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The Nature of Man
in the Light of Spiritual Science
GA 68d

10 December 1907, Stuttgart

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The Nature of Man in the Light of Spiritual Science, tr. SOL
  1. Das Wesen des Menschen im Lichte der Geisteswissenschaft

14. Man, Weib und Kind im Lichte der Geheimwissenschaft

14. Man, Woman, and Child in the Light of Esoteric Science

[ 1 ] Dasjenige, was uns heute beschäftigen soll, bildet in einer gewissen Beziehung einen Gegenstand des Interesses zu allen Zeiten, insbesondere dürfen wir aber das Verhältnis von Mann und Weib [auch] bezeichnen als eine Art Frage unserer unmittelbaren Gegenwart, als eine Frage, die von den verschiedensten Gesichtspunkten, von den verschiedensten Parteistandpunkten heute mit großer Lebhaftigkeit erörtert wird. In Parteistreitigkeiten, in Parteigegensätze sich einzulassen, ist nicht die Aufgabe, nicht die Mission der Geheimwissenschaft. Daher wird dasjenige, was über diesen Gegenstand heute zu sagen sein wird, vielleicht sich in einer gewissen Beziehung recht unzeitgemäß ausnehmen; denn von einer höheren Warte aus hat Geisteswissenschaft mit völliger Objektivität, mit völliger Ruhe, mit der Ruhe des erzählenden Tones auch solche Fragen wie diese zu betrachten.

[ 1 ] The subject we are to address today is, in a certain sense, a matter of interest at all times; in particular, however, we may [also] describe the relationship between man and woman as a question of our immediate present—a question that is being debated with great vigor today from a wide variety of perspectives and from the most diverse partisan standpoints. It is not the task, nor the mission, of the Esoteric Science to become involved in party disputes or partisan conflicts. Therefore, what will be said on this subject today may, in a certain sense, seem quite out of step with the times; for from a higher vantage point, spiritual science must consider even such questions as these with complete objectivity, with complete calm, and with the calmness of a narrative tone.

[ 2 ] Allerdings hat sie es dabei nicht leicht. Denn solche Fragen rühren das Gemüt der Menschen, die ganze Empfindungs- und Leidenschaftswelt in einer außerordentlichen Weise auf, und mehr als gegenüber etwas anderem ist es einer solchen Frage gegenüber der Fall, dass der eine oder andere seine Antwort irgendwie bereit hat, und dass ihm daher manches, was gesagt werden muss von einer höheren Warte aus, gerade auf diesem Gebiete gegen alle seine Urteile und Vorurteile geht, dass er sich innerlich auflehnen muss. Das aber kann den Geistesforscher nicht abhalten, trotz aller Parteigegensätze, trotz aller Aufrührung der Leidenschaften, gerade auf einem solchen Felde seine Aufgabe der Gegenwart gegenüber zu erfüllen, ein reger Beobachter zu sein und eine solche Frage hinauszuheben über alle parteimäßige Anschauung.

[ 2 ] However, she does not have an easy time of it. For such questions stir people’s emotions—the entire world of feelings and passions—in an extraordinary way, and more than with any other subject, it is the case with such a question that one person or another already has an answer ready, and that therefore much of what must be said from a higher vantage point, particularly in this area, runs counter to all their judgments and prejudices, causing them to rebel inwardly. But this cannot prevent the spiritual researcher, despite all partisan conflicts and despite all the turmoil of the passions, from fulfilling his present-day task in precisely such a field: to be a keen observer and to elevate such a question above all partisan views.

[ 3 ] Wie schwer es ist, das zeigt vielleicht eine ganz kleine Blütenlese von Urteilen, die auf diesem Gebiet vorgebracht werden in unserer Gegenwart. Nicht nur Agitatoren und Agitatorinnen, nicht nur solche, die leichten Herzens diese oder jene Schlagworte finden, haben sich über unser Thema, insbesondere über das Wesen der Frau ausgelassen, sondern auch solche, die von eigenen Gesichtspunkten aus einen höheren objektiven Ton anschlagen wollen, und lehrreich wird es sein, diese kleine Umschau zu halten. Dabei wird von vornherein betont, dass nicht irgendwelche zufällig aufgelesenen Urteile gegeben werden, sondern tonangebende Urteile.

[ 3 ] Just how difficult this is may be illustrated by a very small selection of opinions expressed on this subject in our time. It is not only agitators—both men and women—nor only those who casually come up with this or that catchphrase who have weighed in on our topic, particularly on the nature of women, but also those who, from their own perspectives, seek to strike a more objective tone; and it will be instructive to take this brief look around. It should be emphasized from the outset that these are not just random opinions picked up here and there, but rather influential ones.

[ 4 ] Gelehrte und ungelehrte Leute haben sich über das Wesen der Frau ausgesprochen. Aber es ist bezeichnend, wie das geschehen ist. Da beschäftigt sich einer mit dem Wesen des Menschen vom anthropologischen Standpunkte aus, das Wesen der Frau zusammenfassend in dem Worte: Ergebenheitsgefühl. Wohl gemerkt, das ist nicht so gemeint, als ob das wie ein Ideal hingestellt sein wollte, dem die Frau nachzustreben habe, sondern er will sagen, dass nach der ganzen Natur des Weibes die hervorstechendste Eigenschaft der Frau das Ergebenheitsgefühl sei. — Eine andere Persönlichkeit, die mit ebensolcher Objektivität das Wesen der Frau bezeichnen wollte, fasste ihrerseits zusammen, was sich für sie ergab, und drückte das Wesen der Frau aus mit dem Worte: Herrschaftslust. — Ein sehr bedeutender Pathologe versuchte von seinem Gesichtspunkte aus das Wesen der Frau zu skizzieren. Er sagte: Alles in der Frau weist hin auf eine Grundeigenschaft, das ist die Sanftmut. — Das wollte ein wissenschaftliches Urteil sein. Ein anderer sagte: Zornmütigkeit. — Wiederum jemand, der glaubte, von einer höheren Warte aus die Eigenschaften der Frau zusammenfassen zu können, sagte: Konservativer Sinn, und ein anderer sagte: Alles Revolutionäre gehe aus der Frauennatur hervor. - Da haben Sie eine kleine Blütenlese, die ein Bild geben kann von der Einmütigkeit derer, die objektiv skizzieren wollen. Ein sehr berühmter NervenPathologe hat das Büchelchen geschrieben: «Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes».

