Goethe and the Present
GA 68c
27 November 1904, Cologne
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
The Story of the Green Serpent and the Beautiful Lily, tr. Unknown
12. Das Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie
Lecture II
[ 1 ] Dass die Theosophie nicht irgendetwas Neues ist, nicht irgendetwas, was erst in unserer Zeit unter die Menschheit gekommen ist, wird immer wieder betont. Besonders interessant ist es aber, dass auch uns nahliegende Persönlichkeiten so gegenübertreten, dass wir sie zu den Geistern rechnen dürfen, die wir als «Theosophen» bezeichnen können. Neben Herder, Jean Paul, Novalis und Lessing erscheint Goethe als einer der hervorragendsten Theosophen. Mancher wird dagegen etwas einzuwenden haben, weil man in den Werken, die man von Goethe kennt, nicht viel von Theosophie verspürt. In der Zeit Goethes war es noch nicht möglich, die esoterischen Wahrheiten in alle Welt hinauszutragen. Nur in einer begrenzten Gesellschaft, zum Beispiel der Rosenkreuzer, wurden die «höheren Wahrheiten» verbreitet. Niemand, der nicht vorbereitet war, wurde in diese Gesellschaft eingelassen. Die aber dazugehörten, haben in allerlei Andeutungen darüber gesprochen. So Goethe an den verschiedensten Stellen seiner Schriften. Nur wer ausgerüstet ist mit theosophischer Weisheit, kann Goethe richtig lesen. So zum Beispiel kann der «Faust» nicht verstanden werden ohne das.
[ 1 ] We have over and over again laid stress on the fact that Anthroposophy is no new thing brought to humanity only in our own times. It is particularly interesting that certain individuals not far behind us in time may be reckoned among those who may be described as Anthroposophists. Besides Herder, Jean Paul, Novalis and Lessing—Goethe steps forth as one of the most prominent. Many will object to this statement, because not much Anthroposophy can be traced in his well-known works. At the time of Goethe it was not possible to give out esoteric truths to all the world. Only in small circles, such for instance as that of the Rosicrucians, could the higher truths be promulgated. Nobody was admitted into this society without proper preparation: but those who belonged to it gave various hints as to its existence, and this Goethe did in many different parts of his works. Only a man filled with the wisdom of Anthroposophy can read Goethe aright. It is impossible for instance rightly to understand “Faust” without this help.
[ 2 ] Das «Märchen» ist Goethes Apokalypse, seine Offenbarung, in deren symbolischer Darstellung die tiefsten Geheimnisse enthalten sind. Dass Goethe in dem «Märchen» seine theosophische Weltanschauung offenbart, kann man nur verstehen, wenn man die Veranlassung dazu kennt. Schiller hatte Goethe aufgefordert, an den «Horen» mitzuarbeiten. Schiller selbst hatte zu dieser Zeitschrift die Abhandlung «Über die ästhetische Erziehung des Menschen» beigetragen. Darin steht die Frage: Wie kommt der Mensch, der in dem Alltäglichen lebt, zu den höchsten Idealen, zu einer Vermittlung zwischen dem Übersinnlichen und dem Sinnlichen? Schiller sah in der Schönheit ein Herabsteigen der höchsten Weisheit in das Sinnliche. In wunderbar eindringlicher Weise hat er zu sagen verstanden, was ihm [eine] Brücke schien, die vom Sinnlichen ins Übersinnliche führt. Goethe sagt nun, er könne über die höchsten Fragen des Daseins nicht in philosophischen Worten sich aussprechen, aber er wolle es tun in einem großen Bilde. Damals steuerte er zu den Horen das «Märchen» bei, indem er auf seine Art diese Fragen zu lösen versuchte.
[ 2 ] The “Fairy Tale” is Goethe's Apocalypse, his Revelations and in its symbolical presentation the profoundest secrets are concealed. We can only understand when we have the key to it, that in this Fairy Tale Goethe revealed his Anthroposophical conception of the world. Schiller asked Goethe to work with him on a magazine called “die Horen” to which Schiller had contributed an article “On the aesthetic education of the human race”. In this the question was put:—“How can a man living in the every-day world preach the highest ideals, and establish communion between the super-sensible and that which belongs to the world of sense?” In a wonderfully impressive way he found words to point out that which to him seemed the bridge leading from the world of sense to the super-sensible world. Goethe, however, declared that it would be impossible to him to speak of the highest questions of existence in philosophical terms, but that he would do so in a great picture. He then contributed the Fairy Tale, in which he tried to answer his question in his own way, and sent it to the Magazine, “Die Horen”.
[ 3 ] Goethe hat auch anderwärts in durchaus theosophischem Sinne sich ausgesprochen. Er hatte schon in früher Jugend seine Anschauungen in den «Faust» hineingelegt. Zwischen der Leipziger Studienzeit und dem Aufenthalt in Straßburg hat Goethe eine Einweihung erhalten durch eine Persönlichkeit, die tief in die Geheimnisse der Rosenkreuzer eingeweiht war. Von da ab spricht er in einer mystischen, theosophischen Sprache. Im ersten Teil des «Faust» ist ein merkwürdiges Wort, das unter Anführungszeichen steht; es heißt da: «der Weise spricht». Goethe hing damals schon an der theosophischen Idee, dass es heute schon unter uns Wesen gibt, die schon weiter sind als die übrige Menschheit, dass sie die Leiter der Menschen aus übersinnlichen Sphären sind, obwohl sie auch im Leibe verkörpert sind. Sie haben eine Erkenntnis erlangt, die weit über das hinausgeht, was man mit den Sinnen verstehen kann. Die betreffende Stelle heißt:
[ 3 ] Elsewhere too Goethe expressed himself in an absolutely Anthroposophical sense. In his earlier youth he had already concealed his conceptions in Faust. Between his student years in Leipzig and his stay in Strassburg, Goethe received an Initiation at the hands of a man who was himself deeply initiated into the secrets of the Rosicrucians. From that time on, Goethe spoke a mystical Anthroposophical language. In the first part of Faust there is a remarkable sentence which comes under the introductory notices. It is: “The Sage speaks”. At this time Goethe already had the Anthroposophical idea that there are beings among us to-day who are further on in evolution than man, and form a ladder between him and the super-earthly spheres, although they too are incarnated in bodies. They have attained to a knowledge reaching far beyond what can be understood by the senses. The passage is as follows:
Jetzt erst erkenn’ ich, was der Weise spricht:
‹Die Geisterwelt ist nicht verschlossen,
Dein Sinn ist zu, dein Herz ist tot!
