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The Essence of Anthroposophy
within the World Of Sense, Soul And Spirit
GA 68b

21 January 1907, Nuremberg

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The Circular Flow of Man's Life, tr. SOL
  1. Der Kreislauf des Menschen

7. Wie Begreift man Krankheit und Tod?

7. How Do We Understand Illness and Death?

[ 1 ] Man spricht von Welträtseln. Im Grunde genommen ist der Mensch zunächst von solchen Rätseln [des Daseins überall] umgeben; [und] an jegliches Ding und Wesen können wir Fragen stellen, die tief, tief hineinführen in die Tiefen des Lebens und des Seins. Aber es gibt gewisse einzelne, besonders hoch aufragende Säulen innerhalb dieses Rätselhaften des Daseins, und zu ihnen gehören ohne Zweifel diejenigen, die man mit den beiden Worten bezeichnet, die heute den Gegenstand unserer Betrachtung bilden sollen: Krankheit und Tod.

[ 1 ] People speak of the mysteries of the world. Essentially, human beings are, from the very beginning, surrounded by such mysteries [of existence everywhere]; [and] we can ask questions about every thing and being that lead us deep, deep into the depths of life and being. But there are certain individual, particularly towering pillars within this mystery of existence, and among them are undoubtedly those designated by the two words that are to be the subject of our consideration today: illness and death.

[ 2 ] Ist das Leben für viele rätselhaft — Krankheit und Tod stellen sich hinein in dieses Leben, um es uns recht rätselhaft zu machen, der Tod als dasjenige, was als ein Entgegengesetztes dem Leben gegenübertritt, die Krankheit wie ein Störenfried. Und nicht nur insofern sind diese beiden Dinge Rätsel des Lebens, als sie zum Nachdenken anregen, sondern sie sind rätselhaft, weil sie uns Sorgen, für viele Menschen Furcht und Bangen hervorrufen. Daher dürfen wir uns nicht verwundern, dass Krankheit und Tod von jeher, seit Menschengedenken, herausgefordert haben den Forschungstrieb aller derjenigen, die nachdenken wollten über das Dasein, über die Welt. Es würde hier eine lange Reihe von tiefen Weltendenkern angeführt werden müssen, wenn ich Ihnen heute alles das erzählen wollte, das gesagt worden ist über die beiden Begriffe: Krankheit und insbesondere über den Tod. Das kann ja meine Aufgabe nicht sein. Wir wollen im Sinne der Geisteswissenschaft eindringen in diese beiden Fragen.

[ 2 ] Is life a mystery to many?—Illness and death intrude upon this life, making it quite mysterious to us: death as that which stands opposed to life, and illness as a troublemaker. And these two things are not only mysteries of life insofar as they inspire reflection; they are mysterious because they cause us worry—and for many people, fear and dread. Therefore, we should not be surprised that illness and death have, since time immemorial, challenged the investigative drive of all those who wished to reflect on existence and on the world. I would have to list a long series of profound thinkers here if I were to tell you today everything that has been said about these two concepts: illness and, in particular, death. That, of course, cannot be my task. Let us delve into these two questions from the perspective of spiritual science.

[ 3 ] Nur damit Sie sehen, welche schöne Aufgabe unser harrt, sei auf einiges wenige hingewiesen, was von bedeutenden Menschen beigebracht worden ist, um diesen Dingen näherzutreten. Schopenhauer, der Philosoph des Pessimismus, der über das Leid des Lebens nachgedacht hat und von ihm berührt worden ist, sagte, das Leben sei eine missliche Sache, und er wolle es zunächst damit hinbringen, dass er über dasselbe nachdenke. Dieser hat Mannigfaltiges über den Tod vorgebracht. Aber wenn wir es uns nur ein wenig vorlegen, so sehen wir, dass selbst ein tiefer Denker diesen Fragen gegenüber leicht versagen kann. Eine Sache scheint uns grotesk: Schopenhauer hat versucht, eine Art Gefühlsverständnis der Menschheit zu eröffnen gegenüber dem Tod. Er sagte: Der Mensch fürchtet sich vor dem Tode. Wahrlich, da das Leben eine so schlimme Sache ist, braucht er das nicht, denn der Tod ist ein Erlöser. Empfindet man das Leben als ein Leidvolles, so tröstet der Tod. Man kann sich sagen, er schließt es. — So sah Schopenhauer in den schlimmen Seiten des Lebens einen Trost gegenüber dem Tod, und im Tod einen Trost gegenüber der schlimmen Sache des Lebens.

[ 3 ] Just so you can see what a wonderful task lies ahead of us, let me point out a few things that have been taught by prominent figures to help us gain a deeper understanding of these matters. Schopenhauer, the philosopher of pessimism, who reflected on the suffering of life and was moved by it, said that life is a miserable affair, and that he wished to cope with it, for the time being, by reflecting on it. He had much to say about death. But if we consider it even briefly, we see that even a profound thinker can easily fall short when confronting these questions. One thing strikes us as grotesque: Schopenhauer attempted to open up a kind of emotional understanding of humanity’s relationship to death. He said: “Man fears death.” Truly, since life is such a terrible thing, he does not need to fear it, for death is a deliverer. If one perceives life as a source of suffering, then death brings comfort. One can tell oneself that it brings life to a close. — Thus Schopenhauer saw in the terrible aspects of life a consolation in the face of death, and in death a consolation in the face of the terrible reality of life.

[ 4 ] An einer andern Stelle seiner Schriften hat er versucht, in einer nicht so grotesken Weise, aber in nicht viel glücklicherer Art sich über die Notwendigkeit des Todes auszusprechen. Da lässt er den Erdgeist sprechen. [Dieser sagt:] Platz brauche ich für meine vielen Lebewesen, daher muss ich sie hinwegräumen, daher brauche ich den Tod. So ist für den lenkenden Geist der Erde der Tod eine bloße Raumfrage.

[ 4 ] Elsewhere in his writings, he attempted to address the necessity of death in a manner that was not quite so grotesque, though not much more successful. There, he has the Earth Spirit speak. [The Earth Spirit says:] “I need space for my many living beings; therefore, I must remove them; therefore, I need death.” Thus, for the guiding Spirit of the Earth, death is merely a matter of space.

[ 5 ] Eduard von Hartmann sagt in seinem letzten Buch: Es liegt in der Natur der lebendigen Wesen, [und] namentlich des Menschen.

[ 5 ] Eduard von Hartmann says in his latest book: It is in the nature of living beings, [and] particularly of human beings.

[ 6 ] Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass wir im Sinne der Geisteswissenschaft über Tod und Krankheit nur vom Menschen heute sprechen werden. Denn die Rätsel der Welt sind so mannigfaltig, und nur derjenige, der alles über einen Leisten schlagen möchte, kann dasjenige, was über eine Sache erforscht ist, auf etwas anderes anwenden. Für den echten Geistesforscher sind die Dinge, die auch scheinbar gleich sind, wie Krankheit und Tod, so ganz verschieden für verschiedenartige Wesen. Hartmann sagt, der Mensch sei so eingerichtet, dass er in einer gewissen Zeit seines Lebens das Verständnis verliert für seine Umwelt, und eine junge Generation muss nachkommen, die dieses Verständnis hat. Der Mensch würde ein Fremdling sein innerhalb der Welt, wenn er nicht hinweggenommen würde. — Sie sehen, wieder nichts Erhebliches! Was sollen wir daraus machen?

[ 6 ] I would like to point out that, in the context of spiritual science, we will speak only of human beings today when discussing death and illness. For the mysteries of the world are so manifold, and only those who wish to treat everything with a one-size-fits-all approach can apply what has been researched about one thing to something else. For the true spiritual researcher, things that are even seemingly the same—such as illness and death—are so entirely different for different kinds of beings. Hartmann says that human beings are constituted in such a way that, at a certain point in their lives, they lose their understanding of their environment, and a younger generation must follow that possesses this understanding. Human beings would be strangers within the world if they were not taken away. — You see, once again, nothing of substance! What are we to make of this?

[ 7 ] Ein Wort aber leuchtet durch die Zeiten, welches für Tausende und Abertausende von Menschen eine Art Lösung in sich geschlossen hat des Problems vom Tod, allerdings ein Wort, das heute nicht einmal seinem Wortsinne nach verstanden wird; es rührt her von Paulus und heißt:

[ 7 ] One word, however, shines through the ages, a word that has offered a kind of solution to the problem of death for thousands upon thousands of people—though it is a word that today is not even understood in its literal sense; it comes from Paul and reads:

Der Tod ist der Sünde Sold. (Röm 6,23)

The wages of sin is death. (Rom. 6:23)

[ 8 ] Es ist begreiflich, dass ein Mensch mit heutigen Begriffen und Vorstellungen, der sich so wenig bekannt gemacht hat mit der Geisteswissenschaft, sich nicht befreunden kann mit einem solchen Wort. Er hat gelernt, in dem Tod und in der Krankheit natürliche Vorgänge zu sehen, und es liegt ihm ganz und gar fern, etwas [rein] Natürliches, was sich abspielt innerhalb der Welt rein natürliche[r] Prozesse, [so etwas] anzusehen als eine Wirkung von etwas Moralischem, von etwas, was der Willkür und dem freien Willen des Menschen anhängt, der Sünde. Dass Moralisches die Ursache sein kann von etwas Organischem, liegt dem Denken unserer Zeit fern. Wenn also das Wort des Apostels dem Wortlaute nach richtig verstanden würde, würde es ganz vergeblich sein, über dasselbe zu unseren Zeitgenossen zu sprechen. Aber es wird eben nicht einmal dem Wortlaut nach richtig verstanden. Es ist doch die Bibel ein merkwürdiges Geheimbuch, und diejenigen, welche glauben, es am besten zu verstehen, dringen in der Regel am wenigsten in seinen Geist ein.

