The Nature of Man
in the Light of Spiritual Science
GA 68d
10 January 1907, Berlin
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The Nature of Man in the Light of Spiritual Science, tr. SOL
8. Die Erziehung des Kindes vom Standpunkte der Geisteswissenschaft
8. The Education of the Child from the Perspective of Spiritual Science
[ 1 ] Oftmals ist bei anderen Gelegenheiten hier betont worden, dass das, was man Geisteswissenschaft oder in der neueren Zeit Theosophie nennt, dass das durchaus nicht irgendwelche in Weltenfernen schwebende Theorien sind, dass die Theosophie nicht bloß die Neugierde nach höheren Welten befriedigen will. Nichts Weltfernes, nichts Weltfremdes soll die Theosophie sein. Wenn sie ihre Aufgabe, ihre Mission erfüllen will, muss sie die Kräfte und die Impulse zu ihrer Arbeit aus den höheren Welten sich holen, und ihre Arbeit zu ihrem Ziele und ihrer Mission, sie muss geschehen unter der Autorität dieser Kräfte. Nur dann kann sie helfend wirken an der Fortentwicklung und zum Heil der Menschheit. Es wäre ein ziemlich müßiges Wissen um die höheren Welten, wenn man es nicht praktisch verwerten, nicht aufs Leben anwenden wollte. Denn niemand kann das Leben verstehen, der nicht die tieferen Kräfte kennt, die ihm zugrunde liegen. Diese Kräfte liegen nicht an der Oberfläche, sie liegen in der Tiefe verborgen. Wie Eisen zunächst, wenn man es von außen als eine Substanz ansieht, nicht verrät, dass es Elektrizität in sich enthält, die sich erst durch Reiben bemerkbar macht, wie diese Kräfte im Eisen schlummern und erst aus ihm herausgeholt werden müssen, so auch müssen wir wissen, dass es höhere Kräfte, geistige Wesenheiten gibt, die hinter der sinnlichen Welt wirken. Wollten wir am Fortschrittsdienst der Menschheit arbeiten, ohne diese verborgenen Wirklichkeiten zu kennen, so könnte das nur ein oberflächliches Arbeiten sein. Ersprießliche Arbeit ist nur dann möglich, wenn wir die tiefer liegenden Kräfte und Wesenheiten erforschen.
[ 1 ] It has often been emphasized here on other occasions that what is called spiritual science—or, in more recent times, theosophy—is by no means merely a collection of theories floating far removed from the world, and that theosophy does not seek merely to satisfy curiosity about higher worlds. Theosophy is not meant to be anything detached from the world or alien to it. If it is to fulfill its task, its mission, it must draw the forces and impulses for its work from the higher worlds, and its work—toward its goal and mission—must be carried out under the authority of these forces. Only then can it contribute to the further development and salvation of humanity. Knowledge of the higher worlds would be quite futile if one did not seek to put it to practical use or apply it to life. For no one can understand life who does not know the deeper forces that underlie it. These forces do not lie on the surface; they are hidden in the depths. Just as iron, when viewed from the outside as a substance, does not at first reveal that it contains electricity—which only becomes apparent through friction—and just as these forces lie dormant within iron and must first be drawn out of it, so too must we know that there are higher forces, spiritual beings, working behind the sensory world. If we were to work for the advancement of humanity without knowing these hidden realities, our work could only be superficial. Fruitful work is possible only when we explore the deeper forces and beings.
[ 2 ] Klar müssen wir auch erkennen die Ziele unserer Arbeit. Wofür arbeitet der Mensch? Für die Zukunft! Nichts liegt aber im Schoße der Zukunft, was nicht schon in der Gegenwart vorhanden wäre. Sehen wir die Pflanze an. Sie trägt noch keine Blüten, noch keine Früchte. Die bringt sie erst in der Zukunft hervor. Doch die Kräfte zu diesen Blüten, zu diesen Früchten, die ruhen schon in der Pflanze. In ihr ist schon vorgebildet auf unsichtbare Art, was in der Zukunft vor sich gehen wird. Und nur weil sich der Mensch in der Regel erinnert, wie ähnliche Pflanzen Blüten und Früchte getragen haben, kann der Mensch sagen, dass diese Pflanze so und nicht anders blühen, so und nicht anders Früchte tragen wird. Könnte der Mensch aber hineinschauen in das Innere der Pflanze, dann könnte er die Kräfte schauen, die in der Pflanze wirken und gerade jene Blüten und jene Früchte erzeugen werden.
[ 2 ] Of course, we must also recognize the goals of our work. What is the purpose of human labor? The future! Yet nothing lies in the bosom of the future that is not already present in the here and now. Let’s look at the plant. It bears no flowers yet, no fruit. It will produce them only in the future. Yet the forces for these flowers, for this fruit, already lie dormant within the plant. What will take place in the future is already preformed within it in an invisible way. And it is only because humans generally remember how similar plants have borne flowers and fruit that they can say this plant will bloom in this way and not another, and bear fruit in this way and not another. But if humans could look into the innermost being of the plant, they would be able to see the forces at work within it that will produce precisely those flowers and that fruit.
[ 3 ] Etwas gibt es, was in der Zukunft ruht und was man nicht wissen kann, dessen Entwicklung man nicht vorhersehen kann, und das ist der Menschheitskörper. Was einstmals da sein wird in der physischen Welt, das ruht heute schon in der Menschheit, wie in der Pflanze die Blüte und die Frucht schon ruht. Wenn wir nicht fähig sind, hinunterzutauchen in das, was heute im Schoß der Menschheit schlummert, können wir nicht zu Herrschern werden über die Kräfte, die erst in der Zukunft sich entfalten werden. Wer da mitarbeiten will an der Entwicklung der Menschheit, der wirkt dadurch auf etwas, was noch nicht dagewesen ist, und wer das treffen will, der muss unter die Oberfläche hinuntersteigen. Die theosophische Weltanschauung muss sich diese Aufgabe stellen, muss sie in der Praxis ausführen.
[ 3 ] There is something that lies dormant in the future, something we cannot know and whose development we cannot foresee, and that is the body of humanity. What will one day exist in the physical world already lies dormant within humanity today, just as the flower and the fruit already lie dormant within the plant. If we are not capable of delving into what lies dormant today in the bosom of humanity, we cannot become masters of the forces that will unfold only in the future. Whoever wishes to contribute to the development of humanity thereby acts upon something that has not yet come into being, and whoever wishes to achieve this must descend beneath the surface. The theosophical worldview must take on this task and carry it out in practice.
[ 4 ] Auf keinem Gebiete nun zeigt sich das eminent Praktische der theosophischen Weltanschauung mehr als auf dem Gebiet der Erziehung des Kindes. Im Kinde haben wir täglich sozusagen vor uns das Rätsel, das in der Zukunft verborgen liegt. Und täglich haben wir das Rätsel von Neuem zu lösen. Denn das Kind von sieben Jahren ist nicht dasselbe Kind, das es mit sechs Jahren war, und das von vierzehn oder sechzehn Jahren nicht dasselbe wie ein zwölfjähriges. Erst wenn wir im Einklang sind mit den tiefen Kräften, die im Verborgenen wirken, erst dann können wir herantreten an die zahlreichen Fragen auf dem pädagogischen Gebiet, die so brennend sind für die Menschheit von heute. Eine wirkliche Orientierung in allen diesen Fragen wird erst dann möglich sein, wenn die theosophische Anschauung den Verstand der Menschen beherrschen wird.
[ 4 ] In no other area is the eminently practical nature of the theosophical worldview more evident than in the field of child-rearing. In the child, we have before us every day, so to speak, the riddle that lies hidden in the future. And every day we must solve that riddle anew. For a seven-year-old child is not the same child he or she was at age six, and a fourteen- or sixteen-year-old is not the same as a twelve-year-old. Only when we are in harmony with the deep forces at work behind the scenes—only then can we address the numerous questions in the field of education that are so pressing for humanity today. True guidance in all these matters will be possible only when the theosophical perspective comes to dominate people’s minds.