[ 4 ] Scholars and laypeople alike have weighed in on the nature of women. But it is telling how this has happened. One scholar, for example, examines the nature of human beings from an anthropological perspective, summarizing the nature of women with the phrase: “a sense of devotion.” Mind you, this is not meant to be presented as an ideal that women should strive for, but rather to say that, given the whole nature of women, their most striking characteristic is a sense of devotion. — Another figure, who sought to describe the nature of women with the same objectivity, summarized what emerged for him and expressed the nature of women with the word: “desire for domination.” — A very prominent pathologist attempted to sketch the nature of women from his own perspective. He said: Everything in a woman points to one fundamental trait, namely gentleness. — That was meant to be a scientific judgment. Another said: a hot temper. — Yet another person, who believed he could summarize women’s traits from a higher vantage point, said: a conservative mindset; and another said: Everything revolutionary springs from women’s nature. - There you have a small anthology that can illustrate the unanimity of those who seek to describe women objectively. A very famous neuropathologist wrote the little book: “On the Physiological Debility of Women.”

[ 5 ] Wenn wir solche Urteile nicht nur von ihrer komischen, sondern von der universell-geistigen Seite nehmen, sind sie im höchsten Grade lehrreich; denn sie zeigen uns, was es für eine Bewandtnis damit hat, wenn man uns sagt: Was ihr Geisteswissenschaftler sagt, ist subjektiver Glaube, aber wenn man sich auf das Feld der äußeren Beobachtung stellt, können nur einmütige Urteile herauskommen. — So sind diese einmütigen Urteile! Interessant ist es aber, dass uns, wie aus so zahlreichen Punkten unserer zeitgenössischen Urteile, gerade hier eine Tatsache entgegentritt, die beweist, wie die Geheimwissenschaft etwas ist, das wie gerufen uns vorkommen muß gegenüber den großen, den wichtigen Fragen der Gegenwart. Denn wenn auch unsere Zeit in vieler Beziehung über solche Dinge im Dunkeln tastet, dieses Tasten im Dunkeln weist oft in merkwürdiger Ahnung darauf hin, wie notwendig es ist, das richtige Wort zu sprechen.

[ 5 ] If we consider such judgments not only from their humorous side but also from their universal spiritual perspective, they are highly instructive; for they show us what it really means when we are told: “What you spiritual scientists say is subjective belief,” but that when one enters the realm of external observation, only unanimous judgments can emerge. — Such are these unanimous judgments! It is interesting, however, that here—as in so many aspects of our contemporary judgments—we are confronted with a fact that proves how the occult science is something that must seem to us to come at just the right time in the face of the great, important questions of the present. For even though our age gropes in the dark regarding such matters in many respects, this groping in the dark often points, with a strange premonition, to how necessary it is to speak the right word.

[ 6 ] Etwas, was wie eine aus dem Geist des Materialismus heraus gesprochene Ahnung, aber eine karikierte Ahnung des Richtigen erscheinen muss, ist das, was in einem viel Aufsehen erregenden Buch der letzten Zeit steht, in dem Buch, das herrührt von einem genialischen, aber unreifen Denker, dem jungen Weininger: «Geschlecht und Charakter». Wollen wir diese merkwürdige Ahnung richtig würdigen, dann müssen wir zuerst einen Tatbestand, den uns die Geisteswissenschaft zeigt, vor die Seele rücken. Trotzdem wir die elementare Anschauung über das Wesen des Menschen schon oft dargestellt haben, müssen wir uns heute noch einmal vertiefen in dieses Wesen des Menschen. Wir fassen vom Standpunkt der Geisteswissenschaft ... /Lücke in der Mitschrift]

[ 6 ] Something that must appear as an intuition spoken from the spirit of materialism—yet a caricatured intuition of the truth—is what is written in a recent book that has caused quite a stir, a book by a brilliant but immature thinker, the young Weininger: “Gender and Character.” If we are to properly appreciate this curious insight, we must first bring to mind a fact revealed to us by spiritual science. Although we have often presented the fundamental view of the nature of the human being, we must today once again delve deeply into this nature of the human being. From the standpoint of spiritual science, we summarize... [gap in the transcript]

[ 7 ] Nun verstehen wir das Verhältnis zwischen Mann und Weib, wenn wir zunächst eine wichtige Tatsache aussprechen, die uns die Geisteswissenschaft liefert, eine Tatsache, die freilich manchem wie eine groteske Tatsache erscheint, aber das macht nichts. Im Grunde genommen hat ein jeder Mensch in einer gewissen Form beide Geschlechter in sich. Der Mann hat äußerlich den sichtbaren männlichen Leib; sein Äther- oder Lebensleib ist weiblicher Natur; und umgekehrt ist es beim Weibe, sodass ein polarischer Gegensatz beim Menschen vorhanden ist.

[ 7 ] We can understand the relationship between man and woman if we first state an important fact provided by spiritual science—a fact that, admittedly, may seem grotesque to some, but that doesn’t matter. Essentially, every human being possesses both genders within themselves in a certain form. Outwardly, a man has a visible male body; his etheric or life body is of a feminine nature; and the opposite is true for a woman, so that a polar contrast exists within the human being.

[ 8 ] Derjenige, der versucht, diese Tatsache mit allen Kräften seiner Seele zu würdigen, wird verstehen, wie viel von den Erscheinungen verständlich wird. Wer sähe nicht, wie im Mann zu schöner Harmonie mit seinen männlichen Eigenschaften weibliche Eigenschaften sich vereinen! Damit ist zu gleicher Zeit etwas anderes gegeben, dass man die Frage aufwerfen kann: Wenn nun im Schlaf der Astralleib und das Ich außer dem physischen und ätherischen Leib sind, wie verhält es sich mit dem Geschlecht des Astralleibes und des Ich? Die sind in Bezug auf das Geschlecht absolut neutral, was im Geschlecht lebt, ist ein Organ nach außen, genau wie die Sinne.

