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The Nature of Man
in the Light of Spiritual Science
GA 68d

14 November 1907, Berlin

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The Nature of Man in the Light of Spiritual Science, tr. SOL
  1. Das Wesen des Menschen im Lichte der Geisteswissenschaft

13. Man und Weib im Lichte der Geisteswissenschaft

13. Man and Woman in the Light of Spiritual Science

[ 1 ] Dies sind die größten Rätselfragen des Daseins, wobei Sympathie, Antipathie und allerlei anderen Empfindungen den Blick so leicht trüben. Soweit menschliches Denken reicht, wurde immer an diese Frage gedacht. Wenn der Geistesforscher sieht, was in dieser Richtung alles gedacht, gesagt und geforscht worden ist von denen, die auf dem modernen Standpunkt stehen, einem Standpunkt, der allerdings bereits über 200 Jahre zählt, muss er feststellen, dass Gelehrte und Ungelehrte, Gebildete und Ungebildete die Charaktereigenschaften der Frau und des Mannes ganz eigenartig beurteilen.

[ 1 ] These are the greatest mysteries of existence, and sympathy, antipathy, and all manner of other feelings so easily cloud our view. As far back as human thought extends, this question has always been pondered. When the researcher of the spirit sees all that has been thought, said, and investigated in this regard by those who hold the modern viewpoint—a viewpoint that has, admittedly, been around for over 200 years—he must conclude that scholars and the uneducated, the cultured and the uncultured, judge the character traits of women and men in a very peculiar way.

[ 2 ] Besonders großes Aufsehen rief hervor Lombrosos Charakteristik der Frau. Er schreibt der Frau Ergebenheitsgefühl, das den ganzen weiblichen Charakter durchdringt, zu. Andere heben wieder bei der Frau das Gefühl des Herrschens und des Regierens hervor: Das Hauptsächlichste des Frauencharakters sei, wie es sich durch die Geschichte gezeigt hat, die Herrschsucht. Zwei Urteile stehen hier einander gegenüber. Eine ganz andere Richtung spricht dem Charakter der Frau Demut und Sanftmut, dem Manne Energie zu. Andere behaupten wieder, dass der Grundcharakter der Frau Zornmütigkeit ist. Endlich bezeichnet ein Nervenarzt das Weib als pathologische Natur: «Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes». Einige bezeichnen die Frau als konservatives, Hippel als revolutionäres Element der Geschichte.

[ 2 ] Lombroso’s characterization of women caused a particularly great stir. He attributes to women a sense of devotion that permeates their entire character. Others, on the other hand, emphasize women’s desire to dominate and rule: the most fundamental aspect of the female character, as history has shown, is the lust for power. These two views stand in direct opposition to one another. A completely different school of thought attributes humility and gentleness to the female character, and energy to the male. Still others claim that the fundamental character trait of women is a hot temper. Finally, a neurologist describes women as a pathological nature: “On the Physiological Imbecility of Women.” Some describe women as a conservative element in history, while Hippel describes them as a revolutionary one.

[ 3 ] Vielleicht ist es aber gar nicht vernünftig, die Frage so zu stellen. Beschränken wir uns doch einmal auf die objektive Beobachtung der Tatsachen. Es gibt Ähnlichkeiten zwischen Mann und Weib, die eigentlich viel ähnlicher sind als zwischen Mann und Mann oder Frau und Frau. Wenn sie das Leben von diesem Punkte aus betrachten —- was tritt Ihnen dann stärker entgegen, was tritt Ihnen in stärkster Weise entgegen? Der Frauencharakter respektive Männercharakter - oder andere, gar nichts mit männlichem oder weiblichem Charakter zu tun habenden Eigenschaften? Und ist es nicht vielleicht ein Kennzeichen einer höheren Bildung, anerkennen zu können, dass wir auch einem anderen Geschlechte gegenüberstehen können, es betrachten können nach Eigenschaften, die nichts damit zu tun haben, was das Geschlechtliche aufweist?

[ 3 ] But perhaps it isn’t reasonable to frame the question this way at all. Let’s limit ourselves, for now, to an objective observation of the facts. There are similarities between men and women that are actually much greater than those between men and men or women and women. If you look at life from this perspective—what stands out to you most strongly, what strikes you most powerfully? The female character or the male character—or other traits that have nothing to do with male or female character? And isn’t it perhaps a sign of higher education to be able to recognize that we can also face the opposite sex and view it in terms of traits that have nothing to do with gender?

[ 4 ] Ist es berechtigt, dem Geschlechte eine so große Bedeutung für die Beziehungen der Menschen untereinander beizumessen, als es heute geschieht, oder ist [es] nicht vielleicht eine der vielen Konsequenzen des Materialismus, dass heute dem Geschlechtscharakter eine so große Rolle beigemessen wird?