[ 8 ] It is understandable that a person with today’s concepts and ideas, who has familiarized himself so little with spiritual science, cannot come to terms with such a word. He has learned to view death and illness as natural processes, and it is entirely foreign to him to regard something [purely] natural phenomenon—one that takes place within the realm of purely natural processes—[such a thing] as an effect of something moral, of something connected to human arbitrariness and free will, namely sin. The idea that something moral could be the cause of something organic is foreign to the thinking of our time. So if the Apostle’s words were understood correctly according to their literal meaning, it would be entirely futile to discuss them with our contemporaries. But they are not even understood correctly according to their literal meaning. The Bible is indeed a strange, enigmatic book, and those who believe they understand it best are, as a rule, the ones who penetrate its spirit the least.

[ 9 ] Wir werden in unser Thema leichter hineindringen und eher Stimmung gewinnen, wenn wir es zunächst einmal ganz aus dem Geist seines Verfassers und aus dem Denken derjenigen Menschen heraus zu verstehen suchen, aus deren Kreis der Apostel Paulus herausgewachsen ist, der alten hebräischen Gelehrten.

[ 9 ] We will find it easier to delve into our topic and be more likely to gain a sense of its spirit if we first seek to understand it entirely from the perspective of its author and from the mindset of the people from whose midst the Apostle Paul—the ancient Hebrew scholar—emerged.

[ 10 ] «Sünde» bedeutet nämlich in diesem Zusammenhang etwas ganz anderes als dasjenige, was man heute moralische Verfehlung nennt. Und wer Sünde so auffasst wie die heutige Kirchenlehre, der versteht dieses Wort nicht. Wir gelangen zu einem Verständnis, wenn wir uns vorstellen dasjenige, was Paulus eine Entwicklungslehre genannt hat. Nicht in gelehrter Weise, sondern nur andeutungsweise möchte ich es Ihnen erzählen. Es ist ein Aberglaube der modernen Wissenschaft, dass das Wort «Entwicklung» erst in den letzten Jahrhunderten entdeckt worden sei. Über Entwicklung, Hervorgehen des Vollkommenen aus dem Unvollkommenen, hat man immer gesprochen und gedacht. Nur hat der Geheimwissenschafter der Zeit, aus der Paulus herausgewachsen ist, gesagt: Die Lebewesen stellen eine Stufenfolge dar, vom unvollkommensten Wesen bis hinauf zum vollkommensten Wesen. Des Menschen Organisation hat man so förmlich als ein Ziel gedacht, zu dem alle anderen Lebewesen hinstreben. Sie vervollkommnen sich immer mehr, um so zu werden, wie der menschliche Organismus aufgebaut ist.

[ 10 ] In this context, “sin” means something entirely different from what we today call a moral transgression. And anyone who understands sin in the same way as modern church doctrine does not understand this word. We arrive at an understanding when we imagine what Paul called a “theory of development.” I would like to explain this to you not in a scholarly manner, but merely by way of suggestion. It is a superstition of modern science to believe that the word “development” was only discovered in the last few centuries. People have always spoken and thought about development—the emergence of the perfect from the imperfect. However, the esoteric scholars of the era from which Paul emerged said: Living beings represent a sequence of stages, from the most imperfect being all the way up to the most perfect being. The human organism was thus formally conceived as a goal toward which all other living beings strive. They perfect themselves more and more in order to become like the human organism.

[ 11 ] Aber was hat das für einen Sinn, dass der menschliche Organismus gerade so aufgebaut ist und die anderen Lebewesen ihn zum Ziel haben? Den Sinn hat es für Paulus, dass der menschliche Leib bergen sollte eine Seele mit Selbstständigkeit. Man sagte sich: Soll eine Seele leben, die in sich selbst finden kann den Antrieb zum Handeln, aus sich selbst Entschlüsse zu fassen, die in dem Wort «Freiheit» oder «Willkür» sich ausdrückt als ein Mittelpunkt des Wesens, dann muss sie gerade einen solchen Leib haben. Deshalb müsste die ganze Reihe der Lebewesen unter dem Einfluss dieser Freiheit diesen Weg nehmen. So ist der menschliche Organismus so organisiert, dass sich in ihm eine freie Seele selbstständig ausdrücken kann.

[ 11 ] But what is the point of the human organism being structured in this particular way, and of other living beings having it as their goal? For Paul, the point is that the human body is meant to house a soul endowed with autonomy. People reasoned: If a soul is to live—one that can find within itself the impetus to act, to make decisions of its own accord, expressed in the word “freedom” or “arbitrariness” as the core of its being—then it must have precisely such a body. Therefore, the entire spectrum of living beings, under the influence of this freedom, must follow this path. Thus, the human organism is organized in such a way that a free soul can express itself autonomously within it.

[ 12 ] Was ist eine selbstständige Seele? Betrachten Sie das Universum, das Weltenall. Sehen Sie sich die Lebewesen an! Sie stehen alle in einem Zusammenhang mit der Umgebung; dieser wird gelockert, je weiter wir hinaufdringen zum Menschen. Selbstständig werden die Lebewesen, am selbstständigsten ist der Mensch. Er stellt sich als ein durch sich frei bewegliches Wesen dem Kosmos gegenüber. Aber auch er ist aus diesem Universum ja herausgewachsen. Ist es nicht so, dass wir uns das Ganze durch einen sehr einfachen Vergleich klarmachen können? Nehmen Sie ein Glas Wasser; viele Tropfen sind darin. Ein jeglicher Tropfen ist in dieser Wassermasse enthalten, ohne dass wir ihn unterscheiden können von der Masse. Wenn Sie ihn aber herausheben, wenn er selbstständig wird, dann stellt er sich als erwas Unabhängiges gegenüber dem Ganzen dar, und könnte er Kräfte in sich entwickeln, dann würden wir seine Stellung vergleichen können mit der Stellung des Menschen zum Kosmos. Solange der Tropfen im ganzen Wasser darinnen ist, drückt er diejenigen Strömungen aus, die aus der Masse herauskommen. Selbstständig geworden, wirkt er zurück, wie eine entgegengesetzte Kraft auf die Masse.

[ 12 ] What is an independent soul? Consider the universe, the cosmos. Look at living beings! They are all connected to their environment; this connection becomes looser the further we ascend toward human beings. Living beings become increasingly independent, with human beings being the most independent of all. Human beings stand before the cosmos as beings capable of moving freely of their own accord. Yet even they have, after all, grown out of this universe. Can we not clarify this whole concept for ourselves through a very simple comparison? Take a glass of water; it contains many drops. Each drop is contained within this mass of water without us being able to distinguish it from the mass. But if you lift it out—if it becomes independent—then it presents itself as something independent of the whole; and if it were able to develop forces within itself, we could compare its position to that of humankind in relation to the cosmos. As long as the drop is within the body of water, it expresses the currents that emanate from the body of water. Once it has become independent, it acts back upon the body of water as an opposing force.

[ 13 ] So ist es auch beim Menschen, das heißt ja «selbstständig sein». Wenn nun aber sich alles als Besonderes heraushöbe, so würde das ja die ganze Harmonie zerstören, und das muss sie zerstören, wenn nicht wieder eine Harmonie gefunden wird. So geht der Mensch tatsächlich durch einen Standpunkt des Heraushebens aus dem Universum, des Sich-Entgegenstellens gegen es hindurch. Mit andern Worten: Es ist in der Entwicklungslehre des Paulus begründet, dass das menschliche Wesen, um zu Selbstständigkeit zu kommen, in eine Art feindliches Verhältnis tritt zum Universum. Paulus sagt: Selbstständigkeit und Freiheit müssen entstehen aus dem Egoismus heraus. Wäre der Mensch niemals zum Egoismus hingeführt worden, [so] könnte er nicht frei werden. Ein Wesen, das am Gängelband gezogen würde, das hätte niemals Egoist werden können, könnte auch nicht frei werden.

[ 13 ] The same is true of human beings; that is, “to be independent.” But if everything were to set itself apart as something special, that would destroy the entire harmony—and it must destroy it unless harmony is restored. Thus, human beings do indeed proceed from a standpoint of setting themselves apart from the universe, of opposing it. In other words: It is grounded in Paul’s doctrine of development that, in order to attain independence, the human being enters into a kind of hostile relationship with the universe. Paul says: Autonomy and freedom must arise out of egoism. If human beings had never been led toward egoism, [then] they could not become free. A being kept on a leash could never have become egoistic, nor could it become free.

[ 14 ] Dieses Freiwerden, das also auf der Basis des Egoismus sich aufbaut, dieses Aufnehmen der Selbstsucht durch ein Wesen, das bezeichnet Paulus als Sünde. Selbstsucht ist für ihn die Ursünde. Und daher war es mit dem Wesen des Menschen verbunden, das zur Sünde sich entwickelte, dass ein Leib organisiert wurde, durch den ganzen Hergang der Entwicklung auf diese Sünde hin. Ein solcher Leib konnte aber nicht anders als sterblich sein, wegen seiner Losgelöstheit. So erfordert die Wesenheit des Menschen zu ihrer Selbstständigkeit einen sterblichen Leib. Wer da hineindringt, der wird sehen, dass dasjenige, was gesagt worden ist, völlig sich mit Paulus” Ansicht deckt. Und das wird uns die Stimmung abgeben zu dem, was wir zu betrachten haben.

[ 14 ] This liberation, which is thus built upon the foundation of egoism—this embrace of selfishness by a being—is what Paul calls sin. For him, self-interest is original sin. And therefore, it was connected to the nature of the human being—which developed into sin—that a body was organized throughout the entire course of development leading to this sin. Such a body, however, could not help but be mortal, due to its detachment. Thus, the human being’s essence requires a mortal body for its independence. Whoever delves into this will see that what has been said is entirely consistent with Paul’s view. And this will set the tone for what we are about to consider.

[ 15 ] Noch ein anderer hat ein schönes Wort über den Tod gesagt: Goethe. In dem Aufsatz: «Natur, wir sind von ihr umgeben und umschlungen» — steht auch das Wort: Die Natur ist überall lebendig, sie hat den Tod erfunden, um viel Leben zu haben. — Das sollen Einleitungsworte sein, um Ihnen die Richtung anzugeben, von der aus wir nun im Sinne der Geisteswissenschaft in unser Thema eindringen wollen.

[ 15 ] Yet another person has spoken beautifully about death: Goethe. In the essay “Nature: We Are Surrounded and Enveloped by It”—the following words also appear: “Nature is alive everywhere; she invented death in order to have abundant life.” — These are meant to serve as an introduction to set the direction from which we now wish to explore our topic in the spirit of spiritual science.

