The Nature of Man
in the Light of Spiritual Science
GA 68d
15 February 1907, Leipzig
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The Nature of Man in the Light of Spiritual Science, tr. SOL
9. Der Lebenslauf des Menschen vom Geisteswissenschaftlichen Standpunkt
9. The Course of Human Life from a Spiritual Scientific Perspective
[ 1 ] Sie alle kennen den griechischen Tempelspruch «Erkenne dich selbst». Er enthält die tiefste Lebensweisheit und wieder und immer wieder wird er den Menschen nahegebracht. Wenn er auch als Führer durch das Leben segensreich ergriffen werden kann, so kann er doch auch missverstanden werden. «Erkenne dich selbst» ist eine Wahrheit. Nicht darf sie so verstanden werden, als solle der Mensch in sich hineinbrüten und denken, er sei schon ein fertiger Mensch, sondern es ist eine Aufforderung zur Selbstentwicklung der inneren schlummernden Seelenkräfte, diese zu erhöhen und zu erweitern, die Anlagen und Keime zu entwickeln. Streben und Suchen sind viel bessere Werkzeuge zur Selbsterkenntnis, als zu glauben, alles sei bereits fertig in uns.
[ 1 ] You are all familiar with the Greek temple maxim, “Know thyself.” It contains the deepest wisdom about life, and time and again it is brought to people’s attention. While it can be embraced as a beneficial guide through life, it can also be misunderstood. “Know thyself” is a truth. It must not be understood to mean that a person should brood inwardly and think that he is already a complete human being; rather, it is a call to the self-development of the inner, dormant powers of the soul—to elevate and expand them, and to develop one’s innate talents and potential. Striving and seeking are far better tools for self-knowledge than believing that everything within us is already complete.
[ 2 ] Lassen Sie uns betrachten, wie der Mensch sich von [der] Geburt bis zum Tode entwickelt, wie es in Wahrheit ist.
[ 2 ] Let us consider how a person develops from birth to death, as it truly is.
[ 3 ] Wer über das Wesen des Menschen vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt hört, dem erscheinen diese Dinge mit mannigfaltigen Zweifeln und Anfechtungen verbunden. Ich kann Ihnen hier nur eine kurze Skizze geben. Dasjenige, was der materialistische Sinn betrachtet, das ist für den Geistesforscher nur ein Glied der menschlichen Wesenheit. Wir nennen dieses den physischen Leib. Er ist zusammengesetzt aus denselben Stoffen und Kräften wie Mineralien, Steine. Ein Stein, ein Mineral aber, diese leblosen Körper haben die Fähigkeit und Kraft, sich durch sich selbst zu erhalten. Das hat der physische Leib des Menschen nicht. Gerade durch seine physischen und chemischen Kräfte ist es ihm eine Unmöglichkeit; als Leiche zerfällt er. Wir können das eigentliche Prinzip des Lebens auffassen als eine Wesenheit, die jeden Augenblick kämpft, den Zerfall des physischen Körpers zu verhindern. Diese Wesenheit nennen wir den Ätherleib, er ist gleichsam der Architekt des physischen Leibes, er ordnet die chemischen und physischen Stoffe. Es ist in der verflossenen Zeit selbst üblich gewesen in der Naturwissenschaft, von diesem Prinzip des Lebens zu sprechen als Lebenskraft. Von der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts an ist es Mode geworden, von den lebendigen Stoffen so zu sprechen, als wenn sie sich selbst zusammensetzten, geradeso, als ob ein Haus sich von selbst aus Holz und Ziegelsteinen zusammensetzte. Wie das Haus gebaut wird nach dem Plane des Architekten, so auch werden die Kräfte vom Ätherleib benutzt zum Aufbau des physischen Leibes. Der Ätherleib ist also das zweite Glied des Menschen.
[ 3 ] To anyone who hears about the nature of the human being from the perspective of spiritual science, these things seem to be fraught with manifold doubts and challenges. I can only give you a brief outline here. What the materialistic mind perceives is, for the spiritual researcher, merely one aspect of the human being. We call this the physical body. It is composed of the same substances and forces as minerals and stones. A stone or a mineral, however—these lifeless bodies—have the ability and power to sustain themselves. The human physical body does not. Precisely because of its physical and chemical forces, this is impossible for it; as a corpse, it decays. We can understand the true principle of life as an entity that struggles at every moment to prevent the decay of the physical body. We call this entity the etheric body; it is, as it were, the architect of the physical body, organizing the chemical and physical substances. In the past, it was even common in the natural sciences to refer to this principle of life as “vital force.” From the mid-nineteenth century onward, it became fashionable to speak of living matter as if it assembled itself, just as if a house were to assemble itself from wood and bricks. Just as a house is built according to the architect’s plans, so too are the forces of the etheric body used to construct the physical body. The etheric body is thus the second member of the human being.
