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The Rudolf Steiner Archive

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The Essence of Anthroposophy
within the World Of Sense, Soul And Spirit
GA 68b

1 February 1908, Wiesbaden

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The Circular Flow of Man's Life, tr. SOL
  1. Der Kreislauf des Menschen

8. Das Geheimnis des Todes und das Rätsel des Lebens

8. The Mystery of Death and the Enigma of Life

[ 1 ] Jede tiefere Seele muss sich immer wieder vorlegen die Frage nach dem Sinn des Lebens, muss sich immer von Neuem fragen nach dem Geheimnis des Todes. Nicht nur, wenn wir den Blick hinaufrichten in die Sternenräume, in die Weltenfernen, sondern bei jedem Schritt des alltäglichen Lebens steigen Fragen nach den wesentlichen Rätseln des Lebens auf. Wenn der eine Mensch geboren wird unter solchen Verhältnissen, dass wir schon an seiner Wiege voraussehen können, dass Hoffnungslosigkeit und Mühsal ihn durchs Leben begleiten werden, der andere dagegen unter den günstigsten Verhältnissen und Anlagen, dass man von ihm weiß, er wird selbst zu einem glücklichen Leben bestimmt sein und seinen Mitmenschen viel Segen bringen können, da fragen wir: Warum ist das so? Wir fragen: Wie kommt es, dass der eine scheinbar ohne eigene Schuld in Not und Elend geboren wird und aufwächst, und der andere scheinbar ohne Verdienst ein glückliches Dasein führen kann?

[ 1 ] Every profound soul must repeatedly ask itself the question of the meaning of life; it must constantly ask itself anew about the mystery of death. Not only when we gaze up at the starry heavens, into the distant reaches of the universe, but with every step we take in everyday life, questions about the fundamental mysteries of life arise. When one person is born into circumstances such that we can already foresee at his cradle that hopelessness and hardship will accompany him through life, while another is born into the most favorable circumstances and endowments—so that we know he is destined for a happy life and will be able to bring great blessings to his fellow human beings—then we ask: Why is this so? We ask: How is it that one person is born and raised in hardship and misery, seemingly through no fault of their own, while another is able to lead a happy life, seemingly without having earned it?

[ 2 ] Der Mensch ist nimmermehr imstande, aus der bloß physischen Betrachtung sich Antwort zu geben auf die Rätselfragen des Lebens. Die Theosophie sucht die Beantwortung in der geistigen Erkenntnis der Hintergründe des Daseins, die über die sinnliche Welt hinausführt. Nicht deshalb, weil müßige Neugier etwa die Menschen plagt, will die Theosophie ihnen die Fragen nach den Rätseln des Lebens beantworten, sondern weil die Menschheit zu ihrer gesunden Existenz braucht jene Zuversicht, die ihr kommt aus den Quellen, die uns Antwort geben auf die Fragen nach den Rätseln des Lebens.

[ 2 ] Human beings are never able to find answers to life’s mysteries through a purely physical perspective. Theosophy seeks these answers in the spiritual understanding of the deeper meaning of existence, which extends beyond the sensory world. Theosophy seeks to answer the questions about life’s mysteries not because idle curiosity plagues people, but because humanity needs, for a healthy existence, the confidence that comes from the sources that provide us with answers to these questions.

[ 3 ] Wollen wir im Sinne der theosophischen Weltanschauung die Quellen des Lebens erforschen, so müssen wir uns erinnern an den Aufbau des Menschen. Was die Sinne sehen am Menschen, ist nur ein Teil der menschlichen Wesenheit, den er gemeinschaftlich hat mit den sogenannten mineralischen Wesen. Dann zeigt uns die Geisteswissenschaft, wie der physische Organismus lebendig erhalten wird durch ein zweites Prinzip der menschlichen Wesenheit, den Äther- oder Lebensleib, der ein fortgesetzter Kämpfer ist gegen den Zerfall des physischen Leibes. Wir haben ferner an der Hand der Theosophie gesehen, wie alles, was an Lust und Leid, Freude und Schmerz, Trieben, Begierden und Leidenschaften, an Idealen in der Seele lebt, zu einem Träger ein drittes Glied der menschlichen Wesenheit hat - den Astralleib. Während er den physischen Leib gemeinsam hat mit allen mineralischen Wesen, hat er den Ätherleib gemeinsam mit allen lebendigen Wesen, aber den Astralleib nur mit den Tieren. Die Summe von Kräften, das, was der Mensch im Mittelpunkt seiner Wesenheit hat, vermag er zusammenzufassen mit den Worten «Ich bin». Das «Ich bin» eignet nur dem Menschen unter allen lebenden Wesen um ihn her.

[ 3 ] If we wish to explore the sources of life in accordance with the theosophical worldview, we must bear in mind the structure of the human being. What the senses perceive in a human being is only a part of the human being that it shares with the so-called mineral beings. Then spiritual science shows us how the physical organism is kept alive by a second principle of the human being—the etheric or life body—which is a constant fighter against the decay of the physical body. Furthermore, through theosophy, we have seen how everything that lives in the soul—pleasure and suffering, joy and pain, drives, desires, and passions, as well as ideals—has a third component of human nature as its vehicle: the astral body. While humans share the physical body with all mineral beings, they share the etheric body with all living beings, but the astral body only with animals. The sum of these forces—that which lies at the center of human being—can be summed up in the words “I am.” The “I am” is unique to humans among all living beings around them.

