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Goethe and the Present
GA 68c

15 June 1908, Munich

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Goethe and the Present, tr. SOL
  1. Goethe und die Gegenwart

24. Goethe, Hegel und die Theosophie

24. Goethe, Hegel, and Theosophy

[ 1 ] Wohl viele, die den Goethe’schen Faust lesen, fühlen etwas für jede Menschenseele und für jedes Menschenherz höchst Bedeutsames aus des Dichters Worten ertönen, die da darstellen, wie Faust, dieser Repräsentant nach dem höchsten Streben der Menschlichkeit, wie dieser Faust, nachdem er durchgemacht hat dasjenige, was man in unserer Wissenschaft der verschiedensten Zweige erlangen kann, ratlos dasteht, ringend nach einer Erkenntnis, die mehr bedeutet als die Befriedigung theoretischer Bedürfnisse des Verstandes, die in sich schließt alles, was in den schwersten Stunden besonders der Mensch braucht zum Troste und zur Erhebung des Lebens, zur Kraft des Daseins und zum Schaffen in der Wirklichkeit. Und wenn wir hingewiesen werden durch des Dichters Worte auf eine Möglichkeit, außerhalb der bloßen Verstandestheorie sich hinaufzuschwingen in das Reich der geistigen Welt, wenn wir hingewiesen werden darauf, dass da etwas Höheres zu gewinnen ist als die Theorie und Verstandesweisheit, so mag es uns wohl, wenn wir uns auf der andern Seite interessieren für das, was unter dem Namen Theosophie heute den modernen Geisteswegen einverleibt werden soll, so mag es uns wohl drängen, gerade von dieser Seite aus einmal das zu betrachten, was in das deutsche Kulturleben durch Goethe eingeflossen ist. Es mag uns drängen, das ins Auge zu fassen, was eigentlich hinter jenem Gefühlsausdruck Goethes liegt, der, als Faust das Zeichen des Makrokosmos vor Augen sieht, sagt, dass er jetzt wisse, was der Weise meine mit den Worten:

[ 1 ] Surely many who read Goethe’s Faust feel that something of the utmost significance for every human soul and every human heart resounds from the poet’s words, which depict how Faust—this embodiment of humanity’s highest aspirations—how this Faust, after having gone through everything that can be attained in the various branches of our science, stands there at a loss, struggling for a realization that means more than the satisfaction of the intellect’s theoretical needs—a realization that encompasses everything a person needs, especially in the most difficult hours, for comfort and the uplifting of life, for the strength to exist, and for creative work in reality. And when the poet’s words point us to a possibility of rising, beyond mere intellectual theory, into the realm of the spiritual world—when they point out that there is something higher to be gained than theory and intellectual wisdom— then—even as we take an interest in what is today to be incorporated into modern spiritual paths under the name of Theosophy—we may well feel compelled to consider, precisely from this perspective, what has flowed into German cultural life through Goethe. We may feel compelled to take a closer look at what actually lies behind that emotional expression of Goethe’s, who, when Faust sees the sign of the macrocosm before his eyes, says that he now knows what the sage meant by the words:

Die Geisterwelt ist nicht verschlossen,
Dein Sinn ist zu, dein Herz ist tot!
Auf, bade, Schüler, unverdrossen
Die ird’sche Brust im Morgenrot!

The spirit world is not closed off,
Your mind is closed, your heart is dead!
Come, bathe, disciple, undaunted
Your earthly breast in the morning glow!

[ 2 ] Das ist gewissermaßen die Aufforderung aus Goethes Schaffen selbst heraus, das einmal vom Standpunkt der Geisteswissenschaft selbst zu betrachten. Solche Betrachtung des Schaffens großer Persönlichkeiten, die von tiefer Wirkung gewesen sind auf das Kulturleben, liegt gar sehr im Gebiet der Geisteswissenschaft, denn niemals kann diese Wissenschaft in den Fehler anderer Strömungen verfallen, dass sie behauptet, alles, was wahrhaft wertvoll ist in Bezug auf menschliches Wissen, sei erst durch sie geschaffen. Wenig Vertrauen könnte dann die Menschheit haben zu einer Erkenntnis, welche aufträte mit dem Ausspruch: Wie aus einer Pistole geschossen, sei es erst jetzt entstanden. Seit es menschliches Denken und Streben gibt, haben die Menschen nach Wahrheit geforscht. Sollten alle, die den betreffenden Wahrheitsforschern vorangegangen sind, vergeblich geforscht haben, nur in Irrtum befangen sein?

[ 2 ] In a sense, this is a call arising from Goethe’s own body of work to view it from the perspective of spiritual science itself. Such an examination of the works of great figures who have had a profound impact on cultural life lies very much within the realm of spiritual science, for this science can never fall into the error of other schools of thought that claim everything truly valuable in terms of human knowledge was created only through them. Humanity would have little confidence in a insight that were to appear with the claim: “As if shot from a pistol, it has only now come into being.” Ever since human thought and striving have existed, people have sought the truth. Should all those who preceded the truth-seekers in question have searched in vain, having been caught up only in error?

[ 3 ] Wie ziemt es uns gegenüber einer würdigen Auffassung, immer wieder zu sagen, wie wir es so herrlich weit gebracht gerade mit unserer Weisheit. Die Theosophie tritt mit solcher Forderung nicht auf. Sie will nichts anderes als in eine besondere Form und Gestalt gebracht haben die uralte Weisheit, die von jeher in die Herzen derjenigen geströmt ist, die nach Wahrheit und Weisheit gestrebt haben; diese soll in eine neue Form gebracht werden, wie es dem gegenwärtigen Leben entspricht. Deshalb gehört es zur Aufgabe der Theosophie, bei den großen Geistern der Vergangenheit nachzuforschen, wie sich ihr Streben zu dem stellt, was wir heute durch unsere Geisteswissenschaft erforschen.

[ 3 ] How does it befit us, in the face of a worthy perspective, to keep repeating how wonderfully far we have come precisely through our wisdom? Theosophy does not make such a claim. It seeks nothing other than to give a specific form and shape to the ancient wisdom that has always flowed into the hearts of those who have sought truth and wisdom; this wisdom is to be given a new form appropriate to present-day life. Therefore, it is part of theosophy’s task to investigate, through the great minds of the past, how their endeavors relate to what we are exploring today through our spiritual science.

[ 4 ] Wir wählen einen, der so Bedeutsames gewirkt hat, Goethe, und wenn wir neben ihn einen heute und durch lange Zeiten hindurch etwas Unbekannten stellen, unbekannt nicht dem Namen nach, sondern demjenigen nach, was er gewollt und geboten hat, Hegel, dann mögen uns die heutigen Betrachtungen zeigen, wie gerade theosophisches Leben es uns möglich macht, manchen Verkannten wieder zu würdigen, weil die Theosophie ein Instrument ist, Tiefen zu finden und zu erkennen, die auf andere Weise gar nicht hervorgekehrt werden würden. Wenn wir uns zunächst in Goethe vertiefen, so wird es uns wahrhaftig gar nicht schwer, in seinem Wesen, in seiner Natur jenen Grundzug geisteswissenschaftlichen Wollens und Erkennens zu finden, der sich dadurch charakterisiert, in allem Sichtbaren das Unsichtbare der geistigen Welt zu sehen.

[ 4 ] Let us choose someone who has accomplished something so significant—Goethe—and if we place alongside him someone who is somewhat unknown today and has remained so throughout the ages, unknown not by name but in terms of what he intended and taught, Hegel, then today’s reflections may show us how theosophical life in particular enables us to appreciate anew many who have been misunderstood, because theosophy is an instrument for discovering and recognizing depths that would not come to light in any other way. If we first immerse ourselves in Goethe, it will truly not be difficult for us to find in his essence, in his nature, that fundamental trait of spiritual-scientific will and cognition which is characterized by seeing the invisible of the spiritual world in all that is visible.

