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The Rudolf Steiner Archive

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The Essence of Anthroposophy
within the World Of Sense, Soul And Spirit
GA 68b

3 February 1906, Hamburg

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The Circular Flow of Man's Life, tr. SOL
  1. Der Kreislauf des Menschen

6. Die Drei Welten

6. The Three Worlds

[ 1 ] Verehrte Anwesende! Wer eine Wolke oder überhaupt den bewölkten Himmel betrachtet, der ahnt nicht, dass im nächsten Augenblick der Blitz aus der Wolke hervorzuckt und der Donner grollt. Blitz und Donner sind Erscheinungen, die in der Wolke verborgen sind. — Das ist ein Bild für die Dinge um uns herum; da ist auch vieles verborgen, was herauserweckt werden kann aus seinem Schlummer.

[ 1 ] Ladies and gentlemen! When one looks at a cloud—or indeed at the cloudy sky—one has no idea that in the very next moment, lightning will flash from the cloud and thunder will roll. Lightning and thunder are phenomena hidden within the cloud. — This is a metaphor for the things around us; there, too, much is hidden that can be awakened from its slumber.

[ 2 ] Dieses Verborgene will ich jetzt versuchen zu charakterisieren. Es ist das, was man in der Theosophie die drei Welten nennt. Diese drei Welten sind nicht voneinander getrennt, sondern sie ruhen ineinander; sie sind innerhalb dieser unserer Welt vorhanden, aber sie treten nur unter besonderen Umständen hervor. Die physische Welt ist für den normalen Menschen sichtbar, hörbar, fühlbar und so weiter. Die zwei anderen Welten ruhen in der physischen Welt verborgen; sie können aber herausgeholt werden.

[ 2 ] I will now attempt to characterize this hidden realm. It is what is referred to in theosophy as the three worlds. These three worlds are not separate from one another, but rather they rest within one another; they exist within this world of ours, but they emerge only under special circumstances. The physical world is visible, audible, and tangible to the average person, and so on. The other two worlds lie hidden within the physical world; however, they can be brought to the surface.

[ 3 ] Ein oft angewandtes Bild kann uns klarmachen, wie das gemeint ist. Denken wir uns einen Blindgeborenen, dem die Augen aufgetan werden und der nun sehen kann. Bisher hat er sich herumgefühlt; nun ist er operiert und kann sehen. Dieselben Gegenstände, deren Eigenschaften er früher nur durch Tasten erforschen konnte, bekommen, seit sein Auge dem Licht erschlossen ist, Glanz und Farbe. In diesem Sinne redet man von höheren Welten. Sie sind da, aber der höhere Sinn, die geistigen Augen müssen dem Menschen erst geöffnet werden, ehe sie sich ihm erschließen.

[ 3 ] A commonly used analogy can help us understand what this means. Let’s imagine a person born blind whose eyes have been opened and who can now see. Until now, he has felt his way around; now he has undergone surgery and can see. The same objects, whose characteristics he could previously explore only by touch, now take on luster and color now that his eyes have been opened to the light. It is in this sense that we speak of higher worlds. They are there, but the higher sense—the spiritual eyes—must first be opened to a person before they become accessible to him.

[ 4 ] Ein anderer Vergleich, der hier schon öfter vorgeführt wurde: Zwei Naturforscher betrachteten in einem Aquarium drei Molukkenkrebse. Der eine war auf den Rücken gefallen und so unglücklich unter eine Eisenstange geraten, dass er nicht imstande war, sich wieder aufzuhelfen. Vergeblich bemühten sich die zwei anderen Krebse, ihrem Kameraden wieder auf die Beine zu verhelfen. Nachdem sie sich lange ohne Erfolg bemüht hatten, gingen sie fort. Die Naturforscher warteten ab, was da kommen würde. Nach einiger Zeit kamen die Krebse wieder und brachten noch zwei Brüder mit. Diesen Vieren gelang es dann mit vereinten Kräften, den Krebs wieder auf die Beine zu bringen.

[ 4 ] Another comparison that has been cited here many times: Two naturalists were observing three Moluccan crabs in an aquarium. One had fallen onto its back and had become so unfortunately trapped under an iron bar that it was unable to free itself. The other two crabs tried in vain to help their companion back onto his legs. After trying for a long time without success, they walked away. The naturalists waited to see what would happen next. After some time, the crabs returned, bringing two more brothers with them. The four of them then managed, by joining forces, to get the crab back on his legs.

[ 5 ] Ich erzähle diese Geschichte nicht, um ein Beispiel für die gegenseitige Hilfe im Tierreich zu bringen, obgleich sie ein schönes Zeugnis dafür ablegte. Sie soll uns zu einer anderen Betrachtung führen. Gesetzt, die Naturforscher hätten die Geduld verloren und hätten ins Wasser gegriffen und den Krebs wieder umgedreht; und dann denken Sie sich die Krebse mit menschlicher Intelligenz begabt, so würde sich etwa Folgendes ergeben. Die Krebsgesellschaft würde über diesen merkwürdigen Fall ihre Betrachtung anstellen. Da kämen zuerst die Krebsorthodoxen, die Konservativen; die würden sagen: Es ist ein Wunder geschehen. - Dann kämen die Krebsmonisten, die Materialisten; die sagen: Es gibt nur Krebskräfte, andere Kräfte gibt es nicht; ein höheres Eingreifen ist unmöglich. — Die müssten den Fall unerklärt lassen. Drittens kämen nun die Krebstheosophen; die würden sagen: Nein, Wunder gibt es nicht, alles beruht auf Gesetzmäßigkeit; aber es gibt auch eine höhere Gesetzmäßigkeit, die über die gewöhnliche Fassungskraft des Krebses hinausgeht. Wir Theosophen dehnen die Gesetzmäßigkeit in höhere Reiche aus über die gewöhnliche Auffassungsmöglichkeit.