[ 4 ] Is it justified to attach such great importance to gender in human relationships as is done today, or is it perhaps one of the many consequences of materialism that such a significant role is attributed to gender today?

[ 5 ] Betrachten wir objektiv die Sache! Diejenigen, welche die Menschen bloß äußerlich, ihrem Sinnlichen nach betrachten, haben nur das Äußere im Auge. Aber es gibt auch noch ein Übersinnliches. Wenn man zu dem Unsichtbaren ginge, vielleicht könnte dann dasjenige kommen, welches hoch erhaben dasteht über den bloßen Geschlechtsbeziehungen. Für den, der mit allen seelischen Kräften beobachtet, ist klar, dass die so starke Bedeutung, welche dem Geschlechtlichen beigegeben wird, die alles andere von diesen Beziehungen des Geschlechts verschlingen lassen möchte, dass diese Bedeutung das Ergebnis ist der materialistischen Denkweise unseres Zeitalters.

[ 5 ] Let us look at the matter objectively! Those who view people merely from the outside, based on their physical attributes, focus only on the outward appearance. But there is also a supernatural aspect. If one were to turn to the invisible, perhaps that which stands far above mere sexual relationships might then come to light. For those who observe with all their spiritual powers, it is clear that the immense significance attributed to sexuality—which threatens to engulf everything else in these sexual relationships—is the result of the materialistic mindset of our age.

[ 6 ] Wir wollen sehen, wo die Wahrheit über das Männliche und über das Weibliche liegt! Die Geisteswissenschaft sieht viele Glieder im Menschen: Der physische Leib und der Ätherleib kämpfen gegen den Zerfall des Menschen, der astralische Leib gegen die Übermüdung. Die Pflanze die keinen astralischen Leib hat, ermüdet auch nicht. Der astralische Leib ist der fortwährende Kämpfer gegen die Ermüdung; der Schlaf ist dazu berufen, die Ermüdung des Ätherleibes und physischen Leibes fortzuschaffen. Vor einer außerordentlich wichtigen Tatsache stehen wir hier!

[ 6 ] Let us see where the truth about the masculine and the feminine lies! Spiritual science recognizes many aspects of the human being: the physical body and the etheric body fight against the human being’s decay, while the astral body fights against exhaustion. A plant, which has no astral body, does not become fatigued. The astral body is the constant fighter against fatigue; sleep is meant to dispel the fatigue of the etheric body and the physical body. We are faced here with an extraordinarily important fact!

[ 7 ] Man wird leicht bei der Benennung dessen, worum es sich hier handelt, lachen und es grotesk finden, aber auf der anderen Seite ist es etwas, was eine tiefe, tiefe Bedeutung hat für die Erkenntnis des wahren Menschenwesens und des Lebens auf der Erde. Jeder Mensch, ob er Mann oder Frau ist, besteht aus den vier Gliedern, aber nun haben wir einen merkwürdigen Gegensatz in der menschlichen Natur: Der physische Leib des Mannes ist ja männlich, der physische Leib der Frau ist weiblich; anders verhält es sich aber mit dem sogenannten Ätheroder Lebensleib: beim Manne ist der Ätherleib weiblich, bei der Frau männlich, sodass ein jedes Geschlecht das andere fortwährend in sich trägt.

[ 7 ] It is easy to laugh at the name of what is being discussed here and to find it grotesque, but on the other hand, it is something that has a deep, deep significance for understanding the true nature of humanity and life on Earth. Every human being, whether man or woman, consists of the four members, but here we have a curious contrast in human nature: The physical body of a man is, of course, masculine, and the physical body of a woman is feminine; but the situation is different with the so-called etheric or life body: in a man, the etheric body is feminine, and in a woman, it is masculine, so that each sex continually carries the other within itself.

[ 8 ] Wie gesagt, so grotesk das erscheint für diejenigen, die nichts wissen von diesen Tatsachen, so aufklärend erscheint es für diejenigen, die diese Dinge zu nehmen wissen. Wie tief bedeutsam leuchtet dies hinein in viele, viele Erscheinungen unseres alltäglichen und sozialen Lebens. Wenn wir den einzelnen Menschen betrachten, können wir nicht geradezu ein Auge haben für die schöne Harmonie der männlichen Eigenschaften, harmonisiert durch seine von seinem Ätherleib herrührenden weiblichen Eigenschaften, und umgekehrt beim Weibe? Woher kommt es, dass gerade die stärksten Männer in gewisser Beziehung gewisse weibliche Eigenschaften haben? Oder sehen wir nicht auch bei der Frau Heldeneigenschaften? Sind es nicht solche, die sie zum Beispiel im Kriege entwickelt? Diese Tatsache, die eine uralte geistige ist, die ahnen einige Leute, aber wie sie sie verwerten, ist recht charakteristisch für unser materialistisches Zeitalter.

