The Nature of Man
in the Light of Spiritual Science
GA 68d
11 January 1908, Leipzig
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The Nature of Man in the Light of Spiritual Science, tr. SOL
16. Mann, Weib und Kind im Lichte der Geisteswissenschaft
16. Man, Woman, and Child in the Light of Spiritual Science
[ 1 ] Heute will ich davon sprechen, wie Theosophie unmittelbar Lebenskunst wird, wie dadurch unsere Alltagsgefühle verfeinert und geläutert werden und somit Theosophie nutzbar gemacht wird. An Mann, Weib und Kind können die theosophischen Begriffe unmittelbar im Leben zur Anwendung kommen. Es gibt da aber große Mannigfaltigkeit, denn so einfach, wie man sich vorstellt, liegen dieselben nicht.
[ 1 ] Today I want to talk about how theosophy directly becomes an art of living, how it refines and purifies our everyday feelings, and thus makes theosophy practical. Theosophical concepts can be directly applied in the lives of men, women, and children. However, there is great diversity here, for these concepts are not as simple as one might imagine.
[ 2 ] Alle Zeiten haben sich mit der Frage beschäftigt: Was hat das Kind von den Eltern, welches ist das Verhältnis der Eltern zum Kinde, und welches Verhältnis zur neuen Generation überhaupt? In unserer Zeit beschäftigt besonders die Frage: Wie gehen elterliche Eigenschaften auf das Kind über, und inwieweit werden die Eigenschaften der Eltern zu einer Art Schicksal für die Kinder? In der Kunst zeigen sich uns auch diese Fragen, so in Ibsens «Gespenster», wo Ererbtes von den Eltern sich in so furchtbarem Schicksale am dem Kinde vollzieht. Es erinnert das an das Schicksal in den Tragödien der Griechen, nur ins Materialistische gezogen. Das alles zeigt, dass diese Frage ein tiefes Interesse hervorgerufen hat. Ein Urteil hierüber hat nur der, welcher den ganzen Menschen betrachtet in seiner viergliedrigen Wesenheit. Unsere Zeit sieht ja nur den physischen Leib. In zweifacher Weise aber ist die Frage zu betrachten: einmal, in welcher Form der Anteil des Kindes zu betrachten, und dann, inwieweit das Elternpaar betätigt ist an dem, was aus dem Kinde wirkt.
[ 2 ] Every era has grappled with the question: What does a child inherit from its parents, what is the relationship between parents and child, and what is the relationship to the next generation in general? In our time, we are particularly concerned with the question: How are parental traits passed on to the child, and to what extent do the parents’ traits become a kind of fate for the children? These questions also arise in art, as in Ibsen’s *Ghosts*, where what is inherited from the parents unfolds in such a terrible fate for the child. This is reminiscent of the fate depicted in Greek tragedies, only rendered in materialistic terms. All of this shows that this question has aroused deep interest. Only those who view the whole human being in its fourfold nature can pass judgment on this matter. Our time, after all, sees only the physical body. The question, however, must be considered in two ways: first, in what form the child’s own contribution should be viewed, and second, to what extent the parents are active in what manifests through the child.
[ 3 ] Die physische Wissenschaft kennt ein Wort, wenn sie von diesem Verhältnis spricht: «Vererbung». Sie braucht es für Menschen und auch für untergeordnete Lebewesen und überträgt es auf den Menschen recht mechanisch. Diese Wissenschaft ist sich einer Tatsache nicht bewusst: dass durch alle Stufen des Daseins eine große Gesetzmäßigkeit geht, dass diese Tatsachen sich aber steigern.
[ 3 ] Physical science uses a specific term when referring to this relationship: “heredity.” It applies this term to humans as well as to lower forms of life and applies it to humans in a rather mechanical way. This science is unaware of one fact: that a great law runs through all stages of existence, but that these facts intensify.
