The Nature of Man
in the Light of Spiritual Science
GA 68d
7 April 1906, Hamburg
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The Nature of Man in the Light of Spiritual Science, tr. SOL
7. Hypnotismus und Spiritismus im Lichte der Theosophie
7. Hypnotism and Spiritism in the Light of Theosophy
[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Wenn wir uns unter unseren Mitmenschen umsehen und das geistige Streben ins Auge fassen, wodurch sie ihr inneres Sehnen nach etwas Höherem zu befriedigen suchen, so finden wir, dass sich im Laufe des vorigen Jahrhunderts eine große Veränderung geltend macht. Lange Zeit war die tonangebende Richtung diejenige, welche nur im Stofflichen, dem Sinnenfälligen das sucht, was für sie Wert hat. Der Geist war für sie der Ausfluss aus dem Sinnlichen, geradeso wie der Zeiger der Uhr der Ausdruck ist für das, was im Innern der Uhr abläuft, nämlich das Räderwerk. Alle Kräfte suchte man aus dem Materiellen heraus zu erklären. Wer noch redete vom göttlichen Geist, von der Seele, der war nach Ansicht der Tonangebenden stecken geblieben in veralteten Anschauungen. Alles Leben sollte aus der Stofflichkeit entstehen.
[ 1 ] Ladies and gentlemen! When we look around at our fellow human beings and consider their spiritual aspirations—through which they seek to satisfy their inner longing for something higher—we find that a great change has taken hold over the course of the past century. For a long time, the prevailing trend was one that sought what it considered valuable solely in the material, in what is perceptible to the senses. For its adherents, the spirit was merely an outflow of the sensory realm, just as the hand of a clock is an expression of what goes on inside the clock—namely, the gear mechanism. All forces were sought to be explained solely in terms of the material. Anyone who still spoke of the divine spirit or the soul was, in the view of those setting the tone, stuck in outdated beliefs. All life was supposed to arise from the material world.
[ 2 ] In den letzten Jahren ist hierin eine große Veränderung eingetreten. Ein tiefes Sehnen geht durch die Welt nach seelischer Vertiefung, nach dem Lösen des Rätsels dessen, was innerhalb der Form lebt. Selbst die Naturforscher von heute scheuen sich nicht mehr, von Seele und Geist zu sprechen.
[ 2 ] In recent years, a major change has taken place in this regard. A deep longing is sweeping the world for spiritual depth, for the unraveling of the mystery of what lives within form. Even today’s natural scientists no longer shy away from speaking of the soul and the spirit.
[ 3 ] Von drei Seiten versucht die heutige Menschheit in die Tiefen des Daseins einzudringen. Die umfassendste Forschung stellt die theosophische Weltanschauung an. Sie trat vor dreißig Jahren auf den Plan als eine Vereinigung von Philosophie, Wissenschaft, Religion und Moral. Die Theosophen sind Geistesforscher, die mit den höchsten Kräften des Menschen das geistige Leben zu erforschen streben. Die theosophische Forschung geht aber ebenso sicher wie die Wissenschaft. Sie will die Wahrheit erkennen und lässt nur gelten, was auf dem Wege strengster Wahrheitsforschung gefunden ist. Es ist dies ein schwieriger Weg, und unser Streben geht dahin, diesen Weg populär zu machen.
[ 3 ] Today’s humanity is attempting to penetrate the depths of existence from three directions. The most comprehensive inquiry is provided by the Theosophical worldview. It emerged thirty years ago as a synthesis of philosophy, science, religion, and morality. Theosophists are spiritual researchers who strive to explore spiritual life through the highest human faculties. Theosophical research, however, proceeds just as rigorously as science. It seeks to discover the truth and accepts only what is found through the strictest pursuit of truth. This is a difficult path, and our aim is to make this path accessible to the general public.
[ 4 ] Das zweite Gebiet, auf dem der Mensch sich dem Geistigen und Seelischen zu nähern versucht, ist das Gebiet des Hypnotismus und der Suggestion. Man hat seit längerer Zeit abnorme Erscheinungen beobachtet, die man nicht aus dem Mechanismus des Gehirns erklären kann. Man merkt aber, dass es viele Dinge in der Welt gibt, wovon unsere Schulweisheit sich bis vor dreißig Jahren nichts träumen ließ. Die Gelehrten wurden durch so manche unerklärliche Erscheinungen förmlich hingezwungen, davon Kenntnis zu nehmen.
[ 4 ] The second area in which humans attempt to approach the spiritual and psychological realms is the realm of hypnotism and suggestion. For quite some time, people have observed abnormal phenomena that cannot be explained by the mechanisms of the brain. However, it is evident that there are many things in the world that our conventional wisdom could not have imagined as recently as thirty years ago. Scholars were literally compelled by many such inexplicable phenomena to take note of them.
[ 5 ] Als Wilhelm Preyer, der das «Leben Darwins» geschrieben hat, darauf aufmerksam machte, dass es Erscheinungen gäbe, die man sich aus den gewöhnlichen Theorien nicht erklären könne, wurde die Behauptung von seinen Fachgenossen mit Achselzucken aufgenommen. Doch die Erscheinungen mehrten sich. Das Auftreten des dänischen Magnetiseurs Hansen erregte unter den Laien großes Aufsehen, wie mancher sich noch erinnern wird. Er setzte einen Menschen auf einen Stuhl und konnte dann mit ihm machen, was er wollte. Er gab ihm essigsaure Flüssigkeiten zu trinken, und sagte ihm, es sei herrlicher Wein, worauf der Mensch mit Behagen trank; und erst, wenn er aus dem Zustande erwachte, in den ihn Hansen versetzt hatte, so schüttelte er sich und spuckte das Genossene aus. Oder er gab ihm eine Kartoffel und sagte ihm, es sei eine schöne Birne, in welche der dann mit Behagen hineinbiss. Ja, er ließ ihn auf allen vieren kriechen und bellen wie ein Hund.