Auf, bade, Schüler, unverdrossen
Die ird’sche Brust im Morgenrot!›
“The Spirit world is not locked;
Thy mind is closed.
Thy heart is dead!
Up, Disciple, bathe, and cleanse.
Thy earthly breast in Morning-Redness.”
[ 4 ] Wenn man Jacob Böhme kennenlernt, so lernt man eine der Quellen kennen, aus denen Goethe seine theosophische Weisheit geschöpft hat. [J. Boehmes «Aurora» ist das Morgenrot, die Astralwelt.] Manches bei Goethe verstehen wir nur, wenn wir es in diesem Sinne auffassen. In dem Gedichte «Das Göttliche» spricht Goethe von dem Gesetze, welches wir Karma nennen, und auch von jenen erhabenen Wesenheiten:
[ 4 ] When you become acquainted with Jacob Boehme you find one of the sources (Dawn of the moving Redness, the astral world) from which Goethe created his world of Theosophy. There is much in Goethe which we can only understand when we take it in this sense. In the poem “The Divine”, Goethe speaks of the law which we call Karma, and also speaks of exalted beings:
Nach ewigen, ehernen
Großen Gesetzen
Müssen wir alle
Unseres Daseins
Kreise vollendenHeil den unbekannten,
Höheren Wesen,
Die wir ahnen!
In accordance with mighty iron laws
We must all accomplish the cycles of our being—
Hail to the unknown higher Beings
Whom we divine!Volume 2, Page 67 – 68.
[ 5 ] Wer nun einen wirklichen Beweis haben will von Goethes theosophischer Denkweise, der lese das Gedicht unter «Gott und Welt», «Howards Ehrengedächtnis» genannt. In der ersten Zeile steht:
[ 5 ] Anyone who wants a verbal proof of Goethe's Anthroposophical line of thought, need only read the poem which, under the title “God and the World” is called “Howard's memory”.
Wenn Gottheit Camarupa hoch und hehr
Not translated
[ 6 ] — Kama Rupa ist das uns in der theosophischen Lehre bekannte Prinzip des Menschen, der Astralkörper. Wenn Goethe intim gesprochen hat zu denen, mit denen er in der Loge vereint war, dann sprach er von idealen göttlichen Wesen, welche den Menschen als ein Vorbild voranleuchten. Für seinen engen Kreis war zum Beispiel das bestimmt, was er in dem Gedichte «Symbolum» sagt:
[ 6 ] When Goethe spoke intimately to those who were in the same Lodge, he spoke of the ideal Divine Beings, which are ahead of man and shone forth to him as a prototype. What he wrote in the poem “Symbolum” for instance was intended for a small circle:
Dich rufen von drüben
Die Stimmen der Geister,
Die Stimmen der Meister
Versäumt nicht, zu üben
Die Kräfte des Guten.
The voices of spirits,
The voice of the Masters,
Call from above.
[ 7 ] Er spricht da offen von den Meistern, wo er intim zu seinen Logenbrüdern spricht.
[ 7 ] He here speaks openly of the Masters, for he is speaking intimately to his brethren of the Lodge.
[ 8 ] Am tiefsten führt uns aber in seine Auffassung das Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie. Darin finden wir die drei Reiche dargestellt, in denen der Mensch lebt: die physische, die Seelen- oder die Astralwelt und die Geisteswelt. Das Symbol für die astralische oder Seelenwelt ist das Wasser. Immer bedeutet bei Goethe das Wasser die Seele. So in seinem Gedichte über die Seele und das Schicksal:
[ 8 ] But he leads us furthest of all in his Fairy Tale of the “Green Serpent and the Beautiful Lily”. Therein we find represented the three kingdoms in which man lives, the physical, the soul-world or Astral world, and the Spirit-world. The symbol of the astral or soul-world is the water. By water Goethe always symbolised the soul, as in his poem “Fate and the Soul”. Book 11, Page 46.
Seele des Menschen,
Wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
Wie gleichst du dem Wind!
Soul of a man,
How like to the water!
Fate of a man,
How like to the wind!”
[ 9 ] Er kannte auch das mentale Reich, das der Mensch durchlebt zwischen zwei Zuständen der Verkörperung, zwischen Tod und Geburt, das Devachan, das Reich der Götter, Der Mensch strebt unablässig nach diesem Reiche. Er kämpft hier auf der Erde, um zu diesem Reiche zu gelangen.
[ 9 ] He was also acquainted with the Spiritual realms in which man lives between two incarnations, between death and re-birth; that is Devachan, the Kingdom of the Gods. Man is ceaselessly striving to reach this kingdom.