[ 5 ] I am not telling this story to provide an example of mutual aid in the animal kingdom, although it does bear beautiful witness to it. It is meant to lead us to a different line of thought. Suppose the naturalists had lost patience, reached into the water, and turned the crab right side up again; and then imagine the crabs endowed with human intelligence—the following scenario might unfold. The crab community would deliberate on this remarkable case. First would come the crab orthodox, the conservatives; they would say: A miracle has occurred. - Then would come the crab monists, the materialists; they would say: “There are only crab forces; no other forces exist; higher intervention is impossible.” — They would have to leave the case unexplained. Third would come the cancer theosophists; they would say: “No, there are no miracles; everything is based on natural laws; but there is also a higher order of natural laws that transcends the ordinary comprehension of cancer. We theosophists extend these natural laws into higher realms beyond ordinary comprehension.”

[ 6 ] Machen wir uns nun klar, wovon es abhängt, diese übersinnlichen Dinge wahrzunehmen. Alle unsere Sinne sind tätig und dienen uns dazu, die Dinge um uns herum wahrzunehmen. Aber wir werden auch gewahr, dass die Sinne abnehmen, absterben, und dann hört die Wahrnehmungsfähigkeit auf; aber damit hört das Leben nicht auf. Man kann also in der Welt leben, ohne wahrzunehmen. Ob wir Dinge wahrnehmen oder nicht, hängt also davon ab, ob wir die Sinne haben, die zum Wahrnehmen nötig sind. Dies zugegeben, ist es doch nicht unannehmbar, dass wir in unzähligen Welten leben, wofür die Sinne noch nicht erweckt sind.

[ 6 ] Let us now consider what it depends on to perceive these supersensible things. All our senses are active and serve to help us perceive the things around us. But we also become aware that the senses diminish, fade away, and then the ability to perceive ceases; yet life does not end there. It is therefore possible to live in the world without perceiving. Whether we perceive things or not, then, depends on whether we possess the senses necessary for perception. That said, it is not unreasonable to suppose that we live in countless worlds for which our senses have not yet been awakened.

[ 7 ] Darin besteht nun recht eigentlich die theosophische Bewegung, dass der Mensch zu diesen höheren Sinnen erweckt werden möge. Manche werden wild, wenn man ihnen von übersinnlichen Dingen redet. Sie können nicht fassen, dass man wirklich von diesen Dingen eine Anschauung gewinnen kann, dass nicht alles, was davon gesagt wird, auf Hypothese beruht. Aber man bedenkt nicht, dass es viele Dinge um uns herum gibt, die an uns spurlos vorübergehen, weil wir sie nicht erkennen.

[ 7 ] This, in fact, is the essence of the Theosophical Movement: that human beings may be awakened to these higher senses. Some people become agitated when one speaks to them about supernatural things. They cannot conceive that one can truly gain insight into these matters, that not everything said about them is based on hypothesis. But they fail to consider that there are many things around us that pass us by unnoticed because we do not recognize them.

[ 8 ] Dafür ein Beispiel: Eine berühmte Sängerin wurde in eine vornehme Gesellschaft geladen; sie kam zu spät — wie es berühmten Persönlichkeiten wohl mal passiert. Es war ihr ein Platz reserviert zwischen zwei Herren; der eine war Mendelsohn, den sie kannte und mit dem sie sich lebhaft unterhielt. Der Herr zu ihrer anderen Seite versuchte in seiner artigen, bescheidenen Weise des Öfteren, sie in das Gespräch zu ziehen; aber sie mochte ihn nicht und fragte Mendelsohn leise: Wer ist der dumme Kerl? — Der berühmte Philosoph Hegel —, war die Antwort. —- Hätte sie vorher gehört, dass sie Hegel dort treffen würde, so hätte sie alle Anstalten gemacht, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Nun hatte sie bei ihm gesessen — und hatte ihn nicht erkannt.

[ 8 ] Here’s an example: A famous singer was invited to an elegant gathering; she arrived late—as is sometimes the case with famous people. A seat had been reserved for her between two gentlemen; one was Mendelsohn, whom she knew and with whom she conversed animatedly. The gentleman on her other side, in his polite, modest manner, tried several times to draw her into the conversation; but she didn’t like him and asked Mendelsohn quietly, “Who is that silly fellow?” “The famous philosopher Hegel,” was the reply. —- Had she known beforehand that she would meet Hegel there, she would have done everything in her power to strike up a conversation with him. Now she had been sitting right next to him—and hadn’t recognized him.

[ 9 ] Wäre es nicht möglich, dass mancher, der ausgerüstet ist mit höheren Fähigkeiten, für viele Menschen nur «der dumme Kerl» wäre? Denken wir einmal an Christus Jesus; jetzt, nach allem, was die Kirche und die Zeit aus ihm gemacht, ist es wohl leicht, ihn anzuerkennen. Aber denken Sie sich einmal, er würde heute hier in diesen Saal treten. Wer würde ihn dann erkennen?

[ 9 ] Isn’t it possible that someone endowed with superior abilities might simply be seen by many people as “that stupid guy”? Let’s think for a moment about Jesus Christ; now, after all that the Church and the passage of time have made of him, it’s probably easy to recognize him. But imagine if he were to walk into this hall today. Who would recognize him then?

[ 10 ] Darum darf die Möglichkeit zugegeben werden, dass es Menschen geben kann, die mit höheren Sinnen als den gewöhnlichen ausgerüstet sind, ohne dass der gewöhnliche Alltagsmensch davon etwas wahrnimmt. Man nennt einen solchen Menschen «einen mit einem höheren Bewusstseinszustand».

[ 10 ] Therefore, we must acknowledge the possibility that there may be people who are endowed with senses beyond the ordinary, without the average person being aware of it. Such a person is referred to as “someone with a higher state of consciousness.”