[ 4 ] Das dritte ist der Astralleib. Er ist der Träger von allen Begierden, Leidenschaften, Lust und Leid, Freude und Schmerz. Was aber den Menschen zur Krone der Schöpfung macht, das ist die Kraft, Ich zu sagen, das ist das vierte Glied der menschlichen Wesenheit. Diese vier Glieder der menschlichen Wesenheit hat man seit Jahrtausenden betrachtet und überall angesehen als den Ausdruck der Kräfte, die den göttlichen Menschen aufbauen. In allen Schulen der Eingeweihten werden diese vier Teile erklärt. Pythagoras machte seinen Schülern zunächst klar, dass der Mensch aus diesen vier Teilen besteht, dann erst durften sie die höheren Stufen kennenlernen. Damit mussten sie ein Gelöbnis ablegen: mit Ernst, Würde und Inbrunst die höheren Geheimnisse aufnehmen zu wollen. Diese eidesartige Formel lautet: Ich schwöre bei dem, der uns in das Herz geprägt die heilige Weisheit, das erhabene reine Sinnbild, den Urquell der Natur und alles Schaffens der Götter.
[ 4 ] The third is the astral body. It is the vehicle of all desires, passions, pleasure and suffering, joy and pain. But what makes human beings the crown of creation is the power to say “I”—that is the fourth member of the human being. These four aspects of the human being have been studied for millennia and are universally regarded as the expression of the forces that build up the divine human being. These four aspects are explained in all schools of the initiated. Pythagoras first made it clear to his students that the human being consists of these four aspects; only then were they permitted to learn about the higher levels. To do so, they had to take a vow: to receive the higher mysteries with seriousness, dignity, and fervor. This oath-like formula reads: “I swear by the One who has imprinted upon our hearts the sacred wisdom, the sublime and pure symbol, the primordial source of nature, and all the creations of the gods.”
[ 5 ] Der Mensch, der auf der untersten Stufe steht, der «Wilde» schon hat diese vier Wesenheiten, so auch der europäische Durchschnittsmensch, ein Idealist wie Schiller und auch ein Geistmensch wie Franz von Assisi. Sie unterscheiden sich darin, dass der «Wilde» zunächst seinen Trieben und Leidenschaften folgt und sich ihnen überlässt. Derjenige, der schon weitergekommen ist in der Entwicklung, bei dem schon sein Ich, der Mittelpunkt seiner Wesenheit, gearbeitet hat an der Entwicklung der drei Glieder und damit schon veredelnd auf seine Begierden und Leidenschaften gewirkt hat, der ist sich schon klar geworden darüber, dass er gewissen Dingen folgen darf und andern nicht. Der hat ein zweites Glied an seinem astralischen Leib ausgebildet, also somit ein fünftes, sein Geistselbst, das Manas.
[ 5 ] Even the person at the lowest level—the “savage”—already possesses these four entities, as does the average European, an idealist like Schiller, and even a spiritual person like Francis of Assisi. They differ in that the “savage” initially follows his instincts and passions and surrenders to them. The one who has already progressed further in his development—in whom the “I,” the center of his being, has already worked on the development of the three members and has thus already had a refining effect on his desires and passions—has already become aware that he may follow certain things and not others. Such a person has developed a second member in his astral body—and thus a fifth: his spiritual self, the Manas.
[ 6 ] Aber auch in den Äther- oder Lebensleib kann der Mensch hineinarbeiten durch alle Impulse der Kunst, und da bildet er an diesem auch ein zweites Glied heraus, und das ist das sechste Glied des Menschen: die Budhi, das ist der Lebensgeist, sind die religiösen Impulse, die umgestalten im Unbewussten den Ätherleib. Seit es ein Menschengeschlecht gibt, geht diese Umwandlung vor sich. Der Ätherleib ist der Träger des Gedächtnisses, der Gewohnheiten und dessen, was man Gewissen nennt. Diese Umgestaltung geht langsamer vor sich als die im Astralleib; und [es] sind diese Tätigkeiten zu vergleichen bei Letzterem mit dem Minutenzeiger an einer Uhr und beim Ersteren mit dem Stundenzeiger.
[ 6 ] But human beings can also work into the etheric or life body through all the impulses of art, and there they develop a second member within it, which is the sixth member of the human being: the buddhi, that is, the life spirit, consists of the religious impulses that transform the etheric body in the unconscious. This transformation has been taking place ever since the human race came into existence. The etheric body is the bearer of memory, habits, and what is called conscience. This transformation proceeds more slowly than that in the astral body; and these activities can be compared, in the case of the latter, to the minute hand of a clock, and in the case of the former, to the hour hand.
[ 7 ] Versetzen Sie sich zurück in die Zeit, da Sie acht Jahre waren, und vergleichen Sie, was Sie seitdem an Begriffen und Lebenserfahrung lernten. Ungeheuer viel ist das. Das ist die Veränderung in Ihrem Astralleib. Aber war ich als Kind jähzornig, so hat sich das nicht so sehr geändert. Unser Ich kann den Lebensleib nur langsam bearbeiten. Das geschieht unbewusst. Der höhere Schüler aber arbeitet in bewusster Weise an der Umänderung. Er erhält Anleitung, seine Gewohnheiten, sein Temperament zu ändern. Hat der Schüler gelernt, bewusst gewisse Grundlinien umzugestalten, zum Beispiel Herrschsüchtiges in Demütiges zu wandeln, so hat er die Hoffnung, höher und höher hinaufzusteigen, und höhere Pforten werden sich ihm öffnen. Dieses ist verhältnismäßig schwer, aber noch viel schwieriger ist es, in seinen physischen Leib hineinzuarbeiten. Was hat er für Macht über seinen Pulsschlag, seine Atmung, über die Funktionen seines physischen Leibes? Was der Schüler da lernt auszubilden nach höherer Entwicklung, das ist das siebte Glied, der Geistmensch, Atma. Somit besteht der Mensch dann aus sieben Gliedern.