[ 5 ] Heute wollen wir die Mission, welche die Theosophie in der modernen Kultur hat in Bezug auf die Erziehungsfragen, ein wenig näher betrachten. Dazu ist es nötig, dass wir das ganze Gefüge der menschlichen Natur kennen. Wir wissen, dass im Sinne der Geisteswissenschaft der Mensch ein kompliziertes Gebilde ist. Der materielle Körper ist für den, der tiefer hineinschaut, nur ein Teil der menschlichen Wesenheit. Dieser physische Körper vereint in sich ganz dieselben Stoffe, wie sie in der äußeren Natur auch vorhanden sind. Im Körper des Menschen sind sie vereint in höchst komplizierter Wechselwirkung. Die Naturwissenschaft sagt uns: Wenn wir eine Maschine betrachten, so sehen wir in ihr das Wirken der Stoffe, aus denen sie zusammengesetzt ist; betrachten wir aber ein lebendiges Wesen, so sehen wir kein bloßes Gefüge toter Stoffe, sondern einen Körper, der durchdrungen ist von Lebendigem, das die physischen Kräfte regelt, sie aufruft zum Leben.
[ 5 ] Today we want to take a closer look at the mission that Theosophy has in modern culture with regard to educational issues. To do this, we need to understand the entire structure of human nature. We know that, from the perspective of spiritual science, the human being is a complex entity. To the observer who looks more deeply, the physical body is only one part of the human being. This physical body contains the very same substances that are also present in the external natural world. In the human body, these substances are united in a highly complex interplay. Natural science tells us: When we look at a machine, we see in it the action of the substances of which it is composed; but when we look at a living being, we see not merely a structure of inanimate substances, but a body permeated by life, which regulates the physical forces and calls them to life.
[ 6 ] Dieses Lebendige bezeichnete eine frühere Wissenschaft als «Lebenskraft». Doch die heutige materialistische Wissenschaft behauptet, eine «Lebenskraft» gibt es nicht, die Stoffe entwickeln in sich selbst das Leben. Immerhin kommt man in neuerer Zeit bereits schon wieder zurück von diesem Standpunkt. Man sieht, dass man doch mit dieser Theorie nicht weit kommt, dass man doch rechnen muss mit einer Art Lebenskraft, um das Lebendige zu erklären. Aber auch in diesem Sinne der neueren Naturwissenschaften spricht die theosophische Anschauungsweise nicht, wenn sie von dem zweiten Glied des Menschen, dem Äther- oder Lebensleib, spricht. Sie beschäftigt sich nicht mit dem bloßen Theoretisieren, sie spekuliert nicht, sondern ihr Weg ist der, im Menschen selbst das höhere Schauen zu entwickeln. So wie für den Menschen andere Wesenheiten auf der Welt nur vorhanden sind, wenn der Mensch die Organe besitzt, um diese Wesenheiten wahrzunehmen, so wie er Licht und Farbe nur wahrnimmt, wenn er das Auge dafür besitzt, so wie er Töne nur wahrnimmt, wenn er das Ohr dafür besitzt, so sind für den Menschen die höheren Wesenheiten nur vorhanden, wenn er Organe, um sie wahrzunehmen, in sich entwickelt hat durch die Schulung, von der öfters hier die Rede war.
[ 6 ] An earlier science referred to this living quality as the “life force.” Yet today’s materialistic science claims that there is no such thing as a “life force”—that matter develops life within itself. Nevertheless, in recent times, there has already been a return from this standpoint. It has become clear that this theory does not take us very far, and that we must still account for a kind of life force in order to explain living beings. Yet even in this sense, as understood by modern natural sciences, the theosophical perspective does not align when it speaks of the second member of the human being—the etheric or life body. It does not engage in mere theorizing; it does not speculate; rather, its path is to develop higher perception within the human being itself. Just as other entities in the world exist for a human being only if that person possesses the organs to perceive them, just as a person perceives light and color only when he possesses the eye to do so, just as he perceives sounds only when he possesses the ear to do so, so too are the higher entities present to a person only when he has developed within himself the faculties to perceive them through the training that has often been discussed here.
[ 7 ] Wenn es einen Menschen gäbe, der keine Augen besäße, dafür aber Organe, um zum Beispiel die Elektrizität wahrzunehmen, wenn ein solcher Mensch die Kräfte arbeiten sehen könnte, die das Licht hier im Saal entzünden, die draußen in den telegrafischen Leitungen hin und her spielen, wie ganz anders würde sich die Welt für einen solchen Menschen ausnehmen! Mit jedem neuen Organ entstehen neue Welten für den Menschen, und in ihm liegen schlummernd die Organe, die ihm die höheren Welten wahrnehmbar machen. Sie können entwickelt werden. Niemand kann mit Recht behaupten, es könne solche Welten nicht geben. Es würde ebenso sein, wenn er sagen würde, es gibt keine höheren Welten, weil ich sie nicht sehen kann, es würde dasselbe sein, als wenn der Blinde von der Farbe sagen wollte, es gibt sie nicht, weil er sie nicht wahrnehmen kann.
[ 7 ] If there were a person who had no eyes but instead possessed organs capable of perceiving, for example, electricity—if such a person could see the forces at work that kindle the light here in this hall, that play back and forth outside in the telegraph lines—how very different the world would appear to such a person! With every new sense organ, new worlds open up to a person, and within them lie dormant the sense organs that make the higher worlds perceptible to them. They can be developed. No one can rightly claim that such worlds cannot exist. It would be just as if he were to say, “There are no higher worlds because I cannot see them”; it would be the same as if a blind person were to say of color, “It does not exist because I cannot perceive it.”
[ 8 ] Ist der Mensch aber durch die Schulung entwickelt, dann ist der Ätherleib für ihn eine Erfahrung; er kann ihn dann sehen. In seiner Größe ist er fast ebenso wie der physische Leib. Man stellt sich den Ätherleib oft vor wie aus einem feineren Stoff, aus einer Art von Nebel bestehend, doch das ist nicht der Wirklichkeit entsprechend. Er besteht vielmehr aus Kräften und Strömungen geistiger Art, die zusammenwirken.
[ 8 ] But once a person has developed through spiritual training, the etheric body becomes a reality for them; they can then see it. In size, it is almost as large as the physical body. People often imagine the etheric body as consisting of a finer substance, a kind of mist, but this does not correspond to reality. Rather, it consists of spiritual forces and currents that interact.
[ 9 ] Das dritte Glied, der astralische Leib, unterscheidet sich von dem Ätherleib dadurch, dass, während in Letzterem die Kräfte des Wachstums, der Fortpflanzung und so weiter arbeiten, es das Wesen des astralischen Leibes ist, dass er empfindet, Bewusstsein hat. Der astralische Leib ist der Träger von Lust und Leid, von Begierden und Leidenschaften.
[ 9 ] The third member, the astral body, differs from the etheric body in that, while the forces of growth, reproduction, and so on are at work in the latter, the very nature of the astral body is that it feels and possesses consciousness. The astral body is the bearer of pleasure and pain, of desires and passions.
[ 10 ] Über diese drei Glieder hinausgehend ist das, was den Menschen zur Krone der irdischen Schöpfung macht: das selbstbewusste Ich, der Mittelpunkt der menschlichen Wesenheit, die innerste Kraft im Menschen. Wenn wir also einen voll entwickelten Menschen vor uns haben, haben wir ein Gebilde von vier Gliedern vor uns.
[ 10 ] Beyond these three members lies what makes human beings the crown of earthly creation: the self-aware “I,” the center of the human being, the innermost force within the human person. Thus, when we have a fully developed human being before us, we have a four-part being before us.