[ 4 ] Beim Menschen ist Vererbung etwas ganz anderes als bei den niederen Lebewesen. Wenn wir Vergleiche ziehen mit Tatsachen aus der niederen Natur, so finden wir zwei nah einander verwandte Begriffe: die Begriffe von Fortpflanzung und von Liebe. Die Liebe tritt schon in niederen Lebewesen hervor und verfeinert sich bis zum Menschen. Ich spreche hier nicht vom Begriff, sondern von etwas Realem, wie zum Beispiel Elektrizität. Sie ist eine reale Kraft, die durch alle Menschen hindurchgeht, nur steht diese Liebe in ganz anderen Verhältnissen. Wenn ein niederes Lebewesen seinen Höhepunkt erreicht und reif zur Fortpflanzung wird, tritt die Liebe mit ein. Wir sehen, dass diese niederen Lebewesen darnach erschöpft sind und bald sterben. Bei ihnen ist der Tod Anschluss an und die Folge von Liebe. Bei der Pflanze ist es nicht anders; nach der Befruchtung und nachdem der Keim für die nächste Pflanze entstand, stirbt sie ab. Steigen wir aber hinauf zu höheren Lebewesen, so sehen wir, dass solche sich etwas bewahren über die Liebe hinaus. Die Pflanze bewahrt sich nichts, sie stirbt; solches finden wir auch noch bei niederen Tieren; die Liebe bringt ihnen den Tod. Ein höheres Wesen aber bewahrt sich seine Individualität. Am höchsten ist das ausgebildet beim Menschen. Darin unterscheidet sich der Mensch ganz wesentlich von dem ihm am nächsten stehenden Tier.
[ 4 ] In humans, heredity is something entirely different from what it is in lower organisms. When we draw comparisons with phenomena in the lower realms of nature, we find two closely related concepts: the concepts of reproduction and love. Love is already evident in lower organisms and becomes more refined as we move up to humans. I am not speaking here of an abstract concept, but of something real, such as electricity. It is a real force that flows through all human beings; however, this love exists under entirely different conditions. When a lower organism reaches its peak and becomes ready for reproduction, love comes into play. We see that these lower organisms are exhausted afterward and soon die. For them, death is the continuation of and the consequence of love. It is no different with plants; after fertilization and once the seed for the next plant has been formed, the plant dies. But if we ascend to higher organisms, we see that they preserve something beyond love. The plant preserves nothing of itself; it dies. We find the same to be true of lower animals; love brings them death. A higher being, however, preserves its individuality. This is most highly developed in humans. In this respect, humans differ quite fundamentally from the animals closest to them.
[ 5 ] Es gibt eine Tatsache, die den Grundunterschied des Menschen vor allen Tieren charakterisiert. Gewöhnlich wird das nicht im richtigen Licht, noch nach richtigem Gewicht erkannt. Die Tatsache scheint einfach: Der Mensch kann von uns beschrieben werden als einzelnes, individuelles Wesen. Das hat für uns dasselbe Interesse, als wenn wir beim Tier eine ganze Gattung beschreiben. Beim Löwen zum Beispiel interessieren uns nicht seine Eigenschaften so sehr, sondern unser Interesse bleibt bei der Gattung. Vom Tiere kann man keine Biografie schreiben; das macht es Ihnen deutlich. Der Mensch ist als einzelner Mensch eine Gattung für sich. Die Biografie zeigt uns ganz klar, was uns die Geheimwissenschaft lehrt: Die Notwendigkeit der Wiederverkörperung. Bei Tieren finden wir ganz einfach die Ähnlichkeit mit den Eltern. Fragen wir uns aber doch, ob wir Schiller begreifen, wenn wir seine Eltern beobachten. Er kann wohl seine Nase, seinen Gang, seine Haltung, ja sogar seine Krankheitsanlage von seinen Eltern haben, aber nimmer werden wir bei ihnen das finden, worin eben Schiller für die Menschheit Schiller ist.
[ 5 ] There is one fact that characterizes the fundamental difference between humans and all other animals. Usually, this is not recognized in its proper light, nor is its true significance appreciated. The fact seems simple: We can describe a human being as a single, individual entity. This holds the same interest for us as when we describe an entire species of animal. In the case of the lion, for example, we are not so much interested in its individual characteristics; rather, our interest remains focused on the species. You cannot write a biography of an animal; that makes it clear to you. The human being, as an individual, is a species unto himself. The biography shows us quite clearly what esoteric science teaches us: the necessity of reincarnation. In animals, we simply find a resemblance to their parents. But let us ask ourselves whether we understand Schiller by observing his parents. He may well have inherited his nose, his gait, his posture, and even his predisposition to illness from his parents, but we will never find in them that which makes Schiller, for humanity, Schiller.
