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The Nature of Man
in the Light of Spiritual Science
GA 68d

11 October 1907, Leipzig

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The Nature of Man in the Light of Spiritual Science, tr. SOL
  1. Das Wesen des Menschen im Lichte der Geisteswissenschaft

11. Der Krankheitswahn im Lichte der Geisteswissenschaft

11. The Obsession with Illness in the Light of Spiritual Science

[ 1 ] Krankheit und Gesundheit sind Worte, die jeden Menschen interessieren und die in gewisser Beziehung im Mittelpunkt des Denkens und Fühlens stehen; nicht nur aus egoistischen Gründen, sondern weil damit die Lebenstüchtigkeit und die Lebensarbeit zusammenhängt. Derjenige, der sich einer guten Gesundheit erfreut, kann seinen Mitmenschen ein größerer Helfer sein als derjenige, der durch Krankheit und Leiden niedergedrückt ist; er wird freudiger seine Arbeit, seinen Beruf und seine Mission in der Welt erfüllen.

[ 1 ] Illness and health are words that concern every person and that, in a certain sense, are at the center of our thoughts and feelings—not only for selfish reasons, but because they are connected to our ability to function in life and our life’s work. Those who enjoy good health can be of greater help to their fellow human beings than those who are weighed down by illness and suffering; they will fulfill their work, their profession, and their mission in the world with greater joy.

[ 2 ] Wenn wir vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus über die Gesundheit und Krankheit sprechen, muss uns klar sein, dass wir einen anderen Standpunkt als der Materialist einnehmen müssen. Wir müssen unsere Betrachtungsweise auf eine höhere Stufe heben. Um aber einigermaßen das Wort «Krankheitswahn» zu rechtfertigen, möchte ich zwei Bilder vorführen, und Sie werden von dem einen sehen, dass Krankheitswahn etwas Modernes ist, und in dem anderen, inwieweit von Krankheitswahn zu reden ist.

[ 2 ] When we speak of health and illness from the perspective of the humanities, we must realize that we must adopt a different standpoint than that of the materialist. We must raise our perspective to a higher level. However, to justify the term “illness delusion” to some extent, I would like to present two examples; from one, you will see that illness delusion is a modern phenomenon, and from the other, you will see to what extent it is appropriate to speak of illness delusion.

[ 3 ] Ich fuhr mit einer bekannten Persönlichkeit an vielen Ruinen vorbei, die malerisch auf den Hügeln lagen, aber unter vielen neueren Gebäuden, welche an den Höhen hinaufgebaut waren, zeigten sich auch viele Sanatorien. Der Mitreisende sagte: An Stärke und Kraft vergangener Zeiten mahnen jene Ruinen, und alle die Sanatorien dagegen an Schwäche und Krankheit. — Ich hatte die Notwendigkeit, auf eine kurze Zeit, eine Viertelstunde, ein Sanatorium zu besuchen. Zu dieser Zeit sehe ich eben sämtliche Patienten zum Mittagessen an mir vorüberziehen. Ich bekam den Eindruck, dass die meisten von ihnen etwas Besseres tun könnten, als dort zu sein.

[ 3 ] I drove past many ruins with a well-known figure; they lay picturesquely on the hills, but among the many newer buildings that had been constructed on the hillsides, there were also many sanatoriums. My traveling companion said: Those ruins are a reminder of the strength and vigor of bygone times, whereas all those sanatoriums are a reminder of weakness and illness. — I had to visit a sanatorium for a short time—a quarter of an hour. At that moment, I saw all the patients passing by me on their way to lunch. I got the impression that most of them had better things to do than be there.

[ 4 ] Ein anderes Bild: Ich fuhr von Rostock nach Berlin mit einem Herrn und einer Dame. Sie teilten sich gegenseitig ihre Leiden mit. Die Dame empfahl dem Herrn für seine verschiedenen Leiden verschiedene Rezepte, er dagegen machte sie auf Lahmanns Buch aufmerksam, das er bei sich hatte und zu dessen Sanatorium sein Weg ihn führte. Der Frau fehlte einiges, aber dem Manne fehlte sicher der Wille zum Gesundsein. Es ist für jemand, der wenig selbst beobachtet, was man eingebildete Krankheit nennt. Hört man davon, so stellt man sich etwas Leichtes dabei vor. Wenn auch jenem Manne der Wille zum Gesundsein fehlte, so ist es doch nicht so leicht, ihm den Willen zu geben, ohne den Grund der wirklichen Tatsache zu kennen. Ein Krankheitsgrund ist da. Weh tat ihm alles Mögliche, auch da konnte man von Eingebildetem nicht reden. Wenn wir von Krankheitswahn sprechen, müssen wir bei der eingebildeten Krankheit uns klarmachen, wie sich die Krankheitsursache dazu verhält.