[ 5 ] When Wilhelm Preyer, who wrote *The Life of Darwin*, pointed out that there were phenomena that could not be explained by conventional theories, his claim was met with a shrug by his colleagues. Yet the phenomena continued to multiply. The appearance of the Danish magnetizer Hansen caused quite a stir among the lay public, as many will still recall. He would seat a person on a chair and could then do whatever he wanted with him. He gave the person acetic acid solutions to drink and told him it was exquisite wine, whereupon the person drank it with relish; and only when the person awoke from the state into which Hansen had put him did he shake himself and spit out what he had consumed. Or he would give the person a potato and tell him it was a beautiful pear, which the person would then bite into with relish. Indeed, he even made him crawl on all fours and bark like a dog.
[ 6 ] Einige Naturforscher zuckten lächelnd die Achseln und meinten, das seien eben abnormale Erscheinungen; aber auf einen Versuch der Erklärung ließen sie sich nicht ein. Doch es gab einzelne Forscher, die versuchen wollten, ob auf diesem Wege vielleicht etwas über die verborgenen Seiten des Seelenlebens des Menschen zu erforschen sei.
[ 6 ] Some naturalists shrugged their shoulders with a smile and remarked that these were simply abnormal phenomena; but they did not attempt to offer an explanation. However, there were a few researchers who wanted to see if, in this way, it might be possible to uncover something about the hidden aspects of human inner life.
[ 7 ] Das dritte Feld, auf dem seine Anhänger so gern stehen, ist der Spiritismus. Wer nicht Spiritist oder Spiritualist ist, kann nicht begreifen, wie sonst vernünftige Leute zu dem Glauben kommen können, dass sie jeden beliebigen Verstorbenen heranrufen können, um von ihm alle möglichen Geheimnisse über das Jenseits zu erfahren. Dass mancher sich anstrengt, um auf andere Weise zur Erkenntnis zu kommen, das imponiert den Spiritisten wohl gar nicht. Was ein solcher sagt, gilt ihnen als phantastisch. Sie meinen, um an die Quelle zu kommen, brauchte man nur zu sterben. Sie wenden sich oft an solche, die hier im Leben gar nichts Besonderes von höherer Weisheit in sich hatten, und glauben, dass diese, nun sie tot sind, ihnen die allerschwierigsten Gebiete des Daseins erklären können.
[ 7 ] The third area in which his followers are so fond of engaging is spiritualism. Anyone who is not a spiritist or spiritualist cannot comprehend how otherwise reasonable people can come to believe that they can summon any deceased person they choose in order to learn all manner of secrets about the afterlife from them. The fact that some people strive to gain insight in other ways does not impress spiritists in the least. Whatever such a person says is regarded by them as fanciful. They believe that to reach the source, one need only die. They often turn to those who, while alive, possessed no particular insight into higher wisdom, and believe that these individuals, now that they are dead, can explain to them the most complex aspects of existence.
[ 8 ] Das sind die drei Gebiete, auf denen man sich Aufklärung über das übersinnliche Leben zu verschaffen sucht.
[ 8 ] These are the three areas in which people seek to gain insight into the supernatural world.
[ 9 ] Das erste, das theosophische Gebiet, ist nichts anderes als die populäre Verkündigung einer Mysterienweisheit, die immer existiert hat. In den Mysterien wurde immer die Entwicklung des Menschen, auch die der geistigen Welt, gezeigt.
[ 9 ] The first, the theosophical realm, is nothing other than the popular proclamation of a wisdom of the mysteries that has always existed. The mysteries have always revealed the evolution of humankind, as well as that of the spiritual world.
[ 10 ] Da steht vor mir das vollkommene Tier; sollte es wirklich aus einem Erdenkloß gemacht sein? Nein! Es hat sich aus dem Unvollkommenen zum Vollkommenen entwickelt. Das haben ehrliche Theoretiker auch erkannt und diese Entwicklung verfolgt vom unentwickelten Seetiere hinauf bis zum Affen. Dieselbe Entwicklung, die die körperliche Wesensform durchgemacht hat, hat auch die Seele erlitten. Auch die menschliche Seele hat sich hinaufentwickelt. Das werden wir gewahr, wenn wir einen «Wilden», der blindlings seinen Trieben und Begierden folgt und seinen Mitmenschen verzehrt, einem europäischen Kulturmenschen gegenüberstellen, der sich dem Gebot unterstellt, wenn es heißt: Das darfst du nicht tun. Dieser hat allmählich gelernt, die Pflichten an die Stelle der Begierden treten zu lassen. Von einem Durchschnittsmenschen sehen wir auf zu Schiller. Wie hoch erhaben steht der über dem Durchschnittsmenschen! Er hat seine Begierden schon abgestreift. Von da aus kommen wir zu dem höheren Menschen, der durch Frömmigkeit sich erhoben hat, wie Franz von Assisi; von da schauen wir auf die Eingeweihten wie Plato und Pythagoras. Zwischen diesen und dem gewöhnlichen Menschen ist der Unterschied genauso groß wie zwischen einem Knorpelfisch und einem Löwen.
[ 10 ] Here before me stands the perfect animal; could it really have been made from a lump of earth? No! It has evolved from the imperfect to the perfect. Honest theorists have also recognized this and traced this development from undeveloped marine animals all the way up to the ape. The same evolution that the physical form has undergone has also been experienced by the soul. The human soul, too, has evolved upward. We become aware of this when we contrast a “savage”—who blindly follows his instincts and desires and preys upon his fellow human beings—with a cultured European who submits to the commandment when it says, “You must not do that.” The latter has gradually learned to let duties take the place of desires. From an average person, we look up to Schiller. How far above the average person he stands! He has already cast off his desires. From there we come to the higher human being who has elevated himself through piety, such as Francis of Assisi; from there we look up to the initiates such as Plato and Pythagoras. The difference between them and the ordinary person is just as great as that between a cartilaginous fish and a lion.