[ 6 ] Früher hat man angenommen, dass im Flussschlamm Fische entstehen können. Der Erste, der da Bresche schlug, war der italienische Naturforscher Redi. Dafür wäre er beinahe der Inquisition verfallen, weil er behauptete, Lebendiges müsse aus Lebendigem entstehen. Heute betrachtet man das als etwas Selbstverständliches. Aber auf dem Gebiete des seelisch-geistigen Wesens glaubt das die ganze Wissenschaft. Sie fragt bei Schiller nicht, woher kommen die seelischen Eigenschaften? Die Theosophie antwortet hierauf: durch Wiederverkörperung. Schillers Innerstes stammt nicht von seinen Vorfahren, sondern von der Gestalt in seinem vorhergehenden Leben. So sehen wir in jedem Menschen, was seine Ursachen im früheren Leben hat, und das wirft ein richtiges Licht auf das Verhältnis zwischen Vater, Mutter und Kind. Die Eltern geben nur die Hülle, damit dieses Wesen sich einverleibe, was im Grunde sein eigener Nachkomme ist.
[ 6 ] It was once believed that fish could arise from river silt. The first to challenge this notion was the Italian naturalist Redi. He nearly fell victim to the Inquisition for asserting that living things must arise from living things. Today this is taken for granted. But when it comes to the soul and spirit, the entire scientific community holds this belief. It does not ask, as Schiller did, where do spiritual qualities come from? Theosophy answers this question: through reincarnation. Schiller’s innermost being does not originate from his ancestors, but from the being in his previous life. Thus, we see in every human being what has its causes in a previous life, and this sheds the proper light on the relationship between father, mother, and child. The parents provide only the shell so that this being may incorporate what is essentially its own offspring.
[ 7 ] Ähnlich ist es mit dem Pflanzenkeim, der in die Erde versenkt wird. Die Idee, der Gedanke, enthält die ganze Form, aber niemals würde sie erstanden sein ohne diese Muttererde; ebenso entsteht nichts, wenn nicht der Keim hineinkommt. Ein Fleck Erde gibt Gelegenheit zur Entfaltung pflanzlicher Keime, dass aber Bohnenpflanze oder Erbsenpflanze daraus wird, dazu verhilft die Erde. Für die höhere Geisteswissenschaft ist es etwas Ähnliches mit des Menschen höherem Selbst. Nach der Zeit zwischen Geburt und Tod lebt der Mensch in einer anderen Welt, im Devachan. Dort bleibt er, bis er reif ist zu neuer Verkörperung. Dann muss ihm etwas gegeben werden, damit die Kraft in ihm sich materiell vollsaugen kann, und so erhält der Keim aus der geistigen Welt durch das Elternpaar seine Umhüllung. Da können wir nicht mehr sagen, dass Eltern auf das Kind vererben, als insoweit, als die Erde nur einen gewissen Anteil an der Pflanze hat.
[ 7 ] It is similar with a plant seed that is buried in the earth. The idea, the thought, contains the entire form, but it would never have come into being without this mother earth; likewise, nothing comes into being unless the seed is planted in it. A patch of soil provides the opportunity for plant seeds to develop, but it is the soil itself that helps them grow into bean or pea plants. In higher spiritual science, the situation is similar with regard to the human being’s higher self. After the period between birth and death, the human being lives in another world, in Devachan. There they remain until they are ready for a new incarnation. Then something must be given to them so that the power within them can fully absorb material substance, and thus the seed from the spiritual world receives its physical form through the parents. We can no longer say that parents bequeath something to the child, any more than we can say that the earth has more than a certain share in the plant.
[ 8 ] Nun wollen wir die viergliedrige Wesenheit des Menschen betrachten, und welchen Anteil ein jedes hat. Das neugeborene Kind durchlebt eine verschiedene Art der Entwicklung seiner einzelnen Teile. Von der Geburt bis zum Zahnwechsel erhält der physische Leib seine Form. Sie findet den Abschluss mit den eigenen Zähnen; die ersten Zähne sind ererbt. Die Form wächst wohl und erweitert sich, aber sie selbst ist bestimmt. Vom siebten Jahr zur Geschlechtsreife entwickelt sich der Ätherleib. Dies bildet den Schlusspunkt.
