Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

The Essence of Anthroposophy
within the World Of Sense, Soul And Spirit
GA 68b

17 June 1910, Oslo

Translate the original German text into any language:

Versions Available:

Der Kreislauf des Menschen
  1. The Circular Flow of Man's Life, tr. SOL

26. Über Fichte, Schelling und Hegel — Der Wert der Philosophie für die Theosophie

26. Über Fichte, Schelling und Hegel — Der Wert der Philosophie für die Theosophie

[ 1 ] In dieser Stunde möchte ich Ihnen, wie es angekündigt worden ist, nicht einen theosophischen Vortrag halten, sondern einen mehr oder weniger rein philosophischen Vortrag. Und wenn der eine oder andere unserer verehrten theosophischen Zuhörer findet, dass die Sache zu philosophisch und, sagen wir, zu schwierig sei, so bitte ich Sie zu bedenken, dass ich ja nichts Leichtes, sondern eben etwas Philosophisches für diesen Nachmittag versprochen habe.

[ 1 ] In dieser Stunde möchte ich Ihnen, wie es angekündigt worden ist, nicht einen theosophischen Vortrag halten, sondern einen mehr oder weniger rein philosophischen Vortrag. Und wenn der eine oder andere unserer verehrten theosophischen Zuhörer findet, dass die Sache zu philosophisch und, sagen wir, zu schwierig sei, so bitte ich Sie zu bedenken, dass ich ja nichts Leichtes, sondern eben etwas Philosophisches für diesen Nachmittag versprochen habe.

[ 2 ] Der Grund, warum ich gern einen solchen außerordentlichen Vortrag, wie dieser es ist, einschalte, ist Folgender: Man ist wirklich nicht ungerecht, wenn man die Wahrnehmung sich zum Bewusstsein bringt, dass in der Tat innerhalb unseres theosophischen Bewusstseins, innerhalb unserer ganzen theosophischen Weltanschauung und Zeitströmung, so wie sie in der Welt betrieben wird — nicht, wie sie im Grunde ihres Wesens ist — viel zu wenig Gründlichkeit, viel zu wenig Gewissenhaftigkeit herrscht gegenüber dem, was man nennen kann das denkerische, das philosophische Prinzip in der menschlichen Seele.

[ 2 ] Der Grund, warum ich gern einen solchen außerordentlichen Vortrag, wie dieser es ist, einschalte, ist Folgender: Man ist wirklich nicht ungerecht, wenn man die Wahrnehmung sich zum Bewusstsein bringt, dass in der Tat innerhalb unseres theosophischen Bewusstseins, innerhalb unserer ganzen theosophischen Weltanschauung und Zeitströmung, so wie sie in der Welt betrieben wird — nicht, wie sie im Grunde ihres Wesens ist — viel zu wenig Gründlichkeit, viel zu wenig Gewissenhaftigkeit herrscht gegenüber dem, was man nennen kann das denkerische, das philosophische Prinzip in der menschlichen Seele.

[ 3 ] Nun kann ja jeder, der tiefer hineinblicken will in das, was Theosophie wirklich ist, gewahr werden — und er wird es mit jedem Schritt, den er in die Theosophie hinein macht, da, wo sie in wahrer Gestalt sich darstellt, gewahr werden —, dass auf dem Feld der Theosophie nichts, gar nichts gesagt wird, was sich nicht mit Philosophie, mit wissenschaftlicher Gewissenhaftigkeit und denkerischer Gründlichkeit vertragen würde. Die Theosophie ist philosophisch, wissenschaftlich und logisch nach allen Seiten hin zu rechtfertigen. Aber nicht überall wird Theosophie mit dem nötigen Ernst gepflegt und vertreten. Deshalb soll dieser Vortrag gelten als Ermahnung zu Verantwortlichkeitsgefühl, das nötig ist, wenn man von den höchsten Dingen redet, von denen Theosophie zu reden hat, als Ermahnung zu Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber dem Denkerischen, gegenüber dem, was man wissenschaftlichen Sinn, wissenschaftlichen Geist nennt.

[ 3 ] Nun kann ja jeder, der tiefer hineinblicken will in das, was Theosophie wirklich ist, gewahr werden — und er wird es mit jedem Schritt, den er in die Theosophie hinein macht, da, wo sie in wahrer Gestalt sich darstellt, gewahr werden —, dass auf dem Feld der Theosophie nichts, gar nichts gesagt wird, was sich nicht mit Philosophie, mit wissenschaftlicher Gewissenhaftigkeit und denkerischer Gründlichkeit vertragen würde. Die Theosophie ist philosophisch, wissenschaftlich und logisch nach allen Seiten hin zu rechtfertigen. Aber nicht überall wird Theosophie mit dem nötigen Ernst gepflegt und vertreten. Deshalb soll dieser Vortrag gelten als Ermahnung zu Verantwortlichkeitsgefühl, das nötig ist, wenn man von den höchsten Dingen redet, von denen Theosophie zu reden hat, als Ermahnung zu Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber dem Denkerischen, gegenüber dem, was man wissenschaftlichen Sinn, wissenschaftlichen Geist nennt.

[ 4 ] Damit soll nicht etwa gesagt werden, dass von jedem Bekenner der Theosophie dieser wissenschaftliche Sinn verlangt werden soll, das wäre zu weit gegangen. Theosophie will etwas sein, das in die Herzen der breitesten Massen der Menschheit dringen kann, und mit unbefangenem Wahrheitsgefühl wird man sie immer aufnehmen können. Der aber, der Theosophie unter voller Verantwortlichkeit vertritt, muss sich des hier ins Auge gefassten Gefühls für wissenschaftliche und denkerische Gewissenhaftigkeit immer bewusst sein, neben allen anderen Faktoren, die auf dem Feld der Theosophie in Betracht kommen.

[ 4 ] Damit soll nicht etwa gesagt werden, dass von jedem Bekenner der Theosophie dieser wissenschaftliche Sinn verlangt werden soll, das wäre zu weit gegangen. Theosophie will etwas sein, das in die Herzen der breitesten Massen der Menschheit dringen kann, und mit unbefangenem Wahrheitsgefühl wird man sie immer aufnehmen können. Der aber, der Theosophie unter voller Verantwortlichkeit vertritt, muss sich des hier ins Auge gefassten Gefühls für wissenschaftliche und denkerische Gewissenhaftigkeit immer bewusst sein, neben allen anderen Faktoren, die auf dem Feld der Theosophie in Betracht kommen.

[ 5 ] Ich möchte Ihnen nun aus dem weiten Bereich dessen, was man als Theosoph als eine solche Mahnung darbieten kann, eine zusammengearbeitete Übersicht über das innere Fortbewegungsprinzip der Philosophie der neueren Zeit geben, von Fichte über Schelling zu Hegel. Damit versetzen wir uns am besten in so etwas, wie es gestern vom theosophischen Gesichtspunkt aus ausgeführt worden ist, nämlich dass mit den Philosophen Fichte, Schelling und Hegel etwas für die menschliche Geistesentwicklung Bedeutungsvolles gegeben ist, das aber in unserer gegenwärtigen Zeit noch nicht begriffen wird.

[ 5 ] Ich möchte Ihnen nun aus dem weiten Bereich dessen, was man als Theosoph als eine solche Mahnung darbieten kann, eine zusammengearbeitete Übersicht über das innere Fortbewegungsprinzip der Philosophie der neueren Zeit geben, von Fichte über Schelling zu Hegel. Damit versetzen wir uns am besten in so etwas, wie es gestern vom theosophischen Gesichtspunkt aus ausgeführt worden ist, nämlich dass mit den Philosophen Fichte, Schelling und Hegel etwas für die menschliche Geistesentwicklung Bedeutungsvolles gegeben ist, das aber in unserer gegenwärtigen Zeit noch nicht begriffen wird.

[ 6 ] Darüber wundert sich nicht im Allergeringsten, wer in Betracht ziehen kann, worum es sich dazumal bei diesem grandiosen denkerischen Ringen dieses Denkertrifoliums Fichte, Schelling und Hegel handelte. Denn die denkerischen Waffen, die unsere heutige Zeit hervorbringt und die für die großen, bewundernswerten naturwissenschaftlichen Leistungen genügen, diese denkerischen Waffen genügen nicht, um das zu erreichen, was um die Wende vom achtzehnten zum neunzehnten Jahrhundert in der Seele von Fichte, Schelling und Hegel arbeitete. Und warum sollten wir uns darüber wundern? Es ist im Grunde genommen philosophiegeschichtlich vollständig zu rechtfertigen und zu begreifen.

[ 6 ] Darüber wundert sich nicht im Allergeringsten, wer in Betracht ziehen kann, worum es sich dazumal bei diesem grandiosen denkerischen Ringen dieses Denkertrifoliums Fichte, Schelling und Hegel handelte. Denn die denkerischen Waffen, die unsere heutige Zeit hervorbringt und die für die großen, bewundernswerten naturwissenschaftlichen Leistungen genügen, diese denkerischen Waffen genügen nicht, um das zu erreichen, was um die Wende vom achtzehnten zum neunzehnten Jahrhundert in der Seele von Fichte, Schelling und Hegel arbeitete. Und warum sollten wir uns darüber wundern? Es ist im Grunde genommen philosophiegeschichtlich vollständig zu rechtfertigen und zu begreifen.