[ 5 ] In allem Sichtbaren sehen wir die äußere Physiognomie eines Geistigen, den äußeren Ausdruck von etwas Übersinnlichem, wie wir in dem menschlichen Anblick den Ausdruck dessen sehen, was im Geiste, in der Seele lebt. Aber wir dürfen Goethe nicht so betrachten, wie es mancher der Bequemlinge macht, dass wir sagen, Goethe habe dasjenige, wonach die ganze Menschheit sich sehnt, was er nicht in klaren Worten habe schreiben wollen, was er nicht in ganz bestimmte Ausdrucksformen habe schnüren können, das habe er in mehr dunkeln nebelhaften Gefühlen schwelgend, hier zum Ausdruck bringen wollen. Schon der Schwabe Vischer, der Verfasser von «Auch Einer», hat darüber gepoltert, dass man Goethes Glaubensbekenntnis darin finden wolle, dass Faust zu Gretchen spricht:

[ 5 ] In everything visible, we see the outward physiognomy of something spiritual, the outward expression of something supernatural, just as we see in the human countenance the expression of what lives in the spirit and in the soul. But we must not view Goethe as some of the complacent do—by saying that Goethe possessed that which all of humanity longs for, that which he did not wish to write in clear words, that which he could not constrain into very specific forms of expression, and that he sought to express it here by wallowing in more obscure, misty feelings. Even the Swabian Vischer, the author of Auch Einer, railed against the notion that one might wish to find Goethe’s creed in the passage where Faust says to Gretchen: “/p”

Gefühl ist alles;
Name ist Schall und Rauch,
Umnebelnd Himmelsglut.

Feeling is everything;
A name is mere smoke and mirrors,
Obscuring the sky's glow.

[ 6 ] So wahr das war im Gespräch mit Gretchen, so wenig stimmt es sonst, denn alle wollen doch nicht eine Gretchenweisheit, die ein ernstes Streben haben, obwohl ja vielfach nur nach einer solchen Gretchenweisheit gestrebt wird. Aber in Goethe lebte noch etwas ganz anderes von Jugend auf, schon von seiner Knabenzeit an. Wenn wir ihn verfolgen bis in seine Knabenzeit hinein, so zeigt sich uns zwar nicht irgendwelches geisteswissenschaftliches Erkennen, aber dieselbe Gefühls-Formation der Seele, die ganze Gesinnung eines theosophisch Denkenden. Da sehen wir den siebenjährigen Knaben unbefriedigt durch allerhand Gefühlserlebnisse von alledem, was ihm von seiner Umgebung an äußeren religiösen Formen zufließt; aber ein höheres Geistiges kann er unbestimmt ahnen und empfinden. Er sucht in der botanischen Sammlung seines Vaters allerlei Pflanzen, wählt allerlei mineralische Objekte und legt sie auf ein Notenpult, das ist sein Altar. Und dem großen Gotte der Natur, wie er ihn später in klaren Worten nennt, dem will er schon in seinem Knabenalter in seiner sehnenden Kinderseele ein Opfer darbringen, dem Gotte, der hervorgezaubert wird durch das, was geschieht in der Welt, ihn will er so geheimnisvoll vor seine Seele rücken. Ein Räucherkerzchen nimmt er, stellt es oben darauf und sammelt in dem Brennpunkt eines Brennglases die ersten Strahlen der Morgensonne, sodass durch sie das Kerzchen entzündet wird. So verrichtet er mit einem Kerzchen, das von den Kräften der Natur selbst angezündet ist, sein Opfer. So denkt er schon als Knabe an dasjenige, was sich hinter der Physiognomie der Natur verzaubert, versteckt. Und das ist geblieben in seiner Seele sein ganzes Leben hindurch. Wunderbar klingt es uns, wenn wir seinen Prosa-Hymnus vernehmen, den er als Ausdruck dessen, was ihm die Natur ist, einem Schreiber vorspricht, bald nach seinem Eintritt in Weimar, es ist der Hymnus «Die Natur»:

[ 6 ] As true as that was in the conversation with Gretchen, it is otherwise hardly true, for not everyone who has a serious pursuit wants a “Gretchen-like wisdom”—even though, in many cases, it is precisely such a “Gretchen-like wisdom” that is sought. But something quite different had been alive in Goethe from his youth onward, even from his boyhood. If we trace him back to his boyhood, we do not find any kind of spiritual-scientific insight, but rather the same emotional formation of the soul, the entire mindset of a theosophically minded person. There we see the seven-year-old boy, unsatisfied by all manner of emotional experiences derived from the external religious forms flowing to him from his surroundings; yet he can vaguely sense and feel a higher spiritual reality. He searches through his father’s botanical collection for all kinds of plants, selects various mineral objects, and places them on a music stand—that is his altar. And to the great God of Nature—as he later calls him in clear words—he already wishes, even in his boyhood and with his yearning child’s soul, to offer a sacrifice; to the God who is conjured forth by what happens in the world, he wishes to bring Him so mysteriously before his soul. He takes a small incense candle, places it on top, and focuses the first rays of the morning sun through a magnifying glass so that they ignite the candle. Thus, with a candle lit by the very forces of nature itself, he performs his sacrifice. Even as a boy, he contemplates what lies enchanted and hidden behind the face of nature. And this has remained in his soul throughout his entire life. It sounds marvelous to us when we hear his prose hymn—which he dictated to a scribe as an expression of what nature means to him shortly after his arrival in Weimar—the hymn “Nature”:

Natur! Wir sind von ihr umgeben und umschlungen — unvermögend aus ihr herauszutreten, und unvermögend tiefer in sie hineinzukommen. Ungebeten und ungewarnt nimmt sie uns in den Kreislauf ihres Tanzes auf und treibt sich mit uns fort, bis wir ermüdet sind und ihrem Arme entfallen.

Nature! We are surrounded and embraced by her—unable to step out of her, and unable to enter deeper into her. Uninvited and without warning, she draws us into the circle of her dance and carries us along until we grow weary and slip from her arms.

[ 7 ] Oder wenn wir an die großen Worte denken: Alles ist Natur. Sie hat den Tod erfunden, um viel Leben zu haben. Und so geht es fort. Goethe bekannte später selbst, es liege dem Gedichte der Gedanke zugrunde, dass allen Naturvorgängen ein Geist innewohne, gerade wie auch allem Persönlichen ein Geist zugrunde liegt. Er sucht die Physiognomie des Geisteslebens; dadurch sehen wir ihn getrieben, die Natur in ihren Zusammenhängen zu betrachten. Nicht auf ihn als Naturforscher können wir hier eingehen, aber hinweisen dürfen wir darauf, dass er überall hinausgeht über das, was sein Fachstudium werden sollte. Überall sehen wir bei ihm das Bestreben, und das zeigt sich bei ihm schon während seiner Studienjahre, dass das einzelne Naturobjekt ihm Mitteilungen machen soll über die Zusammenhänge im Leben. Dazu studiert er dann später noch in Weimar; er hört bei Loder Knochenlehre, vergleichende Anatomie und so weiter. Er wollte nicht nur die zerstückelten Teile der Natur ins Auge fassen, das ersehen wir daraus, dass er auf der italienischen Reise schreibt: Nach alledem, was ich an Pflanzen und Tieren hier gesehen habe, möchte ich gerne eine Reise nach Indien machen, nicht um Neues zu erforschen, sondern um das Alte auf meine Art anzusehen. Seine Art anzusehen aber ist, in allem eine Schrift zu sehen, die in geheimnisvoller Art zum Ausdruck bringt das dahinter liegende Geistesleben. Dass Goethe dies durchaus im Auge hat, wird uns besonders anschaulich, wenn wir sehen, wie er alles Leben unter einen Gesichtspunkt, unter eine Perspektive bringt. In Italien verschafft er sich zum ersten Mal einen Begriff davon, was seinem großen Geiste die griechische Kunst sein kann. Vorher hatte er mit Herder vieles durchgesprochen. An Spinozas Denken bildete er sich heran zur Anschauung einer göttlich-schöpferischen Wesenheit hinter den Erscheinungen; aber hiermit war er nicht zufrieden. Er wollte an dem Menschen selbst eine göttlich-geistige Wesenheit erkennen. Er schreibt an seine Freunde von Italien aus, als er gestanden hat vor dem Kunstwerke, das ihm das Geheimnis der griechischen Kunst gegeben hat: Da ist Notwendigkeit, da ist Gott. Ich habe die Empfindung, dass die Griechen nach denselben Gesetzen verfahren sind, nach denen die Natur wirkt, und ich bin ihnen auf der Spur.