[ 11 ] Der theosophisch Gesinnte sagt sich, dass diese Schillerseele — oder selbst die Buddhaseele — sich auch wohl zu dieser Höhe erst hinaufentwickelt hat, dass sie von uralten Zeiten dieselbe primitive Grundlage durchgemacht hat wie der heutige Wilde. So sieht er immer höhere Entwicklungsstufen vor sich. Er sieht die Möglichkeit jeder Seele vor sich, sich hinaufzuschwingen zu immer höherer Erkenntnis, zu einem ewigen Lebensziel. Was von der Seele gelebt hat vor der Geburt und was nach dem Tode weiterleben wird, lebt auch heute in uns. Warum wir diese Seele nicht sehen? Weil uns die Organe zum Wahrnehmen fehlen. Leben und Wahrnehmen ist zweierlei; dazwischen besteht ein großer Unterschied. Der Blinde lebt auch, aber er nimmt nicht wahr. Wenn der Mensch die Seele in sich und die Seelen um sich nicht wahrnimmt, so kommt das daher, dass ihm die Organe zum Wahrnehmen fehlen. Aber im Menschen können diese Organe geweckt werden. Wie der Blinde sehend wird, wenn ihm der Star gestochen wird, so können auch im Menschen die höheren Wahrnehmungsorgane geweckt werden, und dann kann er aus eigener Anschauung wahrnehmen, und dann kann er hineinwandern in die höheren Welten.
[ 11 ] The theosophically minded person tells himself that this Schillerian soul—or even the Buddha soul—has likely also only just evolved to this level, that from time immemorial it has passed through the same primitive stage as today’s primitive man. Thus, he envisions ever higher stages of development. They envision the possibility for every soul to rise to ever higher levels of knowledge, toward an eternal goal in life. What the soul experienced before birth and what will continue to live on after death also lives within us today. Why can’t we see this soul? Because we lack the faculties to perceive it. Living and perceiving are two different things; there is a great difference between them. The blind person also lives, but he does not perceive. If a person does not perceive the soul within himself or the souls around him, it is because he lacks the organs of perception. But these faculties can be awakened in human beings. Just as a blind person regains sight when the cataract is removed, so too can the higher faculties of perception be awakened in human beings, and then they can perceive through their own direct experience, and then they can journey into the higher worlds.
[ 12 ] Zunächst geschieht dies im Schlafzustand, wenn der Körper von getaner Arbeit ausruht. Allmählich übermittelt dann das Gehirn dem Verstand, was der Geist im Schlaf wahrgenommen hat, und dieser lernt sich auch in den höheren Welten zurechtfinden. Die Sinnenwelt umhüllt uns mit Finsternis. Kein Mensch kann sagen, wenn er vernünftig ist, dass die innere Natur des Menschen tot sei; aber er nimmt sie nicht wahr. Es ist aber die Möglichkeit vorhanden, sie wahrnehmbar zu machen. Wie sich dem Blindgeborenen nach der Operation eine ganz neue Welt von Licht und Farben auftut, so geht es dem Menschen, dem durch Übung das geistige Auge und Ohr geöffnet wird; die tiefe Nacht, die ihn umgibt, erhellt sich allmählich und fängt an, die geistigen Dinge, die ihn umgeben, wahrzunehmen. Ist so das innere Leben des Menschen erweckt, so wird für ihn die ganze Natur lebendig. Er findet die Seele des Waldes, die Pflanzenseele, die ganze Welt ist für ihn beseelt.
[ 12 ] At first, this occurs during sleep, when the body rests after a day’s work. Gradually, the brain conveys to the intellect what the spirit has perceived during sleep, and the intellect learns to find its way even in the higher worlds. The sensory world envelops us in darkness. No reasonable person can say that the inner nature of the human being is dead; yet they do not perceive it. However, it is possible to make it perceptible. Just as a whole new world of light and colors opens up to someone born blind after surgery, so it is for the person whose spiritual eye and ear are opened through practice; the deep night that surrounds him gradually brightens, and he begins to perceive the spiritual things that surround him. Once a person’s inner life has been awakened in this way, the whole of nature comes alive for him. He discovers the soul of the forest, the soul of the plants; the whole world is animated for him.
[ 13 ] Mancher wird sagen: Davon weiß ich nichts. Mag sein; aber der ist ein schlechter Kritiker, der etwas beurteilen will, von dem er nichts weiß. Nur wer selbst gesehen hat, kann es beurteilen.
[ 13 ] Some might say, “I don’t know anything about that.” That may be so; but anyone who tries to judge something they know nothing about is a poor critic. Only those who have seen it for themselves can judge it.
[ 14 ] Welche Welt ist das, die der Mensch so betritt? Es ist dieselbe Welt, die der gewöhnliche Mensch mit dem Tode betritt. Der Hellseher betritt sie bewusst, die Welt, die man sonst nur nach dem Tode betritt. Für ihn ist der Tod nur eine Veränderung im Leben. Für den, der nicht sehen kann, ist das Fortleben nach dem Tode eine Glaubenssache; mancher leugnet die Tatsache. Für den, der sehen kann, schwindet aller Zweifel; für ihn ist der Tod nur das Ablegen des körperlichen Kleides; für den, der das Wahrnehmungsorgan hat, ist die Seele genauso da wie vorher.