[ 11 ] Eigentlich lebt jeder Mensch in diesen verschiedenen Bewusstseinszuständen. Wir müssen uns klarmachen, dass der Mensch wirklich in verschiedenen Bewusstseinszuständen lebt. Erstens: in der physischen Welt bei Tage, da hat er im normalen Zustande das wache Tagesbewusstsein. Zweitens: der traumerfüllte Schlafzustand. Es ist nicht uninteressant, die Traumerlebnisse zu studieren. Wenn man nur einige Aufmerksamkeit darauf verwendet, so wird man eine gewisse Gesetzmäßigkeit in den Traumbildern finden. Der Traum ist ein Symboliker. Die Traumerlebnisse zeigen, dass wir es mit Rudimenten des Tagesbewusstseins zu tun haben.

[ 11 ] In fact, every person lives in these different states of consciousness. We must realize that human beings truly live in different states of consciousness. First: in the physical world during the day, where, in a normal state, they have waking daytime consciousness. Second: the dream-filled state of sleep. It is not uninteresting to study dream experiences. If one pays even a little attention to them, one will find a certain regularity in the dream images. Dreams are symbolic. Dream experiences show that we are dealing with rudiments of waking consciousness.

[ 12 ] Ich möchte das durch einige Beispiele, die, wie alle Beispiele, die ich anführe, auf wirklichen Erlebnissen beruhen, klarmachen. Jemand träumt, er habe einen Laubfrosch gefangen, lebhaft macht er die ganze Jagd durch, bis er ihn in der Hand hält. Mit dem Gefühl des Weichen, Schlüpfrigen in der Hand wacht er auf und merkt — dass er einen Zipfel seiner Bettdecke in der Hand hatte. — Da hatte das Traumbewusstsein die weiche Masse der Bettdecke versinnbildlicht und in einen Laubfrosch verwandelt.

[ 12 ] I would like to illustrate this with a few examples, which, like all the examples I cite, are based on real experiences. Someone dreams that he has caught a tree frog; he vividly relives the entire chase until he is holding it in his hand. With the sensation of something soft and slippery in his hand, he wakes up and realizes—that he was holding a corner of his comforter. — His dream consciousness had symbolized the soft mass of the comforter and transformed it into a tree frog.

[ 13 ] Der Traum ist auch ein Dramatiker. Beispiel: Eine Frau träumt, sie sei in der Kirche, der Prediger hält eine erhebende Predigt, allmählich verwandeln sich seine erhobenen Hände zu Flügeln — sie findet das im Traum ganz natürlich —, da verwandelt sich seine erhabene Rede in ein Krähen und draußen kräht der Hahn. - Wie der Traum ein Symboliker und ein Dramatiker ist, hat Schubert in «Die Nachtseite der Natur» geschildert aus der verborgenen Seite des Menschen heraus. Heinrich von Kleist hat manche Anregung von ihm über diese Sache zu erfahren bekommen.

[ 13 ] The dream is also a playwright. Example: A woman dreams she is in church; the preacher is delivering an uplifting sermon, and gradually his raised hands transform into wings—she finds this perfectly natural in the dream—then his sublime speech turns into a crowing, and outside the rooster crows. - Schubert described how the dream is both a symbolist and a dramatist in “Die Nachtseite der Natur” (The Night Side of Nature), drawing from the hidden side of human nature. Heinrich von Kleist received much inspiration from him on this subject.

[ 14 ] Drittens: der Bewusstseinszustand des traumlosen, bewusstlosen Schlafes. Jeder wird zugeben, dass der Mensch vorhanden ist, auch wenn er im Schlafe ohne Bewusstsein daliegt, dass er nicht abends vergeht und morgens wieder entsteht. Und doch nimmt sein Bewusstsein nichts von dem wahr, was um ihn herum vorgeht. Diese drei Bewusstseinszustände verändern sich wesentlich, wenn der Mensch eine seelische, geistige Entwicklung durchmacht. Dann wird der Gottesmensch in ihm erweckt. Er lernt, die seelischen Vorgänge wahrzunehmen. Es bilden sich bei ihm unter Beihilfe höherer, vollkommenerer Menschen seelische Organe aus, die die beiden erst bezeichneten Bewusstseinszustände verändern, sodass der Mensch nicht nur huschende Bilder wahrnimmt, sondern dass sich ihm eine neue Welt auftut, die in Sinnbildern zu ihm spricht. Es genügt nicht, dass der Mensch nur im Traum bewusst ist, er lernt nun auch, das Traumbewusstsein in das Tagesbewusstsein hereinzuholen, und dadurch wird sich alles Unregelmäßige regeln. Aus den wirren Träumen werden allmählich klare Sinnbilder. Wenn man Anleitung bekommt, lernt man auch, diese Sinnbilder zu verstehen. Etwas Wirkliches mag dann wohl auch auftreten. Es kann zum Beispiel auftreten, dass der Schüler träumt von etwas Hässlichem, was mit einem bestimmten Freund zusammenhängt, das bewegt ihn; er erfährt, dass der Freund schmerzlich erkrankt ist. Ein wirklicher Zustand hat sich in dem hässlichen Traum ausgedrückt.

[ 14 ] Third: the state of consciousness known as dreamless, unconscious sleep. Everyone will admit that a person exists even when lying unconscious in sleep, that he does not cease to exist in the evening only to come into being again in the morning. And yet his consciousness perceives nothing of what is happening around him. These three states of consciousness undergo a fundamental change when a person undergoes a soul and spiritual development. Then the divine human within him is awakened. He learns to perceive soul processes. With the assistance of higher, more perfect human beings, soul organs develop within him that transform the first two states of consciousness described above, so that he no longer merely perceives fleeting images, but a new world opens up to him, speaking to him through symbols. It is not enough for a person to be conscious only in dreams; they now also learn to bring dream consciousness into waking consciousness, and through this, everything irregular will be brought into order. The confused dreams gradually become clear symbols. With guidance, one also learns to understand these symbols. Something real may well occur as well. It may happen, for example, that a student dreams of something ugly connected to a particular friend, which moves him; he then learns that the friend has fallen gravely ill. A real situation has found expression in the ugly dream.

