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The Rudolf Steiner Archive

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The Nature of Man
in the Light of Spiritual Science
GA 68d

3 March 1906, Hamburg

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The Nature of Man in the Light of Spiritual Science, tr. SOL
  1. Das Wesen des Menschen im Lichte der Geisteswissenschaft

6. Erziehungsfragen

6. Parenting Issues

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Dass die theosophische Weltanschauung nicht nur in einer Reihe von Lehren und Dogmen besteht und dass es nicht in erster Linie darauf ankommt, diese zu bekennen, das wird sich am besten zeigen, wenn wir die großen Kulturfragen unserer Zeit praktisch ins Auge fassen. Wir wollen heute die Erziehungsfragen vom theosophischen Standpunkt aus betrachten. Was könnte für schönere Frucht aus dieser Weltanschauung ersprießen, als wenn sie uns hineinführte in die Tiefen und in alle Ecken der menschlichen Natur, wenn sie uns das Menschenwesen verstehen lehrte, und damit die Kunst, auf dasselbe zu wirken. Das wäre freilich etwas anderes, als wenn wir nur aus Neugierde oder Wissbegierde kämen, um zu hören, um unbekannte Dinge zu erfahren über Geist, Seele und Leib des Menschen.

[ 1 ] Ladies and gentlemen! The fact that the Theosophical worldview consists of more than just a set of teachings and dogmas—and that professing them is not the primary concern—will become most evident when we take a practical look at the major cultural issues of our time. Today we wish to examine educational issues from a theosophical perspective. What finer fruit could spring from this worldview than if it were to lead us into the depths and every corner of human nature, if it were to teach us to understand the human being, and thereby the art of influencing it? That, of course, would be quite different from approaching the subject merely out of curiosity or a thirst for knowledge, seeking only to hear and learn unknown things about the human spirit, soul, and body.

[ 2 ] Dieser Weg allein - der Weg des Lernens — kann nicht als theosophisch bezeichnet werden, weil der theosophische Weg nur der ist, der durch das praktische Leben hindurchgeht. Für den, der nicht im täglichen Leben tiefer hineindringt in die Lehren, bleiben sie unverständlich. Man lernt den Menschen in Bezug auf Seele und Geist nur kennen, wenn man mitarbeitet an dem unentwickelten Leben desselben. Dadurch bekommt man auch Aufschluss über die höheren Welten. Und wir können nicht leugnen, dass ein intimes Verständnis der Seele not ist, wenn wir Führer sein wollen.

[ 2 ] This path alone—the path of learning—cannot be called theosophical, because the theosophical path is only that which passes through practical life. For those who do not delve more deeply into the teachings in their daily lives, they remain incomprehensible. One comes to know a person in terms of soul and spirit only by working with that person’s undeveloped life. Through this, one also gains insight into the higher worlds. And we cannot deny that an intimate understanding of the soul is necessary if we wish to be guides.

[ 3 ] Das Wesen des Menschen besteht aus verschiedenen Gliedern, von denen der physische Leib nur einer ist. Dieses zu wissen, ist von großer Bedeutung, denn ganz anders wird sich der zu dem heranwachsenden Kinde verhalten, der da weiß, dass die Seele dieses Kindes schon ein reiches Leben geführt hat, dass es durch viele Erdenleben hindurch schon viele Stufen absolviert hat. Was mit der Geburt auftritt an Anlagen und Fähigkeiten, das ist in früheren Leben erworben worden.

[ 3 ] The human being consists of various components, of which the physical body is only one. It is of great importance to know this, for one who is aware that a child’s soul has already led a rich life—that it has already passed through many stages over the course of many earthly lives—will relate to the growing child in an entirely different way. The innate dispositions and abilities present at birth have been acquired in previous lives.

[ 4 ] Wer da weiß, dass die Seele sich allmählich herausentwickelt aus ihren Hüllen, der sieht das Kind mit ganz anderen Augen an. Nicht nur bezüglich der intimeren Kenntnisse der Menschennatur, sondern auch auf den ganzen Werdeprozess des Menschen in der Zeit wirft die Theosophie in neuer Art Lichtstrahlen.

[ 4 ] Anyone who knows that the soul gradually emerges from its outer layers will see the child in a completely different light. Theosophy sheds new light not only on the deeper understanding of human nature, but also on the entire process of human development over time.

[ 5 ] Zweierlei müssen wir beim Menschen unterscheiden: erstens einen ewigen Kern, der in den mannigfachsten Verkörperungen neue Erfahrungen macht, indem er aus jedem Erdenleben sozusagen einen Extrakt mitnimmt, und zweitens die niedere Menschennatur, die nur die Hülle des eigentlichen Ichs ausmacht. Kurz sei noch einmal wiederholt, aus welchen Teilen diese niedere Natur besteht.

[ 5 ] We must distinguish between two aspects of the human being: first, an eternal core that gains new experiences through the most diverse incarnations, taking, as it were, an essence from each earthly life; and second, the lower human nature, which constitutes only the shell of the true self. Let us briefly review once more the parts of which this lower nature consists.

[ 6 ] Wir haben erstens den handgreiflichen, sichtbaren physischen Leib, zweitens den Ätherleib, der die Gestalt des Menschen schafft, drittens die Begierden, Triebe und Leidenschaften — den Astralleib. In diesen Hüllen ist das höhere Ich eingeschlossen. Den physischen Leib haben wir gemeinsam mit dem Mineralreich, den Ätherleib mit dem Pflanzenreich, den Astralleib mit dem Tierreich. Nur das vierte, das Ich, besitzt der Mensch allein. Die Hüllen, die das Ich umgeben, dienen dem Menschen als Instrumente, als Werkzeuge, in denen sich das eigentliche Ich, das, was schon vorhanden war, auslebt.