[ 14 ] What kind of world is this that a person enters? It is the same world that the average person enters upon death. The clairvoyant enters it consciously—the world that one otherwise enters only after death. For him, death is merely a change in life. For those who cannot see, life after death is a matter of faith; some deny its existence. For those who can see, all doubt vanishes; for them, death is merely the shedding of the physical body; for those who possess the organ of perception, the soul is just as present as before.
[ 15 ] Worauf es also ankommt, ist, dass wir uns Organe schaffen und die eigene Seele emporentwickeln zur geistigen Welt, zu den entkörperten Seelen. Alles wird sich durchringen, alle werden Genossen, Bürger der geistigen Welt werden; aber es geht nur langsam vonstatten. Darum wird allen zugerufen: Entwickle deine Seele! Heute sind es freilich erst wenige, die hinausgewachsen sind über die Durchschnittsmenschheit und die aus eigener Erfahrung Kunde bringen von den höheren Welten. Aber heute soll durch die theosophische Weltanschauung diese Kunde allen Menschen gebracht werden.
[ 15 ] What matters, then, is that we create organs for ourselves and elevate our own souls to the spiritual world, to the disembodied souls. Everything will come to pass; everyone will become a fellow traveler, a citizen of the spiritual world; but this process proceeds only slowly. That is why the call goes out to all: Develop your soul! Today, of course, there are only a few who have risen above the average human being and who bear witness to the higher worlds from their own experience. But today, through the Theosophical worldview, this message is to be brought to all people.
[ 16 ] Das Anhören von den Erzählungen von der Entwicklung der Seele ist die erste Stufe, die zur Entwicklung des eigenen seelischen Lebens dient. Die Kenntnisnahme von theosophischen Lehren ist ein ganz anderes Ding als das wissenschaftliche Lernen. Es ist ein großer Unterschied, ob ich ein gewöhnliches Buch lese - wenn ich Kenntnis von seinem Inhalt genommen, so hat es mir das gegeben, was es geben sollte —, lese ich aber ein theosophisches Buch, so gibt dieses mir in besonderer Weise geistige Nahrung; indem es in mir Gedankenmächte rege macht, zündet es ein Feuer an in meiner Seele. Und diese Gedankenmächte sind Leben spendend, indem sie die schlummernden Kräfte in der Seele wachrufen. Und somit ist das Lesen eines theosophischen Buches oder das Anhören eines theosophischen Vortrags der erste Schritt zur eigenen, selbstständigen Erkenntnis. Und wie der erste Schritt auf diesem ersten Wege zur Erkenntnis höherer Welten bei vollem Tagesbewusstsein geschieht, so wird jeder Schritt vorwärts bei hellem Tagesbewusstsein gemacht.
[ 16 ] Listening to the stories about the evolution of the soul is the first step toward developing one’s own spiritual life. Acquiring knowledge of theosophical teachings is quite different from scientific learning. There is a great difference between reading an ordinary book—once I have taken in its content, it has given me what it was meant to give—and reading a theosophical book, which provides me with spiritual nourishment in a special way; by awakening the powers of thought within me, it kindles a fire in my soul. And these powers of thought are life-giving, for they awaken the dormant forces within the soul. Thus, reading a theosophical book or listening to a theosophical lecture is the first step toward one’s own independent realization. And just as the first step on this initial path to the realization of higher worlds takes place in full daylight consciousness, so every step forward is taken in clear daylight consciousness.
[ 17 ] Wenn auch der Mensch zunächst seine Erfahrungen nachts im Schlafe macht, so nimmt er doch die Wahrnehmungen mit ins helle Tagesbewusstsein und ist von morgens bis abends wach. Bei seiner Weiterentwicklung in die höheren Welten hinein wird er auch imstande sein, das geistige Licht, das uns stets umgibt, auch bei Tage zu schauen. Beim wahren, richtigen Hellsehen muss der Mensch fest und sicher bewusst im Mittelpunkt stehen. Nur ein ganz vernünftiger Mensch kann diesen Weg betreten; denn nur ein solcher kann jeden Schritt vorwärts vernunftmäßig erfassen und logisch durchdenken. Das ist das Hellsehen, zu dem die Theosophie den Menschen führen will.
[ 17 ] Although human beings initially have their experiences at night while asleep, they carry these perceptions into their clear daytime consciousness and remain awake from morning until evening. As they continue to develop into the higher worlds, they will also be able to see the spiritual light that constantly surrounds us, even during the day. In true, genuine clairvoyance, a person must remain firmly and confidently centered in their consciousness. Only a truly rational person can embark on this path; for only such a person can rationally grasp and logically think through every step forward. This is the clairvoyance to which Theosophy seeks to lead humanity.
[ 18 ] Man kann auch ein gewisses Hellsehen erlangen dadurch, dass das Bewusstsein heruntergestimmt wird. Die Seelen sind fortwährend um uns herum; für den Hellseher im obigen Sinn ist das Geisteslicht durch das Lampen- oder Tageslicht nicht ausgelöscht. Für einen anderen Grad von Hellsehen ist es nötig, das Lampenlicht zu dämpfen, damit das schwächere Licht erkennbar wird. Machen wir uns das klar. Wenn wir ein kleines Licht erkennen wollen, das vom hellen Lampenlicht überstrahlt wird, so können wir unseren Zweck auf zweierlei Weise erreichen. Einmal können wir das Lampenlicht dämpfen, damit das schwächere Licht in der Finsternis scheine, oder aber wir können das kleine Licht - oder Feuer — so anfachen, dass es die Flamme des Lampenlichts überstrahlt. Letzteres tut der theosophisch geschulte Hellseher. Bei vollem Tagesbewusstsein kann er das Licht leuchten machen, ob Tageslicht oder Lampenlicht oder Finsternis ihn umgibt. Anders verhält es sich mit den Medien, bei denen ein Hellsehen anderer Art auftritt, nicht im hellen Tagesbewusstsein, sondern in Trance. Also in einem Zustand, wo das Tagesbewusstsein ausgelöscht ist; da ist der Seele die Möglichkeit gegeben, das Zwischenlicht zu sehen, weil das wache Sinnenbewusstsein in Finsternis versenkt ist. Beim Hellseher wird die Welt, die sonst Finsternis ist, hell. Bei dem Medium fängt diese Welt an zu leuchten, wenn das Sichtbare für dasselbe unsichtbar geworden ist. Die beiden anderen Gebiete nun haben es nicht mit dem wachen Tagesbewusstsein zu tun; sie appellieren an das Trance-Bewusstsein.
