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Knowledge and Immortality
GA 69b

14 November 1910, Nuremberg

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Knowledge and Immortality, tr. SOL
  1. Erkenntnis und Unsterblichkeit

4. Anlage, Begabung und Erziehung des Kindes

4. The Child's The Child's Disposition, Talents, and Upbringing, Talents, and Upbringing

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Wenn man heute als vielleicht noch Außenstehender die Gesinnung und Denkungsart der Geisteswissenschaft — oder, wie man gewöhnt ist, sie zu nennen, der Theosophie — betrachtet und versucht, sich an dem, was die Vorstellungsgewohnheiten unserer Zeit sind, ein Urteil zu bilden über das, was die Eigentümlichkeit dieser Geisteswissenschaft oder Theosophie ist, so kann man als Außenstehender sich sehr leicht das in einem gewissen Sinne berechtigte Urteil bilden, daß Geisteswissenschaft etwas ist, was hohe Ideale vor die menschliche Seele hinzaubert: Ideale, die zu gewissen Erkenntnissen hinneigen — vielleicht wird der Außenstehende sagen zu vermeintlichen Erkenntnissen — über die Menschenseele, über Natur und Geist. Und man wird sich als Außenstehender sagen: Nun ja, diese Ideen, diese Erkenntnisse sind ja sehr schön, sie befriedigen die nach innerer Gewißheit sich sehnende Menschenseele, und so ist es begreiflich, daß viele aus diesem Durst heraus sich zur Theosophie bekennen. — Und wenn diejenigen, die in der Geisteswissenschaft etwas zu sagen haben, zum Ausdruck bringen, was sie wissen über die Welt der Erscheinungen und über das hinausgeht, was unsere — von der Geisteswissenschaft bewunderte — Naturwissenschaft zu sagen hat, da mag der Außenstehende sich sagen: Ja, was der Geisteswissenschafter über die Naturerscheinungen zu sagen hat, das klingt phantastisch. — Das phantastische Element ist etwas, was dem Außenstehenden zunächst auffallen muß. Wer in der Geisteswissenschaft drinsteht, der wird es ungeheuer begreiflich finden, daß der Außenstehende soviel Phantastik in der Geisteswissenschaft findet. Wer recht auf dem Boden der Naturwissenschaft stehen will, kann eigentlich nur sagen: Ich kann damit nichts anfangen. — Das kann man ganz gut verstehen. Betrachten wir jetzt im Vergleich dazu einen solchen Menschen, der etwas tiefer eingedrungen ist in die Theosophie, der sich bekannt gemacht hat mit dem, was sich der strebenden Seele wirklich darbietet, der sich unterrichtet hat über das, was Menschenseele und Menschengeist sind, betrachten wir ihn im Gegensatz zu dem anderen Menschen, so können wir in ihm Gefühle ganz anderer Art aufsteigen sehen. Ein solcher Mensch kann den Blick auf das richten, was unsere heutige Gegenwart aus ihren naturwissenschaftlichen Anschauungen heraus über Aufgabe, Ziel, Wert des geistigen Lebens und dessen Eingreifen in die praktische Arbeit zu sagen hat. Und da kommt es demjenigen, der in der Geisteswissenschaft darinnensteht, manchmal wirklich auch recht phantastisch vor, was die materialistische Gesinnung über einzelne Zweige des geistigen Lebens zu sagen hat. Man braucht nur auf einzelnes hinzuhorchen, was auf dem Gebiet der Erziehung, der Pädagogik geboten wird. Das kommt dem Geistesforscher vor wie eine Summe von Phrasen, von leeren Worten; man kann im weiten Umfange dessen, was pädagogische Kulturbestrebungen sind, Umschau halten und wird finden, daß da allerlei schöne Worte figurieren. Wer hätte nicht schon das Wort gehört, man solle alles vermeiden, was ein Hineinpfropfen in die Menschenseele sei, denn es handle sich doch um die Ausbildung der menschlichen Individualität. Wer aber vermag andere als phantastische, leere Worte zu sagen, wenn er nicht in richtige Anschauungen fassen kann, was die menschliche Individualität ist. Die materialistische Wissenschaft nimmt sich gegenüber der Geisteswissenschaft wie eine Summe von Abstraktionen aus; sie erscheint als etwas Unrealistisches. Und wenn Sie sich nicht überzeugen können, daß Geisteswissenschaft nicht nur Lebenspraxis zu pflegen hat, sondern daß sie realistisch den Dingen auf den Grund zu sehen imstande ist, [so verkennen Sie die Bedeutung einer wirklichkeitsgemäßen Erkenntnis für die Lebenspraxis].

[ 1 ] Ladies and gentlemen! If one were to consider today—perhaps as an outsider—the spirit and way of thinking of spiritual science—or, as it is commonly called, theosophy—and attempts to form a judgment, based on the conceptual habits of our time, about what constitutes the distinctive character of this spiritual science or theosophy, then as an outsider one can very easily arrive at the judgment—which is, in a certain sense, justified—that spiritual science is something that conjures up lofty ideals before the human soul: ideals that point toward certain insights—perhaps the outsider will say, supposed insights—concerning the human soul, nature, and the spirit. And as an outsider, one might say to oneself: Well, these ideas, these insights, are indeed very beautiful; they satisfy the human soul’s longing for inner certainty, and so it is understandable that many, driven by this thirst, profess their belief in theosophy. — And when those who have something to say in spiritual science express what they know about the world of phenomena—and what goes beyond what our natural science (which spiritual science admires) has to say—the outsider may say to himself: Yes, what the spiritual scientist has to say about natural phenomena sounds fanciful. — The fantastical element is something that must strike the outsider first and foremost. Anyone immersed in spiritual science will find it utterly understandable that the outsider perceives so much fantasy in spiritual science. Anyone who wishes to stand firmly on the ground of natural science can really only say: “I can’t make sense of this.” — That is quite understandable. Let us now consider, by way of comparison, a person who has delved somewhat deeper into theosophy, who has familiarized themselves with what truly presents itself to the striving soul, who has educated themselves about what the human soul and the human spirit are; if we contrast this person with the other, we can see feelings of a completely different kind welling up within them. Such a person can turn their gaze to what our present age, based on its scientific views, has to say about the purpose, goal, and value of spiritual life and its role in practical work. And to those deeply immersed in spiritual science, what the materialistic mindset has to say about individual branches of spiritual life sometimes really does seem quite fanciful. One need only listen to what is being proposed in the field of education and pedagogy. To the spiritual researcher, this seems like a collection of clichés, of empty words; one can survey the broad scope of what constitutes pedagogical cultural endeavors and will find that all manner of fine words feature prominently there. Who has not heard the saying that one should avoid anything that amounts to forcing ideas into the human soul, since the goal is, after all, the development of human individuality? But who can say anything other than fanciful, empty words if they cannot grasp, through correct insights, what human individuality actually is? Compared to spiritual science, materialistic science appears as a sum of abstractions; it seems unrealistic. And if you cannot convince yourself that spiritual science is not only concerned with cultivating practical life, but that it is capable of realistically getting to the bottom of things, [then you are misjudging the significance of knowledge grounded in reality for practical life].

[ 2 ] Wenn wir über das heranwachsende Kind, dem gegenüber wir eine Erziehungsaufgabe haben, nachsinnen mit den Vorstellungen der Geisteswissenschaft, dann überkommt uns gegenüber diesem Kinde, wie es sich in das Leben hineinfindet, das Gefühl, daß wir in diesem Wesen ein heiliges Rätsel vor uns haben, das wir nur mit tiefer Ehrfurcht zu lösen vermögen. Wir ahnen in jeder heranwachsenden Seele, daß in ihr etwas steckt, was sich unterscheidet von allem, was wir sehen. Wir ahnen ein Unbekanntes im werdenden Menschen, und wir haben recht. Unsere Scheu und Ehrfurcht können gar nicht groß genug sein, wenn wir der Erziehung des Kindes gegenüberstehen, und die Demut vor jedem Wesen, das uns immer wie ein neues Rätsel entgegentritt, kann auch nicht groß genug sein. Ich würde es nicht wagen, darüber zu sprechen, wenn ich mich ausschließlich mit Geisteswissenschaft beschäftigt hätte. Ich wage aber darüber zu sprechen, weil ich während fünfzehn Jahren als Erzieher die heiligen Rätsel selbst gefühlt habe.

[ 2 ] When we reflect on the growing child—whose education is our responsibility—through the lens of spiritual science, we are overcome by the feeling, as this child finds its way into life, that we are faced with a sacred mystery in this being, one that we can only unravel with deep reverence. We sense in every growing soul that there is something within it that differs from everything we see. We sense something unknown in the developing human being, and we are right. Our reverence and awe cannot be great enough when we face the task of raising a child, nor can our humility before every being that always presents itself to us as a new mystery be great enough. I would not dare to speak of this if I had devoted myself exclusively to spiritual science. But I dare to speak of it because, during my fifteen years as an educator, I have felt these sacred mysteries myself.