[ 4 ] Von diesem Ich aus wird er der Herr und Umgestalter seiner anderen drei Glieder. Indem das Ich arbeitet, wandelt es zunächst einen Teil des Astralleibes um in das Geistselbst oder Manas. Indem das Ich aus mächtigen Impulsen heraus an sich arbeitet, wird der Lebensleib umgestaltet in Lebensgeist oder Budhi. Wenn das Ich bis in das physische Prinzip hineinarbeitet, entwickelt sich daraus, aus dem physischen Prinzip, Atman oder der Geistesmensch.

[ 4 ] From this “I,” he becomes the master and transformer of his other three members. As the “I” works, it first transforms a part of the astral body into the spiritual self, or Manas. As the “I” works upon itself through powerful impulses, the life body is transformed into the life spirit, or Budhi. When the “I” works its way down into the physical principle, Atman—or the Spiritual Man—develops from that physical principle.

[ 5 ] Beim gewöhnlichen Menschen sind vorhanden die vier Glieder bis zum Ich. Auch große Teile von Manas sind gewöhnlich schon ausgebildet. Im Laufe seiner Entwicklung wird der Mensch erreichen, die sieben Glieder seiner Wesenheit selbstständig auszubilden. Eigentlich sind die sieben Teile nur vier Glieder, denn Manas ist der umgewandelte Astralleib, Budhi der umgewandelte Ätherleib und Atman das umgewandelte Prinzip des physischen Leibes.

[ 5 ] In the ordinary human being, the four members up to the “I” are present. Large parts of Manas are also usually already developed. In the course of his development, the human being will come to develop the seven members of his being independently. In reality, the seven parts are only four members, for Manas is the transformed astral body, Budhi is the transformed etheric body, and Atman is the transformed principle of the physical body.

[ 6 ] Wenn der Mensch morgens aufwacht, bis zu dem Augenblick, wo er abends einschläft, haben wir im Menschen die vier Glieder vor uns: Physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich.

[ 6 ] From the moment a person wakes up in the morning until the moment they fall asleep at night, we see four aspects within the human being: the physical body, the etheric body, the astral body, and the I.

[ 7 ] Im Zustand des Schlafes und im Zustand des Todes sind diese vier Glieder in anderen Verhältnissen vorhanden. Der Zustand des Schlafes wird genannt auch der Bruder des Todes. Wenn der Mensch abends einschläft, dann sinken in ein unbestimmtes Dunkel hinein Lust und Leid, Freude und Schmerz, alles das, wovon der astrale Leib der Träger ist. Auch das Ich sinkt in ein unbestimmtes Dunkel hinunter, wenn der Mensch abends einschläft. Für den, der den Menschen vom Standpunkt der Geisteswissenschaft aus betrachtet, stellt sich der Zustand des schlafenden Menschen so dar, dass im Bette liegen der physische Leib und der Ätherleib; herausgehoben sind der Astralleib und das Ich. Bei dem heutigen Menschen haben der astralische Mensch und das Ich noch keine geistigen Wahrnehmungsorgane. Er braucht, um die Welt wahrzunehmen, noch die Organe des physischen und Ätherleibes. Sonst kann er nicht bewusst wahrnehmen. Naiv sagt der Mensch ganz richtig nicht: Mein Auge sieht, mein Ohr hört, sondern: Ich sehe, und: Ich höre. Die Sinnesorgane des physischen Leibes sind die Instrumente des Astralleibes und des Ich.

[ 7 ] In the state of sleep and in the state of death, these four elements exist in different relationships. The state of sleep is also called the brother of death. When a person falls asleep in the evening, pleasure and suffering, joy and pain—everything of which the astral body is the bearer—sink into an indeterminate darkness. The ego, too, sinks into an indeterminate darkness when a person falls asleep in the evening. For those who view human beings from the standpoint of spiritual science, the state of the sleeping person appears as follows: the physical body and the etheric body lie in bed; the astral body and the ego are lifted out. In modern human beings, the astral self and the I do not yet possess spiritual organs of perception. To perceive the world, they still require the organs of the physical and etheric bodies. Otherwise, they cannot perceive consciously. Naively, but quite correctly, a person does not say, “My eye sees, my ear hears,” but rather, “I see,” and “I hear.” The sense organs of the physical body are the instruments of the astral body and the “I.”

[ 8 ] Der Schlaf stellt sich so dar als jener Zustand des Menschen, wo der Astralleib und das Innere des Menschen, das Ich, in einer rein geistigen Welt sind. Ist der Astralleib untätig in der Nacht? Das ist er nicht. Er ist während der Nacht außerhalb des physischen und Ätherleibes. Für den, der diese Dinge durchforschen kann, ist zu beobachten, dass der astralische Leib die ganze Nacht am physischen und Ätherleib des Menschen arbeitet. Da, wo er nachts ist, ist seine eigentliche Heimat. Dort sind die Kräfte, in die er in der Nacht untertaucht. Am Tage nimmt er auf alle möglichen Eindrücke durch die äußeren Sinne: Form, Farbe, Licht und so weiter. Alles das wogt hin und her im astralischen Leibe.

[ 8 ] Sleep presents itself as that state of the human being in which the astral body and the inner self—the “I”—are in a purely spiritual world. Is the astral body inactive at night? No, it is not. During the night, it is outside the physical and etheric bodies. For those who can investigate these matters, it can be observed that the astral body works on the human being’s physical and etheric bodies throughout the night. Where it is at night is its true home. There lie the forces into which it immerses itself at night. During the day, it takes in all manner of impressions through the external senses: form, color, light, and so on. All of this surges back and forth within the astral body.