[ 18 ] One can also attain a certain degree of clairvoyance by lowering one’s level of consciousness. Souls are constantly around us; for the clairvoyant in the sense described above, the light of the spirit is not extinguished by lamplight or daylight. For another degree of clairvoyance, it is necessary to dim the lamplight so that the fainter light becomes visible. Let us be clear about this. If we want to perceive a small light that is overshadowed by the bright lamplight, we can achieve our purpose in two ways. First, we can dim the lamp light so that the fainter light shines in the darkness, or we can stoke the small light—or fire—so that it outshines the flame of the lamp. The latter is what the theosophically trained clairvoyant does. While fully conscious, he can make the light shine, whether he is surrounded by daylight, lamplight, or darkness. The situation is different with mediums, who experience a different kind of clairvoyance—not in full waking consciousness, but in a trance. That is, in a state where waking consciousness is suspended; there, the soul is given the opportunity to see the “intermediate light” because the waking sensory consciousness is plunged into darkness. For the clairvoyant, the world—which is otherwise darkness—becomes bright. For the medium, this world begins to glow when the visible has become invisible to them. The other two realms, however, have nothing to do with waking daytime consciousness; they appeal to trance consciousness.
[ 19 ] Wir kommen nun zur Hypnose. Durch irgendetwas wird das Bewusstsein des Menschen so herabgestimmt, dass er seine Handlungen nicht mehr kontrollieren kann; in verschiedenen Graden wird das helle Tagesbewusstsein herabgestimmt. Einen solchen Einfluss hat die Suggestion auf den Menschen. Der Mann, zu dem gesagt wird: Hier hast du eine Birne, während ihm eine Kartoffel in die Hand gegeben wird, hat nicht die Anschauungsfähigkeit verloren; er kann hören und sehen, aber er hat die Fähigkeit verloren, die Vorstellungen durch das Ohr und das Auge zu kontrollieren. Das Bewusstsein ist in dem Grade herabgestimmt, dass er nur noch Empfänglichkeit hat für das, was Sie ihm sagen. Solange er wach ist, kann er sagen und tun, was er will; da kann er seine Handlungen kontrollieren. Nun, da das wache Tagesbewusstsein eingedämmert ist, ist das seelische Bewusstsein noch da. Durch verschiedene Mittel kann man einen Menschen in einen solchen Zustand versetzen, zum Beispiel durch das Anschauen eines glänzenden Gegenstandes. Ist das Bewusstsein bis auf einen gewissen Grad herabgestimmt, so ist der Mensch ein brauchbares Objekt für Suggestion. Er tut dann Dinge, die er, wenn er wach wäre, nicht tun würde, zum Beispiel wie ein Hund auf allen vieren kriechen und bellen. Er hört, was gesprochen wird, kann aber keinen Sinn damit verbinden. Aber auch ohne solche Mittel kann die Suggestion ausgeführt werden. Man nennt das Verbal-Suggestion oder Suggestions-Hypnose, und viele gegenwärtige Forscher meinen, dass alles aus solchen Verbal-Suggestionen hervorgeht. Was uns wunderbar erschien — das Bellen des hypnotisierten Menschen —, erscheint uns jetzt nicht mehr wunderbar, da wir gesehen haben, dass, wenn das physisch-sinnliche Bewusstsein ausgelöscht oder gedämpft ist, der seelisch-geistige Rapport von Seele zu Seele hergestellt worden ist.
[ 19 ] We now come to hypnosis. Something causes a person’s consciousness to be subdued to such an extent that he can no longer control his actions; to varying degrees, his clear waking consciousness is subdued. Suggestion has this kind of effect on a person. The man who is told, “Here is a pear,” while a potato is placed in his hand, has not lost his ability to perceive; he can hear and see, but he has lost the ability to control the impressions received through his ears and eyes. His consciousness is so subdued that he is now only receptive to what you tell him. As long as he is awake, he can say and do whatever he wants; he can control his actions. Now that waking daytime consciousness has subsided, the psychological consciousness is still present. A person can be brought into such a state by various means, for example, by looking at a shiny object. Once consciousness has been subdued to a certain degree, the person becomes a suitable subject for suggestion. They then do things they would not do if they were awake—for example, crawling on all fours like a dog and barking. They hear what is being said but cannot make sense of it. Yet suggestion can be induced even without such means. This is called verbal suggestion or suggestive hypnosis, and many contemporary researchers believe that everything stems from such verbal suggestions. What seemed marvelous to us—the barking of the hypnotized person—no longer seems marvelous to us, since we have seen that when physical-sensory consciousness is extinguished or subdued, a psychological-spiritual rapport is established from soul to soul.