[ 4 ] Another story: I was traveling from Rostock to Berlin with a gentleman and a lady. They were sharing their ailments with one another. The lady recommended various remedies to the gentleman for his various ailments, but he, in turn, drew her attention to Lahmann’s book, which he had with him and whose sanatorium was his destination. The woman had several ailments, but the man certainly lacked the will to be healthy. For someone who observes themselves little, this is what is called a hypochondriacal illness. When one hears of it, one imagines something trivial. Even if that man lacked the will to be healthy, it is still not so easy to instill that will in him without knowing the underlying reality of his condition. There is a cause for his illness. All sorts of things caused him pain; even there, one could not speak of a hypochondriacal condition. When we speak of delusions of illness, we must, in the case of hypochondria, clarify how the cause of the illness relates to it.

[ 5 ] Derjenige, der das Leben betrachtet, zunächst der Arzt, der sich den Blick angeeignet und erkannt hat, was seelische Anlage und was physische Grundlage ist, kann viel davon sagen, welche Rolle die Einbildung spielt. Zum Beispiel, wenn in einer vielgelesenen Schrift über irgendeine Krankheit angegeben ist, was man da alles spürt, so finden sich viele Menschen beim Arzt ein, die die Anlage zu dieser Krankheit in sich zu spüren meinen. Ohne jene Schrift würde das nicht der Fall gewesen sein!

[ 5 ] Anyone who observes life—first and foremost the physician who has cultivated this perspective and come to recognize the difference between psychological disposition and physical constitution—can say a great deal about the role that imagination plays. For example, if a widely read text on a particular illness describes all the symptoms one might experience, many people who believe they sense a predisposition to that illness within themselves will seek out a doctor. Without that text, that would not have been the case!

[ 6 ] Wie ein Arzt sich in solchem Falle verhalten kann, zeigt Ihnen folgendes Beispiel: Ein berühmter Arzt wurde in eine Familie gerufen, wo nicht nur die Familie, sondern auch der Hausarzt glaubte, das junge Mädchen sei an einer Hirnhautentzündung erkrankt. Erst vermutete er, Liebesgeschichten seien schuld; dann fand er heraus, dass das junge Mädchen die Schule verlassen sollte, obgleich sie den dringenden Wunsch hatte, noch in sie besonders interessierenden Fächern unterrichtet zu werden. Er versprach ihr, das durchzusetzen unter der Bedingung, dass sie sofort sich ankleide, um in zehn Minuten an der Familientafel zu erscheinen. Keine Spur von Gehirnhautentzündung war zu merken. Es handelte sich im Allgemeinen um eine gewisse Verquickung seelischer Zustände.

[ 6 ] The following example illustrates how a doctor might proceed in such a case: A famous doctor was called to a family’s home where not only the family but also the family physician believed that the young girl was suffering from meningitis. At first, he suspected that romantic entanglements were to blame; then he discovered that the young girl was supposed to leave school, even though she had a strong desire to continue studying subjects that particularly interested her. He promised her he would see to it, on the condition that she get dressed immediately so she could join the family at the dinner table in ten minutes. There was no sign of meningitis. It was generally a matter of a certain interplay of emotional states.

[ 7 ] Anderes Beispiel: Eine Dame litt seit dem Tode ihres Mannes an einem langwierigen Fußleiden; man schob es ihrem seelischen Zustand zu. Ein Arzt fand auf der Fußsohle ein großes Hühnerauge, und nach dessen Entfernung war auch der Nervenschmerz gehoben.

[ 7 ] Another example: A woman had been suffering from a chronic foot condition since her husband’s death; it was attributed to her emotional state. A doctor discovered a large corn on the sole of her foot, and once it was removed, the nerve pain also subsided.

[ 8 ] Ein Arzt erlebte Folgendes: Ein Bruder sah bei seines Bruders Knieoperation zu und hörte dabei einen Knacks, der ihn so energisch ergriff, dass er plötzlich Schmerz im Knie bekam, während der Operierte nichts empfand. — Bei Schlafmitteln wirken häufig Täuschungen. Wer nicht in solchen Fällen unterscheiden kann, wo hier die Grenze liegt, der wird nie zur Klarheit kommen. Gewisse Krankheitsformen stammen aus dem Seelischen, sie hängen im weitesten Umfang mit dem Leben der Jetztzeit zusammen.

