, so gilt dasselbe auch für die geistige Welt.

[ 11 ] If you look through the little booklet on Initiation and Mysteries, you will see that, just as there are specific methods for making microscopes, there are also specific methods for making the soul clairvoyant. Certain mental images act upon this soul, and then it is transformed; at first, abilities emerge that you might call—if you like—hallucinations or visions, but these very soon change so that they become the mediators of the spiritual worlds that surround us. In the course of this development, one very soon learns to distinguish between what is a vision and what corresponds to reality in the spiritual world. Just as in the physical world you can only learn to distinguish between ideas and reality through experience, so the same applies to the spiritual world.

[ 12 ] Es kann jemand sagen: Ich glaube an Schopenhauer, dass die Welt meine Vorstellung ist. - Wir sagen dazu: Schön, stelle dir einmal vor ein Stück brennenden Eisens, oder glühenden Stahls. Es brennt dich nicht, aber jetzt greife es an, und du wirst sehr bald merken, welcher Unterschied zwischen deiner Vorstellung und der Wirklichkeit ist; der vorgestellte glühende Stahl brennt nicht, wohl aber der wirkliche. Diese selbe Erfahrung machen Sie bei der Entwicklung der geistigen Kräfte, Fähigkeiten.

[ 12 ] Someone might say: I believe, like Schopenhauer, that the world is my idea. — To that we say: Fine, try imagining a piece of burning iron or glowing steel. It doesn’t burn you, but now touch it, and you’ll very soon realize the difference between your imagination and reality; the imagined glowing steel doesn’t burn, but the real one does. You have this same experience when developing your mental powers and abilities.

[ 13 ] Als ich das einmal in Süd-Deutschland sagte, sagte einer: Aber man kann die Vorstellungen in der Seele so lebendig hervorrufen, dass sie sogar physische Wirkung haben; also könnte jemand durch Kontemplation und sonstige Übungen doch nur Halluzinationen haben, die er für Wirklichkeit hält. Man kann ja auch, sagte er, beim Vorstellen von Zitronensaft das Wasser im Munde zusammenrinnen machen. — Darauf sagte ich, er sollte einmal versuchen sich mit vorgestelltem Zitronensaft den Durst zu löschen. Das kann man eben nur mit wirklichem Zitronensaft, da merkt man den Unterschied. So ist es auch in der geistigen Welt. Der, der ein geistig Erweckter ist, der seine geistigen Sinne entwickelt hat, der weiß durch das Erleben, wo die Grenze ist zwischen Vorstellung und geistiger Wirklichkeit.

[ 13 ] When I once said this in southern Germany, someone replied: “But one can evoke images in the mind so vividly that they even have a physical effect; so through contemplation and other exercises, a person might simply be experiencing hallucinations that he mistakes for reality.” After all, he said, you can make your mouth water just by imagining lemon juice. — To that I replied that he should try quenching his thirst with imagined lemon juice. You can only do that with real lemon juice; that’s when you notice the difference. It’s the same in the spiritual world. Someone who is spiritually awakened, who has developed their spiritual senses, knows from experience where the boundary lies between imagination and spiritual reality.

[ 14 ] Das sind also die Tatsachen, die der geistigen Forschung zugrunde liegen. Wenn jemand kommt und sagt: Ja, da behaupten diese Menschen, nicht nur den physischen Leib, sondern das, was sie — oh, diese Phantasten und Toren — den Astralleib nennen, das behaupten diese Erweckten. Sie sollen es eben einmal beweisen und einmal alle Tatsachen aufzeichnen. Nun, verehrte Anwesende, erstens hat der, der eine solche Rede führt, sich nicht sehr gründlich unterrichtet über das Wesen des Beweises. Ich möchte ihm den Rat geben, er solle nachdenken über den Beweis, dass das Pferd den Kopf vorn und den Schwanz hinten hat. Nur weil die Menschen immer normale Pferde sehen, deshalb halten sie so etwas für selbstverständlich. Beweise, die auf Tatsachen zu gründen sind, müssen auf diese Tatsachen begründet werden. Der geistige Forscher steht auf keinem anderen Boden wie der Naturforscher. Wenn jemand kommt und sagt: Es gibt Naturforscher, welche sagen, die Pflanze bestehe aus Zellen. Zellen habe ich noch nicht gesehen, nur Blätter und Blüten. Was ich nicht gesehen habe, das glaube ich nicht. — Dann wird der Naturforscher zu ihm sagen: Du musst dir ein Mikroskop anschaffen und lernen, naturwissenschaftlich zu arbeiten, dann wirst du die Zellen als Tatsachen sehen. Nur, wenn du entsprechende Vorkehrungen triffst, wirst du sie sehen.

[ 14 ] So these are the facts that underlie spiritual research. If someone comes along and says: “Yes, these people claim to have not only the physical body, but also what they—oh, these fantasists and fools—call the astral body; that is what these enlightened ones claim.” ‘Let them just prove it once and record all the facts.’ Well, ladies and gentlemen, first of all, anyone who makes such a statement has not thoroughly educated themselves about the nature of proof. I would advise them to reflect on the proof that a horse has its head in front and its tail behind. It is only because people always see normal horses that they take such things for granted. Evidence based on facts must be grounded in those facts. The spiritual researcher stands on no different ground than the natural scientist. If someone comes along and says, “There are natural scientists who say that plants consist of cells. I haven’t seen any cells yet—only leaves and flowers. I don’t believe what I haven’t seen,” — Then the natural scientist will say to him: “You must get a microscope and learn to work scientifically; then you will see the cells as facts. Only when you take the appropriate steps will you see them.”

[ 15 ] Jedem Menschen sind aber die Methoden zugänglich, durch die die unsichtbaren, übersinnlichen Glieder der Menschennatur gesehen werden können. Wenn er die Methoden, die der Eingeweihte durchzumachen hat, durchmacht, wenn er sich hellsichtig macht, dann macht er im geistigen Leben etwas Ähnliches durch wie der mit dem Mikroskop Arbeitende im physischen Leben. Die Analogie der Tatsachen ist eine vollständige, höchstens unbequemer ist die Sache im geistigen Leben. Unbequemer ist es im geistigen Leben, denn ein Mikroskop kann man sich fabrizieren lassen. Das, was aber das geistige Mikroskop ist, das muss jeder in seiner eigenen Seele ausbilden, er muss sich umwandeln, wenn er selbst sehen will. Aber es hat immer solche Eingeweihte gegeben, welche Botschaft zu bringen wussten aus diesen geistigen Welten.

[ 15 ] However, the methods by which the invisible, supersensible aspects of human nature can be perceived are accessible to everyone. When a person undergoes the methods that an initiate must undergo—when he develops clairvoyance—he experiences something in spiritual life similar to what a person working with a microscope experiences in physical life. The analogy between the two is complete; at most, the process is more inconvenient in spiritual life. It is more difficult in spiritual life because a microscope can be manufactured. But what constitutes the spiritual microscope, each person must develop within their own soul; they must transform themselves if they wish to see for themselves. Yet there have always been such initiates who knew how to bring messages from these spiritual worlds.

[ 16 ] Und jetzt sei hingestellt vor unsere Seele das, was über den Kreislauf des Menschen durch die verschiedenen Welten hindurch uns diese Eingeweihten zu sagen haben. Ungefähr in solchem Sinne sei es hingestellt, wie wenn Ihnen jemand erzählt, er habe durch das Mikroskop dieses oder jenes gesehen. Da sagt Ihnen der Geistesforscher aus seiner Forschung heraus: Das, was du den Menschen nennst, ist keineswegs ein so einfaches Wesen, wie du dir vorstellst. Dieser Mensch besteht aus vielen, vielen Gliedern; er hat sichtbare, greifbare Glieder, aber daneben unsichtbare übersinnliche Glieder. Das erste Glied ist der physische Menschenleib. Diesen physischen Menschenleib hat er gemeinsam mit allen übrigen leblosen Wesen, mit den Kristallen, dem Gestein, mit den mineralischen Wesen. Darüber hinaus hat er ein unsichtbares Glied, das ein treuer Kämpfer ist im physischen Leib. Dieses zweite Glied, das nur ein Hellsichtiger sehen kann, ist der Äther- oder Lebensleib. Dieser durchzieht den Menschen. Wenn man ihn nicht hätte, wäre der menschliche Körper in jedem Augenblick das, was er mit dem Tode wird: ein Leichnam. Ein Kristall folgt seinen eigenen physischen und chemischen Gesetzen. Der menschliche Leib kann während seines Lebens nicht seinen eigenen chemischen und physischen Gesetzen folgen. Wenn er diesen folgen würde, dann zeigt sich das, was er als Leichnam ist, er löst sich auf. Der Ätherkörper ist aber ein treuer Kämpfer gegen den Zerfall. Der Mensch hat den Äther- oder Lebensleib gemeinsam mit allen Pflanzen.