[ 8 ] Now let us consider the fourfold nature of the human being and the role each part plays. The newborn child undergoes a distinct process of development in its individual parts. From birth until the teeth are replaced, the physical body takes on its form. This process is completed with the child’s own teeth; the first teeth are inherited. The form grows and expands, but it is itself predetermined. From the age of seven until sexual maturity, the etheric body develops. This marks the culmination.
[ 9 ] Wird der Mensch geschlechtsreif, [so] wird er fähig, ein gleiches Wesen hervorzubringen. Ungefähr vom 14. bis 21. Jahre bildet sich der astralische Leib. Ebenso wie bis zum siebten Jahre sich alle Eigenschaften des physischen Leibes bilden, bilden sich in dieser Zeit die Eigenschaften des Astralleibes, alle die Triebe und Gefühle, die den Menschen in die Zukunft führen. Es ist ein Verbrechen, wenn in dieser Zeit versäumt wird, herauszubringen, was im Astralleib veranlagt ist, die rosige Hoffnungsseligkeit. Mit dem 22. Jahre kommt das Ich im Menschen heraus. So entwickelt sich jedes einzelne Glied des Menschen nach und nach.
[ 9 ] When a person reaches sexual maturity, [then] he becomes capable of producing a being like himself. The astral body develops from approximately age 14 to 21. Just as all the characteristics of the physical body develop by the age of seven, so too do the characteristics of the astral body develop during this period—all the impulses and feelings that guide a person into the future. It is a crime to fail, during this time, to bring forth what is inherent in the astral body: that rosy bliss of hope. At the age of 22, the “I” emerges in the human being. Thus, every single aspect of the human being develops gradually.
[ 10 ] Welchen Anteil hat das, was vom früheren Leben stammt, und welcher Anteil ist von den Eltern überkommen? Darüber können wir aus der oben angeführten Tatsache viel lernen. Beim niederen Tier, weil nichts zurückbleibt bei der Geschlechtsreife —, wird nichts aus früherem Leben zurückbleiben; es wird absterben; keine Individualität ist vorhanden; sie sterben, wenn sie lieben.
[ 10 ] To what extent does what comes from a previous life play a role, and to what extent is it inherited from one’s parents? We can learn a great deal about this from the fact cited above. In lower animals—since nothing remains upon reaching sexual maturity—nothing from a previous life will remain; it will die off; there is no individuality; they die when they love.
[ 11 ] Nun werden Sie begreifen, dass im Grunde etwas vererbt ist, etwas im physischen und Ätherleib verankert ist und dass der astrale Leib und das Ich zurückführen müssen auf das frühere Leben. Was der physischen Form ähnlich sein kann, kommt bis zum siebten Jahre heraus. Bis zur Geschlechtsreife erkennen wir, welche Eigenschaften von Vater und Mutter vererbt sind. Bei der Geschlechtsreife kommen Dinge heraus, die vom früheren Leben stammen. So viel sich das Wesen herausrettet, nachdem es geschlechtsreif ist, so viel ist nicht vererbt. Trotzdem ist das früher Erworbene schon vorher da, das zeigt sich an der Tatsache, dass sich Anlagen schon in früher Jugend zeigen. Sie werfen ihre Schatten voraus, wenn sie von Vater oder Mutter nicht stammen können. Am physischen Leib und Ätherleib haben Vater und Mutter gemischten Anteil.
[ 11 ] Now you will understand that, essentially, something is inherited—something anchored in the physical and etheric bodies—and that the astral body and the “I” must trace back to the previous life. Whatever may resemble the physical form manifests itself by the age of seven. By the time of sexual maturity, we recognize which traits have been inherited from the father and mother. At sexual maturity, aspects emerge that originate from a past life. To the extent that the being “rescues” itself after reaching sexual maturity, that much is not inherited. Nevertheless, what was acquired earlier is already present; this is evident from the fact that predispositions manifest as early as adolescence. They cast their shadows ahead when they cannot be traced to the father or mother. The father and mother have a combined influence on the physical and etheric bodies.