[ 7 ] Think back to when you were eight years old, and compare what you have learned since then in terms of concepts and life experience. It is an enormous amount. That is the change in your astral body. But if I was quick-tempered as a child, that hasn’t changed all that much. Our “I” can only work on the life body slowly. This happens unconsciously. The advanced student, however, works consciously on bringing about this transformation. He receives guidance on how to change his habits and his temperament. Once the student has learned to consciously reshape certain fundamental traits—for example, transforming domineering tendencies into humility—he has the hope of ascending higher and higher, and higher gates will open to him. This is relatively difficult, but it is even more difficult to work on one’s physical body. What power does he have over his pulse, his breathing, and the functions of his physical body? What the student learns to develop there toward higher evolution is the seventh member, the spiritual man, the Atma. Thus, the human being then consists of seven members.
[ 8 ] Wir wollen nun betrachten, wie sich diese sieben Glieder entwickeln in der Zeit von [der] Geburt bis zum Tod. Der Mensch beginnt sein Dasein mit der physischen Geburt; eigentlich setzt er ja nur das Leben im Mutterleib fort, aber auch dieses ist ja nur eine Fortsetzung von früherem Leben. Vor der physischen Geburt war der Mensch allseitig umgeben von dem Leib der Mutter, der ihm auch Kräfte und Säfte zuführte. Mit dem Heraustreten des physischen Leibes stößt er die mütterliche Hülle zurück; während er vorher geschützt war, tritt er nun in die physische Welt. Auge und Ohr hatten sich gebildet, aber Licht und Ton konnte der Mensch nicht wahrnehmen; das lernt er erst in der physischen Welt. Er hat durch die Geburt seinen Schauplatz geändert.
[ 8 ] Let us now consider how these seven members develop from birth to death. Human beings begin their existence with physical birth; in reality, they are merely continuing the life they led in the womb, but even that is merely a continuation of a previous life. Before physical birth, the human being was completely surrounded by the mother’s body, which also supplied it with strength and vital fluids. Upon emerging from the physical body, the human being pushes away the maternal shell; whereas before he was protected, he now enters the physical world. The eyes and ears had formed, but the human being could not perceive light or sound; he learns this only in the physical world. Through birth, he has changed his setting.
[ 9 ] Mit dieser Geburt ist aber bloß das eine Glied, der physische Leib geboren. Nun gibt es noch eine zweite und eine dritte Geburt für den Menschen. Wenn der Mensch geboren ist, ist er immer noch von einer unsichtbaren ätherischen und astralischen Hülle umgeben. Genauso wie im Mutterleib und wie bei seiner Geburt diese [physische] Hülle zurückgeschlagen wird, ebenso wird beim Zahnwechsel die Ätherhülle zurückgeschlagen und der Ätherleib vollständig geboren. Das ist die zweite Geburt. Sie spielt sich langsam ab und begleitet die Zeit, wo die Milchzähne durch andere ersetzt werden. Wenn der Mensch seinen Ätherleib verlassen hat, ist er noch umgeben vom astralischen Leib. Die dritte Geburt geschieht bei der Geschlechtsreife. Da wird die astralische Hülle zurückgeschlagen und der Mensch wird da empfänglich für astralische Einflüsse. Es sind wichtige Momente, die berücksichtigt werden müssen. Erstes bis siebtes Jahr: erste Epoche. Die zweite Epoche - siebtes bis vierzehntes Jahr — ist wesentlich verschieden, und ebenfalls die dritte vom vierzehnten bis einundzwanzigsten Jahr. Dann entwickelt der Mensch seinen astralischen Leib durch das dahinterliegende Ich in einer freien Weise.
[ 9 ] With this birth, however, only the first aspect—the physical body—is born. There is also a second and a third birth for human beings. When a person is born, they are still surrounded by an invisible etheric and astral sheath. Just as this [physical] sheath is shed in the womb and at birth, so too is the etheric sheath shed during the change of teeth, and the etheric body is fully born. This is the second birth. It takes place gradually and accompanies the period when the baby teeth are replaced by permanent ones. Once a person has left their etheric body, they are still surrounded by the astral body. The third birth occurs at sexual maturity. At that point, the astral sheath is shed, and the person becomes receptive to astral influences. These are important moments that must be taken into account. The first through seventh years: the first epoch. The second epoch—the seventh through fourteenth years—is significantly different, as is the third, from the fourteenth to the twenty-first year. Then the human being develops their astral body freely through the “I” that lies behind it.
[ 10 ] In der ersten Epoche, da sind physische Organe bis zu einen gewissen Punkt zu gestalten. Zwar wächst der Mensch auch dann noch, aber sehr zu unterscheiden ist das Wachstum bis zum siebten Jahr und nachher. Der Zahnwechsel ist eine Art Schlussjahr. Bis dahin hat der Mensch die Richtung bekommen, die er behält, die Grundlage seiner Form bleibt. Was also der Mensch bis zum siebten Jahr nicht entwickelt hat, ist nicht mehr nachzuholen. Nur ein Gesichtspunkt ist zu berücksichtigen. Bis zum einundzwanzigsten Jahr wird die Entwicklung mehr erzieherischer Natur sein, dann wird sie anderen Charakter annehmen. Was macht es, dass die Organe des Menschen das richtige Gepräge erhalten? Die umliegende Welt macht es. Goethe sagt, das Auge wird vom Licht selbst herausgebildet. Das Licht ist der Schöpfer, der Gestalter. Der Ton bildet das Ohr und so weiter. Was Licht und Luft am Menschen schaffen kann, das wird am intensivsten in der ersten Epoche gebildet bis zum Zahnwechsel. Eine geeignete Umgebung ist schaffend für den physischen Leib des Menschen.