[ 9 ] Der astralische Leib ist jetzt noch nicht in vollständiger Harmonie mit dem physischen Leib; dadurch entsteht die Ermüdung. Die muss nachts fortgeschafft werden dadurch, dass der astralische Leib in die Kräfte seiner geistigen Heimat eintaucht und sich erfrischt. Wenn einmal vollständige Harmonie eingetreten sein wird zwischen dem Astralleib und dem physischen Leib, dann wird ein ganz anderer Zustand eingetreten sein. Das Aufund Abwogen der am Tage aufgenommenen Eindrücke aus der physischen Umwelt drückt sich abends aus als Ermüdung. In der Nacht arbeitet der astralische Leib die Ermüdung fort. Die Folgen dieser Arbeit am physischen und Ätherleib spüren wir frühmorgens. Die Offenbarungen dessen, was der Astralleib tut in der Nacht, die können wir morgens in der Erfrischung sehen. Selbst dann, wenn der physische und der Ätherleib krank sind, wirkt der Astralleib während des Schlafes harmonisierend auf den gestörten Äther- und physischen Leib.

[ 9 ] The astral body is not yet in complete harmony with the physical body; this gives rise to fatigue. This fatigue must be dispelled at night as the astral body immerses itself in the forces of its spiritual home and refreshes itself. Once complete harmony has been established between the astral body and the physical body, a completely different state will have set in. The balancing out of the impressions absorbed during the day from the physical environment manifests as fatigue in the evening. During the night, the astral body works through this fatigue. We feel the effects of this work on the physical and etheric bodies early in the morning. The manifestations of what the astral body does at night can be seen in the morning in the form of renewed vitality. Even when the physical and etheric bodies are ill, the astral body exerts a harmonizing influence on the disturbed etheric and physical bodies during sleep.

[ 10 ] Die physische Wissenschaft mag manches einwenden gegen solche Dinge, aber gegen die Forschungsergebnisse der Wissenschaft verstößt das nicht, dass geistige Vorgänge hinter den Tatsachen wirken. Wenn man immer wieder von der physischen Forschung aus etwas einwenden will gegen die Lehren der Geisteswissenschaft über die geistigen und seelischen Vorgänge, so kann man auf folgendes Beispiel einer ähnlichen Beurteilung hinweisen. Wir nehmen an: Ein Mensch gibt einem andern eine Ohrfeige. A hat beobachtet, dass der eine eine Zornaufwallung hatte und daher sich verleiten ließ, dem andern eine Ohrfeige zu geben. B aber sagt: Ich habe doch gesehen, wie seine Hand sich erhob, wie sie sich gegen des andern Gesicht bewegte, und daher entstand die Ohrfeige. Das mit der Zornesaufwallung ist Unsinn! — So beurteilt die physische Forschung, wenn sie den Ergebnissen der Geistesforschung gegenüber auf die Wahrheit der äußeren Tatsachen pocht. Wir erkennen die Welt nur zum geringen Teil, wenn wir nur die äußeren Tatsachen beurteilen und beobachten. Alles, was in der Welt geschieht, was die Physik erforscht, was die äußere Beobachtung uns zeigt, das sind nur die Gebärden des Seelenlebens der Welt. Ganz anders verhält es sich mit dem Menschen im Tode als im Schlaf. Dann löst sich nicht bloß das Ich mit dem Astralleib heraus, sondern es geht auch der Ätherleib mit und es bleibt nur der physische Leib zurück. Der Ätherleib ist während des Lebens ein fortdauernder Kämpfer gegen den Verfall des physischen Leibes. In dem Augenblicke aber zerfällt der physische Leib, wenn der Ätherleib ihn verlässt. Unmittelbar nach dem Tode sind das Ich, der Astral- und Ätherleib zusammen — eine kurze Weile. Es ist nicht bei allen Menschen gleich nach dem Tode, dass diese drei noch zusammen sind, sondern es dauert bei jedem Menschen noch so lange, wie der Mensch hat existieren können ohne Schlaf.

[ 10 ] Physical science may raise many objections to such things, but the fact that spiritual processes are at work behind the facts does not contradict the findings of scientific research. If one repeatedly seeks to raise objections, based on physical research, against the teachings of spiritual science regarding mental and psychological processes, one can point to the following example of a similar assessment. Let us suppose: One person slaps another. A has observed that the first person experienced a surge of anger and was therefore led to slap the other. B, however, says: “I saw his hand rise, I saw it move toward the other person’s face, and that is why the slap occurred. This talk of a surge of anger is nonsense!” — This is how physical research judges matters when it insists on the truth of external facts in contrast to the findings of spiritual research. We perceive only a small part of the world when we judge and observe only external facts. Everything that happens in the world—what physics investigates, what external observation shows us—is merely the gestures of the world’s soul life. The situation is quite different for a human being at death than in sleep. Then not only does the “I” detach itself along with the astral body, but the etheric body also departs, and only the physical body remains behind. During life, the etheric body is a constant fighter against the decay of the physical body. But the physical body disintegrates the moment the etheric body leaves it. Immediately after death, the “I,” the astral body, and the etheric body are together—for a brief moment. It is not the case for all people that these three remain together immediately after death; rather, for each person, this state lasts as long as the person was able to exist without sleep.