[ 7 ] Or when we think of those grand words: “Everything is nature.” Nature invented death in order to have abundant life. And so it goes on. Goethe himself later admitted that the poem was based on the idea that a spirit is inherent in all natural processes, just as a spirit underlies everything personal. He seeks the physiognomy of spiritual life; this is what drives him to view nature in its interconnections. We cannot delve into his role as a natural scientist here, but we may point out that he consistently goes beyond the scope of what was to become his field of study. Everywhere we see in him the aspiration—and this was already evident during his student years—that individual natural objects should reveal to him the interconnections in life. To this end, he continued his studies later in Weimar; he took courses with Loder in osteology, comparative anatomy, and so on. He did not wish merely to focus on the fragmented parts of nature; we can see this from what he wrote during his trip to Italy: “After everything I have seen here in terms of plants and animals, I would very much like to take a trip to India—not to explore the new, but to view the old in my own way.” His way of looking, however, is to see in everything a text that mysteriously expresses the spiritual life lying behind it. That Goethe certainly had this in mind becomes particularly clear to us when we see how he brings all of life under a single point of view, under a single perspective. In Italy, he gained his first understanding of what Greek art could mean to his great mind. Before that, he had discussed many things with Herder. Through Spinoza’s thought, he developed a conception of a divine-creative entity behind appearances; but he was not satisfied with this. He wanted to recognize a divine-spiritual essence in human beings themselves. Writing to his friends from Italy, after standing before the work of art that had revealed to him the secret of Greek art, he wrote: “There is necessity; there is God. I have the feeling that the Greeks proceeded according to the same laws by which nature operates, and I am on their trail.”

[ 8 ] So ist ihm Kunst die Fortsetzung des Schaffens der Natur. Der Künstler soll sich hineinleben in die Gesetze der Welt und dann das Werk der Natur fortsetzen; was die Natur auf niederer Stufe vom Übersinnlichen in das Sinnliche übergehen lässt, das soll der Künstler auf einer höheren Stufe tun. In seinem Buche über Winckelmann sagt er:

[ 8 ] Thus, for him, art is the continuation of nature’s creative work. The artist should immerse himself in the laws of the world and then continue nature’s work; what nature accomplishes at a lower level—transitioning from the supersensible to the sensible—the artist should accomplish at a higher level. In his book on Winckelmann, he says:

Wenn die gesunde Natur des Menschen als ein Ganzes wirkt, wenn er sich in der Welt als in einem großen, schönen, wüi digen und werten Ganzen fühlt, wenn das harmonische Behagen ihm ein reines, freies Entzücken gewährt — dann würde das Weltall, wenn es sich selbst empfinden könnte, als an sein Ziel gelangt aufjauchzen und den Gipfel des eigenen Werdens und Wesens bewundern.

When the healthy nature of human beings functions as a whole, when they feel at home in the world as part of a vast, beautiful, magnificent, and valuable whole, when harmonious contentment grants them pure, free delight—then the universe, if it could perceive itself, would exult at having reached its goal and admire the pinnacle of its own becoming and being.

[ 9 ] So ist für Goethe der menschliche Geist dasjenige, was schon in der strammen Natur lebt, in Gestein und Pflanzen, was sich da durch das Tier hinaufentwickelt, wird für Goethe im innersten Menschen bewusst, und wenn der Mensch seinen Geist in Formen ausgießt, dann schafft er selbst als höhere Natur über sich selbst hinaus. Aber das war ihm wie angeboren, in allem, was er sah, den Geist zu schauen, das war ihm natürlich, so natürlich, dass sich einmal abspielen konnte jenes bedeutsame Gespräch zwischen Goethe und Schiller nach einem Vortrage von Batsch in Jena. Schiller machte nachher die Bemerkung, dass es doch immer etwas Trostloses habe, nur die Natur im Einzelnen zu betrachten und nie im Ganzen. Goethe erwiderte, man könne auch anders verfahren, man könne auch vom Ganzen zu den Teilen gehen und das Geistige der eigentlichen Betrachtung zugrunde legen. Er zeichnete dann das symbolische Bild einer Pflanze auf und sagte von ihr, sie sei die Urpflanze und enthalte alle andern in sich; mit ihr könne man in beliebiger Weise neue Pflanzen, die Lebens- und Wirklichkeits-Möglichkeit haben, formen und erfinden, von den niedersten bis zu den höchsten Pflanzen. Schiller, der sich damals zu solcher Höhe nicht aufschwingen konnte, hat sich bald selbst zu dieser Ansicht durchgearbeitet. Jetzt aber entgegnete er Goethe, das, was er da gezeichnet hätte, sei keine Erfahrung, sondern eine Idee. Goethe verstand das gar nicht, sondern er meinte, wenn das eine Idee sei, so sehe er seine Idee mit Augen. Hier stehen sich zwei Weltanschauungen krass gegenüber. Schiller glaubte, erst das Geistige zu erfassen durch Abstraktionen; Goethe durch das Anschauen der Idee mit geistigen Augen. Goethe war sich klar darüber, dass der Geist in allem lebt, dass schaffende Geister unter dem Sinnlichen walten, und Goethe hat diese Weltanschauung nicht nur in einer ins Theoretische gehenden Weise ausgebildet, sondern er hat diese seine Weltanschauung hineingeheimnisst in seine Werke, in alles hat er sie hineingebracht, was er auch dichterisch gearbeitet hat. Das zeigt sich insbesondere, wenn wir den zweiten Teil des «Faust» in seiner Tiefe zu erfassen suchen.

[ 9 ] For Goethe, the human spirit is that which already lives in the robust forces of nature—in rocks and plants; what evolves upward through the animal kingdom becomes conscious within the innermost being of the human being, and when the human being pours out his spirit into forms, he creates—as a higher form of nature—beyond himself. But it was as if it were innate to him to see the spirit in everything he observed; it came naturally to him—so naturally, in fact, that the significant conversation between Goethe and Schiller could take place after a lecture by Batsch in Jena. Schiller remarked afterward that there was always something bleak about considering nature only in its individual parts and never as a whole. Goethe replied that one could also proceed differently; one could also move from the whole to the parts and base the actual observation on the spiritual. He then drew a symbolic image of a plant and said that it was the primordial plant, containing all others within itself; with it, one could shape and invent new plants in any way one wished—plants possessing the potential for life and reality—from the lowest to the highest forms of vegetation. Schiller, who at that time could not yet rise to such heights, soon worked his way toward this view himself. But now he replied to Goethe that what he had sketched there was not an experience, but an idea. Goethe did not understand this at all; rather, he believed that if this were an idea, then he saw his idea with his eyes. Here, two worldviews stand in stark contrast to one another. Schiller believed in grasping the spiritual first through abstractions; Goethe, through beholding the idea with spiritual eyes. Goethe was fully aware that the spirit lives in everything, that creative spirits reign beneath the sensory realm, and Goethe not only developed this worldview in a theoretical manner but also wove it into his works; he incorporated it into everything he created poetically. This becomes particularly evident when we seek to grasp the depth of the second part of Faust.

