The Nature of Man
in the Light of Spiritual Science
GA 68d
15 December 1908, Nuremberg
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The Nature of Man in the Light of Spiritual Science, tr. SOL
26. Das Geheimnis der Menschlichen Temperamente
26. The Secret of Human Temperaments
[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Es wird oft gesagt, was durchaus einer tiefen Wahrheit entspricht: Des Menschen größtes Rätsel ist der Mensch selbst. - Obwohl aber dieses Wort eigentlich so oft ausgesprochen wird, in seiner Tiefe, in seiner ganzen Bedeutung wird es, wir wollen zunächst gar nicht einmal sagen, nicht verstanden, sondern es wird die ganze Rätselhaftigkeit des Menschen auch in den allerseltensten Fällen tief genug gefühlt und empfunden. In Wahrheit steht nicht nur der Mensch sich selbst, wenn er über die alleroberflächlichsten Dinge des Daseins hinausblickt, als ein bedeutsames, schwer zu lösendes Rätsel gegenüber, sondern auch jeder Mitmensch steht uns in einer gewissen, und zwar sehr tiefen Beziehung auch wiederum als ein Rätsel gegenüber. Und was uns heute besonders interessieren soll, ist dasjenige, dass, wenn wir über des Menschen Rätsel sprechen, wir gar nicht hoffen dürfen, dieses Menschenrätsel durch eine einmalige Beantwortung gelöst zu haben; sondern wenn wir nicht theoretisch, sondern dem Leben gemäß vorgehen, so müssen wir sagen: In diesem Menschenrätsel sind im Grunde genommen ebenso viele Einzelrätsel eingeschlossen, als es Menschen in der Welt gibt.
[ 1 ] Ladies and gentlemen! It is often said—and this is certainly a profound truth—that the greatest mystery of humanity is humanity itself. - Yet although this statement is uttered so often, in its depth and in its full significance, it is—let us not even say “not understood” for the moment—but rather, the full enigma of humanity is rarely felt and perceived deeply enough. In truth, not only does man face himself—when he looks beyond the most superficial aspects of existence—as a significant, difficult-to-solve mystery, but every fellow human being also stands before us, in a certain and indeed very profound sense, as a mystery as well. And what should be of particular interest to us today is this: when we speak of the enigma of humanity, we must not hope to have solved this enigma with a single answer; rather, if we proceed not theoretically but in accordance with life itself, we must say: this enigma of humanity essentially encompasses as many individual enigmas as there are people in the world.
[ 2 ] Jeder Mensch für sich darf innerhalb gewisser Grenzen als ein besonderes Rätsel innerhalb des großen Menschenrätsels aufgefasst werden. Und mit dieser Anschauung über des Menschen Rätsel hängt innig zusammen das, was uns heute über den Menschen beschäftigen soll: jene eigentümliche Färbung des Menschenwesens, jener Grundton der Menschenindividualität, die uns eben in dem einen Menschen so gegenübertritt, in dem andern anders, und die wir da bezeichnen mit dem Worte: das Temperament des Menschen.
[ 2 ] Each individual, within certain limits, may be regarded as a unique enigma within the great enigma of humanity. And closely connected to this view of the human enigma is what we are to consider today regarding human beings: that distinctive quality of human nature, that fundamental tone of human individuality, which presents itself to us in one person in one way and in another person in a different way, and which we designate with the term: human temperament.
[ 3 ] Alles dasjenige, was uns vielfach über die Verschiedenheit der menschlichen Naturen aufklären kann, umschließt gerade dieses Wort, und wir dürfen hoffen, dass, wenn wir imstande sind, nur einiges Licht auf das Geheimnis der menschlichen Temperamente zu werfen, wir damit auch gewinnen können eine Handhabe, um das Menschenrätsel in seinen verschiedensten Gestaltungen ein wenig zu lösen. Freilich dürfen wir gerade dann, wenn wir nicht allgemein theoretisch, sondern lebensvoll, individuell dieses Menschenrätsel anfassen, es da anfassen, wo es zunächst scheinbar ganz unfasslich ist, in dem so mannigfaltigen Grundton der Individualität, der als Temperament herauskommt; wenn wir dieses Menschenrätsel lebensvoll individuell da anfassen, dann dürfen wir uns nicht der großen Illusion hingeben, dass eine äußere Erkenntnis des Menschen, eine bloß sinnlich-physische Erkenntnis des Menschen uns irgendwie weiterführen könnte.
[ 3 ] Everything that can shed light on the diversity of human natures is encapsulated in this very word, and we may hope that, if we are able to shed even a little light on the mystery of human temperaments, we may thereby also gain a foothold for unraveling the enigma of humanity in its most varied forms. Of course, it is precisely when we approach this enigma of humanity not in a general, theoretical way, but in a lively, individual way—when we tackle it where it initially seems completely incomprehensible, in the manifold fundamental tone of individuality that emerges as temperament— when we approach this enigma of humanity in a vital, individual way, we must not succumb to the great illusion that an external understanding of the human being—a merely sensory-physical understanding—could somehow lead us further.
[ 4 ] Der Mensch ist für die geisteswissenschaftliche oder, sagen wir, theosophische Betrachtung, wie wir oftmals hier erwähnen konnten, ein sehr mannigfaltig zusammengesetztes Wesen, und wir verstehen ihn nur dann, wenn wir nicht nur die Außenseite seiner selbst, dasjenige bloß betrachten, was Augen schen und Hände tasten, was überhaupt die äußeren Sinne wahrnehmen können, was der menschliche, an das Gehirn gebundene Verstand zergliedern kann, sondern wir können nur dann hoffen, den Menschen voll zu verstehen nach und nach, wenn wir auch die übersinnlichen Glieder der menschlichen Natur ins Auge fassen. Und da es oftmals schon gesagt worden ist, welche die Glieder der menschlichen Natur sind, so brauchen sie heute nur kurz erwähnt zu werden, soweit wir das brauchen, um dann einzutreten in die Betrachtung der menschlichen Temperamente.
[ 4 ] From the perspective of the spiritual sciences—or, shall we say, theosophy—as we have often mentioned here, human beings are highly complex beings, and we can only understand them if we do not merely consider their outer aspect—that which the eyes see and the hands touch, that which the external senses can perceive at all, and that which the human intellect, bound to the brain, can analyze—but only then can we hope to gradually come to a full understanding of human beings if we also take into account the supersensory aspects of human nature. And since it has often been stated what these aspects of human nature are, they need only be briefly mentioned today, to the extent necessary, so that we may then proceed to the consideration of the human temperaments.
[ 5 ] Das, was Augen sehen, Hände greifen, überhaupt die physischen Organe wahrnehmen können am Menschen, das ist ja für die geisteswissenschaftliche Betrachtung nur das äußerste Glied der menschlichen Wesenheit, dasjenige Glied der menschlichen Wesenheit, das er gemeinschaftlich hat mit der ganzen um ihn herumliegenden, scheinbar leblosen mineralischen Natur. Darüber hinaus haben wir gleich ein nächstes Glied der menschlichen Wesenheit, ein Glied, das nicht äußere Sinne wahrnehmen können, das schon zu den übersinnlichen, unsichtbaren Gliedern der Natur des Menschen gehört. Und während wir dasjenige, was der Mensch mit der leblosen Natur gemeinschaftlich hat, als physischen Leib bezeichnen, bezeichnen wir dieses übersinnliche Erste als den Äther- oder Lebensleib. Ihn finden wir bei jedem belebten Wesen, bei der Pflanze, die er ebenso durchsetzt und durchorganisiert wie den Menschen, und beim Tiere. Wir reden innerhalb der Geisteswissenschaft von diesem Äther- oder Lebensleib nicht, wie der materialistische Sinn von dem Leben spricht, als ob das Leben nur wäre irgendetwas, was wie eine Wirkung hervorginge aus dem physischen Leibe und dem Zusammenwirken der Kräfte und Stoffe des physischen Leibes. Nein, für die Geisteswissenschaft ist dieser Ätherleib nicht nur etwas Selbstständiges, etwas, was das Bewusstsein des Menschen, das hinter die Sinneswelt hellseherisch schauen kann, wirklich sieht als Realität, geradeso wie sinnliche Augen den physischen Leib sehen, sondern es ist dieser Ätherleib eigentlich dasjenige, was als Erstes, als eigentlich Schöpferisches dem physischen Leibe zugrunde liegt. Der physische Leib ist nicht der Grund, sondern die Folge des Feineren, des Äther- oder Lebensleibes. So wie — auch dieses Bild wurde hier schon öfters gebraucht —, so wie für jemanden, der hineinsieht in ein Gefäß, in dem Wasser ist, sich aus diesem Wasser herausverdichten kann Eis zu Klumpen, so ist um uns herum das Geistige, und das Physische ist die Verdichtung des Geistigen. So ist innerhalb des menschlichen Ätherleibes der physische mit all seinen Stoffen und Kräften eine Verdichtung des Ätherleibes. Und so ist es bei allen Lebewesen.
[ 5 ] What the eyes see, what the hands grasp—in short, what the physical organs of a human being are capable of perceiving—is, from the perspective of spiritual science, merely the outermost aspect of the human being, the aspect that he shares with the entire seemingly lifeless mineral world surrounding him. Beyond that, we immediately encounter the next aspect of the human being—one that cannot be perceived by the external senses, one that already belongs to the supersensible, invisible aspects of human nature. And while we refer to that which human beings share with inanimate nature as the physical body, we refer to this first supersensible aspect as the etheric or life body. We find it in every living being—in plants, which it permeates and organizes just as it does in human beings, and in animals. In spiritual science, we do not speak of this etheric or life body in the same way that the materialistic view speaks of life, as if life were merely something that arises as an effect from the physical body and the interaction of the forces and substances of the physical body. No, for spiritual science, this etheric body is not merely something independent—something that the human consciousness, which can clairvoyantly look beyond the sensory world, actually perceives as a reality, just as the physical eyes perceive the physical body—but this etheric body is in fact that which, as the first and truly creative element, underlies the physical body. The physical body is not the cause, but the consequence of the finer, the etheric or life body. Just as—and this image has also been used here often—just as someone looking into a vessel containing water can see ice forming into chunks as it condenses from that water, so the spiritual surrounds us, and the physical is the condensation of the spiritual. Thus, within the human etheric body, the physical body—with all its substances and forces—is a condensation of the etheric body. And this is true of all living beings.