[ 6 ] First, we have the tangible, visible physical body; second, the etheric body, which shapes the human form; and third, the desires, drives, and passions—the astral body. The higher Self is enclosed within these sheaths. We share the physical body with the mineral kingdom, the etheric body with the plant kingdom, and the astral body with the animal kingdom. Only the fourth—the “I”—is unique to human beings. The bodies that surround the “I” serve as instruments, as tools, through which the true “I”—that which already existed—expresses itself.

[ 7 ] Bei jeder neuen Geburt bilden sich diese drei Hüllen neuerdings. Wir müssen uns diese Hüllen aber nicht als Zwiebelschalen vorstellen, die den Wesenskern abschließen von der Außenwelt, sondern die Körper durchdringen einander, und das Ich durchdringt die Körper.

[ 7 ] With every new birth, these three layers are formed anew. However, we should not imagine these layers as onion skins that seal off the core of the being from the outside world; rather, the bodies interpenetrate one another, and the self permeates the bodies.

[ 8 ] Nur derjenige, der das heranwachsende Menschenkind nicht nur nach seinem physischen Körper kennt, der sich ausbildet und wächst, sondern auch den belebenden Ätherkörper und den Astralleib berücksichtigt, kann im vollen Maße auf seine Erziehung einwirken.

[ 8 ] Only those who understand the growing human child not only in terms of its physical body—which develops and grows—but who also take into account the vital etheric body and the astral body can fully influence the child's upbringing.

[ 9 ] Es gibt aber noch andere Grundfragen zu erfassen. Seit über hundert Jahren sind große Fortschritte in der Erziehungskunst gemacht worden. Pestalozzi einerseits, Rousseau andererseits sowie Herder haben den Versuch angebahnt, den Weg herauszufinden, um aus dem Kinde den ganzen Menschen zu machen. Da sind tiefe Versuche gemacht worden. Durch die Theosophie erfahren diese Versuche noch größere Vertiefung.

[ 9 ] However, there are other fundamental questions to address. For over a hundred years, great strides have been made in the art of education. Pestalozzi on the one hand, Rousseau on the other, and Herder have pioneered the effort to discover the path to developing the child into a whole human being. Profound efforts have been made in this regard. Through theosophy, these efforts are being further deepened.

[ 10 ] Da das Gebiet ein so großes ist, wollen wir uns heute Abend auf einige Erziehungsfragen mit Rücksicht auf die feineren Glieder des Menschen beschränken.

[ 10 ] Since this is such a broad topic, let’s limit ourselves tonight to a few educational issues with regard to the more subtle aspects of human nature.

[ 11 ] Solange man die Menschen als ein wahres Durcheinander ansieht, so lange kann man nur aus Beobachtungen Resultate erzielen. Ganz anders verhält es sich mit dem, dessen Blick imstande ist, die vier Glieder des Menschen wahrzunehmen, oder der wenigstens Kenntnis besitzt von den Zusammenhängen dieser Dinge. Anders entwickelt sich das Kind in den ersten Lebensjahren, anders in der späteren Zeit. Wir wollen nun zunächst absehen von dem Ich und uns mit dem physischen, Äther- und dem Astralleib beschäftigen.

[ 11 ] As long as one views human beings as a veritable jumble, one can only draw conclusions based on observations. The situation is quite different for those whose vision is capable of perceiving the four constituent parts of the human being, or who at least possess knowledge of the interrelationships between these things. The child develops differently in the first years of life than in later years. Let us now set aside the “I” for the moment and focus on the physical, etheric, and astral bodies.

[ 12 ] Betrachten wir einmal das Kind, wie es nach seiner Geburt vor uns steht. Da haben wir den physischen Körper, auf den es am meisten ankommt. Dann, vom siebten, achten Jahre an gilt es vor allem, die größte Sorgfalt auf den Ätherleib zu verwenden. Zur Zeit der sich anbahnenden Geschlechtsreife bedarf der Astralleib einer ganz eigenartigen erzieherischen Behandlung.

[ 12 ] Let us consider the child as it stands before us after birth. There we have the physical body, which is of the greatest importance. Then, from the age of seven or eight onward, it is above all necessary to devote the greatest care to the etheric body. As puberty approaches, the astral body requires a very special educational approach.

[ 13 ] Was hat im ersten Lebensjahre zu geschehen? Der Ätherleib widmet sich in diesem Jahre ganz dem Wachstum des physischen Leibes, sodass der Ätherleib nach seiner natürlichen Anlage noch nicht für den Astralleib frei ist. Erst später, wenn der physische Körper ausgebildet ist, wird der Ätherkörper zu selbstständigem Wachstum frei, damit hängt für den okkulten Blick zusammen der Wille; der sitzt am tiefsten.

[ 13 ] What must happen during the first year of life? During this year, the etheric body devotes itself entirely to the growth of the physical body, so that, according to its natural disposition, the etheric body is not yet free for the astral body. Only later, when the physical body is fully developed, does the etheric body become free to grow independently; from the occult perspective, this is connected to the will, which lies deepest within.