[ 10 ] Die Alchemisten haben die chemischen Prozesse als Symbol angesehen für das Streben nach diesem mentalen Reiche. Sie nennen dieses Reich: das Reich der Lilie. Der Mensch wird der Löwe genannt, der dieses Reich sich erkämpft, und die Lilie ist die Braut des Löwen. Goethe hat auch im «Faust» darauf hingedeutet:
[ 10 ] The Alchemists took the chemical processes as the striving after this Spiritual kingdom. They called it “the Lily”, “the realm of the Lily”. And man they called “the Lion” who fights for the kingdom, and the Lily is the bride of the Lion. Goethe indicated this in his Faust, when he says:
Mein Vater war ein dunkler
Ehrenmann Der über die Natur und ihre heil’gen Kreise
In Redlichkeit, jedoch auf seine Weise,
Mit grillenhafter Mühe sann;
Der in Gesellschaft von Adepten
Sich in die schwarze Küche schloss
Und nach unendlichen Rezepten
Das Widrige zusammengoss.
Da ward ein roter Leu, ein kühner Freier,
Im lauen Bad der Lilie vermählt.
“Then a red Lion with the Lily wedded,
A wooer bold.”
[ 11 ] Da spricht Goethe von der Vermählung des Menschen mit dem Geiste (im lauen Bad ist im Seelenbad. Die Seele ist das Wasser, der rote Leu ist der Mensch). In dem «Märchen» hat Goethe auch die drei Reiche dargestellt: das sinnliche Reich als das eine Ufer; das Seelenreich als den Fluss; das Devachan — geistiges Reich — als jenseitiges Ufer, auf dem der Garten der schönen Lilie sich befindet, der symbolisch das Devachan darstellt bei den Alchemisten. Es wird des Menschen ganzes Verhältnis zu den drei Reichen in eine symbolisch schöne Darstellung gebracht. Wir sind aus dem Reiche des Geistes herübergekommen und streben wieder dahin zurück. Goethe lässt die Irrlichter von einem Fährmann herüberbringen von dem Reiche des Geistes in das Reich der Sinnlichkeit. Der Fährmann kann jedermann herüberbringen, aber nicht hinüberbringen. Wir sind ohne unseren Willen herübergekommen, aber wir können nicht auf dieselbe Weise zurück. Wir müssen uns erarbeiten den Weg zurück ins geistige Reich.
[ 11 ] Therein Goethe speaks of the marriage of man with the spirit. (“in tepid bath”, the bath of the soul. The soul, the water, the red Lion, man) In the Fairy Tale Goethe also represents the three kingdoms. The kingdom of the senses—as the one shore; the kingdom of the soul—as the river, and Devachan (the Spiritual Realm) as that shore on which is to be found the garden of the beautiful Lily, which to the Alchemists is the symbol of Devachan. The whole relation of man to the three kingdoms is symbolised in this beautiful story. We came across from the kingdom of the Spirit and are striving, to get back there. Goethe had the Will of the Wisps brought across by the Ferryman from the kingdom of the spirit to that of sense. The Ferryman can bring anyone across, but he may not take them back. We come across by no will of our own, but we cannot get back again in that way. We must ourselves find the way back into the Spiritual realm.
[ 12 ] Die Irrlichter haben zu ihrer Nahrung Gold. Dies Gold nehmen sie auf. Es durchdringt ihren Körper. Aber sie werfen es sogleich nach allen Seiten wieder von sich. Sie wollen dem Fährmann als Lohn das Gold hinwerfen. Aber er sagt, der Fluss verträgt das Gold nicht; er würde aufschäumen in Wildheit. Das Gold bedeutet immer die Weisheit. Die Irrlichter sind Menschen, die die Weisheit aufsuchen, sich aber nicht mit ihrem Wesen vereinigen, sondern es unverdaut wieder von sich geben. Der Fluss ist das Seelenleben, die Summe von menschlichen Instinkten, Trieben, Leidenschaften. Wenn nun das Gold der Weisheit unbedacht in den Fluss der Leidenschaften geworfen wird, so wird die Seele durcheinandergebracht, aufgewühlt.
[ 12 ] The Will of the Wisps take gold as nourishment, they eat it, and it permeates their bodies. But at the same time they throw it from them on all sides. They wish to throw it to the Ferryman as payment, he says however, that a River cannot bear gold, it would make it surge up wildly. Gold always signifies wisdom. The Will of the Wisps are those who seek after wisdom, yet do not mingle it with their nature, but give it away again undigested. The River is the Soul-life; the totality of human instincts, desires and passions. When wisdom is introduced into that, the soul is thrown out into a state of disturbance.
[ 13 ] Goethe hat immer darauf hingedeutet, dass der Mensch zuerst die Katharsis, die Läuterung durchmachen muss, um zur Aufnahme der Weisheit reif zu werden. Denn wenn in die ungeläuterte Leidenschaft die Weisheit gebracht wird, so wird die Leidenschaft fanatisch, die Menschen bleiben dann in ihrem niederen Ich befangen. Das Heraufsteigen von Kama zu Manas ist etwas Gefährliches, wenn es nicht mit einer Aufopferung des niederen Ich verbunden ist. Hierauf bezüglich sagt Goethe im «West-östlichen Divan»:
[ 13 ] Goethe always pointed out that a man must first undergo Catharsis (purification) before he can take in wisdom. For if wisdom is brought into the uncleansed passions, they become fanatical; and a man then remains the slave of his lower ego. The ascent from Kama to Mana is dangerous, unless at the same time the lower ego is sacrificed. With reference to this Goethe says in his “Westöstlichen Divan”, Book 4, Page 17
Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und Werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.
As long as thou hast not got
This dying or becoming
Thou art but a gloomy guest
Upon the dark Earth.”
[ 14 ] Der Mensch muss bereit sein, sich zu opfern.
[ 14 ] A man must be prepared to sacrifice himself.