[ 8 ] Anyone who tries to appreciate this fact with all the strength of their soul will understand how much of what we perceive becomes comprehensible. Who would not see how feminine qualities unite in a man to form such beautiful harmony with his masculine qualities! This raises another question: If, during sleep, the astral body and the “I” are separate from the physical and etheric bodies, what is the nature of the astral body and the “I” with regard to gender? They are absolutely neutral in terms of gender; what lives in gender is an organ directed outward, just like the senses.

[ 9 ] Damit bekommen wir die Notwendigkeit, überhaupt nicht mehr vom Standpunkte der äußeren Welt oberflächlich vom Männlichen und Weiblichen zu sprechen, sondern wir überzeugen uns, dass wir zu den unsichtbaren Welten zurückkehren müssen, zum Ätherleib. Die sinnliche Beobachtung ist auf diesem Gebiet eine Illusion. Äußerlich ist der Mann Mann, nach innen hat er die Eigenschaften seines weiblichen Ätherleibs, und die Sinnenbeobachtung zeigt uns nur den einen Teil seines Wesens. Diese Tatsache ist in karikierter Weise geahnt von Weininger, nur spricht er von dieser Tatsache im grob materialistischen Sinn. Er spricht davon, dass in jedem Teil des Menschen durcheinandergemischt wären männliche und weibliche Stoffe. Aber es ist nicht möglich, mit einer solchen materialistischen Theorie weiterzukommen. Er gibt merkwürdige Eigenschaften von der Frau an. Das Weib habe keine Individualität und keine Persönlichkeit und keine Intelligenz und keine Freiheit und keinen Charakter und keinen Willen. — Auch die männliche Seite trägt dieses Wesen in sich. Auch jeder Mann hat also in einem Teil seines Wesens keine Individualität und so weiter.

[ 9 ] This leads us to the necessity of no longer speaking superficially of the masculine and feminine from the standpoint of the external world, but rather we come to realize that we must return to the invisible worlds, to the etheric body. Sensory observation is an illusion in this realm. Outwardly, a man is a man; inwardly, he possesses the qualities of his feminine etheric body, and sensory observation reveals to us only one aspect of his being. Weininger intuitively sensed this fact in a caricatured way, though he discusses it in a crude, materialistic sense. He claims that masculine and feminine elements are jumbled together in every part of the human being. But it is not possible to make any progress with such a materialistic theory. He attributes strange characteristics to women. He claims that women have no individuality, no personality, no intelligence, no freedom, no character, and no will. — The male side, too, carries this nature within itself. Thus, every man, too, lacks individuality in one part of his being, and so on.

[ 10 ] Wenn wir die Wahrheit festhalten, dass wir es in jedem Mann mit der männlichen Natur nach außen, mit der weiblichen Natur nach innen zu rechnen haben, dann werden wir manchen Standpunkt des Mannes und der Frau begreifen. Und wir werden begreifen, aus wie tiefer Wahrheitsgrundlage heraus unsere Männerkultur zum Beispiel spricht: «Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan.» Es ist dies vom Standpunkt des Mannes aus gesprochen. Aber da unsere abgelaufene Kultur eine Männerkultur war und jetzt erst das Zusammenwirken beginnt, das Früchte tragen wird, von denen sich die heutige Zeit wenig Ahnung macht, begreifen wir, dass in aller Mystik das, was aufwärtsstrebt, das neutral Geschlechtslose als das Ewig-Weibliche bezeichnet wird. Man braucht nur zu sehen, welche aktiven, positiven Eigenschaften die Frau im Kriegsdienste an männlicher Hingabe im Liebesdienst, im Wohltätigkeitsdienst zu erzeugen vermag, welche Unerschrockenheit in ganz anderen Tugenden die Frau zeigt; dann wird man die Doppelnatur auch vollständig sehen können.

[ 10 ] If we hold fast to the truth that in every man we must reckon with the masculine nature on the outside and the feminine nature on the inside, then we will come to understand many of the perspectives of both men and women. And we will come to understand the profound foundation of truth from which our male-centered culture speaks, for example: “The Eternal Feminine draws us upward.” This is spoken from a man’s perspective. But since our past culture was a male-dominated culture, and only now is the interplay beginning that will bear fruits of which the present age has little inkling, we come to understand that in all mysticism, that which strives upward—the neutral, genderless—is designated as the Eternal Feminine. One need only observe the active, positive qualities that women are capable of inspiring in men—whether in military service, in the service of love, or in charitable work—and the fearlessness women demonstrate in entirely different virtues; then one will be able to fully grasp this dual nature.

[ 11 ] Nun aber handelt es sich darum, von einem noch viel tieferen Gesichtspunkt [aus] den Gegenstand aufzufassen. Uns hat sich gezeigt, dass das Geschlecht, dasjenige, was sich im Gegensatz des Männlichen und Weiblichen ausdrückt, angehört dem physischen und Ätherleib. Wie ist es nun mit einem Gegensatz, der hier in der Welt zum Ausdruck kommt, in den höheren Welten? Hört da jeglicher Gegensatz auf? Nachts hat es keinen Sinn mehr, von Geschlecht zu sprechen. In einer Welt, für die man die höheren Sinne braucht, lebt der menschliche Astralleib mit dem Ich in der Nacht. Mit dieser Welt geistiger Wesenheiten sind der Astralleib und das Ich des Menschen vereint. Hört in diesen Welten überhaupt die Möglichkeit auf, von einem ähnlichen Gegensatz zu sprechen, oder gibt es dort auch etwas von einem solchen Gegensatz? Für denjenigen, der an der Grundwahrheit festhält, dass alles Physische der äußere Ausdruck des Geistigen ist, für den muss diese Frage auftauchen. Der Gegensatz der Geschlechter muss doch der physische Ausdruck sein für irgendetwas in der geistigen Welt. Das Mysterium des Geschlechtlichen ist so tief und bedeutsam, dass, wenn man auf diesem Gebiet dazu kommt, von der Wahrheit zu reden, man für die oberflächliche Betrachtung Paradoxes über Paradoxes behaupten muss.