[ 14 ] Dasjenige im Menschen, was er am leichtesten ändert, sind seine Begriffe und Vorstellungen. Die Begriffe, die wir uns in der frühesten Kindheit von Dingen machen, weichen bedeutend ab von dem, was wir im späteren Leben darüber denken. Auch unsere Gefühlswelt ist veränderlich, obgleich sie sich schwerer ändert als die Begriffswelt. Wenn einem Kinde zum Beispiel ein mürrisches Wesen eignet, so wird es schwer davon loskommen. Das Temperament und der Charakter ändern sich schwerer.

[ 14 ] The aspects of a person that are easiest to change are their concepts and ideas. The concepts we form about things in early childhood differ significantly from what we think about them later in life. Our emotional world is also changeable, although it changes more slowly than our conceptual world. If, for example, a child has a sullen disposition, it will be difficult for them to shake it off. Temperament and character are more difficult to change.

[ 15 ] Am allerschwersten der Grundcharakter des Willens, weil der Wille seinen Sitz hat, wo der Mensch am wenigsten hin kann. Er kann sich neues Verständnis schaffen, neue Gefühle erwerben, aber eins kann er nicht: Am physischen Leib arbeiten kann er nicht; und der gibt dem Willens-Charakter die Grundschattierung. Nur in den ersten Lebensjahren ist es möglich, am physischen Leib zu arbeiten. Das muss der Erzieher immer im Auge behalten. Für ihn gilt es nun, in den ersten Jahren den Willensmut auszubilden; dessen reiner Ausbildung muss er sich ganz widmen; er muss sich hüten, daselbst störend einzugreifen dadurch, dass er dem Kinde zu früh Begriffe beibringen will. Also der Wille muss vor allen Dingen entwickelt werden. Der Mensch hat in sich den Trieb zum Nachahmen. Auf diesen Nachahmungstrieb muss sich das Augenmerk des Erziehers hauptsächlich stützen. Er sorge dafür, dass dem Kinde gute Vorbilder zur Nachahmung zur Verfügung stehen. Der Erzieher hat durch sein bloßes Dasein auf das Kind zu wirken. Zu manchen tüchtigen Eigenschaften, zum Beispiel Furchtlosigkeit und Geistesgegenwart, muss der Grund schon im ersten Jahre gelegt werden. Bis zum siebten Lebensjahre muss das Hauptaugenmerk darauf gerichtet sein, den physischen Körper zu einem brauchbaren Organismus zu erziehen.

[ 15 ] The fundamental character of the will is the most difficult of all, because the will is rooted where the human being can least easily reach. He can develop new understanding and acquire new feelings, but there is one thing he cannot do: he cannot work on his physical body; and it is the physical body that gives the character of the will its fundamental nuance. It is only in the early years of life that it is possible to work on the physical body. The educator must always keep this in mind. The educator’s task in those early years is to develop the courage of the will; he must devote himself entirely to its pure development; he must be careful not to interfere in a disruptive way by trying to teach the child concepts too early. Thus, the will must be developed above all else. Human beings possess an innate drive to imitate. The educator’s attention must be focused primarily on this drive to imitate. He should ensure that good role models are available for the child to imitate. The educator must influence the child simply by his or her very presence. For certain admirable qualities—such as fearlessness and presence of mind—the foundation must be laid as early as the first year. Until the age of seven, the primary focus must be on developing the physical body into a functional organism.

[ 16 ] Kann denn in der Periode gar nicht auf den Ätherkörper eingewirkt werden? Der Erzieher wird da nicht viel eingreifen dürfen. Durch sein Dasein muss er wirken. Dass Gefühle und Gedanken Tatsachen sind, wird ihm dann klar. Er muss nicht glauben, dass nur eine Ohrfeige, ein Stoß oder [eine] Magenverderbnis etwas Wirkliches sind, sondern er muss sich klar sein, dass es ebenso wirklich ist, ob er gute oder böse Gesinnung hegt, und dass es nicht einerlei ist, welche Gesinnung der hat, der das Kind pflegt. Nicht was man mit dem Äther- und dem Astralkörper des Kindes tut, darauf kommt es an, mit welchen Gedanken, mit welcher Gesinnung, mit welcher Atmosphäre man das Kind umgibt. Je nach der Umgebung wird sich auch beim Kinde die Gesinnung edel oder unedel gestalten. So ist es möglich, systematisch, mit vollem Bewusstsein, durch das Vorbild im gewöhnlichen, täglichen Leben auf das Kind zu wirken. Alles, was das Kind aufnimmt, nimmt es durch die Sinne auf, und was es aufnimmt, ahmt es nach. So ist man imstande, es harmonisch zu beeinflussen.

[ 16 ] Is it really impossible to influence the etheric body during this period? The educator will not be allowed to intervene much here. He must exert his influence simply through his presence. It then becomes clear to him that feelings and thoughts are realities. He must not believe that only a slap, a shove, or [an] upset stomach are real, but he must realize that it is just as real whether he harbors good or evil intentions, and that it matters what kind of attitude the person caring for the child has. It is not what one does to the child’s etheric and astral bodies that matters, but rather the thoughts, the attitude, and the atmosphere with which one surrounds the child. Depending on the environment, the child’s disposition will also take on a noble or ignoble character. Thus, it is possible to influence the child systematically and with full consciousness through one’s example in ordinary, everyday life. Everything the child takes in is absorbed through the senses, and whatever it takes in, it imitates. In this way, one is able to influence the child harmoniously.