[ 8 ] As I said, as grotesque as this may seem to those who know nothing of these facts, it appears enlightening to those who know how to take these things in. How profoundly significant this insight is into many, many aspects of our everyday and social life. When we consider the individual human being, can we not truly appreciate the beautiful harmony of masculine qualities, balanced by the feminine qualities derived from the etheric body—and vice versa in the case of women? How is it that the strongest men, in a certain sense, possess certain feminine qualities? Or do we not also see heroic qualities in women? Are these not the very qualities they develop, for example, in war? This fact—which is an ancient spiritual one—is sensed by some people, but the way they interpret it is quite characteristic of our materialistic age.

[ 9 ] Vielleicht wissen die meisten, dass ein Buch eines unglücklichen jungen Mannes — Weiningers Buch «Geschlecht und Charakter» — nicht, weil es viele Paradoxe enthält, sondern auch durch das Schicksal des unglückseligen Verfassers, der ja bald darauf Hand an sich gelegt hat, als dies Buch erschienen ist, sehr gewirkt hat. Man kann in solcher Jugend kein Urteil haben, wenn man auch noch so befähigt ist; man muss Geduld haben, um über diese Fragen ein Urteil zu fällen. Nicht umsonst spricht der große Dichter Dante davon, dass er im 35. Jahre in die Lebensmitte gekommen sei. Vor dem 35. Jahre ist es überhaupt nicht möglich, gerade über diese wichtige Angelegenheit ein gesundes Urteil zu haben. Nun, dieser Weininger hat etwas geahnt von der Doppelnatur eines jeden Menschen, von der Männlichkeit der Frau und der Weiblichkeit des Mannes. Allerdings hat er das so recht im Sinne des Materialismus aufgefasst, recht stofflich, indem er in jeder Keimzelle zweierlei Substanzialität sucht, einen männlichen und einen weiblichen Charakter jeder Zelle! So musste das sichtbare auf geheimnisvolle Art ein unsichtbares enthalten! Man kann sich kaum etwas Groteskeres denken! Weil er nichts vom Ätherleib wusste, so schreibt er dem Sichtbaren das Unsichtbare zu! Er weiß nicht, dass es höhere Glieder gibt, und nun versucht er, den Menschen zu charakterisieren, und jeder zerfällt in Weib und Mann. Dadurch kommt Weininger zum Schluss, dass doch ein gewisser Unterschied im Weiblichen und Männlichen besteht: das Weibliche — das Körperhafte, und das Männliche — das Seelische. Er kommt zu der Konsequenz: Das Weib hat nicht Ich und nicht Individualität, nicht Persönlichkeit und nicht Freiheit, Charakter und Wille! — Er muss aber dann auch der anderen Hälfte dasselbe absprechen! Dann schreibt er jedem Weibe die Hälfte von diesem zu und jedem Manne ab! So ist es, wenn man die materialistischen Theorien unmittelbar ins Praktische überführen will.

[ 9 ] Perhaps most people know that a book by an unhappy young man—Weininger’s *Sex and Character*—had a profound impact, not only because it contains many paradoxes, but also because of the fate of its ill-fated author, who took his own life shortly after the book was published. At such a young age, one cannot form a judgment, no matter how capable one may be; one must have patience to pass judgment on these matters. It is not for nothing that the great poet Dante speaks of having reached the middle of life at the age of 35. Before the age of 35, it is simply not possible to form a sound judgment on this important matter. Well, this Weininger had some inkling of the dual nature of every human being—of the masculinity within women and the femininity within men. However, he interpreted this entirely in the spirit of materialism, in a very physical sense, by seeking two kinds of substance in every germ cell—a masculine and a feminine character in every cell! Thus, the visible was mysteriously supposed to contain the invisible! One can hardly imagine anything more grotesque! Because he knew nothing of the etheric body, he attributes the invisible to the visible! He does not know that there are higher levels of being, and yet he attempts to characterize human beings, reducing each one to “woman” and “man.” As a result, Weininger concludes that there is, after all, a certain difference between the feminine and the masculine: the feminine—the physical, and the masculine—the spiritual. He draws the conclusion: Woman has no “I,” no individuality, no personality, no freedom, no character, and no will! — But then he must deny the same to the other half as well! So he attributes half of this to every woman and denies it to every man! Such is the result when one attempts to apply materialistic theories directly to practical life.