[ 12 ] Zuweilen kann ein Kind erst ganz der Mutter ähnlich sein, dann mehr dem Vater. Das ist dadurch herbeigeführt, dass in jedem Manne ein Weibliches und in jedem Weibe ein Männliches ist. Hier wirken vier Einflüsse durcheinander. Verwickelter ist das für den astralischen Leib und das Ich. Wichtig ist das, was früher hineingelegt wurde. Vergleichsweise möchte ich hier etwas anführen: Ein Mensch, der eine gewisse Individualität hat, lebt in sehr bequemen häuslichen Verhältnissen, aber durch irgendwelches Ereignis muss er sich mit einer elenden Wohnung behelfen. Das wird einen gewissen Einfluss auf ihn haben, trotzdem bleibt der Mensch derselbe, und er hat sich in die Verhältnisse zu fügen. Die Eltern sind nicht die Schöpfer, sie sind nur die Behausung, und die Lebewesen müssen sich hineinpassen.
[ 12 ] At times, a child may first resemble the mother completely, then more the father. This is brought about by the fact that there is a feminine aspect in every man and a masculine aspect in every woman. Four influences are at work here, intertwined. The situation is more complex for the astral body and the “I.” What matters is what was imprinted earlier. To illustrate this, I’d like to offer a comparison: A person with a certain degree of individuality lives in very comfortable domestic circumstances, but due to some event, he must make do with a miserable dwelling. This will have a certain influence on him; nevertheless, the person remains the same, and he must adapt to the circumstances. Parents are not the creators; they are merely the dwelling, and the living beings must adapt to it.
[ 13 ] Was vom Weib kommt, hat seinen Einfluss vorzugsweise auf den Astralleib, was vom Mann kommt, auf das «Ich» des Kindes. Das Künstlerische, Dichterische stammt mehr von der Mutter, weil dieses Eigenschaften sind, die am Astralischen hängen. Dagegen das, was mehr auf das ordnende, praktische Leben Bezug hat, mit dem «Ich» zusammenhängt, kommt vom Vater. Wie Goethe sagt:
[ 13 ] What comes from the woman primarily influences the astral body, while what comes from the man influences the child’s “I.” Artistic and poetic qualities stem more from the mother, because these are characteristics connected to the astral realm. In contrast, what relates more to an orderly, practical life—and is connected to the “I”—comes from the father. As Goethe says:
Vom Vater hab ich die Statur
Und männigliches Führen;
Vom Mütterchen die Frohnatur
Und Lust zum Fabulieren.
From my father I got my build
And a commanding presence;
From my mother, her cheerful disposition
And a love of storytelling.
[ 14 ] Hier ist der Alkohol zu erwähnen und seine verheerenden Wirkungen. Nur wer diese nicht kennt, kann den Einfluss auf die Nachkommenschaft unterschätzen. In furchtbarer Weise wirkt der Alkohol auf das «Ich» und auf astralische Dinge. Beobachten wir ein Kind, dessen Vater Alkoholiker ist, die Rasse könnte ja so kräftig sein, dass sie den Schaden überwindet; da finden wir Anlagen zu Krankhaftem, die alle Zusammenhänge mit Krüppelhaftigkeit des «Ich», mit Kretinismus haben. Sie sind viel verbreiteter, als man denkt, und werden in nächsten Generationen noch viel schlimmer sich zeigen, wenn nicht durch die Geisteswissenschaft dagegengewirkt wird.
[ 14 ] Here we must mention alcohol and its devastating effects. Only those who are unaware of these effects can underestimate its impact on future generations. Alcohol has a terrible effect on the “I” and on astral matters. Let us observe a child whose father is an alcoholic: the race might be so strong that it overcomes the damage; yet we find predispositions to pathological conditions that are all connected to a crippled “I” and to cretinism. These are much more widespread than one might think, and will manifest themselves even more severely in future generations unless spiritual science takes action against them.
