The Nature of Man
in the Light of Spiritual Science
GA 68d
27 February 1908, Munich
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The Nature of Man in the Light of Spiritual Science, tr. SOL
21. Das Gesundheitsfieber im Lichte der Geisteswissenschaft
21. The Health Craze in the Light of Spiritual Science
[ 1 ] Die gewöhnliche Volksmeinung ist, dass es so und so viele Krankheiten gebe, aber nur eine einzige Gesundheit. Dies ist aber eine unsinnige Meinung, denn in Wahrheit gibt es so viele Gesundheiten, als es Menschen gibt. Gesundheit ist nämlich etwas durchaus Individuelles und für jeden Menschen letztlich etwas anders. Man macht sich aber nur ein ganz allgemeines Bild von einem Gesunden, und was an diesem Bilde nicht stimmt, wird als Krankheit betrachtet. Man sollte darauf sehen, dass ein Mensch trotz der Abnormität der Krankheit das beste und bequemste Leben zu führen imstande wäre, so, als ob er jene Abnormität gar nicht hätte. Nicht aber soll man ihn zurückführen wollen auf jene allgemeine Schablone, die man sich irgendwie gestaltet hat und nun allem aufdrängen möchte.
[ 1 ] The common belief is that there are so many different diseases, but only one kind of health. This, however, is a nonsensical view, for in truth there are as many kinds of health as there are people. Health is, in fact, something entirely individual and, ultimately, slightly different for each person. Yet people form only a very general image of a healthy person, and whatever does not fit this image is regarded as a disease. One should ensure that a person, despite the abnormality of their illness, is able to lead the best and most comfortable life possible, as if they did not have that abnormality at all. However, one should not attempt to force them back into that general mold that one has somehow created and now wishes to impose on everyone.
[ 2 ] Manche Menschen haben freilich eine gewisse Abnormität nötig. Damit ist zwar nicht gesagt, dass man nun den Krankheiten ihren Lauf lassen müsste. Wenn wir mit dem Begriff «Gesundheit» ernst machen wollen, müssen wir in aller Tiefe und Bedeutung einen anderen Begriff der Entwicklung berücksichtigen.
[ 2 ] Admittedly, some people need a certain degree of abnormality. That is not to say, however, that we should simply let illnesses run their course. If we want to take the concept of “health” seriously, we must consider a different concept of development in all its depth and significance.
[ 3 ] Tiere in ihren natürlichen Verhältnissen überessen sich niemals, wohl aber geschieht dies oft, wenn sie in die Zivilisation aufgenommen werden. In dieser Pflege ziehen sie sich mancherlei Krankheiten zu. Tiere bekommen auch gewisse Krankheiten, sobald sie in Gefangenschaft gelangen, während sie in der freien Wildnis nichts davon kannten. Gewisse Geisteskrankheiten sind geradezu Folgeerscheinungen der Kultur einer bestimmten Stufe.
[ 3 ] Animals in their natural habitats never overeat, but this often happens when they are brought into civilization. In this environment, they contract various diseases. Animals also develop certain diseases as soon as they are placed in captivity, whereas they were completely unaffected by them in the wild. Certain mental illnesses are, in fact, direct consequences of a particular stage of civilization.
[ 4 ] Physikalisch und chemisch ist der tierische Leib eine unmögliche Mischung. Der Lebensleib ist daher zu ihrer Erhaltung ein notwendiges Glied. Der astralische Leib enthält die Ursachen für das, was im physischen und im ätherischen Leibe geschieht. Nur hat der astralische Leib im Tier keine so weit gespannte individuelle EntwickJungsmöglichkeit wie beim Menschen. Es besteht ein fest geschlossener Kreis von tierischen Trieben, Begierden und Leidenschaften. Das Tier passt völlig hinein in seine Verhältnisse, und zwar mit seinem physischen, ätherischen und astralischen Leib. Dem gefangenen Tier kann man bloß in Bezug auf physischen Leib und Ätherleib andere Verhältnisse beibringen, nicht aber vermag man, auf seinen Astralleib einzuwirken. Deshalb kann sich das Tier nicht in gesunder Weise in neue Verhältnisse eingliedern, weil dies vom Astralleib ausgehen müsste.
[ 4 ] Physically and chemically, the animal body is an impossible mixture. The life body is therefore a necessary link for its preservation. The astral body contains the causes of what happens in the physical and etheric bodies. However, in animals, the astral body does not have as wide a range of individual developmental possibilities as it does in humans. There is a tightly closed circle of animal instincts, desires, and passions. The animal fits completely into its environment—with its physical, etheric, and astral bodies. A captive animal can be taught to adapt to different conditions only with regard to its physical and etheric bodies; however, one cannot influence its astral body. Therefore, the animal cannot integrate itself into new conditions in a healthy way, because this would have to originate from the astral body.
