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The Rudolf Steiner Archive

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The Essence of Anthroposophy
within the World Of Sense, Soul And Spirit
GA 68b

24 Februar 1910, Cologne

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The Circular Flow of Man's Life, tr. SOL
  1. Der Kreislauf des Menschen

13. Besondere Fragen über Wiederverkörperung und Schicksal

13. Specific Questions About Reincarnation and Destiny

[ 1 ] Die alltäglichen Dinge sind für den Tieferblickenden die allergrößten Rätselfragen. Man braucht die tiefste Wissenschaft, um die alltäglichsten Dinge zu lösen. Die Naturwissenschaft gibt die Grundfrage zum Auflösen von vielen Fragen. Andere Fragen können nur durch Geisteswissenschaft gelöst werden, der man den viel missbrauchten und viel missverstandenen Namen Theosophie gibt. Das große, gigantische Schicksal, das den Menschen erhebt, indem es ihn zermalmt, das Schicksal wird oft eine Summe von Zufällen genannt. Mancher wächst auf ohne Sorgfalt an seiner Wiege, kann nur geringe Dienste seinen Mitmenschen beweisen. Über andere wacht sorgende Liebe, seine Fähigkeiten werden entwickelt, er kann ein befriedigendes Dasein antreten und ein nützliches Glied in der Welt werden. Warum? Dazu ist das Gesetz von der Verkettung der Tatsachen, Ursachen und Wirkungen, zu erforschcn.

[ 1 ] To those who look more deeply, the most ordinary things are the greatest mysteries. One needs the deepest science to unravel the most ordinary things. Natural science provides the fundamental key to solving many questions. Other questions can only be solved through the spiritual science known as theosophy—a name that is often misused and misunderstood. The great, gigantic destiny that elevates humanity by crushing it is often called a series of coincidences. Some grow up without care at their cradle and can render only meager service to their fellow human beings. Others are watched over by caring love; their abilities are developed, and they can lead a fulfilling life and become a useful member of society. Why? To answer this, one must explore the law of the chain of facts, causes, and effects.

[ 2 ] Nehmen wir einige Fälle. Ein Mensch im achtzehnten Jahre wählt einen anderen Beruf als im zwölften. Aber nach acht Jahren entsteht eine Disharmonie. Er ist wie eine elastische Kugel, die zusammengedrückt wurde und sich dann wieder ausdehnt. Das tritt auf so viele Jahre vor wie nach dem Knotenpunkt. Ungefähr in der Mitte des Lebens, mit 35 bis 37 Jahren, ergibt sich eine Art Knotenpunkt. So wirken Ursachen aus der Jugend zurück im Alter. Im fünfzehnten, sechzehnten, siebzehnten Jahre hatte man Jugendideale, die sich hineinsenkten ins Leben. Dadurch ist dann später nicht das Hin- und Hertändeln. Auch wenn nicht erfüllt — für unsere Seele sind sie es nicht —, sie werden starke Kräfte in unserer Seele. So wächst heran ein in sich gefestigter Mensch. Besonnenheit wird die Lebensfrucht sein können, nach der Lebensmitte, von solchen Idealen.

[ 2 ] Let’s consider a few cases. A person at age eighteen chooses a different career than they did at age twelve. But after eight years, a disharmony arises. They are like an elastic ball that has been compressed and then expands again. This occurs both before and after the turning point. Around the middle of life, between the ages of 35 and 37, a kind of turning point arises. Thus, causes from youth have a retroactive effect in old age. In one’s fifteenth, sixteenth, and seventeenth years, one had youthful ideals that became ingrained in one’s life. As a result, there is no wavering back and forth later on. Even if they are not fulfilled—for our soul, they are not—they become powerful forces within our soul. This is how a person of inner stability develops. After midlife, such ideals can bear the fruit of equanimity.

