The Nature of Man
in the Light of Spiritual Science
GA 68d
29 January 1908, Wiesbaden
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The Nature of Man in the Light of Spiritual Science, tr. SOL
17. Das Wesen des Menschen im Lichte der Geisteswissenschaft
17. The Nature of the Human Being in the Light of Spiritual Science
[ 1 ] Unter den mancherlei Weltanschauungsströmungen unserer Zeit ist auch die mit dem Namen «theosophische Weltanschauung» bezeichnete. Wer sich aus Büchern, Artikeln und so weiter über Theosophie ein Urteil zu bilden versucht, der kann leicht zu einem der vielen Vorurteile kommen, die gegen die theosophische Weltanschauung heute existieren. Theosophie gilt heute für viele wie die Aufwärmung eines alten Aberglaubens, einer kindlichen Weltanschauung, wie sie für die Phantasie der Völker der Vorzeit geeignet war, wie sie aber für den aufgeklärten Menschen der Gegenwart nicht mehr passt. Andere bilden sich ein, Theosophie wolle sein etwas wie eine Art neuer Religionsstifterei, wie eine Art Sektenbildung. Da ist es nicht verwunderlich, dass die, denen es ernst ist mit dem religiösen Leben, in der Theosophie etwas Gefährliches sehen. Ein drittes Vorurteil ist das, Theosophie wolle eine morgenländische Religionsauffassung nach Europa verpflanzen. Darinnen sehen manche eine direkte Gefahr, wenn es geschehen würde. Das gehört aber zu jenen Arten der Geistesströmung, denen der heutige Vortrag gewidmet sein soll, dass man, um sie zu verstehen, sich etwas eingehender und tiefer mit ihnen befasst. Nicht als ob besondere Gelehrsamkeit zur Theosophie gehörte, aber Geduld, sich etwas eingehender mit der Sache zu befassen. Dann kommt eben ein jeder damit zurecht. Theosophie oder Geisteswissenschaft ruht auf zwei festen Säulen. Wenn man diese beiden Säulen in ihrer Bedeutung erkannt hat, dann hindert einen auch nichts mehr, um tiefer in diese Geistesströmung einzudringen. Diese eine Säule ist die, dass man erkennt: Hinter unserer physischen Welt, die für die Sinne wahrnehmbar ist, gibt es eine überphysische, eine übersinnliche, eine geistige Welt. Die zweite Säule ist die, dass der Mensch die Fähigkeit hat, einzudringen in diese geistige Welt, die übersinnliche Welt.
[ 1 ] Among the various philosophical movements of our time is one known as the “theosophical worldview.” Anyone who attempts to form an opinion about Theosophy based on books, articles, and so on can easily fall into one of the many prejudices that exist today against the Theosophical worldview. To many today, theosophy is regarded as a revival of an old superstition, a childish worldview—one that was suited to the imagination of ancient peoples but no longer fits the enlightened person of the present. Others imagine that theosophy is intended to be a kind of new religious movement, a form of sectarianism. It is therefore not surprising that those who take religious life seriously see something dangerous in theosophy. A third prejudice is the notion that theosophy seeks to transplant an Eastern conception of religion into Europe. Some see this as a direct danger if it were to happen. However, this belongs to the kind of spiritual movements that today’s lecture is intended to address—namely, those that require a more thorough and deeper engagement to be understood. Not that Theosophy requires any special erudition, but rather the patience to delve a bit more deeply into the subject. Then everyone can come to terms with it. Theosophy, or spiritual science, rests on two solid pillars. Once one has recognized the significance of these two pillars, nothing stands in the way of delving deeper into this spiritual current. The first pillar is the realization that behind our physical world—which is perceptible to the senses—there exists a superphysical, a supersensible, a spiritual world. The second pillar is the recognition that human beings have the ability to penetrate this spiritual, supersensible world.
[ 2 ] Schon gegen das Erste, dass es überhaupt eine übersinnliche Welt gibt, dagegen erheben sich in unserer Zeit gewichtige, starke Einwände. Unsere moderne Wissenschaft glaubt schon, gegen etwas zu verstoßen, wenn man überhaupt zugibt, dass es eine geistige Welt gibt. Die Theosophie spricht von der geistigen Welt im Grunde genommen in gar keinem absonderlichen Sinne, nicht als ob die geistigen Welten ganz woanders wären als da, wo sie sind, sondern sie spricht so von ihnen, wie ungefähr der große deutsche Philosoph Fichte von geistigen Welten in besonders eindringlicher Weise gesprochen hat. Im Herbste 1813 sagte er zu seinen Zuhörern Folgendes:
[ 2 ] Even the very first premise—that there is a supernatural world at all—faces weighty and strong objections in our time. Modern science believes it is already violating some principle simply by admitting that a spiritual world exists at all. Theosophy speaks of the spiritual world, essentially, in no strange sense at all—not as if the spiritual worlds were somewhere entirely different from where they are—but rather in much the same way that the great German philosopher Fichte spoke of spiritual worlds in a particularly compelling manner. In the fall of 1813, he said the following to his audience:
Diese Lehre setzt voraus ein ganz neues inneres Sinneswerkzeug, durch welches eine neue Welt gegeben wird, die für den gewöhnlichen Menschen gar nicht vorhanden ist.
This teaching requires a completely new inner tool of perception, through which a new world is revealed—one that does not even exist for the average person.
[ 3 ] Ferner fügte er hinzu:
[ 3 ] He also added:
Denke man eine Welt von Blindgeberenen, denen darum allein die Dinge und ihre Verhältnisse bekannt sind, die durch den Sinn der Betastung existieren. Tretet unter diese, und redet ihnen von Farben und den anderen Verhältnissen, die nur durch das Licht und für das Sehen vorhanden sind. Entweder ihr redet ihnen von Nichts, und dies ist das Glücklichere, wenn sie es sagen: Denn auf diese Weise werdet ihr bald den Fehler merken, und falls ihr ihnen nicht die Augen zu öffnen vermögt, das vergebliche Reden einstellen.
Imagine a world of blind people who, for that reason alone, are familiar only with the things and their relationships that exist through the sense of touch. Go among them and speak to them of colors and the other qualities that exist only through light and for the sake of sight. Either you are speaking to them of nothing—and this is the better outcome, if they say so—for in this way you will soon realize your mistake, and if you are unable to open their eyes, you will cease your futile talk.