[ 16 ] And now let us consider what these initiates have to say about the human cycle through the various worlds. Let us consider it in much the same way as if someone were telling you that they had seen this or that through a microscope. The spiritual researcher tells you, based on his research: What you call a human being is by no means as simple a being as you imagine. This human being consists of many, many parts; he has visible, tangible parts, but alongside them, invisible, supersensible parts. The first component is the physical human body. This physical human body is something he shares with all other inanimate beings—with crystals, rocks, and mineral beings. Beyond that, he has an invisible component that is a faithful warrior within the physical body. This second component, which only a clairvoyant can see, is the etheric or life body. It permeates the human being. If it did not exist, the human body would be, at every moment, what it becomes upon death: a corpse. A crystal follows its own physical and chemical laws. The human body cannot follow its own chemical and physical laws during its lifetime. If it were to follow them, it would reveal itself as a corpse and disintegrate. The etheric body, however, is a faithful fighter against decay. Human beings share the etheric or life body with all plants.

[ 17 ] Das dritte Glied der menschlichen Wesenheit ist der Astralleib; er ist der Träger von Lust und Leid, Freude und Schmerz, von all den im Wachbewusstsein auf- und abwogenden Gefühlen und Leidenschaften et cetera. Dieser Astralleib ist für den Geistesforscher ebenso real und wirklich wie der physische Leib, ja sogar wirklicher. Wenn jemand einwendet: Du wirst dir doch nicht vorstellen, dass derartige Astralkörper in der Luft herumfliegen können, dann antwortet der Geistesforscher: Ich kann mir das sehr gut vorstellen; nicht nur vorstellen, sondern dem Geistesforscher zeigt sich der Astralleib als selbstständiges Wesensglied des Menschen.

[ 17 ] The third component of the human being is the astral body; it is the vehicle of pleasure and suffering, joy and pain, and of all the emotions and passions that ebb and flow in waking consciousness, and so on. For the spiritual researcher, this astral body is just as real and genuine as the physical body—indeed, even more so. If someone objects, “Surely you don’t imagine that such astral bodies can float around in the air,” the spiritual researcher replies, “I can very well imagine it; not only that, but to the spiritual researcher, the astral body reveals itself as an independent component of the human being.”

[ 18 ] Heute wird man ein derartiges Bewusstsein für Phantasterei halten; aber die wahre Phantasterei liegt auf der anderen Seite. Ein gesunder Menschenverstand wird sich sagen: Hier sehe ich den Menschen, die Träne rollt ihm aus den Augen. Deshalb nehme ich an, dass er traurig ist. Die Trauer ist ein Erlebnis der Seele oder des Astralleibes. Dieses Erlebnis hat eine physische Wirkung, es presst Tränen aus den Augen. Da sehen wir, wie physische Wirkungen aus den seelischen Erlebnissen hervorgehen. Manche philosophischen Schulen sagen nun: Das ist ein Irrtum. Es verhielte sich so, dass, wenn der Mensch weint, eine geheime Wirkung geschieht, die durch materielle Dinge vermittelt wird, und diese geheime Wirkung presst Tränen aus den Augen und wenn das der Mensch merkt, dann wird er traurig. Also der Mensch weint nicht, weil er traurig ist, sondern er sei traurig, weil er weint.

[ 18 ] Today, people would consider such an awareness to be mere fantasy; but the true fantasy lies on the other side. Common sense would say: Here I see a person; a tear is rolling down his cheek. Therefore, I assume he is sad. Sadness is an experience of the soul or the astral body. This experience has a physical effect; it forces tears from the eyes. Here we see how physical effects arise from soul experiences. Some philosophical schools now say: That is a mistake. The reality is that when a person cries, a secret process takes place, mediated by material things, and this secret process forces tears from the eyes; and when the person notices this, then he becomes sad. So the person does not cry because he is sad, but rather he is sad because he cries.

[ 19 ] Den dritten Teil der Menschennatur, den Astralleib, hat der Mensch gemeinsam mit allen Tieren. Dann gibt es ein viertes Glied, das ist der Träger des Selbstbewusstseins, der Träger unseres Ich. Durch dieses Glied ragt der Mensch empor über alle diejenigen Wesen, die ihn in der Sinneswelt umgeben. Er ragt hinaus über seine Mitgeschöpfe, er ist der Größte der irdischen Schöpfung. Bei Tieren sprechen wir in der Geistesforschung vom physischen Leib, vom Ätherleib und vom Astralleib. Beim Menschen sprechen wir von vier Gliedern: vom physischen Leib, Ätherleib, Astralleib und von dem Ichträger.

[ 19 ] The third part of human nature, the astral body, is shared by human beings and all animals. Then there is a fourth element, which is the bearer of self-consciousness, the bearer of our “I.” Through this element, the human being rises above all the beings that surround him in the sensory world. Human beings rise above their fellow creatures; they are the greatest of earthly creation. In spiritual science, we speak of the physical body, the etheric body, and the astral body in animals. In humans, we speak of four members: the physical body, the etheric body, the astral body, and the bearer of the “I.”

[ 20 ] Was ist nun der Schlaf für die Geistesforschung? Wenn der Mensch einschläft, so bleibt im Bette liegen sein physischer Leib, sein Ätherleib, und für den Hellseher lösen sich heraus der Astralleib und der Ichträger. Im schlafenden Menschen haben wir Trennung der vier Glieder, und weil im heutigen normalen Bewusstsein Ich und Astralleib für sich keine Organe haben, sondern nur im hellseherischen Bewusstsein diese Organe haben, so ist Dunkel und Finsternis um den Menschen herum. Des Morgens taucht er unter in seinen physischen und Ätherleib. Das ganze Leben hindurch zwischen Geburt und Tod ist immer, höchstens Ausnahmezustände abgerechnet, der physische Leib fest mit dem Ätherleib verbunden. Der Astralleib geht in der Nacht heraus.

[ 20 ] What, then, does sleep mean for spiritual research? When a person falls asleep, their physical body and etheric body remain in bed, while—as the clairvoyant perceives—the astral body and the ego-bearer detach themselves. In the sleeping human being, we have a separation of the four bodies, and because in today’s normal consciousness the I and the astral body have no organs of their own—but possess these organs only in clairvoyant consciousness—darkness and gloom surround the human being. In the morning, the person merges back into his physical and etheric bodies. Throughout the entire life between birth and death—barring exceptional circumstances—the physical body remains firmly connected to the etheric body. The astral body leaves the body at night.

[ 21 ] Nach dem Tode tritt nun noch etwas ganz Besonderes ein. Da bleibt der bloße physische Leib zurück und es geht heraus die Verbindung dieser drei unsichtbaren Glieder, Ätherleib, Astralleib und Ich. Und der physische Leib fängt von der Zeit an, ein bloßer physischer Leib zu sein, das heißt, er folgt seinen physischen und chemischen Gesetzen; er löst sich auf; er ist ein Glied der mineralischen Welt.

[ 21 ] After death, something very special occurs. The mere physical body remains behind, and the union of these three invisible components—the etheric body, the astral body, and the I—departs. And from that moment on, the physical body becomes merely a physical body; that is, it follows its physical and chemical laws; it disintegrates; it becomes part of the mineral world.

[ 22 ] Dann aber, wenn die Geistesforschung das verfolgt, was sich da herausschält aus dem physischen Leibe, so zeigt sich, dass der Mensch nun eine Zeit lang verbunden bleibt mit seinem Ätherleib. Da tritt nach dem Tode eine Zeit lang das auf, was man nennen könnte den Rückblick auf das ganze vergangene Leben. Sie werden schon gehört haben, dass Leute, die dem Tode in abnormen Zuständen — zum Beispiel beim Ertrinken — nahe sind, dass sie ihr ganzes Leben überblicken wie ein Panorama. Da bekommt der Mensch einen Schock, weil der ganze Ätherleib vom physischen Leibe gelockert ist. Im Ätherleib ist das ganze Leben eingeschrieben, er ist Träger des Gedächtnisses, und nur durch den physischen Leib wird er verhindert, dieses zu zeigen. Aber er zeigt sogleich, wenn er für einen Augenblick vom physischen Körper befreit ist, dieses Gedächtnis für das verflossene Leben.