[ 20 ] Wenn man mit wachem Verstand durchs Leben geht, so kann man diesen Rapport von Seele zu Seele vielfach im täglichen Leben beobachten. Nicht nur das, was wir hören und sehen, wirkt auf uns ein; die Seelen wirken direkt aufeinander; daraus erklärt sich auch die sonst unerklärliche Sympathie und Antipathie. Vieles beruht aber auf Suggestion. Wer das Wirken der Seele beobachtet, wird sich auch dadurch die gewaltige Einwirkung erklären, die mancher Redner ausübt auf die Masse, obwohl er nichts weniger als logische Gründe anführt für seine Überzeugung. Das sind so feine Suggestionswirkungen. Interessante Beobachtungen kann man auf diesem Gebiet anstellen. Der bekannte Theaterdirektor Laube übte eine solche feine Suggestionswirkung auf das Publikum aus. Den großen Schauspieler Sonnenthal und die Wolter hat er auf die Höhe gebracht. Zuerst wollte das Publikum nichts von ihnen wissen; aber Laube war seiner Sache gewiss. Er sagte: Heute noch nicht, aber sie werden sie schon fressen! — Die Wiener haben erst gelacht, dann gehöhnt, aber endlich erkannten sie auch die Größe der vorzüglichen Schauspieler an. Durch das fortgesetzte Anhören wurde die Gegenstimmung des Publikums eingeschläfert und sie wurden empfänglich für den Eindruck, den die großen Schauspieler auf sie ausübten.
[ 20 ] If one goes through life with a clear mind, one can observe this soul-to-soul connection in many ways in daily life. It is not only what we hear and see that affects us; souls influence one another directly; this also explains the otherwise inexplicable feelings of sympathy and antipathy. Much of this, however, is based on suggestion. Anyone who observes the workings of the soul will also be able to explain the powerful influence that some speakers exert on the masses, even though they offer nothing less than logical reasons for their convictions. These are such subtle effects of suggestion. One can make interesting observations in this area. The well-known theater director Laube exerted such a subtle influence through suggestion on the audience. He brought the great actor Sonnenthal and Wolter to the height of their fame. At first, the audience wanted nothing to do with them; but Laube was certain of his cause. He said: “Not today, but they’ll be eating them up!” — The Viennese first laughed, then jeered, but eventually they, too, recognized the greatness of these outstanding actors. Through continued exposure, the audience’s resistance was lulled, and they became receptive to the impression the great actors made on them.
[ 21 ] Wie verhält sich nun die Wissenschaft zu den Suggestionserscheinungen? Wilhelm Wundt, der von manchen Wissenschaftlern fast wie ein Gott verehrt wird, konnte zwar die Tatsachen nicht leugnen, aber er suchte und fand auch keine genügende Erklärung dafür. Er erkannte, dass ein Teil des Gehirns bei der Hypnose ausgeschaltet war, aber eine wissenschaftliche Erklärung konnte er dafür nicht geben und zuckte die Achseln, weil er nicht an die Existenz der Seele glaubte. Seine Schüler suchten der Existenz der Seele und ihren Wirkungen auf die Spur zu kommen.
[ 21 ] So how does science view these phenomena of suggestion? Wilhelm Wundt, who is revered by some scientists almost as a god, could not deny the facts, but he neither sought nor found a satisfactory explanation for them. He recognized that a part of the brain was shut down during hypnosis, but he could not provide a scientific explanation for it and shrugged his shoulders because he did not believe in the existence of the soul. His students sought to uncover the existence of the soul and its effects.
[ 22 ] Der Vorwelt waren die Suggestionswirkungen wohl bekannt. [Kircher] hat sie 1646 seinen Mitmenschen schon bewiesen durch ein einfaches Experiment. Er nahm ein Huhn, setzte es auf den Tisch, stieß es mit seinem Kopf ein paar Mal auf die Tischplatte, zog dann einen geraden Kreidestrich auf dem Tisch, und das Huhn ging gehorsam diesen Strich entlang, ohne daran zu denken wegzufliegen. — Bekannt ist auch der bäuerliche Gebrauch, um die Gänse, die nicht weglaufen sollen, einen dicken Kreis von Kreide zu zichen; aus diesem wagt sich keine heraus.
[ 22 ] The effects of suggestion were well known in the past. [Kircher] demonstrated them to his contemporaries as early as 1646 through a simple experiment. He took a chicken, placed it on the table, tapped its head against the tabletop a few times, then drew a straight line with chalk on the table, and the chicken obediently walked along this line without even thinking of flying away. — It is also well known that farmers draw a thick circle of chalk around geese to keep them from running away; none of them dares to step outside it.
[ 23 ] Die Kenntnis von Suggestionswirkungen war lange Zeit unter dem Schutt vergraben, bis der halbe Scharlatan Hansen sie wieder aufgedeckt hat. Die Gelehrten verhalten sich meist abweisend gegen die ihnen neuen Erscheinungen. Doch fanden sich auch vorurteilsfreie Männer, besonders Ärzte, die sich näher mit der Sache befassten und bald merkten, dass gerade für sie sich hier eine ganz neue Bahn eröffnete. Hatte man vorher geglaubt, die Seele habe mit dem Körper nichts zu tun, so kam man allmählich zu der Überzeugung, dass die Irrtümer der Seele gar schädlich auf den Körper wirken. Die kranken Körper sind aufgebaut durch Irrtümer der Seele, die gesunden Körper sind aufgebaut durch gesunde Seelen.
[ 23 ] Knowledge of the effects of suggestion had long been buried under the rubble until that half-charlatan Hansen unearthed it again. Scholars generally react with skepticism toward phenomena that are new to them. Yet there were also open-minded individuals—especially physicians—who examined the matter more closely and soon realized that a whole new field was opening up for them. Whereas it had previously been believed that the soul had nothing to do with the body, people gradually came to the conviction that the errors of the soul actually have a harmful effect on the body. Sick bodies are built up by the errors of the soul; healthy bodies are built up by healthy souls.