[ 11 ] Nun versteht man aber als Erzieher zu wirken nur dann, wenn man diese Gliederung des Menschen richtig versteht, wenn man weiß, dass sie nicht die gleiche Rolle spielt beim eben geborenen Kinde wie beim Kinde von sieben oder vierzehn Jahren, wenn man weiß, dass die Entwicklung dieser Glieder eine verschiedene ist auf jeder Altersstufe des jugendlichen Menschen. Erst wenn man alles das weiß, kann man das Rätsel lösen, das uns das Kind Tag für Tag aufgibt. Und verstehen lernen wir alles das am besten, wenn wir davon ausgehen, dass wir sehen, wie der Mensch vor seiner Geburt lebt.
[ 11 ] However, one can only truly act as an educator if one correctly understands this structure of the human being; if one knows that it does not play the same role in a newborn child as it does in a child of seven or fourteen; if one knows that the development of these aspects varies at each stage of a young person’s life. Only when one knows all this can one solve the riddle that the child presents to us day after day. And we come to understand all this best when we assume that we can see how a human being lives before birth.
[ 12 ] Vor der Geburt des Kindes haben wir den physischen Leib des Kindes eingeschlossen, umschlossen vom Leibe der Mutter. Nichts kann herandringen an das Kind, ohne den Leib der Mutter zu passieren. Kein Lichtstrahl, keine äußeren Einwirkungen treffen das Kind direkt. Es ruht umschlossen von einem andern Leib; ein physischer Leib ruht in einem andern. Die Geburt besteht darin, dass die physische Mutterhülle abgestreift wird. In diesem Augenblick aber wird für die geisteswissenschaftliche Anschauung noch nicht der ganze Mensch geboren, sondern nur der physische Leib. Die zweite Geburt findet nach und nach statt, nicht in einem einzigen Moment wie die physische, sie findet im Wesentlichen dann statt, wenn das Kind die Zähne wechselt. In diesem Zeitpunkt geschieht auf geistigem Gebiet etwas Ähnliches wie bei der physischen Geburt.
[ 12 ] Before the child’s birth, we have enclosed the child’s physical body, surrounded by the mother’s body. Nothing can reach the child without passing through the mother’s body. No ray of light, no external influences, reaches the child directly. It rests enclosed within another body; one physical body rests within another. Birth consists in the shedding of the physical maternal envelope. At this moment, however, from the perspective of spiritual science, not the whole human being is born, but only the physical body. The second birth takes place gradually, not in a single moment like the physical birth; it essentially occurs when the child loses its baby teeth. At this point, something similar to what happens at physical birth occurs in the spiritual realm.
[ 13 ] Bis zum siebenten Jahre ist nämlich das Kind umgeben von einer Ätherhülle, ebenso wie es vor der physischen Geburt von einer physischen Hülle umgeben war, dem Mutterleib. Und so könnte man sagen: bis zum siebenten Jahre ist das Kind umgeben von einer Äthermutter. Wie man vor der physischen Geburt nicht an das Kind herankommen kann anders als durch den Leib der Mutter, genau ebenso wenig kann man vor dem siebenten Jahre an den eigentlichen Ätherleib des Kindes herankommen. Und ebenso wie man vor der physischen Geburt, wenn man das Kind pflegen will, die Mutter pflegen muss, so muss man auch, um den Ätherleib des Kindes zu pflegen und zu entwickeln, bis zum siebenten Jahre alles fernhalten, was ihm schaden könnte, und alles ihm zuführen, was seine Entwicklung fördern kann. Im siebenten Jahre wird die Ätherhülle zurückgedrängt, der Ätherleib des Menschen wird geboren, ganz ähnlich wie bei der physischen Geburt der physische Leib.
[ 13 ] Up until the age of seven, the child is surrounded by an etheric shell, just as it was surrounded by a physical shell—the womb—before physical birth. And so one could say: up until the age of seven, the child is surrounded by an etheric mother. Just as one cannot reach the child before physical birth except through the mother’s body, so too can one not reach the child’s actual etheric body before the age of seven. And just as, before physical birth, if one wishes to care for the child, one must care for the mother, so too, in order to care for and develop the child’s etheric body, one must, until the age of seven, keep away everything that could harm it and provide it with everything that can promote its development. In the seventh year, the etheric sheath is pushed back, and the human etheric body is born, much like the physical body is born during physical birth.
[ 14 ] Und später findet dann noch eine dritte Geburt statt, die Geburt des astralischen Leibes. Wenn der Mensch mit dem siebenten Jahre seine Ätherhülle abgestreift hat, hat er noch nicht seinen Astralleib voll ausgebildet, für den geistigen Seherblick ist er noch rings umgeben von einer äußeren astralischen Hülle. In diese ist er eingehüllt bis zur Geschlechtsreife; dann wird auch sie abgestreift: Der eigentliche Astralkörper des Menschen wird geboren.
[ 14 ] And later, a third birth takes place: the birth of the astral body. When a person has shed his etheric body by the age of seven, his astral body is not yet fully developed; to the spiritual seer’s eye, he is still surrounded by an outer astral sheath. They remain enveloped in this sheath until sexual maturity; then it, too, is shed: the human being’s actual astral body is born.
[ 15 ] Dies alles muss der Erzieher wissen. Er muss wissen von der physischen, der ätherischen und der astralischen Geburt des Menschen, denn danach richten sich die einzelnen Erziehungsepochen ein. Er muss wissen, dass ebenso, wie es unsinnig wäre, an das physische Kind im Leibe der Mutter herandringen zu wollen, es auch unsinnig ist, durch die Erziehung bis zum siebenten Jahr an etwas herandringen zu wollen, das den Ätherleib betrifft, oder bis zur Geschlechtsreife an etwas, das den Astralleib angeht. Die Glieder des Menschen sind Träger ganz besonderer Seelenkräfte. Der physische Leib ist der Träger der physischen Sinnesorgane; der Ätherleib ist zunächst Träger der Wachstums- und Fortpflanzungskräfte. Doch das ist nicht alles, denn alle diese verschiedenen Leiber werden von innen heraus bearbeitet vom menschlichen Ich. Das wirkt von innen her. Und so stehen die Leiber des Menschen in besonderer Beziehung zu den Seelenkräften. So ist der Ätherleib der Träger des Gedächtnisses, aller bleibenden Gewohnheiten und Neigungen, des Temperaments.
[ 15 ] The educator must know all of this. He must understand the physical, etheric, and astral births of the human being, for the various stages of education are structured accordingly. He must know that just as it would be nonsensical to try to reach the physical child within the mother’s womb, it is also nonsensical to try, through education up to the age of seven, to reach something that pertains to the etheric body, or up to sexual maturity, something that pertains to the astral body. The human limbs are bearers of very special soul forces. The physical body is the bearer of the physical sense organs; the etheric body is, first and foremost, the bearer of the forces of growth and reproduction. But that is not all, for all these different bodies are shaped from within by the human “I.” This works from within. And so the human bodies stand in a special relationship to the soul forces. Thus, the etheric body is the bearer of memory, of all enduring habits and inclinations, and of temperament.
[ 16 ] Verstandesbegriffe, Bilder der äußeren Gegenstände und so weiter finden wir im astralischen Leib. Wenn aber das Bild zugleich ein Sinnbild, ein Gleichnis ist, wenn es aufsteigt zu künstlerischem Vorstellen, wenn es produktiv wird in der Seele, dann ist der Träger der Ätherleib. Dasjenige, was wir Urteil, Kritik, Verstandestätigkeit nennen, hängt am astralischen Leibe.
[ 16 ] We find intellectual concepts, images of external objects, and so on in the astral body. But when the image is at the same time a symbol, a parable; when it rises to artistic imagination; when it becomes productive in the soul—then its vehicle is the etheric body. That which we call judgment, criticism, and intellectual activity is connected to the astral body.
