The Nature of Man
in the Light of Spiritual Science
GA 68d
6 February 1908, Karlsruhe
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The Nature of Man in the Light of Spiritual Science, tr. SOL
19. Der Lebenslauf des Menschen vom geheimwissenschaftlichen Standpunkt
19. The Course of Human Life from the Perspective of Esoteric Science
[ 1 ] Wenn von Theosophie oder theosophischer Weltanschauung die Rede ist, dann wird wohl oft gedacht: Ach, da haben wir es mit irgendetwas zu tun, das in weltentlegene Gedankengebiete führt, wir haben es mit irgendetwas zu tun, das uns in nebelhafte, phantastische Regionen führt. Jedenfalls haben viele Menschen die Vorstellung, dass Theosophie oder, wie wir auch sagen können im wahren Sinne des Wortes, Geisteswissenschaft, dass Theosophie oder Geisteswissenschaft für praktische Menschen, für solche Menschen, die ganz darinnenstehen im Leben, dass sie für sie nichts sei!
[ 1 ] When people speak of Theosophy or the Theosophical worldview, they often think: “Oh, this must be something that leads into remote realms of thought; it must be something that takes us into nebulous, fantastical regions.” In any case, many people have the notion that Theosophy—or, as we might also say in the true sense of the word, spiritual science—is of no use to practical people, to those who are fully immersed in life!
[ 2 ] Nun, meine verehrtesten Anwesenden, derjenige aber, der sich tiefer einlässt auf das, was Theosophie oder Geisteswissenschaft zu geben hat, und dann vermag, das Leben, unser unmittelbares Dasein auch im Lichte dieser Geisteswissenschaft zu sehen, der wird bald bemerken können, wie diese Theosophie etwas ist, das zur rechten, wahren Lebenspraxis führt, wie sie ist nicht bloß irgendein theoretisches Wissen, irgendeine Spekulation, sondern etwas, das den Menschen tüchtig, arbeitsfähig macht im Leben, hoffnungsfreudig, zuversichtlich, ja gesund macht, weil sie unmittelbar uns das alltägliche Leben - wenn wir von den richtigen Gesichtspunkten ausgehen — verständlich macht, durchschaubar macht.
[ 2 ] Well, my most esteemed audience, but whoever delves more deeply into what Theosophy or spiritual science has to offer, and is then able to view life—our immediate existence—in the light of this spiritual science, will soon be able to see how Theosophy is something that leads to the right, true way of living; how it is not merely some theoretical knowledge, or mere speculation, but something that makes a person capable and able to work in life, full of hope, confident, and indeed healthy—because it makes our everyday life immediately understandable and transparent to us, provided we approach it from the right perspective.
[ 3 ] Dieses alltägliche Leben bietet uns ja wahrhaftig Rätsel genug. Lösen können wir uns diese Rätsel nur dann, wenn wir das imstande sind aufzufassen, was hinter den sinnlichen Erscheinungen liegt, wenn wir imstande sind, uns zu erheben zu der Welt übersinnlicher Tatsachen. Die wenigen Male, die es mir gestattet war, hier in dieser Stadt vor Ihnen zu sprechen von theosophischen Angelegenheiten, die haben die damaligen Zuhörer ja schon bekannt gemacht mit dem, was aller theosophischen Weltanschauung zugrunde liegt. Daher soll hier nur kurz darauf hingedeutet werden.
[ 3 ] This everyday life truly presents us with enough mysteries. We can solve these mysteries only if we are able to comprehend what lies behind sensory phenomena, if we are able to rise to the world of supersensible realities. On the few occasions when I was permitted to speak to you here in this city about theosophical matters, I already familiarized the audience at that time with what underlies the entire theosophical worldview. Therefore, I shall only briefly allude to it here.
[ 4 ] Auf zwei Säulen, auf zwei Erkenntnisstützen ruht dasjenige, was man theosophische Weltanschauung nennt. Das ist erstens, dass sie den Menschen zeigt, dass es über unserer sinnlichen, über unserer physischen Welt eine übersinnliche, eine überphysische Welt gibt. Zweitens ist das, dass sie den Menschen bekannt macht damit, dass er selber eindringen kann - wenn er nur will — in diese übersinnlichen Gebiete, dass er seine Kräfte, seine Fähigkeiten herausholen kann aus seinem Innern.
[ 4 ] What is known as the theosophical worldview rests on two pillars, two foundations of knowledge. First, it shows people that there is a supersensible, a superphysical world beyond our sensory, physical world. Second, it makes people aware that they themselves can enter—if they so desire—these supersensory realms, and that they can draw their powers and abilities from within themselves.
[ 5 ] Damit allerdings stellt sich Theosophie gegenüber weit, weit verbreiteten Vorurteilen in der Gegenwart, aber wenn auch nicht von heute auf morgen, so werden doch im Laufe der Zeit immer mehr und mehr diese Vorurteile, von denen heute weite Kreise unserer gegenwärtigen Menschen ergriffen sind, sie werden schwinden.
[ 5 ] Thus, however, theosophy faces widespread prejudices in the present day; yet, even if not overnight, these prejudices—which currently grip broad segments of our society—will gradually fade away over time.
[ 6 ] Viele sagen doch heute: Von übersinnlichen Welten, von einem geistigen Hintergrunde des Daseins zu sprechen, das geziemt sich nimmermehr für unsere aufgeklärte Zeit, für unsre Zeit der großen wissenschaftlichen Errungenschaften ... in den Kindheitskulturen der Menschheit, da, wo noch die Phantasie gewaltet hat, da war es, wo die Menschen träumten — so sagt man wohl — von übersinnlichen Tatsachen, von übersinnlichen Erscheinungen hinter unserer sinnlichen Welt; jetzt aber sind wir daran, dass die Wissenschaft mit ihren Werkzeugen, mit ihren Methoden uns die Welt — wie man so meint — in ihrem natürlichen, gesetzmäßigen Zusammenhang klarmacht und es nicht nötig erscheinen lässt, irgendetwas hinter dem, was man sieht und was der Verstand begreifen kann, vorauszusetzen, und viele unserer Zeitgenossen dünken sich wohl recht aufgeklärt, wenn sie alles, alles, was so hinter den Erscheinungen liegt, leugnen!
[ 6 ] Many people today say: To speak of supernatural worlds, of a spiritual backdrop to existence—that is utterly inappropriate for our enlightened age, for our age of great scientific achievements ... In humanity’s early cultures, where imagination still reigned, that was where people dreamed—so they say—of supernatural realities, of supernatural phenomena beyond our sensory world; but now we have reached the point where science, with its tools and methods, makes the world clear to us—as is commonly believed—in its natural, law-governed context, and makes it seem unnecessary to assume anything beyond what one sees and what the intellect can grasp; and many of our contemporaries consider themselves quite enlightened when they deny everything everything that lies beyond appearances!
[ 7 ] Da berühren wir die Frage: In welchem Sinne redet denn Theosophie von übersinnlichen Welten? Nicht in dem Sinne, als ob diese übersinnlichen jenseitigen Welten irgendwo in einem Wolkenkuckucksheim lägen, sondern in einem ganz selbstverständlichen Sinne, in einem völlig logischen Sinne redet Theosophie von anderen höheren Welten als diejenige ist, die unseren Sinnen zugänglich ist, in demselben Sinne redet Theosophie von diesen höheren Welten, wie ein deutscher Philosoph, Johann Gottlieb Fichte von diesen Welten gesprochen hat, als er auf der Höhe seines Denkens stand: 1809 zum Beispiel vor seinen Zuhörern in Berlin. Damals sagte er: «Ich habe Ihnen etwas zu sagen über Welten, die jenseits der gewöhnlichen sinnlichen Welt liegen, die daher auch nicht wahrgenommen werden können mit den gewöhnlichen physischen Sinnen.» Daher kann auch derjenige, welcher nur will eine Welt anerkennen, welche den physische Sinnen gegeben ist, der kann leicht alles, was man über übersinnliche Welten sagen kann, für Phantastik halten. Doch — nicht ich, sondern Fichte sagte dazumal so — denken Sie sich, sie gehen durch eine Welt von lauter Blinden als ein einziger Sehender und Sie erzählen diesen Blinden von der Welt der Farben, von der Welt des Lichts. Wenn sie wollen, so können jene auch sagen: Alles das, was ihr mir da erzählt von Farbe und Licht, das ist leere Träumerei, eine bloße Phantastik ...
[ 7 ] This brings us to the question: In what sense does Theosophy speak of supersensible worlds? Not in the sense that these supersensible, otherworldly realms are located somewhere in a fantasy world, but in a perfectly natural sense, in a completely logical sense, Theosophy speaks of other, higher worlds than the one accessible to our senses; in the same sense, Theosophy speaks of these higher worlds as a German philosopher, Johann Gottlieb Fichte spoke of these worlds when he was at the height of his intellectual powers: in 1809, for example, before his audience in Berlin. At that time he said: “I have something to tell you about worlds that lie beyond the ordinary sensory world, which therefore cannot be perceived by the ordinary physical senses.” Therefore, anyone who is willing to acknowledge only a world accessible to the physical senses may easily regard everything said about supersensible worlds as mere fantasy. But—as Fichte said at the time, not I—imagine that you are walking through a world of nothing but blind people as the only one who can see, and you are telling these blind people about the world of colors, about the world of light. If they wish, those people can also say: “Everything you’re telling me about color and light is empty daydreaming, mere fantasy...”
[ 8 ] ... und wir können nun anknüpfen an Johann Gottlieb Fichtes Gedanken und können sagen: Nehmen wir an, ein Blindgeborener werde hier in unserem Saal hereingeführt und wir wären imstande, hier ihn zu operieren, ihm das Augenlicht zu geben. Was vorher um ihn herum war, was Sie alle sehen können mit physischen Augen, Licht und Farbe, für ihn war das nicht da, für ihn war die Welt nur, was seinem Tastsinn und den andern Sinnen gegeben war. Jetzt aber, wo er operiert ist, treten stückweise heraus aus dem öden Dunkel und der Finsternis Licht und Farbe und Glanz; sie waren um ihn, für ihn geworden sind sie aber erste eine Welt, nachdem er die Organe dafür hatte.
[ 8 ] ... and we can now build on Johann Gottlieb Fichte’s ideas and say: Let us suppose that a person born blind were led into this hall and we were able to perform surgery on him here to restore his sight. What was around him before—what you can all see with your physical eyes, light and color—did not exist for him; for him, the world was only what was accessible to his sense of touch and his other senses. But now that he has undergone the operation, light, color, and brilliance are gradually emerging from the barren darkness and gloom; they were always around him, but for him they have only now become a world, now that he possesses the organs to perceive them.
[ 9 ] Nicht jeder physisch Blinde kann operiert werden, aber bei jedem Menschen ist es möglich, dass die in ihm schlummernden Fähigkeiten und Kräfte — was Goethe «geistige Augen» nennt - erweckt werden, dass ihm das erschlossen wird, dass das sich selbst erschließt bei entsprechendem Verhalten, und er wird gewahr eine Erweckung höherer Art, glanzvollerer Art, als diejenige ist, durch welche der Blindgeborene eine neue Welt auf sich eindringen sieht, wenn er operiert wird.
[ 9 ] Not every physically blind person can undergo surgery, but it is possible for every human being to awaken the abilities and powers that lie dormant within them—what Goethe calls “spiritual eyes”—so that this is revealed to them, that it reveals itself through appropriate behavior, and they become aware of an awakening of a higher order, of a more resplendent nature, than that through which the person born blind sees a new world open up to them when they undergo surgery.
[ 10 ] Wer kann logischerweise denn leugnen, dass um uns herum Welten sind, die die Sinne nicht wahrnehmen können? Logischerweise kann das niemand! Logischerweise kann jemand nur eine Aussage machen über das, was er sieht und wahrnimmt, niemals über das, was er nicht wahrnimmt. Aber immer hat es in der Welt Menschen gegeben, und auch heute gibt es Menschen, die diese in unserem Inneren schlummernden Fähigkeiten und Kräfte erweckten und die wissen, dass es um uns herum geistige Welten gibt, aus ihrer eigenen Erfahrung heraus, wissen von Welten, die wirksam sind und deren Kräfte hereinwirken in unserer Welt.
[ 10 ] Logically speaking, who can deny that there are worlds around us that the senses cannot perceive? Logically, no one can! Logically, a person can only make a statement about what they see and perceive, never about what they do not perceive. But there have always been people in the world—and even today there are people—who have awakened these abilities and powers slumbering within us and who know, from their own experience, that there are spiritual worlds around us—worlds that are active and whose forces influence our world.
[ 11 ] Und von diesen Welten spricht Geisteswissenschaft, Theosophie - Geheimwissenschaft nennen wir sie nur, weil der Mensch die in ihm schlummernden Kräfte erst aufwecken muss, um zu ihr zu gelangen und weil bis dahin ihm all das verborgen bleibt, aber wenn er ein Bürger dieser Welten wird, wenn ihm aufgehen die geistigen Lichter um uns herum, dann ragen für ihn herein in dieses Leben Wesenheiten, die er erst jetzt erkennen kann, die ihn ... und er gelangt so zu Erkenntnissen, die ihn erst im ganzen Sinne arbeitstüchtig, arbeitskräftig machen.
[ 11 ] And it is of these worlds that spiritual science and theosophy speak—we call them “esoteric sciences” only because human beings must first awaken the powers slumbering within them in order to attain them, and because until then all of this remains hidden from them, but when he becomes a citizen of these worlds, when the spiritual lights around us dawn upon him, then beings emerge into this life for him—beings he can only now recognize, beings that... and in this way he attains insights that make him, in the fullest sense, capable of work and full of vitality.