[ 15 ] So eröffnet sich dem Träumenden allmählich eine neue Welt, und er lernt, diese seelische Welt in die gewöhnliche Welt mit hineinzunehmen. Auch bei den Mitmenschen nimmt er das Seelische wahr. Er nimmt auch seelischgeistige Wesenheiten wahr, die er sonst für gewöhnlich nicht gesehen hat.

[ 15 ] Thus, a new world gradually opens up to the dreamer, and he learns to incorporate this spiritual world into the ordinary world. He also perceives the spiritual aspect of his fellow human beings. He even perceives spiritual and soul entities that he would not normally have seen.

[ 16 ] Die Welt, die dem Menschen neu aufgeht, ist die «astralische». Wie der Blitz und der Donner aus der Wolke hervorquellen, so treten die Dinge hervor, wenn die astralen Sinne erweckt sind. Warum wird diese Welt die astralische Welt genannt? Diejenigen, die nur ein Sechzehntel davon verstehen, haben viel an dem Namen gemäkelt. Die Menschen, die von jeher Theosophen waren, die alten Mystiker, haben diesen Namen mit gutem Grund gebraucht. Was ist die astrale Welt? Sie ist ein Ausdruck der seelischen Welt.

[ 16 ] The world that is newly opening up to humankind is the “astral” world. Just as lightning and thunder burst forth from a cloud, so do things emerge when the astral senses are awakened. Why is this world called the astral world? Those who understand only one-sixteenth of it have found much to quibble about in the name. The people who have always been Theosophists—the ancient mystics—have used this name for good reason. What is the astral world? It is an expression of the spiritual world.

[ 17 ] Was körperlich an mir ist, die Knochen, die Muskeln, die Haut, das bildet den physischen Leib. Was seelisch an mir ist, meine Instinkte, Leidenschaften und Begierden, ist ebenso da wie meine Hand und mein Kopf. Diese [seelischen Eigenschaften] bilden den Astralleib.

[ 17 ] The physical aspects of myself—my bones, muscles, and skin—make up the physical body. The spiritual aspects of myself—my instincts, passions, and desires—are just as present as my hand and my head. These [spiritual qualities] make up the astral body.

[ 18 ] Ein Mensch steht vor mir. Ich sehe seine Gestalt, sein Haar, sein Gesicht, seine Haut; aber ebenso wirklich wie dieser sichtbare Mensch sind seine Wünsche und Begierden, Instinkte und Leidenschaften auch vor mir, sie sind für die astralische Welt ebenso wirklich wie der sichtbare Körper für die physische Welt. Man solle ihn Triebkörper nennen, hat man gemeint; aber das taugt nicht besser; es könnte zu der irrigen Meinung der Materialisten führen, die da meinen, dass die Triebe von dem physischen Leibe ausgehen. Bevor der Mensch geboren war, war das Seelische des Menschen da, das sich in den Leib verkörpert hat. Die Triebe, Instinkte, Leidenschaften und so weiter waren da, und sie sind es, die den physischen Körper gestaltet haben. So können wir auf die Frage, woher der physische Körper kommt, eine ganz bestimmte Antwort geben.

[ 18 ] A person stands before me. I see his form, his hair, his face, his skin; but just as real as this visible person are his desires and longings, instincts and passions—they, too, are before me; they are as real to the astral world as the visible body is to the physical world. Some have suggested calling it the “instinctual body,” but that is no better; it could lead to the erroneous view of the materialists, who believe that instincts originate from the physical body. Before a human being was born, the human soul was already there, having incarnated into the body. The drives, instincts, passions, and so on were already there, and it is they who have shaped the physical body. Thus, we can give a very definite answer to the question of where the physical body comes from.

[ 19 ] Vergegenwärtigen wir uns ein Glas Wasser, in dem ein Stück Eis schwimmt. Eis ist Wasser. Es ist aus dem Wasser durch Abkühlung entstanden. So ungefähr können wir uns den Prozess vorstellen. Das Astralische verhält sich zu dem Physischen wie das Wasser zum Eis. Eis ist verdichtetes Wasser. Das Physische ist die verdichtete astrale Substanz. Da haben wir die Beziehung zwischen dem Begierden-Leib und dem physischen Leib. Gleich wie das Wasser sich zu Schneeflocken kristallisiert, so sind alle Welten durch Kristallisations-Prozesse entstanden. So ist auch unsere sichtbare Welt aus der astralen entstanden. Goethe kannte diesen Prozess und kündet uns davon in den Worten, die der Weltengeist spricht:

[ 19 ] Let’s imagine a glass of water with a piece of ice floating in it. Ice is water. It was formed from water through cooling. That’s roughly how we can picture the process. The astral realm relates to the physical realm just as water relates to ice. Ice is condensed water. The physical is the condensed astral substance. This is the relationship between the body of desire and the physical body. Just as water crystallizes into snowflakes, so too have all worlds come into being through processes of crystallization. In the same way, our visible world has emerged from the astral. Goethe was familiar with this process and tells us about it in the words spoken by the Spirit of the World:

In Lebensfluten, im Tatensturm
Wall ich auf und ab,
Webe hin und her,
Geburt und Grab,
Ein ewiges Meer,
Ein wechselnd Weben,
Ein glühend Leben.
So schaff ich am sausenden Webstuhl der Zeit
Und wirke der Gottheit lebendiges Kleid!

In the torrents of life, in the storm of deeds
I surge back and forth,
Weave to and fro,
Birth and grave,
An eternal sea,
A shifting weave,
A glowing life.
Thus, at the whirling loom of time,
I weave a living garment for the Deity!