[ 16 ] Wir müssen, wenn wir verstehen wollen diese zwei wichtigen Begebenheiten des menschlichen Lebens, Krankheit und Tod, eingehen auf die Wesenheit und Natur des Menschen; und so werden Sie gestatten, dass ich wiederholend sage, welches dieses Wesen des Menschen ist. Nur ganz kurz kann dies geschehen. Dasjenige, was der naturalistische [materialistische] Denker, die sinnenfällige Auffassung, als das Ganze des Menschen betrachtet, seinen physischen Leib, das ist für die Geisteswissenschaft nur ein Teil der menschlichen Wesenheit. Diesen physischen Leib hat der Mensch gemeinschaftlich mit allen sogenannten leblosen Wesen, die uns umgeben. In diesem physischen Leib finden sich zusammen alle Stoffe und Kräfte, oder gerade solche Kräfte, wie sie draußen in der sogenannt leblosen Welt spielen. Es ist dasselbe, was das Mineral ist.

[ 16 ] If we wish to understand these two important events in human life—illness and death—we must examine the essence and nature of the human being; and so please allow me to reiterate what this essence of the human being is. This can only be done very briefly. What the naturalistic [materialistic] thinker—the sensory perception—regards as the whole of the human being, namely the physical body, is, for spiritual science, only a part of the human essence. Human beings share this physical body with all the so-called inanimate beings that surround us. This physical body brings together all the substances and forces—or precisely the same forces—that are at work out there in the so-called inanimate world. It is the very same as a mineral.

[ 17 ] Ende des achtzehnten Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts galt es auch als wissenschaftlich, in einer bestimmten Richtung zu sagen: Dasjenige, was lebt, das ist nicht bloß eine Kombination von Stoffen und Kräften, sondern, das, was lebt, das hat noch eine besondere Kraft in sich, welche die Stoffe und Kräfte der leblosen Welt in ganz bestimmte Kombination bringt, in innere Regsamkeit bringt, zum Leben anfacht; und dies nannte man die Lebenskraft. So, sagte man, haben der Mensch, das Tier, die Pflanze Lebenskraft in sich. Und diese macht es, dass nicht nur ein chemischer Prozess sich im Magen und in der Blutmischung abspielt, sondern dass das Ganze lebt. Lebenskraft ist ein Wort geworden, das man hat nur aussprechen dürfen in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, und man ist von gewisser Richtung als rückständig angesehen worden, als ein Tor.

[ 17 ] At the end of the eighteenth century and during the first half of the nineteenth century, it was also considered scientific to state, in a certain vein: That which lives is not merely a combination of substances and forces; rather, that which lives possesses a special force within itself that brings the substances and forces of the inanimate world into very specific combinations, imparts inner activity to them, and kindles life within them; and this was called the life force. Thus, it was said, humans, animals, and plants possess this life force within themselves. And it is this that ensures that not only does a chemical process take place in the stomach and in the bloodstream, but that the whole organism is alive. “Vital force” became a term that one was only permitted to utter in the second half of the nineteenth century, and those who used it were regarded by certain circles as backward, as fools.

[ 18 ] Heute aber, seit einer Reihe von Jahren ist man kein so großer Tor [vor der Wissenschaft], wenn man dieses Wort ausspricht. Denn diejenigen, die heute den etwas vorgerückten Stand der Wissenschaft von den Lebenserscheinungen betrachten, können nicht umhin, sich zu sagen: In den Wesen ist mehr als ein bloßer chemisch-physikalischer Prozess. Und viele sind auf dem Standpunkt, dass sie von einer Lebenskraft sprechen. Sie wissen, das ist eine Spekulation. Die Geisteswissenschaft steht nicht auf diesem Standpunkt der Spekulation. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass es eine höhere Erfahrung gibt, dass der Mensch mehr zu sehen vermag, wenn gewisse Kräfte, die in seiner Seele schlummern, erweckt sind. Vergleich mit dem Blindgeborenen und Sehendgewordenen: Niemals kann der entscheiden, ob etwas ist, der es nicht sieht, sondern der, der es sieht. Es gibt keine Möglichkeit, von Grenzen der Erkenntnis zu sprechen. Denn der Mensch macht die Entdeckung, dass er so viele Welten um sich hat, als er Organe hat, [um] sie wahrzunehmen. Dadurch unterscheidet sich die Geisteswissenschaft von dem, was man heute Wissenschaft nennt, dass sie ausgeht, die Dinge zu besprechen, die durch die Erweckung von Organen als Neues in unser Dasein hereindringen.

[ 18 ] Today, however—and this has been the case for a number of years now—one is no longer considered such a fool [in the eyes of science] for uttering this word. For those who today consider the somewhat advanced state of scientific understanding of life phenomena cannot help but say to themselves: There is more to living beings than a mere chemical-physical process. And many take the position that they speak of a life force. They know this is speculation. Spiritual science does not take this speculative stance. It takes the position that there is a higher experience, that human beings are capable of perceiving more when certain forces slumbering in their souls are awakened. Consider the comparison with the man born blind who has regained his sight: it is never the one who does not see something who can decide whether it exists, but rather the one who sees it. There is no way to speak of the limits of knowledge. For human beings discover that they have as many worlds around them as they have organs [with which] to perceive them. This is how spiritual science differs from what is called science today: it sets out to discuss the things that enter our existence as something new through the awakening of these organs.

[ 19 ] Nehmen Sie an, hier stünde ein Klavier, ein Spieler spielte, es säße daneben ein Tauber; der kann von dem nichts hören, was der Spieler den Saiten entlockt. Aber es gibt eine Methode, sie ihm wahrnehmbar zu machen, diese Dinge, die da vorgehen. Man setzt Papier-Reiterchen auf die Saiten, sie werden durch das Spielen abgeworfen, eine gewisse Anschauung kann er bekommen von dem, was die anderen hören. Wie sich dem [Tauben] seine Welt der Töne, die er nur auf dem Umweg der Reiterchen wahrnimmt, verhält zu der Welt der Hörenden, so verhält sich dasjenige, was innerhalb der materiellen Welt erforscht wird, zu dem, was einer erfahren kann, dem höhere Organe erschlossen sind. Und nichts anderes nimmt dieser als seine Behauptung in Anspruch, als die Wahrheit, dass es zu allen Zeiten Menschen gegeben hat, die solche höheren Organe hatten und eine andere Welt sahen. Nicht durch Spekulation, sondern durch eine höhere Wahrnehmung kommt die Geisteswissenschaft auf das, was sie nun ähnlich der erspekulierten Lebenskraft den Lebensleib oder Ätherleib nennt. Das ist dasjenige, was die leblosen Stoffe, die bloß chemisch-physischen Prozesse zum Leben aufruft und was der Mensch gemeinsam hat mit der Pflanzen- und Tierwelt.

[ 19 ] Suppose there were a piano here, a pianist playing it, and a deaf person sitting next to it; the deaf person cannot hear anything the pianist is coaxing from the strings. But there is a way to make these things that are happening perceptible to him. You place small paper tabs on the strings; as the pianist plays, they are knocked off, allowing the deaf person to gain some sense of what others are hearing. Just as the [deaf person’s] world of sounds—which he perceives only indirectly through the little paper tabs—relates to the world of those who can hear, so does what is explored within the material world relate to what can be experienced by those who have access to higher senses. And this claims nothing other than the truth that there have always been people who possessed such higher organs and saw another world. It is not through speculation but through a higher form of perception that spiritual science arrives at what it now calls the life body or etheric body—similar to the speculative concept of the life force. This is what brings lifeless matter, which is subject only to chemical and physical processes, to life, and what human beings have in common with the plant and animal worlds.

[ 20 ] Das dritte Glied des Menschenwesens ist der sogenannte astralische Leib. Er ist der Träger von alledem, was wir nennen Lust und Leid, Freude und Schmerz, Affekte, Leidenschaften, Triebe und so weiter. Die Pflanzen haben ihn noch nicht, diesen astralischen Leib, nur das Tier und der Mensch. Das Wesen, das ihn hat, verhält sich anders zur Außenwelt. Heute wird vielfach sogar von Gelehrten der Unterschied zwischen Pflanze und Tier verwischt, indem man sagt, auch die Pflanze hätte gewisse Empfindungen, und [man] beruft sich darauf, dass gewisse Pflanzen, auf die man einen Reiz ausübt, ihre Blätter zusammenziehen. Das ist gegenüber der Geisteswissenschaft ein dilettantisches Gerede. Wenn es bloß darauf ankäme, dass ein Wesen von innen heraus mit einer Bewegung antwortete, wenn man es reizt, könnte man auch behaupten, dass Löschpapier, das Tinte einzieht, ein empfindendes Wesen wäre.

[ 20 ] The third aspect of the human being is the so-called astral body. It is the vehicle for everything we call pleasure and suffering, joy and pain, emotions, passions, instincts, and so on. Plants do not yet possess this astral body; only animals and humans do. The being that possesses it relates differently to the external world. Today, even scholars often blur the distinction between plants and animals by claiming that plants, too, have certain sensations, citing the fact that certain plants contract their leaves when stimulated. From the perspective of spiritual science, this is mere amateurish talk. If it were merely a matter of a being responding from within with a movement when stimulated, one could just as well claim that blotting paper that absorbs ink is a sentient being.

[ 21 ] Das sind Dinge, die, da sie vorkommen, höchst gefährlich sind, denn sie verwirren die Sinne des Menschen, wenn sie, wie heute, von Autoritäten vorgebracht werden. Wahr ist vielmehr nur das, dass zum Empfinden gehört, was eine Spiegelung des äußeren Reizes ist, nicht das, was nur sich regt und Antwort gibt. Es darf nicht nur das Wesen unter dem Einfluss eines Reizes etwas tun, sondern es muss sich im innersten Wesen eine Spiegelung für den Reiz abspielen. Nicht nur darf uns die Spitze einer Nadel berühren und dürfen wir sie abwehren, sondern es muss das Einstechen mit einem inneren Vorgang — Schmerz oder Lust — verknüpft sein; das gehört dazu. Ein Wesen, das solche inneren Vorgänge hat, hat einen Astralleib. Diesen hat der Mensch mit dem Tier gemeinsam.