[ 12 ] Das wird sich uns jetzt zeigen, wenn wir vom Standpunkte dieser übersinnlichen Erkenntnis aus nicht irgendetwas Fernliegendes, sondern unseren ganzen menschlichen Lebenslauf betrachten, das Alltäglichste, was es für uns gibt. Da werden wir sehen, wie wir diese Geisteswissenschaft anwenden können.
[ 12 ] This will become clear to us now when, from the standpoint of this supersensible knowledge, we consider not some distant matter but our entire human life course—the most everyday aspects of our existence. There we will see how we can apply this spiritual science.
[ 13 ] Meinetwegen kann jemand kommen und sagen: Da gibt es solche verdrehte Köpfe, Querköpfe, die nennen sich Theosophen und bringen da allerlei verwirrtes Zeug, mögen sie das für sich behalten, das geht einen vernünftigen Menschen nichts an! Gut, er mag danach handeln!
[ 13 ] As far as I'm concerned, someone can come along and say: “There are these twisted minds, these mavericks, who call themselves Theosophists and spout all sorts of confused nonsense; let them keep that to themselves—it's none of a sensible person's business!” Well, let him act on that!
[ 14 ] Nun gibt es aber einen anderen Standpunkt, der sich sagt: Nun, wir wollen einmal — da die Sachen doch nicht so ganz unvernünftig ausschauen — einmal probieren, das Leben so zu leben, im Leben so zu arbeiten, als wenn diese Voraussetzungen richtig wären, und wenn sie sich im Leben bewähren, dann lässt sich mit ihnen reden. Dieses ist durchaus ein gesunder Standpunkt und gerade die heutige Frage wird es uns möglich machen, eine solche Art von Bewahrheitung, von Beweis für die theosophische Grundvoraussetzung zu finden, wenn wir das, was im Vortrag enthalten ist, ins Leben einzuführen suchen.
[ 14 ] However, there is another point of view that says: Well, since these ideas don’t seem entirely unreasonable, let’s try—for once—to live our lives and work as if these premises were true, and if they prove themselves in practice, then we can engage with them. This is certainly a sound point of view, and today’s topic in particular will enable us to find such a kind of validation—such proof—of the theosophical premise if we seek to put into practice what is contained in this lecture.
[ 15 ] Wir müssen da nun allerdings einen kurzen Blick auf die Wesenheit des Menschen im theosophischen oder geheimwissenschaftlichen Sinne zuerst werfen.
[ 15 ] However, we must first take a brief look at the nature of the human being in the theosophical or esoteric sense.
[ 16 ] Wenn wir von diesem Gesichtspunkte aus den Menschen betrachten, so erscheint uns das, was die Sinne sehen können, was Augen sehen, Hände greifen können, ... das erscheint uns nur als ein Teil, ein Glied der gesamten menschlichen Wesenheit ... und das, dieses nennen wir im geisteswissenschaftlichen Sinne des Menschen physischen Leib.
[ 16 ] When we view human beings from this perspective, what the senses can perceive—what the eyes see, what the hands can grasp—... all of this appears to us as only a part, a component of the entire human being ... and this is what we call the physical body in the spiritual-scientific sense of the human being.
[ 17 ] Diesen physischen Leib hat der Mensch gemeinschaftlich mit allen um ihn herum liegenden scheinbar leblosen Wesenheiten; dieselben Stoffe und Kräfte, die draußen in den leblosen Mineralien sind, sie finden wir auch im physischen Menschenleib, aber in diesem physischen Menschenleib — überhaupt in dem Leibe eines jeden Lebewesens — sind diese Stoffe und Kräfte, die wir in der mineralischen Welt finden, so kompliziert zusammengefügt, so kompliziert ineinandergewebt, dass der physische Leib eines Lebewesens, wenn er nur den physischen Stoffen und Kräften überlassen ist, dass er dann in sich selbst zerfällt.
[ 17 ] Human beings share this physical body with all the seemingly lifeless entities surrounding them; the same substances and forces that are found outside in lifeless minerals are also found in the human physical body, but in this physical human body—indeed, in the body of every living being—these substances and forces that we find in the mineral world are so intricately assembled, so intricately interwoven, that the physical body of a living being, if left solely to the physical substances and forces, would disintegrate within itself.
[ 18 ] Was auch eine bloß materialistisch denkende Weisheitsart sagen mag - der Theosoph weiß ganz gut, was sie sagen kann —, was sie auch sagen mag: In dem physischen Leibe eines jeden Lebewesens ist eingebettet ein Prinzip, logisch für denjenigen, der diese Dinge nur philosophisch zu betrachten vermag, wahrnehmbar für den, der die höheren Fähigkeiten, die geistigen Augen — wie Goethe sagt — ausgebildet hat, das ist das zweite Glied der menschlichen Wesenheit, das wir bezeichnen als den Lebensleib oder Ätherleib. Demjenigen, der materialistisch denkt, ist er natürlich ein Nichts, man kann das gut begreifen. ...
[ 18 ] Whatever a purely materialistic school of thought may say—the Theosophist knows full well what it can say—whatever it may say: Embedded in the physical body of every living being is a principle—logical to those who are able to view these things solely from a philosophical perspective, perceptible to those who have developed the higher faculties, the “spiritual eyes,” as Goethe says—that is the second member of the human being, which we designate as the life body or etheric body. To those who think materialistically, it is, of course, nothing; that is easy to understand. ...
[ 19 ] Dasjenige, was für den, der die Dinge durchschaut, dieser Äther- oder Lebensleib ist, ist in jedem Augenblicke in uns ein Kämpfer gegen einen Zerfall des physischen Leibes. In Ihnen allen ist dieser Lebensleib ein Kämpfer, der die physischen Stoffe und Kräfte abhält davon, dass sie ihren eigenen Gesetzen folgen. In dem Augenblicke, wo der Tod eintritt, da trennt sich der physische Leib von dem Ätherleib, dann folgt der physische Leib seinen eigenen Stoffen und Kräften, dann ist er Leichnam, dann zerfällt er. So haben wir bei jedem Lebewesen dieses zweite Glied, den Ätherleib, den der Mensch also mit allen Pflanzen und Tieren gemeinschaftlich hat.
[ 19 ] What, to those who see through things, is this etheric or life body is, at every moment, a fighter within us against the decay of the physical body. Within all of you, this life body is a fighter that prevents the physical substances and forces from following their own laws. At the moment death occurs, the physical body separates from the etheric body; then the physical body follows its own substances and forces, and it becomes a corpse and decays. Thus, every living being possesses this second component, the etheric body, which humans share with all plants and animals.
[ 20 ] Das dritte Glied ist der sogenannte Astralleib ... Auch dieser ist wiederum eine Tatsache für den geistigen Seher. Aber eine logische Vorstellung können Sie sich davon machen, wenn Sie sich Folgendes überlegen, wenn Sie sich den Menschen, der vor Ihnen steht, betrachten, so haben Sie da vor sich nicht nur das, was Sie als physischen Körper mit Ihren physischen Sinnen wahrnehmen können, nicht nur das, was als Äther- und Lebensleib diesen physischen Körper stetig vor dem Zerfall bewahrt ... sondern da in diesem Raume vor Ihnen ist noch etwas anderes: Etwas ist in ihm, das vielen Menschen viel nähersteht als der physische Leib und der Ätherleib. Die Einzelheiten des physischen Leibes, was wissen viele Menschen davon ... aber etwas ist es, was dem einfachsten Menschen nahe, unendlich nahesteht, viel näher als sein physischer Leib, das ist die Summe von Lust und Leid, von Freude und Schmerz, von Trieb, Begierden und Leidenschaften. Die Summe aller Empfindungen, die auf- und abwogen in der Seele, das, was wir Menschen Innenleben — oder menschliches Innenleben - nennen. Und den Träger dieses menschlichen Innenlebens, den nennen wir in der Geisteswissenschaft den astralischen Leib, den hat der Mensch nicht mehr gemeinschaftlich mit den Pflanzen und Mineralien, den hat er nur noch gemeinschaftlich mit der Tierwelt. So lange man der Anschauung ist, dass dieser astralische Leib, oder wollen wir alltäglich reden: dass Trieb, Begierden und Leidenschaften, Gefühle und Instinkte und die auf- und abflutenden Empfindungen, dass die nur hervorgerufen seien von dem physischen Leibe ...
[ 20 ] The third member is what is known as the astral body ... This, too, is a reality for the spiritual seer. But you can form a logical conception of it if you consider the following: when you look at the person standing before you, what you see is not only what you can perceive as the physical body with your physical senses, not only what, as the etheric and life bodies, constantly preserves this physical body from decay... but there is something else in that space before you: There is something within him that is much closer to many people than the physical body and the etheric body. As for the details of the physical body, what do many people know about them… but there is something that is close—infinitely close—to even the simplest person, much closer than his physical body; that is the sum of pleasure and suffering, of joy and pain, of instincts, desires, and passions. The sum of all sensations that ebb and flow in the soul—what we humans call inner life, or human inner life. And the vessel of this human inner life—which we in spiritual science call the astral body—is something that humans no longer share with plants and minerals; they share it only with the animal kingdom. As long as one holds the view that this astral body—or, to put it in everyday terms: that drives, desires, and passions, feelings and instincts, and the ebbing and flowing sensations—are caused solely by the physical body...
[ 21 ] In dem Augenblick erst hat man ein Recht zu sprechen davon ... wo man nicht in dem physischen und nicht in dem Ätherleib das Ursprüngliche sieht, sondern gerade in diesem astralischen Leibe das Ursprüngliche ...
[ 21 ] Only then does one have the right to speak of it ... when one sees the original not in the physical body nor in the etheric body, but precisely in this astral body ...
[ 22 ] Es würde uns heute zu weit führen, vollständig — wir haben heute ein anderes Ziel — zu zeigen dass der physische Leib und der Ätherleib sich zu diesem astralischen Leibe verhalten wie zum Beispiel das Eis sich verhält zum Wasser .
[ 22 ] It would take us too far afield today to show in full—we have a different goal today—that the physical body and the etheric body relate to this astral body in the same way, for example, that ice relates to water.
[ 23 ] Wenn ein Kind kommt und zeigt ihnen ein Stück Eis und Sie sagen ihm: Das ist Wasser in fester Form, so wird das Kind das vielleicht nicht gleich einsehen, und Sie werden ihm in irgendeiner Weise klarmachen müssen, dass das Eis Wasser in anderer Form ist.
[ 23 ] If a child comes up to you and shows you a piece of ice, and you tell the child, “That's water in its solid form,” the child might not understand right away, and you'll have to explain to the child in some way that ice is water in a different form.
[ 24 ] Wie das Kind nicht weiß vielleicht, dass Eis nur Wasser in anderer Form ist, so weiß derjenige, der vom materialistischen Gesichtspunkt aus diese Dinge zu betrachten gewohnt ist, aber noch nicht, dass der physische Leib und Ätherleib nur im Grunde genommen, sagen wir, verdichtet gesprochen, verdichtet ist, herauskristallisiert ist aus diesem geistigen Träger von Lust und Leid, Freude und Schmerz, Trieb, Begierden und Leidenschaften und Empfindungen.
[ 24 ] Just as a child may not know that ice is merely water in another form, so too does the person who is accustomed to viewing these things from a materialistic perspective not yet realize that the physical body and the etheric body are, in essence—to put it, so to speak, in condensed terms—condensed and crystallized from this spiritual vehicle of pleasure and suffering, joy and pain, instincts, desires, passions, and sensations.
[ 25 ] Alles, was physisch ist, wird seinem Stoffe nach aus dem Geistigen heraus erzeugt, sagen wir, verdichtet, herauskristallisiert.
[ 25 ] Everything that is physical is, in terms of its substance, produced—let us say, condensed or crystallized—from the spiritual.
[ 26 ] ... Sie bekommen eine Vorstellung davon ... wenn Sie das als eine kleine theoretische Abschlagszahlung für das nehmen, was Ihnen die Geisteswissenschaft allmählich umfassend zeigt. Nehmen Sie einmal die ganz einfachen zwei Erscheinungen, die der Mensch in sich erlebt: Das Schamgefühl oder das Gefühl, das sich ergibt, wenn irgendetwas in unserer Nähe den Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Angst und Schrecken machen ihn erbleichen, sein Blut nimmt ganz bestimmte Bewegungen an, es verändert sich im Leibe, es geht, wenn wir so sagen dürfen, von der Außenfläche nach dem Mittelpunkte. Das Gegenteil geschieht beim Schamgefühl ...
[ 26 ] ... You’ll get an idea of this ... if you take this as a small theoretical down payment on what spiritual science will gradually reveal to you in its entirety. Consider, for example, the two very simple phenomena that a person experiences within themselves: The feeling of shame, or the feeling that arises when something in our vicinity fills a person with fear and terror. Fear and terror make him turn pale; his blood takes on very specific movements; it changes within the body, flowing—if we may put it that way—from the outer surface toward the center. The opposite happens with the feeling of shame ...
[ 27 ] So haben wir einen äußeren physischen Vorgang unter dem Einfluss seelischer Erregungen.
[ 27 ] Thus, we have an external physical process influenced by mental states.