[ 20 ] Wie unsere Erde aus dem Astralstoff, der sie umgibt, entstanden ist und aus diesem besteht, so bestehen der Astralstoff und die übrigen Stoffe aus denselben Stoffen wie die ganze Sternenwelt. Der physische Stoff der Erde ist verwandt mit den physischen Stoffen der Sternenwelt, der Astralstoff mit dem Astralstoff derselben und so weiter. Die Astralmaterie durchdringt alles. Das Mineral enthält Kräfte und Stoffe. Auch die Pflanze besitzt Stoffe und Kräfte und — Leben. Das Tier empfindet und fühlt, aber mehr unbewusst. Der Mensch endlich, der noch das Tier in sich hat, bekommt es bewusst in seine Gewalt und erhebt sich dadurch über das Tier. Er ist gleichsam eine Zusammenfassung aller physischen Reiche und hat von allen den Extrakt in sich.

[ 20 ] Just as our Earth arose from and consists of the astral substance that surrounds it, so too do the astral substance and the other substances consist of the same materials as the entire stellar world. The physical matter of the Earth is related to the physical matter of the stellar world, the astral matter to the astral matter of the same, and so on. Astral matter permeates everything. Minerals contain forces and substances. Plants, too, possess substances and forces—and life. Animals perceive and feel, but mostly unconsciously. Finally, human beings, who still have the animal within them, consciously bring it under their control and thereby rise above the animal. They are, as it were, a synthesis of all the physical kingdoms and contain the essence of all of them within themselves.

[ 21 ] Die Materialisten behaupten, dass die Instinkte aus dem Physischen hervorgegangen seien. Die Theosophie behauptet das Gegenteil. Unser Begierdenleib ist verwandt mit der Begierdenwelt um uns her.

[ 21 ] Materialists claim that instincts originated from the physical realm. Theosophy asserts the opposite. Our desire body is related to the world of desire that surrounds us.

[ 22 ] Drittens, das traumlose Bewusstsein: Immer höher und höher entwickelt sich das Bewusstsein des Menschen. Dann treten aus der dunklen Nacht heraus nicht nur das Traumbewusstsein, sondern es tritt etwas Neues heraus, was nicht zu vergleichen ist mit Lichtbildern. Es redet gleichsam in Tönen zu dem Menschen. Dieses Tönen der höheren geistigen Welt war den Pythagoräern wohl bekannt; sie nannten es «die Harmonie der Sphären» oder «Sphärenmusik». Goethe erzählt uns auch davon in seinem «Faust». Der «Prolog im Himmel» führt uns in diese dritte Welt hinein. Was Goethe uns da vorführt, ist nicht nur ein dichterisches Bild, sondern Wirklichkeit. — Da singt der Erzengel Raphael:

[ 22 ] Third, dreamless consciousness: Human consciousness develops higher and higher. Then, emerging from the dark night, there appears not only dream consciousness, but also something new that cannot be compared to visual images. It speaks to human beings, as it were, in tones. This sound of the higher spiritual world was well known to the Pythagoreans; they called it “the harmony of the spheres” or “sphere music.” Goethe also tells us about it in his *Faust*. The “Prologue in Heaven” leads us into this third world. What Goethe presents to us there is not merely a poetic image, but reality. — There the archangel Raphael sings:

Die Sonne tönt nach alter Weise
In Brudersphären Wettgesang,
Und ihre vorgeschriebne Reise
Vollendet sie mit Donnergang.

The sun resounds in the ancient way
A contest of song in the spheres of the brothers,
And its prescribed journey
It completes with a thunderous roar.

[ 23 ] Was da tönt, ist nicht die physische Sonne. Diese physische Sonne ist nur der Leib für den Sonnengeist. Dieses «Tönen» wird von den höher entwickelten Menschen wahrgenommen. Aus dem dunklen Tiefschlaf «tönt» es zu ihm herauf. Das meint Goethe, wenn er sagt «die Sonne tönt». Er bleibt bei diesem Bilde. Im zweiten Teil des «Faust» heißt es:

[ 23 ] What resounds there is not the physical sun. This physical sun is merely the body of the solar spirit. This “resounding” is perceived by more highly developed human beings. It “resounds” up to him from the dark depths of sleep. This is what Goethe means when he says “the sun resounds.” He sticks with this image. In the second part of *Faust*, it says:

Tönend wird für Geistesohren
Schön der neue Tag gebören:;

Resounding to the ears of the spirit
The new day dawns beautifully:;

[ 24 ] Diese dritte Welt ist die mentale Welt, die geistige Welt. Sie kann im wahren Zustand bei richtiger Konzentration wahrgenommen werden. Hat der Mensch diese Stufe erreicht, so weiß er, dass der bloße Gedanke etwas Wirkliches ist. Der Himmel — Devachan — kann hervorgezaubert werden.

[ 24 ] This third world is the mental world, the spiritual world. In its true state, it can be perceived through proper concentration. Once a person has reached this level, they know that a mere thought is something real. Heaven—Devachan—can be conjured into being.

[ 25 ] Man nennt diesen Zustand die Kontinuität des Bewusstseins. Wenn das Ohr für dieses Tönen erschlossen ist, so erschließt sich dem Menschen die eigentliche geistige Welt, die Welt des Geistes. Ebenso, wie der Mensch Pflanze, Tier und Mineral ist, so ist er auch astral und mental; es ist für ihn möglich, ganz in seinem Innern, im Geiste zu leben.

[ 25 ] This state is called the continuity of consciousness. When the ear is attuned to these sounds, the true spiritual world—the world of the spirit—opens up to the human being. Just as a person is a plant, an animal, and a mineral, so too is he astral and mental; it is possible for him to live entirely within himself, in the spirit.

[ 26 ] Der Mensch lebt in den drei Welten. Bei Tage lebt er im physischen Bewusstsein. Nachts im Schlafe nimmt er zunächst nichts von dem wahr, was für seine Sinne wahrnehmbar ist. Wie kommt das, dass der Mensch im Schlaf unbewusst ist? Das hat seinen ganz bestimmten Grund. Der Mensch teilt sein Wesen auf. Am Tage verbraucht der Mensch die Kräfte des physischen und des Ätherkörpers. Aus diesen beiden Körpern werden die Kräfte entnommen für das wache Tagesbewusstsein. Diese Kräfte müssen erneuert werden; das macht er im Schlaf; da verwendert der eigentliche Mensch seinen Astral- und Mental-Leib mit ihren Kräften dazu, um an dem physischen Körper zu arbeiten.