[ 6 ] Ein drittes Glied der menschlichen Wesenheit, das er nur mit den Tieren gemeinsam hat, ist der sogenannte Astralleib, der Träger von Lust und Leid, Freude und Schmerz, Begierden, Trieben und Leidenschaften, Vorstellungen und Gedanken. Von all dem, was auf- und abwogt im Innern der Menschenseele, ist der astralische Leib der Träger, und ebenso, wie der physische Leib eine Verdichtung des Ätherleibes ist, so ist dieser herausverdichtet aus dem astralischen Leibe. Es ist gewiss ein sehr billiger Einwand, der von materialistischer Seite gemacht wird: Könnt ihr euch denn vorstellen, dass es irgendwo in der Welt frei herumfliegende Leidenschaften gibt, frei herumfliegende Gedanken, Gefühle, Lust und Leid? Müssen denn diese nicht gebunden sein an einen physischen Leib? Gewiss, wenn irgendjemand ein Gefäß mit Wasser vor sich hat und er erst dann anfängt zu sehen, wenn das Wasser sich zu Eis verdichtet hat, dann mag er das Wasser leugnen. So hat der Materialist ganz recht, wenn er sagt, für ihn ist nur Physisches da; aber derjenige, der die höheren Organe des Menschen, die Goethe als Geistesaugen bezeichnet, anerkennt, der muss auch anerkennen, dass wirklich unsere Welt nicht nur erfüllt ist mit tast- und sichtbarem Inhalt, sondern mit Wesenheiten, mit Vorgängen, die nur in durcheinanderwebenden Leidenschaften und Trieben und Begierden bestehen und die sich verdichten können zu Ätherischem und Physischem. Kurz, wir unterscheiden am Menschen sein drittes Glied, den sogenannten astralischen Leib, den Träger von Lust und Leid, Freude und Schmerz, Begierden und Gedanken.
[ 6 ] A third aspect of the human being, which it shares only with animals, is the so-called astral body—the vehicle of pleasure and suffering, joy and pain, desires, instincts, and passions, as well as ideas and thoughts. The astral body is the vehicle for all that ebbs and flows within the human soul, and just as the physical body is a condensation of the etheric body, so too is the physical body condensed from the astral body. It is certainly a very facile objection raised by materialists: Can you really imagine that there are passions, thoughts, feelings, pleasure, and suffering floating freely about somewhere in the world? Mustn’t these be bound to a physical body? Certainly, if someone has a vessel of water in front of them and only begins to see it once the water has condensed into ice, then they may deny the water’s existence. Thus, the materialist is quite right when he says that, for him, only the physical exists; but whoever recognizes the higher faculties of the human being—which Goethe calls the “spiritual eyes”—must also acknowledge that our world is in fact filled not only with tangible and visible content, but with entities and processes that consist solely of intertwined passions, instincts, and desires, and which can condense into the ethereal and the physical. In short, we distinguish in the human being a third member, the so-called astral body, the bearer of pleasure and suffering, joy and pain, desires and thoughts.
[ 7 ] Und als viertes Glied haben wir in der menschlichen Wesenheit immer anerkannt dasjenige, was umschließt jener Name des Menschen, der nur von innen heraus ertönen kann, wenn er das bezeichnen soll, worauf er eben anzuwenden ist; als viertes Glied bezeichnen wir den Träger des menschlichen Ich, des menschlichen Selbstbewusstseins. Das Ich kann nur sich selbst benennen; nur von sich aus kann es sich den Namen «Ich» geben; unmöglich kann von außen der Name «Ich» an Ihr Ohr klingen, wenn er Sie selbst bedeuten soll.
[ 7 ] And as the fourth element, we have always recognized in human nature that which is encompassed by the name “human,” a name that can only resound from within when it is meant to denote that to which it is actually applied; as the fourth element, we designate the bearer of the human “I,” of human self-consciousness. The “I” can name only itself; it can give itself the name “I” only of its own accord; it is impossible for the name “I” to reach your ear from outside if it is to signify you yourself.
[ 8 ] Das sollte nur skizzenhaft andeuten, wie wir uns den Menschen als viergliedriges Wesen denken. Alle diese Glieder wirken ineinander in der mannigfaltigsten Weise. Das Ich wirkt auf den physischen, ätherischen und astralischen Leib, der Astralleib auf das Ich, den physischen und Ätherleib und so weiter, und so weiter. In einer immerwährenden Wechselwirkung sind diese vier Glieder der menschlichen Natur. Wichtig ist es, dass wir außer dieser Wechselwirkung, die immerdar für das hellseherische Bewusstsein beobachtet werden kann während des Wachens, dass wir noch ins Auge fassen jene Veränderungen, die im Zusammenhang dieser vier Glieder vorgehen können, zunächst jene Veränderungen, die tagtäglich vor sich gehen im Wechsel des wachen Tagesbewusstseins und des Schlafbewusstseins.
[ 8 ] This is only meant to give a rough outline of how we conceive of the human being as a fourfold being. All these aspects interact with one another in the most diverse ways. The ego influences the physical, etheric, and astral bodies; the astral body influences the ego, the physical body, and the etheric body; and so on, and so on. These four aspects of human nature are in a constant state of interaction. It is important that, in addition to this interaction—which can always be observed by the clairvoyant consciousness during wakefulness—we also take into account the changes that can occur in the interplay of these four aspects, beginning with the changes that take place day by day in the alternation between waking consciousness and sleep consciousness.
[ 9 ] Wenn der Mensch einschläft, bleiben im Bette liegen sein physischer und sein Ätherleib. Heraus gehen der Astralleib und das Ich. Des Morgens tauchen das Ich und der Astralleib wiederum ein in den Ätherleib und physischen Leib und bedienen sich der Organe, durch die die Umwelt als physische gesehen werden kann. Der Mensch ist auch in der Nacht vorhanden, auch wenn die Bewusstlosigkeit sich um ihn herum ausbreitet. Er sicht nur nichts, weil er in seinem jetzigen Entwicklungszustand in seinem Astralleib nicht geistige Ohren und Augen hat. Er muss sich der physischen Organe bedienen, und das kann er nur, wenn er untertaucht in den physischen Leib. Das ist der Wandel, den der Mensch Tag für Tag durchmacht. Noch einen anderen Wandel macht die Menschennatur durch, jenen Wandel, der sich bezeichnet durch die bedeutungsvollen Worte, die im Grunde genommen einen großen Teil des menschlichen Rätsels schon umschließen: Geburt und Tod — oder auch wohl Leben und Tod.
[ 9 ] When a person falls asleep, their physical body and etheric body remain in bed. The astral body and the “I” leave the body. In the morning, the “I” and the astral body re-enter the etheric body and the physical body and make use of the organs through which the external world can be perceived as physical. A person exists even at night, even as unconsciousness spreads around them. They simply do not see anything because, at their current stage of development, they do not possess spiritual ears and eyes in their astral body. They must make use of their physical organs, and they can do so only when they immerse themselves in the physical body. This is the transformation that a person undergoes day after day. Human nature undergoes yet another transformation—one characterized by the meaningful words that, in essence, already encompass a large part of the human mystery: birth and death—or, indeed, life and death.
[ 10 ] Wir müssen uns auch heute wieder kurz vor die Seele rufen, was mit dem Menschen vor sich geht, wenn er durch das geheimnisvolle Tor des Todes schreitet. Da ist es nicht so, wie wenn der Mensch einschläft. Im Tode bleibt liegen des Menschen physischer Leib als Leichnam, und es trennen sich zunächst von diesem Leichnam das Ich, der Astralleib und der Ätherleib. Das, was zwischen Geburt und Tod nicht eintritt, dass der Ätherleib den physischen verlässt, das geschieht im Tode. Wir sehen schon daraus, dass der Ätherleib durch das ganze Leben hindurch, und zwar sowohl im Wachen wie im Schlafzustande, ein Kämpfer ist gegen den Zerfall des physischen Leibes. Wo der Ätherleib nicht kämpft gegen den Zerfall, da folgt der physische Leib seinen eigenen Stoffen und Kräften und zerstiebt, verwest. Das ist die eigene Natur des physischen Leibes, die er als Leichnam entfaltet. Dass er sie während des Lebens nicht entfaltet, dass er den chemisch-physikalischen Kräften nicht folgt wie im Tode, das ist dem Ätherleib zuzuschreiben, der zwischen Geburt und Tod ein treuer Kämpfer ist gegen den Zerfall des physischen Leibes. Und wenn dann der Mensch durch den Tod geschritten ist, dann kann er dadurch, dass er seinen physischen Leib abgelegt hat, mit den Früchten, die er in dem Leben zwischen Geburt und Tod geerntet hat, die er geerntet hat durch seine Erfahrungen, weiterleben in der geistigen Welt. Der Ätherleib, der sich herauszieht aus dem physischen Leibe, enthält ein getreues Abbild aller Erlebnisse zwischen Geburt und Tod, und es ist etwas wie eine Essenz, wie ein Extrakt des Ätherleibes, was wir mitnehmen in das folgende Leben nach dem Tode, in das Leben im Geist hinein. Wir nehmen von unserem Ätherleib, der nach ein paar Tagen in der Regel auch als ein zweiter Leichnam sich von uns loslöst, etwas wie einen Extrakt mit, der für alle Ewigkeit bleibt. Er enthält etwas wie einen kurzen Auszug des letzten Lebens; den nehmen wir mit in das zukünftige Leben.
[ 10 ] Even today, we must once again briefly reflect on what happens to a person when they pass through the mysterious gate of death. It is not like falling asleep. In death, the human being’s physical body remains behind as a corpse, and the I, the astral body, and the etheric body initially separate from this corpse. What does not occur between birth and death—namely, the etheric body leaving the physical body—happens at death. We can already see from this that throughout life—both in the waking and sleeping states—the etheric body is a fighter against the decay of the physical body. Where the etheric body does not fight against decay, the physical body follows its own substances and forces and disintegrates, decaying. This is the very nature of the physical body, which it manifests as a corpse. The fact that it does not manifest this nature during life—that it does not follow its chemical and physical forces as it does in death—is attributable to the etheric body, which, between birth and death, is a faithful fighter against the decay of the physical body. And once a person has passed through death, having shed their physical body, they can continue to live in the spiritual world with the fruits they have reaped in the life between birth and death—fruits gained through their experiences. The etheric body, which withdraws from the physical body, contains a faithful image of all experiences between birth and death, and it is something like an essence, an extract of the etheric body, that we take with us into the life that follows death—into the life in the spirit. From our etheric body—which, after a few days, usually detaches itself from us as a second corpse—we take with us something like an extract that remains for all eternity. It contains something like a brief summary of the last life; we take that with us into the future life.