[ 24 ] Sie alle, die Sie hier versammelt sind, werden den Spiritismus, das dritte Gebiet, zu dem wir uns wenden wollen, nicht bestreiten können und wollen. Also brauchen wir uns mit Beweisen für die wirkliche Existenz desselben nicht aufzuhalten. Wenn wir die Spiritisten betrachten, so wird uns etwas auffallen. Die meisten sind durchaus leichtgläubig, wenn es sich um die Geister handelt, die man sehen will, und schwergläubig, wenn es sich um den Geist handelt, der im Menschen lebt.
[ 24 ] All of you gathered here will neither be able nor willing to dispute spiritualism, the third area we intend to address. Therefore, we need not dwell on evidence of its actual existence. When we consider spiritualists, something will strike us. Most are quite gullible when it comes to the spirits they hope to see, yet skeptical when it comes to the spirit that lives within human beings.
[ 25 ] Ihr Spiritisten wollt den Geist bewiesen haben! Bereichert euch doch am Erkennen eures eigenen Geistes! Ihr tut wirklich in eurem gewöhnlichen Leben oft viel Gescheiteres, als euch an den Tisch zu setzen, um euch mit abgeschiedenen Geistern zu unterhalten!
[ 25 ] You spiritualists claim to have proven the existence of spirits! Why not enrich yourselves by getting to know your own spirits instead? In your everyday lives, you often do much wiser things than sitting down at a table to converse with departed spirits!
[ 26 ] Wenn neun Menschen um einen Tisch sitzen, so sind neun Geister anwesend, und es scheint mir viel nützlicher, wenn diese neun Geister sich miteinander unterhalten, als dass sie fremde Geister herbeirufen, um sich mit denen zu unterhalten. Indem der Spiritismus bekannt ist, weiß man, dass viel Schwindel dabei getrieben wird; aber man weiß auch, dass viele interessante Erscheinungen dabei vorkommen.
[ 26 ] When nine people sit around a table, nine spirits are present, and it seems to me much more useful for these nine spirits to converse with one another than for them to summon foreign spirits to converse with them. Since spiritualism is well known, it is understood that a great deal of fraud takes place in connection with it; but it is also known that many interesting phenomena occur.
[ 27 ] Für den Theosophen tritt nun die Frage auf, ob es angemessen ist, sich so der geistigen Welt zu nähern. Für den Hellseher sind die entkörperten Seelen selbstverständlich Genossen, und er rät dem Menschen, seine eigene Seele so zu entwickeln, dass er auch sehend werde. Der Spiritist sagt: Warum soll ich anders werden als ich bin? Das kann ich mir sparen; meinen Geist entwickeln, mag ich nicht. - Der Spiritist trachtet danach, dass der Geist sich ihm manifestiert. Der Theosoph will sich zum Geist hinaufentwickeln, dass er durch die eigene Seele den Geist erfährt.
[ 27 ] For the theosophist, the question now arises as to whether it is appropriate to approach the spiritual world in this way. For the clairvoyant, the disembodied souls are, of course, companions, and he advises people to develop their own souls so that they, too, may become clairvoyant. The spiritualist says: Why should I become anything other than what I am? I can spare myself that; I have no desire to develop my spirit. — The spiritualist seeks for the spirit to manifest itself to him. The theosophist seeks to evolve upward toward the spirit so that he may experience the spirit through his own soul.
[ 28 ] Die Spiritisten sind Materialisten. Sie sagen: Was gehen mich die geistigen Welten an? Ich will sehen! - Der Spiritismus ist entstanden als eine Reaktion gegen den Materialismus. An das Materielle glaubten die Menschen, nach dem Geistigen sehnten sie sich. Und so wollten sie auch den Geist materiell sichtbar machen. Das erwies sich nicht als nützlich für die Menschenkultur. Was nötig war, war dieses: noch tiefer heruntersteigen, um die Welt begreifen zu lernen aus sich selbst heraus. Indem die Spiritisten versuchen, den Geist zu sich herabzuziehen, verlieren sie alle Kontrolle über die geistige Welt. Eines ist klar: Nur wer seinen vernünftigen Verstand behält, kann richtig urteilen.
[ 28 ] Spiritists are materialists. They say: What do the spiritual worlds have to do with me? I want to see! — Spiritism arose as a reaction against materialism. People believed in the material world, yet they longed for the spiritual. And so they also wanted to make the spirit materially visible. This did not prove beneficial for human culture. What was needed was this: to descend even deeper in order to learn to comprehend the world from within oneself. By attempting to draw the spirit down to themselves, spiritualists lose all control over the spiritual world. One thing is clear: only those who retain their rational mind can judge correctly.
[ 29 ] Durch die spiritistischen Sitzungen wird die Neugierde aufgestachelt, und Neugierde ist Egoismus. Es soll nicht verkannt werden, dass viele von edlen Motiven getrieben werden und dass sie es gut meinen. Aber im Ganzen kann die Sache nicht moralisierend wirken, da sie in den krassesten Materialismus hineintreibt, indem man sogar die Geister materialisieren will. Zum Glück hat sich eine große Anzahl von Spiritisten in die theosophische Bewegung hereingerettet.
[ 29 ] Spiritualist séances stir up curiosity, and curiosity is selfishness. It should not be overlooked that many are driven by noble motives and mean well. But on the whole, the practice cannot be viewed in a moral light, since it leads to the most blatant materialism—even to the point of attempting to materialize spirits. Fortunately, a large number of spiritualists have found refuge in the Theosophical Movement.