[ 10 ] During the first epoch, the physical organs must be formed up to a certain point. Although the human being continues to grow even then, there is a significant difference between growth up to the age of seven and growth thereafter. The change of teeth marks a kind of final year. By then, the human being has been given the direction that he or she will retain, and the foundation of his or her form remains. So whatever a person has not developed by the age of seven cannot be made up for later. Only one aspect needs to be taken into account: Until the age of twenty-one, development will be more of an educational nature; after that, it will take on a different character. What ensures that a person’s organs take on the proper form? The surrounding world does. Goethe says that the eye is shaped by light itself. Light is the creator, the shaper. Sound forms the ear, and so on. What light and air can create in a human being is formed most intensively during the first epoch, up until the change of teeth. A suitable environment is formative for the human physical body.
[ 11 ] Es ist zum Beispiel gar nicht gleichgültig, ob ein Kind mit belebenden oder abstumpfenden Farben umgeben ist. Ein nervöses, aufgeregtes Kind sollte man daher mit lebhaften Farben umgeben, rötlichen, rötlich-gelben Farben. Es kommt darauf an, was schöpferisch auf das Kind wirkt. Hier ein Beispiel. Sehen Sie scharf auf ein weißes Tuch mit roten Flecken und sehen Sie dann davon weg, so nehmen Sie die Gegenfarbe wahr und sehen grüne Flecke. Dieses Grün wirkt wohltätig. Deshalb sollte ein erregtes Kind ein rotes Kleid tragen, ein ruhiges Kind in dumpfen Farben gekleidet sein. Auf Anregung der inneren Kräfte kommt es an. Mit einer vollkommenen Puppe tut man dem Kinde einen schlechten Dienst, denn daran hat die Phantasie keine Betätigung mehr. Und das Kind hat ein Wohlgefühl am Gestalten der inneren Organe, und das raubt man ihm damit. Freude an der Umgebung muss das Kind haben. Sie können nicht genug tun an Lust und Freude in der ersten Epoche des Lebens. Nur nicht Askese.
[ 11 ] For example, it is by no means irrelevant whether a child is surrounded by invigorating or dulling colors. A nervous, agitated child should therefore be surrounded by lively colors—reddish or reddish-yellow hues. What matters is what has a creative effect on the child. Here is an example. If you stare intently at a white cloth with red spots and then look away from it, you will perceive the complementary color and see green spots. This green has a soothing effect. That is why an agitated child should wear a red dress, while a calm child should be dressed in muted colors. It all depends on stimulating the child’s inner forces. A perfectly formed doll does the child a disservice, for it leaves no room for the imagination to work. And the child derives a sense of well-being from shaping its inner organs, which is thereby robbed of this experience. The child must find joy in its surroundings. You cannot do enough to foster delight and joy during the first stage of life. Just avoid asceticism.
[ 12 ] Ein anderes ist die Liebe. Die Liebe, die das Kind umgibt, mischt sich hinein in seine ätherische und astralische Hülle. Es bringt sogar günstige Instinkte.
[ 12 ] Another is love. The love that surrounds the child permeates its etheric and astral bodies. It even instills beneficial instincts.
[ 13 ] Hier möchte ich die Nahrung erwähnen. Glauben Sie nicht, dass die Kinder mit Eiern überfüttert werden dürfen. Diese Nahrung verdirbt die günstigen Nahrungsinstinkte. Je weniger ein Kind mit Eiern überfüttert wird, desto gesunderen Instinkt hat es, sich zu nähren. Die Geisteswissenschaft gilt als eine praktische Sache, die Sie hier im Leben praktisch anleitet.
[ 13 ] Here I would like to mention nutrition. Do not think that children should be overfed with eggs. This food spoils their natural nutritional instincts. The less a child is overfed with eggs, the healthier their instinct for nourishment will be. Spiritual science is considered a practical discipline that provides practical guidance for your life here on earth.
[ 14 ] In der zweiten Epoche - vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife —, da wird der astralische Leib eigentlich geboren. Bisher ist der Lebensleib — Ätherleib — eingehüllt; nun muss hervorkommen alles, was Gedächtnis, Gewohnheit ist, damit er ein brauchbares Mitglied der menschlichen Gesellschaft wird. Wenn Sie vorher mit etwas dergleichen auf das Kind wirken wollen, so würde es so sein, wie wenn Sie Licht und Ton dem Kinde im Mutterleib von außen zuführen wollten. Sie können es nicht. Wohl aber ist es die Zeit bis zum siebten Jahr, wo Freude und Lust, Begierde und Instinkt in richtige Bahn geleitet werden. Zwei Zauberworte müssen Sie ihm ins Herz schreiben: Nachahmung und Vorbild. Das sind die beiden wirkenden Kräfte. Ein Vorbild muss gegeben werden, nicht ein Gebot.