[ 11 ] Die Erlebnisse, die der Mensch in der Zeit hat, sind sehr merkwürdig. Er fühlt förmlich, wie er aus sich selbst herauswächst, größer wird. Diese Zeit über sieht er um sich herum wie in einem großen Erinnerungstableau die ganzen Vorgänge seines verflossenen Lebens. Dieser Moment ist ein außerordentlicher. Nur in Ausnahmefällen erlebt der Mensch etwas Ähnliches während der Dauer seines Lebens. Es kann sein, dass er bei einem starken Schreck, wenn er nahe daran ist, zu ertrinken oder abzustürzen, eine Lockerung des Ätherleibes aus dem physischen Leibe in dem Grade erlebt, dass dann die Erinnerung seines ganzen vergangenen Lebens vor ihn hintritt. Das ist aber nur der Fall, wenn das Ich und der Astralleib das Bewusstsein nicht verlieren. Der Astralleib muss im Ätherleib darinnen bleiben.

[ 11 ] The experiences a person has during this time are very strange. He literally feels himself growing out of himself, becoming larger. During this time, he sees all the events of his past life unfolding around him as if in a vast tableau of memories. This moment is extraordinary. Only in exceptional cases does a person experience something similar during the course of their life. It may be that, during a moment of intense fear—such as when they are on the verge of drowning or falling—they experience a detachment of the etheric body from the physical body to such an extent that the memories of their entire past life come before them. However, this is only the case if the ego and the astral body do not lose consciousness. The astral body must remain within the etheric body.

[ 12 ] Ein anderes Beispiel dafür, dass der Ätherleib stellenweise getrennt ist vom physischen Leibe, ist das, wenn ein Glied, zum Beispiel eine Hand, eingeschlafen ist. Kinder haben dafür einen sehr bezeichnenden Ausdruck; sie sagen: Es fühlt sich an wie Selterswasser. Der Seher weiß, dass in diesem Moment der Ätherleib an der Stelle aus dem physischen Leib herausragt. Die anders geartete Blutzirkulation ist nur eine Folge davon, dass der Ätherleib in partieller Weise gelöst ist. Wie die Glieder eines Handschuhs können wir da den Ätherleib heraushängen sehen aus der Hand. Wenn jemand hypnotisiert ist, kann man sehen, wie dann links und rechts der Ätherleib herausragt, wie Lappen herunterhängt.

[ 12 ] Another example of how the etheric body is at times separated from the physical body is when a limb—for example, a hand—has gone numb. Children have a very telling expression for this; they say, “It feels like seltzer water.” The seer knows that at that moment, the etheric body protrudes from the physical body at that spot. The altered blood circulation is merely a consequence of the etheric body being partially detached. Like the fingers of a glove, we can see the etheric body hanging out of the hand. When someone is hypnotized, one can see the etheric body protruding on the left and right, hanging down like flaps.

[ 13 ] Vielleicht wird mancher zu diesen Ausführungen sagen, sie seien Unsinn, und sie als Narretei ansehen. Gerade sehr gut ist, wenn wir zu unseren Erzählungen von den Tatsachen der geistigen Welt Beispiele anführen können von Menschen, die vielleicht selbst die Theosophie verlachen würden. Der Kriminalanthropologe Benedikt erzählt, er habe Folgendes erlebt: Als er einmal beim Baden nahe am Ertrinken war, habe auf einmal sein ganzes Leben vor ihm gestanden.

[ 13 ] Perhaps some will say that these remarks are nonsense and regard them as folly. It is particularly good when we can cite examples in our accounts of the realities of the spiritual world from people who might themselves laugh at theosophy. The criminal anthropologist Benedikt recounts that he experienced the following: Once, while swimming, he was on the verge of drowning when suddenly his entire life flashed before his eyes.

[ 14 ] Diese Tatsache, dass der Mensch nach seinem Tode sein ganzes früheres Leben in einem Tableau vor sich sieht, und das ähnliche Erlebnis bei einem gewaltigen Schock haben wir so zu erklären: Der Ätherleib ist unter anderem auch der Träger des Gedächtnisses. Im gewöhnlichen Leben ist er mit dem physischen Gehirn verbunden. In dem Augenblicke, wo der Träger des Gedächtnisses befreit ist von dem physischen Gehirn, solange aber der Astralleib noch darinnen steckt im Ätherleib, da tritt das ganze Leben als großes Erinnerungstableau vor der Seele des Menschen auf. Nach und nach schwindet es hinunter in das Dunkel, und ein zweiter Leichnam bleibt vom Menschen zurück. Von dem Äther- oder Lebensleib bleibt ihm wie eine Essenz, wie ein Extrakt des großen Erinnerungsbildes, etwas, wie wenn man den Inhalt eines großen Buches zusammengefasst hätte in eine Seite. So bleibt uns aus diesem Erinnerungstableau nach dem Tode die Essenz des Erdenlebens; die wird einverleibt dem astralischen Leibe auf seiner Wanderung nach dem Tode.

[ 14 ] We can explain the fact that, after death, a person sees his entire past life unfold before him as a tableau—and the similar experience that occurs during a severe shock—as follows: The etheric body is, among other things, the carrier of memory. In ordinary life, it is connected to the physical brain. At the moment when the carrier of memory is freed from the physical brain—but while the astral body is still contained within the etheric body—the entire life appears before the human soul as a vast tableau of memories. Little by little, it fades into the darkness, and a second corpse remains behind. From the etheric or life body, something remains for the person—like an essence, like an extract of the great tableau of memories—as if the contents of a large book had been summarized on a single page. Thus, after death, the essence of earthly life remains for us from this tableau of memories; it is incorporated into the astral body on its journey after death.