[ 21 ] These are things that, because they occur, are extremely dangerous, for they confuse the human senses when, as is the case today, they are put forward by authorities. Rather, the only truth is that sensation consists of what is a reflection of the external stimulus, not of what merely stirs and responds. It is not enough for a being to simply do something under the influence of a stimulus; rather, a reflection of the stimulus must take place within its innermost being. It is not enough for the tip of a needle to touch us and for us to ward it off; the pricking must be linked to an inner process—pain or pleasure—; that is part of it. A being that experiences such inner processes possesses an astral body. This is what humans share with animals.

[ 22 ] Die Krone der Schöpfung ist er dadurch geworden, dass er imstande ist, zu sich «Ich» zu sagen. Das Ich, jene Kraft, die ihn dazu befähigt — sagen wir Ichleib —, das ist das vierte Glied der menschlichen Wesenheit, sodass wir zunächst vier Glieder im Menschen anerkennen. Von den höheren Gliedern können wir absehen. Wir werden die Verhältnisse, die im Laufe eines Menschenlebens auftreten, und Krankheit und Tod verstehen, wenn wir die Beziehungen dieser vier Glieder ein wenig genauer kennenlernen. Sowohl der heutige Vortrag wie der morgige stützen sich darauf, richtig darzustellen die verschiedenen Glieder der menschlichen Wesenheit. Wir können das, wenn wir die menschliche Entwicklung verfolgen. Nur skizzenhaft kann das hier geschehen; eine Anregung soll es sein.

[ 22 ] He has become the crown of creation because he is capable of saying “I” to himself. The “I”—that force which enables him to do so—let us call it the “I-body”—is the fourth member of the human being, so that we initially recognize four members in the human being. We can set aside the higher members for now. We will understand the circumstances that arise in the course of a human life, as well as illness and death, if we come to know the relationships between these four elements a little more closely. Both today’s lecture and tomorrow’s are based on correctly presenting the various elements of the human being. We can do this by tracing human development. Here, this can only be done in outline form; it is intended as a starting point.

[ 23 ] Wir gehen von der physischen Geburt des Menschen aus, machen uns klar, was diese darstellt. Vor dieser Geburt ist der Menschenkeim von der Außenwelt abgeschlossen. Er ruht im Leibe der Mutter; der physische Menschenleib ist allseitig von einer anderen physischen Materie umgeben, und die Geburt bedeutet, dass diese umhüllende Materie zurückgedrängt wird und dasjenige, was sich als Organe im Menschenleib entwickelt hat, unmittelbar der äußeren physischen Welt ausgesetzt wird. So ist die physische Geburt ein Zurückdrängen der physischen Hülle und ein freies Heraustreten des Menschenleibes in die physische Umwelt.

[ 23 ] We begin with the physical birth of a human being and consider what this entails. Before this birth, the human embryo is sealed off from the outside world. It rests within the mother’s body; the physical human body is surrounded on all sides by other physical matter, and birth means that this enveloping matter is pushed back and that which has developed as organs within the human body is directly exposed to the external physical world. Thus, physical birth is the pushing back of the physical shell and the free emergence of the human body into the physical environment.

[ 24 ] Die Geisteswissenschaft spricht nun nicht bloß von dieser Geburt des Menschen, sondern noch von anderen; und das muss man verstehen. Bis zu dieser physischen Geburt ist der physische Menschenleib von einer äußeren physischen Hülle umgeben, die ihn nährt und schützt, die ihre Säfte in ihn hineinschickt. Das, was bis zur physischen Geburt mit dem physischen Menschenleib der Fall ist, ist bis zu einem bestimmten Zeitpunkt der menschlichen Entwicklung mit dem Ätherleib der Fall. Der Ätherleib ist, wenn der Mensch physisch geboren ist, für den Eingeweihten noch lange umhüllt von einer schützenden Mutterhülle aus Äthermaterie. Wenn der Mensch physisch geboren ist, ist er noch nicht ätherisch geboren.

[ 24 ] Spiritual science speaks not only of this birth of the human being, but also of others; and this must be understood. Up until this physical birth, the physical human body is surrounded by an outer physical shell that nourishes and protects it, sending its vital fluids into it. What is true of the physical human body up to the time of physical birth is true of the etheric body up to a certain point in human development. Even after a person is physically born, the etheric body remains, for the initiate, enveloped for a long time in a protective maternal sheath of etheric matter. When a person is physically born, they are not yet etherically born.

[ 25 ] Nicht so rasch wie die physische Geburt spielt sich die Geburt des Ätherleibes ab; sie geht nach und nach vor sich; nach und nach [schiebt der Ätherleib die Ätherhüllen von sich, nach und nach] tritt er heraus, in der Zeit, in welcher der junge Mensch den sogenannten Zahnwechsel vollzieht, gegen das siebte Jahr zu. Genauso, wie der physische Leib bis zur physischen Geburt von der physischen Hülle umgeben ist, so ist der Ätherleib bis zur Ätherleibgeburt von der schützenden Ätherhülle umgeben. Für die Geisteswissenschaft geschieht mit dem Zahnwechsel etwas ganz Ähnliches wie für die äußere Betrachtung bei der physischen Geburt.

[ 25 ] The birth of the etheric body does not take place as quickly as physical birth; it occurs gradually; little by little [the etheric body pushes the etheric sheaths away from itself, little by little] it emerges, during the time when the young person undergoes what is known as the change of teeth, around the age of seven. Just as the physical body is surrounded by the physical sheath until physical birth, so too is the etheric body surrounded by the protective etheric sheath until the birth of the etheric body. From the perspective of spiritual science, something very similar occurs during the change of teeth as is observed externally during physical birth.

[ 26 ] Und wenn der Ätherleib geboren ist, hat noch nicht der Astralleib seine schützende Hülle verloren; und eine dritte Geburt findet statt. Das dritte Zurückdämmen der schützenden Hülle geschieht in ähnlicher Weise wie das Zurückdämmen der Ätherhülle mit dem Reifwerden des Menschen in geschlechtlicher Hinsicht, mit der Geschlechtsreife. Sie ist eine dritte Geburt. Wie der physische Leib allseitig ausgesetzt wird den physischen Eindrücken, so der Ätherleib in seiner Art seiner Außenwelt und der astralische Leib seiner Außenwelt.

[ 26 ] And when the etheric body is born, the astral body has not yet lost its protective sheath; and a third birth takes place. This third withdrawal of the protective covering occurs in a manner similar to the withdrawal of the etheric covering as the human being matures sexually—that is, upon reaching sexual maturity. It is a third birth. Just as the physical body is exposed on all sides to physical impressions, so too is the etheric body exposed to its own external world, and the astral body to its own.

[ 27 ] Diese Tatsachen der [Geisteswissenschaft] müssen wir zugrunde legen, wenn wir die menschliche Entwicklung verstehen wollen. Daher werden wir einsehen, dass die Zeit von der Geburt bis zum siebten Jahr für die Entwicklung des physischen Leibes eine ganz besonders wichtige ist. Nicht etwa, weil der physische Leib nachher sich nicht weiterentwickelte. Aber der physische Leib kommt bis zum siebten Jahr in eine ganz bestimmte Richtung hinein, zu einem ganz bestimmten Punkt. [Und] etwas geschieht in Bezug auf die physische menschliche Entwicklung, was charakteristisch ist: Das ist die Verfestigung, [die] Konsolidierung des physischen Leibes. Der menschliche physische Leib zeichnet sich dadurch aus, dass er einen Prozess der Verfestigung durchmacht. Die festen Teile, die ihm als Stütze dienen, sind Knochen. Und von den weichsten Teilen bis zum festen Knochensystem hin verläuft ein Verfestigungsprozess, und dieser Verfestigungsprozess, der macht seine hauptsächlichsten Eigenheiten bis zum siebten Jahre durch; und der Zahnwechsel, das Bekommen von eigenen Zähnen, ist der Schluss der Verfestigung. Da hat die Kraft der Verfestigung ihren Schluss erreicht, hat herausgesetzt, was sie an Verfestigung hineinarbeiten kann in den physischen Leib.

[ 27 ] We must take these facts of [spiritual science] as our starting point if we are to understand human development. We will therefore come to see that the period from birth to the age of seven is of particular importance for the development of the physical body. Not because the physical body does not continue to develop afterward. But up to the age of seven, the physical body moves in a very specific direction, toward a very specific point. [And] something characteristic occurs in relation to human physical development: this is the solidification, [the] consolidation of the physical body. The human physical body is characterized by the fact that it undergoes a process of solidification. The solid parts that serve as its support are the bones. And a process of solidification takes place from the softest parts all the way to the solid bone system, and this process of solidification reaches its most significant stage by the age of seven; and the change of teeth—the emergence of permanent teeth—marks the conclusion of this solidification. At that point, the force of solidification has reached its conclusion, having brought to fruition all that it can accomplish in terms of solidification within the physical body.

[ 28 ] Das ist wichtig. Man muss sich klarmachen, dass dieses Hineinarbeiten ins feste Gerüste zunehmend und zunehmend geschieht, und mit dem Herausdrücken der eigenen Zähne eine Art Schlusspunkt erhält. Die eigene Kraft arbeitet im Menschen, die ihm die Zähne gibt. Die vorigen Zähne sind ererbte; was in ihm selbst, in seiner eigenen Persönlichkeit an Kraft zu gestalten liegt, das drückt sich [zuletzt] in den eigenen Zähnen aus. Wenn dieser Punkt eingetreten ist, dann hört die im Menschen tätige Lebenskraft auf, jene Gebundenheit zu haben, die sie haben müsste. Jetzt drängt der Ätherleib zurück die schützende Ätherhülle, wird frei und arbeitet anders. Jetzt verrichtet er hauptsächlich die Dinge im Leib allein, die seine Aufgabe sind: Wachstum, Größerwerden des Leibes und so weiter, während er vorher beschäftigt gewesen ist, Gestaltungen zu machen. Jetzt wird das, was veranlagt ist, vergrößert. Jetzt ist eigentlich bis zur Geschlechtsreife der Ätherleib das Herrschende in der menschlichen Entwicklung, der frei gewordene Ätherleib. Er macht wieder einen Schlusspunkt, er drängt die Kraft des Bildens, des Wachstums bis zu dem Punkt, da das Wachstum über sich selbst hinausschreitet.