[ 3 ] Es ist kinderleicht, vom Standpunkt des modernen Menschen aus vielleicht nicht nur zu spotten, sondern auch mit dem Schein des Rechts die phantastische Idee von der Wiederverkörperung des Menschen zu widerlegen, die Idee vom Wiedererscheinen der Menschenseele in einem neuen Leben. Heute soll von dieser Idee der Wiederverkörperung nur gesprochen werden, indem darauf hingedeutet wird, daß unsere Seele, die heute in unserem Leibe die Zeit zwischen Geburt und Tod durchlebt, schon oftmals das Leben durchgemacht hat und daß wir das heutige Leben als Ursache durchleben, um später die Wirkungen und Früchte zu erfahren. Theoretisch zu widerlegen ist diese Idee leicht. Die Sache nimmt sich anders aus, wenn man in der praktischen Erziehungstätigkeit darinnensteht und mit den richtigen Gefühlen die Kindesseele heranwachsen sieht, wie sie sich entwickelt von Woche zu Woche, von Jahr zu Jahr. Wenn man mit der Voraussetzung darangeht, daß man richtig erziehen will, muß man sich sagen: Du mußt in das eingreifen, was seit Jahrtausenden angelegt ist. — Und wenn man von diesem Gesichtspunkt aus jede Äußerung des Kindes betrachtet und jede Maßnahme trifft, dann sieht man, wie fruchtbar die Erziehung wirkt. Wer die Gesetze des sogenannten logischen Widerlegens kennt, weiß, wie wenig eine theoretische Widerlegung besagt. Aber wenn man wirkt im Sinne dieser Anschauung, dann spürt man ihre Wahrheit.

[ 3 ] From the perspective of modern man, it is child’s play—perhaps not only to mock but also, with the semblance of righteousness, to refute the fantastical idea of human reincarnation, the idea of the human soul reappearing in a new life. Today, we shall speak of this idea of reincarnation only by pointing out that our soul, which is currently living out the time between birth and death in our body, has already lived through many lives, and that we are living through this present life as a cause in order to later experience its effects and fruits. It is easy to refute this idea theoretically. The matter takes on a different aspect when one is immersed in the practical work of education and observes, with the right feelings, the child’s soul growing and developing from week to week, from year to year. If one approaches this with the intention of educating properly, one must tell oneself: You must intervene in what has been laid down over millennia. — And when one views every expression of the child and takes every measure from this perspective, one sees how fruitful education is. Anyone familiar with the laws of so-called logical refutation knows how little a theoretical refutation actually means. But when one acts in accordance with this view, one senses its truth.

[ 4 ] Nun steht man allerdings vor einer eigentlich recht schwierigen Aufgabe, wenn man überschauen will, was in der werdenden Kindesseele heranwächst. Die rein äußeren Tatsachen weiß ein jeder. Aber wer hätte es nicht im Leben erfahren, wie ohnmächtig der Erzieher oftmals ist, wenn durch Gesetze oder durch Forderungen der Eltern von außen her gewisse Aufgaben gestellt werden, wie ohnmächtig er sich fühlt, wenn die gestellten Aufgaben den Anlagen und der Begabung widersprechen, die im Kinde veranlagt sind. Wer hätte es nicht gefühlt im Leben und gesehen, daß wir oftmals mit der größten Mühe nichts ausrichten können, wenn uns nicht die Begabung des Kindes entgegenkommt. Wie oft zeigt uns das Leben, wie ohnmächtig wir sind, nicht nur wegen der mangelnden Begabung des Kindes, sondern auch wegen mangelnder Erkenntnis.

[ 4 ] However, one is actually faced with a rather difficult task when trying to grasp what is developing within the soul of the unborn child. Everyone is aware of the purely external facts. But who among us has not experienced in life how powerless the educator often is when certain tasks are imposed from the outside by laws or by the demands of parents—how powerless he feels when the tasks assigned contradict the child’s innate dispositions and talents? Who among us has not felt and seen in life that, no matter how hard we try, we often cannot achieve anything if the child’s natural gifts do not align with our efforts? How often does life show us how powerless we are—not only because of the child’s lack of natural gifts, but also because of our own lack of insight.

[ 5 ] Wir haben versucht, das Kind zu erziehen; es zeigt sich aber nicht sogleich, wenn wir es falsch erzogen haben. Wenn wir einen Zögling in seinem späteren Leben verfolgen, dann zeigt sich uns oft etwas Eigentümliches, dann zeigt sich nämlich, daß er Begabung und Anlagen später unter schwierigen Kämpfen herauspressen muß aus seiner Seele. Und wir merken: Hätten wir diese erkannt, dann wären wir ihm ein Helfer geworden, wir hätten ihm manche Mühe erspart bei dem, was erst später hat zustande kommen können. Und wir merken, wie notwendig es ist, den Blick auf diese schwierige Frage zu richten: Wie steht es mit den Anlagen und der Begabung des Kindes, und wie haben wir uns zu stellen gegenüber den Erziehungsaufgaben?

[ 5 ] We have tried to educate the child; however, it is not immediately apparent when we have educated him or her incorrectly. When we follow a student’s later life, we often notice something peculiar—namely, that he or she must later wrest talent and aptitude from his or her soul through difficult struggles. And we realize: Had we recognized these, we would have been a source of support for him; we would have spared him much effort in achieving what only came to fruition later. And we realize how necessary it is to focus our attention on this difficult question: What is the state of the child’s aptitudes and talents, and how should we approach the tasks of education?

[ 6 ] Schon diesen Grundfragen gegenüber herrscht heute begreiflicherweise Unklarheit, denn es gibt heute bei den Menschen weithin wirkende suggestive Vorstellungen, suggestive Begriffe, die mit begreiflicher Notwendigkeit wie betäubend auf die Menschen wirken, und solche Begriffe leiten die ganze menschliche Gesinnung. Ein solcher Begriff ist der Begriff der Vererbung. Wer würde nicht zunächst, wenn er von Anlagen und Begabung des Kindes spricht, denken: Was ist davon vererbt von den Eltern und Vorfahren? — Ich habe hier schon darauf aufmerksam gemacht, daß Goethe einmal in einer sehr begreiflichen Bescheidenheit die Worte aussprach, die aber doch aus tieferen Erkenntnissen rühren:

[ 6 ] Even regarding these fundamental questions, there is understandably a great deal of confusion today, for there are widely held, suggestive ideas and concepts that, with understandable inevitability, have a numbing effect on people, and such concepts guide the entire human mindset. One such concept is that of heredity. Who, when speaking of a child’s predispositions and talents, would not first think: What of this has been inherited from the parents and ancestors? — I have already pointed out here that Goethe once, with very understandable modesty, uttered the following words, which nevertheless stem from deeper insights:

Vom Vater hab’ ich die Statur, Des Lebens ernstes Führen, Von Mütterchen die Frohnatur Und Lust zu fabulieren.

From my father I inherited my build, A serious approach to life, From my dear mother, her cheerful nature And a love of storytelling.

[ 7 ] Und nachdem er noch einige Vererbungsverhältnisse zum Ausdruck bringt, schließt er mit den Worten:

[ 7 ] And after discussing a few more inheritance arrangements, he concludes with the words:

Was ist nun an dem ganzen Wicht

Original zu nennen?

So what exactly about all this

can be called “original”?

[ 8 ] Darauf hat die Nachwelt zum Teil schon geantwortet, und darauf wird noch eine spätere Nachwelt antworten.

[ 8 ] Future generations have already provided some answers to this, and future generations yet to come will provide further answers.

[ 9 ] Wer sich ein wenig mehr als zwanzig Jahre mit Goethe beschäftigt hat, hat wohl ein Recht, darüber unbefangen zu sprechen. Allen Respekt vor dem Frankfurter Ratsherrn, von dem Goethe «die Statur, des Lebens ernstes Führen» geerbt hat! Und wenn man der Mutter bewegliche, liebevolle Art sieht, das Leben anzuschauen und mit den Menschen umzugehen, dann merkt man auch, was Goethe von dem sagen will, was er von der Mutter geerbt hat, «die Frohnatur und Lust zu fabulieren». Versuchen Sie, all das zusammenzuaddieren, und schauen Sie, was dabei herauskommt. Wenn man all das Vererbte addiert und überdenkt, wird man finden: Gerade das, was Goethe nicht erben konnte, war das Wirksame — das war der eigentliche Goethe selbst, das war dasjenige, was die leitenden Mächte hereinströmen ließen. Diese benutzten das Ererbte, das sich ihnen darbot, um [das Besondere an ihm] zum Ausdruck zu bringen.

[ 9 ] Anyone who has studied Goethe for a little more than twenty years surely has the right to speak about him impartially. With all due respect to the Frankfurt councilman from whom Goethe inherited “the stature and serious conduct of life”! And when one observes his mother’s lively, affectionate way of looking at life and interacting with people, one also realizes what Goethe means when he speaks of what he inherited from his mother: “her cheerful disposition and delight in storytelling.” Try to add all of this up and see what comes of it. When one adds up and reflects on all these inherited traits, one will find: precisely what Goethe could not inherit was what was effective—that was the true Goethe himself; that was what the guiding forces allowed to flow in. These forces used the inherited traits that presented themselves to them to express [what was unique about him].

[ 10 ] Und wie bei großen, bedeutenden Menschen, so ist es bei jedem einzelnen. Man kommt nicht zurecht, wenn man alles auf Vererbung zurückführen will und nicht Rücksicht nimmt auf die Individualität, die sich entfaltet nach ihren eigenen Gesetzen. Für den, der dieses Leben unbefangen betrachtet, wird die Frage, wie sich das, was wir zurückführen dürfen auf die Vorfahren, was sichtlich da ist, zum Individuellen verhält, keineswegs einfacher. Was vererbt ist, leugnet die Geisteswissenschaft nicht. Aber wie stellt sich Geisteswissenschaft zu dem, was sich hineinbegibt in das Vererbte? Man kann Vererbung schließlich überall sehen. Es gibt Leute, die sagen, wenn neue Eigenschaften auftreten, die wir nicht bei den Ahnen finden, könne man noch immer an Vererbung denken, denn die Anlagen, die man geerbt habe, seien vielleicht bei den anderen Ahnen veranlagt gewesen, nur hätten diese keine Gelegenheit gehabt, sie auszubilden. Das ist etwas, was oft gesagt wird. Wenn man so spricht, dann hat man wirklich einen recht vagen Begriff von Anlagen. Das ist nicht realistisch; Begriffe hineinträumen kann man überall. Solche Menschen kommen mir vor wie einer, der sagt: Die Anlage, einem Menschen auf den Kopf zu fallen, hat jeder Ziegelstein. — Nur muß eben ein Mensch da sein, [auf den der Ziegelstein fallen kann]. Wer realistisch denkt, kann in solcher Weise nicht von Anlagen sprechen.