[ 28 ] Das ist etwas Kleines, das Ihnen zeigt, wie man Wirkungen im Materiellen aus dem Geistigen heraus sehen kann. Denken Sie sie sich gesteigert bis zu dem Vorgange, wo aufgebaut wird aus dem Geistigen das äußere Physische ... das Materielle selbst, das Physische, dann haben Sie das, wozu Sie allerdings nicht in einem Augenblick, aber in geduldigem Lernen ... die Geisteswissenschaft immer mehr und mehr befestigen und führen wird können,
[ 28 ] This is a small example that shows you how to perceive effects in the material world as arising from the spiritual realm. Imagine this process intensified to the point where the outer physical world is built up from the spiritual... the material itself, the physical—then you will have what, though not in an instant, but through patient learning... spiritual science will be able to increasingly consolidate and guide you toward,
[ 29 ] Jetzt aber gibt es eines, wodurch der Mensch hinausragt über all die um ihn herum befindlichen sichtbaren irdischen Geschöpfe. Auf dieses kommen wir, wenn wir eine ganz einfache Tatsache der menschlichen Erfahrung genau studieren, auf die nur meist nicht richtig gedeutet und geachtet wird; Sie kommen darauf, um was es sich da handelt, wenn Sie eine ganz einfache Betrachtung mit mir durchmachen, die allerdings etwas subtil ist.
[ 29 ] But there is one thing that sets human beings apart from all the visible, earthly creatures around them. We arrive at this when we closely study a very simple fact of human experience—one that is usually not properly interpreted or appreciated; you will understand what this is all about if you go through a very simple exercise with me, one that is, admittedly, somewhat subtle.
[ 30 ] Zu dem Tisch kann jeder «Tisch» sagen, zu der Uhr jeder «Uhr», zu dem äußeren Gegenstand kann jeder den Namen, der ihm in der Sprache gegeben ist, aussprechen; nur einen Namen, einen kleinen Namen gibt es im Umkreis der deutschen Sprache, den nicht jeder aussprechen kann zu dem, den dieser Name bezeichnet.
[ 30 ] Anyone can say “table” for a table, “clock” for a clock, and anyone can say the name given to an external object in their language; yet there is one name—a single, small name—within the German language that not everyone can say to the thing that this name designates.
[ 31 ] Das ist der Name, der in dem Wörtchen «Ich» liegt. Nur einer kann «Ich» aussprechen, wenn dieses Ich das bedeuten soll, was es ist.
[ 31 ] That is the name contained in the little word “I.” Only one person can say “I” if that “I” is to mean what it is.
[ 32 ] Soll das «Ich» Sie selbst bedeuten, dann kann niemals jemand zu Ihnen «Ich» sagen. Jedem anderen sind Sie ein Du, jeder andere ist Ihnen ein Du! Soll das Wörtchen «Ich» Sie selbst bedeuten, dann muss es aus dem Innersten der Seele selbst heraustönen. Darum haben alle Religionen und Weltanschauungen ... die auf der Geisteswissenschaft gefußt haben ... dies kurze Wörtchen «Ich» den unaussprechlichen Namen Gottes genannt ... dass also diejenige Kraft im Innern diesen Namen aussprechen kann, die den Zugang zur Seele nicht nehmen kann durch äußere Sinne und Organe ... das wurde die göttliche Kraft, der Funke des Gottes, der in uns ist, genannt. ...
[ 32 ] If the word “I” is meant to refer to yourself, then no one can ever say “I” to you. To everyone else, you are “you,” and everyone else is “you” to you! If the little word “I” is meant to refer to yourself, then it must resound from the very depths of your soul. That is why all religions and worldviews ... that are based on spiritual science ... have called this little word “I” the unpronounceable name of God ... so that the inner force—which cannot access the soul through external senses and organs—can utter this name ... this has been called the divine power, the spark of God that is within us. ...
[ 33 ] Ja, ihr macht ja den Menschen zu einem Gotte, sagen da viele. ...
[ 33 ] “Yes, you're turning people into gods,” many say. ...
[ 34 ] Wer diesen Vorwurf macht, der kann sich an einem anderen Beflispiel] ... Ich habe aus dem großen, umfassenden Meere einen Wassertropfen herausgenommen und ich behaupte nun, dass dieser Tropfen gleicher Substanz und Wesenheit ist mit dem Meere, aber er ist nicht das ganze Meer ...
[ 34 ] Anyone who makes this accusation can consider another example] ... I have taken a drop of water from the vast, all-encompassing sea, and I now claim that this drop is of the same substance and essence as the sea, but it is not the entire sea ...
[ 35 ] Ebenso wenig macht der Theosoph das menschliche Ich zu einem Gotte, wenn er erklärt: Dieses «Ich» ist ein Tropfen, ein Funke der göttlichen Substanz. ... Dieses «Ich» und die ganze Summe von Kräften und Prinzipien, die den Menschen befähigt, in sich dieses Göttliche, diesen Gott, sprechen zu lassen, das nennen wir das vierte Glied der menschlichen Wesenheit, das macht den Menschen zur Krone der Erdenschöpfung. ... Dadurch unterscheidet er sich von allen übrigen Wesen der Erde. ...
[ 35 ] Nor does the Theosophist make the human “I” into a god when he declares: This “I” is a drop, a spark of the divine substance. ... This “I” and the entire sum of forces and principles that enable human beings to let this divine, this God, speak within them—this is what we call the fourth member of the human being, which makes human beings the crown of earthly creation. ... This is what distinguishes them from all other beings on Earth. ...
[ 36 ] So steht der Mensch vor uns als eine viergliedrige Wesenheit ... Auf die weiteren, höheren Glieder der Menschennatur wollen wir heute nicht eingehen. ... Heute genügt für uns diese Einteilung. ... Wenn wir diese Glieder der menschlichen Wesenheit betrachten und den Menschen anschauen, dann in seiner Entwicklung von der Geburt bis zum Tode, dann zeigt sich uns in der Geisteswissenschaft, dass keineswegs in gleicher Weise oder in den gleichen Zeiten sich diese einzelnen Glieder entwickeln. ...
[ 36 ] Thus, the human being stands before us as a fourfold entity ... We will not go into the further, higher aspects of human nature today. ... This classification is sufficient for us today. ... When we consider these aspects of the human being and observe the human being in his development from birth to death, spiritual science reveals to us that these individual aspects do not develop in the same way or at the same pace. ...
[ 37 ] Wenn wir den Menschen vor uns haben in irgendeinem Lebensalter, so haben wir ihn nicht so vor uns, dass diese vier Glieder fix und fertig in gleicher Art immer vor uns stehen. Wir verstehen den Menschen nur, wenn wir wissen, dass in den verschiedenen Lebensaltern die Entwicklung des Menschen in verschiedener Weise verläuft ... des Menschen geht ja ein vorgeburtliches Leben voraus ...
[ 37 ] When we look at a person of any age, we do not see them in such a way that these four stages always stand before us in a fixed and complete form. We can only understand a person if we realize that human development proceeds in different ways at different stages of life... after all, a person’s life is preceded by a prenatal existence...
[ 38 ] Wir wissen, dass, wenn der Mensch geboren wird, er ein Leben hinter sich hat im Leibe der Mutter, wo sein physischer Leib umschlossen war allseitig von dem physischen Mutterleib, wo alle Organe sich nach und nach so weit entwickelt haben, dass, wenn der Mensch das Licht der Welt erblickt, sein physischer Leib vorher geschützt war durch eine äußere leibliche Hülle ... die er nun abstreift ...
[ 38 ] We know that when a human being is born, he has already lived a life within his mother’s womb, where his physical body was completely enclosed by the physical womb, and where all his organs gradually developed to such an extent that, when he first sees the light of day, his physical body had previously been protected by an outer physical shell … which he now sheds …
[ 39 ] Wir sprechen dann von der äußeren physischen Geburt des Menschen, wenn der Mensch diese physische Hülle um sich herum abstreift, und sein physischer Leib den äußeren physischen Elementen übergeben wird. Vorher konnten nicht die Lichtstrahlen in die Augen dringen. Wären vorher unmittelbar diese Lichtstrahlen in seine Augen gedrungen, diese Augen hätten sich nicht zu den heutigen menschlichen Augen entwickeln können. ... Und so ist es mit allen Organen des Menschen. ... Dann erst kann er den äußeren Eindrücken und Einwirkungen unmittelbar ausgesetzt, übergeben werden, wenn diese seine Organe unter dem Schutze dieser Hülle reif geworden sind für solche Einwirkungen ...
[ 39 ] We speak of the outer physical birth of a human being when the person sheds this physical shell and his physical body is surrendered to the outer physical elements. Before that, the rays of light could not penetrate the eyes. If these rays of light had penetrated his eyes directly before that, those eyes would not have been able to develop into the human eyes we see today. ... And so it is with all of the human organs. ... Only then can a person be directly exposed to and subjected to external impressions and influences—once his organs have matured under the protection of this shell to the point where they are ready for such influences ...
[ 40 ] Nun spricht die Geisteswissenschaft auch noch von anderen Geburten des Menschen. ... Wenn der geistige Seher den Menschen nun betrachtet, wie er nach seiner physischen Geburt geboren ist, so sieht er zwar, wie der physische Leib den äußeren physischen Elementen übergeben ist ... noch nicht aber ist das zweite Glied der menschlichen Wesenheit da schon den äußeren Mächten, die eben auf den Ätherleib wirken, übergeben.
[ 40 ] Spiritual science also speaks of other births of the human being. ... When the spiritual seer now observes the human being as he is born after his physical birth, he sees, indeed, how the physical body is surrendered to the external physical elements ... but the second member of the human being is not yet surrendered to the external forces that act upon the etheric body.
[ 41 ] Das, was wir als den Ätherleib bezeichnet haben, das ist da noch umgeben von einer - allerdings ätherischen - Hülle ... und wir sprechen von einer zweiten Geburt, durch die er auch diese Ätherhülle abstreift. Der Mensch hat, wenn er physisch geboren wird, seinem Ätherleib nach noch eine Äthermutter um sich, die ihn schützt, und zwar schützt sie ihn bis zum Zahnwechsel, bis zu der Zeit, wo der Mensch die sogenannten Milchzähne verliert und allmählich seine eigenen Zähne erhält, um das siebte Jahr herum, da wird der Mensch seinem zweiten Gliede nach geboren; er streift die schützende Ätherhülle ab, wie bei der physischen Geburt die physische Mutterhülle. Wir werden gleich die volle Tragweite dieser geistigen Tatsachen kennenlernen.
[ 41 ] What we have referred to as the etheric body is still surrounded by a—albeit etheric—sheath … and we speak of a second birth, through which the human being also sheds this etheric sheath. When a human being is physically born, according to their etheric body, they still have an etheric mother around them who protects them; she protects them until their teeth change—until the time when the human being loses their so-called baby teeth and gradually receives their own teeth, around the age of seven—at which point the human being is born according to their second member; he sheds the protective etheric sheath, just as he sheds the physical mother’s sheath at physical birth. We will soon come to understand the full significance of these spiritual facts.
[ 42 ] Dann gibt es aber noch eine Geburt; die tritt deshalb ein, weil, wenn auch der Mensch mit dem Zahnwechsel etwa seinen Ätherleib frei bekommen hat für äußere Einwirkungen, er doch dann noch immer seinem astralischen Leibe, dem dritten Glied seiner Wesenheit nach, gleichsam von einer astralischen schützenden Mutterhülle umgeben ist, und zwar bis zur Geschlechtsreife.
[ 42 ] But there is still another birth; this occurs because, even though the human being has, through the change of teeth, freed his etheric body to external influences, he is still, as it were, surrounded by an astral protective motherly shell—his astral body, the third member of his being—until he reaches sexual maturity.
[ 43 ] Mit dieser Geschlechtsreife, etwa um das 14. bis 15. Lebensjahr, wird langsam auch diese weitere geistige Geburt vollzogen, das heißt, die astralische Mutterhülle abgestreift, und damit wird der astralische Leib des Menschen frei und kann den astralischen Einflüssen, ... die um ihn herum wirken, direkt ausgesetzt werden.
[ 43 ] With this sexual maturity, which occurs around the ages of 14 to 15, this further spiritual birth is also slowly accomplished—that is, the astral maternal sheath is shed—and thus the human astral body is set free and can be directly exposed to the astral influences... that are at work around him.
[ 44 ] Dann kommt später erst noch eine Zeit, wo in ähnlicher Art das, was wir das «Ich» nennen, geboren wird. ...
[ 44 ] Then, later on, there comes a time when, in a similar way, what we call the “I” is born. ...
[ 45 ] Verstehen kann man des Menschen Lebenslauf nur, und erzieherisch wirken kann man vernünftigerweise nur auf den Menschen, wenn man das alles im ausgiebigsten Maße kennt und anwendet. ...
[ 45 ] One can only understand a person’s life course, and one can only reasonably influence a person through education, if one knows and applies all of this to the fullest extent. ...
[ 46 ] Wollen wir nun zuerst einmal auf das aufsteigende Leben hinschauen. ...
[ 46 ] Let us first turn our attention to the ascending life. ...
[ 47 ] So kommen wir da auf ein wichtiges Feld menschlichen Wirkens, das der Erziehung und des Unterrichts. Das wollen wir betrachten und sehen, wie es sich uns darstellt, wenn wir den Menschen betrachten, seiner ganzen Natur und Wesenheit nach.
[ 47 ] This brings us to an important field of human activity: education and instruction. Let us consider this and see how it presents itself to us when we look at human beings in terms of their entire nature and essence.
[ 48 ] Wir wissen, dass der Mensch von der Zeit seiner physischen Geburt bis dahin, wo er die Zähne wechselt, eingehüllt ist von einer Ätherhülle, die er dann zurückstreift. Wenn wir das beobachten, dann werden wir uns sagen: Wir müssen all dasjenige, was direkte Wirkungen auf den Ätherleib oder Lebensleib sind, fernhalten, bis diese zweite Geburt geschehen ist.