[ 15 ] Die Irrlichter sind noch im Ahamkara, im niederen Ich, befangen. Dies verträgt die Weisheit nicht. Das Seelenleben muss langsam gereinigt werden, langsam aufsteigen. Auf der Wiese werfen die Irrlichter das Gold herum. Da begegnen sie der Schlange. Sie verzehrt die Goldstücke. Sie macht sie mit sich selber eins. Sie hat die Kraft, ihr Ich nicht zum stolzen, selbstischen zu machen, um nicht senkrecht, hochmütig emporzustreben, sondern in waagrechter Linie sich zu bewegen in den Felsklüften und allmählich zur Vollkommenheit zu gelangen. Ein Tempel wird dargestellt, welcher sich in den Klüften der Erde befindet. Die Schlange hat diese schon hin und her durchstreift, sie hat tastend dort gespürt, dass da geheimnisvolle Wesenheiten sind.
[ 15 ] The Will of the Wisps are still in Ahamkara, the slaves of the lower Ego. This wisdom cannot endure. The soul-life must be purified slowly and must ascend slowly. The Will of the Wisps scatter their gold about in the meadow. There they meet with the Serpent who devours it and unites itself with it. The Serpent has the strength not to fill its Ego with pride, not to allow it to become self-seeking, not to raise itself up in pride to an upright position, but to pursue its way in a horizontal position and to move into the clefts of the Earth and there attain perfection gradually. A Temple is represented, which is to be found in the clefts of the earth. The Serpent had already passed in and out of this, and had sensed that mysterious beings are to be found therein.
[ 16 ] Jetzt aber kommt der Alte mit der Lampe. Die Schlange ist durch das Gold leuchtend geworden. Der Tempel wird von ihrem Glanze überstrahlt. Die Lampe des Alten hat die Eigenschaft, dass sie nur da leuchtet, wo schon Licht ist. Da leuchtet sie mit einem ganz besonderen Lichte. Auf der einen Seite ist also die durch das Gold leuchtend gewordene Schlange, auf der andern der Mann mit der Lampe, die auch leuchtet. Durch das beiderseitige Licht wird in dem Tempel drinnen alles sichtbar. In den Ecken sind vier Könige, ein goldener, ein silberner, ein eherner und ein gemischter König. Diese konnte die Schlange früher nur durch Tasten herausfinden; jetzt aber sind sie durch ihr eigenes Leuchten für sie sichtbar geworden. Es sind die drei höheren Prinzipien des Menschen und die vier niederen. Der eherne König ist Atma, das göttliche Ich; der silberne König ist Budhi, die Liebe, wodurch der Mensch sich allen Menschen mitteilen kann; und der goldene König ist Manas, die Weisheit, die in die Welt hinausstrahlt und die diese strahlende Weisheit aufnehmen kann.
[ 16 ] And now comes the Old Man with the Lamp. The Serpent, through the gold it had swallowed, has become luminous, and the Temple is illuminated by its radiance. The lamp of the Old Man has the property of only shining where light is, and it then shines with a very peculiar light. Thus, on the one hand there is the Serpent, luminous through the gold, and on the other the Old Man with the Lamp, which is also a light. Through this two-fold illumination every thing in the Temple becomes visible. In the four corners are four kings; a golden, a silver, a bronze king and one composed of a mixture of them all. Till now they could not be seen by the Serpent, he could only find them by the sense of touch; but they now become visible through their own light. They are the three higher principles of man, and the four lower principles. The bronze king is Atma—the divine Ego; the silver king is Buddhi—the love whereby all men can understand one another, and the golden king is Manas, the Wisdom that radiates out into the world and can take in the radiating Wisdom.
[ 17 ] Wenn der Mensch selbstlos die Weisheit erworben hat, dann kann er die Dinge in ihrem wahren Wesen ohne den Schleier der Maya sehen. Der Schlange werden jetzt klar die drei höheren Prinzipien des Menschen. Der goldene König ist Manas, so wie das Gold überall Manas bedeutet. Die vier niederen Prinzipien werden durch den gemischten König dargestellt, symbolisiert. Auch in den niederen Prinzipien ist in die Sphäre der Erscheinung gezogen Atma, Budhi und Manas, aber disharmonisch. Erst wenn es geläutert wird, dann entwickelt sich etwas, was in der Disharmonie nicht bestehen kann. Der Tempel ist die Einweihungsstätte, die Geheimschule, die nur derjenige betreten kann, der das Licht selbst bringt, der selbstlos ist wie die Schlange. Der Tempel soll einstmals offenbar werden, sich über den Fluss erheben. Er ist das Reich der Zukunft, dem wir alle zustreben. Die geheimen Unterrichtsstätten sollen hinaufgeführt werden. Alles, was der Mensch ist, soll hinaufstreben, in Harmonie sich auflösen, zu den höheren Prinzipien streben. Was früher in den Mysterien gelehrt worden ist, soll ein offenbares Geheimnis werden. Die Wanderer sollen über den Fluss hinüber- und herübergehen, von der sinnlichen in die übersinnliche Welt und umgekehrt. Alle Menschen werden in Harmonie vereinigt sein.
[ 17 ] When man has acquired Wisdom in a selfless way, he can then see things in their true nature, without the veil of Maya. The three higher principles of man now become visible to the Serpent. The golden king is Manas, for gold always signifies Manas. The four lower principles of man are symbolically represented by the fourth king, who is composed of mixtures. Atma, Buddhi and Manas are drawn into the spheres of Phenomena, but in a state of disharmony. Only when this is purified can something develop which could not live where there was a lack of harmony. The Temple is the Sanctuary of Initiation, the Mystery school which can only be entered by those who themselves bring light, when they also are selfless like the Serpent. The Temple was one day to be revealed, and to raise itself above the river. That is the kingdom of the future, towards which we are striving, the secret places of learning must be brought up into the light of day. Everything which is man must struggle upwards, must become harmonious, must strive after the higher principles. That which was formerly taught in the Mysteries must become an open secret. The wanderers are to cross the river, must pass from the world of sense to the super-sensible world and vice versa. All mankind shall be united in harmony.