[ 4 ] So wie der Blindgeborene es für eine Phantastik halten kann, wenn wir ihm von Farben und Licht reden, so werden auch wohl die, welche von geistigen Welten reden, von denen, die diese Welten nicht kennen, für Phantasten gehalten. Für die, welche nichts von den geistigen Welten kennen, redet ein solcher, der sie kennt, wie der Sehende für den Blinden von der Welt von Farbe und Licht redet. Es ist allerdings notwendig, so ähnlich von den geistigen Welten zu sprechen, wie J.[ohann] G.[ottlieb] Fichte von den geistigen Welten gesprochen hat; ganz so ist es allerdings nicht. Es gibt für den Blindgeborenen manchmal die Möglichkeit, ihn zu operieren. Da gibt es einen Augenblick, wo das, was in Dunkelheit gehüllt war, ihm entgegentritt in Licht und Farbe und Glanz. Aber man kann nicht jeden Blindgeborenen operieren. Für jeden Menschen jedoch gibt es die Möglichkeit, schend zu werden für die Welten, welche um uns herum sind, die aber jetzt für ihn verhüllt sind.
[ 4 ] Just as a person born blind might consider it a fantasy when we speak to him of colors and light, so too are those who speak of spiritual worlds likely to be regarded as fantasists by those who do not know these worlds. To those who know nothing of the spiritual worlds, one who does know them speaks just as a sighted person speaks to a blind person about the world of color and light. It is, however, necessary to speak of the spiritual worlds in a manner similar to how J.[ohann] G.[ottlieb] Fichte spoke of them; yet it is not quite the same. For someone born blind, there is sometimes the possibility of performing surgery on them. There comes a moment when what was shrouded in darkness appears to them in light, color, and radiance. But not every person born blind can undergo such surgery. For every human being, however, there is the possibility of becoming receptive to the worlds that surround us but are currently veiled from them.
[ 5 ] Von solchen Welten, die um uns herum sind, für die des Menschen schlummernde Fähigkeiten nur erweckt zu werden brauchen, von solchen Welten haben zu allen Zeiten die Erweckten, die Sehenden gesprochen. Aber es hat dafür die verschiedensten Worte gegeben. Wir brauchen heute für die Lehre von diesen Welten das Wort «Theosophie», nach dem Vorbilde des Apostels Paulus, der zuerst das Wort «Theosophie» dafür gebraucht. Diejenigen, die in die geistigen Welten hineinschauen, nannte man immer Eingeweihte oder Seher. Für den, der zum Eingeweihten, zum Seher wird, gibt es jenen Moment, jenen Augenblick, der sich in gewisser Weise vergleichen lässt mit dem Augenblick, in dem das physische Licht zuerst in das Auge des operierten Blindgeborenen dringt; nur ist für den Menschen, der nicht bloß eine Verstandesüberzeugung von den geistigen Welten gewinnen will, der Moment, wo er sehend wird, viel glanzvoller als der Moment, den der operierte Blindgeborene erlebt. Vielleicht sagt man, weil nur wenige Menschen haben hineinschauen können in die geistige Welt: Was geht dann diese geistige Welt die an, die nicht hineinschauen können? Aber es ist damit so: Wenn die, die aus unmittelbarer Erfahrung, aus eigener Anschauung die Weistümer der geistigen Welt mitteilen, dann können diese Wahrheiten, wenn die Menschen nur genügend nachdenken wollen, eingesehen werden. Zum Erfahren der geistigen Wahrheiten gehört Sehergabe; zum Begreifen gehört der gesunde Menschenverstand.
[ 5 ] Of such worlds that surround us—for which the dormant abilities of human beings need only be awakened—the Enlightened Ones and the Seers have spoken throughout the ages. But there have been a wide variety of terms used to describe them. Today, for the teaching about these worlds, we need the word “theosophy,” following the example of the Apostle Paul, who was the first to use the word “theosophy” in this context. Those who look into the spiritual worlds have always been called initiates or seers. For the one who becomes an initiate, a seer, there is that moment, that instant, which can in a certain way be compared to the moment when physical light first enters the eye of the person born blind who has undergone surgery; only for the person who seeks more than mere intellectual conviction regarding the spiritual worlds, the moment when he becomes able to see is far more glorious than the moment experienced by the person born blind who has undergone surgery. Perhaps one might say, since only a few people have been able to glimpse into the spiritual world: What, then, does this spiritual world have to do with those who cannot glimpse it? But the fact is this: When those who have direct experience—who have witnessed the wisdom of the spiritual world firsthand—share these truths, people can grasp them if they are only willing to reflect deeply enough. The ability to see is necessary for experiencing spiritual truths; common sense is necessary for understanding them.
[ 6 ] Dem, welcher einwenden wollte, für mich kann das noch keine Überzeugung sein; ich muss erst selbst hineinschauen können in die geistigen Welten - dem muss man sagen: Nicht das hindert ihn, dass er diese Fähigkeit noch nicht hat, sondern, dass er nicht seinen umfassenden Menschensinn anwenden will auf das, was ihm von den andern mitgeteilt wird. Die Seher sind in den geistigen Welten. Die geistigen Welten sind nicht woanders; sie sind da, wo wir sind, und der Mensch kann durch die in ihm schlummernden Fähigkeiten Erleber dieser geistigen Welten werden. Zum Erfahren der geistigen Welten gehört Sehergabe, zum Begreifen nur der gesunde Menschenverstand. Wie sich das Licht zum Auge verhält, so verhalten sich die geistigen Welten zur Seele.
[ 6 ] To anyone who might object, “For me, this cannot yet be a conviction; I must first be able to look into the spiritual worlds myself”—to such a person one must say: It is not the fact that he does not yet possess this ability that holds him back, but rather that he is unwilling to apply his full human understanding to what others communicate to him. The seers are in the spiritual worlds. The spiritual worlds are not somewhere else; they are right here where we are, and human beings can become experiencers of these spiritual worlds through the abilities that lie dormant within them. Experiencing the spiritual worlds requires the gift of clairvoyance, while understanding them requires only sound common sense. Just as light relates to the eye, so do the spiritual worlds relate to the soul.
[ 7 ] Andere sagen: Es mag sein, dass es geistige Welten gibt, aber die Menschen haben nicht die Fähigkeiten, in sie einzudringen. — Die so sagen, sind der Meinung, dass des Menschen Fähigkeiten nicht entwicklungsfähig seien, dass die Menschen bleiben, wie sie sind. Heute bildet das Wort Entwicklung für viele eine Art Zauberformel. Aber sobald man von seelischer Entwicklung spricht, wollen sie nichts davon wissen. Denjenigen, die glauben, der Mensch könne die geistigen Welten nicht erkennen, kann man antworten: Gewiss, mit denjenigen Fähigkeiten, die ihr heute habrt, könnt ihr die geistigen Welten nicht erkennen; aber in dem Menschen schlummern Fähigkeiten, die entwickelt werden können, womit er die geistigen Welten wahrnehmen kann. Öffentlich verkündet werden diese Wahrheiten erst in der letzten Zeit, weil die Menschheit sie jetzt in dieser Form braucht. Eingeflossen sind sie immer schon in die Welt und das menschliche Denken und Empfinden. Aber in dieser Form treten sie zum ersten Mal vor die Öffentlichkeit. Vor allem sind in allen Religionen diese Wahrheiten immer enthalten gewesen. Sie sind darin enthalten gewesen in anderer Form, wie diese Form der Menschheit genügte. Seit Jahrhunderten kommt nun die Menschheit, die an den alten Formen hängt, gegenüber den geistigen Wahrheiten in Zweifel, Skrupel und so weiter.