[ 8 ] A doctor witnessed the following: A man was watching his brother undergo knee surgery and heard a crack that affected him so strongly that he suddenly felt pain in his own knee, while the patient undergoing the surgery felt nothing. — Sleep aids often cause illusions. Anyone who cannot distinguish in such cases where the boundary lies will never attain clarity. Certain forms of illness originate in the psyche; they are, to the greatest extent, connected with life in the present.

[ 9 ] Wollen wir in diese Sache hineinleuchten, [so] müssen wir die Geisteswissenschaft zu Hilfe nehmen. Wir müssen das Zusammenwirken der verschiedenen Teile oder Glieder im Menschen in Betracht ziehen. Der physische Leib ist ganz durchsetzt mit dem Ätherleib; dieser ist der Bildner des physischen Leibes. Würde der physische Leib sich allein überlassen bleiben, so würde er zerfallen. Der Ätherleib kämpft in jedem Augenblick [darum], den physischen Leib zusammenzuhalten. Bei Trennung ist der physische Leib ein Leichnam.

[ 9 ] If we are to shed light on this matter, [then] we must turn to spiritual science for help. We must take into account the interaction of the various parts or members within the human being. The physical body is completely permeated by the etheric body; the latter is the formative principle of the physical body. If the physical body were left to itself, it would disintegrate. The etheric body strives at every moment [to] hold the physical body together. When separated, the physical body is a corpse.

[ 10 ] Eins möchte ich hier berühren: Eine Hoffnung der Wissenschaft besteht darin, dass zukünftig Lebendiges im Laboratorium aufgebaut werden könnte. Die Geisteswissenschaft ist sich klar, dass das dereinst noch der Fall sein wird. Was die chemischen Stoffe zusammenhält, nennen wir den Ätherleib. Der Träger der Begierden, von Schmerz und Freude, Leid und Lust ist der Astralleib. Ein jedes Wesen empfindet einen Stoß als Schmerz, das empfindet der Mensch wie das Tier.

[ 10 ] There is one point I would like to touch on here: One of science’s hopes is that living beings might one day be created in the laboratory. The humanities are well aware that this will one day be the case. We call the substance that holds the chemical elements together the etheric body. The astral body is the vehicle of desires, pain and joy, suffering and pleasure. Every being experiences a blow as pain; humans experience it just as animals do.

[ 11 ] Jetzt wollen wir von dem vierten Glied des Menschen reden, von dem Ich in Bezug auf seine drei Leiber. Wer sich diese Gliederung vor Augen stellt, wird sich klar sein, dass das, was wir Schmerz, Freude, Unlust nennen, einen Astralleib voraussetzt. Schmerzen sind nur da, wo ein Astralleib vorhanden ist. Wie verhalten sich nun diese drei Leiber zueinander?

[ 11 ] Now let us speak of the fourth member of the human being—the “I”—in relation to its three bodies. Anyone who considers this structure will realize that what we call pain, joy, and displeasure presuppose an astral body. Pain exists only where an astral body is present. How, then, do these three bodies relate to one another?

[ 12 ] Lust und Leid ist nicht bloß die Folge von dem, was im physischen Leib vor sich geht, Lust und Leid sind die Bildner des Äther- und des physischen Leibes. Der Astralleib war der erste und war schon lange vorher da. Warum sind sie so aufgebaut? Letzten Endes hat das der astralische Leib getan. Gehen wir weit, weit zurück, [so] kommen wir auf einen Zustand des Menschen, wo er nur Astralleib war.

[ 12 ] Pleasure and suffering are not merely the result of what takes place in the physical body; pleasure and suffering are the shapers of the etheric and physical bodies. The astral body was the first and had existed long before. Why are they structured this way? Ultimately, it was the astral body that brought this about. If we go far, far back, [we] arrive at a state of humanity where humans were nothing but astral bodies.