[ 28 ] This is important. One must realize that this process of working into the solid framework occurs more and more, and reaches a kind of culmination with the pushing out of one’s own teeth. One’s own power works within the human being, giving him his teeth. The earlier teeth are inherited; whatever creative power lies within the person himself, within his own personality, is [ultimately] expressed in his own teeth. When this point is reached, the life force active within the human being ceases to be bound by the constraints it would otherwise have to endure. Now the etheric body pushes back the protective etheric sheath, becomes free, and works differently. Now it primarily carries out within the body alone the tasks that are its responsibility: growth, the body’s development, and so on, whereas previously it had been occupied with creating forms. Now what is predisposed is brought to full development. From this point on, until sexual maturity, the etheric body—the etheric body that has become free—is actually the dominant force in human development. It draws another line under this phase, pushing the forces of formation and growth to the point where growth transcends itself.

[ 29 ] Wie die Kraft des Verfestigens in den Zähnen hinausgewachsen ist, so wächst in dem Reifenden bis zur geschlechtlichen Fortpflanzung die Kraft des Ätherleibs hinaus bis zu dem, was sie erreichen kann. Und in diesem Augenblick wird geboren der astralische Leib. Der ist jetzt frei, der ist jetzt nicht mehr eingeschlossen. So kompliziert ist allerdings die menschliche Entwicklung, wenn wir auf die vier Glieder schauen, die ihn zusammensetzen.

[ 29 ] Just as the power of solidification has developed in the teeth, so too does the power of the etheric body develop in the maturing individual, up to the point of sexual reproduction, reaching its full potential. And at that moment, the astral body is born. It is now free; it is no longer confined. Human development is, however, quite complex when we consider the four members that compose it.

[ 30 ] Wir müssen uns nun klarmachen, wie diese Glieder, [ob sie nun mehr oder weniger gebunden sind wie] vor den einzelnen Geburten; [oder ob] sie frei sind, [wie sie eigentlich im Menschen wirken]. Da betrachten wir zuerst den Ätherleib. Wir sehen, der Ätherleib ist dasjenige, was im menschlichen Wesen wirkt die Kraft des Wachstums, der Ernährung, der Fortpflanzung; davon ist der Ätherleib der Träger.

[ 30 ] We must now clarify how these members [whether they are more or less bound together as] before individual births; [or whether] they are free, [as they actually function within the human being]. Let us first consider the etheric body. We see that the etheric body is that which carries within the human being the forces of growth, nutrition, and reproduction; the etheric body is the bearer of these forces.

[ 31 ] Dasjenige aber, was den Menschen in ein Verhältnis bringt zur Umgebung, [was] ihn befähigt, in eine Wechselwirkung zu treten, das ist sein Astralleib. Während der Ätherleib des Menschen hauptsächlich im Inneren arbeitet, die Organe vergrößert, von [innen] heraus in der Fortpflanzung arbeitet, ist der Astralleib dasjenige, was da ist, um das Äußere dem Inneren zugänglich zu machen und mit ihm zu verbinden. Das geschieht fortwährend. Jeder Lichtstrahl, jedes Stück Nahrung, das der Mensch aufnimmt, ist eine Wechselwirkung zwischen dem Inneren des Menschen und der Außenwelt. Der Regulator ist der Astralleib, und im Wesentlichen wird das Verhältnis geregelt durch die Bedürfnisse, durch Lust und Schmerz, durch das Verlangen. Dasjenige, was der Mensch begehrt, eignet er sich an, und das Begehrungsvermögen ist der Ausdruck des Astralleibes. [Solches verlangt der Mensch von der Umgebung.] Sie sehen so, dass der Mensch verschiedene Aufgaben erfüllt durch seine Glieder. Das bedingt nun einen bedeutenden Unterschied in Bezug auf die Glieder im ganzen Leben des Menschen. Uns wird klar werden dieser Unterschied, wenn wir uns das Wesen des Schlafes vor Augen stellen. Wenn der Mensch schläft, sind hinuntergesunken Lust und Leid, alle Wechselwirkung mit der Außenwelt, alles, was der Astralleib vermittelt. Kein vernünftiger Mensch wird sagen, dass der Mensch am Abend vergeht und morgens neu entsteht. Sein Astralleib ist da, aber nicht so wie am Tage. Während am Tag dieser Astralleib im physischen Körper wohnt und durch die Organe des physischen Leibes die Dinge der Außenwelt auf sich ausströmen lässt und verarbeitet, ist er in der Nacht getrennt vom physischen Leib, berührt er den physischen Leib nicht. Beim Ätherleib ist das nicht der Fall. Was dieser zu tun hat, dauert fort während des Schlafes.

[ 31 ] But what brings a human being into a relationship with their surroundings—[what] enables them to interact—is their astral body. While the human etheric body works primarily on the inside—enlarging the organs and functioning from the inside out in the process of reproduction—the astral body is what exists to make the outside accessible to the inside and to connect it with the inside. This happens continuously. Every ray of light, every morsel of food that a human being takes in, is an interaction between the human being’s inner world and the outside world. The astral body acts as the regulator, and essentially, this relationship is governed by needs, by pleasure and pain, and by desire. A human being acquires whatever they desire, and the capacity for desire is the expression of the astral body. [This is what a person demands from their surroundings.] You see, a person fulfills various tasks through their limbs. This now entails a significant difference regarding the limbs throughout a person’s entire life. This difference will become clear to us when we consider the nature of sleep. When a person sleeps, pleasure and pain subside, as do all interactions with the outside world—everything mediated by the astral body. No reasonable person would say that a person ceases to exist in the evening and is reborn in the morning. Their astral body is present, but not in the same way as during the day. While during the day this astral body dwells within the physical body and, through the organs of the physical body, allows the influences of the external world to flow into it and processes them, at night it is separated from the physical body and does not come into contact with it. This is not the case with the etheric body. Its activities continue throughout sleep.

[ 32 ] Wenn der Mensch schläft, so liegen im Bett der physische Leib und der Ätherleib. Der Astralleib mit dem Ich ist herausgetreten. Was tut dieser Astralleib in der Nacht? Wenn wir das betrachten, so wird uns ein Licht geworfen auf das Wesen der ganzen menschlichen Weltwirksamkeit. Der Geisteswissenschafter weiß, dass der Astralleib niemals, wenn er innerhalb des physischen Leibes bleibt, dasjenige wegschaffen könnte, was seinen Ausdruck in der Ermüdung findet. Nennen Sie es Anhäufung von Ermüdungsstoffen oder anders, sie ist da und muss weggeschafft werden. Woher kommt die Ermüdung? Wodurch wird sie weggeschafft?

[ 32 ] When a person sleeps, the physical body and the etheric body lie in bed. The astral body, together with the “I,” has stepped out. What does this astral body do at night? When we consider this, light is shed on the nature of the entire human activity in the world. The student of spiritual science knows that the astral body, when it remains within the physical body, could never eliminate what finds its expression in fatigue. Call it an accumulation of fatigue-inducing substances or something else—it is there and must be eliminated. Where does fatigue come from? How is it eliminated?

[ 33 ] Die Ermüdung ist eine Begleiterscheinung dessen, was der Astralleib im physischen Leib tut. Solange der Astralleib im physischen Leib ist und sich der physischen Organe bedient, so lange ermüdet der physische Leib; und solange der Astralleib im physischen Leib ist, kann er sie nicht wegschaffen. Er muss herausgehen und von außen arbeiten an dem physischen Leib, und die Arbeit geschieht in der Nacht, wenn der Mensch schläft. Da sieht ihn der Sehende arbeiten am physischen Leib und die Ermüdung fortschaffen. Daher kommt das Erquickende eines gesunden Schlafes. Der Schlaf hat erwas Gesundendes. Was abgenützt ist am physischen Leib — der physische Leib wird vom Astralleib wie eine Maschine benutzt — alles das wird weggeschafft. Ein Astralleib, der von außen arbeitet am physischen Leib, arbeitet ausbessernd; ein Astralleib im physischen Leib verbraucht ihn; zerstört ihn sogar in gewissen Grenzen.

[ 33 ] Fatigue is a side effect of what the astral body does within the physical body. As long as the astral body is within the physical body and makes use of the physical organs, the physical body grows weary; and as long as the astral body is within the physical body, it cannot dispel this fatigue. It must step outside and work on the physical body from the outside, and this work takes place at night while the person sleeps. Then the clairvoyant sees it working on the physical body and removing the fatigue. This is the source of the restorative power of a healthy sleep. Sleep has a healing quality. Whatever is worn out in the physical body—the physical body is used by the astral body like a machine—all of that is removed. An astral body that works on the physical body from the outside performs a restorative function; an astral body within the physical body wears it down; it even destroys it within certain limits.

[ 34 ] Das steht im Zusammenhang mit einer anderen Erscheinung, über die ein Mann, der heute wenig gekannt ist, ein großes Wort gesprochen hat: Paracelsus. Dieser kannte das Wesen des Schlafes, aber er wusste noch etwas anderes. Er ist darauf aufmerksam geworden, dass mit diesem Astralleib etwas Besonderes geschicht, wenn er heraustritt. Durch einen Vergleich wird es uns klar werden. Denken Sie sich ein Wassergefäß; Wasser ist drinnen. Nehmen Sie ein kleines Schwämmchen, das einen Tropfen auffassen kann und werfen dieses Schwämmchen ins Wasser, und es saugt sich voll mit einem Tropfen. Der war früher im ganzen Wasser drinnen; jetzt ist er heraußen.

[ 34 ] This is connected to another phenomenon about which a man who is little known today had much to say: Paracelsus. He understood the nature of sleep, but he knew something else as well. He realized that something special happens to the astral body when it steps out. A comparison will make this clear to us. Imagine a vessel filled with water. Take a small sponge that can hold a single drop, throw it into the water, and it will soak up a drop. That drop used to be part of the whole body of water; now it is separate from it.