[ 18 ] Der Alte mit der Lampe stellt dar, wo der Mensch die Erkenntnisse heute schon bekommen kann, ohne auf dem Gipfel der Weisheit angelangt zu sein, nämlich bei den Kräften der Frömmigkeit, des Gemütes, den Glaubenskräften. Der Glaube bedarf des Lichtes von außen, wenn er wirklich zu den höheren Geheimnissen führen soll. Die Schlange und der Alte mit der Lampe haben die Kräfte des Geistes, die schon heute [die Seele] hinleiten und in die Zukunft hineinführen. Der schon heute diese Kräfte fühlt, der weiß das aus bestimmten Geheimnissen. Der Alte sagt daher, er kenne drei Geheimnisse. Aber auf das sonderbarste wird über das vierte Geheimnis gesprochen. Die Schlange zischt ihm etwas ins Ohr. Darauf ruft der Alte:
[ 18 ] The Old Man with the Lamp represents man who can today attain knowledge without climbing to the apex of wisdom, namely to the forces of piety of mind and of faith. Faith requires light from without, if it is really to lead to the higher Mysteries. The Serpent and the Old Man with the Lamp have the forces of the Spirit, which already shines in those who are to lead in the future. Even to-day anyone who feels these forces is aware of this, through certain secrets. The Old Man says he knows three secrets. But the strangest thing is said of the fourth secret. The Serpent whimpers something into his ear, whereupon the Old Man calls out,
Es ist an der Zeit!
Not translated
[ 19 ] Es ist der Zeitpunkt gekommen, wo eine große Menge Menschen begriffen haben wird, welches der Weg ist. Die Schlange hat gesagt, dass sie bereit ist, sich aufzuopfern. Sie ist an dem Punkte angelangt, wo sie erkannt hat, dass der Mensch erst sterben muss, um zu werden:
[ 19 ] “The time has come when a great number of people shall understand which is the right road. The Serpent has proclaimed that it is ready to sacrifice itself. It has reached the point of recognising that man must die, in order to become.”
Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und Werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.
As long as thou hast not,
this ‘dying and becoming’!
[ 20 ] Werden, um im vollen Sinne des Wortes zu sein, kann der Mensch nur durch Liebe, Hingabe, Opfer. Dazu ist die Schlange bereit. Das wird offenbar werden, wenn der Mensch zu diesem Opfer bereit ist. Dann wird der Tempel an dem Flusse stehen. Die Irrlichter haben ihre Schuld nicht abtragen können; sie mussten dem Fährmann versprechen, sie später abzutragen. Der Fluss nimmt nur die Früchte der Erde auf: drei Kohlhäupter, drei Zwiebeln, drei Artischocken. Die Irrlichter kommen zu der Frau des Alten und benehmen sich dort sehr sonderbar. Das Gold von den Wänden haben sie aufgeleckt. Sie wollen sich mit Weisheit vollpfropfen, um sie wieder von sich zu geben. Der Mops frisst von dem Golde und stirbt, da alles Lebendige daran zugrunde gehen muss. Er kann die Weisheit nicht aufnehmen, wie die Schlange sie aufnimmt und umwandelt, darum wirkt es tötend. Die Alte muss den Irrlichtern versprechen, ihre Schuld bei dem Fährmann abzutragen.
[ 20 ] To become”, in order in the fullest sense of the word “to be”; that man can only accomplish through love, devotion and sacrifice. The Serpent is ready for this. This will be made manifest, when man is ready for this sacrifice, then the Temple will be raised above the river. The Will of the Wisps were not able to pay their debt; they had to promise the Ferryman to settle it later. The river received three of the fruits of the Earth; three cabbages, three onions and three artichokes. The Will of the Wisps go to the Wife of the Old Man and there they behave in a very curious manner; they licked the gold off the walls. They wanted to stuff themselves with wisdom in order to be able to give it forth again. Mops eats the gold and dies; for everything living must die of it; he cannot take in the truth and transmute it as does the Serpent, and therefore it is death-giving. The Old Woman had to promise the Will of the Wisps to settle their debts with the Ferryman.
[ 21 ] Als der Alte mit der Lampe nach Hause kommt, sicht er, was geschehen ist. Er sagt der Alten, sie solle ihr Versprechen halten, aber auch den toten Mops zur schönen Lilie bringen, weil sie alles Tote lebendig macht. Die Alte geht mit dem Korbe zum Fährmann. Da begegnet ihr zweierlei Merkwürdiges. Sie findet auf dem Wege den großen Riesen, der hat die Eigentümlichkeit, dass er am Abend seinen Schatten über den Fluss hinübergehen lässt, sodass der Wanderer dann auf seinem Schatten über den Fluss hinübergelangen kann. Außerdem wird der Weg hinüber vermittelt, wenn die Schlange sich um die Mittagszeit hinüberwölbt. Der Riese kann den Übergang vermitteln, aber auch die Schlange, wenn die Sonne am höchsten steht, wenn der Mensch durch die leuchtende Sonne der Erkenntnis sein Ich zu dem Göttlichen erhebt. In den Feieraugenblicken des Lebens, in den Augenblicken völliger Selbstlosigkeit, vereinigt sich der Mensch mit der Gottheit.