[ 22 ] But then, when spiritual research traces what emerges from the physical body, it becomes apparent that the human being remains connected to his etheric body for a time. After death, there is a period during which what might be called a review of the entire past life takes place. You may have heard that people who are close to death under abnormal circumstances—for example, while drowning—survey their entire life as if it were a panorama. This comes as a shock to the person because the entire etheric body has become detached from the physical body. The entire life is inscribed in the etheric body; it is the bearer of memory, and only the physical body prevents it from revealing this memory. But as soon as it is freed from the physical body for a moment, it immediately reveals this memory of the past life.

[ 23 ] Dasselbe zeigt sich auch nach dem Tode. Der Mensch hat dann einen Rückblick auf das verflossene Leben. Dann kommt die zweite Leichnamsbildung. Nach einigen Tagen tritt das ein, dass der Ätherleib sich loslöst von dem eigentlichen inneren Wesenskern, wie sich früher der physische Leib losgelöst hat. Es bleibt zurück ein Extrakt dieses Ätherleibes, und der Ätherleib löst sich in der allgemeinen Äthermaterie ebenso auf wie der physische Leib in der physischen Materie. Der Mensch besteht jetzt, nachdem er sich auch von seinem Ätherleib befreit hat, aus dem Ich, dem Astralleib und einem Extrakt des Ätherleibes. Dieser Extrakt stellt die Frucht des letzten Lebens dar, das, was wir im letzten Leben erfahren haben. Sie können es sich ja sagen: Wenn Sie älter geworden sind, dann habe ich mehr erlebt als früher. Das ganze Leben setzt sich aus einem Geschickter-Werden zusammen; das geht nicht verloren, das ist eingeschrieben in ihren Ätherleib, das nehmen Sie als Frucht mit.

[ 23 ] The same process is evident after death as well. The human being then looks back on their past life. Then the second formation of the corpse takes place. After a few days, the etheric body detaches itself from the actual inner core of the being, just as the physical body detached itself earlier. What remains is an extract of this etheric body, and the etheric body dissolves into the general etheric matter just as the physical body dissolves into physical matter. Now that the human being has also freed himself from his etheric body, he consists of the “I,” the astral body, and an extract of the etheric body. This essence represents the fruit of the last life—that which we experienced in our last life. You can say to yourself: As you have grown older, you have experienced more than before. Your entire life consists of becoming more skilled; this is not lost—it is inscribed in your etheric body, and you take it with you as its fruit.

[ 24 ] Nach dem Tode tritt nun noch etwas ganz Besonderes auf. Was ich jetzt sage, ist für die hellsichtige Forschung Tatsache, aber auch der gesunde Menschenverstand kann es begreifen. Wir haben gesehen: Der physische Leib ist abgefallen, den Ätherleib lassen wir vorläufig außer Betracht, aber was im Menschen gelebt hat, Lust und Leid, Freude und Schmerz, das hat nicht bloß als Wirkung im physischen Leibe bestanden, sondern das müssen wir als Realität betrachten, und dann können wir sagen: Was ist der Grund, wenn der physische Leib abfällt, dass dann die Begierden sogleich abfallen sollen? Kein Grund ist dafür vorhanden. Die Geistesforschung zeigt nun, dass der Astralleib nach dem Tode mit den Begierden vorhanden bleibt.

[ 24 ] After death, something quite special occurs. What I am about to say is a fact established by clairvoyant research, but common sense can also grasp it. We have seen: The physical body has been shed; we will leave the etheric body aside for the moment. But what lived within the human being—desire and suffering, joy and pain—did not merely exist as an effect within the physical body; rather, we must regard it as a reality. And then we can ask: When the physical body is shed, what is the reason that desires should immediately cease as well? There is no reason for this. Spiritual research now shows that the astral body remains after death, along with the desires.

[ 25 ] Ein Beispiel: Der Mensch war im Leben ein Feinschmecker, er hat Begierden gehabt nach diesen oder jenen leckeren Speisen. Diese Begierde hängt nicht etwa am physischen Leibe — Mineralien haben keine Begierden - sondern sie hängt am Astralleib. Nun ist der physische Leib tot, die Begierde ist geblieben, und jetzt ist der Mensch in einer besonderen Lage: Im Leben befriedigt er sie, indem er die betreffende Speise isst, dazu gehören aber Gaumen und Zunge, Apparate des physischen Leibes. Nach dem Tode hat er weiter die Begierde, aber es fehlen ihm die Organe, sie zu befriedigen. Der Mensch ist in derselben Lage wie jemand, der in der Einsamkeit Durst leidet und weit und breit kein Wasser oder Bier findet. So steht es auch nach dem Tode mit all dem, was im Astralleib des Menschen lebt und was nur durch Verbindung mit dem physischen Leibe befriedigt werden kann. Dann folgt nach dem Tode das, was die Geistesforschung Stück für Stück, Schritt für Schritt konstatieren kann, dass der Mensch in einem Zustand des Abgewöhnens von all dem, was nur durch Organe des physischen Leibes befriedigt werden kann, kommt. Dieser Zustand dauert so lange, bis der Mensch sich abgewöhnt hat alle die Impulse seines Lebens, zu denen man physische Organe braucht. Diese Zeit, die für verschiedene Menschen verschieden lange dauert, nennt man in der Geisteswissenschaft die Zeit des Durchgangs des Menschen durch die Seelenwelt oder Kamaloka; gemeint ist ein Zustand. Diesen Zustand hat also der Mensch nach dem Tode zu durchlaufen. Gewisse Religionen nennen ihn Fegefeuer, Prüfungszeit, Läuterung, Reinigung. Dann fallen vom Menschen ab wie Schuppen die Teile des Astralleibes, die nur das enthalten, was durch den physischen Leib befriedigt werden kann. Dann ist die Seele in der Lage, etwas zu machen aus dem, was sie als Extrakt mitgenommen hat, aus dem etwas zu machen, was sie als Frucht des Lebens mitgenommen hat.

[ 25 ] An example: In life, a person was a gourmet; he had cravings for this or that delicious food. This craving is not attached to the physical body—minerals have no cravings—but rather to the astral body. Now the physical body is dead, the craving remains, and the person finds himself in a peculiar situation: In life, he satisfied it by eating the food in question, but this required the palate and tongue—organs of the physical body. After death, he still has the craving, but he lacks the organs to satisfy it. The human being is in the same situation as someone who suffers from thirst in the wilderness and cannot find water or beer anywhere. So it is also after death with everything that lives in the human being’s astral body and that can be satisfied only through connection with the physical body. Then, after death, what spiritual research can establish bit by bit, step by step, is that the human being enters a state of weaning away from everything that can only be satisfied through the organs of the physical body. This state lasts until the human being has weaned himself from all the impulses of his life that require physical organs. This period—which varies in length from person to person—is referred to in spiritual science as the time the human being spends passing through the soul world, or Kamaloka; what is meant is a state. The human being must therefore pass through this state after death. Certain religions call it purgatory, a time of trial, purification, or cleansing. Then the parts of the astral body that contain only what can be satisfied through the physical body fall away from the person like scales. Then the soul is in a position to make something out of what it has taken with it as an extract—to make something out of what it has taken with it as the fruit of life.

[ 26 ] Und jetzt tritt die Zeit des eigentlichen geistigen Lebens ein, die Zeit, in der der Mensch in immer geistigeren Welten lebt, die zunächst damit beginnt, dass der Mensch seine Tätigkeit aus der physischen Welt wieder umkehrt. Was heißt das? Was der Mensch zunächst tut unter vielem anderen, das können wir uns klarmachen, verehrte Anwesende, wenn wir das Licht einmal mit dem gesunden Menschenverstande betrachten. Wahr ist es, dass, wenn der Mensch keine Augen hätte, er das Licht nicht sehen würde. Aber für die, welche immer nur behaupten, ohne Auge gäbe es keine Welt des Lichtes, muss doch auch die andere Seite, die Kehrseite geltend gemacht werden. Woher stammt das Auge? Goethe sagt den schönen Satz, der aus der tiefen Weltenkenntnis herausgesprochen wird: Das Auge ist am Lichte für das Licht gebildet; das heißt: gäbe es kein Licht, spendete die Sonne kein Licht, gäbe es auch kein Auge. Das Licht hat aus gleichgültigen Organen das Auge herausgebildet, herausgegliedert.