[ 17 ] Es wäre sehr wichtig, wenn von theosophischer Seite dieser Gedanke gründlich bearbeitet würde, damit man immer besser erkennen lernte, von welch ungeheurer Bedeutung die Umgebung für ein kleines Kind ist. Wir wollen uns das an einzelnen Details klarzumachen suchen. Manche Leute glauben, dem Kinde einen großen Dienst zu erweisen durch eine schöne Puppe. Das ist nun in den Augen des Okkultisten das Schlimmste, was es geben kann. Durch die schöne Puppe presst man den Nachahmungstrieb des Kindes, der angeregt werden soll, in bestimmte Bahnen. Die schöpferische Kraft wird ertötet. Wenn man ein Kind recht beobachtet, so wird man häufiger sehen, dass es das schönste Spielzeug wegwirft und sich aus dem einfachsten Material ein neues selbst schafft. Nicht ein Abbild der Wirklichkeit soll man dem Kinde geben. Die Nachahmung darf die Phantasie nicht einschnüren. Das Kind muss in der Scheinwelt leben, die Phantasie muss das Kind beschäftigen. Es muss seine Kräfte selbst entwickeln, sich seine eigene Vorstellungswelt schaffen. Und diese innere Kraft bleibt bei der schönen Puppe untätig. Die Spiele des Kindes sind Nachbildungen dessen, was sie hören und sehen; sie fordern Willens-Anspannung. Dadurch werden zweierlei Energien erweckt, Geschicklichkeit und in den verschiedensten Verhältnissen das Gleichgewicht zu halten. Das sind so einige Gesichtspunkte, von denen aus man die Erziehung des kleinen Kindes ins Auge zu fassen hat.

[ 17 ] It would be very important for theosophists to explore this idea in depth, so that we might come to understand more and more clearly just how immensely important a child’s environment is. Let us try to illustrate this with a few specific examples. Some people believe they are doing the child a great service by giving it a beautiful doll. In the eyes of the occultist, however, this is the worst thing one could possibly do. A beautiful doll forces the child’s imitative instinct—which should be stimulated—into specific channels. Creative power is stifled. If one observes a child closely, one will often see that the child discards the most beautiful toys and creates a new one for itself out of the simplest materials. One should not give the child a mere replica of reality. Imitation must not stifle the imagination. The child must live in a world of make-believe; the imagination must engage the child. The child must develop its own powers and create its own world of imagination. And this inner strength remains dormant with a pretty doll. A child’s games are reenactments of what they hear and see; they require concentration of the will. This awakens two kinds of energy: dexterity and the ability to maintain balance in a wide variety of situations. These are some of the perspectives from which one must approach the education of young children.

[ 18 ] Um das siebte Jahr wird der Ätherkörper freier. Der physische Körper hat nun die Lebenskraft erworben, um sich weiterzuentwickeln. Nun gilt es, auf den Ätherkörper einzuwirken und dessen Kräfte zu entwickeln, als da sind: Gedächtnis und Aufmerksamkeit. Gute Gewohnheiten sind in dieser Zeit anzuerziehen. Diese Seelenkräfte muss der Erzieher nun entwickeln.

[ 18 ] Around the age of seven, the etheric body becomes freer. The physical body has now acquired the life force necessary for further development. The task now is to work on the etheric body and develop its faculties, namely memory and attention. Good habits should be cultivated during this period. The educator must now develop these soul faculties.

[ 19 ] Das haben auch die heutigen Pädagogen erwogen. Noch darf nicht auf den Astralkörper eingewirkt werden, das kommt später; in diesen Jahren ist die formale Bildung die Hauptsache. Nicht um Erlangung einer Menge von bestimmten Kenntnissen handelt es sich zunächst, sondern um den Menschen selbst. Was der Mensch in den Jahren nicht lernt an Geografie und so weiter, das kann er nachholen, aber was er nicht nachholen kann, das ist die Erwerbung von Gedächtnisvermögen, von Aufmerksamkeit. Und diese Kräfte sollen gestählt werden, damit der Mensch später vor Flatterhaftigkeit bewahrt werde, dass er feststehen lerne, dass er nicht unstet werde. Also formale Bildung beizubringen, darauf kommt es an in diesem Alter.

[ 19 ] Today’s educators have also considered this. The astral body must not yet be influenced—that comes later; during these years, formal education is the main focus. The initial concern is not the acquisition of a great deal of specific knowledge, but the human being himself. Whatever a person fails to learn in those years—such as geography and so on—he can make up for later, but what he cannot make up for is the development of memory and attention. And these faculties must be strengthened so that the individual may later be spared from flightiness, so that he may learn to stand firm and not become erratic. Thus, imparting a formal education is what matters most at this age.

