The Essence of Anthroposophy
within the World Of Sense, Soul And Spirit
GA 68b
12 February 1906, Cologne
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The Circular Flow of Man's Life, tr. SOL
40. Die Innere Entwicklung des Menschen — Die Zukunft des Menschen
40. The Inner Development of Human Beings — The Future of Humanity
Bericht in der «Mühlheimer Zeitung», Nr. 86, 16. Februar 1906
Article in the “Mühlheimer Zeitung”, No. 86, February 16, 1906
[ 1 ] Köln, 15. Februar. Am Montag und am Mittwoch sprach im Isabellensaale des Gürzenich der Generalsekretär der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft, Herr Dr. Rudolf Steiner, über zwei Themata, die unser höchstes Interesse beanspruchen können, da sie sich mit der inneren Entwicklung und der Zukunft des Menschen befassen. In seinem ersten Vortrage über «die innere Entwicklung des Menschen» wies der Redner auf die Bestrebungen und Aufgaben der Theosophischen Gesellschaft hin, die darauf abzielen, den Kern eines allgemeinen Bruderbundes der Menschheit zu bilden ohne Unterschied des Glaubens, der Nation, des Standes, des Geschlechtes, und die Erkenntnis des Wahrheitskernes alles religiösen Lebens zu pflegen sowie die tieferen geistigen Kräfte zu erforschen, welche in der Menschennatur und in der übrigen Welt schlummern. Eine der Aufgaben der Theosophie ist es, die im Menschen schlummernden Fähigkeiten und Kräfte in schulgerechter Weise zu fördern und zu heben. Wenngleich dieses als eine Aufgabe der Theosophie angesehen werden muss, so besteht doch nicht für jedes Mitglied der Theosophischen Gesellschaft die Vorschrift, sich einer solchen inneren Schulung an der Hand kundiger Lehrer zu unterziehen, es ist das vielmehr gänzlich in das Ermessen des Einzelnen gestellt; erst dann ist solche Schulung erstrebenswert, wenn es den Menschen aus dem tiefsten Innern zu ihr hindrängt. Das Entwickeln innerer Fähigkeiten in esoterischen Zirkeln wurde in ältesten Zeiten wie überhaupt stets gepflegt. Im Altertum geschah dies in Geheimschulen, später namentlich in intimeren Zirkeln von Gesellschaften und Orden. In den esoterischen Schulen wird systematisch dahin gestrebt, die jetzt im Menschen gewissermaßen durcheinanderwirkenden physischen, seelischen und geistigen Kräfte zu sondieren, derart, dass die Seele und der Geist Herr über ihn werden und die physischen Triebe meistern. Die Theosophie lehrt, dass der Mensch dreien Reichen angehört: dem physischen, dem seelischen und dem geistigen, und dass sein Wesen den Gesetzen dieser Reiche unterworfen ist. Aus der Kenntnis dieser Gesetze heraus wird die innere Entwicklung des Menschen gefördert. Zuerst ist dazu notwendig, die Lehren der Wissenden auf geistigem Gebiete ohne Vorurteil anzuhören und auf sich wirken zu lassen; denn selber hat man vorab nicht die geistigen Werkzeuge, in die höheren Welten einzudringen. Daher muss vom Schüler als Erstes rückhaltlose unbefangene Hingabe verlangt werden. Er muss sich gewissermaßen zu einem leeren Gefäß machen können, in das die fremde Welt einfließt, er muss völlig selbstlos und Herr über seine Lust und Unlust werden. Mit Gelassenheit soll er Lust und Schmerz aufnehmen; ferner bedarf es noch eines; er hat sein Denken streng zu regeln, und dieses soll den inneren Charakter der geistigen Welt annehmen. Plato verlangte, dass derjenige, der in seiner Schule Aufnahme fand, zuerst einen mathematischen Lehrgang durchmache, damit das Gedankenleben ein Abbild des ungestörten mathematischen Denkens und Schließens sei; dann fließt die Gesetzmäßigkeit der geistigen Welt in den Schüler ein. Von seinem Denken muss er dann sein Handeln beeinflussen lassen. So zeigt sich nirgends Willkür, stets das Gesetzmäßige. Dann wird der Mensch frei von aller Sinnenwelt; sein Geistmensch hebt sich heraus aus der sinnlichen Umhüllung. So wird er zum Schüler der Weisheit, zum heimatlosen Menschen, der nur im Geiste lebt; er lebt nicht mehr nur mit den Dingen, die durch den Geist gestaltet sind, sondern mit dem gestaltenden Geiste selbst. Alsbald schwinden jeder Zweifel und jeder Aberglaube, denn er weiß, die wahre Gestalt des Geistes ist Freiheit von Persönlichkeit, Zweifel und Aberglauben. Um zu höherer Erkenntnis zu kommen, muss der Mensch vier Eigenschaften erwerben. Er muss erstens lernen: das Ewige von dem Zeitlichen zu scheiden, die Wahrheit von der bloßen Neigung, zweitens: die richtige Schätzung des Ewigen und Wirklichen gegenüber dem Vergänglichen und Unwirklichen, drittens: sechs Eigenschaften: Gedankenkontrolle, Kontrolle der Handlungen, Beharrlichkeit, Duldsamkeit, Glaube und Gleichmut, die vierte Eigenschaft ist das Verlangen nach Befreiung. Über diese Stufen führt der Weg zu inneren höheren Erkenntnissen.