[ 17 ] Wissen wir dies alles, dann werden wir es anwenden können in Bezug auf das Herauskommen dieser Glieder im Laufe der Entwicklung des Kindes. Wenn wir wissen, dass bis zum siebenten Jahr der Ätherleib eingeschlossen ist, so wissen wir auch, dass wir bis dahin nicht wirken dürfen auf das, was Eigenschaften dieses Ätherleibes sind. Erst dann, wenn dieser durch die zweite Geburt frei wird, dürfen wir erziehend auf ihn wirken. Es gibt ein Wort, das Licht verbreiten kann und als Grundprinzip für die Erziehung des Kindes bis zum siebenten Jahre gelten sollte. Aristoteles spricht dies Wort aus, wenn er sagt: Der Mensch ist der Nachahmer der Tiere. Nachahmen ist das, was dem Kinde eignet bis zum siebenten Jahr. Das Kind muss sehen, was es lernen soll, es muss es sehen und hören. Es muss in seiner Umgebung das da sein, was auf das Kind wirken soll. Es soll ihm nichts von heute auf morgen beigebracht werden, sondern vorzeigen, vorleben soll man ihm, was es nachmachen soll.
[ 17 ] If we know all this, we will be able to apply it as these aspects emerge in the course of the child’s development. If we know that the etheric body is enclosed until the age of seven, we also know that until then we must not interfere with the qualities of this etheric body. Only when it is set free through the second birth may we influence it through education. There is a saying that can shed light on this and should serve as a guiding principle for the education of the child up to the age of seven. Aristotle expresses this idea when he says: “Man is the imitator of animals.” Imitation is what comes naturally to the child up to the age of seven. The child must see what it is to learn; it must see and hear it. What is to influence the child must be present in its surroundings. Nothing should be taught to it overnight; rather, one should demonstrate and model for it what it is to imitate.
[ 18 ] Vorbild und Nachahmung, das sind die beiden Zauberworte für das Kind bis zum siebenten Jahre. Was für Lehren man ihm gibt, welche Grundsätze man hat, darauf kommt es nicht an, sondern nur auf das, was man tut in der Gegenwart des Kindes. Darauf allein kommt es an. Das Beispiel ist das eigentlich Wirksame. Hineingestellt in die physische Welt muss dasjenige werden, was das Kind sich aneignen soll. Man sollte womöglich vermeiden, etwas in das Kind hineinspielen zu lassen, was es nicht nachmachen soll. Tausend gute Lehren nützen dem Kinde in diesem Alter nichts, das Kind soll nachahmen, was es mit seinem physischen Leib auf der physischen Welt erlebt. Eine kleine Erzählung wird Ihnen zeigen, wie weit dieses Nachahmen gehen kann. Ein Kind von fünf Jahren, das bis dahin wohlerzogen war, nahm plötzlich Geld aus der Kassette der Eltern. Diese waren aufs Höchste bestürzt. Das Kind stahl also, und zwar gab es das Geld einem anderen Kinde. Die Eltern konnten nicht begreifen, wie ihr Kind zum Stehlen kommen konnte. — Die Erklärung ist einfach. Das Kind hat gesehen, wie die Eltern der Kassette Geld entnahmen, und hat es einfach nachgemacht.
[ 18 ] Role models and imitation—these are the two magic words for a child up to the age of seven. It doesn’t matter what lessons you teach them or what principles you hold; what matters is only what you do in the child’s presence. That alone is what counts. Example is what truly has an effect. What the child is to learn must be placed within the physical world. One should, if possible, avoid allowing the child to internalize anything that it is not supposed to imitate. A thousand good lessons are of no use to a child at this age; the child should imitate what it experiences with its physical body in the physical world. A short story will show you just how far this imitation can go. A five-year-old child, who had been well-behaved up to that point, suddenly took money from the parents’ cash box. The parents were utterly dismayed. So the child had stolen—and, in fact, had given the money to another child. The parents could not understand how their child could have come to steal. — The explanation is simple. The child had seen the parents take money from the cash box and simply imitated them.
[ 19 ] Wir sehen daraus, wie weit die Vermeidung alles dessen gehen muss, von dem man nicht wünscht, dass das Kind es nachahme, wenn es auch den Erwachsenen gestattet ist. Wer ein wenig beobachtet, sieht, dass Kinder Schriftzüge nachmalen — wie Zeichen, ohne den Sinn zu verstehen. Der Sinn des Geschriebenen kann dem Kinde erst vermittelt werden, wenn der Ätherleib geboren ist; nachahmen kann es die Schriftzüge aber schon vorher. Man sollte das Schreibenlernen damit beginnen, dass man das Kind zuerst die Formen der Buchstaben nachmalen lässt. Später kann man ihm dann erklären, was es schon machen kann.
[ 19 ] From this we can see just how far we must go to avoid anything we do not want the child to imitate, even if it is permitted for adults. Anyone who observes children closely will see that they trace letterforms—like symbols—without understanding their meaning. The meaning of what is written can only be conveyed to the child once the etheric body has been born; however, the child can imitate the written forms even before that. One should begin teaching a child to write by first having the child trace the shapes of the letters. Later, one can then explain to the child what it is already capable of doing.
[ 20 ] Man legt heute ein viel zu großes Gewicht darauf, dass der Sinn mitwirken soll bei allem, was man dem Kinde beibringt. Man sollte aber vielmehr dafür sorgen, dass die ganze Umgebung des Kindes so eingerichtet ist, dass die äußeren Kräfte, die das Kind umgeben, weckend und Leben fördernd auf seinen Ätherleib einwirken. — Dabei erinnern wir uns an das Goethewort: Das Auge ist vom Licht für das Licht gebildet. Das Tier, das gezwungen wird, in finsteren Höhlen zu leben, verliert allmählich das Augenlicht, es wird blind. Das Licht wirkt schaffend und gestaltend am Auge. Die Naturkräfte sind organschaffend, sie bilden die Organe heran. Der Mensch ist, wenn er geboren wird, noch nicht fertig. Ein jeder Lichtstrahl wirkt weiter bildend am Auge. Und so kann auch, was in des Kindes Umgebung sich befindet, Leben erweckend oder Leben verkümmernd auf des Kind wirken.
[ 20 ] Today, far too much emphasis is placed on the idea that the mind should be involved in everything a child is taught. Instead, we should ensure that the child’s entire environment is arranged in such a way that the external forces surrounding the child have a stimulating and life-affirming effect on its etheric body. — In this context, we recall Goethe’s words: “The eye is formed by light for light.” An animal forced to live in dark caves gradually loses its sight; it becomes blind. Light has a creative and formative effect on the eye. The forces of nature are organ-forming; they develop the organs. When a human is born, he or she is not yet fully formed. Every ray of light continues to have a formative effect on the eye. And so, too, whatever is present in the child’s environment can act upon the child in a way that either awakens life or stunts it.
[ 21 ] Da leuchtet die Geisteswissenschaft bis in Einzelheiten hinein. Es ist zum Beispiel nicht gleichgültig, ob rote oder blaue Farben sich in der Umgebung des Kindes befinden. Einem Kinde, das lebhaft ist, nervös vielleicht sogar, geziemt keineswegs dieselbe Farbe wie einem Kinde, das ruhig oder gar apathisch ist. Für das Letztere ist Blau die richtige Farbe, für das Erstere Rot. So kann selbst die Kleidung wohltätig oder lähmend auf das Kind wirken. So wird hineingewirkt bis in das Gehirn und das Herz, diese Werkzeuge der Seele. Von der Umgebung des Kindes hängt es mit ab, ob diese Organe vertrocknen oder zur Lebendigkeit heranreifen, ob sie langsam und träge sich entwickeln oder ob sie erweckt werden zu tätigem Leben.