[ 48 ] We know that from the time of a person’s physical birth until the time they lose their baby teeth, they are enveloped by an etheric sheath, which they then shed. When we observe this, we will say to ourselves: We must keep away everything that has a direct effect on the etheric body or life body until this second birth has taken place.
[ 49 ] Denn für den geistigen Seher ist es ebenso unsinnig, vor der Geburt des Ätherleibes mit seiner Äthermutterhülle direkte Einwirkungen auf diesen Ätherleib zu gestatten,
[ 49 ] For the spiritual seer, it is just as nonsensical to allow direct influences on the etheric body before its birth, while it is still within its etheric maternal sheath,
[ 50 ] wie es für das gewöhnliche Bewusstsein des Menschen unsinnig wäre, vor der physischen Geburt auf den physischen Leib des Kindes direkte Einwirkungen zu gestatten.
[ 50 ] Just as it would be nonsensical for the average person to allow direct influences on a child's physical body before its physical birth.
[ 51 ] Dasjenige, was zunächst geschieht, ist, dass sein physischer Leib, der vorher unter der schützenden Hülle gestanden hat, direkten äußeren physischen Einflüssen ausgesetzt ist, die Zeit von der Geburt bis zum siebten Jahr ist besonders die Zeit, wo wir zu überwachen haben den direkten Einfluss physischer Elemente auf den physischen Menschen. ...
[ 51 ] What happens first is that his physical body, which was previously protected by a shielding covering, is exposed to direct external physical influences; the period from birth to the age of seven is especially the time when we must monitor the direct influence of physical elements on the physical human being. ...
[ 52 ] Das im Einzelnen ausgestaltet ergibt viele, viele Regeln, die Ihnen da für eine gesunde Pädagogik die Geisteswissenschaft an die Hand geben kann. Vor allem handelt es sich darum, zu wissen, was da geschieht in diesen Entwicklungsjahren bis zum Zahnwechsel. Die Geisteswissenschaft sagt uns, dass bis zu diesem Zeitpunkt des Zahnwechsels die Formen, die physischen Formen des physischen Leibes festgestellt sind. ...
[ 52 ] When worked out in detail, this yields many, many rules that spiritual science can provide you with for sound pedagogy. Above all, it is a matter of knowing what happens during these formative years leading up to the loss of baby teeth. Spiritual science tells us that by the time the teeth are replaced, the forms—the physical forms of the physical body—are already established. ...
[ 53 ] Die Formen vergrößern sich weiterhin nur noch, aber die Plastik der Formen, auch die feinere Plastik der Form, die Kräfteverhältnisse, in denen sie sich ausbauen werden, sie sind festgestellt bis zum siebten Jahre, und was man bis dahin versäumt hat in der Entwicklung des Menschen, das kann man nimmermehr nachholen hinterher, das hat man für das ganze Leben versäumt ...
[ 53 ] The forms continue to grow in size, but the plasticity of the forms—including their finer plasticity—and the balance of forces within which they will develop are established by the age of seven; and whatever has been neglected in human development up to that point can never be made up for later—it has been missed for the rest of one’s life ...
[ 54 ] Denn vom siebten Jahre an tritt die Möglichkeit ein, auf den Ätherleib einzuwirken. ... Da ist der physische Leib dann unter dem Einfluss des Ätherleibes, der das Wachstum dann weiter regelt ...
[ 54 ] For from the age of seven onward, it becomes possible to influence the etheric body. ... The physical body is then under the influence of the etheric body, which continues to regulate growth ...
[ 55 ] Daraus ergibt sich, dass die physische Umgebung die Art und Weise, wie diese physische Umgebung sich zu gestalten hat bis zum Zahnwechsel, in sorgfältigster Weise eingerichtet werden muss. Nicht nur die groben, auch die feineren Struktur- und Gestaltungsverhältnisse des physischen Leibes, sie bilden sich unter dem Einfluss dieser physischen Umgebung. ...
[ 55 ] It follows that the physical environment—and the way in which this environment must be structured until the child’s teeth come in—must be arranged with the utmost care. Not only the coarse, but also the finer structural and formative aspects of the physical body develop under the influence of this physical environment. ...
[ 56 ] Ein grober Vergleich: ...
[ 56 ] A rough comparison: ...
[ 57 ] Wenn man irgendeinen Muskel anstrengt, das heißt, ihn aussetzt dem, zu dem er gehört, so wird er stark, kräftig und dehnt sich aus ... so ist cs vorzugsweise mit allen inneren Formverhältnissen des physischen Leibes ... SO ist es mit unseren Sehverhältnissen, Sehkräften ...
[ 57 ] When one exerts any muscle—that is, subjects it to the function for which it is intended—it becomes strong, powerful, and expands ... so it is, above all, with all the internal structural relationships of the physical body ... SO it is with our visual relationships, our powers of vision ...
[ 58 ] Die Kräfte, die in unserem physischen Körper sind, sind Werkzeuge, die der Seele dienen, die physische Welt wahrzunehmen ...
[ 58 ] The forces within our physical body are tools that serve the soul in perceiving the physical world ...
[ 59 ] Ein Beispiel: Es ist nicht gleichgültig, was zum Beispiel für eine Farbenumgebung in des Menschen physischer Umwelt ist zwischen der Geburt und dem siebten Jahre. Je nachdem wir diese Farbe wählen, die das Kind in der Umgebung hat, je nachdem werden die inneren Kräfte der Gestaltung sich entgegenbilden dieser Farbenwelt. Nehmen wir an, zum Beispiel, wir haben ein zappeliges Kind, ein nervöses Kind, und im anderen Falle ein allzu ruhiges, ein «totes» Kind, das in seinem Gebaren, Gehabe «tot» ist. ... Das eine wie das andere muss man, damit diese Temperamentsformen in der entsprechenden Weise sich ausbilden können, in die richtige physische Umgebung bringen. ... Wer nur mit physischem Auge die Welt betrachtet, der wird ein zappeliges Kind wohl meist in die Umgebung von den sogenannten beruhigenden Farben, von Blau oder Grün bringen, während er glaubt, dass ein ruhiges Kind in die Umgebung gebracht werden solle von Rot oder Gelb ...
[ 59 ] An example: It matters what kind of color environment a person is exposed to in their physical surroundings between birth and the age of seven. Depending on the colors we choose for the child’s surroundings, the inner forces of form will develop in response to this world of colors. Let’s assume, for example, that we have a restless child, a nervous child, and in another case, an overly quiet, “lifeless” child whose behavior and demeanor are “lifeless.” ... In order for these temperamental types to develop appropriately, both must be placed in the right physical environment. ... Anyone who views the world solely with the physical eye will usually place a restless child in an environment of so-called calming colors—blue or green—while believing that a calm child should be placed in an environment of red or yellow ...
[ 60 ] Hier werden unzählige Fehler gemacht. ... Denn das genau Umgekehrte ist richtig. Wer in der richtigen Weise verfahren will, der muss, wenn möglich, ein zappeliges Kind in rote, rotgelbe Umgebung bringen, ein ruhiges Kind in Blau ... oder Blaugrün.
[ 60 ] Countless mistakes are made here. ... Because the exact opposite is true. If you want to do it the right way, you should, whenever possible, place a restless child in a red or red-and-yellow environment, and a calm child in a blue ... or blue-green one.
[ 61 ] Wenn Sie wissen, wie die innere Plastik der Organe sich gestaltet, so werden Sie das durch die bloße Logik einsehen können. Sie sehen an einer weißen Fläche einen roten Fleck starr an und dann, wenn Sie das einige Zeit getan haben, sehen Sie plötzlich auf eine andere Stelle der weißen Fläche, so sehen Sie auf leerer weißer Fläche die grüne Gegenwirkung ...
[ 61 ] If you understand how the internal structure of the organs is formed, you will be able to grasp this through simple logic. If you stare at a red spot on a white surface and then, after doing so for some time, suddenly look at another part of the white surface, you will see a green afterimage on the empty white surface ...
[ 62 ] Was heißt das? Während Sie äußerlich die rote Farbe anschauen, hat das Innere des Leibes die Tendenz, die Gegenfarbe zu entwickeln. Sehen Sie das Rot an, so richtet sich der Leib innerlich so ein, dass er das Grün gestaltet, und darauf kommt es an beim inneren Ausbilden der Plastik der Organe. ...
[ 62 ] What does that mean? While you are looking at the color red externally, the interior of the body tends to develop the complementary color. When you look at red, the body internally adjusts itself to form green, and this is what matters in the internal development of the structure of the organs. ...
[ 63 ] Haben Sie nun ein unruhiges, nervöses Kind und geben Sie ihm eine rote Umgebung, so bildet sich im Innern eine Gegenkraft nach dem Grünen, Blaugrünen hin und diese gestaltet beruhigend die plastischen Kräfte der inneren Organe ...
[ 63 ] If you have a restless, nervous child and place them in a red environment, a counterforce toward green and blue-green develops within them, and this has a calming effect on the vital forces of the internal organs ...
[ 64 ] Hier liegen die Dinge viel tiefer als eine äußere Sinnesbetrachtung das gewöhnlich darstellt ...
[ 64 ] Here, things run much deeper than a superficial sensory observation would normally suggest ...
[ 65 ] Manchmal wurde mir gesagt: Aber das ist doch ganz sonderbar, wenn ich bei irgendeiner Lampe, die einen roten Schirm hat, arbeite, so macht mich das aufgeregt; warum soll denn das dann bei dem Kinde günstig wirken? - ... Ich habe auch nicht behauptet, dass ein roter Lichtschein auf einen Mann von 56 Jahren günstig wirke; ich habe nur gesagt, dass er die inneren Organe, die Plastik der inneren Organe des Kindes in beruhigendem Sinne anrege. ...
[ 65 ] Sometimes people have said to me: “But that’s quite strange—when I work under any lamp with a red shade, it makes me feel agitated; so why should that have a beneficial effect on a child?” — ... Nor have I claimed that a red glow has a beneficial effect on a 56-year-old man; I have only said that it stimulates the child’s internal organs—the structure of the child’s internal organs—in a soothing way. ...
[ 66 ] Ebenso ergibt sich etwas außerordentlich Wichtiges, wenn wir von diesem Gesichtspunkte aus auf das Spielzeug der Kinder Rücksicht nehmen. Sie werden schon öfters beobachtet haben, dass ein Kind mit gesundem Sinne Puppen mit schön gemalten Gesichtern und natürlichen Haaren zurückwies oder wenigstens bald schon zur Seite legte. Schauen wir uns diese Puppe genauer an und gestehen wir uns: Sie ist selbstverständlich doch scheußlich ...
[ 66 ] Something extraordinarily important also becomes apparent when we consider children’s toys from this perspective. You will have often observed that a child with sound judgment rejects dolls with beautifully painted faces and natural hair—or at least quickly sets them aside. Let’s take a closer look at this doll and admit to ourselves: It is, of course, hideous...
[ 67 ] Wenn Sie nun aber irgendeinmal diesem Kind gemacht haben eine Puppe aus einer alten Serviette, so werden Sie ganz andere Erfahrungen machen können. Eine Zeit lang wird das Kind ja auch Freude haben an der sogenannten schönen Puppe. Aber dann wird das Kind diese bald wegwerfen und immer wiederum zu der selbst gemachten Serviettenpuppe zurückkehren. Das ist ein sehr richtiger, gesunder Instinkt. ... Denn in dem Kind wirkt fortwährend eine Kraft, die Organe plastisch zu gestalten.
[ 67 ] But if you’ve ever made this child a doll out of an old napkin, you’ll have a completely different experience. For a while, the child will certainly enjoy the so-called “beautiful” doll. But then the child will soon throw it away and return again and again to the homemade napkin doll. This is a very genuine, healthy instinct. ... For there is a force constantly at work within the child that shapes the organs in a plastic way.
[ 68 ] Hat das Kind nun vor sich diese selbst gemachte Puppe, so tritt Folgendes ein: Das Kind muss sich anstrengen, durch innerliche Imagination erst den Menschen daraus zu machen, es muss erst der unvollkommenen Puppe, um zum Menschenbild zu kommen, Kräfte entgegensetzen. Das tut ihm innerlich wohl und gestaltet die inneren Organe in vollkommeneren Weise aus. Diese inneren plastischen Kräfte haben nichts zu tun, wenn Sie dem Kind eine solche «schöne» Puppe vorsetzen, diese Kräfte bleiben träge, und was innerlich tätig sein soll, die Kräfte der Organe zu bilden, das kann nicht geschehen. So bilden sich die Werkzeuge in unserem physischen Leibe aus, welche tätige Kräfte sein sollen, ... wenn wir dem Kinde das zu tun geben, durch das es aus seiner Imagination heraus tätig sein muss, sich imaginieren muss etwas, was das äußere Ding ihm nicht gibt, wozu es bloß anregt.
[ 68 ] When the child has this homemade doll in front of them, the following occurs: The child must exert themselves to first transform it into a human being through inner imagination; they must first counteract the imperfect doll with their own powers in order to arrive at the image of a human being. This is beneficial to the child’s inner life and develops the internal organs in a more perfect way. These inner formative forces remain inactive if you present the child with such a “beautiful” doll; these forces remain dormant, and what should be active internally—the process of forming the organs—cannot take place. This is how the instruments in our physical body develop—those that are meant to be active forces—... when we give the child something to do that requires them to be active through their own imagination, to imagine something that the external object does not provide but merely inspires.