[ 14 ] In the second epoch—from the change of teeth to sexual maturity—the astral body is actually born. Until then, the life body—the etheric body—is enveloped; now everything that constitutes memory and habit must emerge so that the child can become a useful member of human society. If you were to try to influence the child with something like this beforehand, it would be like trying to introduce light and sound to the child from the outside while it is still in the womb. You cannot do that. However, the period up to the age of seven is indeed the time when joy and pleasure, desire, and instinct are guided onto the right path. There are two magic words you must inscribe in the child’s heart: imitation and example. These are the two active forces. An example must be set, not a command.
[ 15 ] Hier ein Beispiel. An einem gut gearteten Kinde machten die Eltern die Entdeckung, dass es ihnen Geld genommen habe. Die Eltern nannten es gestohlen. Das Kind aber hatte dafür Geschenke für arme Kinder gekauft. Es hatte das getan, was es seine Eltern tun sah. In der physischen Umgebung darf nichts getan werden, was das Kind nicht nachahmen darf. Lehren nützen da nichts, die wirken nicht in dem Alter, sie wirken erst, wenn der Ätherleib freigelegt ist. Jean Paul nennt das Vorbild die größte Parole der Erziehung. Ihr mögt einen Weltreisenden fragen, und er wird sagen, mehr als auf allen Reisen habe er von seiner Mutter oder Amme in den ersten Lebensjahren gelernt. Unter dem Schutze der äußeren physischen Umgebung, die die Liebe hineinwirkt in die äußere Hülle, entwickeln sich unendliche Kräfte. Auch da sagt Jean Paul: Seht euch das Kind an, es lernt die Sprache und auch den Geist der Sprache in innerer Bildung. Was würde der Mensch für spätere Sprachbildung erreicht haben, wenn ihm solche Kraft erhalten bliebe. Das Kind hat sprachbildende Kraft, zum Beispiel nennt es den, der die Flaschen fertigt, den Flascher - und anderes mehr. Das Schlimmste ist, wenn man bei der Erziehung nicht die rechte Reihenfolge einhält. — Jean Paul sagt: Sehet an, was für Worte das Kind gebraucht, und fragt dann, ob sein Vater es ihm philosophisch erklären kann. So kommt das Nachahmungstalent für Buchstaben, aber den Sinn der Buchstaben lernt das Kind erst nach dem siebten Jahr verstehen.
[ 15 ] Here is an example. The parents of a well-behaved child discovered that the child had taken money from them. The parents called it stealing. But the child had used the money to buy gifts for poor children. The child had done what it had seen its parents do. In the physical environment, nothing should be done that the child is not allowed to imitate. Lectures are of no use here; they have no effect at that age; they only take effect once the etheric body is revealed. Jean Paul calls the example the greatest motto of education. Ask any world traveler, and he will say that he learned more from his mother or nurse in the first years of his life than he did on all his travels combined. Under the protection of the outer physical environment, into which love works its way into the outer shell, infinite powers develop. Here, too, Jean Paul says: Look at the child—it learns language and also the spirit of language through inner development. What would a person have achieved in terms of later language development if such power were preserved within them? The child possesses the power to shape language; for example, it calls the person who makes bottles a “bottle-maker”—and much more besides. The worst thing is when the proper sequence is not followed in education. — Jean Paul says: “Look at what words the child uses, and then ask whether its father can explain them to it philosophically.” This is how the talent for imitating letters develops, but the child does not learn to understand the meaning of the letters until after the age of seven.
[ 16 ] In der Zeit zwischen dem siebten Jahr und der Geschlechtsreife wird Gedächtnis, Neigung und Charakter umgebildet. Da sind drei Gesichtspunkte zu beachten, das Denken, Wollen und Fühlen. Diese werden durch verschiedene Lehrkräfte gespeist. Das Denken, was er durch den Ätherleib instinktiv herausgebildet hat, muss umgebildet werden. Die Sprache hat er gelernt, aber nun ist ihm der Sinn des Gesprochenen beizubringen, der Sinn dessen, was er in Formen nachgemacht hat. Daher sollte mit dem Anschauungsunterricht nicht zu früh begonnen werden, erst wenn es im Kinde vorgebilder ist. Dann soll auf das Gefühl, Gemüt gewirkt werden mit Dingen, die man mit Geschichte bezeichnet. Versuchen Sie, das Kind hinaufschauen zu lassen zu den großen Persönlichkeiten der Weltgeschichte. Die Religion ist zur unerlässlichen Grundlage der Erziehung zu machen. Der Mensch macht eine Willensbildung durch, die ihm erscheint als das Ursein der göttlichen Wesenheit. Die Aufnahme von bildlichen Vorstellungen muss Begriffe bilden, nicht die abstrakte Form. Heute ist es nicht leicht für den Lehrer, den Vergleich zu finden für den Tod, wie von Puppe zu Schmetterling: Die Puppe öffnet sich und hinaus fliegt der Falter. So löst sich im Tod die Seele vom Leibe. Es wirkt auf das Kind, was man selbst glaubt. Goethe sagt: «Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.» Das ist das Bild vom Falter. Es gibt einen Standpunkt, wo der Geistesmensch wirklich daran glaubt. Dann wird dem Kinde durch sinnliches Bild übersinnliches Abbild klargemacht.