[ 5 ] Auch beim Menschen haben tiefgreifende Veränderungen vom astralischen Körper auszugehen. Wenn wir gesund bleiben wollen beim Übergang von einfacheren Verhältnissen in kompliziertere, so müssen wir uns von innen heraus, vom Ich und vom Astralleibe her, zunächst jenen neuen Verhältnissen anpassen. Diese Anpassung ist eine Arbeit des Ichs am astralischen Leibe, und nur sie bringt Gesundheit auch im Ätherleibe und im physischen Körper.
[ 5 ] In human beings, too, profound changes originate in the astral body. If we wish to remain healthy during the transition from simpler to more complex circumstances, we must first adapt to those new circumstances from within—from the “I” and the astral body. This adaptation is a process in which the “I” works on the astral body, and only this process brings health to the etheric body and the physical body as well.
[ 6 ] Auf diese Entwicklung ist der Mensch durchaus angelegt bis in seinen physischen Leib hinein. Nicht irgendeine Erscheinung bedeutet in allen Naturreichen dasselbe, wie die materialistische Denkweise meint. So verhält es sich zum Beispiel mit der Knochenerweichung, der Rachitis. Der Mensch befindet sich mit allen seinen Teilen und Gliedern in einer fortschreitenden Entwicklung. Der Leib hat sich aus ganz anderen, früheren Formen zu seiner jetzigen Gestalt entwickelt. Das Ich und der Astralleib werden weiterhin den menschlichen Organismus umbilden. In seinem Knochensystem muss der Mensch immer noch die Möglichkeit der Erweichung erhalten, damit er sich auch da weiterentwickeln kann. Im Menschen sind einerseits Erweichungs-, andererseits Verhärtungstendenzen vorhanden, damit er nicht in einem stationären Zustande bleiben muss. Der innere Mensch, sein Ich und der von diesem richtig gelenkte astralische Leib müssen derartige Umbildungen dirigieren. Rachitis ist eine verfrühte Umbildung der Knochen, weil sie vom Ich nicht richtig geleitet wird.
[ 6 ] Human beings are inherently predisposed to this development, right down to their physical bodies. Not every phenomenon has the same meaning across all kingdoms of nature, contrary to what materialist thinking assumes. This is the case, for example, with bone softening, or rickets. Human beings, with all their parts and limbs, are undergoing a process of progressive development. The body has evolved from entirely different, earlier forms into its present shape. The ego and the astral body will continue to transform the human organism. In his skeletal system, the human being must still retain the potential for softening so that he can continue to develop there as well. In human beings, there are tendencies toward both softening and hardening, so that they do not have to remain in a static state. The inner human being—the “I” and the astral body correctly guided by it—must direct such transformations. Rickets is a premature transformation of the bones because it is not correctly guided by the “I.”
[ 7 ] In das Gebiet der Krankheits-Dispositionen muss die Geisteswissenschaft eingreifen, hier die Medizin korrigieren und in die richtige Bahn lenken. Jeder Mensch hat seinen bestimmten Platz im Dasein und muss dementsprechend seine Organe in seiner individuellen Weise umbilden für seine persönliche Gesundheit.
[ 7 ] Spiritual science must intervene in the realm of predispositions to disease, correcting medicine in this regard and steering it in the right direction. Every person has their specific place in existence and must accordingly transform their organs in their own individual way for the sake of their personal health.
[ 8 ] Paracelsus hat diesbezüglich tiefe Wahrheiten gelehrt und ist damit seiner Zeit weit vorangeeilt. Gesundheit, meinte er, sei eine durchaus individuelle Angelegenheit und könne nicht in irgendwelcher schablonenmäßigen Art betrachtet und korrigiert werden, wenn eine Störung sich geltend macht.
[ 8 ] Paracelsus taught profound truths on this subject and was far ahead of his time. Health, he believed, is an entirely individual matter and cannot be viewed or corrected in a cookie-cutter fashion when a disorder arises.