[ 10 ] And just as it is with great, significant individuals, so it is with every single person. One cannot make sense of it all if one tries to attribute everything to heredity and fails to take into account the individuality that unfolds according to its own laws. For those who view this life with an open mind, the question of how what we may attribute to our ancestors—what is visibly present—relates to the individual is by no means any simpler. Spiritual science does not deny what is inherited. But how does spiritual science view what is woven into the inherited? After all, heredity can be seen everywhere. There are people who say that when new characteristics appear that we do not find in our ancestors, one can still think in terms of heredity, because the predispositions one has inherited may have been present in other ancestors, only they had no opportunity to develop them. This is something that is often said. When people speak this way, they really have a rather vague notion of predispositions. That is not realistic; one can project concepts onto anything. Such people strike me as someone who says: Every brick has the predisposition to fall on a person’s head. — Only there has to be a person there [onto whom the brick can fall]. Anyone who thinks realistically cannot speak of predispositions in this way.

[ 11 ] Es ist die Aufgabe der wirklichen Pädagogik, das, was vererbbar ist, rein loszuschälen von dem, was nicht vererbbar ist. Im Grunde könnte man sich schon — weil es heute beliebt ist, ins Tierreich hineinzusteigen — ein Bild machen von der Vererbung. Im Hühnerei steckt darin, was da an Vererbtem ist, aber es muß von außen Wärme dazu gegeben werden. So sehen wir, daß eine wesentliche Grundbedingung die Wärme ist, die nicht im Keime selbst darin liegt. Dennoch zeigt eine oberflächliche Betrachtung, daß bei den Tieren die Dinge vererbbar sind, während beim Menschen ganz sicher auch von nichtvererbbaren Dingen gesprochen werden muß. Denken Sie daran, wie beim Tier zweifellos das, was wir Instinkt nennen, von vornherein da ist, und zwar sichtlich so, daß es in der Vererbungslinie liegen muß; und das Tier ist dadurch ein Gattungswesen, daß es alle die Eigenschaften vererbt, die ihm, zum Beispiel in bezug auf Geschicklichkeit, reichlicher als dem Menschen zukommen. In dieser Beziehung ist der Mensch schlechter dran als das Tier. Der Mensch neigt dazu, wenn er demütig ist, die Begriffe nach der Demut zu drehen, oder wenn er hochmütig ist, nach der Seite der Hochmut zu drehen. Und wenn er hochmütig ist, dann ist er geneigt zu sagen, die Tiere stünden weit unter dem Menschen. In solch absolutem Sinne gilt das nicht. Jeder kann es nachlesen, wie sich die Kultur entwickelt hat, wie lange die menschliche Intelligenz gebraucht hat, um zum Beispiel zur Papierherstellung zu kommen. Die Wespen haben das Papier schon lange gemacht. So können wir, wenn wir eingehen auf das Tierreich, die Betätigung der Intelligenz einfach aus den Instinkten heraus unmittelbar verwirklicht sehen. Man könnte daraus den Schluß ziehen, daß der Mensch eigentlich nicht intelligenter ist als das Tier.

[ 11 ] It is the task of true pedagogy to clearly distinguish what is hereditary from what is not. In fact, since it is popular today to explore the animal kingdom, one could already form a picture of heredity. A chicken egg contains what is hereditary, but heat must be supplied from the outside. Thus we see that heat is an essential prerequisite, one that does not lie within the embryo itself. Nevertheless, a superficial observation shows that in animals, certain traits are hereditary, whereas in humans we must certainly also speak of non-hereditary traits. Consider how, in animals, what we call instinct is undoubtedly present from the very beginning—and so clearly so that it must lie within the line of inheritance; and the animal is a species-being in that it passes on all the characteristics that it possesses in greater abundance than humans do, for example, in terms of dexterity. In this respect, humans are at a disadvantage compared to animals. When humans are humble, they tend to interpret concepts in terms of humility; when they are arrogant, they tend to interpret them in terms of arrogance. And when they are arrogant, they are inclined to say that animals are far inferior to humans. In such an absolute sense, this is not true. Anyone can read about how civilization has developed and how long it took human intelligence to arrive at, for example, the production of paper. Wasps have been making paper for a long time. Thus, when we turn our attention to the animal kingdom, we can see the exercise of intelligence being realized directly through instinct. One might conclude from this that humans are not actually any more intelligent than animals.

[ 12 ] Gewisse Dinge kann der Mensch gar nicht erben. Jeder wird zugeben, daß die Kunst, ein Wespennest zu bauen, vererbt ist. Aber keiner sollte daran zweifeln, daß ein Mensch, der in eine Einöde versetzt ist, niemals zu Sprache und zu Selbstbewußtsein kommt. Sprache und menschliches Selbstbewußtsein lassen sich nicht vererben; sie gehen nicht über in die Kräfte, die innerhalb der Vererbungslinie liegen, sie müssen immer neu gelernt werden. So lehrt der äußere Augenschein, daß die wichtigsten Dinge nicht wie beim Tierreich zu beurteilen sind. Dennoch: Wer wollte es leugnen, daß allerdings Dinge vorhanden sind, die vererbt werden? Wer wollte das leugnen? Wenn Schopenhauer sagt, daß er vieles von dem, was seine Denkernatur ist, von der Mutter geerbt habe, und das, was Willensnatur ist, vom Vater — wer wollte leugnen, daß darin etwas Wichtiges und Wahres liegt, wenn es auch schief ausgedrückt ist. So sehen wir den Menschen, wie er tatsächlich mit vererbten Merkmalen ins Dasein tritt, und wir haben die Aufgabe, nun von diesen vererbten Merkmalen das zu unterscheiden, was nicht vererbbar ist. Das zeigt die Erfahrung. Nun könnte jemand sagen: Das wollen wir gern zugeben: Sprache und Selbstbewußtsein lassen sich nicht vererben, aber da brauchen wir gar nicht so subtil zu unterscheiden, denn das regelt sich schon von selbst; wenn der Mensch in ein bestimmtes Sprachgebiet hineingeboren wird, dann wird es sich einfach ergeben, [daß er diese Sprache spricht].

[ 12 ] There are certain things that humans simply cannot inherit. Everyone will admit that the art of building a wasp nest is inherited. But no one should doubt that a person who is cast into a wilderness will never acquire language or self-awareness. Language and human self-consciousness cannot be inherited; they are not transmitted through the forces inherent in the hereditary line; they must always be learned anew. Thus, outward appearances teach us that the most important things are not to be judged as they are in the animal kingdom. Nevertheless: Who would deny that there are indeed things that are inherited? Who would deny that? When Schopenhauer says that he inherited much of his intellectual nature from his mother and his volitional nature from his father—who would deny that there is something important and true in this, even if it is expressed awkwardly? Thus we see that human beings actually come into existence with inherited traits, and our task is now to distinguish, from among these inherited traits, what is not inheritable. Experience shows this. Now someone might say: We are happy to admit that—language and self-consciousness cannot be inherited—but we don’t need to make such a subtle distinction, because that regulates itself; if a person is born into a particular linguistic region, then it will simply follow [that he speaks that language].

[ 13 ] Gibt es nun aber vielleicht unvererbbare Merkmale, die wir erst herausholen müssen aus tieferen Quellen der menschlichen Individualität? Da ist es nun nicht ganz so leicht, diese im menschlichen Wesenskern liegenden Anlagen und Begabungen, die nicht auf Vererbung beruhen, zu unterscheiden von den vererbten Eigenschaften. Gewiß ist es Vererbung, wenn aus der Familie Bach sieben Musiker hervorgehen. Aber dennoch, wer praktisch an die Erziehung herangeht, wird nicht anders können, als den inneren Wesenskern herauszusondern aus dem, was sich vererbt. Da muß man sich völlig klar sein darüber, wie sich die Vererbungsverhältnisse ins Leben stellen. Wir sehen, wenn ein Kind ins Dasein tritt, daß es mehr dem Vater oder mehr der Mutter ähnlich ist, daß es gewisse Eigenschaften hat, die auf die Mutter, gewisse Eigenschaften, die auf den Vater hinweisen. Wer unbefangen das Leben betrachtet, wird bald merken, daß in der Tat ein Unterschied ist zwischen dem, was sich vom Vater, und dem, was sich von der Mutter auf die Kinder überträgt. Natürlich vermischen sich die Verhältnisse, aber man kann doch unterscheiden, was mütterlicher und was väterlicher Anteil ist. Und wenn man tiefer hineinschaut, zeigt sich klar, wie sich die beiden Anteile verteilen: Es zeigt sich, daß alles, was wir sehen an vererbten Merkmalen und was sich bezieht auf die Qualität der Intelligenz oder der Urteilsfähigkeit, auf die Beweglichkeit der Intelligenz oder der Urteilsfähigkeit, auf irgendwelche Eigenschaften der Mutter zurückführen läßt. Und diejenigen Eigenschaften, welche man dahingehend zusammenfassen kann, daß man sagt: Die Festigkeit des Charakters, die Stärke und die Kraft, sich ins Leben hineinzustellen, alles, was bei Sohn und Tochter willensartiger Natur ist, das führt auf Eigenschaften des Vaters zurück. Ich sage nicht, es führt die Intelligenz des Kindes auf die Intelligenz der Mutter zurück, sondern ich sage, die Intelligenz des Kindes führt auf Eigenschaften der Intelligenz der Mutter zurück, und die Festigkeit des Charakters des Kindes führt auf Eigenschaften des Charakters des Vaters zurück.