[ 69 ] Und der Mensch weiß gar nicht, wie viel er das Kind schädigt, wenn er ihm nicht Gelegenheit gibt, diese innere Gegenkraft in der entsprechenden Weise tätig werden zu lassen. ...
[ 69 ] And people have no idea how much harm they do to a child when they do not give it the opportunity to allow this inner counterforce to take effect in the appropriate way. ...
[ 70 ] Oh, derjenige, der tiefer hineinschaut in die menschliche Natur, der weiß auch noch etwas anderes. Der weiß, dass ein gewaltiger Unterschied darin besteht, ob Sie ein Kind damit beschäftigen, dass es aus einzelnen Steinchen Figuren zusammensetzt, oder ob Sie es mit einem Spielzeug beschäftigen, das den Eindruck eines Lebendigen, innerlich Belebten macht. ... Es geht innerlich ganz etwas anderes vor ... und belebt plastisch den Leib ... wenn Sie dem Kind ein Spielzeug geben, das die Illusion des Lebendigen durch den Zusammenhang des Sich-Bewegens beim Kinde erzeugt ... Es hat alte Bilderbücher gegeben, in denen ganze Szenen dargestellt wurden in bewegten Bildern, ganze Handlungen, und die dadurch die innere Plastik wachriefen. Sie waren wunderbar geeignet, um innerlich die Organe plastisch zu entwickeln in der Zeit, in der sie entwickelt werden müssen. Derjenige, der tiefer da hineinschaut, der möchte ... wenn er oft und oft mit blutender Seele zuschauen muss, wie aus instinktivem Materialismus heraus da alles, alles versäumt wird. ...
[ 70 ] Oh, anyone who looks more deeply into human nature knows something else as well. They know that there is a tremendous difference between keeping a child occupied by having them assemble figures from individual small stones and keeping them occupied with a toy that gives the impression of being alive and internally animated. ... Something quite different is happening internally ... and it vividly animates the body ... when you give a child a toy that creates the illusion of life through the connection with the child’s own movement ... There used to be old picture books in which entire scenes were depicted in moving images—entire plots—and which thereby evoked inner plasticity. They were wonderfully suited to developing the organs internally in a vivid way during the time when they need to be developed. Anyone who looks more deeply into this will want to... when, time and again, with a bleeding soul, they must watch how, out of instinctive materialism, everything—everything—is being neglected. ...
[ 71 ] Wer mit Geistesblicken in unsere Zeit hineinschauen kann, der kann das materialistische Denken zurückverfolgen und sehen, wie das so erzogen worden ist, dass Kinder statt lebendigen Spielzeugs Baukasten gekriegt haben, womit sie aus einzelnen Teilen irgendetwas aufbauten. Das ist dasjenige, was den materialistischen Geist erzeugt, viel mehr als die materialistische Literatur ... Materialistische Theorien sind das wenigst Gefährliche in Bezug auf den Materialismus, wenn aber das Kind seinen Körper, dieses Instrument des Menschen, in der Zeit, wo es plastisch seine Formen herausbilden soll, statt des Anschauens inneren Lebens mit dem Zusammensetzen einzelner Teile sich beschäftigt, so kommt es dazu, sich vorzustellen, dass die Welt sich aus einzelnen Atomhaufen zusammensetzt. ...
[ 71 ] Anyone who can look into our time with spiritual insight can trace materialistic thinking back to its origins and see how it has been fostered—how children were given building sets instead of living toys, with which they constructed whatever they wanted from individual parts. That is precisely what gives rise to the materialistic spirit, far more so than materialistic literature... Materialistic theories are the least dangerous aspect of materialism; but when a child, at the very time when its body—this instrument of the human being—is supposed to be malleably shaping its form, occupies itself with assembling individual parts instead of contemplating inner life, it comes to imagine that the world is composed of individual clusters of atoms. ...
[ 72 ] So sehen Sie, wie Geisteswissenschaft praktisch wirkt. Aber das geht noch weiter. ... Bis in die Nahrungsinstinkte hinein können Sie von der Geisteswissenschaft aus den Lebenslauf des Menschen verstehen und in seine Gestaltung hineinwirken.
[ 72 ] This is how you can see the practical effects of spiritual science. But it goes even further. ... Through spiritual science, you can understand the course of a person’s life right down to their nutritional instincts and influence how that life unfolds.
[ 73 ] Geisteswissenschaft kann darauf aufmerksam machen, dass durch ganz bestimmte Nahrungsmittel etwas, was entwickelt werden muss in der kindlichen Seele, dass das zurückgehalten wird ...
[ 73 ] Spiritual science can point out that certain foods can hinder the development of something that needs to be nurtured in the child’s soul...
[ 74 ] In der kindlichen Seele müssen sich die Werkzeuge für gesunde Instinkte und Begierden entwickeln. Wir haben nicht umsonst eine gewisse Begierde. ... Deshalb sind diese da, damit dass wenn der Instinkt auftritt und befriedigt wird, das Leben in gesunde Bahnen gelenkt wird. ... Sehen Sie wie Tiere über die Weide gehen und genau sich diejenigen Nahrungsmittel nehmen, die ihnen zuträglich sind, die anderen danebenstehen lassen ... Die Entwicklung zum Menschen herauf, was ist sie? ... Sie gibt dem Menschen höhere Gaben, aber sie setzt ihn der Möglichkeit des Irrens aus, der das Tier mit seiner Instinktsicherheit nicht ausgesetzt ist. Darauf kommt es an, dass der Mensch mit seinen höheren Gaben sich diese Sicherheit dennoch erhält. Und wir können sie dem Kinde erhalten, diese Sicherheit des gesunden Instinktes, wenn wir es nicht vollpfropfen mit einem Übermaß solcher Stoffe, die einen solchen Instinkt ertöten.
[ 74 ] The tools for healthy instincts and desires must develop within the child’s soul. It is not for nothing that we have certain desires. ... That is why they exist: so that when an instinct arises and is satisfied, life is steered onto a healthy course. ... Look at how animals walk across the pasture and take only the food that is good for them, leaving the rest behind ... What is the process of human development? ... It gives humans higher gifts, but it also exposes them to the possibility of error—a risk to which animals, with their instinctive certainty, are not subject. What matters is that humans, with their higher gifts, nevertheless retain this certainty. And we can preserve this certainty of healthy instinct in children if we do not stuff them full of an excess of substances that kill such an instinct.
[ 75 ] Ein Überfüttern der Kinder mit eiweißhaltiger Nahrung beweise — so meinen heute viele — die größte Sorgfalt in der Pflege der kleinen Kinder. Doch das trifft in keiner Weise zu. In dem Augenblicke, wo das Kind zu viel Eiweiß erhält, wo es überfüttert wird mit Eiweiß, verliert es die sicheren Nahrungsinstinkte, während ein anderes Kind manchmal bis auf das Glas Wasser hin zurückweist, was ihm schädlich ist, und begehrt, was ihm gut bekommt — [was] gesund ist.
[ 75 ] Many people today believe that overfeeding children with protein-rich foods is the best way to care for young children. But this is by no means true. The moment a child receives too much protein—the moment it is overfed with protein—it loses its reliable nutritional instincts, whereas another child will sometimes reject even a glass of water if it is harmful to him and crave what is good for him—[what] is healthy.
[ 76 ] Das ist außerordentlich wichtig. Das ist ein Beispiel für die Lebenspraxis, die aus Geisteswissenschaft fließen kann. ... Wir könnten viel machen, wenn wir nur auf die Prinzipien der Sache achten wollten ...
[ 76 ] This is extremely important. It is an example of how spiritual science can be put into practice in daily life. ... We could accomplish a great deal if only we were willing to follow the principles involved ...
[ 77 ] Wir können die Frage aufwerfen: Was ist überhaupt das Gesetz des menschlichen Lebenslaufes bis zu diesem Zahnwechsel? ... Das wird mit einem Worte umschrieben, welches wie ein Zauber[wort] uns umklingt für alles das, was unter dem Einfluss dieser Jahre steht. Nachahmung ist dasjenige, was das Zaubermittel der Erziehung bedeutet in diesen Jahren, wo der physische Leib der unmittelbaren Einwirkung der Außenwelt zugänglich geworden ist. Was das Kind sieht, dem strebt es nachzukommen. Daher muss die Erziehung vor allen Dingen auf Nachahmung durch das Kind beabsichtigen, abheben; nicht fordern, nicht ermahnen, das ist in diesen Jahren nicht die Hauptsache. Die Hauptsache ist, dass das Kind in diesen Jahren sich richten kann nach dem, was es sieht, dass nichts vorgeht, was das Kind nicht nachmachen darf. ...
[ 77 ] We may ask: What, in fact, is the law governing the course of human life up to this stage of tooth replacement? ... This is described by a single word that resonates like a magic [word] for everything that falls under the influence of these years. Imitation is the magic formula of education during these years, when the physical body has become receptive to the direct influence of the outside world. Whatever the child sees, it strives to imitate. Therefore, education must, above all, aim to encourage imitation on the part of the child; it must not demand or admonish—that is not the main thing during these years. The main thing is that during these years the child can model its behavior on what it sees, and that nothing happens that the child is not allowed to imitate. ...
[ 78 ] Es gibt dabei allerdings allerlei Punkte, die zu beachten sind. Denken Sie sich einmal ein Elternpaar ... — ich erzähle immer solche Fälle als Beispiele, die wirklich geschehen sind —, es hat ein Kind, das ist ganz artig, gar nichts darüber zu klagen, plötzlich an einem Tag, da hat das Kind aus der Geldkassette seiner Eltern, wie man sagt, gestohlen. Das Kind ist so gut, dass es dieses Geld nicht verwendet hat für sich, sondern es hat es andern geschenkt, von denen es geglaubt hat, dass sie es brauchten. ...
[ 78 ] However, there are all sorts of points to keep in mind here. Imagine a couple...—I always use real-life examples like this—they have a child who is very well-behaved, with nothing to complain about, but suddenly one day, the child “stole,” as they say, from his parents’ piggy bank. The child is so good that he or she didn’t use this money for himself or herself, but gave it away to others whom he or she believed needed it. ...
[ 79 ] Sie können sich nun vielleicht vorstellen, die Eltern wären außer sich, wenn sie nicht wüssten: In dieser Zeit bis zum Zahnwechsel — und diese Dinge gehen nicht schroff ineinander über —, in dieser Zeit steht alles unter dem Zeichen der Nachahmung, das Kind hat immer gesehen, dass die Eltern selbst da Geld herausnehmen ... und was es sicht von den Eltern, das ist richtig für das Kind; es ahmt es nach. Moralische Begriffe hier anzuwenden wie etwa Stehlen oder dergleichen, ist demgegenüber in keiner Weise am Platze. Das Kind ahmt eben nur nach, was die Eltern ihm vormachen. Daher wissen wir, dass in Bezug auf alles, was wir heranerziehen wollen im Kinde, ein plastisches Formen von innen her aufgerufen werden muss durch Nachahmung.
[ 79 ] You can probably imagine how distraught the parents would be if they didn’t know: During this period leading up to the loss of baby teeth—and these phases do not transition abruptly into one another—everything is characterized by imitation; the child has always seen the parents taking money out of there themselves... and whatever the child sees the parents do is right for the child; the child imitates it. Applying moral concepts here, such as “stealing” or the like, is in no way appropriate. The child simply imitates what the parents demonstrate. Therefore, we know that with regard to everything we wish to instill in the child, a malleable shaping from within must be brought about through imitation.
[ 80 ] Wir müssen daher beim Kinde alles auf Nachahmung bauen in dieser ersten Zeit, das heißt, es dürfen die Erwachsenen in seiner Umgebung nichts tun und nichts sprechen, was das Kind nicht auch tun dürfte in genau derselben Weise. ... Das ist ein tief Bedeutsames. ...
[ 80 ] We must therefore rely entirely on imitation in the child during this early period; that is to say, the adults in the child’s environment must not do or say anything that the child would not also be allowed to do in exactly the same way. ... This is of profound significance. ...
[ 81 ] Wenn so bis zum siebten Jahre der kindlichen Entwicklung Nachahmung als das Zauberwort gilt für die Erziehung, so gilt von dieser Zeit an, wo mit dem Zahnwechsel der Äther- oder Lebensleib frei wird für die unmittelbare äußere Einwirkung ... das Wort, das heute keinen besonders guten Klang hat, aber das ebenso gilt in dieser Zeit vom Zahnwechsel, dem siebten bis zum 14., 15, 16. Lebensjahre, da gilt das Wort «Autorität», Nachfolge. Dasjenige muss die Richtschnur der Erziehung für diese Jahre sein, was unter diesen Worten verstanden werden kann. ...
[ 80 ] We must therefore rely entirely on imitation in the child during this early period; that is to say, the adults in the child’s environment must not do or say anything that the child would not also be allowed to do in exactly the same way. ... This is of profound significance. ...
[ 82 ] Wie das Kind nachahmen können muss bis zum Zahnwechsel, was in seiner Umgebung vorgeht ... so muss neben dem anderen nun in der zweiten Lebensepoche das da sein, was man eine selbstverständliche Autorität nennt.
[ 82 ] Just as a child must be able to imitate what is happening around them until they lose their baby teeth... so, in addition to others, there must now be—in the second stage of life—what is called a natural authority.
[ 83 ] ... Im Einzelnen können wir etwa so sagen Die Zeit liegt erst nach der Geschlechtsreife, wo der Mensch durch seine Verstandeskräfte einsieht, was gut oder schlecht, gescheit oder dumm ist. ...