[ 16 ] Between the age of seven and puberty, memory, disposition, and character undergo a transformation. There are three aspects to consider: thinking, willing, and feeling. These are nurtured by different teachers. Thinking—which the child has instinctively developed through the etheric body—must be transformed. The child has learned language, but now must be taught the meaning of what is spoken—the meaning of what he has imitated in form. Therefore, visual instruction should not be begun too early; it should only begin when the child is ready. Then one should appeal to the child’s feelings and emotions through what is known as history. Try to have the child look up to the great figures of world history. Religion must be made the indispensable foundation of education. Human beings undergo a process of will formation that appears to them as the primal essence of the divine being. The absorption of visual imagery must form concepts, not abstract forms. Today, it is not easy for the teacher to find an analogy for death, such as that of the chrysalis becoming a butterfly: the chrysalis opens, and the butterfly flies out. Thus, in death, the soul detaches itself from the body. What one believes oneself has an effect on the child. Goethe says: “Everything transitory is but a parable.” That is the image of the butterfly. There is a point of view from which the spiritual person truly believes in it. Then, through a sensory image, the supersensory reality is made clear to the child.
[ 17 ] Von diesem Gesichtspunkt aus möchte ich von einer Sache reden, die heute ganz sonderbar dargestellt wird. Was für Sorge macht das «Storchennest». Unsere hochaufgeklärten Zeitgenossen sagen heute, wir dürfen den Kindern solche Lügen nicht beibringen. So liegt die Sache nicht. In fünfhundert Jahren werden unsere Nachkommen von uns sagen: Was sind das für merkwürdige Menschen, die haben da grobklotzig das physische Geschehnis hingestellt. Das ist viel mehr gelogen. Das Storchennestbild stammt aus einer Zeit, wo man wusste, dass damit der Vorgang geistigen Ausdruck fand. Aus dem geistigen Land, da kommt die Seele herunter, und das ist das Wichtigste bei diesem Vorgang. Alles Herabgehen und alles Hinaufgehen wird mit fliegenden Wesen zusammengebracht. So war es auch das fliegende Wesen, der Storch. Das Liedchen «Flieg, Käfer, flieg» und so weiter - «Pommerland» bedeutet Kinderland — sagt uns von der fliegenden Scele, die die Mutter herausholt aus dem Kinderland. Alle Märchen bringen die geistige Wahrheit in der Form, wie das Kind sie versteht. Es handelt sich darum, dass die Kräfte herausgebildet werden. Wenn in der ersten Epoche die beiden Zauberworte Nachahmung und Vorbild wirken müssen, so in der zweiten Epoche Nachfolge und Autorität. Die Schulfrage wird eine Lehrerfrage werden. Ein jeder muss den Lehrer wählen, der ihn die Wege zum Olymp nacharbeiten lässt. Das, was das Kind glaubt, darauf kommt es an. Die Wahrheit muss in Person zum Ausdruck kommen, Fleisch geworden sein. Autorität ist das Zauberwort, in dem des Kindes Gewissen, Charakter, Temperament sich lebendig dem Lehrer nachbildet.
[ 17 ] From this perspective, I would like to talk about something that is portrayed in a very strange way today. What a concern the “stork’s nest” is. Our highly enlightened contemporaries say today that we must not teach children such lies. That is not how it is. In five hundred years, our descendants will say of us: What strange people these were, who so crudely and clumsily portrayed the physical event. That is a much greater lie. The image of the stork’s nest dates back to a time when people knew that it was a spiritual expression of the process. The soul descends from the spiritual realm, and that is the most important aspect of this process. All descent and all ascent are associated with flying beings. Thus it was also the flying being, the stork. The little song “Fly, beetle, fly” and so on—“Pommerland” means “Children’s Land”—tells us of the flying soul that the mother brings forth from the Children’s Land. All fairy tales convey spiritual truth in a form that the child can understand. The point is that these forces are developed. Just as the two magic words “imitation” and “role model” must be at work in the first epoch, so “following” and “authority” must be at work in the second epoch. The question of schooling will become a question of the teacher. Each person must choose the teacher who will guide them along the paths to Olympus. What the child believes is what matters. Truth must be expressed in person; it must have become flesh. Authority is the magic word through which the child’s conscience, character, and temperament vividly model themselves after the teacher.
[ 18 ] Mit der Geschlechtsreife wird der astralische Leib geboren. Da wird bloßgelegt im Menschen, was ihm in der Welt entgegentritt. Das Bewusstwerden des Getrennten in den Geschlechtern ist die Zeit der Geburt des astralischen Leibes; das Verhältnis des Männlichen zum Weiblichen lernt er selbst kennen und scheiden. Darum zu jener Zeit so wenig wie möglich von diesem allem in Theorie sich bewegen. Es ist ein Irrtum, dass der Mensch erst vom vierzehnten Jahr eine Zeit braucht, in der einwirken muss die Welt, bis er reif wird, selbst zu urteilen. Heranreifen muss der astrale Leib, heranreifen unter der Autorität der Welt, die hinzuzufügen hat, was sie ihm zu geben hat. Und dann kommt das in Betracht, was die Reifung bewirkt, die Kräfte. Vom fünfzehnten bis sechzehnten Jahr müssen ideale Kräfte entwickelt werden, Lebenskräfte und Lebenswünsche. Was er an Ideal hat, ist Kraft für ihn. Mit dem Heranreifen des astralen Leibes stärkt sich das Muskelsystem. Und wie mit der Geschlechtsreife die Schulzeit abschließt, so schließt mit dem einundzwanzigsten Jahr die Lehrzeit ab. Nach der Lehrzeit folgt eigentlich erst die Geburt des freien Ichs. Es ist da, wo der Mensch als selbstständiger Arbeiter in die Welt tritt, wo die Wanderzeit beginnt. Er muss selbstständig arbeiten lernen, bevor er herangereift ist, als Meister auf das Leben einzuwirken.