[ 7 ] Wenn man Fichte, Schelling und Hegel in ihrer Stellung innerhalb der geistigen Entwicklung der Menschheit begreifen will, so muss man diese Entwicklung seit ihrem Ausgangspunkt bei Sokrates, Plato und Aristoteles ins Auge fassen. Für den, der in die Dinge hineinsieht, ist alles, was dazwischen liegt, für die Geistesentwicklung der Menschheit von geringer Bedeutung. Wenn man die Sache historisch ansieht, so stellt sich einem vor Augen, wie im Mittelalter der Katholizismus die Philosophie im Geiste der mittelalterlichen Weltauffassung verarbeitet hat. Aristoteles, dieser große Denker der vorchristlichen Zeit, musste zunächst vergessen werden, dann wieder erinnert werden und angewendet werden nach der Methode der mittelalterlichen Philosophie, der mittelalterlichen Weltanschauung. Es musste der Kompromiss zustande kommen: Rechtfertigung der geistigen Offenbarung mithilfe des Aristotelismus. Diese zwei Dinge sind im Mittelalter zusammengebracht worden, indem man beiden gerecht zu werden versuchte, indem in der Scholastik beide kombiniert worden sind; am entschiedensten bei Thomas von Aquino, der der Doctor Angelicus genannt worden ist, weil er sich der Aufgabe unterzogen hat, mit Hilfe des Aristotelismus die Offenbarung des Christentums zu rechtfertigen.

[ 7 ] Wenn man Fichte, Schelling und Hegel in ihrer Stellung innerhalb der geistigen Entwicklung der Menschheit begreifen will, so muss man diese Entwicklung seit ihrem Ausgangspunkt bei Sokrates, Plato und Aristoteles ins Auge fassen. Für den, der in die Dinge hineinsieht, ist alles, was dazwischen liegt, für die Geistesentwicklung der Menschheit von geringer Bedeutung. Wenn man die Sache historisch ansieht, so stellt sich einem vor Augen, wie im Mittelalter der Katholizismus die Philosophie im Geiste der mittelalterlichen Weltauffassung verarbeitet hat. Aristoteles, dieser große Denker der vorchristlichen Zeit, musste zunächst vergessen werden, dann wieder erinnert werden und angewendet werden nach der Methode der mittelalterlichen Philosophie, der mittelalterlichen Weltanschauung. Es musste der Kompromiss zustande kommen: Rechtfertigung der geistigen Offenbarung mithilfe des Aristotelismus. Diese zwei Dinge sind im Mittelalter zusammengebracht worden, indem man beiden gerecht zu werden versuchte, indem in der Scholastik beide kombiniert worden sind; am entschiedensten bei Thomas von Aquino, der der Doctor Angelicus genannt worden ist, weil er sich der Aufgabe unterzogen hat, mit Hilfe des Aristotelismus die Offenbarung des Christentums zu rechtfertigen.

[ 8 ] Wie wenig man heute den Aufgaben der damaligen Zeit gewachsen ist, das zeigt am besten die Tatsache, dass von einem der neueren Denker die Sache vollständig missverstanden worden ist. Verständnis für das aristotelische Denken ist die Vorbedingung, um die Philosophie von Fichte, Schelling und Hegel zu begreifen. Der Theosoph braucht sich da nicht zu wundern. Er kann sich sagen: Notwendigerweise musste im Christentum die maßgebende Philosophie anders sprechen als im achtzehnten Jahrhundert.

[ 8 ] Wie wenig man heute den Aufgaben der damaligen Zeit gewachsen ist, das zeigt am besten die Tatsache, dass von einem der neueren Denker die Sache vollständig missverstanden worden ist. Verständnis für das aristotelische Denken ist die Vorbedingung, um die Philosophie von Fichte, Schelling und Hegel zu begreifen. Der Theosoph braucht sich da nicht zu wundern. Er kann sich sagen: Notwendigerweise musste im Christentum die maßgebende Philosophie anders sprechen als im achtzehnten Jahrhundert.

[ 9 ] Insbesondere ist es schwer, zu begreifen, dass Aristoteles in seiner Psychologie einen — allerdings schattenhaften, weil bloß philosophischen — Abglanz gibt dessen, was uns wieder in der Theosophie entgegentritt. Wir sprechen zunächst vom physischen Leib. Aristoteles beginnt erst mit dem Ätherleib. Von diesen Dingen spricht er so, wie man drei bis vier Jahrhunderte vor der christlichen Zeitrechnung sprechen musste. Was er «Treptikon» nennt, das ist nichts anderes als das, was wir Ätherleib nennen, und was er «Ästhetikon» nennt, ist nichts anderes als das, was wir Empfindungsleib oder Astralleib nennen. Im Grunde genommen ist es ganz dasselbe. Nur ist es für die Theosophie etwas aus der lebendigen Anschauung Ergriffenes, für Aristoteles etwas aus der logischen philosophischen Tradition im Schattenhaften Gehaltenes. Dann hat er auch das «Erektikon», das, was wir Empfindungsseele nennen. Dann das «Kinetikon», die Verstandes- oder Gemütsseele.

[ 9 ] Insbesondere ist es schwer, zu begreifen, dass Aristoteles in seiner Psychologie einen — allerdings schattenhaften, weil bloß philosophischen — Abglanz gibt dessen, was uns wieder in der Theosophie entgegentritt. Wir sprechen zunächst vom physischen Leib. Aristoteles beginnt erst mit dem Ätherleib. Von diesen Dingen spricht er so, wie man drei bis vier Jahrhunderte vor der christlichen Zeitrechnung sprechen musste. Was er «Treptikon» nennt, das ist nichts anderes als das, was wir Ätherleib nennen, und was er «Ästhetikon» nennt, ist nichts anderes als das, was wir Empfindungsleib oder Astralleib nennen. Im Grunde genommen ist es ganz dasselbe. Nur ist es für die Theosophie etwas aus der lebendigen Anschauung Ergriffenes, für Aristoteles etwas aus der logischen philosophischen Tradition im Schattenhaften Gehaltenes. Dann hat er auch das «Erektikon», das, was wir Empfindungsseele nennen. Dann das «Kinetikon», die Verstandes- oder Gemütsseele.

[ 10 ] Eines aber findet sich nicht im Aristotelismus, es findet sich kein adäquater Ausdruck für die Bewusstseinsseele. Wie sollten Sie sich aber wundern, dass Sie das nicht finden? Dazumal war eben das Denken noch nicht so weit gediehen und entwickelt, dass man auch von Bewusstseinsseele hätte sprechen können. Aber erst in der Bewusstseinsseele kommt das Ich zu einer denkerischen, zu einer inneren Wahrnehmung von sich selbst. Damals konnte von Aristoteles noch nicht — wie in der neueren Philosophie — von dem Ich gesprochen werden. Deshalb musste von etwas anderem die Rede sein, von dem, was sich von außen, vom geistig Äußeren her in die Empfindungsseele und in die Verstandes- oder Gemütsseele hineingießt. Dasjenige, was darin waltet, was wir heute Bewusstseinsseele nennen, finden Sie so, dass Aristoteles hinaufsieht zu dem Göttlichen, das von außen in den Menschen hereinwirkt und die zwei Seelenglieder Empfindungsseele und Verstandes- oder Gemütsseele durchgeistigt. Das nennt Aristoteles den «Nous». Das, was Aristoteles den Nous nennt, ist dasjenige, was in der damaligen Zeit als Geist äußerlich empfunden wurde. Der Nous wird auf zweifache Art erlebt, in der Empfindungsseele und in der Verstandes- oder Gemütsseele, als Anreger der Empfindungsseele: «Nous poietikos», als Anreger der Verstandes- oder Gemütsseele: «Nous pathetikos». Da haben Sie aus uralten Traditionen der griechischen Mysterien, was uns heute wieder aus der geistigen Forschung entgegentritt.

[ 10 ] Eines aber findet sich nicht im Aristotelismus, es findet sich kein adäquater Ausdruck für die Bewusstseinsseele. Wie sollten Sie sich aber wundern, dass Sie das nicht finden? Dazumal war eben das Denken noch nicht so weit gediehen und entwickelt, dass man auch von Bewusstseinsseele hätte sprechen können. Aber erst in der Bewusstseinsseele kommt das Ich zu einer denkerischen, zu einer inneren Wahrnehmung von sich selbst. Damals konnte von Aristoteles noch nicht — wie in der neueren Philosophie — von dem Ich gesprochen werden. Deshalb musste von etwas anderem die Rede sein, von dem, was sich von außen, vom geistig Äußeren her in die Empfindungsseele und in die Verstandes- oder Gemütsseele hineingießt. Dasjenige, was darin waltet, was wir heute Bewusstseinsseele nennen, finden Sie so, dass Aristoteles hinaufsieht zu dem Göttlichen, das von außen in den Menschen hereinwirkt und die zwei Seelenglieder Empfindungsseele und Verstandes- oder Gemütsseele durchgeistigt. Das nennt Aristoteles den «Nous». Das, was Aristoteles den Nous nennt, ist dasjenige, was in der damaligen Zeit als Geist äußerlich empfunden wurde. Der Nous wird auf zweifache Art erlebt, in der Empfindungsseele und in der Verstandes- oder Gemütsseele, als Anreger der Empfindungsseele: «Nous poietikos», als Anreger der Verstandes- oder Gemütsseele: «Nous pathetikos». Da haben Sie aus uralten Traditionen der griechischen Mysterien, was uns heute wieder aus der geistigen Forschung entgegentritt.

[ 11 ] Aristoteles’ Psychologie wurde dann im Mittelalter zum Hineinsteigen in die katholischen Offenbarungswahrheiten verwendet. Eine eigentliche Ich-Lehre, wie sie sich ergibt aus der Wahrnehmung des Ich in der Bewusstseinsseele, ist aber in der aristotelischen Psychologie nicht enthalten. Aber es wäre gut für unsere Gegenwart, wenn sie einen etwas anderen Begriff des Aristoteles wieder ergreifen und in ihre Begriffswelt aufnehmen würde. Es fehlt in unserer ganzen Begriffswelt ein Begriff, den Aristoteles hatte, und der, wenn er verstanden würde, hinreichen würde, dasjenige was der neuere Darwinismus mit seiner Naturphilosophie aussagt, einfach hinwegzufegen.