[ 9 ] Welchen Maßstab nimmt nun das Ich zur Erhaltung der Gesundheit? Empirisch studieren lässt sich dies nicht. Es handelt sich darum, dass der richtige Maßstab für die Gesundheit erkannt wird in dem in sich harmonischen Behagen, in der Lust am Dasein, in der ungetrübten und ungestörten Lebensfreude. Diese Gefühlsstimmung des Behagens ist viel mehr wert als alles äußerliche Salben und sich von der Sonne bräunen lassen. Wo man seine Freude an Blumen, an Bäumen, am Sonnenschein hat, wo seine Lebenslust erhöht wird, seine Liebe zum Leben sich stärkt, da bleibt man gesund oder kann gestörte Gesundheit wieder ins Gleichgewicht bringen. Die gesunde Seele schafft auch einen gesunden Leib. Durch äußerliche Mixturen und Prozeduren kann man den Menschen im Gegenteil um seine Gesundheit bringen. Es kommt also in erster Linie auf die Gesunderhaltung der Seele an. «Mens sana in corpore sano!»
[ 9 ] What standard does the self use to maintain health? This cannot be studied empirically. The point is that the correct standard for health is recognized in inner harmony and well-being, in the joy of being, and in an unclouded and undisturbed zest for life. This emotional state of well-being is worth far more than any external ointments or sunbathing. Where one finds joy in flowers, trees, and sunshine—where one’s zest for life is heightened and one’s love of life is strengthened—there one remains healthy or can restore balance to impaired health. A healthy soul also creates a healthy body. On the contrary, external concoctions and procedures can rob a person of their health. Therefore, maintaining the health of the soul is of primary importance. “Mens sana in corpore sano!”
[ 10 ] Hiermit wird erst dieser Spruch richtig verstanden. Aus einem gesunden Körper kann man auch auf eine gesunde Seele schließen. Hingegen kann niemals durch äußere Umbildung des Körpers eine gesundere Seele erzeugt werden.
[ 10 ] Only now can this saying be properly understood. A healthy body is an indication of a healthy soul. On the other hand, a healthier soul can never be created through external changes to the body.
[ 11 ] Wie aber verträgt sich diese Einstellung mit der Lehre von der Askese, wie man sie etwa der Theosophie vorwirft? Die Theosophie wird ganz falsch verstanden, wenn man meint, sie predige die Kasteiung. Der Theosoph kasteit sich nicht; im Gegenteil, er würde sich kasteien, wenn er all den gesellschaftlichen Rummel mitmachen müsste, zum Beispiel sich zum Diner setzen oder ins Tingeltangel gehen. Vor der richtig verstandenen Theosophie ist es Unsinn zu sagen, es werde dem Menschen dies und das vorgeschrieben, dass er so oder so leben müsse. Die Theosophie hat in diesem Sinne keine Dogmen und keine Agitation für den Vegetarismus. Indessen kommen einzelne Theosophen durch ihre Gefühle und Empfindungen dazu, kein Fleisch zu essen.
[ 11 ] But how does this attitude square with the doctrine of asceticism, as it is sometimes attributed to Theosophy? Theosophy is completely misunderstood if one thinks it preaches self-mortification. The Theosophist does not practice self-mortification; on the contrary, he would be mortifying himself if he had to participate in all the social fuss—for example, sitting down to dinner or going to the theater. From the perspective of correctly understood Theosophy, it is nonsense to say that this or that is prescribed for people, or that they must live in a certain way. Theosophy, in this sense, has no dogmas and does not advocate vegetarianism. However, some individual Theosophists, guided by their feelings and sensibilities, choose not to eat meat.
[ 12 ] Für andere freilich ist es noch eine Notwendigkeit, Fleisch zu essen. Es kann einer auch dazu kommen, in noch höherem Sinne die Ansicht zu haben, kein Fleisch mehr zu essen. Ein Arzt, der gar kein Theosoph war, antwortete auf die Frage, warum er kein Fleisch esse, dass ihm einfach davor ekle, gerade wie den meisten Leuten ekelt, Katzen- oder Pferdefleisch essen zu sollen. Für denjenigen, welcher in der geistigen Entwicklung vorwärtskommt, stellt sich ganz von selbst die Lust zu verschiedenen Dingen nicht mehr ein. Der Instinkt für gewisse Nahrungsmittel hat sich bei ihm eben geändert. Wer noch am Tingeltangel hängt, den muss man eben dort belassen, und wer keine Lust daran hat, der soll auch nicht hingehen. Die Veredlung der Triebe und Begierden ist es, welche die physischen Organe gesund erhält und gesund macht.