[ 7 ] Others say: It may be that spiritual worlds exist, but human beings do not have the abilities to enter them. — Those who say this believe that human abilities cannot be developed, that human beings remain as they are. Today, for many, the word “development” is a kind of magic formula. But as soon as one speaks of spiritual development, they want nothing to do with it. To those who believe that human beings cannot perceive the spiritual worlds, one can reply: Certainly, with the abilities you possess today, you cannot perceive the spiritual worlds; but there are abilities lying dormant within the human being that can be developed, enabling him to perceive the spiritual worlds. These truths have only been publicly proclaimed in recent times because humanity now needs them in this form. They have always been flowing into the world and into human thought and feeling. But they are appearing in public for the first time in this form. Above all, these truths have always been contained in all religions. They have been contained therein in a different form, as that form sufficed for humanity. For centuries now, humanity—which clings to the old forms—has been plagued by doubts, scruples, and so on regarding spiritual truths.
[ 8 ] Denken wir zurück an die Zeiten, in denen es noch keine Buchdruckerkunst gegeben hat, als noch nicht das, was heute an den Menschen herankommt in Form von Druckwerken, an die Menschen so herankommen konnte, sondern nur Einzelheiten davon. Dazumal konnte sich das menschliche Empfinden und Fühlen in ganz anderer Form noch gegenüber den großen, geistigen Wahrheiten verhalten. Jetzt aber, wo die Unsumme von Wissenschaft in tausend und abertausend Kanälen in die Menschheit eindringt, da erfordert die Verbreitung der geistigen Wahrheiten auch eine andere Form. Wir brauchen auch nur ein paar Worte zu sagen, um die Wirkungen zu erkennen. Jene Wesen, durch die die Impulse damals entstanden, als in alten Formen der Darstellung die Wahrheit den Menschen gegeben wurde, wussten, dass im Menschen ein ewiger Kern lebt; sie wirken nicht mehr so auf die Menschen. Es muss eine andere Form geben, wie sie sich als geeignet erweisen soll für die moderne Seele.
[ 8 ] Let us think back to the times when the art of printing did not yet exist, when what reaches people today in the form of printed works could not yet reach them in that way, but only in fragments. Back then, human perception and feeling could still relate to the great spiritual truths in a completely different way. But now, when the vast amount of scientific knowledge is flooding into humanity through thousands upon thousands of channels, the dissemination of spiritual truths also requires a different form. We need only say a few words to recognize the effects. Those beings through whom the impulses arose back then, when truth was given to people in ancient forms of presentation, knew that an eternal core lives within the human being; they no longer affect people in that way. There must be another form that proves suitable for the modern soul.
[ 9 ] Eine solche andere Form will die moderne Theosophie sein. Sie will sich nicht den religiösen Wahrheiten entgegenstellen, sondern will gerade das Instrument sein, um diese Wahrheiten in solcher Weise zu erkennen, dass auch die modernste Seele davon überzeugt werden kann. Nicht aus Agitationslust oder aus subjektiver Willkür sind die, die über solche Geheimnisse etwas wissen, aus ihrer Reserve hinausgetreten, sondern weil es notwendig war für die Menschheit. Damit hängt es zusammen, wie ein theosophischer Vortrag aufgefasst werden muss. Wer aus theosophischer Gesinnung heraus spricht, spricht niemals als Agitator, niemals aus der Gesinnung heraus, er müsse mit den gewöhnlichen Überredungskünsten auf den Menschen wirken.
[ 9 ] Modern Theosophy aspires to be such a different form. It does not seek to oppose religious truths, but rather aims to be the very instrument for recognizing these truths in such a way that even the most modern soul can be convinced of them. Those who know something about such mysteries have not stepped out of their reserve out of a desire for agitation or subjective caprice, but because it was necessary for humanity. This is related to how a theosophical lecture must be understood. Anyone who speaks from a theosophical perspective never speaks as an agitator, never out of a belief that they must influence people through the usual arts of persuasion.
[ 10 ] Es gibt heute viele Weltanschauungen, und ihre Vertreter treten unter die Menschen hin, um zu lehren eine bestimmte Wahrheit, und meinen, die Menschen müssten unter allen Umständen diese Wahrheit aufnehmen. Der Theosoph will nicht sein ein dogmatischer Lehrer; er will sein ein Erzähler von den Tatsachen der geistigen Welten. Ein bedeutender Franzose hat einmal gegenüber den Tatsachen der sinnlichen Welt das Wort geprägt: «Ich lehre nicht, ich erzähle.» Es handelt sich durchaus darum, dass zur Theosophie gerade die herankommen, die durch ihre Gesinnung schon hingewiesen sind auf die Tatsachen, die ihr zugrunde liegen, welche durch ihre ganze Empfindungsweise schon genügend auf sie hingewiesen sind, auf das, was der Mitteiler zu sagen hat.
[ 10 ] There are many worldviews today, and their proponents go out among people to teach a certain truth, believing that people must accept this truth under all circumstances. The theosophist does not wish to be a dogmatic teacher; he wishes to be a narrator of the facts of the spiritual worlds. A prominent Frenchman once coined the phrase in reference to the facts of the physical world: “I do not teach; I narrate.” The point is precisely that those who are already, by their disposition, attuned to the facts underlying Theosophy—and whose entire sensibility has already sufficiently prepared them for what the communicator has to say—are the ones who are drawn to Theosophy.
[ 11 ] Unter den Menschen gibt es solche, die vielleicht hineinschauen können in die geistigen Welten. Das sind sehr wenige. Zweitens gibt es solche, die aus wissenschaftlichen Gründen die Logik der geistigen Welten anerkennen. Deren gibt es auch nur wenige, da die Wissenschaft heute noch eine Unsumme von Vorurteilen hat. Viele gibt es aber, die aus einem gewissen Wahrheitsgefühl, aus der Ahnung ihrer Seele heraus zur Theosophie hinkommen. Mancher Wissenschaftler wird noch mit einem gewissen Lächeln an die Theosophie herankommen; er bedenkt aber nicht, dass die menschliche Seele nicht auf Unwahrheit, sondern auf Wahrheit angelegt ist. Wenn die menschliche Seele nicht durch Vorurteile befangen ist, so findet sie den geraden Weg, da sie zur Wahrheit angelegt ist. Jeder muss zur Theosophie freiwillig hinkommen. Jeder, in dem irgendeiner der drei angeführten Gründe wirksam ist, der kommt zur Theosophie.