[ 13 ] But are there perhaps non-hereditary traits that we must first draw out from the deeper sources of human individuality? It is not quite so easy to distinguish these dispositions and talents—which lie at the core of human nature and are not based on heredity—from inherited characteristics. Certainly, it is heredity when seven musicians emerge from the Bach family. Yet anyone who takes a practical approach to education will have no choice but to separate the inner core of being from what is inherited. One must be completely clear about how hereditary factors manifest themselves in life. We see, when a child is born, that it resembles the father more or the mother more, that it has certain characteristics that point to the mother and certain characteristics that point to the father. Anyone who observes life with an open mind will soon notice that there is indeed a difference between what is passed on to the children from the father and what is passed on from the mother. Of course, the influences intermingle, but one can still distinguish between what is of maternal origin and what is of paternal origin. And when one looks more deeply, it becomes clear how the two contributions are distributed: It becomes evident that everything we see in terms of inherited traits—and everything related to the quality of intelligence or judgment, to the agility of intelligence or judgment—can be traced back to certain characteristics of the mother. And those qualities that can be summarized by saying: the firmness of character, the strength and the power to face life head-on—everything in a son or daughter that is of a volitional nature—can be traced back to the father’s qualities. I am not saying that the child’s intelligence stems from the mother’s intelligence, but rather that the child’s intelligence stems from certain aspects of the mother’s intelligence, and the child’s strength of character stems from certain aspects of the father’s character.

[ 14 ] Wenn man genauer auf diese Dinge eingeht, zeigt sich bald, daß in bezug auf den Verlauf des elterlichen Lebens wie auch in bezug auf die Eigenschaften des kindlichen Lebens sich doch große Unterschiede zeigen, namentlich in bezug darauf, ob ein Kind sozusagen ein frühes Kind der Ehe ist oder ein spätes. Wenn es später geboren ist, da zeigt es dem Erzieher ganz andere Beziehungen zu den Eltern, als wenn es im Jugendalter der Eltern geboren ist. Die Beobachtung zeigt, daß bei Kindern, die spät in der Ehe geboren werden, diejenigen Eigenschaften der Mutter oder des Vaters stärker auftreten, die in gewisser Beziehung sich schon ausgelebt haben im Beruf, und man sieht bei diesen Kindern viel deutlicher den Abdruck der Eltern. Da hat man viel größere Beweglichkeit der Intelligenz, da hat man viel weniger festumrissenen Charakter. Es ist interessant, diese Tatsachen beim Kind in Betracht zu ziehen, denn darauf müssen wir Rücksicht nehmen und uns fragen: Was ist es, was die Vererbung trägt?

[ 14 ] If one examines these matters more closely, it soon becomes apparent that there are, in fact, significant differences both in the course of the parents’ lives and in the characteristics of the child’s life—particularly with regard to whether a child is, so to speak, an “early” child of the marriage or a “late” one. If a child is born later in the marriage, they display a very different relationship with their parents to the educator than if they were born when the parents were still young. Observation shows that in children born late in the marriage, the traits of the mother or father—those that, in a certain sense, have already been fully expressed in their professional lives—are more pronounced, and one sees the parents’ influence much more clearly in these children. There is much greater intellectual flexibility, and the character is much less rigidly defined. It is interesting to take these facts into account when considering the child, for we must bear them in mind and ask ourselves: What is it that heredity carries?

[ 15 ] Es ist die Vererbung ein in der physischen Welt sich vollziehender Vorgang. Was vererbt sich? Es vererbt sich das, was wirklich in die Leiblichkeit hineingegangen ist. Wenn wir sagen, es vererben sich die Eigenschaften der Intelligenz, so müssen wir wissen: Beim Kind tritt das [als vererbt] auf, was an die physische Leiblichkeit gebunden ist, zum Beispiel an das Gehirn. Weil wir dieses sozusagen als Instrument mitbekommen, so ist es natürlich, daß wir vererbbare Merkmale zeigen. Wir erben die intimere Gestaltung der Organe und müssen uns darein fügen. So ist es erklärlich — weil uns die Organe vererbt sind —, daß wir abhängig sind von diesen Organen. Dazu ein etwas grober Vergleich: Wenn man ohne Hand geboren wird, dann sieht man, wie abhängig man davon ist. Es ist im Grunde immer das Körperliche, das in Betracht kommt, wenn von Vererbung gesprochen wird, so wie ich es jetzt getan habe. Und aus dem heraus kristallisiert sich dasjenige, was sich der praktischen Lebensbeobachtung als individueller Kern zeigt, den wir nicht verstehen, wenn wir ihn zurückführen auf Vererbungsverhältnisse.

[ 15 ] Heredity is a process that takes place in the physical world. What is inherited? That which has truly become part of the physical body is inherited. When we say that the qualities of intelligence are inherited, we must understand that in the child, what appears [as inherited] is that which is bound to the physical body—for example, the brain. Because we receive this, so to speak, as an instrument, it is natural that we exhibit inheritable characteristics. We inherit the inner structure of our organs and must adapt to it. Thus it is understandable—because our organs are inherited—that we are dependent on them. Here is a somewhat crude comparison: If one is born without a hand, one sees how dependent one is on it. Essentially, it is always the physical aspect that comes into play when we speak of heredity, as I have just done. And from this crystallizes what appears to practical observation of life as an individual core—one that we do not understand when we trace it back to hereditary factors.

[ 16 ] Das Kind tritt mit einer gewissen Beweglichkeit seiner Intelligenz, seiner Urteilsfähigkeit auf. Wir blicken auf die Mutter und müssen sagen: Da sind die Ursprünge. — Wir studieren den Charakter des Kindes, indem wir auf den Vater blicken, und erhalten so Aufschluß über den kindlichen Charakter. Aber dann bleibt etwas Sonderbares als Rest — und das ist das Wichtigste für den Erzieher. Nur wenn er das in Einklang bringt mit der Vererbung, dann kann alles, [was in der Erziehung geschieht], von Erfolg sein. Was sich heranbildet an Urteilen, hat Eigenschaften, die auf die Mutter zurückweisen. Aber innerhalb dieser Artung der Urteilsfähigkeit sind Hinweise vorhanden auf ganz bestimmte Lebenssphären, die nicht auf die Mutter zurückzuführen sind. Innerhalb der Eigenschaften der Mutter zeigt uns der eine zum Beispiel die Hinneigung zur Musik, der andere die Hinneigung zur Mathematik. Und es zeigt sich als großer Fehler, wenn wir die Intelligenz überall hingelenkt sehen wollten. Die Artung der Intelligenz ist vererbbar, aber die bestimmte Richtung, die Begabung für dieses oder jenes enthüllt sich zwar aus der Artung der Intelligenz heraus, aber sie ist nicht vererbbar. Uns als Erzieher bleibt die Aufgabe, hinzuschauen auf die Mutter und zu begreifen die Beweglichkeit der Intelligenz, zum Beispiel warum das Kind langsam oder schnell denken muß. Aber es bleibt uns noch zu verstehen die Hinneigung auf dieses oder jenes, auf das spezifisch Individuelle.

[ 16 ] The child displays a certain flexibility of intelligence and judgment. We look at the mother and must say: There lie the origins. — We study the child’s character by looking at the father, and thus gain insight into the child’s character. But then something peculiar remains as a residue—and that is the most important thing for the educator. Only when the educator brings this into harmony with heredity can everything [that happens in the child’s upbringing] be successful. The judgments that develop have characteristics that point back to the mother. But within this type of judgment, there are indications of very specific spheres of life that cannot be traced back to the mother. Within the mother’s characteristics, one child, for example, shows a predisposition toward music, while another shows a predisposition toward mathematics. And it is a grave mistake to assume that we can direct intelligence in any direction we choose. The nature of intelligence is hereditary, but the specific direction—the aptitude for this or that—is revealed through the nature of intelligence, yet it is not hereditary. As educators, our task is to observe the mother and understand the flexibility of intelligence—for example, why the child must think slowly or quickly. But we must also understand the inclination toward this or that, toward what is specifically individual.

[ 17 ] In anderer Beziehung tritt uns die Charakterfestigkeit, die Willenssicherheit als vom Vater vererbtes Merkmal klar entgegen, und das verstehen wir beim Kind, wenn wir auf den Vater blicken. Aber eines können wir so nicht verstehen. Es tritt uns, wie ein Kern sich herauskristallisierend, etwas entgegen: Das ist die Richtung des Interesses, nach dem sich dieser Charakter hinwendet. Wir sehen bei dem einen Kinde diese Interessenrichtung, bei einem anderen jene Interessenrichtung — die sind spezifisch individuell.

[ 17 ] In another respect, the strength of character and firmness of will—traits inherited from the father—are clearly evident to us, and we recognize this in the child when we look at the father. But there is one thing we cannot understand in this way. Something emerges before us, crystallizing like a core: the direction of interest toward which this character is oriented. We see this direction of interest in one child, that direction in another—they are specifically individual.