[ 11 ] But now the point is to view the subject from an even deeper perspective. It has become clear to us that gender—that which is expressed in the contrast between the masculine and the feminine—belongs to the physical and etheric bodies. What, then, of a contrast that is expressed here in the world—how does it appear in the higher worlds? Does every contrast cease there? At night, it no longer makes sense to speak of gender. In a world that requires the higher senses, the human astral body lives with the “I” during the night. The human astral body and “I” are united with this world of spiritual beings. Does the very possibility of speaking of a similar contrast cease in these worlds, or is there also something of such a contrast there? For those who hold fast to the fundamental truth that everything physical is the outward expression of the spiritual, this question must arise. The contrast between the sexes must surely be the physical expression of something in the spiritual world. The mystery of gender is so profound and significant that, when one comes to speak of the truth in this realm, one must assert paradox upon paradox from a superficial perspective.

[ 12 ] Es gibt einen Gegensatz in der Welt, in die der Mensch eintritt während des Schlafzustandes, einen Gegensatz, dessen Ausdruck hier der Gegensatz der Geschlechter ist. Dieser Gegensatz in der geistigen Welt wird seit uralten Zeiten in der Geheimwissenschaft bezeichnet als der Gegensatz von Tod und Leben. Hinter unserer Welt liegt eine Welt, in welcher höhere Kräfte sind für Tod und Leben. Und hier in dieser Welt ist für diese Kraft der Ausdruck der Gegensatz der Geschlechter. Wir werden wenigstens annähernd dies verstehen können.

[ 12 ] There is a contrast in the world into which a person enters during sleep—a contrast whose expression here is the contrast between the sexes. Since ancient times, this contrast in the spiritual world has been referred to in esoteric science as the contrast between death and life. Behind our world lies a world in which higher forces govern death and life. And here in this world, the expression of this force is the contrast between the sexes. We will be able to understand this, at least to some extent.

[ 13 ] Betrachten wir ein Wesen dieser Welt, zum Beispiel den Menschen. Wir dürfen ihn nicht zu geradlinig und einfach betrachten, wir müssen sehen, wenn wir ihn verstehen wollen, wie in diesem Menschen tatsächlich Gegensätze zum Ausdruck kommen. Wir sehen, wie der Mensch geboren wird, wie er heranwächst, wie er bis zu seinem siebten Jahr zunächst die Form ausbildet nach dem Festbestimmten hin, wie diese Form noch lange wächst und größer wird, wie er dann stationär bleibt, wie dann von der Lebensmitte an verzehrende Kräfte wirken. Da, wo die schöpferischen Kräfte wie kondensiert erscheinen, da ist die Geburt; da, wo die verzehrenden Kräfte erscheinen, ist der Tod. In der Mitte des Lebens stehen wir im Gleichgewicht. Während des ganzen Lebens aber sind diese zwei Kräfte im Menschen vorhanden. Mit der Geburt beginnen die verzehrenden Kräfte schon ihre Tätigkeit. In der Lebensmitte gewinnen sie den Vorsprung. Und das menschliche Wesen ist nicht möglich ohne das fortwährende Zusammenwirken dieser beiden Kräfte. Würde nur die Kraft des Lebens im Menschen wirken, dann würde der Mensch in einem kurzen Dasein wie Feuer aufbrodeln, immer weiter sich entwickeln, sich überstürzen im Leben. Die verzehrenden Kräfte, die ihre Summe im Tod finden, sind zugleich die Kräfte, welche als wohltätige Kräfte im Menschen die Möglichkeit geben, Form, Gestalt in seine Wesenheit hineinzubringen. Vom Leben kommt ein Vorwärtsdringen. Das Leben will jede Form in eine neue verwandeln. Der Tod erscheint nur dann als etwas, was seiner Wesenheit nach Vernichtung ist, wenn wir ihn in seiner Summe betrachten. Was er als Summe ist, ist er nicht immer. Dieselbe Kraft, die des Menschen physischen Leib schließt, ist es, die dem Menschen seine Form gibt und in einer gewissen Ruhe erhält. Das können Sie sehen, wenn Sie den Gegensatz an einem Äußeren, zum Beispiel Pflanzenwesen betrachten. Da sehen Sie, wie Spross für Spross hervorgebracht wird, wie die Kräfte im Leben Blatt für Blatt hervorbringen. Und da sehen Sie eine Kraft, die die Form erhält, die Festigkeit und Gestalt in das sich überstürzende Leben hineinbringt. Würde nur die Lebenskraft wirken, dann würde ein Blatt gar nicht bestehen können, denn das Leben würde weitereilen. Das Leben muss fortwährend gehemmt und seinem nie rastenden Lauf entzogen werden. Diese zwei Kräfte halten einander ewig das Gleichgewicht. Diese zwei, die in ihrem höchsten Punkt als Tod und Leben erscheinen, sind die Aufbauer des gestalteten Lebens in der äußeren Welt.

[ 13 ] Let us consider a being in this world, for example, the human being. We must not view him in too simplistic or straightforward a manner; if we wish to understand him, we must see how opposites are actually expressed within him. We see how a human being is born, how they grow up, how—until the age of seven—they initially develop their form in accordance with what is predetermined, how this form continues to grow and become larger for a long time, how they then remain stationary, and how, from middle age onward, consuming forces begin to take effect. Where the creative forces appear as if condensed, there is birth; where the consuming forces appear, there is death. In the middle of life, we are in balance. Throughout the entire course of life, however, these two forces are present within the human being. The consuming forces begin their activity as early as birth. At midlife, they gain the upper hand. And the human being is not possible without the constant interplay of these two forces. If only the life force were at work within a human being, then that person would blaze forth like fire in a brief existence, developing ever further, rushing headlong through life. The consuming forces, which find their culmination in death, are at the same time the forces that, as beneficent forces within the human being, provide the possibility of bringing form and shape into his or her being. Life impels us forward. Life seeks to transform every form into a new one. Death appears as something that is, in its very nature, destruction only when we consider it in its totality. It is not always what it is in its totality. The very same force that brings the human physical body to an end is the one that gives the human being its form and maintains it in a certain state of calm. You can see this when you observe the contrast in the external world, for example, in plant life. There you see how shoot after shoot is brought forth, how the forces of life produce leaf after leaf. And there you see a force that preserves the form, bringing stability and structure into the surging flow of life. If only the life force were at work, a leaf could not exist at all, for life would rush onward. Life must be continually restrained and drawn back from its ceaseless course. These two forces maintain an eternal balance with one another. These two—which, at their highest point, appear as death and life—are the builders of structured life in the outer world.