[ 18 ] With sexual maturity, the astral body is born. This reveals within the human being what confronts him in the world. Becoming aware of the distinction between the sexes marks the birth of the astral body; the human being learns to recognize and distinguish the relationship between the masculine and the feminine. Therefore, at that time, one should engage as little as possible with all of this in theory. It is a mistake to think that only after the age of fourteen does a person need a period during which the world must influence him until he is mature enough to judge for himself. The astral body must mature—mature under the authority of the world, which must add what it has to give him. And then what brings about this maturation—the forces—comes into play. From the age of fifteen to sixteen, ideal forces must be developed: life forces and life aspirations. Whatever ideals a person holds are a source of strength for them. As the astral body matures, the muscular system grows stronger. And just as school days come to an end with sexual maturity, so too does the apprenticeship come to an end at the age of twenty-one. It is only after the apprenticeship that the birth of the free “I” actually takes place. It is at this point that the human being steps into the world as an independent worker, and the period of wandering begins. He must learn to work independently before he has matured enough to influence life as a master.
[ 19 ] In all dieser Zeit ist der Mensch im Wachstum begriffen, und wie der Mensch bis zum achtundzwanzigsten, ja sogar bis zum dreißigsten Jahr noch immerfort wächst an seinen äußeren Organen, so hat er auch ein inneres Wachstum, denn der Leib ist der Ausdruck des Seelischen. Da bildet sich der Mensch einen Grundstock heran. Erst bildet sich das Kind durch Nachahmung eines Vorbildes, dann durch Nachfolge der Autorität in der Lehrzeit, und in den Wanderjahren im freien Verkehr. Dann kommt eine Zeit, wo alles im Menschen herausgestellt ist, das ist die eigentliche Mannes- und Weibeszeit. Von da ab hört der Einfluss von außen in einer gewissen Weise auf. Mit dreißig Jahren beginnt im Körper der Fettansatz, der Mensch geht in die Breite. Das ist ein Zeichen, dass die Kräfte nachgelassen haben, im Innern tätig zu sein.
[ 19 ] Throughout this entire period, the human being is in the process of growing, and just as the human being continues to grow in terms of external physical features until the age of twenty-eight, or even thirty, so too does inner growth take place, for the body is the expression of the soul. This is when the human being develops a foundation. At first, the child develops by imitating a role model, then by following authority during the learning years, and during the years of travel through free interaction. Then comes a time when everything in a person is fully developed; this is the true age of manhood and womanhood. From that point on, external influence ceases to a certain extent. At the age of thirty, fat begins to accumulate in the body, and a person begins to put on weight. This is a sign that the inner forces have diminished.
[ 20 ] Im fünfunddreißigsten Jahr beginnt der Mensch, segensreich die Kräfte in sich selbst zu verarbeiten. An seiner Seele arbeitet bis dahin an dem Zeitlichen [dasjenige], was er mitgebracht hatte aus früheren Verkörperungen, für das Ewige fängt der Mensch nun an, nach innen zu arbeiten. Deshalb wird alles, was wir gelernt haben, erst vom fünfunddreißigsten Jahr an reif, etwas zu werden, um es der Welt zu geben. Es ist die Zeit, wo er in sich selbst fest wird, in sich selbst Gewicht erhält. Muss der Mensch bis dahin lernen durch die Welt und durch das Leben, so kann erst vom fünfunddreißigsten Jahr an die Welt von ihm lernen. Beraten soll die Jugend werden, raten kann erst der, der über die Sonnenhöhe sich erhoben hat. Dann kann er mehr geben, als er von ihr entnimmt. Das rührt davon her, dass der astralische Leib mit der Geschlechtsreife herauskommt, dann kann er innerlich in seinem Ätherleib arbeiten. Solange die Muskeln noch wachsen, ist das nicht möglich. Wenn die Muskeln nicht mehr dem Körper selbst überlassen sind, wird der Lebensleib — Ätherleib — immer gediegener, und er gibt, was in ihm erarbeitet wird, der Umwelt. Besonders begabte Menschen können dieses vor dem fünfunddreißigsten Jahr, aber Gewicht hat er erst vom fünfunddreißigsten Jahr an. Die alten Griechen würden nie gestattet haben, dass ein Mensch vor dieser Zeit raten könne. Tun wohl, aber raten nicht. In allen Geheimschulen kamen alle Schüler vor dem fünfunddreißigsten Jahr nur in [das] Vorbereitungsstudium.