[ 20 ] In dieser Hinsicht werden große Fehler gemacht. So früh wie möglich will man die Urteilsfähigkeit des Kindes ausbilden, ihm das Warum und Weshalb beantworten. Dazu ist noch nicht die richtige Zeit. Vielmehr soll man dem Kinde eine Summe von Anschauung bieten und so sein Gedächtnis stärken. Das innerliche Schweigen muss gefördert werden, man muss das unaufhörliche Fragen zu beschränken suchen, um so ein reiches Innenleben zu befördern. Nicht um Nein- und Ja-Sagen handelt es sich zunächst, sondern um die Möglichkeit der eigenen Urteilskraft zu entwickeln; die würde eingeschnürt werden dadurch, dass man sagt: Dies sollst du tun, jenes sollst du lassen, sondern man soll mehr durch Beispiele und Erzählungen wirken. Das Geistige muss sich spiegeln in Symbolen, Märchen und Mythologien, die man dem Kinde mitteilt; dadurch werden tiefere Seelenkräfte geweckt. Mit Ja- und Neinsagen engen wir die Kräfte ein; sie sollen sich aus sich selbst heraus entwickeln. Keine fertige Moral soll man dem Kinde geben; große Gedanken und Gefühle für große Menschen soll man zu erzeugen suchen. Wenn möglich, wenig Doktrin. Erzählungen von großen Persönlichkeiten wirken besser als moralische Regeln. Die Welt schildern, aber nicht Regeln und Gesetze lehren. Nicht die eigene Urteilskraft, eigene Anschauung sollen in dieser Zeit großgezogen werden; dazu ist das Kind noch nicht reif. Aber was im Alter von sieben bis vierzehn Jahren versäumt ist an der Ausbildung des Gedächtnisses, das kann später nicht nachgeholt werden. Zum Beispiel beim Rechnen: Wenn durch Anschauungsunterricht die Grundlage gelegt ist, so muss das Gedächtnis herhalten durch das Lernen des Einmaleins. Dasselbe gilt für Sprachen und andere Dinge.

[ 20 ] Major mistakes are made in this regard. People want to develop a child’s ability to judge as early as possible and answer the child’s “why” and “how” questions. But the time is not yet right for that. Rather, one should offer the child a wealth of observations and thereby strengthen the child’s memory. Inner silence must be encouraged; one must seek to limit the ceaseless questioning in order to foster a rich inner life. It is not initially a matter of saying “yes” or “no,” but rather of developing the child’s own capacity for judgment; this would be stifled by saying, “You should do this, you should not do that,” but instead one should work more through examples and stories. The spiritual must be reflected in symbols, fairy tales, and myths that are shared with the child; this awakens deeper spiritual powers. By saying “yes” or “no,” we restrict these powers; they should develop from within themselves. One should not impose a ready-made moral code on the child; rather, one should seek to foster great thoughts and feelings befitting great human beings. If possible, keep doctrine to a minimum. Stories about great personalities are more effective than moral rules. Describe the world, but do not teach rules and laws. It is not the child’s own power of judgment or independent perspective that should be cultivated at this stage; the child is not yet mature enough for that. But what is neglected between the ages of seven and fourteen in the training of memory cannot be made up for later. Take arithmetic, for example: once the foundation has been laid through concrete, hands-on instruction, memory must then be exercised through the learning of multiplication tables. The same applies to languages and other subjects.

[ 21 ] Der Erzieher hat nach und nach seine Person zurücktreten zu lassen und ein Diener des Kindes zu werden. Er muss nicht nur in die Seele des Kindes die Weisheit hineinfüllen; er muss an das Wesen des Kindes herantreten und aus seiner Seele herausschlüpfen. Er muss ein Rätsellöser sein. Es ist ein großer Gewinn für die Seele, wenn der Ätherhülle eine feste Gestalt gegeben wird in dem siebten bis vierzehnten Jahre. Wenn das Gedächtnis geübt, die Fähigkeit ausgebildet ist, dass das Kind in ruhiger Konzentration bei einem Gegenstand verweilen kann, so sind das feste und gediegene Gewohnheiten, die bei den Menschen konstant werden, sie bleiben ihm fürs Leben.

[ 21 ] The educator must gradually step back from his own person and become a servant to the child. He must not only instill wisdom into the child’s soul; he must approach the child’s very being and emerge from the child’s soul. He must be a solver of riddles. It is a great benefit to the soul when the etheric body is given a firm form between the ages of seven and fourteen. When memory is exercised and the ability is developed for the child to dwell on an object in quiet concentration, these are firm and solid habits that become constant in people; they remain with them for life.

[ 22 ] Was wir können, muss geübt sein. In diesen Jahren muss man immer wieder wiederholen lassen, dass alles zur Gewohnheit wird. Bildende, schaffende Kräfte werden im elften, zwölften, dreizehnten Jahr entwickelt. Die Aufgabe des Erziehers ist es nun, vom Beispiel hinüberzuleiten zur Urteilsfähigkeit; das Kind soll seine feineren Kräfte gebrauchen lernen. Es muss nicht allein auf das Gemüt gewirkt werden, auch nicht nur durch Ver- und Gebot. Pythagoras hat da die Mitte gehalten und weise Lehren gegeben, die in eine Form gekleidet waren, die die Mitte hielt zwischen Beispiel und Grundsatz. Du sollst mit deinem Schwerte nicht das Feuer schlagen, das heißt: Ein Zorniger ist ein Kraftverschwender. Dieses drückt er nun in einer Weise aus, die nicht nur auf den abstrakten Verstand wirkt, sondern er fasst die Lehre in ein Bild, das die Vorstellungskraft des Kindes anregt, seine Phantasie entwickelt, die Imagination. Die pythagoreischen Lehrsätze sind ein Mittelding zwischen Bild und Grundsatz. Darauf soll hingearbeitet werden, dass das Kind lernt, sich eine eigene Meinung zu bilden. Die Meinung des Kindes soll nicht durch strenge Lehrsätze eingeengt werden, nicht eingeschnürt, sondern erweitert. Und das geschieht durch Bilder, durch symbolische Darstellungen der großen Wahrheiten. Während der ersten Schuljahre gilt es, Ruhe und Arbeit in das richtige Verhältnis zu dem Ätherleib zu bringen. Wenn die Zeit der Reife herannaht, ist es nötig, das richtige Gleichmaß zur Reife zu bringen, sodass der Mensch sich ausleben kann in den drei Welten. Die erste Aufgabe war, den Ätherleib freizumachen von den Anforderungen, den physischen Anstrengungen des Körpers; da galt es sorgfältige Beobachtung, um den Körper durch gymnastische Ubungen zu stählen und beweglich zu machen, und ihm dann wieder die nötige Ruhe zu verschaffen, ihn an Ruhe zu gewöhnen, während der Ätherleib arbeitet.

