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Goethe and the Present
GA 68c

21 January 1909, Heidelberg

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Goethe and the Present, tr. SOL
  1. Goethe und die Gegenwart

25. Das «Märchen» von Goethe (Goethes Geheime Offenbarung Esoterisch)

25. Goethe’s “Fairy Tale” (Goethe’s Secret Esoteric Revelation)

[ 1 ] Ich habe mich gestern bemüht zu zeigen, wie dasjenige, was hier vorgebracht werden soll über Goethes innerste, intimste Meinungen und Anschauungen über die Entwicklung der Menschenseele, dass das nicht willkürlich in seine Werke, und namentlich in dasjenige, was uns besonders beschäftigen soll, in sein Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie hineingeheimnisst ist, sondern ich habe zu zeigen versucht, wie die ganze Grundlage, auf welcher aufgebaut werden soll, die Erklärung dieses Märchens und der intimeren Weltanschauung Goethes gewonnen werden kann aus einer historischen Betrachtung von Goethes Leben, aus einer historischen Verfolgung der wichtigsten Vorstellungsimpulse Goethes. So darf ich wohl sagen, dass der Versuch gemacht worden ist zu fundieren dasjenige, was heute in freierer Ausführung über das Thema gegeben werden soll. Wenn wir jenes Märchen, von dem gestern die Rede war, vor unsere Seele treten lassen, so erscheint es in der Tat ganz und gar eingetaucht in Rätsel. Und man möchte sagen, entweder muss man voraussetzen, dass Goethe vieles in dieses Märchen hineingeheimnissen wollte, wie er vieles in den zweiten Teil seines «Faust» hineingeheimnisst hat, nach seinen eigenen Aussprüchen, oder aber, dass wir ansehen könnten dieses Märchen — was ziemlich ausgeschlossen ist — als ein bloßes Spiel der Phantasie. Wenn nicht schon durch die ganze Art und Denkweise Goethes das Letztere ausgeschlossen wäre, so müsste man sagen, es verbietet sich eine solche Annahme noch besonders dadurch, dass Goethe stellte dieses Märchen an das Ende seiner Erzählung «Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter». Denn es ist im Grunde derselbe Gedanke, den wir gestern für Goethes ganzes Leben charakteristisch fanden, der auch in diesen «Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter», die im letzten Jahrzehnt des achtzehnten Jahrhunderts entstanden sind, drinnen lebt. Und aus dem dem «Märchen» unmittelbar Hervorhergehenden können wir noch einmal das Thema dieses Märchens entnehmen.

[ 1 ] Yesterday I endeavored to show that what is to be presented here regarding Goethe’s innermost, most intimate opinions and views on the development of the human soul is not arbitrarily woven into his works—and particularly into the one that is of special concern to us— his fairy tale of the Green Snake and the Beautiful Lily—is not simply arbitrarily embedded in his works; rather, I have tried to show how the entire foundation upon which the explanation of this fairy tale and Goethe’s more intimate worldview is to be built can be derived from a historical examination of Goethe’s life and a historical tracing of his most significant creative impulses. Thus, I may well say that an attempt has been made to lay the groundwork for what is to be presented today in a freer treatment of the subject. When we allow that fairy tale, which was discussed yesterday, to come before our soul, it indeed appears to be entirely shrouded in mystery. And one might say that either we must assume that Goethe intended to imbue this fairy tale with much mystery—just as he did in the second part of his Faust, according to his own statements—or else that we might regard this fairy tale—which is quite out of the question—as a mere flight of fancy. Even if Goethe’s entire nature and way of thinking did not already rule out the latter, one would have to say that such an assumption is particularly precluded by the fact that Goethe placed this fairy tale at the end of his collection Conversations of German Emigrants. For it is essentially the same idea that we found yesterday to be characteristic of Goethe’s entire life, which also lives on in these “Conversations of German Emigrants,” written during the last decade of the eighteenth century. And from what immediately follows the “fairy tale,” we can once again discern the theme of this fairy tale.

[ 2 ] Da sind uns vorgeführt die Unterhaltungen von Menschen, welche auswandern mussten durch Vorgänge in ihrer französischen Heimat, welche in der mannigfaltigsten Weise zurückblicken auf dasjenige, was sie an Traurigem erfahren haben. Da sehen wir, wie die ganze Erzählung sich zuspitzt darauf, zu zeigen, was Menschen, die in einer gewissen Weise herausgerissen sind aus ihren Verhältnissen, aus ihrer Umgebung, in der Einsamkeit des Lebens in ihrer Seele durchmachen können; was Menschen, die in solcher Lage sind, durch Nachdenken, durch Besinnen auf ihre seelischen Erlebnisse, durch Selbstbeobachtung gewinnen können. Wir brauchen nur ein paar Beispiele hervorzuheben, die uns zeigen, wie Goethe alles zuspitzt darauf, wie eine Seele, die in sich selbst zum Kämpfer wird, die sich durch verschiedene Veranlassungen oftmals frägt: Welche Art von Schuld habe ich auf mich aufgehäuft, wodurch habe ich Wege zu der Seelenentwicklung aufgehalten? Wie solche Seele Aufklärung über sich selbst versucht. Da tritt uns zunächst entgegen jene italienische Sängerin, welche ihr Schicksal dadurch vor uns darlegen soll in dieser Erzählung, weil uns an diesem Schicksal eine Menschenseele veranschaulicht werden kann, die in gewisser Beziehung an der Oberfläche der Weltenbetrachtung haften bleiben muss. Eine Menschenseele, die zwar aufmerksam verfolgt dasjenige, was um sie herum vorgeht, weil sie durch die Lebensverhältnisse gezwungen ist, aber noch nicht reif genug ist, auseinanderzuhalten dasjenige, was man in einem gewissen Sinne doch nennen darf einen Zufall — die geistige Notwendigkeit der Dinge. Die sich nicht recht auskennt, wie die Erscheinungen des Lebens verbunden werden müssen, damit wir Geist und geistige Gesetze in unserer Umwelt voraussetzen können. Diese italienische Sängerin hat sich gegen einen Mann so benommen, dass er durch ihre abstoßende Weise schwer krank geworden ist, und dass er eigentlich an ihrem Benehmen hinstirbt. So wird sie an sein Totenbett gerufen. Sie verweigert es, an sein Totenbett zu kommen. Er muss sterben, ohne sie gesehen zu haben. Nun tragen sich in der nächsten Zeit nach seinem Tode mancherlei Dinge zu, welche einer solchen Seele, die so charakterisiert werden müsste wie die der italienischen Sängerin, zu denken geben; so zu denken geben, dass sie nicht recht weiß, was soll ich machen aus dem, was da vorgeht, was doch immerhin betrachtet werden könnte, als ob es zusammenhänge mit meinem ganzen Benehmen, mit der ganzen Art, die über dem Toten in Bezug auf sein Schicksal gewaltet hat. Da ereignet sich nach dem Tode ganz Merkwürdiges. Da vernimmt sie allerlei Geräusche in ihren Räumen, da tanzen die Möbel, da werden ihr sogar Ohrfeigen verabreicht von unbekannter, unsichtbarer Hand, sodass sie wirklich durch das Sonderbare, Schauerliche dieser Ereignisse jeden Augenblick [daran ist zu] sagen: Ist nun der Tote irgendwie da, der sich geltend machen will, weil ich mich so gegen ihn benommen habe?

[ 2 ] Here we are presented with the conversations of people who were forced to emigrate due to events in their native France, and who reflect in the most varied ways on the sorrowful experiences they have endured. There we see how the entire narrative culminates in showing what people—who have, in a certain sense, been torn from their circumstances and their surroundings—may go through in the solitude of their inner lives; what people in such a situation can gain through reflection, through contemplating their inner experiences, and through self-observation. We need only highlight a few examples that show us how Goethe focuses everything on how a soul, which becomes a warrior within itself, often asks itself—prompted by various circumstances—‘What kind of guilt have I accumulated upon myself? By what means have I hindered the paths to the soul’s development?’ How such a soul attempts to gain insight into itself. Here we first encounter that Italian singer, whose fate is meant to be laid out before us in this narrative, because through this fate we can be shown a human soul that, in a certain respect, must remain stuck on the surface of its view of the world. A human soul that, while attentively following what is happening around her—because she is compelled to do so by the circumstances of her life—is not yet mature enough to distinguish between what, in a certain sense, may be called a coincidence and the spiritual necessity of things. A soul that does not fully understand how the phenomena of life must be interconnected so that we may presuppose spirit and spiritual laws in our environment. This Italian singer behaved toward a man in such a way that he became seriously ill due to her repulsive manner, and that he is, in fact, dying because of her behavior. So she is summoned to his deathbed. She refuses to come to his deathbed. He must die without having seen her. Now, in the time following his death, various things take place that give a soul—one that would have to be characterized like that of the Italian singer—cause for reflection; give her such cause for reflection that she is not quite sure what to make of what is happening—which, after all, could be regarded as connected to her entire conduct, to the whole manner in which she had acted toward the deceased with regard to his fate. Then, after his death, something quite strange occurs. She hears all sorts of noises in her rooms, the furniture dances about, and she is even slapped by an unknown, invisible hand, so that, due to the strangeness and horror of these events, she finds herself asking at every moment: “Is the deceased somehow here, seeking to make his presence felt because I behaved so badly toward him?”

[ 3 ] Da birst die Decke eines Schrankes, und man erfährt sonderbarerweise, dass in dem Augenblick, wo die Decke dieses Schrankes geborsten ist, in ihren Räumlichkeiten in Frankreich ein Schrank in Feuerflammen aufgegangen ist, der von demselben Tischler gemacht worden ist. Wohlgemerkt, meine Freunde, fällt mir nicht im Traume ein, etwa diese Dinge in das Licht einer spirituellen Weltanschauung rücken zu wollen, auch nicht hinweisen zu wollen darauf, dass Goethe hat ausdrücken wollen, dass in solchen Ereignissen irgendetwas liege, was Veranlassung geben könne, meinetwegen allerlei verborgene Geister oder das Rumoren der Toten anzunehmen.

[ 3 ] The top of a cabinet bursts open, and, strangely enough, we learn that at the very moment the top of this cabinet burst open, a cabinet in France—one made by the same carpenter—went up in flames. Mind you, my friends, it would never occur to me—not even in my wildest dreams—to try to interpret these things in the light of a spiritual worldview, nor to suggest that Goethe intended to imply that such events contain something that might give rise to the assumption of, say, all manner of hidden spirits or the rumbling of the dead.

[ 4 ] Lediglich das wollte Goethe zeigen, dass es gewisse Seelen gibt, die so wenig geklärt sind, dass sie nicht wissen, was sie mit solchen absonderlichen Ereignissen anfangen können, die nicht genug aufgeklärt sind, sodass sie nicht dazu kommen zu sagen: Mit diesen Dingen ist es nichts; aber auch nicht abergläubisch genug sind zu sagen: Da rumort gewiss der Tote, sondern solche, die, weil sie nicht entwickelt sind, über solche Dinge nur ein unbestimmtes Gefühl haben können. Wir sehen, wie es der Seele ergeht in der Außenwelt, je nach ihrer Entwicklungsstufe, was Goethe schon vorführt, da, wo er die Erzählungen «Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter» hinlenkt auf das «Märchen». Er zeigt uns, wie ein Mensch in die Lage kommt, eine Dame heilen zu müssen von ihrer Sinnlichkeit, ihrer Leidenschaftlichkeit. Er schlägt den Weg ein, sie fasten zu lassen, sozusagen durch Askese sie durchzuführen, um auf diese Weise zu dämpfen die glühende Leidenschaft. Wiederum ein Hinweis, was alles eine Seele durchmachen kann, um eine Entwicklung zu erleben. Weiter — und nun bemerken Sie, wie in der Tat Goethe stufenweise die Sache aufwärtsführt. Zuerst zeigt er eine recht im Unbestimmten wühlende Seele in der italienischen Sängerin; eine schon realere Sache zeigt er in der Dame, die ich eben erwähnt habe: Es ist in der Tat so, dass viele Menschen zu einer Reinigung ihrer Leidenschaften, zu einer Höherentwicklung ihrer Seele kommen durch Fasten. Da steigen wir schon mehr aus dem Unbestimmten ins Bestimmte, in die Realität hinein, und das ist vollends der Fall, dass wir aufsteigen in der Realität einer menschlichen Seelenentwicklung in der physischen Welt, wenn wir die dritte Geschichte anführen, die Goethe gibt. Er zeigt da, wie ein Mensch zunächst etwas gewissenlos ist, also auf einer untergeordneten Stufe der Seelenentwicklung steht, dass es so weit kommt, dass er sagt: Dasjenige, was meinem Vater gehört, das gehört auch mir. Wie sich das praktische Resultat da zeigt, dass er einen Diebstahl begeht an der Kasse seines Vaters. Er wächst gewissermaßen gerade durch diese Tat. Seine Seele steigt herauf, und er wird, gerade indem er diese unrechte Tat tut, zu einer Art von moralischem Mittelpunkt für das, was sich an Menschheit dann um ihn herum gruppiert. So weist uns Goethe schon in seinen Erzählungen, die hinführen zum «Märchen», wie er darstellen will Seelenentwicklung, Hinaufsteigen der Seele von gewissen untergeordneten Stufen zu höheren Stufen der Erkenntnis und Weltanschauung.