[ 83 ] ... To be more specific, we might say something like this: That time comes only after puberty, when a person, through their intellectual faculties, comes to understand what is good or bad, wise or foolish. ...
[ 84 ] Man tut dem jungen Menschen ein Unrecht, wenn man vor dieser Zeit, verfrüht, einen Wert legt auf verstandesmäßige Einsichten, auf intellektuelle Ausbildung. In dieser Zeit bis zur Geschlechtsreife ist es notwendig, dass irgendeine Persönlichkeit neben dem Kinde steht und das Wahre oder Unwahre, das Gute oder Schlechte schön oder hässlich findet. Diese Begriffe müssen in diesem Lebensalter nicht durch gedankliche Urteile, sondern durch die Macht der Persönlichkeit autoritativ auf das Kind wirken. ... Und es ist das Schönste für das Kind, solche Persönlichkeiten in diesen Jahren neben sich zu haben, zu denen es als zu selbstverständlichen Autoritäten aufschauen kann, die wirklich der Nachfolge würdig sind. Reif zum Urteilen wird der Mensch, wenn er in diesen Jahren seines Lebens gestanden hat unter der Wirkung einer autoritativen Persönlichkeit, zu der er aufschaute und der er verehrend nachfolgte. Das ist eine wohltuende Kraft, die auf den Menschen einwirkt das ganze Leben hindurch. Oh, wenn die Menschen nur wissen könnten, was das bedeutet für das ganze Leben für einen Menschen, wenn ihm so etwas passiert etwa, wie dass er hört von einer viel verehrten Persönlichkeit in der Familie, die er noch nicht gesehen hat. Scheue Ehrfurcht sitzt schon in seiner Seele, das Herz pocht, bis er die Persönlichkeit zum ersten Male sehen darf. ... Das sind die schönsten, wunderbarsten Gefühle in seiner Seele fürs ganze Leben, die Feieraugenblicke, die Kräfte entzünden, die so wichtig sind wie kaum irgendetwas für das ganze Leben des Menschen bis zum Tode.
[ 84 ] It is an injustice to young people to place undue emphasis on rational insights and intellectual education before this time, before they are ready. During this period leading up to puberty, it is essential that a figure of authority stand by the child’s side and distinguish between what is true or false, good or bad, beautiful or ugly. At this age, these concepts must influence the child authoritatively not through rational judgments, but through the power of that figure’s personality. ... And the greatest blessing for a child during these years is to have such figures by their side—figures they can look up to as natural authorities, figures who are truly worthy of emulation. A person becomes mature enough to judge when, during these years of their life, they have been under the influence of an authoritative figure whom they looked up to and followed with reverence. This is a soothing force that influences a person throughout their entire life. Oh, if only people could know what this means for a person’s entire life—when something like this happens to them, such as hearing about a much-revered figure in the family whom they have not yet seen. A sense of shy reverence already dwells in their soul; their heart pounds until they are allowed to see that person for the first time. ... These are the most beautiful, most wonderful feelings in one’s soul for a lifetime—those moments of celebration that ignite forces so vital to a person’s entire life, right up until death.
[ 85 ] Alles, was man in sich trägt im Ätherleibe, in dem Leibe, der alles Wachstum, aber auch Temperament, Gewohnheiten, Charakter trägt, das wird auf diese Weise in dieser Zeit zwischen Zahnwechsel und Geschlechtsreife entscheidend beeinflusst.
[ 85 ] Everything one carries within oneself in the etheric body—the body that holds all growth, but also temperament, habits, and character—is decisively influenced in this way during the period between the change of teeth and sexual maturity.
[ 86 ] Und wichtig ist zum Beispiel, dass dieser Äther- oder Lebensleib zu gleicher Zeit der Träger des Gedächtnisses ist. Daher kommt es darauf an, dass in dieser Zeit vor allen Dingen auf die Ausbildung des Gedächtnisses bewusst Sorgfalt verwendet wird. Hierin ist eine ungeheure
[ 86 ] And it is important, for example, that this etheric or life body is at the same time the bearer of memory. That is why it is essential that, during this time, conscious care be taken above all to develop memory. In this lies an immense
[ 87 ] Verwirrung eingetreten. Gerade in unserer Zeit wirken infolge materialistischer Grundanschauungen viele Erziehungsbestrebungen dahin, möglichst frühzeitig das Kind Gedankenarbeit verrichten zu lassen, sodass es aus eigenem Urteil heraus rechnet und dergleichen mehr. Das sieht recht fortschrittlich aus, das ist aber trotzdem für die Entwicklung des heranwachsenden Menschen außerordentlich schädlich. Erst muss man einen Schatz von Gedächtniswissen, von Gedächtniserkenntnis haben, dann kann man erst darüber urteilen. Die Zeit zum Urteilen ist gekommen mit der Geschlechtsreife. Bis dahin ist die Zeit für das rein gedächtnismäßige Lernen. Das Gedächtnis muss gebildet werden in der Zeit bis dahin. Nicht darauf kommt es an - was man heute gerne sagen möchte —, dass das Kind schon zu beurteilen vermag zum Beispiel, was es lernen muss in der Geschichte. Gerade das ist so schädlich, das Urteilen aufrufen zu wollen in dieser Zeit. In dieser Zeit müssen gedächtnismäßig in großen Bildern durch eine selbstverständliche Autorität die Ereignisse rein sachlich objektiv vor die Seele gestellt werden. Diese Ereignisse müssen erst leben in der Seele des Kindes, dann erst ist die Zeit zum Urteilen gekommen.
[ 87 ] Confusion has arisen. Especially in our time, as a result of materialistic worldviews, many educational efforts are aimed at having children engage in mental work as early as possible, so that they can calculate and perform similar tasks based on their own judgment. This may seem quite progressive, but it is nevertheless extremely harmful to the development of the growing human being. First, one must have a treasure trove of knowledge and insights stored in memory; only then can one judge them. The time for judgment comes with sexual maturity. Until then, the time is for learning based purely on memory. Memory must be developed during the time leading up to that point. It is not a matter—as some would like to claim today—of the child already being able to judge, for example, what it needs to learn in history. It is precisely this—attempting to elicit judgment at this stage—that is so harmful. During this period, events must be presented to the soul in a purely factual and objective manner, through a natural authority, using broad, memorable images. These events must first come alive in the child’s soul; only then has the time for judgment arrived.
[ 88 ] Und worauf viel ankommt in dieser Zeit, ist das, dass, weil der Ätherleib nun den direkten Einfluss der Kräfte empfängt, die sich im Gedächtnis und in anderen geistigen Fähigkeiten, Kräften ausdrücken, so werden wir diese Kräfte besonders ausbilden in dieser Zeit, die Eigenschaften, die im Ätherleib verankert sind. Da ist vor allem das verankert, was man die bildhafte Anschauungskraft des Menschen nennt. ... Viele Menschen der Gegenwart schauen deshalb so phantasielos und nüchtern in die Welt, weil nicht in lebenskräftigen Bildern die Welt ihnen in dieser Zeit vor Augen geführt worden ist. ... Der Mensch soll zuerst in Bildern diese Welt kennenlernen. Wenn Sie dem Menschen eine gesunde Grundlage geben wollen für die höheren übersinnlichen Wahrheiten, dann müssen Sie ihm in diesem Lebensalter die entsprechenden Bilder beibringen. In Bildern, in Symbolen müssen die Wahrheiten zuerst in dieser Zeit an den Menschen herangebracht werden, soll er sie später wirklich begreifen können. Soll im späteren Leben der Mensch sich sagen können: Des Menschen Seele ist unsterblich, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht, dann erhebt sich die Seele in höhere Regionen, nur der Leib bleibt zurück und zerfällt, so wird dies dann in der richtigen Weise vorbereitet in diesem Lebensalter, wenn man dem Kinde etwa sagt: Sich dir die Raupe an, wie sie sich in die Puppe verwandelt und damit in Todesstarrheit verfällt, wie dann die Puppe etwas zerbricht und aus der zerbrechenden Hülle der Schmetterling sich zu einem luftigen lichten Dasein erhebt.
[ 88 ] And what is of great importance at this time is that, because the etheric body now receives the direct influence of the forces that express themselves in memory and other spiritual faculties and powers, we will develop these forces—the qualities anchored in the etheric body—in a special way during this period. Anchored there above all is what is called the human capacity for pictorial perception. ... Many people today view the world in such an unimaginative and sober way precisely because the world has not been presented to them in vivid, life-filled images during this period of their lives. ... A person should first come to know this world through images. If you wish to give a person a healthy foundation for the higher supersensible truths, then you must teach them the appropriate images at this stage of life. The truths must first be presented to a person through images and symbols during this period if they are to truly comprehend them later on. If a person is to be able to say to themselves later in life: “The human soul is immortal; when a person passes through the gate of death, the soul ascends to higher realms, while only the body remains behind and decays”—then this is properly prepared for at this stage of life by, for example, telling the child: “Look at the caterpillar as it transforms into a chrysalis and thus falls into the rigidity of death; then watch as the chrysalis cracks open and the butterfly rises from the breaking shell into an airy, light existence.”
[ 89 ] Doch wäre damit noch nichts getan, wenn die Lehrer heute diese Bilder gebrauchen wollten. Sie wirken heute nicht mehr, weil diejenigen, die diese Bilder gebrauchen, selbst nicht mehr glauben an das, was sie ausdrücken sollen. Nur wenn ihnen selbst das Bild eine Wirklichkeit ist, dann wirkt etwas in ihm, was wie selbstverständlich übergeht in die Seele des Kindes und als Kraft wirkt, die später die richtige Erkenntnis erweckt. Für den Geisteswissenschafter ist das Gegebene ein Bild der Unsterblichkeit in Wirklichkeit, in Wahrheit. Für ihn ist es nicht etwas, was er mühsam mit dem Verstande ausklügelt, sondern für ihn durchläuft das Leben eine Stufenreihe ... und auf der Unterstufe ist dies Ausschlüpfen des Schmetterlings aus der Puppe wirklich dasjenige, was auf der höheren Stufe das Hervorgehen der Seele aus dem sterbenden Leibe ist. Wenn es so für Sie ist, dann kommt jenes selbstverständliche Fluidum, dass Sie imstande sind, bevor Sie die nüchternen Verstandesurteile beim Kinde hochzüchten, zuerst im Zauberhauch der Bildlichkeit ein Gefühlsverständnis herbeizuführen, das ein späteres richtiges Erfassen durch die Gesamtpersönlichkeit erst ermöglicht.
[ 89 ] But that would not be enough if teachers today wanted to use these images. They no longer have an effect today because those who use them no longer believe in what they are supposed to express. Only when the image is a reality for them as well does something within it take effect—something that flows naturally into the child’s soul and acts as a force that later awakens true understanding. For the scholar of the spiritual sciences, what is given is an image of immortality in reality, in truth. For him, it is not something he laboriously works out with his intellect; rather, for him, life passes through a series of stages… and on the lowest stage, this emergence of the butterfly from the chrysalis is truly what, on the higher stage, is the emergence of the soul from the dying body. If this is the case for you, then that natural aura emerges—that you are able, before cultivating the child’s sober intellectual judgments, to first evoke, through the magical breath of imagery, an emotional understanding that makes a later, correct grasp by the whole personality possible in the first place.
[ 90 ] Hier sehen wir die Vernunft von etwas, was heute vielfach als unvernünftig angesehen wird. Ich weiß, welchen missverständlichen Auffassungen man in dieser Sache ausgesetzt ist, aber nicht aus einem reaktionären Sinne, aus dem Sinne der Wahrheit heraus muss das doch gesagt werden. ...
[ 90 ] Here we see the rationality of something that is often regarded as irrational today. I am aware of the misconceptions surrounding this matter, but this must be said—not out of a reactionary mindset, but in the interest of truth. ...
[ 91 ] Wie gescheit sind wir geworden, meinen heute viele, wie blicken sie zurück auf unsere Vorväter, die dem Kinde alles Mögliche weisgemacht haben. ... Heute dürfen wir nicht mehr solche Lügen dem Kinde vorführen. Unsere Vorväter haben dem Kinde das, was ja gar nicht wahr ist, die Geschichte vom Storch zum Beispiel, beigebracht. - Doch, wieder nicht aus reaktionärem Sinn, aber auch hier muss gesagt werden, dass die Art und Weise der Älteren viel richtiger war als die moderne Aufklärung. Denn man kann einfach, wenn man die Dinge durchschaut, nichts Kindischeres und Naiveres dem Kinde sagen, als es sei zu dem Hervortreten eines Menschen in die Welt nichts weiter als der rein physische Vorgang nötig. ... Das ist dem tieferen Blicke grundfalsch. Die Wirklichkeit ist: Der Mensch kommt aus einer geistigen Welt ... von einem geistigen Dasein vor der Geburt, und der physische Vorgang ist nur der Vermittler des Eintritts des geistigen Menschen in diese sinnliche Welt, und viel, viel unwahrer und unwirklicher ist das, was unsere Aufgeklärten heute lehren möchten dem Kinde, als das alte Storchenmärchen. ... Alles, was im Bilde des Fliegenden gesagt worden ist, war für unsere Vorfahren das Bild für das Geistige. ...
[ 91 ] How wise we have become, many people think today, as they look back on our forefathers, who made children believe all sorts of things. ... Today, we must no longer feed such lies to children. Our forefathers taught children things that aren’t true at all—the story of the stork, for example. —Yet, again, not out of reactionary sentiment, but here too it must be said that the older generation’s approach was far more correct than modern enlightenment. For when one sees through these things, one simply cannot tell a child anything more childish or naive than that nothing more than a purely physical process is necessary for a human being to come into the world. ... From a deeper perspective, this is fundamentally wrong. The reality is: A human being comes from a spiritual world … from a spiritual existence prior to birth, and the physical process is merely the medium through which the spiritual human being enters this sensory world; and what our Enlightenment thinkers today would have children believe is far, far more untrue and unreal than the old stork fairy tale. ... Everything that was said in the image of the flying stork was, for our ancestors, the symbol of the spiritual. ...