[ 14 ] Wenn wir in einem speziellen Fall diesen Gegensatz prüfen wollen, stellt er sich noch in einer anderen Form dar. Diejenige Geisteswissenschaft, die seit dem vierzehnten Jahrhundert in Europa gewirkt hat, hat diesen Gegensatz genannt: den Gegensatz von Entstehung und Verwesung — Verwesen heißt: zum Wesen hingehen. Im Gegensatz zum überstürzenden Leben die sich gestaltende Form, das sich Gestaltende. Diesen Gegensatz kann man überall im Leben empfinden, wenn man nicht bloß mit dem Verstand die Welt auffasst. Und suchen wir jetzt diesen anderen Ausdruck, so sagen wir: Dasjenige, was sich in den verwesenden Kräften ausdrücken lässt, wenn vor uns hintritt die Juno Ludovisi, wo alles Leben, in der wunderbaren Form erstarrt, in einem Augenblick festgehalten ist, da haben Sie aufs Höchste gespannt die Kraft. In der Wirklichkeit lebt sich die Form nicht so in einem Augenblick aus. Die Formen verändern sich in jedem Augenblick. Zusammengedrückt das Innere in einem einzigen Augenblick, tritt es uns entgegen. Schönheit ist der äußere Ausdruck dessen, was nur die Kräfte der Verwesung bewirken, die Kräfte, die das Leben aufhalten. Urkraft, Wille, das ist das andere, was die Form in jedem Augenblick überwinden will. Wollen wir Kräfte sehen, dann muss in der Zeit von Gestaltung zu Gestaltung gehandelt werden.

[ 14 ] If we wish to examine this contrast in a specific case, it presents itself in yet another form. The spiritual science that has been active in Europe since the fourteenth century has named this contrast: the contrast between becoming and decay—decay means: moving toward the essence. In contrast to the impetuous flow of life stands the taking-shape of form, that which is taking shape. This contrast can be sensed everywhere in life if one does not merely grasp the world with the intellect. And if we now seek this other expression, we say: That which can be expressed in the forces of decay—when the Juno Ludovisi stands before us, where all life is frozen in that wondrous form, held in a single moment—there you have the force stretched to its utmost. In reality, the form does not unfold in a single moment like that. Forms change at every moment. Condensed into a single moment, the inner essence confronts us. Beauty is the outward expression of what is brought about solely by the forces of decay—the forces that hold life back. Primordial force, will—that is the other force that seeks to overcome form at every moment. If we wish to see forces at work, then we must act within time, from one form to the next.

[ 15 ] Und noch in einer anderen Beziehung lebt im Menschen dieser Gegensatz von Form und Leben, von Vernichtung und ewigem Werden. Wenn bloß die Kräfte des Lebens im Menschen herrschten, so wäre es, wie wenn eine Überfülle von Sauerstoff da wäre. Der Mensch würde sich überstürzen. Es ragt herein aus der astralischen Welt die Kraft des Lebens und des Aufhaltens des Lebens. Und so ist es mit unserem Leben. Wir müssen durch den Tod gehen. Würden wir nicht durch den Tod gehen, dann fehlte uns eines. Wir wissen, wie der Mensch in vielen Erdenleben mit gesteigertem Bewusstsein und vollkommenerem Ich erscheint. Wodurch kommt der Mensch zum vollen Erfassen des Lebens? Kein Wesen würde sein Selbstbewusstsein immer höher gestalten können. Er könnte nicht dazu kommen, wenn er nicht seinen Gegensatz selber erleben könnte. Denken Sie sich ein Wesen, das keine Ahnung hätte, dass es eine Vernichtung gibt, das keine Todesfurcht je geahnt hätte, dem es unmöglich wäre, dem Tode ins Angesicht zu sehen. Ein solches Wesen könnte zu dem starken Selbst- und Lebensgefühl, das weiß, dass das Leben zuletzt siegt über den Tod, nicht kommen. Im Gegensatz lernen wir die starken Kräfte kennen. Unser Ich verdanken wir der Tatsache, dass wir imstande sind, durch den Tod zu gehen. Und der hat das rechte Gefühl, der die Todesfurcht gekannt und überwunden hat. Der Mensch nimmt die Kräfte des Todes auf und verarbeitet sie zu einem erhöhten Leben.

[ 15 ] And in yet another respect, this contrast between form and life, between destruction and eternal becoming, lives within human beings. If only the forces of life were dominant in human beings, it would be as if there were an overabundance of oxygen. Human beings would rush headlong. The force of life and the force that sustains life reach in from the astral world. And so it is with our lives. We must pass through death. If we did not pass through death, then something would be missing. We know how a human being emerges in many earthly lives with heightened consciousness and a more perfect sense of self. How does a human being come to fully grasp life? No being would be able to develop its self-awareness to ever higher levels. It could not achieve this if it could not experience its own opposite. Imagine a being that had no idea that annihilation exists, that had never even suspected the fear of death, and for whom it would be impossible to look death in the face. Such a being could not attain that strong sense of self and life that knows that life ultimately triumphs over death. It is through contrast that we come to know these powerful forces. We owe our sense of self to the fact that we are capable of passing through death. And the one who has known and overcome the fear of death possesses the true sense of self. Human beings absorb the forces of death and transform them into a higher form of life.

[ 16 ] Und wem in der physischen Welt verdankt der Mensch, ein Wesen, das durch den Tod gehen kann, diese für sein Leben so wichtige Tatsache, den Tod überwinden zu können? Dem Gegensatz des Männlichen und Weiblichen.

[ 16 ] And to whom in the physical world does humankind—a being capable of passing through death—owe this fact, so vital to its existence: the ability to overcome death? To the contrast between the masculine and the feminine.