[ 30 ] In dieser Wissenschaft wird jeder Schritt vorwärts durch den logischen Verstand kontrolliert. Was ist es nun, was in den spiritistischen Sitzungen passieren kann? Wenn der Mensch tot ist, legt er seinen physischen Leib ab; der Leichnam verwest; auch der Ä[hcrkölpcr verlässt ihn, und dieser löst sich bald nach dem Tode auf. Dem Menschen bleibt dann noch der Astralleib; viel, viel später legt er auch diesen ab, wenn er ins Devachan eingeht. Dann hinterlässt er im Kamaloka einen Astralleichnam. Dieser besitzt keine Intelligenz, aber er kann noch automatenhaft antworten auf Fragen. Diese Schatten sind es, die sich sehr häufig manifestieren. Es ist unsinnig, sich an die astralen Leichname zu wenden. Das Phänomen kann richtig sein, aber der Mensch kann es nicht beurteilen. In anderen Fällen hat man es überhaupt nicht mit menschlichen Wesen zu tun. Es fanden auch häufig Verwechslungen statt. Es lässt sich in etwas mit dem Telefon vergleichen; da hört man eine Stimme, sieht aber den nicht, der spricht. Da kann auch eine Verwechslung der Stimmen vorkommen. Man spricht zu einer anderen Person, als man glaubt. So und noch viel schlimmer geht es in der geistigen Welt her. Da ist alles unsicher; nichts gibt uns genügend Garantie. Alles ist dem klaren Tagesbewusstsein entzogen.
[ 30 ] In this science, every step forward is guided by logical reasoning. What, then, can happen during spiritualist séances? When a person dies, they shed their physical body; the corpse decays; the etheric body also leaves it, and this dissolves shortly after death. The person is then left with the astral body; much, much later, he sheds this as well when he enters Devachan. He then leaves behind an astral corpse in Kamaloka. This corpse possesses no intelligence, but it can still respond to questions in an automaton-like manner. It is these shadows that manifest very frequently. It is pointless to address astral corpses. The phenomenon may be genuine, but a person cannot judge it. In other cases, one is not dealing with human beings at all. Confusions have also frequently occurred. It can be compared in some ways to the telephone; there, one hears a voice but does not see the person speaking. There, too, a confusion of voices can occur. You end up speaking to a different person than you think. Things are like that—and even much worse—in the spiritual world. Everything there is uncertain; nothing offers us sufficient assurance. Everything is beyond the reach of clear daytime consciousness.
[ 31 ] So steht die Theosophie zu den anderen zwei Gebieten. Die ersten Materialisten behaupteten, es könne kein Stein vom Himmel fallen. Und jetzt finden wir in jedem naturhistorischen Museum Meteorsteine.
[ 31 ] This is how theosophy relates to the other two fields. The early materialists claimed that no stone could fall from the sky. And yet today we find meteorites in every natural history museum.
[ 32 ] Wenn wir die Hypnose betrachten, so sehen wir, dass die Gelehrtenwelt durchaus ablehnend, ja spottend und feindlich sich dagegen verhielt. Doch allmählich sind die Gelehrten von der Hypnose herangebändigt worden, die Erscheinungen zu registrieren, und der Hypnotismus hat sich Respekt zu verschaffen gewusst.
[ 32 ] When we consider hypnosis, we see that the academic world initially reacted with outright rejection—even ridicule and hostility—toward it. Gradually, however, hypnosis has persuaded scholars to take note of its phenomena, and hypnotism has managed to earn respect.
[ 33 ] Die Spiritisten, die sich so sehr nach Gewissheit sehnen, werden häufig zu Fanatikern; aber ein klein wenig hat der materialistische Spiritismus doch dazu gedient, das Geheimnisvolle der unsichtbaren Welt zu enthüllen.
[ 33 ] Spiritualists, who long so much for certainty, often become fanatics; but materialistic spiritualism has, at least to a small extent, served to unveil the mysteries of the invisible world.
Geheimnisvoll am lichten Tag
Lässt sich Natur des Schleiers nicht berauben,
Mysterious in Broad Daylight
Nature cannot be stripped of its veil,
[ 34 ] sagt Goethe, und Goethe war Theosoph.
[ 34 ] says Goethe, and Goethe was a theosophist.
[ 35 ] Die Gelehrten lassen sich nur auf das ein, was sie registrieren können; bei ihnen gelten nur Zahlenreihen und Prozente. Ein klein wenig erreichen sie, und viele der Forscher weichen davon doch ab. Sie untersuchen die Phänomene auf ihre Echtheit hin mit der größten Genauigkeit. Ob sie auf diese Weise dem Geist auf die Spur kommen: Einstweilen mag ihr wissenschaftliches Treiben ganz gut sein, bis sie lernen, den einzig richtigen Weg zur Erkenntnis einzuschlagen.
[ 35 ] Scholars limit themselves to what they can record; for them, only numerical series and percentages matter. They achieve very little, and many researchers deviate from this approach anyway. They examine phenomena for their authenticity with the utmost precision. Whether they can trace the spirit in this way remains to be seen: For the time being, their scientific pursuits may be quite good, until they learn to take the only true path to knowledge.
[ 36 ] Die theosophische Weltanschauung führt den Menschen wirklich zu Höherem herauf. In heller, lichter Klarheit will sie den Menschen führen und ihm den Beweis bringen, dass all sein Sehnen nach Klarheit gestillt werden kann, wie Goethe aus der eigenen geistigen Erkenntnis heraus sagte:
[ 36 ] The theosophical worldview truly lifts people up to higher realms. It seeks to guide people with bright, clear insight and to prove to them that all their longing for clarity can be satisfied, as Goethe said from his own spiritual insight:
Die Geisterwelt ist nicht verschlossen, Dein Sinn ist zu; dein Herz ist tot. Auf, bade, Schüler, unverdrossen
Die ird’sche Brust im Morgenrot!
The spirit world is not closed off, Your mind is closed; your heart is dead. Come, bathe, disciple, undaunted
Your earthly breast in the morning glow!