[ 21 ] Here, spiritual science sheds light on even the smallest details. For example, it matters whether red or blue colors are present in a child’s surroundings. A child who is lively—perhaps even nervous—is by no means suited to the same color as a child who is calm or even apathetic. For the latter, blue is the right color; for the former, red. Thus, even clothing can have a beneficial or stifling effect on the child. In this way, the influence extends all the way to the brain and the heart, these instruments of the soul. It depends in part on the child’s environment whether these organs wither away or mature into vitality, whether they develop slowly and sluggishly, or whether they are awakened to an active life.
[ 22 ] Die Erziehung hat dafür zu sorgen, dass dasjenige berücksichtigt wird, was ein Gradmesser des inneren Gedeihens ist: Lust und Freude. Die sind nicht umsonst da; sie sollen nicht unterdrückt werden, besonders nicht im kindlichen Alter. Nicht unterdrückt sollen sie werden, sondern veredelt. So zeigt sich zum Beispiel das Bedürfnis des Leibes nach einer bestimmten Nahrung dadurch, dass man Lust dazu hat. Dadurch zeigt der Leib an, dass er sie braucht zu seinem Gedeihen. Alles, was Freude macht, Interesse erregt, wirkt Organ schaffend. Die Organe werden lebendig gemacht dadurch, und geregelt.
[ 22 ] Education must ensure that what serves as a barometer of inner well-being—desire and joy—is taken into account. These are not present for no reason; they should not be suppressed, especially not in childhood. They should not be suppressed, but rather refined. For example, the body’s need for a certain food is manifested by a desire for it. In this way, the body signals that it needs that food for its well-being. Everything that brings joy and arouses interest has an organ-forming effect. The organs are thereby enlivened and regulated.
[ 23 ] Wenn aber ein Kind gelangweilt wird, so tötet man etwas ab, so wirkt man erschlaffend auf seine Organe; und das ist sehr schlimm. Denn was bis zum siebenten Jahre nicht herangebildet ist, das ist verloren für immer. Die ganze Richtung, die Wachstumstendenz ist ja bis dahin gegeben. Man versuche — oder vielmehr, man versuche es lieber nicht —, diese Behauptungen der Geisteswissenschaft auf ihren Wahrheitsgehalt dadurch zu prüfen, dass man zum Beispiel einem Kinde recht viel Eier, einem andern aber sehr wenig Eier zu essen gibt. Das letztere Kind wird merkwürdig gesunde Instinkte zeigen für das, was sein Leib als Nahrung braucht; das erstere dagegen nicht. Denn übermäßig viel Eiweiß löscht die gesunden Nahrungsinstinkte aus.
[ 23 ] But when a child becomes bored, something is stifled, and this has a numbing effect on its organs; and that is very bad. For whatever is not developed by the age of seven is lost forever. The entire direction, the tendency toward growth, is already established by then. One might try—or rather, one had better not try—to test the truth of these claims of spiritual science by, for example, feeding one child a great many eggs and another very few. The latter child will display remarkably healthy instincts regarding what his body needs for nourishment; the former, on the other hand, will not. For an excessive amount of protein extinguishes healthy nutritional instincts.
[ 24 ] Im siebenten Jahre also wird des Kindes Ätherleib geboren. Derjenige Leib, der der Träger ist der Gewohnheiten, des Temperaments, des Gedächtnisses, der wird frei. Alle diese Eigenschaften müssen in der Zeit bis zur Geschlechtsreife gepflegt werden. Dies ist die Epoche, in der man mit dem Stoff des Lernens an das Kind herantritt. Für diese Zeit gilt nicht nur das, was in der physischen Welt vorhanden ist. Nachahmen ist das Zauberwort bis zum siebenten Jahre; es gibt nun auch ein Leitwort für die Zeit vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife, das heißt: Nachfolge und Autorität, So wie vorher das Kind nachahmte, so muss es jetzt, um ein Wort Goethes zu gebrauchen, sich seinen Helden wählen und ihm den Weg bis zum Olymp hinauf folgen. Entwickelt man die schönsten Moralgrundsätze oder scharfe Urteile vor dem Kinde, man wird finden, dass es nichts auf sich hat mit solchen Lehren. Stellt man jedoch in die Umgebung des Kindes eine Persönlichkeit als Autorität, dann wirkt es. Nicht Moralgrundsätze, sondern verkörperte Moral soll man dem Kinde geben. Seele und Gewissen des Kindes werden nicht entwickelt durch bloße Lehren, sondern dadurch, dass das Kind sich sagt, wenn es eine solche Persönlichkeit vor sich hat: Was die tut, das ist recht. Und es lernt mit Ehrfurcht aufschauen zu einer solchen Persönlichkeit.
[ 24 ] In the seventh year, then, the child’s etheric body is born. The body that is the bearer of habits, temperament, and memory becomes free. All these qualities must be nurtured during the period leading up to puberty. This is the stage during which one approaches the child with the material of learning. During this time, it is not only what exists in the physical world that applies. Imitation is the magic word until the age of seven; there is now also a guiding principle for the period from the change of teeth to puberty, namely: emulation and authority. Just as the child previously imitated, so must it now—to use a phrase of Goethe’s—choose its hero and follow that hero’s path all the way up to Olympus. If one expounds the most beautiful moral principles or sharp judgments before the child, one will find that such teachings mean nothing to the child. If, however, one places a personality of authority within the child’s environment, then it has an effect. It is not moral principles, but embodied morality that one should give to the child. A child’s soul and conscience are not developed through mere teachings, but rather by the child telling itself, when faced with such a figure: “What she does is right.” And the child learns to look up to such a figure with reverence.
[ 25 ] Nichts Wohltätigeres gibt es für das spätere Leben als Ehrfurcht, die im Kindesalter gepflegt wurde, nichts Fruchtbareres für das ganze Leben. Wenn ein Kind von jemandem hört: Das ist ein Mensch, zu dem alle mit Ehrfurcht aufschauen, und es dann diese Person zum ersten Mal sieht und dabei fühlt, wie ein Schauer von Ehrfurcht auch durch sein Herz zieht, dann ist das eine herrliche Erziehungsgrundlage. Ehrfurcht und Autorität, diese Worte müssen Klang gewinnen, will man eine feste Grundlage für die Erziehung haben.
[ 25 ] There is nothing more beneficial for later life than the reverence cultivated in childhood, nothing more fruitful for one’s entire life. When a child hears someone say, “This is a person whom everyone looks up to with reverence,” and then sees that person for the first time and feels a shiver of reverence run through his own heart, that is a wonderful foundation for upbringing. Reverence and authority—these words must take on meaning if one is to have a solid foundation for upbringing.
[ 26 ] Grundsätze kann das Kind erst dann richtig befolgen, wenn es vorher die Befolgung in einer Persönlichkeit verkörpert vor sich gehabt hat. Erst dann gehen die Grundsätze auch in Fleisch und Blut, oder vielmehr in den Ätherkörper‚ über. Sie verbleiben im Gedächtnis. Was da versäumt wird in dieser Zeit, das bleibt für das ganze Leben versäumt. Um das Gedächtnis zu üben, muss das Kind auch viel Gedächtnisstoff in sich aufnehmen; ihn mit seinem eigenen Urteil durchdringen kann es dann später; jetzt muss es erst das Gedächtnis üben. Später muss es Stoff haben, um ihn beurteilen zu können. Es ist schlimm für den werdenden Menschen, wenn er zu früh zur Kritik aufgerufen wird. Erst muss er die Welt kennenlernen, muss lernen an großen geschichtlichen Beispielen, muss Ehrfurcht empfinden. Hinmalen muss man vor das Kind in Wort und Bild, was große Persönlichkeiten geleistet haben. Die bildliche Vorstellung muss gepflegt werden in dieser Zeit.