[ 26 ] And now the time of true spiritual life begins—the time in which human beings live in increasingly spiritual worlds, a time that begins, first of all, when human beings turn their activities away from the physical world. What does that mean? We can understand what a person does first, among many other things, distinguished guests, if we consider light through the lens of common sense. It is true that if a person had no eyes, they would not see the light. But for those who insist that without eyes there would be no world of light, the other side of the coin—the reverse side—must also be considered. Where does the eye come from? Goethe offers this beautiful statement, spoken from a deep understanding of the world: “The eye is formed by the light for the light”; that is to say: if there were no light, if the sun gave off no light, there would be no eye either. Light has formed the eye out of indifferent organs, shaping it from them.

[ 27 ] Das, was der Mensch als Organ an sich trägt, das ist nach und nach gebildet worden, nachdem es ganz unvollkommene Zustände durchlaufen hatte. Wodurch konnte denn ein Auge entstehen? Dadurch, dass Licht um den Menschen herum war. Wenn Sie gewisse Tiere betrachten, die draußen in der Welt leben, sie haben zunächst Augen. Wenn solche Tiere ihre Lebensweise verändern und in finstere Höhlen kommen, dann verkümmern ihre Augen, sie treten zurück, ihr Sehvermögen verlieren sie, weil kein Licht in ihrer Umgebung ist. Wie das fehlende Licht die Augen nimmt, so hat das Licht sie auch gegeben. Ebenso aber kann das, was uns entgegentritt als des Menschen Seele mit diesen oder jenen Fähigkeiten, nur aufgebaut werden durch die umliegende geistige Welt. In dieser Welt ist aber der Mensch nach Kamaloka, und in dieser geistigen Welt hat er die Frucht seines letzten Lebens. Aus dieser geistigen Welt beginnt er sich mit dem, was er gelernt hat im letzten Leben, was er erlebt hat, beginnt er sich seine geistigen Organe aufzubauen. Stück für Stück baut er sich jetzt mit den Erfahrungen, die er im letzten Leben gehabt hat, seinen geistigen Organismus auf. Wahr ist es, dass der Mensch diesen geistigen Organismus nach und nach aufbaut. Geradeso, wie er, wenn er in der physischen Welt ist, nach den Erfahrungen in der physischen Welt sein Schicksal aufbaut, so richtet er seine Taten in der geistigen Welt nach der umliegenden geistigen Erfahrung. Und er ist neben vielen anderen in der geistigen Welt damit beschäftigt, sich eine Art Urbild, geistiges Vorbild für seine geistigen Organe zu schaffen.

[ 27 ] What humans possess as an organ has been formed gradually, after passing through a series of very imperfect stages. How, then, could an eye have come into being? Because there was light around humans. If you observe certain animals that live out in the world, they have eyes to begin with. When such animals change their way of life and move into dark caves, their eyes atrophy; they recede, and they lose their sight because there is no light in their environment. Just as the absence of light takes away the eyes, so too did the light give them. Likewise, however, what we encounter as the human soul—with these or those abilities—can only be formed by the surrounding spiritual world. In this world, however, the human being is in Kamaloka, and in this spiritual world, he reaps the fruit of his last life. From this spiritual world, he begins to build up his spiritual organs based on what he learned and experienced in his last life. Piece by piece, he now builds up his spiritual organism using the experiences he had in his last life. It is true that a person builds up this spiritual organism little by little. Just as, when in the physical world, they shape their destiny based on their experiences in that world, so too do they direct their actions in the spiritual world according to the spiritual experiences surrounding them. And, along with many others in the spiritual world, they are engaged in creating a kind of archetype—a spiritual model—for their spiritual organs.

[ 28 ] Wenn dieser geistige Organismus nun aus den Materialien der Geisteswelt heraus geschaffen ist, dann tritt beim Menschen die Sehnsucht auf, das, was er geistig aufgebaut hat, nun auch in der physischen Welt wieder zu verwirklichen, wieder hinunterzusteigen in die physische Welt. So werden diejenigen Leiber, die er vorher abgelegt hat, Stück für Stück wiederum um diesen geistigen Organismus herum nach den Bedingungen der physischen Welt aufgebaut. Denn das, was der Mensch aus der physischen Welt zu entnehmen hat, das ist für die physische Welt für ihn vorbereitet worden. Das, was im physischen und im Ätherleib ist, das muss ihm wiedergegeben werden aus einer Welt, der er es zurückgegeben hatte; das geben ihm die Eltern. Den physischen und den Ätherleib bringen ihm die Eltern herauf aus einer Welt, aus der er eben erst gewichen war, und mit ihm verbindet sich das, was als ein Urbild sich herausgebildet hat in der geistigen Welt. Und wir können sehen, wie dieses Urbild arbeitet an der Ausgestaltung des physischen Leibes.

[ 28 ] If this spiritual organism is created from the materials of the spiritual world, then a longing arises in the human being to re-realize in the physical world what he has built up spiritually—to descend once more into the physical world. Thus, the bodies that the human being has previously shed are gradually rebuilt around this spiritual organism, in accordance with the conditions of the physical world. For what the human being has to draw from the physical world has been prepared for him by the physical world. What is contained in the physical and etheric bodies must be restored to him from a world to which he had returned it; this is given to him by his parents. His parents bring the physical and etheric bodies up to him from a world from which he had just departed, and this is united with what has emerged as an archetype in the spiritual world. And we can see how this archetype works to shape the physical body.

[ 29 ] Die physische Wissenschaft ist nicht etwa ein Gegenbeweis dagegen. Wenn man einmal richtig die Tatsachen der Naturwissenschaft prüfen wird, dann wird die Naturwissenschaft die Tatsache des geistigen Lebens richtig finden. Sehen Sie das Kind an, nachdem es geboren ist. Das Kind hat gewisse Teile seines Gehirns ausgebildet, von denen man sagen kann, dass sie Sinneszentren sind, Nervenleitungen; die sind schon in der ersten Woche nach der Geburt ausgebildet. Dagegen, wenn man das Gehirn am Ende des ersten Monats untersucht, dann sehen Sie, dass fast zwei Drittel des Gehirns erst im Laufe der letzten vier Wochen nach der Geburt ausgebildet werden. Nach und nach durchziehen sich die inneren zwei Drittel der Hirnrinde mit Nervenmark, das einen Sinneseindruck zum anderen leitet. Das Kind sieht Farben und hört Töne, aber kann sie nicht verbinden. Die Nervenstränge, die die Eindrücke der Sinne vermitteln, werden nach und nach aufgebaut. Der, der durchaus sagen will: Na, diese Nervenstränge bauen sich von selbst auf, der mag bei seinem Aberglauben verbleiben; aber er soll auch behaupten, irgendein komplizierter Apparat hätte sich auch von selbst zusammengefügt.

[ 29 ] Physical science does not, by any means, serve as counterevidence to this. Once the facts of natural science are properly examined, natural science will correctly recognize the reality of spiritual life. Look at a child after it is born. The child has developed certain parts of its brain that can be described as sensory centers and nerve pathways; these are already formed in the first week after birth. In contrast, if you examine the brain at the end of the first month, you will see that nearly two-thirds of the brain is formed only during the last four weeks after birth. Gradually, the inner two-thirds of the cerebral cortex become permeated with nerve tissue that transmits one sensory impression to another. The child sees colors and hears sounds, but cannot connect them. The nerve tracts that transmit sensory impressions are gradually developed. Anyone who insists that “well, these nerve tracts develop on their own” may cling to their superstition; but let them also claim that some complex machine has assembled itself.

[ 30 ] Wir nehmen das, was die Naturwissenschaft sagt, auf. Wir sehen den physischen Leib und seinen Mechanismus, aber wir führen den Vergleich auch durch: Kein Mechanismus kann aufgebaut werden ohne Intelligenz. Keine Maschine wird in der Welt von selbst hergestellt. Das, was ausgestaltet ist im menschlichen Gehirn, das macht sich nicht von selbst. Was arbeitet daran? Das Urbild, das für das hellseherische Bewusstsein aus jenem geistigen Organismus stammt, das arbeitet an diesem Gehirn. Und wenn dieses Gehirn immer weiter und weiter durchgearbeitet wird, dann werden hineinverwoben die Früchte des Lebens. Der Mensch hatte sich ja die Früchte des Lebens in die geistige Welt hineingenommen. Zu diesem Urbild formt er das Gehirn um. Je nachdem er dieses Leben benutzt hat, je nachdem formt dieses Urbild jetzt sein Gehirn um. Der in Dumpfheit gelebt hat, an dem arbeitet dieses Urbild so, dass er zum Beispiel, wenn er eine brennende schwingende Kirchenlampe sieht, gar nichts dabei denkt. Bei dem aber, der das Leben in anderer Weise benutzt hat, da arbeitet es so, dass er daran die einflussreichen Pendelgesetze entdeckt und sie der Menschheit schenkt, wie Galilei, der an der Kirchenlampe im Dom zu Pisa zuerst die Gesetze der Pendelschwingungen gesehen hat. Wahrhaftig, bei ihm hat eben das Urbild anders gearbeitet als an den Tausenden und Abertausenden, die auch diese Lampe gesehen haben und denen nichts aufgefallen ist. Hier hat man handgreiflich, wie das Geistige am Physischen arbeitet.