[ 10 ] Solche Weltanschauung lebte damals durchaus nicht nur bei Goethe oder war nur bei wenigen zu finden, sondern sie war eine geistige Atmosphäre, in der Deutschlands beste Geister damals lebten, und aus dieser GeistPhilosophie wuchs auch Hegel heraus. Freilich für viele, die nur flüchtig etwas gehört haben über Hegel, für sie ist er ein abgetaner Philosoph, einer der großen Irrtumsträger der Vergangenheit. Wenn die Leute an große Geister herankommen, so benehmen sie sich ganz sonderbar. Es gibt eine schöne Schrift von einem russischen Gelehrten, Chwolson: Hegel, Haeckel und das zwölfte Gebot. Darin ist in gewisser Weise eine gute Charakteristik gegeben. Der Verfasser ist ein ausgezeichneter Physiker; er weiß gut die Schlüsse zu ziehen, die mit Recht aus unserer heutigen Weltanschauung gezogen werden können. Sein zwölftes Gebot ist eigentlich sehr selbstverständlich; aber von vielen wird es nicht verstanden. Es lautet: Du sollst niemals etwas schreiben, wovon du nichts verstehst! Wer im Geistesleben bewandert ist, der weiß, dass Chwolson von Hegel nichts versteht; so ist er selbst ein schlagendes Beispiel für sein Gebot. Man kann leicht spotten, wenn man aus dem Zusammenhange herausreißt. Man muss den ganzen Zusammenhang kennen. Hegel ist ein Geist, der reif war, recht reif, aber zum ersten Male mit eigenen Anschauungen auf den Plan trat. Schon 1770 in Stuttgart geboren, veröffentlichte er das erste Werk, das für den, der oberflächlich in Geistesdingen ist, vielleicht vielfach heute etwas ganz Unverständliches ist, erst in seinem Alter. Aber dieses Werk sollte tief bedeutsam sein für jeden, der Höhen im Geistesleben erklimmen will. Es ist die «Phänomenologie des Geistes». Es muss uns schon durch seine äußere Entstehungsweise erscheinen wie quellend aus geistigem Leben.

[ 10 ] Such a worldview was by no means limited to Goethe at that time, nor was it found only among a few; rather, it was an intellectual atmosphere in which Germany’s greatest minds lived at the time, and Hegel, too, emerged from this philosophy of the spirit. Of course, for many who have only heard something in passing about Hegel, he is a dismissed philosopher, one of the great propagators of error from the past. When people encounter great minds, they behave quite strangely. There is a fine essay by a Russian scholar, Chwolson: Hegel, Haeckel, and the Twelfth Commandment. In it, a good characterization is provided, in a certain sense. The author is an excellent physicist; he is adept at drawing the conclusions that can rightly be drawn from our contemporary worldview. His twelfth commandment is actually quite self-evident; yet many fail to understand it. It reads: “You shall never write about anything you do not understand!” Anyone well-versed in intellectual life knows that Chwolson understands nothing of Hegel; thus, he himself is a striking example of his own commandment. It is easy to mock when things are taken out of context. One must know the entire context. Hegel was a mind that was mature—truly mature—but who stepped onto the stage with his own views for the first time. Born in Stuttgart as early as 1770, he did not publish his first work—which may seem quite incomprehensible today to those who are superficial in matters of the spirit—until he was quite old. But this work was to be profoundly significant for anyone who wishes to ascend to the heights of spiritual life. It is the Phenomenology of Spirit. Even from the way it came into being, it must appear to us as if it sprang from spiritual life itself.

[ 11 ] Er zeigt, dass er in äußerster Konzentration absehen konnte von den Dingen der äußeren Welt. Ungeheurer Intensität der geistigen Kraft bedurfte es, diese subtilen Dinge zu schreiben, die letzten Seiten sind geschrieben worden, während die Kanonen donnerten in der Schlacht von Jena. Da wurde dieses Werk vollendet, das uns einführen sollte in die geistige Welt. Und er hat sich immer Zeit gelassen; fast ein Jahrzehnt nachher erschien seine «Logik», außerdem besitzen wir von ihm eine Enzyklopädie und Rechtswissenschaft. Die Mehrzahl seiner Werke ist aus dem Nachlasse seiner Vorlesungen hervorgegangen durch seine Schüler. Es ist schwer, in kurzen Worten nur ein Bild zu geben von dem Sinn und dem Geist der Hegel’schen Lehre, aber es ist doch vielleicht möglich, in großen Zügen eine Anschauung zu geben. Man hat viel gespottet darüber, dass Hegel die ganze Welt, alles objektive Sein aus dem Geiste heraus, aus der Idee konstruieren wollte, weil er zunächst lauter Begriffe, lauter nur durch den menschlichen Intellekt zu verfolgende Ideenwelt aufbaut; deshalb sagt man, er habe nicht geforscht in der Erfahrung, sondern er habe alles aus dem Geiste heraus holen wollen, was man hierin nur erfahren kann, wenn man die Natur prüft. Der größte Fehler in der Beurteilung Hegels liegt schon da; es ist ganz unrichtig, wenn man sagt, Hegel habe die ganze Welt a priori aus seinem Kopfe heraus spinnen wollen. Er war sich ganz klar, dass sich draußen im Raume die Wirklichkeit ausbreitete, aber er wusste auch, dass hinter dieser objektiven Wirklichkeit geistige Zusammenhänge bestehen, die der Mensch in den Bildern der Ideen erfasst. Was konnte er dafür, dass er in den Dingen die Idee sah. Er erforschte erfahrungsgemäß die Welt, aber er sah eben mehr als die andern. Die Natur gab ihm auch die Ideen außer der grobsinnlichen Stofflichkeit, gerade wie es bei Goethe auch war. Konnten Goethe und Hegel dazu, dass die andern diese Ideen nicht finden konnten? Die, welche sie nicht finden können, glauben dann, Hegel habe sie aus seinem Kopfe gesponnen. Lichtenberg, der große deutsche Humorist, hat einmal von einem Buch und einem Menschen gesprochen und hat gesagt: Wenn ein Buch und ein Menschenkopf zusammenschlagen, und es klingt hohl, dann muss es nicht immer an dem Buch liegen. Und wenn der Menschenkopf und die Natur zusammenklingen, und der Kopf bleibt leer, weil er keine Ideen finden kann, so liegt es wahrlich nicht an der Natur. Hegel machte es sich zur Aufgabe, das, was sich im Raume ausdehnt, in dem gewaltigen Bau der Ideen aufzurichten, den er seine Logik nennt. Jenes Gewebe der Ideen, wovon er bildlich sagt, dass es der Gott sei, wie er vor der Erschaffung der Natur gewesen ist. Das war ihm mehr als ein Bild. Vom abstrakten Sein bis zum absoluten Sein hat man etwas vor sich wie ein Schaffen. Er sagt: Das diamantene Netz der Begriffe und Ideen ist etwas, in das hineinverwoben sind die Dinge der Natur. Dieses Netz wurde ihm ein Spiegelbild, aus dem ihm doch die Natur offenbar wieder entgegentritt. Er verfolgt die Natur durch alle ihre Stufen, um zu zeigen, wie es die Idee, der schöpferische Gedanke ist, der in allem lebt. Er betrachtet das Stein-, Pflanzen- und Tierreich, dann den Menschen; er zeigt, wie der Menschengeist nach und nach immer vollkommener wird, bis er sich heraushebt durch Verstand und Vernunft zu der Anschauung des Geistes in der Außenwelt. Es ist ein gigantisches Gebäude, das da vor uns aufsteigt, wenn es auch im Einzelnen fehlerhaft ist. Es ist ein Gebäude, das jeder aufführen kann, und es ist zugleich eine gute Schulung, da mit Notwendigkeit ein Begriff aus dem andern hervorgeht, jede Begriffsmasse hereinpassen muss in das, was an Ideen geschaffen wird. Eine gleiche Notwendigkeit finden wir höchstens nur dort, wo der menschliche Geist sich in die Zusammenhänge vertieft, die durch die Mathematik gegeben sind. Es wird wieder eine Zeit kommen, wo man wieder hinaufsteigen wird zu dieser bedeutsamen Geistesschulung.