[ 26 ] A child can only truly follow principles if it has first seen them embodied in a person before it. Only then do the principles become second nature—or rather, become part of the etheric body. They remain in the memory. Whatever is neglected during this time remains neglected for the rest of one’s life. To train their memory, children must also absorb a great deal of material; they can then process it with their own judgment later on; for now, they must first practice using their memory. Later, they must have material with which to form judgments. It is harmful for the developing human being to be called upon to exercise critical judgment too early. First, the child must get to know the world, must learn from great historical examples, and must develop a sense of awe. One must continually present to the child, in words and pictures, the achievements of great personalities. The child’s visual imagination must be nurtured during this time.
[ 27 ] In dieser Beziehung liegt bei der jetzigen materialistischen Vorstellungsweise viel im Argen. Man muss da zwei Dinge vergleichen. Bis zum siebenten Jahre werden nur die physischen Organe ausgebildet, dann der Charakter und das Temperament; und wir haben gesehen, wie die Erziehung Leben weckend oder Leben verkümmernd wirken kann. Ein an Leib und Seele gesundes Kind wird immer ein Spielzeug vorziehen, das es sich selbst geschaffen hat, keine noch so schöne komplizierte fertige Sache. Seine Lappenpuppe, die durch Tintenkleckse Augen, Nase und Mund erhalten hat, wird ihm ein lieberes Spielzeug sein als die schönste gekaufte Puppe. Warum? Weil das Kind, wenn es seine geliebte Lappenpuppe ansieht, etwas tun muss, weil es in sich ergänzen muss durch seine Phantasie und Vorstellungskraft, was es vor sich hat. Die Vorstellungskraft muss arbeiten, sonst verkümmert sie.
[ 27 ] In this regard, the current materialistic way of thinking is seriously flawed. We must compare two things here. Up to the age of seven, only the physical organs develop; thereafter, character and temperament take shape; and we have seen how education can either awaken life or stifle it. A child who is healthy in body and soul will always prefer a toy that he or she has created himself or herself to any ready-made object, no matter how beautiful or elaborate. His or her rag doll, with eyes, a nose, and a mouth created by ink blots, will be a more beloved toy than even the most beautiful store-bought doll. Why? Because when the child looks at its beloved rag doll, it must do something—it must use its imagination and creativity to complete what it sees before it. The imagination must work; otherwise, it withers away.
[ 28 ] Es ist ein großer Unterschied, ob man ein Kind sich so entwickeln lässt, dass es aus einzelnen Teilen künstliche Gebilde zusammensetzt, oder etwas Lebendiges vor sich hat. Es wird eine Zeit kommen, die nicht mehr den Baukasten anbeten wird. Wahrlich, der Okkultist sollte nicht sentimental werden, doch hier liegt ein Punkt, wo er versucht wird, es zu werden. Er sieht die materialistische Denkweise in den zarten, kindlichen heranwachsenden Menschen sich entwickeln und weiß, sie kommt mit daher, weil sie in der Kinderstube aus toten Einzeldingen ein Totes zusammengesetzt haben. Wie die Bausteine ein Lebloses ergeben, so erzielt die materialistische Anschauungsweise eine leblose Weltentwicklung. Das Gehirn des Materialisten ist verkümmert, es kann nicht zum Lebendigen hingeführt, nicht darauf hingewiesen werden.
[ 28 ] There is a world of difference between allowing a child to develop in such a way that he or she assembles artificial structures from individual parts, and having something living before him or her. A time will come when people will no longer worship the building set. Truly, the occultist should not become sentimental, yet here lies a point where he is tempted to do so. He sees the materialistic way of thinking developing in tender, childlike adolescents and knows that it stems from the fact that, in their upbringing, they have assembled a lifeless whole from dead, separate objects. Just as building blocks result in something lifeless, so too does the materialistic worldview lead to a lifeless development of the world. The materialist’s brain is stunted; it cannot be guided toward the living, nor can it be directed toward it.
[ 29 ] Darum gebe man dem Kinde Lebendiges, damit sein Gehirn zum Leben erweckt werde. Man gebe ihm die einfachen Spielsachen des Landjahrmarktes, wo zum Beispiel zwei Figuren den Schmiedehammer in Bewegung setzen, oder ein Bilderbuch, in dem an Fäden gezogene Figuren sich bewegen können. Das ist viel besser, das ist lebendig. Das ist viel förderlicher für das Kind, als wenn es aus toten Gebilden Totes zusammenstellt. Da sieht das Kind Leben, da sucht es nach dem Grund der Bewegung. Das bildet die kindlichen Seelenkräfte. — Aller Schmerz der Welt lagert sich ab auf die Seele des Geistesforschers, wenn er sehen muss, wie in die Umgebung des Kindes nicht die richtigen Dinge gebracht werden. Der Geistesforscher sieht die Kräfte in den Organen der werdenden Menschen verdorren und weiß: Sie sind bleibend verdorrt.
[ 29 ] That is why we should give the child something alive, so that its brain may be awakened to life. Give it the simple toys found at a country fair—where, for example, two figures set the blacksmith’s hammer in motion—or a picture book in which figures attached to strings can move. That is much better; that is alive. This is far more beneficial for the child than if it were to assemble lifeless objects from lifeless forms. There, the child sees life; there, it seeks the cause of the movement. This shapes the child’s soul forces. — All the pain in the world weighs upon the soul of the spiritual researcher when he must witness how the wrong things are being introduced into the child’s environment. The spiritual researcher sees the forces in the organs of developing human beings wither away and knows: they are permanently withered.
[ 30 ] In der Zeit nach dem Zahnwechsel des Kindes beginnt das sich zu entwickeln, wovon der Ätherleib der Träger ist: ein bleibender Stock von Gewohnheiten. Will man im Kinde da Ruhe, Sicherheit, Einfachheit und Geradlinigkeit heranerziehen, muss eine Persönlichkeit, die diese Charaktereigenschaften hat, als lebendiger Mensch vor ihm wandeln bis zum vierzehnten bis sechzehnten Jahre. An ihm muss es sich bilden lernen, von ihm durch Anschauen sich jene Eigenschaften aneignen. Der Ätherleib ist aber auch der Träger aller künstlerischen Kräfte. Man muss sich klarmachen, was in dieser Zeit dem Kinde an Künstlerischem zugeführt werden soll. Wenn der kindliche Geschmack in dieser Zeit verdorben wird durch schlechte Bilder und so weiter, dann bleibt er verdorben. Vom siebenten Jahre an ist das Kind auch für den Vergleich empfänglich. In dieser Hinsicht herrscht in unserer Zeit der größte Unverstand. Da wird zum Beispiel geforscht nach dem Sinn der Kinderlieder. Sinn soll überall zugrunde liegen. Aber Kinderlieder, wie zum Beispiel «Flieg, Käferchen, flieg! ... Deine Mutter ist im Pommerland» — das heißt im Kinderland —, sie wollen gar keinen Sinn haben; sie sind teils Sinnbilder, teils sollen sie nur Wohlklang geben.
[ 30 ] In the period following a child’s tooth change, that which the etheric body carries begins to develop: a lasting pattern of habits. If one wishes to foster calm, security, simplicity, and straightforwardness in the child, a person who possesses these character traits must walk before the child as a living being until the child is between fourteen and sixteen years old. The child must learn to form these qualities by observing this person and acquiring them through imitation. The etheric body, however, is also the vessel of all artistic powers. One must be clear about what artistic material should be presented to the child during this period. If the child’s taste is corrupted during this time by poor-quality pictures and the like, it will remain corrupted. From the age of seven onward, the child is also receptive to comparison. In this regard, the greatest lack of understanding prevails in our time. For example, people search for the meaning behind children’s songs. Meaning is supposed to underlie everything. But children’s songs, such as “Fly, little beetle, fly! … Your mother is in Pommerland”—that is, in Children’s Land—are not meant to have any meaning at all; they are partly symbolic, and partly intended simply to sound pleasant.