[ 10 ] Wollen wir jetzt über andere Eigenschaften des Menschen denken, zum Beispiel über das Ich! Betrachten wir den schlafenden Menschen. Wenn wir den schlafenden Menschen vor uns haben, dann sinkt hinunter in ein unbestimmtes Dunkel alles Empfindungsleben; im Bette bleiben der physische und der Lebensleib liegen; daraus erhebt sich der Astralleib mit dem Ich. Er ist in dieser geistigen Welt. Wenn wir nun diesen Astralleib und das Ich in Bezug auf das Geschlecht betrachten, was ergibt sich dann? Hier kann nur die Geisteswissenschaft Auskunft geben. Dasjenige, was wir hier in dieser Welt in der physischen Welt und auch in der Welt, der unser Ätherleib angehört, Mann und Frau nennen, das kennt der Astralleib nicht, und nicht das Ich. Männliches und Weibliches bleibt mit dem physischen und dem Ätherleibe verbunden, wenn der Mensch lebt, und ohne das Geschlechtliche ist der Mensch im Schlafzustande, in seiner eigentlichen Heimat, in der sogenannten astralischen und in der geistigen Welt: Weder weiblich noch männlich ist zunächst des Menschen astralischer Leib und das Ich.

[ 10 ] Let us now consider other characteristics of the human being—for example, the “I”! Let us observe a sleeping person. When we have the sleeping human being before us, the entire life of sensation sinks down into an indeterminate darkness; the physical body and the life body remain in bed; from them rises the astral body with the “I.” It is in this spiritual world. If we now consider this astral body and the “I” in relation to gender, what do we find? Here, only spiritual science can provide an answer. What we call “man” and “woman” here in this world—in the physical world and also in the world to which our etheric body belongs—is unknown to the astral body and to the “I.” The masculine and feminine remain connected to the physical and etheric bodies while a person is alive; and without the sexual aspect, a person is in the state of sleep, in their true home, in the so-called astral and spiritual worlds: at first, neither feminine nor masculine is the human being’s astral body and the “I.”

[ 11 ] Nun fragen wir uns aber: Gibt es denn in dieser astralischen Welt, wo wir des Nachts sind, gar nichts, was dem Geschlechte entspricht? Hier liegt ein großes, ein bedeutsames Mysterium, welches der Mensch verstehen muss, wenn er überhaupt wagen [will], hierüber ein Urteil abzugeben! Die Frage ist diese: Was gibt es in der Welt, die in demselben Raume ist, indem wir hier sind, in einer Welt, die wir astral oder geistig nennen, was dem Männlichen und dem Weiblichen der physischen Natur entspricht? Immerhin halten Sie vor sich, dass diese geistige oder astralische Welt nicht in einem Wolkenkuckucksheim, sondern um uns herum ist. Wenn wir nun fragen, was in dieser Welt dem Gegensatze vom Männlichen und Weiblichen entspricht, da finden wir zwei wesentliche Worte, tief, tief sich einbohrend in unsere Seele — wenn wir sie richtig verstehen, können sie uns viele, viele Geheimnisse der astralischen Welt lösen.

[ 11 ] But now let us ask ourselves: Is there really nothing in this astral world, where we are at night, that corresponds to gender? Here lies a great and significant mystery that human beings must understand if they are to dare [at all] to pass judgment on this matter! The question is this: What exists in the world that occupies the same space as we do here—in a world we call the astral or spiritual realm—that corresponds to the masculine and feminine aspects of physical nature? After all, bear in mind that this spiritual or astral world is not some pipe dream, but is right here around us. When we ask what in this world corresponds to the opposites of the masculine and the feminine, we find two essential words that penetrate deep, deep into our soul—if we understand them correctly, they can unlock many, many secrets of the astral world.

[ 12 ] Dort entspricht dem Geschlechtsgegensatze der Gegensatz von Leben und Tod, von Vernichtung und Entwicklung.

[ 12 ] There, the sexual dichotomy corresponds to the opposition between life and death, between destruction and development.

[ 13 ] Dieser polarische Gegensatz entspricht ihm! Zwei Urkräfte sind damit angedeutet, die durch den ganzen Kosmos gehen und die da sein müssen. Es müssen nur, wenn der Mensch hier Verständnis haben will, die Schrecken und alle eigentümlichen Gefühle, die sich an die Worte Tod und Leben beim Menschen anknüpfen, aufhören! Er muss die große Bedeutung von Tod und Leben ersehen! Goethe hat gesagt: Die Natur hat den Tod erfunden, um viel Leben zu haben!