[ 22 ] Whatever we can do must be practiced. During these years, it is necessary to have children repeat things over and over again so that everything becomes a habit. Creative, formative powers develop in the eleventh, twelfth, and thirteenth years. The educator’s task now is to guide the child from following examples to the ability to judge for oneself; the child must learn to use his or her finer faculties. One must not act solely on the child’s emotions, nor rely solely on rules and commands. Pythagoras struck a balance here and offered wise teachings clothed in a form that maintained a middle ground between example and principle. “You shall not strike fire with your sword”—that is to say: one who is angry wastes energy. He expresses this in a way that does not merely appeal to the abstract intellect; rather, he encapsulates the teaching in an image that stimulates the child’s imagination and develops their creative imagination. The Pythagorean principles are a middle ground between imagery and principle. The aim is to help the child learn to form their own opinions. The child’s opinion should not be restricted by strict principles, nor stifled, but rather expanded. And this is achieved through images, through symbolic representations of the great truths. During the early school years, the goal is to bring rest and work into the proper balance with the etheric body. As the time of maturity approaches, it is necessary to bring the right balance to maturity so that the individual can fully express themselves in the three worlds. The first task was to free the etheric body from the demands and physical exertions of the physical body; this required careful observation in order to strengthen the body through gymnastic exercises and make it flexible, and then to restore the necessary rest to it, accustoming it to rest while the etheric body is at work.

[ 23 ] Die Aufgaben des Erziehers werden immer schwieriger, wenn die dritte Periode, die Zeit der Geschlechtsreife herannaht. Da hat man mit Sorgfalt auf den Astralleib zu wirken. Nun erst ist die Zeit gekommen, wo das Kind angeleitet werden muss, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Vorher war Schweigsamkeit, was erzielt werden sollte. In der ersten Periode wird das Kind durch seine Sinne zur Nachahmung getrieben; da gilt es, ihm das richtige Vorbild zu schaffen. In der zweiten Periode soll durch Autorität auf das Kind gewirkt werden; das ist naturgemäß und wirkt wohltätig, indem es Glaube und Vertrauen erzeugt. Wohl dem Kind, das mit Verehrung zu einer Autorität aufschaut, die ihm alles ist. Während der dritten Periode hat der Erzieher die eigene Weisheit zurücktreten zu lassen vor der Weisheit des Menschen, den er vor sich hat in dem heranwachsenden Kinde. Die Geschlechtsreife hängt zusammen mit der Selbstständigkeit des Menschen. Dazu ist eine Vorbereitung notwendig. Was der Astralleib in sich aufnehmen soll, muss vorbereitet werden im Ätherleib. Dies bezieht sich auf eine harmonische Ausbildung der Gefühlswelt. Gelingt es, ästhetische anmutige Gefühle im Kinde zu erzeugen, so wirkt das zurück auf den Astralleib und erzeugt eine normale, harmonische, ästhetische Urteilskraft.

[ 23 ] The educator’s tasks become increasingly difficult as the third period—the time of sexual maturity—approaches. At this stage, one must work carefully on the astral body. Only now has the time come when the child must be guided to form his or her own judgments. Previously, the goal was to cultivate silence. In the first period, the child is driven to imitate through the senses; here, it is essential to provide the child with the right role model. In the second period, the child should be guided through authority; this is natural and has a beneficial effect by fostering faith and trust. Blessed is the child who looks up with reverence to an authority who is everything to them. During the third period, the educator must set aside their own wisdom in favor of the wisdom of the human being they see before them in the growing child. Sexual maturity is linked to a person’s independence. Preparation for this is necessary. What the astral body is to take in must be prepared in the etheric body. This refers to the harmonious development of the emotional world. If one succeeds in fostering aesthetic and graceful feelings in the child, this has a reciprocal effect on the astral body and fosters a normal, harmonious, and aesthetic power of judgment.

[ 24 ] Es ist nicht gut, wenn Kinder von 16 oder 17 Jahren mit fertigen Urteilen an uns herantreten; das rächt sich bitter. Edle Gestalten aus der Geschichte, schöne Gedichte, die Werke unserer großen Meister soll man ihnen bringen, aber kein Bekenntnis. Bekenntnisse rufen ein Ja oder Nein hervor, aber kein reiches Innenleben. Und wer nicht das Glück gehabt hat, Autoritäten vor sich zu sehen, wird auch nicht zu einem eigenen Urteil kommen.

[ 24 ] It is not good when 16- or 17-year-olds approach us with preconceived judgments; this comes back to haunt us bitterly. We should introduce them to noble figures from history, beautiful poems, and the works of our great masters—but not to dogmas. Dogmas elicit a “yes” or a “no,” but they do not foster a rich inner life. And those who have not had the good fortune to encounter authorities will not arrive at their own judgments.