[ 15 ] Nun ist der Mensch noch bestehend aus seinem Ich, dem astralischen Leibe und der eingeprägten Essenz seines letzten Lebens. Wenn wir wissen wollen, was der astralische Leib nach dem Tode für Schicksal hat, müssen wir uns erinnern an die Erlebnisse des gewöhnlichen Lebens. Sehen wir, was da eigentlich den Genuss erlebt an den physischen Dingen. Das ist der astralische Leib, der die physischen Organe nur als Werkzeuge benutzt. Zum Beispiel beim Feinschmecker ist es auch der astralische Leib, dem die physischen Organe nur als Werkzeug dienen. Der Astralleib aber ist es, der die Begierde hat nach den leckeren Speisen. Versetzen wir uns einmal in den astralischen Leib nach dem Tode. Er hat dieselben Begierden und Instinkte, wie er vorher gehabt hat, aber es fehlen ihm jetzt die Instrumente, sie zu befriedigen. Der Astralleib ist jetzt in einer besonderen Lage. Er hat die Begierden, aber keine Werkzeuge, sie zu befriedigen. Da ist der Mensch in einem Zustande brennenden Durstes. Je mehr der Mensch hängt an alledem, was nur durch den physischen Leib befriedigt werden kann, desto brennender ist der Durst. So lange dauert dieser Durst, bis der astralische Leib erkennen kann, dass er diese Begierden sich abgewöhnen muss. Man nennt die Zeit des brennenden Durstes die Kamaloka-Zeit; Kama — Begierde; Loka - Ort. Es ist die Summe der Erlebnisse, die nur durch den physischen Leib befriedigt werden können und abgewöhnt werden müssen.

[ 15 ] Now, the human being consists of the ego, the astral body, and the imprinted essence of his last life. If we want to know what fate awaits the astral body after death, we must recall the experiences of ordinary life. Let us see what it is that actually experiences pleasure in physical things. It is the astral body, which uses the physical organs merely as tools. For example, in the case of a gourmet, it is also the astral body for which the physical organs serve only as tools. But it is the astral body that has the craving for delicious food. Let us imagine ourselves in the astral body after death. It has the same cravings and instincts as it did before, but it now lacks the instruments to satisfy them. The astral body is now in a special situation. It has the desires but no tools to satisfy them. The person is in a state of burning thirst. The more a person is attached to all that can be satisfied only through the physical body, the more intense the thirst becomes. This thirst lasts until the astral body realizes that it must break the habit of these desires. The period of burning thirst is called the Kamaloka period; Kama means “desire,” and Loka means “place.” It is the sum of experiences that can be satisfied only through the physical body and must be overcome.

[ 16 ] Wenn der Mensch lernt, das Göttlich-Geistige in der Welt zu suchen, so entbehrt er nichts nach dem Tode. Es ist eine Methode, sich die Kamaloka-Zeit abzukürzen, wenn man sich von den niederen Genüssen frei macht und lernt, sein Inneres durch geistige Interessen befriedigen zu lassen. Das Höchste, wodurch der Mensch sich befreien kann vom Sinnlichen im Sinnlichen, das ist die Kunst, die wahre Kunst. Je idealistischer, je vergeistigter die Kunst ist, die auf den Menschen wirkt, desto abgekürzter ist die Kamaloka-Zeit. Für das Ganze des menschlichen Wesens ist eine auf das Äußere, Sinnliche gerichtete Kunst nicht geeignet. Es ist eine verhältnismäßig für den einen Menschen längere, für den anderen Menschen kürzere Zeit, in der er sich abgewöhnen muss, was ihn verbindet mit der physischen Welt.

[ 16 ] When a person learns to seek the divine-spiritual in the world, he lacks nothing after death. It is a way to shorten one’s time in Kamaloka if one frees oneself from base pleasures and learns to find inner satisfaction through spiritual interests. The highest means by which a person can free themselves from the sensual within the sensual is art—true art. The more idealistic and spiritual the art that influences a person, the shorter the time spent in Kamaloka. Art that is directed toward the external and the sensual is not suitable for the human being as a whole. It is a period—relatively longer for one person, shorter for another—during which one must wean oneself from what binds one to the physical world.

[ 17 ] Dann kommt noch das Ablegen eines dritten Leichnams. Nach langer Zeit legt der Mensch den astralischen Leichnam ab. Alles das, was ungeläutert ist vom Ich, das kann das Ich nicht mitnehmen auf der ferneren Lebenspilgerschaft. Es bleiben der astralischen Welt übergeben die ungeläuterten, unbearbeiteten Teile des Astralleibes. Diese astralen Leichname sind immer um uns herum. Die Menschen, die intensiv zusammenhängen, zusammengehangen haben mit der sinnlichen Welt, die legen dichte astrale Leichname ab.

[ 17 ] Then comes the shedding of a third body. After a long time, the human being sheds the astral body. Anything that has not been purified by the “I”—the “I” cannot take it along on the journey of life that lies ahead. The unpurified, unprocessed parts of the astral body remain in the astral world. These astral corpses are always around us. People who are—or have been—intensely connected to the sensory world shed dense astral corpses.

[ 18 ] Mancher Einfluss auf den Menschen rührt daher, dass er durch geistige Wesenheiten geht, dass seine Seele durchzogen wird von solch geistigen Wesenheiten. Dazu gehören auch solche Astralleichname. Denn wenn der Mensch nicht dagegen gewappnet ist, ist er zugänglich solchen Einflüssen. Es tritt in ihm eine Unruhe auf, vielleicht auch schlechte Impulse. Ein guter, charaktervoller Mensch wird aber diesen schädlichen Einflüssen nicht unterliegen.