[ 13 ] This polar opposition corresponds to him! This points to two primal forces that permeate the entire cosmos and that must exist. If human beings are to understand this, the terrors and all the peculiar feelings associated with the words “death” and “life” must cease! They must recognize the great significance of death and life! Goethe said: “Nature invented death in order to have abundant life!”

[ 14 ] Was bedeutet denn der Tod für den Menschen? Die Geisteswissenschaft zeigt uns, dass der Mensch diesen Tod nicht einmal nur stirbt, dass er ihn zu wiederholten Malen durchmacht! Dieses Leben ist die Wiederholung vieler Leben, die ihm vorangegangen sind, und viele schließen sich an das jetzige an, im Wechsel zwischen Geburt und Tod. Und eine jede Verkörperung bedeutet für ihn in einer gewissen Beziehung einen Fortschritt: Höher steigt der Mensch mit einer jeden Verkörperung. Damals, als der Erdenplanet aus dem Lebensdunkel aufleuchtete, damals kam der Mensch zuerst in die Daseinstufen, in denen er jetzt ist, zu seiner ersten physischen Verkörperung, zu seinem ersten irdischen Dasein. Unvollkommen waren seine Glieder, sein Ich war ein Sklave des astralischen Leibes. Niemals würde der Mensch zu den höheren Entwicklungsstufen aufsteigen, wenn er nicht durch den Tod hindurchginge. Das allein bewegt ihn, höher zu steigen.

[ 14 ] What, then, does death mean for human beings? Spiritual science shows us that human beings do not merely die once, but that they go through death time and again! This life is a repetition of the many lives that preceded it, and many more will follow this one, in an alternating cycle of birth and death. And each incarnation represents, in a certain sense, a step forward for the human being: With each incarnation, the human being rises higher. Back when the Earth emerged from the darkness of non-existence, the human being first entered the stages of existence in which he now finds himself—his first physical incarnation, his first earthly existence. His limbs were imperfect; his “I” was a slave to the astral body. Humanity would never ascend to the higher stages of development if it did not pass through death. That alone drives it to rise higher.

[ 15 ] Diesen Körper musste er zerstören, aber was blieb dem Menschen aus der ersten Verkörperungsform? Was er gehört und gesehen hat, ging in die geistige Welt, aus der er gekommen war, und nun baut er sich in dieser geistigen Welt die Grundlage zu seiner zweiten Verkörperung. Bliebe er auf der ersten, könnte er niemals als Schaffender das verwenden in der geistigen Welt, was man sich hier erobert hat.

[ 15 ] He had to destroy this body, but what remained of the human being from his first incarnation? What he had heard and seen returned to the spiritual world from which he had come, and now, in that spiritual world, he is laying the foundation for his second incarnation. If he were to remain in the first, he could never, as a creator, make use in the spiritual world of what he had attained here.

[ 16 ] So muss man immer wiederum durch den Tod schreiten, und ein Abbild des Todes ist die Verfestigung der Form, die Verhärtung der Form. Betrachten Sie das, was man Leben und Sterben nennt, draußen in der Natur, sehen Sie sich den Baum an! Wie geht er dem Tode entgegen? Er verholzt, er trocknet aus. Und so ist es mit allem, was dem Tode unterliegen muss! Sie können es im eigenen Menschenleben verfolgen! Sie können ganz genau unterscheiden beim Menschen eine aufsteigende Linie des Lebens bis zur Lebensmitte, wo immer mehr und mehr Kräfte, die in der früheren Verkörperung entwickelt wurden, herauskommen, und dann die absteigende Linie im Greisenalter, eine Verhärtung. Verdichtungen legen sich ab an verschiedenen Stellen und so weiter. Hier, auf dieser Erde, unterliegt ein jedes Leben der Verhärtung, und die Verhärtung ist die Schwester des Todes.

[ 16 ] Thus, one must always pass through death again and again, and an image of death is the solidification of form, the hardening of form. Consider what we call life and death out in nature—look at the tree! How does it approach death? It turns to wood; it dries out. And so it is with everything that must succumb to death! You can observe this in your own human life! You can distinguish very clearly in human beings an ascending line of life up to middle age, where more and more of the forces developed in the previous incarnation come to the fore, and then the descending line in old age—a hardening. Densifications settle in various places, and so on. Here, on this Earth, every life is subject to hardening, and hardening is the sister of death.