[ 11 ] Nun haben wir allerdings noch eine Aufgabe nach dem Tode. Wir müssen eine Art von Probezeit, eine Zeit des Abgewöhnens durchmachen. Sie können sich diese Zeit am besten vorstellen, wenn Sie von einer einfachen Erwägung ausgehen, wenn Sie sich sagen: Der Astralleib des Menschen ist der Träger von Lust und Leid, von Trieben, Begierden, allen Genüssen. Nicht der physische Leib ist der Träger derselben; der gibt nur die Instrumente zum Genießen. Der Genuss selbst liegt im Astralleib. Den Astralleib nehmen Sie aber mit nach dem Tode. Er ist unmittelbar nach dem Tode gerade so, wie er im Leben war. Nehmen wir an, der Mensch sei ein Feinschmecker gewesen. Nach dem Tode hat er seinen Astralleib noch; der sehnt sich immer nach den leckeren Bissen. Es besteht aber keine Möglichkeit, diesen Genuss zu befriedigen. Er lässt sich nur befriedigen, wenn man einen Gaumen hat. Der physische Leib ist abgelegt, so lechzt der Astralleib nach dem Tode nach den Genüssen vom Leben. So ist es mit alledem, das nur durch physische Werkzeuge befriedigt werden kann. Das muss alles in einer gewissen Zeit abgewöhnt werden.
[ 11 ] However, we still have one more task to complete after death. We must go through a kind of probationary period, a time of weaning ourselves from these things. You can best imagine this time by starting from a simple consideration, by telling yourself: The human astral body is the bearer of pleasure and suffering, of instincts, desires, and all forms of enjoyment. It is not the physical body that is the bearer of these things; it merely provides the instruments for enjoyment. The pleasure itself lies in the astral body. But you take the astral body with you after death. Immediately after death, it is exactly as it was in life. Let’s suppose a person was a gourmet. After death, he still has his astral body; it constantly craves those delicious morsels. But there is no way to satisfy this desire. It can only be satisfied if one has a palate. Once the physical body has been shed, the astral body yearns after death for the pleasures of life. This is true of everything that can only be satisfied through physical instruments. All of this must be weaned away over a certain period of time.
[ 12 ] Diese Abgewöhnzeit, in der der Mensch lernt, nichts mehr von dem haben zu wollen, was nur durch die physischen Organe befriedigt werden kann, diese Zeit bezeichnet man gewöhnlich als die Zeit der Wünsche, Kamaloka. Denn wenn der Mensch diese Zeit des Abgewöhnens durchgemacht hat, wenn er nichts mehr begehrt, was nur durch die physischen Sinne befriedigt werden kann, dann streift er den dritten Leichnam ab. Zuerst hat er abgestreift den physischen Leichnam, dann den Ätherleichnam, der sich wenige Tage nach dem physischen Tode auflöst, und dann streift er ab das Unbrauchbare vom Astralleibe. Und dann ist der Mensch jenes rein geistige Wesen, das eine Zeit rein geistigen Lebens durchmacht.
[ 12 ] This period of weaning, during which a person learns to no longer desire anything that can be satisfied only through the physical organs, is usually referred to as the realm of desires, Kamaloka. For when a person has gone through this period of weaning, when he no longer desires anything that can be satisfied only through the physical senses, then he sheds the third body. First, they have shed the physical body, then the etheric body, which dissolves a few days after physical death, and then they shed the useless parts of the astral body. And then the human being is that purely spiritual being who undergoes a period of purely spiritual life.
[ 13 ] Der Übergang von der Zeit des Abgewöhnens physischer Leidenschaften macht sich dadurch geltend, dass der Mensch zunächst als das Innerste seines Erlebens etwas hat, was man bezeichnen kann als das Gefühl der Seligkeit. Jetzt beginnt vor allen Dingen die Zeit, wo er entgegenarbeitet einem neuen Dasein, wo er beginnt, das, was er in früheren Leben gelernt hat, was er als Früchte aufgenommen hat, anzuwenden, das allmählich zu einem geistigen Urbild auszugestalten, wovon das nächste Leben ein Abbild werden kann. Schaffen ist immer mit dem Gefühl der Seligkeit verbunden. Und jenes Schaffen, in dem wir das Urbild für ein nächstes Dasein nach und nach bilden, das ist höchste Seligkeit. Ich will gar nicht davon sprechen, welche Seligkeit mit jeder geistigen Produktion verbunden ist, aber es ist schon Seligkeit, wenn nur - verzeihen Sie den Vergleich — die Henne teilnimmt an der Produktion des neuen Hühnchens. Seligkeit ist das, was ein Wesen durchzieht bei allem Hervorbringen. Seligkeit ist es daher auch, was der Mensch durchmacht, indem er frei ist von allen Schranken der physischen Welt, indem er alles zusammenbringt geistig, was dann, wenn es geistig ausgebaut ist, zu einem neuen Dasein auf dieser Erde schreitet.
[ 13 ] The transition from the period of weaning oneself from physical passions manifests itself in that the human being initially experiences, at the very core of his or her being, something that can be described as a feeling of bliss. Now, above all, begins the period in which the individual works toward a new existence, in which he begins to apply what he has learned in previous lives—what he has absorbed as fruits—and gradually shape it into a spiritual archetype from which the next life can become a reflection. Creative work is always connected with the feeling of bliss. And that creative work in which we gradually form the archetype for a future existence—that is the highest bliss. I do not even wish to speak of the bliss associated with every spiritual creation, but it is already bliss when—forgive the comparison—the hen participates in the production of the new chick. Bliss is what permeates a being in every act of creation. Bliss is therefore also what a human being experiences by being free from all the limitations of the physical world, by bringing everything together spiritually, which—once it has been spiritually developed—proceeds to a new existence on this earth.
[ 14 ] Wenn der Mensch ausgereift hat dann seinen geistigen Wesenskern, was lange dauert, dann beginnt wieder der Abstieg in die physische Welt, dann ist es so, dass der Mensch sich umgibt mit drei neuen Leibern. Je nachdem des Menschen Eigenschaften sind, gliedern sich an die Substanzen aus der astralen Welt, bildet sich sein neuer Astralleib. Diese Bildung können wir vergleichen etwa — sagen wir — damit, wenn wir ausgebreitet haben Metallspäne auf einer dünnen Platte und einen Magnet unten durchführen; diese Metallspäne gliedern sich dann in allerlei Formen an, in denen sie dann erstrahlen. So gliedert sich die Astralsubstanz beim Herabstieg um einen geistigen Wesenskern.
[ 14 ] Once a human being has fully developed the spiritual core of their being—a process that takes a long time—the descent back into the physical world begins, and the human being then surrounds themselves with three new bodies. Depending on the person’s characteristics, substances from the astral world align themselves with him or her, forming his or her new astral body. We can compare this formation—let’s say—to spreading metal shavings on a thin plate and passing a magnet underneath; these metal shavings then align themselves into all sorts of shapes, in which they then shine. In the same way, as it descends, the astral substance organizes itself around a spiritual core.
[ 15 ] Dann wird der Mensch hingeleitet zu einem Elternpaar und es bildet sich durch die Verbindung dieses geistigen Wesenskernes, der sich seine astralische Hülle angegliedert hat, mit demjenigen, was sich abspielt zwischen den Eltern, das Weitere an menschlichen Hüllen um diesen Wesenskern des Menschen aus. Im Zusammenwirken dessen, was herabsteigt mit den Eltern, gliedert sich um das Herabsteigende ein neuer Ätherleib und ein neuer physischer Leib aus, sodass wir jedes Mal, wenn wir einen Menschen eintreten sehen in ein Dasein, wir uns zu sagen haben: Dieses Menschenwesen bekommt von zwei Seiten her das, was es eigentlich ist für dieses irdische Dasein. Das innere Wesen steigt herab aus geistigen Höhen. Indem der Mensch geistig und astralisch ist, steigt er herunter aus höheren Welten. Durch dasjenige, was sich vererbt von Generation zu Generation, von den Ahnen zu den Nachkommen, gliedert sich um den Menschen das herum, was wir als äußerliche Hülle schauen, aber auch viel von demjenigen, was zum ätherischen Leib, zu dem Kämpfer gegen den Zerfall des physischen Leibes gehört.
[ 15 ] Then the human being is guided to a pair of parents, and through the union of this spiritual core—to which its astral sheath has become attached—with what is taking place between the parents, the further human sheaths around this core of the human being take shape. Through the interplay of what descends with the parents, a new etheric body and a new physical body take shape around the descending being, so that every time we see a human being entering an existence, we must say to ourselves: This human being receives from two sides what it actually is for this earthly existence. The inner being descends from spiritual heights. Because the human being is spiritual and astral, he descends from higher worlds. Through what is inherited from generation to generation, from ancestors to descendants, that which we perceive as the outer shell forms around the human being, but also much of what belongs to the etheric body—the body that fights against the decay of the physical body.