[ 11 ] He demonstrated that, through the utmost concentration, he was able to detach himself from the things of the external world. It required an immense intensity of mental power to write these subtle works; the final pages were written while the cannons thundered during the Battle of Jena. It was then that this work, intended to introduce us to the spiritual world, was completed. And he always took his time; his Logic appeared nearly a decade later, and we also have his Encyclopedia and his work on jurisprudence. Most of his works emerged from the posthumous collection of his lectures, compiled by his students. It is difficult to convey even a brief picture of the meaning and spirit of Hegel’s doctrine in just a few words, but it may nevertheless be possible to provide a general overview. There has been much mockery of the fact that Hegel wanted to construct the entire world—all objective being—out of the spirit, out of the idea, because he initially builds a world consisting entirely of concepts, a world of ideas that can be grasped only through the human intellect; which is why it is said that he did not investigate through experience, but rather sought to derive from the spirit everything that can only be experienced here by examining nature. The greatest error in the assessment of Hegel lies precisely there; it is entirely incorrect to say that Hegel sought to spin the entire world a priori out of his own head. He was fully aware that reality extended out there in space, but he also knew that behind this objective reality there are spiritual connections that human beings grasp in the images of ideas. It was not his fault that he saw the idea in things. He explored the world through experience, but he simply saw more than others did. Nature also provided him with ideas beyond coarse, sensory materiality, just as it did for Goethe. Could Goethe and Hegel help it that others could not find these ideas? Those who cannot find them then believe that Hegel conjured them up out of thin air. Lichtenberg, the great German humorist, once spoke of a book and a human mind and said: When a book and a human mind clash, and it sounds hollow, it is not always the book’s fault. And when the human mind and nature resonate together, and the mind remains empty because it cannot find any ideas, it is certainly not nature’s fault. Hegel made it his task to erect, within the vast edifice of ideas he calls his Logic, that which extends throughout space. That fabric of ideas, of which he figuratively says that it is God as He was before the creation of nature. To him, this was more than a metaphor. From abstract being to absolute being, one faces something akin to a creative process. He says: The diamond-like web of concepts and ideas is something into which the things of nature are woven. This web became for him a mirror image, from which nature nevertheless appears to confront him once more. He traces nature through all its stages to show how it is the Idea—the creative thought—that lives in all things. He examines the mineral, plant, and animal kingdoms, then humanity; he shows how the human spirit gradually becomes more and more perfect until it rises, through intellect and reason, to the perception of the Spirit in the external world. It is a colossal edifice that rises before us, even if it is flawed in its details. It is an edifice that anyone can construct, and at the same time it serves as a good exercise, since one concept necessarily emerges from another, and every set of concepts must fit into the ideas that are being created. We find a similar necessity, at most, only where the human spirit delves into the interrelationships provided by mathematics. A time will come again when people will ascend once more to this significant spiritual training.

[ 12 ] Wenn wir zu empfinden versuchen, wie da Geist und Natur bei Goethe und Hegel zusammengestellt werden, fühlen wir da nicht den Geist theosophischen Empfindens? Ja, wir fühlen das. Nur eines wird der Geisteswissenschaftler bei Hegel vermissen, was er bei Goethe findet in den Worten des «Faust», die Goethe «Chorus mysticus» nennt:

[ 12 ] When we try to sense how spirit and nature are brought together in Goethe and Hegel, do we not feel the spirit of theosophical sensibility? Yes, we do. There is only one thing the spiritual scientist will miss in Hegel that he finds in Goethe in the words of “Faust,” which Goethe calls the “Chorus mysticus”:

Alles Vergängliche
Ist nur ein Gleichnis;
Das Unzulängliche
Hier wird’s Ereignis;
Das Unbeschreibliche,
Hier ist’s getan;
Das Ewig-Weibliche
Zieht uns hinan.

All that is fleeting
Is but a parable;
That which is inadequate
Here becomes an event;
That which is indescribable,
Here it is accomplished;
The eternally feminine
Draws us upward.

[ 13 ] Nehmen wir die ersten drei Zeilen. Vor uns steht die Natur, wie sie in ihren einzelnen Teilen entsteht und vergeht; alles, was durch Geburt und Tod hindurch muss, das ist ihm ein Gleichnis für das Ewige, Übersinnliche, für alles, was dahinter steht. Da ist Hegel ein Gesinnungsgenosse Goethes; er, der Philosoph, drückt dasselbe denkerisch so aus: Alles Vergängliche in der Natur ist ein Gleichnis für die ewig schaffende Ideenwelt. Dann folgt etwas, wonach der Dichter streben konnte, das aber dem Philosophen verloren ging:

[ 13 ] Let us consider the first three lines. Before us lies nature, as it comes into being and passes away in its individual parts; everything that must pass through birth and death is, for him, a parable of the eternal, the transcendent, of all that lies beyond. In this, Hegel is a kindred spirit to Goethe; he, the philosopher, expresses the same idea in intellectual terms: Everything transitory in nature is a parable for the eternally creative world of ideas. Then follows something that the poet might have strived for, but which was lost on the philosopher:

Das Unzulängliche,
Hier wird’s Ereignis;
Das Unbeschreibliche,
Hier ist’s getan.

The Inadequate,
Here it becomes an event;
The Indescribable,
Here it is done.

[ 14 ] Wenn wir diese Worte recht fühlen, so merken wir hier, wo es an Hegels rein logischer Welterklärung fehlt. Wir können auch durchaus die straffere Disziplin anwenden in diesem Aufsteigen zu diesem Begriffs- und IdeenNetze, das hinter dem Vergänglichen liegt. Aber es ist in diesem Ideengespinste etwas, was unzulänglich ist, was aber nicht Ereignis werden kann durch verstandesgemäße Anschauung allein. Hegel meint: In diesem logischen Gerüste habe ich vor mir den Gott, bevor er in seine Erscheinung getreten ist. Aber wir müssen fühlen: Ja, du hast etwas von dem Gotte, der dir hätte erscheinen können als großer Weltenplan, in den alles hineingefügt ist. Aber diesem Ideengespinste fehlt das Leben, und das fühlte Hegel.

[ 14 ] If we truly grasp the meaning of these words, we realize here where Hegel’s purely logical explanation of the world falls short. We can certainly apply stricter discipline in this ascent toward the network of concepts and ideas that lies behind the transitory. But there is something in this web of ideas that is inadequate, something that cannot become an event through rational contemplation alone. Hegel says: In this logical framework, I have God before me, before He has entered into His manifestation. But we must feel: Yes, you have something of the God who could have appeared to you as a grand plan of the worlds, into which everything is incorporated. But this web of ideas lacks life, and Hegel sensed this.

[ 15 ] Nicht kann der Philosoph, der bloße Logiker hindurchdringen zu dem übersinnlichen Leben. Hier konnte sein hauptsächlich für die Logik eingerichteter Geist nicht eindringen. Unzulänglich ist alle Idee, wenn es sich darum handelt, den Inhalt herausfließen zu lassen. Aus dem Schattenreich heraus strahlt die Wirklichkeit, wenn zum Ideengefüge das Leben kommt. Jenes Leben kann nur gefunden werden, wenn der Mensch nicht nur bei dem stehen bleibt, was sich seiner Intelligenz darbietet, sondern der Weg muss angetreten werden zu den Stufen der höheren Erkenntnis. Der Mensch muss anfangen, in sich selbst den Geist leben zu lassen. Dazu braucht man ein Erkennen, das nicht nur in den scharf konturierten Begriffen allein lebt, sondern in dem, was wir hier oft genannt haben, im Bildlichen, in den Imaginationen, die ein über alles begriffliche Erkennen hinausstrebendes Erkennen darstellen. Hinter allem Ideellen liegt eine Welt schöpferischer Prinzipien, die reicher ist, als alle Ideen. Das ist das Unzulängliche, das niemals in die Idee eintreten kann, das erlebt werden muss und kann, wenn man über die Idee hinausgeht zum Bilde, das der Dichter hat, oder zum übersinnlich Wirklichen, zum Geistigen. Darum konnte als Dichter Goethe sich dem nähern, was Hegel fehlte.

[ 15 ] Neither the philosopher nor the mere logician can penetrate to the supersensible life. Here, his mind—geared primarily toward logic—could not penetrate. Every idea is inadequate when it comes to allowing its content to flow forth. Reality shines forth from the realm of shadows when life enters the structure of ideas. That life can only be found if human beings do not merely stop at what presents itself to their intellect, but instead set out on the path toward the stages of higher knowledge. Human beings must begin to allow the spirit to live within themselves. This requires a form of cognition that does not dwell solely in sharply defined concepts, but in what we have often referred to here—the pictorial, the imaginations—which represent a form of cognition that reaches beyond all conceptual understanding. Behind everything ideal lies a world of creative principles that is richer than all ideas. This is the element that cannot be fully captured by an idea—it must and can be experienced only when one goes beyond the idea to the image that the poet possesses, or to the supersensible reality, to the spiritual. That is why Goethe, as a poet, was able to approach what Hegel lacked.

