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The Nature of Man
in the Light of Spiritual Science
GA 68d

10 January 1908, Leipzig

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The Nature of Man in the Light of Spiritual Science, tr. SOL
  1. Das Wesen des Menschen im Lichte der Geisteswissenschaft

15. Man und Weib im Lichte der Geisteswissenschaft

15. Man and Woman in the Light of Spiritual Science

[ 1 ] Die Frage «Mann und Weib», die heute Tagesfrage ist, muss durch die Theosophie von einem höheren Gesichtspunkt aus betrachtet werden und soll uns heute beschäftigen. Diese Betrachtung führt aber auch in das Praktische hinunter.

[ 1 ] The question of “man and woman,” which is a topical issue today, must be viewed from a higher perspective through theosophy and should be the focus of our discussion today. However, this consideration also leads us down into practical matters.

[ 2 ] Unsere Zeit will das materialistische Denken und Fühlen überwunden haben. In gewisser Beziehung hat sie es; dennoch herrscht in dem Ton unserer Zeit noch materialistische Gesinnung. Es leiden darunter weniger die großen Fragen des Daseins als das, was unmittelbar in unserer Umgebung vor sich geht. Erst durch die Theosophie kann diese Frage ins rechte Licht gestellt werden. Die Frauenfrage der Jetztzeit ist eine berechtigte Strömung. Wir brauchen aber nur solche Fragen uns an der Seele vorüberziehen zu lassen, um zu merken, wie wenig unsere Zeit Urteile fällen kann. Zur Probe will ich Ihnen hier verschiedene Urteile von sogenannten bedeutenden Menschen erwähnen, welche über das Wesen der Frau gefällt wurden. Ein bedeutender Naturforscher, ein Mann des öffentlichen politischen Lebens, versuchte sein Urteil so zusammenzufassen: Alle Eigenschaften der Frau zielen nach einem hin, und das ist Sanftmut. Ein anderer Denker: Das Wesen der Frau in allen ihren Eigenschaften gipfelt in dem Wort Zornmütigkeit. Das Denken der Frau charakterisierte ein bedeutender deutscher Philosoph hinsichtlich der Art und Weise. Zwei Richtungen des Denkens gibt es: erstens Analyse — zerlegendes Denken —, zweitens Synthese — ein zusammenfügendes Denken. Wer beide Tätigkeiten des Denkens recht zu verbinden weiß, der hat die richtige Harmonie. Im Allgemeinen ist bei den Menschen noch mehr eine Richtung vertreten. — Dieser deutsche Philosoph nennt das Denken der Frau analytisch, das des Mannes synthetisch. Ein anderer Denker sagt das Umgekehrte. Ein anderes Urteil sicht in allem, was die Frau tut, das erhaltende Element; ein anderer, der die Geschichte kennt, nennt sie Umstürzlerin.

[ 2 ] Our age seeks to have overcome materialistic thinking and feeling. In a certain sense, it has; yet a materialistic mindset still prevails in the spirit of our time. It is not so much the great questions of existence that suffer from this as what is happening immediately around us. Only through theosophy can this issue be placed in its proper light. The women’s issue of our time is a legitimate movement. But we need only let such questions pass through our minds to realize how little our age is capable of forming sound judgments. By way of illustration, I will mention here various judgments made by so-called prominent figures regarding the nature of women. A prominent natural scientist, a man of public political life, attempted to summarize his judgment as follows: All of a woman’s qualities point toward one thing, and that is gentleness. Another thinker: “The nature of women, in all their qualities, culminates in the word ‘irascibility.’” A prominent German philosopher characterized women’s thinking in terms of its mode. There are two modes of thought: first, analysis—deconstructive thinking—and second, synthesis—constructive thinking. Whoever knows how to properly combine these two modes of thought possesses true harmony. In general, one of these approaches is even more prevalent among people. — This German philosopher calls a woman’s thinking analytical and a man’s synthetic. Another thinker says the opposite. One view sees the preservative element in everything a woman does; another, who knows history, calls her a revolutionary.