[ 16 ] Und nun [fragen] wir uns, indem wir so einsehen, dass der Mensch von zwei Seiten her gebildert ist, was geschehen würde, wenn das eine oder andere Extrem besonders herrschen würde. Nehmen wir an, der Mensch würde nur einige Eigenschaften aus geistigen Höhen mitbringen, dann würde in seinem astralischen Leibe auch ein wenig reicher Inhalt sein, und es würde überwältigend wirken dasjenige, was als ätherische und physische Hülle sich um den Menschen herumgliedert. Das heißt, ein solcher Mensch, der nur einen armen Inhalt mitbringt, er würde in allen seinen Ahnen sein, eine Wiederholung sozusagen innerhalb der Vererbungslinie. Je reicher der Inhalt ist, den sich der Mensch herunterbringt, desto mehr wird dasjenige, was von den Ahnen zu dem Enkel geht, was in der Vererbungslinie an allgemeinen Ähnlichkeiten liegt, desto mehr wird es in das Individuelle verändert hineingetrieben. Menschen, die arm herunterkommen aus dem Geistigen, werden sozusagen ihrem Innern nach überwältigt von dem Äußeren, das sich um sie herumschließt durch Rasse, Stamm, Familie und Stand, sie haben diejenigen Charaktereigenschaften an sich, die ihr Volk, ihre Familie hat. Menschen, die mit einem reichen Inhalt, mit einer bedeutenden inneren Kraftentfaltung herunterkommen, die treten als scharf umrissene Individualitäten hervor, die nehmen zwar auch auf, was von den Ahnen zu den Nachkommen geht, aber die Ähnlichkeit tritt zurück gegenüber den einzelnen Zügen, die eine Folge der geistigen Entwicklung der Individualität sind. Wir können das bewahrheitet finden, wenn wir «primitive» Menschen betrachten, oder namentlich, wenn wir den geistigen Blick zurückrichten in Urzeiten der Erde. Da sehen die Menschen eines Volkes einander ähnlich. Warum sehen sie einander ähnlich? Weil die Menschen, die sich in solchen Urzeiten verkörpern, wenige verflossene Daseinsstufen durchgemacht haben, wenig erfahren haben in früheren Stufen, daher wenig herunterbringen aus dem Geistigen. Bei entwickelteren Völkern haben wir entwickeltere Stufen; da treten Menschen auf, die viele, viele Lebensläufe hinter sich haben, reiche, reiche Früchte gesogen haben aus früheren Lebensläufen und daher dasjenige, was sie als Früchte hinaufgetragen haben durch viele Leben ins Geistige, wiederum herunterbringen und sich ein individuelles Dasein gestalten. Aber jeder Mensch muss innerhalb unseres heutigen Menschheitszeitraumes sozusagen diesen Kompromiss schließen; er muss hinuntersteigen und mit körperlichen Hüllen sich umschließen, die er aus der Vererbungslinie nehmen muss. Es ist in jedem Menschen diese Zweiheit vorhanden, die zu einem Ganzen sich zusammenfügt. Auf der einen Seite ist der Mensch ähnlich dem, was herunterfließt durch die Vorfahren, auf der anderen ist er eine eigene Wesenheit.
[ 16 ] And now, recognizing that human beings are shaped by two opposing forces, let us ask ourselves what would happen if one or the other extreme were to prevail. Let us suppose that a human being were to bring with them only a few qualities from spiritual heights; then there would be a little richer content in their astral body, and what forms the etheric and physical sheaths around the human being would have an overwhelming effect. That is to say, such a person, who brings only a meager inner content, would be found in all their ancestors—a repetition, so to speak, within the line of inheritance. The richer the inner content that a person brings down with them, the more what passes from the ancestors to the descendant—the general similarities found in the line of inheritance—is transformed and driven into the individual. People who descend from the spiritual realm with a meager inner life are, so to speak, overwhelmed in their inner being by the external circumstances that surround them—race, tribe, family, and social class—and they possess the character traits of their people and their family. People who descend with a rich inner life and a significant unfolding of inner strength emerge as sharply defined individuals; they do indeed absorb what passes from ancestors to descendants, but this similarity recedes in the face of the individual traits that are a consequence of the spiritual development of the individual. We can find this to be true when we observe “primitive” peoples, or more specifically, when we turn our spiritual gaze back to the Earth’s primeval times. There, the people of a single nation resemble one another. Why do they resemble one another? Because the people who incarnate in such primeval times have passed through few past stages of existence, have experienced little in earlier stages, and therefore bring down little from the spiritual realm. Among more developed peoples, we find more advanced stages; there we encounter people who have many, many lifetimes behind them, who have drawn rich, rich fruits from earlier lifetimes, and who therefore bring down into the physical world what they have carried upward as fruits through many lives, thereby shaping an individual existence for themselves. But every human being must, so to speak, strike this compromise within our present era of humanity; they must descend and enclose themselves in physical bodies that they must take from the hereditary line. This duality is present in every human being, coming together to form a whole. On the one hand, the human being is similar to what flows down through the ancestors; on the other, they are a distinct entity.
[ 17 ] Gewiss wird gerade gegen solche Dinge von einem materialistischen Denken viel eingewendet. Es wird zum Beispiel gesagt: Ach, was redet Ihr da von der heruntersteigenden Menschenwesenheit; das ist ja alles vererbt! Auch die Eigenschaften des größten Genies können wir bei den Vorfahren finden. — Es gibt Leute, die nehmen den Goethe oder Leibniz oder diesen oder jenen und da forschen sie hinauf bis zu den frühesten Ahnen und finden nun die Eigenschaften, die beim Genie hervortreten, bei den Ahnen zerstreut, bei diesem eine Eigenschaft und bei jenem eine. Und so sagen uns diese Leute: Ihr könnt es ja sehen, wie das Genie bloß auf Vererbung beruht. Das Genie steht sehr selten am Anfang einer Generation, sondern gewöhnlich am Ende derselben, hat also, was ihm eigen ist, ererbt von den Ahnen. - Eine sonderbare Logik ist das! Denn wer diese Logik überdenkt, wird finden, dass sie das Gegenteil besagt von dem, was sie behauptet. Diese Logik will beweisen, dass das Genie seine Eigenschaften ererbt. Sie würde es beweisen, wenn nachgewiesen werden könnte: Hier ist ein Genie, der Sohn hat seine Eigenschaften geerbt, der Enkel wieder und so weiter. Aber das ist nicht der Fall. Das wird gerade geleugnet. Das Genie ist unfruchtbar. Es ist selten, dass man geniale Eigenschaften einfach vererben kann. Wenn das Genie am Ende einer Reihe von Geschlechtern steht, so besagt das nichts dafür, dass diese Individualität in ihrem Ganzen herunterfließt in der Reihe. Natürlich stammen der physische und der Ätherleib, die die Instrumente des menschlichen Wesenskernes sind, aus der Vererbungslinie, und dass sie die Eigenschaften zeigen, die man da oder dort zusammenlesen kann, ist nicht wunderbar. Das ist geradeso gescheit, wie wenn man jemandem erzählt, nachdem einer ins Wasser gefallen und herausgezogen worden ist: Dieser ist nass. Das ist selbstverständlich. So ist es mit den Eigenschaften, die man ererbt. Die Logik ist falsch, die gewöhnlich angewendet wird, um irgendwie die gut begründete Tatsache zu widerlegen, dass der Mensch zusammenfließt aus den zwei Linien, wovon die eine von Generation zu Generation geht und bezeichnet wird mit den Namen Rasse, Volk, Stamm, Familie, die andere aber innerhalb der geistigen Welt liegt, wo der Mensch von Leben zu Leben schreitet und in langen Zeiträumen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt eben diese neue Geburt in einer rein geistigen Welt vorbereitet. Diese zwei Linien fließen zusammen.
[ 17 ] Certainly, materialistic thinking raises many objections to precisely such ideas. For example, people say: “Oh, what are you talking about—the descent of the human being? It’s all inherited! We can even find the characteristics of the greatest geniuses in their ancestors.” — There are people who take Goethe or Leibniz or this or that figure and trace their lineage back to the earliest ancestors, only to find the qualities that stand out in the genius scattered among the ancestors—one quality in this one and another in that one. And so these people tell us: “You can see for yourselves how genius is based solely on heredity.” Genius very rarely appears at the beginning of a generation, but usually at the end of it; thus, it has inherited what is unique to it from its ancestors. - What a strange line of reasoning! For anyone who reflects on this logic will find that it implies the exact opposite of what it claims. This logic seeks to prove that genius inherits its qualities. It would prove this if it could be demonstrated: “Here is a genius; the son inherited his qualities, the grandson did as well, and so on.” But that is not the case. This is precisely what is being refuted. Genius is not hereditary. It is rare for genius-like qualities to be simply passed down. If a genius stands at the end of a line of generations, that does not mean that this individuality, in its entirety, flows down through the line. Of course, the physical and etheric bodies—which are the instruments of the human being’s core—originate from the hereditary line, and the fact that they exhibit the characteristics one can observe here and there is not surprising. That is just as obvious as telling someone, after a person has fallen into the water and been pulled out, “This person is wet.” It goes without saying. So it is with the characteristics one inherits. The logic commonly employed to somehow refute the well-founded fact that human beings are a fusion of two lines—one of which runs from generation to generation and is designated by the terms “race,” people, tribe, or family, while the other lies within the spiritual world, where a person progresses from life to life and, over long periods of time between death and a new birth, prepares for that very new birth in a purely spiritual world. These two lines converge.
[ 18 ] Wie wird die Übereinstimmung geschaffen zwischen dem, was aus der geistigen Welt kommt, und dem, was innerhalb der Vererbungslinie liegt und beschlossen wird durch Worte wie Volk, Familie? Wie wird ein Ausgleich geschaffen? Dieser Ausgleich kann nur dadurch geschaffen werden, dass den Eigenschaften, welche den Menschen auszeichnen, insofern er einer Rasse, einem Stamm, einer Familie angehört, dass diesen andere, ihnen ähnliche entgegentreten und sich mit den von unten stammenden zusammengliedern. Würden wir nur die Automaten sein, die sich in der Vererbungslinie fortpflanzen, so würden wir sagen: So sind wir. — Wir schauen hinauf die Ahnenreihe und finden die Eigenschaften, die in unserem physischen und Ätherleibe sind, in den Vorfahren. Nicht nur die Nasen- und Stirnbildung, Haarfarbe und Physiognomie finden wir bei den Ahnen, sondern auch innere Eigenschaften, die schon hart an dasjenige heraufgehen, was man umschreiben kann mit dem Worte «moralisch>», vererben sich. Es gibt Begriffe, zum Beispiel über Empfindungen und Gefühle, die in dieser Familie oder jener Rasse oder jenem Stamme heimisch sind. Wie pflanzen sich die fort? Würde die Fortpflanzung bloß von physischem Leibe zu physischem Leibe gehen, dann würden sich die Menschen nur in Bezug auf diesen ähnlich sein. Dass sie auch in solchen Eigenschaften, welche Charaktereigenschaften eines Stammes sind, übereinstimmen, das rührt davon her, dass ein Ätherleib zu demjenigen gehört, was sich ebenfalls durch die Generationen hindurch fortsetzt. Und wie der physische Leib von unten herauf auf den Ätherleib zurückwirkt, welche Eigenschaften der physische Leib von unten herauf dem Ätherleibe aufprägt, nachdem er gebildet ist, das werden die Rasseneigentümlichkeiten. Ursprünglich ist der physische Leib entstanden wie durch eine Art Verdichtung des Ätherleibes. Wenn er aber da ist, so nimmt er die Eindrücke auf der Außenwelt. Die wirken wieder zurück auf den Ätherleib, und soweit sie zurückwirken, übertragen sie sich innerhalb der Vererbungslinie. So ist der Ätherleib eines jeden Menschen dadurch, dass Letzterer sozusagen ein Nachkomme irgendeines Ahnen ist, mit ganz bestimmten typischen, schablonenhaften, eben Rasseneigentümlichkeiten ausgestattet.