[ 16 ] Goethe kommt im zweiten Teil des «Faust» so nahe als möglich demjenigen, was wir heute theosophische Weltanschauung nennen. Nichts Geringeres strebt er an, als dasjenige zum Inhalt der höchsten geistigen Menschheitskultur zu erhalten, was den Menschen anknüpft an das große Geistige, was er als Knabe ahnte, als Mann suchte und in dem Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie zum Ausdruck brachte. Er will wirklich jene Geheimnisse vor seine Seele hinstellen vom Geistigen und Sinnlich-Physischen im Menschen. Auch im zweiten Teil im Faust sucht er dasselbe zu tun; aber wir müssen mit andern Augen herangehen, als das gewöhnlich von den Gelehrten geschieht. Wir müssen etwas aufnehmen, was manchen der heutigen FaustErklärer als etwas recht Verrücktes anmuten wird; aber wir werden bewahrheitet finden, was Goethe sagt zu Eckermann: Ich habe so gearbeitet, dass die, die nur für ihre äußere Schaulust etwas haben wollten, gar sehr auf ihre Rechnung kommen, für Esoteriker aber habe ich gar manches hineingeheimnisst.

[ 16 ] In the second part of Faust, Goethe comes as close as possible to what we today call the theosophical worldview. He strives for nothing less than to make that which connects human beings to the great spiritual realm—which he sensed as a boy, sought as a man, and expressed in the fairy tale of the green snake and the beautiful lily—the very essence of humanity’s highest spiritual culture. He truly wishes to bring before his soul those mysteries of the spiritual and the sensual-physical in human beings. In the second part of Faust as well, he seeks to do the same; but we must approach it with different eyes than scholars usually do. We must accept something that will strike many of today’s interpreters of Faust as quite crazy; but we will find that what Goethe says to Eckermann is true: “I have worked in such a way that those who wanted something merely for their outward curiosity are very much satisfied, but for esotericists I have hidden many a mystery within.”

[ 17 ] Zuerst wird Faust hindurchgeführt durch die kleine Welt. Nachdem er sinnliches Glück und sinnliche Misere durchgemacht hat, sehen wir, wie er aufgenommen werden soll in einen Ideenkreis, wo ihm die größten Geheimnisse der Weltennatur klar werden sollen. In die große Welt wird er eingeführt. Faust wünscht sich zu vereinigen mit der griechischen Helena, der längst verstorbenen. Sie soll als leibhaftige Frau mit Faust sich vereinigen. Helena bedeutet für Faust und Goethe ganz etwas anderes als für die meisten. Sie ist für sie die Repräsentantin des Volkes und Schaffens, das Goethe in den Griechen bewunderte, von denen er sagte, sie seien dem Geheimnis alles natürlichen Schaffens auf den Grund gekommen und deuteten es in ihren Kunstwerken an.

[ 17 ] First, Faust is guided through the small world. After he has experienced sensual bliss and sensual misery, we see how he is to be admitted into a realm of ideas, where the greatest mysteries of the nature of the world will be revealed to him. He is introduced into the great world. Faust longs to unite with the Greek Helen, who has long since passed away. She is to unite with Faust as a woman in the flesh. For Faust and Goethe, Helen means something quite different than she does for most people. For them, she represents the people and the creativity that Goethe admired in the Greeks, of whom he said they had fathomed the mystery of all natural creation and hinted at it in their works of art.

[ 18 ] Aber nur recht vorbereitet kann der Mensch erleben das Geheimnis, dass das Ewige, das Unvergängliche des Menschen in einer neuen Verkörperung uns entgegentreten kann; nichts Geringeres ist es als das Rätsel der Verkörperungen, das uns hier entgegentritt. Faust strebt nach Helena — er berührt sie, da gibt es zunächst eine Explosion, weil er noch nicht innerlich gereinigt ist, und er muss erst die Geheimnisse der Menschwerdung erfassen, die Stufe für Stufe an Faust gezeigt werden. Für Goethe besteht auch der Mensch aus dem physischen Menschen, der die äußere Leiblichkeit des Menschen darstellt, das, was er mit allen umliegenden Mineralien gemeinsam hat. Dann gibt es auch in Goethes Anschauung ein zweites Glied: das Seelische, den astralischen Leib, den Träger der Begierden und so weiter. Als das Höchste gilt auch bei Goethe der Geist, der das eigentlich Ewige darstellt, das von Verkörperung zu Verkörperung hineilt, Inkarnation auf Inkarnation durchmacht. Und Faust soll erfahren, wie sich Geist, Seele und Leib zusammenfinden zu dieser sinnlichen Welt. Da muss er erst erkennen, wo das Ewige ist, wenn es nicht physisch auf Erden verkörpert ist. Das Ewige ist in einem rein geistigen Gebiete. Deshalb muss Faust hinuntergeführt werden in das geistige Land, in jenes Reich, wo die «Mütter», die Urmütter alles Geistigen sind. Mephisto steht an Faustens Seite mit dem Schlüssel zum Reiche der Mütter, den er Faust übergibt. Das kann Mephisto tun; er kann auch das äußere Reich beschreiben; aber hinein kann er nicht. Er ist der Repräsentant des bloß verstandesmäßigen Menschen; er bezeichnet sogar das Reich als das Nichts. Daher ist er der Repräsentant des Realismus, des Monismus. Man soll bis zur Pforte des Geisteslebens kommen; die strengste Wissenschaft hat den Schlüssel, aber sie führt nur bis zur Türe, Wer eine nur auf Sinnlichkeit gestützte Erfahrung hat, der spricht auch heute noch die Worte des Mephisto deutlich aus, dass da in dem geistigen Reich das Nichts sei. Faust aber erwidert, was auch heute erwidert werden sollte:

[ 18 ] But only when properly prepared can a person experience the mystery that the eternal, the imperishable aspect of the human being can appear before us in a new incarnation; it is nothing less than the enigma of incarnations that confronts us here. Faust longs for Helena—he touches her, and at first there is an explosion, because he has not yet been purified inwardly, and he must first grasp the mysteries of incarnation, which are revealed to Faust step by step. For Goethe, the human being also consists of the physical human, which represents the outer corporeality of the human being—that which he shares with all the surrounding minerals. Then, in Goethe’s view, there is also a second element: the soul, the astral body, the bearer of desires and so on. For Goethe, too, the highest is the spirit, which represents what is truly eternal, rushing from embodiment to embodiment, undergoing incarnation after incarnation. And Faust is to experience how spirit, soul, and body come together to form this sensory world. To do so, he must first recognize where the eternal is to be found when it is not physically embodied on earth. The eternal resides in a purely spiritual realm. That is why Faust must be led down into the spiritual realm, into that kingdom where the “Mothers”—the primordial mothers of all that is spiritual—reside. Mephisto stands at Faust’s side with the key to the realm of the Mothers, which he hands to Faust. Mephisto can do this; he can also describe the outer realm; but he cannot enter it. He is the representative of the purely intellectual human being; he even describes the realm as nothingness. Therefore, he is the representative of realism, of monism. One must reach the gateway to spiritual life; the most rigorous science holds the key, but it leads only as far as the door. Anyone whose experience is based solely on the senses still clearly echoes Mephisto’s words today, claiming that there is nothingness in the spiritual realm. Faust, however, responds with what should still be said today:

In deinem Nichts hoff ich das All zu finden!

In your nothingness, I hope to find the universe!

[ 19 ] Und Faust geht hinunter in das Reich der Mütter und holt herauf den lebendigen ewigen Geist der Helena, das, was von Verkörperung zu Verkörperung zieht. Wer die Beschreibung des «Reiches der Mütter» verfolgt und versteht, der wird in jedem Worte den Wissenden in Goethe erkennen.

[ 19 ] And Faust descends into the realm of the mothers and brings up the living, eternal spirit of Helena—that which passes from one incarnation to the next. Anyone who follows and understands the description of the “realm of the mothers” will recognize Goethe, the sage, in every word.