[ 35 ] So ist es in der Tat mit dem Verhältnis des Astralleibes zum physischen Leib. Der Astralleib ist nicht etwas, was ursprünglich und abgesondert ist von etwas Großen. Es gibt einen mächtigen Astralleib, der der Astralleib unseres ganzen Planeten ist, und dieser Astralleib ist so, wie die Wassermasse im Gefäß. Der physische Leib ist wie das kleine Schwämmchen. Beim Wachen hat der physische Leib den Astralleib in sich, dann hat er einen Tropfen herausgesondert für sich aus dem Astralmeer, und dieser Tropfen des Erdgeistes arbeitet abgesondert von dem übrigen Erd-Astralleib; und deswegen wirkt er am Tag abnützend, muss er abnützen. Denken Sie sich einen Finger, trennen Sie ihn ab, in kurzer Zeit ist er verdorrt. Warum? Weil dieser Finger mit dem ganzen Lebensprozess, dem ganzen Astralprozess zusammenhängen muss, wenn er bestehen soll, und weil der Tropfen astralischer Masse, die in dem Finger bleibt, als losgetrennter Tropfen kein eigenes Leben führen kann. Das kann allerdings der Astralleib des Menschen bis zu einem gewissen Grade, aber er hat es nötig, immer ab und zu zurückzukehren und sich Kraft zu holen vom gesamten Astralleib; das geschieht in der Nacht.

[ 35 ] This is indeed the case with the relationship between the astral body and the physical body. The astral body is not something that is original and separate from something greater. There is a powerful astral body, which is the astral body of our entire planet, and this astral body is like the mass of water in a vessel. The physical body is like the little sponge. When we are awake, the physical body contains the astral body; it has then set aside a drop for itself from the astral sea, and this drop of the earth spirit works separately from the rest of the earth’s astral body; and that is why it has a wearing-down effect during the day—it must wear itself down. Imagine a finger; cut it off, and in a short time it withers away. Why? Because this finger must be connected to the entire life process, the entire astral process, if it is to survive, and because the drop of astral substance that remains in the finger, as a separated drop, cannot lead a life of its own. The human astral body, however, can do this to a certain extent, but it needs to return from time to time to draw strength from the entire astral body; this happens at night.

[ 36 ] So verbindet sich in der Nacht jeder menschliche Astralleib mit dem gesamten Astralleib der Erde. Daher sagt Paracelsus: In der Nacht ruht der Mensch in dem ganzen Schoß der geistigen Natur und nimmt jene Harmonie in sich auf, welche ihm bei Tag zerstört worden ist. — So sehen wir, dass, wenn aus der geistigen Welt heraus ein Teil abgestoßen wird, er wieder zurückkehren muss, um dort Kraft zu sammeln. Im Zustand der Trennung verbraucht der Astralleib den physischen Leib.

[ 36 ] Thus, at night, every human astral body connects with the Earth’s entire astral body. That is why Paracelsus says: At night, the human being rests in the very bosom of spiritual nature and absorbs the harmony that has been destroyed within him during the day. — Thus we see that when a part is cast out of the spiritual world, it must return there to gather strength. In the state of separation, the astral body consumes the physical body.

[ 37 ] Sehen wir den Ätherleib an auf dieses Verhältnis hin. Er ist in derselben Lage, er ist auch ein Stück von der allgemeinen Äthermasse. Er kehrt aber in der Nacht nicht zurück, bleibt bis zum Tod mit dem physischen Leib vereint; er wirkt abnützend auf den physischen Leib. Dieser Letztere hat ihn herausgezogen und verselbstständigt, wie das Schwämmchen den Wassertropfen. Aber so, selbstständig, nützt der Ätherleib den physischen Leib ab, und dieser Abnützungsprozess ist der Lebensprozess eines einzelnen Wesens.

[ 37 ] Let us consider the etheric body in this context. It is in the same situation; it, too, is a part of the general etheric mass. However, it does not return at night; it remains united with the physical body until death, and it has a wearing-down effect on the physical body. The physical body has drawn it out and made it independent, just as a sponge draws out a drop of water. But in this way, having become independent, the etheric body wears down the physical body, and this process of wear and tear is the life process of an individual being.

[ 38 ] Nun können wir sagen: Von dem Augenblick an, wo dieser Ätherleib geboren ist, wo er herausgetreten ist als selbstständige Wesenheit, ist er ganz selbstständig und zehrt an dem physischen Leib. Er zehrt so, wie Sie sich das durch einen Vergleich klarmachen können. Denken Sie sich ein Stück Holz, das brennt; ohne ein Stück Holz gibt es nie eine Flamme. So wie die Flamme aus dem Holz heraus frei wird, so wird mit dem siebten Jahr der Ätherleib aus dem physischen Leib frei; er glänzt wie eine Flamme auf. Wie die Flamme das Holz verzehrt, wie sie ihre Nahrungsgabe verzehrt, so der Ätherleib den physischen Leib.

[ 38 ] Now we can say: From the moment this etheric body is born—the moment it emerges as an independent entity—it is entirely self-sufficient and draws sustenance from the physical body. It draws sustenance in a way that you can understand through a comparison. Imagine a piece of wood burning; without a piece of wood, there is never a flame. Just as the flame is released from the wood, so too, at the age of seven, the etheric body is released from the physical body; it glows like a flame. Just as the flame consumes the wood, just as it consumes its fuel, so does the etheric body consume the physical body.

[ 39 ] Bis der Ätherleib seine eigene Kraft bis zum Schlusspunkt gebracht hat bei der Geschlechtsreife, bis zu dieser Zeit ersetzt er in gewisser Weise das, was er verzehrt hat. Aber beim Schlusspunkt hat er nichts mehr zuzusetzen, da zehrt er am physischen Leib. Und ein Wesen, welches nun von keiner anderen Seite her ersetzen könnte, [was der Ätherleib aufzehrt, welches nicht wiederum dem Ätherleib neue Kraft zuführen könnte], müsste sterben, wenn es geschlechtsreif wird. In der Tierwelt gibt es solche Wesen. Woher kommt denn nun die Tatsache beim Menschen, dass der Ätherleib [nach der Geschlechtsreife] noch weitere Kraft zum Wachsen erhält? Daher, weil mit der Geschlechtsreife der Astralleib geboren wird, und dieser ist jetzt eine Zeit lang in freiem Wachstum.

[ 39 ] Until the etheric body has brought its own power to its culmination at sexual maturity, it replenishes, in a certain sense, what it has consumed. But at that final point, it has nothing left to add; from then on, it draws upon the physical body. And a being that could not replenish [what the etheric body consumes—which in turn could not supply the etheric body with new energy] from any other source would have to die upon reaching sexual maturity. Such beings exist in the animal kingdom. Where, then, does the fact come from in human beings that the etheric body [after sexual maturity] still receives further strength for growth? It is because the astral body is born at sexual maturity, and this body is now in a period of free growth.

[ 40 ] Dieser Astralleib, was ist er? Dasjenige, was der Mensch mit sich bringt an aufgespeicherten Kräften aus einer früheren Verkörperung. So viel der Mensch an Kapitalien gesammelt hat, so viel hat er jetzt zum Zusetzen; und so viel er Kraft mitbringt für seinen Astralleib, so lange währt seine aufsteigende Linie des Lebens. Der Astralleib steigt auf; die Zeit, die sich äußerlich moralisch ausdrückt im Leben des Menschen, von der Geschlechtsreife an beginnt sie. Voll von Idealen ist [da] der Mensch, seine Sehnsucht geht über das Maß seiner Besonnenheit hinaus. Alles ein Zeichen, dass überschüssige Kraft in ihm ist. Das ist die überschüssige Kraft seines Astralleibes.

[ 40 ] What is this astral body? It is the store of forces that a person brings with them from a previous incarnation. To the extent that a person has accumulated reserves, to that extent does he now have something to contribute; and to the extent that he brings with him strength for his astral body, so long will his ascending life path endure. The astral body ascends; the period that finds its outward moral expression in a person’s life begins at sexual maturity. At that point, the person is full of ideals, and their longing exceeds the bounds of their prudence. All of this is a sign that there is excess energy within them. This is the excess energy of their astral body.

[ 41 ] So, wie der physische Leib wächst bis zum Zahnwechsel, wie der Ätherleib bis zur Geschlechtsreife, so wächst der Astralleib bis zur Lebensmitte. Könnten Sie als Hellseher die Kraft, die der Astralleib in sich hat, messen und verteilen auf Jahre das, was dieser Astralleib heraussetzt an solchen Kräften, dann würden Sie die Lebensmitte berechnen können. Denn in diesem Moment, wenn der Astralleib alles, was in ihm gesteckt hat, herausgesondert hat, entwickelt hat, dann ist die Lebensmitte eingetreten. Da fängt der Astralleib zu zehren an. Er zehrt an sich selbst. Nun kommt die Zeit, wo die Ideale schwinden, wo der Mensch nicht mehr von Hoffnungen strotzt, wo die Besonnenheit eintritt, wo der Astralleib mehr auf die Umgebung sieht, auf die Erfahrungen sieht, während er vorher in der aufsteigenden Strömung aus sich heraus geschöpft hat. Die Ideale des Jünglings, aus dem Innern herausgeboren, stimmen oft nicht zum Äußeren. Dann kommt die Zeit, wo Einklang hergestellt wird, und jetzt hat er die absteigende Linie. Was früher der Astralleib sich produziert hat, wird nach und nach aufgebraucht, und dann, wenn der Astralleib sich selbst aufgebraucht hat, dann fängt dieser an zu zehren an dem Ätherleib, dann nimmt er die Kraft aus dem Ätherleib.