[ 21 ] When the Old Man with the Lamp comes home he sees what has occurred. He tells the Old Woman she must keep her promise, but must also carry the dead Mops to the beautiful Lily, for she can bring all dead things to life. The Old Woman goes with her basket to the Ferryman:—on the way she has two remarkable experiences. She meets the great Giant, whose peculiarity is that in the evening he throws his shadow across the River so that the wanderer can pass over on it. Besides this the way is also passable when at the noonday hour the Serpent ramps across the river. The Giant can make a bridge across, but when the Sun is at its highest point, the Serpent can do so too; when through the radiant Sun of knowledge man raises his Ego to the Divine. In the sacred moments of life, at the moments of the complete blotting out of self, man unites himself with the Godhead.
[ 22 ] Der Riese ist die grobe physische Entwicklung, durch die der Mensch hindurchgehen muss. Er kommt dadurch auch in das jenseitige Reich; aber nur in der Dämmerung, wenn sein Bewusstsein ausgelöscht ist. Das ist aber ein Weg, der gefährlich ist, den diejenigen gehen, die psychische Kräfte in sich ausbilden, die sich in den Trancezustand versetzen. Dieser Übergang geschieht in der Dämmerung des Trancezustandes. Schiller schrieb auch einmal über den Schatten des Riesen. Es sind die dunklen Mächte, die den Menschen hinüberführen.
[ 22 ] The Giant is the rude physical development along which man must necessarily pass. In so doing he also reaches the yonder realm, but only in the twilight, when his consciousness is blotted out. That however is a dangerous path, which is followed by those who develop psychic forces and go into states of trance. This crossing of the bridge is accomplished in the twilight of trance. Schiller also wrote on one occasion about the Shadow of the Giant: “These are the dark powers which lead man across the Threshold.”
[ 23 ] Als die Alte am Riesen vorbeigeht, raubt der Riese ein Kohlhaupt, eine Zwiebel und eine Artischocke, sodass die Alte nur noch einen Teil derselben hat, womit sie die Schuld der Irrlichter zahlen will. Die Dreizahl ist also nicht mehr vollständig. Dasjenige, was wir brauchen und hineinweben müssen in das Seelenleben, das wird uns entzogen von den Dämmerkräften. Es ist etwas Gefährliches darin, sich diesen hinzugeben. Die niederen Kräfte müssen durch die seelischen gereinigt werden. Nur dann kann der Leib hinaufsteigen, wenn die Seele ihn ganz aufnimmt. Alles, was einen inneren Kern in Form von Schalen umgibt, das ist ein Symbol für die Hüllen des Menschen. Die indische Allegorik bezeichnet diese Hüllen als die Blätter der Lotusblüte. Des Menschen physische Natur muss in der Seele geläutert werden. Wir müssen abzahlen, die niederen Prinzipien hingeben an das Seelenleben. Das Abzahlen der Schuld haben wir darin ausgesprochen, dass dem Fluss die Abzahlung gemacht werden muss. Das ist der ganze Verlauf von Karma.
[ 23 ] When the Old Woman passes him by, the giant takes from her one cabbage, one onion, and one artichoke, so that she only retained a part of that with which she was to pay the debt of the Will of the Wisps. The three-fold number is thus no longer complete. That which we require and which we must weave into our soul-life is taken from us by the twilight forces. There is danger in yielding oneself to such forces. The lower forces must be purified by the soul-forces, the body itself can only ascend when the soul completely absorbs it. Everything which encloses an inner kernel as in a shell, is a symbol for the sheaths of man. Indian allegory describes these sheaths as the petals of the lotus flower. The physical nature of man must be purified in its shell. We must pay our debts, and yield our lower principle to the soul-life. We have expressed the paying of this debt by saying that payment must be made to the river. That is the whole course of Karma.
[ 24 ] Da dem Fluss die Zahlung der Alten nicht genügt, muss sie die Hand in den Fluss tauchen. Danach kann sie die Hand nur noch fühlen, aber nicht mehr sehen. Dasjenige, was uns Menschen äußerer, sinnlicher Schein ist, was an dem Menschen sichtbar ist, das ist der Körper; der muss durch das Seelenleben geläutert werden. Dadurch ist das symbolisiert, dass der Mensch, wenn er es nicht in der Pflanzennatur abtragen kann, eine Schuld begehen muss. Dann wird das eigentlich leibliche Wesen des Menschen unsichtbar. Dadurch, dass die Alte ihre Schuld nicht abtragen kann, wird sie unsichtbar. Das Ich kann nur dann im Glanze des Tages gesehen werden, wenn es geläutert ist durch das Seelenleben. Die Alte sagt: Oh, meine Hand, die das Schönste an mir ist. Gerade das, was den Menschen von dem Tiere unterscheidet, das, was als Geist durch ihn hindurchleuchtet, wird unsichtbar, wenn er es nicht durch das Karma hindurch geläutert hat.
[ 24 ] As the payment of the Old Woman was insufficient, she had to plunge her hand into the river; after that she could only feel her hand, but could no longer see it. That which in man's external, physical appearance, that which is visible in him, is the body. That must be purified by the Soul-life. This means that if man cannot pay with the plant-nature, he remains in debt. Then the actual bodily nature of man becomes invisible; because the Old Woman was not able to pay her debt she becomes invisible. The Ego can only be seen in the light of day, when purified by the soul-life;—“Oh, my hand, the loveliest part of me” The very part of man which distinguishes him from the animals. That which as spirit shines through him—becomes invisible if it is not purified by his Karma.