[ 26 ] Human beings live in the three worlds. During the day, they live in physical consciousness. At night, while asleep, they initially perceive nothing of what is perceptible to their senses. Why is it that human beings are unconscious during sleep? There is a very specific reason for this. Human beings divide their being. During the day, they draw upon the forces of the physical and etheric bodies. The forces for waking daytime consciousness are drawn from these two bodies. These forces must be renewed; this takes place during sleep, when the true self uses its astral and mental bodies and their forces to work on the physical body.

[ 27 ] Der Mensch, der sich höher entwickeln will, muss besondere moralische Eigenschaften erwerben, wodurch er die Arbeit des Astral- und Mental-Körpers überflüssig machen kann.

[ 27 ] A person who wishes to evolve to a higher level must acquire specific moral qualities, through which he can render the work of the astral and mental bodies unnecessary.

[ 28 ] Wie kann der Mensch dieses ermöglichen? Wenn er den «Chelapfad» betritt, von dem hier schon ausführlich gesprochen worden ist. Über die Eigenschaften, die notwendig sind als Vorbereitung zu diesem Pfad, ist ja schon oft hier geredet worden. Die erste Hauptbedingung ist die Kontrolle der Gedanken; man darf sie nicht irrlichtelieren lassen; dann Kontrolle der Leidenschaften und Begierden, eine große Gelassenheit und so fort. Wenn das alles erlJangt ist, nach jahrelanger Übung, was tritt dann ein?

[ 28 ] How can a person make this possible? By embarking on the “Chela Path,” which has already been discussed at length here. The qualities necessary as preparation for this path have, of course, been discussed here many times. The first main condition is control of the thoughts; one must not let them wander aimlessly; then there is control of the passions and desires, great serenity, and so on. Once all this has been attained, after years of practice, what then occurs?

[ 29 ] Es kommt über das physische und astrale Leben eine Ruhe, ein Wohlsein, eine innere Gesundheit, und dadurch werden die astralen und mentalen Kräfte ihrer Arbeit während des Schlafes enthoben; sie haben nicht mehr so viel an ihm zu arbeiten. Diese nicht verwendeten Kräfte nun werden benutzt, um verborgene Fähigkeiten im Menschen herauszuziehen und hellseherische Organe zu entwickeln, um die «Augen der Seele» zu bilden. Man nennt diese Organe «Lotosblüten» oder «Chakram»; sie sind in «Lucifer — Gnosis» ausführlich beschrieben. Mit diesen Organen kann die astrale Welt wahrgenommen werden.

[ 29 ] A sense of calm, well-being, and inner health descends upon the physical and astral lives, and as a result, the astral and mental forces are relieved of their work during sleep; they no longer have as much work to do on him. These unused powers are now employed to draw out hidden abilities within the human being and to develop clairvoyant organs, thereby forming the “eyes of the soul.” These organs are called “lotus blossoms” or “chakras”; they are described in detail in *Lucifer—Gnosis*. With these organs, the astral world can be perceived.

[ 30 ] So entwickelt sich der Mensch durch Tugenden, ganz besonders durch Ruhe und Gelassenheit. Hat er diese errungen, so darf er die freigewordenen Kräfte benutzen, um die höheren Organe zu entwickeln. Wer ohne diese Tugenden diese höheren Organe entwickeln will, der entzieht der physischen Natur Kräfte, die diese noch braucht. Die Folge davon ist, dass der Mensch nervös, ja seelisch und geistig krank wird. So kann der Mensch sich die zwei höheren Welten erschließen. Die astralische Materie ist dünn, dünner als die Luft. Sie erscheint im astralischen Licht als Aura des Menschen. Es ist eine Ausstrahlung, die die Länge des Kopfes eineinhalbmal übertrifft. Diese Aura prägt in verschiedenen Farbentönen den Charakter des Innersten des Menschen aus. Höchst fremdartig und schockierend frappiert den Neuling auf dem astralen Plan, dass er dort alles wie im Spiegelbild liest. Vor allem sieht er dort das Spiegelbild seiner selbst, das scheinbar auf ihn zukommt, während es in Wahrheit von ihm ausgeht. Sieht man zum Beispiel die Zahl 164, so muss man lesen 461.

[ 30 ] Thus, a person develops through virtues, especially through calmness and serenity. Once these have been attained, the person may use the energies thus freed up to develop the higher faculties. Anyone who attempts to develop these higher faculties without these virtues deprives the physical body of the forces it still needs. The result is that the person becomes nervous, and indeed, mentally and spiritually ill. In this way, a person can open themselves to the two higher worlds. Astral matter is subtle, more subtle than air. In astral light, it appears as the human aura. It is a radiance that extends one and a half times the length of the head. This aura, in various shades of color, reflects the character of a person’s innermost being. What strikes the newcomer to the astral plane as most strange and shocking is that everything there is read as if in a mirror image. Above all, they see there the mirror image of themselves, which seems to be coming toward them, while in reality it emanates from them. If, for example, one sees the number 164, one must read it as 461.

[ 31 ] Auch was sich in Bezug auf Zeit dort abspielt, verläuft in entgegengesetzter Richtung. Man muss es erst lernen, sich in der anderen Welt zu orientieren. Sehr wichtig ist es, zu wissen, dass die Leidenschaften sich dort in einer hässlichen, dämonischen Gestalt zeigen; die eigenen Leidenschaften stürzen sich als dämonische Gestalten — im Spiegelbilde — über den Hellseher her.

[ 31 ] Even the way time unfolds there proceeds in the opposite direction. One must first learn to find one’s bearings in the other world. It is very important to know that passions manifest there in an ugly, demonic form; one’s own passions pounce upon the clairvoyant as demonic figures—in a mirror image.