[ 11 ] Among human beings, there are some who may be able to glimpse into the spiritual worlds. These are very few. Second, there are those who, for scientific reasons, acknowledge the logic of the spiritual worlds. There are only a few of them as well, since science today is still burdened by a vast number of prejudices. There are, however, many who come to Theosophy out of a certain sense of truth, out of an intuition of their soul. Some scientists may still approach Theosophy with a certain smile; but they do not consider that the human soul is not inclined toward untruth, but toward truth. If the human soul is not clouded by prejudice, it will find the straight path, for it is designed for truth. Everyone must come to theosophy of their own free will. Anyone in whom any of the three reasons mentioned is at work will come to theosophy.
[ 12 ] Heute wollen wir sprechen von dem Wesen des Menschen und uns dadurch eine Grundlage schaffen für die Beantwortung der Urrätsel der suchenden Menschheit, für die Beantwortung der Frage nach dem Geheimnis des Todes, das zusammenhängt mit der Frage nach dem Wesen des Lebens. Das Menschenwesen ist im Sinne der theosophischen Weltanschauung komplizierter, mannigfaltiger, als man gewöhnlich heute denkt. Man spricht zunächst von dem physischen Menschenleib. Für die Geisteswissenschaft, die einzudringen sucht in die Geheimnisse des Daseins vom übersinnlichen Standpunkt aus, ist der physische Menschenleib nur ein Glied der menschlichen Wesenheit. Machen wir uns klar, wie wir über diesen physischen Menschenleib im Sinne der Geisteswissenschaft zu denken haben. Wir können ihn verstandesgemäß begreifen. Wir schauen hinaus in unsere Umwelt. Wir sehen alles das, was vom kleinsten Stein auf der Erde bis zum leuchtenden Stern, zur leuchtenden Sonne uns umgibt; wir sehen Wesen der verschiedensten Art, die sich unseren Sinnen darbieten. Wir sehen, was wir die mineralische Welt nennen, die Welt der Stoffe und stofflichen Kräfte. Wenn wir diese Welt der Stoffe kennenlernen, die ausgebreitet sind um uns herum, die den Weltenraum erfüllen, die uns von den Sternen entgegenleuchten, so sind in dem menschlichen physischen Leibe dieselben Stoffe und Kräfte wie draußen in der scheinbar leblosen Natur. Diese Stoffe setzen den physischen Leib zusammen; dieselben Kräfte ziehen hindurch, bis der Menschenleib zerfällt. Für die Geisteswissenschaft gilt es wie in irgendeiner anderen Wissenschaft, dass der Menschenleib aus denselben Stoffen und Kräften zusammengesetzt ist wie die physische Welt. Aber es gilt für die Geisteswissenschaft ferner, dass die Stoffe und Kräfte im Menschen und in jedem Lebewesen eine Anordnung haben, die nicht an sich physisch und chemisch möglich wäre. Sie würden, sich selbst überlassen, in sich selbst zerfallen. Ein Bergkristall besteht in jener Form nach den physischen und chemischen Gesetzen, aber im Menschenleib ist das nicht möglich.
[ 12 ] Today we want to speak about the nature of the human being and thereby lay a foundation for answering the primordial mysteries of humanity’s quest—for answering the question of the mystery of death, which is connected to the question of the nature of life. From the perspective of the theosophical worldview, the human being is more complex and multifaceted than is generally thought today. We begin by speaking of the physical human body. For spiritual science, which seeks to penetrate the mysteries of existence from a supersensible standpoint, the physical human body is only one aspect of the human being. Let us clarify how we are to think about this physical human body from the perspective of spiritual science. We can comprehend it through reason. We look out into our surroundings. We see everything that surrounds us, from the smallest stone on Earth to the shining star and the radiant sun; we see beings of the most diverse kinds that present themselves to our senses. We see what we call the mineral world—the world of substances and material forces. When we come to know this world of substances—which are spread out all around us, which fill the cosmos, and which shine toward us from the stars—we find that the human physical body contains the same substances and forces as those found out there in seemingly lifeless nature. These substances make up the physical body; the same forces flow through it until the human body disintegrates. For spiritual science, as in any other science, the human body is composed of the same substances and forces as the physical world. But it is also true for spiritual science that the substances and forces within human beings and every living being are arranged in a way that would not be physically or chemically possible in and of itself. Left to their own devices, they would disintegrate within themselves. A rock crystal exists in that form according to the laws of physics and chemistry, but this is not possible within the human body.
[ 13 ] Da weist die Geisteswissenschaft hin auf ein zweites Glied der menschlichen Wesenheit, den Ätherleib oder Lebensleib. Was ist dieser Äther- oder Lebensleib? Er ist ein fortdauernder Kämpfer gegen den Zerfall des physischen Leibes. In uns allen ist dieser Äther- oder Lebensleib. Wir denken uns einen Schwamm, durchsetzt von Wasser. So ist der physische Leib eines jeden Lebewesens durchsetzt von dem Äther- oder Lebensleib. Das hindert die physischen Stoffe und Kräfte, ihren eigenen Gesetzen zu folgen. Der Moment des Todes tritt gerade dadurch ein, dass der Äther- oder Lebensleib den physischen Leib verlässt. Dann ist aber auch der physische Leib Leichnam. So ist in jedem Moment des Lebens der Ätherleib ein Kämpfer, der verhindert, dass der physische Leib Leichnam wird.
[ 13 ] Here, spiritual science points to a second aspect of the human being: the etheric body, or life body. What is this etheric or life body? It is a constant fighter against the decay of the physical body. This etheric or life body is present in all of us. Imagine a sponge permeated with water. In the same way, the physical body of every living being is permeated by the etheric or life body. This prevents the physical substances and forces from following their own laws. The moment of death occurs precisely when the etheric or life body leaves the physical body. At that point, however, the physical body becomes a corpse. Thus, at every moment of life, the etheric body acts as a warrior, preventing the physical body from becoming a corpse.