[ 25 ] Jetzt ist die Zeit gekommen, wo wir danach trachten müssen, in dem Menschen das Verhältnis zu den Menschen zu entwickeln. Früher galt es, die Gesinnung der Verehrung zu wecken; jetzt muss er den Wert der verschiedenen Menschen selbst erkennen lernen. Jetzt lernt er sein früheres Verhältnis den Menschen gegenüber als Mensch zu Mensch zu unterscheiden, erkennt, was wert, was unwert ist. Denn was muss nun wachgerufen werden? Die Affekte, die Empfindungen, Lust- und Leidempfinden. Das Astrale entwickelt sich im Verkehr mit der Umwelt. Daher müssen wir den Astralkörper erst so pflegen, dass er nach innen wirkt. Jetzt tritt er heraus. Soll er nun den richtigen Gebrauch von seiner Freiheit machen, so muss er durch den Ätherleib vorbereitet sein. Man nannte den Astralleib sonst Trieb- und Begierdenkörper. Ist dieser nicht richtig vorbereitet, so macht er sich in wilden Begierden und den Untugenden des akademischen Lebens Luft. Ist er nicht vorbereitet für die Freiheit, so wird die Triebkraft, die sich ausleben will, wild und zügellos; sie muss in früheren Jahren gefestigt werden durch Erziehung des Ätherleibes.

[ 25 ] Now is the time when we must strive to develop a relationship with others as human beings. In the past, the goal was to awaken a spirit of reverence; now, one must learn to recognize the value of different people for oneself. Now one learns to distinguish one’s former relationship with others as one human being to another, recognizing what is valuable and what is not. For what must now be awakened? The emotions, the sensations, the feelings of pleasure and pain. The astral body develops through interaction with the environment. Therefore, we must first nurture the astral body so that it acts inwardly. Now it emerges outwardly. If the individual is to make proper use of his freedom, he must be prepared through the etheric body. The astral body used to be called the body of instincts and desires. If it is not properly prepared, it gives vent to itself in wild desires and the vices of academic life. If it is not prepared for freedom, the driving force that seeks to express itself becomes wild and unbridled; it must be strengthened in earlier years through the education of the etheric body.

[ 26 ] Durch die theosophischen Kenntnisse wird der Erzieher imstande sein, sein pädagogisches Können zu vertiefen und zu durchgeistigen. So wird die Theosophie nutzbar, wenn man sie nutzbar macht für den Einfluss auf die Jugend. Wie nützlich es ist, diese Begriffe zu haben, wird der erkennen, der versucht, sie praktisch im Leben anzuwenden. Er wird dann aus dem Leben heraus die Erkenntnis praktisch erlangen, selbst wenn er auf die theosophische Weltanschauung verzichtet. Und diese praktische Erkenntnis ist mehr wert als Neugier und Wissbegierde.

[ 26 ] Through theosophical knowledge, the educator will be able to deepen and spiritualize his or her pedagogical skills. Thus, theosophy becomes useful when it is applied to influence young people. Anyone who tries to apply these concepts in practical life will realize how useful they are. They will then gain practical insight from life itself, even if they do not adopt the theosophical worldview. And this practical insight is worth more than mere curiosity and a thirst for knowledge.

[ 27 ] Die äußeren materiellen Kenntnisse hängen vielfach nicht von uns ab. Der Staat, der Stand, die Verhältnisse sind da oft entscheidend; aber das ist auch nicht das Wichtigste. Was Beruf und Stand erfordert, kann gute oder schlechte Richtung annehmen. Selbst bei fehlerhaftestem Lehrplan, bei den überfülltesten Schulräumen kann man wirken, wenn man den Menschen kennt. Wenn es wahr ist, dass der Mensch alle seine Kräfte harmonisch entwickeln kann, so kann das eben nur geschehen, wenn man ihn, den Menschen, erkennt vom ersten Lebensjahre an, ja selbst vor der Geburt.

[ 27 ] External, material knowledge often does not depend on us. The state, one’s social class, and circumstances are often decisive factors; but that is not the most important thing either. What one’s profession and social class require can take a positive or negative direction. Even with the most flawed curriculum and the most overcrowded classrooms, one can make a difference if one understands human nature. If it is true that a person can develop all their faculties harmoniously, then this can only happen if one recognizes them—the individual—from the very first years of life, indeed even before birth.

[ 28 ] Geistiges ist Wirklichkeit. Es ist nicht gleichgültig, welche Gedanken ein Kind umgeben, nicht gleichgültig, wer den Menschen empfängt. Es kommt sehr darauf an, ob der Mensch, der einen Menschen empfängt, gute oder böse Gedanken und Empfindungen hat; Arzt und Hebamme sollten priesterlich gebildete, veredelte Persönlichkeiten sein. Ist das der Fall, dann tritt der Mensch bei seiner Geburt in eine reine Atmosphäre, und das ist nicht gleichgültig. Der Geist ist etwas Wirkliches. Dies ist ein Gebiet, wo eine einsichtige Erziehung viel nützen kann und umgekehrt die Unwissenheit viel schaden. Unvollkommen tritt der Mensch ins Dasein. Er tritt ins Dasein, um höhere Fähigkeiten zu erlangen; die Möglichkeit, höher zu steigen, muss er mit seiner Hilflosigkeit erkaufen. Ihm muss geholfen werden. Daran erkennen wir so recht die Solidarität der ganzen Menschheit, die Notwendigkeit der gegenseitigen Hilfe. So ist die ganze Menschheit ein großer Körper, an dem die Einzelnen nur Glieder sind. Das gibt uns ein Verständnis für die Brüderlichkeit, den ersten Grundsatz der Theosophischen Gesellschaft.