[ 31 ] Es handelt sich darum, dass Klang und Farbe vom siebenten Jahre an aus dem Sinnlichen ins Sinnige verwandelt werden. Unsere materialistische Zeit ist nicht gerade geeignet dafür. Sie ist nicht geneigt, sich sinnbildlich verständlich zu machen. Will man zum Beispiel das Hervorgehen des Schmetterlings aus der Puppe als ein Sinnbild für das Hervorgehen der Seele aus dem Leibe zeigen, so muss man auch selbst an ein solches Gleichnis als Wirklichkeit glauben. Wer tut das heute noch wirklich? Man sagt sich wohl halb mitleidig, das Kind mit seinem noch unentwickelten Verstand kann noch nicht begreifen, was ich meine, also will ich es ihm sinnbildlich klarmachen. aber wenn man sich in den Geist der Dinge vertieft, dann ist ein solches Gleichnis ein tiefes Mysterium, dann ist es ein tief geheimnisvoller Vorgang; dann ist das, was auf einem untergeordneten Gebiete uns die Puppe und der Schmetterling zeigen, derselbe Vorgang, der auf einer höheren Stufe sich wiederholt als das Hervorgehen der Seele aus dem Leibe.
[ 31 ] The point is that, beginning in the seventh year, sound and color are transformed from the sensory to the meaningful. Our materialistic age is not exactly suited for this. It is not inclined to make itself understood through symbolism. If, for example, one wishes to present the emergence of the butterfly from the chrysalis as a symbol of the soul’s emergence from the body, one must oneself believe in such a parable as a reality. Who truly does that anymore today? One might say to oneself, somewhat pityingly, that the child, with its still undeveloped intellect, cannot yet grasp what I mean, so I will explain it to the child symbolically. But when one delves into the spirit of things, such a parable becomes a profound mystery; it is a deeply mysterious process. Then what the chrysalis and the butterfly reveal to us on a lower level is the very same process that repeats itself on a higher level as the emergence of the soul from the body.
[ 32 ] Wenn man sich das klarmacht, das lebendig empfindet, wenn man diesen Vorgang nicht nur als einen Vergleich nimmt, sondern als den bildlichen Ausdruck einer höheren Wahrheit, dann fließt die Kraft dieser Vorstellung in die kindliche Seele über. Überall, in allem sollte der Erzieher ein Gleichnis für das Ewige sehen und in die Kinderseele die Kraft dieses Gleichnisses hineingießen. Dann erst wird er fruchtbringend wirken können. Und dies ist nicht etwa bloß die Angelegenheit irgendeines dazu besonders Begabten oder Auserwählten, sondern jeder Erzieher kann so wirken, jeder Erzieher kann diese Dinge von Seele zu Seele vermitteln und kann so produktives Leben im Ätherleib des Kindes erwecken.
[ 32 ] When one realizes this, when one feels it vividly, when one takes this process not merely as a comparison but as a figurative expression of a higher truth, then the power of this idea flows into the child’s soul. Everywhere, in everything, the educator should see a parable of the eternal and pour the power of this parable into the child’s soul. Only then will he be able to work fruitfully. And this is not merely the domain of someone particularly gifted or chosen for the task; rather, every educator can work in this way, every educator can convey these things from soul to soul, and can thus awaken productive life in the child’s etheric body.
[ 33 ] Mit der Zeit der Geschlechtsreife wird dann die letzte Hülle entfernt. Nun erst ist die Zeit für das Kind gekommen, in der Kritik und Unterscheidungsvermögen erwachen, nun erst kann man abstrakte Lehren geben, nicht vorher. Und unrecht ist es, früher als zu dieser Zeit einen Menschen zu eigenem Urteilen zu führen. Es ist wesentlich für die Zeit zwischen dem siebenten und dem vierzehnten Jahre, dass auch die religiösen Vorstellungen lebendig gemacht werden. Die religiöse Erziehung darf ebenso wenig fehlen für diese Zeit wie für die vorhergehende Zeit die richtige physische Umgebung. Das Kind soll nicht bloß hören, was in den Welten jenseits ist, sondern der Glaube soll ihm als etwas Selbstverständliches eingepflanzt werden.
[ 33 ] With the onset of puberty, the final veil is then lifted. Only now has the time come for the child when critical thinking and discernment awaken; only now can abstract teachings be imparted—not before. And it is wrong to guide a person toward forming their own judgments earlier than this time. It is essential during the period between the ages of seven and fourteen that religious concepts be brought to life. Religious education must be just as integral to this period as the proper physical environment was to the preceding one. The child should not merely hear about what lies in the worlds beyond; rather, faith should be instilled in the child as something self-evident.
[ 34 ] Nichts aber ist schlimmer, als wenn der Mensch, bevor der Astralleib erwacht ist, zum Urteil aufgerufen wird. Erst soll er verehren lernen, dann urteilen. Erst soll er einen großen Umfang von Gedächtniswissen besitzen, ehe er es mit seinem Verstand durchdringt. Ihn aber vorher zum Urteilen und Bekennen aufzurufen, ehe er unterscheiden kann, ist der größte Verderb. Erst soll er durchdrungen sein von Autoritätsgefühl, dann erst darf man sich an seine Urteilskraft wenden. Die ist eben vorher nicht da; sie ist noch nicht entwickelt. Sie entwickelt sich erst in den Jahren vor und nach der Geschlechtsreife. Es ist daher grotesk, wenn junge Leute von achtzehn Jahren auftreten und ihre Urteile abgeben, ja sogar dicke Bücher schreiben, worin sie umstoßen wollen, was in Jahrtausenden geschaffen wurde. In dieser Beziehung wird sich durch die Geisteswissenschaft manches ändern können. Durch richtige Erziehung kann das Urteil in richtiger Weise herangebildet und geleitet werden.
[ 34 ] Nothing, however, is worse than when a person is called upon to judge before the astral body has awakened. First, he must learn to revere; then he may judge. First, he must possess a vast store of memorized knowledge before he can penetrate it with his intellect. But to call upon them to judge and profess before they can discern is the greatest corruption. First, they must be imbued with a sense of authority; only then may one appeal to their power of judgment. This power simply does not exist beforehand; it is not yet developed. It develops only in the years before and after puberty. It is therefore absurd when eighteen-year-olds step forward and offer their judgments, or even write thick books in which they seek to overturn what has been created over millennia. In this regard, spiritual science has the potential to bring about many changes. Through proper education, the power of judgment can be properly cultivated and guided.
[ 35 ] Im Ganzen und im Einzelnen sollte gezeigt werden, wie man durch ein tieferes Erkennen der Entwicklung der einzelnen Glieder des Menschen zum richtigen Erzieher werden kann. Wenn jemand sagt, davon könne man nichts wissen, dann muss geantwortet werden: Man probiere es einmal, in diesem Sinne Menschen zu erziehen, im Sinne dieser drei Geburten, dann wird man schon im Leben und in der Praxis die Beweise für die theosophischen Wahrheiten finden. Es kommt nicht darauf an, dass man Theorien oder Grundsätze aufstellt, sondern [darauf], dass man sie vom Kopfe bis in die Hand hineinführt. Die Grundsätze sind gut, die sich segensreich erweisen im Leben, die, wenn sie angewendet werden im Leben, ihren Einfluss auf die Kultur in fördernder Weise bezeugen. Was die Kultur fördert, was Leben erweckt, das ist wahr. Wenn die Lehren, die sich auf das Übersinnliche beziehen, angewendet werden, wird man den Beweis für ihre Wahrheit erhalten. Man wird erkennen, dass die Theosophie etwas eminent Praktisches ist, dass sie nicht lebensfremd und lebensfern ist, sondern lebensfreudig und Leben erweckend, dass sie dem Menschen Kraft und Sicherheit gibt. Und worauf kommt es mehr an als darauf bei der Erziehung des Kindes? Die Erziehung soll ins Sichtbare, ins Sinnliche herunterbringen, was im Übersinnlichen verborgen liegt. Da liegt der Schlüssel zu dem, was in der Kindheit des Menschen vor sich geht. Die ganze Bedeutung der Erziehungsfrage ergibt sich, wenn wir uns klar sind, dass jeder Mensch ein Rätsel ist, das wir als Erzieher durch ein wirkliches Vertiefen in sein Inneres lösen müssen.