[ 11 ] Aristoteles’ Psychologie wurde dann im Mittelalter zum Hineinsteigen in die katholischen Offenbarungswahrheiten verwendet. Eine eigentliche Ich-Lehre, wie sie sich ergibt aus der Wahrnehmung des Ich in der Bewusstseinsseele, ist aber in der aristotelischen Psychologie nicht enthalten. Aber es wäre gut für unsere Gegenwart, wenn sie einen etwas anderen Begriff des Aristoteles wieder ergreifen und in ihre Begriffswelt aufnehmen würde. Es fehlt in unserer ganzen Begriffswelt ein Begriff, den Aristoteles hatte, und der, wenn er verstanden würde, hinreichen würde, dasjenige was der neuere Darwinismus mit seiner Naturphilosophie aussagt, einfach hinwegzufegen.

[ 12 ] Diesen Begriff hat die Philosophie verloren. Aristoteles ist sich nämlich bewusst, dass wir es beim Menschen zunächst mit dem zu tun haben, was wir seine animalische Natur nennen, und Aristoteles spricht durchaus von dieser animalischen Natur des Menschen und ihrer Ähnlichkeit mit der tierischen Natur im Tierreich. Nur redet Aristoteles von der animalischen Natur des Menschen anders als von der animalischen Natur der Tiere. Aristoteles spricht durchaus von der Seele bei den Tieren, aber er ist sich klar darüber, dass, obzwar diese Seele der Tiere in der gesamten menschlichen Organisation noch vorhanden ist, sie da jedoch etwas durchmacht, was sie durchmachen muss durch das Durchdrungensein der animalischen Seele mit dem Nous. Und dieses Durchdrungensein der animalischen Seele mit dem Nous, das bezeichnet Aristoteles mit einem Begriff, der wenig verstanden worden ist. Das zeigt die Art, wie man in den gewöhnlichen Philosophiegeschichten und Übersetzungen des Aristoteles ... übersetzt hat. Dies ist ein Begriff, der heute außerordentlich schwer wiederzugeben ist, weil er keine Fortentwicklung erfahren hat. Wollen wir ihn wiedergeben, so können wir sagen, etwa Folgendes würde den Begriff wiedergeben: Etwas von der Seele wird entsetzt durch ein Höheres, sodass also dasjenige, was da geschieht mit der tierischen Seele durch den Nous des Aristoteles, das ist, was man nennen könnte: Ein Entsetzen, ein Überwinden der Gewalt der tierischen Seele durch den Nous. Dadurch aber wird das menschliche Seelische erst in Metamorphose hervorgebracht aus dem tierischen Seelischen. Und wenn dieser Begriff erst wieder einmal erfasst werden wird, dann wird man allerdings das Verhältnis des Menschlichen und Tierischen auch naturphilosophisch in entsprechender Weise zu fassen verstehen.

[ 12 ] Diesen Begriff hat die Philosophie verloren. Aristoteles ist sich nämlich bewusst, dass wir es beim Menschen zunächst mit dem zu tun haben, was wir seine animalische Natur nennen, und Aristoteles spricht durchaus von dieser animalischen Natur des Menschen und ihrer Ähnlichkeit mit der tierischen Natur im Tierreich. Nur redet Aristoteles von der animalischen Natur des Menschen anders als von der animalischen Natur der Tiere. Aristoteles spricht durchaus von der Seele bei den Tieren, aber er ist sich klar darüber, dass, obzwar diese Seele der Tiere in der gesamten menschlichen Organisation noch vorhanden ist, sie da jedoch etwas durchmacht, was sie durchmachen muss durch das Durchdrungensein der animalischen Seele mit dem Nous. Und dieses Durchdrungensein der animalischen Seele mit dem Nous, das bezeichnet Aristoteles mit einem Begriff, der wenig verstanden worden ist. Das zeigt die Art, wie man in den gewöhnlichen Philosophiegeschichten und Übersetzungen des Aristoteles ... übersetzt hat. Dies ist ein Begriff, der heute außerordentlich schwer wiederzugeben ist, weil er keine Fortentwicklung erfahren hat. Wollen wir ihn wiedergeben, so können wir sagen, etwa Folgendes würde den Begriff wiedergeben: Etwas von der Seele wird entsetzt durch ein Höheres, sodass also dasjenige, was da geschieht mit der tierischen Seele durch den Nous des Aristoteles, das ist, was man nennen könnte: Ein Entsetzen, ein Überwinden der Gewalt der tierischen Seele durch den Nous. Dadurch aber wird das menschliche Seelische erst in Metamorphose hervorgebracht aus dem tierischen Seelischen. Und wenn dieser Begriff erst wieder einmal erfasst werden wird, dann wird man allerdings das Verhältnis des Menschlichen und Tierischen auch naturphilosophisch in entsprechender Weise zu fassen verstehen.

[ 13 ] Ich habe Ihnen einiges von dem vorgeführt, was philosophisch durch das ganze Mittelalter hindurchgeht und bis in die Neuzeit herauf bewahrt worden ist und zum Rechtfertigen der kirchlich-katholischen Offenbarung verwendet worden ist. Ich habe versucht, das mit ein paar Begriffen zu charakterisieren. Das sind nur einige herausgegriffene Dinge. Ich wollte das aus dem Grunde herausgreifen, weil ich bei Ihnen eine Vorstellung wachrufen möchte davon, dass es nicht so leicht ist, genau und prägnant den Sinn der aristotelischen Begriffe zu treffen, da die heutigen Begriffe sich nicht mehr mit den Begriffen des Aristoteles decken. Schon im Mittelalter hatten die Philosophen, die ihn verstanden, die größte Mühe, ihn vor Missverständnissen zu retten. Während der Nous richtig übersetzt wurde mit dem Wort «intellectus agens», haben die pantheistischen Philosophen des Arabismus die tollsten Sprünge gemacht gerade mit solchen Begriffen, die nur dann richtig interpretiert werden können, wenn man ihre volle Bedeutung für die menschliche Natur durchschaut und die furchtbar entstellt werden, wenn man einen nebulosen Pantheismus in sie hineininterpretiert.

[ 13 ] Ich habe Ihnen einiges von dem vorgeführt, was philosophisch durch das ganze Mittelalter hindurchgeht und bis in die Neuzeit herauf bewahrt worden ist und zum Rechtfertigen der kirchlich-katholischen Offenbarung verwendet worden ist. Ich habe versucht, das mit ein paar Begriffen zu charakterisieren. Das sind nur einige herausgegriffene Dinge. Ich wollte das aus dem Grunde herausgreifen, weil ich bei Ihnen eine Vorstellung wachrufen möchte davon, dass es nicht so leicht ist, genau und prägnant den Sinn der aristotelischen Begriffe zu treffen, da die heutigen Begriffe sich nicht mehr mit den Begriffen des Aristoteles decken. Schon im Mittelalter hatten die Philosophen, die ihn verstanden, die größte Mühe, ihn vor Missverständnissen zu retten. Während der Nous richtig übersetzt wurde mit dem Wort «intellectus agens», haben die pantheistischen Philosophen des Arabismus die tollsten Sprünge gemacht gerade mit solchen Begriffen, die nur dann richtig interpretiert werden können, wenn man ihre volle Bedeutung für die menschliche Natur durchschaut und die furchtbar entstellt werden, wenn man einen nebulosen Pantheismus in sie hineininterpretiert.

[ 14 ] Wenn man nun zur zweiten Epoche der philosophischen Geistesentwicklung geht, auf die hingewiesen worden ist, so kann man sie natürlich nur dann hinreichend charakterisieren, wenn man den ganzen Gang der philosophischen Geistesentwicklung von dem ersten Ringen des Aristoteles herauf über Spinoza zeigt, dann zeigt, wie in der deutschen Philosophie in Leibniz und Wolff eine merkwürdige Ausgestaltung dieses Ringens zustande gekommen ist und wie dann im Kantianismus aus Opposition zum Wolffianismus ein Skeptizismus zustande gekommen ist. Das zu zeigen würde notwendig sein, wenn man das Ringen des Denkens der abendländischen Menschheit charakterisieren will, wenn man aus der deutschen Philosophie heraus das Trifolium Fichte, Schelling und Hegel begreifen will, wenn man eine Vorstellung von dem haben will, was um die Wende vom achtzehnten zum neunzehnten Jahrhundert philosophisch von Fichte, Schelling und Hegel versucht worden 1st, Aus dem Kantianismus heraus hat Fichte versucht, seine Ich-Philosophie zu geben. Wer aber das Hervorgehen des Fichteanismus aus dem Kantianismus studiert, sieht, dass der Kantianismus nicht die eigentliche Ursache war, sondern dass die eigentliche Veranlassung in der Natur Fichtes lag. So möchte ich Ihnen den Fichteanismus rein für sich stehend charakterisieren. Ganz im Sinne der mittlerweile zum Ich-Bewusstsein gekommenen Menschheit geht Fichte darauf aus, das Ich zu erfassen. Wer nun in diesen Abgrund hinabsteigt, der hat es nicht leicht. Daher glauben Sie nicht, dass es mir jemals einfallen könnte, gegen diejenigen, die Fichte nicht verstehen und ihn entstellen, hart zu werden. Ich begreife jedes Missverständnis, begreife jeden der noch so vielen Einwände, begreife Schopenhauer, der Fichte einen Windbeutel und Scharlatan genannt hat. Das kann wohl etwas begreiflich sein, weil das, was man haben muss, um Fichte zu verstehen, so unendlich tief und abgrundtief ist, dass man es immer verzeihlich finden kann, wenn Missverständnisse zustande kommen.