Versinke denn! Ich könnte auch sagen: Steige!

Then sink! I could also say: Rise!

[ 20 ] In diesem Reiche ist das gleich — da genügen unsere Raumbegriffe nicht mehr. Die Mütter sitzen auf einem glühenden Dreifuß. Das ist die symbolische Andeutung für das eigentlich Ewige im Menschen, das sich gliedert in: Manas, Budhi, Atma oder Geistselbst, Lebensgeist und Geistmensch. Dieses Symbolum des Dreifußes, den umgeben die ewig schaffenden Mütter, drückt an solcher bedeutungsvoller Stelle genug aus. Der Geist, den Faust so holt, muss umhüllt werden mit dem Astralischen und der physischen Hülle, und das geschieht. Goethe stellt dasjenige, was zwischen Geist und physischem Leib mitten darin steht, die astralische Welt, dar in Homunculus. Dasjenige, was nichts zu tun hat mit irgendetwas, was der physischen Welt angehört, was getrennt vom Geiste der Helena geschaffen wird, das sich aber später mit ihm verbinden soll, das ist das Astralische im Menschen, das, was im physischen Körper im Menschen wohnt. Goethe tut alles, um darauf hinzuweisen, dass wir in Homunculus haben das Astralische im Menschen. Könnte das Astralische getrennt sein vom Physischen, so müsste es hellseherisch sein — hellseherisch müsste es in die astrale Welt schauen. Im physischen Leibe ist es nicht mehr hellseherisch. Und Goethe stellt den Homunculus hellseherisch vor. Gleich als er auftritt, sieht er das, was Faust träumt; die ganze Ideenwelt des «Faust» sieht er. Und gehen wir weiter — wird uns nicht klar gesagt:

[ 20 ] In this realm, it is the same—our concepts of space no longer suffice. The mothers sit upon a glowing tripod. This is the symbolic representation of what is truly eternal in human beings, which is divided into: Manas, Budhi, Atma, or the spiritual self, the life spirit, and the spiritual human. This symbol of the tripod, surrounded by the eternally creative mothers, conveys enough meaning in such a significant context. The spirit that Faust thus summons must be enveloped by the astral and physical bodies, and that is what happens. Goethe depicts that which stands right in the middle between the spirit and the physical body—the astral world—in the Homunculus. That which has nothing to do with anything belonging to the physical world, which is created separately from Helena’s spirit but is later to unite with it—that is the astral in the human being, that which dwells within the human physical body. Goethe does everything he can to point out that in the Homunculus we have the astral in the human being. If the astral could be separate from the physical, it would have to be clairvoyant—it would have to gaze into the astral world with clairvoyance. In the physical body, it is no longer clairvoyant. And Goethe portrays the Homunculus as clairvoyant. As soon as he appears, he sees what Faust dreams; he sees the entire world of ideas in Faust. And if we go further—is it not clearly stated to us:

Ihm fehlt es nicht an geistigen Eigenschaften,
Doch gar zu sehr am greiflich Tüchtighaften.

He does not lack intellectual qualities,
but he is sorely lacking in practical competence.

[ 21 ] — das Physische fehlt ihm ja doch. Homunculus ist eine Seele, die sich verkörpern will. In jedem Worte, das da gesprochen wird, kann man Goethes Meinung in der angegebenen Richtung erkennen. Aber die Worte Goethes müssen auch im richtigen Sinne verstanden werden.

[ 21 ] — after all, he lacks a physical form. The homunculus is a soul that seeks to incarnate itself. In every word that is spoken there, one can discern Goethe’s view in the direction indicated. But Goethe’s words must also be understood in their proper sense.

Es wird! Die Masse regt sich klarer
Die Überzeugung wahrer, wahrer.

It’s happening! The masses are stirring with greater clarity
Their conviction grows truer and truer.

[ 22 ] Da finden wir doch sogar bei Faust-Kommentaren: in Wagner rege sich die Überzeugung wahrer — es ist aber gemeint, die astralische Natur zeugt in einer Weise, die über menschlicher Zeugung steht. Es ist eine Überzeugung — wie Übermensch. Es wird den Leuten schwer, da Goethe zu verstehen, wo er esoterisch ist. Schon zu seinen Lebzeiten hat er hören müssen, wie Leute immer hingewiesen haben auf das, was er aus der ganzen Fülle seiner jugendlichen Natur und seines dichterischen Gefühls hineingegossen habe, wozu man nicht besonders viel braucht, um es zu verstehen. Solche Leute hat er schön abgefertigt. Es fand sich ein Zettel in seinem Nachlass:

[ 22 ] We even find this in commentaries on Faust: in Wagner, the conviction of the true stirs—but what is meant is that the astral nature manifests in a way that transcends human procreation. It is a conviction—like that of the Übermensch. People find it difficult to understand Goethe in this regard, where he is esoteric. Even during his lifetime, he had to endure people constantly pointing out what he had poured into his work from the full abundance of his youthful nature and his poetic sensibility—things that do not require much to understand. He dealt with such people quite effectively. A note was found among his papers:

Da loben sie den Faust
Und was noch sunsten
In meinen Werken braust
Zu ihren Gunsten.
Das alte Mick und Mack
Das freut sich sehr;
Es meint das Lumpenpack,
Man wär’s nicht mehr!

There they praise Faust
And whatever else
Rages in my works
In their favor.
Old Mick and Mack
Are very pleased;
They think the rabble
Wouldn’t be there anymore!

[ 23 ] Auch vom Geistesforscher glaubt man das. Goethe weist in allem darauf hin, dass er in Homunculus dieses zweite Glied der menschlichen Wesenheit charakterisieren will, dass dieses Seelische, bevor es den Geist aufnehmen kann, sich vereinigen muss mit alldem, was in den niederen Naturreichen ist. Wir sehen, wie das Astralische durch alle Reiche der Natur geht bis herauf zum Menschen. Er führt uns deshalb mit Faust, Mephisto und Homunculus zur klassischen Walpurgisnacht. Es ist dies ein wichtiges Kapitel, das uns sagt, was Homunculus da eigentlich will. Da sind die schaffenden Kräfte in der Natur, da will Homunculus das Geheimnis erfahren, wie man als Astralisches die physische Hülle um sich herum gliedert, wie man vom Mineralischen anfangend, im untersten Reich beginnend, Hülle um Hülle um sich herumlegt — bis herauf zum Menschen hast du Zeit. — Beim Übergang vom Mineralischen ins Pflanzliche findet Goethe den schönen Ausdruck: «Es grunelt so». Es wird dann gezeigt, wie er weiter fortschreitet bis herauf, wo er bereit ist, sich aus den Elementen eine physische Hülle zu schaffen. Da tritt Eros in die Erscheinung, die Liebe. Wenn ein Mensch aus dem Geistigen ins Sinnliche treten will, so müssen nach den großen Geheimnissen sich verbinden Geist, Seele und Leib. Wenn die drei sich vereinigen, dann kann der Mensch sinn- und geistgemäß vor uns erscheinen. Helena ist gefügig, der ewige Geist ist aus dem Reich der Mütter heraufgekommen. Homunculus hat sich mit sinnlicher Materie umgeben, mit dem Geiste sich vereint, und Helena steht vor uns. Der Dichter konnte die Verkörperung nicht anders darstellen als so. Im dritten Akt wird hingestellt das Geheimnis des Werdens.