[ 18 ] Some influences on human beings stem from the fact that they pass through spiritual beings, that their souls are permeated by such spiritual beings. This also includes astral bodies. For if a person is not equipped to deal with this, they are susceptible to such influences. A restlessness arises within them, and perhaps even negative impulses. However, a good person of strong character will not succumb to these harmful influences.

[ 19 ] Wir haben nun den Menschen verfolgt bis zu dem Zeitpunkt, wo nur noch das Ich vorhanden ist, mit den geläuterten Teilen des Astral- und Ätherleibes. Nun tritt ein rein geistiger Zustand ein, den man das Devachan nennt. Der Mensch ist da entkleidet seiner Hüllen; er ist eine rein geistige Wesenheit. Wir haben das Ich nun noch vor uns. Es ist herausgesprossen aus den leiblichen Hüllen, ist geistig für sich geworden. Das Ich im Menschen nimmt sich fast so aus, wie wenn eine Pflanze, die von Felsspalten umschlossen war, befreit würde und sich frei entfaltet. Es entfaltet sich das Ich, wenn der Astralleichnam abgefallen ist, nach allen Seiten. Es empfindet dadurch eine Beseligung tiefster Art.

[ 19 ] We have now traced the human being up to the point where only the “I” remains, along with the purified parts of the astral and etheric bodies. Now a purely spiritual state begins, which is called Devachan. There, the human being is stripped of his veils; he is a purely spiritual being. We now have the “I” before us. It has sprouted from the physical sheaths and has become spiritually independent. The “I” in the human being appears almost as if a plant that had been enclosed by crevices in a rock were set free and were unfolding freely. Once the astral body has fallen away, the “I” unfolds in all directions. Through this, it experiences a profound sense of bliss.

[ 20 ] Wollen wir diese Gefühle kennenlernen, so müssen wir sie vergleichen mit einem Gefühle, welches nur ein ganz schwacher Widerhall dieser Gefühle ist. Wenn die Henne auf dem Ei durch die Körperwärme das werdende Wesen der Reifung zuführt, so haben wir ein kleines Etwas in diesem Gefühle der Beseligung, die das Ich erlebt in dieser Zeit.

[ 20 ] If we wish to understand these feelings, we must compare them to a feeling that is merely a very faint echo of them. When a hen sits on her eggs and, through her body heat, guides the developing life toward maturity, we find a small glimpse of this feeling of bliss that the self experiences during this time.

[ 21 ] Da kommt die Zeit, wo die Frucht heranreift, als Extrakt des letzten Lebens. Nicht umsonst hat das Ich diesen Extrakt des letzten Lebens aufgenommen. Das Ich hat die Welt aufgenommen in tausend und abertausend Eindrücken. Mit dem Verstande, mit dem Gemüte stand das Ich dem Leben gegenüber. Alles, was es aufgenommen, ist zusammengedrängt in diesem kleinen Extrakt, und dieser Extrakt ist mit dem Gefühle innerer Beseligung ein Schaffender geworden.

[ 21 ] The time is coming when the fruit ripens, as the essence of one’s past life. It is not for nothing that the self has absorbed this essence of its past life. The self has taken in the world through thousands upon thousands of impressions. With its intellect and its spirit, the self faced life. Everything it has absorbed is condensed into this small essence, and this essence, imbued with a feeling of inner bliss, has become a creator.

[ 22 ] Das Ich bereitet sich vor, einen neuen Menschen aufzubauen. So, wie wir sind, haben wir uns selbst aufgebaut. Nur die äußere Anlage und noch etwas von dem, was im Ätherleib ist, hat uns die Vererbung gebracht. Was wir schon beim kindlichen Leibe sich herausgestalten sehen, das brauchte diese lange Zeit nach dem Tode, um zu verwerten die Früchte des letzten Lebens. Jedes Mal beim Tode nimmt der Mensch einen solchen Extrakt des letzten Lebens mit. Jedes Mal baut der Mensch sich durch das, was er erfahren hat, ein neues Leben auf. Zu dem, was wir uns mitgebracht haben aus früheren Leben, kommt nach dem Tode der Extrakt des letzten Lebens dazu. Dieses Hineinbringen der Frucht des letzten Menschenlebens und deren Verwendung, das empfindet das Ich als Beseligung. So arbeitet das Ich daran, diese Frucht des letzten Lebens zu verwenden zum Aufbau eines neuen Menschen. Die physische Vererbung gibt die Bausteine. Wie sie zusammengefügt werden, das rührt vom letzten Leben her. In dem Extrakt des letzten Lebens liegt die Ausgestaltung des neuen Lebens.

[ 22 ] The “I” is preparing to build a new human being. We have built ourselves just as we are. Only our physical constitution and a small part of what is in the etheric body have been passed down to us through heredity. What we already see taking shape in the child’s body required this long period after death to assimilate the fruits of the last life. Each time at death, a person takes with them such an essence of their last life. Each time, a person builds a new life for themselves through what they have experienced. To what we have brought with us from previous lives, the essence of the last life is added after death. The ego experiences this incorporation of the fruits of the last human life and their utilization as a source of bliss. Thus, the ego works to use these fruits of the last life to build a new human being. Physical heredity provides the building blocks. How they are assembled stems from the last life. The shaping of the new life lies within the essence of the last life.