[ 14 ] Wenn man nun zur zweiten Epoche der philosophischen Geistesentwicklung geht, auf die hingewiesen worden ist, so kann man sie natürlich nur dann hinreichend charakterisieren, wenn man den ganzen Gang der philosophischen Geistesentwicklung von dem ersten Ringen des Aristoteles herauf über Spinoza zeigt, dann zeigt, wie in der deutschen Philosophie in Leibniz und Wolff eine merkwürdige Ausgestaltung dieses Ringens zustande gekommen ist und wie dann im Kantianismus aus Opposition zum Wolffianismus ein Skeptizismus zustande gekommen ist. Das zu zeigen würde notwendig sein, wenn man das Ringen des Denkens der abendländischen Menschheit charakterisieren will, wenn man aus der deutschen Philosophie heraus das Trifolium Fichte, Schelling und Hegel begreifen will, wenn man eine Vorstellung von dem haben will, was um die Wende vom achtzehnten zum neunzehnten Jahrhundert philosophisch von Fichte, Schelling und Hegel versucht worden 1st, Aus dem Kantianismus heraus hat Fichte versucht, seine Ich-Philosophie zu geben. Wer aber das Hervorgehen des Fichteanismus aus dem Kantianismus studiert, sieht, dass der Kantianismus nicht die eigentliche Ursache war, sondern dass die eigentliche Veranlassung in der Natur Fichtes lag. So möchte ich Ihnen den Fichteanismus rein für sich stehend charakterisieren. Ganz im Sinne der mittlerweile zum Ich-Bewusstsein gekommenen Menschheit geht Fichte darauf aus, das Ich zu erfassen. Wer nun in diesen Abgrund hinabsteigt, der hat es nicht leicht. Daher glauben Sie nicht, dass es mir jemals einfallen könnte, gegen diejenigen, die Fichte nicht verstehen und ihn entstellen, hart zu werden. Ich begreife jedes Missverständnis, begreife jeden der noch so vielen Einwände, begreife Schopenhauer, der Fichte einen Windbeutel und Scharlatan genannt hat. Das kann wohl etwas begreiflich sein, weil das, was man haben muss, um Fichte zu verstehen, so unendlich tief und abgrundtief ist, dass man es immer verzeihlich finden kann, wenn Missverständnisse zustande kommen.

[ 15 ] Dem Ich gegenüber weiß sich das menschliche Denken nicht immer logisch zu verhalten, und man kann diesbezüglich manchmal einer grandiosen Unlogik in der Literatur, namentlich in der wissenschaftlichen Literatur begegnen. Man kann heute noch sehen, wie die tollsten Quersprünge gemacht werden, da, wo es sich darum handelt, den Übergang zu finden von einer Behauptung, die das Ich tut, zur Anwendung dieser Behauptung auf das Ich selber. Das ist das logische Fundament, auf das es ankommt. Es muss der Übergang von einer Behauptung, die das Ich tut, zu der Anwendung auf das Ich, erfasst werden. Nehmen Sie das alte Schulbeispiel: Ein Kreter sagt: Alle Kreter sind Lügner. — Wenn alle Kreter Lügner sind, so kann das nicht wahr sein. Es kann also das, was der Sprecher behauptet, nur dann in Betracht kommen, wenn er selber ausgenommen wird, wenn er herausgeschnitten wird. In dem Augenblick, wo Sie eine Behauptung, die ein Ich tut, anwenden auf das Ich selber, kommen Sie nicht einmal mehr formal-logisch zurande. Nur werden alle diese Dinge, die immer wieder angeführt werden, nicht verstanden. Da, wo der Übergang von einer Behauptung des Ich zum Ich selber ist, werden sich die Leute nicht bewusst, dass das ein Sprung ist.

[ 15 ] Dem Ich gegenüber weiß sich das menschliche Denken nicht immer logisch zu verhalten, und man kann diesbezüglich manchmal einer grandiosen Unlogik in der Literatur, namentlich in der wissenschaftlichen Literatur begegnen. Man kann heute noch sehen, wie die tollsten Quersprünge gemacht werden, da, wo es sich darum handelt, den Übergang zu finden von einer Behauptung, die das Ich tut, zur Anwendung dieser Behauptung auf das Ich selber. Das ist das logische Fundament, auf das es ankommt. Es muss der Übergang von einer Behauptung, die das Ich tut, zu der Anwendung auf das Ich, erfasst werden. Nehmen Sie das alte Schulbeispiel: Ein Kreter sagt: Alle Kreter sind Lügner. — Wenn alle Kreter Lügner sind, so kann das nicht wahr sein. Es kann also das, was der Sprecher behauptet, nur dann in Betracht kommen, wenn er selber ausgenommen wird, wenn er herausgeschnitten wird. In dem Augenblick, wo Sie eine Behauptung, die ein Ich tut, anwenden auf das Ich selber, kommen Sie nicht einmal mehr formal-logisch zurande. Nur werden alle diese Dinge, die immer wieder angeführt werden, nicht verstanden. Da, wo der Übergang von einer Behauptung des Ich zum Ich selber ist, werden sich die Leute nicht bewusst, dass das ein Sprung ist.

[ 16 ] Es gibt einen Philosophen und Psychologen, der alles, was ein Mensch aus Wünschen und Leidenschaften heraus tut, mehr oder weniger auf die gewöhnlichen sinnlichen Triebe zurückführt. Er hat auch über Schülerselbstmorde geschrieben. Er versucht zu zeigen, dass nicht die Gründe, die sich der Schüler vormalt, ihn zum Selbstmord getrieben haben, sondern dass die wirklichen Gründe im sinnlichen und geschlechtlichen Leben liegen. Dieser Philosoph und Psychologe unterscheidet nun für unzählige Gebiete zwischen dem Motiv einer Handlung und dem Vorwand, und er sagt, der Vorwand kann etwas ganz anderes sein als das Motiv, das Motiv sei etwas im sinnlichen Leben Liegendes. Wenn sich diese Weltanschauung nur einmal klarmachte, wie sie sich ausnimmt, wenn man sie auf sie selber anwendet, wenn man diesem Psychologen sagen würde: Deine Gründe, alles, womit du deine Sache beweisen willst, sind die Vorwände, wir sehen aber in dein sinnliches Triebleben, in deine sündigen Triebe hinein, da haben wir die Motive für das, was du schreibst. Da haben Sie in grober Weise den Übergang charakterisiert, der nicht zum Bewusstsein gebracht wird.

[ 16 ] Es gibt einen Philosophen und Psychologen, der alles, was ein Mensch aus Wünschen und Leidenschaften heraus tut, mehr oder weniger auf die gewöhnlichen sinnlichen Triebe zurückführt. Er hat auch über Schülerselbstmorde geschrieben. Er versucht zu zeigen, dass nicht die Gründe, die sich der Schüler vormalt, ihn zum Selbstmord getrieben haben, sondern dass die wirklichen Gründe im sinnlichen und geschlechtlichen Leben liegen. Dieser Philosoph und Psychologe unterscheidet nun für unzählige Gebiete zwischen dem Motiv einer Handlung und dem Vorwand, und er sagt, der Vorwand kann etwas ganz anderes sein als das Motiv, das Motiv sei etwas im sinnlichen Leben Liegendes. Wenn sich diese Weltanschauung nur einmal klarmachte, wie sie sich ausnimmt, wenn man sie auf sie selber anwendet, wenn man diesem Psychologen sagen würde: Deine Gründe, alles, womit du deine Sache beweisen willst, sind die Vorwände, wir sehen aber in dein sinnliches Triebleben, in deine sündigen Triebe hinein, da haben wir die Motive für das, was du schreibst. Da haben Sie in grober Weise den Übergang charakterisiert, der nicht zum Bewusstsein gebracht wird.

[ 17 ] Ich wollte Ihnen an einem groben Beispiel zeigen, wie heute die Menschen in der Tat so wenig Logik im Leibe haben, dass sie den Satz des Kreters nicht verstehen. Das war ein Beispiel für das Nichtverständnis dieses Satzes. Ich wollte zeigen, dass man in ganz besondere Gebiete steigt, wenn man aus der gesamten übrigen Summe unseres Weltbildes zu dem herauf dringt, was Inhalt unseres Ich ist.

[ 17 ] Ich wollte Ihnen an einem groben Beispiel zeigen, wie heute die Menschen in der Tat so wenig Logik im Leibe haben, dass sie den Satz des Kreters nicht verstehen. Das war ein Beispiel für das Nichtverständnis dieses Satzes. Ich wollte zeigen, dass man in ganz besondere Gebiete steigt, wenn man aus der gesamten übrigen Summe unseres Weltbildes zu dem herauf dringt, was Inhalt unseres Ich ist.

[ 18 ] Nun aber sagte sich Fichte: Innerhalb des Bewusstseins, das der Mensch zunächst hat, kann eigentlich nichts leben, kann es nichts geben, von dem der Mensch wüsste, ohne dass sein Ich daran beteiligt wäre. Was auch immer an Gegenständen in dieses Bewusstsein hereintritt, es muss sie zuerst dieses Ich ergreifen‚ sie müssen das Ich in irgendeiner Weise berühren. Ohne dass die Dinge, Wesen oder was auch immer in irgendein Verhältnis zu diesem Ich treten, kann das Ich überhaupt nichts kennen von dem, was im Blickfeld unseres Bewusstseins auftritt. Fichte sagte sich also: Das Ich muss überall dabei sein, deshalb gibt es nichts, was wir innerhalb unseres Bewusstseins, innerhalb unseres Denkorganismus finden, was außerhalb des Ich liegen kann. Also ein solches Ding wie das Kant’sche «Ding an sich» ist für Fichte ein Unbegriff. Und man kann leicht darauf kommen, dass dieses Ding an sich ein Unbegriff ist. Man müsste ja versuchen, sich dieses Ding an sich vorzustellen. Man soll sich also dasjenige vorstellen, was außerhalb der Vorstellung liegt. Können Sie sich dasjenige, was außerhalb Ihrer Vorstellung liegt, vorstellen? Es ist unmöglich, sich das vorzustellen.