[ 13 ] Sie fragen: Wie haben solche Leiber vor Millionen von Jahren ausgeschaut? Für den Begriff unserer Zeit haben sie grotesk und spaßig ausgesehen mit ihren knochenlosen weichen Körpern mit Fangarmen, die sich weit hinaustrecken und zurückziehen konnten. Damals nahm zuerst die Seele Besitz von diesem eigenartigen Leibe und bildete ihn nach und nach herauf zur heutigen Gestalt. Ein schwacher Nachklang dieses Einflusses zeigt Ihnen noch heute das Erbleichen beim Schreck, das Erröten. Sie sehen, wie durch ein seelisches Empfinden eine körperliche Veränderung vor sich gehen kann. Damals konnte der Mensch noch mächtig wirken auf seinen Leib, weil der Leib noch ganz weich war. Der astralische Leib wirkt zuerst auf den Ätherleib und dieser auf den physischen Leib.

[ 13 ] You ask: What did such bodies look like millions of years ago? By today’s standards, they looked grotesque and comical with their boneless, soft bodies and tentacles that could extend far out and retract. Back then, the soul first took possession of this peculiar body and gradually shaped it into its present form. A faint echo of this influence is still evident today in the way we turn pale when startled or blush. You can see how a psychological sensation can bring about a physical change. Back then, human beings could still exert a powerful influence on their bodies because the body was still completely soft. The astral body first acts upon the etheric body, and the etheric body acts upon the physical body.

[ 14 ] Lassen Sie uns klarmachen, wie diese Einwirkung geschieht. Nehmen wir irgendeinen Schmerz, eine Lust im astralischen Leib; was entsteht da im Ätherleib? Ein Bild, eine Form, und diese Form ist das, was sich in den physischen Leib hineinlebt, sodass der physische Leib ein Abdruck ist dieses Bildes.

[ 14 ] Let us clarify how this influence occurs. Take any pain or pleasure in the astral body; what arises in the etheric body? An image, a form, and this form is what is imprinted upon the physical body, so that the physical body is an imprint of this image.

[ 15 ] Woher hat denn in alten Zeiten der astralische Leib Leid und Freude hergenommen? Inneres war es nicht. Er erlebte seine Umwelt. Damals erlebte er sie nicht durch Auge und Ohr. Körperformen sind der Ausdruck von Lust und Leid der Umwelt. Die vier Teile oder Glieder des Menschen müssen Sie sich in einer viel innigeren Verbindung denken, als es bei der Vorwelt der Fall war. Der Mensch kroch immer mehr in sein Körperliches hinein. Früher war der astralische Leib schöpferischer. Er formte den physischen Leib um. Im Wesentlichen ist jetzt diese Umgestaltung beinahe abgeschlossen; deshalb erleben wir auch mit, was im physischen Leib vor sich geht.

[ 15 ] Where, then, did the astral body derive its suffering and joy in ancient times? It did not come from within. It experienced its surroundings. At that time, it did not experience them through the eyes and ears. Physical forms are the expression of the pleasure and suffering of the environment. You must conceive of the four parts or members of the human being as being connected in a much more intimate way than was the case in the pre-human world. Human beings have increasingly retreated into their physical bodies. In the past, the astral body was more creative; it reshaped the physical body. Essentially, this transformation is now nearly complete; that is why we also experience what is happening within the physical body.

[ 16 ] Wir wollen uns das Wesen des Schmerzes, von innen verursacht, klarmachen. Wodurch entsteht Schmerz? Der astralische Leib ist der Tätige. Nehmen wir folgenden Fall: Ist ein Finger weggeschnitten, so berührt das nur den physischen Finger; der astralische ist nicht zerschneidbar. Warum schmerzt es? Weil der Zusammenhang zwischen beiden gehemmt ist. Hemmung des Astralleibes ist Schmerz. Wo die Tätigkeit nicht gehemmt ist, kann kein Schmerz sein.

[ 16 ] Let us clarify the nature of pain caused from within. What causes pain? The astral body is the agent. Let’s consider the following case: If a finger is cut off, this affects only the physical finger; the astral finger cannot be cut off. Why does it hurt? Because the connection between the two is obstructed. Obstruction of the astral body is pain. Where activity is not obstructed, there can be no pain.