[ 18 ] Und wenn wir klug vorgehen als Erzieher, dann werden wir fragen: Wie stellen sich die Urteilseigenschaften der Mutter dar und wie die Charaktereigenschaften beim Vater? — Wollen wir aber richtig erziehen, so müssen wir die Interessenrichtung des Charakters kennen und die Richtung der Intelligenz. Man kann das sehr leicht verwechseln. Daher kommt es auch, daß in einer Familie, wo ein Kind besonders nach dem Vater geartet ist, der Vater es schwer hat mit der Erziehung des Kindes. Und umgekehrt, wo das Kind besonders nach der Mutter geartet ist, da hat es die Mutter schwer. Kinder, die besonders nach dem Vater geartet sind, werden leichter von der Mutter erzogen. Kinder, die besonders nach der Mutter geartet sind, werden leichter vom Vater erzogen. Ist ein Kind nach dem Vater geartet, so hat es die Willensimpulse des Vaters; die Interessenrichtung kann der Vater nicht übertragen, aber die Talente treten innerhalb des Gebietes der Mutter auf. Eine Folge ist, daß er auf diesem Gebiet das Kind wenig verstehen wird; das Kind wird sich im Charakter am Vater selber abschleifen, und es werden die Talente am besten durch die Mutter zur Pflege gebracht werden. Ist umgekehrt das Kind nach der Mutter geartet, dann wird es der Mutter schwerfallen, das Interesse zu richten; das wird der Vater können:

[ 18 ] And if we proceed wisely as educators, we will ask: What are the mother’s judgmental traits, and what are the father’s character traits? — But if we want to educate properly, we must know the direction of the character’s interests and the direction of the intellect. It is very easy to confuse these. This is why, in a family where a child takes particularly after the father, the father has a hard time raising the child. And conversely, where the child takes particularly after the mother, the mother has a hard time. Children who take after their father are more easily raised by their mother. Children who take after their mother are more easily raised by their father. If a child takes after the father, it has the father’s impulses of will; the father cannot impart the direction of interests, but the talents manifest within the mother’s sphere. One consequence is that the father will have little understanding of the child in this area; the child’s character will be shaped by the father himself, and the child’s talents will be best nurtured by the mother. Conversely, if the child takes after the mother, the mother will find it difficult to direct the child’s interests; the father will be able to do so:

Es bildet ein Talent sich in der Stille,
Sich ein Charakter in dem Strom der Welt.

Talent takes shape in silence,
Character is forged in the flow of the world.

[ 19 ] Es bilden sich Talente in der Milde der Mutterpflege; es bilden sich Charaktere in der Festigkeit der Vaterpflege. Das ist ein goldener Grundsatz.

[ 19 ] Talents are nurtured by a mother’s tenderness; character is shaped by a father’s firmness. That is a golden rule.

[ 20 ] In der Regel treten uns die Menschen nicht so entgegen, daß sie uns klar eine Mischung der von Vater und Mutter vererbten Eigenschaften darstellen; in der Regel ist es so, daß entweder mehr väterlicher oder mehr mütterlicher Einfluß in den Vordergrund tritt. Daraus ergeben sich für den Erzieher außerordentlich wichtige Grundsätze. Nehmen wir an, das mütterliche Element überwiegt, dann können wir häufig sehen, daß das Kind ganz vorzüglich nach der Mutter geartet erscheint; und leicht wird es sein, in dieser Fülle von Intelligenz die spezifische Begabung zu erraten. Wenn aber das väterliche Element zurückgedrängt ist, dann wird es uns wirklich schwer, in dem zurückgedrängten väterlichen Vererbungsschatz die besondere Interessenrichtung zu finden. Da müssen wir als Erzieher das ansehen, was die Vererbung nicht geleistet hat, wir müssen besonders den Vater ansehen, ob er selbst lässig oder fest ist, und müssen dann dasjenige ersetzen, was in der Vererbung zurückgeblieben ist. Das können wir dadurch, daß wir unseren Blick nach der Gegenseite richten. Die Talente und Fähigkeiten finden wir bald, aber was nicht gegeben ist in der Vererbung, das müssen wir durch Erziehung ersetzen.

[ 20 ] As a rule, people do not present themselves to us as a clear blend of the traits inherited from their father and mother; rather, it is usually the case that either the paternal or the maternal influence comes to the fore. This gives rise to principles of extraordinary importance for the educator. Suppose the maternal element predominates; then we often see that the child appears to take after the mother in an outstanding way, and it will be easy to discern the specific talent within this abundance of intelligence. But if the paternal element is suppressed, then it becomes truly difficult for us to identify the particular area of interest within the suppressed paternal genetic heritage. As educators, we must therefore focus on what heredity has failed to provide; we must pay particular attention to the father—whether he himself is laid-back or steadfast—and then make up for what has been lacking in the child’s genetic makeup. We can do this by directing our attention to the opposite side. We will soon discover the talents and abilities, but what is lacking in heredity, we must make up for through education.

[ 21 ] Was soll der Erzieher machen? Da tritt etwas unendlich Wichtiges ein: Wenn er sieht, daß das, was vom Vater vererbt werden kann, nicht scharf genug ausgeprägt ist, dann muß er darauf hinarbeiten, die Talente, die Begabungen nicht ohne Lenkung sein zu lassen. Er muß darauf hinarbeiten, die Aufmerksamkeit des Kindes auf solche Verrichtungen und Hantierungen zu lenken, welche seinen Talenten entsprechend sind. Es müssen die Talente gebunden werden an äußere Gegenstände. Die Interessen müssen geweckt werden. Ein Kind, das nach der Mutter geartet ist, müssen wir besonders daran gewöhnen, daß es die seinen Talenten entsprechenden Gegenstände in der Umgebung hat, auf die wir seine Aufmerksamkeit lenken. Wir dürfen aber nicht dem Grundsatz folgen: Das Kind hat seine Anlagen, also lassen wir es diesen folgen.

[ 21 ] What should the educator do? Here something infinitely important comes into play: If the educator sees that what can be inherited from the father is not sufficiently well-defined, then he must work to ensure that the child’s talents and gifts are not left to develop without guidance. He must work to direct the child’s attention toward activities and tasks that correspond to his or her talents. Talents must be linked to external objects. Interests must be awakened. A child who takes after the mother must be especially accustomed to having objects in their environment that correspond to their talents, to which we direct their attention. However, we must not follow the principle: “The child has their aptitudes, so let them follow them.”

[ 22 ] Nehmen wir nun an, ein Kind ist besonders nach dem Vater geartet, dann wird es uns schwer, die Talente, die Fähigkeiten, die Begabungen zu erraten. Dagegen tritt uns dann mit außerordentlich starkem Willensimpuls die Interessenrichtung entgegen. Es wird das Interesse in der Stärke der Begierde sich ausleben. Und es ist besonders darauf zu achten, daß wir aus der Interessenrichtung nicht immer auf die richtige Begabung schließen können. In einem solchen Fall müssen wir vor allem unser Augenmerk darauf lenken, daß wir die Interessen in der richtigen Weise studieren. Wenn wir aber Interessen heranreifen lassen, zu denen keine Begabung da ist, so schaden wir dem Kinde. Was sich als Seeleneigenschaft äußert und keiner Begabung entspricht, das schlägt sich in die Seele zurück. Das ist ein fortwährender Krankheitsstoff, das stört das physische Nervensystem. Viele solche Störungen sind darauf zurückzuführen, daß man nicht verstanden hat, die Interessen in Einklang zu bringen mit Begabung und Talenten. Da wird sich zeigen — was außerordentlich lehrreich ist zu sehen —, wie sich gewisse Interessen impulsiv äußern, aber zu Ungeschicklichkeit führen, andere dagegen zu Geschicklichkeit. Darauf wird viel zu wenig geachtet. Aber man sollte sorgfältig unterscheiden zwischen den Interessen. Und dann hat man als Erzieher die Aufgabe, das fernzuhalten, was das Interesse zur Ungeschicklichkeit führen würde.

[ 22 ] Let us now assume that a child takes after his father in particular; in that case, it becomes difficult for us to discern his talents, abilities, and aptitudes. In contrast, his interests then present themselves to us with an extraordinarily strong impulse of will. This interest will manifest itself in the intensity of the child’s desire. And we must be especially careful to recognize that we cannot always infer the correct talent from the direction of the child’s interests. In such a case, we must above all focus our attention on studying the child’s interests in the right way. But if we allow interests to develop for which no talent exists, we harm the child. Whatever manifests as a quality of the soul but does not correspond to any talent reverberates back into the soul. This is a constant source of illness that disrupts the physical nervous system. Many such disorders can be traced to a failure to harmonize interests with talents and aptitudes. It will become apparent—and this is extraordinarily instructive to observe—how certain interests manifest impulsively but lead to clumsiness, while others, on the contrary, lead to dexterity. Far too little attention is paid to this. But one should carefully distinguish between different interests. And then, as an educator, one has the task of keeping at bay whatever would lead that interest toward clumsiness.

[ 23 ] Man kommt am besten zurecht, wenn man sich fragt: Wie ist der Vater, und wie ist die Mutter? — und dann sorgfältig prüft, was sich als Kristallkern innerhalb des väterlichen und des mütterlichen Vererbungsschatzes zeigt. In diesem Sinne können wir sagen, daß das Erziehen wirklich zurückgeführt werden muß auf eine Art Erkenntnis und nicht auf die Phrase: Du mußt harmonisch erziehen! — Oder: Berücksichtige die Individualität! — Ja, wie soll man harmonisch erziehen, wenn man nicht weiß, wohin die Interessen sich wenden? Wie soll man die Individualität betonen, wenn man das spezifisch Individuelle nicht zu finden weiß?