[ 18 ] Nun aber sagte sich Fichte: Innerhalb des Bewusstseins, das der Mensch zunächst hat, kann eigentlich nichts leben, kann es nichts geben, von dem der Mensch wüsste, ohne dass sein Ich daran beteiligt wäre. Was auch immer an Gegenständen in dieses Bewusstsein hereintritt, es muss sie zuerst dieses Ich ergreifen‚ sie müssen das Ich in irgendeiner Weise berühren. Ohne dass die Dinge, Wesen oder was auch immer in irgendein Verhältnis zu diesem Ich treten, kann das Ich überhaupt nichts kennen von dem, was im Blickfeld unseres Bewusstseins auftritt. Fichte sagte sich also: Das Ich muss überall dabei sein, deshalb gibt es nichts, was wir innerhalb unseres Bewusstseins, innerhalb unseres Denkorganismus finden, was außerhalb des Ich liegen kann. Also ein solches Ding wie das Kant’sche «Ding an sich» ist für Fichte ein Unbegriff. Und man kann leicht darauf kommen, dass dieses Ding an sich ein Unbegriff ist. Man müsste ja versuchen, sich dieses Ding an sich vorzustellen. Man soll sich also dasjenige vorstellen, was außerhalb der Vorstellung liegt. Können Sie sich dasjenige, was außerhalb Ihrer Vorstellung liegt, vorstellen? Es ist unmöglich, sich das vorzustellen.

[ 19 ] Was ich mit ein paar Worten gesagt habe, war das, was Fichte als mächtigen Impuls in seiner Seele fühlte. Alles muss mit den Fangarmen des Ich ergriffen werden, das Ich ist der große Akteur — und etwas anderes kann es nicht geben innerhalb unserer Erfahrung — der alles ergreifen muss. Da entsteht aber die Frage, und deren ist sich Fichte bewusst: Wie kommt es denn aber, dass das Ich immerfort Dinge um sich hat, bei denen es sich klar ist, dass es sie nicht selber erzeugt hat? Es soll nichts in das Bewusstseinsfeld hereinkommen, woran das Ich nicht beteiligt ist. Und doch findet das Ich, dass eine Menge von Dingen da sind, die es nicht gemacht hat. Das sind die grundlegenden Punkte, wo Fichte auf etwas aufmerksam gemacht hat, was nur die moderne Theosophie ganz verstehen kann. Er macht darauf aufmerksam, indem er sagt: Es gibt eine Tätigkeit des Ich, die wir gewöhnlich übersehen. Beim Somnambulismus haben wir eine Tätigkeit, die vom Ich ausgeht, aber nicht vom bewussten Denken umfasst wird. Beim Somnambulismus sehen wir eine Tätigkeit des Ich, die umfassender, umspannender ist als dasjenige, was man zunächst mit dem gewöhnlichen Wachbewusstsein des Ich überblickt. Fichte steigt also hinunter zu einer Tätigkeit, die eine Tätigkeit des Ich ist, aber nicht hereinfällt in das Denkerische, die aber vorgestellt werden kann, während man ein «Ich an sich» als Unding nicht vorstellen kann. Aber das, was dem Ich entspricht und gleichartig ist mit der Ich-Tätigkeit, das ist, was auch im Innern vom Ich ergriffen werden kann, weil es ichartiger Natur ist. So weist Fichte auf eine Außenwelt hin, von der sich das Ich bewusst ist, dass es sie nicht gemacht hat, wobei es aber doch, wenn es sich selber als umfassendes Ich, als absolutes Ich — im Gegensatz zum relativen Ich — erlebt, doch erkennen kann, dass es an dieser Außenwelt beteiligt ist. So weist Fichte am Ich über das Ich hinaus. Das ist der große Fortschritt auf dem Gebiet der Philosophie, und mit diesem Fortschritt ist etwas geschehen, was über Cartesius hinausgeht, über das «cogito ergo sum». Das «cogito ergo sum» ist etwas, was das Sein des Ich am Denken belegt, während bei Fichtes Charakteristik das Sein des Ich aus dem Willen hervorgeht, und das ist das Wesentliche. Wie zusammengedrängt in den Punkt des Ich ist alles, was Fichte aufbringen konnte an Erkenntniskräften. Und daher war er es auch, der verstehen konnte, dass man vom Ich ausgehend alles in der Welt zu begreifen hat.

[ 19 ] Was ich mit ein paar Worten gesagt habe, war das, was Fichte als mächtigen Impuls in seiner Seele fühlte. Alles muss mit den Fangarmen des Ich ergriffen werden, das Ich ist der große Akteur — und etwas anderes kann es nicht geben innerhalb unserer Erfahrung — der alles ergreifen muss. Da entsteht aber die Frage, und deren ist sich Fichte bewusst: Wie kommt es denn aber, dass das Ich immerfort Dinge um sich hat, bei denen es sich klar ist, dass es sie nicht selber erzeugt hat? Es soll nichts in das Bewusstseinsfeld hereinkommen, woran das Ich nicht beteiligt ist. Und doch findet das Ich, dass eine Menge von Dingen da sind, die es nicht gemacht hat. Das sind die grundlegenden Punkte, wo Fichte auf etwas aufmerksam gemacht hat, was nur die moderne Theosophie ganz verstehen kann. Er macht darauf aufmerksam, indem er sagt: Es gibt eine Tätigkeit des Ich, die wir gewöhnlich übersehen. Beim Somnambulismus haben wir eine Tätigkeit, die vom Ich ausgeht, aber nicht vom bewussten Denken umfasst wird. Beim Somnambulismus sehen wir eine Tätigkeit des Ich, die umfassender, umspannender ist als dasjenige, was man zunächst mit dem gewöhnlichen Wachbewusstsein des Ich überblickt. Fichte steigt also hinunter zu einer Tätigkeit, die eine Tätigkeit des Ich ist, aber nicht hereinfällt in das Denkerische, die aber vorgestellt werden kann, während man ein «Ich an sich» als Unding nicht vorstellen kann. Aber das, was dem Ich entspricht und gleichartig ist mit der Ich-Tätigkeit, das ist, was auch im Innern vom Ich ergriffen werden kann, weil es ichartiger Natur ist. So weist Fichte auf eine Außenwelt hin, von der sich das Ich bewusst ist, dass es sie nicht gemacht hat, wobei es aber doch, wenn es sich selber als umfassendes Ich, als absolutes Ich — im Gegensatz zum relativen Ich — erlebt, doch erkennen kann, dass es an dieser Außenwelt beteiligt ist. So weist Fichte am Ich über das Ich hinaus. Das ist der große Fortschritt auf dem Gebiet der Philosophie, und mit diesem Fortschritt ist etwas geschehen, was über Cartesius hinausgeht, über das «cogito ergo sum». Das «cogito ergo sum» ist etwas, was das Sein des Ich am Denken belegt, während bei Fichtes Charakteristik das Sein des Ich aus dem Willen hervorgeht, und das ist das Wesentliche. Wie zusammengedrängt in den Punkt des Ich ist alles, was Fichte aufbringen konnte an Erkenntniskräften. Und daher war er es auch, der verstehen konnte, dass man vom Ich ausgehend alles in der Welt zu begreifen hat.

[ 20 ] Was ich so ganz skizzenhaft mitgeteilt habe, trug Fichte vor in Jena 1793/94, und man kann, wenn man sein philosophisches Ringen im status nascendi begreifen will, es am besten begreifen, wenn man die erste Gestalt seiner «Wissenschaftslehre», die Ausgabe von 1794, die noch sein ganzes philosophisches Ringen zeigt, in die Hand nimmt. So war sozusagen der philosophische Horizont geschaffen, so der Geist auf eine Höhe geführt. Es war der Ausgangspunkt, der Fluchtpunkt der Perspektive geschaffen.

[ 20 ] Was ich so ganz skizzenhaft mitgeteilt habe, trug Fichte vor in Jena 1793/94, und man kann, wenn man sein philosophisches Ringen im status nascendi begreifen will, es am besten begreifen, wenn man die erste Gestalt seiner «Wissenschaftslehre», die Ausgabe von 1794, die noch sein ganzes philosophisches Ringen zeigt, in die Hand nimmt. So war sozusagen der philosophische Horizont geschaffen, so der Geist auf eine Höhe geführt. Es war der Ausgangspunkt, der Fluchtpunkt der Perspektive geschaffen.

[ 21 ] Der Nächste, der sich an diesen Punkt stellte, um ein Weltbild zu entwerfen, war Schelling. Schelling hat nun etwas getan, was für den, der in das Wesen dieser Sache hineinsehen kann, ganz verständlich ist, was aber für unsere Gegenwart mit den gebräuchlichen Begriffen nicht verständlich sein kann. Schelling sagte sich: Nun ja, unser großer Lehrer Fichte — Schelling war sein genialster Schüler — hat uns hinaufgeführt bis zu diesem Punkt, aber da muss die Seele einen Inhalt bekommen. Schelling musste über die einseitige psychologische Erfassung des «Ich bin» hinausgehen, er musste gleichsam das «Ich bin» zu einer Welt erweitern. Das konnte er nur, indem er zeigte, dass man in der Art, wie man das «Ich bin» wahrnimmt, noch mehr wahrnehmen kann. Er berief sich auf die sogenannte «intellektuelle Anschauung». Was ist diese intellektuelle Anschauung? Diese so viel missverstandene intellektuelle Anschauung ist nichts anderes als das Bewusstsein, dass man am Standort des «Ich bin» stehen kann, aber nicht dort verbleiben muss, sondern dass man etwas schauen kann, das in derselben Art wahrgenommen wird wie das «Ich bin», und der Inhalt dieser Wahrnehmung liegt in intellektueller Anschauung vor. Diese intellektuelle Anschauung ist sehr verleugnet worden.