[ 18 ] How is harmony established between what comes from the spiritual world and what lies within the line of inheritance and is defined by terms such as “people” and “family”? How is a balance achieved? This balance can only be achieved by ensuring that the characteristics that distinguish a person—insofar as they belong to a race, a tribe, or a family—are met by others similar to them, who then unite with those originating from below. If we were merely automatons reproducing within the hereditary line, we would say: This is who we are. — We look back along the line of ancestors and find in them the characteristics that are present in our physical and etheric bodies. We find not only the shape of the nose and forehead, hair color, and physiognomy in our ancestors, but also inner qualities that come very close to what can be described by the word “moral”—these are inherited. There are concepts—for example, regarding sensations and feelings—that are characteristic of this family, that race, or that tribe. How are these passed on? If reproduction were to occur solely from physical body to physical body, then people would be similar only in this respect. The fact that they also correspond in such qualities—which are characteristic traits of a tribe—stems from the fact that the etheric body is part of what is likewise passed down through the generations. And just as the physical body exerts a influence from below upward on the etheric body—the qualities that the physical body, once formed, imprints upon the etheric body from below—these become the racial characteristics. Originally, the physical body arose as if through a kind of condensation of the etheric body. But once it exists, it absorbs impressions from the external world. These impressions, in turn, act back upon the etheric body, and to the extent that they do so, they are transmitted along the line of heredity. Thus, because every human being is, so to speak, a descendant of some ancestor, the etheric body of each person is endowed with very specific, typical, pattern-like racial characteristics.
[ 19 ] Der geistige Wesenskern des Menschen, in dem er herunterkommt in die physische Welt, muss sich anpassen demjenigen, was ihm gerade eben in dieser physischen Welt zur Verfügung stehen kann als Hülle. Diese muss ihm etwas entgegenbringen, was den Eigenschaften des Ätherleibes verwandt ist. Mit anderen Worten: Es muss das herabkommende Ich solche Eigenschaften nun in den Ätherleib hineinprägen können, dass der Ätherleib durch diese ihm von oben, von dem Astralleib eingeprägten Eigenschaften, das Kompromiss bilden kann zwischen dem, was von unten kommt, und dem, was von oben kommt. Im Ätherleib fließen dann, wenn der Mensch in ein neues Dasein tritt, gewisse Eigenschaften zusammen, die dadurch im Ätherleib sind, dass dieser nach unten verbunden ist mit dem physischen Leib und von oben andere Eigenschaften durch ihn fließen, die ihm eingeprägt werden von dem herabkommenden Astralleib.
[ 19 ] The spiritual core of the human being, through which he descends into the physical world, must adapt to whatever is available to him in this physical world as a covering. This covering must provide him with something akin to the qualities of the etheric body. In other words: The descending “I” must be able to imprint such qualities onto the etheric body that the etheric body—through these qualities imprinted upon it from above by the astral body—can form a compromise between what comes from below and what comes from above. When a person enters a new existence, certain qualities then converge in the etheric body; these qualities are present in the etheric body because it is connected downward to the physical body, while other qualities flow through it from above, imprinted upon it by the descending astral body.
[ 20 ] Die Eigenschaften, die von dem herabkommenden Astralleib dem Ätherleibe eingeprägt werden, begründen das menschliche Temperament. Hier sitzt das Temperament. Dieses Temperament bringt sich der Mensch dadurch mit. Er hat es noch nicht, wenn er bloß den Astralleib hat; er hat es dadurch, dass dieser Astralleib, indem er herunterschwebt, sich zu verbinden hat mit dem Ätherleib, der gewisse Eigenschaften der Rasse, des Volkes hat. Da er sozusagen gewisse Eigenschaften ausbildet, die dem Unten entsprechen, aber auch den ursprünglichen, kernhaften Eigentümlichkeiten des Menschen angemessen sind, so ist das Temperament etwas, was zugleich individuell ist und was sozusagen seinen Ton hinwirft über die allgemeinen Eigenschaften, die der Mensch gemeinsam hat mit Rasse, Stamm, Familie. Würden wir nur die Eigentümlichkeiten der Rasse, des Stammes, der Familie vererben, so wären wir Durchschnittsfiguren; würden wir von oben kommen mit unserer kernhaften Wesenheit und jetzt sozusagen hineinfahren müssen in diese, dann würde das wenig stimmen. Was wir uns mitbringen, was wir uns vor Jahrtausenden vielleicht ausgebildet haben, würde wenig zusammenstimmen mit dem, was wir vorfinden. Das, was sich als Individuelles anpassen kann dem schablonenhaften Allgemeinen von unten, das ist das Temperament.
[ 20 ] The qualities imprinted on the etheric body by the descending astral body form the basis of the human temperament. This is where the temperament resides. The human being brings this temperament with them. They do not yet possess it when they have only the astral body; they acquire it because, as this astral body descends, it must unite with the etheric body, which possesses certain characteristics of the race or people. Since it develops, so to speak, certain characteristics that correspond to what lies below, yet are also in harmony with the original, essential traits of the human being, the temperament is something that is at once individual and that, so to speak, casts its own tone over the general characteristics that the human being shares with their race, tribe, and family. If we were to inherit only the characteristics of race, tribe, and family, we would be average figures; if we were to come from above with our essential being and now, so to speak, have to merge into these, then that would not fit well. What we bring with us—what we may have developed millennia ago—would be out of harmony with what we find here. That which, as the individual, can adapt to the stereotypical general from below—that is the temperament.
[ 21 ] So kommt der Mensch durch sein Temperament aus der Lage heraus, ein völlig individuelles Wesen zu sein. Denn durch sein Temperament mildert der Mensch seine volle Eigensinnigkeit eines individuellen Wesens, mattet er dieses ab. Aber er hebt zu gleicher Zeit das Schablonenhafte auf. Daher sehen wir auch, dass die Temperamente der Menschen entstehen durch Vermischung von im Grunde genommen wenigen Grundtemperamenten.
[ 21 ] Thus, through his temperament, a person is able to transcend the condition of being a completely individual being. For through his temperament, a person tempers the full obstinacy of an individual being; he mitigates it. But at the same time, they eliminate the stereotypical. That is why we also see that human temperaments arise from a mixture of what are, in essence, only a few basic temperaments.
[ 22 ] Sie alle kennen ja diese vier Grundfarben des Temperamentes, die man bezeichnet als melancholisch, phlegmatisch, sanguinisch, cholerisch. Eigentlich gibt es nicht nur diese vier, sondern sieben Schattierungen des Temperamentes. Nur das cholerische Temperament ist im Grunde genommen einzeln für sich stehend. Das sanguinische, phlegmatische und melancholische Temperament haben alle eine aktive und eine passive Seite, sodass sie zweifach auftreten. Das gibt sieben Farben, wie sieben Farben im Regenbogen, sieben Töne in der Tonskala zu unterscheiden sind. Der achte ist nur eine Wiederholung der Prime. Aber das soll uns weniger beschäftigen. Wir wollen uns darüber klar werden, dass wir niemals eines dieser Temperamente für sich genau einem Menschen zuschreiben dürfen, sondern jeder Mensch ist aus allen diesen Temperamenten gemischt; nur das, was hervorsticht von den vieren, lässt ihn melancholisch oder phlegmatisch oder sanguinisch erscheinen, und je nachdem bezeichnen wir ihn als solchen oder solchen. Im Melancholiker sind die andern enthalten, nur treten sie zurück gegenüber der melancholischen Grundstimmung. Leicht könnten Sie das nachweisen, wenn Sie betrachten zum Beispiel Napoleon; der hatte gewiss ein cholerisches Temperament. Denken Sie nach, wie phlegmatisch er gewesen ist in ganz bestimmten Dingen, die ihn nicht interessiert haben. Er konnte sehr phlegmatisch sein auf gewissen Feldern. Der Mensch hat eine hervorstechende Eigenschaft, ist aber zusammengesetzt aus den vier, beziehungsweise sieben Grundfarben des Temperamentes.
[ 22 ] You are all familiar with these four basic temperaments, which are referred to as melancholic, phlegmatic, sanguine, and choleric. In fact, there are not just these four, but seven shades of temperament. Only the choleric temperament is, strictly speaking, a distinct category on its own. The sanguine, phlegmatic, and melancholic temperaments all have an active and a passive side, so they manifest in two forms. This results in seven shades, just as there are seven colors in the rainbow and seven notes in the musical scale. The eighth is merely a repetition of the first. But that is of less concern to us. Let us be clear that we must never attribute any one of these temperaments in isolation to a single person; rather, every person is a mixture of all these temperaments. Only whatever stands out among the four makes a person appear melancholic, phlegmatic, or sanguine, and depending on that, we describe them as such. The melancholic person contains the others; they are simply overshadowed by the underlying melancholic mood. You could easily demonstrate this by considering, for example, Napoleon; he certainly had a choleric temperament. Think about how phlegmatic he was in very specific matters that did not interest him. He could be very phlegmatic in certain areas. A person has one prominent trait but is composed of the four—or rather, seven—basic colors of temperament.