[ 17 ] Die Verhärtung ist aber nichts anderes als dasjenige, was die eine Seite vorstellt, die Form, die Gestalt. Denken Sie sich einmal aus dem Menschen das Leben heraus — was bleibt nach? Gestalt! Studieren sie ein wunderbares Bild des Lebens, so bleibt doch nur ein Bild ohne Leben, welches sie zum Beispiel an dem großen, bedeutenden Zeus bewundern, und so weiter. Da haben Sie die Gestalt, das Kunstwerk ohne das Leben, das Bild des Lebens, jedoch nicht erfüllt vom Leben. Ewig strebt die Gestalt, sich vom Leben zu emanzipieren, und diese Emanzipation der Gestalt können Sie in jedem Augenblicke als Seher in der astralen Welt verfolgen, da ist sie dasjenige, was der Seher empfindet als das Bild, als das starre Bild des Lebens, als die Totengestalt des Lebens. Das ist eine Kraft, wie der positive Magnetismus, wie die Elektrizität; so führt durch die astrale Welt diese Gestalt.

[ 17 ] But this solidification is nothing other than what one side represents: the form, the shape. Just imagine life stripped away from a human being—what remains? Form! If you study a marvelous image of life, all that remains is a lifeless image—one you might admire, for example, in the great and significant figure of Zeus, and so on. There you have the form, the work of art without life—the image of life, yet not filled with life. The form eternally strives to emancipate itself from life, and as a seer, you can follow this emancipation of the form at every moment in the astral world; there it is what the seer perceives as the image, as the rigid image of life, as the dead form of life. This is a force like positive magnetism, like electricity; thus this form moves through the astral world.

[ 18 ] Sucht sie sich hier, in der physischen Welt zu verkörpern — [so] ist es die Schönheit! Die entgegengesetzten Pole stoßen einander fortwährend ab, drängen und schreiten, jede entstandene Gestalt wird sofort aufgelöst und in eine neue verwandelt, ein ewiges Metamorphosieren. Das bewirkt der andere Pol; er ist dasjenige, was den Menschen in der Nacht entgegentritt: Wille, Energie. Gestalt, Schönheit, das sind die beiden Erscheinungen hier in der physischen Welt, was uns in der astralischen als Tod und Leben umringt. Ewig kommt die Gestalt und ewig das Leben. Ewig herrscht das Prinzip des Auflösens, des Kristallisierens. Das sind zwei Grundkräfte, und im Menschen müssen die Abbilder dieser zwei Grundkräfte herrschen: Der reine astralische Leib ist umgeben von Tod und Leben in der astralischen Welt, und tritt er herein in diese Welt des Tages, des Wachens, dann wird er aufgesogen vom physischen [Leibe] und vom Ätherleibe.

[ 18 ] If it seeks to incarnate itself here, in the physical world—[then] it is beauty! The opposing poles constantly repel one another, pushing and advancing; every form that arises is immediately dissolved and transformed into a new one—an eternal metamorphosis. This is brought about by the other pole; it is that which confronts human beings at night: will, energy. Form and beauty—these are the two manifestations here in the physical world of what surrounds us in the astral world as death and life. Form comes eternally, and life eternally. The principle of dissolution and crystallization reigns eternally. These are two fundamental forces, and within the human being the reflections of these two fundamental forces must prevail: The pure astral body is surrounded by death and life in the astral world, and when it enters this world of day, of wakefulness, it is absorbed by the physical [body] and the etheric body.

[ 19 ] Das Weibliche des Menschen ist das Bild der Gestalt, dessen, was fortwährend auf dem astralischen Plan sich zum Sein, das Männliche des Menschen ist das Bild dessen, was fortwährend jedes in ein Ewiges gestalten will.

[ 19 ] The feminine aspect of the human being is the image of the form—that which continually strives to come into being on the astral plane; the masculine aspect of the human being is the image of that which continually seeks to shape everything into the Eternal.

[ 20 ] In dieser physischen Welt wird das Verhältnis bestimmt von Tod und Leben. Was auf dem astralischen Plan zwei Pole sind: Tod und Leben, ist hier ein fortwährender Kampf. Das Abbild des ganzen physischen Lebens wird verkörpert in der weiblichen Gestalt - wenn das fortschrittliche Prinzip siegt, kommt der Tod. Hier wird bestimmt des Menschen Leben als sich teilend zwischen Geburt und Tod, im Weiblichen, das das Abbild des Gestalteten ist, dessen, was zum Festen drängt, das bleibend werden will. Würde nur das Weibliche wirken, dann würde der Mensch die Tendenz haben, so lange wie möglich im physischen Leibe zu leben, in der Gestalt zu verweilen. Durch den Einfluss des Männlichen wird der Tod der Gestalt eingeimpft. Dies ist das Geheimnis des Wirkens zwischen Mann und Weib — hierdurch wird gerichtet über Leben und Tod in dem Verhältnis zwischen Weiblichem und Männlichem. Das Weibliche gibt uns das Leben, und das Männliche begrenzt uns dieses Leben, setzt dem Leben den Tod entgegen. So berührt sich dasjenige, das man in dem gewöhnlichen Leben als Ausdruck des Liebesgefühls nennt, es berührt sich unmittelbar mit dem Geheimnis des Todes. Als Merkmal dieser Sache stehen die Wesen da, die in dem Augenblicke, wo sie lieben und ein neues Wesen hervorbringen, auch mit dem Tode aus dieser Welt scheiden.