[ 21 ] Der Nächste, der sich an diesen Punkt stellte, um ein Weltbild zu entwerfen, war Schelling. Schelling hat nun etwas getan, was für den, der in das Wesen dieser Sache hineinsehen kann, ganz verständlich ist, was aber für unsere Gegenwart mit den gebräuchlichen Begriffen nicht verständlich sein kann. Schelling sagte sich: Nun ja, unser großer Lehrer Fichte — Schelling war sein genialster Schüler — hat uns hinaufgeführt bis zu diesem Punkt, aber da muss die Seele einen Inhalt bekommen. Schelling musste über die einseitige psychologische Erfassung des «Ich bin» hinausgehen, er musste gleichsam das «Ich bin» zu einer Welt erweitern. Das konnte er nur, indem er zeigte, dass man in der Art, wie man das «Ich bin» wahrnimmt, noch mehr wahrnehmen kann. Er berief sich auf die sogenannte «intellektuelle Anschauung». Was ist diese intellektuelle Anschauung? Diese so viel missverstandene intellektuelle Anschauung ist nichts anderes als das Bewusstsein, dass man am Standort des «Ich bin» stehen kann, aber nicht dort verbleiben muss, sondern dass man etwas schauen kann, das in derselben Art wahrgenommen wird wie das «Ich bin», und der Inhalt dieser Wahrnehmung liegt in intellektueller Anschauung vor. Diese intellektuelle Anschauung ist sehr verleugnet worden.

[ 22 ] So haben wir bei Schelling eine nach Art der IchErkenntnis ausgearbeitete Natur- und Geisterkenntnis. Man muss allerdings ein Organ dafür haben, wenn man auf solche Dinge, wie sie von Schelling ausgeführt werden, eingehen will. Dies gilt insbesondere für seine Gedanken über das Licht. Es ist leicht, alles was sich bei Schelling findet, zu widerlegen, es ist viel leichter, ihn zu widerlegen, als ihn zu verstehen und zu rechtfertigen. So ist es auch bei Hegel. Man kann Hegel leicht widerlegen, aber es kann sich für den, der Schelling und Hegel verstehen will, nicht darum handeln, sie zu widerlegen, sondern zu verstehen, was sie wollten. Hegel war ein Schüler Fichtes und ein Zeitgenosse Schellings. Er versuchte seinerseits, dasjenige fortzuführen, was sich ergibt auf dem Horizont, zu dem Fichte die Menschen gehoben hatte, nur in anderer Art als Schelling. Eine intellektuelle Anschauung ließ Hegel nicht zu. Er wollte das darstellen, was jeder Mensch ohne intellektuelle Anschauung, nur dadurch, dass er sich auf diesen Standpunkt ehrlich und redlich stellt, finden kann. Hegel wurde es klar, dass alles, was einem Ding, einem Wesen zugrunde liegt, uns in der Art des «Ich bin» gegeben wird. Verstehen wir uns richtig, was Hegel durch den Sinn ging. Es ging ihm durch den Sinn: Warum sollten Begriffe und Ideen für die Natur der Dinge eine Bedeutung haben, einer Wahrheit entsprechen, wenn das, was wir im Geiste erleben, was unser Geist an Begriffsentwicklung durchmacht, nicht den Dingen ursprünglich zugrunde läge, wenn das nicht der objektive Gang der Dinge wäre? So wird Hegels Standpunkt ein solcher, der so charakterisiert werden muss, dass man sagt: Der Mensch kann zunächst den Dingen so gegenübertreten, dass er sich allerlei Meinungen und Gedanken über die Dinge macht, um dann den Weg zu gehen von den Meinungen, die er sich an der äußeren Sinnlichkeit bildet, zum reinen Subjekt.

[ 22 ] So haben wir bei Schelling eine nach Art der IchErkenntnis ausgearbeitete Natur- und Geisterkenntnis. Man muss allerdings ein Organ dafür haben, wenn man auf solche Dinge, wie sie von Schelling ausgeführt werden, eingehen will. Dies gilt insbesondere für seine Gedanken über das Licht. Es ist leicht, alles was sich bei Schelling findet, zu widerlegen, es ist viel leichter, ihn zu widerlegen, als ihn zu verstehen und zu rechtfertigen. So ist es auch bei Hegel. Man kann Hegel leicht widerlegen, aber es kann sich für den, der Schelling und Hegel verstehen will, nicht darum handeln, sie zu widerlegen, sondern zu verstehen, was sie wollten. Hegel war ein Schüler Fichtes und ein Zeitgenosse Schellings. Er versuchte seinerseits, dasjenige fortzuführen, was sich ergibt auf dem Horizont, zu dem Fichte die Menschen gehoben hatte, nur in anderer Art als Schelling. Eine intellektuelle Anschauung ließ Hegel nicht zu. Er wollte das darstellen, was jeder Mensch ohne intellektuelle Anschauung, nur dadurch, dass er sich auf diesen Standpunkt ehrlich und redlich stellt, finden kann. Hegel wurde es klar, dass alles, was einem Ding, einem Wesen zugrunde liegt, uns in der Art des «Ich bin» gegeben wird. Verstehen wir uns richtig, was Hegel durch den Sinn ging. Es ging ihm durch den Sinn: Warum sollten Begriffe und Ideen für die Natur der Dinge eine Bedeutung haben, einer Wahrheit entsprechen, wenn das, was wir im Geiste erleben, was unser Geist an Begriffsentwicklung durchmacht, nicht den Dingen ursprünglich zugrunde läge, wenn das nicht der objektive Gang der Dinge wäre? So wird Hegels Standpunkt ein solcher, der so charakterisiert werden muss, dass man sagt: Der Mensch kann zunächst den Dingen so gegenübertreten, dass er sich allerlei Meinungen und Gedanken über die Dinge macht, um dann den Weg zu gehen von den Meinungen, die er sich an der äußeren Sinnlichkeit bildet, zum reinen Subjekt.

[ 23 ] Hegel hat diese Gedanken in seinem monumentalen Werk «Phänomenologie des Geistes», erschienen 1807, niedergelegt. Abgeschlossen wurde dieses Werk 1806, in dem Moment, als um Jena herum der Kanonendonner der Schlacht von Jena gehört wurde. Da war Hegel in Jena und schrieb den letzten Satz. Da wusste Hegel den Weg zu finden zu einem solchen Standpunkt, wo alles Subjektive nicht mehr in Betracht kommt, wo Subjekt und Objekt nicht mehr in Betracht kommen, sondern der Geist sich überall im objektiven Gang der Dinge manifestiert. In den Ideen und Begriffen hat sich der Geist identisch gemacht mit dem inneren Gang der Dinge.

[ 23 ] Hegel hat diese Gedanken in seinem monumentalen Werk «Phänomenologie des Geistes», erschienen 1807, niedergelegt. Abgeschlossen wurde dieses Werk 1806, in dem Moment, als um Jena herum der Kanonendonner der Schlacht von Jena gehört wurde. Da war Hegel in Jena und schrieb den letzten Satz. Da wusste Hegel den Weg zu finden zu einem solchen Standpunkt, wo alles Subjektive nicht mehr in Betracht kommt, wo Subjekt und Objekt nicht mehr in Betracht kommen, sondern der Geist sich überall im objektiven Gang der Dinge manifestiert. In den Ideen und Begriffen hat sich der Geist identisch gemacht mit dem inneren Gang der Dinge.

[ 24 ] Wer sich nicht aufschwingen kann, zu begreifen, dass diese Dinge so aufgefasst werden müssen, wird Hegels Philosophie, Hegels Logik nicht begreifen können. Bei Hegel handelt es sich darum, dass alles «subjektive Räsonnement» ausgeschlossen wird. Man soll nichts dazu tun, wie ein Begriff an den andern gefügt wird, sondern die Begriffe einen an den andern sich fügen lassen, so wie sie ihrer Natur gemäß einer aus dem andern hervorwachsen und sich aneinander gliedern. Es ist ein Sich-Hingeben an die Gliederung der Begriffswelt, was Hegels Logik sein will. Wie ein Begriff sich aus einem andern entwickelt, das ist das Wesentliche der Hegel’schen Dialektik.

[ 24 ] Wer sich nicht aufschwingen kann, zu begreifen, dass diese Dinge so aufgefasst werden müssen, wird Hegels Philosophie, Hegels Logik nicht begreifen können. Bei Hegel handelt es sich darum, dass alles «subjektive Räsonnement» ausgeschlossen wird. Man soll nichts dazu tun, wie ein Begriff an den andern gefügt wird, sondern die Begriffe einen an den andern sich fügen lassen, so wie sie ihrer Natur gemäß einer aus dem andern hervorwachsen und sich aneinander gliedern. Es ist ein Sich-Hingeben an die Gliederung der Begriffswelt, was Hegels Logik sein will. Wie ein Begriff sich aus einem andern entwickelt, das ist das Wesentliche der Hegel’schen Dialektik.

[ 25 ] Wenn man auf die Hegel’sche Logik eingeht, so gehört das zu den allerschwierigsten Unternehmungen des menschlichen Denkens. Und deshalb das gewöhnliche Resultat, das eintritt, wenn die Leute sich an Hegels Logik machen: Sie ist ihnen zu schwierig. Und ich kann Ihnen die Versicherung geben: In der Zeit, als es die kritische Ausgabe der Hegel’schen Werke noch nicht gab, als es nur die alte Hegelausgabe gab, da hat man in der Bibliothek feststellen können, dass diese Ausgabe recht wenig gelesen worden ist. Die Frucht davon hat man dann in den Vorlesungen finden können, die Dozenten haben nichts gewusst. Es ist schwer, sich mit Hegels Logik zu beschäftigen, aber ich möchte mit ein paar Worten andeuten, was man davon hat, wenn man sich mit ihr beschäftigt. Ich kann heute keinen Überblick über Hegels Philosophie geben, aber ich kann andeuten, was man hat, wenn man darauf eingeht. Wenn man darauf eingegangen ist, hat man sich erzogen zu einer Strenge in der Anwendung der Begriffe.