[ 15 ] Es liegen Tatsachen unter der Oberfläche des Lebens, bei denen das «Ich» viel größere Mängel hat, als man glaubt. Vielfach hält man Menschen für besonders begabt, zum Beispiel Dichter. Heute ist das aber gar keine bewunderungswerte Begabung, die Sprache dichtet. In Wahrheit schreibt die Zeit; ein Feuilletonist, Unterhaltungsschreiber kann schwachsinnig sein. Gebunden sind Wirkungen des «Ichs» vorhanden und hängen mit Alkoholismus zusammen. Bei Frauen zeigt sich auch Schatten in der Ausbildung des astralischen Leibes, durch Haltlosigkeit, Ideenflucht. Hysterie zeigt auch, dass der astralische Leib nicht in Ordnung ist. An dieser Krankheit können Sie bestätigt finden, was die Geheimwissenschaft über das Verhältnis von Mann, Weib und Kind sagt.
[ 15 ] There are realities beneath the surface of life in which the “I” has far greater shortcomings than one might think. Often, people are considered particularly gifted—poets, for example. Today, however, the ability to compose poetry is by no means an admirable gift. In truth, it is the times that write; a feature writer or entertainment columnist may be mentally deficient. Certain effects of the “I” are present and are linked to alcoholism. In women, a shadow is also evident in the development of the astral body, manifested as instability and flight of ideas. Hysteria also indicates that the astral body is not in order. In this illness, you can find confirmation of what esoteric science says about the relationship between man, woman, and child.
[ 16 ] Wir sehen also, dass wir die flachen Begriffe der Vererbung wesentlich umgestalten müssen. Das Wesentliche bei allen diesen Dingen ist, dass unser Gesichtskreis erweitert wird nach geistiger Seite, aber auch nach moralischer. Umwandlung ist das Gold der Moral. Wie sehr findet der geniale Lichtblick Schopenhauers eine gewisse Berechtigung: «Indem Mann und Weib sich suchen, wirkt eigentlich schon die Nachkommenschaft.» Es ist ein feiner Begriff, den wir uns da bilden müssen. Sie sehen glühend brünstige Leidenschaft, die hinuntergeht bis in das Tierische und hinauf bis ins Höchste, wo Liebe Mann und Weib vereint. Es gibt einen Gesichtspunkt, einen egoistischen, der aus der Begierde hervorgeht. Er ist durch die ungeheuerliche unmoralische Dummheit hervorgebracht. Es ist nicht wahr, dass jeder Geschlechtstrieb befriedigt werden muss, im Gegenteil, es fördert alles, selbst bis in die Gesundheit, wenn das nicht der Fall ist. Wo die Liebe mit Reinheit sich verbindet, da wird eine Seele die beste Hülle finden. Es gibt ein Ideal, wo jeder niedere Trieb schweigt, nicht aus Enthaltsamkeit, und trotzdem für menschliche Nachkommen sorgt. Was das für eine Bedeutung hat für gewisse Dinge, dafür sind die Menschen noch nicht reif, aber es wird ein großes Glück sein. Man wird verstehen lernen, wie mit kosmischen und anderen Verhältnissen zusammenhängt die Entstehung des einen oder anderen Geschlechts. Würde heute davon ein Wort verraten, der größte Unfug würde entstehen. Heute kann nur an diese Dinge gerührt werden.
[ 16 ] We see, then, that we must fundamentally reshape the simplistic concepts of heredity. The essential point in all these matters is that our horizon is broadened—not only intellectually but also morally. Transformation is the gold of morality. How true is Schopenhauer’s brilliant insight: “As man and woman seek each other, the offspring is already taking shape.” It is a subtle concept that we must form for ourselves. You see a fiery, passionate ardor that descends into the animal realm and ascends to the highest realm, where love unites man and woman. There is another perspective—a selfish one—that arises from lust. It is born of monstrous, immoral stupidity. It is not true that every sexual impulse must be satisfied; on the contrary, it is beneficial in every way—even for one’s health—when this is not the case. Where love is combined with purity, there a soul will find its finest vessel. There is an ideal in which every base instinct is silenced—not out of abstinence—and yet still ensures human offspring. People are not yet ready to understand what significance this has for certain matters, but it will be a great blessing. People will come to understand how the emergence of one sex or the other is connected to cosmic and other conditions. If even a word were revealed about this today, it would cause the greatest nonsense. Today, these matters may only be touched upon.