[ 17 ] Was kommt da in Betracht? Hier ein Vergleich. Jemand war sich ganz klar, dass er einen Fehler in seinem Auge habe, der ihn in der Dämmerung oder bei besonderer Lichtwirkung eine Art Gespenst sehen ließ; es war eine Trübung in seinem Auge. Dasselbe, was im physischen Leib eintritt, kann auch für den höheren Leib, den Ätherleib, eintreten. Des Menschen Ätherleib erhält einen unrichtigen Eindruck, eine Trübung. Durch seine eigene Trübung wird der astralische Lauf gehemmt. Was muss dann auftreten? Schmerz ohne physische Ursache. Der Astralleib muss Bilder erzeugen. Ist der Ätherleib nicht richtig, dann erscheinen verzerrte Bilder. Schmerz kann [dadurch] entstehen, dass der physische Leib beschädigt ist, aber es ist auch möglich, dass der astralische Leib sein eigenes Hemmnis sich bildet. Erzeugt der Ätherleib falsche Bilder, so widerspricht es dem physischen Leib. Da entsteht ein falsches Hineinstellen in die physische Welt,

[ 17 ] What might this be? Here is a comparison. Someone was quite certain that he had a defect in his eye that caused him to see a kind of apparition at twilight or under certain lighting conditions; it was a cloudiness in his eye. The same thing that occurs in the physical body can also occur in the higher body, the etheric body. A person’s etheric body receives a distorted impression, a clouding. This clouding hinders the astral body’s movement. What must happen then? Pain without a physical cause. The astral body must produce images. If the etheric body is not functioning properly, distorted images appear. Pain can arise [as a result] of damage to the physical body, but it is also possible for the astral body to create its own obstruction. If the etheric body produces false images, it contradicts the physical body. This results in a false orientation within the physical world,

[ 18 ] Ohne Ursache der Krankheit kann Nachahmung da sein. Das hat für unsere Weltanschauung eine tiefe Folge. Es macht uns unabhängig. Es macht uns aber auch klar, dass eine physische Erkrankung nur durch die Wirkung auf den physischen Leib geheilt werden kann. Ob wir äußerlich verletzt sind oder uns den Magen verdorben haben — in Wahrheit sind es äußerliche Verletzungen, die auch vom physischen Gebiet aus geheilt werden müssen. Was anders ist es, wenn im astralischen Leibe Hemmung entsteht. Was schadet das? Wenn Sie festhalten, dass das nicht drei getrennte Teile sind, wenn Sie annehmen, dass die höheren Leiber Bildner sind, wenn auch in engeren Grenzen als früher, so müssen Sie annehmen, dass es nicht bedeutungslos für den physischen Leib sein kann, wenn Hemmungen im astralischen Leib vorkommen. Schneidet man sich ins Fleisch, so schmerzt es; Haare und Nägel abzuschneiden schmerzt nicht. Diese Tatsache ist von grundlegender Bedeutung für das Verständnis. Alles, was in einem Lebendigen verletzt werden kann und nicht schmerzt, wächst wieder. Bei der Pflanze ersetzt sich das Blatt, die Blüte, weil sie keinen Schmerz daran hat. Niedere Tiere ebenfalls; sie können zerstückelt werden und die gelösten Teile ersetzen sich wieder. Der astralische Leib ist der Schmerz- und Lustträger; der Ätherleib ist der Wachstumsträger.

[ 18 ] Even without a physical cause for the illness, imitation can occur. This has profound implications for our worldview. It makes us independent. But it also makes it clear to us that a physical illness can only be healed through an effect on the physical body. Whether we are injured externally or have an upset stomach—in truth, these are external injuries that must also be healed from the physical realm. What is the difference when an obstruction arises in the astral body? What harm does that do? If you maintain that these are not three separate parts, if you assume that the higher bodies are formative, albeit within narrower limits than before, then you must assume that it cannot be meaningless for the physical body when obstructions occur in the astral body. If you cut your flesh, it hurts; cutting off hair and nails does not hurt. This fact is of fundamental importance for understanding. Everything in a living being that can be injured without causing pain will grow back. In plants, the leaf or flower is replaced because the plant feels no pain. The same is true of lower animals; they can be dismembered, and the separated parts will regenerate. The astral body is the bearer of pain and pleasure; the etheric body is the bearer of growth.

[ 19 ] Schmerz ist etwas, was an sich selber zerstörend wirkt auf Ätherleib und physischen Leib. Der andauernde Schmerz ertötet nach und nach das Glied, das er ergreift. Wie können wir da gesundend wirken? Der physische Arzt erreicht durch physische Mittel Wirkung. Aber durch physische Mittel wird er nie imstande sein, eingreifend auf den astralischen Leib zu wirken, der die Krankheit imitiert. Was sollen wir da tun? Würde man Arzeneien geben, würde keine Wirkung erzielt werden, ja vielleicht eine Krankheit erzeugt werden. In einem Arzneibuch ist zu lesen: Ein Gift macht den Körper krank, außer wenn es sich im Körper mit einem anderen Gift streiten kann. Daher muss man Krankheitsursachen genau unterscheiden.