[ 25 ] Der schöne Jüngling hat nach dem Reiche der Lilie — der Geistigkeit — gestrebt, die schöne Lilie hat ihn gelähmt. Goethe meint damit die uralte Wahrheit, dass der Mensch erst geläutert sein muss, die Katharsis durchgemacht haben muss, sodass er nicht mehr zur Weisheit durch Schuld gelangt, sodass er den Glanz der höheren Geistigkeit in sich aufnehmen kann. Der Jüngling war noch nicht durch die Läuterung vorbereitet. Alles Lebendige, was noch nicht reif ist, wird durch die Lilie getötet. Alles Tote, was durch das «Stirb und Werde» gegangen ist, wird durch die Lilie wieder belebt. Goethe sagt nun, derjenige ist reif zur Freiheit, der sich im Innern erst selbst befreit hat. Jakob Böhme sagt auch, dass der Mensch sich aus den niederen Prinzipien herausentwickeln muss.
[ 25 ] The beautiful youth who strove after the kingdom of the Lily (Spirituality) was crippled by her. Goethe by this meant the ancient Wisdom, for which man must be prepared and purified and have undergone Katharsis, so that he should no longer reach Wisdom through sin but might take into himself the higher Spirituality. The youth had not been prepared by Katharsis. Every living thing which is not yet mature, is killed by the Lily. All the dead that have passed through “Stirb und Werde”, “Dying and Becoming”, are brought to life again by the Lily. Now Goethe says that one who has attained freedom within himself, is ripe for freedom. Jacob Boehme too says that man must develop himself out of his lower principle.
Wer nicht stirbt, bevor er stirbt,
Der verdirbt, wenn er stirbt.
He who does not do this before he dies, is destroyed at death.
[ 26 ] Der Mensch muss erst reif sein, geläutert sein, ehe er in das Reich des Geistes — der Lilie — eingehen kann. In den alten Mysterien musste der Mensch erst durch Reinigungsstufen hindurchgehen, ehe er Myste werden konnte. Der Jüngling muss durch die Stufen erst hindurchgehen. Er wird durch sie zu der Lilie hingeführt.
[ 26 ] Man must first mature and be purified, before he can enter the kingdom of the Spirit (The Lily). In the old Mysteries a man had to go through various stages of purification before he could become a Mystic. The Youth too had first to pass through these stages, and he is guided through them by the Lily.
[ 27 ] Die Schlange bedeutet Entwicklung. Wir sehen um die Lilie versammelt die, welche den neuen Weg suchen, alle diejenigen, welche nach dem Geistigen hinstreben. Aber erst muss sich der Tempel über den Fluss erheben. Alle bewegen sich zu dem Flusse, die Irrlichter voran; sie schließen die Pforte auf. Die selbstsüchtige Weisheit ist die Brücke zu der selbstlosen Weisheit. Durch das Selbst führt die Weisheit zur Selbstlosigkeit hinauf. Die Schlange hat sich aufgeopfert. Jetzt versteht man, was Liebe ist, ein Hinopfern des niederen Selbst zum Besten der Menschheit, die volle Brüderlichkeit.
[ 27 ] The Serpent signifies development. We see the Lily gathering those together who are seeking the new way, all those who are striving after the Spiritual. But the Temple must first be lifted up above the river. They all move towards the River, the Will of the Wisps are in front and they open the door. The self-seeking Wisdom is the bridge to the selfless Wisdom. Wisdom leads a man through self to selflessness. The Serpent sacrificed itself. And now we understand the meaning of love, it is a Sacrifice of the lower self for the good of humanity, of complete brotherhood.
[ 28 ] Die ganze Versammlung bewegt sich zum Tempel. Der Tempel erhebt sich über den Fluss. Der Jüngling wird wiederbelebt. Er wird mit Atma, Budhi und Manas ausgestattet. Atma, in Form des ehernen Königs, tritt vor den Jüngling hin, reicht ihm das Schwert. Es ist der höchste Wille, nicht gemischt mit den anderen. Atma soll in dem Menschen wirken so, dass das Schwert zur Linken ist und die Rechte frei. Vorher wirkt der Mensch in Sonderheit, der Krieg aller gegen alle. Jetzt aber, wenn der Mensch geläutert ist, wird erst an Stelle des Kampfes der Friede treten, das Schwert zur Linken zum Schutze, die Rechte frei zum Wohltun.
[ 28 ] The whole company moves towards the Temple, which rises above the river. The youth is brought to life again. He is furnished with Atma, Buddhi, Manas; Atma, in the form of the Bronze King, appears before him and gives him a sword. This represents the higher will, and is not connected with the lower will. Atma is so to work in man that the sword shall be on his left and the right hand free, till then man works separately;—the War of all against all. But when man is purified, peace comes instead of war. Only when man is purified will peace take the place of War; the sword will then be worn on the left side, for defence only, leaving the right hand free for well-doing.
[ 29 ] Der zweite König bezeichnet, was einstweilen uns als das zweite Prinzip, als die Budhi bekannt ist — Frömmigkeit, Gemüt, wodurch der Mensch sich zum Höchsten im Glauben wendet. Das Silber ist das Symbol für die Frömmigkeit. Der zweite König sagt:
[ 29 ] The second King signifies that which at one time was known as the second principle. Buddhi (Piety, the mood in which a man turns in faith to the highest). Silver in the symbol of piety. The second King says
Weide die Schafe,
“Feed my sheep”,
[ 30 ] da wir es hier mit der Gemütskraft zu tun haben. Der Schein ist hier der Schein des Schönen. Goethe verknüpfte mit der Kunst eine religiöse Verehrung. Er sah in der Kunst die Offenbarung des Göttlichen, das Reich des schönen Scheins ist das Reich der Frömmigkeit. Der eherne König bedeutet — ohne die niederen Prinzipien — die Gewalt, der silberne König den Frieden, der goldene die Weisheit. Er sagt:
[ 30 ] for here we are concerned with the force of the spirit. The radiance here is that of Beauty. Goethe connected with art a feeling of religious reverence. He saw in it the manifestation of the Divine of the kingdom; the beautiful radiance, the realm of piety. The Bronze King signifies strength without the lower principles, the Silver King signifies peace, and the Golden King Wisdom. He says
Erkenne das Höchste.