[ 30 ] We take on board what the natural sciences tell us. We see the physical body and its mechanisms, but we also draw the comparison: No mechanism can be constructed without intelligence. No machine in the world is created on its own. What is formed within the human brain does not come about by itself. What is at work here? The archetype—which, for the clairvoyant consciousness, originates from that spiritual organism—is at work on this brain. And as this brain is continually refined, the fruits of life are woven into it. After all, human beings had taken the fruits of life into the spiritual world. They reshape the brain according to this archetype. Depending on how they have used this life, this archetype now reshapes their brain accordingly. For those who have lived in dullness, this archetype works in such a way that, for example, when they see a burning, swinging church lamp, they do not think anything of it at all. But for the one who has used life in a different way, it works in such a way that he discovers the influential laws of the pendulum in it and bestows them upon humanity—like Galileo, who first saw the laws of pendulum oscillations in the church lamp in the Cathedral of Pisa. Truly, in his case the archetype worked differently than it did in the thousands upon thousands who also saw this lamp and noticed nothing. Here one can tangibly see how the spiritual works through the physical.

[ 31 ] Wer das nicht zugibt, von dem kann man sagen: Ihm ist nicht zu helfen, er gibt offenbare Tatsachen nicht zu. Er kann auch nicht verlangen: Beweise deine Sache, sondern es handelt sich darum, dass der andere Bedingungen herstellt, um Beweise herzustellen. Der, der tiefer hineinsieht, wird merken, dass es für die besten Beweise der Anerkennung bedarf.

[ 31 ] Anyone who does not admit this can be said to be beyond help; he does not acknowledge obvious facts. Nor can he demand, “Prove your point”; rather, the issue is that the other party sets conditions for providing evidence. Those who look more deeply will realize that even the best evidence requires recognition.

[ 32 ] So sehen wir, wie der Mensch, indem er durch das Tor des Todes tritt, in andere Welten eintritt: zuerst in eine Vorbereitungswelt, dann in die Welt des geistigen Schaffens, wo er vorbereitet ein neues Leben. Dann tritt er durch Empfängnis und Geburt in ein neues Leben ein. Nach der Geburt arbeitet der Mensch noch an seinem Gehirn. Sagen Sie entweder: Das macht sich alles von selbst —, oder es gibt keine andere Möglichkeit, als dass der Mensch mit solchem geistigen Leben angenommen wird.

[ 32 ] Thus we see how, by passing through the gate of death, a human being enters other worlds: first into a preparatory world, then into the world of spiritual creation, where he or she prepares for a new life. Then, through conception and birth, he or she enters a new life. After birth, a person continues to develop their brain. Either say: “All of this happens on its own”—or there is no other possibility than that a person is received with such a spiritual life.

[ 33 ] Nun könnte man sagen: Gewiss, ich will zugeben eine Seele, die vor der Empfängnis da ist; aber davon, dass die Seele ihre Arbeitskraft und Gestalt einem früheren Leben verdankt, davon will ich nichts wissen, sie steigt vielmehr jedes Mal neu aus der geistigen Welt herunter. — Unter den heutigen Verhältnissen würde eine solche Seele, die neu heruntersteigt, schlecht in die jetzige Welt hineinpassen. Das eben ist eine weitere notwendige Annahme des gesunden Menschenverstandes, dass man den Blick wendet auf das Zusammenstimmen und Zusammenpassen zwischen dem, was heruntersteigt, und dem, was entgegengebracht wird in der Vererbungslinie. Nur eine solche Seele kann sich mit den Verhältnissen in der physischen Welt in Harmonie setzen, die sich in einem früheren Leben die Vorbedingungen dazu zu einem Leben in den jetzigen Verhältnissen angeeignet hat.

[ 33 ] Now one might say: Certainly, I am willing to admit the existence of a soul that is present before conception; but as for the idea that the soul owes its vitality and form to a previous life—I want nothing to do with that; rather, it descends anew from the spiritual world each time. — Under today’s circumstances, such a soul, descending anew, would fit poorly into the present world. This is precisely another necessary assumption of common sense: that one must consider the harmony and compatibility between what descends and what is received through the hereditary line. Only a soul that has, in a previous life, acquired the prerequisites for a life under present conditions can bring itself into harmony with the circumstances of the physical world.

[ 34 ] Damit weisen wir zurück von einem heutigen Leben zu einem früheren Leben. Wenn die Seele [wieder] heruntersteigt und sich in dem Leib weiterbildet in diesem Leben, dann geht es geradeso wie in dem vorhergehenden, nur dass der Mensch hineinverwoben hat die Früchte des früheren Daseins. Damit bereichert lebt der Mensch wiederum zwischen Geburt und Tod, und so geht es weiter.

[ 34 ] Thus, we trace back from this present life to a previous one. When the soul descends [once more] and continues to develop within the body in this life, the process is exactly the same as in the previous one, except that the human being has woven into it the fruits of their previous existence. Enriched in this way, the human being lives once more between birth and death, and so it continues.

[ 35 ] So durchlebte der Mensch den Kreislauf von der sinnlichen Welt durch die Welt des bloßen Seelischen, die Welt der Reinigung, zur geistigen Welt, und dann wiederum steigt er hinein in die sinnliche Welt, und so weiter. Diesen Kreislauf macht er immer wieder und wieder durch, und darin liegt, verehrte Anwesende, die Gewähr einer immer höher gehenden Entwicklung des Menschen. Diese Lehre, die uns so die Ursachen unseres jetzigen Lebens in den früheren Leben zeigt, ist keine trostlose. Man kann nur sagen: Wenn du dir dieses Leben in einer ungenügenden Weise aufbaust, dann liegt die Ursache in einem früheren Leben. Aber man kann auch auf die Zukunft verweisen und sagen: Verwende dein Leben gut und du wirst die Früchte von diesem Leben in das Folgende hinübertragen; dann folgt Zuversicht und Tatkraft einer solchen Erkenntnis.

[ 35 ] Thus, human beings pass through the cycle from the sensory world, through the world of the purely soul-life—the world of purification—to the spiritual world, and then ascend once more into the sensory world, and so on. Human beings go through this cycle again and again, and therein, dear friends, lies the assurance of an ever-ascending development of the human being. This teaching, which shows us the causes of our present life in our past lives, is not a bleak one. One can only say: If you shape this life in an inadequate way, then the cause lies in a past life. But one can also look to the future and say: Use your life well, and you will carry the fruits of this life over into the next; then confidence and energy follow from such a realization.

[ 36 ] Für den, verehrte Anwesende, der in seinem gesunden Menschenverstand an diesen Satz herangeht, für den können natürlich äußerlich die Tatsachen des hellseherischen Bewusstseins nicht bewiesen werden, aber er kann sie verstehen. Er kann sich sagen: Wenn ich die Tatsachen voraussetze, dann wird mir das Leben verständlich. Tatsachen kann man nicht beweisen; ich möchte jemand beweisen sehen, dass es einen Walfisch gibt, wenn niemand ihn gesehen hätte. Durch Erschaffung der entsprechenden Organe kann man aber dazu kommen, die Tatsachen des geistigen Lebens zu sehen, zu schauen. Bewiesen werden können nur Zusammenhänge, niemals Tatsachen.

[ 36 ] For those of you here today, distinguished guests, who approach this statement with common sense, the facts of clairvoyant consciousness cannot, of course, be proven objectively, but you can understand them. You can say to yourselves: If I accept these facts, then life becomes understandable to me. Facts cannot be proven; I would like to see someone prove that a whale exists if no one had ever seen one. However, by developing the appropriate faculties, one can come to see and perceive the facts of spiritual life. Only connections can be proven, never facts.

[ 37 ] Nun, verehrte Anwesende, der gesunde Menschenverstand mag manches einwenden wollen und sagen: Wenn du mir sagst, dass der Mensch aus geistigen Höhen heruntersteigt und sich verbindet mit dem physischen, das glaube ich nicht, denn ich sehe das nicht.

[ 37 ] Well, ladies and gentlemen, common sense might raise some objections and say: If you tell me that a human being descends from spiritual heights and unites with the physical, I don’t believe it, because I don’t see it.