[ 28 ] The spiritual is reality. It matters what thoughts surround a child; it matters who receives the human being. It depends greatly on whether the person receiving a human being has good or evil thoughts and feelings; doctors and midwives should be individuals of noble character, trained in the priestly tradition. If this is the case, then at birth the human being enters a pure atmosphere, and that is by no means insignificant. The spirit is something real. This is an area where an enlightened upbringing can be of great benefit, and conversely, where ignorance can cause great harm. The human being enters existence in an imperfect state. He enters existence to attain higher abilities; but they must pay for the possibility of rising higher with their helplessness. They must be helped. In this we truly recognize the solidarity of all humanity and the necessity of mutual aid. Thus, all humanity is one great body, of which individuals are merely members. This gives us an understanding of brotherhood, the first principle of the Theosophical Society.

[ 29 ] Wenn der Mensch ins Dasein tritt, so handelt es sich im eminentesten Sinne nicht um ein fertiges Leben; die Aufgabe der Erzieher liegt darin; ihn für die Kultur heranzubilden, und das kann nur geschehen, wenn es aus dem Gefühl der Brüderlichkeit, aus dem Gemeinschaftsgefühl heraus geschieht.

[ 29 ] When a person enters into existence, it is by no means, in the truest sense, a life already fully formed; the task of educators is to nurture that person for civilization, and this can only happen if it stems from a sense of brotherhood and a sense of community.

[ 30 ] Fragenbeantwortung

[ 30 ] Q&A

Ein Lehrer, der offenbar tief ergriffen war von dieser klaren, einleuchtenden Rede, tat eine Frage bezüglich der Vererbungsverhältnisse.

A teacher who was apparently deeply moved by this clear, compelling speech asked a question about inheritance patterns.

[ 31 ] Antwort: Der Erzieher hat vor allen Dingen ein Beobachter zu sein. Er hat die Menschennatur im Kind zu beobachten. Dabei kommt es zunächst nicht darauf an, ob er die materialistische Anschauung hat, dass die Anlagen und Triebe im Kind von Vererbung herrühren, oder die theosophische, dass der Mensch sich seine Anlagen in früheren Erdenleben erworben habe und aus dem Grunde in die bestimmten Verhältnisse hinein von bestimmten Eltern geboren ist. Die Tatsachen, das Resultat der Beobachtung wird immer dasselbe sein. Der Erzieher hat sich zu hüten, gewaltsam in die Entwicklung des Kindes einzugreifen. Dazu ein Beispiel: Ein Erzieher hatte es in einer Familie mit einem elfjährigen Knaben zu tun. Dieser war zurückgeblieben, auch sein Körper war nicht normal; er hatte einen Großkopf. Er war nie über die unterste Klasse hinausgekommen. Seine Rechenhefte waren unter anderem in einem traurigen Zustand. Wenn er eine Aufgabe gerechnet hatte, so stimmte sie nie, und er radierte, bis alles voll Löcher war.

[ 31 ] Answer: Above all, the educator must be an observer. He must observe human nature in the child. In doing so, it does not matter at first whether the educator holds the materialistic view that a child’s aptitudes and instincts stem from heredity, or the theosophical view that a person has acquired their aptitudes in previous earthly lives and is therefore born into specific circumstances to specific parents. The facts—the result of observation—will always be the same. The educator must be careful not to intervene forcefully in the child’s development. Here is an example: An educator was working with an eleven-year-old boy in a family. The boy was mentally retarded, and his physical development was also abnormal; he had a large head. He had never progressed beyond the lowest grade. Among other things, his math workbooks were in a sorry state. Whenever he worked out a problem, it was never correct, and he would erase it until the page was full of holes.

[ 32 ] Der Erzieher verzagte nicht und sagte sich: Die Seele würde sich den Körper schon bilden. Vorsichtig ging er daran, die Seele des Kindes auszubilden, er arbeitete nach dem Prinzip des kleinsten Kraftmaßes. Er ging von ganz bestimmten Gesichtspunkten aus und erfuhr, dass man lernt, Rätsel zu raten. Es ist ihm gelungen, in eineinhalb Jahren den Knaben zu einem normalen Kind zu erziehen, weil es ihm gelang, an den Merkmalen die Ursachen zu erkennen, wovon sie herrührten. Der Großkopf nahm allmählich richtige Gestalt an; der Knabe entwickelte sich dann normal und war später fähig zu studieren.

[ 32 ] The educator did not lose heart and told himself: The soul would shape the body on its own. He set about shaping the child’s soul with great care, working according to the principle of least effort. He started from very specific points of view and discovered that one learns to solve riddles. He succeeded in raising the boy to be a normal child in a year and a half because he was able to recognize the causes behind the symptoms from the symptoms themselves. The large head gradually took on its proper shape; the boy then developed normally and was later able to pursue higher education.

[ 33 ] Es wäre sehr wünschenswert, wenn die Erziehungsfrage im Licht der Theosophie einmal gründlich ausgearbeitet würde.

[ 33 ] It would be highly desirable for the question of education to be thoroughly examined in the light of theosophy.