[ 4 ] Goethe simply wanted to show that there are certain souls who are so unenlightened that they do not know what to make of such peculiar events; who are not enlightened enough to say, “There is nothing to these things”; yet are not superstitious enough to say, “ ‘The dead are certainly stirring there,’ but rather those who, because they are undeveloped, can have only a vague sense of such things. We see how the soul fares in the external world, depending on its stage of development—something Goethe already demonstrates when he steers the narratives of Conversations of German Emigrants toward the “fairy tale.” He shows us how a person comes to be in the position of having to heal a lady of her sensuality, her passion. He takes the path of having her fast—guiding her, so to speak, through asceticism—in order to dampen her burning passion in this way. Again, a hint at all that a soul can go through in order to undergo development. Moving on—and now you will notice how Goethe, in fact, gradually elevates the subject. First, he portrays a soul that is still floundering in the vague in the Italian singer; he presents a more concrete example in the lady I just mentioned: It is indeed true that many people achieve a purification of their passions and a higher development of their soul through fasting. Here we are already moving more from the vague into the concrete, into reality, and this is certainly the case—that we are ascending into the reality of human soul development in the physical world—when we consider the third story that Goethe presents. There he shows how a person is at first somewhat unscrupulous—that is, stands at a lower stage of soul development—to the point where he says: “What belongs to my father also belongs to me.” The practical result of this is that he commits theft from his father’s cash register. In a sense, he grows precisely through this act. His soul ascends, and precisely by committing this wrongful act, he becomes a kind of moral center for the community of people that then gathers around him. Thus, even in his stories leading up to the “fairy tale,” Goethe shows us how he intends to depict the development of the soul—the ascent of the soul from certain lower stages to higher stages of knowledge and worldview.

[ 5 ] Nun haben wir es, wie wir gestern gesehen haben, vollends zu tun mit Seelenkräften, die repräsentiert werden durch die Gestalten, die Wesen des «Märchens», und mit dem Spiel der Seelenkräfte, das allmählich sich läutern soll zur Harmonie, ja zur Symphonie der Seelenkräfte, indem die Seele höher steigt in den Taten, die die Gestalten und Personen des «Märchens» verrichten. In dem, was im «Märchens» vorgeht, haben wir zu tun mit Irrlichtern, die durch den Fährmann von der anderen Seite des Flusses nach der diesseitigen übergesetzt werden wollen. Sie sind zunächst mit Gold gefüllt, aber ihr Gold will der Fährmann nicht als Lohn haben, weil der Fluss in wilden Tumult kommen würde, wenn Goldstücke in den Fluss hineinfielen. Vielmehr muss er Früchte der Erde, drei Zwiebeln, drei Artischocken und drei Kohlhäupter, fordern. Die Irrlichter haben die Fähigkeit, Gold um sich herum zu schütteln, und wir haben gesehen, wie sie der Schlange begegnen, die sie als Muhme von der horizontalen Linie bezeichnen, während sie selber Wesen von der vertikalen Linie sind. Indem sie Gold hinstreuen, geben sie der Schlange etwas, was in ihr fruchtbar, segensreich wird, weil die Schlange, indem sie mit der eigenen Substanz die Goldstücke verbindet, innerlich leuchtend wird. Dasjenige, was sie früher nicht hat sehen können und das doch etwas zu tun hat mit den Geheimnissen der Seelenentwicklung, dass sie das an sich beleuchten kann.

[ 5 ] Now, as we saw yesterday, we are dealing entirely with soul forces, which are represented by the figures, the beings of the “fairy tale,” and with the interplay of soul forces, which is gradually to be purified into harmony—indeed, into a symphony of soul forces—as the soul ascends higher through the deeds performed by the figures and characters of the “fairy tale.” In what takes place in the “fairy tale,” we are dealing with will-o’-the-wisps that want to be ferried across the river by the ferryman from the other side to this side. At first they are filled with gold, but the ferryman does not want the gold as payment, because the river would be thrown into a wild tumult if pieces of gold fell into it. Instead, he demands the fruits of the earth: three onions, three artichokes, and three heads of cabbage. The will-o’-the-wisps have the ability to scatter gold around them, and we have seen how they encounter the serpent, whom they refer to as their “aunt” from the horizontal line, while they themselves are beings of the vertical line. By scattering gold, they give the serpent something that becomes fruitful and blessed within her, because the serpent, by combining the gold pieces with her own substance, becomes luminous from within. That which she was previously unable to see—and which yet has something to do with the mysteries of soul development—she is now able to illuminate within herself.

[ 6 ] Als ich vor mehr als reichlich zwanzig Jahren versuchte, auf alle mögliche Weise den Eingang zu gewinnen zu diesem Märchen, da war es vor allen Dingen ein lösender Gedanke in dem Gewirre der Fragen, die aus dem «Märchens» sich erheben, als sich zeigte, dass ich vor allen Dingen das Gold zu verfolgen habe. Das Gold spielt eine Rolle der verschiedensten Art in diesem Märchen. Zuerst in den Irrlichtern. Die Irrlichter streuen es um sich; da zeigt es sich in gewisser Weise als etwas, was wir als nicht segensreich in gewisser Beziehung ansprechen dürfen. In der Schlange wird das Gold segensreich. Dann wiederum im goldenen König, der besteht ganz aus Gold, dann finden wir es wiederum an den Wänden in der Hütte, in welcher der Alte mit der Lampe wohnt, und da lecken es die Irrlichter herunter und können sich selber dicker, inhaltsvoller machen, indem sie das Gold von den Wänden herunterlecken. So begegnet das Gold uns mehrmals, und einmal werden wir mit der Nase darauf gestoßen, mit welcher menschlichen Seelenkraft dieses Gold etwas zu tun hat, indem wir hingewiesen werden in dem Tempel, der zuerst unter- und dann überirdisch ist, dass der goldene König repräsentiert den Bringer der Weisheit. Es ist das etwas, was wir nicht unterlegen oder auslegen brauchen, sondern wo wir sagen können: Hier sagt Goethe selber: Der goldene König bezeichnet den Geber, den Bringer der Weisheit. Das Gold muss also etwas zu tun haben mit der Weisheit. Es ist das Gold, indem es ausfüllt die Wesenheit des goldenen Königs, dasjenige, was ihn zu einem weisen Wesen macht, was ihn dazu bringt, dass er den Jüngling begaben kann mit der Gabe des Erkennens

[ 6 ] When, more than twenty years ago, I tried in every possible way to gain access to this fairy tale, one thought in particular helped untangle the web of questions arising from the “fairy tale” when it became clear that I had to focus, above all, on the gold. Gold plays a wide variety of roles in this fairy tale. First, in the will-o’-the-wisps. The will-o’-the-wisps scatter it about; there it appears, in a certain sense, as something we might describe as not particularly beneficial in a certain respect. In the snake, the gold becomes a blessing. Then again in the golden king, who is made entirely of gold; then we find it once more on the walls of the hut where the old man with the lamp lives, and there the will-o’-the-wisps lick it off, making themselves fatter and more substantial by licking the gold from the walls. Thus, we encounter the gold several times, and at one point we are made keenly aware of the human soul force with which this gold is connected, as we are shown in the temple—which is first subterranean and then supraterrestrial—that the Golden King represents the Bringer of Wisdom. It is something we need not analyze or interpret, but rather about which we can say: Here Goethe himself says: The golden king signifies the giver, the bringer of wisdom. Gold must therefore have something to do with wisdom. It is the gold, in that it fills the essence of the golden king, that which makes him a wise being, that which enables him to endow the young man with the gift of knowledge

Erkenne das Höchste!

Recognize the Supreme!

[ 7 ] — das geht also vom goldenen König auf den Jüngling über, und der Jüngling wird dadurch belebt. Gold ist also etwas, was der Geber der Weisheit in den Menschen hineinzuleiten vermag. Die Irrlichter, wenn sie nun eine Seelenkraft darstellen, so müssen sie diejenige Seelenkraft darstellen, welche imstande ist, die Weisheit aufzunehmen, denn sie haben das Gold in sich, die Seelenkraft, welche die Weisheit auch von sich schütteln kann. Wie diese Weisheit aufgespeichert werden kann, erfahren wir dadurch, dass an den Wänden dieses Symbolum der Weisheit, das Gold, lange, lange Zeit aufgespeichert war, bevor es die Irrlichter abgeleckt haben. Wir werden nicht anders können als, da wir wissen, wie gut fundiert es ist, in den einzelnen Gestalten Seelenkräfte zu sehen, zu sagen: Die Irrlichter stellen dar die abstrakte Intelligenz, die reine Verstandeskraft, welche imstande ist, allerdings durch dasjenige, was man im gewöhnlichen Sinne äußere Wissenschaft, was man Spekulation, äußere Erfahrung nennt, eine gewisse Summe von Weisheit sich anzueignen. Und nun verstehen wir es auch, warum das Gold, die Weisheit, in der reinen Verstandeskraft bei den Irrlichtern eine solche Rolle spielt: Derjenige, der mit dem bloßen Verstande aufnimmt dasjenige, was Wissen, Wissenschaft, Weisheit ist, der nimmt es vor allen Dingen auf, um etwas Persönliches damit zu haben, um es persönlich wiederum verwenden zu können. Wir können in Goethes Seele schauen und die Art erkennen, wie er zu etwas sich stellte, wenn wir gewahr werden, wie er sich oftmals sozusagen selber beglückwünschte dazu, dass er niemals in die Lage gekommen war, offiziell als Lehrer die Wissenschaft, der er so hingebungsvoll seine Zeit gewidmet hat, zu vertreten, dass er in der Lage war, nur dann der Welt etwas von seiner Weisheit zu geben, wenn er innerlich dazu gedrängt war, nicht dazu berufen war, die Weisheit von sich zu werfen, wie man sie von sich wirft, wenn man zum Lehrberufe oder zum abstrakten Träger der Weisheit auserkoren ist.

[ 7 ] — so this passes from the golden king to the young man, and the young man is thereby enlivened. Gold is thus something that the Giver of Wisdom is able to instill within human beings. If the will-o’-the-wisps represent a soul force, then they must represent the soul force capable of absorbing wisdom, for they contain gold within themselves—the soul force that can also shake off wisdom. We learn how this wisdom can be stored from the fact that this symbol of wisdom—the gold—was stored on the walls for a long, long time before the will-o’-the-wisps licked it away. Since we know how well-founded it is to see soul forces in individual forms, we cannot help but say: The will-o’-the-wisps represent abstract intelligence, the pure power of reason, which is capable of acquiring a certain amount of wisdom—albeit through what is commonly called external science, speculation, or external experience. And now we also understand why gold—wisdom—plays such a role in the pure power of the intellect among the will-o’-the-wisps: The one who, with the intellect alone, takes in what constitutes knowledge, science, and wisdom does so, above all, to make it his own, so that he may in turn apply it personally. We can look into Goethe’s soul and recognize the way he approached things when we become aware of how he often, so to speak, congratulated himself on the fact that he had never found himself in the position of officially representing, as a teacher, the science to which he had so devotedly dedicated his time; that he was in a position to only then give something of his wisdom to the world when he was inwardly compelled to do so—not when he was called upon to dispense wisdom as one does when chosen for the teaching profession or as an abstract bearer of wisdom.

[ 8 ] Damit stellt Goethe in den Irrlichtern menschliche Weisheit dar, die einseitig Intelligenz, Verstandeskraft ausgebildet hat, und es ist eine Eigentümlichkeit, dass — mag es auch noch so geleugnet werden — abstraktes Wissen, bloße Intelligenz, namentlich wenn sie immer mehr in die Weisheit hineinrückt — und die abstrakte Intelligenz kann Unsummen von Weisheit aufnehmen —, dass die zur Eitelkeit führt, überall mit Begriffen fertig werden zu wollen. Es ist durchaus in Goethes Sinn gesprochen, wenn wir uns klarmachen, wozu wir noch so weise Gedanken aushecken, noch so gescheit denken: Abstrakte Begriffe und Ideen, die nicht aus der Tiefe, aus dem Reichtum des Lebens geholt sind, sind doch ungeeignet, um uns zuletzt wirklich hineinzuführen in die Gemeinschaft mit den ewigen Rätseln des Daseins. Da, wo wir brauchen etwas, was unmittelbar uns ans Herz gehen soll von den ewigen Rätseln des Daseins, da brauchen wir etwas anderes als abstrakte Ideen und Begriffe, als Produkte der bloßen Intelligenz. Da, wo wir gegenüberstehen jener Grenze, welche die zwei Reiche voneinander trennt, das Reich der sinnlich-physischen Welt, in das wir uns versetzt fühlen, und das Reich der Geistigkeit, das Reich des Übersinnlichen, da, wo wir an dieser Grenze uns fühlen, da werden wir zurückgestoßen mit allen abstrakten Begriffen und Ideen, ja, diese abstrakten Begriffe und Ideen, sie sind nicht einmal imstande, uns sozusagen dasjenige begreiflich zu machen, was das Allernächste ist, denn es entfremdet uns dem Allernächsten. Wie fern steht der Abstraktling dem Begreifen auch des Alltäglichsten, was ihn umgibt; so ist er außerstande, in seinen Begriffe und Ideen etwas zu geben jenem Strom, an welchen wir gestellt werden, wenn wir hinüber wollen in die übersinnliche Welt. Denn dazu taugen Begriffe und Ideen nicht. Wenn man herankommen will an den eigentlichen Urquell des Lebens, dann bäumt er sich auf und lässt uns nicht herankommen. Daher kann der Fluss nicht gebrauchen das Gold, das die Irrlichter zu geben vermögen, und von den Irrlichtern wird uns gesagt, keines von ihnen habe jemals gestanden oder gesessen. Sie sind von der vertikalen Linie, während die Muhme Schlange von der horizontalen Linie ist. Dadurch ist angezeigt, wie der Mensch sich selbst vom Boden entfernt durch abstrakte Begriffe und Ideen und nicht hinlangen kann an den Boden des Alltäglichen, den er verstehen soll. Wir sehen, wie plastisch diese abstrakten Gestalten der Irrlichter dastehen. Aber sind Ideen und Begriffe, sind philosophische Ausführungen unter allen Umständen dasjenige, was uns trennt von dem wahren Quell des Daseins? Nein, das sind sie nicht, wenn der Mensch zugleich das Vermögen hat, so zu leben, dass er seine eigenen Lebenskräfte verbindet mit den Dingen. Nicht hinausgeht ins Reich abstrakter Begriffe und Ideen, sondern dass er richtig innerhalb der Dinge sich bewegt, dass er ein Geist wird, wie Faust einer geworden ist, da, als er sagte:

[ 8 ] In The Will-o'-the-Wisps, Goethe thus portrays human wisdom as having developed one-sidedly into intelligence, rational faculties, and it is a peculiarity that—however much it may be denied—abstract knowledge, mere intelligence, especially as it increasingly encroaches upon wisdom—and abstract intelligence can absorb vast amounts of wisdom—leads to the vanity of wanting to deal with everything through concepts. It is entirely in Goethe’s spirit when we realize why we still devise such wise thoughts, why we still think so cleverly: Abstract concepts and ideas that are not drawn from the depths, from the richness of life, are ultimately unsuitable for truly leading us into communion with the eternal mysteries of existence. Where we need something from the eternal mysteries of existence that will speak directly to our hearts, there we need something other than abstract ideas and concepts—products of mere intelligence. When we stand before that boundary that separates the two realms—the realm of the sensory-physical world, into which we feel transported, and the realm of the spiritual, the realm of the supersensible—when we find ourselves at this boundary, we are repelled by all abstract concepts and ideas; indeed, these abstract concepts and ideas are not even capable of making us understand, so to speak, what is closest to us, for they alienate us from what is closest to us. Just as far removed as the abstract thinker is from grasping even the most everyday things that surround him, so too is he incapable of contributing anything through his concepts and ideas to that stream before which we stand when we wish to cross over into the supernatural world. For concepts and ideas are of no use for this purpose. When one seeks to approach the very source of life, it rears up and does not let us approach. Therefore, the river has no use for the gold that the will-o’-the-wisps are able to offer, and we are told that none of the will-o’-the-wisps has ever stood or sat. They belong to the vertical line, whereas the Aunt Snake belongs to the horizontal line. This illustrates how human beings distance themselves from the ground through abstract concepts and ideas and cannot reach the ground of everyday life, which they are meant to understand. We see how vividly these abstract forms of the will-o’-the-wisps stand out. But are ideas and concepts—are philosophical discourses—under all circumstances what separates us from the true source of existence? No, they are not, if a person also has the capacity to live in such a way that he connects his own life forces with things. Not by venturing into the realm of abstract concepts and ideas, but by moving correctly within things, by becoming a spirit, just as Faust became one when he said:

Erhabner Geist, du gabst mir, gabst mir alles,
Warum ich bat. Du hast mir nicht umsonst
Dein Angesicht im Feuer zugewendet.
Gabst mir die herrliche Natur zum Königreich,
Kraft, sie zu fühlen, zu genießen. Nicht
Kalt staunenden Besuch erlaubst du nur,
Vergönnest mir, in ihre tiefe Brust,
Wie in den Busen eines Freunds zu schauen.
Du führst die Reihe der Lebendigen
Vor mir vorbei, und lehrst mich meine Brüder
Im stillen Busch, in Luft und Wasser kennen.

Sublime Spirit, you gave me, gave me everything,
That I asked for. You did not in vain
Turn your face toward me in the fire.
You gave me the glorious natural world as my kingdom,
The power to feel it, to enjoy it. You do not
do you merely allow me to gaze coldly as a visitor,
but grant me to look into its deep bosom,
as into the bosom of a friend.
You lead the procession of the living
past me, and teach me to recognize my brothers
in the silent thicket, in air and water.

[ 9 ] Da, wo der Mensch wirklich innerlich Gemeinschaft schließt mit den Naturwesen, wo er sich nicht abtrennt mit seinen ganzen Seelenkräften von den Naturwesen, da dienen dann dieselben Begriffe, die beim Abstraktling von der Welt entfremden ihm, um immer tiefer und tiefer hineinzubohren in das Dasein. Wir dürfen nicht sozusagen die Sache umkehren und sagen: weil abstrakte Begriffe und Ideen den Abstraktling entfernen von der wahren Wesenheit der Dinge, so seien Begriffe und Ideen überhaupt etwas Wertloses. Nein, im Gegenteil, wo sie in diejenige Seelenkraft hineinfallen, die aufgeht, in einer gewissen Gemeinschaft lebt in und mit den Dingen, in einer solchen Seelenkraft sind sie zugleich lichtvoll. Daher wird das Gold, das in den Irrlichtern in einer gewissen Weise segenslos ist, das wird zu solchem Segen, zum Licht in der Schlange, die in den Klüften lebt, die die horizontale Linie hat, an der Erde haften bleibt. Wenn der Mensch an der Erde haften bleibt, wenn er alle Dinge liebt, in die Dinge sich versenkt, wenn er sich, um das verpönte Wort zu gebrauchen, «mystisch» in die Dinge vertieft, dann dienen ihm klare Ideen dazu, ihn durch die Dinge durchzuleiten. Daher können Sie auch sehen — ich weiß nicht, wie viele von Ihnen solche Erfahrung gemacht haben, aber sie kann gemacht werden —, dass zuweilen schulmäßig dargestellte Philosophien frostig und nüchtern anmuten, dass aber dieselben Ideen, wenn sie uns entgegentreten bei den einfachen Naturmenschen, die draußen leben als Kräutersammler, als Wurzelsammler oder dergleichen — und die in der Regel sich sehr interessieren für die Geheimnisse des Daseins —, zu welchen hohen Ideen zuweilen solche mit der Natur mystisch verbündete Menschen kommen. Wir werden sehen, wie in den Naturmenschen, die Gemeinschaft mit den Dingen schließen, Ideen lichtvoll werden, die bei den Abstraktlingen wertlos, nüchtern, frostig sind. So also werden wir gewiesen von den Irrlichtern, die uns die abstrakte Intelligenz darstellen, auf jene Seelenkraft, welche tief in uns begründet ist und welche den mystischen Drang hat, überall in die Dinge sozusagen unterzutauchen. Das wird uns recht anschaulich, plastisch dargestellt, wie die Schlange durch die Klüfte sich bewegt: Der Mensch kommt in der Tat, auch wenn er nicht durch Begriffe sich aufklärt, nicht in abstrakten Ideen lebt, nahe dem Herzen der Dinge, wie die Schlange an einen unterirdischen Tempel, wo sie, weil sie nicht leuchten kann, zuerst nur durch Tasten wahrnimmt gewisse Formen, die sie erst später im Lichte beschaut. Der Mensch kommt, wenn er nur Sinn hat für das geheimnisvolle Walten der Naturkräfte, er kommt zum Herzen der Natur, er kann etwas erfahren von dem, was da draußen um uns herum in den Dingen lebt. Das erfahren wir an der Schlange, die uns damit zeigt, wie sie ein Repräsentant ist jener Seelenkräfte im Menschen, die unter Umständen auch ohne Ideen leben können, nur dann nicht vom Lichte der Erkenntnis durchleuchtet sind, die aber doch liebevoll eintauchen in die Dinge, zu einem gewissen Erfassen der Welträtsel kommen. Wenn dann der Ausgleich dadurch stattfindet, dass Ideen und Begriffe in diese unsere mystischen Seelenkräfte eintauchen, dann kommt der Zustand, dass der liebevoll zu den Dingen geneigte Mensch auch findet dasjenige, was er früher nur tastete von den Quellen des Daseins; dass er das auch beleuchten kann durch sein eigenes inneres Licht — ja, er wird nur tiefer hineingeführt.

[ 9 ] Where a person truly forms an inner communion with the beings of nature—where he does not sever himself from them with all the powers of his soul—there the very concepts that alienate the “abstract thinker” from the world serve him to delve ever deeper and deeper into existence. We must not, so to speak, turn the matter on its head and say: because abstract concepts and ideas remove the abstract thinker from the true essence of things, concepts and ideas are, in general, worthless. No, on the contrary, where they fall into that power of the soul that rises up and lives in a certain communion in and with things—in such a power of the soul, they are at the same time radiant. Thus, the gold—which in the will-o’-the-wisps is, in a certain sense, devoid of blessing—becomes such a blessing, the light within the serpent that dwells in the crevices, the one with the horizontal line that clings to the earth. When a person remains rooted to the earth, when they love all things, immerse themselves in them, when they—to use the frowned-upon word—“mystically” delve into them, then clear ideas serve to guide them through these things. That is why you can also see—I don’t know how many of you have had such an experience, but it can be had—that philosophies presented in an academic manner sometimes seem cold and sober, but that the same ideas, when they come to us from simple, nature-loving people who live outdoors as herb gatherers, root gatherers, or the like — and who, as a rule, take a keen interest in the mysteries of existence —, what lofty ideas such people, mystically united with nature, sometimes arrive at. We shall see how, in these people of nature who enter into communion with things, ideas become luminous that are worthless, sober, and cold among the abstract thinkers. Thus we are led away from the will-o’-the-wisps that abstract intelligence presents to us, toward that power of the soul which is deeply rooted within us and which has the mystical urge to, so to speak, immerse itself in all things. This is depicted for us quite vividly and tangibly in the way the serpent moves through the crevices: Indeed, even if a person does not enlighten themselves through concepts or live in abstract ideas, they come close to the heart of things, just as the snake approaches an underground temple, where—because it cannot see—it first perceives certain forms only by touch, forms it will only later behold in the light. If a person has even a sense of the mysterious workings of the forces of nature, they come to the heart of nature; they can experience something of what lives out there around us in the things of the world. We see this in the snake, which thus shows us how it is a representative of those soul forces in human beings that can, under certain circumstances, live even without ideas—though in such cases they are not illuminated by the light of knowledge—yet which lovingly immerse themselves in things, arriving at a certain grasp of the world’s mysteries. When balance is then achieved through ideas and concepts immersing themselves in these mystical soul forces of ours, a state arises in which the person who is lovingly attuned to things also finds that which he previously could only grope for from the sources of existence; he can also illuminate it with his own inner light—indeed, he is led even deeper into it.

[ 10 ] Sie erinnern sich vielleicht an einen bedeutungsvollen Ausspruch Goethes, wo er sagt:

[ 10 ] You may recall a meaningful quote from Goethe, in which he says:

Wär nicht das Auge sonnenhaft,
Wie könnten wir das Licht erblicken?
Lebt nicht in uns des Gottes eigne Kraft,
Wie könnt uns Göttliches entzücken?

If the eye were not like the sun,
How could we see the light?
If God’s own power did not live within us,
How could the divine delight us?

[ 11 ] Wo also Goethe unmittelbar darauf hinweist, wie wir entgegenbringen müssen das Auge dem Licht, das beleuchten soll die Geheimnisse der Natur, wenn es wiederum zurückleuchten soll, sich darinnen gleichsam spiegeln sollen die Geheimnisse der Natur. Daher müssen wir aufnehmen in uns die Erkenntnisvorbereitung, wie die Schlange Gold aufnimmt, dann dringen wir ein in das, was sonst dunkel bleibt, wie der Mensch, wenn er innerlich sich den Sinn, das offene Herz bewahrt für das Geistige, die Erkenntnisse näher sieht, wie er nur dann das Geistige auch in seiner Umwelt schauen kann.

[ 11 ] Goethe thus points out immediately that we must turn our eyes toward the light that is to illuminate the mysteries of nature, so that it may in turn reflect back, as it were, the mysteries of nature within itself. Therefore, we must take into ourselves the preparation for knowledge, just as the serpent takes in gold; then we penetrate into what otherwise remains dark, just as a person, when he inwardly preserves his sense and open heart for the spiritual, sees these insights more clearly—for only then can he also perceive the spiritual in his surroundings.

[ 12 ] Und so kommt die Schlange in den unterirdischen Tempel. Da wird uns nun in einer wunderbaren Weise von Goethe angedeutet, wie es für das menschliche Seelenleben unterirdische Orte gibt. Man kann solche Dinge, wie sie da von Goethe hingestellt werden, nur charakterisieren, wenn man etwas intimer eingeht auf das merkwürdige Walten der Menschenseele in ihrer Entwicklung. Es kann dann gefühlt werden, wie unsere Seele eigentlich, bevor sie imstande ist, draußen die Dinge der Welt zu erklären, überall das göttliche Leben und Weben des Geistes in allen Dingen nachzuweisen, dass sie, bevor sie dazu imstande ist, innerlich Gewissheit hat: Ja, es gibt einen solchen göttlichen Urquell, es gibt ein Übersinnliches hinter allem Sinnlichen. Sie kann in sich selber erleben die Gewissheit über dieses Übersinnliche und doch nicht imstande sein, dieses Übersinnliche im ganzen Universum leuchtend zu erblicken. Oh, das ist ein hohes Ziel, den Geist in seiner Gestalt zu erblicken, wie er der schöpferische Quell ist von allem, was uns in der großen Welt umgibt, wie all das, was uns in der großen Welt umgibt, hervorquillt aus dem Geiste. Da muss der Mensch erst die höchsten Seelenkräfte entwickeln in sich.

[ 12 ] And so the serpent enters the underground temple. Here Goethe hints to us in a wondrous way that there are underground places for the human soul. One can only characterize such things, as presented by Goethe, by delving a little more deeply into the remarkable workings of the human soul as it develops. One can then sense how our soul—even before it is capable of explaining the things of the world externally, of demonstrating everywhere the divine life and weaving of the Spirit in all things—even before it is capable of doing so, possesses an inner certainty: Yes, there is such a divine source; there is a supersensible realm behind all the sensible. It can experience within itself the certainty of this transcendent realm and yet be unable to perceive this transcendent realm shining throughout the entire universe. Oh, it is a lofty goal to perceive the Spirit in its form—how it is the creative source of everything that surrounds us in the great world, how everything that surrounds us in the great world springs forth from the Spirit. To do this, a person must first develop the highest powers of the soul within themselves.