[ 14 ] Die heutige Wissenschaft sagt so manchmal: Es gibt für den Forscher ein Ideal; dies Ideal sei, auch das Lebendige herzustellen, laboratoriumsmäßig, aus den Teilen der leblosen Substanz. An diesem Ideal muss die heutige Wissenschaft hängen. Da fügt nun mancher hinzu, der glaubt, festzustehen auf dem Boden der Wissenschaft: Solange uns das nicht gelingen wird, solange habt ihr Theosophen gut reden von einem Ätherleib, solange wir nicht aus lebloser Eiweißsubstanz lebendige Substanz herstellen können. Wenn das aber gelingt, wird auch der Theosoph seinen Irrtum einsehen. - Es ist durchaus begreiflich, dass die heutige Wissenschaft so reden muss. Vieles könnte man gegen diesen Einwand sagen. Nur eines aber sei hier eingewendet. Man glaube nur nicht, dass die Geisteswissenschaft in Bezug auf die Frage der Herstellung eines Lebewesens aus leblosen Substanzen je auf einem anderen Standpunkt gestanden habe. Der Theosoph sagt nur: Ja, es wird die Zeit kommen, wo es für den Menschen möglich sein wird, aus leblosen Substanzen Lebendiges herzustellen. — Dennoch spricht der Theosoph vom Äther- oder Lebensleib. Für ihn ist der Äther- oder Lebensleib eine Tatsache. Trotzdem aus Leblosem einmal Lebendiges erzeugt werden kann, trotzdem ist die Tatsache wahr, dass der Äther- oder Lebensleib da ist. Er ist das erste geistige Glied des Menschen.
[ 14 ] Modern science sometimes says: There is an ideal for the researcher; this ideal is to create living matter in the laboratory from the components of inanimate substance. Modern science must hold fast to this ideal. Now, some who believe they stand firmly on the ground of science add: “As long as we cannot achieve this, you Theosophists are free to speak of an etheric body; as long as we cannot create living matter from inanimate protein substances. But when we do succeed, even the Theosophist will realize his error.”—It is entirely understandable that modern science must speak this way. Much could be said against this objection. But let us raise just one point here. Let us not believe that spiritual science has ever taken a different position regarding the question of creating a living being from inanimate substances. The Theosophist simply says: Yes, the time will come when it will be possible for human beings to create living beings from inanimate substances. — Nevertheless, the theosophist speaks of the etheric or life body. For him, the etheric or life body is a fact. Even though living matter can one day be produced from non-living matter, the fact remains that the etheric or life body exists. It is the first spiritual member of the human being.
[ 15 ] Es ist gar kein Einwand gegen den Anteil eines Geistigen an einer Sache, wenn wir sagen, wir begreifen das Physische nach den mechanischen Gesetzen. Wir begreifen eine Uhr nach rein mechanischen Gesetzen. Ist deshalb der Uhrmacher unentbehrlich? Dieser Einwand ist trivial. Viele Menschen glauben, weil früher die Menschen auf einer kindlicheren Stufe gestanden haben, haben sie geglaubt, dass hinter dem Physischen stehen geistigen Wesenheiten, die die Welt dirigieren. Heute sei es aber nicht mehr notwendig, weil ja die Wissenschaft uns darüber aufklärt, wie die Dinge zusammenhängen. Wissenschaftliches Aufklären eines Tatbestandes hat nichts zu tun mit dem Begreifen der geistigen Hintergründe.
[ 15 ] There is no objection whatsoever to the spiritual aspect of a thing when we say that we understand the physical realm according to mechanical laws. We understand a clock according to purely mechanical laws. Does that make the clockmaker indispensable? This objection is trivial. Many people believe that because people in the past were at a more childlike stage of development, they believed that behind the physical world there are spiritual beings who direct the world. Today, however, this is no longer necessary, because science enlightens us about how things are connected. Scientific clarification of a set of facts has nothing to do with understanding the spiritual background.
[ 16 ] Das Zweite ist das: Wenn der Mensch glaubt, der Lebensleib müsse wie ein Stück Eisen da oder dort im Menschen nachweisbar sein, so ist das eine grobe, materialistische Vorstellung. Man denke sich, trockne Luft in einem Raume sei mit etwas Wässerigem durchsetzt. Können wir auch das Wasser herausziehen, so kann man doch nicht sagen: Das Wasser ist nicht in dem Raume gewesen. Was in unserem Lebensleib wirkt, das ist überall zu finden. Es erfüllt als allgemeines Weltenprinzip den Weltenraum. Bringen wir, was heute sich noch dem menschlichen Vermögen entzieht, Stoffe in eine solche Kombination, dass sich der Gedanke der Kombination als Magnet erweist für das Leben, dann werden wir auch das erleben, dass die leblose Substanz sich belebt. Das weiß die Geisteswissenschaft. Aber sie sagt uns: Die Kunst, das zu können, was heute noch den großen Naturgeheimnissen überlassen bleiben muss, diese Kunst wird der Menschheit von guten Händen nicht eher überliefert, bis der Laboratoriumstisch zu einem Altar umgewandelt ist; bis die Handlung am Laboratoriumstisch zu einer sakramentalen Handlung umgewandelt sein wird. Der Mensch wird, wenn er einmal imstande sein wird, die Kombination herzustellen, dass durch die Gedankenkombination angezogen wird auch das Leben, hineinverweben, was in seiner Seele lebt; sein Gutes oder Böses wird er da hineinverweben. Solange die Menschheit noch nicht geläutert ist, muss deshalb dies Geheimnis der Menschheit verborgen bleiben.
[ 16 ] The second point is this: If a person believes that the life body must be detectable somewhere within the human being, like a piece of iron, that is a crude, materialistic notion. Imagine that dry air in a room is intermingled with something watery. Even if we can extract the water, we still cannot say: ‘The water was not in the room.’ What is at work in our life body can be found everywhere. As a universal cosmic principle, it fills the cosmos. If we—using substances that are still beyond human capacity today—combine them in such a way that the very idea of the combination acts as a magnet for life, then we will also experience the inanimate substance coming to life. Spiritual science knows this. But it tells us: The art of being able to do what must still be left to the great mysteries of nature—this art will not be handed down to humanity by benevolent hands until the laboratory table has been transformed into an altar; until the activity at the laboratory table has been transformed into a sacramental act. Once human beings are able to create the combination—such that through the combination of thoughts, life itself is drawn in—they will weave into it what lives in their souls; they will weave their good and their evil into it. As long as humanity has not yet been purified, this mystery must therefore remain hidden from humanity.