[ 23 ] Aber der Mensch hat nach dem Tode noch etwas anderes zu tun, als sich mit sich selbst zu beschäftigen. Wenn wir einen Blick tun über die Erdentwicklung, müssen wir uns klar werden, dass alles auf der Erde sich verändert. Nicht früher erscheint der Mensch wieder auf der Erde, als bis er neue Erlebnisse auf der Erde haben kann. Man stelle sich Europa vor, ein paar Jahrhunderte vor Christus, wie alles bedeckt war mit mächtigen Wäldern und wie sich seitdem jeder Fleck der Erde verändert hat. Das Antlitz der Erde ändert sich fortwährend, also auch das Kulturantlitz der Erde ändert sich. Unsere Kinder lernen in der Schule etwas ganz anderes, als die Kinder der alten Römer gelernt haben. Auch in geistig-seelischer Beziehung hat sich das Antlitz der Erde geändert. Wo sind die Kräfte, die diese Veränderungen hervorrufen?

[ 23 ] But after death, human beings have something else to do besides focusing on themselves. When we look at the evolution of the Earth, we must realize that everything on Earth changes. Human beings do not reappear on Earth until they are ready to have new experiences there. Imagine Europe a few centuries before Christ, when everything was covered with vast forests, and how every corner of the Earth has changed since then. The face of the Earth is constantly changing, and so, too, is the cultural face of the Earth. Our children learn something completely different in school than the children of the ancient Romans did. The face of the Earth has also changed in spiritual and psychological terms. Where are the forces that bring about these changes?

[ 24 ] Die Kräfte, die dasjenige Deutschland, das in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt da war, umgestaltet haben, die liegen in der geistigen Welt. Die Mitarbeiter an dieser Änderung‚ das sind die Menschen selber. Nach dem Tode arbeiten sie mit an der Physiognomie der Erde. Der Seher sieht, wie umschwebt und umspült sind die irdischen Wesen von den leibfreien Menschen, die sich selbst vorbereiten den Boden, in den sie in einem neuen Leben hineingeboren werden. Im physischen Leben bauen wir Städte, konstruieren wir Instrumente, Maschinen und so weiter. Aber nach dem Tode gestalten wir das Antlitz der Erde um. Wir bereiten das Bett vor, in das der Mensch eingebettet wird, wenn er reif ist, eine neue Gestalt anzunehmen. Wir sehen den Menschen da schaffen in der geistigen Welt; er ist einer der Architekten, einer der Mitbildner an der Umgestaltung der Erde.

[ 24 ] The forces that transformed that Germany which existed in the first centuries after the birth of Christ lie in the spiritual world. The agents of this transformation are human beings themselves. After death, they help shape the face of the Earth. The seer sees how earthly beings are surrounded and enveloped by disembodied human beings who are preparing the ground into which they will be born in a new life. In physical life, we build cities, construct instruments, machines, and so on. But after death, we reshape the face of the Earth. We prepare the bed into which a human being is laid when he or she is ready to assume a new form. We see human beings creating there in the spiritual world; they are among the architects, among those who help shape the Earth’s transformation.

[ 25 ] Es dauert lange, bis sich die Erde so geändert hat, dass die Seele auf einem ganz veränderten Schauplatz wiederkehrt. Einmal trat der Mensch zum ersten Mal auf in dem irdischen Leib. Vorher war er in einer rein geistigen Welt, im Schoße der Gottheit. Was der Mensch im physischen Leibe erlebt in der physischen Welt, das kann nur innerhalb des physischen Leibes erlebt werden. Mit jedem Leben legt er gewissermaßen ein neues Blatt zu dem bisherigen. Am Ende seiner Inkarnationen sind eingefügt seiner Seele diese irdischen Erfahrungen, und die legt er vor dem Altar der Gottheit nieder.

[ 25 ] It takes a long time for the Earth to change to such an extent that the soul returns to a completely transformed setting. Once, humanity appeared for the first time in an earthly body. Before that, it existed in a purely spiritual world, in the bosom of the Divine. What a human being experiences in the physical body in the physical world can only be experienced within the physical body. With each life, he adds, as it were, a new page to the one that came before. At the end of his incarnations, these earthly experiences are incorporated into his soul, and he lays them down before the altar of the Deity.

[ 26 ] Solange der Mensch bereichert werden kann durch besondere Formen des irdischen Daseins, solange verkörpert er sich. So ist das einzelne Leben begreiflich. Es ist eine Wirkung von vorhergehenden Leben und ist eine Vorbereitung für ein späteres Leben. Zum Brüten, zum Spintisieren, zum tatenlosen Zurückblicken in die Vergangenheit ist dieses Gesetz nicht da. Das Gesetz sagt uns: Die Erlebnisse dieses Lebens sind die Folgen von früheren Leben und die Vorbereitungen zum späteren Leben. Wenn ich in Not und Elend bin, so bildet das die Vorbereitung für spätere Erlebnisse. Ein Lebensgesetz ist dies, das die Lebensrätsel in wunderbarer Weise zu lösen versteht.

[ 26 ] As long as a person can be enriched by particular forms of earthly existence, he continues to incarnate. This is how individual life can be understood. It is an effect of previous lives and a preparation for a future life. This law is not meant for brooding, daydreaming, or idly looking back on the past. The law tells us: The experiences of this life are the consequences of past lives and the preparations for a future life. When I am in need and misery, this serves as preparation for future experiences. This is a law of life that knows how to solve life’s mysteries in a wondrous way.