[ 23 ] The best way to handle this is to ask yourself: What is the father like, and what is the mother like? — and then carefully examine what emerges as the crystalline core within the father’s and mother’s genetic legacy. In this sense, we can say that upbringing must truly be grounded in a kind of insight and not in the cliché: “You must raise your child harmoniously!”—or: “Take individuality into account!”—Indeed, how can one raise a child harmoniously if one does not know where their interests lie? How can one emphasize individuality if one does not know how to identify what is specifically individual?

[ 24 ] Nun ist das nur eine Seite der Erziehung. Der Mensch wird nicht um seiner selbst willen in die Welt gestellt, sondern um der Menschheit willen. Wir können nicht bloß auf das Rücksicht nehmen, was im Kind als vererbt erscheint. Der Erzieher wird bald merken, daß mit dem Karmagesetz ein großes, zusammenstimmendes Verhältnis geisteswissenschaftlich ausgedrückt ist. Sie können draußen [in der Natur] leicht beobachten, wie ein Wesen dahin gestellt wird, wo es hingehört. Das Edelweiß wächst nicht in der Tiefebene, sondern auf Berghöhen. Jedes Wesen wächst in sein Milieu hinein und kann nicht dort gedeihen, wo es nicht hineinpaßt. So ist es auch mit dem Menschenkern, der sich hineinstellt in das «Milieu», in das er gehört. Die Dinge stimmen besser zusammen, als man meint. Daher stimmen auch die Talente recht gut mit der Mutter, die Interessen recht gut mit dem Vater zusammen. Dennoch müssen wir den Blick auf etwas anderes richten. Der Mensch ist nicht darauf angelegt, seine eigene Sprache zu sprechen, sondern jene der Gemeinschaft, in die er hineingeboren wird. Das ist das Gattungsmäßige. So bohrt sich durch die gemeinsame Sprache die ganze Art und Weise des Denkens und Empfindens in die Seele hinein.

[ 24 ] Now, this is only one aspect of education. Human beings are not placed in the world for their own sake, but for the sake of humanity. We cannot simply take into account what appears to be inherited in the child. The educator will soon realize that the law of karma expresses a profound, harmonious relationship in spiritual scientific terms. You can easily observe out there [in nature] how a being is placed where it belongs. The edelweiss does not grow in the lowlands, but on mountain peaks. Every being grows into its environment and cannot thrive where it does not fit in. So it is with the human soul, which settles into the “environment” to which it belongs. Things harmonize better than one might think. That is why talents also harmonize quite well with the mother, and interests quite well with the father. Nevertheless, we must turn our attention to something else. Human beings are not designed to speak their own language, but rather that of the community into which they are born. This is what defines the human species. Thus, through the common language, the entire way of thinking and feeling penetrates the soul.

[ 25 ] Das kann man schon im Groben beobachten. Versuchen Sie die Seele eines fränkischen Menschen mit jener eines westpreußischen Menschen zu vergleichen, und versuchen Sie sich klarzumachen, wie die jeweilige Denkungs- und Empfindungsart in ihn hereinwirkt. So ist es mit allem, in das der Mensch artgemäß, gattungsgemäß hineingestellt wird. Wenn wir bewußt erziehen, müssen wir wissen, daß wir den Menschen nicht nur individuell erziehen. Ebenso wenig wie wir ihm die eigene Sprache geben können, können wir als Erzieher für jedes Kind etwas extra machen. Die Menschennatur ist darauf angelegt, daß der Mensch sich einfügt in das, was im Kulturprozesse da ist. Der Mensch muß hineinerzogen werden in das, was der Menschheit angehört; er muß in ihm Wurzel fassen. Wenn wir das beachten, dann werden wir uns sagen: Gegenüber diesen Elementen sind wir anscheinend ganz ohnmächtig. — Wenn wir auf die Begabung sehen und auf die Anforderungen des Lebens, so könnte es uns unmöglich scheinen, Harmonie da hineinzubringen.

[ 25 ] This can already be observed in broad terms. Try comparing the soul of a Franconian with that of a West Prussian, and try to understand how their respective ways of thinking and feeling influence them. This is true of everything into which a human being is placed in accordance with their nature and species. If we educate consciously, we must realize that we are not merely educating the individual. Just as we cannot give a child their own language, we as educators cannot create something special for each child. Human nature is such that a person integrates into what exists within the cultural process. Human beings must be educated into that which belongs to humanity; they must take root in it. If we bear this in mind, we will say to ourselves: In the face of these elements, we seem to be completely powerless. — When we look at a child’s gifts and the demands of life, it might seem impossible to us to bring harmony into this situation.

[ 26 ] [Da kann uns nur die intime Beobachtung des Menschen weiterhelfen]. Ich will Ihnen zwei Kinder schildern, [sie als Beispiele vor Sie] hinstellen. Das eine ist geboren in eine Umgebung, wo ihm eine bestimmte Sprache entgegentritt. Mit dieser ist es aufgewachsen; sie ist Eigentum seiner Seele geworden — ein Teil des ganzen inneren Menschen. Wer nachgedacht hat über die Sprache im Verhältnis zum Menschenwesen, wird wissen: An der Sprache lernt der Mensch nicht nur logisch urteilen, sondern auch empfindend urteilen. Wie zum Beispiel in irgendeiner Sprache der A- oder U-Laut wirkt, das wirkt ungeheuer auf das Empfindungsvermögen der Seele. In der Sprache ist ein «Knochengerüst» für Gefühle und Empfindungen gegeben. Stellen wir neben dieses Kind, das mit seiner Sprache ganz verwoben ist, so daß es in der Sprache nicht nur denken, sondern auch «sein» gelernt hat, ein anderes Kind, das durch Schicksalsfügung gezwungen ist, nachdem es kaum seine Muttersprache gelernt hat, eine andere Sprache zu lernen und sich zu eigen zu machen. Da wird man beobachten, wie sein Seelenleben viel beweglicher, viel weniger in sich gefestigt ist. Ich möchte sagen, eine Sprache, die wie ein «Skelett» der Seele wirkt, gibt robustere Naturen. Eine Sprache, die unsere Seele wie ein «Kleid» trägt, die macht die Seele flüssiger, weniger gefestigt. Die Folge ist, daß die Seele eines solchen Kindes viel leichter affızierbar ist; es kann nicht so robust den äußeren Einflüssen des Lebens entgegentreten.

[ 26 ] [Only a close observation of human beings can help us here]. I would like to describe two children to you, [presenting them as examples]. One was born into an environment where a particular language was spoken. He grew up with this language; it has become part of his soul—a part of his entire inner being. Anyone who has reflected on language in relation to the human being will know: Through language, a person learns not only to judge logically, but also to judge through feeling. For example, the way the “a” or “u” sound functions in any given language has an immense effect on the soul’s capacity for feeling. Language provides a “skeletal framework” for feelings and sensations. Let us place beside this child—who is so intimately interwoven with his language that he has learned not only to think in it but also to “be” through it—another child who, by a twist of fate, is forced, having barely learned his mother tongue, to learn and make his own another language. We will then observe how his inner life is much more fluid, much less firmly grounded within himself. I would say that a language that acts as a “skeleton” for the soul produces more robust personalities. A language that the soul wears like a “clothing” makes the soul more fluid, less firmly grounded. The result is that the soul of such a child is much more easily affected; it cannot face the external influences of life with the same resilience.

[ 27 ] Sehen wir jetzt einmal ab von der Sprache, so kann uns das doch lehren, daß es von großer Wichtigkeit ist für die Erziehung, wenn sich dasjenige, was später Erziehungsgrundsatz und Lebensinhalt ist, anschließt an das Frühere. Alles Sprunghafte in der Erziehung zerstört in ungeheurer Weise das Seelenleben. Es gehört zu den größten Schädigungen des Seelenlebens, wenn man nicht anknüpft an Früheres. Dagegen ist das bewußte Anknüpfen von wunderbarer Wirkung. Wenn Sie ein charakterschwaches Kind haben und Sie setzen sich öfter zu ihm und fangen an, ganz unmerklich von dem zu reden, was es vor drei Jahren gemacht hat — da können Sie viel eher tadeln als in der Gegenwart, da können Sie durch das Hinlenken der Gedanken auf das Frühere das Gegenwärtige stärken. Man kann die größten Fehler machen, wenn man gleich aus Zorn heraus mit Strafen und Maßregeln das Kind anfährt. Wenn die Tat frisch ist, kann man leicht Fehler machen. Das Leben ist nicht widerspruchslos, man kann gar nicht anders als Fehler machen, aber sie lassen sich verbessern. Wenn Sie veranlaßt sind zu strafen, so setzen Sie sich zu dem Kind und reden von einer früheren Ungezogenheit; das Kind ist darüber hinweg und fühlt das Frühere nicht mehr so stark. Die Gefühle stumpfen sich ab, sie gehen einen ganz anderen Weg als Gedanken und Gedächtnis. Es zeigt sich, daß wir das Frühere objektiv besprechen können, und je öfter wir das tun, das Gedächtnis auffrischen und den Blick hinwenden auf Früheres, desto mehr können wir für die Charakterbildung tun.