[ 17 ] Für die Geisteswissenschaft stellt sich das Weibliche dar als die Gestalterin der Form, das Männliche als das, was die Form immer und immer überwinden will. Würde nur Weibliches wirken können in der Welt, dann würde alles in der Form, und sei es auch die schöne Form, erstarren. Ein Leben in einer abgeschlossenen Form, bewirkt könnte es werden durch das Weibliche. Dass diese Form überwunden wird, dass von Form zu Form geeilt wird, verdankt das Dasein dem Zusammenwirken des Weiblichen mit dem Männlichen. Und wir Menschen verdanken dem weiblichen Teil unsere Form, und dem männlichen Teil verdanken wir das forteilende Leben, das Werden. Und alles ist im Leben ein Zusammenwirken dieser Kräfte. Daher wirkt in jedem Wesen Männliches und Weibliches zusammen, und der Mann ist nur ein Mensch, bei dem der eine Pol besonders bezeichnend im Physischen zum Ausdruck kommt, während die Formgebung im Innern mehr geistig bleibt. Und im Weibe tritt im Äußeren die weibliche Form auf, während das Willensartige nach innen tritt. Deshalb dieses harmonische Ergänzen in der Beziehung der Geschlechter zueinander. Deshalb findet das eine Geschlecht etwas in dem anderen, was gleicher Art und Wesenheit ist, deshalb versteht das eine Geschlecht das andere, weil das eine das andere in sich hat.

[ 17 ] In the humanities, the feminine is seen as the shaper of form, while the masculine is seen as that which constantly seeks to transcend form. If only the feminine were able to act in the world, then everything would become frozen in form—even if that form were beautiful. A life confined to a fixed form could indeed be brought about by the feminine. That this form is overcome, that we rush from form to form—existence owes this to the interplay of the feminine with the masculine. And we humans owe our form to the feminine aspect, and to the masculine aspect we owe the life that spreads forth, the becoming. And everything in life is an interplay of these forces. Therefore, the masculine and the feminine work together in every being, and a man is merely a human being in whom one pole is expressed particularly distinctly in the physical realm, while the shaping of the inner self remains more spiritual. And in the woman, the feminine form appears on the outside, while the volitional aspect recedes inward. Hence this harmonious complementarity in the relationship between the sexes. Hence one sex finds in the other something that is of the same kind and essence; hence one sex understands the other, because one has the other within itself.

[ 18 ] So wunderbar sind die Dinge in der Welt verkettet, dass dasjenige, was uns zuweilen so wunderbar in der Stimmung anmutet: der Gegensatz [von] Vernichtung und Werden, dass der sich eben ausdrückt in dem Geschlechtsgegensatz. Vernichtung, angehalten, bedeutet Ruhe in der Form. Werden bedeutet, wenn es im äußeren Leben uns entgegentritt, zugleich von einer anderen Seite Vernichtung der Form. So kann, wenn wir diese Sache in ihrer Totalität betrachten, niemals sich irgendetwas mehr oder weniger Sympathisches an das eine oder andere dieser Worte knüpfen. Geisteswissenschaftlich betrachtet erscheint uns unser Erdenleben so, dass wir sagen: Mit dem Zusammenwirken der Geschlechter ist eingepflanzt dem Menschen ein Kompromiss zwischen Form und ewigem Werden und Vernichten der Form. Eingepflanzt ist dem Menschen, was in ihm auftreten muss. Wir nehmen mit unserer Erzeugung diese zwei Kräfte der Form und des Lebens auf, weil wir von zwei Seiten her ins Leben gerufen werden. Und so wirken die großen Gesetze des Kosmos, dass dasjenige, was als Gegensatz in einer anderen Welt erscheint als männlich und weiblich, in einer höheren Welt als stärkerer Gegensatz erscheint. Da erst ergießt sich in unsere Betrachtung von männlich und weiblich in der ganzen Natur nicht nur Verstandesbegriff und Idee, sondern Wille und Stimmung und Gefühl, wenn wir in jedem Wesen schen, wie zwei Kräfte zusammenwirken, und diese Wesen nur dadurch vor uns stehen können, dass bei ihnen das Gleichgewicht dieser Kräfte erhalten wird. Kompliziert und mannigfaltig ist die Welt, und wir verstehen sie nur, wenn wir uns einlassen auf ihre Komplikation. So wunderbar diese Ableitung des geschlechtlichen Gegensatzes aus dem anderen Gegensatz einer höheren Welt erscheint, solch ein guter Führer ist er, wenn wir ihn überall im Leben verfolgen. Wir wissen dann, warum der Gegensatz der Geschlechter in der Welt überhaupt auftritt. Es ist gerechtfertigt, weil in der Welt das Gleichgewicht zwischen Gestalt und Werden gelten muss. Steigt der Mensch etwa als Eingeweihter aus der physischen Welt in höhere Welten hinauf, dann tritt ihm in diesen höheren Welten nicht der Gegensatz des Männlichen und Weiblichen entgegen. Tief wahr ist der biblische Ausspruch: «In den Himmeln wird nicht gefreit.» (Mt 22,30; Mk 12,25; Lk 20,35f.) Aber es tritt uns, wenn wir hellseherisch die höheren Welten betrachten, überall ein anderer Gegensatz stürmisch entgegen. Alles ist in fortwährender Bewegung. Hier wird dieses Werden und Gestalten nur verlangsamt und verdichtet. Es erscheint uns in größere Ruhe gegossen. Das kann ein Bild geben, wie in ganz anderem Lichte etwas, was man wahrnehmen kann in den höheren Welten, erscheint. Es könnte so aussehen, als ob dies nur für den Menschen gälte. Es gilt aber überall, wo Tod und Leben und ein geschlechtlicher Gegensatz in der physischen Welt zum Ausdruck kommt.