[ 3 ] Woher kommen diese Gegensätze, diese einseitigen Anschauungen? In der Außenwelt ist wirklich alles voneinander unterschieden; zum Beispiel ein Baum: Der eine zeichnet ihn von dieser, ein anderer von jener Seite; beide Bilder werden ganz verschieden sein. Die Menschen über solche Einseitigkeit wegzubringen, dazu ist die Geisteswissenschaft da. Alles zielt wieder in unserer Zeit dahin, diese Einseitigkeit zu überwinden. Die Menschen, die heute etwas denken, fühlen sich nicht mehr im materialistischen Denken.

[ 3 ] Where do these opposites, these one-sided views, come from? In the external world, everything is indeed distinct from one another; take a tree, for example: one person sketches it from this side, another from that side; both images will be quite different. Spiritual science exists to help people move beyond such one-sidedness. Everything in our time is once again moving toward overcoming this one-sidedness. People who think for themselves today no longer identify with materialistic thinking.

[ 4 ] Vielleicht haben Sie von einem Buch gehört, das vor einiger Zeit viel Aufsehen machte: «Geschlecht und Charakter»; es hatte zum Verfasser den unglückseligen Weininger, der sich später das Leben nahm. Die Denkweise dieses Buches stammt aus der Naturwissenschaft und verquickt den Gedanken Mann und Weib in ganz materialistischer Weise. Er sagt: Wenn wir den einzelnen Menschen betrachten, so finden wir eine Mischung; Mann weiblich, Weib männlich. Rückt man diesen Gedanken in übersinnliche Betrachtung, so ist es ganz richtig, bei Weininger aber ist er materialistisch aufgefasst und wirkt ganz ungeheuerlich. Er stellt eine Substanzenmischung dar. Dabei kommt nichts anderes heraus als materialistische Paradoxe — scheinbare Widersinnigkeiten. Weininger kommt zu dem Schluss: Dem Weib fehlt: Ich, Persönlichkeit, Individualität, Charakter, Freiheit und Wille. — Was bleibt denn da? Man könnte auch noch fragen: Betrachten wir einen Mann; da er halb Weib ist, fehlt ihm wohl auch zur Hälfte: Ich, Persönlichkeit, Individualität und so weiter? Dennoch liegt hier eine Ahnung, etwas Richtiges zugrunde. Hier wird nämlich die menschliche Wesenheit nur hinsichtlich ihres untersten Gliedes, nämlich hinsichtlich ihres physischen Leibes betrachtet. Der Mensch wird aber erst erkannt, wenn man die Eigenschaften seiner viergliedrigen Wesenheit betrachtet: des physischen Leibes, Ätherleibes, Astralleibes und des Ich.

[ 4 ] Perhaps you have heard of a book that caused quite a stir some time ago: *Sex and Character*; it was written by the ill-fated Weininger, who later took his own life. The line of thought in this book stems from the natural sciences and conflates the concepts of man and woman in a thoroughly materialistic way. He says: When we consider the individual human being, we find a mixture—man is feminine, woman is masculine. If we take this idea into a supersensory perspective, it is quite correct; but in Weininger’s case, it is understood in a materialistic way and comes across as utterly outrageous. He presents it as a mixture of substances. The result is nothing but materialistic paradoxes—apparent absurdities. Weininger concludes: “The woman lacks: self, personality, individuality, character, freedom, and will.”—What, then, remains? One might also ask: “If we consider a man—since he is half woman—does he not also lack, by half, self, personality, individuality, and so on?” Nevertheless, there is a glimmer of truth underlying this. For here, the human being is considered solely in terms of its lowest component, namely its physical body. But the human being is only truly understood when one considers the qualities of its fourfold nature: the physical body, the etheric body, the astral body, and the “I.”

[ 5 ] Das eine muss uns heute besonders interessieren, die Wahrheit, die wahnwitzig erscheinen könnte, nämlich, dass physischer Leib und Ätherleib in gewisser Beziehung im Gegensatz stehen, wie Nord und Süd, positiv und negativ. Sie sind Gegensätze in Bezug auf das Männliche und Weibliche. Der Ätherleib ist vom gegensätzlichen Geschlecht des physischen Leibes. Jeder trägt diese Gegensätze in sich. Verständlich wird es uns an der Eigenschaft der Frau: die liebevolle Hingabe, das Mitgefühl, die, wenn sie gesteigert werden können, sich bis zur männlichen Tapferkeit steigern. Auf der anderen Seite nehmen gesteigerte männliche Eigenschaften die Eigenschaften des weiblichen Charakters an. Eine Unzahl von Erscheinungen kann Ihnen dadurch erklärt werden, dass zum physischen Leib der Ärtherleib in Betracht gezogen wird. Wie können durch solche Auffassungen unsere Begriffe geläutert werden?