[ 25 ] Wenn man auf die Hegel’sche Logik eingeht, so gehört das zu den allerschwierigsten Unternehmungen des menschlichen Denkens. Und deshalb das gewöhnliche Resultat, das eintritt, wenn die Leute sich an Hegels Logik machen: Sie ist ihnen zu schwierig. Und ich kann Ihnen die Versicherung geben: In der Zeit, als es die kritische Ausgabe der Hegel’schen Werke noch nicht gab, als es nur die alte Hegelausgabe gab, da hat man in der Bibliothek feststellen können, dass diese Ausgabe recht wenig gelesen worden ist. Die Frucht davon hat man dann in den Vorlesungen finden können, die Dozenten haben nichts gewusst. Es ist schwer, sich mit Hegels Logik zu beschäftigen, aber ich möchte mit ein paar Worten andeuten, was man davon hat, wenn man sich mit ihr beschäftigt. Ich kann heute keinen Überblick über Hegels Philosophie geben, aber ich kann andeuten, was man hat, wenn man darauf eingeht. Wenn man darauf eingegangen ist, hat man sich erzogen zu einer Strenge in der Anwendung der Begriffe.

[ 26 ] Wenn Sie in Hegels Logik die Schritte vom abstrakten Begriff des Seins durch das Nichts, das Werden, das Dasein, durch Einheit, Zahl und Maß ausführen, wenn Sie alle diese Begriffe, die in Hegels Logik streng organisch gegliedert sind, auf sich wirken lassen, dann bekommen Sie in Ihre Seele hinein, dass Sie sich sagen: Ach, wie kraftlos ist vieles von dem, was innerhalb der Menschheit über die geistigen Dinge geredet wird. Man lernt den Begriff gebrauchen in dem Sinne, wo er in der Logik wirklich hingehört. Das ist es, was man sich durch die Bekanntschaft mit dieser Logik angewöhnt. Bedenken Sie, wie alle möglichen Begriffe gebraucht werden, aufgeklaubt aus unserem Literatur- und Wissenschaftsbetrieb. Von dieser Strenge im Denken sollte auf dem Gebiet der Theosophie etwas gefühlt werden. Hier herrscht am meisten das Willkürliche des «subjektiven Räsonnements», das Willkürliche von Begriffen, die da oder dort aufgelesen sind.

[ 26 ] Wenn Sie in Hegels Logik die Schritte vom abstrakten Begriff des Seins durch das Nichts, das Werden, das Dasein, durch Einheit, Zahl und Maß ausführen, wenn Sie alle diese Begriffe, die in Hegels Logik streng organisch gegliedert sind, auf sich wirken lassen, dann bekommen Sie in Ihre Seele hinein, dass Sie sich sagen: Ach, wie kraftlos ist vieles von dem, was innerhalb der Menschheit über die geistigen Dinge geredet wird. Man lernt den Begriff gebrauchen in dem Sinne, wo er in der Logik wirklich hingehört. Das ist es, was man sich durch die Bekanntschaft mit dieser Logik angewöhnt. Bedenken Sie, wie alle möglichen Begriffe gebraucht werden, aufgeklaubt aus unserem Literatur- und Wissenschaftsbetrieb. Von dieser Strenge im Denken sollte auf dem Gebiet der Theosophie etwas gefühlt werden. Hier herrscht am meisten das Willkürliche des «subjektiven Räsonnements», das Willkürliche von Begriffen, die da oder dort aufgelesen sind.

[ 27 ] Hegel schreitet dann weiter von der «Wissenschaft der Logik» zu dem, was er die Naturphilosophie nennt. Darüber hat man allerdings viel gespottet, aber wenig davon verstanden. Wenn man die Dinge geistig überschaut, so kommt man von der Logik zur Naturphilosophie. Man soll die Phänomene selber sprechen lassen, nicht mehr spekulieren, sondern die Phänomene selber aussprechen lassen, wie sie sich im Begriff spiegeln. Deshalb kann man nicht anders, als die Natur selber sprechen lassen. Man muss die innere Aktivität entfalten, so wie man sie für die logische Dialektik entfaltet hat. Das aber ist ein Buch mit sieben Siegeln, und ich kann es vollständig begreifen, dass Helmholtz —- den ich als Naturwissenschaftler bewundere — als er die Naturphilosophie von Hegel las, sagte: Das ist reiner Unsinn.

[ 27 ] Hegel schreitet dann weiter von der «Wissenschaft der Logik» zu dem, was er die Naturphilosophie nennt. Darüber hat man allerdings viel gespottet, aber wenig davon verstanden. Wenn man die Dinge geistig überschaut, so kommt man von der Logik zur Naturphilosophie. Man soll die Phänomene selber sprechen lassen, nicht mehr spekulieren, sondern die Phänomene selber aussprechen lassen, wie sie sich im Begriff spiegeln. Deshalb kann man nicht anders, als die Natur selber sprechen lassen. Man muss die innere Aktivität entfalten, so wie man sie für die logische Dialektik entfaltet hat. Das aber ist ein Buch mit sieben Siegeln, und ich kann es vollständig begreifen, dass Helmholtz —- den ich als Naturwissenschaftler bewundere — als er die Naturphilosophie von Hegel las, sagte: Das ist reiner Unsinn.

[ 28 ] Es gehört dazu, dass man sich erst jene gewissenhafte logisch-denkerische Verantwortlichkeit gegenüber den geistigen Tatsachen, wie man sie sich an Hegels Logik heranerziehen kann, angewöhnt hat. Hegel hat noch manches geleistet, wofür die moderne Philosophie kein Verständnis hat. Die mechanischen Begriffe, in die man das gewöhnliche irdische Geschehen hineinbringt, soll man im Sinne der Hegel’schen Naturphilosophie nur für irdische Vorgänge gebrauchen, die endlichen mechanischen Begriffe verlieren ihre Bedeutung, wenn wir zu den Gebieten des Himmels aufsteigen. Da geht Hegel von der endlichen zur absoluten Mechanik über und zeigt in gründlicher, scharfsinniger Weise, wie das etwas ganz anderes ist, als was man als Newton’sche Mechanik ansprechen muss.

[ 28 ] Es gehört dazu, dass man sich erst jene gewissenhafte logisch-denkerische Verantwortlichkeit gegenüber den geistigen Tatsachen, wie man sie sich an Hegels Logik heranerziehen kann, angewöhnt hat. Hegel hat noch manches geleistet, wofür die moderne Philosophie kein Verständnis hat. Die mechanischen Begriffe, in die man das gewöhnliche irdische Geschehen hineinbringt, soll man im Sinne der Hegel’schen Naturphilosophie nur für irdische Vorgänge gebrauchen, die endlichen mechanischen Begriffe verlieren ihre Bedeutung, wenn wir zu den Gebieten des Himmels aufsteigen. Da geht Hegel von der endlichen zur absoluten Mechanik über und zeigt in gründlicher, scharfsinniger Weise, wie das etwas ganz anderes ist, als was man als Newton’sche Mechanik ansprechen muss.

[ 29 ] Unendliches könnte gewonnen werden, wenn man Hegel verstehen wollte. Natürlich sind nach dem Standpunkt der damaligen Zeit seine Ansichten manchmal höchst anfechtbar, aber auch dann kann man sich klar sein, wie jedes Einzelne gemeint ist. Allerdings muss man sich darüber klar sein, dass das meiste nach Notizen von Schülern herausgegeben worden ist. Ich möchte deshalb ausdrücklich betonen, dass man von vornherein den Grundsatz berücksichtigen sollte, sich klarzumachen, dass manches, was darin steht, von Hegel anders gesagt worden ist. Zu dem, was aus Notizen heraus in der Welt herumgeht, kann ich sagen, dass ich selber erfahren habe, was aus nachgeschriebenen Vorträgen herauskommen kann! Trotzdem wird jeder, der darauf eingehen kann, in Hegels Naturphilosophie einen großen Wurf erkennen.

[ 29 ] Unendliches könnte gewonnen werden, wenn man Hegel verstehen wollte. Natürlich sind nach dem Standpunkt der damaligen Zeit seine Ansichten manchmal höchst anfechtbar, aber auch dann kann man sich klar sein, wie jedes Einzelne gemeint ist. Allerdings muss man sich darüber klar sein, dass das meiste nach Notizen von Schülern herausgegeben worden ist. Ich möchte deshalb ausdrücklich betonen, dass man von vornherein den Grundsatz berücksichtigen sollte, sich klarzumachen, dass manches, was darin steht, von Hegel anders gesagt worden ist. Zu dem, was aus Notizen heraus in der Welt herumgeht, kann ich sagen, dass ich selber erfahren habe, was aus nachgeschriebenen Vorträgen herauskommen kann! Trotzdem wird jeder, der darauf eingehen kann, in Hegels Naturphilosophie einen großen Wurf erkennen.

[ 30 ] Von diesem gleichsam Ausgegossen-Sein des Geistes in die Einzeldinge der Natur rückt dann Hegel auf zu dem Zurückgekommen-Sein des Geistes in sich selber. Er unterscheidet drei Gebiete: den «Geist an sich», den Beginn; den «Geist für sich», der Geist, der ausgebreitet ist in der Natur und wahrgenommen werden muss für sich; und den «Geist an und für sich». Das ist die eigentliche Geistesphilosophie, die «Philosophie des Geistes».