[ 13 ] Das Übersinnliche, das in einem verborgen als höheres Selbst im normalen Menschenbewusstsein schläft, das muss der Mensch erst hervorrufen, um aufzusteigen zur höheren Entwicklungsstufe seines Geistes. Man kann ahnen, dass es so etwas gibt. Dann kommt man aber auch noch zu einer anderen Ahnung: Der Mensch muss sich, wenn er überhaupt den Sinn für die Wirklichkeit, für wahres Dasein hat, sagen: Mein letztes Ziel kann ich doch nur erreichen, wenn ich sehe, wie alles das durchlebt und durchwebt vom Geiste ist, Geist in allen Dingen ist. Aber ich selber, wie ich stehe in der Welt mit meinem sinnlichen Leibe, so bin ich gleichsam herauskristallisiert, herausgeboren aus dem Geiste — aus dem bin ich herausgeboren, ohne dass ich beteiligt bin, was ich zuletzt durch die höchste Erkenntnis wieder erreichen kann. Auf geheimnisvolle, mir selbst unbewusste Weise, bin ich herübergekommen aus diesem Lande des Übersinnlichen, in das ich durch meine Erkenntnis wieder eindringen will. Darin haben wir gegeben das andere Ufer, von dem das «Märchen» spricht, das Land jenseits des Flusses, wo die schöne Lilie wohnt, welche repräsentiert die höchste Welt- und Lebensanschauung, welche repräsentiert die Seelenkraft, zu der der Mensch sich emporentwickeln kann. Dorther stammt das geheimnisvolle Wesen, der Fährmann, der vom jenseitigen Ufer die Irrlichter herüberbringt. Durch reale Mächte ist der Mensch hereinversetzt in diese Welt, wo er da steht wie umgeben von Finsternissen — daher das geheimnisvolle Wort, das der Fährmann sagt, der uns aus der übersinnlichen Welt herüberbringt in das Land diesseits des Flusses, der die Wesen nur herüberbringen darf, aber niemanden hinüber. Auf eine solche Weise wie durch die Geburt kann der Mensch nicht wieder zurückkommen dahin, woher er gekommen ist. Da müssen andere Wege eingeschlagen werden.

[ 13 ] The supernatural, which lies hidden within ordinary human consciousness as the higher self, must first be awakened by the individual in order to ascend to a higher stage of spiritual development. One can sense that such a thing exists. But then one also arrives at another insight: If a person has any sense at all of reality, of true existence, they must say to themselves: I can only reach my ultimate goal if I see how everything is lived through and interwoven by the spirit—how spirit is in all things. But I myself—as I stand in the world with my physical body—have, as it were, crystallized out of, been born out of the Spirit—I was born out of it without having any part in it, something I can ultimately attain again through the highest knowledge. In a mysterious way, unknown even to myself, I have come over from this realm of the supersensible, into which I wish to re-enter through my knowledge. In this we have the “other shore” spoken of in the “fairy tale”—the land beyond the river where the beautiful lily dwells, which represents the highest worldview and outlook on life, which represents the power of the soul to which human beings can develop themselves. From there comes the mysterious being, the ferryman, who brings the will-o’-the-wisps across from the other shore. Through real forces, human beings are brought into this world, where they stand as if surrounded by darkness—hence the mysterious words spoken by the ferryman, who brings us from the supersensible world to the land on this side of the river, who is permitted only to bring beings across, but not to take anyone back. Human beings cannot return to where they came from in the same way they arrived—through birth. Other paths must be taken.

[ 14 ] Da fragen die Irrlichter, wie sie in das Reich der schönen Lilie kommen können, das heißt, wie eine einzelne Seelenkraft in die Harmonie der Seelenkräfte so untertauchen kann, dass sie zum Höchsten hinaufkommt. Da gibt die Schlange zwei Mittel an: Das eine ist dasjenige, was durch sie selbst gegeben werden kann, wenn sie sich in der Mittagsstunde, wenn die Sonne am höchsten glänzt, von ihr überführen lassen. Die Irrlichter sagen: Das ist eine Zeit, in der wir nicht gerne reisen. Ja, warum? Es liegt eben ganz außerhalb des Bereiches des Abstraktlings, der nur in abstrakten Ideen und Begriffen leben will, alles nur durch Kombinationen und Schlussfolgerungen erreichen will, auf solche Weise hinüberzukommen, wie es durch die Schlange repräsentiert wird, durch mystische Hingabe an die Dinge, durch Suchen der mystischen Gemeinschaft mit den Dingen. Diese mystische Gemeinschaft kann auch nicht immer erlangt werden. Ich erinnere daran, dass ein großer Mystiker der alexandrinischen Schule im hohen Alter gestand, dass er nur wenige Male im Leben jenen großen Augenblick erlebt hat, in dem die Seele sich reif fühlt, so sich zu vertiefen, dass der Geist des Unendlichen wach wird und jener mystische Augenblick eintritt, wo der Gott in der Brust vom Menschen selber erlebt wird. Das sind Mittagsaugenblicke, wo die Sonne des Lebens am höchsten steht, in denen so etwas erlebt werden kann, und für diejenigen, die immer mit ihren abstrakten Ideen zur Hand sein wollen, dass sie sagen: Wer einmal richtige Gedanken hat, dann muss ihn das zum Höchsten führen, für die sind solche Mittagsstunden des Lebens, die man als Gnade des irdischen Lebens ansehen muss, keine Zeit, zu der sie reisen wollen. Für solche Abstraktlinge muss jederzeit der Augenblick da sein, die Welträtsel zu 1ösen. Da macht die Schlange aufmerksam auf eine andere Art, wie sie hinüberkommen können, nämlich über den Schatten des Riesen, jenes merkwürdigen Wesens, das für sich selbst nichts vermag, nicht das kleinste Gewicht tragen kann, nicht einmal ein Reisbündel auf der Schulter. In der Dämmerung, wo Halbdunkel sich ausbreitet, wenn der Riese den Schatten über den Fluss, der da trennt das Sinnliche vom Übersinnlichen, hinüberfallen lässt, da können die Menschen auch hinüberkommen. Was ist das für ein merkwürdiges Wesen, dieser Riese? Wenn wir diesen Riesen verstehen wollen, so müssen wir dessen gedenken, dass Goethe sehr wohl wusste von jenen Seelenkräften, die sozusagen unter der Schwelle des Bewusstseins liegen, die beim normalen Menschen nur beim Traum herauskommen, die aber, wenn wir im geisteswissenschaftlichen Sinne reden, zu den untergeordneten hellseherischen Kräften gehören, die nicht errungen sind durch eine Entwicklung der Seele, sondern gerade bei primitiven Seelen besonders auftreten in Ahnungen, im zweiten Gesicht, in alledem, was zusammenhängt mit einer noch wenig vorgerückten Seele, aus der hervorquillt ein gewisses unkontrollierbares und unkontrolliertes Hellsehen.

[ 14 ] Then the will-o'-the-wisps ask how they can enter the realm of the beautiful lily—that is, how a single soul force can immerse itself in the harmony of soul forces in such a way that it rises to the Highest. Then the serpent suggests two means: One is that which can be provided by the serpent itself, if they allow themselves to be led by it at noon, when the sun shines at its highest. The will-o’-the-wisps say: That is a time when we do not like to travel. Yes, why? It simply lies entirely beyond the realm of the abstract thinker, who wishes to live only in abstract ideas and concepts, who seeks to achieve everything solely through combinations and conclusions—to reach the other side in the way represented by the serpent, through mystical devotion to things, through the search for mystical communion with things. Nor can this mystical communion always be attained. I recall that a great mystic of the Alexandrian school confessed in his old age that he had experienced only a few times in his life that great moment when the soul feels ready to immerse itself so deeply that the spirit of the Infinite awakens and that mystical moment arrives when God is experienced within the human breast. These are midday moments, when the sun of life is at its zenith, in which such a thing can be experienced; and for those who always want to have their abstract ideas at the ready—so that they can say, “Whoever has true thoughts must be led to the Highest”—for them, such midday hours of life, which must be regarded as a grace of earthly existence, are not a time to which they wish to journey. For such abstract thinkers, the moment to solve the world’s riddles must be available at all times. Then the serpent draws their attention to another way they can cross over—namely, over the shadow of the giant, that strange being who can do nothing on his own, cannot bear the slightest weight, not even a bundle of rice on his shoulder. At twilight, when semi-darkness spreads, when the giant casts his shadow across the river that separates the sensible from the supersensible, then people can cross over as well. What kind of strange being is this giant? If we wish to understand this giant, we must bear in mind that Goethe was well aware of those soul forces that lie, so to speak, beneath the threshold of consciousness—forces that in the normal human being emerge only in dreams, but which, speaking in the sense of spiritual science, belong to the subordinate clairvoyant powers that are not attained through the development of the soul, but rather manifest particularly in primitive souls through premonitions, second sight, and all that is connected with a soul that has not yet advanced very far—from which springs a certain uncontrollable and uncontrolled clairvoyance.

[ 15 ] Durch solche hellsichtigen Kräfte — es ist nicht zu leugnen — gelangt der Mensch zu manchen Ahnungen von der übersinnlichen Welt, und vielen Menschen heutzutage ist es noch lieber, durch solche Ahnungen oder durch spiritistische Schattenbilder zu der übersinnlichen Welt zu kommen als durch Entwicklung, durch wirkliche Emporhebung der Seele in das Land des Übersinnlichen. Was zum Reich des Unterbewusstseins gehört, zum Reiche der Seele, das nicht beleuchtet ist von dem, was man klaren Verstand, was man das Licht der Einsicht, was man Selbstkontrolle nennen kann, was wie traumhafte Erkenntnis auch im Leben ist, ist uns repräsentiert in diesem Riesen. In der Tat erkennen kann man ja in Wahrheit nicht durch dieses Unterbewusstsein, denn es ist sehr schwach im Vergleich zur wirklichen Erkenntnis, etwas, was nirgends kontrolliert werden kann, worauf man nicht bauen kann sozusagen.

[ 15 ] Through such clairvoyant powers—it cannot be denied—human beings gain certain intuitions about the supersensible world, and many people today still prefer to approach the supersensible world through such intuitions or through spiritualistic phantoms rather than through development, through the true elevation of the soul into the realm of the supersensible. What belongs to the realm of the subconscious, to the realm of the soul—which is not illuminated by what one might call clear reason, the light of insight, or self-control, and which, like dreamlike knowledge, also exists in life—is represented to us in this giant. In fact, one cannot truly perceive through this subconscious, for it is very weak compared to true knowledge—something that cannot be controlled anywhere, something one cannot rely on, so to speak.

[ 16 ] Wollte man dieses Unterbewusstsein personifizieren, so könnte man es nicht besser als durch einen Menschen, der nicht imstande ist, das geringste Gewicht zu tragen. Durch solche unterbewusste Erkenntnis ist der Mensch — wenn er sie allein entwickeln will — nicht imstande, das Geringste kontrolliert zu erkennen, was auf sicherer Basis steht, was Gewicht hat für unsere Weltanschauung. Aber es spielt eine große Rolle im gesamten Kulturleben, der Schatten dieses Unterbewusstseins. Oh, das zeigt sich durch alles hindurch — und es braucht nur ein Wort ausgesprochen zu werden; um den Schatten [zu charakterisieren], der tatsächlich für viele Menschenseelen sogar befriedigend hinüberführt ins Reich des Übersinnlichen, das Wort: Aberglauben. Hätten unzählige Menschen den Aberglauben, der der Schatten des Unterbewusstseins ist, nicht, der am liebsten nicht im Lichte klarer Ideen wirkt, sondern in der Dämmerung, sie würden keine Ahnung haben von der übersinnlichen Welt, und für unzählige Menschen ist heute noch der Aberglaube der Schatten des Unterbewusstseins, der sie in den Dämmerstunden des Seelenlebens hinüberführt in das Reich des Übersinnlichen. Man braucht nicht einmal verschiedene Offenbarungen des abergläubischen Wesens in der Kulturgeschichte aufzuzählen, man braucht nur zu betrachten, wie die Menschen kommen etwa zur Theosophie, zur Geisteswissenschaft, die uns irgendetwas nahebringen will von der übersinnlichen Welt, etwas, von dem nur jene Menschen etwas begreifen können, die viele Mühe anwenden können, um ihre Seele höher hinaufzubringen. Wir wollen da zu den höheren Wesen hinaufsteigen. Viele machen sich’s aber bequem, sie wollen, dass die Geister zu uns heruntersteigen, statt dass wir uns zu ihnen erheben. Sie sind froh, wenn irgendwo ein Medium getroffen wird, das aus dem Reiche des Unterbewusstseins heraus Zeugnis gibt von dem Dasein der übersinnlichen Welt. Nicht nur untergeordnete Geister huldigen dem, was da so reichlich blüht als «Spiritismus», sondern sogar Gelehrte, die nicht zugeben wollen, dass die Seele in die Geisterhöhen erhoben werden kann durch eigene Entwicklung. Es ist nicht gesagt, dass nicht die Dinge, die da spielen, wahr sind, aber unterscheiden zwischen Wahrheit und Irrtum ist außerordentlich schwierig, und nur für den Eingeweihten ist es möglich, die Kontrolle der Wissenschaftlichkeit zu üben.