[ 92 ] Immer tritt das Bild irgendeines Fliegenden ein, wenn im Märchen auf das Geistige gedeutet werden soll. So ist in dem Kinderliedchen «Flieg, Vögelchen, flieg ... deine Mutter ist im Pommerland» ... Pommerland, das ist nicht Pommern ... Pommerland ist Kinderland ... «flieg, Käferchen, flieg» ... überall dasselbe Bild, das auch dem Storchenmärchen zugrunde liegt. ... Der Mensch einer anderen Entwicklungsperiode vor der Zeit, wo er sie sollte in nüchterner Alltäglichkeit einsehen, da hat er selbst geglaubt an das Storchenmärchen, weil in der Zeit über das, was in der Welt um uns herum ist, zunächst der Zauberhauch der Bildlichkeit ausgehaucht war. ...
[ 92 ] The image of something flying always appears in fairy tales when the story is meant to allude to the spiritual realm. Thus, in the children’s song “Fly, little bird, fly … your mother is in Pommerland” … Pommerland is not Pomerania … Pommerland is Children’s Land … “Fly, little beetle, fly” … everywhere the same image, which also underlies the stork fairy tale. ... People in an earlier stage of development, before the time when they were supposed to come to terms with it in sober everyday life, believed in the stork fairy tale themselves, because in those days, the world around us was initially imbued with the magical breath of imagery. ...
[ 93 ] Und ganz anders ist es, wenn ich zuerst einen geheimnisvollen Naturvorgang im Bilde vor mir gehabt habe ... dieses Bild erst lange mit mir herumtrug und darnach erst vor die Aufgabe gestellt war, ihn verstandesmäßig zu begreifen. Dann bin ich erst reif geworden und dann nehme ich das Spätere in ganz anderer Weise auf.
[ 93 ] It is quite different when I first had a mysterious natural phenomenon as an image in my mind … carried that image around with me for a long time, and only then was faced with the task of comprehending it intellectually. Only then have I become ready, and only then do I take in what comes later in a completely different way.
[ 94 ] Das zeigt uns wiederum, wie wir kennen müssen diejenigen Kräfte, die sich in einem gewissen Lebensalter entwickeln. ... Und so können wir für jedes Lebensalter angeben, um was es sich im Einzelnen handelt. ... So ist denn um das 14., 15. Jahr herum die Zeit der Geschlechtsreife ein wichtiger Abschnitt. Denn da wird von dem heranwachsenden Menschen seine astralische Mutterhülle zurückgeschlagen und der astralische Leib, an dem zum Beispiel die Urteilskraft und manches andere haftet, der unmittelbaren Einwirkung der äußeren Welt freigegeben. Deshalb ist erst in dieser Zeit der Mensch reif, dem äußeren Urteilen ausgesetzt werden zu können, selbstständiges Urteilen sich anzueignen. Verfrühen wir dieses Urteilen, so kommen wir zu diesen Dingen, die sich als gewaltige Schattenseiten in das heutige Leben hereindrängen ... wo die Menschen dadurch ohne Rücksicht hineinwachsen ...
[ 94 ] This, in turn, shows us how important it is to understand the forces that develop at a certain age. ... And so we can specify, for each stage of life, what exactly is involved. ... Thus, around the ages of 14 or 15, the time of sexual maturity is an important phase. For at that point, the adolescent’s astral maternal sheath is cast off, and the astral body—to which, for example, the power of judgment and many other qualities are attached—is exposed to the direct influence of the external world. That is why it is only at this stage that a person is mature enough to be exposed to external judgments and to develop the ability to judge independently. If we rush this process of judgment, we end up with the very things that are forcing their way into modern life as immense dark forces... where people grow into this state without any regard for the consequences...
[ 95 ] Erst wenn die Geschlechtsreife eingetreten ist, soll das selbstständige Urteil ausgebildet werden aufgrund dessen, was an Bildlichkeit, an edlen Gefühlen ... unter dem Einfluss der Autorität sich entwickelt hat. ... sonst erleben wir es, dass die jüngsten Menschen, die noch gar nicht ganz geboren sind, Menschen, die erst lernen sollten, ihr Urteil reif zu machen, schon in der Zeit mit eigenem Urteil auftreten, in der sie es erst ausbilden sollten. ...
[ 95 ] Only once sexual maturity has been reached should independent judgment be developed on the basis of what has developed in terms of imagery and noble feelings ... under the influence of authority. ... otherwise, we see that the youngest people—who are not yet fully formed, people who should first be learning to mature their judgment—are already acting on their own judgment at a time when they should still be developing it. ...
[ 96 ] Das ist aber auch die Zeit, wo der astralische Leib auch heraustritt mit dem, was an Instinkten und Trieben fürs Leben in der Anlage in ihm steckt. ... Diese Kräfte treten in der Form auf, die wir mit dem Namen «Jugendideale», «Lenzeshoffnungen», Hoffnungen für das Leben bezeichnen. Leicht kann ein trockener, nüchterner Mensch über das, was er in seiner Jugendseele erlebt hat, wie über eine Schwärmerei hinwegsehen. Mag das alles sich nicht realisieren, mögen das alles Hoffnungen sein, die einmal ohne Wirklichkeit dastehen im Leben, dass sie aber Hoffnungen, Ideale waren, das ist in der Zeit, wo nach und nach der astralische Leib herauskommt, das ist da eine Summe von Kraft, und wer sie nicht hat, der hat etwas für das ganze Leben nicht! Nicht darauf kommt es an, dass sich Hoffnungen erfüllen, dass Ideale verwirklicht werden, sondern dass sie da sind. Denn Kräfte sind sie in der Seele und sie sind als Kräfte gestaltend, sie geben dem Leben Innerlichkeit, sie geben dem Leben Kraft, wenn sie auch als später zerstörte Hoffnungen da gewesen sind. Daher müssen wir alles tun, dass diese Lenzeshoffnungen des Lebens in dieser Zeit herangebildet werden, dass sie da sind. ...
[ 96 ] But this is also the time when the astral body emerges, bringing with it the instincts and drives for life that are inherent within it. ... These forces manifest in the form we refer to as “youthful ideals,” “springtime hopes,” and hopes for life. A dry, sober person can easily dismiss what he experienced in his youthful soul as mere fanciful enthusiasm. Even if none of this comes to pass, even if these are all hopes that eventually prove to have no basis in reality, the fact that they were hopes and ideals—during the time when the astral body gradually emerges—represents a reservoir of strength; and whoever lacks this will be missing something for the rest of their life! What matters is not that hopes are fulfilled or that ideals are realized, but that they exist. For they are forces within the soul, and as forces they are formative; they give life inner depth; they give life strength, even if they existed only as hopes that were later shattered. Therefore, we must do everything we can to ensure that these springtime hopes of life are nurtured during this time, so that they exist. ...
[ 97 ] Dann kommt allmählich für den Menschen die Zeit, wo sein volles Ich geboren wird, das sich nun ganz und gar in freier Weise an die Umgebung der Welt heranmacht. ...
[ 97 ] Then, gradually, the time comes for human beings when their full self is born, a self that now approaches the world around it in a completely free manner. ...
[ 98 ] Und wie es nun so ein aufsteigendes Leben gibt, so gibt es in der zweiten Hälfte auch ein absteigendes Leben. Darüber nur einige Andeutungen: Die Geburt und die nach und nach geschehende Entwicklung des Ich, sie findet ihren Abschluss beim normalen Leben um das 35. Jahr herum. Da ist der Mensch auf der Sonnenhöhe des Lebens. Alles das, was in der Geburt bei ihm veranlagt war, das tritt bis zu dieser Zeit bei ihm hervor. Jetzt aber beginnt etwas anderes; jetzt beginnt die Zeit, wo ebenso wie vorher die Dinge herausgestaltet worden sind aus dem Leben, wie vorher die Anlagen entwickelt worden sind, so beginnt jetzt die Zeit, wo sie stückweise verarbeitet, verzehrt werden, vom 35. Jahre ab, wo im normalen Leben zunächst die Kräfte des astralischen Leibes innerlich nach und nach verzehrt werden. Wir sehen alles Astralische nach und nach wiederum zurücktreten. Der Mensch wird nüchtern, bekommt mehr Sinn für die Wirklichkeit ... er wird dasjenige, was in unseren Zeiten wohlgemerkt Mode ist, was man einen Philister nennen kann.
[ 98 ] And just as there is such an “ascending” phase of life, there is also a “descending” phase in the second half. Here are just a few hints about this: The birth and gradual development of the “I” come to a conclusion in a normal life around the age of 35. At that point, the person is at the zenith of life. Everything that was predisposed in them at birth comes to the fore by this time. But now something else begins; now begins the time when, just as things were previously shaped out of life and predispositions were developed, they are now gradually processed and consumed, starting at the age of 35, when, in a normal life, the forces of the astral body are first gradually consumed from within. We see everything astral gradually receding once more. The human being becomes more down-to-earth, develops a greater sense of reality... he becomes what, mind you, is fashionable in our times—what one might call a philistine.
[ 99 ] Während bis dahin der Mensch mehr mit sich selbst zu tun hatte, beginnt vom 35. Jahre ab die Zeit, wo er den Wert bekommt für seine Umgebung. Vorher hat er seine Zeit zu verwenden, sein Urteil reif zu machen, in ein festes, bestimmtes Verhältnis seines Ich zur Umwelt zu treten, jetzt beginnt das, was er ist, einen Wert zu bekommen für seine Mitmenschen. Jetzt hat sein Urteil Gewicht, jetzt beginnt man, auf ihn zu hören, jetzt strahlt er wertvoll dasjenige aus, was er selber zu verzehren hat. Jetzt zeigt er auch für einen intimen Beobachter, ob der aufsteigende Weg der Richtige war, jetzt zeigt es sich, wie öd und in sich leer die ausgestreuten Urteile desjenigen sind, der nicht unter dem Einfluss der Ideale in der Zeit vom 14. bis zum 21. Jahre herangewachsen ist ...
[ 99 ] While up until then a person was more concerned with himself, the time begins at age 35 when he becomes valuable to those around him. Previously, they had to devote their time to maturing their judgment and establishing a firm, definite relationship between their “I” and the environment; now, what they are begins to hold value for their fellow human beings. Now their judgment carries weight; now people begin to listen to them; now they radiate, as something of value, what they themselves have to assimilate. Now he also reveals to a close observer whether the path he has taken was the right one; now it becomes clear how barren and empty are the scattered judgments of those who did not grow up under the influence of ideals between the ages of 14 and 21 ...
[ 100 ] Das, was hinausstrahlen soll, das muss man sich auch erst erworben haben in der rechten Art und der geeigneten Zeitz...
[ 100 ] What is to radiate outward must first be acquired in the right way and at the appropriate time...
[ 101 ] Alle geheimwissenschaftliche Entwicklung steht unter strengen Gesetzen ... diejenigen, die die Lehrer geworden sind in dieser Geisteswissenschaft, die halten streng die Regeln ein ... und heute stehen die Dinge so, dass gerade wegen unserer Kultur von den dazu berufenen Instanzen niemand vor dieser Lebensmitte auf die Welt losgelassen wird. ...
[ 101 ] All development in the field of esoteric science is governed by strict laws ... those who have become teachers in this spiritual science strictly observe the rules ... and today the situation is such that, precisely because of our culture, the competent authorities do not allow anyone to be sent out into the world before they reach middle age. ...
[ 102 ] Die wirklichen Geheimlehrer erlauben ihren Schülern nicht, da, wo sie noch nicht mit sich fertig sind, mit dem, was sie geben sollen, vor die Welt hinzutreten. Jedem wird die Zunge erst gelöst mit dieser Lebensmitte. Und wenn Persönlichkeiten vor dieser Zeit auftreten, dann können Sie sicher sein, dass sie es ohne Mandat tun, dass sie es ohne eine Berechtigung der hinter unserer Bewegung stehenden Individualitäten tun. Im Durchschnitt wird niemand vor dieser Zeit auf die Menschen losgelassen ... Nur der Unfug unserer Zeit macht es ... dass auf diesen Gebieten ... der Unfug, dass junge Leute, die längst nicht mit sich selbst fertig sind, auf diesem Gebiete auch auftreten ...
[ 102 ] True secret teachers do not allow their students to present to the world what they are meant to impart until they have come to terms with themselves. Only by the middle of life is one’s tongue truly loosened. And if individuals appear on the scene before this time, you can be certain that they are doing so without a mandate, that they are doing so without authorization from the individualities standing behind our movement. On average, no one is sent out to the people before this time... It is only the folly of our time that causes... in these areas... the folly that young people, who are far from having come to terms with themselves, also make appearances in this field...
[ 103 ] Und dann sehen [wir] weiters, wie ungefähr von den Vierzigerjahren ab mit dem absteigenden Leben eine neue Epoche erreicht wird, wenn auch darin hier keine so große Regelmäßigkeit zu beobachten ist wie im Aufsteigen. ...
[ 103 ] And then [we] see how, starting around the age of forty, a new phase begins as life begins its downward course, even though there is not as much regularity in this phase as there is in the upward phase. ...