[ 23 ] Nun fragt es sich: Wann ist der Mensch vorzugsweise ein Melancholiker, ein Phlegmatiker, ein Sanguiniker, ein Choleriker? Es wurde schon in der Einleitung gesagt, dass alle Glieder der Menschennatur wechselweise aufeinander wirken. So wirken alle höheren Glieder der Menschennatur auf den physischen Leib. Wenn der Mensch kein Ich, kein individuell geartetes Ich hätte, dann würden sein Blut und die ganze Blutzirkulation nicht so sein, wie sie sind. Der Blutkreislauf ist der Ausdruck für das Ich. Das Ich ist rein geistig, aber die Wirkung dieses Geistigen, dieses Ich, ist das Blut in seiner ganzen Zirkulation. Wie das Blut in uns zirkuliert, so ist es der Ausdruck unseres Ich. Der Ausdruck des Astralleibes ist das Nervensystem — ein Ausdruck wenigstens. Der Ausdruck des Ätherleibes ist das Drüsensystem. Nur diejenige Wesenheit kann ein Drüsensystem haben, die durchzogen ist von einem Ätherleibe; denn der Ätherleib durchsetzt den physischen Leib mit dem Drüsensystem, das notwendig ist für das ganze Leben, für die Ernährung und Fortpflanzung. Denken und empfinden kann nur ein Wesen, das einen Astralleib hat; denn ein Astralleib durchsetzt den physischen mit einem Nervensystem. Und nur ein Wesen, das ein Ich ist, kann den Blutkreislauf haben; denn der ist der physische Ausdruck des Ich. So haben wir, wie in den physischen Leib hineinwirkt jedes Glied, das wir zu den höheren Gliedern zählen. Aber umgekehrt wirkt der physische Leib wieder zurück.
[ 23 ] The question now arises: When is a person primarily a melancholic, a phlegmatic, a sanguine, or a choleric? As was already mentioned in the introduction, all aspects of human nature interact with one another. In the same way, all the higher aspects of human nature influence the physical body. If a person had no “I,” no individually distinct “I,” then their blood and the entire blood circulation would not be as they are. Blood circulation is the expression of the “I.” The “I” is purely spiritual, but the effect of this spiritual aspect—this “I”—is the blood in its entire circulation. The way the blood circulates within us is the expression of our “I.” The expression of the astral body is the nervous system—one expression, at least. The expression of the etheric body is the glandular system. Only a being that is permeated by an etheric body can have a glandular system; for the etheric body permeates the physical body with the glandular system, which is necessary for all life, for nutrition, and for reproduction. Only a being that has an astral body can think and feel; for an astral body permeates the physical body with a nervous system. And only a being that is an “I” can have blood circulation; for this is the physical expression of the “I.” Thus, just as each of the higher members we have identified acts within the physical body, so too does the physical body act back upon them.
[ 24 ] Von den Temperamenten haben wir gesehen, dass sie im Ätherleib ihren besonderen Ausdruck haben. Durch diesen Ausgleich, der da geschieht zwischen dem, was von oben beim Herunterstieg des Menschen hineingeprägt wird in den Ätherleib, und dem, was von unten an bestimmten Eigenschaften in den Ätherleib hineinkommt, entsteht das Temperament. Wenn nun der Mensch einen so gearteten physischen Leib in einer bestimmten Inkarnation hat, dass dieser physische Leib einen stärkeren Eindruck auf den Ätherleib macht als der Astralleib und das Ich, wenn der überwiegende Einfluss vom physischen Leib ausgeht, dann bildet sich im Menschen das, was man das melancholische Temperament nennt. Durch die Eigenart, wie der heruntergehende Astralleib wirkt, weil er sozusagen nicht vollständig Herr wird über die Gesetze des physischen Körpers, wirkt dieser physische Leib mit all seiner Schwere auf den Ätherleib zurück, und dadurch entsteht das melancholische Temperament. Insbesondere muss es ja bei dem Menschen dasjenige im physischen Leibe sein, was das physische Instrument des Denkens, des Geisteslebens überhaupt ist, was da zurückwirkt im melancholischen Temperament auf den Ätherleib, auf die ganzen Lebensverhältnisse des Menschen. Daher wird derjenige, der sozusagen durch seinen Astralleib und sein Ich nicht Herr wird über das physische Gehirn, über das, was sonst physisches Instrument für die Gedanken ist, er wird unter der Gewalt seiner Gedanken stehen. Dazu zwingt der physische Leib den Ätherleib, dass der Mensch nicht Herr wird über seine Gedanken, sondern von diesen beherrscht wird.
[ 24 ] We have seen that the temperaments find their particular expression in the etheric body. The temperament arises from this balance that occurs between what is imprinted into the etheric body from above as the human being descends, and certain qualities that enter the etheric body from below. Now, if a person has a physical body of such a nature in a particular incarnation that this physical body exerts a stronger influence on the etheric body than the astral body and the ego—if the predominant influence emanates from the physical body—then what is called the melancholic temperament develops in the person. Due to the peculiar way in which the descending astral body acts—because it does not, so to speak, fully master the laws of the physical body—this physical body, with all its heaviness, exerts a counter-effect on the etheric body, and this gives rise to the melancholic temperament. In particular, it must be that part of the physical body which serves as the physical instrument of thought—of the spiritual life in general—that exerts this influence in the melancholic temperament upon the etheric body and upon the person’s entire life circumstances. Therefore, the person who, so to speak, does not gain mastery over the physical brain—that which is otherwise the physical instrument of thought—through his astral body and his “I,” will be at the mercy of his thoughts. In this way, the physical body compels the etheric body, so that the person does not gain mastery over his thoughts but is instead dominated by them.
[ 25 ] Das ist dasjenige, was das Grüblerische des Melancholikers begründet. Der schleppt sich hinter seinen Gedankenmassen, hinter seinen Gefühlsmassen, die immer wieder eintreten, einher, weil der physische Leib den vorwiegenden Einfluss auf den Ätherleib hat. Und überall da, wo überhaupt der physische Leib einen vorwiegenden, das heißt, zu großen Einfluss auf den Menschen hat, wo sich dessen Leben so erweist, dass er nicht voll beherrscht werden kann von den höheren Gliedern, da zeigen sich recht die Folgeerscheinungen, auch dann, wenn sie krankhaft werden. Es ist nur die Folge davon, dass die höheren Glieder der menschlichen Natur nicht ihre volle Herrschaft üben können über den physischen Leib, wenn zum Beispiel epileptische Anfälle, wenn nervöse Kopfschmerzen auftreten. Sobald der melancholische Charakter hinüberneigt ins Pathologische, können solche Dinge auftreten.
[ 25 ] This is what underlies the melancholic’s tendency to brood. He drags himself along behind the masses of his thoughts and feelings, which keep recurring, because the physical body exerts a predominant influence on the etheric body. And wherever the physical body exerts a predominant—that is, excessive—influence on a person, wherever that person’s life is such that they cannot be fully governed by the higher members of their being, the resulting effects become apparent, even when they take on a pathological character. It is simply the result of the higher aspects of human nature being unable to exercise full control over the physical body when, for example, epileptic seizures or nervous headaches occur. As soon as a melancholic disposition veers toward the pathological, such things can occur.
[ 26 ] Daher bezeichnete man in Griechenland, wo man noch hellseherische Gefühle hatte, denjenigen Menschen, bei dem der dichteste Teil den vorwiegendsten Einfluss ausübte, als Melancholiker. Der physische Leib ist es, den der Mensch gemeinsam hat mit den mineralischen Wesenheiten, die man zusammenfasst unter dem Begriff der Erde, und man wusste noch in Griechenland, was man heute nicht mehr weiß, dass der menschliche physische Leib durch seine verschiedenen Säfte gebildet wird, und in diesen sah man nicht bloß etwas Physisches, man untersuchte sie nicht bloß in der chemischen Retorte, sondern wusste, dass es allem Geistigen zugrunde liegt, und man bezeichnete daher dieses Temperament, bei dem der physische Körper den überwiegenden Einfluss ausübt, als schwarzes — melas —, als das melancholische Temperament, weil man die Säfteabsonderung im Menschen erblickte, die bewirkt die Zähigkeit des physischen Leibes, wodurch dieser sich entzieht den normalen Einflüssen der höheren Glieder und wodurch er daher den Menschen zu einem finstern, in sich hineinschauenden Wesen macht. Denn durch seine höheren Glieder gehört der Mensch einer viel größeren Allgemeinheit an. Durch seinen Äther- und Astralleib und sein Ich würde er sich fühlen als dem großen Ganzen, dem großen Welten-Ich, der Gottheit angehörig. Dasjenige, was des Menschen geistige Wesensglieder sind, ist gerade zu dem Persönlichen zusammengefügt dadurch, dass der Mensch in die Haut des physischen Leibes eingeschlossen ist. Daher kommt der Melancholiker auch so schwer von seinem physischen Einzeldasein ab, weil dieses Physische den überwiegenden Einfluss ausübt.
[ 26 ] Therefore, in Greece—where people still possessed clairvoyant sensibilities—a person in whom the densest element exerted the predominant influence was described as a melancholic. It is the physical body that human beings share with the mineral entities, which are grouped under the concept of “earth,” and people in ancient Greece still knew—as we no longer do today—that the human physical body is formed by its various humors; and these were not viewed merely as physical substances, they did not merely examine them in the chemical retort, but knew that they underlie all that is spiritual; and therefore they designated this temperament—in which the physical body exerts the predominant influence—as black—melas— the melancholic temperament, because they observed in human beings the secretion of humors that causes the rigidity of the physical body, whereby it withdraws from the normal influences of the higher members and thereby turns the human being into a gloomy, introspective being. For through his higher members, the human being belongs to a much greater community. Through his etheric and astral bodies and his “I,” he would feel himself to belong to the great whole, the great World-I, the Deity. The spiritual constituents of the human being are precisely fused into the personal through the fact that the human being is enclosed within the skin of the physical body. This is why the melancholic finds it so difficult to detach from his individual physical existence, because this physical aspect exerts the predominant influence.