[ 16 ] If one were to personify this subconscious, one could not do so better than by depicting a person who is incapable of bearing even the slightest weight. Through such subconscious insight—if one seeks to develop it on its own—a person is unable to recognize, even in the slightest controlled way, what stands on a secure foundation or what carries weight for our worldview. Yet the shadow of this subconscious plays a major role in cultural life as a whole. Oh, this is evident throughout everything—and it takes only one word to be spoken to characterize the shadow that, for many human souls, actually provides a satisfying bridge into the realm of the supersensible: the word “superstition.” If countless people did not have this superstition—which is the shadow of the subconscious, which prefers not to operate in the light of clear ideas but rather in the twilight— they would have no inkling of the supersensible world; and for countless people today, superstition is still the shadow of the subconscious that leads them, in the twilight hours of soul life, into the realm of the supersensible. One need not even enumerate the various manifestations of the superstitious nature in cultural history; one need only consider how people come, for example, to theosophy or spiritual science, which seek to convey to us something of the supersensible world—something that only those who are willing to exert great effort to elevate their souls can comprehend. We want to ascend to the higher beings. But many take the easy way out; they want the spirits to descend to us instead of us rising to them. They are happy when a medium is found somewhere who, from the realm of the subconscious, bears witness to the existence of the supernatural world. Not only inferior spirits pay homage to what flourishes so abundantly as “spiritism,” but even scholars who refuse to admit that the soul can be raised to the spiritual heights through its own development. It is not certain that the phenomena in question are not true, but distinguishing between truth and error is extremely difficult, and only the initiate is capable of exercising scientific scrutiny.

[ 17 ] Auf diesen Schatten des Unterbewusstseins, auf dieses ganze weite Reich, das sich der weisen Selbsterkenntnis und Selbstkontrolle entzieht, auf diese Seelenkraft will Goethe hinweisen. Aber er weist nicht darauf hin wie ein Polemiker — Goethe ist nie ein Polemiker gewesen —, sondern er ist sich klar, dass eine jede Seelenkraft auf ihrer Stufe, auch dann, wenn sie auf einer anderen Stufe unterdrückt werden muss, ihre Bedeutung hat, darum sagt er nicht: Hütet euch vor dem Riesen, sondern er findet es sogar nützlich hier, durch die Schlange den Irrlichtern den Rat geben zu lassen, sie sollen sich übersetzen lassen vom Schatten des Riesen in der Dämmerung. Dieser Rat wird merkwürdigerweise heute wiederholt, wenn Gelehrte nicht wollen anbeißen an das Theosophische. Dann kommen wohlmeinende Menschen und sagen: Lasst euch durch eine spiritistische Sitzung überzeugen von einer übersinnlichen Welt, dann werdet ihr auf eine plausible Weise hineingeführt. Aber es spielt eben für das Aufmerksam-Machen, für das Hinüberlenken des Menschensinnes zu der übersinnlichen Welt der Aberglaube eine große Rolle, und man muss sich klar sein darüber, dass Goethe, der das gesamte Gebiet der Seelenkräfte darstellen will wie in einem symphonischen Zusammenklang, zu zeigen hatte, wirklich der Meinung war, wie dieser Aberglaube dann, wenn er nicht in wüsten Aberglauben ausartet, seinen guten Grund hat in den Seelenkräften, die nicht alle gleich mit den nüchternen, klaren Begriffen kommen, sondern zunächst sich sagen: Wir können tief, tief eindringen in die Geheimnisse der Dinge - wir wollen aber lieber erst es mit Ahnungen ihrer Geheimnisse halten. Erst diese Geheimnisse wittern, nicht gleich in scharfe Konturen uns hineinfinden! Dieses ahnungsvolle Sich-Verhalten zu den Dingen ist sehr wichtig, da es hineinspielen soll in das gesamte Leben und Weben unserer Seelenentwicklung.

[ 17 ] Goethe wishes to draw attention to this shadow of the subconscious, to this vast realm that eludes wise self-knowledge and self-control, to this power of the soul. But he does not point it out like a polemicist—Goethe was never a polemicist—rather, he is aware that every spiritual force has its significance at its own level, even if it must be suppressed at another level; that is why he does not say: “Beware of the giant,” but rather he even finds it useful here to have the snake give the will-o’-the-wisps the advice that they should let themselves be led out of the giant’s shadow into the twilight. Strangely enough, this advice is repeated today when scholars do not want to take the bait of theosophy. Then well-meaning people come along and say: Let a spiritualist séance convince you of a supersensory world; then you will be guided into it in a plausible way. But superstition plays a major role precisely in drawing attention to and directing the human senses toward the supersensory world, and one must be clear that Goethe—who sought to portray the entire realm of the soul’s powers as if in a symphonic harmony—truly believed that this superstition, when it does not degenerate into wild superstition, has its good reason in the soul’s powers, which do not all immediately present themselves through sober, clear concepts, but first say to themselves: We can penetrate deeply, deeply into the mysteries of things—but we would rather, at first, content ourselves with intuitions of their mysteries. First to sense these mysteries, not to find our way into them immediately with sharp contours! This intuitive approach to things is very important, since it is meant to play a part in the entire life and weaving of our soul’s development.

[ 18 ] Goethe wollte zeigen, dass in den Seelenkräften in höherer Weise sich ausdrückte, was in der äußeren Natur so klar für ihn sich ausdrückte. Ich will nicht darauf hinweisen, wie Goethe, wenn er kein Gedicht, kein Drama geschrieben, keinen Wilhelm Meister, keinen Werther, durch seine naturwissenschaftlichen Entdeckungen eine leuchtende Persönlichkeit gewesen wäre für alle Zeiten. Dass er außer den sonst bekannteren, naturwissenschaftlichen Entdeckungen ein bestimmtes Gesetz gefunden hat, das nicht ausgedacht, ausspekuliert ist von ihm, sondern von dem wir sehen werden, dass es tief begründet ist in den Dingen selber, wie ein Leitmotiv in allem Naturwirken, und welches man nennen könnte das Gesetz des Ausgleichs, auch in allen äußeren Naturdingen. Dass die Natur für jedes Wesen ein bestimmtes Maß des Werdens hat, auf der einen und anderen Seite abändern kann, Vielheit und Mannigfaltigkeit da hervorgehen lassen kann. Seht die Giraffe an! Die Natur hat da ein gewisses Maß von Wirkungskräften für die Tätigkeit bei der Giraffe verwandt, mehr Kraft verwandt auf die Ausbildung des Vorderleibes, des Halses, daher der Hinterleib verkümmert ist! Sehet den Maulwurf an! Da wendet die Natur alle Kräfte auf den Leib, daher die Füßchen verkümmert bleiben. Goethe zeigte, wie man verstehen kann den Formunterschied eines Dromedars und Löwen und wie verschiedene Organe herauskommen dadurch, dass gleichmäßige Maße das eine Mal nach der einen Richtung, das andere Mal nach der anderen Richtung angewendet werden. Wie ein typisches Gebilde sich auslebt in der Mannigfaltigkeit, das eine Mal sehen wir, dass der Unterkiefer die Zähne ausbildet, das andere Mal der Unterkiefer von Zähnen leer bleibt und Hörner sich ausbilden. Als Goethe dieses Gesetz ausgesprochen hat, hielt man es natürlich für den Ausspruch eines Dichters, der nichts versteht von naturwissenschaftlichen Dingen, der ein Laie, ein Dilettant sei. Aber in der französischen Kammer machte ein französischer Naturforscher im Jahre 1830 bei seinem Streite mit Cuvier aufmerksam auf dieses Gesetz unter dem Namen «balancement des organes». Es wird die Zukunft noch vieles zu sprechen haben von diesem «balancement des organes», weil es tief in die Formeigenschaften der verschiedenen Wesenheiten hineinführt. Goethe hat dieses Gesetz auch angewandt auf das Geistesleben. Er erkennt, dass auch in der Seele sei ein solches, welches auf einer höheren Stufe in den einzelnen Seelenkräften das Einzelne zum Ausdruck bringt, sodass er sagt: Es gibt Menschenwesenheiten, die bilden die besondere Eigenschaft aus, die durch die Irrlichter repräsentiert wird. Sie stellen im Leben selber Irrlichter dar, falsche Propheten, die nicht anders können als das, was sie gelernt haben, anderen wieder mitzuteilen und ihr Gold auszuschütten. Andere Menschen, die ein mystisches Licht in die Natur hineinversetzen können, wie die Schlangen, die untertauchen in die Natur. Kurz, Goethe wollte zeigen, wie im allgemeinen normalen Leben in der Außenwelt Seelen sich so darstellen, dass sie einseitige Kräfte zur Ausbildung bringen. Wie also der Mensch zu der höheren Stufe der Erkenntnis hinaufgelangen kann dadurch, dass er innerlich in sich den Typus der Menschenseele darstellt, einen Ausgleich, ein richtiges Zusammenwirken aller Seelenkräfte, mit der nüchternsten Seelenkraft verknüpft das Ahnen. Nicht so, wie der Aberglaube es schon tut, der allein ins Ahnen sich verliert und die Intelligenzkraft unterjochen lässt von dem Ahnen der Natur der Dinge.

[ 18 ] Goethe wanted to show that what was so clearly expressed to him in the external world found a higher form of expression in the powers of the soul. I do not wish to point out that even if Goethe had written no poems, no plays, no Wilhelm Meister, no Werther, he would still have been a luminous figure for all time through his scientific discoveries. That, in addition to his otherwise better-known scientific discoveries, he found a certain law—one that was not devised or speculated by him, but which, as we shall see, is deeply rooted in things themselves, like a leitmotif in all natural processes, and which one might call the law of balance, even in all external natural phenomena. That nature has a certain measure of development for every being, which it can modify in one direction or another, thereby giving rise to variety and diversity. Look at the giraffe! Nature has applied a certain measure of active forces to the giraffe’s development, devoting more energy to the formation of the forebody and the neck—hence the hindquarters have atrophied! Look at the mole! Here, nature directs all its forces toward the body, which is why the little feet remain stunted. Goethe showed how one can understand the difference in form between a dromedary and a lion, and how different organs emerge as a result of uniform measures being applied in one direction in one instance and in the opposite direction in another. We see how a typical form manifests itself in diversity: in one instance, the lower jaw develops teeth; in another, the lower jaw remains toothless and horns develop instead. When Goethe articulated this law, it was naturally regarded as the utterance of a poet who understood nothing of the natural sciences—a layman, a dilettante. But in the French Academy in 1830, a French naturalist, in his dispute with Cuvier, drew attention to this law under the name “balancement des organes.” The future will yet have much to say about this “balancement des organes,” because it delves deeply into the formal characteristics of the various beings. Goethe also applied this law to spiritual life. He recognized that there is something similar in the soul as well—something that, at a higher level within the individual soul forces, gives expression to the particular—so that he says: There are human beings who embody the specific quality represented by will-o’-the-wisps. In life itself, they represent will-o’-the-wisps, false prophets who cannot help but pass on to others what they have learned and pour out their gold. Other human beings, however, can infuse nature with a mystical light, like the snakes that submerge themselves in nature. In short, Goethe wanted to show how, in ordinary everyday life in the outer world, souls manifest themselves in such a way that they give rise to one-sided forces. Thus, the way in which a human being can ascend to a higher level of knowledge is by embodying within themselves the archetype of the human soul—a balance, a proper interplay of all soul forces—in which intuition is linked to the most sober of soul forces. Not as superstition already does, which loses itself entirely in intuition and allows the power of intelligence to be subjugated by the intuition of the nature of things.

[ 19 ] Stellt Goethe auf der einen Seite dar, wie der Mensch sich vereinseitigen kann, so zeigt er, wie er, wenn er zu höheren Erkenntnissen gelangen will, zu jenem Gipfel streben muss, der symbolisiert wird durch die schöne Lilie, die innerliche harmonische Ausgleichung und das Zusammenwirken der einzelnen Seelenkräfte.

[ 19 ] While Goethe depicts, on the one hand, how a person can become one-sided, he also shows how, if a person wishes to attain higher insights, he must strive toward that summit symbolized by the beautiful lily: inner harmonious balance and the interplay of the individual powers of the soul.

[ 20 ] Nun wissen wir, dass die Schlange, nachdem sie sozusagen innerlich das innerliche Leuchten empfangen hat, in den unterirdischen Tempel kommt. Jetzt kann sie unterscheiden, dass da sind diejenigen geistigen Welten, die an den Menschen herankommen, den Menschen inspirieren müssen, die Kräfte geben können, die die Menschenseele ordentlich in sich haben muss, wenn sie hinaufsteigen will zu einem höheren Dasein. Es gibt gewisse Kräfte in der Menschenseele, die muss sie haben, wenn sie hinaufsteigen will auf die höhere Stufe. Wenn der Mensch aber erlangen will diese höhere Stufe, ohne dass er gefunden hat den rechten Durchgang zu rechter Zeit durch die Inspiration dieser Weltenmächte, unreif erfassen will das Höchste, was an Erkenntnis, an Weltanschauung errungen werden kann — dann ist diese Weltanschauung etwas für ihn, was töten, in der Seele verwirren, lähmen kann. Daher wird der Jüngling, der mit der Lilie sich vereinigen will, bevor er reif ist, er wird zuerst gelähmt, ja getötet. Das heißt, Goethe hat anschaulich ausgedrückt, was er einmal in einem kurzen Ausspruch ausgedrückt hat:

[ 20 ] Now we know that the serpent, after having, so to speak, received the inner light within itself, enters the subterranean temple. Now it can discern that there are those spiritual worlds that approach human beings, that must inspire them, and that can impart the forces which the human soul must properly possess within itself if it wishes to ascend to a higher existence. There are certain forces in the human soul that it must possess if it wishes to ascend to the higher level. But if a person seeks to attain this higher level without having found the right path at the right time through the inspiration of these world powers—if they seek to grasp, while still immature, the highest that can be attained in knowledge and worldview—then this worldview becomes something that can kill, confuse, and paralyze the soul. Therefore, the young man who wishes to unite with the lily before he is ripe will first be paralyzed, indeed killed. In other words, Goethe vividly expressed what he once put into a brief aphorism:

Alles, was unsern Geist befreit, ohne uns die Herrschaft über uns selbst zu geben, ist verderblich.