[ 18 ] Things in the world are so wonderfully interconnected that what sometimes strikes us as so wondrous—the contrast between destruction and becoming—is precisely what finds expression in the sexual dichotomy. Destruction, when halted, signifies stillness in form. Becoming, when it confronts us in external life, simultaneously signifies, from another perspective, the destruction of form. Thus, when we consider this matter in its entirety, nothing more or less appealing can ever be attached to one or the other of these terms. From a spiritual scientific perspective, our earthly life appears to us in such a way that we say: Through the interaction of the sexes, a compromise between form and the eternal becoming and destruction of form is implanted in the human being. What must arise within the human being is implanted in them. Through our conception, we take in these two forces of form and life, because we are brought into being from two sides. And thus the great laws of the cosmos work in such a way that what appears as a contrast in another world—as male and female—appears as a stronger contrast in a higher world. Only then does our contemplation of the masculine and feminine throughout all of nature encompass not merely intellectual concepts and ideas, but also will, mood, and feeling—when we perceive in every being how two forces interact, and realize that these beings can exist before us only because the balance of these forces is maintained within them. The world is complex and manifold, and we understand it only when we engage with its complexity. As wondrous as this derivation of the sexual opposition from the other opposition of a higher world may seem, it serves as such a good guide when we follow it throughout life. We then know why the opposition of the sexes occurs in the world at all. It is justified because the balance between form and becoming must prevail in the world. If, for example, a human being ascends from the physical world into higher worlds as an initiate, then the opposition between the masculine and the feminine does not confront him or her in these higher worlds. The biblical saying is profoundly true: “In heaven they do not marry.” (Mt 22:30; Mk 12:25; Lk 20:35f.) But when we gaze clairvoyantly upon the higher worlds, another contrast confronts us everywhere with great intensity. Everything is in constant motion. Here, this process of becoming and taking form is merely slowed down and condensed. It appears to us as if cast in greater stillness. This may give an idea of how something that can be perceived in the higher worlds appears in a completely different light. It might seem as if this applied only to human beings. But it applies wherever death and life and a sexual dichotomy find expression in the physical world.

[ 19 ] So erscheint uns in der Kunst, in der Juno, alle Seele, alle innere Größe, alles dasjenige, was im forteilenden Leben von Zustand zu Zustand schreitet, wie ausgegossen in einem Augenblick in eine Form und festgehalten. Wäre diese Form in dem realen Dasein Wahrheit, das Wesen müsste da zu gleicher Zeit sterben. Schönheit bedingt, wenn sie da sein soll in der Form, dass das Wesen, an dem die Schönheit in ihrem vollen Maße zum Ausdruck kommt, kein wirkliches Wesen ist. Das Leben muss heraus, dann bleibt, wenn das, was überwunden werden muss im Leben, für sich da bleibt, die Schönheit der Form. Und wollen Sie das innere Werden, das Eilen von Zustand zu Zustand darstellen, dann werden Sie sehen, dass das in einer charakteristischen Form festgehalten werden kann, aber unmöglich in einer schönen Form, Schön sind sie nicht, die Formen der Laokoon-Gruppe. Es ist keine innere Ruhe festgehalten. Schönheit und Leben sind auf dem Gebiete der Kunst dieselben Gegensätze, die wir so skizziert haben im Gebiete des Wirklichen. Da sehen wir tief in das Leben hinein. Nur müssen wir eine solche Lebensbetrachtung wirklich lebendig und praktisch machen. Auf Schritt und Tritt im Leben können wir tief hineinschauen und Verständnis gewinnen, wenn wir die Dinge von solchen Gesichtspunkten aus betrachten. Sehen wir irgendetwas, was in der Form festgehalten wird, so ahnen wir verborgenes Leben, und sehen wir das Leben, so sehnen wir uns tief — und dieses Sehnen gibt uns ein Verhältnis zu der betreffenden Wesenheit — nach Bewegung. Und dasjenige, was geisteswissenschaftliche Tatsache ist, es tritt uns in den großen religiösen Urkunden wörtlich entgegen. Das macht die Bedeutung dieser Urkunden aus, dass wir sie erst dann verstehen, wenn wir die zugrunde liegenden Tatsachen aus uns selbst eingesehen haben.

[ 19 ] Thus, in art, Juno—every soul, every inner greatness, everything that progresses from one state to another in the ever-changing course of life—appears to us as if poured into a single form in an instant and held there. If this form were truth in real existence, the being would have to die at that very moment. Beauty, if it is to exist in form, requires that the being in which beauty is expressed to its fullest extent be no real being. Life must be set aside; then, if that which must be overcome in life remains in its own right, the beauty of the form remains. And if you wish to depict the inner becoming, the rushing from state to state, you will see that this can be captured in a characteristic form, but not in a beautiful one—the forms of the Laocoön group are not beautiful. No inner peace is captured there. In the realm of art, beauty and life are the same opposites that we have outlined in the realm of reality. There we look deeply into life. But we must make such a contemplation of life truly alive and practical. At every turn in life, we can look deeply into it and gain understanding if we view things from such perspectives. When we see anything captured in form, we sense hidden life; and when we see life, we yearn deeply—and this yearning gives us a relationship to the being in question—for movement. And what is a fact of spiritual science is presented to us verbatim in the great religious texts. This is what gives these texts their significance: we can only understand them once we have grasped the underlying facts from within ourselves.

[ 20 ] Betrachten wir die weibliche Natur. Nach außen ist sie das Weibliche, nach innen das Männliche. Nach außen ist sie dasjenige, was dem Leben die Form gibt, nach innen ist sie dasjenige, was das Leben fortwährend vernichten will. Nach außen ist sie dasjenige, was dem Menschen die Gestalt gibt, ihn auf die Erde stellt mit seinen Füßen, nach innen enthält die weibliche Natur dasjenige, was den Menschen fortwährend zu immer höheren Stufen führen will, hinwegheben von der Erde in immer höhere Sphären. Sehen wir uns jetzt einmal diesen Gegensatz des Männlichen und Weiblichen im Weibe an. Was können wir von diesem Gegensatz sagen? Es gibt eine Kraft im Weibe, welche die Menschen feststellen will auf die Erde, und welche, wenn sie allein da wäre, das Streben seines Kopfes nach geistiger Höhe zertreten würde. Und es gibt eine Kraft, die verborgen männliche Kraft, die bestrebt ist, den Menschen hinwegzuheben von der Erde. Setzen Sie das als Bild. Setzen sie für die männliche Kraft das Bild der Schlange, und setzen Sie für die andere Kraft die weibliche Natur. Was hat das Weib in seinem äußern Ausdruck zu tun? Den Kopf zu zertreten dem, was den Menschen hinwegheben will von der Erde. Und was hat die männliche Natur zu tun? Den Menschen da zu verletzen, wo er fest aufsteht auf der Erde, in die Ferse zu beißen. — «Sie wird dir den Kopf zertreten, du aber wirst ihrer Ferse nachstellen.» (1 Mos 3,15)