[ 41 ] Just as the physical body grows until the teeth change, and the etheric body grows until sexual maturity, so does the astral body grow until middle age. If, as a clairvoyant, you could measure the power contained within the astral body and distribute over the years the amount of such power that this astral body releases, then you would be able to calculate the midpoint of life. For at that moment, when the astral body has separated and developed everything that was within it, the midpoint of life has been reached. That is when the astral body begins to consume itself. It consumes its own substance. Now comes the time when ideals fade, when a person is no longer brimming with hope, when prudence sets in, when the astral body focuses more on its surroundings and on experiences, whereas before, in the ascending current, it drew from within itself. The ideals of youth, born from within, often do not harmonize with the external world. Then comes the time when harmony is established, and now the astral body follows a descending trajectory. What the astral body previously produced is gradually depleted, and then, when the astral body has exhausted itself, it begins to draw upon the etheric body, drawing its strength from it.

[ 42 ] Sie wissen vielleicht, dass der Ätherleib neben dem Sitz der Wachstums- und so weiter Kräfte auch der Sitz des Gedächtnisses, der Gewohnheiten, der Temperamente ist. Sehen Sie, so, wie von einem gewissen Lebenspunkte an der Astralleib herauszehrt die Kräfte des Ätherleibes, so braucht er später die Eigenschaften auf, die wir eben bezeichnet haben. Das Gedächtnis fängt an, schwächer zu werden und so weiter, und wenn die Kräfte des Ätherleibes verzehrt sind, was dann? Dann geht es auf den physischen Leib. Dieser ist dann nicht mehr imstande, an sich zu arbeiten, er hört auf, in sich den Lebensprozess anzufachen.

[ 42 ] You may know that the etheric body, in addition to being the seat of the forces of growth and so on, is also the seat of memory, habits, and temperaments. You see, just as, from a certain point in life onward, the astral body draws upon the forces of the etheric body, it later consumes the qualities we have just described. Memory begins to weaken and so on, and once the forces of the etheric body are exhausted, what then? Then it turns to the physical body. The physical body is then no longer able to work on itself; it ceases to kindle the life process within itself.

[ 43 ] Solange der physische Leib noch die Kräfte des Ätherleibes genießen kann, so lange verarbeitet er zu seiner Verfestigung, was von außen an ihn herankommt. Wenn der Ätherleib das nicht mehr kann, werden auch noch Stoffe von außen aufgenommen, aber nicht mehr organisch eingegliedert. Jetzt findet das Gegenteil von früher statt. Da sind die Stoffe, die aufgenommen worden sind, hineinorganisiert worden, jetzt werden sie bloß wie physische Ballast-Stoffe abgelagert in die Sehnen, in die Weichteile des Menschen, sodass diese sich verhärten; die Knochen werden immer härter und härter. Der physische Leib wird tatsächlich aufgezehrt im absteigenden Leben. So wie der Astralleib durch den Ätherleib geboren werden kann wie die Flamme aus dem Holz, so verzehrt der Astralleib zuerst sich selbst, wie die Flamme das Holz, dann den Ätherleib, und dann den physischen Leib. Was das Leben hervorgerufen hat, was das Leben herausgestellt hat, das ist zu gleicher Zeit [das], was dieses Leben verzehrt. Wie die Flamme nicht wäre ohne das Holz, so wäre das Leben des Astralleibes nicht, so wäre nicht das Bewusstsein, nicht Lust und Leid, ohne Ätherund physischen Leib. Aber ebenso, wie die Flamme das Holz verzehrt, so verzehrt das selbstständige Leben seine Grundlage, den physischen Leib. Deshalb ist der Tod kein Vorgang, der außerhalb des Lebens steht, sondern er wird vom Leben selbst erzeugt. Das ist das Wesentliche, was wir einsehen müssen, dass wir das Leben gar nicht haben könnten, wenn dieses Leben nicht den Tod aus sich gebären würde.

[ 43 ] As long as the physical body can still draw upon the forces of the etheric body, it processes whatever comes to it from the outside to strengthen itself. When the etheric body can no longer do this, substances are still taken in from the outside, but they are no longer organically integrated. Now the opposite of what happened before takes place. Whereas the substances that were previously absorbed were integrated into the body, they are now merely deposited as physical ballast in the tendons and soft tissues of the human body, causing them to harden; the bones become harder and harder. The physical body is indeed consumed in the course of its downward life. Just as the astral body can be born through the etheric body—like a flame from wood—so the astral body first consumes itself, like the flame consumes the wood, then the etheric body, and finally the physical body. What life has brought forth, what life has brought to the fore, is at the same time [that] which this life consumes. Just as the flame would not exist without the wood, so the life of the astral body would not exist—nor would consciousness, nor pleasure, nor suffering—without the etheric and physical bodies. But just as the flame consumes the wood, so does independent life consume its foundation, the physical body. Therefore, death is not a process that stands outside of life; rather, it is generated by life itself. This is the essential point we must realize: that we could not have life at all if this life did not give birth to death from within itself.

[ 44 ] Eine andere Sache ist die: Der Astralleib ist der Vermittler alles dessen, was von außen hereinkommen kann. Soll dieses geschehen, dann muss es vom physischen Leib durch den Lebensprozess angeeignet werden. Was heißt das? Das Licht dringt an uns heran; wäre das Licht nicht, [so] hätten wir keine Augen. So ist es mit allem, was aus der Wechselwirkung des physischen Leibes mit der Umgebung hervorgeht. Der physische Leib eignet sich die äußere Umgebung an und bildet sie sich zu Organen um. Wir bilden die Elemente in Organe um, wenn der Lebensprozess aufsteigend ist.

[ 44 ] Another point is this: The astral body is the mediator of everything that can enter from the outside. For this to happen, it must be assimilated by the physical body through the life process. What does that mean? Light reaches us; if there were no light, [then] we would have no eyes. So it is with everything that arises from the interaction of the physical body with its surroundings. The physical body assimilates the external environment and transforms it into organs. We transform the elements into organs when the life process is ascending.

[ 45 ] Wir müssen folgende Tatsache betrachten. Ein gewisser Volksstamm in Afrika, der die Jagd betreibt, braucht gewisse Hunde zur Jagd. Nun lebt dort eine giftige Fliege, die Tsetse-Fliege; sie sticht die Jagdhunde, und diese gehen dann zugrunde. Nun haben die «Wilden», wie so oft, etwas außerordentlich Schlaues ausgedacht — die Geisteswissenschaft kennt die Vorgänge. Dieser «wilde» Volksstamm, der führt nun seine Jagdhündin in die Gegenden, wo die giftige Fliege sich aufhält, gerade in der Zeit, wo die Hündin ihre Jungen werfen kann, bevor sie an dem Stich stirbt. Die Jungen sind jetzt immun; sie können gestochen werden und sterben doch nicht. Das ist ein Beispiel für die Aneignung eines Äußeren vom inneren Lebensprozess in der aufsteigenden Lebenslinie. Wo das Leben sich neu anfacht, wo es durchgeht bis zum Aufleuchten im Innern, wo der Lebensprozess neu ersteht, nimmt er in sich das Gift auf, gliedert es ein und macht den Organismus stark gegen das Gift.

[ 45 ] We must consider the following fact. A certain tribe in Africa that hunts needs certain dogs for hunting. Now, there is a poisonous fly that lives there, the tsetse fly; it bites the hunting dogs, and they then perish. Now, as is so often the case, the “savages” have devised something extraordinarily clever—spiritual science is familiar with these processes. This “savage” tribe takes its female hunting dog into the areas where the poisonous fly is found, precisely at the time when the dog can give birth to her pups, before she dies from the bite. The puppies are now immune; they can be bitten and yet do not die. This is an example of the incorporation of an external factor into the inner life process along the ascending line of life. Where life is rekindled, where it continues until it shines from within, where the life process is reborn, it absorbs the poison, integrates it, and makes the organism resistant to the poison.

[ 46 ] Im Grunde sind eigentlich unsere Organe so entstanden im Leibe. In uralten Zeiten, da gab es kein Auge, da fiel der Sonnenstrahl auf die Haut; etwas wie ein kleiner Schmerz machte sich fühlbar. Das Licht musste sich eingliedern und der Lebensprozess verdaute das Licht, eignete es sich an, bildete es zum Auge um, sodass der Mensch ein Auge hatte, um es dem Licht gegenüberzustellen.

[ 46 ] Essentially, this is how our organs actually came into being within the body. In ancient times, there was no eye; a ray of sunlight fell on the skin, and something like a slight pain was felt. The light had to become integrated, and the life process assimilated the light, adapted it, and transformed it into an eye, so that the human being had an eye with which to confront the light.

[ 47 ] So geschieht die Wechselwirkung des Menschen zwischen ihm und seiner Umgebung. Das soll hindeuten, dass durch äußere Einwirkungen, die vermittelst des Astralleibes geschehen, der physische Leib des Menschen organisiert wird als ein aufnahmefähiges Wesen, das die Außenwelt sich eingliedert; und das Maß, wie man die Außenwelt sich eingliedern kann, gibt die Lust, die Freude, das Verlangen. Wo die Freude, das Verlangen gesund sind, sind sie nichts anderes als der Ausdruck eines Bedürfnisses, und das ist die zuverlässigste Beigabe des Lebensprozesses. Das zeigt sich am Kind. Wenn ihm die ursprünglichen Ernährungsinstinkte verdorben sind, hat es keinen Instinkt für das, was ihm guttut. Zum Beispiel, wenn Sie ein Kind von früher Jugend an überfüttern mit Eiern, dann werden Sie eines bemerken, dass nämlich dieses Kind die Sicherheit des Nahrungsinstinktes verliert. Wenn nicht, dann ist das Kind immer bereit, das zurückzuweisen, was ihm schadet, und gerade dasjenige zu wollen, was ihm dienlich ist. Viel weniger ist ein solches Kind Schädigungen des Organismus ausgesetzt. Zu viel Eiweiß ist schädlich.

[ 47 ] This is how the interaction between a human being and their environment takes place. This is meant to indicate that, through external influences mediated by the astral body, the human physical body is organized as a receptive being that integrates the external world; and the extent to which one can integrate the external world is determined by pleasure, joy, and desire. When joy and desire are healthy, they are nothing other than the expression of a need, and this is the most reliable aspect of the life process. This is evident in a child. If the child’s original nutritional instincts are corrupted, the child has no instinct for what is good for it. For example, if you overfeed a child with eggs from early childhood onward, you will notice that this child loses the security of the nutritional instinct. If not, then the child is always ready to reject what harms it and to desire precisely what is beneficial to it. Such a child is far less susceptible to damage to the body. Too much protein is harmful.