[ 1 ] Cologne, February 15. On Monday and Wednesday, Dr. Rudolf Steiner, Secretary-General of the German Section of the Theosophical Society, spoke in the Isabellensaal at the Gürzenich on two topics that are of the utmost interest to us, as they deal with the inner development and the future of humankind. In his first lecture on “the inner development of humankind,” the speaker highlighted the aspirations and tasks of the Theosophical Society, which aim to form the core of a universal brotherhood of humankind—regardless of faith, nationality, social class, or gender— and to cultivate an understanding of the core truth of all religious life, as well as to explore the deeper spiritual forces that lie dormant in human nature and the rest of the world. One of the tasks of Theosophy is to foster and elevate the abilities and powers lying dormant within human beings in a systematic and educational manner. Although this must be regarded as a task of Theosophy, there is no requirement for every member of the Theosophical Society to undergo such inner training under the guidance of knowledgeable teachers; rather, it is left entirely to the discretion of the individual. Such training is desirable only when a person is driven toward it from the depths of their innermost being. The development of inner abilities in esoteric circles has been practiced since the earliest times, as it has always been. In antiquity, this took place in secret schools; later, it occurred primarily in more intimate circles within societies and orders. In esoteric schools, a systematic effort is made to explore the physical, mental, and spiritual forces that currently interact, so to speak, in a disorderly manner within the human being, so that the soul and the spirit may become masters of the individual and overcome the physical instincts. Theosophy teaches that human beings belong to three realms—the physical, the mental, and the spiritual—and that their nature is subject to the laws of these realms. Knowledge of these laws fosters a person’s inner development. First and foremost, it is necessary to listen to the teachings of those who are knowledgeable in spiritual matters without prejudice and to allow them to take effect; for one does not yet possess the spiritual tools to penetrate the higher worlds. Therefore, the first thing required of the student is unreserved, unbiased devotion. He must, as it were, be able to make himself an empty vessel into which the foreign world flows; he must become completely selfless and master of his desires and aversions. He should accept pleasure and pain with equanimity; furthermore, one more thing is required: he must strictly regulate his thinking, and this thinking should take on the inner character of the spiritual world. Plato required that anyone admitted to his school first complete a course in mathematics, so that their thought life might be a reflection of undisturbed mathematical thinking and reasoning; then the laws of the spiritual world flow into the student. They must then allow their thinking to influence their actions. Thus, nowhere is there any arbitrariness; only the lawful prevails. Then the human being becomes free from the entire sensory world; his spiritual self rises above the sensory shell. Thus he becomes a student of wisdom, a homeless being who lives only in the spirit; he no longer lives merely with the things shaped by the spirit, but with the shaping spirit itself. Immediately, all doubt and all superstition vanish, for he knows that the true nature of the spirit is freedom from personality, doubt, and superstition. To attain higher knowledge, a person must acquire four qualities. First, he must learn to distinguish the eternal from the temporal, and truth from mere inclination; second, to properly value the eternal and the real in contrast to the transitory and the unreal; third, six qualities: control of thought, control of action, perseverance, tolerance, faith, and equanimity; the fourth quality is the desire for liberation. Through these stages, the path leads to higher inner insights.