[ 27 ] Wenn nun der Ätherleib weder von dem physischen Leib noch von dem Astralleib und Ich stark beeinflusst wird, wenn wenig ausgeprägt sind die Impulse der Familie, die Eigentümlichkeiten der Rasse, wenn von oben und unten nicht stark auf den Ätherleib gewirkt wird, wenn er sozusagen neutral bleibt, dann entsteht das phlegmatische Temperament. Das Phlegma ist das Ausgeglichene im Ätherleib. Da wirkt weder der Physische noch der astralische Leib und das Ich besonders stark. Der Mensch hat in diesem Falle das ausgeglichene Phlegma der in sich durcheinanderwogenden Kräfte seines Ätherleibes. Das können Sie hineinverfolgen bis in die physische Leibesgestaltung, die Sie nach außen projiziert sehen. Sie können sehen, wie beim Phlegmatiker dadurch, dass der Ätherleib weder von oben noch von unten starke Einflüsse erhält, das, was Überschuss an Leben ist, sich absetzt im Fett. Sie können in allen Einzelheiten die Folgen sehen dessen, was wir im Geistigen sehen müssen; das Physische ist in allen Einzelheiten ein Ausdruck des Geistigen. Wir können das Physische nur verstehen, wenn wir das Geistige begreifen.
[ 27 ] When the etheric body is not strongly influenced by the physical body, the astral body, or the “I”; when the impulses of the family and the characteristics of the race are not strongly pronounced; when there are no strong influences on the etheric body from above or below; and when it remains, so to speak, neutral—then the phlegmatic temperament arises. Phlegm represents balance in the etheric body. Neither the physical body nor the astral body nor the ego exerts a particularly strong influence here. In this case, the person possesses the balanced phlegmatic state of the forces within their etheric body that are in a state of fluctuation. You can trace this all the way down to the physical body’s form, which you see projected outward. You can see how, in the phlegmatic person, because the etheric body receives no strong influences from above or below, the excess of life settles as fat. You can see in every detail the consequences of what we must perceive in the spiritual realm; the physical is, in every detail, an expression of the spiritual. We can only understand the physical if we comprehend the spiritual.
[ 28 ] Wenn nun die Dinge so verteilt sind, dass der Astralleib überwiegend auf den Ätherleib wirkt, seine Eindrücke besonders stark macht auf diesen, das unterdrückt, was vom physischen Leib heraufkommt, dann entsteht das, was wir das sanguinische Temperament nennen. Da ist der Astralleib, der in sich bewegliche Astralleib tätig; die durcheinanderwogenden Gefühle und Empfindungen regen und rühren sich lebendig. Der ist hingegeben allen Eindrücken der Außenwelt. Wir werden gleich hören, dass es das Ich ist, welches die auf- und abwogenden Bilder, die im Astralleib entstehen und die ihr physisches Instrument im Nervensystem haben, eindämmt geistig, und das Blut, der Ausdruck des Ich, das sie eindämmt physisch. In der Tat wirken Blut- und Nervensystem ganz merkwürdig zusammen. Denken Sie sich, das Blut schwächt sich ab. Was geschieht? Da treten phantastische Bilder auf, Halluzinationen, Phantasiebilder, die keiner Wirklichkeit entsprechen. Die richtigen Hemmungen für diese halluzinativen Kräfte und Phantasiekräfte bilden physisch das Blut und geistig das Ich. Beim Sanguiniker ist nichts Krankhaftes vorhanden, aber er ist deshalb allen Eindrücken der Außenwelt hingegeben, weil das eigentliche Ich noch nicht stark genug wirkt. Was stark wirkt, ist der Astralleib und das Nervensystem. Daher ist der Sanguiniker jedem Eindruck hingegeben; daher ist der Sanguiniker selbst beweglich, weil sein Astralleib beweglich ist. Sehen Sie sich den sanguinischen Gang des sanguinischen Kindes an, wie es hüpft, wie das und jenes es interessiert. Würde das nicht der Fall sein, dass dieses und jenes abwechselnd das Kind interessiert, dann müssten die Eindrücke reguliert werden durch das Ich und das Blut.
[ 28 ] When things are arranged in such a way that the astral body exerts a predominant influence on the etheric body, making its impressions particularly strong upon it and suppressing what rises up from the physical body, then what we call the sanguine temperament arises. There is the astral body, the astral body that is active within itself; the surging emotions and sensations stir and move with life. It is surrendered to all impressions from the external world. We will soon hear that it is the “I” that spiritually restrains the ebbing and flowing images that arise in the astral body—images that have their physical instrument in the nervous system—and that the blood, the expression of the “I,” restrains them physically. In fact, the blood and nervous systems interact in a most remarkable way. Imagine that the blood weakens. What happens? Fantastic images appear—hallucinations, figments of the imagination—that have no basis in reality. The proper restraints on these hallucinatory and imaginative forces are provided physically by the blood and spiritually by the “I.” There is nothing pathological about the sanguine person, but they are therefore at the mercy of all impressions from the outside world because the true “I” is not yet strong enough. What is active are the astral body and the nervous system. That is why the sanguine person is at the mercy of every impression; that is why the sanguine person is agile, because their astral body is agile. Observe the sanguine gait of a sanguine child—how it skips along, how this and that captures its interest. If it were not the case that this and that alternately interest the child, then these impressions would have to be regulated by the “I” and the blood.
[ 29 ] Das ist beim Choleriker der Fall. Wenn das Ich und sein Blut tätig sind, überwiegend tätig sind, und auf den Ätherleib wirken, dann begründet das das cholerische Temperament, das nach der anderen Seite zu weit geht, das nicht von Bild zu Bild eilt, sondern gerade eindämmende, den Wechsel eindämmende Kräfte ausbildet. Diese Kräfte sind bei ihm da.
[ 29 ] This is the case with the choleric person. When the ego and its blood are active—predominantly active—and act upon the etheric body, this gives rise to the choleric temperament, which goes too far in the opposite direction; it does not rush from one image to the next, but rather develops forces that restrain and curb change. These forces are present in the choleric person.
[ 30 ] So sehen wir, wie wir die verschiedenen Schattierungen des Temperamentes, die bewirkt werden durch den Einschlag dessen, was von oben und unten kommt, verstehen lernen. Überwiegt die Einwirkung des physischen Leibes auf den Ätherleib, so ergibt das das melancholische, ist der Ätherleib neutral, so das phlegmatische Temperament. Ist insbesondere der Astralleib innerlich tätig, so haben wir den Sanguiniker, und ist es das Ich, dem vorzugsweise das Herrenrecht überwiesen ist in der menschlichen Individualität, dann bewirkt das den Choleriker.
[ 30 ] Thus we see how we come to understand the various nuances of temperament that result from the influence of what comes from above and below. If the influence of the physical body on the etheric body predominates, this results in the melancholic temperament; if the etheric body is neutral, the result is the phlegmatic temperament. If, in particular, the astral body is active inwardly, we have the sanguine type, and if it is the “I” that is primarily granted dominion within the human individuality, this results in the choleric type.
[ 31 ] Alle diese Dinge können Sie, wenn Sie sie im Geistigen begriffen haben, auch im Physischen ausgeprägt finden. Denken Sie sich die Choleriker, die Leute, bei denen das Ich ausgeprägt ist; sie dämmen den astralischen Leib ein. Und nun ist dieser der ursprüngliche Bildner des physischen Leibes. Der Astralleib hat das Bedürfnis, die Sehnsucht, den physischen Körper so schlank als möglich zu machen, so mannigfaltig auszubilden als möglich. Bei den Cholerikern wirkt das Ich entgegen und dämmt so den Wuchs zurück. Sehen Sie sich nun bei den Cholerikern um, die werden Ihnen den zurückgedämmten Wuchs des physischen Körpers zeigen. Ich möchte Sie auf das Bild eines Fichte aufmerksam machen, der Choleriker war; der hatte genau diesen Ausdruck im Physischen; und an Napoleon brauche ich nur zu erinnern, an den Ausdruck der kleinen, gedrungenen Gestalt. Auch da haben Sie den zurückgehaltenen Wuchs zum Ausdruck gebracht.
[ 31 ] Once you have grasped all these things in the spiritual realm, you will find them expressed in the physical realm as well. Consider the choleric types—people in whom the ego is strongly developed; they restrain the astral body. And now, the ego is the original shaper of the physical body. The astral body has the need, the longing, to make the physical body as slender as possible and to develop it as diversely as possible. In choleric people, the ego works against this and thus restrains growth. Now look around at the choleric types; they will show you the stunted growth of the physical body. I would like to draw your attention to the image of Fichte, who was a choleric; he had precisely this expression in his physical appearance; and I need only remind you of Napoleon, of the expression of his small, stocky figure. There, too, you see the stunted growth expressed.
[ 32 ] Insbesondere zeigen sich die Eigenheiten des Temperamentes eben gerade in demjenigen, was der Mensch durch seine Individualität geben kann, entgegengeben kann demjenigen, was allgemein typisch ihn überkommt. Sehen Sie, wie der Mensch aus diesen zwei Strömungen zusammenfließt. Der Mensch hat fest geprägte Formen an sich; das, was dauernd, starr im Gesichtsausdruck ist, das vererbt sich. Was beweglich ist, wird zum Ausdruck des Individuellen, das vom Geistigen herunterkommt. Da hinein, in das Bewegliche legt sich das Temperament. Die Gesichtszüge können Ausdruck des Starren, Vererbten sein; den Blick hat der Mensch von seiner Individualität heraus. Der Blick ist der Ausdruck des Temperamentes: der stechende der des cholerischen, der unruhige der des sanguinischen, der zurückgehaltene der des melancholischen und der matte der des phlegmatischen. Sehen Sie sich meinetwegen die Gestalt der Füße an. Wer Kenner wäre, würde angeben können: Eine solche Rasse hat diese Fußform, eine andere jene. Aber beim Gang ist das anders. In dem haben wir einen individuellen Ausdruck. Der Gang zeigt höchstens in seinen Grundformen den Rassencharakter, sonst aber kommt das Individuelle hinein. Daher ist der Gang etwas wie die Vermittlung des Individuellen und des Allgemeinen. Sie können sehen den hüpfenden Gang des Sanguinikers, den festen des Cholerikers, den schweren Schritt des Melancholikers, den der schwere physische Leib bewirkt mit seinem überwiegenden Einfluss auf den Ätherleib, und Sie können sehen den lässigen Gang beim Phlegmatiker. In all den Eigenschaften, wo das Individuelle hineinspielt, zeigt sich, was halb individuell ist, weil es sich ausgleichen muss mit dem, was allgemein rassenhaft ist im Menschen; da spielt hinein das Temperament.