[ 48 ] So sehen Sie, wie das Verlangen das Maß ist für den Lebensprozess selbst. Der Lebensprozess steht ganz unter dem Einfluss des Verlangens. Dadurch ist aber auch der Mensch imstande, hinauszugehen über das Maß des Genusses, des Bedürfnisses. Damit das Leben unterhalten werden kann, muss das Bedürfnis entstehen. Ohne den Hunger würde das Leben nicht unterhalten werden können. Der Genuss ist die Begleiterscheinung der Sättigung. So ist es immer, wo die Außenwelt angeeignet wird.

[ 48 ] Thus you can see how desire is the measure of the life process itself. The life process is entirely under the influence of desire. But this also enables human beings to go beyond the measure of pleasure and need. For life to be sustained, need must arise. Without hunger, life could not be sustained. Pleasure is the byproduct of satiety. This is always the case when the external world is appropriated.

[ 49 ] Weil der Genuss die Begleiterscheinung des Lebensprozesses ist, deshalb kann er hinausgehen in Bezug auf Aneignung von äußeren Stoffen. Und so wird das, was er sich aneignet, weil es über das Maß hinausgeht, zum Zerstörer; und da haben Sie das, was durch die Tätigkeit des Astralleibes den Krankheitsprozess veranlagt. Man darf freilich nicht glauben, dass einfach das so geschieht, dass in dem Leben zwischen Geburt und Tod das zum Ausdruck kommt. Sicher wirkt jede Ausschweifung zerstörend schon für das eine Leben; und alle Mäßigung wirkt aufbessernd; aber in noch weiterem Umfang geschieht dies über den Tod hinaus. Da müssen wir wiederum an die Idee der Wiederverkörperung gehen. Die zerstörenden Kräfte, die im Leben noch nicht so schädlich wirken, die werden mitgenommen in ein nächstes Leben, sodass Ausschweifung in einem Leben Krankheits-Disposition im nächsten bedeutet.

[ 49 ] Because enjoyment is an accompaniment to the life process, it can extend beyond the assimilation of external substances. And so what he appropriates—because it exceeds the proper measure—becomes a destructive force; and there you have what, through the activity of the astral body, predisposes the process of illness. Of course, one must not believe that this simply happens in such a way that it finds expression in the life between birth and death. Certainly, every excess has a destructive effect even within a single life; and all moderation has a restorative effect; but to an even greater extent, this extends beyond death. Here we must once again turn to the idea of reincarnation. The destructive forces that do not yet have such a harmful effect in this life are carried over into the next, so that excess in one life leads to a predisposition to illness in the next.

[ 50 ] Dies sind die wichtigsten Grundlagen zur Krankheit. Daraus sehen Sie, wie die Dinge zusammenhängen, Sie sehen aber auch, dass dasjenige, was eigentlich innere Krankheitsursachen sind, dass das notwendigerweise verknüpft ist mit dem Lebensprozess, dass das wirklich aus ihm herauswächst. Und jetzt werden Sie einsehen, dass wir unseren Körper stärker machen, wenn wir in dem aufsteigenden Lebensprozess ihn in solche Wechselwirkung bringen mit der Außenwelt, dass er sich etwas aneignet. Das macht ihn stark gegen Krankheiten. Wir brauchen nicht andere Krankheitsursachen zu untersuchen. Dies sind diejenigen, die weniger für das Leben Bedeutung haben.

[ 50 ] These are the most important fundamentals regarding illness. From this, you can see how things are connected, but you can also see that what are actually internal causes of illness are necessarily linked to the life process—that they truly arise from it. And now you will see that we strengthen our body when, within the ascending life process, we bring it into such interaction with the outside world that it assimilates something. This makes it resilient against disease. We need not investigate other causes of disease. These are the ones that are of lesser significance to life.

[ 51 ] Sie wissen, das heute die Bazillenseuche nicht nur darin besteht, dass man von ihr befallen wird, sondern [auch] darin, dass man die Bazillen überall sucht. Diese Bazillenseuche kommt tatsächlich in geisteswissenschaftlicher Beziehung erst in zweiter Linie in Betracht. Das Überfallenwerden des Organismus durch Bazillen ist nichts anderes, als wenn Sie eine Kugel durch den Leib geschossen kriegen. Da wird Ihnen der Organismus so weit zerstört, dass der Ätherorganismus nicht mehr die Zerstörung ausgleichen kann. Solange er nicht zerstört ist, ist dieser Ätherorganismus auch der Ausgleicher. Er hat umso mehr die Kraft des Ausgleichens, je mehr er in Zusammenhang ist mit dem [All]äther. Den Polypen kann man zerschneiden, aus jedem Stück entsteht wieder ein neuer Polyp, weil der Ätherleib des Polypen noch in Verbindung steht mit dem Ganzen - [woraus er Kraft saugen kann, weil in jedem Tropfen des Ätherleibes dieselbe Kraft ist wie im Ganzen] - und der Zusammenhang noch besteht. Insofern der Ätherleib selbstständig wird, muss er diese Kraft verlieren. Wenn also die Selbstständigkeit zu gleicher Zeit ein Wachstum ist in Bezug auf die Unmöglichkeit, Störungen des Organismus zu überwinden, so haben Sie damit den Paulinischen Satz in moderner Form: Die Selbstsucht ist die Ursache der Zerstörung und des Todes, und der Tod ist der Sünde Sold (Röm 6,23). Nur in diesem Sinne ist er zu verstehen. Nun kann [aber] jemand sagen: Ja, aber verträgt sich das mit dem weisen Weltenprozess? Ja, gäbe es nicht die Möglichkeit einer Erkrankung, dann würde der große Antrieb für den Ätherorganismus fehlen, sich stark zu machen, um in der Überwindung der Krankheit selbst zu wachsen; ja, er wächst, wenn er zu überwinden hat. Aus jeder überstandenen Krankheit geht der Ätherkörper gestärkt hervor. Wenn Bazillen uns überfallen, so kommt es darauf an, dass wir den starken Ätherleib haben, um sie zu überwinden. Und kommen nicht gerade dadurch, dass der Ätherleib gezwungen ist in der Krankheit, ein Überwinder zu werden, höhere Gebilde des Ätherleibes zum Vorschein? Ja, er entwickelt sich dadurch selbst aufwärts. Deshalb kann man sagen: Es ist mit der Krankheit so wie mit der Perlmuschel und der Perle; aus einer Krankheit der Muschel geht die edle Perle hervor. Es ist vieles in der Welt als ein höheres Gebilde entstanden dadurch, dass es sich auf der Grundlage eines Zerstörungsprozesses aufgebaut hat.

[ 51 ] You know that today the “germ epidemic” consists not only in being infected by germs, but [also] in looking for germs everywhere. From the perspective of the spiritual sciences, this “germ epidemic” is actually only of secondary importance. When the organism is attacked by germs, it is no different from being shot through the body with a bullet. In that case, the organism is destroyed to such an extent that the etheric body can no longer compensate for the destruction. As long as it is not destroyed, this etheric body also acts as the balancing force. The more it is connected to the [universal] ether, the greater its power to balance. You can cut a polyp into pieces, and a new polyp will grow from each piece, because the polyp’s etheric body is still connected to the whole—[from which it can draw strength, since every drop of the etheric body contains the same force as the whole]—and the connection still exists. To the extent that the etheric body becomes independent, it must lose this power. So if this autonomy simultaneously constitutes a growth in terms of the inability to overcome disturbances within the organism, then you have the Pauline maxim in modern form: Selfishness is the cause of destruction and death, and the wages of sin is death (Rom 6:23). It is to be understood only in this sense. Now, [however], someone might say: Yes, but is this compatible with the wise process of the universe? Yes, if there were no possibility of illness, then the great impetus for the etheric organism to strengthen itself—in order to grow through the very act of overcoming illness—would be lacking; indeed, it grows when it has something to overcome. The etheric body emerges strengthened from every illness it has overcome. When germs attack us, it is essential that we have a strong etheric body to overcome them. And is it not precisely because the etheric body is forced to become a conqueror in the face of illness that higher structures of the etheric body come to the fore? Yes, it develops itself upward through this process. Therefore, one can say: Illness is like the pearl oyster and the pearl; from an illness of the oyster, the precious pearl emerges. Much in the world has come into being as a higher form precisely because it has built itself up on the basis of a process of destruction.

[ 52 ] Dies alles lässt uns in einer gewissen eindringlichen Weise Verständnis gewinnen für Krankheit und Tod. Wir können verstehen, dass wir das Leben, so, wie wir es haben, nicht haben könnten; wenn dieses Leben nicht selbst den Tod erregte; wie man die Flamme nicht haben könnte, wenn der Brennstoff nicht zerstört würde. Gewisse Erhöhungen, Verstärkungen sind nicht möglich ohne die Möglichkeit der Krankheit. Manchmal ist die starke Gesundheit die Folge der Krankheit. Vielleicht werden Sie sagen: Die Natur ist in allen ihren Teilen gesund, und selbst wenn sie die Krankheit gibt, gibt sie sie, um viel und starkes Leben zu haben. Jedenfalls geht hervor: Die Natur ist überall, [und überall Leben], und sie hat, das ist wahr, den Tod erfunden, um viel Leben, um starkes Leben zu haben, um [selbstständiges] Leben zu haben. Denn dieses kann nur bestehen, wenn es sich den Tod als seinen Gegenpol erschafft.

[ 52 ] All of this gives us, in a certain profound way, an understanding of illness and death. We can understand that we could not have life as we know it if this life did not itself bring about death—just as one could not have a flame if the fuel were not consumed. Certain elevations and intensifications are not possible without the possibility of illness. Sometimes robust health is the result of illness. Perhaps you will say: Nature is healthy in all its parts, and even when it produces illness, it does so in order to have abundant and vigorous life. In any case, it follows that nature is everywhere—[and life is everywhere]—and it has, it is true, invented death in order to have abundant life, to have vigorous life, to have [autonomous] life. For this can only exist if it creates death as its antithesis.