[ 3 ] Im siebten bis vierzehnten Jahre ist Autorität Lebensbedürfnis. Was wahr ist, ist es dann nicht durch seine Gründe, sondern durch eine verehrte Autorität. Auch ein gewisses Gefühlsleben: Man hat Freude an jeder Blüte, göttlich-geistige Wesen sind dahinter. Von der Mitte der vierziger Jahre entsteht die Möglichkeit, auszusaugen, was damals ein fester Charakter wurde in Lebensfrische. Diese Dinge treten so tief hervor als Wirkungen, weil sie so tief in unsere Seele hineingingen. Erfahrungen im siebten Jahre haben Wirkungen am Lebensabend des Menschen. Aber wenn wir sagen: Das ist schön, das ist hässlich, so ergibt das praktisch nichts zum Heil der Menschen. Man soll aus der Seele heraus das Bedürfnis erwecken, dieses oder jenes zu tun. Dazu steigen wir eine Stufe tiefer hinein. Davon zehren wir im höchsten Alter. So geben wir dem Kinde Wegzehrung für das höchste Alter. Ein großer Dichter sagt: «Was wir mit dem Verstand erkannt haben, dahin blicken wir mit Andacht hinauf. Andacht tritt uns im späteren Alter als Wirkung entgegen, wir verbreiten später eine Stimmung von Liebe und Seligkeit.»

[ 3 ] From the ages of seven to fourteen, authority is a vital need. What is true is not considered true because of its reasoning, but because of a revered authority. There is also a certain emotional life: one takes joy in every flower, believing that divine, spiritual beings lie behind them. From the mid-forties onward, the opportunity arises to draw upon what had then become a firmly established character in the freshness of life. These things emerge so deeply as effects because they penetrated so deeply into our soul. Experiences in the seventh year have effects in a person’s twilight years. But when we say, “This is beautiful, that is ugly,” it contributes practically nothing to the well-being of people. We should awaken from within the soul the need to do this or that. To do so, we descend one step deeper. We draw sustenance from this in our old age. In this way, we provide the child with provisions for old age. A great poet says: “What we have recognized with our intellect, we look up to with devotion. Devotion comes back to us as an effect in later life; later on, we radiate an atmosphere of love and bliss.”

[ 4 ] Solche Zusammenhänge findet man in der Geisteswissenschaft. Sie stehen unter dem Gesetz von Karma. Es ist eine Modifizierung des Obigen möglich, zum Beispiel durch eine Heirat im dreiundzwanzigsten Jahre; das wirft aber das Gesetz nicht um, das waltet beim Knotenpunkt der Berufsänderung im achtzehnten Jahre.

[ 4 ] Such connections can be found in the humanities. They are governed by the law of karma. It is possible to modify the above, for example, by getting married at the age of twenty-three; however, this does not overturn the law that governs the turning point of a career change at the age of eighteen.

[ 5 ] Im siebzehnten Jahrhundert galt ein Gesetz, das jetzt erst widerlegt ist. Man meinte, aus Flussschlamm erwüchsen Würmer, Insekten und so weiter. Heute ist selbstverständlich, dass dazu ein Regenwurmkeim notwendig ist. Im siebzehnten Jahrhundert meinte man, dass, wenn man Ochsenleiber mürbe schlüge, dann Bienen herauskämen, aus Pferdeleichnamen Hornissen, aus Eseln Wespen. Francesco Redi, gestorben 1697 in Pisa, sagte: «Lebendiges kann nur aus Lebendigem wachsen.» Er galt für einen gewaltigen Ketzer.

[ 5 ] In the seventeenth century, there was a belief that has only recently been disproved. People thought that worms, insects, and so on sprang from river mud. Today, it is understood that an earthworm germ is necessary for this to happen. In the seventeenth century, it was believed that if one beat ox carcasses until they were mushy, bees would emerge; from horse carcasses, hornets; and from donkey carcasses, wasps. Francesco Redi, who died in Pisa in 1697, said: “Life can only come from life.” He was considered a formidable heretic.

[ 6 ] So ist es mit der geistigen Welt: Geistig-Seelisches herübergebracht, zieht heran Eigenschaften von Vater und Mutter, erfüllt sich damit. Jetzt wird das Karmagesetz noch geächtet; in späterer Zeit wird man gar nicht glauben, dass es je nicht geglaubt wurde.

[ 6 ] This is how it is with the spiritual world: what is brought over from the spiritual-soul realm takes on the characteristics of the father and mother and is thereby fulfilled. The law of karma is still rejected today; in later times, people will not even believe that it was ever disbelieved.