[ 23 ] This is also the belief of the spiritual researcher. Goethe points out throughout that in Homunculus he intends to characterize this second aspect of the human being—that this soul aspect, before it can receive the spirit, must unite with everything that exists in the lower realms of nature. We see how the astral passes through all the realms of nature up to the human being. He therefore leads us, through Faust, Mephisto, and Homunculus, to the classic Walpurgis Night. This is an important chapter that tells us what Homunculus actually seeks there. There are the creative forces in nature; there, Homunculus wants to discover the secret of how, as an astral being, one structures the physical shell around oneself—how, beginning with the mineral realm, starting in the lowest kingdom, one lays shell upon shell around oneself—you have time all the way up to the human being. — In describing the transition from the mineral to the plant kingdom, Goethe finds the beautiful expression: “It murmurs thus.” It is then shown how he continues onward upward, until he is ready to create a physical shell for himself out of the elements. There Eros appears—love. When a human being wishes to step out of the spiritual into the sensory realm, then, according to the great mysteries, spirit, soul, and body must unite. When the three unite, then the human being can appear before us in accordance with the senses and the spirit. Helena is compliant; the eternal Spirit has ascended from the realm of the mothers. The homunculus has surrounded himself with physical matter, united with the Spirit, and Helena stands before us. The poet could not have portrayed this incarnation any other way. In the third act, the mystery of becoming is revealed.

Das Unzulängliche, hier wird’s Ereignis,

The Inadequate—Here It Becomes an Event,

[ 24 ] so zusammenfassend sagt er, was er nach dieser Sichtung hin aussprechen will. Da, wo wir aufsteigen den höheren Erkenntnispfad zu höheren Formen, da zeigt sich der Geist schaffend, lebendig, da wird er in lebendiger Gestalt vor unsere Seele hingestellt. Und wir sehen, was der Geist auch haben muss, wenn er nicht ein bloßes Gespenst der ewigen Ideen sein soll — Willen muss er haben. Er deutet an, dass er nicht nur Gedanken und Begriffe haben muss. Das Unbeschreibliche, das getan werden muss, das ist der Wille. Er tritt uns als Erkenntnisvermögen entgegen, wo wir den innersten Quell höchster Erkenntnis in uns fließen fühlen. Wenn wir uns abkehren von allem Sinnlich-Physischen. Der Mensch kann diese Stufe erreichen, und Faust hat sie erreicht. Das zeigt uns Goethe symbolisch wiederum, indem er Faust auf der höchsten Stufe erblinden lässt, sodass er das Physische nicht sehen kann.

[ 24 ] In summary, he states what he intends to express based on this review. Where we ascend the higher path of knowledge toward higher forms, there the Spirit reveals itself as creative and alive; there it is set before our soul in living form. And we see what the spirit must also possess if it is not to be a mere specter of eternal ideas—it must have will. He suggests that it must have more than just thoughts and concepts. The indescribable, that which must be done—that is the will. It confronts us as a faculty of cognition where we feel the innermost source of supreme knowledge flowing within us. When we turn away from all that is sensory and physical. Human beings can reach this level, and Faust has reached it. Goethe shows us this symbolically once again by having Faust go blind at the highest level, so that he cannot see the physical world.

Allein im Innern leuchtet helles Licht.

Only inside does a bright light shine.

[ 25 ] Da finden wir uns hinein in die Taten der geistigen Welt:

[ 25 ] There we find ourselves immersed in the deeds of the spiritual world:

Das Unbeschreibliche, hier ist’s getan,

The indescribable—here it is,

[ 26 ] das, was sich nicht beschreiben lässt mit Worten aus der Sinnenwelt. Wir sehen, wie der lebendige, logische, willensvolle Geist in uns einfließen kann. Und das befruchtet, was im höchsten Sinne als das Weibliche gilt, die Seele. So verstehen wir, was Goethe meint mit den letzten Worten des «Faust», wenn wir wissen, dass die Seele immer dargestellt wird als etwas Weibliches, das befruchtet werden muss und das uns hinanzieht zu allem, was Tat wird. Das will uns Goethe darstellen.

[ 26 ] that which cannot be described with words from the sensory world. We see how the living, logical, willful spirit can flow into us. And this fertilizes what, in the highest sense, is regarded as the feminine: the soul. Thus we understand what Goethe means by the final words of Faust, when we realize that the soul is always portrayed as something feminine that must be fertilized and that draws us toward everything that becomes action. This is what Goethe seeks to convey to us.

[ 27 ] Nur einige wenige grobe Striche konnte ich anführen. Dasjenige, was über Hegel gesagt worden ist, wird Ihnen zeigen, dass Hegel auf dem Pfade der Theosophie war. Er ist so weit gegangen, als er konnte. Mit ungeheurer Energie hat er in der Natur geforscht, die Zusammenhänge gesucht und gefunden. Goethe, der Dichter, ist noch weiter gegangen. In seinen dichterischen Bildern hat er die strammen Konturen der Begriffsbilder, das, was im Leben Weisheit und Wissenschaft werden soll, durch Erfassen des lebendigen Geistes zu erweitern gesucht. So hat denn Goethe durch seinen Faust so recht bekräftigt, dass es ihm eine tiefe Wahrheit war, was er betont hat am Ausgangspunkt seiner wissenschaftlichen Schriften, dass wir die Außendinge der physischen Welt sehen, weil unsere Sinne geschaffen sind für die äußeren sinnlichen Dinge. Das äußere Bild stellt sich so dar, wie unsere Augen sind:

[ 27 ] I have been able to cite only a few broad strokes. What has been said about Hegel will show you that Hegel was on the path of theosophy. He went as far as he could. With tremendous energy, he explored nature, seeking and finding connections. Goethe, the poet, went even further. In his poetic images, he sought to expand the rigid contours of conceptual images—that which is to become wisdom and science in life—by grasping the living spirit. Thus, through his Faust, Goethe so rightly affirmed that what he emphasized at the outset of his scientific writings—that we see the external things of the physical world because our senses are created for external sensory things—was a profound truth for him. The external image presents itself in accordance with the nature of our eyes:

Wär nicht das Auge sonnenhaft,
Die Sonne könnt’ es nie erblicken,
Läg’ nicht in uns des Gottes eigne Kraft,
Wie könnt’ uns Göttliches entzücken!

If the eye were not like the sun,
It could never behold the sun;
If God’s own power did not dwell within us,
How could the divine delight us!

[ 28 ] Wie die sinnliche Sonne durch das sinnliche Auge gesehen wird, so ist der Geist der Schöpfer des geistigen Auges im Menschen, und wird durch das geistige Auge in seiner Wirksamkeit gesehen. Diese Worte gehen hervor aus seiner Weltanschauung. So versteht er den die Welt durchwirkenden Geist, und so hat er sich in seiner Kraft hinaufgerungen zu einer Erkenntnis, die nur wenige finden. Er sagt selbst zu einem seiner Freunde ganz am Ende seines Lebens: Das Wichtigste, was ich geschrieben habe, das sind Sachen, nicht für die große Welt, sondern für wenige, die ein Gleiches auf geistigen Pfaden suchen können.

[ 28 ] Just as the physical sun is seen through the physical eye, so the Spirit is the creator of the spiritual eye within human beings, and is seen in its activity through the spiritual eye. These words stem from his worldview. This is how he understands the Spirit that permeates the world, and this is how, through his own strength, he has risen to a level of insight that few attain. At the very end of his life, he himself says to one of his friends: “The most important things I have written are not intended for the wider world, but for the few who can seek the same along spiritual paths.”

[ 29 ] Das, was er für wenige erreicht hat, das muss ein Gemeingut für viele werden, das darf nicht eine theoretische Weltanschauung bleiben, sondern es muss Gemüt und Willen ergreifen. Und so müssen denn gerade die, die geisteswissenschaftlich herannahen zu Goethes und Hegels Weltanschauung, zu der Überzeugung kommen, wie viel Theosophie bei beiden zu finden ist. Diese Überzeugung schließt sich zusammen in den Worten, die der Weise gesprochen haben soll:

[ 29 ] What he has achieved for a few must become a common heritage for many; it must not remain a theoretical worldview, but must capture the heart and will. And so it is precisely those who approach the worldviews of Goethe and Hegel from the perspective of the humanities who must come to the realization of how much theosophy can be found in both of them. This conviction is summed up in the words that the sage is said to have spoken:

Die Geisterwelt ist nicht verschlossen,
Dein Sinn ist zu, dein Herz ist tot!
Auf, bade, Schüler, unverdrossen
Die ird’sche Brust im Morgenrot!

The spirit world is not closed off,
Your mind is closed, your heart is dead!
Come, bathe, disciple, undaunted
Your earthly breast in the morning glow!