[ 20 ] In this physical world, the relationship is defined by death and life. What are two poles on the astral plane—death and life—is here a constant struggle. The image of all physical life is embodied in the female form—when the progressive principle triumphs, death comes. Here, human life is defined as divided between birth and death, within the feminine, which is the image of the formed—that which strives toward the solid, that which seeks to become permanent. If only the feminine were at work, then human beings would tend to live in the physical body for as long as possible, to linger in the form. Through the influence of the masculine, death is instilled into the form. This is the mystery of the interplay between man and woman—through this, life and death are determined in the relationship between the feminine and the masculine. The feminine gives us life, and the masculine limits this life, setting death against life. Thus, what is commonly referred to in everyday life as an expression of love comes into direct contact with the mystery of death. A hallmark of this phenomenon is that beings, at the very moment they love and bring forth a new being, also depart from this world through death.

[ 21 ] Damit sind wir, wie man in der Geisteswissenschaft sagt, an den Rand eines großen Geheimnisses gekommen. Die Vermischung, und was damit zusammenhängt, der Tod, zeigt uns die Möglichkeit, dass der Geschlechtsgegensatz —- männlich und weiblich — nur eine Spezialität, nur etwas Besonderes eines großen Gegensatzes ist. Wir sehen auf der astralischen Ebene auftreten diesen Gegensatz als sich ewig wechselndes Leben — kraftvoller Wille und gestaltete Schönheit. Der geschlechtliche Gegensatz ist ein spezieller Fall. Es geht ein Gesetz durch die Welt, das viel bedeutender ist als der geschlechtliche Gegensatz. Für alle Welten sind solche Gesetze vorhanden, und sie wirken herunter in diese unsere Welt, und wenn die Menschen nur über die wichtigsten Daseinsrätsel wüssten, so würden sie sehen, dass diese Gesetze da sind, denn die Folgen sind da in der gewöhnlichen Welt. Es ist das gleiche Maß des Männlichen und des Weiblichen auf der Erde, von großen, durch die Welt flutenden kosmischen Kräften. Der Mensch ist eingesenkt in viele Welten, und ob irgendwo ein männliches oder ein weibliches Kind geboren wird, hängt nicht von dem Elternpaar, sondern von den Kräften, die außerhalb desselben sind, ab.

[ 21 ] This brings us, as they say in spiritual science, to the edge of a great mystery. The mingling—and, connected to it, death—shows us the possibility that the sexual opposition—male and female—is merely a special case, merely a particular aspect of a greater opposition. On the astral plane, we see this opposition manifest as eternally alternating life—powerful will and formed beauty. The sexual opposition is a special case. There is a law at work in the world that is far more significant than the sexual opposition. Such laws exist for all worlds, and they radiate down into our world; and if only people knew about the most important mysteries of existence, they would see that these laws are there, for their consequences are evident in the ordinary world. It is the equal measure of the masculine and the feminine on Earth, stemming from great cosmic forces flooding through the world. Human beings are immersed in many worlds, and whether a male or female child is born anywhere does not depend on the parents, but on the forces that exist outside of them.

[ 22 ] Stellen Sie sich zum Beispiel zwei Gefäße vor; das eine mit einer roten, das andere mit einer blauen Flüssigkeit gefüllt. Wenn sie irgendeinen Gegenstand in das Gefäß mit der blauen Flüssigkeit eintauchen, so muss der betreffende Gegenstand blau herauskommen, und umgekehrt. So ist es auch in Bezug auf das Geschlechtliche der Menschen.

[ 22 ] Imagine, for example, two vessels; one filled with a red liquid, the other with a blue liquid. If you immerse any object into the vessel containing the blue liquid, that object must emerge blue, and vice versa. The same is true with regard to human sexuality.

[ 23 ] Die Physiologen haben gut forschen; wenn sie nicht imstande sind, mehr zu sehen und zu erforschen als das, was ihre Augen sehen können, wird ihnen das Geheimnis niemals eröffnet.

[ 23 ] Physiologists must conduct their research thoroughly; if they are unable to see and investigate beyond what their eyes can perceive, the secret will never be revealed to them.