[ 38 ] Heute führt man bestimmte Fähigkeiten, alles auf Vererbung zurück. Im Radikalfall des Genies, da versuchen die Leute heute ein Genie hinzustellen und zu sagen: Jetzt gehen wir hausieren und sehen zu, ob wir beim Vater oder bei der Mutter oder bis zu tantenhaften Vorfahren hinauf die Eigenschaften finden, die das Genie hat, und so soll das Genie dann als letzter Spross in der Vererbungslinie dastehen. Dass das Genie immer am Ende in der Vererbungslinie dasteht, wird als Beweis dafür angeführt, dass das Genie durch Vererbung entsteht. Für den, der durchaus materialistisch denken will, klingt das leidlich; es ist aber gar keine Logik dahinter. Denn wirklich bewiesen wäre die Lehre, wenn man in dem Vorfahren das Genie hätte und dieses auf die Nachkommenschaft seine Eigenschaften vererbt hätte. Das ist aber nicht der Fall. Der, der genauer das menschliche Leben wirklich betrachtet, wird zwar wissen, dass sich gewisse Eigenschaften vererben, wir wissen, dass in der Familie der Bach sich 29 mehr oder weniger große Musiker befinden. Das ist nichts Wunderbares. Damit man ein tüchtiger Musiker werden kann, braucht man nicht nur geistig-seelische Eigenschaften, sondern wenn die Seele heruntersteigt und trifft kein Elternpaar, das ihr ein dazu ausgestaltetes Ohr geben kann, dann kann sie auch kein Musiker werden. Also geradeso, wie die seelischen Eigenschaften herrühren aus früheren Leben, so hängt die innere Physiognomie des Ohres ab von den Vorfahren. Aber wenn der Mensch ein genauerer Beobachter des Lebens wird, wenn er als denkender Erzieher diese menschliche Seele sich herausgestalten sieht mannigfaltig in ihren Individualitäten, dann sieht er, wie sich keineswegs aus dem physischen Menschen die geistigen Fähigkeiten ausgestalten, sondern er bekommt die Empfindung, wie sich etwas hereinarbeitet, was vorher in der geistigen Welt gelebt hat. Man merkt hierauf, dass der Mensch oft in dieser Welt vorhanden war, dass er sich angepasst hat in seinen verschiedenen Daseinsstufen an diese Welt.

[ 38 ] Today, people attribute certain abilities entirely to heredity. In the extreme case of genius, people today try to single out a genius and say: Now let’s go searching and see if we can find the traits that the genius possesses in the father or the mother or even in distant female ancestors, and thus the genius is then supposed to stand as the last scion in the line of inheritance. The fact that the genius always appears at the end of the hereditary line is cited as proof that genius arises through heredity. To those who wish to think strictly in materialistic terms, this sounds plausible; but there is no logic to it at all. For the theory would truly be proven if the ancestor had been a genius and had passed on those traits to their descendants. But that is not the case. Anyone who truly examines human life more closely will know that certain traits are inherited; we know that there are 29 musicians of varying degrees of talent in the Bach family. There is nothing miraculous about this. To become a skilled musician, one needs not only intellectual and spiritual qualities; but if the soul descends and finds no parents who can give it an ear suited to this purpose, then it cannot become a musician either. Just as spiritual qualities stem from past lives, so the inner constitution of the ear depends on the ancestors. But when a person becomes a more careful observer of life, when, as a thinking educator, they see this human soul taking shape in its manifold individualities, then they realize that spiritual abilities do not develop from the physical human being at all; rather, they sense how something that previously lived in the spiritual world works its way into the person. One can see from this that a person has often existed in this world, that he has adapted to this world in his various stages of existence.

[ 39 ] Heute weiß man, dass ein Regenwurm nur aus einem Regenwurmkeim entstehen kann, dass er nicht wachsen kann aus Flussschlamm, was vor 300 Jahren alle naturwissenschaftlichen Gelehrten glaubten. Heute denken die Menschen, dass die wunderbare menschliche Seele entstehen könne, ohne dass sie sich überleitet aus Geistig-Seelischem. Lebendiges kann nur aus Lebendigem entstehen und Geistig-Seelisches nur aus Geistig-Seelischem. Führe man das Geistig-Seelische, das hereinarbeitet aus dunklem Hintergrunde, zurück auf früheres Geistig-Seelisches und sei man sich klar, dass die Folge des Geistig-Seelischen wiederum im Geistig-Seelischen liegt, dass es über unser gegenwärtiges Leben hinausgeht, und dass diese verschiedenen Leben nichts zu tun haben mit dem, was man Vererbungslinie nennt.

[ 39 ] Today we know that an earthworm can arise only from an earthworm embryo and cannot develop from river mud, contrary to what all natural scientists believed 300 years ago. Today, people think that the wondrous human soul can come into being without being derived from the spiritual-soul realm. Living beings can only arise from living beings, and the spiritual-soul realm can only arise from the spiritual-soul realm. If we trace the spiritual-psychic, which works its way in from a dark background, back to earlier spiritual-psychic states, and if we realize that the consequence of the spiritual-psychic lies in turn in the spiritual-psychic, that it extends beyond our present life, and that these various lives have nothing to do with what is called the hereditary line.

[ 40 ] Mut und Kraft wird eine solche Weltanschauung geben. Je materialistischer die Menschen geworden sind, desto größere Angstmeier sind sie geworden. Was ist denn heute mehr verbreitet als die Furcht vor der erblichen Belastung? Umgewandelt hat sich die Anschauung, und das Ergebnis dieser Anschauung, die aus materialistischen Vorstellungen heraus gegeben ist, ist Menschenfurcht, und diese wirkt ungeheuer lähmend auf das Leben. Wenn die Menschen freilich ihre Seele ungenützt leben lassen und sich nicht erfüllen wollen mit geistigen Inhalten, dann ist allerdings für sie das, was sie vererben, etwas Fatales. Denn sie sind schwach in ihrer Seele.

[ 40 ] Such a worldview will provide courage and strength. The more materialistic people have become, the more fearful they have become. What is more widespread today than the fear of hereditary predisposition? This view has changed, and the result of this view—which stems from materialistic ideas—is fear of others, and this has an immensely paralyzing effect on life. If, of course, people allow their souls to lie dormant and do not seek to enrich themselves with spiritual content, then what they pass on is indeed something fatal for them. For they are weak in their souls.

[ 41 ] So, wie der Körper, so will auch die Seele genährt werden. Sie will genährt werden mit Wahrheiten und Erkenntnissen. Führt sich der Mensch zu Erkenntnissen der Seele heran, dann wird er stark und wird Gebieter und Sieger über die Gesetze der Vererbung. Das glauben heute die Materialisten natürlich nicht. Wenn die Seele verödet, dann bleibt das Leben ungenützt, dann tritt stark ins Gewicht das, was man Vererbung nennt. Der Mensch hat es also in der Hand, seine Seele kräftig und stark zu machen. Eine Weltanschauung ist nicht ohne praktische Folgen. Der, der keine Ahnung hat, dass die Seele wirklich da ist, der lässt seine Seele veröden. Die materialistische Weltanschauung bringt mit sich eine Verödung des Empfindens und Gefühlslebens der Seele. Und wahr ist es, dass eine solche Seele mehr zu fürchten hat als eine Seele, die sich mit geistigem Gehalte stark macht. Hier sehen wir, wie die geistige Weltanschauung Aufklärung und Sicherheit gibt fürs Leben. Jederzeit greifen sozusagen die beiden Dingen ineinander ein: Die Tatsachen, die sich dem hellseherischen Bewusstsein ergeben über das Schicksal der Seele, und der gesunde Menschenverstand, der sich sagen kann: Ich kann das Leben verstehen. Und so arbeitet sich die Seele durch die einzelnen Leben hindurch zu immer größerer Vollkommenheit. Es gibt für die menschliche Seele außer dem sinnlichen Leben ein seelisches und noch ein geistiges. Diese Leben durchläuft die Seele, um dann wieder ein neues durchzumachen.

[ 41 ] Just as the body needs nourishment, so does the soul. It needs to be nourished with truths and insights. If a person cultivates insights into the soul, he becomes strong and gains mastery and victory over the laws of heredity. Of course, materialists today do not believe this. When the soul becomes desolate, life remains unfulfilled, and what is called heredity comes to play a major role. It is therefore up to the individual to make his or her soul vigorous and strong. A worldview is not without practical consequences. Those who have no inkling that the soul truly exists allow their souls to become desolate. The materialistic worldview brings with it a desolation of the soul’s sensibility and emotional life. And it is true that such a soul has more to fear than a soul that strengthens itself with spiritual substance. Here we see how the spiritual worldview provides enlightenment and security for life. At all times, so to speak, these two things intertwine: the facts that reveal themselves to clairvoyant consciousness regarding the destiny of the soul, and common sense, which can say to itself: I can understand life. And so the soul works its way through its individual lifetimes toward ever greater perfection. In addition to the sensory life, there is a soul life and a spiritual life for the human soul. The soul passes through these lives in order to then undergo a new one.