[ 30 ] Von diesem gleichsam Ausgegossen-Sein des Geistes in die Einzeldinge der Natur rückt dann Hegel auf zu dem Zurückgekommen-Sein des Geistes in sich selber. Er unterscheidet drei Gebiete: den «Geist an sich», den Beginn; den «Geist für sich», der Geist, der ausgebreitet ist in der Natur und wahrgenommen werden muss für sich; und den «Geist an und für sich». Das ist die eigentliche Geistesphilosophie, die «Philosophie des Geistes».

[ 31 ] Aus dem Gebiet der Staatsphilosophie hat Hegel besonders die Rechtsphilosophie ausgearbeitet. Wenn man in Betracht zieht, was später geleistet worden ist, so kann man sagen, dass noch viel von dieser Hegel’schen Rechtsphilosophie profitiert werden könnte. Hegel war eine Persönlichkeit, die einen intensiven aristotelischen Sinn hatte und die daher zunächst alles in der aristotelischen Vernünftigkeit begreifen wollte. Daher stellte er an die Spitze der Rechtsphilosophie den Satz, dass für alle Probleme ein vernünftiger Angriffspunkt gegeben ist. Widerlegen kann man Hegel leicht, sogar durch die Tat, es braucht jemand nur eine Dummheit zu machen, und er hat die Widerlegung. Da aber können Sie sehen, dass es bei Hegel nicht auf geistreiche Widerlegungen ankommt. Hegel erarbeitete die Philosophie in strengstem, diszipliniertem Denken, und diese Gedankendisziplin kann man sich durch das Hegeltum aneignen. Man kann auch verstehen, dass die Höhe dieses Standpunktes nicht so leicht begriffen werden kann. Deshalb ist es verständlich, dass der große, in vieler Beziehung außerordentliche Dichter Grillparzer, als er die Hegel’sche Philosophie bekam, fürchterlich entsetzt war. Er sagte:

[ 31 ] Aus dem Gebiet der Staatsphilosophie hat Hegel besonders die Rechtsphilosophie ausgearbeitet. Wenn man in Betracht zieht, was später geleistet worden ist, so kann man sagen, dass noch viel von dieser Hegel’schen Rechtsphilosophie profitiert werden könnte. Hegel war eine Persönlichkeit, die einen intensiven aristotelischen Sinn hatte und die daher zunächst alles in der aristotelischen Vernünftigkeit begreifen wollte. Daher stellte er an die Spitze der Rechtsphilosophie den Satz, dass für alle Probleme ein vernünftiger Angriffspunkt gegeben ist. Widerlegen kann man Hegel leicht, sogar durch die Tat, es braucht jemand nur eine Dummheit zu machen, und er hat die Widerlegung. Da aber können Sie sehen, dass es bei Hegel nicht auf geistreiche Widerlegungen ankommt. Hegel erarbeitete die Philosophie in strengstem, diszipliniertem Denken, und diese Gedankendisziplin kann man sich durch das Hegeltum aneignen. Man kann auch verstehen, dass die Höhe dieses Standpunktes nicht so leicht begriffen werden kann. Deshalb ist es verständlich, dass der große, in vieler Beziehung außerordentliche Dichter Grillparzer, als er die Hegel’sche Philosophie bekam, fürchterlich entsetzt war. Er sagte:

«Möglich, dass du uns lehrst prophetisch das göttliche Denken,
Aber das menschliche, Freund, richtest du sicher zu Grund.»

«Möglich, dass du uns lehrst prophetisch das göttliche Denken,
Aber das menschliche, Freund, richtest du sicher zu Grund.»

[ 32 ] Sie sehen, dass die geistigen Dinge hier so hoch liegen, dass große Geister entschuldigt werden können, die Hegel nicht verstehen. Man braucht sie nicht für Idioten zu halten. Aber gleich muss erwidert werden, dass man in Hegels Philosophie die größte Disziplin finden kann. Den Mangel an dieser denkerischen Disziplin kann man bei allen nachfolgenden Philosophen finden. Es ist schmerzlich für den, der einen Begriff von dieser schwierigen Gedankentätigkeit hat, wenn er das Willkürliche der wissenschaftlichen und namentlich philosophischen Literatur sieht. Es ist furchtbar, was der an Unmöglichkeiten erlebt, der an Hegel heranerzogen worden ist. Es ist furchtbar, was der durchmachen muss, der sich mit den höchsten Gedankenbauten, die Hegel aufgeführt hat, beschäftigt hat.

[ 32 ] Sie sehen, dass die geistigen Dinge hier so hoch liegen, dass große Geister entschuldigt werden können, die Hegel nicht verstehen. Man braucht sie nicht für Idioten zu halten. Aber gleich muss erwidert werden, dass man in Hegels Philosophie die größte Disziplin finden kann. Den Mangel an dieser denkerischen Disziplin kann man bei allen nachfolgenden Philosophen finden. Es ist schmerzlich für den, der einen Begriff von dieser schwierigen Gedankentätigkeit hat, wenn er das Willkürliche der wissenschaftlichen und namentlich philosophischen Literatur sieht. Es ist furchtbar, was der an Unmöglichkeiten erlebt, der an Hegel heranerzogen worden ist. Es ist furchtbar, was der durchmachen muss, der sich mit den höchsten Gedankenbauten, die Hegel aufgeführt hat, beschäftigt hat.

[ 33 ] Wir können sicher sein, dass die Menschheit das, was gestern im theosophischen Vortrag ausgeführt worden ist, einmal begreifen wird. Mit Hegel wird es so sein wie mit Aristoteles. Hegel ist heute vergessen. Was heute als Wiedererneuerung des Hegeltums auftritt, ist ein Kapitel, über das wir lieber nicht reden. Wenn auch das denkerische Ringen des Denkertrifoliums Fichte, Schelling und Hegel heute vergessen ist, es wird mit diesem denkerischen Ringen das Gemüt durchgearbeitet werden müssen, so wie im Mittelalter die katholische Offenbarung mit Aristoteles durchgearbeitet worden ist. Hegels Philosophie ist etwas, was vom Ausgangspunkt unserer Gegenwart an in die nächste Zeit hinein begriffen werden muss. Derjenige, der sich das klargemacht hat, der kann trotzen all dem, was Niederschmetterndes aus der Gegenwart heraus kommen kann, der kann sehen, dass dieses Niederschmetternde nur die Kehrseite dessen ist, was sich heute als Zukünftiges anbahnt und wie sich in dieser Kehrseite der Keim zeigt von dem, was da kommen muss.

[ 33 ] Wir können sicher sein, dass die Menschheit das, was gestern im theosophischen Vortrag ausgeführt worden ist, einmal begreifen wird. Mit Hegel wird es so sein wie mit Aristoteles. Hegel ist heute vergessen. Was heute als Wiedererneuerung des Hegeltums auftritt, ist ein Kapitel, über das wir lieber nicht reden. Wenn auch das denkerische Ringen des Denkertrifoliums Fichte, Schelling und Hegel heute vergessen ist, es wird mit diesem denkerischen Ringen das Gemüt durchgearbeitet werden müssen, so wie im Mittelalter die katholische Offenbarung mit Aristoteles durchgearbeitet worden ist. Hegels Philosophie ist etwas, was vom Ausgangspunkt unserer Gegenwart an in die nächste Zeit hinein begriffen werden muss. Derjenige, der sich das klargemacht hat, der kann trotzen all dem, was Niederschmetterndes aus der Gegenwart heraus kommen kann, der kann sehen, dass dieses Niederschmetternde nur die Kehrseite dessen ist, was sich heute als Zukünftiges anbahnt und wie sich in dieser Kehrseite der Keim zeigt von dem, was da kommen muss.

[ 34 ] Es ist recht betrüblich zu sehen, wie unendlich rasch das denkerische Niveau heruntergefallen ist. Dem Theosophen geziemt es, den Blick auf die Felder des reinen Denkens zu werfen. Ich würde am liebsten überall Vorträge dieser Art halten zur Begründung einer festen, sicheren Basis der Theosophie, wenn dazu nur die Zeit da wäre und ich es verantworten könnte gegenüber der Notwendigkeit, dass die Theosophie rascher fortschreitet.

[ 34 ] Es ist recht betrüblich zu sehen, wie unendlich rasch das denkerische Niveau heruntergefallen ist. Dem Theosophen geziemt es, den Blick auf die Felder des reinen Denkens zu werfen. Ich würde am liebsten überall Vorträge dieser Art halten zur Begründung einer festen, sicheren Basis der Theosophie, wenn dazu nur die Zeit da wäre und ich es verantworten könnte gegenüber der Notwendigkeit, dass die Theosophie rascher fortschreitet.

[ 35 ] Wenn wir an die großen, zu den elementaren menschlichen Empfindungen sprechenden theosophischen Wahrheiten herantreten, wie sie in der Geisteswissenschaft gegeben sind, seien wir uns dessen bewusst, dass wir uns nicht entschlagen dürfen des strengen Denkens. Seien wir uns dessen bewusst, dass es nichts Theosophisches geben darf, was nicht vor der strengsten Kritik eines philosophischen Bewusstseins bestehen kann. Wir sollen es uns zum Ideal machen, nichts zu sagen, was nicht strengster Vernunftnotwendigkeit standhalten kann.

[ 35 ] Wenn wir an die großen, zu den elementaren menschlichen Empfindungen sprechenden theosophischen Wahrheiten herantreten, wie sie in der Geisteswissenschaft gegeben sind, seien wir uns dessen bewusst, dass wir uns nicht entschlagen dürfen des strengen Denkens. Seien wir uns dessen bewusst, dass es nichts Theosophisches geben darf, was nicht vor der strengsten Kritik eines philosophischen Bewusstseins bestehen kann. Wir sollen es uns zum Ideal machen, nichts zu sagen, was nicht strengster Vernunftnotwendigkeit standhalten kann.