[ 5 ] There is one thing that should be of particular interest to us today—a truth that might seem absurd, namely, that the physical body and the etheric body are, in a certain sense, opposites, like north and south, positive and negative. They are opposites in terms of the masculine and the feminine. The etheric body is of the opposite sex to the physical body. Everyone carries these opposites within themselves. This becomes clear to us through the qualities of women: loving devotion and compassion, which, when heightened, can rise to the level of masculine courage. On the other hand, heightened masculine qualities take on the characteristics of the feminine nature. A myriad of phenomena can be explained by taking the etheric body into account alongside the physical body. How can such perspectives purify our concepts?

[ 6 ] Lassen Sie uns die Erscheinung des Schlafes ins Auge fassen. Es ist das der Zustand, wo alle Gefühle und Empfindungen in das unbestimmte Dunkle hinuntersinken. Wenn der Mensch schläft, entweicht der Astralleib mit dem Ich, lässt physischen Leib und Ätherleib zurück und taucht beim Erwachen wieder in Letztere hinein. Warum sinkt der Astralleib mit dem Ich wieder hinein? Weil er damit Eindruck bekommt durch die physischen Sinne; denn das physische Auge sieht nicht, das physische Ohr hört nicht; wir sagen deshalb auch: Ich sehe, ich höre. Heute kann der Mensch noch nicht durch den astralischen Leib wahrnehmen, aber später einmal wird es der Fall sein. Heute ist der astrale Leib in derselben Lage, wie einst unser physischer Leib war, als in grauer, grauer Vorzeit sich die physischen Sinne auszubilden begannen. So wird es einst geistig hell werden, wenn der astrale Leib seine Organe ausgebildet haben wird. Dann wird uns das Männliche und das Weibliche in ein Reich gerückt.

[ 6 ] Let us consider the phenomenon of sleep. It is the state in which all feelings and sensations sink into an indeterminate darkness. When a person sleeps, the astral body departs with the “I,” leaving the physical body and the etheric body behind, and upon awakening, it re-enters the latter. Why does the astral body re-enter with the “I”? Because it thereby receives impressions through the physical senses; for the physical eye does not see, the physical ear does not hear; that is why we also say: “I see,” “I hear.” Today, human beings cannot yet perceive through the astral body, but someday they will be able to. Today, the astral body is in the same position as our physical body once was, when, in time immemorial, the physical senses began to develop. Thus, spiritual clarity will one day dawn when the astral body has developed its organs. Then the masculine and the feminine will be brought into one realm.

[ 7 ] Gerade so, wie Ich und Astralleib untertauchen, so wird jeder Mann — und jedes Weib — erst jeden Morgen beim Erwachen ein Geschlechtswesen, wenn er untertaucht. Diese Begriffe sind nur auf der Außenseite des Menschen. Das Bibelwort: «Im Himmel wird nicht gefreit» (Mt 22,30; Mk 12,25; Lk 20,35f.) wird uns dadurch verständlich. Der Mensch ist nachts in den Himmeln. Wir dürfen damit nicht glauben, dass es in den höheren Welten keine ähnlichen Gegensätze gibt. Wenn wir den Menschen hinaufverfolgen in den Schlaf, treten uns auch Gegensätze entgegen. Wenn der Mensch jede Nacht seinen physischen und seinen ätherischen Leib verlässt, tritt er zunächst in die astralische Welt ein.

[ 7 ] Just as I and my astral body submerge, so every man—and every woman—becomes a sexual being only each morning upon awakening, when he submerges. These concepts apply only to the outer aspect of the human being. The biblical saying, “In heaven they neither marry nor are given in marriage” (Matt. 22:30; Mark 12:25; Luke 20:35ff.), becomes understandable to us through this. At night, the human being is in the heavens. We must not conclude from this that there are no similar opposites in the higher worlds. When we follow a person upward into sleep, we also encounter opposites. When a person leaves his physical and etheric bodies every night, he first enters the astral world.