Anything that frees our spirit without giving us control over ourselves is destructive.

[ 21 ] Es gibt eine hohe Stufe menschlicher Entwicklung, durch welche die Menschenseele zusammenwachsen kann mit den Früchten aller Erkenntnisse. Sie steht uns wie eine ferne Perspektive vor Augen. Unser Streben muss darauf gerichtet sein, uns reif zu machen, uns so zu gestalten, dass wir in solcher richtigen Stimmung, in solch richtiger innerer Verfassung sind, nicht unreif das Höchste empfangen. So wird der Jüngling zunächst getötet und soll zunächst geführt werden durch die Begabung mit den Seelenkräften, die durch die Könige dargestellt werden. Bevor er sich verbinden kann mit der schönen Lilie, führt ihn die Schlange zu den drei Königen. Bedeutungsvolle Gespräche umgeben wie Geheimnisse diese Könige. Der goldene König ist diejenige übersinnliche Kraft, die in unserer Seele entzündet werden kann, die auf rechte Weise die Weisheit gibt, sodass die Kraft der Weisheit harmonisch zu den anderen Seelenkräften sich stellt. Der silberne König stellt dar die Frömmigkeit. Und bei Goethe bedeutet Frömmigkeit etwas ganz anderes als im gewöhnlichen Sinn.

[ 21 ] There is a high stage of human development through which the human soul can become one with the fruits of all knowledge. It lies before us like a distant prospect. Our striving must be directed toward ripening ourselves, toward shaping ourselves in such a way that we are in the right state of mind, in the right inner disposition, so that we do not receive the highest truth while still immature. Thus, the young man is first put to death and must first be guided through the endowment of the soul forces represented by the kings. Before he can unite with the beautiful lily, the serpent leads him to the three kings. Meaningful conversations surround these kings like mysteries. The golden king is that supersensory power which can be kindled in our soul, which bestows wisdom in the right way, so that the power of wisdom aligns harmoniously with the other soul forces. The silver king represents piety. And for Goethe, piety means something quite different from its ordinary meaning.

[ 22 ] Wer Goethe kennt, der weiß, dass für Goethe Kultus des Schönen, Kunst, mit dem religiösen Gefühl innig zusammenhing; daher ist das Schöne dasjenige was ihn immer fromm stimmt, sodass für ihn der König der Weisheit durch das Gold repräsentiert wird. Der König, der ausgestattet ist mit der Seelenkraft, die durch Schönheit Religion erzeugt, ist der silberne. Dasjenige aber, was unsere Willensimpulse durchkraften soll, was uns durchdringen will im geordneten Seelenleben als Kraft des Willens, wird dargestellt durch den ehernen König.

[ 22 ] Anyone familiar with Goethe knows that, for him, the worship of beauty and art were intimately connected with religious feeling; hence, beauty is that which always inspires him with piety, so that for him, the King of Wisdom is represented by gold. The king endowed with the power of the soul that gives rise to religion through beauty is the silver king. But that which is meant to invigorate our impulses of will, that which seeks to permeate us in the ordered life of the soul as a force of will, is represented by the bronze king.

[ 23 ] Unsere Seelenkräfte müssen unter unsere vollkommene Herrschaft gestellt sein, sodass wir sie sondern können, dass wir in der richtigen Weise die Welt weisheitsvoll sehen und uns da das Gefühl keinen Streich spielt. Dass das Gefühlsleben vom Weisheitsleben und das Weisheitsleben wiederum vom Willensleben und umgekehrt nicht übermannt wird, sondern dass die drei Seelenkräfte gesondert, spezifiziert auftreten im höheren Seelenleben. Was nun den vierten König anlangt, so ist zu sagen: Ein jeder Mensch hat Weisheit, Frömmigkeit, Willenskraft in sich, aber so, dass chaotisch untereinander gemischt sind Gold, Silber und Erz. Dann beginnt für die Seele ein höheres Zeitalter ihrer Entwicklung, wenn dieses chaotische Durchmischt-Sein der Seelenkräfte aufhört, und der Mensch nicht einmal hingedrängt wird durch einen Willensimpuls, ein andermal mit ihm durchgehen die Gefühle, ein anderes Mal er durch Weisheit allein geführt wird. Nein, wenn das Nicht-Chaotische, wie es durch den vierten König geschieht, gemischt ist, wenn der Mensch klar in sich abtrennt das Gebiet von Seelenkraft, das mit Weisheit, das von Schönheitsgefühl, von der religiösen Stimmung durchdrungene, dasjenige, welches von dem guten Willen zur Tugend durchdrungen ist, so, dass er dieses Gebiet beherrscht, nicht von jenem getrieben wird, dann wird er hinkommen zu jenem Zeitpunkt, wo man sagen darf: Es ist an der Zeit, ich muss etwas anderes vornehmen. Eine Seele, die unvorbereitet hingeführt wird vor das Gebiet der Weisheit, Schönheit und Kraft, würde kaum etwas von diesen Dingen sehen.

[ 23 ] Our soul forces must be brought under our complete control so that we can distinguish between them, so that we may view the world wisely in the proper way and so that our emotions do not play tricks on us. So that the life of feeling is not overwhelmed by the life of wisdom, and the life of wisdom, in turn, is not overwhelmed by the life of the will—and vice versa—but rather that the three soul forces appear separately and distinctly in the higher life of the soul. As for the fourth king, it must be said: Every human being possesses wisdom, piety, and willpower within themselves, but in such a way that gold, silver, and dross are chaotically intermingled. Then a higher stage of the soul’s development begins when this chaotic intermingling of the soul forces ceases, and the person is not driven at one moment by an impulse of the will, at another moment by emotions, and at yet another moment guided solely by wisdom. No, when the non-chaotic is blended—as happens under the fourth king—when a person clearly distinguishes within himself the realm of the soul force imbued with wisdom, that of the sense of beauty, that of the religious mood, and that which is imbued with the good will toward virtue, so that he masters this realm rather than being driven by it, then he will reach that point where one may say: The time has come; I must undertake something else. A soul that is led unprepared into the realm of wisdom, beauty, and strength would scarcely perceive any of these things.

[ 24 ] Eine Seelenkraft, die in gewisser Beziehung vorbereitet den Menschen für Weisheit, Schönheit und Kraft, repräsentiert der Mann mit der Lampe. Es ist die Eigentümlichkeit dieser Lampe, dass sie nur leuchten kann, wo schon ein anderes Licht ist. Was ist denn das für ein Licht, das von der Lampe des Alten kommt? Das gleiche Licht, das Licht der religiösen Weltanschauung, die der eigentlichen Weisheitserkenntnis vorangehen muss, das von unserem Herzen ausstrahlt, auch wenn wir noch nicht eingedrungen sind in die Dinge. Das ist ein Licht, das nur da leuchten kann, wo schon anderes Licht ist: Religionen können nur da Glauben erzeugen, wo sie durch diese oder jene Vorbereitung auftreten, oder wo sie angepasst sind demjenigen, was die Menschen unter dem Klima, bestimmten Kulturepochen und so weiter empfinden. Da also muss sich die Schlange, die durch bloß innere mystische Seelenkraft zu der Weisheit, Frömmigkeit, Kraft dringen will, begegnen vor den Königen, den Seelenkräften, mit dem Glaubenslichte, das die Seele hinführt zu der höheren Erkenntnis, das die Seele vorbereitet. So zeigt Goethe, wie die richtige Zeit herankommen muss. Wie sie vom Lichte des Glaubens zuerst geleitet werden muss und wie sie dann, wenn die Seele sich, durch das Glaubenslicht geleitet, vorbereitet hat, hinaufkommen kann in ein Zeitalter, wo sie mancherlei erlebt hat. [Wie sie] kommen kann zum unmittelbaren Ergreifen der Seelenkraft in ihrer Gesondertheit sowohl wie in ihrem harmonischen Zusammenwirken. Es wird gezeigt, wie der Mensch hier auf der physischen Welt diesseits des Flusses sich vorbereiten kann. Wie auf der anderen Seite, wenn sich der Mensch verbindet unreif mit den Spitzen des menschlichen Seelenlebens, er sozusagen in seiner Seele Schaden nimmt, zugrunde geht.

[ 24 ] The man with the lamp represents a spiritual power that, in a certain sense, prepares people for wisdom, beauty, and strength. The peculiarity of this lamp is that it can shine only where another light already exists. What, then, is this light that emanates from the old man’s lamp? The same light—the light of a religious worldview, which must precede true wisdom—that radiates from our hearts, even when we have not yet penetrated to the heart of things. This is a light that can shine only where another light already exists: religions can generate faith only where they arise through this or that preparation, or where they are adapted to what people feel under the influence of a particular climate, specific cultural epochs, and so on. Thus, the serpent—which seeks to penetrate to wisdom, piety, and strength through purely inner mystical soul power alone—must encounter, before the kings, the soul forces, the light of faith that leads the soul to higher knowledge and prepares it. Thus Goethe shows how the right time must come. How the soul must first be guided by the light of faith, and how, once the soul has prepared itself through this guidance, it can ascend into an age in which it has experienced many things. [How it] can come to a direct grasp of the soul’s power, both in its distinctness and in its harmonious interplay. It is shown how human beings here in the physical world, on this side of the river, can prepare themselves. How, on the other side, if a person connects immaturely with the pinnacles of human soul life, they suffer damage, so to speak, in their soul and are ruined.

[ 25 ] Und nun die merkwürdige Gestalt der Frau des Alten mit der Lampe. Diese Frau, die uns allzu menschlich geschildert wird, die ausersehen wird von den Irrlichtern, mit Früchten der Erde zu bezahlen — sie stellt dar die primitive Menschennatur, die sich nicht zum Wissen erheben kann, aber verbunden mit dem Mann mit der Lampe, mit dem Lichte, kann sie glauben. Zu was ist denn imstande das Licht des Glaubens? Steine zu verwandeln in Gold, Holz in Silber, tote Tiere in Edelsteine. Das alles wird dadurch gekennzeichnet, dass der Mops, der das Gold gefressen hat, das die Irrlichter von sich geschüttelt haben, durch die Lampe des Alten in Edelsteine verwandelt wird. Da wird gezeigt, welche Macht der Glaube hat, diese ganz wunderbare Macht des Glaubens, dies Vorwärts der höheren Erkenntnis. Oder wie es imstande ist, uns alle Dinge so zu zeigen, dass sie wirklich in einer gewissen Weise ihre göttlichen Seiten darbieten. Dass sie schon, bevor sie das Übersinnliche in ihnen durch Erkenntnis erreicht haben, zeigen, was an ihnen ist. Die toten Steine zeigen: Was mit Weisheit sich begabt [hat], verwandelt sich in Gold durch das Licht dieser Lampe. Das heißt, der Glaube ist imstande, schon zu ahnen in den Dingen, was später die Weisheit in vollem Lichte in ihnen erkennt, und wie alle Dinge nicht so sind, wie sie uns in der Sinnenwelt entgegentreten, sondern dass sie eine tiefere Seite haben. Das wird symbolisch angedeutet, wie das Glaubenslicht in der Lampe des Alten alle Dinge verwandelt. Der Mensch, wenn er bei seiner gesunden Natur bleibt, nicht zur Wissenschaft, zum Wissen gelangen kann, dann hat er eigentlich im Grunde genommen etwas in sich, was viel mehr im Zusammenhang steht mit den geheimnisvollen Kräften, die an der Grenzscheide stehen zum Übersinnlichen. Im Vergleich zu dem, der zu abstrakter Wissenschaft gekommen ist und gar leicht zum Zweifler und Skeptiker wird. Wie er den Boden unter den Füßen verliert, unsicher, nervös wird gegenüber aller Erkenntnis. Wie sicher steht manche ursprüngliche primitive Natur, wie sie repräsentiert wird durch diese alte Frau, die so mit der Natur in Verbindung steht, die geben kann, was die Irrlichter nicht geben können. Solche Menschen haben ein ursprüngliches Gefühl, durch das sie [sich] bewusst sind der Zusammenhänge mit dem Unendlichen, Göttlichen, was in aller Natur als das Übernatürliche lebt und webt. Daher kommt bei so manchen ursprünglichen Menschen, wenn gelehrte Leute mit ihren Zweifeln kommen, jenes mitleidige Lächeln, das besagen will: Ihr möget noch so gescheit sein, noch so viel mit eurer Gelehrsamkeit in der Natur wissen, wir wissen, was ihr nicht wisst; sicheres Wissen, das bringt uns zusammen mit dem, aus dem wir selber stammen. Die Frau kann bezahlen, was die Irrlichter nicht können.

[ 25 ] And now the strange figure of the old man’s wife with the lamp. This woman, who is portrayed to us in an all-too-human way, who is chosen by the will-o’-the-wisps to pay with the fruits of the earth—she represents primitive human nature, which cannot rise to the level of knowledge, but, united with the man with the lamp, with the light, she can believe. What, then, is the light of faith capable of? Turning stones into gold, wood into silver, dead animals into gemstones. All of this is illustrated by the fact that the pug, which ate the gold that the will-o’-the-wisps had shaken off, is transformed into gemstones by the old man’s lamp. Here the power of faith is demonstrated—this truly wondrous power of faith, this advance toward higher knowledge. Or how it is capable of revealing all things to us in such a way that they truly present their divine aspects in a certain manner. That even before we have attained the supersensible within them through knowledge, they reveal what is within them. The lifeless stones reveal: whatever has been endowed with wisdom is transformed into gold by the light of this lamp. That is to say, faith is capable of already sensing in things what wisdom later recognizes in them in full light—and how all things are not as they appear to us in the sensory world, but rather that they possess a deeper aspect. This is symbolically indicated by how the light of faith in the old man’s lamp transforms all things. When a person remains true to his healthy nature—and cannot attain science or knowledge—he actually possesses, deep down, something within himself that is much more closely connected to the mysterious forces that lie on the threshold of the supersensible. This stands in contrast to those who have turned to abstract science and all too easily become doubters and skeptics. They lose their footing, becoming uncertain and nervous in the face of all knowledge. How secure is the original, primitive nature, as represented by this old woman, who is so deeply connected to nature—she can offer what the will-o’-the-wisps cannot. Such people possess a primal sense through which they are aware of the connections to the infinite, the divine—that which lives and weaves throughout all of nature as the supernatural. That is why, when learned people come with their doubts, many such primal people offer that pitying smile, which seems to say: No matter how clever you may be, no matter how much you may know about nature through your scholarship, we know what you do not know—certain knowledge that unites us with that from which we ourselves originate. The woman can provide what the will-o’-the-wisps cannot.