[ 27 ] Wenn man, sich auf dies Gesetz berufend, einwenden wollte, wie es manchmal geschieht, man könne dann dem, der in der Not ist, nicht helfen, so ist das ganz und gar unsinnig. Wie auf dem Konto eines Kaufmannes die Bilanz eine bestimmte ist, aber jeden Tag auf der Sollund Haben-Seite ein neuer Posten eingetragen werden kann, so kann man in jedem Moment des Lebens die Bilanz ziehen aus allen guten und bösen Taten, aber es kann auch in jedem Moment auf beiden Seiten ein neuer Posten hinzugefügt werden. Es ist in keinem Moment ausgeschlossen, dass wir vollständig neue Posten dazufügen. Durch das Karmagesetz gerade können wir in der Lage sein, den Menschen zu helfen. Es ist ein Gesetz der Beflügelung des Lebens, der Anstrengung aller Energie. Missverstanden wird vielfach das Karmagesetz von zwei Seiten, von Seiten der Theologen und von Seiten mancher Theosophen. Die Theologen wenden dagegen ein, dass die Erlösung durch den Christus Jesus der ganzen Menschheit gebracht sei, darum könne der Mensch selbst zu seiner Erlösung nichts tun. Mancher Theosoph glaubt dagegen, er müsse der Lehre von der Erlösung durch den Christus Jesus entgegentreten, weil er an das Karmagesetz glaubt. Wenn er aber das Karmagesetz richtig versteht, dann weiß er, dass man immer einen neuen Posten zu dem Lebenskonto eintragen kann und dass man deshalb jederzeit einem anderen Menschen helfen kann. So kann ein Mensch, je mächtiger er ist, umso mehr anderen Menschen helfen. Eine mächtige Wesenheit, so wie Christus, vermag auf eine unendliche Anzahl von Menschen zu wirken. Die Tat der Erlösung wird eingeschrieben in das Karma der ganzen Menschheit. In schönster Harmonie steht das Karmagesetz mit der Erlösung durch den Christus Jesus.

[ 27 ] If, invoking this law, one were to object—as sometimes happens—that it would then be impossible to help those in need, that is utterly nonsensical. Just as a merchant’s ledger shows a specific balance, but new entries can be made every day on both the debit and credit sides, so too can we take stock at any moment in life of all our good and bad deeds—yet new entries can also be added to either side at any moment. At no moment is it impossible for us to add entirely new entries. It is precisely through the law of karma that we are able to help others. It is a law that inspires life and mobilizes all energy. The law of karma is often misunderstood by two groups: theologians and some theosophists. Theologians object that salvation through Christ Jesus has been brought to all of humanity, and therefore human beings themselves can do nothing to achieve their own salvation. Some theosophists, on the other hand, believe they must oppose the doctrine of salvation through Jesus Christ because they believe in the law of karma. But if they understand the law of karma correctly, they know that one can always add a new entry to one’s life account and that, therefore, one can help another person at any time. Thus, the more powerful a person is, the more they can help others. A powerful being, such as Christ, is capable of influencing an infinite number of people. The act of salvation is inscribed in the karma of all humanity. The Law of Karma stands in the most beautiful harmony with salvation through Jesus Christ.

[ 28 ] Das schönste Instrument zum Begreifen der großen religiösen Wahrheiten ist die Theosophie. Durch sie empfängt der moderne Mensch jene Form, die für seine Seele die richtige ist.

[ 28 ] Theosophy is the finest tool for understanding the great religious truths. Through it, modern man attains the form that is right for his soul.

[ 29 ] Der Sinn des Lebens ergibt sich, wenn wir dasjenige, was hinter dem Leben steht, erkennen und aufnehmen in die Impulse unseres Handelns. Theosophie soll sein für tatkräftige Menschen, die schaffen wollen in diesem Leben. Lernen wir die geistigen Kräfte erkennen, dann lernen wir sie auch ins Leben einführen. Es ist dem Theosophen ganz gleichgültig, ob man für oder wider die Theosophie streitet mit den gewöhnlichen, dialektischen Gründen. Bei der Theosophie kommt es darauf an, dass sie ein Instrument werde zum Leben, dass sie mehr und mehr eingreift in das Leben. In der nächsten Zeit der Kulturentwicklung wird sich zeigen, was die Menschen der Theosophie verdanken: dass die Menschen durch die Theosophie arbeitsfreudig und hoffnungsfreudig werden.

[ 29 ] The meaning of life becomes clear when we recognize what lies behind life and incorporate it into the impulses that guide our actions. Theosophy is intended for energetic people who want to create in this life. As we learn to recognize the spiritual forces, we also learn to integrate them into our lives. The theosophist is completely indifferent to whether people argue for or against theosophy using ordinary, dialectical arguments. What matters in theosophy is that it becomes an instrument for life, that it increasingly takes hold in life. In the coming phase of cultural development, it will become clear what humanity owes to Theosophy: that through Theosophy, people will become joyful in their work and full of hope.

[ 30 ] Die Theosophie ist ein Heilmittel für die Menschheit. Wenn sie sich als solches bewahrheitet, dann bedarf sie keiner anderen logischen Beweise. Wenn die Theosophie gesundend auf die Menschen wirkt, dann wird sie durch die Tatsachen des Lebens bewiesen werden.

[ 30 ] Theosophy is a remedy for humanity. If it proves itself to be such, then it requires no other logical proof. If Theosophy has a healing effect on people, then it will be proven by the facts of life.