[ 20 ] Let us consider the nature of the feminine. Outwardly, it is the feminine; inwardly, it is the masculine. Outwardly, it is that which gives life its form; inwardly, it is that which constantly seeks to destroy life. Outwardly, it is that which gives human beings their form, setting them firmly on the earth with their feet; inwardly, feminine nature contains that which constantly seeks to lead human beings to ever higher levels, lifting them away from the earth into ever higher spheres. Let us now take a look at this contrast between the masculine and the feminine within the woman. What can we say about this contrast? There is a force within a woman that seeks to anchor human beings to the earth, and which, if it were present alone, would crush the head’s striving for spiritual heights. And there is a force—the hidden masculine force—that strives to lift human beings away from the earth. Consider this as a metaphor. Take the image of the serpent to represent the masculine force, and take feminine nature to represent the other force. What is the woman’s role in her outward expression? To crush the head of that which seeks to lift man away from the earth. And what is the role of masculine nature? To strike man where he stands firmly on the earth—to bite his heel. — “She will crush your head, but you will strike at her heel.” (Genesis 3:15)

[ 21 ] Hier haben Sie in einer wunderbaren Weise, was geisteswissenschaftliche Tatsache ist, in einem großen Symbol ausgedrückt. Und wörtlich wiederum können wir das nehmen. Das macht jene Schauer in der Menschenseele, wenn man, ausgerüstet mit den Wahrheiten der Geheimwissenschaft, an die religiösen Urkunden geht, und in ihren Bildern den wörtlichen Ausdruck findet für große Tatsachen des Lebens. Und dann wird das Wort, dass diese Urkunden einen höheren Ursprung haben aus einer geistigen Welt, uns nicht eine Hypothese, sondern eine notwendige Erkenntnis. Kann das von kindlicher Phantasie erdichtet sein, was wir erkennen durch tiefes Hineinschauen in die Natur? Diese Frage muss man sich stellen, und diese Frage führt immer dazu, uns zu zeigen, wie wir unter Umständen immer weiter kommen in der Erkenntnis, und immer besser die Urkunden der Religionen verstehen. Eine scheinbar so alltägliche Betrachtung wie die über die Beziehung der Geschlechter führt zum Verständnis eines wichtigen Wortes. Die Geheimschulung muss das geheimnisvolle Anziehungsband zwischen den Geschlechtern hervorheben aus den Quellen des Lebens, aus der geistigen Welt selber. Der Gegensatz in der physischen Welt hat seinen Gegensatz in der geistigen Welt.

[ 21 ] Here, in a wonderful way, you have expressed what is a spiritual-scientific fact through a great symbol. And we can take this literally as well. This is what sends shivers down the spine when, equipped with the truths of esoteric science, one approaches religious texts and finds in their images the literal expression of great facts of life. And then the assertion that these texts have a higher origin in a spiritual world becomes for us not a hypothesis, but a necessary insight. Can what we recognize through deep contemplation of nature be the product of a child’s imagination? We must ask ourselves this question, and this question always leads us to see how, under certain circumstances, we can progress ever further in our understanding and come to understand the religious texts ever more deeply. A seemingly mundane observation, such as that concerning the relationship between the sexes, leads to an understanding of an important concept. Esoteric training must highlight the mysterious bond of attraction between the sexes, which springs from the sources of life, from the spiritual world itself. The contrast in the physical world has its counterpart in the spiritual world.

[ 22 ] Zusammenwirken müssen die Geschlechter auf allen Gebieten, auch im Geistigen. Und wenn wir eine Epoche vorherrschender Männerkultur hinter uns haben, so wird eine Epoche des Zusammenwirkens der beiden Kräfte kommen. Gerade die Geheimwissenschaft bringt uns daher Licht in die Frage, die mit unserem Thema angeschlagen ist. Alles im Leben erklärt sich, wenn wir dieses Leben aus seinen unsichtbaren, übersinnlichen Grundlagen herleiten. Gestern sprachen wir im Allgemeinen von der Mission der Geisteswissenschaft. Heute schen wir, wie sie etwas Alltägliches mit Licht und Klarheit erfüllt. Alles im Leben ist der Ausdruck jenseits des sinnlichen Lebens liegender Kräfte. Was uns im Leben entgegentritt, dem müssen wir seinen Ursprung in der geistigen Welt suchen. Und das Zusammenwirken von Leben und Form erklärt sich in großartiger Weise. Lebte der Mensch nur in der Form, er würde vernichtet; lebte er nur im Leben, so wäre wieder der Tod die Folge. Wahres Leben ist durch das Zusammenwirken von Gegensätzen möglich.

[ 22 ] The sexes must work together in all areas, including the spiritual realm. And once we have left behind an era dominated by male culture, an era of cooperation between these two forces will dawn. Esoteric science, in particular, therefore sheds light on the question central to our topic. Everything in life can be explained if we derive this life from its invisible, supersensory foundations. Yesterday we spoke in general terms about the mission of spiritual science. Today we will see how it fills everyday life with light and clarity. Everything in life is the expression of forces that lie beyond the sensory realm. We must seek the origin in the spiritual world of whatever we encounter in life. And the interplay of life and form is explained in a magnificent way. If human beings lived only in form, they would be destroyed; if they lived only in life, death would again be the consequence. True life is made possible by the interplay of opposites.

[ 23 ] Dahinein leuchtet auch Goethe in den Worten, die er die «Urworte» nennt, um anzudeuten, dass sie aus der Geheimwissenschaft genommen sind. Er sagt in den «Orphischen Worten»:

[ 23 ] Goethe also alludes to this in the words he calls the “primordial words,” implying that they are drawn from esoteric science. He says in the “Orphic Words”:

Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen,
Die Sonne stand zum Gruße der Planeten,
[Bist alsobald und fort und fort gediehen
Nach dem Gesetz, wonach du angetreten.
So mußt du sein, dir kannst du nicht entfliehen!
So sagten schon Sibyllen, so Propheten,
Und keine Zeit und keine Macht zerstückelt
Geprägte Form, die lebend sich entwickelt.]

Just as on the day you were born into this world,
The sun stood in greeting to the planets,
[And so you flourished immediately and ever onward
According to the law by which you came into being.
This is how you must be; you cannot escape yourself!
So said the Sibyls and the prophets,
And no time and no power can shatter
A formed shape that develops while alive.]