[ 7 ] Zwischen Geburt und Tod findet die Entwicklung statt. Erlebnisse werden zusammengeronnen in eine Fähigkeit, zum Beispiel die Schreibfähigkeit. Die einzelnen Erlebnisse werden vergessen. Erlebnisse führen einen Zustand herbei von dem, was ohne Zwang geschieht.

[ 7 ] Development takes place between birth and death. Experiences coalesce into a skill, such as the ability to write. The individual experiences are forgotten. Experiences bring about a state in which things happen without compulsion.

[ 8 ] Alle Sinneseindrücke, Lust und Leid, versinken im Schlaf in Bewusstlosigkeit. Das Seelenleben wird [ent]zündet durch äußere Anregungen. Im Schlaf ist Bewusstlosigkeit, weil die äußeren Eindrücke schweigen. Der Geistesforscher muss bewusst mit seinem Willen Schweigen gebieten den äußeren Eindrücken; aber innerlich muss die Seele gefüllt sein mit dem, was stärker ist als äußere Eindrücke. Der erste Akt ist Seelenentleerung, der zweite ist vollständige Windstille, sonst gibt es Sturm. Dann: Erweckung von Initiation. Auf niederer Stufe ist es wie ein Blindgeborener, wenn er operiert wird. Dann kommen geistige Tatsachen, geistige Wesen, dann kommt Hören und Sehen mit geistigen Ohren und Augen. Dann kommt das Wissen über die anderen Glieder des Menschen.

[ 8 ] All sensory impressions, pleasure, and suffering sink into unconsciousness during sleep. The life of the soul is [aroused] by external stimuli. During sleep, there is unconsciousness because external impressions are silent. The spiritual seeker must consciously command silence over external impressions with his will; but inwardly, the soul must be filled with that which is stronger than external impressions. The first act is the emptying of the soul; the second is complete stillness, otherwise there will be a storm. Then comes the awakening of initiation. At a lower level, it is like a person born blind undergoing surgery. Then come spiritual realities and spiritual beings; then comes hearing and seeing with spiritual ears and eyes. Then comes knowledge of the other parts of the human being.

[ 9 ] Während des Wachens verbrauchen wir unsere Seelenkräfte; im Schlaf erhalten wir sie ersetzt, holen wir aus unserer Heimat, was die verbrauchten Kräfte ersetzt. Im Schlaf wandeln sich die Erlebnisse um, setzen sich um in Essenz als Fähigkeiten, zum Beispiel des Schreibens. Nie könnten wir uns entwickeln, wenn wir nicht schliefen. Beim Einschlafen steigt das Ich hinein in Untergründe des Bewusstseins. Der Astralleib hat sein Unterbewusstsein, das Ich ruht aus, der Astralleib taucht unter in die eigene Welt, um unsere Erlebnisse umzuwandeln. Der Astralleib arbeitet, wie wir nicht arbeiten können, Erlebnisse in Fähigkeiten um. Das Ich kann nicht die eigene Entwicklung besorgen, kann nicht Verhältnisse besorgen zur Umwelt. Das Ich schält sich heraus aus der gesamten Sphäre der Umwelt. Ein Zufall, den wir nicht begreifen, ist wie das Ich, das verzichten muss, sich in ein Verhältnis zur Umwelt zu stellen. Zufall ist alles, was räumlich Schlafen genannt werden kann.

[ 9 ] While awake, we expend our soul forces; during sleep, we replenish them, drawing from our homeland what replaces the expended forces. In sleep, experiences are transformed and crystallize into essence in the form of abilities, such as the ability to write. We could never develop if we did not sleep. As we fall asleep, the “I” descends into the depths of consciousness. The astral body has its own subconscious; the “I” rests, while the astral body plunges into its own world to transform our experiences. The astral body transforms experiences into abilities in a way we cannot. The “I” cannot bring about its own development, nor can it establish relationships with the environment. The “I” detaches itself from the entire sphere of the environment. A coincidence that we do not comprehend is like the “I,” which must refrain from establishing a relationship with the environment. Coincidence is everything that can be called “sleep” in a spatial sense.

[ 10 ] Wir treten durch die Pforte des Todes mit dem Extrakt.

[ 10 ] We pass through the gates of death with the extract.