[ 17 ] Damit haben wir den Menschen schon zusammengesetzt aus zwei Gliedern, aus physischem Leib und Äther- oder Lebensleib, die er gemeinsam hat mit allen Pflanzen und Tieren, mit allen Lebewesen. Wenn wir uns aber sagen wollten, das ist alles, was eingeschlossen ist in der menschlichen Haut, dann wäre das nicht richtig. Vieles steht dem Menschen viel näher als das, was physisch da eingeschlossen ist, Knochen, Muskeln, Nerven und so weiter. Etwas liegt jedem Menschen näher; das ist die Summe von Freude und Schmerz, von Trieben, Begierden und Leidenschaften, alles, was bis zum höchsten Ideal in der Seele lebt. Vielleicht wird ein materialistisches Denken sagen: Das alles ist da, aber es ist ein Ergebnis des physischen Leibes. - Wäre es so, dann brauchte man nicht davon als von etwas Selbstständigem zu sprechen, aber die Geisteswissenschaft zeigt uns, dass das alles nicht etwa ein Erzeugnis ist des physischen oder Ätherleibes, sondern sie zeigt uns vielmehr an, dass dieses, was sich im Menschen an Trieben und Begierden, Gefühlen, Leidenschaften und Idealen abspielt, Ergebnis eines dritten Gliedes der menschlichen Wesenheit ist. Alles das, was in seiner Kompliziertheit unbegreiflich erscheint, wenn wir das in seinen einfachen Elementen betrachten, wird es doch begreiflich.
[ 17 ] We have thus already described the human being as composed of two parts: the physical body and the etheric or life body, which he shares with all plants and animals, with all living beings. But if we were to say that this is all that is contained within the human skin, that would not be correct. There is much that is far closer to the human being than what is physically contained within—bones, muscles, nerves, and so on. There is something even closer to every human being: the sum of joy and pain, of drives, desires, and passions—everything that lives in the soul, right up to the highest ideal. Perhaps a materialistic way of thinking would say: All of this is there, but it is a result of the physical body. - If that were the case, there would be no need to speak of it as something independent; but spiritual science shows us that all this is not a product of the physical or etheric body, but rather indicates that what unfolds within a person in terms of instincts and desires, feelings, passions, and ideals is the result of a third aspect of the human being. Everything that seems incomprehensible in its complexity becomes comprehensible when we consider it in its simple elements.
[ 18 ] Fragen wir uns, ob heute im Menschen sich irgendetwas zeigt, wo physische Wirkungen aus geistigen Ursachen hervorgehen, so finden wir Folgendes: Wenn der Mensch erschrickt, so erbleicht er; das Blut strömt von der Peripherie zum Herzen. Wenn ihm die Schamröte ins Gesicht tritt, strömt das Blut vom Herzen zur Peripherie, nach den äußeren Teilen des Körpers. Das sind kleine physische Wirkungen von geistig-seelischen Vorgängen.
[ 18 ] If we ask ourselves whether there is anything in human beings today that demonstrates how physical effects arise from mental causes, we find the following: When a person is startled, they turn pale; blood flows from the periphery to the heart. When a blush of shame rises to their face, blood flows from the heart to the periphery, to the outer parts of the body. These are small physical effects of mental and emotional processes.
[ 19 ] Die Geisteswissenschaft zeigt uns, dass nicht nur dieses, sondern alles Physische aus Seelischem und Geistigem entsprungen ist: Es sind seelische Erlebnisse umfassendster Art, die nicht nur das Blut in kleiner Weise in Zirkulation versetzen, sondern die es überhaupt herumtreiben. Der ganzen Welt liegen seelische, liegen geistige Vorgänge zugrunde.
[ 19 ] Spiritual science shows us that not only this, but all physical phenomena arise from psychological and spiritual sources: it is psychological experiences of the most comprehensive kind that not only set the blood circulating to a small degree, but that drive it around in the first place. The entire world is founded on psychological and spiritual processes.
[ 20 ] So sprechen wir von einem dritten Glied der menschlichen Wesenheit. Dieses dritte Glied der menschlichen Wesenheit, das der Mensch mit den Tieren gemeinsam hat, nennen wir des Menschen astralischen Leib. So haben wir den Menschen aus drei Gliedern zusammengesetzt, dem physischen Leib, dem Ätherleib und dem Astralleib.
[ 20 ] Thus we speak of a third component of the human being. This third component of the human being, which humans share with animals, we call the astral body. Thus, we have identified the human being as being composed of three components: the physical body, the etheric body, and the astral body.
[ 21 ] Nun gibt es noch etwas im Menschen, was wir bezeichnen müssen als das vierte Glied der menschlichen Wesenheit, wonach wir den Menschen ansehen müssen als die Krone der Erdenschöpfung. Dieses vierte Glied der menschlichen Wesenheit hat der Mensch allein; es ist das, wodurch er die Krone aller Wesen um ihn her ist. Zu dem Tisch kann jeder «Tisch» sagen, zu dem Stuhl jeder «Stuhl»; eins gibt es aber, was nur jeder Mensch von sich selbst sagen kann. Das kann nicht in der Weise gehandhabt werden wie die Bezeichnungen der anderen Dinge; es ist das, was mit dem einfachen Wörtchen «Ich» bezeichnet wird. Das, was das Ich ist im Menschen, das kann kein anderer, sondern nur er selbst bezeichnen. Wenn das Wörtchen «Ich» die Bezeichnung sein soll vom innersten Menschen, dann muss es aus dem Menschen selbst hervorkommen.
[ 21 ] Now there is something else in human beings that we must designate as the fourth element of the human being, by virtue of which we must regard human beings as the crown of earthly creation. This fourth element of the human being is unique to human beings; it is that which makes them the crown of all beings around them. Anyone can call a table a “table” and a chair a “chair”; but there is one thing that only each human being can say about themselves. This cannot be treated in the same way as the names of other things; it is what is designated by the simple little word “I.” What the “I” is in a human being can be designated by no one else but the person himself. If the little word “I” is to be the designation of the innermost self, then it must come from the human being himself.
[ 22 ] Diese Kräfte, die im Wörtchen «Ich» ihre Bezeichnung finden, die nennen wir das vierte Glied der menschlichen Wesenheit. Alle Religionen und Weltanschauungen, die von der sogenannten Geisteswissenschaft gewusst haben, haben so gefühlt die Bedeutung des Ich im Menschen. Daher nannten sie diesen Namen den «unaussprechlichen Namen Gottes». Hier offenbart sich das im Menschen, wodurch der Mensch ein Funken, ein Tropfen der göttlichen Substanz ist.
[ 22 ] These forces, which find their designation in the little word “I,” are what we call the fourth member of the human being. All religions and worldviews that were familiar with what is known as spiritual science have intuitively sensed the significance of the “I” in human beings. That is why they called this name the “unspeakable name of God.” This is what is revealed in human beings, through which the human being is a spark, a drop of the divine substance.