[ 19 ] Pain is something that, in and of itself, has a destructive effect on the etheric body and the physical body. Persistent pain gradually destroys the limb it affects. How, then, can we bring about healing? The physical physician achieves results through physical means. But through physical means, he will never be able to act directly on the astral body, which mimics the disease. What should we do then? If medicines were administered, no effect would be achieved—indeed, a disease might even be caused. A pharmacopoeia states: A poison makes the body sick, unless it can contend with another poison within the body. Therefore, one must precisely distinguish between the causes of disease.

[ 20 ] Auf welche Weise können wir einem kranken Ätherleib beikommen? Hier will ich nur auf eine bestimmte Tatsache hinweisen: Alles dasjenige, was auf den Menschen so wirkt, dass es im Einklang liegt mit den harmonischen Weltgesetzen, zerstört alle solche Krankheitserscheinungen, welche sich im physischen Leibe festsetzen.

[ 20 ] How can we treat a diseased etheric body? Here I would like to point out just one specific fact: Everything that affects human beings in a way that is in harmony with the laws of the universe destroys all such symptoms of illness that take root in the physical body.

[ 21 ] Hier kommt es auf zwei Empfindungsweisen an. Die eine ist die, wo sich der Mensch immer mit seinem Ich beschäftigt. Die andere Empfindungsweise geht ab vom Ich, beschäftigt sich mit Kunst, hat Freude an der Sternenwelt, der Natur und anderen, kann darin aufgehen, sich vergessen. Das Überhandnehmen der ersten Empfindungsweise züchtet solche Körper, die zu Krankheit neigen und Krankheit erzeugen. Derjenige, der sich womöglich vergisst, kommt dazu, dass er Schmerzen oder Veranlassung zu Schmerzen, die im Astralleib auftreten, vergessen kann. Ebenso schlimm, wie die erstere Empfindungsweise wirken kann, ebenso heilsam wirkt die zweite. Jeder überwundene Schmerz ist aufbauend. — Wir müssen durch in uns entwickelte Kraft über die Schmerzen hinwegkommen. Wer hingegeben ist den großen Weltenzusammenhängen, für den werden die Vorgänge seines astralischen Leibes schöpferisch sein; wo sie fehlen, wird Krankheit erzeugt.

[ 21 ] Two modes of perception are at stake here. One is where a person is constantly preoccupied with their ego. The other mode of perception moves away from the ego, engages with art, takes joy in the world of the stars, nature, and others, and can lose itself in these things, forgetting the self. The predominance of the first way of perceiving breeds bodies that are prone to illness and generate illness. The person who is able to forget themselves can come to the point where they can forget pains or the causes of pains that arise in the astral body. Just as harmful as the first way of perceiving can be, the second is equally healing. Every pain that is overcome is edifying. — We must rise above pain through the strength we have developed within ourselves. For those who are devoted to the great interconnections of the universe, the processes of their astral body will be creative; where these are lacking, illness is generated.

[ 22 ] Woher kommen in unserer Zeit die vielen Leiden? Der wahre Grund liegt darin, dass so wenig Menschen sich den großen Interessen des Weltenalls zuwenden. Wer seinen Geist da hinaufsendet, der wirkt gesundend. Wer vor einer bunten Farbenkleckserei steht, die keinen tiefen Sinn hat, hat keinen Nutzen. Wer aber vor einem Kunstwerk steht, durch das das göttlich Geistige hindurchscheint, wird gesundende Wirkung spüren. In dem Maße, als der Materialismus unserer Zeit seine Wirkung ausübt, müssen der astralische und physische Leib krank werden. Solche Krankheitserscheinungen sind alle Nervenkrankheiten, Neurasthenie und anderes. Seuchen und Epidemien können erscheinen durch Zunehmen des Materialismus. Würden die Menschen loskommen von ihrem beschränkten Ich, würde sich vieles von ihnen lösen. Die Wahrheit besteht darin, dass eine hohe Weltanschauung das allein Heilende und Gesundende ist.