[ 32 ] Da lernt man sich selbst kennen. Wer darinnen Erfahrung hat und vorher den Zusammenhang kennengelernt hat, der weiß diese Erscheinung richtig zu beurteilen und ihr zu begegnen. Mancher, der auf krankhafte Weise zum Schauen gelangte, ohne eine regelrechte Ausbildung genossen zu haben, sondern unvorbereitet ins Astrale hineingebrochen ist, beschreibt dies so. Das kommt vom Materialismus. Die Theosophie ist recht ernst. Nur wer ohne Verständnis an dieselbe herantritt, den kann sie verwirren. Wer aber tiefer hineinschaut, den macht die Theosophie spirituell gesund. Dagegen wirkt der Materialismus krankmachend. Wenn das Religiöse, das in jedem Menschen schlummert, nicht befriedigt wird, so bricht es schließlich das Gehirn durch; dieses versteht es nicht und wird krank. Die höheren Welten brechen auf den Menschen herein, und er versteht sie nicht. Das ist das Wesentliche der Geisteskrankheiten.

[ 32 ] That is how one comes to know oneself. Those who have experience in this area and have familiarized themselves with the context beforehand know how to correctly assess this phenomenon and deal with it. Some who have attained the ability to see in a pathological way—without having undergone proper training, but having burst into the astral realm unprepared—describe it this way. This stems from materialism. Theosophy is quite serious. It can only confuse those who approach it without understanding. But for those who look deeper into it, Theosophy promotes spiritual health. Materialism, on the other hand, has a sickening effect. If the religious nature that lies dormant in every human being is not satisfied, it eventually breaks through into the brain; the brain does not understand it and becomes ill. The higher worlds break in upon the person, and he does not understand them. This is the essence of mental illness.

[ 33 ] Die «tönende» ist dann die dritte Welt.

[ 33 ] The “resonant” one is then the Third World.

[ 34 ] In diesen drei Welten lebt der Mensch nacheinander. Nachdem er hier im Physischen sein Leben beendet, legt er seinen physischen Leib ab, dann auch den Ätherleib; da bleibt dann zunächst der astrale Leib, in welchem er nun lebt. Er lebt wirklich im Astralen. Wenn wir sagen, wir leben in diesem oder jenem, so meinen wir damit, wir haben mit der uns umgebenden Welt etwas Gemeinsames, Gemeinschaftliches. — Jetzt entfällt vor allen Dingen eins. Auch im Schlaf ist der Astralleib von dem physischen und dem Ätherleib getrennt, aber sie hängen noch mit einem magnetischen Bande zusammen. Das fällt nun fort. Dessen wird sich nun der Mensch bewusst. Es ist ein ganz eigentümliches Bewusstsein, was ihm da entgegentritt. Er ist gewohnt, alles durch die Sinne wahrzunehmen und zu tun; zum Beispiel er ist gewohnt, die Speisen zu genießen und durch den Gaumen sich des Geschmackes zu erfreuen; die Sehnsucht nach dem Genuss ist ihm geblieben; er muss sich erst gewöhnen, diese Genüsse zu entbehren.

[ 34 ] Human beings live in these three worlds one after the other. After ending their life here in the physical world, they shed their physical body, and then their etheric body as well; what remains at first is the astral body, in which they now live. They truly live in the astral realm. When we say we live in this or that, we mean that we share something in common with the world around us—a sense of community. — Now, one thing in particular ceases to exist. Even during sleep, the astral body is separated from the physical and etheric bodies, but they are still connected by a magnetic bond. That bond now breaks. The human being becomes aware of this. It is a very peculiar state of consciousness that confronts him. He is accustomed to perceiving and doing everything through the senses; for example, he is accustomed to enjoying food and savoring its taste through the palate; the longing for pleasure remains with him; he must first get used to doing without these pleasures.

[ 35 ] Für alle Sinne tritt das ein. Durch dieses Entbehren der Sinne tritt dieses ein. Durch dieses Entbehren der Sinne machen sich zwei Zustände heftig geltend. Erstlich ein brennender Durst, der aus dem Unvermögen entsteht, die Begierde zu befriedigen. Das wirkt wie eine Art Feuer — das Fegefeuer der Katholiken. Er muss sich seine Begierden erst abgewöhnen. Das andere betrifft das Handeln. Er ist gewohnt zu handeln; aber es fehlt ihm die Hand zum Handeln, der Fuß zum Gehen und so weiter. Dies Gefühl des Unvermögens ruft einen Kältezustand hervor. Man nennt diesen Zustand Kamaloka, den Ort der Begierden. Dieser Zustand wird herbeigeführt durch die Begierden im Menschen, die noch rege sind und keine Befriedigung finden. Es ist der Zustand der Abgewöhnung.

[ 35 ] This occurs in all the senses. It occurs through this deprivation of the senses. Through this deprivation of the senses, two states assert themselves intensely. First, a burning thirst that arises from the inability to satisfy desire. This feels like a kind of fire—the Catholic purgatory. He must first wean himself from his desires. The other concerns action. He is accustomed to acting; but he lacks the hand to act, the foot to walk, and so on. This feeling of helplessness brings about a state of coldness. This state is called Kamaloka, the place of desires. It is brought about by the desires within a person that are still active and find no satisfaction. It is the state of weaning oneself off these desires.

[ 36 ] Hat der Mensch sich nun schon im Leben gewöhnt, im Geiste zu leben, so wird ihm diese Abgewöhnung nicht schwer. Christus Jesus sagt: Das Reich der Himmel ist mitten unter euch (Lk 17,21), sodass der Mensch schon hier im Geiste, in der dritten, der mentalen Welt, in Devachan, leben kann. Hat er dann nach dem Tode Kamaloka durcheilt, so kommt er nach Devachan. Das ist der Zustand, in welchem der göttliche Mensch recht eigentlich in seinem Element lebt. Wenn er nicht mehr an dem Niederen hängt, so lebt in seinem inneren Wesen sein eigenes göttliches Selbst auf.