[ 23 ] Wenn man darauf erwidern wollte: Dann macht die Theosophie ja den Menschen zu einem Gott, so kann man darauf nur sagen: Ebenso wenig wie ein Tropfen aus dem Meer das ganze Meer ist, ebenso wenig ist das, was im Menschen göttliche Substanz ist, das ganze Göttliche. Wie der Tropfen sich zum Meer verhält, so verhält das Ich im Menschen sich zum ganzen Göttlichen. Nur das Göttliche, das im Innersten des Menschen lebt, kann sich im Innern des Menschen ankündigen. Alles andere, was Farben, Töne, Wärme und Kälte ist, alles das muss von außen an den Menschen herankommen. — Man muss die ganze Tragweite dieses Ertönens im Innern des Menschen, des menschlichen Ichs erkennen. Fichte sagte einmal: «Viel eher möchten die Menschen sich für ein Stück Lava vom Monde halten als für ein Ich. Sie sehen dieses Wesen des Ich wer weiß wo, nur nicht in sich selbst.»
[ 23 ] If one were to counter this by saying, “Then theosophy turns human beings into gods,” one can only reply: Just as a drop of water is not the entire ocean, so too the divine substance within a human being is not the entirety of the divine. Just as the drop relates to the sea, so does the “I” within a human being relate to the whole of the Divine. Only the Divine that lives in the innermost being of a human being can make itself known within that person. Everything else—colors, sounds, warmth, and cold—must come to the human being from the outside. — One must recognize the full significance of this resonance within the human being, within the human “I.” Fichte once said: “People would much rather consider themselves a piece of lava from the moon than an ‘I.’ They see this essence of the ‘I’ who knows where, just not within themselves.”
[ 24 ] Diese vier Glieder, der physische, Äther- und Astralleib und das Ich, sind bei dem ungebildetsten «Wilden», der noch seine Mitmenschen auffrisst, ebenso vorhanden wie bei dem entwickeltsten Kulturmenschen. Auf seinen Reisen traf Darwin einmal mit einem «Wilden» zusammen, der gerade sich anschickte, seine Gattin zu verspeisen. Darwin ließ ihm durch den Dolmetscher begreiflich machen, dass das nicht gut sei. Darauf antwortete er, das könne er doch nicht wissen, bis er sie gekostet habe. Als er ein Stück von ihr verzehrt hatte, machte er ihm durch Zeichen begreiflich, dass sie sehr gut sei.
[ 24 ] These four components—the physical body, the etheric body, the astral body, and the ego—are present in even the most uneducated “savage,” who still devours his fellow human beings, just as they are in the most highly developed civilized human being. During his travels, Darwin once encountered a “savage” who was just about to eat his wife. Darwin had the interpreter explain to him that this was not a good thing to do. To this, he replied that he could not know that until he had tasted her. After he had eaten a piece of her, he signaled to Darwin that she was very good.
[ 25 ] Da haben wir noch ein Ich, das all dem, was im astralischen Leib an Begierden lebt, folgt. Das Ich hängt da wie an Ketten und wird von den Begierden des Astralleibes nachgeschleppt. Der europäische Durchschnittsmensch sagt sich bei gewissen Instinkten und Trieben: Denen darfst du nicht folgen.
[ 25 ] There is another “I” that follows all the desires that live in the astral body. This “I” hangs there as if in chains and is dragged along by the desires of the astral body. When faced with certain instincts and drives, the average European tells himself: “You must not follow them.”
[ 26 ] Vergleichen wir den Durchschnittsmenschen mit Schiller. Er unterscheidet sich von dem Durchschnittsmenschen dadurch, dass er manche Instinkte und Begierden umgewandelt hat in höhere Eigenschaften. Der Heilige hat gar nichts mehr von Begierden, über die er nicht Herr geworden ist. Bei dem astralischen Leibe eines fortgeschrittenen Menschen können wir zwei Teile unterscheiden, einen Teil, den das Ich veredelt hat, und einen Teil, der noch nicht umgewandelt ist. Den umgewandelten Teil des Astralleibes nennen wir Manas oder Geistselbst, das fünfte Glied der menschlichen Wesenheit. So ist der Mensch imstande, aufgrund der vier Glieder der menschlichen Wesenheit ein fünftes im Laufe seiner Vervollkommnung zu erzeugen. Ja, er ist imstande, ein sechstes zu erzeugen. Er kann nicht nur umgestalten den Astralleib, sondern auch den Äther- oder Lebensleib. Wir wollen uns erinnern an das Lebensalter von sieben oder acht Jahren, und was wir dazu gelernt haben seit jener Zeit. Jeder hat natürlich ungeheuer viel dazu gelernt. Alles das wirkt umgestaltend auf den astralischen Leib, verändert den Astralleib. Wenn wir aber mit sieben oder acht Jahren ein jähzorniges oder melancholisches Kind waren, so prüfen wir einmal, ob dieser Jähzorn oder diese Melancholie sich geändert haben. Etwas davon wird auch im späteren Alter gewöhnlich noch auftauchen. Schopenhauer meint daher, die Eigenschaften ändern sich gar nicht. Aber das ist nicht so. Sie ändern sich nur langsam. Wenn der Astralleib sich ändert, wie der Minutenzeiger an der Uhr vorrückt, so ändern sich im Vergleich dazu Temperamente und Charakter, die Gewohnheiten, wie der Stundenzeiger der Uhr vorrückt, weil der Ätherleib der Träger davon ist.
[ 26 ] Let us compare the average person with Schiller. He differs from the average person in that he has transformed certain instincts and desires into higher qualities. The saint no longer has any desires over which he has not gained mastery. In the astral body of an advanced human being, we can distinguish two parts: one part that the “I” has ennobled, and one part that has not yet been transformed. We call the transformed part of the astral body “Manas” or the “spiritual self,” the fifth member of the human being. Thus, on the basis of the four members of the human being, a person is capable of generating a fifth in the course of his or her perfection. Indeed, he or she is capable of generating a sixth. He or she can transform not only the astral body but also the etheric or life body. Let us recall the age of seven or eight and what we have learned since that time. Of course, everyone has learned an immense amount since then. All of this has a transforming effect on the astral body, changing it. But if, at the age of seven or eight, we were a quick-tempered or melancholic child, let us examine whether that quick temper or that melancholy has changed. Some aspect of it will usually still surface in later life. Schopenhauer therefore believes that these traits do not change at all. But that is not the case. They simply change slowly. As the astral body changes—like the minute hand of a clock moving forward—so too do temperaments, character, and habits change in comparison, like the hour hand of the clock moving forward, because the etheric body is the carrier of these traits.