[ 42 ] Wenn auch zuweilen das Leben in der Sinnenwelt sich so darstellt, als ob die Menschheit sozusagen im Niedergang begriffen ist — im Allgemeinen ist das ganze Erdenleben mit den dazwischenliegenden Leben der geistigen Welten ein Aufstieg, und diese Weltanschauung eröffnet eine wunderbare Perspektive für das Erdenziel. Dieses Ziel ist immer mehr und mehr: Vergeistigung des physischen und seelischen Lebens. In der Tat, «Vergeistigung» können wir sagen, denn der Mensch wird immer mehr und mehr die Grundlagen des physischen Lebens erkennen. Immer mehr wird er aus der geistigen Welt heraus arbeiten. Erlösung aus der sinnlichen Welt wird zuletzt seine eigene Tat sein.

[ 42 ] Even though life in the sensory world sometimes appears as if humanity were, so to speak, in decline—in general, the entire earthly life, together with the intervening lives in the spiritual worlds, is an ascent, and this worldview opens up a wonderful perspective on the goal of earthly existence. This goal is, more and more: the spiritualization of physical and soul life. Indeed, we can speak of “spiritualization,” for human beings will come to recognize the foundations of physical life more and more. They will increasingly work from within the spiritual world. Ultimately, liberation from the sensory world will be their own achievement.

[ 43 ] So schreitet der Mensch zu seiner Vollkommenheit auf eine uns völlig begreifliche Weise. Wer das Gesetz von Ursache und Wirkung, das in der physischen Welt als wissenschaftliche Tatsache gilt, ausdehnt auf die geistige Welt, der sagt sich: Mögen dich die Menschen einen Träumer und Phantasten nennen — es wird die Zeit kommen, wo der Satz: Geistig-Seelisches kann nur aus Geistig-Seelischem kommen, Anerkenntnis finden wird, wo die Erkenntnis kommen wird von dem Durchgang des Menschen durch alle Welten, durch viele Leben, und von der Vervollkommnung des Menschen. Wenn man so den menschlichen Werdegang begreift, dann hat man bestimmte Begriffe nicht nur für die physische, sinnliche Welt, sondern auch für die seelische und geistige Welt. Das sind keine phantastischen Vorstellungen, sondern Begriffe, mit denen man etwas verbindet, wie der Mensch mit gewöhnlichen sinnlichen Dingen diese oder jene Begriffe verbindet.

[ 43 ] Thus does humankind advance toward perfection in a way that is entirely comprehensible to us. Anyone who extends the law of cause and effect—which is regarded as a scientific fact in the physical world—to the spiritual world will say to himself: People may call you a dreamer and a fantasist—but the time will come when the statement “The spiritual-soul realm can only arise from the spiritual-soul realm” will gain recognition; when this insight will arise from humanity’s passage through all worlds, through many lifetimes, and from the perfection of the human being. When one understands the course of human development in this way, one has specific concepts not only for the physical, sensory world, but also for the soul and spiritual worlds. These are not fanciful notions, but concepts to which one attaches meaning, just as human beings attach this or that concept to ordinary sensory objects.

[ 44 ] Und so können wir heute sagen: Ja gewiss, anerkannt sind noch wenig die Dinge, die für den Eingeweihten Tatsachen sind, wie der Kreislauf des Lebens durch die verschiedenen Welten hindurch; aber er wird anerkannt werden, und er wird Tatsache des inneren Seelenlebens für die Menschen werden. Die Menschheit geht von Fortschritt zu Fortschritt, sie wird auch diesen Fortschritt über sich ergehen lassen müssen. Und diejenigen namentlich, die heute noch nicht diese Tatsachen anerkennen wollen, werden diesen Fortschritt, der die Rätsel des Lebens löst, aus dem Geheimnis des Todes heraus anerkennen müssen.

[ 44 ] And so we can say today: Yes, certainly, the things that are facts for the initiate—such as the cycle of life through the various worlds—are still little recognized; but they will be recognized, and they will become a reality of inner spiritual life for human beings. Humanity is moving from one stage of progress to the next; it will have to accept this progress as well. And those, in particular, who are still unwilling to acknowledge these facts today will have to acknowledge this progress—which unravels the mysteries of life—out of the mystery of death.

[ 45 ] Dann wird man verstehen, dass man zunächst ebenso glauben kann, dass das eine Wirklichkeit ist, was die Eingeweihten sagen, wie man glaubt, wenn ein Mikroskoper sagt, dass die Pflanze aus Zellen besteht. Wenn man nur die Analogie richtig ausdenken will, dann wird man den Mut schöpfen, dass der Mensch selbst dazu kommen muss, seine geistigen Fähigkeiten, seine geistigen Augen und Ohren, wie Goethe sagt, zu entwickeln, und erkennen zu lernen, was uns in der Zukunft ein wirklich neues religiöses Bewusstsein geben kann, ein religiöses Bewusstsein, das schon in dem liegt, was wir als Wahrheit des Christentums kennen, welches uns zeigt, dass das Leben in der Sinnenwelt auch Wert hat für das ewige, für das himmlische und geistige Leben. Mit dem Christentum ist in die Menschen eingezogen dasjenige religiöse Bewusstsein, welches nicht bloß in der Geisteswelt Erlösung sieht, sondern auch im Hinübernehmen der Früchte des physischen Lebens, dessen, was man hier erlernt hat.

[ 45 ] Then one will understand that, at first, one can believe just as much that what the initiates say is reality as one believes when a microscopist says that a plant consists of cells. If one is willing to think through this analogy properly, one will find the courage to realize that human beings themselves must come to develop their spiritual faculties—their spiritual eyes and ears, as Goethe says— and to learn to recognize what can give us a truly new religious consciousness in the future—a religious consciousness that already lies within what we know as the truth of Christianity, which shows us that life in the sensory world also has value for eternal, heavenly, and spiritual life. With Christianity, a religious consciousness has taken root in human beings that sees salvation not merely in the spiritual world, but also in the carrying over of the fruits of physical life—that which has been learned here.

[ 46 ] Zum Schluss lassen Sie uns zwei Bilder vor unsere Seele stellen. Der Fortschritt in unserem religiösen Leben geht von Buddha durch Christus. Für die großartige Gestalt des Buddha hat der nur Ausdrücke der Bewunderung, der die Tiefe der Buddha-Seele zu verstehen vermag. Wie unendlich tief ist es, was Buddha als große Wahrheiten des Lebens ausspricht. Es wirkt legendenhaft, wie Buddha, heraustretend aus Reichtum und aus des Königs Umgebung, draußen einen Leichnam findet, einen Armen, im Elend verkommenen Kranken. Er schaut tief in die Untergründe des Lebens hinein und spricht seine großen Wahrheiten: Leben ist Leiden, Tod ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Alter ist Leiden; mit dem, was man liebt, getrennt sein, ist Leiden; mit dem, was man nicht liebt, verbunden sein, ist Leiden. Begehren, was man nicht erhalten kann, ist Leiden. - Die Lehre Buddhas ist die, dass der Durst nach dem Dasein, nach der Wiederverkörperung und nach dem neuen Leben gelöscht werden muss und die Menschheit erlöst werden muss zu einem das Sinnliche verwehenden Dasein, das, was man Nirwana nennt. Vierfaches Leiden verkündet Buddha. Befreiung vom Leiden dieser Welt, das heißt, hinaufsteigen zur Lehre Buddhas. Und dann trat Christus in die Welt, das war ein merkwürdiger Fortschritt. Die, die das Wesen des Christentums verstehen, die zum Beispiel es verstanden im ersten Jahrhundert, die hatten bei dem Namen Christus ein anderes Gefühl. Die hatten ein Gefühl, wie das geistige Leben umkleidet ist mit dem sinnlichen Dasein, dessen Stoff durch die physisch sinnliche Welt geliefert wird, — aber wir sagen nicht mit Buddha: Wir wollen nur Befreiung und Erlösung von der sinnlichen Welt. Wir sagen: Diese Erde ist doch wert und würdig, denn aus dem Material dieser Erde ist auch der Leib Christi genommen. Die Erde, über die Christus gewandelt ist, gibt Früchte für das ewige Leben. Und so wurde das Dasein des Christus für die, die ihn erkannten, zur Gewissheit dafür, dass der Mensch von Leben zu Leben die Früchte seines Daseins in die geistige Welt hineinnimmt. Und jetzt änderte sich die Lehre des Buddhas. In den geisteswissenschaftlichen Schulen ist es immer ausgedrückt worden, dass sich die Wahrheit vom Leben durch Christus geändert habe. Geburt, das heißt ins Leben treten, ist nicht bloß Leiden, denn wir treten in ein Leben ein, in dem Christus gelebt hat. Krankheit ist nicht nur Leiden, denn durch Verbindung mit Christi Kräften werden wir Herr über Krankheiten. Die Menschen werden in Zukunft lernen, wie sie äußerlich auf physische Krankheiten wirken werden; Überwinder der Krankheiten ist Christus in des Menschen Brust. Und Alter ist nicht Leiden, denn indem der Mensch älter wird und der physische Leib abfällt, so wird er die Früchte, die er im physischen Leib erhält, hinübertragen in die geistige Welt. Und der Tod ist erst recht nicht Leiden, denn es ist ein wunderbares Bild des Kontrastes: Buddha geht hinaus aus seiner königlichen Burg und sieht den Leichnam und da geht ihm auf die große Wahrheit: Tod ist Leiden. Und wir sehen in den ersten christlichen Jahrhunderten allmählich, wie die Menschen ihre Augen richten auf das Holz des Kreuzes und erblicken den Leichnam. Und dieser ist die Gewähr für das ewige Leben, für das herrliche ewige Leben, für den Sieg des ewigen Lebens. Dieser Leichnam ist nicht der Beweis dafür, dass das Leben Leiden ist, sondern dass das Leben Sieg ist über alle Leiden.