[ 27 ] If we set aside the question of language for a moment, this can still teach us that it is of great importance for education that what later becomes the guiding principle of education and the purpose of life builds upon what came before. Any abrupt changes in education cause immense damage to the inner life. One of the greatest harms to the inner life is a failure to build upon what has gone before. In contrast, consciously building upon the past has a wonderful effect. If you have a child with a weak character and you sit down with him often and begin, quite imperceptibly, to talk about what he did three years ago—then you can reprimand him much more effectively than in the present moment; by directing his thoughts toward the past, you can strengthen his present behavior. One can make the gravest mistakes when, in a fit of anger, one immediately lashes out at the child with punishments and reprimands. When the incident is fresh, it’s easy to make mistakes. Life is not without contradictions; one cannot help but make mistakes, but they can be corrected. If you feel compelled to punish, sit down with the child and talk about a past misbehavior; the child has moved past it and no longer feels the weight of the past as strongly. Emotions dull over time; they follow a very different path than thoughts and memory. It becomes clear that we can discuss past events objectively, and the more often we do so—refreshing their memory and turning our attention to the past—the more we can contribute to the development of their character.

[ 28 ] Das sind einzelne Regeln, die sich dem unbefangenen Beobachter ergeben. Man braucht allerdings den Blick der Geisteswissenschaft, um die Einzelheiten richtig zu gruppieren. Aber dann kann man das einsehen und wichtige Prinzipien daraus ziehen. Man ist gezwungen, nicht bloß auf das Individuelle zu sehen, sondern auch auf das große Ganze. Dann muß man aber auf den Einklang sehen zwischen der individuellen, einzelnen Natur und der allgemeinen Menschennatur. Man kann dadurch, daß man zurückgeht auf Vergangenes, eine gewisse Sympathie heranziehen. Man wird große Schwierigkeiten finden, den Egoismus des Kindes mit den Forderungen der Umgebung in Einklang zu bringen, aber wenn man zurückgeht auf Erfahrungen von früher, dann merkt man, wie das Kind darauf eingeht. Der Erzieher muß das Frühere mit dem Späteren in Einklang bringen. Er muß darauf sehen, daß dasjenige, was den einzelnen Menschen in Einklang bringen muß mit den Forderungen der ganzen Menschheit, durch Zurückgreifen auf Früheres geschieht. Sie erziehen umso besser, je mehr Sie zurückgreifen auf frühere Erlebnisse des Kindes.

[ 28 ] These are individual rules that become apparent to the impartial observer. However, one needs the perspective of the humanities to correctly group the details. But then one can understand this and derive important principles from it. One is compelled to look not only at the individual, but also at the bigger picture. But then one must look for harmony between the individual, unique nature and general human nature. By looking back to the past, one can cultivate a certain sympathy. One will encounter great difficulties in reconciling the child’s selfishness with the demands of the environment, but if one looks back on earlier experiences, one realizes how the child responds to them. The educator must reconcile the past with the present. They must ensure that what is needed to bring the individual into harmony with the demands of all humanity is achieved by drawing on past experiences. The more you draw on the child’s earlier experiences, the better you will educate them.

[ 29 ] So muß man diese Dinge zusammensuchen, die gut sind für die Kindererziehung. Insbesondere ist es ein Unrecht, wenn man ausgesprochene Begabungen unentwickelt läßt und das Kind damit in fortwährenden Widerspruch mit der Umgebung versetzt. All das sind Krankheitsursachen. Unterdrückte Begabungen und Interessen kriechen hinein ins menschliche Innere und können sich später als seelische Krankheiten erweisen. Wir begehen eine Sünde an der Gesundheit des Menschen, wenn wir seine Anlagen unentwickelt und seine Interessen unbenützt lassen. Und ebenso begehen wir ein Unrecht, wenn wir die Anpassung an die Umgebung unberücksichtigt lassen. Wenn man das nicht tut, dann wirkt das, was als Widerspruch zwischen der Kindesseele und den Forderungen des Lebens auftritt, wie zurückgeschlagen in die Seele und wird als tiefe Unbefriedigung im Leben empfunden. Und bei allen Menschen, die durchs Leben wandeln und immer klagen: Mir ist so schwierig in der Seele —, dann muß der Seelenkenner sich sagen: Ja, da sind Interessen, die berechtigterweise hätten erzogen werden sollen, da sind Begabungen, die hätten entwickelt werden sollen, und das ist verfehlt worden. Und deshalb kommt der Mensch nicht zurecht mit dem Sich-Hineinstellen-ins-Leben und ist unbefriedigt.

[ 29 ] So we must seek out those things that are good for raising children. In particular, it is wrong to leave obvious talents undeveloped, thereby placing the child in constant conflict with their surroundings. All of these are causes of illness. Suppressed talents and interests seep into the human psyche and can later manifest as mental illnesses. We commit a sin against a person’s health when we leave their natural aptitudes undeveloped and their interests unutilized. And we are equally wrong when we fail to take into account the need for adaptation to the environment. If we fail to do this, then what appears as a conflict between the child’s soul and the demands of life is reflected back into the soul and is experienced as a deep sense of dissatisfaction in life. And when it comes to all those people who walk through life constantly lamenting, “My soul is in such turmoil”—then the connoisseur of the soul must say to himself: “Yes, there are interests that should rightfully have been nurtured; there are talents that should have been developed, and this was neglected. And that is why the person cannot come to terms with finding their place in life and remains dissatisfied.”

[ 30 ] Man könnte sehr leicht sagen: Was du erzählst, das geht auf intimere Eigenschaften der Seele aus, die innerhalb der Intelligenz und der Willensrichtung zu entdecken sind. — Aber das sind eben die wichtigsten Dinge für den Erzieher; darin zeigt sich der Seele Kern und darin kann er das meiste Unheil anrichten. Wieso? Was wir heranerziehen an Interessen und Begabungen, führt zunächst zu einer gewissen Beweglichkeit des Urteilens, und mit dreißig Jahren ist es dann Geschicklichkeit der Finger und der Hände. Wenn irgendeiner dreißig Jahre alt ist und etwas ungeschickt anfaßt, so führt das zurück in die Zeit etwa seines siebten Jahres, wo er die Beweglichkeit des Denkens nicht gelernt hat. Und die Teilnahmslosigkeit, die sich dann einstellt, wenn wir nicht die Interessen entwickeln, die zeigt sich als Lässigkeit in allen praktischen Verrichtungen. Vor allem muß man beachten, daß in diesen Eigenschaften eben der individuelle Wesenskern des Kindes zum Ausdruck kommt.

[ 30 ] One could very easily say: What you’re describing pertains to the more intimate qualities of the soul, which can be discovered within intelligence and the direction of the will. — But these are precisely the most important things for the educator; it is here that the core of the soul is revealed, and it is here that he can cause the most harm. Why? The interests and talents we nurture initially lead to a certain agility of judgment, and by the age of thirty, this manifests as dexterity of the fingers and hands. If someone who is thirty years old handles something clumsily, this points back to the time around his seventh year, when he had not yet learned the agility of thought. And the apathy that sets in when we fail to develop these interests manifests itself as carelessness in all practical tasks. Above all, one must note that it is precisely in these qualities that the child’s individual essence is expressed.

[ 31 ] Der Geisteswissenschafter wird empfehlen, daß das Kind beschäftigt wird, aber so, daß es im Spiel geschieht. Warum spielt das Kind, und warum soll es spielen? Ich will etwas aus dem späteren Leben erwähnen. Sie kennen eine Erscheinung im Leben, die Ermüdung. Woher kommt die Ermüdung? Da werden Sie oft die Antwort bekommen, sie zeige sich am Abend, wenn die Muskeln abgenützt sind. Ist es wahr, daß die Muskeln durch ihre eigene Natur in den Zustand der Ermüdung kommen können? Wenn das so wäre, dann müßten die Muskeln, die Ihr Herz bewegen, stillestehen vor Ermüdung. Es liegt nicht in der Natur des Muskels, müde zu werden. Der Muskel tut, was er tun soll; er wird nicht müde. Der Herzmuskel bleibt unbeeinflußt von äußerer Tätigkeit. Ermüdung tritt lediglich dann ein, wenn Sie Ihrem Muskel etwas zumuten, was sich auf die Außenwelt bezieht, was zusammenhängt mit einer bewußten Handlung. Man kann sagen: Ein Nicht-Zusammenstimmen unserer Muskeln mit den Erfordernissen der Außenwelt ruft Ermüdung hervor. Das ist wahr: Die Ermüdung kommt daher, daß die innere Organisation nicht mit der Außenwelt zusammenstimmt. Sie zeigt, daß ein gewisser Widerspruch besteht zwischen der Außenwelt und dem innerlich Organisierten.

[ 31 ] The humanities scholar will recommend that the child be kept occupied, but in a way that happens through play. Why does the child play, and why should it play? I want to mention something from later life. You are familiar with a phenomenon in life: fatigue. Where does fatigue come from? You will often be told that it appears in the evening when the muscles are worn out. Is it true that muscles, by their very nature, can enter a state of fatigue? If that were the case, then the muscles that move your heart would have to come to a standstill from fatigue. It is not in the nature of a muscle to become tired. The muscle does what it is supposed to do; it does not get tired. The heart muscle remains unaffected by external activity. Fatigue occurs only when you ask your muscle to do something related to the outside world—something connected to a conscious action. One could say: A lack of harmony between our muscles and the demands of the external world causes fatigue. This is true: Fatigue arises because the internal organization is not in harmony with the external world. It indicates that a certain contradiction exists between the external world and the internal organization.