[ 26 ] Der Mensch muss erlangen nicht nur die Gefühlsgewissheit. Er hängt zusammen mit einem Übersinnlichen, wie es dargestellt wird durch das Walten des Tempels mit den Königen, wo nicht nur innerliches, mystisches Sicherheitsgefühl ist, sondern der Mensch muss aufsteigen, dass er wirklich in das Reich des Übersinnlichen eingeführt, das geistige Leben und Weben sieht. Der Tempel muss vom Unterirdischen ins Oberirdische befördert werden. Der Tempel der Erkenntnis muss selber über der Grenzlinie, über dem Flusse sich erheben zwischen der übersinnlichen und der sinnlichen Welt. Und es ist denkbar eine Seele, die so gearbeitet hat an sich, so die Stufen der Entwicklung hinaufgegangen ist, dass sie jene heiligen Mittagsaugenblicke des Lebens in einer gewissen Weise in der Hand hat, durch sie hinübergehen kann in die geistige und herüber in die sinnliche Welt. Dass sie aufmerksam machen kann, wenn ein Vorgang der äußeren Natur gezeigt wird, wie GöttlichGeistiges waltet und wieder hinweisen kann auf das reine Göttlich-Geistige, das im übersinnlichen Reiche ist, sodass erreicht wird, dass nicht nur auserlesene, besonders bevorzugte Geister über den Fluss gehen können. Das soll durch die Geisteswissenschaft in der neueren Kultur erreicht werden. Goethe ist ein Prophet der Theosophie in seinem «Märchen», indem er zeigt, dass nicht nur die bevorzugten mystischen Naturen, die angeborene Mystik haben, Mittagsaugenblicke des Lebens haben, wo sie beim hellen Sonnenschein des Lebens hinübergehen können über den Fluss und das Reich des Übersinnlichen finden können, sondern, dass es eine Seelenentwicklung gibt, die jeder durchmachen kann. Jede Seele naturgemäß, wenn auch mühevoll und entsagungsvoll, alle können herüber und hinüber wandern, vom und zum übersinnlichen Reich, wenn das eingetreten ist, was das Glaubensgeheimnis ist.

[ 26 ] Human beings must attain more than just emotional certainty. They are connected to the supersensible realm, as depicted by the temple’s interaction with the kings, where there is not only an inner, mystical sense of security, but where human beings must ascend so that they may truly be introduced into the realm of the supersensible and witness the spiritual life and its workings. The temple must be raised from the subterranean to the surface. The temple of knowledge must itself rise above the boundary line, above the river that flows between the supersensible and the sensible worlds. And it is conceivable that a soul, having worked so diligently upon itself and ascended the stages of development, might in a certain sense hold those sacred midday moments of life in its hands, enabling it to pass through them into the spiritual world and back into the sensible world. That it can draw attention, when a phenomenon of external nature is revealed, to how the Divine-Spiritual reigns, and can point back to the pure Divine-Spiritual that resides in the supersensible realm—so that the goal is achieved where not only select, particularly favored spirits can cross the river. This is to be achieved through spiritual science in modern culture. Goethe is a prophet of theosophy in his “Fairy Tale,” in that he shows that it is not only the privileged mystical souls, who possess innate mysticism, who experience midday moments in life when, in the bright sunshine of life, they can cross the river and find the realm of the supersensible, but that there is a development of the soul that everyone can undergo. Every soul, by its very nature—albeit with effort and self-denial—can journey back and forth, from and to the supersensible realm, once the mystery of faith has been realized.

‹Wieviel Geheimnisse weißt du?› — ‹Drei, versetzte der Alte.› ‹Welches ist das wichtigste?› fragte der silberne König. ‹Das Offenbare,› versetzte der Alte.

“How many secrets do you know?” — “Three,” replied the old man. “Which is the most important?” asked the Silver King. “The obvious one,” replied the old man.

[ 27 ] Diese Redensart [des offenbaren Geheimnisses] tritt oft bei Goethe auf, weil Goethe wie alle wahren Mystiker der Anschauung war, dass es nichts Geistiges gibt, was nicht äußerlich, materiell, irgendwie sich erlebt, dass man überall Zusammenhänge des Materiellen mit einem Geistigen finden kann. Es gilt nur den richtigen Punkt, den richtigen Ort im Universum zu finden, wo das Geistige äußerlich, physiognomisch sich ausdrückt. Das Geheimnis offenbar! Nicht so sehr, wie auf Schleich- und Umwegen das Geistige zu suchen, sondern sich mit den Dingen zu verbinden, wie die Schlange. Und man findet durch die Gemeinschaft mit der materiellen Welt auch einen Weg ins Geistige. Das offenbare Geheimnis ist dasjenige, das überall zu finden ist und zu dem nur gehört eine gewisse Reife der Seele. Die drei Geheimnisse sind keine anderen als diese, wie Weisheit, wie Schönheit und Frömmigkeit und Tugend in uns leben soll, nicht getrennt. Charakteristisch ist dazu ein viertes notwendig, das kann der Alte nicht wissen. Aber er kann es wissen, dass er sagen kann, es ist an der Zeit! Was sagt die Schlange dem Alten ins Ohr? Dass sie bereit ist, sich zu opfern, dass sie bereit ist, ihren eigenen Leib hinzuopfern, nur aus dem, was aus ihr entsteht, eine Brücke über den Fluss zu schlagen.

[ 27 ] This figure of speech [the revealed secret] appears frequently in Goethe’s work because, like all true mystics, Goethe held the view that there is nothing spiritual that is not experienced externally, materially, in some way, and that connections between the material and the spiritual can be found everywhere. One need only find the right point, the right place in the universe, where the spiritual expresses itself externally, physiognomically. The mystery revealed! It is not so much a matter of seeking the spiritual through stealthy and roundabout paths, but rather of connecting with things, like the serpent. And through communion with the material world, one also finds a path to the spiritual. The revealed secret is the one that can be found everywhere and requires only a certain maturity of the soul. The three secrets are none other than these: how wisdom, beauty, piety, and virtue should live within us, not separately. Characteristically, a fourth is necessary for this—something the old man cannot know. But he can know this much: he can say that the time has come! What does the serpent whisper in the old man’s ear? That she is ready to sacrifice herself, that she is ready to sacrifice her own body, just to build a bridge across the river from what emerges from her.

[ 28 ] Das große Geheimnis vom Opfer der niederen Seelenkräfte, die nur der Weg sein sollen zum höheren Selbst: Ich will all dasjenige, was verbunden ist mit den niederen Wesenheiten der Natur, was ich, gehorsam den Weltgesetzen, gesucht habe — ich will mich opfern. Wer das nicht hat, dieses Stirb und Werde, der bleibt nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde.

[ 28 ] The great mystery of the sacrifice of the lower soul forces, which are meant only to be the path to the higher Self: I want to sacrifice everything that is connected to the lower entities of nature—everything I have sought in obedience to the laws of the world—I want to sacrifice myself. Whoever lacks this—this dying and becoming—remains only a gloomy guest on the dark earth.

[ 29 ] Erst muss der Mensch durchgehen durch all dasjenige, was ihn hineinführt über die Naturereignisse und Naturtatsachen, um dann das, was er also gewonnen und erlebt hat, mit dem niederen Selbst als sinnliches Wesen hinzuopfern, und aufzusteigen.

[ 29 ] First, a person must pass through everything that leads him inward—through natural phenomena and facts of nature—and then offer up what he has thus gained and experienced, along with his lower self as a sensual being, in order to ascend.

[ 30 ] Jakob Böhme hat in schöner Weise dieses Geheimnis ausgedrückt:

[ 30 ] Jakob Böhme expressed this mystery beautifully:

Wer nicht stirbt, bevor er stirbt,
der verdirbt, wenn er stirbt.

Whoever does not die before he dies,
will perish when he dies.

[ 31 ] Wer in die übersinnliche Welt eingeht durch das Tor des Todes, ohne dass er die niederen Seelenkräfte getötet hat, in sich gestorben ist für das niedere Selbst, bevor er durch das physische Tor des Todes geht, der würde in dieser Verkörperung sich nicht vorbereiten, um das richtige geistige Wesen vor dem Tode zu sehen!

[ 31 ] Whoever enters the supernatural world through the gate of death without having killed the lower soul forces—without having died within to the lower self before passing through the physical gate of death—would not be preparing himself in this incarnation to see the true spiritual being before death!

[ 32 ] Die Seele bewahrt sich vor dem Verderben in dem niederen Selbst, wenn sie wird wie die Schlange, die nicht bloß in den Klüften bleibt, sondern sich hinopfert, das heißt: In uns ist eine Seelenkraft, die sich verbinden kann mit allen Naturwesen. Die da sein muss, zuerst aber hingeopfert werden muss zum Zwecke der höheren Erkenntnis, dass alles dasjenige, was als niederer Egoismus, als niedere Selbstsucht, die zuerst notwendig sind zum Erreichen der höheren Freiheit, absterben muss. Daher wird dasjenige, was zuerst uns geführt hat ins Reich des Diesseits, das wird selbst der Weg ins Jenseits. Wir gehen über das nur, was wir selber hingeopfert haben, in die übersinnliche Welt hinauf. Die Irrlichter sind nur imstande aufzuschließen die Pforte. Sie haben die Schlüssel. Die Wissenschaft hat die Schlüssel, wie Mephisto die Schlüssel hat zum Reiche der Mütter; aufschließen, aber nicht hineinführen, kann er in die wirklichen Geheimnisse. Wir können die Wissenschaften in ihrem Werte einsehen, das Intelligente, Abstrakte im Menschenleben würdigen, denn es führt sie zur Pforte. Dann aber müssen die höheren Seelenkräfte beginnen, wenn wir in den Tempel aufgenommen werden wollen. So sehen wir, wie tatsächlich diese Irrlichter ihre Rolle bis zu Ende durchführen, und wie Goethe in der Ausgestaltung seiner Märchendichtung den Sinn der Seelenkräfte festhält bis in die Einzelheiten. Das «Märchen» ist so, dass mit dieser Art der Erklärung jedes Wort, jeder Satz ein Beleg ist, dass ein tieferer Sinn in das Märchen hineinkommt. Durch die Wirkung der Lampe wird das Haus des Alten ausgekleidet mit Gold. Was bleibt von der Religion, von den verschiedenen Religionen zurück? Die Tradition!

[ 32 ] The soul protects itself from ruin in the lower self when it becomes like the serpent, which does not merely remain in the crevices but sacrifices itself—that is to say: Within us is a power of the soul that can unite with all beings of nature. This power must be present, but it must first be sacrificed for the sake of higher knowledge—namely, that everything which manifests as lower egoism and lower self-interest, which are initially necessary for attaining higher freedom, must die away. Therefore, that which first led us into the realm of this world becomes the very path to the hereafter. We ascend into the supersensible world only through what we ourselves have sacrificed. The will-o’-the-wisps are capable only of unlocking the gate. They hold the keys. Science holds the keys, just as Mephisto holds the keys to the realm of the mothers; he can unlock the gate, but he cannot lead us into the true mysteries. We can recognize the value of the sciences and appreciate the intelligent, abstract aspects of human life, for they lead us to the gate. But then the higher powers of the soul must come into play if we are to be admitted into the temple. Thus we see how these will-o’-the-wisps indeed fulfill their role to the end, and how Goethe, in the composition of his fairy-tale poetry, captures the essence of the soul’s powers down to the finest details. The “fairy tale” is such that, with this kind of explanation, every word, every sentence is evidence that a deeper meaning is woven into the tale. Through the effect of the lamp, the old man’s house is lined with gold. What remains of religion, of the various religions? Tradition!

[ 33 ] Versuchen wir einmal, uns das ganze konkret vorzustellen in unserem Kulturprozess. Gehen wir in unsere Bibliotheken, suchen wir in den historischen Werken über diese und jene Religion nach. Wie viel da aufgespeichert ist von dem Golde, wie viel das Licht der Lampe beleuchtet, beschienen hat, wie die Abstraktlinge hinkommen, die das Gold herunterlecken, die die Geschichte der Religionen aus den Büchern auflesen und aus alten Büchern neue machen. Selbst da, wo die Weisheit zur Historie wird, die bibliothekarisch aufgespeichert wird — die Irrlichter können sich nähren von dem, sie gehen sogar vollsaftig strotzend von Gelehrsamkeit herum mit dem, was zuerst aus diesen Quellen stammt. Dem Mops, dem Naturwesen, dem ungelehrten, dem bekommt es schlechter, der stirbt an dieser Weisheit und muss erst dann belebt werden. Zunächst wird er durch das Licht der Lampe verwandelt in Edelsteine und kann aus Edelstein verwandelt werden durch die Berührung mit der Lilie. Die Lilie kann alles beleben, was durch den Tod hindurchgegangen ist, was das durchgemacht hat — was dies nicht hat, dieses Stirb und Werde — ein heller Gast muss dieser geworden sein auf dieser Erde. Wer die Berührung aushalten will mit der Lilie, der muss durch den Tod des Niederen hindurchgegangen sein.