[ 20 ] In the thirty-fifth year, a person begins to process the forces within themselves in a beneficial way. Up to that point, the soul has been working on the temporal aspects—those elements brought over from earlier incarnations—but now a person begins to work inwardly toward the eternal. That is why everything we have learned only matures, starting at the age of thirty-five, into something we can offer to the world. It is the time when a person becomes steadfast within themselves, gaining inner substance. While a person must learn through the world and through life up to that point, it is only from the age of thirty-five onward that the world can learn from them. Youth should be guided; only those who have risen above the height of the sun can offer guidance. Then they can give more than they take from it. This stems from the fact that the astral body emerges with sexual maturity; only then can it work inwardly within the etheric body. As long as the muscles are still growing, this is not possible. When the muscles are no longer left to the body’s own devices, the life body—the etheric body—becomes increasingly refined, and it gives to the environment what is developed within it. Particularly gifted individuals can do this before the age of thirty-five, but it only carries real weight from the age of thirty-five onward. The ancient Greeks would never have allowed anyone to make predictions before this time. They might act, but they would not predict. In all mystery schools, students under the age of thirty-five were admitted only to the preparatory course.
[ 21 ] Erst wenn die Kräfte frei geworden waren, konnten sie höher steigen. Wenn der Mensch alt wird in dieser Welt, wird er erst jung für die unsterbliche. Es ist ein großes Glück — ein gesund entwickelter Mensch, er wird etwas Bescheidenes um sich haben und wird bis dahin noch sich seinen Helden wählen, dem er sich nacharbeitet in seinen Olymp. Insbesondere muss das zu großer Vorsicht mahnen, wenn in der höchsten Erkenntnis der Welt die Jugend schon in der Welt wirken will. Das fordert Reife, Stehen in der geistigen Welt. Immer mehr verinnerlicht sich der Mensch, bestimmte Perioden gibt es da nicht. Wer eine gewisse Schulung durchmacht - und sind seine Haare auch schon gebleicht, seine Haut runzlig und welk —, so kann er doch vielleicht der Jüngste sein. Diejenigen, die die Jugend der Seele haben, die werden selbst noch im Greisenalter die größten Kräfte erwerben. Selbst wo das Gedächtnis abnimmt, die bildende Kraft anfängt, schwächer zu werden, die Kraft der Ideale erstirbt, dann erspart man die Kräfte auf alles das, und sie dienen der Pflege des Unsterblichen. Das Greisenalter verwelkt nach außen und lässt heraufleben das Ewige im Menschen.
[ 21 ] Only when these forces had been set free could they rise higher. When a person grows old in this world, he only then becomes young for the immortal world. It is a great blessing—a person who has developed healthily will have a modest life around him and, until then, will still choose his hero, whom he strives to emulate in his own Olympus. In particular, this must serve as a warning to exercise great caution when, in the highest knowledge of the world, youth already seeks to make its mark in the world. This requires maturity and a firm footing in the spiritual world. Human beings become increasingly internalized; there are no set periods for this. Whoever undergoes a certain training—even if their hair is already grayed, their skin wrinkled and withered—may still be the youngest. Those who possess the youth of the soul will acquire the greatest powers even in old age. Even when memory fades, the power of imagination begins to weaken, and the power of ideals dies away—then one conserves one’s energies for all of this, and they serve to nurture the immortal. Old age withers outwardly and allows the eternal within the human being to come to life.
[ 22 ] Es ist das auch ein Beweis für die menschliche Fortdauer. Das wächst und bildet sich heran, was der unzerstörbare, unverwesliche Wesenskern des Menschen ist. Je mehr die Umgebung für ihn das Interesse verliert, desto wichtiger ist, was der Mensch in diesem Alter sagt und denkt für die Welt. Deshalb nahmen die Alten auch die Ältesten zu ihren Führern, auch für die soziale Ordnung. Sie hatten das zu sagen, zu denken, was bleiben sollte, das Unvergängliche im Vergänglichen.
[ 22 ] This, too, is proof of human continuity. What grows and develops is the indestructible, incorruptible core of human being. The more the environment loses its appeal for him, the more important it is for the world what a person says and thinks at this age. That is why the ancients chose the elders as their leaders, including for the sake of social order. They had the words to speak and the thoughts to think that were meant to endure—the imperishable within the perishable.
[ 23 ] Deshalb lässt uns die Geisteswissenschaft dieses Leben im richtigen Lichte sehen. Sie gibt uns nicht nur Theorien, sondern etwas, was uns Kraft und Sicherheit gibt im Leben, Zuversicht in die ganze, große Zukunft der Welt. Dann hat der Lebenslauf des Menschen mit seinem Aufsteigen und Absterben etwas sehr Sinnvolles, wenn wir wissen, wie mit dieser Weisheit zu leben, nach dem erhabenen Satz: Erkenne dich selbst. Sie zeigt ihm, wie die Welt ihn schafft, und wie er sich aus sich selbst hinausarbeitet. Es zeigt uns, wie wir der Welt unser Dasein verdanken, aber auch, dass wir geben können. Die Seligkeit des Nehmens und Gebens zeigt uns dieser Weg.
[ 23 ] That is why spiritual science allows us to see this life in its true light. It gives us not only theories, but something that provides us with strength and security in life, and confidence in the world’s vast and promising future. Then the course of human life, with its ascent and passing, takes on a profound meaning when we know how to live by this wisdom, in accordance with the sublime maxim: “Know thyself.” It shows us how the world shapes us, and how we work our way out of ourselves. It reveals to us how we owe our existence to the world, but also that we are capable of giving. This path reveals to us the bliss of giving and receiving.