“Recognise the highest”
[ 31 ] Der Jüngling ist der vierprinzipige Mensch, der sich zu den höheren Prinzipien entwickelt. Die vier Prinzipien werden gelähmt durch den Geist, ehe sie die läuternde Entwicklung durchgemacht haben. In Harmonie wirken dann die drei höheren Prinzipien im Menschen. Dann wird er stark und kräftig sein; dann darf er sich der Lilie vermählen. Das ist die Vermählung zwischen der Seele und dem Geist des Menschen. Die Seele wurde immer als etwas Weibliches dargestellt; das Mysterium des Ewigen, Unvergänglichen wird hier dargestellt.
[ 31 ] The youth is the four principled man, who is developing his higher principles. The four lower ones are crippled by the spirit until they have undergone the purifying development; after that the three higher principles work together harmoniously in Man. He then becomes strong and able, and may mate with the Lily. That is the union between the soul and the spirit of man. The soul is always represented as something feminine in man. The Mystery of the eternal and immortal is here represented.
Das ewig-Weibliche zieht uns hinan.
“The eternal feminine draws us along”.
[ 32 ] Dasselbe Bild brauchte Goethe hier im «Märchen», als die Vermählung des Jünglings mit der schönen Lilie.
[ 32 ] Goethe makes use of the same image in his story, in the union of the Youth with the beautiful Lily.
[ 33 ] Jetzt geht über die Brücke, die sich hinüberwölbt, aus dem hingeopferten menschlichen Selbst, alles Lebendige. Wanderer gehen hinüber und herüber. Alle Reiche werden jetzt in schöner Harmonie verbunden. Die Alte wird verjüngt, ebenso der Alte mit der Lampe; es ist das Alte vergangen und alles neu geworden. Die kleine Hütte des Fährmanns ist jetzt in versilbertem Zustand als eine Art Altar in dem Tempel enthalten. Das, was den Menschen früher unbewusst herüberbrachte, bringt ihn jetzt im bewussten Zustande hinüber. Der gemischte König ist zusammengesunken. Die Irrlichter leckten das Gold heraus, da sie immer noch auf das Niedrige gerichtet sind. Der Riese zeigt jetzt die Zeit an. Das, was früher sinnliches Prinzip war, was in der Dämmerstunde hinüberführte, was sinnlich ist, was dem Naturzustande angehört, zeigt nun die gleichmäßig verlaufende Zeit an. Solange der Mensch nicht die drei höheren Prinzipien entwickelt hat, liegt Vergangenes und Zukünftiges im Kampfe. Der Riese kann dann nur in unharmonischer Weise wirken. Jetzt ist die Zeit etwas Harmonisches geworden in diesem Idealzustand.
[ 33 ] Now the sacrificed human self and all living, pass over the bridge that arches across the river. Wanderers go to and fro and all the kingdoms are now united in beautiful harmony. The Old Woman grows young, and the Old Man with the Lamp is rejuvenated; old age has passed away and everything has become new. The Ferryman's little hut has been gilded over, and is now preserved as a sort of Altar in the Temple. What man formerly took over unconsciously, he now takes over in full consciousness. The king of many parts has collapsed. The Will of the Wisps lick the gold out of him, for that is still connected with the lower. The Giant now indicates the time. What formerly were the sense-principles (which can only lead into the shadows) which lead man across in the hour of twilight and belong to the things of sense, to nature-conditions, now points to the even and regular course of time. As long as man has not developed the three higher principles, the past and the future are in conflict. The giant then works inharmoniously. Now, through these ideal conditions, time is in harmony.
[ 34 ] Der Gedanke befestigt das Schwankende in dauernder Weise, was sich ausdrückt in folgenden Worten:
[ 34 ] Thought permanently strengthens that which was wavering, and makes it steady.
Und was in schwankender Erscheinung schwebt,
Befestiget mit dauernden Gedanken.
What lives in transient phenomena
Is justified by lasting thoughts.Faust, Prologue in Heaven.
[ 35 ] Was in der Pythagoreischen Schule als der Rhythmus des Weltenalls angesehen wird, die Sphärenmusik, das Tönen der Planeten, die sich rhythmisch um die Sonne bewegen, das entsteht durch die Verwirklichung des göttlichen Gedankens. Ein Planet war für den Mystiker ein Wesen höherer Art. Daher sagt auch Goethe:
[ 35 ] That which in the Pythagorean schools was called the “Rhythm of the Universe”, “The Music of the Spheres”, of the planets, rhythmically revolving around the Sun, is brought about by the accomplishment of Divine Thought. To the mystic a planet was a Being of a higher order. Thus Goethe too says:
Die Sonne tönt nach alter Weise
In Brudersphären Wettgesang,
Und ihre vorgeschrieb’ne Reise
Vollendet sie mit Donnergang.
The sun rings forth in ancient fashion
In the spheres of his brother-singers.
He accomplishes his allotted journey
‘Midst resounding claps of thunder.
[ 36 ] Dass der Mensch in sich die Fähigkeit hat, sich zum höchsten Göttlichen zu entwickeln, sagt er in den Worten:
[ 36 ] That man indeed has the capacity of developing to the highest Divine, Goethe says in the words;
Wär nicht das Auge sonnenhaft,
Die Sonne könnt es nie erblicken;
Lebt nicht in uns des Gottes eigne Kraft,
Wie könnt uns Göttliches entzücken?
If the eye were not fashioned for the sunlight
It could not gaze upon the Sun!
If there were not in us the very force of God
How could we be charmed by the Divine?