[ 12 ] For others, however, eating meat is still a necessity. One may also come to hold the view, in an even higher sense, that one should no longer eat meat. A doctor, who was by no means a Theosophist, answered the question of why he did not eat meat by saying that it simply disgusted him, just as it disgusts most people to have to eat cat or horse meat. For those who are making progress in their spiritual development, the desire for various things simply ceases to arise. Their instinct for certain foods has simply changed. Those who are still attached to the hustle and bustle should simply be left to it, and those who have no desire for it should not go there either. It is the refinement of the instincts and desires that keeps the physical organs healthy and makes them healthy.
[ 13 ] So will die geisteswissenschaftliche Weltanschauung dem Menschen etwas geben, dass er den astralischen Leib so lenken kann, dass dieser in Harmonie kommt mit dem Gesetz der fortschreitenden Menschheit. Nicht bloß im Erkennen bleibt man gelegentlich stehen, sondern auch im Erleben seines Lebens.
[ 13 ] Thus, the humanities-based worldview seeks to give human beings the ability to guide their astral bodies so that they come into harmony with the law of humanity’s progress. One does not merely come to a standstill in the process of knowing, but also in the experience of one’s own life.
[ 14 ] Das Ich vieler Menschen folgt häufig den Irrlichtern und erzeugt so den Egoismus, den Geist der Lüge und des Irrtums, erzeugt so die irrenden Temperamente und Leidenschaften. Wenn das Ich nicht mit der Weltenordnung in Harmonie steht, so irrt es eben unstet umher und folgt allen auftretenden Irrlichtern. Es ist wichtig, sich bekannt zu machen mit den irrenden Temperamenten und Charaktereigenschaften. Wenige Menschen der heutigen Zeit können mehr ganz aufrichtig und wahrheitsliebend sein. Dieser Mangel aber erzeugt Krankheit und Siechtum. Einzelnen ist deshalb in mancher Beziehung nicht mehr zu helfen, weil sie in zu sehr komplizierten Zusammenhängen mit Gemeinschaften verfangen sind, sodass sie sich nicht daraus zu lösen vermögen. Oft liegen nämlich in einer Gemeinschaft, wo Kranke neben Gesunden weilen, die eigentlichen Krankheitsursachen bei den Gesunden und nicht bei den Kranken. Und die empfänglicheren Naturen nehmen diese Krankheiten in sich auf, welche im Grunde die starken Naturen verschuldet haben. Das Sich-gesund-Erhalten ist also eine Pflicht gegenüber allen Mitmenschen. Manch einer trägt eine Krankheit von dem Nebenmenschen in sich, ohne dass er die Ursache dieser Krankheit in sich verschuldet hat.
[ 14 ] The “I” of many people often follows false lights, thereby giving rise to selfishness, the spirit of lies and error, and thus to errant temperaments and passions. When the “I” is not in harmony with the world order, it wanders erratically and follows every false light that appears. It is important to familiarize oneself with these wayward temperaments and character traits. Few people today are capable of being truly sincere and truth-loving. This deficiency, however, gives rise to illness and infirmity. For this reason, some individuals can no longer be helped in certain respects because they are entangled in overly complex relationships with communities, making it impossible for them to extricate themselves. Indeed, in a community where the sick dwell alongside the healthy, the actual causes of illness often lie with the healthy rather than with the sick. And the more susceptible individuals absorb these illnesses, which are fundamentally the fault of the stronger individuals. Maintaining one’s health is therefore a duty toward all fellow human beings. Many a person carries within them an illness from a fellow human being without having caused the illness themselves.
[ 15 ] Durch die Gesunderhaltung unseres Ichs ist die Möglichkeit gegeben, sich in Einklang zu bringen mit den großen Weltgesetzen und damit eigene und fremde Krankheiten zum Verschwinden zu bringen. Dazu bedarf es aber eines richtigen Zusammenarbeitens zwischen den Menschen. Einzig darin liegt die Möglichkeit, eine allgemeine Gesundheit zu garantieren.
[ 15 ] By keeping our inner self healthy, we can bring ourselves into harmony with the great laws of the universe and thereby eliminate both our own and others’ illnesses. However, this requires genuine cooperation among people. Only in this way can general health be guaranteed.
[ 16 ] Kurzsichtigkeit zum Beispiel beruht darauf, dass in unserem gegenwärtigen Erziehungssystem das Auge sich zu viel passiv verhalten muss, dass es immer nur von außen Eindrücke erhält, nicht aber von der Seele her veranlasst wird zum Schauen und Betrachten in der freien Natur draußen, wo es nahe und ferne Gegenstände zu schen gibt. Diese Anpassung muss durch die Seele bewirkt werden. Wo dies nicht geschieht, da verliert eben das Auge seine Fähigkeit der Anpassung.