[ 104 ] Nachdem der astralische Leib nunmehr aufgezehrt ist, kommt die Zeit, wo nun der Mensch auch zu zehren beginnt an seinem Ätherleib, den er sich aufgebaut hat in der Zeit vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife. Der ist dann wieder aufgezehrt um das fünfzigste Jahr herum ... Sie können das sehen an gewissen Anzeichen, die in diesem Lebensalter auftreten.
[ 104 ] Now that the astral body has been depleted, the time comes when the person also begins to draw upon his etheric body, which he has built up during the period from the change of teeth to sexual maturity. This, in turn, is depleted around the age of fifty... You can see this from certain signs that appear at this stage of life.
[ 105 ] Versuchen Sie das Leben in seiner Wahrheit zu betrachten, und Sie werden sehen, wie in dieser Zeit das Gedächtnis es gerade ist, was neue Einschläge, neue Kräfte nicht erhalten kann. Dagegen gerade das, was in diesem Ätherleib drinnen war, dass das gerade jetzt herauskommt, das, was dieser Ätherleib aufgenommen hat, das tritt in schärfster, stärkster Erinnerung auf in diesem Lebensalter. ... Beobachten Sie das Leben unter diesem Gesichtspunkte, und Sie werden immer wieder erfahren, wie diese Menschen in diesem Lebensalter immer wieder und wieder zurückkommen und eine gute Erinnerung haben für das, was in jenen Lebensaltern ihnen einverleibt worden ist. Sehen Sie das Wohlgefühl, das alte Leute haben in dieser Zeit, wenn sie immer wieder und wiederum ihre Jugenderinnerungen erzählen können ... und beachten Sie, was Sie ihnen Gutes tun können, indem Sie ihnen solches Erzählen ermöglichen ...
[ 105 ] Try to look at life in its truth, and you will see how, in this time, memory is precisely what cannot retain new impressions or new forces. In contrast, precisely what was inside this etheric body—what is emerging right now—what this etheric body has absorbed—this appears in the sharpest, strongest memory during this stage of life. ... Observe life from this perspective, and you will experience time and again how people at this stage of life keep returning to and retain a vivid memory of what was instilled in them during those earlier stages of life. Notice the sense of well-being that older people experience at this time of life when they can recount their memories of youth again and again... and consider how you can do them a favor by enabling them to share such stories...
[ 106 ] Und dann sehen Sie im letzten Lebensalter, wie nach und nach auch der physische Leib aufgezehrt wird ... sehen Sie wie den Knochen mehr und mehr Kalk an-, eingelagert wird, wie sie physischer werden. Die Knorpel verknöchern ... dieses letzte Lebensalter zehrt auch den physischen Leib auf ...
[ 106 ] And then, in the final stage of life, you see how the physical body, too, is gradually worn away... you see how more and more calcium is deposited in the bones, how they become more physical. The cartilage ossifies... this final stage of life also wears away the physical body...
[ 107 ] Wenn einmal das aufsteigende Leben richtig geregelt werden wird, dann wird sich noch ein anderes zeigen, was vielfach heute ...
[ 107 ] Once the ascending life is properly regulated, something else will become apparent—something that is often ...
[ 108 ] Vom 35. Jahre ab strahlt der Mensch solche Urteile aus, die maßgebend sind und Wert haben für seine Umgebung ... Dann kommt er dazu, nicht nur für seine Umgebung Urteile auszustreuen, die maßgebend sind, sondern dann kommt er auch dazu, dass dasjenige, was er ausstrahlt als Autorität, auch autoritativ gelten darf für seine Umgebung ...
[ 108 ] From the age of 35 onward, a person projects judgments that are authoritative and of value to those around him or her ... Then they come to a point where they not only express authoritative judgments to those around them, but also reach a stage where what they project as authority is recognized as such by those around them...
[ 109 ] Erst werden die Urteile maßgebend, dann werden in der vorletzten Lebensepoche die Lebensausstrahlungen selbst maßgebend und ein Wert für die Umgebung ... und zuallerletzt ... da gewinnt der Mensch ein solches Urteil, eine solche innere Fülle, dass er dasjenige, was er dann von sich gibt, als etwas Reifes hat nicht nur für seine Zeit, sondern für alle Zeiten.
[ 109 ] First, judgments become decisive; then, in the penultimate phase of life, the radiations of life themselves become decisive and a source of value for one’s surroundings... and finally... a person attains such a judgment, such inner richness, that what he then gives of himself is something mature—not only for his own time, but for all time.
[ 110 ] Von denjenigen, die in die Dinge hineinschauen, wird daher auch in ganz anderer Art eingesehen ... warum bestimmte Leute gerade von dieser Zeit in ganz besonderer Weise reden ... Bei Dante zum Beispiel können Sie das gleich in den ersten Zeilen seiner «Divina Commedia» sehen. Da sehen Sie, wie er sagt: «In des Lebens Mitte habe ich das alles gesehen ...»
[ 110 ] Those who look into the heart of things therefore come to understand in a completely different way … why certain people speak of this particular era in such a special way … With Dante, for example, you can see this right in the first lines of his *Divina Commedia*. There you see how he says: “In the middle of life I saw all this…”
[ 111 ] Und so können Sie sich alle großen Geister daraufhin anschauen ... Und wenn Sie bei einem Menschen wie Goethe ... so ist zu berücksichtigen der Unterschied zwischen dem, was er geschaffen hat, als er in aufsteigender Entwicklung war, und dem, was er geschaffen hat nach des Lebens Mitte. Das, wodurch er für die Menschheit das geworden ist, was er ihr ist, das fällt nach der Lebensmitte ...
[ 111 ] And so you can examine all the great minds in this light... And when it comes to a person like Goethe... one must take into account the difference between what he created while he was in a phase of ascending development and what he created after the midpoint of his life. That which made him what he is to humanity—that came after the middle of his life...
[ 112 ] Wenn wir aber so die zweite Hälfte des Lebens betrachten, so sehen wir, dass da nicht für den zeitlichen Menschen, für die äußeren Glieder, physischen Leib, Äther- und astralischen Leib irgendetwas Äußeres herausentwickelt wird. Dies wird aufgezehrt. Aber in dem Augenblicke, wo das Aufzehren der äußeren Hülle beginnt, da beginnt das Reicherwerden und Vollwichtigerwerden. Was in diesen Hüllen lebt, wofür das Äußere die absteigende Entwicklung beginnt, da werden die Kräfte des Inneren, die Kräfte des eigentlichen Ich immer mächtiger und mächtiger, ... sodass in der zweiten Hälfte des Lebens sich auch etwas entwickelt im Menschen ... In der zweiten Hälfte des Lebens entwickelt sich das Ewige, das Bleibende, das Unsterbliche des Menschen, und wenn dann der Tod eintritt, dann sehen wir, wie die äußere Hülle abfällt und wie, wenn auch eine Zeit lang schon es sogar geschienen haben mag, als ob das Innenleben zurückgegangen wäre, dann sehen wir doch, wie das, was der Mensch hat ... wie das beim Tode als der Geburt für das Geistige, das Ewige, wie das beim Tode hervortritt als das, was er wertvoll in sich, in seiner Innerlichkeit entwickelt hat.
[ 112 ] But when we look at the second half of life in this way, we see that nothing external develops for the temporal human being—for the outer members, the physical body, and the etheric and astral bodies. These are consumed. But at the very moment when the outer shell begins to be consumed, that is when the inner self begins to grow richer and more substantial. As the outer shell begins its downward course of development, the inner forces—the forces of the true “I”—become ever more powerful and more powerful, ... so that in the second half of life, something also develops within the human being ... In the second half of life, the eternal, the enduring, and the immortal aspects of the human being develop, and when death then occurs, we see how the outer shell falls away and how—even though it may have seemed for a time as if the inner life had diminished—we nevertheless see how what the human being possesses … ...how, at death—which is the birth of the spiritual, the eternal—what emerges at death is that which the person has developed as something valuable within themselves, in their inner being.
[ 113 ] Der Tod ist physisch Tod, geistig für die geistige Welt ist er eine neue Geburt und ... diese wird vorbereitet in der zweiten Hälfte des Lebens. In dieser Zeit, wo die äußeren Hüllen nach und nach absterben, da gestaltet der Mensch aus, was da bleibt, was an ihm ewig ist.
[ 113 ] Death is physical death; spiritually, for the spiritual world, it is a new birth, and ... this is prepared during the second half of life. During this time, as the outer bodies gradually wither away, the human being shapes what remains—that which is eternal within him.
[ 114 ] Das ahnte der große Dichter, dass der Mensch, wenn den Sinnen absterben die äußeren Hüllen, dass da im Innern die Gestalt, die geistige Gestalt, die das Bleibende und Ewige ist, sich herausentwickelt. Große Geister haben erahnend immer dasjenige gesagt, was eine tief in die geistigen Wirkungen hineinschauende Weisheit bestätigen muss in allen Einzelheiten ...
[ 114 ] The great poet sensed that when the outer shells of the senses fade away, the inner form—the spiritual form, which is that which remains and is eternal—unfolds within. Great minds have always intuitively expressed what a wisdom that looks deeply into spiritual processes must confirm in every detail ...
[ 115 ] Nicht als ein blinder Glaube, als ein vollgültiges Wissen kann Ihnen so entgegentreten, was Schiller gesagt hat ...
[ 115 ] What Schiller said can be presented to you not as blind faith, but as fully valid knowledge ...
[ 116 ] Nur kleine, flüchtige Andeutungen konnten heute gegeben werden ... von dem Lebenslaufe des Menschen ... Wenn wir uns ganz werden durchdringen lassen von dieser Lebenspraxis, die von der Geisteswissenschaft ausgehen kann, dann werden wir erfahren, dass das Leben sich so gestaltet, dass wir gerade durch sie hoffnungsvoll, lebenstüchtig, arbeitstüchtig werden, weil wir in jedem Momente richtig verstehen:
[ 116 ] Today, only brief, fleeting hints could be given ... about the course of human life ... If we allow ourselves to be fully permeated by this way of living, which can spring from spiritual science, then we will experience that life takes shape in such a way that, precisely through it, we become hopeful, capable of living, and capable of working—because in every moment we truly understand:
Nur der Körper eignet jenen Mächten
Die das dunkle Schicksal flechten,
Aber frei von jeder Zeitgewalt,
Die Gespielin seliger Naturen
Wandelt oben in des Lichtes Fluren
Göttlich unter Göttern die Gestalt.
Only the body is subject to those powers
That weave the dark fate,
But free from every power of time,
The playmate of blissful natures
Wanders above in the realms of light
Divine among gods, her form.
[ 117 ] Fragenbeantwortung
[ 117 ] Q&A
Frage: Welches sind richtige gute Ideale für den heranwachsenden Menschen?
Question: What are some truly good ideals for young people?
[ 118 ] Rudolf Steiner: In dieser Hinsieht müssen wir lernen, gegenüber dem werdenden Menschen das Prinzip der Freiheit aufs Höchste zu stellen. Leicht glaubt man, diese oder jene Ideale seien die richtigen zunächst. Aber wir dürfen uns keine schablonenhaften Ideale machen. Der werdende Mensch ist eben ein Rätsel, das der Erzieher zu lösen hat, und er lernt ebenso viel von dem geheimnisvoll aus den Hüllen sich nach und nach herausentwickelnden Menschen und lässt sich von diesem diktieren die Ideale, die für ihn die richtigen sind. So lernen wir respektieren die frei sich entfaltende Individualität, wenn wir wissen, dass der Geist sich verwirklicht ...
[ 118 ] Rudolf Steiner: In this regard, we must learn to place the principle of freedom above all else when it comes to the developing human being. It is easy to believe that this or that ideal is the right one at first. But we must not create idealized, formulaic ideals. The developing human being is, after all, a mystery that the educator must solve, and the educator learns just as much from the human being who is gradually emerging from his outer shells in a mysterious way, allowing this process to dictate the ideals that are right for him. In this way, we learn to respect the freely unfolding individuality when we know that the spirit is realizing itself ...
[ 119 ] Die Frage kann eben durch Erziehung im Leben nur in jedem einzelnen Falle gelöst werden ...
[ 119 ] This question can only be resolved through education in real life, on a case-by-case basis ...
[ 120 ] Allerdings gibt es ja auch gewisse Grundideale, welche ziemlich überall am Platze sind ... vor allem gibt es ein schönes Ideal: einen möglichst konkret ins Einzelne in sich vollendeten Menschen, den wir mit Fug und Recht aus der Geschichte hinstellen können. ... wenn wir Gestalten der Weltgeschichte hinstellen und sich entzünden lassen die eigenen Kräfte an den großen Gestalten ... wenn wir dann aber mit dem praktischen Leben herausrücken, so können wir auch mit dem praktischen Leben diese Ideale entzünden ... wichtig ist, den Sinn rege zu halten für die Umgestaltung der Welt, den Sinn aufrechtzuerhalten, dass die Welt sich ändern kann. ...
[ 120 ] However, there are also certain fundamental ideals that are relevant just about everywhere ... above all, there is one beautiful ideal: a human being who is as fully realized as possible in every detail, whom we can justifiably hold up as an example from history. ... when we hold up figures from world history and allow our own strengths to be inspired by these great figures ... but when we then turn to practical life, we can also use practical life to kindle these ideals ... it is important to keep our sense of the need to transform the world alive, to maintain the belief that the world can change. ...
[ 121 ] Über die wirkliche Bedeutung der Ideale: Fichte, «Über die Bestimmung des Gelehrten».
[ 121 ] On the True Meaning of Ideals: Fichte, “On the Vocation of the Scholar.”