[ 32 ] In particular, the characteristics of one’s temperament are revealed precisely in what a person can offer through their individuality—as opposed to what generally and typically overtakes them. See how the human being is formed by the convergence of these two currents. The human being has firmly established features; what is permanent and fixed in facial expression is inherited. What is flexible becomes the expression of the individual, which descends from the spiritual. It is within this flexibility that the temperament is embedded. Facial features can be an expression of the rigid, inherited traits; a person’s gaze, however, stems from their individuality. The gaze is the expression of temperament: the piercing gaze belongs to the choleric type, the restless one to the sanguine, the reserved one to the melancholic, and the dull one to the phlegmatic. Take a look, for example, at the shape of the feet. An expert would be able to state: One race has this foot shape, another that one. But with the gait, it is different. In it, we find an individual expression. The gait reveals the racial character at most in its basic forms; otherwise, the individual comes into play. Therefore, the gait is something like the mediation between the individual and the general. You can see the bouncy gait of the sanguine person, the firm gait of the choleric person, the heavy step of the melancholic person—caused by the heavy physical body with its predominant influence on the etheric body—and you can see the casual gait of the phlegmatic person. In all the characteristics where the individual factor comes into play, what is only partially individual becomes apparent, because it must balance itself against what is generally racial in human beings; this is where temperament comes into play.
[ 33 ] Wenn wir nun verstehen also dieses Geheimnis des Temperamentes und wie es wirkt, dann werden wir uns auf der einen Seite sagen: Oh, gerade an solchen feinen Eigentümlichkeiten des Menschen zeigt sich uns, wie wir nur den Menschen verstehen können, wenn wir ihn nicht nur dem physischen Leibe nach auffassen, sondern seiner ganzen Wesenheit nach. Und es zeigt sich uns auf der anderen Seite auch, wie notwendig es da ist, alles dies zu wissen, wo wir an dem Menschen arbeiten, indem wir seine Entwicklung fördern wollen. Wir wissen ja aus anderen Vorträgen, dass bis zum siebenten Lebensjahre des Menschen physischer Leib zur Ausprägung kommt, von da ab bis zum vierzehnten der Ätherleib, und dann der Astralleib und das Ich. So gliedern sich die einzelnen Teile ineinander. Da sehen wir daher, wie wir das Richtige nur erfassen können, wenn wir an der eigentümlichen Art der chemischen Zusammensetzung — sozusagen — der Temperamente etwas erlauschen von der eigenartigen Prägung des sich entwickelnden Menschen. Nur so können wir als Erzieher etwa, oder Ratgeber, die Menschennatur heranerziehen, wenn wir diese eigenartige, gleichsam chemische Zusammensetzung begreifen, die durch die vier Temperamente uns entgegentritt. Wahrhaft, wie jeder Mensch aus vier Gliedern zusammengesetzt ist, aus dem physischen, Äther- und Astralleib und Ich, so mischen sich die Einflüsse dieser vier und zeigen sich uns in allen möglichen Nuancen, die zurückzuführen sind auf diese vier beziehungsweise sieben Temperamente. Und jetzt sehen wir - weil eine so vielfache Mischung sein kann —, wie jeder einzelne Mensch ein Rätsel sein kann, und wie nur dann, wenn wir den Menschen lebensvoll erfassen, wir ihn begreifen können. Wenn wir jeden als Rätsel empfinden, dann stehen wir ihm erst wahrhaft richtig gegenüber.
[ 33 ] If we now understand this mystery of temperament and how it works, then on the one hand we will say to ourselves: Oh, it is precisely in such subtle human characteristics that we see how we can only understand a person if we perceive them not merely in terms of their physical body, but in terms of their entire being. And on the other hand, it also becomes clear to us how necessary it is to know all this when we work with human beings in order to foster their development. We know from other lectures that the physical body takes shape up to the age of seven, the etheric body from then until the age of fourteen, and then the astral body and the “I.” This is how the individual parts are structured within one another. We can therefore see that we can only grasp the truth if, through the unique nature of the chemical composition—so to speak—of the temperaments, we gain some insight into the distinctive character of the developing human being. Only in this way can we, as educators or counselors, for example, guide human nature toward maturity if we understand this unique, quasi-chemical composition that presents itself to us through the four temperaments. Truly, just as every human being is composed of four parts—the physical body, the etheric body, the astral body, and the I—so do the influences of these four intermingle and reveal themselves to us in all manner of nuances, which can be traced back to these four or, respectively, seven temperaments. And now we see—because the mixture can be so varied—how every single human being can be a mystery, and how we can understand them only when we grasp them in the fullness of life. When we perceive each person as a mystery, only then do we truly face them as they are.
[ 34 ] Das Temperament ist nichts Theoretisches, sondern etwas, was von Mensch zu Mensch wirkt. Wir werden nicht nur enträtseln wollen den Menschen mit dem Verstand, sondern wir werden den ganzen Menschen hinnehmen und als Rätsel ihn von uns empfinden lassen. Dann treten wir mit der vollen Achtung und Liebe dem Menschen entgegen, wenn wir seine individuelle Natur so empfinden, dass er uns zuletzt allerdings wie ein Rätsel erscheint, das wir staunend bewundern, das wir aber in unserer Empfindung, in dem, wie wir jedem Einzelnen entgegentreten durch unsere Achtung und Liebe, durch unsere Wertschätzung erfassen. Oh, es gibt auch andere Rätsel als nur solche, die man mit dem Verstande löst. Die Menschen sind alle Rätsel, und sie werden nicht bloß mit dem Verstande gelöst, sondern die Art, wie wir sie schätzen, ehren und achten, wie wir ihnen mit unseren Gefühlen entgegenkommen und wie wir für sie handeln, das ist auch eine Art von Rätsellösung, und wir werden uns diese Art angewöhnen, wenn wir fühlen lernen, wie sich Individuelles mit Allgemeinem durch sein Zwischending, das Temperament, mischt. Wahrhaft, es ist so, dass wir zwei Ströme im Menschenwesen zusammenfließen sehen, wenn der Mensch dieses Erdendasein betritt. Und wir sehen zu gleicher Zeit, dass diese Ströme zusammenwirken müssen, um das, was als Frucht durch dieses geschehen kann, für ein folgendes Leben mitnehmen, in einer neuen Verkörperung auszuleben. Es ist im Menschen ein Wechselndes und ein Ewiges. Der ewige Kern steigt von Geisteswelt zu Geisteswelt; aber das, was wechselnd ist, ist nicht unnötig erlebt. Im Ausgleich zwischen Temperament und Rassencharakter schaffen wir aus unserem Ätherleib heraus die Früchte, die wir mitnehmen durch unser ganzes folgendes Leben.
[ 34 ] Temperament is not something theoretical, but something that affects us from person to person. We will not only seek to unravel the human being with our intellect, but we will accept the whole person and allow them to remain a mystery to us. Then we approach the human being with full respect and love when we perceive his or her individual nature in such a way that, in the end, he or she does indeed appear to us as a mystery—one that we admire with wonder, but which we grasp in our feelings, in the way we meet each individual through our respect and love, through our appreciation. Oh, there are other mysteries besides those that can be solved by the intellect. People are all mysteries, and they are not solved merely by the intellect; rather, the way we value, honor, and respect them—how we reach out to them with our feelings and how we act on their behalf—is also a kind of solution to the mystery, and we will make this our habit as we learn to sense how the individual blends with the universal through that intermediary—the temperament. Truly, it is the case that we see two currents converging within the human being when a person enters this earthly existence. And we see at the same time that these currents must interact so that what can come to fruition through this existence may be carried over into a subsequent life and lived out in a new incarnation. There is in the human being that which is changing and that which is eternal. The eternal core ascends from one spiritual world to the next; but what is transient is not experienced in vain. In the balance between temperament and racial character, we create from within our etheric body the fruits that we carry with us throughout our entire subsequent life.
[ 35 ] Und so ist es auch für dieses Gebiet durchaus wahr, dass Freiheit gilt neben der Notwendigkeit, dass wir zwar ins Leben eintreten durch das Zusammenfließen der beiden Ströme und notwendige Gesetzmäßigkeit uns ausprägt, dass aber auch nichts vernichtet wird, was wir selbst ausprägen innerhalb unserer Individualität und dem Allgemeinen.
[ 35 ] And so it is certainly true of this realm as well that freedom holds true alongside the necessity that, while we enter life through the convergence of these two currents and are shaped by necessary laws, nothing is destroyed that we ourselves shape within our individuality and the universal.
[ 36 ] Freiheit und Notwendigkeit ist eben so schön, das eine wie das andere, ausgesprochen in dem Goethe’schen Wort - wenn wir es nur ganz verstehen —, das uns sagen soll, wie das Gesetz durch die Menschennatur durchgeht; wenn wir sehen, wie zusammenwirken die Temperamente in ihrer chemischen Mischung, dann finden wir insbesondere in diesem Geheimnis des menschlichen Temperamentes bewahrheitet das, was im Symbolum Goethe so schön sagt und womit wir schließen wollen:
[ 36 ] Freedom and necessity are equally beautiful—one as much as the other—as expressed in Goethe’s words—if only we fully understand them—which are meant to tell us how the law runs through human nature; when we see how the temperaments interact in their chemical mixture, then we find, particularly in this mystery of the human temperament, the truth of what Goethe so beautifully expresses in *Symbolum*, and with which we wish to conclude:
Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen,
Die Sonne stand zum Gruße der Planeten,
Bist alsobald und fort und fort gediehen
Nach dem Gesetz, wonach du angetreten.
So musst du sein, dir kannst du nicht entfliehen!
So sagten schon Sibyllen, so Propheten,
Und keine Zeit und keine Macht zerstückelt
Geprägte Form, die lebend sich entwickelt.
Just as on the day you were given to the world,
The sun stood in greeting to the planets,
You flourished immediately and ever since
According to the law by which you came into being.
This is how you must be; you cannot escape it!
So said the Sibyls, so said the prophets,
And no time, no power can break apart
A formed shape that develops while alive.