[ 46 ] Finally, let us conjure up two images in our minds. Progress in our religious life leads from Buddha through Christ. Only those who are able to comprehend the depth of the Buddha’s soul can express true admiration for the magnificent figure of the Buddha. How infinitely profound are the great truths of life that the Buddha articulates. It seems almost legendary how the Buddha, stepping out of his wealth and the king’s court, finds a corpse outside—a poor man, a sick person reduced to misery. He looks deep into the very foundations of life and proclaims his great truths: Life is suffering, death is suffering, illness is suffering, old age is suffering; being separated from what one loves is suffering; being bound to what one does not love is suffering. Desiring what one cannot obtain is suffering. —The Buddha’s teaching is that the thirst for existence, for reincarnation, and for new life must be quenched, and that humanity must be redeemed into an existence free from the sensual, which is called Nirvana. The Buddha proclaims the Four Noble Truths. Liberation from the suffering of this world means ascending to the Buddha’s teaching. And then Christ entered the world—that was a remarkable step forward. Those who understand the essence of Christianity—those, for example, who understood it in the first century—had a different feeling when they heard the name Christ. They sensed how spiritual life is clothed in sensory existence, the substance of which is provided by the physical, sensory world—but we do not say, as Buddha did: “We want only liberation and salvation from the sensory world.” We say: This earth is, after all, valuable and worthy, for the body of Christ, too, is taken from the material of this earth. The earth upon which Christ walked bears fruit for eternal life. And so, for those who recognized him, the existence of Christ became a certainty that from life to life, human beings carry the fruits of their existence into the spiritual world. And now the teaching of the Buddha has changed. In the schools of spiritual science, it has always been stated that the truth about life has been transformed through Christ. Birth—that is, entering into life—is not merely suffering, for we enter into a life in which Christ lived. Illness is not merely suffering, for through our connection with Christ’s powers, we become masters over illnesses. In the future, people will learn how to act externally upon physical illnesses; the conqueror of illnesses is Christ within the human heart. And old age is not suffering, for as a person grows older and the physical body decays, he will carry over into the spiritual world the fruits he has received in the physical body. And death is certainly not suffering, for it is a wonderful image of contrast: Buddha goes out of his royal palace and sees the corpse, and there the great truth dawns upon him: death is suffering. And in the early Christian centuries, we gradually see how people turn their eyes to the wood of the cross and behold the corpse. And this is the guarantee of eternal life—of the glorious eternal life, of the victory of eternal life. This corpse is not proof that life is suffering, but that life is victory over all suffering.

[ 47 ] Derjenige, der das Christentum begreift, der weiß, dass er nicht getrennt sein kann von dem, was er liebt, weil das geistige Band von Seele zu Seele geschlungen wird, es ist unmöglich, dass er nicht verbunden sein kann im geistigen Sinne mit dem, was er liebt, weil er das ganze All umfassen lernt, und er lernt seine Begierden läutern.

[ 47 ] Those who understand Christianity know that they cannot be separated from what they love, because the spiritual bond is woven from soul to soul; it is impossible for them not to be connected, in a spiritual sense, to what they love, because they learn to embrace the entire universe and to purify their desires.

[ 48 ] Den vollen Sinn des Christentums wird die Forschung erst enthüllen, welche wir Geisteswissenschaft nennen, nicht aus irgendwelchen Dokumenten, sondern aus dem hellseherischen Bewusstsein heraus, unabhängig von allen Urkunden. Dann wird sich das Christentum zeigen als etwas, was noch lange nicht seine tiefsten Impulse an die Oberfläche getrieben hat. Aber nicht bloß eine tote Betrachtung des Entwicklungsganges des Christentums, sondern eine Vertiefung in die geistige Welt und ein Hervorholen dieser lebendigen Keime aus dem Christentum wird den Fortschritt des Christentums bedeuten. Die Geisteswissenschaft sucht den Christus nicht da, wo er über die Erde gegangen ist, sondern ist eine treue Anhängerin der Worte:

[ 48 ] The full meaning of Christianity will be revealed only by the research we call spiritual science—not from any documents, but from clairvoyant consciousness, independent of all records. Then Christianity will reveal itself as something that is still far from having brought its deepest impulses to the surface. But it is not merely a passive contemplation of the course of Christianity’s development, but rather a deepening into the spiritual world and a drawing out of these living seeds from within Christianity that will signify the progress of Christianity. Spiritual science does not seek the Christ where he walked upon the earth, but is a faithful follower of the words:

Ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Erdenentwicklung. (Mt 28,20)

I am with you always, even to the end of the age. (Matthew 28:20)

[ 49 ] Daher finden wir jeden Tag den Christus wieder, und wir finden ihn, wenn wir ihn heute suchen wollen, durch die Geisteswissenschaft, die unabhängig von allen Urkunden hineinschaut in die geistige Welt und in dieser den Christus als Führer zu immer höherem Fortschritt sieht. So stellt sich der Kreislauf dar, und so wird er sich immer darstellen denen, die den geistigen Menschen verstehen werden.

[ 49 ] That is why we rediscover Christ every day, and if we wish to seek him today, we find him through spiritual science, which looks into the spiritual world independently of any historical records and sees Christ there as a guide to ever greater progress. This is how the cycle presents itself, and this is how it will always present itself to those who come to understand the spiritual human being.

[ 50 ] Dass dies ein jeder einmal erleben werde, das hat Goethe aus einer tiefen Erkenntnis heraus noch in jungen Jahren ausgesprochen; er hat es bestätigt, dass in ihm lebte die Anerkennung einer geistigen Welt, welcher der Mensch so angehört wie jetzt der physischen Welt. Ja, es war aus der Tiefe seiner erkennenden Seele ausgesprochen, als er auf das hinwies, was sich in der Menschenseele immer wieder erneuern kann, was das Glück und den Segen und die Seligkeit der Menschenseele ausmachen kann, welche diese geistige Welt anerkennt, die auch Goethe anerkannt hat, wenn er sprach:

[ 50 ] Goethe, drawing on a deep insight, stated even in his youth that everyone would experience this at some point; he confirmed that he recognized the existence of a spiritual world to which human beings belong just as they now belong to the physical world. Indeed, it was spoken from the depths of his discerning soul when he pointed to what can be continually renewed in the human soul—what constitutes the happiness, blessing, and bliss of the human soul that recognizes this spiritual world, which Goethe himself recognized when he said:

Die Geisteswelt ist nicht verschlossen,
Dein Sinn ist zu, dein Herz ist tot.
Auf, bade, Schüler, unverdrossen,
Die ird’sche Brust im Morgenrot!

The spiritual world is not closed off,
Your mind is closed, your heart is dead.
Come, bathe, disciple, undaunted,
Your earthly breast in the morning glow!