[ 35 ] Both in general and in specific detail, it should be shown how one can become a true educator through a deeper understanding of the development of the individual aspects of the human being. If someone says that one cannot know anything about this, then the response must be: Try educating people in this way, in accordance with these three births, and you will find proof of the theosophical truths in life and in practice. It is not a matter of formulating theories or principles, but [rather] of putting them into practice from head to hand. Principles are good if they prove beneficial in life; if, when applied in life, they demonstrate a positive influence on culture. Whatever promotes culture and awakens life is true. When teachings relating to the supersensible are applied, one will receive proof of their truth. One will recognize that Theosophy is something eminently practical, that it is not alien to life or distant from it, but rather full of joy for life and life-awakening, that it gives people strength and security. And what could be more important than this in the education of a child? Education should bring down into the visible, the sensory realm, what lies hidden in the supersensible. Therein lies the key to what takes place during a person’s childhood. The full significance of the question of education becomes clear when we realize that every human being is a mystery that we, as educators, must solve by truly delving into their inner being.
[ 36 ] Fragenbeantwortung
[ 36 ] Q&A
Frage: Widerspruchgeist bei Kindern?
Question: A rebellious spirit in children?
[ 37 ] Antwort: Man tritt demselben am besten entgegen und rottet ihn am besten aus, indem man das Kind das, was es durch diesen Geist des Widerspruchs erlangen will, auch erlangen lässt, sodass das Kind die Erfahrung macht, dass das Erlangte falsch ist, dass es sich schadet dadurch. Durch Verbieten, Belehren und so weiter erreicht man da wenig, stachelt vielmehr meist noch mehr zum Widerspruch auf. Das Kind lernt am besten durch eigene Erfahrung.
[ 37 ] Answer: The best way to counter and eradicate this spirit of contradiction is to allow the child to achieve what it seeks through this spirit, so that the child experiences that what it has achieved is wrong and that it harms itself in the process. Prohibitions, lectures, and the like achieve little in this regard; rather, they usually only incite even more defiance. Children learn best through their own experience.
Frage: Wie erklärt sich der Einfluss der Farben auf das Kind?
Question: How can we explain the influence of colors on children?
[ 38 ] Antwort: Man nehme folgendes Beispiel: Wenn man eine weiße Fläche anschaut, auf der sich rote Quadrate befinden, und nach einer Weile fortschaut auf eine leere weiße Fläche, wird man finden, dass die Quadrate, die man vorher rot sah, sich jetzt auf der leeren weißen Fläche grün vor dem Auge zeigen. Das Rot, das man ansah, hat sich im Menschen in Grün verwandelt. Grün ist nun eine wohltuende, beruhigende Farbe. Auch das zu lebhafte, nervöse Kind, das viel Rot in seiner Umgebung hat, verwandelt dies Rot in sich in das wohltuende, beruhigende Grün.
[ 38 ] Answer: Consider the following example: If you look at a white surface with red squares on it and, after a while, look away at an empty white surface, you will find that the squares you previously saw as red now appear green to your eyes on the empty white surface. The red that you were looking at has been transformed into green within you. Green is now a soothing, calming color. Even an overly lively, nervous child who has a lot of red in their environment transforms this red within themselves into the soothing, calming green.
Frage: Widerspruchgeist bei Kindern?
Question: A rebellious spirit in children?
[ 39 ] Antwort: Ist deshalb so schädlich für den jungen Menschen, weil sie in späteren Jahren Verarmung erzeugt. Der Mensch hat dann für gewisse Dinge kein Verständnis. Man kann nur urteilen über das, was man selbst erlebt hat. Die zu früh herausgerufene Urteilskraft schiebt einen Riegel vor die ganze breite Wirklichkeit des Lebens. Das Leben verarmt; denn nur wer weiß, kann urteilen. Daher auch die so rasch verarmenden Schriftsteller unserer Zeit.
[ 39 ] Answer: It is so harmful to young people because it leads to spiritual impoverishment in later years. People then lack understanding of certain things. One can only judge what one has experienced oneself. Judgment formed too early shuts out the full breadth of life’s reality. Life becomes impoverished; for only those who know can judge. Hence, too, the writers of our time, who become impoverished so quickly.
Frage: Die sexuelle Frage: Sollen wir Kinder aufklären?
Question: The issue of sex: Should we educate children?
[ 40 ] Antwort: Oft wird bei der jetzt so oft in den Diskussionen gestellten Frage, ob man Kindern die sexuellen Vorgänge erklären soll, gesagt: Ich will und darf dem Kinde keine Unwahrheit sagen. — Nun, man soll dem Kinde auch keine Unwahrheit sagen, sagen soll man ihm die ganze Wahrheit, aber eine Wahrheit, die auf einem ganz anderen Gebiet liegt als in der banalen Schilderung der physischen Befruchtungs- und Geburtsvorgänge. Unsere Altvorderen haben ihren Kindern auch keine Unwahrheiten gesagt, wenn sie ihnen sagten: «Deine Mutter ist im Pommerland, flieg, Käferchen, flieg!» Das Pommerland ist das Kinderland, das Land der Heimat der Seele. Im «Fliegen» liegt auch ein Geistiges. Man wusste eben noch mehr als die Menschen von heutzutage, man wusste die geistigen Vorgänge, die statthaben von der physischen Geburt des Kindes, man wusste, dass diese Vorgänge das Wichtigere sind, dass die Geburt nicht nur ein physischer Akt ist. Und in diesem Sinne sollten wir auch heute zu den Kindern sprechen, wenn bei ihnen die Frage nach dem Ursprung des Menschen auftaucht. Erzählen sollten wir ihnen in schönsten poetischen Bildern von der Seele, die hinabsteigt zur Geburt, sollten ihre Seele erfüllen mit Bildern voll geistiger Schönheit und Reinheit, Heiligkeit und Ehrfurcht. Gar nicht hoch genug können wir greifen, gar nicht poetisch genug ihnen diese Bilder in die Seele hineinstellen. Und wenn dann der Zeitpunkt kommt, wo mit der Geschlechtsreife auch die physischen Befruchtungs- und Geburtsvorgänge ihnen klar werden, so werden diese eben nur als das, was sie sind, als das Unwesentlichere, auch den Kindern erscheinen. Ihre Seele, die erfüllt ist von hohen, heiligen, ehrfurchtgebietenden Vorstellungen und Bildern, wird die Geburt des Leibes als ein Nebensächlicheres betrachten.
[ 40 ] Answer: In response to the question—now so frequently raised in discussions—of whether one should explain sexual processes to children, people often say: “I do not want to, and must not, tell the child a lie.” — Well, one should not tell a child a lie; one should tell them the whole truth—but a truth that lies in an entirely different realm than the banal description of the physical processes of conception and birth. Our ancestors did not tell their children lies either when they said to them: “Your mother is in Pomerania; fly, little beetle, fly!” Pomerania is the land of childhood, the homeland of the soul. There is also a spiritual aspect to “flying.” People back then simply knew more than people do today; they understood the spiritual processes that take place from the moment of the child’s physical birth; they knew that these processes are more important, that birth is not merely a physical act. And in this spirit, we should also speak to children today when they begin to ask about the origin of humanity. We should tell them, in the most beautiful poetic images, about the soul that descends for birth; we should fill their souls with images full of spiritual beauty and purity, holiness, and reverence. We cannot reach high enough, nor can we be poetic enough in planting these images deep within their souls. And when the time comes when, with sexual maturity, the physical processes of conception and birth become clear to them, these will appear to the children simply as what they are—as the less essential aspects. Their soul, filled with lofty, sacred, and awe-inspiring ideas and images, will regard the birth of the body as a secondary matter.