[ 8 ] Als Gegensätze in der astralischen Welt finden wir zunächst die der Form und des Lebens oder, sagen wir, Tod und Leben. Diese Gegensätze bestehen deshalb, damit in der Fortentwicklung der Welt das Harmonische sich entwickelt.

[ 8 ] In the astral world, we first encounter the opposites of form and life—or, let us say, death and life. These opposites exist so that harmony may develop as the world evolves.

[ 9 ] Versuchen wir zu verstehen, wie in unserm Dasein Tod sich als Form und Leben als Werden zeigt. Betrachten Sie eine Pflanze, wie die Wurzel treibt, der Stängel sich bildet, Blätter und Blüten treibt, so sehen Sie zunächst das lebendige Werden. Beim Baume haben Sie in der Rinde die Angliederung des Todes an das Leben. Im Innern bewahrt die Pflanze sich das lebendige Werden. Umhüllender Tod ist die Rinde. So können Sie überall die Wechselwirkung zwischen Tod und Leben finden, und hier zeigt sich erst das wahre Dasein. Nicht umsonst wurden die alten Eingeweihten, die Druiden mit «Eiche» benannt. Sie bildeten um sich eine schützende Hülle, um das Innere desto lebensfähiger zu gestalten. Wo gesteigertes Leben ist, wird sich auch gesteigerter Tod als «Umhüllung» des Lebens finden. Überall tritt uns dieser Gegensatz von Sterben und Auferwecken zutage. Mit derselben Schärfe wie das Männliche und das Weibliche in der physischen Welt kommen der wirkende Tod und das wirkende Leben in der astralischen Welt zum Ausdruck.

[ 9 ] Let us try to understand how death manifests itself as form and life as becoming in our existence. Observe a plant—how the root grows, the stem forms, and leaves and flowers sprout—and you will first see the living process of becoming. In the case of a tree, you see the connection between death and life in the bark. Inside, the plant preserves its living process of becoming. The bark is the enveloping death. Thus, you can find the interplay between death and life everywhere, and it is here that true existence first reveals itself. It is no coincidence that the ancient initiates, the Druids, were named after the “oak.” They formed a protective shell around themselves to make their inner being all the more vital. Where there is heightened life, heightened death will also be found as a “sheath” around life. This contrast between dying and resurrection reveals itself everywhere. With the same sharpness as the masculine and the feminine in the physical world, active death and active life are expressed in the astral world.

[ 10 ] Auch in der Kunst können Sie diese Gegensätze ausgedrückt finden. Um diesen Gesichtspunkt klarzumachen, nenne ich hier die Juno Ludovisi. Man bewundert daran in der Form etwas unmittelbar Fertiges. Wer das Ganze studiert, die Breite der Stirnbildung betrachtet, der sagt sich, da ist Geist, viel Geist. Der Geist, der darin lebt, und fortdauernd entsteht, ist äußere Form geworden. Man sieht die Quelle ganz ausgeflossen auf dem Antlitz. Das Leben der Seele ist starr geworden in einem Augenblick, ist erstorben. Im Zeuskopf finden Sie in gewisser Weise das Gegenteil. Dort ist schmale Stirnbildung, tiefe Falten in der Stirn, auch schöne Form, aber es wäre möglich, dass das Leben sich anders gestalten könnte. Das ist der Gegensatz, den lernen Sie einst in seiner Fülle erkennen. Das eine ist das Ersterben des Todes, die Schönheit des Todes, das andere das werdende Leben. Dieser Gegensatz von ersterbender Form und sich immer neu anfachendem Leben drückt sich aus in dem Männlichen und dem Weiblichen. Gäbe es nur das Männliche, nur verzehrendes Leben würde es geben; das Bild der Form kommt in weiblich physischer Form zum Ausdruck. So stellen sich dar: Leben und Form, Werden und Ersterben. Es leuchtet uns entgegen das Leben im Weiblichen, das Leben, das sich erhalten, sich fortführen will; im Männlichen eine Form, die vollkommen ausgestaltet, ewig sein würde. So ringen in unserm Leben Mann und Weib und so ringen Tod und Leben miteinander.