[ 2 ] Im zweiten Vortrage entwarf Herr Dr. Steiner mit Hilfe der theosophischen Weltanschauung ein Bild von der Zukunft des Menschen. Er legte dar, dass des Menschen Schicksal nicht mit dem abgeschlossen sei, was sich zwischen Geburt und Tod ereigne. Man müsse es sonst als eine nicht zu rechtfertigende Erscheinung ansehen, dass der eine Mensch mit allen Vorbedingungen zu einem glücklichen Dasein in die Welt trete, der andere, geistig und körperlich rückständig, keine Anwartschaft zu einem guten Leben mitbringe. Diese Erscheinungen erklärten sich erst dann, wenn man das Leben zwischen Geburt und Tod nicht als das einzige ansehe, das der Mensch erlebe. Der Mensch, sagte der Redner, muss vom Standpunkte der Entwicklung betrachtet werden. Wie es einzelne hoch entwickelte oder tiefstehende Menschen gibt, so gibt es auch ganze Völker, die mehr oder weniger entwickelt sind. Diese Tatsachen sprechen dafür, dass der Mensch sich im früheren Leben Fähigkeiten erworben hat, und was er in diesem Leben an Fähigkeiten erwirbt, für spätere Leben gewinnen wird. Nichts in der Welt ist ohne Ursache, alles steht im Verhältnis engster Verkettung. Alles, was wir heute an geistigem Leben besitzen, haben wir uns im früheren Leben durch unsere Arbeit erworben. Der Theosoph nennt das Gesetz, das unser Schicksal bedingt, das Karmagesetz, es besagt, dass alles dasjenige, was wir an Arbeit und Tugenden erworben, was wir an Fehlern und Vergehungen begangen haben, in diesem oder einem anderen Leben erkennbar werden muss und in gesetzmäßiger Weise unser Dasein regelt und bestimmt. Diese Anschauung macht uns unsere Existenz erst verständlich und lässt uns auch erst unsere Beziehungen zu der Umwelt erkennen. Nach dem Tode fällt der physische Leib, als ein auf dem mineralischen Plane lebender Organismus, dem mineralischen Plane, der Erdmaterie anheim, er löst sich in ihr auf; die Seele aber verbleibt so lange in der Seelenwelt, der sie zugehört, bis die Einwirkungen physisch-sinnlicher Natur, die der Körper in sie hineingearbeitet hat, ausgeschieden sind. Diese erste Zeit der Seele in der Seelenwelt ist für diese eine schmerzliche, weil sie die ihr vom physischen Körper überkommenen Begierden, Triebe und Leidenschaften nicht ausleben kann, da ihr hierzu die physischen Organe fehlen. muss die physisch-sinnliche Seite ihres Wesens überwinden, dann aber löst auch die Seele sich auf in der Seelenwelt und der menschliche Geist hat nun den Weg frei zum Eintritt in das Geistesreich. Dort bringt er die Erfahrungen mit, die er im Leben gesammelt, dort läutert er sie, indem er sie unter die geistigen Gesetze stellt, und so bereichert kehrt der Geist zu neuem Leben hinab und zu weiteren Aufgaben. So wie es mit dem einzelnen Leben geschieht, geschieht es mit dem der Völker, alles zu dem Endzwecke, die Materie mehr und mehr zu beseelen. Des Menschen Werk ist nichts anderes als eine Arbeit an der Materie; es erstrebt, die Vergeistigung des eigenen Körpers und der gesamten Umwelt heraufzuführen, eine Kultur in sich nach der anderen, eine Kultur um sich nach der anderen zu zeitigen, bis alle Materie des Planeten sich auflöst und das gewonnene Gesamtresultat des menschlichen Geistes, der Weltgeist, von der Erdmaterie befreit, sich neue Planeten schafft und zu neuen höheren Arbeitsgebieten emporsteigt.
[ 2 ] In his second lecture, Dr. Steiner outlined a vision of humanity’s future based on the theosophical worldview. He explained that human destiny is not limited to what occurs between birth and death. Otherwise, one would have to regard it as an unjustifiable phenomenon that one person enters the world with all the prerequisites for a happy existence, while another, mentally and physically underdeveloped, has no prospect of a good life. These phenomena can only be explained if one does not regard life between birth and death as the only life a human being experiences. Human beings, said the speaker, must be viewed from the perspective of development. Just as there are individuals who are highly developed or underdeveloped, so too are there entire peoples who are more or less developed. These facts suggest that human beings have acquired abilities in previous lives, and that the abilities they acquire in this life will be carried over into future lives. Nothing in the world is without a cause; everything is connected in the closest chain of causality. Everything we possess today in terms of spiritual life we have acquired in previous lives through our own efforts. Theosophists call the law that determines our destiny the Law of Karma; it states that everything we have acquired through work and virtue, as well as every mistake and transgression we have committed, must become apparent in this or another life and, in accordance with the law, governs and determines our existence. This perspective is what first makes our existence understandable and allows us to recognize our relationships with the world around us. After death, the physical body—as an organism living on the mineral plane—returns to the mineral plane, to earthly matter, and dissolves into it; the soul, however, remains in the world of souls, to which it belongs, until the influences of a physical-sensual nature that the body has imprinted upon it have been purged. This initial period of the soul in the world of souls is a painful one for it, because it cannot act upon the desires, drives, and passions inherited from the physical body, since it lacks the physical organs to do so. It must overcome the physical-sensual aspect of its being; but once it has done so, the soul, too, dissolves into the world of souls, and the human spirit now has a clear path to enter the spiritual realm. There, it brings with it the experiences gathered during life; there, it purifies them by subjecting them to spiritual laws; and thus enriched, the spirit descends to a new life and to further tasks. Just as this occurs in the life of the individual, so it occurs in the life of nations—all with the ultimate purpose of increasingly animating matter. The work of humankind is nothing other than labor upon matter; it strives to bring about the spiritualization of one’s own body and the entire environment, to bring forth one culture within itself after another, one culture around itself after another, until all matter on the planet dissolves and the overall result achieved by the human spirit—the World Spirit—freed from earthly matter, creates new planets for itself and ascends to new, higher spheres of activity.