[ 24 ] Erinnern Sie sich des Wortes: Im Himmel wird nicht gefreit. (Mt 22,30; Mk 12,25; Lk 20,35f.) Daher ragt der Mensch durch seine weder männliche noch weibliche Astralnatur in die höhere Welt hinein, dadurch überragt er den Gegensatz zwischen männlich und weiblich, und ein jeder von uns trägt neben der seinigen noch eine übermännliche oder überweibliche Natur, durch die wir als Mensch dem Menschen gegenüberstehen, [und je mehr das Höhere in uns zur Entwicklung kommt, desto mehr können wir auf diese Weise einem anderen Menschen gegenüberstehen.]

[ 24 ] Remember these words: “In heaven, people do not marry.” (Mt 22:30; Mk 12:25; Lk 20:35ff.) Therefore, through his astral nature—which is neither male nor female—man reaches into the higher world; in this way, he transcends the opposition between male and female, and each of us possesses, in addition to our own, a super-masculine or super-feminine nature, through which we, as human beings, face one another, [and the more the higher aspect within us develops, the more we are able to face another human being in this way.]

[ 25 ] Nicht um Askese zu predigen, ist die Theosophie da, nicht zum Abtöten des Sinnlichen, sondern um das Weibliche und das Männliche zu durchströmen und zu durchdringen. Die Geisteswissenschaft ist berufen, dem Menschen wieder das zum Bewusstsein zu bringen, und das wird jenes schon heute von den Besten ersehnte Zusammenleben von Männern und Frauen in der Zukunft sein, wenn man bewusst sein wird über das, was über dem Geschlechte steht, was die höchsten Interessen in sich trägt und Mann und Frau in sich verbindet. Dann wird es unmöglich sein, dass die Beziehungen zwischen Mann und Frau einen Kampf abgeben können. Und die geisteswissenschaftliche Strömung wird eine solche sein, die durch die Menschheitsentwicklung hindurchfluten und den Menschen ergreifen wird. Dann wird die Zeit kommen, wo man auch nicht in müßiger und phrasenhafter Weise davon reden wird, ob ein Unterschied zwischen Mann und Frau besteht. Der Unterschied ist in vielen Beziehungen nicht hinwegzuleugnen, denn wir stehen fest auf diesem physischen Plan: Sind wir Mann, [so] sind wir im männlichen physischen Leibe, sind wir Frau, so sind wir im weiblichen physischen Leibe. Das gibt die Schattierung dem äußeren Dasein; wenn wir aber erkennen, dass wir einen innersten Wesenskern haben, dann werden wir diese Schattierung mit Freuden entgegennehmen, sie gibt die entzückende Verschiedenheit und Mannigfaltigkeit. Gerade wenn wir verstehen, das Ewige, das Wesenhafte zu finden, dann können wir uns auch des Zeitigen freuen. Dann öffnet sich eine große, [praktische] Perspektive, und wir sehen, wie die Geisteswissenschaft ins Leben eingreifen kann, in die Kunst, Erziehung und so weiter. Wir sehen, dass die Geisteswissenschaft keine graue Theorie ist, sondern lebendiges Wirken und Weben. Wer sie aufnimmt, durchdringt damit sein ganzes Wesen und veredelt, verschönt und erhebt die Beziehungen der Menschen, die sich in Geschlechtern der Menschheit ausdrücken, indem sie sie zur Harmonie, zu einem Zusammenwirken für den großen Fortschritt und die Vorwärtsbewegung des Menschengeschlechtes bringt.

[ 25 ] Theosophy is not here to preach asceticism, nor to suppress the sensual, but to flow through and permeate the feminine and the masculine. Spiritual science is called upon to restore this awareness to humanity, and this will be the future coexistence of men and women—already longed for today by the best among us—when people become conscious of what stands above gender, what embodies the highest interests, and what unites men and women within themselves. Then it will be impossible for relationships between men and women to become a struggle. And the spiritual scientific movement will be one that flows through the development of humanity and takes hold of people. Then the time will come when people will no longer speak idly and in clichés about whether there is a difference between men and women. The difference cannot be denied in many respects, for we stand firmly on this physical plane: If we are men, [then] we are in a male physical body; if we are women, we are in a female physical body. This lends nuance to our outer existence; but when we recognize that we have an innermost core of being, then we will welcome this nuance with joy, for it provides delightful diversity and variety. It is precisely when we understand how to find the eternal, the essential, that we can also rejoice in the temporal. Then a broad, [practical] perspective opens up, and we see how spiritual science can influence life—in art, education, and so on. We see that spiritual science is not a dry theory, but a living force at work. Those who embrace it permeate their entire being with it and ennoble, beautify, and elevate human relationships—which are expressed in the genders of humanity—by bringing them into harmony and fostering cooperation for the great progress and forward movement of the human race.