[ 17 ] Was geschieht nach dem Tode in der geistigen Welt? Das, was hinaufging, ruht im Devachan, um sich wieder zu verkörpern. Dieser Mensch umhüllt sich zunächst mit einem astralischen Leib. Wie ein unter einem Papier, auf dem Eisenfeilspäne [liegen], sich bewegender Magnet die Späne ordnet, so ordnet sich die astralische Materie zu neuem Körper. Wenn Sie okkult sehen könnten, würden Sie sehen, wie sich die astralische Materie ansetzt. Was ist das? Das ist etwas, was sich vermischt mit der Begierdenglut, die von Mann zu Weib geht. Wo Begierde schlimm ist, wird Schlimmes hineingemischt, wo die Liebe rein ist, wird die astralische Materie nicht verunreinigt. Das letzte Stadium liegt bei der größeren oder geringeren Reinheit der Liebesbeziehung. Wir können nicht Eigenschaften geben aus früheren Leben, aber wir können verhindern, dass astralische Materie verunreinigt werde. Reinheit wird unter solchen Anschauungen der Respekt vor der Freiheit des sich verkörpernden Menschen. Die Ideen der Wiederverkörperung muss man gefasst haben.
[ 17 ] What happens in the spiritual world after death? That which has ascended rests in Devachan, awaiting reincarnation. This person first envelops themselves in an astral body. Just as a magnet moving beneath a sheet of paper on which iron filings [lie] arranges the filings, so does the astral matter arrange itself into a new body. If you could see with occult vision, you would see how the astral matter takes shape. What is this? It is something that mingles with the fiery passion that flows from man to woman. Where desire is evil, evil is mixed in; where love is pure, the astral matter remains uncontaminated. The final stage depends on the greater or lesser purity of the loving relationship. We cannot bestow characteristics from past lives, but we can prevent astral matter from being contaminated. Purity, viewed in this light, becomes respect for the freedom of the incarnating human being. One must have grasped the ideas of reincarnation.
[ 18 ] Von dem Kinde gehen wir über zu der künftigen Generation. Ein jedes Kind muss dem Erzieher ein Rätsel sein, denn hinter seinem Leben steckt etwas Übersinnliches, was da herauswill. Dieses Heranreifende, dieses Übersinnliche in dem Kinde zu hegen, zu pflegen, ist die einzige Art der Erziehung, ihm gerecht zu werden. Und wir können sagen: Wollen wir der nächsten Generation ein Dasein geben, dann müssen wir die Freiheit des Kindes schätzen in der Erziehung.
[ 18 ] From the child, we turn to the future generation. Every child must be a mystery to the educator, for behind the child’s life lies something transcendent that is striving to emerge. To nurture and care for this emerging, transcendent aspect within the child is the only way of educating that does justice to the child. And we can say: If we want to give the next generation a meaningful existence, then we must value the child’s freedom in education.
[ 19 ] Im Leben der Gegenwart zeigt sich hauptsächlich Anerkennung des Sinnlichen. Wird erst das Übersinnliche anerkannt, dann gliedert sich Zukünftiges an Gegenwärtiges und Vergangenes. Wenn diese Ideen auf unsere Handlungen, auf unser Blut wirken werden, dann haben wir Theosophie ins Leben geführt. Derjenige, der die Erkenntnis nicht will, weil sie ihm zu unbequem ist, der schneidet, bildlich gesprochen, dem Baume die Wurzel ab. Erkenntnis ist die Wurzel und das Hineinwachsen zu den Anschauungen ist Stamm und Krone, und das Hineinwachsen erreichen wir, wenn wir die Theosophie in unser ganzes Leben aufnehmen.
[ 19 ] In contemporary life, what is primarily recognized is the sensory realm. Only when the supersensory realm is recognized will the future become integrated with the present and the past. When these ideas begin to influence our actions and our very being, then we will have brought Theosophy to life. Those who reject knowledge because it is too inconvenient for them are, figuratively speaking, cutting off the tree’s roots. Knowledge is the root, and growing into these insights is the trunk and the crown; we achieve this growth when we incorporate Theosophy into our entire lives.