[ 36 ] If a person has already become accustomed to living in the spirit during their lifetime, then breaking this habit will not be difficult for them. Jesus Christ says: “The Kingdom of Heaven is within you” (Luke 17:21), so that a person can already live here in the spirit, in the third, mental world, in Devachan. If, after death, they have passed through Kamaloka, they arrive in Devachan. This is the state in which the divine human being truly lives in their element. When they are no longer attached to the lower realm, their own divine Self revives within their inner being.

[ 37 ] Ich habe nun gezeigt, wie der Mensch durch Erschließung der höheren Sinne sich einlebt in die zwei verborgenen Welten, die nur insofern verborgen sind, wie Farben und Licht für Blindgeborene verborgene Dinge sind.

[ 37 ] I have now shown how, by developing the higher senses, human beings can immerse themselves in the two hidden worlds, which are hidden only to the same extent that colors and light are hidden from those born blind.

[ 38 ] Noch ist die Zeit nicht da für alle, diesen verborgenen Pfad der Erkenntnis zu gehen. Aber die Menschen müssen von den höheren Welten hören, sich in diese höheren Welten einleben, mit dem Intellekt sie zu erfassen suchen, sich von denselben erzählen lassen. Das ist der erste Schritt, um schließlich hineinzukommen. Der Mensch soll sich Begriffe schaffen, er ist ein selbstschaffendes Wesen.

[ 38 ] The time has not yet come for everyone to walk this hidden path of knowledge. But people must hear about the higher worlds, become familiar with them, seek to grasp them with their intellect, and allow themselves to be told about them. That is the first step toward eventually entering them. Human beings should form their own concepts; they are self-creating beings.

[ 39 ] Wir leben in einer wichtigen Zeit, wo große Bewegungen seelischer und geistiger Art vor sich gehen. Vieles wird öffentlich erzählt von übersinnlichen Tatsachen, was früher geheim gehalten wurde. Da kommt dann mancher und sagt: Ja, du erzählst uns da allerlei; und wir sollen an dich glauben. — Einmal ist eine Persönlichkeit in Berlin förmlich wild geworden. Zu dieser Persönlichkeit sagte ich: Sie brauchen mir gar nicht zu glauben. Was Sie über mich denken, kann mir ganz gleich sein. Wenn ich Ihnen eine Karte von Kleinasien aufzeichne und auf derselben die Umrisse andeute, die Flüsse mit Strichen, die Städte mit Punkten bezeichne, so können Sie sagen: Was schwindelst du mir vor, so sieht Kleinasien nicht aus. — Nein, so sieht es nicht aus; aber wenn Sie hinreisen, werden Sie sehen, dass die Zeichnung richtig war. — So verhält es sich mit der Zeichnung, die ich Ihnen von den übersinnlichen Welten entworfen habe. Vorläufig können Sie mich gern für einen Betrüger halten, der Ihnen etwas vorschwindelt, aber - hören Sie zu! - nach dem Tode kommt jeder in die Lage, das anzuwenden, von dem er jetzt Kunde erhält.

[ 39 ] We are living in a significant time, when great spiritual and mental movements are taking place. Much is now being publicly revealed about supernatural phenomena that were once kept secret. Then some people come along and say: “Yes, you’re telling us all sorts of things; and we’re supposed to believe you.” — Once, a certain person in Berlin literally flew into a rage. To this person I said: “You don’t have to believe me at all. I couldn’t care less what you think of me. If I draw you a map of Asia Minor and sketch the outlines on it, marking the rivers with lines and the cities with dots, you might say: ‘What kind of nonsense are you feeding me? That’s not what Asia Minor looks like.’ — No, it doesn’t look like that; but if you travel there, you’ll see that the drawing was correct. — That is how it is with the sketch I have drawn for you of the supersensible worlds. For now, you are welcome to consider me a fraud who is pulling the wool over your eyes, but—listen!—after death, everyone will be in a position to apply what they are now learning.

[ 40 ] Aber auch die Kultur wird bald Blüten treiben, die nur dem verständlich sein werden, der vom Okkultismus etwas versteht. Daher ist es ratsam, in Ruhe zuzuhören und das Gehörte in sich zu verarbeiten. Wer das ohne inneren Widerspruch vermag, für den wird sich das Leben in ganz neuer Weise erschließen; er wird es in ungeahnter Weise verstehen lernen.

[ 40 ] But culture, too, will soon blossom in ways that will be understandable only to those who have some understanding of the occult. It is therefore advisable to listen calmly and to process what you hear within yourself. For those who can do this without inner conflict, life will open up in an entirely new way; they will learn to understand it in ways they never imagined.

[ 41 ] So ringt man sich hinauf zur Erkenntnis, zu dem, was nie vergeht, zu dem Reiche der Himmel. Immer höher und höher entwickeln wir uns, durch die drei Welten zunächst. Die erste Stufe ist die physische, die zweite die astrale, die dritte die mentale, die geistige. Die erste Stufe besteht darin, dass der Mensch sich vom Vergänglichen zum Unvergänglichen wendet. Das astrale Gemüts- und Begierdenleben wendet sich entweder nach unten zu dem Vergänglichen oder nach oben zu dem Unvergänglichen; es hat zwei Seiten. Die dritte Welt, die geistige Welt, umfasst, was der Mensch als sein eigenes geistiges Wesen erkennt.

[ 41 ] Thus one struggles upward toward knowledge, toward that which never passes away, toward the realm of the heavens. We evolve higher and higher, beginning with the three worlds. The first stage is the physical, the second the astral, and the third the mental, the spiritual. The first stage consists of the human being turning from the transitory to the imperishable. The astral life of the emotions and desires turns either downward toward the transitory or upward toward the imperishable; it has two sides. The third world, the spiritual world, encompasses what the human being recognizes as his or her own spiritual being.