[ 22 ] Where do the many sufferings of our time come from? The true reason lies in the fact that so few people turn their attention to the great interests of the universe. Whoever directs their spirit toward it has a healing effect. Whoever stands before a jumble of bright colors that lacks any deeper meaning derives no benefit. But whoever stands before a work of art through which the divine spiritual shines through will feel a healing effect. To the extent that the materialism of our time exerts its influence, the astral and physical bodies must become ill. Such symptoms of illness include all nervous disorders, neurasthenia, and others. Plagues and epidemics can arise as a result of increasing materialism. If people could free themselves from their limited sense of self, many of these afflictions would dissipate. The truth is that a lofty worldview is the sole source of healing and restoration.

[ 23 ] Hier gibt es aber auch eine Kehrseite: Brütet ihr in euch hinein ein- und zweimal, so schadet es nichts. Aber mehrmals, dann wirkt es schlimm, weil dann der Mensch sich zu sehr mit seinem Ich beschäftigt. Wer aber sucht, loszukommen von seinem Ich, wer sucht, sich in Einklang zu bringen mit den Gesetzen der Welt, und sich den großen Tatsachen des Weltalls zuwendet, der kommt zur Wahrheit über das Gesundwerden. Der Mittelglaube ist der Krankheitswahn der Jetztzeit. Nützlicher ist es, etwas zu tun, um von sich loszukommen, und seinen Blick gründlich zu richten auf die großen geistigen Weltenzusammenhänge.

[ 23 ] But there is also a downside to this: If you brood over things once or twice, it does no harm. But if you do it repeatedly, it has a harmful effect, because then a person becomes too preoccupied with their ego. But whoever seeks to detach themselves from their ego, whoever seeks to bring themselves into harmony with the laws of the world and turns toward the great realities of the universe—that person will arrive at the truth about healing. Moderate faith is the delusion of illness in our time. It is more beneficial to take action to detach oneself from the self and to direct one’s gaze thoroughly toward the great spiritual interconnections of the universe.

[ 24 ] Theosophie und Geisteswissenschaft sind nicht gegeben zur Befriedigung der Neugierde, sondern damit der Mensch lerne, loszukommen vom Ich. Damit wird er seine Gesundheit fester begründen.

[ 24 ] Theosophy and spiritual science are not meant to satisfy curiosity, but to help people learn to detach themselves from the ego. In doing so, they will lay a more solid foundation for their health.

[ 25 ] Diejenigen Forscher werden keinen Schaden vom Materialismus haben, wie zum Beispiel Haeckel, der sich in besonderer Weise hineinvertieft. Wenn die Gedanken auf dem Umweg auf die drei Leiber wirken, durch ihre häufige Wiederkehr wirken sie auf die ganze Konstitution des Menschen. So wirkt das Seelische auf das Körperliche. Immer möchte ich darauf hinweisen, dass, wenn wir uns in die Harmonie des Weltalls versetzen können, ein wirkliches Gesunden zu erwarten steht. Die Seele hat ihren Leib erbaut, und gibt man der Seele gesunde Geistesnahrung, wird sie den Körper gesund gestalten.

[ 25 ] Those researchers will suffer no harm from materialism—such as Haeckel, who delves into it in a special way. When thoughts act upon the three bodies indirectly, their frequent recurrence causes them to affect the entire human constitution. This is how the soul influences the body. I would always like to point out that if we can attune ourselves to the harmony of the universe, true health awaits us. The soul has built its body, and if we give the soul healthy spiritual nourishment, it will shape the body into a healthy one.

[ 26 ] Fragenbeantwortung

[ 26 ] Q&A

[Frage nicht überliefert.]

[Question not recorded.]

[ 27 ] Antwort: Irreligiosität hat eine ganz besondere Bedeutung; sie kann eine Krankheitsursache sein. Nicht nur der Gedanke, sondern auch das Gefühl, welches sich zum Göttlichen wendet, hat seine Wichtigkeit. [Frage nicht überliefert.] Antwort: Ist man bei der Arbeit mit dem ganzen Menschen, so kommt Überarbeitung fast nicht in Betracht.

[ 27 ] Answer: Irreligiousness has a very special significance; it can be a cause of illness. Not only the thought, but also the feeling that turns toward the divine is important. [Question not recorded.] Answer: If one works with the whole person, overwork is almost out of the question.

[ 28 ] Die Arbeit muss aber eine nutzbringende sein. [Von] Schaden ist jede unfruchtbare Arbeit.

[ 28 ] However, the work must be beneficial. Any unproductive work is harmful.