[ 33 ] Let’s try to visualize this concretely within our cultural process. Let’s go to our libraries and search through the historical works on this or that religion. How much of that gold is stored there, how much has been illuminated by the light of the lamp—and how the abstract thinkers arrive, licking up the gold, gleaning the history of religions from the books and turning old books into new ones. Even where wisdom becomes history, stored away in libraries—the will-o’-the-wisps can feed on it; they even walk around, brimming with scholarship, with what originally comes from these sources. The pug, the creature of nature, the uneducated one, fares worse; it dies from this wisdom and must first be revived. First, it is transformed into gemstones by the light of the lamp and can then be transformed from gemstone through contact with the lily. The lily can revive everything that has passed through death, that has gone through it—what has not experienced this, this dying and becoming—must have become a radiant guest on this earth. Whoever wishes to endure the touch of the lily must have passed through the death of the lower self.

[ 34 ] So wird der Jüngling erst reif, mit der schönen Lilie in Berührung zu kommen, nachdem er zuvor getötet worden ist. In den Tempel der Weisheit kann er erst eingehen, nachdem die Schlange sich hingeopfert. Wenn das alles geschehen ist, dann kann der Jüngling zunächst geführt werden zum Tempel. Wenn das Opfer getan ist, wird die Seele hinaufgeführt aus ihrem unterirdischen Sein zur Erkenntnis, dass alles vom Geiste durchlebt, durchwebt ist; dann wird der Tempel von unten nach oben geführt, dann wird der Mensch begabt mit demjenigen, was die einzelnen Seelenkräfte ihm geben können. Weisheit gibt ihm das, was ausgedrückt wird im Satz des goldenen Königs:

[ 34 ] Thus, the young man does not become ready to come into contact with the beautiful lily until after he has first been killed. He can only enter the Temple of Wisdom after the serpent has sacrificed itself. Once all this has taken place, the young man can then be led to the Temple. Once the sacrifice is complete, the soul is led upward from its subterranean existence to the realization that everything is permeated and interwoven by the Spirit; then the temple is guided from below to above, and the human being is endowed with whatever the individual soul forces can bestow upon him. Wisdom gives him what is expressed in the golden king’s saying:

Erkenne das Höchste.

Recognize the Supreme.

[ 35 ] Das Symbolum ist der Eichenkranz. Der silberne König gibt ihm das Zepter und spricht:

[ 35 ] The symbol is the oak wreath. The Silver King hands him the scepter and says:

Weide die Schafe

Feed the sheep

[ 36 ] als Zeichen der Begabung mit der Kraft der Frömmigkeit. Der eherne König übergibt ihm Schwert und Schild und sagt ihm:

[ 36 ] as a sign that he has been endowed with the power of piety. The bronze king hands him a sword and a shield and says to him:

Das Schwert an der Linken, die Rechte frei!

The sword in the left hand, the right hand free!

[ 37 ] Die rechte Tugend ist nicht aggressiv im Angriff, aber stark und fest steht sie auf den Beinen, und wenn es sich handelt um Menschenwürde und Menschenbestimmung, ist sie bereit, diese zu verteidigen und zu wirken in der Welt in Menschenliebe und heilsamer Menschentat. Nun verbindet sich der Jüngling mit der schönen Lilie. Die einzelnen Seelenkräfte werden durchleuchtet von der wahren Liebe. Das kann aber die Seele erst fühlen, wenn sie über die gewöhnliche Liebe hinweggekommen ist, wenn sie aufgeht in der Liebe zum Geistigen. Weisheit, Schönheit, Frömmigkeit, Tugend, sie entwickeln, sie fördern die Entwicklung der Seele. Liebe muss nicht nur wachsen, sie belebt, sie formt, sie harmonisiert alles. Sie hebrt die Seele eine Stufe hinauf. Da sehen wir dann, wie der Mensch, wenn er hinaufsteigt, wenn er sich befindet in jenem Tempel, wo er Erkenntnisse erleben kann, wie er dazu kommt, aber jetzt in heiliger Scheu, wie der kleine Tempel in dem großen Tempel das Höchste zu sehen, das Geheimnis der Geheimnisse, der Mensch selber, wie er hinübergeht als Geisteswesen aus der Geisteswelt zur Hütte des Fährmanns, der herüberbringt die Wesen von der jenseitigen in die diesseitige Welt - wo der Mensch als kleine Welt, als kleines Tempelchen in den größeren Tempel versetzt wird, so schön zeigend, wenn die Seele heraufrückt bis zu den Stufen höherer Erkenntnis, dann erlangt er an sich durch Weisheit, Frömmigkeit, Tugend die Geheimnisse der Welt. Was Goethe so schön empfunden hatte als die spinozistische Gottesliebe, die Ausbildung höchster Seelenkräfte, kommt zu den Rätseln, den Geheimnissen der Welt, aber als das höchste der Geheimnisse, was wir erst wiederum als kleinen Tempel im großen erblicken, das Geheimnis des Menschen selber und seines Zusammenhangs mit dem göttlichen Sein. Der Riese kommt zuletzt, tappt auch herum und wird dann der Stundenzeiger der Zeit. Unsere Erkenntnis wird geistig, sie streift ab, wenn wir also aufsteigen in unserem Seelenleben, was äußerem Materialismus ist das Bewusstsein von jenen Gesetzen, die mechanisch wirken. [Der Riese] steht im Grunde genommen für das Unterbewusstsein, für alles dasjenige, was von den Kräften der Seele kommt, die auch im Unterbewusstsein wirken. Das darf nur in einem noch bleiben, wenn wir hinaufschauen auf das, was für unsere Innerlichkeit das Äußerste ist, wie die Zeiten aufeinanderfolgen, wie der äußere Zeitenrhythmus ist. Das hat seine letzte Berechtigung, da hat die bloß mechanische Erkenntnis eine Berechtigung. Man möchte sagen: Goethe könnte im Auge gehabt haben, als ihm diese Idee vom Riesen kam, der zuletzt zum Stundenzeiger der Welt wird, was alles für Aberglaube getrieben worden ist mit der Zahlenkunst, der verschiedenen Gebilde im Raum, was da doch nur wie ein abergläubischer Schatten einer größeren Erkenntnis zurückgeblieben ist aus der alten Zeit der alten Weltanschauungen. Aber eines bleibt als berechtigt zurück: dadurch das, was erkannt worden ist, eine Art Chronometer für die Vorgänge, die den Menschen umgeben, zu bilden.

[ 37 ] True virtue is not aggressive in its approach, but it stands strong and firm on its own two feet; and when it comes to human dignity and human destiny, it is ready to defend them and to act in the world with love for humanity and through wholesome human deeds. Now the young man unites with the beautiful lily. The individual powers of the soul are illuminated by true love. But the soul can only feel this once it has transcended ordinary love, once it is absorbed in love for the spiritual. Wisdom, beauty, piety, and virtue—they develop and foster the soul’s growth. Love must not only grow; it enlivens, shapes, and harmonizes everything. It lifts the soul up a step. There we then see how the human being, as he ascends, as he finds himself in that temple where he can experience insights, comes to see—but now with holy awe—how the small temple within the great temple reveals the Highest, the Mystery of Mysteries, humanity itself—how it passes over as a spiritual being from the spiritual world to the ferryman’s hut, which brings beings from the world beyond into this world—where humanity, as a small world, as a little temple, is transferred into the greater temple, so beautifully illustrating that when the soul ascends to the levels of higher insight, it then attains through wisdom, piety, and virtue. What Goethe so beautifully perceived as the Spinozist love of God—the development of the highest powers of the soul—leads to the riddles, the mysteries of the world; but as the highest of all mysteries, which we in turn perceive as a small temple within the great one: the mystery of human beings themselves and their connection to divine being. The giant comes last, gropes his way around, and then becomes the hour hand of time. Our knowledge becomes spiritual; as we ascend in our soul life, we shed what, in terms of external materialism, is the awareness of those laws that operate mechanically. [The giant] essentially stands for the subconscious, for everything that comes from the forces of the soul that also operate in the subconscious. This may remain only in one aspect when we look up at what is the outermost limit for our inner life—how the times follow one another, what the outer rhythm of time is. This has its ultimate justification; here, purely mechanical knowledge has its justification. One might say: When this idea of the giant—who ultimately becomes the world’s hour hand—came to Goethe, he may have had in mind all the superstitions that have been fostered by numerology and the various spatial formations—things that have remained merely as superstitious shadows of a greater insight from the ancient times of the old worldviews. But one thing remains valid: the creation of a kind of chronometer for the processes that surround human beings, based on what has been recognized.

[ 38 ] So finden wir in gewisser Beziehung alles in plastische Bilder umgesetzt, was Goethe empfand als Notwendigkeit in der Entwicklung der Seelenkräfte. Willst du zum Höchsten hinaufsteigen, dann musst du die Seelenkräfte so entwickeln, wie man es nur symbolisch in reichen, inhaltsvollen Bildern ausdrücken kann. Dann musst du nahekommen demjenigen, was Goethe sagen wollte, wenn du versuchst, aus der ganzen Goethe’schen Weltanschauung heraus eine Anschauung von diesen Bildern zu gewinnen. Aber du musst dir bewusst sein, dass dasjenige, was im Märchen enthalten ist, noch unendlich reicher ist, als ich es gesagt, und alles das eigentlich nur Anregung ist, in welcher Art gesucht und gefühlt werden soll über das Goethe’sche Märchen. Aber vielleicht ist es möglich, das Gefühl zu erhalten, aus welchem inneren Reichtum, aus welcher inneren Größe heraus, mit welch unermesslicher Produktionskraft Goethe geschaffen hat. Wie recht er hat, wenn er sagt, das Wahre, Schöne, wahrhaft Künstlerische darf und kann nur sein eine Ausgestaltung der allgemeinen, die Welt durchwebenden und von den Menschen zu erkennenden Wahrheit. Und das war es auch, was als Überzeugung in Goethe lebte, was ihn selbst von Stufe zu Stufe in rastlosem Streben führte; das ist es, was uns sozusagen so hinzieht zu Goethe. Goethe ist einer derjenigen Geister, die so wirken wie nur die allergrößten.

[ 38 ] Thus, in a certain sense, we find everything that Goethe perceived as necessary for the development of the powers of the soul translated into vivid images. If you wish to ascend to the highest level, then you must develop the powers of the soul in a way that can only be expressed symbolically through rich, meaningful images. Then you must come close to what Goethe intended to say when you try to gain an understanding of these images from within Goethe’s entire worldview. But you must be aware that what is contained in the fairy tale is infinitely richer than I have described, and that all of this is really only a suggestion as to how one should seek and feel one’s way through Goethe’s fairy tales. But perhaps it is possible to grasp the sense of the inner richness, the inner grandeur, and the immeasurable creative power from which Goethe drew his inspiration. How right he is when he says that the true, the beautiful, and the truly artistic can and must be nothing other than an embodiment of the universal truth that permeates the world and is recognizable to human beings. And that was also the conviction that lived within Goethe, the very conviction that led him himself from stage to stage in his restless striving; that is what draws us, so to speak, to Goethe. Goethe is one of those minds whose influence is comparable only to that of the very greatest.

[ 39 ] Man liest einmal im Leben ein Werk von Goethe. Man glaubt es verstanden zu haben. Nach fünf Jahren liest man es wieder und findet: Damals habe ich es gar nicht verstanden, sondern jetzt erst. Dann nach fünf Jahren wieder, und man merkt, wie unendlich viel man entdeckt hat, was man früher nicht sehen konnte, weil man nicht reif war. Jetzt erst, nachdem du selber so viel erlebt hast, jetzt erst kannst du das Werk verstehen. Nach fünf Jahren liest du es wieder, und dann bist du vielleicht glücklich soweit, dass du dir sagst: Damals hast du es noch nicht verstanden; du musst, kannst ruhig warten, bis du reif und reifer wirst, um völlig zufrieden zu sein, wenn man immer mehr hineinwächst. Das ist nur bei den auserlesensten Geistern der Menschheitsentwicklung der Fall, dass man dieses Gefühl hat. In solchen Menschen hat man Führer der menschlichen Kultur zu sehen. Eine Ahnung von der Unendlichkeit seines Seeleninhaltes bekommt man, indem man immer tiefer hineindringen kann. Dann rechnet man ihn zu denjenigen Geistern, über die wir, die heutige Betrachtung zusammenfassend, sagen können:

[ 39 ] Once in a lifetime, you read a work by Goethe. You think you’ve understood it. Five years later, you read it again and realize: I didn’t understand it at all back then; I only understand it now. Then, five years later, you read it again, and you realize just how much you’ve discovered—things you couldn’t see before because you weren’t mature enough. Only now, after you yourself have experienced so much, only now can you understand the work. After five years, you read it again, and then you may be fortunate enough to say to yourself: Back then, you didn’t understand it yet; you must—and can—calmly wait until you become mature and even more mature, so that you may be fully satisfied as you grow ever deeper into it. It is only the case with the most distinguished minds in the development of humanity that one has this feeling. Such people must be regarded as leaders of human culture. One gains a sense of the infinity of the content of their soul by being able to penetrate ever deeper into it. Then one counts them among those minds about whom we, summing up today’s reflection, can say:

Es leuchten gleich Sternen
am Himmel des ewigen Seins
die gottgesandten Geister.
Gelingen mög’ es allen Menschenseelen
im Reich des Erdenwerdens,
zu schauen ihrer Flammen Licht!

Like stars they shine
in the sky of eternal being
the spirits sent by God.
May all human souls
in the realm of earthly existence
be able to behold the light of their flames!