[ 10 ] These contrasts are also expressed in art. To illustrate this point, I will mention the Juno Ludovisi. One admires in its form something that appears immediately complete. Anyone who studies the whole, who observes the breadth of the brow, says to themselves, “There is spirit here—a great deal of spirit.” The spirit that lives within it and is constantly emerging has become outward form. One sees the source fully flowing out onto the face. The life of the soul has become rigid in an instant; it has died away. In the head of Zeus, you find, in a certain sense, the opposite. There is a narrow forehead, deep furrows in the brow—also a beautiful form—but it is possible that life could take a different shape. This is the contrast that you will one day learn to recognize in its fullness. One is the withering away of death, the beauty of death; the other is life in the making. This contrast between a form that is withering away and life that is constantly rekindling itself is expressed in the masculine and the feminine. If only the masculine existed, there would be only consuming life; the image of form finds expression in a feminine physical form. Thus they present themselves: life and form, becoming and fading away. Life in the feminine shines forth toward us—the life that seeks to preserve and perpetuate itself; in the masculine, a form that, once fully developed, would be eternal. Thus man and woman struggle within our lives, and thus death and life struggle with one another.

[ 11 ] Wo man ein Bewusstsein, eine Ahnung hat von diesen Tatsachen, da erscheinen Symbole und Mythen in ganz anderem Lichte, zum Beispiel eine Tatsache einer biblischen Mythe, obgleich jedes Symbol mehr denn eine Erklärung hat; und darin liegt die Kraft und Stärke des Symbols, dass es vielsagend ist, zum Beispiel also die Mythe von der Schlange. Da finden Sie die Worte: «Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Derselbe soll dir den Kopf zertreten und du wirst ihn in die Ferse stechen.» (1 Mos 3,15) Darin haben wir eine Hindeutung auf die Prägung dieser Worte: männlich und weiblich. Derjenige, von dem diese Mythe stammt, wollte hindeuten auf die Zwiefältigkeit der menschlichen Wesenheit. Die Natur, die nach der Form strebt, muss überwunden werden durch das Ewig-Werdende. Die höhere Natur des Menschen, welche die Form überwindet, ist Eva, das Festhalten des Menschen ist die Schlange. Die höhere Weibnatur soll überwinden, was nach außen geht. Goethe sprach ein tief mystisches Wort aus:

[ 11 ] When one is aware of or has a sense of these facts, symbols and myths appear in a completely different light—for example, the facts behind a biblical myth, even though every symbol has more than one interpretation; and therein lies the power and strength of the symbol—that it is rich in meaning—such as, for example, the myth of the serpent. There you find the words: “I will put enmity between you and the woman, and between your offspring and her offspring. He will crush your head, and you will strike his heel.” (Genesis 3:15) Here we have a hint at the character of these words: male and female. The one from whom this myth originates wanted to point to the duality of human nature. Nature, which strives for form, must be overcome by the eternally becoming. The higher nature of man, which overcomes form, is Eve; man’s clinging to the past is the serpent. The higher feminine nature is meant to overcome what turns outward. Goethe uttered a profoundly mystical phrase:

Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan!

The Eternal Feminine draws us upward!

[ 12 ] Die hinter uns liegende Zeit, die Männerkultur ist vorüber. Jetzt kommt die Zeit, wo Mann und Weib gemeinsam an der Kultur arbeiten, und das ist die Grundlage für die echte Frauenfrage: männlich — physisch und weiblich — ätherisch. In der Überwindung der Form liegt die Tatkraft. Das eine wird sich in dem andern finden und so gegenüberstehend ersteht die wahre Harmonie. Die wahre Stärke wird eines in dem andern finden, dann erst wird wahres Schaffen erstehen.

[ 12 ] The era behind us—the culture of men—is over. Now comes the time when men and women work together to shape culture, and this is the foundation of the true women’s issue: masculine—physical—and feminine—ethereal. The driving force lies in overcoming form. One will find itself in the other, and true harmony arises from this juxtaposition. True strength will find itself in the other; only then will true creation arise.