[ 27 ] Es gibt etwas im gewöhnlichen Leben, wodurch der Mensch seinen Ätherleib verwandeln kann. Solche Impulse sind die der wahren Kunst, die uns in Form, Farbe und Ton das Göttliche ahnen lässt. Diese Kunst wirkt umgestaltend auf dasjenige, was im Ätherleib wirksam ist. Darauf wirkt auch umgestaltend alles das, was in den religiösen Impulsen der Menschheit gegeben wird. Wenn zum Beispiel die religiösen Impulse im Gebet jeden Tag durch die Seele ziehen, dann wirken sie durch die Wiederholung im Äther- oder Lebensleib. Dass der Ätherleib das Prinzip der Wiederholung vertritt, das können wir beobachten, wo es noch ungetrübt wirkt, draußen an der Pflanze. Immer wieder nimmt sie ihre Kraft zusammen und entfaltet Blatt für Blatt. Tut das der Mensch mit etwas, was seine Seele packt, dass er immer wieder sich davon durchzichen lässt, so wirken die Impulse so auf seinen Äther- oder Lebensleib, wie der Ätherleib der Pflanze wirkt, die Blatt an Blatt hervortreibt. Die Kräfte des umgestalteten Lebensleibes nennen wir Lebensgeist oder die Budhi.
[ 27 ] There is something in everyday life through which a person can transform their etheric body. Such impulses are those of true art, which, through form, color, and sound, allow us to sense the divine. This art has a transforming effect on that which is active in the etheric body. Everything contained in humanity’s religious impulses also has a transformative effect on it. When, for example, religious impulses flow through the soul every day in prayer, they take effect in the etheric or life body through repetition. We can observe that the etheric body embodies the principle of repetition where it still functions undisturbed—out in the plant world. Time and again, the plant gathers its strength and unfurls leaf after leaf. If a human being does the same with something that grips his soul—allowing himself to be permeated by it again and again—then these impulses act upon his etheric or life body in the same way that the etheric body of the plant acts as it drives forth leaf after leaf. We call the forces of the transformed life body the life spirit or buddhi.
[ 28 ] Wenn der Mensch in die sogenannte Geheimschulung aufgenommen wird, wodurch er noch intensiver wirken kann auf sein Inneres, durch bedeutsame Impulse, dann wirkt er noch stärker auf den Äther- oder Lebensleib, sodass er die Erweckung erleben kann. Für den Ätheroder Lebensleib ist die Umänderung der Gewohnheiten wichtiger als alles Lernen. Für die eigentliche geheimwissenschaftliche Schulung hat man unendlich viel getan, wenn man sich die geringste Gewohnheit bewusst abgewöhnt. Der Mensch kann auch lernen, die stärkste Kraft des Geistes zu entwickeln, durch die er die niedere Kraft des physischen Leibes überwindet. Anfangen wird dieser Prozess mit einer Regulierung des Atmungsprozesses. Wenn er diesen Prozess regulieren kann, dann beginnt er umzubilden das Prinzip des physischen Leibes. Diesen umgewandelten Teil des Prinzips des physischen Leibes nennt man Geistesmensch oder Atman, weil Atma das Atmen bedeutet. Er gestaltet so die drei Glieder der höheren Wesenheit heraus; das fünfte Glied, Manas, ist der umgestaltete Astralleib, das sechste Glied, Budhi, ist der umgestaltete Ätherleib; das siebente Glied, Atman, ist der umgestaltete physische Leib. Beim gewöhnlichen Menschen sind die vier Glieder vollständig vorhanden, die drei höheren Glieder je nach dem Grade der Entwicklung ausgestaltet. Diese sieben Glieder des Menschen umschließen das Vergängliche bei ihm, aber sie umschließen auch das Ewige. Die Anordnung, die genannt wurde, ist die, wie wir sie haben zwischen Geburt und Tod. Wenn der Mensch die Pforte des Todes durchschreitet, dann ändert sich diese Anordnung. Wenn wir hineinschauen in das Geheimnis des Todes, dann löst sich uns auch das Rätsel des Lebens.
[ 28 ] When a person is admitted to what is known as esoteric training—which enables them to influence their inner being even more intensely through significant impulses—they exert an even stronger influence on the etheric or life body, so that they can experience its awakening. For the etheric or life body, changing one’s habits is more important than any kind of learning. For the actual esoteric training, one has done an immeasurable amount by consciously breaking even the smallest habit. A person can also learn to develop the strongest power of the spirit, through which they overcome the lower power of the physical body. This process begins with regulating the breathing process. Once one can regulate this process, one begins to transform the principle of the physical body. This transformed part of the principle of the physical body is called the spiritual human or Atman, because Atma means “breathing.” In this way, one shapes the three members of the higher being; the fifth member, Manas, is the transformed astral body; the sixth member, Budhi, is the transformed etheric body; the seventh member, Atman, is the transformed physical body. In the ordinary human being, the four members are fully present, and the three higher members are developed to varying degrees. These seven members of the human being encompass what is transitory in him, but they also encompass what is eternal. The arrangement described above is the one we have between birth and death. When a person passes through the gate of death, this arrangement changes. When we look into the mystery of death, the riddle of life is also unraveled for us.
[ 29 ] Was hierbei immer festgehalten werden muss, ist die Aufgabe, die die Theosophie hat. Sie soll nicht bloß eine Neugierde oder Wissbegierde befriedigen, sondern den Menschen dazu führen, dass das, was er durch sie gewinnt, zu inneren Impulsen wird für das Leben selbst. Die großen Lebensrätsel soll sie uns lösen. Haben wir den Ausblick auf das geistige Leben, dann erwächst aus dieser Einsicht Kraft und Sicherheit für das ganze Leben. Wissen und Erkenntnis ist das, was uns auf den Weg führen soll, aber Kraft sollen wir aus dem Wissen und der Erkenntnis gewinnen. Ein Mensch, dem die Erkenntnis der übersinnlichen Welten fehlt, wird arbeitsuntüchtig, zukunftsunsicher. Das aber, was sich aus der Theosophie ergeben soll, das sollen sein Kräfte für ein gesundes, arbeitstüchtiges, hoffnungsfreudiges und zielsicheres Leben.
[ 29 ] What must always be kept in mind here is the mission of theosophy. It is not meant merely to satisfy curiosity or a thirst for knowledge, but to lead people so that what they gain through it becomes an inner impulse for life itself. It is meant to solve the great mysteries of life for us. When we have a perspective on spiritual life, strength and security for our entire existence arise from this insight. Knowledge and understanding are what are meant to guide us on our path, but we are to draw strength from that knowledge and understanding. A person who lacks insight into the supersensible worlds becomes incapable of work and uncertain about the future. But what is to result from theosophy should be the strength for a healthy, productive, hopeful, and purposeful life.