[ 16 ] Myopia, for example, stems from the fact that in our current educational system, the eye is forced to remain too passive—it receives impressions only from the outside, rather than being prompted by the soul to look and observe in the great outdoors, where there are objects both near and far. This adaptation must be brought about by the soul. Where this does not happen, the eye loses its ability to adapt.
[ 17 ] Eine Weltanschauung, welche sich alles von außen diktieren lässt, ist in höchstem Grade ungesund, hingegen eine solche, die von innen heraus antreibt und schaffend wirkt, ist eine wahrhaft gesunde Weltanschauung. Die stets nur von außen erfolgende Aufnahme von Eindrücken bewirkt dasselbe, was wir vom Auge als Kurzsichtigkeit geschildert haben.
[ 17 ] A worldview that allows everything to be dictated from the outside is extremely unhealthy; on the other hand, one that drives from within and has a creative effect is a truly healthy worldview. The constant reception of impressions from the outside alone produces the same effect as what we have described in relation to the eye as nearsightedness.
[ 18 ] In aufschließender Liebe muss man sich seine Weltanschauung bilden. Unsere heutigen Bücher sind vielfach so geschrieben, dass die Wahrheiten den Leuten gleichsam in den Mund geschmiert werden. Jene Bücher jedoch, an denen man lange studieren und nachdenken muss, um ihren Inhalt zu erfassen, das sind die wahrhaft guten Bücher in theosophischem Sinne. Sie sind so angelegt, dass durch sie die innere Produktivität angeregt wird.
[ 18 ] One must form one’s worldview through an enlightening love. Many of today’s books are written in such a way that truths are, as it were, spoon-fed to people. However, those books that require long study and reflection to grasp their content—these are the truly good books in the theosophical sense. They are designed to stimulate inner creativity.
[ 19 ] Für die Kinder kann man in der Schulstube die Pflanzen zerlegen, draußen in der Natur aber soll man den jungen Leuten die ganze lebendige Natur dem Gemüte näherbringen. Da wäre ein Analysieren und Zerstören unangebracht. Die Liebe, in welcher Form sie immer auftrete, wirkt gesundend auf den Menschen, weil sie edle Gefühle produziert und etwas aus sich heraus gibt. Gesund ist auch das Produzieren in Kunst und Wissenschaft oder in ähnlichem Verhalten. Alles, was den Menschen zur Selbsttätigkeit anregt, das ist gesund. Die Theosophie will in den Menschen das innere Gefühlsleben veredeln und harmonisch gestalten, indem sie ihnen die Entwicklungen in der Außenwelt aufzeigt und auf die darin waltende Harmonie hinweist. Das macht unseren Geist produktiv und erzeugt Gesundheit in Seele und Leib. Eine solche Weltanschauung macht den Menschen geeignet, gegen alles Äußere in seinem Innern Gegengewichte zu bilden, mit denen er sich wappnet gegen Hypochondrie und Hysterie. Wo dieser feste Punkt im Innern entwickelt wird, da ist der Mensch dann gefestigt für jede äußere Lage. Er kann sich dann auch der Lust überlassen, ohne dass er dabei zu Schaden kommt. Sie wird ihm ein Ausfluss tiefer und wahrster Gesundheit.
[ 19 ] For children, one can dissect plants in the classroom; outdoors in nature, however, one should help young people connect with the whole of living nature through their senses. Analysis and destruction would be out of place there. Love, in whatever form it may appear, has a healing effect on people because it produces noble feelings and gives something of itself. Creative expression in art and science—or in similar pursuits—is also healthy. Everything that stimulates people to act of their own accord is healthy. Theosophy seeks to refine and harmonize people’s inner emotional life by showing them the developments in the external world and pointing out the harmony that reigns within it. This makes our spirit productive and fosters health in both soul and body. Such a worldview enables people to form inner counterbalances to all external influences, with which they arm themselves against hypochondria and hysteria. Where this inner anchor is developed, the person is then fortified to face any external situation. They can then also indulge in pleasure without coming to harm. It becomes an expression of their deepest and truest health.
[ 20 ] Wenn die Theosophie so ins Leben eingeführt wird, so bewährt sie sich in unserem Leben, und damit ist dann auch ihre Berechtigung bewiesen, ohne dass Einwände dagegen logisch widerlegt zu werden brauchen.
[ 20 ] When theosophy is introduced into life in this way, it proves its worth in our lives, and this in turn proves its validity without the need to logically refute any objections to it.