[ 32 ] Ich will damit nur auf eines aufmerksam machen: Man muß sich klar sein, daß der menschliche Kulturprozeß keineswegs nur nach den eingepflanzten Gesetzen verlaufen kann, so daß er nur der inneren [Leibes]organisation entspricht. Das Wesen des menschlichen Seelenlebens ist nicht auf die Erhaltung der Art gerichtet, sondern auf die Entwicklung des Seelisch-Geistigen. Da kommen zwei Strömungen zum Ausdruck: der Fortschritt [dieses Seelisch-Geistigen] und das, was innere [Leibes]organisation ist. Es steht geschrieben in den ewigen Gesetzen des Daseins, daß der Mensch die rein organischen Gesetze hinzuopfern hat den geistigen Gesetzen. Wer diese Dinge durchschaut, wird darüber nicht klagen. Er wird es aber begreiflich finden, daß auf der anderen Seite ein Ausgleich notwendig ist. Wir müssen für das Leben gesund vorbereitet werden, so daß wir die äußeren Dinge mit den Händen ergreifen können und über die äußeren Dinge mit dem Gehirn denken können. Es muß ein Ausgleich geschaffen werden, und der wird nur dann geschaffen, wenn wir in gewissen Zeiten in der Lage sind, eine solche Verrichtung zu pflegen, die sich nicht nach der Außenwelt richtet, sondern sich mit der Betätigung selbst begnügt.

[ 32 ] I simply want to draw attention to one thing: We must be clear that the human cultural process by no means can proceed solely according to innate laws, such that it corresponds only to the inner [physical] organization. The essence of human soul life is not directed toward the preservation of the species, but toward the development of the soul-spiritual. Two currents are expressed here: the progress [of this soul-spiritual] and what constitutes inner [physical] organization. It is written in the eternal laws of existence that human beings must sacrifice the purely organic laws to the spiritual laws. Anyone who sees through these things will not complain about them. But they will find it understandable that, on the other hand, a balance is necessary. We must be properly prepared for life so that we can grasp external things with our hands and think about external things with our minds. A balance must be established, and this is achieved only when, at certain times, we are able to engage in an activity that is not directed toward the external world but is content with the activity itself.

[ 33 ] Beim Spiel folgt die innere Menschennatur dem, was hier gefordert wird. Wir tun dem Kind am besten, wenn wir das Spiel individuell gestalten, da bringen wir das Innere zur Stärkung. Wenn man das Spiel schablonenhaft gestaltet, so werden die Menschen schon sehen, was daraus folgt. Man will ja heute alles unter die Schablone bringen, nicht einmal bei der Kleidung will man zugeben, daß sie auf die Individualität hin zugeschnitten wird. Es ist der Grundzug der Gegenwartskultur, daß zum Beispiel selbst jene Menschen, die die ärgsten NietzscheAnhänger, [also die ärgsten Individualisten], sind, sich doch an einer «table d’höte» gemeinsam abspeisen lassen. Das dürfen wir nicht in der Erziehung einfließen lassen, namentlich nicht beim Spiel. Wir müssen das Spiel so einrichten, daß wir individualisieren, daß wir sorgfältig darauf achten, welches die Begabung und Richtung des Interesses dieses oder jenes Kindes ist, sonst begehen wir eine Sünde.

[ 33 ] In play, human nature follows what is called for here. We serve the child best when we tailor play to the individual; in this way, we strengthen the inner self. If play is structured in a formulaic way, people will see for themselves what the consequences are. After all, people today want to fit everything into a mold; not even when it comes to clothing are they willing to admit that it is tailored to individuality. It is a fundamental trait of contemporary culture that, for example, even those who are the most ardent followers of Nietzsche—[that is, the most ardent individualists]—still allow themselves to be served a meal together at a “table d’hôte.” We must not allow this to seep into education, especially not in play. We must organize play in such a way that we foster individuality, that we pay careful attention to the talents and interests of this or that child; otherwise, we commit a sin.

[ 34 ] Das kann uns zur Einsicht führen, daß es für uns als praktische Erzieher notwendig ist, an das Geistige im Kinde zu glauben und nicht an die Muskeln, die die Kraft haben sollen, ihrer Abnützung entgegenzuarbeiten. Das Geistig-Seelische soll selbständig sein beim Spiel, das Materielle soll nicht eingreifen, so daß das Kind im Spiel frei sein kann vom «ermüdenden» Einfluß der Außenwelt. Wenn wir nicht an ein innerlich sich befreiendes Seelenwesen glauben, dann können wir nicht praktisch erziehen. Wenn man aber in dieser Weise wirklich praktisch herangeht, dann kann man noch etwas Bedeutsames einsehen; man wird auch anerkennen können, daß es notwendig ist, im kindlichen Alter frei zu sein von den grob-materiellen Gesetzen der Außenwelt. Je früher diese an das Kind kommen, desto mehr bringen sie das zustande, was nicht eine freie Betätigung im Spiel zuläßt. Das Kindesalter braucht Wahrheiten, die sich nicht sklavisch an das halten, was in der Außenwelt ist, es braucht Wahrheiten, die es mit Herz und Seele umfassen kann. Darum soll man Märchen und Mythen der kindlichen Seele geben; so schafft man Befreiung der Seele durch innere Wahrheiten. Das hat die Menschheit früher aus sicherem Instinkt getan, und in unserer Zeit wird es notwendig sein, darauf mehr Rücksicht zu nehmen.

[ 34 ] This can lead us to the realization that, as practical educators, it is necessary for us to believe in the spiritual aspect of the child and not in the muscles, which are supposed to have the strength to counteract their wear and tear. The spiritual-soul aspect should be independent during play; the physical aspect should not interfere, so that the child can be free from the “exhausting” influence of the outside world while playing. If we do not believe in an inner, self-liberating soul being, then we cannot educate in a practical way. But if one approaches this in a truly practical way, one can gain another significant insight; one will also be able to recognize that it is necessary, during childhood, to be free from the coarse, material laws of the outside world. The earlier these laws are imposed on the child, the more they bring about a situation that does not allow for free activity in play. Childhood needs truths that do not slavishly adhere to what exists in the external world; it needs truths that it can embrace with heart and soul. That is why we should give fairy tales and myths to the child’s soul; in this way, we bring about the liberation of the soul through inner truths. Humanity did this in the past out of a sound instinct, and in our time it will be necessary to give this greater consideration.

[ 35 ] Nun kann man fragen: Ja, wie kommt der Erzieher zu diesen besonderen Talenten? — So schwierig ist die Sache nicht, denn eigentlich gehört in der Hauptsache das zum Erzieher, was ich bereits erwähnt habe, und zwar in ganz umfassendem Maße: die heilige Scheu vor dem, was sich losringen will als individueller Wesenskern des Menschen. Haben wir die heilige Scheu vor dem, was sich seit Jahrtausenden vorbereitet hat und bei dessen Entwicklung wir mithelfen müssen, dann stellt sich ein Verantwortungsgefühl ein, das uns beseligt, das heißt, es hat eine bestimmte Eigenschaft: Es macht uns erzieherisch «genial». Der Erzieher hat oft keine Ahnung, warum er das Richtige tut. Das Kind sagt ihm selbst, was es braucht. Das Notwendige im Erzieherberuf ist die Liebe, die sich dadurch charakterisiert, daß wir das Aufkeimen der Anlagen beim Kinde lieben lernen; und wir werden sehen, was die Liebe im Geiste vermag. Im äußeren Leben mag die Liebe oft blind sein. Wenn die Liebe auf das innere Werden sich bezieht, da wirkt sie seelenöffnend, denn da sitzt hinter dieser Liebe immer ein mächtiger Glaube — der Glaube, der uns wirklich erst fähig macht, das Leben im rechten Sinn zu betrachten, und der uns den Menschen hineingestellt zeigt in eine Welt sowohl des geistigen Lebens wie des sinnlichen Lebens, zwischen denen wir die Verbindung herzustellen haben. Wir sehen im Kinde das Hinuntersteigen des Geistes, die Vermählung des Geistes mit der Leiblichkeit. Und wenn wir im Kinde sehen, wie der Geist sich verbindet mit der Leiblichkeit, dann kann unsere Erziehungstätigkeit zum Ausdruck dessen werden, was wir nennen können den eigentlichen Lebensglauben, der sich ausdrücken darf in den Worten:

[ 35 ] Now one might ask: Yes, how does the educator acquire these special talents? — It is not that difficult, for what I have already mentioned is essentially what defines the educator, and to a very comprehensive degree: a sacred reverence for that which strives to emerge as the individual core of a human being. If we have this sacred reverence for what has been developing over millennia—and in whose development we must assist—then a sense of responsibility arises that brings us joy; that is to say, it has a certain quality: it makes us “genius” educators. The educator often has no idea why he is doing the right thing. The child itself tells him what it needs. What is essential in the teaching profession is love, which is characterized by our learning to love the sprouting of the child’s innate capacities; and we shall see what love can accomplish in the spirit. In outward life, love may often be blind. When love relates to inner development, it opens the soul, for behind this love there is always a powerful faith—the faith that truly enables us to view life in its proper sense, and that reveals to us the human being placed within a world of both spiritual and sensory life, between which we must establish a connection. In the child, we see the descent of the spirit, the union of the spirit with the physical body. And when we see in the child how the spirit unites with the physical body, then our educational work can become an expression of what we might call the true faith in life, which may be expressed in the words:

Es drängt sich an den Menschensinn
Aus Weltentiefen rätselvoll
Des Stoffes reiche Fülle,
Es strömt aus Weltenhöhen
In Seelengründe inhaltvoll
Des Geistes klärend Licht.
Sie finden sich im Menscheninnern
Zu weisheitsvoller Wirklichkeit.

It presses upon human consciousness
Mysteriously from the depths of the world
The rich abundance of matter,
It flows from the heights of the world
Deep into the soul, full of meaning
The clarifying light of the spirit.
They are found within the human being
As a reality full of wisdom.